4. Einladung vom Geist der Liebe : Die Tür ist immer offen für dich – komm so wie du bist

Der innere Meister flüstert Mari und allen, die es sonst noch hören wollen zu:

Mein unendliches Weltenherz
ist dein wahres Zuhause.

Wärme, Sanftmut, Kraft und Güte warten dort auf dich.

Komm heim, mein Schatz,oeffnung
die Tür ist offen…
Komm wie du bist –
auch ungeduscht und ungekämmt.

Du bist willkommen wie du bist –
immer und auch jetzt.

 Kuschle dich ein
in die Schwingen MEINES liebenden Geistes.

Atme MEINEN erfrischenden Hauch.

Zu allen Posts von –> IAM (die Stimme der inneren Meister-Instanz)

01g Eine utopische Heilungsreise: NEUES UND UNGEWISSES

Bei Mari – der Meister erzählt Mari innerhalb ihres Rollenspiels ein utopisches Märchen, eine Fortsetzungsgeschichte von wohlwollenden außerirdischen Meistern zum Thema „Macht – Angst – Vertrauen – Hingabe“

Joel (der die Meisterrolle inne hatte innerhalb des gemeinsamen Rollenspiels mit Mari) hatte sich für die Vorweihnachtszeit eine Märchengeschichte ausgedacht, die in einer fiktiven Zukunft angesiedelt war und um eine Heilungsreise in einem Raumschiff mit außerirdischen Meistern geht. Nachdem Mari sich auf ihrer behaglichen Couch in seinen einladend geöffneten Arm gelehnt hatte, erzählte er das in den letzten Tagen bereits begonnene Märchen weiter:

„Als Carina am dritten Tag im Hause ihres Ausbilders Ramon morgens erwacht, entdeckt sie ein weiteres Briefchen vor ihrer Zimmertür. Gespannt liest sie die Botschaft ihres Meisters:

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Liebe Carina,

auch wenn morgen deine Ausbildungsreise beginnt, vor der du dich noch so fürchtest, brauchst du nicht zu verzweifeln. Ich gehe mit dir an Bord des Raumschiffes und auch durch alle deine Ängste. die jetzt noch zu dir gehören.

Dein Meister Ramon

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Jetzt ist es also soweit’, denkt Carina, und sie fühlt , wie ihr die Tränen in die Augen steigen. Es ist noch früh am Morgen, und sie beschließt, einen kurzen Spaziergang zu machen, um in der kalten Morgenluft ihren heißen Kopf abzukühlen. In der Haustür stehend hört sie hinter sich Ramons Stimme: ”Guten Morgen, Carina, na, schon so früh auf?”

Carina zuckt zusammen. Sie hat nicht erwartet, ihm jetzt schon zu begegnen. “Entschuldigung, ich wollte sie nicht aufwecken”, stammelt sie aufgeregt.

“Du hast mich nicht aufgeweckt“, sagt er freundlich zu ihr. „Ich möchte dir einfach nur sagen, dass du nicht allein bist, und wenn du willst, gehe ich gern mit dir.”

“Ich will Abschied nehmen…” Mit diesen Worten ist es um Carinas Fassung geschehen. Ein hemmungsloses Weinen bricht aus ihr heraus. Ramon legt seinen Arm um ihre Schultern.

Ich weiß, Carina, Abschied nehmen tut oftmals sehr weh”, tröstet er sie mitfühlend. Behutsam führt er sie ins Zimmer, setzt sich mit ihr auf die Couch. 

  “Ja, Carina, lass deinen Tränen freien Lauf, sie lösen den Schmerz und befreien dich von dem Druck der letzten Tage und dem bevorstehenden Abschied.

Carina schluchzt: “Bitte, bitte, lassen sie mich gehen, oder lassen sie uns wenigstens hier bleiben! Ich will nicht fort! Ich mag diese Reise nicht machen! Ich will nicht ins Raumschiff! Ich will das alles nicht. Ich kann nicht…” Ihre Augen flehen ihn an.

“Carina, ich verstehe deine Gefühle, deine große Angst. Doch ich täte dir nicht wirklich einen Gefallen, ließe ich dich gehen, denn hier geht es um mehr, als dir jetzt bewusst ist. Dein Herz, deine Seele, dein göttlicher, wissender Teil von dir wünscht, diese Reise zu machen. Er ist es, der mich gerufen hat, dir dabei zu helfen, dich zu erinnern, wer du wirklich bist. Ich bin hier, um dich zu dir selbst – in dein wahres Zuhause zu bringen.”

