87. Die eine und die andere Hand

Bei Joel – Erinnerung an die Regeln

„Schön, dass du da bist, Mari!“ Freundlich wie immer bat Joel sie herein. „Heute beginnt unser Spiel gleich hier an der Tür“, erklärte er ihr. „Bist du bereit?“
Etwas erstaunt nickte sie. „Ja…, okay. Was hast du denn vor?“
Ernst sah er sie an und schwieg.
„Oh, entschuldige!“
„Ich glaube, die Einhaltung der Regeln ist in letzter Zeit etwas in den Hintergrund getreten“, sagte er leise. „Welche hast du eben nicht berücksichtigt?“
„Ich soll keine vermeidbaren Fragen stellen. Tut mir wirklich leid.“
„Es liegt auch mit an mir, ich habe auf die Einhaltung der Regeln in all dem Neuen, was ich in letzter Zeit an dich heran getragen habe, nicht so stark geachtet. Das wird jetzt wieder anders werden. Sie haben ihren Sinn und ihre Kraft. Es ist eine Balance… mal rücke ich sie mehr in den Vordergrund, und mal sind sie etwas im Hintergrund. Doch sei sicher, jede von dir bisher gestellte Frage habe ich wahrgenommen und bewusst entschieden, darauf mal mehr und mal weniger zu reagieren.“
„Heißt das, du hast alle Fragen in deinem Kopf gesammelt und wirst jetzt…“
Durchdringend sah er sie an.
„Oh Mist! Schon wieder eine Frage!“
Mit einem kaum sichtbaren Lächeln antwortete er: „Ja… schon wieder eine Frage. Aber du hast dich selbst unterbrochen, und sie nicht zu Ende formuliert. Einigen wir uns darauf, sie nicht als solche zu betrachten.“ Er zwinkerte ihr zu. Und zu dem, was unausgesprochen  geblieben ist, will ich dir sogar eine Antwort geben. Jedoch zunächst bekommst du eine Augenbinde.“
Er band ihr ein schwarzes Tuch um die Augen und führte sie schweigend sie immer mal wieder in verschiedene Richtungen drehend  hin und her – quer durch die ganze Wohnung – bis sie die Orientierung verlor. Dann blieb er mit ihr stehen, ließ sie los und sagte für zwei Minuten gar nichts. Es waren sehr lange Minuten für Mari, aber es gelang ihr, schweigend abzuwarten, was kommen würde.
„Zu deinem Gedanken von vorhin…“ unterbrach er die Stille, „nein, ich werde keinen Katalog von deinen in der Vergangenheit gestellten Fragen öffnen und dazu Maßnahmen einleiten. Das wäre unfair und wenig nutzbringend.  Nur Regelbrüche, die am Tag selbst stattfinden, haben Konsequenzen. Nur so ist ja der Zusammenhang spürbar. Die einzige Ausnahme dabei ist, wenn ich an dem Tag beschließe, dir eine Sanktion anzukündigen, die dann an einem anderen Tag erfolgen soll. Da ich das aber bisher nicht getan habe, werden bisherige Regelbrüche, die ich nicht benannt habe, die mir aber dennoch bewusst waren, keine Konsequenzen haben. Das ist nur sinnvoll und fair finde ich! Du solltest nur wissen, dass mir nichts entgangen ist.“
Diese Art von bewusstem und fairem Umgang mit ihren vergangenen Unbedachtheiten löste in Mari ein bewegtes Gefühl aus, das sich vom Bauch über den Magen bis in den Hals hinein bemerkbar machte. Doch was würde aus der unbedachten Frage von vorhin resultieren…?
Joel ahnte ihre Gedanken und die unausgesprochene Frage.
„Du wartest auf die Konsequenz deiner Frage von vorhin?“
Mari nickte mit einem unbehaglichen Gefühl.
„Ich habe keine Antwort gehört, Mari.“
„Ja, Meister.“ sagte sie leise.
„Bist du bereit, meine Sanktion dafür anzunehmen?“
Wie gern hätte sie gefragt, um was es sich handeln würde, aber das war klar, das ließ sie besser bleiben.
Wieder nickte sie.
Und wieder wollte er es hören und sagte: „Ich möchte, dass du es aussprichst.“
„Ich bin bereit, die Folge meiner unbedachten Frage anzunehmen.“
„Gut…“ Er berührte sanft ihre Schulter. „Vertraust du mir?“
Mari spürte eine Mischung von Vertrauen und Angst zugleich. Diese Mischung löste eine seltsame Erregung in ihr aus.
„Ja…, grundsätzlich vertraue ich dir.“
„Ich spüre da ein leises Aber…?“
„Hm… ich habe dennoch auch etwas Angst vor dem, was jetzt kommt.“
„Das ist in Ordnung. Fühle dieses Gefühl… es ist durchaus verständlich…“
Mari schluckte… spürte, wie die Nervosität in ihr Fahrstuhl fuhr.
„Verständlich, weil es in der menschlichen Natur liegt, dass Ungewissheit Angst bereitet, mal mehr, mal weniger – und in dem Zusammenhang, wo es sich um die Konsequenz eines Regelbruchs handelt, also um es mal klar auszusprechen um eine Strafe, ist diese von dir benannte Ängstlichkeit wohl eher etwas stärker vorhanden.“
Mari nickte unbehaglich. Konnte er ihr nicht endlich sagen, was kommt, anstatt sie noch im Ungewissen zu lassen und über die Gefühle zu reden, die dadurch noch intensiver wurden…
„Du möchtest wissen, was kommt?“
„Ja!“ Etwas heftig entfuhr ihr die Antwort.
„Wir warten noch ein bisschen, Mari.“
Er schwieg für einen langen Moment.
„Was fühlst du?“
„Wenn ich ganz ehrlich sein soll….“
„Ja, das sollst du!“
„Ich fühle ein Gemisch aus Unbehagen, Angst und Wut.“
„Wo im Körper sitzt das?“
„Es bewegt sich zwischen Bauch und Hals von oben nach unten wie ein Fahrstuhl hin und her.“
„Okay, Zeig mir mit deiner rechten Hand, wie es sich bewegt.“
Mari fuhr mit ihrer Hand in einem kleine Abstand vom Körper von unten nach oben und wieder zurück.“
„Gut machst du das! Nun lass die Geschwindigkeit deiner Hand nach und nach langsamer werden und achte darauf, was in dir geschieht.“
Mari verlangsamte das Auf und Ab ihrer Hand. Automatisch wurde auch ihre Atmung langsamer und ruhiger, und das heftige Gefühl ließ an Intensität nach.
„Gut machst du das, nun werde noch langsamer, immer langsamer bis die Hand an irgendeiner Stelle stehen bleibt – und in der Höhe berühre deinen Körper und leg die Hand einfach auf.“
Sie folgte seiner Anweisung und legte die Hand schließlich auf ihren Solarplexus.
„Gut. Nun nimm die Berührung deiner Hand dort bewusst wahr. Wie fühlst du dich dabei?“
Sie spürte erstaunt, wie gut sich das anfühlte und in ihr  ein leises Gefühl von Ruhe eintrat.
„Es ist als würde ich mir selbst Ruhe schenken und etwas Gutes durch meine Hand in mich hinein strömen.“
„Finde ein Wort für das Gute.“
„Annahme… Frieden… Liebe…“
„Alles zusammen… in einem Wort.“
„…Liebe.“
„Gut, fühle die Liebe, die durch deine Hand fließt, und nun strecke deine andere Hand nach vorn und öffne sie für die kleine Strafe, die ich dir jetzt geben werde.“
Diese Worte verstärkten wieder die ängstlich bewegten Gefühle, aber gleichzeitig konnte sie ihre Aufmerksamkeit auf die ruhig aufgelegte Hand auf ihrem Solarplexus richten und die Liebe weiter spüren, die aus ihr floss.
„Bereit?“ fragte Joel leise.
„Ja“, flüsterte sie und fühlte einen leichten Schlag auf ihrer Hand – ja sie hörte das Klatschen seiner Hand auf ihrer mehr, als dass sie es als Schlag fühlte. Es war kein Schmerz – nur ein Schreck – nicht mehr…
„Nun nimm deine Hand wieder zurück zu dir und lege sie unter die andere Hand, die noch auf deinem Solaplexus liegt, und Liebe strömen lässt.“
Mari spürte nun beide Hände übereinander… einen erleichterten tiefen Atemzug… und dann die Umarmung von Joel, der ihr dabei das Tuch von den Augen nahm und ihr ins Ohr flüsterte „Das Spiel ist vorbei.“

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82. Was könnte dir helfen?

Bei Joel – Verständnis, Annahme, Drucklosigkeit und ganz kleine Schritte

Mari saß Joel gegenüber in einem vorne durchgeknöpften Kleid, unter dem sie entsprechend seiner Vorgabe nichts darunter trug. Wieder einmal verkörperte er die Funktion des Meisters in einem Rollenspiel, in dem es um das Thema „Scham und Peinlichkeit“ ging.
„Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie peinlich mir das alles gerade ist!“ sagte sie leise.
„Wie genau fühlt sich die Peinlichkeit an?“
„Bedrückend, als ein heißes Gefühl im Kopf und Flattern in der Brust, in der Herzgegend.“
„Was löst diese Peinlichkeit denn aus?“
„Dass es wahrscheinlich darum gehen wird, das Kleid zu öffnen und da ich nichts drunter habe, wär mir das echt peinlich. Ich weiß ja nicht genau, was du vorhast, aber dass es um das Thema „Peinlichkeit“ gehen soll, hattest du mir ja schon geschrieben.“
„Schau, Mari, alle Impulse, die ich gebe, sind Angebote für neue Schritte, manchmal gedankliche und manchmal reale Schritte. Aber nur du kannst entscheiden, ob es jeweils ein passender Schritt ist für dich. Ich werde dich niemals zu etwas zwingen, das weißt du.“
„In Ordnung, um welchen Schritt soll es also heute gehen?“
„Nun, wir wollen herausfinden, wo die Grenze deiner Peinlichkeit liegt, und wie wir mit ihr liebevoll umgehen können, dass sie sich eventuell sogar etwas verschieben lässt. Bist du jetzt dazu bereit?“
Mari nickte angespannt. „Ja, ich versuche es.“
„Prima! Was würdest du dazu sagen, den obersten Knopf zu öffnen?“
„Okay, kann ich machen.“
„Und? Wie ist es?“
„Das fühlt sich okay an.“
„Wie wäre der unterste Knopf?“
Überrascht schaute sie nach unten, sie hätte jetzt den zweiten Knopf von oben erwartet. „Ja, der unterste Knopf geht auch.“
„Das sind schon zwei. Wie geht es dir damit?“
„Das ist auch noch okay,  nicht peinlich.“
„Okay, wie viele Knöpfe oben könntest du öffnen, bevor es peinlich wird?“
Mari überlegte… „Noch zwei.“
„Bitte öffne diese beiden.“
Mari öffnete nun den zweiten und dritten Knopf von oben.
Joel schaute sie fragend an: „Und? Alles okay?“
Mari nickte. „Ja, es geht.“
„Geht? Hört sich etwas eingeschränkt an?“
„Na, wenn der nächste käme, würde es schwierig werden, aber bis hierher ist alles in Ordnung.“ erklärte Mari.
Er nickte. „Wie viele Knöpfe von unten könntest du öffnen?
Noch drei
Und Marie öffnete die nächsten drei Köpfe von unten.
„Und wie ist es?“
„Fühlt sich noch okay an.“
„Prima! Schau mal, was du schon geschafft hast! Kannst du dir vorstellen noch einen Knopf zu öffnen? Egal wo?“
Jetzt fing es an schwierig zu werden, aber ein unterer Knopf wäre noch möglich, ohne dass das Kleid allzu weit auseinander fiel , entschied sich Mari, und öffnete diesen Knopf.
„Du wirst mutiger.“ Wie geht es dir damit?“
Mari musste wider Erwarten lächeln. Die drei Worte du wirst mutiger fühlten sich gut an.
Sie antwortete: „Da ist einerseits eine stärkere Annäherung an die Peinlichkeitsgrenze, aber andererseits die Freude, ein bisschen Mut schon gehabt zu haben.“
„Ja, das hattest du, Mari“, bestärkte er sie. „Und… was meinst du? Geht noch ein Knopf? Oder wird es jetzt zu schwierig?“
Mari zögerte und überlegte… Einen unteren Knopf könnte sie noch öffnen, ohne dass das Kleid gleich auseinander fiel. Und sie tat es.
„Sehr mutig“, meinte er daraufhin, „wie geht es dir damit, noch einen Schritt weiter gegangen zu sein?“
„Die Fragestellung allein schon lässt ein bisschen Freude aufkommen, dass ich mich noch einen Schritt getraut habe.“
„Und? Geht noch einer?“
„Wenn ich jetzt noch einen öffnen würde, würde ich mich sehr unbehaglich fühlen.“
„Was könnte dir helfen, noch einen zu öffnen?“
„Vielleicht, dass du nicht hinschaust?“ fragend schaute Mari Joel an.
Er lächelte. „Reicht es, die Augen zu schließen?“
„Ja.“
„Okay, mach ich!“ Er nickte und schloss deutlich sichtbar die Augen.“
Und Mari öffnete noch einen Knopf von oben und einen anderen von unten. „Jetzt habe ich sogar noch zwei Knöpfe geöffnet!“ erzählte sie ihm.
Das war aber sehr mutig! Wie geht es dir damit?“ fragte  er mit geschlossenen Augen
Einerseits freue ich mich über meinen Entschluss, andererseits sieht es ziemlich komisch aus, wenn ich an mir herab schaue, und es gibt schon ein peinliches Gefühl! Dass du das nicht sehen kannst, ist natürlich wiederum sehr entlastend, aber auch nicht sicher, denn ich weiß ja nicht, wann du die Augen wieder öffnen wirst.“
„Doch, das weißt du sehr genau.“
„Du meinst damit, dass ich sicher sein kann, dass du sie so lange geschlossen hast, bis ich die letzten beiden Knöpfe wieder geschlossen habe?“ fragte Mari.
„So lange du es möchtest, dass ich sie geschlossen halte! Du könntest gefahrlos alle öffnen. Ich würde es weder wissen noch sehen.“
„Ja, und dieses Vertrauen habe ich inzwischen auch, dass ich mich darauf verlassen kann, wenn du das sagst.“
„Na, das ist doch ein toller Fortschritt!“
BLAUE_KNOEPFEEntschlossen öffnete Mari nun fast alle Knöpfe bis auf einen in dem Bewusstsein, das Joel es ja nicht sehen konnte. Dieser saß ihr direkt gegenüber und hatte weiterhin die Augen fest und deutlich geschlossen.
Nun sagte sie ihm:  „Ich verrate dir jetzt, dass ich bis auf einen Knopf inzwischen alle geöffnet habe.“
„Oh, das ist beides sehr mutig: Es zu tun und es mir zu sagen!“
Mari freute sich über die Anerkennung, und schließlich fragte Joel weiter:
„Und wie steht es mit dem letzten Knopf?“
„Na der hält alles zusammen“, überlegte Mari laut.
„Vielleicht nur kurz?“ bot er ihr an, „bevor du alles wieder zuknöpfst?“
Und Mari nickte: „Okay, mach ich!“ Sie öffnete nun auch den letzten Knopf und sprach es aus: „So, nun ist auch der letzte Knopf geöffnet.“
Joel nickte: „Ich bin beeindruckt!“
„Ich auch“, brachte Mari heraus und wurde etwas rot dabei, aber Gott sei Dank konnte er das ja nicht sehen…
„Du hast dich quasi vor meinen Augen ausgezogen. Klasse!“
Darauf gab sie zu bedenken: „Nein, du hattest ja deine Augen geschlossen. Und hast sie immer noch zu.“
„Ja, aber dennoch bin ich ja genau vor dir. Jetzt magst du sicher die Knöpfe wieder schließen.“
„Hmm, ja stimmt.“
„Tu das, ganz in Ruhe. Ich halte die Augen so lange geschlossen bis du mir sagst, dass ich sie wieder öffnen kann.“
Als nur noch der oberste Knopf offen war, sagte sie: „So, nun kannst du deine Augen wieder öffnen.“
Er wartet einen kleinen Moment, dann öffnete er die Augen.
„So, das Spiel ist vorbei. Ich danke dir für dein Vertrauen und deinen Mut, Mari.“
Mari sah ihn direkt an.
„Der war am Ende nur möglich, weil du mich gefragt hast, was mir helfen könnte, und bereit warst, mir diese Hilfe zu geben, deine Augen bei den letzten Knöpfen zu schließen.“
„Und du hast sie angenommen – und hast dich getraut! Wir haben es beide zusammen möglich gemacht!“
„Das hätte ich nie gedacht, dass ich heute mein Kleid ganz aufknöpfe!“
„Schön, dass es geklappt hat! Und das, wo dir allein die Möglichkeit vorher so zu schaffen gemacht hatte. Manchmal ist in der Situation selbst einiges möglich, was sich der Kopf vorher nie hätte vorstellen können. Komm, lass dich umarmen!“
Mari schaute kurz prüfend an sich hinunter, ob ihr Kleid jetzt richtig saß, stand auf, und er schloss sie fest in seine ausgebreiteten Arme. Mari genoss diese Umarmung. Für einen Bruchteil eines Momentes kam ihr der Gedanke in den Kopf, wie es sich wohl anfühlen würde, wenn sie dabei Hautkontakt hätten, aber dieser Gedanke wurde ganz schnell wieder in den Hintergrund verbannt…

Geschrieben von Rafael und Miriam

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72. Ist hier und heute etwas gefährlich?

Bei Joel – Den Gefühlen eine bewusst gewählte Bedeutung geben

Mari betrat Joels Wohnung und wie immer gab es bei der Begrüßung erst einmal eine feste und innige Umarmung. „Das tut gut, Joel!“ meinte Mari, die sich heute besonders beklommen fühlte, da sie vorher von ihm eine Nachricht bekam, in der er schrieb, dass er sie zum heutigen Rollenspiel mit einen Rock und einer durchgeknöpften Bluse erwartete, unter der sie nichts drunter tragen möge. Was sollte heute geschehen?
Als sie auf seine Frage nach ihrem Befinden: „Ziemlich aufgeregt“ antwortete, lächelte er sie an und meinte: „Wie gut! Stell dir vor, du wärest gleichgültig, da ist doch Aufgeregtheit viel besser! Ist lebendig und zeigt intensives Fühlen. Gefühle sind Kräfte. Wichtig ist nur, dass wir dahin kommen, dass nicht die Gefühle uns leiten, sondern dass wir die Gefühle leiten!“

Mari nickte, ja das klang erstrebenswert. So manches Mal fühlte sie sich von ihren Gefühlen gebremst. Nachdem sie Kaffee getrunken hatten, begann er das heutige Spiel mit der Ankündigung: „Heute werden uns mal ganz bewusst mit der Vielfalt der Gefühle beschäftigen. Es geht darum, sie bewusst wahrzunehmen, auszusprechen, anzuerkennen, dass sie da sind und sie so einzuordnen, wie es gut tut . Ich werde Gefühle anregen und du sagst mir, was du fühlst. Jedes Gefühl ist wertvoll, alles darf da sein. Die angenehmen und auch die unangenehmen.

Gefühle von Angst, Scham und Peinlichkeit fühlst du ja oft. Deshalb denke ich, dass es sinnvoll ist, wenn wir uns mit ihnen in der nächsten Zeit ganz bewusst beschäftigen, lernen und üben, sie richtig einzuordnen. Sie zeigen ja eine Art Warnung, die im Körper durch alte Vorerfahrungen gespeichert ist. Diese Warnung sollte ernst genommen werden und nicht abgewertet werden. Und dann kommt das Deuten hinzu, also ihnen eine von dir jetzt gewählte bewusste Bedeutung zu geben. Du kannst dich bei jedem Gefühl fragen:
Ist das hier und jetzt eine ähnliche schlimme oder gar gefährliche Situation wie damals?
Und wenn du dadurch, dass du dir diese Frage nach dem, was jetzt ist, in die Gegenwart kommst, und vielleicht erkennst: Hier ist nichts gefährlich oder verboten oder schlimm, kannst du dir sagen: „Heute ist es okay, was gerade geschieht, was ich tue oder was ich zulasse“ – vorausgesetzt du siehst es so. Es geht darum, jedes Gefühl wahrzunehmen, dir diese Frage zu stellen, eine Entscheidung darüber zu treffen, welche Bedeutung du ihm heute geben willst, und bewusst mit ihm durch die Situation gehen.“ Ich werde dazu einige Gefühle auslösen, damit du das erfahren kannst. Steh mal auf und stell dich mir gegenüber dazu.“

Beide standen auf und stellten sie gegenüber.

Joel sagte ruhig, wohl wissend, welche Gefühle er bei Mari gleich auslösen würde: „Knöpfe dir die Bluse auf, ganz langsam und bewusst.“
Sie zögerte und begann schließlich langsam mit den ersten beiden Knöpfen. Von ihm dabei so deutlich betrachtet zu werden, machte es ihr besonders schwer.
Nach einem kleinen Moment fragte er:
„Wie geht es dir dabei, was fühlst du dabei?“
Verlegen schaute sie ihn an. Es war heftig, was sich in ihr bemerkbar machte.
„Peinlichkeit? Scham?“ half er ihr weiter.
Sie nickte wortlos und wartete ab.
„Ja, ich habe das vermutet. Das ist okay. Nun die Frage: Meinst du, dass es einen aktuellen Grund gibt, dich zu schämen? Wir kennen uns nun schon länger, und du hast dich entschieden, mit mir diesen Weg zu gehen. Du bist erwachsen und darfst diese Entscheidung treffen. Gibt es jetzt und hier einen Grund, dich zu schämen? Machst du etwas Falsches?“
Mari schüttelte den Kopf.
„Es ist also ein altes Gefühl, das wie von selbst abläuft. Nimm es wahr, und mach einfach weiter, auch wenn das Schamgefühl noch da ist – Knopf für Knopf mit dem Gedanken: „Ich erlaube es mir! Ich darf das.“ Zieh die Bluse ganz aus dem Rock und mach alle Knöpfe auf.“
Es kostete Mari viel Überwindung und Joel wusste das.
„Das machst du gut, Mari“, bestärkte er sie. „Ich weiß, es fällt dir nicht leicht.“

Als sie beim vorletzten Knopf angekommen war, fragte er sie: „War der letzte Knopf genauso schlimm wie der erste?“ Sie spürte nach und schüttelte den Kopf „Nicht ganz so.“
„Gewöhnung macht ne Menge!“
Schließlich stand sie mit offener Bluse vor ihm. Erleichtert nahm sie wahr, dass die rechte und linke Seite der Bluse so über ihrem Oberkörper hing, dass nicht allzu viel von ihrer nackten Haut hervor schaute.

Joel brachte einen Stuhl und wies sie an: „Nun setz dich auf den Stuhl.

Wie dieses Spiel weiter geht, ist im nächsten Kapitel zu lesen, das übermorgen erscheint.

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71. Manchmal ist alles ganz anders als gedacht

Bei Joel – Eine überraschende Situation

Bevor das Spiel begann und Joel in die Rolle des Meisters schlüpfte, fragte er Mari, wie er das immer tat: „Wie geht es dir heute, Mari?“
„Danke schön, ganz gut,“ war ihre Antwort.
Er nahm wahr, wie ihr Augenlid zuckte und fragte: „Also nicht aufgeregt?“
Mari lachte etwas verlegen. „Natürlich, aufgeregt bin ich immer vor unseren Spielen!“
Er sah sie an, wartete einen Moment, veränderte leicht seine Sitzposition und meinte schließlich: „Ah… Okay! Dann wird es Zeit, dass das Spiel beginnt.“
Mari zuckte unwillkürlich leicht zusammen und dachte: Immer wieder gelingt es ihm, mich mit dem Anfang des Spieles irgendwie zu überraschen, obwohl ich es ja erwarte.
Er schmunzelte: „Und? Jetzt noch aufgeregter?“
„Ja, stimmt“, gab sie zu.
„Und wie fühlt sich das genau an?“
„Mein Herz klopft schneller, es kribbelt in den Armen und Beinen…“
„Kribbeln hört sich doch gut an – oder?“
„Naja… halb, halb“, antwortete sie etwas zögerlich. „Es ist einerseits sehr lebendig und aufregend, andererseits aber auch irgendwie ein bisschen schwierig in dem aufgeregten Gefühl. Da haben wir ja schon mal drüber gesprochen…
„Und ist es jetzt eher schwierig aufgeregt oder eher lebendig aufgeregt?“
Mari hielt einen Moment inne, um nach zu spüren… Ich würde sagen 40% lebendig und 60% schwierig aufgeregt, diese Mischung ist meistens am Anfang des Spieles so.“
Joel sah sie freundlich an. „Was kann ich tun, um dich etwas zu beruhigen?“
Überrascht antwortete Mari: „Das ist ja lieb, dass du fragst. Alleine schon die Frage tut gut. Hm… eine Umarmung wär schön.“
„Aber gerne!“ lächelnd ging er auf sie zu und umarmte sie.
Mari nahm einen tiefen Atemzug und empfand seine Umarmung als sehr wohltuend. Ganz sanft und doch fest hielt er sie im Arm. Sie kuschelte sich eng an ihn und dachte dabei: „Ach könnte doch diese Umarmung gaaaanz lange anhalten…“
Langsam spürte Mari, wie ihre Aufregung sich etwas legte und sie ein bisschen ruhiger wurde. Schließlich löste sie sich aus der Umarmung.
„Und?“ fragte er, „besser?“
Sie nickte und sagte leise: „Ja, das war schön, hat gut getan!“
„Magst du ein Glas Wein?“
„Oh?“ Überrascht schaute sie ihn an. Wein hatte er ihr bisher noch nie am Anfang eines Spieles angeboten.
„Ja, gern…“
„Okay, wie schön“, damit löste er sich von ihr und ging in die Küche, während Mari sich wieder auf die Couch setzte und wartete. Ihre Gedanken wanderten zurück zu den vielen prickelnden Erlebnissen, die sie hier mit ihm schon erlebt hatte…Nach kurzer Zeit hörte sie ihn aus der Küche rufen: „Du kannst gerne schon vorgehen.“
„Vorgehen? Was meinst du?“ fragte sie verwundert mit etwas lauter Stimme, so dass er sie in der Küche verstehen konnte.“
„Na, ins Schlafzimmer“, antwortete er und öffnete den Wein.
„Ups! Aber von Schlafzimmer war doch überhaupt nicht die Rede…“ überlegte Mari – allerdings so leise, dass er sie in der Küche nicht hörte.
„Das mit dem Schlafzimmer war doch schon mal, und er hatte doch selbst gesagt, dass das eine bewusste Provokation war… Er wollte damit eine impulsiven Reaktion provozieren, anhand derer sie anschließend einiges über Fehleinschätzungen und eine neue Einstellung zum Fehler-machen verinnerlicht hatte.
Nein, diesmal würde sie sich nicht ins Bockshorn jagen lassen, beschloss sie. Aber was sollte im Schlafzimmer geschehen? Egal… Ich will ihm heute vertrauen, beschloss sie, und machte sich auf den Weg ins Schlafzimmer. Im Flur hörte sie ihn mit der Flasche und den Gläsern hantieren
„Bin gleich soweit“, rief er aus der Küche. Inzwischen stand sie vor der Schlafzimmertür und zögerte noch etwas… Schließlich öffnete sie die Tür.
Wow, was war das denn? ! Das Bett sah ja aus wie zu einem Picknick vorbereitet.
Erstaunt betrachtete sie es, also sollte das Spiel wohl heute hier stattfinden…
Sie hört ihn hinter sich kommen. „So“, sagte er, und die Gläser klirrten. Sie nahm einen tiefen Atemzug und beschloss, jetzt erst einmal abzuwarten.
Auch wenn ich schon wieder ziemlich aufgeregt bin, ich will heute gelassener bleiben als letztes Mal, sagte sie sich selbst.
„Tritt ruhig ein“, hörte sie ihn dicht hinter ihr sagen, „oder sieht das hier gefährlich aus?“
„Nein, gefährlich sieht es nicht aus“, gab sie leise zu.
„Na, dann trau dich“, meinte er lächelnd, ging an ihr vorbei und setzte sich gemütlich, halb liegend aufs Bett. Langsam ging sie nun auch auf das Bett zu und setzte sich auf die andere Seite des in der Mitte stehenden Tabletts mit schön angerichteten Leckereien.


„Ich dachte, ich zeige dir, dass allein der Ort eines Schlafzimmers noch nichts bedeutet.“
Er goss Wein in zwei Gläser und hielt ihr eins entgegen. „Lass uns anstoßen.“
„Okay“, sie nahm ihr Glas und stieß mit ihm an, ohne etwas zu sagen.
Mit einem fröhlichen „Prost!“ nahm er einen Schluck, und sie tat es ihm nach.
„Entspann dich, Mari. Niemand wird dir was tun, auch hier nicht.“
Mit diesen Worten nahm er etwas Käse vom Tablett und ließ ihn sich schmecken.
„Wie umsichtig, dass du das so explizit sagst. So ein Stückchen Käse würde ich auch gern nehmen.“
Lächelnd steckte er ihr ein Stückchen Käse in den Mund. „Lass es dir schmecken! Nur ein kleiner lockerer Imbiss im Schlafzimmer heute.“
Warum kribbelte es ihr trotzdem so im Bauch? Und irgendetwas im Magen fuhr Fahrstuhl.
Ja, das Wort „heute“ war es, was sich so seltsam bemerkbar machte.
Was würde das nächste Mal kommen? Wenn heute vorbei war…? Egal, jetzt lasse ich mir den Käse und und den Wein schmecken, beschloss sie.
„Mach es dir doch auch gerne etwas gemütlich“, lud er sie ein, und sie nahm auch die Beine hoch auf das Bett.
„Darf ich helfen?“ fragte er schnell, beugte sich vor und zog ihr behutsam einen Schuh aus.
Da sie noch den Wein in der Hand hielt, musste sie mit Bewegungen vorsichtig sein.
Sie kichert ein bisschen verlegen, „gibt es da nicht ein Märchen, in dem ein Schuh eine Bewandtnis hatte?“
„Ja“, überlegte er, „ich glaub, das war Cinderella.“ Er hielt nun ihren Fuß in den Händen. „…Und dein Fuß ist gewiss so zierlich und schön wie ihrer war.“
Wie angenehm sich seine warmen Hände um ihren etwas kühlen Fuß schlossen. Sie genoss diese Berührung. Sanft massiert er ihn ein wenig. Für einen Moment schloss sie die Augen, und spürte nur diese wunderbare Berührungen an ihrem Fuß, nahm einen tiefen Atemzug und meinte: „Oh, tut das gut!“
Ganz ruhig massierte er den Fuß in langsam kreisenden Bewegungen. Kurz öffnete sie die Augen, stellte das Weinglas auf das Tablett, das in der Mitte des Bettes platziert war, um dann die Augen wieder zu schließen. Ach eigentlich konnte sie sich auch ein bisschen mehr ausstrecken…
Nun zog er ihr auch den zweiten Schuh aus, und begann, diesen Fuß leicht zu massieren.
Unwillkürlich drehte sie sich von der Seitenlage auf den Rücken, damit der andere Fuß nicht so verdreht lag. Sanft massiert er die Füße und die Zehen…
Welch eine Wohltat!
Nach und nach entspannte sich Mari, wozu auch der Wein etwas beitrug.
Er hielt inne und trank einen Schluck Wein.
„Das hat sich wunderschön angefühlt, Joel!“ Auch sie nahm ihr Glas in die Hand und sie stießen noch einmal an.
„Und? Ist es so schlimm, im Schlafzimmer zu sein?“ fragte er lächelnd.
„Nein, natürlich ist das heute nicht schlimm…“ musste Mari zugeben.
„Und du liegst sogar auf dem Bett… War das die ganze Aufregung wert?“
„Normalerweise passieren halt im Bett andere Dinge. Das brauche ich dir doch wohl nicht zu erklären, oder?“ Sie war etwas gereizt bei seinen Worten.
„Nein“, entgegnete er gelassen, „nicht grundsätzlich. Es passiert, was beide wollen! Das ist das Entscheidende.“
Oh, dieser Satz hatte Kraft!
„Mari, ich verstehe, dass das Schlafzimmer eine symbolische Wirkung in sich trägt für Dinge, vor denen du noch Angst hast. Doch sei sicher: Hier wird niemals etwas geschehen, wozu du nicht bereit bist.“
Er beugte sich vor, gab ihr einen Kuss auf jeden Fuß und flüsterte: „Das Spiel ist vorbei.“

Geschrieben von Raffael und Miriam

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Was würde ich tun, wenn ich Gott wäre und als Gestalt zur Erde käme… ?

Die folgenden Gedanken kamen mir ausgelöst durch die Frage von Eljin: „Wenn du Gott wärst und dich hier auf der Erde umsehen würdest, heute… wolltest du den Menschen dann helfen oder würdest du dich wortlos abwenden?“

Wenn ich Gott wäre und in Menschengestalt herkäme, würde ich meine Arme weit öffnen und jedem – unabhängig von dem, was er je getan hat – der in meine Nähe kommt, eine Umarmung anbieten, wissend dass in meinen göttlichen Armen die Menschen sich der Liebe gewahr werden würden, die in ihren Herzen oft hinter Mauern des Schmerzes, der Angst und der daraus oft entstehenden Wut verborgen ist.
Allein meine geöffneten Arme und der Blick meiner liebenden Augen würde die Menschen ihre Sehnsucht nach Liebe spüren lassen, und sie würden dadurch meine Einladung, sich von mir umarmen zu lassen, annehmen.
LiebeSie würden so viel Kraft und inneren Frieden in meiner göttlichen Umarmung erhalten, dass sie dabei ihre eigene Liebe, die auf diese Weise in ihnen aufgetaut werden würde, fühlen, leben, ausstrahlen und weiter geben würden.
Und ich würde mich vervielfältigen und gaaaanz viele Menschen umarmen, damit die Liebe sich überall verbreitet und alle Situationen auf Erden erfüllen und dadurch heilen würde.
Hmm bei dieser Vision wird mir ganz warm ums Herz…

69. Keine Angst vor Fehlern

Bei Joel – Gedanken über das Fehler-Machen

Mari und Joel saßen auf der Couch und sprachen über ihr letztes Spiel. „Manchmal ist es nicht möglich, Fehler zu vermeiden“, wiederholte Mari die Worte, die Joel ihr in ihrem Rollenspiel als Meister gesagt hatte, nachdem er eine Situation provoziert hatte, in der sie kaum anders konnte, als sich nicht an die Regeln zu halten und sich dafür geschämt hatte. „Glaubst du das wirklich?“
Er nickte. „Ja! Eigentlich ist es nie möglich, Fehler ganz auszuschließen. Denn auch bei aller Vorsicht und Achtsamkeit kann man zwar Fehler versuchen zu vermeiden, aber selten ganz verhindern, dass sie geschehen. Und…“ er lächelte, „du bist meist nicht mal allein dafür verantwortlich – so wie in diesem Spiel! Denn ich habe die Situation so gestaltet.“

Sie bewegte diesen Gedanken in sich: „Das würde heißen… Immer dann, wenn ich einen Fehler mache, kann ich ihn gar nicht vermeiden… Sonst hätte ich es ja getan! Richtig? Wenn ich auch nur einen einzigen Fehler vermeiden könnte, dann würde ich ihn ja gar nicht machen… Aus irgendeinem Grund mache ich ihn aber doch – und bestimmt nicht deshalb, weil ich ihn machen will!“ überlegte Marie jetzt weiter.
„Nun, vielleicht machst du ihn aus Angst“, gab er zu bedenken. „Das Warum ist nicht entscheidend. Wichtig ist, dass deine Angst abnimmt, einen Fehler zu machen, damit du dich grundsätzlich wohler fühlst. Um das bewusst zu durchdenken, hatte ich dieses Spiel so inszeniert, dass ich dich so überfordert hatte, bis eine unkontrollierte Reaktion entstehen musste.“
Maris Blick wanderte in die Ferne. „Ja, aus Angst mache ich mehrere Fehler in unseren Spielen hier… Und vielleicht auch im Leben… Das stimmt. Und je mehr Angst ich habe vor falschem Verhalten, umso unsicherer und fahriger werde ich. Ich werde dadurch unkonzentriert und mache mehr Fehler, was ich ja eigentlich gerade vermeiden will. Meine Angst ist also eine häufige Ursache für Fehler.“
Er nickte: „Ich sage es noch mal ganz klar:

Selbst wenn es theoretisch möglich wäre, könntest du Fehler nicht vermeiden, und die Angst vor einem Fehler, belastet dich schon, bevor überhaupt was passieren könnte, und nimmt dir dadurch Kraft und Konzentration. Je mehr du Fehler vermeiden willst, umso größer ist die „Chance“ sie zu machen.“
Mari hörte aufmerksam zu und ließ die Worte auf sich wirken. Schließlich sagte sie: „Ja, das stimmt, die Angst davor, Fehler zu machen, begünstigte diese. Aber wie werde ich die Angst los?“
„Du wirst sie nicht einfach los, Mari, aber du kannst lernen, anders mit ihr umzugehen. Du solltest einfach akzeptieren, dass Fehler passieren können und außerdem auch, dass du noch Angst davor hast. Und wenn sie aufsteigt, sag dir nicht, dass du keine Angst hast, sondern gesteh dir zu, dass Fehler normal sind, also in der Natur des Menschen liegen.“
„Gut, jedes Mal, wenn künftig die Angst kommt, Fehler zu machen, sage ich mir:
Na und – dann ist es so! Ich tue was ich kann! Wenn trotzdem was nicht klappt, konnte ich es nicht vermeiden. Mehr als mein Bestes kann ich nicht tun!“
„Ja“, bestätigte er, „Du kannst deine ganze Energie in die Aufmerksamkeit investieren, und dennoch ist es oft unmöglich, gar keine Fehler zu machen. Und deshalb geht es darum, zu akzeptieren, dass es unmöglich ist, keine Fehler zu machen. Das nimmt eine Menge Druck! Wenn man weiß, dass sie in jedem Fall passieren können, muss man nicht so zwanghaft aufmerksam sein und sich auch nicht selbst für Fehler bestrafen, indem man sich schlecht fühlt und Scham oder Schuldgefühle mit sich trägt. Ganz davon abgesehen, dass schon das Wort Fehler eine Interpretationsfrage aufwirft. Was ist wirklich schon ein Fehler?!“
Mari wiederholte noch einmal: „Wann immer diese Angst kommt, und sie kommt ja leider oft irgendwie automatisch in mir, dann sage ich mir ab jetzt:
Auch wenn ich mein Bestes tue, können Fehler passieren – das ist menschlich!“
„Ja Fehler sind menschlich! Und… sie alle haben einen Sinn – immer! “
„Immer?“ fragte Mari verblüfft.
„Immer! Sonst hätten wir zum Beispiel dieses Gespräch hier nicht geführt. Außerdem sind meist alle, in dem Fall also wir beide, an dem Fehler beteiligt.“ Er nahm Maris Hand, hielt sie an sein Herz und lächelte: „Das Spiel ist vorbei!“

Erleichtert sah Mari Joel an. „Der Meister ist und war gar nicht sauer mit mir! Da hat er mich in eine Falle tappen lassen, die sich erstmal richtig scheußlich angefühlt hat, aber jetzt ist mir ein Stein vom Herzen gefallen – nicht nur in der heutigen Situation, sondern irgendwie ziemlich grundsätzlich fühlt sich das so an.“
„Nein natürlich ist er nicht sauer“, bestätigte Joel. „Warum sollte er? Weil du eine Situation falsch eingeschätzt hast und darauf hin unkontrolliert reagiert hast? So etwas verärgert ihn doch nicht!“
„Es wirkte aber erst so, als er mir aufgezählt hat – zwei Regelbrüche und eine Verweigerung!“
„Er wollte dir dein von ihm ausgelöstes Fehlverhalten vor Auge führen, um dir dann zu zeigen, dass es für dich unvermeidbar war, während du dich bereits schuldig fühltest.“
„Das war ja eine heftige Lektion! Die werde ich so bald nicht vergessen!“
Und genau deshalb hat er es so inszeniert. Damit du dich daran erinnerst, und damit auch daran, was du daraus gelernt hast!“
Und nun…“ Er öffnete lächelnd seine Arme. „Eine Umarmung gefällig?“
Fest hielt er sie in seinen Armen.
„Es ist ein wunderbares Gefühl, dass jetzt alles vorbei ist und ich auch noch diesen Gedanken als Prävention für alle kommenden Fehler mitnehmen kann!“
„Na das ist doch phantastisch!“ sagte er und drückte sie noch einmal fest an sich.

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66. Gespräch mit der inneren Meisterstimme (1) – eine Beziehung entsteht zu einer Instanz tief innen

Mari fühlt sich geborgen – in sich selbst

Mari drehte sich zum wiederholten Mal im Bett herum, irgendwie fand sie heute keinen Schlaf. Eine diffuse Unruhe war in ihr.
Es ist als ob irgendetwas fehlt… aber was könnte das sein… fragte sie sich.
Meine Arbeit macht mir Freude, finanziell gibt´s keine Probleme, die Treffen mit Joel sind spannend und schön, und dennoch… was ist das, was sich gerade so leer anfühlt in mir…?

Dir fehlt die innige Beziehung zu MIR.

Ups, was war DAS denn? Der Gedanken flog von links nach rechts durch ihren Kopf und hinterließ deutliche Spuren: Sie fühlte sich plötzlich so lebendig und munter, als sei sie nach einem ausgiebigen Schlaf erfrischt aufgewacht.

Schreib!

Huch, jetzt gibt´s auch noch eine Anweisung… Sie grinste. Eine Stimme, die es eigentlich gar nicht gab, sagte ihr, was sie tun sollte…

MICH gibt es! Gerne buchstabiere ich es dir – und da du Farben magst, setze ich jeden Buchstaben in eine andere Farbe für dich:    h   !

Sofort stellte sich Mari das Wort in leuchtend bunten Lettern vor.
Na, dann will ich tun, was du sagst, dachte sie und verließ ihr Bett, um sich an den Laptop zu setzen.

Prima! Gut, dass du gleich aufgestanden bist!
Wenn du mit mir MIR schreibst und  MEINE Antworten empfängst, dann schreibe bitte  MEINE Anrede und alle zu  MIR gehörenden Pronomen in durchgängig großen Buchstaben, denn MEINE Energie stammt aus einer höheren Ebene, aus DER Ebene, nach DER du dich sehnst. So spürst du das schon beim Schreiben und später, wenn du es mal wieder liest,  gleich ganz deutlich.

Mari hatte es schon beim Schreiben, als sie die Energie der Worte fühlte,  entsprechend korrigiert. Sie spürte wirklich bereits, was gemeint war.

Wer oder was bist DU?  fragte sie schreibend.

ICH BIN DER, DEM du alles sagen kannst,  DEN du alles fragen kannst, von DEM du immer Antwort, Hilfe und Führung erhältst – dein innerer Meister.
ICH BIN DIE, DIE alles von dir annimmt, in der Tiefe versteht – und liebt – deine gute Fee.
ICH BIN DAS, in DEM du immer zuhause und geborgen bist – dein inneres Licht.
ICH BIN dein tiefstes, wahres SEIN:  DIE  ALLUMFASSENDE  LIEBE.

Ein tiefer Atemzug durchströmte sie. DAS fühlte sich so wunderbar an.
Als ob eine Sehnsucht Erfüllung finden würde…

Ist es nicht das, wonach du dich sehnst? Geborgenheit, Verlässlichkeit, liebevolle Führung?

Ist es nicht die Art von Energie, die Joel in eurem Rollenspiel für dich als „Meister“ verkörpert, wenn er dir aufträgt, etwas zu tun, was dir gut tut – was dich in deinem Vertrauen stärkt – und was er dir vermittelt, wenn er dich umarmt?

Mari nickte zustimmend. Ja, so ähnlich fühlte sich das auch an mit ihm… nur dass sie es mit ihm auch körperlich spüren konnte, wenn er sie zum Beispiel fest in den Armen hielt und ihr dadurch Halt und Sicherheit vermittelte.

Die Stimme antwortete auf ihre Gedanken:
Diese Gefühle können sowohl durch körperliche Nähe und Berührung entstehen, wie auch durch Worte, die ein anderer Mensch zu dir sagt,
als auch mit Hilfe des Geistes – durch die Verbundenheit mit MIR,
der Essenz von der Kraft der Liebe und Stärke,
die in dir ist und in allem, was um dich herum ist.
Diese Ebene des Geistes – BIN ICH !
Und mit MIR bist du immer in Verbindung – die Frage ist nur, ob du dir dessen gewahr bist oder nicht. Durch unsere dir bewusste Verbundenheit fühlst du das von dir oft so ersehnte Gefühl von Nähe und Geborgenheit, auch ohne körperliche Anwesenheit eines anderen Menschen. Wenn du MICH wahrnimmst, dann fühlst du dich so wunderbar, wie du dich jetzt in diesem Moment fühlst. 

Unwillkürlich musste Mari in diesem Moment lächeln.
Ja eigentlich „mache“ ich es gar nicht,
dachte sie, es kommt ganz von allein –  ES lächelt aus mir – ES lächelt mich
Auch diese Worte schrieb sie auf.

Dieses innere Lächeln ist ein untrügliches Zeichen, dass du mit MIR verbunden bist, „hörte“ sie  diese klare und irgendwie machtvolle, wenn auch leise klingende „Stimme“ in ihr liebevoll sprechen.
Sei gewiss: ICH BIN immer voller Liebe und Frieden – deshalb brauchst du MICH und alles, was ICH dir sage, niemals zu fürchten. Im Gegenteil, du kannst dich immer darauf verlassen, dass die Themen, die du mit MIR besprichst, und die Gedanken, die du MIR übergibst, sich allein schon dadurch, dass du sie MIR anvertraust, heller und leichter anfühlen werden, und dass MEINE Antworten dir immer gut tun werden. Denn:

ICH BIN die tiefste Liebe deines Seins
ICH BIN  immer da für dich. 

Ein tiefes Geborgenheitsgefühl durchströmte Mari und sie hörte die Stimme in sich flüstern:

Und nun geh schlafen, Mari, komm in MEINE Arme…

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63. Wann wird das Kribbeln zur Angst? (2)

Bei Joel – Eine intensive Erfahrung

Nach einem Gespräch über die feine Gradwanderung zwischen aufregendem, schön lebendigem Prickeln und Angst, fragte Joel, der das Spiel bereits begonnen hatte und in der Meisterrolle war: „Magst du mir deine Hände geben, Mari?“ und hielt ihr seine Hände hin.
Sie nickte und legte ihre Hände in seine. Es fühlte sich gut an zu spüren, wie seine warmen, großen Hände ihre umfangen hielten. Dann ließ er sie langsam und sanft über ihre gleiten – es war wie ein sanftes Streicheln, was ein wohliges Gefühl von Entspannung in ihr auslöste. Nach einem Weilchen begann er, ihre Hände etwas anzuheben. Sie ließ ihre ganz locker und folgte seinen Bewegungen. Immer höher hob er sie bis sie sich schließlich in Höhe ihres Gesichtes befanden. Gerade als sie begann, sich darüber zu wundern, veränderte er seinen Griff und umfasste ihre Handgelenke, drückte ihr die Hände über ihren Kopf, so weit, dass sie nach hinten überkippte und auf dem Rücken landete mit den Händen hinter dem Kopf liegend.
„Huh!“ Erschreckt stieß sie einen kleinen Schrei aus und wollte die Hände wegziehen. Doch er hielt sie fest, während er schnell einen langen schwarzen Schal unter einem hinter ihr liegenden Kissen hervor zog.
Noch nicht ahnend, was jetzt kommen würde, bat sie: „Bitte lass mich los!“
„Nein, jetzt nicht!“ antwortete er bestimmt, während er schon geschickt den Stoff um eine Hand wickelte.
Entsetzt rief Mari: „Du willst mich doch heute nicht fesseln?! Das war nicht abgesprochen! Bitte hör auf!“
Ruhig erwiderte er: „Doch war es! Erinnere dich! Du hast mir kurz nach Weihnachten erlaubt, dich überraschend zu überwältigen – jederzeit, um eine Vertrauenserfahrung zu machen. Jetzt ist es soweit!“
Oje, jetzt fiel es Mari wieder ein. Dass sich das so anfühlen würde, war ihr nicht klar.
Während er den Schal um das zweite Handgelenk wickelte, versuchte sie erfolglos ihre Hände zurückzuziehen – keine Chance! Er fasste fester zu, und knotete schließlich den Schal zusammen, so dass ihre Hände diesmal deutlich gefesselt waren.
Erschreckt japste sie nach Luft.
„Jetzt bist du ganz hilflos mein“, sagte er ganz ruhig und leise in ihr Ohr. 
Heftig ein und ausatmend lag sie in ihrer Wehrlosigkeit auf der Couch. Die Angst stieg wie eine heiß-kalte Welle ihre Wirbelsäule empor. „Was machst du jetzt mit mir?“ fragte sie entsetzt, während er aufstand, ihre Füße nahm und auch auf die Couch legte. Dabei drehte er sie so, dass sie nun längs auf dem Sofa lag.
„Bitte… Bitte rede mit mir… Das macht mir solche Angst!“ brachte sie heraus.
Er legte sich neben sie. „Ich werde dir nichts tun, keine Sorge, nichts, was du nicht schon kennst!  Du sollst die Wehrlosigkeit nur wahrnehmen… einfach spüren, dass du jetzt ganz meinem Willen unterworfen bist. Und du weißt, ich will dir gewiss nur Gutes!“ 
In der ganzen beunruhigenden Situation fühlte es sich irgendwie tröstlich an, dass er neben ihr lag. Entsetzt realisierte sie: „Ich bin jetzt wirklich hilflos! Ich glaube du hast sogar diesmal einen Knoten gemacht. So hat es sich jedenfalls angefühlt… Stimmt das?“
„Ja, diesmal bist du ganz echt gefesselt“, bestätigte er leise und legte seine Hand auf ihren Bauch.
„Ich will deinen Bauch spüren“. Er streichelte sie und öffnete einen Knopf ihrer Bluse über ihrem Bauch. 
Maris Aufregung stieg. Es kribbelte heiß und kalt durch Arme und Beine bis in den Kopf hinein, als würde Pfefferminzöl durch ihre Blutgefäße rauschen. In diesem Moment vergaß sie, dass es Joel war, der mit ihr ein Spiel spielte und dem sie mittlerweile zu vertrauen gelernt hatte. Sie war wie in einem Film gefangen in ihrer Angst. 
„Nein“, schrie sie. „Nein!!! Bitte nicht!!!“
„Mari, ist das rot?“ fragte er ernst.
„Wie jetzt rot…?“ Verwirrt schaute sie ihn an. Selbst die Bedeutung ihres gemeinsamen Ampel-Codes hatte sie vergessen.
Joel nahm die Hand von ihrem Bauch und legte sie ihr mit leichtem, beruhigendem Druck auf die Schulter. „Hey, Mari, schau mich an!“ 
Langsam drehte sie ihren Kopf zu ihm und blickte in seine freundlichen Augen… Es war, als würde sie aus einem Traum aufwachen… „Joel!“
„Ja! Erinnere dich. Du wolltest die Erfahrung machen, überwältigt zu werden, eventuell auch zu kämpfen und zu spüren, dass jemand stärker ist als du und dir nichts Schlimmes dabei geschieht.“
Jetzt erinnerte sie sich wieder an dieses Gespräch. 
„Nun, ich darf dich zwar überwältigen, aber du kannst jederzeit die rote Karte ziehen. Dann brechen wir das Spiel sofort ab. Diese Vereinbarung gilt immer!“ Sanft strich er mit einem Finger über ihre Wange. „Nun? Sind wir bei Rot? Was meinst du? Oder kribbelt es noch in Gelb?“
„Kannst du mir bitte einen kleinen Moment Zeit lassen?“ fragte sie noch immer ziemlich außer Atem.
„Natürlich“, antwortete er ruhig und blieb dicht neben ihr liegen. Langsam senkte sich ihre Aufregung wieder auf einen erträglichen Level. Er schaute sie sanft an.
Okay dachte sie, und redete sich selbst gut zu: Ich habe die Möglichkeit jederzeit die rote Karte zu ziehen, ich muss es nicht jetzt gleich tun. Ich kann noch abwarten. Er reagiert ja gleich, wenn ich ROT sage, selbst jetzt, als mir die Ampel nicht mehr einfiel, hat er nachgefragt…
Und sie sagte: „Ich bin kurz vor rot aber noch in rötlichem Gelb, also sagen wir Orange.“
„Das freut mich sehr“. Bei diesen Worten legte er seine Hand wieder auf den Bauch. Als er spürte, dass sich ihr Atem wieder beruhigt hatte, öffnete er noch einen zweiten Knopf und schob einen Finger in die nun etwas offene Bluse. Ihre gesamten Aufmerksamkeit war auf seine Hand gerichtet, die er nun langsam unter die Bluse schob. Wieder ließ er sie einen Moment lang so liegen und streichelte dann ihren Bauch noch oberhalb des dünnen Tops. Sie atmete tief ein und aus. Als er dann schließlich begann, das Top langsam nach oben zu schieben, fragte sie sich: Wie weit würde er gehen?! Konnte sie ihm wirklich vertrauen? 
Er zog es so weit hoch, dass seine Hand auf ihrem nackten Bauch lag. Ihre Brust blieb bedeckt. Ganz starr wurde sie bei seiner Berührung und hielt die Luft an. Das Gefühl von Wehrlosigkeit wurde immer intensiver und beängstigender. Seine Finger strichen sanft über ihren Bauch, blieben aber in der Bauchmitte in der Nähe ihres Nabels.
Sie erinnerte sich an das Wunschritual zur Jahreswende, in dem er auch ihren Bauch berührt hatte und mit Lebensmittelfarbe ihr Kraftsymbol darauf gezeichnet hatte. Dabei hatte sie auch Angst gehabt, aber es war nichts Schlimmes geschehen… Sie hatte ihre ganze Kraft gebraucht, um ruhig liegen zu bleiben, so wie es auch jetzt war. 
Seine Finger strichen sanft um ihren Nabel herum und streichelten nur den Bauch, er wanderte nicht höher und nicht tiefer. Aber er KÖNNTE es! Wenn sie doch nur nicht gefesselt wäre und sich so hilflos fühlen würde…

„Wie fühlt es sich an, dass ich mit meiner Hand jetzt überall hingehen könnte?“ fragt er leise in ihr Ohr.
„Das fühlt sich ganz furchtbar an,“ erwiderte sie, „ich bin die ganze Zeit kurz vor Rot.
„Wie ist das Gefühl, ausgeliefert zu sein, sich hingeben zu dürfen?“ fragte er, „wie ist das mit dem Kribbeln jetzt?“
„Ich möchte nicht, dass du dir mehr nimmst, als ich dir freiwillig geben kann! Das Kribbeln ist sehr heftig – ziemlich schlimm!“ Schnell atmend stieß sie diese Worte hervor.
„Ich würde in einer solchen Situation nie weiter gehen, als du es schon kennst“, erklärte er ruhig, zog seine Hand weg und knöpfte die Bluse wieder zu.
In diesem Moment wurde ihr klar, wie unangemessen ihre Angst war. „Tut mir leid, jetzt habe ich dich sicher verärgert. Das wollte ich nicht! Ich kann gegen diese plötzlich auftauchenden Angst-Gefühle manchmal nichts tun“, versuchte sie zu erklären. „Bitte nimm es mir nicht übel.“
„Aber nein, ganz und gar nicht“, versicherte er ihr und löste die Fesseln. „Du warst sehr tapfer und mutig. Das Spiel ist vorbei.“ Mit diesen Worten löste er den Schal von ihren Handgelenken.