Während Ramon in dieser Weise mit Carina spricht, bricht die Mauer, die sie um sich herum gebaut hat, zusammen, und sie beginnt, über ihre Angst-Geschichten zu sprechen. Ramon hört ihr aufmerksam zu und führt sie immer wieder in die Gegenwart zurück: “Schau einmal Carina, was jetzt ist: Heute ist der dritte Tag, an dem du mit mir, einem großen, starken Mann, allein bist in einem abgelegenen Haus, oben in den verschneiten Bergen. Ist dir irgend etwas geschehen, was dir geschadet hat? Ich sage dir immer wieder, sooft du es hören willst: Ich tue dir kein Leid an, weder jetzt, noch später, niemals!” Vorsichtig nimmt er ihre kalte bebende Hand in seine warmen Hände und lässt ihr Kraft, Trost, Geborgenheit, Stärke und Wärme zufließen. Schließlich beruhigt sie sich etwas. 

Beide decken zusammen den Frühstückstisch, stärken sich mit gutem leckeren Essen, und anschließend machen sie einen gemeinsamen  Spaziergang, der sie zur Mittagszeit in ein gemütliches Restaurant führt. Carinas Gedanken sind immer wieder mit dem Geschehenen und mit dem, was noch kommen wird, beschäftigt. Plötzlich fällt ihr ein: “Aber wir sind doch erst drei Tage hier, warum geht es denn jetzt schon ins Raumschiff?” Carina spürt einen leisen Hauch von Hoffnung, vielleicht muss sie morgen doch noch nicht fort? “Carina, du hast schneller einen Kontakt zugelassen, als ich dachte, dass es dir möglich ist“, erklärte Ramon lächelnd. „Es täte dir nur unnötig weh, wenn wir jetzt den Abschied noch hinaus schieben würden. So habe ich im Kontakt mit deiner Seele diese Entscheidung getroffen.”  Seine Stimme klang warm und freundlich wie immer, aber gleichzeitig auch so bestimmt und klar, dass sie spürte, dass alles Diskutieren zwecklos wäre.

Später am Nachmittag überrascht Ramon Carina mit einem Köfferchen voll Fensterfarben, um mit ihr zusammen herrlich leuchtende Folien mit Ornamenten, Symbolen und all den Bildern herzustellen, die Carina gern malen wollte. Die Farben waren zauberhaft und Carina malte eifrig und mit Freude verschiedenste Ornamente und auch Gegenständliches. Carina liebt alles, was mit malen und Farben zu tun hat. “Du kannst die    Farben und Folien mitnehmen, wenn wir morgen ins Raumschiff gehen, sowie auch deinen Adventskalender und das Gesteck, das ich dir geschenkt habe. Alles andere, was du sonst noch brauchst, wirst du an Bord vorfinden”, erklärt Ramon.

‘Na ja’ , denkt Carina, ´woher will er wissen, was ich brauche… Ich kann nur hoffen, dass ich dort einigermaßen versorgt werde!’ Sie malen gemeinsam mit angenehmer Musik im Hintergrund  bis in den späten Abend    hinein, und Carina ertappt sich dabei, dass ihre ganze Konzentration auf die Freude am Tun gerichtet ist, so dass dabei zeitweise ihr Abschiedsschmerz in den Hintergrund rückt. Ramon beobachtet Carina unauffällig – schmunzelnd, ihr eine Beschäftigung    gegeben zu haben, die ihre Aufmerksamkeit total beansprucht.

Müde und erschöpft sinkt sie an diesem letzten Abend sofort in einen tiefen Schlaf, aus dem sie erst spät am nächsten Morgen erwacht. Ramon hat sie ausschlafen lassen. Dann jedoch geht alles ganz schnell. Er lässt ihr wenig Zeit zum Denken. Nach einem kurzen Frühstück hilft Carina ihm, alle Sachen im Auto zu verstauen, und los geht die Fahrt Richtung Raumschiff.

NeuesNach einer längeren Autofahrt endlich angekommen, staunt Carina doch. Vor ihr in geringer Entfernung steht ein gigantisch strahlendes Raumschiff. So leuchtend und schön hatte Carina sich das nicht vorgestellt, sie dachte eher an einen hässlichen “Metallkäfig”. Wieder entdeckte sie die Unwahrheit eine ihrer unangenehmen Vorstellungen…“

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Morgen wird die Geschichte fortgesetzt und läuft voraussichtlich bis Weihnachten Hier geht es zu allen bisher erschienenen Kapitel zu dieser Geschichte, die Joel Mari in der Advents- und Weihnachtszeit erzählt –> Eine utopische Heilungsreise (Märchen)

5. Was man nicht weiß, kann man nicht erfüllen

Gegen Ende des ersten Spiels zuhause bei Mari – Stelle Fragen während eines Spiels nur wenn es unvermeidbar ist

Mari saß mit Joel, der für sie im gemeinsamen Rollenspiel die Meisterrolle eingenommen hatte, auf der Couch.

„So, Mari, nachdem du jetzt so ordentlich aufgeräumt hast und der Tisch schön sauber und leer ist, habe ich eine Frage: Hast du dicke Filzstifte?“

„Ja,“ antwortete Mari verwundert.

„Bring die mal her – und dazu ein großes Blatt Papier.“

´Mit Filzer und Papier was machen…, das ist eine meiner leichtesten Übungen…,´ dachte Mari erleichtert, und holte die gewünschten Sachen.

Joel, der von ihr wusste, dass sie alles, was mit Kreativität zu tun hatte, gern mochte, freute sich, ihr damit einen für sie angenehmen Ausklang des ersten Spiels schenken zu können.
„Du hast vorhin drei Regeln von mir bekommen.
Welche von diesen dreien bewegt dich am meisten?“

Still saß Mari da und überlegte…

„Wiederhole sie bitte in Kurzform.“

„Erstens: Ich soll die Wohnung nicht putzen oder aufräumen bevor du kommst.
Zweitens: Ich sollte mir eine Anrede auswählen und diese künftig verwenden.
Ich schlug „Meister“ vor und du warst damit einverstanden.
Drittens: Es ist nicht schlimm, Fehler zu machen.“

„Das hast du dir gut gemerkt,“ lächelte Joel.
„Nun nochmal meine Frage – ich formuliere sie etwas anders:
Falls ich zwei dieser Regeln streichen würde, von welcher würdest du dir wünschen, dass sie übrig bliebe?“

„Die dritte!“

„Ja, die ist mir auch am wichtigsten. Ganz kurz in drei Worten:
FEHLER DÜRFEN SEIN.

Das schreibst du jetzt mit einem der dicken Filzer groß auf das Blatt Papier.“

„Egal mit welcher Farbe?“

„Nimm GRÜN! Grün ist die Erlaubnis-Farbe.“

Mari folgte seiner Anweisung und war dabei froh, dass sie etwas tun sollte, was ihr leicht fiel und auch mal richtig Spaß machte. Sie schrieb es genüsslich in dicken Blockbuchstaben auf das Papier und versah es am Ende mit einem Ausrufungszeichen.“

~  F E H L E R   D Ü R F E N   S E I N !  ~

„Das hast du gut gemacht, Mari,“ lobte Joel. „Jetzt gebe ich dir eine Hausaufgabe: Du wirst dieses Blatt mit den drei so wichtigen Worten in den nächsten Tagen weiter farbig gestalten. Bis wir uns wiedersehen wirst du an jedem Tag etwas hinzu fügen, egal was. Mach es so, wie es dir gefällt und dir Freude macht. Am Vormittag unseres nächsten Treffens wirst du es hier irgendwo in deiner Wohnung hinhängen. Wohin, das kannst du dir aussuchen.“
Dabei dachte er: ´So wird sie sich Tag für Tag damit beschäftigen, und das ist gut… Das möge dazu beitragen, ihre Angst vor Fehlern abzubauen…“

Mari begann inzwischen, Stifte und Papier zusammen zu räumen. Als sie im Begriff war, sich von der Couch zu erheben, hielt er sie fest und stoppte sie.
„Wo willst du hin?“

„Na wegräumen! Ich dachte, wir sind fertig für heute.“

„Mari, wann das Spiel zu Ende ist, bestimme ich. Und auch wann es beginnt.“

Verlegen stand sie vor ihm. Warum musste sie auch gleich wieder erröten wie ein Kind, das zurecht gewiesen wurde.