„Joel, es tut mir leid, dass ich in solch eine Angst abgerutscht bin.“ Sie setzte sich auf, und schaute ihn sehr unsicher an.
„Aber Mari, das braucht dir doch nicht leid zu tun. Wir wissen doch beide, dass die Angst bei dir immer mal wieder an getriggert werden kann. Ich finde, du bist tapfer durch die Situation durch gegangen – und das so ganz wehrlos! So etwas wäre, als wir miteinander begonnen hatten, noch völlig undenkbar gewesen!“
Erleichtert erklärte sie: „Ich habe gedacht, als du, also ich meine… als der Meister die Bluse zugeknöpft hatte: „Das war’s! Jetzt ist er verärgert, weil ich so etwas gesagt habe! Weil ich es in dem Moment für möglich hielt, dass du weit über meine Grenzen gehen könntest. Oh Mist! Dass ich dir das zugetraut habe!“ Beschämt senkte sie ihren Blick und fuhr sich unruhig mit der Hand durch die Haare.
Erstaunt und sehr aufmerksam schaute Joel sie an.
„Warum bist du so aufgeregt, Mari?“
„…Weil mir das mit dem Vertrauen nicht besser gelungen ist. Ich hätte mich besser im Griff haben sollen! Es fühlt sich so schlimm an, wenn ich versage!“
„Mari, merkst du, wie hart du zu dir bist? Du hast nicht versagt, denn du hast nicht aufgegeben! Du hast trotz deiner Angst das Spiel nicht abgebrochen!“
„Na ja…“ Mari überlegte, „es stimmt, dass ich nicht die rote Karte gezogen habe, hat mich viel Kraft gekostet.“
„Ja, das war sicher nicht leicht, an der Stelle noch die Kraft zu finden und zu sagen, es ist noch nicht rot. Das war bestimmt eine ziemliche Überwindung und daher eine große Leistung!“
„Danke, dass du das auch so siehst. Nimm es bitte nicht persönlich, wenn ich manchmal in Ängste gerate, die eigentlich gar nichts mit dir zu tun haben, so wie jetzt eben.“
„Mach dir darüber bitte keine Sorgen, Mari! In solch intensiven Spielen, in denen wir so nah an deinen Angstgrenzen entlang wandern, kann das immer wieder mal geschehen. Damit muss ich – gerade wenn ich in der Rolle des Meisters bin – immer rechnen. Und ich bin sicher, ich werde in solchen Momenten immer Wege finden, dich wieder zurück zu führen in das, was gerade da ist – und das wird nie etwas Schlimmes sein! Und wenn deine Angst manchmal der Situation nicht angemessen erscheinen mag – wer will das messen? Die Intensität der Angst hat immer mit den inneren Prägungen zu tun, das hast du gar nicht in der Hand. Darüber würde ich mir nie ein Urteil erlauben und erst recht nicht verärgert sein! Mari, du darfst immer fühlen, was du fühlst und es auch ausdrücken!“
Erleichtert schaute sie Joel an. 
„Ich finde, du bist wieder einen großen Schritt weiter gegangen,“ sagte er lächelnd, „was hältst du jetzt von einer Umarmung?“
Mari nickte. „O ja, so gerne!!!“ Und als er sie fest in seine Arme nahm, konnte sie fühlen, dass wirklich alles gut war. Jetzt löste sich ihre Anspannung ganz.
„Wow, war das heute heftig! Aber jetzt ist alles gut.“ Dankbar schmiegte sie sich an und genoss es, in seinen Armen gehalten zu werden.
„Ja, das war eine sehr intensive Übung“, bestätigte er. 
„Stimmt“, nickte sie, „ist alles gut, Joel?… Auch bei dir?“
„Ja, bei mir ist alle super“, antwortete er ganz entspannt. „Ich genieße unsere Umarmung jetzt auch.“
„Darüber bin ich froh! Danke für dieses Spiel, das mich sehr gefordert hat – und danke für… überhaupt!“
„Ich danke dir auch, Mari, für dein Mitspielen und für… überhaupt!“ lächelte Joel.

Geschrieben von Raffael und Miriam

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59. Erstes Spiel im neuen Jahr (2)

Bei Joel – das Spiel geht weiter

Joel hielt Mari, die er dicht neben sich gezogen hatte, auf der Couch fest umschlungen und flüsterte – bereits in seiner Rolle als Meister: „Nun bist du meine Gefangene! Na, wie fühlt sich das an?“
Mari , die sich sehr plötzlich in dieser „gefangenen Sitzhaltung“ wiederfand und dadurch etwas erschrocken war, konnte nicht gleich antworten.
Er wartete und zog sie noch fühlbar enger an sich heran. In seinen beiden Händen hielt er ihre Hände: den einen Arm vor ihrem Oberkörper, den anderen Arm hinter dem Rücken. Dabei hielt er ihre Hände so fest, so dass sich ihre Arme in der Tat fast bewegungsunfähig anfühlten.
Ihn so nah bei sich zu fühlen in dieser Haltung fühlte sich tatsächlich wie gefangen an – und löste ein ambivalentes Gefühl aus – einerseits war es aufregend und unheimlich, so hilflos zu sein, andererseits fühlte es sich gut an, seine Nähe so deutlich zu spüren. Dazu die Worte „eine Gefangene sein“… löste ein Kribbeln aus.
„Nun, Mari… ich warte auf deine Antwort. Wie fühlt sich das an?“
„Schaurig – aufregend – spannend…“ antwortete sie leise.
„Nun, dann wollen wir doch mal sehen, wie es meiner Gefangenen weiter ergeht…“ Mit diesen Worten stand er, sie weiter in den Armen festhaltend auf, so dass ihr gar nichts anderes übrig blieb, als an seiner Seite mit aufzustehen. Einen Moment lang stand sie von ihrem eigenen Arm, dessen Hand er in seiner hielt, fest umschlungen fest an seine Seite gedrückt neben ihm.
„Körbchen-Position nennt man das im Tanz“, erklärte er ihr.
Plötzlich zog er an einem Arm, ließ den anderen los und gab ihr an der Schulter einen deutlichen Impuls, so dass sie sich schwungvoll aus der eben noch dicht neben ihm stehenden Haltung ausdrehte und sich ihm gegenüber wieder fand – jetzt, nun mit weitaus größerem Abstand nur noch an einer Hand gehalten.
Er hielt sie so lange an der Hand fest, bis sie ihr Gleichgewicht wieder gefunden hatte und sicher auf ihren Füßen stand. Dann ließ er sie los, ging drei Schritte zurück und betrachtete sie von dort aus.
„Du bleibst jetzt genau an dieser Stelle stehen – so lange bis ich dir etwas anderes sage. Und deine Arme verschränkst du hinter dem Rücken.“
Angespannt folgte sie seiner Anweisung.
„Gut, Mari.“
Er lächelte verhalten, kam auf sie zu und trat hinter sie.
Aufgeregt wartete sie ab. Was würde jetzt kommen?
Sie fühlte einen kleinen Druck seiner Hände auf ihre beiden Ellbogen, der die verschränkte Armhaltung noch etwas verstärkte. Das fühlte sich zwar unbehaglich an, aber nicht wirklich unangenehm.
Stille…
Er war immer noch hinter ihr…
Was würde jetzt kommen?
Aufgeregt hielt sie die Luft an.
Schließlich spürte sie, wie er seine Hände sanft auf ihre Schultern legte. „Ganz ruhig weiter atmen, Mari“, hörte sie seine Stimme leise an ihrem Ohr. „Du hast nichts weiter zu tun, als einfach nur wahrzunehmen, was du fühlst.“
Die Wärme, die aus seinen Händen strömte, tat ihr gut. Hörbar atmete sie aus.
„Ja, so ist es gut, entspann dich, auch wenn diese Haltung sich vielleicht gerade etwas unbehaglich anfühlen mag. Alles ist gut…“ Dann begann er seine Daumen mit sanftem Druck auf ihren verspannten Schultern zu bewegen. Dankbar nahm sie wahr, wie sich ihre Schultern dabei etwas lockerten. Auch ihre gefühlsmäßige Anspannung konnte sich dabei ein wenig beruhigen…

Schließlich trat er wieder vor sie, schaute ihr in die Augen und erklärte: „Du wirst weiterhin so stehen bleiben. Halte den Blickkontakt mit mir und nimm bewusst wahr, was in dir geschieht.“
Daraufhin ging er zwei Schritte rückwärts und sah sie von dort aus schweigend an.
Dieses Schweigen war schwierig für sie auszuhalten. Dabei fühlte sie die Anspannung der verschränkten Arme deutlicher als vorher.
Er wusste das und dehnte die Situation nicht allzu lange aus. Dennoch erschien es ihr sehr lang.
„Wie fühlst du dich?“ fragte er schließlich.
„Unbehaglich.“ Ihr Blick ging unruhig hin und her.
„Schau mich an, Mari.“
Sie erschrak. Stimmt ja! Sie sollte ja den Augenkontakt halten! Es fiel ihr jedoch schwer. Die Situation verursachte in ihr eine seltsame, unheimliche Stimmung.


Er trat wieder einen kleinen Schritt auf sie zu, legte einen Finger unter ihr Kinn und hob es an, bis sie ihm wieder in die Augen sehen musste.
„Was wünschst du dir jetzt?“
„Dass ich meine Arme lösen darf“, antwortete sie.
„Du darfst deine Arme wieder lösen und dich ganz bequem hinstellen.“ Er lächelte. „Mari, du bist jetzt wieder frei!“
Erleichtert nahm sie eine angenehmere Körperhaltung ein.
„Das hast du sehr gut gemacht!“ Er breitete seine Arme aus. „Und nun komm her! Lass dich umarmen!“

Erleichtert ließ sie sich von ihm halten. Das tat sooo gut… fest und innig umschlungen hielt er sie lange in seinen Armen. Dann setzte er sich mit ihr auf die Couch, legte einen Arm um sie und flüsterte: „Das Spiel ist vorbei, Mari. Der Meister hat sich aufgelöst, und du sitzt jetzt hier mit Joel.“
Aufatmend schmiegte sie sich an ihn. So viel war ja eigentlich gar nicht geschehen, dennoch hatte sie das Gefühl, von einem anstrengenden Weg nach hause gekommen zu sein.
„Auch wenn wir rein äußerlich betrachtet gar nicht so viel getan haben, hat es wohl einiges in dir bewegt… Spüre ich das richtig?“ fragte er.
„Ja“, bestätigte sie. „Deine Worte am Anfang, dass ich nun deine Gefangene bin, und diese seltsame Armhaltung haben ziemlich intensive Gefühle in mir ausgelöst.“
„Ich sag es auch gern nochmal als Joel, damit es ganz deutlich in dir ankommt: Mari, du bist jetzt frei! Am besten sagst du es dir selbst auch noch mal.
Mari nickte zustimmend: „Ja, ich bin frei!“
„Und eigentlich warst du das die ganze Zeit! Denn dieses Spiel, wie alle unsere Spiele, spielst du freiwillig, aus deinem freien Willen heraus. Nur während des Spielens tritt dieses Bewusstsein in den Hintergrund. Und es ist die Aufgabe des Meisters“, er zwinkerte ihr zu, „genau dafür zu sorgen, dass du es für diese Zeit vergisst. Aber jetzt… denkst du noch an deinen Satz am Anfang des Spieles?“
Mari lächelte „Ja, ich will die Aufregung und die kleine Angst, die mit unseren Spielen verbunden ist, spüren, und ich will auch spüren, wie sie sich wieder löst. Ich glaube, deshalb spiele ich gern diese Spiele, weil diese liebevolle Führung des Meisters in herausfordernden Situationen und hinterher die Erlösung aus der Angst ein so intensives Gefühl auslöst.“
Joel nickte. Er verstand sie.
„Und warum spielst du diese Spiele?“ fragte Mari interessiert.
„Ich mag es, die Macht zu fühlen, die du mir als Meister gibst – und die Handlungen in dieser Machtrolle in all ihren Herausforderungen sowohl aufregend als auch liebevoll zu gestalten! Diese Balance auszuloten ist für mich die Herausforderung…“ antwortete er lächelnd.
„Ich wünsche mir, dass in dieser Weise das ganze Leben mit uns umgeht!“
„Ja, möge uns das Leben solche Herausforderungen bringen, die sich herrlich lebendig anfühlen und gut zu bewältigen sind, auf dass sich alle Ängste immer wieder liebevoll auflösen und auch in ungewissen Situationen immer mehr Vertrauen wachsen kann…“

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53. Einen Schritt weiter ins Vertrauen

Am Tag nach Weihnachten kommt Joel am Nachmittag Mari besuchen…

„Hallo Mari“, sagt er lächelnd, trat ein und zog sich seine Schuhe und Jacke aus.
„Tee und Plätzchen warten schon“, sagte Mari fröhlich. Sie freute sich auf ihn. Nach den entspannten Dezember-Wochen, in denen sie miteinander die Raumschiff-Geschichte gelesen hatten, die er für sie erdacht hatte, fühlt sie sich etwas unbefangener als davor.

„Das sieht bei dir immer alles so schön feierlich und gemütlich aus“, sagte er und setzte sich.



„Freut mich, dass es dir bei mir gefällt, Joel“, antwortete Mari lächelnd. „Diese Adventszeit war für mich eine ganz besondere durch deine Geschichte. Auch unsere Treffen, in denen du mir vorgelesen hast oder davon erzählt hast, empfand ich als so schön…“

„Das freut mich sehr“, antwortete er, nahm ein Plätzchen und sagte dabei leise: „Das Spiel beginnt.“ Dann in etwas anderer Stimmlage: „Ich würde gerne mit dir über die Geschichte reden, Mari.“

„Ja okay…“ antwortete sie abwartend.

„Wenn du so auf die Geschichte zurückblickst, welchen Eindruck hast du gehabt von der weiblichen Rolle?“ fragte er und schaute ihr in die Augen. Wie hat es sich für dich angefühlt? Wie sehr hast du mit ihr gefühlt?“ frage Joel nach.

„Also… Ich konnte mich gut in sie hinein versetzen, ihr Thematik ist mir ja nicht fremd. Und ich denke, das ist kein Zufall, oder?“ Sie sah Joel an und er zwinkerte ihr zu. „Manchmal tat sie mir leid, weil sie nicht mal weg gehen konnte, wenn sie es gewollt hätte, denn das Raumschiff konnte sie ja nicht verlassen. Also sie war nicht wie ich in einer von ihr selbstgewählten Situation von Macht und Kontrollabgabe, sondern sie hatte das Gefühl, zumindest am Anfang, völlig ausgeliefert zu sein. Da war es schön zu lesen, wie verständnisvoll und sanft ihr Meister mit ihr umgegangen ist.
Im Gegensatz zu Carina könnte ich das Ganze ja immer beenden, wenn ich es nicht mehr aushalten würde. Die arme Socke nicht. Das muss sich ziemlich heftig angefühlt haben – besonders am Anfang, bevor sie ihren Meister etwas besser einschätzen konnte. Ich habe sehr mit ihr gefühlt, habe mich manchmal richtig in der Geschichte drin gefühlt.“

„Das freut mich sehr“, lächelte Joel. „Gibt es etwas, das dich besonders gefangen genommen hat – etwas, das in deinem Kopf geblieben ist?“

„Naja, an zwei Stellen fand ich die Macht, oder soll ich besser sagen die Übermacht ganz besonders spürbar, das war einmal ganz am Anfang, als sie nach ihrer Flucht gefasst worden ist, bei ihm in seinem Haus war und schließlich ja keine andere Wahl hatte, als diese Reise mit ihm anzutreten.
Und dann die Situation, wo ihr Meister sie nicht aus dem Zimmer gelassen hat, und sie gezwungen hat, sich auf die Liege zu legen.“

„Wie war das für dich, als er sie dazu gezwungen hat?“ fragte Joel.

„Da waren einige Gefühle gleichzeitig in mir… Einerseits hatte ich ja genügend Distanz, um aus dem roten Faden, wie es bis dahin so lief, zu erkennen, das er ihr sicher nichts Böses wollte, und auch nichts Unkontrolliertes tun würde, mit dem er sie verletzen würde. Andererseits fühlte ich mit ihr mit, wie stark sie in ihrer Panik gefangen war, und hatte Mitgefühl mit ihr. Und dann gab es auch noch eine dritte Facette…“

„Eine Dritte Facette? Was war die dritte Facette?“

„Das fällt mir ein bisschen schwer, wie ich das beschreiben soll, vielleicht kann ich es als ein Gefühl von Faszination bezeichnen, etwas, was mich gleichzeitig angezogen hat und abgeschreckt hat… Und diese Gleichzeitigkeit hat sich irgendwie aufregend angefühlt, ja fast ein bisschen… erregend.“

„Oft liegt die Faszination ja in dem, was unmöglich zu sein scheint. Ramon hat in der Szene ja mehrfach gesagt, dass ihr nichts Schlimmes passieren wird, hast du ihm geglaubt?“

„Ja, ich als Leserin war mir sehr sicher, dass ihr wirklich nichts Schlimmes geschehen würde. Ich habe aber auch gespürt, dass sie das gar nicht glauben konnte, ja dass sie es nicht einmal wahrgenommen hat in ihrer Panik.“

„Und wie war es zu spüren, dass er sie nicht loslassen würde, dass er sie zwingen würde zu bleiben und sich hinzulegen?“

„Naja, da habe ich gedacht, wenn du das mit mir sobald am Anfang gemacht hättest, wie es für Carina war, das hätte ich wahrscheinlich als sehr schlimm empfunden. Aber seltsamerweise fand ich es innerhalb dieser Geschichte nicht so schlimm, diesen Widerspruch verstehe ich selbst nicht so richtig… Vielleicht weil ich mir von außen berachtet denken konnte, dass er ihr nicht wehtun wird… Ich glaube, deshalb fand ich es nicht nur „nicht schlimm“, sondern sogar spannend und aufregend.

„Weil du wusstest, er würde ihre Grenzen wahren. Ist das so richtig?“

„Ja, also genau wissen konnte ich es ja auch nicht, weil ich kannte ja die Geschichte noch nicht ganz, aber ich war mir irgendwie sehr sicher, dass er nicht über eine Grenze gehen würde, die für sie nicht stimmig gewesen wäre.
Obwohl er ja da schon über eine Grenze gegangen war, denn sie wollte ja aus der Situation raus gehen. Allerdings fand ich das – von außen betrachtet – irgendwie nicht so schlimm.“

„Ja, das Festhalten war sicher eine Grenzüberschreitung, aber eigentlich nur eine kleine, um etwas anderes vorzubereiten. Doch da war ja nicht klar, wie weit es gehen würde. Er war ja eindeutig stärker als sie und hätte mit ihr alles mögliche machen können. Wie war das Gefühl dieses Ausgeliefert-seins für dich?“

„Ich konnte ja spüren, das sie einem Mann, der es gut mit ihr meinte, ausgeliefert war – und das hat sich… ehrlich gesagt… sogar irgendwie… gut angefühlt,“ gab Mari etwas zögernd zu.
„Also aus ihrer Position hat sich das in diesem Moment sicherlich nicht gut angefühlt, aber aus meiner Position hatte das irgendwie etwas, ja fast irgendwie Schönes…“

Joel schaute sie nachdenklich an… „Diese Gefühl ausgeliefert und doch etwas behütet zu sein?“ fragte er schließlich.

Mari nickte: „Da hast du es genau auf den Punkt gebracht! Ja, diese Gleichzeitigkeit von Zwang und Güte – die hat was! Er hat ja auch während dessen immer wieder freundlich mit ihr geredet, das habe ich als Zuhörerin ja wahrgenommen, aber sie konnte es nicht wahrnehmen, weil sie so gefangen war in ihrer Angst.“

„Und diese Gleichzeitigkeit hatte etwas Faszinierendes?“

„Hm ja… Stimmt.“

„Kannst du sagen, was faszinierend daran ist?“

„Das merke ich immer mal wieder, dass… wenn zwei Gegensätze gleichzeitig da sind, und einer davon hat etwas mit Güte oder Liebe zu tun, irgendetwas in mir klingelt und sich berührt fühlt.
Es gibt ja den Ausspruch: jemanden zu seinem Glück zwingen. Und wenn wir hier die Fußmassage als Glück betrachten, weil sie ihr ja gut getan hat und ihre Kopfschmerzen gelindert hat, dann war dieser Zwang ja für etwas Gutes da und fühlt sich deshalb irgendwie stark an.“

„Ja, es hatte vielleicht etwas damit zu tun, jemandem zu seinem Glück zu zwingen. Allerdings… könnte es manchmal nicht auch darum gehen, einfach Macht zu spüren, das Gefühl zu fühlen, dass jemand Macht über einen anderen hat…“

„Hmm…also… ein starker Mann hat die Macht über sie, und das hat sich deshalb gut angefühlt, weil ich mir ziemlich sicher war, dass diese Macht nicht für etwas Böses, im Gegenteil für etwas Heilendes genutzt wird.“

„…Und das Gefühl, dass jemand Macht über sie hatte… das war faszinierend?“

„Ja, das fand ich faszinierend, aber das würde ich nur so empfinden, solange wie nichts Böses geschieht, nichts Schlimmes… Zu wissen, er ist ihr so überlegen in seiner Kraft, dass er alles mit ihr machen könnte, was er will, aber das nicht zu etwas ausnutzt, was ihr nicht gut tut, das finde ich ziemlich spannend.“

„Wie wäre es, wenn ich diese Macht über dich hätte, Mari?“

„Huuuh… Du stellst ja Fragen… Da sind wir plötzlich von der Geschichte bei uns gelandet!
Naja, ich glaube, du bist mir körperlich tatsächlich ziemlich überlegen…“

„Ja, das würde ich sagen. Wenn es darauf ankäme, könnte ich dich körperlich überwältigen.“

„Willst du mir jetzt Angst machen? Also bisher hatte ich immer den Eindruck, dass du diese Macht nicht einsetzt, also diese körperliche Überlegenheit…“

„Nein, du weißt, dass ich das nie zu deinem Schaden einsetzen würde – also keinesfalls, wenn es nicht okay wäre. Aber vielleicht reizt es dich ja, auch dieses Gefühl der Machtlosigkeit zu erleben – in dem Wissen, dass dir mit mir nichts Schlimmes passieren wird…?“

Mari überlegte… „Hm. Na ja… Da ist schon ein bisschen was Wahres dran… Dieses Gefühl der Machtlosigkeit ist so seltsam doppelt, es reizt mich irgendwie die Vorstellung, das körperlich zu spüren… Gleichzeitig ist aber auch eine große Angst davor da, wie wir ja in der Situation, in der du mich gefesselt hast gesehen hatten.“

„Nun, das wäre natürlich eine Frage des Vertrauens. Du müsstest viel Kontrolle abgeben und darauf vertrauen, dass ich trotz Überwältigung die Regeln einhalte.“

„Ui, das fühlt sich spannend und unmöglich gleichzeitig an, faszinierend und beängstigend zugleich… Ich weiß nicht, ob ich in dem Moment noch vertrauen könnte, Carina konnte es ja nicht, aber sie kannte ihren Meister auch noch nicht so lange, wie ich dich bereits kenne.“

„Ja, das ist schwer vorherzusehen. Wie sehr würde es dich reizen?“

„Hmm…“ Mari spürte schon bei der Frage, wie eine Aufregung, in ihr aufstieg, die sich spannend und leicht bedrohlich gleichzeitig anfühlte. „Irgendetwas reizt mich schon, herauszufinden, wie das wäre… wie stark ich in Panik geraten würde… oder ob ich schon ein Stück mehr vertrauen könnte. Ich weiß es wirklich nicht, wie das in der Realität sich anfühlen würde…“

„Es ist die Frage, ob du mir genug vertraust, um es mir zu erlauben.“

„Um dir was genau zu erlauben?“

Joel schaute sie ernst und gleichzeitig freundlich an. „Dich zu überwältigen, Mari… dich einmal zu etwas zwingen, selbstverständlich zu etwas, was du annehmen kannst.“

„Und was das ist, wozu du mich überwältigst, das entscheidest du? Ohne mein Wissen?“

„Ja genau, sonst wäre es ja keine Überwältigung.“

„Also ausgeschlossen müssten körperliche Schmerzen sein und sexuelle Übergriffe! Könntest du mir das versprechen?“

„Nun, ich würde nicht weiter gehen, als etwas, dass wir beide bereits miteinander erlebt haben.“ antwortete Joel sofort. „Und körperliche Schmerzen schließe ich definitiv aus.“

„Würde ich die Sicherheit der roten Ampel dann trotzdem weiterhin haben? Also würdest du aufhören wenn ich sagen würde Ampel rot?“

„Ja, wenn du „Rot!“ sagen würdest, würde ich sofort aufhören! Diese Regel bleibt immer bestehen.

„Hmm .. ich weiß nicht warum und ob es richtig ist, aber es zieht mich dahin zu sagen: Ja, ich bin einverstanden, ich gebe dir diese Erlaubnis.“

„Das würde bedeuten, dass ich dann, wenn ich es will, dich überwältigen darf, und etwas mit dir machen darf, was wie besprochen keine Schmerzen beinhaltet und nichts Schlimmes„. Joel lächelte unmerklich beim letzten Worten.

„Und ohne dass du mir vorher Bescheid sagst?“

„Ja ganz genau! Sonst wäre es keine Überwältigung.“

„Ich müsste also darauf vertrauen, dass du einschätzen kannst, was für mich etwas Schlimmes ist…“

„Ja das stimmt! Und genau aus diesem Grund, bleibt die Regel der roten Ampel bestehen.“

Mari wurde für einen Moment still und lauschte in sich hinein. Dann schaute sie ihn an und sagte: „Auch wenn das sich ziemlich doppelt anfühlt: Okay, ich sage ja.“

„Ich finde, es fühlt sich toll an, und ich danke dir sehr für das Vertrauen, dass du mir damit entgegenbringst, Mari!“

„Für mich fühlt es sich gleichzeitig etwas beängstigend und andererseits auch irgendwie toll an, und die Anziehung überwiegt, deshalb habe ich ja gesagt. Und ja, das ist wirklich viel Vertrauen was ich dir damit entgegen bringe.“

„Oh ja, und das fühlt sich für mich sehr anregend an, wenn ich dir das so sagen darf. Ich danke dir, für dein Vertrauen.“

„Würdest du mich mal umarmen?“

„Aber gerne“, antwortet er lächelnd und umarmte sie ganz fest. Nachdem beide ein Weilchen diese Umarmung genossen haben, flüsterte er ihr ins Ohr: „Das Spiel ist vorbei.“

„O Joel, ich glaube, mit dieser Erlaubnis ist jetzt etwas Neues in unsere Spiele hinein gekommen…“

„Oh ja, du hast heute einen riesigen Schritt gemacht in Bezug auf das Vertrauen und das Abgeben der Kontrolle. Ich bin sehr stolz auf dich!“ Er drückt sie nochmals eng an sich.

Und ich werde mir etwas einfallen lassen, um dich gelegentlich zu deinem Wohl zu überwältigen… lächelte er.

Geschrieben von Rafael und Miriam

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52. Reicht das Vertrauen zum Fesselspiel? (2)

Bei Joel – eine Herausforderung und Chance für Maris Vertrauen

Mari hatte sich durchgerungen, sich von Joel im Rahmen ihrer Vertrauensspiele die Hände fesseln zu lassen, aber in dem Moment, wo sie auf dem Rücken liegend die Hände nach hinten ausgestreckt hatte und er sich mit dem Seil näherte, bekam sie ein so heftiges Angstgefühl, dass sie sich schnell wieder aufsetzte.  „Entschuldige bitte – bitte entschuldige! Ich kann nicht!“ rief sie aufgeregt.

„Was würde dir helfen, Mari?“ fragte er ruhig.
„Ich habe solch eine Angst“, antwortete sie, „ich weiß auch nicht! Ich war ja schon froh, dass ich bis hierhin gekommen bin, aber als ich dann das Seil in deiner Hand sah, ist mein Körper einfach zusammengezuckt.“
Er hielt ihr seine linke Hand hin. „Das macht gar nichts, Mari.“ sagt er ganz sanft. „Leg dich einfach wieder hin, und gib mir deine Hände.“ Seine warme Stimme verfehlte ihre Wirkung nicht. Sie schaute ihn an, legte sich wieder hin, und reichte ihm ihre Hände.
Er ergriff sie mit einer Hand und drückt sie, um ihr Halt zu geben und ihr zu zeigen, dass er verstand, was in ihr vorging.
Dieser Händedruck fühlte sich tröstlich an und trug dazu bei, den angstvollen Druck, unter dem sie stand, ein wenig zu mildern. Als sie langsam ausatmete griff er ihre Hände fester und sie sah, das Seil in seiner anderen Hand. Wie im Zeitlupentempo lief diese ganze Situation in ihrer Wahrnehmung ab.
So, jetzt ist es soweit, ich will jetzt nicht noch mal zurück zucken, sagte sie sich mit aller Entschlossenheit, die sie aufbieten konnte.

In dem Moment führte er die Hände über ihren Kopf. Sie atmete ganz schnell und nahm ihre ganze Kraft zusammen, um nicht aufzugeben.
„Ganz ruhig, Mari“, hörte sie seine Stimme wie aus weiter Ferne, „das machst du gut!“
Ihre Hände lagen nun fast über ihrem Kopf, was ein so intensives Gefühl von Wehrlosigkeit auslöste, dass sie wie automatisch die Arme doch wieder zurück zu ziehen versuchte. 
Ihr Meister hielt leicht dagegen.
„Vertrau mir, Mari“, sagte er leise. 
Und wieder war es sein Zuspruch, der ihr half, den Widerstand aufzugeben ihm ihre Arme zu überlassen.
„Ja“, sagte sie, ich will dir ja auch vertrauen…“
„Sehr gut Mari“, bekräftigte er und versicherte ihr nochmals: „Ich werde dir nichts tun! Du kannst mir ganz sicher vertrauen.“ Und sie spürte nun auch seine rechte Hand an ihren Händen. 
Mehrmals atmete sie schnell ein und aus und konzentrierte sich darauf, ihre Hände hinten zu lassen, obwohl etwas in ihr es anders wollte.“
„Tief und langsam atmen, Mari, ganz ruhig, du machst das toll!“ 
Sie atmete etwas langsamer und tiefer und schloss die Augen.
„Sehr gut Mari,“ sagte er wieder und wickelt das Seil um ihr linkes Handgelenk. 
Sie begann, etwas zu zittern, ließ die Hände aber nach hinten gestreckt. Dann wickelte er das Seil auch um das rechte Handgelenk. Jetzt war das Gefühl, gefesselt zu sein deutlich spürbar.

Mari redete sich in Gedanken gut zu: Er hat gesagt, er macht keinen Knoten. Er hat gesagt, wenn ich Stopp sage, löst er das Seil…
Sie nahm wahr, wie Joel es  ein zweites Mal um die Handgelenke wickelte, und tatsächlich keinen Knoten machte. Durch das zweimalige Umwickeln fühlt es sich allerdings schon ziemlich deutlich fixiert an.

„Ganz ruhig weiter atmen, Mari“, sagte er und zog seine Hände weg. „Da ist kein Knoten, wie versprochen!“
Es gelang Mari jetzt jedoch nicht, ruhig zu atmen. Sie fragte sich, ob sie sich wirklich daraus lösen könnte, denn es fühlt sich gar nicht so an, obwohl kein Knoten da war. Heftig kämpfte sie mit ihrer Angst. Aber sie wollte nicht aufgeben und von ihrem „Stopp“ Gebrauch machen.
Joel, der ihre innere Anspannung wahrnahm erklärte ihr mit ruhiger Stimme: 
„Das Seil ist nicht verknotet, es soll sich nur so wie gefesselt anfühlen, aber Mari, du hast die ganze Zeit die Kontrolle, und auf dein Zeichen hin könnte ich dich in einer Sekunde befreien.“
„Würdest du das auch tun?“
„Aber sicher“, entgegnete er gelassen, „jederzeit!“
„Gut! Das hilft ein bisschen, danke, dass du das so deutlich sagst.“ antwortete sie noch immer angespannt sehr nervös.

Entspannt lag ihr Meister ganz dicht neben ihr. Eine Hand hatte er ihr auf den Bauch gelegt.
Ihre Aufmerksamkeit richtete sich auf diese Hand.. Sie lag ganz ruhig dort, direkt auf der Mitte ihres Bauches. Das löste ein beunruhigendes Gefühl in ihr aus.
Warum er wohl seine Hand dorthin legt? fragte sie sich. Hoffentlich lässt er sie dort liegen…
Nun begann er auch noch, ihr T-Shirt leicht nach oben zu schieben.
„Nein! Bitte nicht! Ich will das nicht!“ rief sie laut.

Sofort zog er das Shirt wieder herunter und nahm die Hand weg.
Erleicht holte sie wieder Luft, und ein bisschen unangenehm war es ihr, dass sie fast ausgeflippt wäre.“
„Alles gut, Mari, wenn du Stopp sagst, ist sofort Stopp! Das hast du richtig gemacht, Mari!“ bestätigte er ganz ruhig und deutlich.
„Was wolltest du denn mit mir machen? fragte sie noch immer sehr aufgeregt. Sie fühlte sich halb wie in einem Film gefangen.
„Ich wollte nur deinen nackten Bauch streicheln, mehr nicht. Ich dachte, etwas Berührung, während du gefesselt bist, könnte vielleicht angenehm sein.“
„Ich dachte, du wolltest das T-Shirt ausziehen, entschuldige bitte“, erklärte Mari.
„Nein, so weit wollte ich nicht gehen“, antwortete Joel.

Er lächelte sie an und streichelte ganz sanft ihr Gesicht, fuhr zart über ihre Wange und legte dann seine Hand sanft darauf und ließ sie dort liegen.
Das fühlte sich gut an. Jetzt konnte sich Mari etwas beruhigen und ein paar tiefe Atemzüge nehmen
„Ja, so ist es gut, tief atmen, Mari.“ bestätigte er sie.
Sie gab ihre Wange ganz bewusst in seine Hand hinein, und es fühlte sich an, als würde sie darin Halt und ein Stück… Geborgenheit finden. Sie konzentrierte sich ganz auf diese Empfindung und blendete den Rest ihres Körpers fast aus dabei. Ganz ruhig hielt Joel seine Hand wie beschützend an ihre heiße Wange. 

Und wieder sagte er wie in einer sanften Hypnose zu ihr: „Das machst du sehr gut Mari, alles ist gut.“
„Jetzt bin ich bereit dafür, dass du meinen Bauch streichelst, aber bitte wirklich nur den Bauch, sagte sie mit neuem Mut.“
„Das verspreche ich dir“, sagte er und legte seine Hand wieder auf den Bauch – erstmal noch auf dem T-Shirt. 
Sie spürte, wie ihre Anspannung unwillkürlich wieder stieg und sie die Luft anhielt.
„Ruhig weiter atmen“, sagte er. Dabei hob und senkte er die auf dem Bauch liegende Hand im Rhythmus ihres Atems und wurde dann ganz allmählich, fast unmerklich, nach und nach langsamer.
Maris Atmung passte sich seiner Hand an und wurde dadurch ruhiger und langsamer.
„Sehr gut Mari“, sagte er leise.
Als sie sich mehr und mehr entspannte, begann er, ihr das T-Shirt ein wenig nach oben zu schieben.
Dabei wurde ihr bewusst, wie viel Widerstand diese kleine Handlung auslöste. Aber sie entschied  jetzt bewusst, sich diesem an getriggerten Abwehr-Automatismus nicht unterwerfen zu wollen
Ganz behutsam schob ihr Meister, der ihren inneren Kampf wohl bemerkte, das Shirt nur ein klein wenig höher… bis über den Bauchnabel.
Sie hielt die Luft an, und als sie merkte, dass er es nicht weiter zog, atmete sie langsam wieder aus.