„Entschuldige bitte…“

„Du brauchst dich nicht zu entschuldigen, das hatten wir ja noch nicht besprochen. Das war auch keine Zurechtweisung von mir, lediglich eine Information, die ich dir gegeben habe. Sagen wir… Es ist die vierte Regel.
Und eine Regel kannst du erst befolgen, wenn du sie kennst, nicht wahr?“

Sanft zog er sie wieder auf die Couch zurück und legte den Arm um sie.
„Aber wir werden das Spiel in Kürze beenden.“

„Darf ich dich noch etwas fragen?“

„Da wir heute noch ziemlich am Anfang unseres Weges sind, erlaube ich dir eine Frage. Ob ich sie beantworte oder nicht, lasse ich offen.“

„Warum darf ich die Wohnung nicht putzen oder aufräumen, bevor du kommst?“

„Okay – da ist jetzt eine fünfte Regel fällig zu setzen:
Mari, frage niemals deinen Meister nach dem Warum oder Weshalb einer Anordnung.
Du wirst darauf keine Antwort bekommen.
Sei künftig immer darauf bedacht, keine Fragen zu stellen, die vermeidbar sind für den Ablauf des Spieles.“

Mari nickte. Warum beschlich sie immer wieder das Gefühl, etwas falsch zu machen???

„Und auch das konntest du vorher nicht wissen,“ sagte ihr Meister freundlich und nahm ihre Hand.
„Wenn du allerdings nachher deinen Freund Joel danach fragst, hast du vielleicht gute Chancen, eine Antwort auf deine Frage zu bekommen,“ lächelte er und meinte dann:
„So, und nun ist unser erstes Spiel beendet!“

Zum nächsten Kapitel : 6 – Gedanke am Abend und ein Gute-Nacht-Gruß

Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge


4. Fehler dürfen sein!

Samstag Nachmittag – das erste Treffen bei Mari zuhause:

Mari lief aufgeregt durch ihre Wohnung, die sie am Vormittag gründlich aufgeräumt und geputzt hatte.
War alles soweit okay? Was sollte sie anziehen? Nicht zu leger – nicht zu besonders – nicht zu brav – nicht zu bunt… Uff – inzwischen hatte sie sich zum dritten Mal umgezogen und stand wieder mit ihrem Outfit unzufrieden vor dem Kleiderschrank.
Da klingelte es.

Ui jeh, war sie aufgeregt! War es richtig, dass sie ihn, den sie noch gar nicht so lange kannte, heute in ihre Wohnung eingeladen hatte? Sie hatten gar nicht besprochen, ob sie heute schon mit dem Spiel beginnen würden und mit dem Englisch-Unterricht. Vor ein paar Tagen hatte sich das alles noch ganz stimmig angefühlt. Aber jetzt…

Joel trat ein und drückte ihr eine Tüte mit Brötchen und einem Glas Orangenkonfitüre in die Hände. 
„Oh, das hast du dir gemerkt, dass ich das gern esse… Dankeschön!“ meinte die überraschte Mari.
Er ging nach ihr ins Wohnzimmer, sah sich um und bemerkte: „Wow, du hast dir ja hier ein wunderschönes Reich eingerichtet. Eine tolle Energie strahlen die Bilder und Lichter aus… Und sogar Kaffee und Kuchen hast du für uns vorbereitet. Mensch, danke Mari!“

Sie setzten sich und plauderten über dies und das. 
Joel war ein guter Beobachter und bemerkte Maris Nervosität sofort.
„Was hältst du davon, wenn wir jetzt mit einer kleinen Lektion in Englisch beginnen?“ fragte er. „Aber bitte nicht gleich zu viel am Anfang, ja? Ich hab nämlich schon mehrmals einen Anlauf mit Englisch-Lernen gemacht, das ist aber immer gleich am Anfang gescheitert.“

Mari war sofort einverstanden und holte etwas aus dem Nebenzimmer. Als sie wiederkam, wirkte sie weitaus lockerer. 
Joel lächelte. Er hatte erreicht, was er wollte: Sie fühlte sich jetzt erst einmal sicher in ihrer Rolle als Lehrerin.  
Die Führungsrolle würde er für sie nachher verkörpern – heute nur eine kleine Nuance davon zum Angewöhnen… 

Mari zauberte einige bunte Wortkärtchen hervor.
„Lass uns mit den ersten Buchstaben des englischen A B C beginnen… 
A wie acceptance.
I accept you.“ Sie deutete mit dem Finger auf sich und auf ihn… 
You accept me.“
Er sprach ihr nach und lächelte – ja so sollte es sein! Das wollte er sie immer fühlen lassen:
I accept you, Mari.“

Weiter ging es mit B wie beauty .
You are beautyfull.“ 

Und C wie charisma und courage.
You have charisma, Joel.
You have courage, Mari.