Sanft legte er seine Hand auf ihren nackten Bauch. Ihre gesamte Aufmerksamkeit war nun auf dieser Gegend gerichtet und sie beobachtete gebannt, was geschah, um gegebenenfalls schnell reagieren zu können.
Aber… bisher ist alles in Ordnung, stellte sie fest.
Seine Hand blieb ganz ruhig und sanft auf ihrem nackten Bauch liegen.
Und wieder sprach er ihr beruhigend zu: „Sehr gut Mari, tief atmen…“
Langsam entspannte sie sich wieder.
„Das hast du gut gemacht, Mari“, flüsterte er, nahm die Hand weg und zog ihr das T-Shirt wieder herunter.

Mari, die noch darauf gewartet hatte, dass er sie auf dem Bauch streicheln würde, war erleichtert, dass diese angespannte Situation sich nun auflöste.
In diesem Moment begann ihr Meister, das Seil zu lösen und es ganz zu entfernen. Als es weg war, legte er sich wieder neben sie und sagte er lächelnd: „Das hast du sehr, sehr gut gemacht Mari. Ich freue mich über dein Vertrauen, das dich so viel Kraft gekostet hat. Das Spiel ist vorbei.“

Erleichtert atmete sie tief auf, setzte sich hin, und würde Joel jetzt am liebsten umarmen.
Dieser lag noch und fragte: „Hey, bekomme ich jetzt eine Umarmung?“
Sie rutschte wieder ein bisschen tiefer und erwiderte: „So gerne, die hatte ich mir jetzt auch gewünscht!“
„Na dann…“ lachte er und breitete seine starken Arme aus.
Sie ließ sich hinein fallen in seine Arme, und er drückt sie fest an sich.

„Na das war doch sehr aufregend!“ begann er einen Austausch über das Erlebte.
Und wie das aufregend war“, bestätigte sie, und empfand es als sehr wohltuend,  jetzt von ihm so festgehalten zu werden, auch wenn sie beide auf dem Sofa lagen, was ihr bis vor kurzem noch ein wenig  unheimlich war.
„Ich bin ehrlich gesagt froh, dass es jetzt vorbei ist“, gab sie zu.
Joel hielt sie fest an sich gedrückt. „Du warst sehr mutig Mari. Wirklich, alle Achtung! Und dass du nun erstmal froh bist, dass es überstanden ist, das ist doch nur zu verständlich!“
„Na ja, mutig… findest du? Auch wenn ich zwischendurch wieder zusammengezuckt bin? Ich fand mich gar nicht mutig, ich musste manchmal richtig gegen meinen Körperangst-Automatismus kämpfen. Es war schon ziemlich herausfordernd und manchmal auch ein bisschen schlimm, z.B. als der Meister das T-Shirt begonnen hat hoch zu schieben.“
„Naja, es war ja schon auch eine sehr besondere Situation“, meinte Joel verständnisvoll, „so gefühlt hilflos zu sein… Da ist es schon auch ganz normal, dass man unsicher ist. Aber du hast dich darauf eingelassen, und du hast es zulassen können, dass er dein Shirt hochschieben konnte, etwas, das gerade dann, wenn man gefesselt ist, sich schon irgendwie gefährlich anfühlen kann.
Aber es war nicht gefährlich nicht wahr? Er hat genau das gemacht, was er angekündigt hatte. Er ist an keiner Stelle weiter gegangen, als er es dir zugesagt hatte, und er hat sofort gestoppt als du Nein! gesagt hast, richtig?“
Erleichtert antwortete Mari: „Danke, dass du mich so gut verstehst, Joel, und das nicht bagatellisierst. Es tut so gut, sich verstanden zu fühlen!“
„Ich verstehe dich. Er hat dich ganz bewusst gefordert in dieser Situation.“
„Ja, es stimmt, er hat sich an alles gehalten, nur dass er mein T-Shirt hoch geschoben hat, das war nicht ausgemacht, das hat mich einen Moment lang richtig in Panik versetzt, aber ich war froh, dass er auf mein Nein gleich reagiert hat.“
Nachdenklich antwortete Joel: „Nun, etwas musste er machen, damit du die Erfahrung machen konntest, dass dein „Nein“ sofort berücksichtigt wird. Und dazu musste er dir einen Anlass geben, damit du die Gelegenheit hattest, Nein zu sagen. Dabei hast du die Wehlosigkeit besonders deutlich gespürt und dass er es auch sofort berücksichtigt, wenn du etwas nicht willst. „
„Ach so, deshalb… Naja, und er hat ja auch nicht gesagt, dass er alles, was er tut, vorher ankündigen wird…“ fiel Mari ein, „aber ich habe mich in dem Moment wirklich sehr hilflos gefühlt!“
„Ja, die Wehrlosigkeit zeigt sich ja erst wirklich, wenn etwas passieren könnte. Also musste er zumindest etwas andeuten, wenn auch etwas eher Harmloses, welches durch die Situation aber deutlich ernster wirkte.“
„Stimmt“, bestätigte Mari, „in dieser Situation fühlt man sich gleich doppelt und dreifach verletzlich! Na ja es war ja auch nicht ausgemacht, das alles vorher angekündigt werden würde, aber das hochschieben des Tops hat in mir Alarmglocken schrillen lassen!“
„Du solltest die Wehrlosigkeit spüren – allerdings kombiniert mit dem Wissen und der Erfahrung, dass dir nichts passieren wird.“
„Dieses Wissen ist in solchen Momenten, wenn plötzlich so eine Angst losgeht, wie nicht mehr verfügbar“, erklärte Mari.
„Ja“, bestätigte Joel, „das sollte ja auch einen inneren Alarm auslösen. Du solltest für dich prüfen, wie sehr du ihm vertrauen kannst.“
„Und jetzt bin ich wohl durchgefallen? Weil ich gleich stopp gesagt habe…“

„Aber nein, du hast ihm ja sogar eine zweite Chance eingeräumt, dass er etwas nackte Haut auf deinem Bauch berühren konnte. Das war sehr mutig! Das wichtigste ist, dass du die Erfahrung gemacht hast, dass dir nichts Schlimmes passiert, selbst wenn du gefesselt bist.“
„Ja, das stimmt, ich habe es bewusst geschehen lassen, und in allem, was war, konnte ich die Erfahrung machen, dass er sich an die Absprachen hält. Er hat dann sogar die Situation mit der Hand auf dem Bauch nur sehr kurz gehalten, da war ich froh!“

„Ja“, lächelte Joel, „du sollst ja Vertrauen gewinnen, daher wollte er dich schon auch ziemlich herausfordern , aber dir gleichzeitig eben auch zeigen, dass er stets deine Gefühle berücksichtigt und dass dir nichts Schlimmes geschieht.“
„Das war schon eine ziemlich intensive Lektion!“
„Ja, und du hast sie gut gemeistert“, sagte er und drückte sie noch einmal fest an sich.

„Danke, Joel, dass ich mit dir darüber noch sprechen kann – jetzt hinterher – das hilft mir, das alles noch besser zu verarbeiten und einzuordnen… Hmm… Wollen wir jetzt unsere Sekt austrinken? Jetzt kann ich ihn, glaube ich, besser genießen als vorhin…“

„Ja gern“, sagte er, holte die Gläser und sie stießen noch einmal gemeinsam an.
„Auf diese ganz besondere Erfahrung“, sagt Mari.
„Auf deinen Mut!“ lächelte Joel.

Geschrieben von Rafael und Miriam

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51. Reicht das Vertrauen zum Fesselspiel? (1)

Bei Joel – eine Herausforderung und Chance für Maris Vertrauen

Das muss wohl irgendwie ein  besonderer Abend werden, dachte Mari, als Joel mit zwei Gläsern Sekt aus der Küche kam. 
„Oh, gibt es etwas zum Feiern?“ fragte sie.
„Nein, aber es könnte heute prickelnd werden“, sagte Joel – und dann: „Das Spiel beginnt.“
„Prost Mari,“ sagte er, nun bereits in seiner Meisterrolle, und stieß mit ihr vorsichtig an.
Auf dem Tisch stand eine Schachtel, die er nun an sich nahm. Mari hatte sich schon gefragt, was es damit wohl auf sich hatte, und was er damit gemeint hatte, dass es prickelnd werden könne.
Gespannt schaute sie ihn…
Er öffnete die Schachtel und zog langsam ein rotes Seil heraus.

Vertrauen1Mari bekam einen Verdacht…
Mit großen Augen schaute das Seil, als hätte er eine giftige Schlange hervor gezogen.
Ihr Meister nickte: „Ja heute wird es um dein ganzes Vertrauen zu mir gehen, Mari.“

Unruhig geworden erwiderte sie: „Sag mir bitte, dass ich jetzt eine falsche Assoziationen habe…“
Er schüttelte den Kopf: „Nein, dieses+ Mal hast du die richtige Assoziation, ich möchte dich fesseln, nur ein wenig, aber so, dass du deutlich spürst, dass du die Verantwortung abgeben musst.“
Mari stand auf und ging im Zimmer umher. „Was meinst du mit nur ein wenig?“
„Ich werde dir nur die Hände fesseln“, erklärte er, „und das auch nur leicht. Es geht mir heute mehr um das Gefühl des Gefesselt-seins, als darum, dich wirklich fest und unlöslich zu fesseln. Ich werde nicht einmal einen Knoten verwenden.“
„Ehrlich gesagt das macht mir Angst, ziemliche Angst sogar!“ gab sie zu.
„Mari, es wird dir nichts Schlimmes geschehen dabei, versicherte er ihr, als sah, wie ihr Gesicht hektische rote Flecken bekam. “ Was hältst du jetzt erst einmal von einer Umarmung, damit du dich ein wenig beruhigen kannst?“
Als sie seinen Vorschlag mit einem „Oh ja, bitte!“ annahm, ging er zu ihr und nahm sie fest in seine Arme. Dabei spürte er, wie sie am ganzen Körper bebte.
Lange und fest hielt er sie in seinen Armen, um ihr Halt und Sicherheit zu vermitteln.
Er wusste, dass allein schon das Wort Fesseln Angst in ihr auslöste, und wollte ihr durch die Umarmung Kraft geben. Ganz fest hielt sie sich an ihm.
„Alles gut“, versicherte er ihr. „Mari, du vertraust mir doch, oder? Du weißt, dass ich nichts tun würde, was du nicht willst, oder?“
„Ja, grundsätzlich glaube ich schon, dass ich dir vertraue, aber die Situation… Ich bin mit dir hier ganz alleine, und ach ich weiß auch nicht… Mensch, das fühlt sich einfach schlimm an!“
„Was fühlt sich denn so schlimm an, Mari?“ fragte er vorsichtig.
„Na, dann bin ich ja wirklich wehrlos!“
„Ja“, bestätigte er, „aber sowie du „Stopp“ sagst, würde ich sofort das Seil lösen. Das könnte dir sogar selbst gelingen, denn ich werde, wie gesagt, nicht mal einen Knoten machen.“
„Theoretisch könntest du aber dann plötzlich doch einen Knoten machen… Entschuldige bitte, ich weiß auch nicht warum ich das jetzt gesagt habe.“
„Ja, du müsstest dich auf mich verlassen… Zweifelst du an mir Mari?“ fragte er und schaute sie aufmerksam an.
„Der größte Teil von mir zweifelt nicht, aber einen kleinen Teil, einen kleinen Rest gibt es wohl schon, der zweifelt, sonst wäre mir wohl der Gedanke gerade nicht gekommen.“
Joel nickte. „Hm, ja, das kann ich mir gut vorstellen. Und ja – ich könnte dann durchaus einen Knoten machen, aber… glaubst du, dass ich das würde? Na all dem, was wir beide bereits miteinander erlebt haben?“
„Nein, das will ich nicht glauben!“
„Dann vertrau mir Mari, und ich werde dir zeigen, dass du mir zu Recht vertraust. Dies wäre eine Erfahrung, die dich in deinem Vertrauen sehr stärken würde. Möchtest du dich darauf einlassen? Ich tue es nur, wenn du dazu  bereit bist.“

Maris Herz klopfte heftig, Sie kämpfte einen inneren Kampf mit sich.
Joel ließ ihr Zeit. Es war wichtig, dass sie diese Entscheidung in Ruhe und ohne Druck treffen konnte. Schließlich hatte sie sich durchgerungen: „Okay, ich versuche es!“

„Prima Mari! Lass uns uns gemeinsam auf das Sofa setzen.“
Als sie sich gesetzt hatten, sagte er: Zieh bitte deine Strickjacke aus, es ist warm hier, und ich werde dicht bei dir liegen , damit du meine Nähe immer spürst.“
Beunruhigt frage Mari: „Bist du sauer auf mich oder enttäuscht, dass es diesen Restzweifel in mir gab? Entschuldige bitte die Frage, aber das muss ich wissen, bevor wir so etwas machen.“
„Aber nein“, beruhigte er sie, „ich möchte dir nur eine Gelegenheit geben, die dir hilft, dass dieser Restzweifel sich auch auflösen kann.“
„Gut okay“, antwortete Mari, „ich habe zwar noch Angst aber ich will mich darauf einlassen.“
Während sie ihre Jacke auszog sagte er: „Das freut mich, Mari, und ich hoffe sehr, dass ich dir zeigen kann, dass das Vertrauen, das du mir allein schon mit dieser Bereitschaft entgegenbringst, gerechtfertigt ist.“
Sie nickte und schluckte nervös. „Ich hoffe, es geht…“

„Nun leg dich auf den Rücken Mari“, sagt er mit ganz sanfter und ruhiger Stimme.
Oh je, das fühlte sich so schwer an… Sie sagte sich in Gedanken: Ich will jetzt vertrauen, ich will jetzt vertrauen…
Ganz dicht saß er  bei ihr, um ihr Geborgenheit zu vermitteln.
Sie nahm aufgeregt die Beine auf die Couch, streckte sie der Länge nach aus, und saß nun schon mal in der richtigen Richtung auf der Couch aber noch in aufrechter Position.
Joel setzt sich in der gleichen Position direkt neben sie, was sie irgendwie als hilfreich empfand.
Nach einem kleinen Weilchen ging sie tiefer und stützte sich auf die Unterarme. 
Interessiert nahm sie wahr, dass er es ihr gleich tat, als würde er sie spiegeln.
Nun fehlte bis zur Liegeposition nur noch ein kleines Stückchen, sie lag ja schon halb, aber die Überwindung, ihre Unterarme nun auszustrecken und sich ganz hinzulegen, fiel ihr jetzt ganz schwer.

Da legt Joel sich selbst komplett hin. Ganz dicht neben ihr lag er nun auf dem Rücken.
Sie nahm einen tiefen Atemzug und machte es ihm schließlich nach. In der Nähe lag ein Kissen, das sie sich unter den Kopf zog. Soweit – so gut… dachte sie und hielt die Luft an. Wie würde es jetzt weiter gehen?

„Tief atmen,“ sagte ihr Meister, der immer noch neben ihr lag und atmete selbst ganz tief ein und aus. Nach und nach fiel sie in seinen Atemrhythmus mit ein, und langsam beruhigte sie sich etwas. Wie gut es doch tut, dass er neben mir liegt, dachte sie.
„Sehr gut, Mari,“ sagte er mit ruhiger Stimme. „Ich weiß, das ist eine Herausforderung für dich, aber du machst das sehr gut.“
„Danke, dass du mich so gut verstehst“, antwortete sie und fühlte sich etwas leichter.

Nun hob er seine Arme und streckte sie nach hinten über den Kopf aus.
Mari überlegte, ob das wohl eine unausgesprochene Aufforderung sei, das gleiche zu tun, wartete allerdings erstmal ab, ohne es zu nachzumachen. Aber sie hatte richtig vermutet…

„Mach es genau so wie ich, Mari“, wies er sie an, „streck deine Arme über deinen Kopf nach hinten aus.“
Sie zögerte… Und hob dann schließlich auch die Arme über den Kopf, obwohl ihr diese Position gar nicht behagte. Wie sie schon vermutet hatte, drehte sich Joel nun zu ihr, nahm das Seil, und gerade als er ihre Handgelenke berühren wollte, ging ein Zucken durch ihren Körper hindurch. Alles in ihr zog sich zusammen, und sie setzte sich wieder auf.
„Entschuldige bitte – bitte entschuldige! Ich kann nicht!“ rief sie aufgeregt.

Ob es ihr wohl doch noch gelingen wird, Joel so weit zu vertrauen, dass sie ihm die Hände zum Fesseln überlässt?

Geschrieben von Rafael und Miriam
Übermorgen wird das Kapitel fortgesetzt. 

 

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50. Wenn… – …dann (2)


Bei Mari – Eine Übung in Selbstwahrnehmung und Selbstakzeptanz (2)

Mari saß mit Joel auf der Couch und hatte die Aufgabe, mit geschlossenen Augen die von ihm gegebenen Satzanfänge spontan zu vollenden. Sie taten dies schon ein Weilchen und nach einer kleinen Pause ging es nun weiter. Maris Hände lagen auf seinen nach oben geöffneten Handflächen zum Zeichen dafür, dass er alles annahm, was sie ihm anvertraute.