Nach einer knappen Stunde fanden beide, dass es für heute genug war mit dem Englisch-Unterricht.
„Danke, Mari. Das hat richtig Spaß gemacht! Ohne Buch… ohne Schreiben… einfach gleich so reden… Danke! Das hast du toll gemacht!“

Mari freute sich. „Du warst aber auch ein sehr unkomplizierter und williger Schüler, Joel! Und wenn wir irgendwann auch schriftlich beginnen – hab keine Angst davor, Fehler zu machen. Fehler sind wunderbar, daraus kann man lernen. Fehler dürfen sein!“

Nun holten sie beide die mitgebrachten Brötchen, Butter und Marmelade auf den Tisch, sowie noch etwas Käse und Oliven und ließen es sich schmecken.

Als Mari den letzten Bissen aufgegessen hatte, stand Joel auf, lehnte sich an die Wand und sagte in einem ganz anderen Tonfall zu ihr:
„So, Mari, du räumst jetzt ganz in Ruhe den Tisch ab, beseitigst die Krümel und Wasserflecken, und dann gebe ich dir für unsere nächsten Treffen und die angedachten Spiele ein paar Regeln.“

Von wegen „ganz in Ruhe“ – mit ihrer Ruhe war es dahin! Das entspannte Gefühl, das sie eben beim Schmausen gehabt hatte, war weg.
Mari schluckte und spürte, wie ihre anfängliche Beklommenheit schlagartig zurück kam. Es fühlte sich seltsam an, so von ihm beobachtet zu werden, während sie das Geschirr in die Küche trug. Nicht nur unangenehm… – aber auch nicht gut, wahrlich nicht! Aber irgendein Teil in ihr schien diesen Tonfall, in dem er jetzt sprach, zu genießen… seltsam…
Er klang ja nicht unfreundlich, aber schon sehr bestimmend.

Der Tisch war abgeräumt und Joel meinte: „Du hast noch etwas vergessen, Mari.“
Unschlüssig schaute sie sich um. Der Tisch war doch leer…“
Joel schmunzelte verhalten: „Hol mal gleich noch einen Lappen und beseitige die letzten Krümelspuren.“
Mari fühlte sich wie ein kleines Mädchen, das einen Fehler gemacht hatte. Musste das sein???!!!
Als sie fertig war, deutete er mit einem Kopfnicken auf die Stühle und sie setzten sich wieder. 

„Also Regel Nummer eins – eine der wichtigsten: Es macht nichts, wenn du etwas vergisst oder es versehentlich anders machst, als ich es gesagt habe. Fehler dürfen sein!“

Regel Nummer zwei: Wenn ich die nächsten Male hierher komme, möchte ich nicht, dass du vorher die Wohnung putzt und besonders aufräumst. Lass alles so, wie es immer ist. 

Regel Nummer drei: Du wählst dir für die Zeit, in der ich die Führungsrolle übernehme, eine Anrede für mich, in der die Rollenverteilung deutlich wird. Wenn sie mir gefällt, werden wir sie künftig verwenden, und du wirst mich in diesen Zeiten damit grundsätzlich so ansprechen.
Hast du jetzt bereits eine Idee dafür?“

Mari überlegte… „Wie wäre es mit Meister?“

Er schloss für einen Moment die Augen und nickte: „Ja, das passt!“

„Okay, Mari, dann bin ich für diese Zeiten dein Meister. Und zum Meister gehört eine Schülerin. Das bist also dann du! Bist du bereit, diese Rolle zu übernehmen?
„Ja, das bin ich.“

„Gut, meine kleine Schülerin. Nun wiederhole mir bitte kurz zusammengefasst die drei Regeln, die ich dir eben gab.“

„Also ich soll nicht vorher aufräumen und nicht die Wohnung putzen.
Ich soll dich mit Meister anreden.
Ähm… soll ich „du“ oder „sie“ sagen?
„Wir bleiben ruhig beim „du“. Es wird Situationen geben, da würde das „Sie“ eine zu starke Distanz erzeugen. Das wäre dann eher hinderlich für dich.“

Joel ging um den Tisch herum, an dem sie beide saßen, nahm Maris Hand und fragte: „Und welche Regel fehlt noch?“

Mari überlegte… was war es nur? Mist! Konnte sie sich nicht mal drei Dinge merken…?!!

Joel lächelte sie an: „Es ist nicht schlimm, wenn du etwas vergisst, meine Kleine, Fehler dürfen sein!“

Als er sie dann ganz behutsam in die Arme nahm, fühlte sie sich seltsam geborgen…

–> zu Kapitel 5

 

Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge (leider umgekehrt, also das aktuellste ist vorn – um es von vorn zu lesen, bitte ganz zurück scrollen)

3. Bei dir oder bei mir ?

Mari saß auf der Parkbank und genoss Joels Hände auf ihren Schultern. Sie massierten ihre verspannte Schulter- und Nackenmuskulatur und übten dabei jenen besonderen Druck aus, der deutlich spürbar war, die Muskeln weicher werden ließ, aber nicht weh tat.

„Deine Massage tut gut, Joel. Nicht zu fest und auch nicht zu zart – meine Anspannung wird weniger. Dank dir!“

„Ist es nicht ähnlich wie du es dir für die Spiele wünschst?“ fragte Joel
„Ein kleines bisschen wohl dosierten Druck, der zu Entspannung führt, aber nicht weh tut?“

„Ui… ja, so könnte man es formulieren. Und sollte es doch zu viel werden… würdest du den Druck reduzieren?“

„Anfangs würde ich sofort den Druck wegnehmen oder abmildern.
Irgendwann einmal, wenn wir uns besser kennen, würde ich dich fragen, ob du noch zwei bis drei Sekunden in der Situation bleiben könntest, um zu sehen, wie es sich in dir entwickelt. Denn so wie harte Muskeln nach einer kurzen Zeit des Druckes weicher werden, könnte auch dein Gefühl sich durch eine kleine Gewöhnungszeit verändern. Das würde ich aber nur mit deinem Einverständnis tun.“

Mari holte Luft, und er spürte, wie ihr Verspannung wieder zunahm.

„Soweit sind wir aber längst noch nicht. Und wie gesagt, wir können immer über alles reden.
Ich würde gern die Ampelfarben als Stimmungsindikator nutzen, dass du mir schnell und ohne lange nach Formulierungen suchen zu müssen, mitteilen kannst, wie es dir geht und was du brauchst.
Grün heißt: Alles paletti, weiter im Spiel.
Gelb  bedeutet: Es geht gerade noch so… Ich bin an meiner Grenze des Erträglichen, bitte keine Steigerung! Ich brauche Unterstützung, um in der Situation bleiben zu können.
Rot bedeutet: Sofort Stopp! Ohne Diskussion. Abbruch dieser Situation.
Solltest du „Rot!“ sagen, werde ich mich absolut danach richten, und wir steigen sofort aus der Situation oder aus dem gesamten Spiel aus.
Und scheue dich bitte niemals, „Rot!“ zu sagen, wenn du es so empfindest.“

„Joel, ich brauche nur daran zu denken, und ich habe Bammel.“

Er legte die Hände auf ihren Kopf und massierte in langsam kreisenden Bewegungen ihre Kopfhaut. „Wie fühlt sich das an?“

„Herrlich!“

„Mari, ich werde tun, was ich kann, dass solche herrlichen Momente wie jetzt dir über schwierige Gefühle wie Angst, Scham und Unsicherheit hinweg helfen.“

„Danke Joel… Irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich schon ein wenig Vertrauen zu bekomme.“

„Das freut mich, Mari!“

„Hmm… ich überlege: Wir haben uns jetzt dreimal irgendwo draußen getroffen…. Vielleicht wäre es ganz gut, wenn wir uns das nächste Mal bei dir oder mir zuhause treffen  würden?“

„Ja, das denke ich auch“, stimmte Joel zu, „aber ich hätte es nicht ausgesprochen. Diesen Schritt, ein erstes Treffen in der Wohnung vorzuschlagen, wollte ich dir überlassen, damit du dich nicht überrumpelt fühlst.“
Langsam kam er um die Bank herum und setzte sich neben sie.
„Wo wollen wir uns treffen, Mari? Möchtest du zu mir kommen, oder soll ich zu dir kommen? Wo würdest du dich sicherer fühlen?“

Mari dachte nach… „Ich glaube, bei mir zuhause würde ich mich etwas wohler fühlen. Möchtest du mich am nächsten Samstag besuchen kommen?“

„Gern, Mari! Und jetzt holen wir uns ein Eis!“

Zum nächsten Kapitel:  4. Fehler dürfen sein

 

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