„Wir machen es genau so wie vorhin, Mari. Das hast du bisher sehr gut gemacht. Bist du bereit? Es gibt weitere Satzanfänge.“

Sie nickte und Joel sagte: „Wenn ich mich verstanden und angenommen fühle, dann…“
Und Mari vollendete den Satz: „…brauche ich nicht so viel Angst zu haben.“
Einen weiteren Satz begann Joel: „Ich habe Angst vor…“ – Und Mari antwortete: „…Kritik und Strafe.“
„Kritik und Strafen sind deshalb so schlimm, weil…“ – „ich mich dann so unzulänglich und beschämt fühle.“
„Strafen hier in diesen Meisterspielen sind deshalb so schlimm, weil…“ – „…ich mir soviel Mühe gebe und dennoch manchmal Regeln übertrete.“
„Das Übertreten von Regeln ist für mich so schlimm, weil…“ – „…ich alles richtig machen will.“
„Wenn es mir nicht gelingt, alles richtig zu machen, dann…“ – „…schäme ich mich so sehr.“

Mari stieg die Schamesröte in den Kopf. Am liebsten würde sie die Übung jetzt unterbrechen, aber sie hielt tapfer ihre Augen geschlossen und wartete auf den nächsten Satzanfang.

„Wenn ich mich schäme, wünsche ich mir…“ – „…dass das nicht geschehen wäre, wofür ich mich schäme.“
„Wenn ich mich schäme, wünsche ich mir von meinem Meister…“ – „…dass er mich umarmt und mir sagt, dass alles gut wird.“

Joel beugte sich vor und flüsterte Mari zu: „Mari, alles ist gut. Die Umarmung bekommst du nachher – versprochen! Jetzt machen wir aber hiermit erst noch ein bisschen weiter.“

Dann gab er ihr wieder etwas lauter den nächsten Satzanfang:
„Wenn ich mich schäme, wünsche ich mir von mir selbst…“ – „…dass ich fühlen kann, dass es keinen Grund gibt, mich zu schämen! Dass ich fühlen kann, dass ich in Ordnung bin mit allem was in mir ist! Dass ich eine Stimme in mir habe, die ich deutlich wahrnehmen kann und der ich glauben kann, dass ich in Ordnung bin! Dass ich so stark bin, dass ich auch vor Fehlern und Strafen keine Angst mehr habe und…“

„Stopp, Mari,“ sagte ihr Meister an dieser Stelle nicht sehr laut, aber deutlich und bestimmt.
„Wiederhole bitte die letzten Worte, die du eben sagtest.“

„Dass ich so stark bin, dass ich auch vor Fehlern und Strafen keine Angst mehr habe?“

„Ja, genau das. Und nun nimm das Wort „dass“ am Anfang des Satzes weg und fang an mit Ich bin…“

„Ich bin so stark, dass ich auch vor Fehlern und Strafen keine Angst mehr habe.“

„Wie ist das, wenn du vor Fehlern und Strafen keine Angst mehr hast?“

„Ich bin dann so stark, dass ich Fehler und Strafen leicht annehmen kann.“

„Wunderbar! Sag das noch einmal und stell dir vor, all deine inneren Anteile sitzen vor dir wie in der Schule, und du erklärst es ihnen!“

„Ich bin so stark, dass ich Fehler und Strafen leicht annehmen kann.“

Und sag es so laut und deutlich, dass sie alle es gut hören und glauben können.

„Ihr alle in mir! Hört mir jetzt gut zu:
Ich bin so stark, dass ich Fehler und Strafen leicht annehmen kann.“



„Nun kannst du die Augen öffnen. Mari, die Übung hast du prima gemacht!“

Mari atmete tief, öffnete ihre Augen und sah direkt in Joels lächelndes Gesicht.

„Toll, dass du das durchgehalten hast bis hierher!“

Sie freute sich über seine Anerkennung und bekannte: „Es gab einen Punkt, da hätte ich fast abgebrochen, weil ich es nur noch schwer aushalten konnte…“

„Und dennoch hast du weiter gemacht, Mari! Wunderbar! Deine Stärke wächst!“
Joel legte seinen Arm über die Rückenlehne der Couch und schaute Mari einladend an.
Sie lehnte sich in seinen Arm, und er strich sanft über ihre Wange. „Mari, ich weiß, dass du dir immer sehr viel Mühe gibst und alles so gut machst, wie du es kannst – und dass das nicht leicht ist bei all den vielfältigen und oft auch widersprüchlichen Gefühlen, die du in dir trägst. Du wirst dich daran gewöhnen, dass du nicht alles richtig machen kannst – hier nicht und im ganzen Leben nicht. Und auch daran, dass das Folgen hat. Das ist für jeden Menschen so. Deshalb wird es hier auch immer wieder einmal Gelegenheiten geben, zu üben, dass du nicht perfekt sein kannst und dass es dafür Ausgleich gibt. Und auch in den Situationen, in denen du nicht eindeutig eine Regel verletzt hast, sondern dich für irgendetwas schämst und schuldig fühlst, werde ich dir eine Ausgleichsmöglichkeit geben, damit du das dann leichter wieder loslassen kannst. Hast du das verstanden, Mari? Die kleinen Strafen, die ich dir gebe, sollen dir helfen, deine Scham loszulassen. Sie sollen dich nicht noch mehr beschämen!“

Mari nickte. „Ich hoffe, es gelingt mir, in den Momenten daran zu denken, Meister.“

„Ich werde dich, wann immer es nötig ist, daran erinnern und auch daran, dass du so stark bist, Fehler und Strafen gut annehmen zu können.“

Dann umarmte er sie und flüsterte ihr ins Ohr: „Das Spiel ist vorbei.“

Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge








49. Wenn… – …dann (1)

Bei Mari – Eine Übung in Selbstwahrnehmung und Selbstakzeptanz (1)

Mari und Joel saßen sich auf der ausgezogenen Couch gegenüber und Joel, der für Mari bereits die Meisterrolle in ihrem Spiel eingenommen hatte, wies sie an, etwas näher an ihn heran zu rücken und sich so hinzusetzen, dass sie ihre Hände bequem auf seine Hände legen konnte, die mit nach oben geöffneten Handflächen auf einem Kissen lagen, das in seinem Schoß lag.

Als sie eine gute Sitzposition für sich gefunden hatte, schaute er ihr ein Weilchen wie so oft zu Beginn eines Spieles in die Augen, ohne etwas zu sagen. Dies Momente empfand Mari meist als sehr lang, und sie spürte, wie Aufregung und Unruhe durch ihren Körper floss.

„Entspann dich, Mari“, sagte er ihr lächelnd. „und setz dich so bequem wie möglich hin. Du wirst gleich, wenn ich es sage, deine Augen schließen und von mir einige Satzanfänge hören. Deine Aufgabe ist es, sie zu beenden, und zwar so spontan wie möglich. Sprich das aus, was dir als erstes in den Sinn kommt, ohne nachzudenken. Sollte es passieren, dass dir gar nichts einfällt, dann schweigst du. Das ist dann auch in Ordnung. Kein Stress! Bei dem nächsten oder übernächsten Satzanfang, wird dir wieder etwas einfallen. Ich werde vielleicht manche Satzanfänge auch mehrmals sagen, damit du die Gelegenheit hast, mehreres dazu auszusprechen. Das bedeutet dann also nicht, dass ich mit dem, was du davor etwas gesagt hast, nicht einverstanden bin und etwas anderes erwarten würde.“

Mari nicke und lächelte… Wie gut ihr Meister sie doch kannte und sich jetzt schon vorstellen konnte, wo eventuelle Klippen bei ihr liegen könnten. Selbstzweifel und die Angst, nicht zu genügen, gehörten zu ihren häufigsten Schwierigkeiten, und sie empfand es als sehr fürsorglich, dass er ihr durch diese Erklärung, die er ihr gleich am Anfang etwas sagte, um möglicherweise entstehenden Druck gar nicht erst aufkommen zu lassen.
„Danke Meister!“ flüsterte sie und nickte.

„Es gibt hier kein Richtig und kein Falsch, Mari. Alles was dir einfällt und was du aussprichst ist in Ordnung. Meine geöffneten Hände sollen dir das Gefühl vermitteln, dass alles von mir angenommen wird. Du lässt die Augen so lange geschlossen, bis ich dir erlaube, sie wieder zu öffnen. Hast du die Übung verstanden?“

„Ja, Meister“, antwortete sie.

„Gut, dann schließe jetzt deine Augen, und lasse sie so lange geschlossen bis ich dir gestatte, sie wieder zu öffnen.“

Sie folgte seiner Anweisung. Was wohl jetzt kommen würde…

„Gut Mari,“ hörte sie ihn sagen, „spüre deine Hände, wie sie auf meinen liegen und wie sie von ihnen getragen werden. Alles darf jetzt in sie hinein fließen und ist ganz sicher willkommen. Ich beginne jetzt mit den Satzanfängen und du beendest sie so spontan wie möglich.“

Sie nickte.

„Ich freue mich, dass…“ begann er – „…wir uns begegnet sind.“, sagte sie leise.
„Ich mag es, wenn…“ – „…du sanft mein Gesicht berührst und mir über´s Haar streichst.“
„Ich wünsche mir, dass…“ – „…es keine Schwierigkeiten geben wird.“
„In Situationen, wo es schwierig wird, würde ich am liebsten…“ – „…davon laufen.“
„Wenn es mir gelingt, nicht davon zu laufen, würde ich am liebsten…“ – „…ganz klein werden und mich verstecken.“
„Wenn ich gefunden werde, würde ich mir wünschen…“ – „…ganz fest in die Arme genommen zu werden und dass es dann irgendwie leichter wird.“
„Erleichterung könnte ich fühlen, indem…“ – „…mir eine Brücke gebaut wird, dass es mir gelingt über das Schwierige reden zu können, was gerade in mir ist.“
„Wenn es mir gelingt, über das Schwierige in mir reden zu können, dann wünsche ich mir…“ – „…dass ich Verständnis und Annahme erlebe und keine Kritik und keine Strafe.“ Bei diesen Worten zitterte Maris Stimme und sie kämpfte mit den Tränen.
Gut, dass sie die Augen geschlossen hatte und ihren Meister nicht anschauen musste…

Er strich sanft mit den Daumen über ihre Handrücken, zum Zeichen, dass er ihre Bewegtheit wahrnahm.
„Mari, lass deine Augen noch geschlossen, auch wenn wir jetzt eine kleine Pause machen,“ sagte er leise zu ihr und legte ihre Hände sanft in die Mitte ihrer Brust auf ihr Herzzentrum. „Spüre mal, wie dein Herz für dich selber schlägt. Richte deine Aufmerksamkeit mal auf deinen Herzschlag. Und nimm ein paar tiefe sanfte Atemzüge. Du hast das bisher wunderbar gemacht!“

Leise setzte er sich hinter Mari, die leicht erschrak, als er seine Hände auf ihre Schlüsselbeine legte. Mit sanftem Druck brachte er sie dazu, ihren Oberkörper an ihn anzulehnen. „Ja,“ bestätigte er, „lehn dich an mich an, gib alles an mich ab… Spüre den Halt, den ich dir gebe. Deine Muskeln können weich werden… Du musst jetzt nichts tun , nichts denken, nichts beantworten, nichts erfüllen, nichts in Frage stellen, nichts überlegen… einfach nur sein…“

Seine Worte verfehlten ihre Wirkung nicht und halfen ihr, sich zu entspannen, loszulassen, weich zu werden… Oh wie gut das tat!…

Nachdem sie ein Weilchen einfach nur so gesessen hatten, wiegte er sie leicht hin und her. Das ließ sie tief aufatmen. Ein Gefühl von Geborgenheit breitete sich in ihr aus. Sie gab noch mehr Gewicht ab, lehnte sich gänzlich an und fühlte wie eine wärmende Gedankenlosigkeit sie einhüllte und schweben ließ…

Morgen oder übermorgen geht es weiter mit dem 2.Teil dieser Übung

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48. Die Seile (2)

 Bei Joel – das Leben schafft manchmal seltsame Situationen

Nachdem Mari unvermittelt, nahezu panisch aus Joels Wohnung gelaufen war, weil sie die im Wohnzimmer liegenden Seile so interpretiert hatte, als solle sie heute überraschend erstmalig gefesselt werden, stehen die beiden vor seiner Tür auf der Straße – und Joel, der von diesen Gedanken bis eben nichts ahnte, versucht zu verstehen, was in Mari plötzlich in die Flucht getrieben hatte. Gerade war ihm der erklärende Gedanke gekommen…

„Ich glaub, ich weiß jetzt, was passiert ist, oh Mann wirklich, Mari, da ist ein ganz großes Missverständnis entstanden. Ich kann’s selbst kaum glauben, was mir da passiert ist. Würdest du bitte mit mir zurück gehen? Ich möchte es gerne auflösen, und dann kannst du auch sofort gehen, wenn du das dann noch willst und brauchst, aber ich glaube, du musst es wirklich sehen, was ich meine!“

Etwas unschlüssig schaute Mari ihn an. „Ehrlich gesagt ist mir nicht ganz wohl dabei. Du bist mir körperlich überlegen, und könntest mich letztendlich doch überwältigen. Das hast du ja bisher nie getan aber… ich habe gerade eben so große Angst bekommen…“ Sie schaute ihn groß an, konnte es gar nicht glauben, dass sie in so eine Situation geraten war, in der sie gar nicht mehr wusste, was sie denken und tun sollte. Wie sollte sie sich entscheiden ?

Joel schaute ihr geduldig und offen in die Augen. „Wirklich, Mari, ich glaub, es reicht nicht, dir alles nur zu erzählen. Wirf einen Blick darauf, und du wirst sehen, das alles ist ein großes Missverständnis! Da liegen zwar Seile, die ich leider vergessen hatte, wegzuräumen, aber damit hatte ich keinesfalls irgendetwas vor, was mit dir und unserem Spiel zu tun hat. Und das kannst du mir am besten glauben, wenn du einen Blick in meine Küche wirfst. Ich würde dich den Zusammenhang gern sehen lassen, um dein Vertrauen zurück zu gewinnen, Mari!“

Mari schaute ihn an, langsam kam ein Hauch des vertrauten Gefühls zurück, das sie zu ihm bereits entwickelt hatte. Sie nickte und sagte: „Okay, aber lass bitte die Wohnungstür erstmal offen.“

„Ja sicher,“ bestätigte er verständnisvoll, aber auch etwas traurig, und schweigend gingen sie zurück, Er öffnete die Tür so weit wie es möglich war, warf aus dem Flur einen Blick ins Wohnzimmer und zeigte auf den Sessel, neben dem die Seile lagen, „Oh Mist, das sieht echt so aus, als hätte ich damit etwas vor gehabt. Das tut mir so leid, Mari!“

„Ja“, sagte sie, „eindeutiger geht es ja gar nicht mehr! Was sollte ich dabei denken?“

„Oh je, entschuldige bitte, Mari, ich war einfach so in Eile, dass ich vergessen habe, dass sie dort noch lagen, als du kamst. Würdest du bitte einen Blick in die Küche werfen?“ sagte er und ging voraus in die Küche, „nur einen Blick, bitte!“

Mari schaute, sich absichernd, auf die geöffnete Wohnungstür und ging langsam durch den Flur zur Küche.

„Ich bin ganz hinten in der Küche, du musst nur zur Tür hinein schauen,“ sagte er, um ihr Sicherheit zu geben.“

Als sie hinein schaute, bemerkte sie ein riesen Chaos. Überall lag Werkzeug, etwas Schmutz und eine große Sackkarre waren mitten in der Küche und davor ein Kühlschrank, der offensichtlich nicht so richtig in seine Lücke in der Küchennische passt. Joel zog überfordert die Schultern hoch und erklärte:
„Der Kühlschrank ist überraschend schon heute angekommen, und er war mit den Seilen an diese Sackkarre gebunden, ich habe sie vorhin einfach in den Sessel geworfen, damit sie hier nicht auch noch herumliegen. Echt, ich hatte absolut nichts mit ihnen vor, was mit dir zu tun haben könnte! Kannst du mir das nun glauben, Mari?“

Ziemlich schlagartig wurde Mari klar, dass sie total über reagiert hatte. Sie brauchte jetzt Joel nur anzuschauen, und sah an seiner Mimik und Körpersprache, dass er recht hatte.
Verlegen sagte sie zu ihm: „Ja, Joel, es tut mir so leid! Natürlich… jetzt wo ich das hier alles sehe, kann ich dir glauben.“ Die ganze Anspannung fiel in diesem Moment ab von Mari und dadurch fiel sie regelrecht in sich zusammen und brach in Tränen aus. Mari schämte sich inzwischen, dass sie so panisch die Wohnung verlassen hatte, und konnte ihn gar nicht richtig anschauen, auch die Tränen wollten nicht aufhören zu laufen aus Erleichterung und aus Scham gleichzeitig.

Joel berührte sie sanft an den Schultern, um zu spüren, ob er sie in seine Arme ziehen konnte. Sie ließ das zu, Er nahm sie fest in die Arme- Mari fiel es noch etwas schwer, sich auf die Umarmung einzulassen, als hätte sie es nicht verdient, jetzt umarmt zu werden, weil sie gleich weggelaufen war, anstatt anzusprechen, was ihr Unbehagen verursacht hatte.

„Oh Mann, bin ich froh, dass wir das noch klären konnten“, seufzte Joel erleichtert, „das ist ja ganz blöd gelaufen! Ich bin nur froh, dass du mitgekommen bist und mir nun glaubst.“

„Ich bin auch froh, dass ich mitgekommen bin, obwohl mir das sogar sehr schwer gefallen ist. Oh Joel, es tut mir so leid! Was muss noch passieren, damit ich endlich vertrauen kann! Das hast du nicht verdient, und es war falsch, dass ich sofort weg gerannt bin!“

Verständnisvoll antwortete er: „Ich sehe ja ein, dass das Bild wirklich sehr eindeutig schien, aber du hättest schon auch wissen können, dass ich so etwas nicht machen würde, ohne dass wir nicht auch gemeinsam darüber gesprochen hätten. Allerdings verstehe ich auch, dass dir die Seile Angst gemacht haben.“

„Ich konnte gar nicht mehr klar denken. Und du hast recht, ich hätte mit dir sprechen müssen .“ Beschämt schaute Mari nach unten und versuchte zu erklären, was in ihr ablief: „Joel, das war wie ein selbst laufender Mechanismus. Ich konnte gar nicht mehr klar denken, und ja… Ich habe es völlig falsch betrachtet.“

Joel fragte mit einem etwas schiefen Lächeln: „Ich bin echt froh, dass wir das Missverständnis klären konnten! Mari, ich danke dir, dass du trotz deiner Angst mit nach oben gekommen bist und mir die Chance gegeben hast, es doch noch aufzuklären.“

„Und ich danke dir, dass du mich jetzt trotzdem noch umarmst. Du bist doch jetzt sicher sehr enttäuscht von mir?“ Unsicher schaute sie Joel an. Er wirkte nicht sauer auf sie.
„Ich kann kaum glauben, dass du immer noch so freundlich zu mir sein kannst.“

Verwundert fragte er: „Aber warum sollte ich denn nicht freundlich zu dir sein, Mari? Es gab ein Missverständnis, so etwas kann doch immer passieren. Es ist nur wichtig, dass wir uns schnell darüber austauschen und es ausräumen konnten!“

„Ja“, gab sie zu, „sonst wäre ich mit einem furchtbaren Szenario im Kopf zu Hause allein gewesen. Aber wenn du mir nicht hinterher gekommen wärest, wäre ich jetzt gar nicht hier. Und wir hätten das nicht klären können. Ich danke dir sehr, dass du mir nachgekommen bist. Joel, könnten wir uns eventuell ein bisschen setzen? Mehr wackeln immer noch die Knie.“

„Natürlich“, antwortete er und führte sie zur Couch, wo sich die beiden eng aneinander setzten und er seinen Arm um sie legte.

Ihr Blick fiel noch mal wieder auf die Seile, und sie fragte: „Du hast vorhin gesagt, wenn du so etwas vor hättest, würdest du es auf jeden Fall mit mir besprechen. Heißt das, dass du so etwas vorhast?“

Ruhig antwortete er: „Ich würde das nur tun, wenn du dich dazu einverstanden erklärst. Weißt du, Mari, sich fesseln zu lassen, ist eine sehr kraftvolle Vertrauenserfahrung, vielleicht hat unser heutiges Missverständnis sogar eine Tür zu dieser Thematik geöffnet…“

Hektisch fragte Mari: „Das würdest du aber nicht ohne meine Zustimmung tun?“

Joel schaute ihr direkt in die Augen und sagte langsam und deutlich: „Mari, ich würde nie etwas ohne deine Zustimmung tun, das verspreche ich dir. Weißt du, nichts geschieht ja ohne Sinn – und durch deine Fehlinterpretation dieser Seile sind wir auf das Thema früher gekommen, als ich dachte. Ich werde es in einer der nächsten Sessions an dich heran tragen – in ganz behutsamer Art und Weise – und du kannst schauen, ob du dann den Mut hast, diese Erfahrung zuzulassen, um zu erleben, dass dir nichts Schlimmes geschieht, wenn du die Kontrolle so spürbar abgibst. Und wenn es soweit ist, kannst dazu natürlich ja oder nein sagen. Du hast alle Möglichkeiten offen.“

Nachdenklich erklärte Mari: „Es ist ja einerseits meine Sehnsucht, Kontrolle abgeben zu können, und gleichzeitig fällt es mir immer noch so schwer, wie wir heute gesehen haben.“

„Ja“, sagte Joel verständnisvoll. „Es ist ja auch kein leichter Weg, wenn man in dieser Richtung schlechte Erfahrungen gemacht hat, die sich tief in die Erinnerungen gegraben haben. Daher versuchen wir ja neue und positive Erfahrungen zu erschaffen, die die alten Erinnerungen irgendwann verblassen lassen.“

„Danke für dein Verständnis, Joel, ich danke dir sehr. Ich bin froh, dass ich jetzt mit dir außerhalb der Meisterrolle über das alles sprechen kann, obwohl ja vorhin eigentlich das Spiel schon begonnen hatte, und ich letztendlich vor dem Meister weg gelaufen bin. Der würde das wahrscheinlich alles ein bisschen anders sehen.“

„Nein“, antwortete Joel lächelnd, „würde er nicht! Er hätte dich auch verstanden.“

„Da bin ich aber froh, dass du sagst, dass er das auch nicht anders aussehen würde als du. Er wirkt ja immer ein bisschen strenger, aber du kennst ihn natürlich besser als ich, denn er lebt ja schließlich in dir.“ Bei diesen Worten musste Mari ein bisschen schmunzeln.

„Ja“, bestätigte Joel, „er ist klarer und bestimmter und wirkt daher ein wenig strenger, aber nur, weil das hilft, die Führungsrolle auch deutlich zu verkörpern.“

„Hm“, überlegte Mari, „das verstehe ich nicht so ganz. Ginge das nicht genauso sanft wie mit dir?“

„Ich glaube, das hätte nicht die gleiche Wirkung,“ erklärte er, „weil zu viel Sanftheit die Führungsqualität verwischen würde. Aber dennoch ist er doch auch verständnisvoll und macht es dir möglichst leicht, oder? Es ist eine Frage der Balance. Du willst ja eine Stärke, eine Macht spüren, in die du dich hinein fallen lassen kannst. Das, was du manchmal als Strenge empfindest, zeigt eben ganz klar, dass er weiß, was er tut, und dass du dem vertrauen kannst, was er mit dir jeweils vor hat. Durch seine klare Art gibt es kein „ein bisschen Verantwortung abgeben“, sondern du gibst sie so klar ab, wie es vorher vereinbart ist – nicht mehr, aber auch nicht weniger – dafür sorgt er dann. Da wäre ich vermutlich außerhalb der Meisterrolle nicht so klar und eindeutig, aber in dieser Deutlichkeit liegt auch eine Kraft, die dir manches möglich macht.“

„Das klingt alles irgendwie richtig, und so als hättest du dich damit schon intensiv auseinandergesetzt . Über all das muss ich mal in Ruhe nachdenken.“

Er nahm ihre Hand. „Geht es dir wieder gut Mari?“

„Ja, Joel, ich bin zwar ein bisschen erschöpft jetzt, aber habe wieder meine Mitte gefunden. Ich danke dir – ich danke dir von Herzen!“

Sie nahm seine Hand, hob sie zu ihren Lippen und haucht einen kleinen Kuss darauf…

Geschrieben von Rafael und Miriam

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47. Die Seile (1)

 Bei Joel – ein beängstigender Anblick

Als Mari heute zum verabredeten Rollenspiel zu Joel kam, fühlte sie sich etwas entspannter als bisher. Dieses Gefühl sollte allerdings nicht so lange anhalten… Als sie bei ihm klingelte, öffnete er  ihr die Tür, und bat sie, schon mal ins Wohnzimmer zu gehen und es sich noch einen Moment gemütlich zu machen. Als Mari sich auf die Couch setzte, fiel ihr Blick auf einige Seile, die neben dem Sessel lagen. Zunächst war sie nur verwundert, dann… blitzartig kam ihr eine äußerst beängstigende Vorstellung: Wenn die Seile da lagen, ja dann sollten sie wohl auch verwendet werden…

Zum Spiel der Dominanz gehören ja oft auch Fesselspiele. Um Gottes willen, das wär ja entsetzlich! Das mache ich nicht mit! Das hätte er zumindest mit mir absprechen müssen. Nein, das halte ich nicht aus! Nichts wie weg hier, so lange ich noch weg kann! So tobten ihre Gedanken.

Ganz gefangen in diese Vorstellung, dass sie gefesselt werden sollte, verließ sie fluchtartig die Wohnung. 

„Moment, Mari!“ rief Joel ihr nach. Sie war allerdings schon im Treppenhaus und hörte ihn nicht mehr. Als er aus der Küche kam, sah er ihren Schatten gerade noch so aus der Tür verschwinden. Er zögerte einen Moment, versuchte zu verstehen, was gerade passiert war, doch konnte nichts erkennen. Schnell schnappte er sich seine Jacke und lief Mari nach.

Sie stand unten vor dem Haus, musste sich erst einmal sammeln, weil das Herz so klopfte und ihr schwindelig war. 

Joel stürmte aus dem Haus, „Mari“, rief er und lief  hinter ihr her.  „Mari, warte doch – was ist passiert? Wo willst du hin?“  Ein kleines Stück war er noch hinter ihr. Sie erschrak und lief noch schneller. Damit hatte sie nicht gerechnet, dass er hinter ihr herkam. Sie versuchte, noch schneller zu laufen, die Panik, die sie überfallen hatte, trieb sie an.

Doch Joel war schneller und hielt sie an der Schulter fest. „Mari, warte! Sag mir wenigstens, was passiert ist, wenn du schon gehen willst. Ich finde, das ist das mindeste!“ sagte er nicht ganz leise zu ihr.
Außer Atem und mit vor Schreck geweiteten Augen sah sie ihn an, schaute wieder weg, und spürte auch Empörung. Starr und stumm stand sie vor ihm. Dieser Anblick zeigte ihm, dass irgendetwas sie sehr erschüttert haben musste.

Dadurch ruhiger geworden sagte er zu ihr: „Bitte, du kannst sofort gehen, aber sage mir doch wenigstens, was geschehen ist, Mari – mehr nicht – nur, was geschehen ist.“ Seine Stimme klang nun deutlich bittend. Diese andere Stimmlage ließ sie einen Schritt in die Realität hinein finden und ihr bisher schon vertrautes Gefühl zu Joel ein wenig hervor schimmern, aber sie war immer noch nicht in der Lage, Worte zu finden, fühlte sich wie ein Karpfen auf dem Trockenen, der nach Luft schnappt.

Joel versuchte noch einmal, etwas über diese seltsame Situation von ihr zu erfahren: „Mari, du darfst natürlich jederzeit gehen, das ist dein gutes Recht, aber bitte, ich möchte nur verstehen, was passiert ist, dass du dich so plötzlich dazu entschieden hast. Ich würde mich freuen, wenn du es mir sagen würdest, bitte!“

„Ich mache da nicht mit,“ brachte sie heraus, „du hättest mich wenigstens fragen können, irgendwie vorwarnen, vorbereiten, aber nein… auch dann hätte ich das nicht gekonnt. Nein,  ich mache da nicht mit!“

Völlig verwundert antwortete Joel: „Okay, das akzeptiere ich – wirklich! Wir hatten immer gesagt, dass du jederzeit nein sagen kannst, aber…“ er holte tief Luft, „aber warum so plötzlich? Ich war doch in der Küche, und es geschah doch heute noch gar nichts!?“

„Na du hast doch schon alles vorbereitet! Die Seile lagen ja da schon im Wohnzimmer… Da brauchte ich ja nur noch eins und eins zusammenzuzählen. Gerade in so einer Situation hättest du mich vielleicht besser nicht alleine in das Zimmer geschickt, aber andererseits – vielleicht war es doch gut so… Sonst hätte ich ja auch nicht weggehen können. Vielleicht hast du mir diese Option ja bewusst offen gelassen…“

Joel sah sie fassungslos an und versuchte, seine Gedanken zu sortieren. „Ich… also… es klingt vielleicht komisch, aber ich weiß nicht, wovon du redest… Ich hatte nichts vorbereitet…“ sagte er völlig irritiert, „bitte, ich verstehe das nicht. Was denn für Seile?“

Unwirsch antwortete Mari: „Willst du mich jetzt für dumm verkaufen? Warum stellst du dich so unwissend? Erst legst du Seile ins Wohnzimmer, schön angeordnet neben dem Sessel, und dann sagst du, du wüsstest es nicht?! Was treibst du für ein Spiel mit mir? Bisher hast du wenigstens über alles mit mir offen geredet, und jetzt dieses seltsame Herausreden…“

Joel sah sie immer noch fragend an, und versuchte verzweifelt nachzudenken, doch die angespannte Situation auf der Straße war nicht gerade hilfreich dafür. Dann fiel der Groschen: „Oh mein Gott“, rief er und schlug sich mit der flachen Hand an die Stirn…“

Übermorgen gibt es die Fortsetzung

Geschrieben von Rafael und Miriam

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20. Fehler und ihre Folgen

 Bei Joel – Schmerzliche Unzulänglichkeitsgefühle aus der Kindheit tauchen auf

Wieder einmal hatte Joel in seiner Funktion als Meister Marie die Augen verbunden. Jedes Mal wenn er das tat, stieg ihre ohnehin schon vorhandene Aufregung heftig an.

„Marie, du hast jetzt im Moment nichts weiter zu tun, als auf der Couch sitzen zu bleiben und wahrzunehmen, was du hörst und wie du dich fühlst,“ erklärte ihr Joel mit ruhiger Stimme.

Sie nahm wahr, wie er aufstand und im Zimmer umherging. Es raschelte an einer Stelle, es klapperte an einer anderen Stelle, dann war es einen Moment lang ruhiger, und wieder hörte sie aus den verschiedenen Stellen des Zimmers unterschiedliche leise Geräusche .

Was tat er da? Am liebsten hätte sie ihn gefragt, aber glücklicherweise konnte sie sich diesmal rechtzeitig zurückhalten und stellte keinerlei Fragen.
Das ist mir jetzt gelungen, freute sie sich im stillen und musste für einen kleinen Moment schmunzeln.

„Es freut mich, dich lächeln zu sehen Mari!“
In diesem Moment setzte sich Joel zu ihr auf die Couch. Erschrocken zuckte sie ein wenig zusammen.

„Wie fühlst du dich?“
Er hat es gespürt, dass ich schon wieder so aufgeregt bin, dachte Marie.
„Das Verbinden der Augen macht mir immer beklemmende Gefühle – jetzt auch gerade,“ erklärte sie ihm ehrlich.
„Ja, Marie, das weiß ich. Deshalb werden wir es ganz oft zu tun, bis ein Gewöhnungseffekt einsetzt und es dann für dich leichter wird. Für heute ist es erst einmal genug. Du kannst das Tuch wieder abnehmen. „
Erleichtert zog sie es herunter. Ja, was war das denn? im Wohnzimmer lagen bunt verstreut Gegenstände auf dem Teppich. Den Sessel hatte Joel zur Seite gestellt, sodass mehr Fläche entstanden war, auf der ein Durcheinander von Kissen, Büchern, einem Stoffhund und zwei größeren Blumenvasen entstanden war.
„Ja was soll das denn?“ fragte sie erstaunt. Joel schaute sie schweigend an. Da blitzte die Erkenntnis auf: Schon wieder hatte sie eine Frage gestellt, die vermeidbar gewesen wäre. Wann würde sie es endlich lernen, die Gegebenheiten ungefragt und unkommentiert zu nehmen wie sie sind?!
Beschämt sah sie ihn an: „Es tut mir leid Joel.“
Noch ein Fehler! Sie sollte ihn doch in ihrem gemeinsamen Spiel mit „Meister“ ansprechen!
„Entschuldigung, ich meine es tut mir leid, Meister.“
Ein unangenehmes Flattern in der Magengegend breitete sich aus, und ihre Hände begannen zu zittern.
Joel nahm ihre Hand und hielt sie in seinen beiden warmen Händen.
„Ganz ruhig Marie… Ja du hast zwei Fehler gemacht, zwei Regelübertretungen sind passiert.
Was meinst du, warum dein Unterbewusstsein das immer wieder so macht?“
Erstaunt schaute Mari ihn an. Diese Frage hatte sie nicht erwartet. Aber womit konnte man in diesen Spielen schon rechnen? Es gelang ihm immer wieder, sie zu verblüffen und zu überraschen…
„Das weiß ich nicht, Meister, und es tut mir sehr, sehr leid! Gerade hatte ich mich gefreut, dass ich davor bemerkt habe, dass ich fast eine Frage gestellt hätte und es dann nicht getan habe – und nun tappe ich kurz darauf doch wieder in die Falle!“
„Dafür gibt es bestimmt Gründe, Marie,“ entgegnete Joel ruhig, „das ist meistens so, wenn etwas immer wieder geschieht Vielleicht möchtest du dich ganz tief innen mit dem Thema „Fehler und ihre Folgen“ beschäftigen. Ich merke ja, dass du immer sehr aufgeregt bist, wenn dir ein Fehler unterläuft. Was geschieht da in dir? Wovor hast du Angst?“
Ohne dass sie lange nach dachte sprudelte Sie heraus: Ich habe Angst dass du sauer auf mich  wirst… Ich habe Angst vor Beschimpfung und vor Bestrafung. Ich habe Angst, dass du sagst: Das hat doch alles keinen Sinn, so geht das nicht, und mich weg schickst.“
 Mit diesen Worten brach sie in Tränen aus.
Joel nahm sie in die Arme, hielt sie ganz vorsichtig fest, sodass sie seine Wärme und seine Sicherheit am ganzen Körper spürte. Es zuckte und bebte in ihr. Gehalten in seiner Umarmung brachen Erinnerungen aus der Tiefe ihrer Seele heraus.
Ich lebte als Kind bei meiner Oma, weil meine Mutter bis abends arbeiten musste und es mit der Krippen-Unterbringung nicht geklappt hat.
Meine Oma hatte mich lieb, aber sie war sehr ungeduldig und nervös. Ganz oft machte ich irgendetwas falsch. Dann wurde ich beschimpft oder bestraft, obwohl ich mir so viel Mühe gab, alles richtig zu machen.
Schlimmer noch als die Strafen war jedoch die Angst von mir, ins Kinderheim zu müssen, wenn ich nicht brav genug bin, weil sie oft zu anderen Nachbarn und Bekannten sagte: Wenn die Kleine nicht so still und brav wäre, würde das gar nicht gehen. Und ich hatte keine Vorstellung davon, was geschehen würde, wenn es nicht ginge bei Oma zu sein. Es ging ja auch nicht, bei Mutti zu sein…
 Wo sollte ich dann hin? So wollte ich mir immer ganz viel Mühe geben, alles gut zu machen, um nicht weggeschickt zu werden.“
Die Tränen wurden wieder heftiger und ihr Körper zitterte und bebte.
Joel hielt sie ganz fest.
Nach einem Weilchen, als sie sich etwas beruhigt hatte und sich aus seiner Umarmung löste, nahm er ihre Hand, was sie als sehr tröstlich empfand.
„Marie, Liebes, ich werde dich ganz sicher nicht wegschicken, und ich glaube in einer anderen Ecke deines Inneren weißt du das auch. Und du weißt auch, dass du inzwischen nicht mehr abhängig bist wie als Kind. Aber in diesen Momenten ist dieses Wissen im Hintergrund, da ist eine existenzielle Angst an getriggert.
Du bist ja inzwischen als erwachsener Mensch durchaus lebensfähig, selbst wenn ein wichtiger Kontakt, der dir viel gibt, abbrechen sollte. Aber in Momenten wie jetzt ist das innere Kind von dir lebendig und fühlt sich tief bedroht, wenn du Fehler machst, stimmt’s?“
Erschöpft nickte Mari.  „Ja, Fehler machen ist für mich immer ganz furchtbar – egal ob es kleine oder größere Unzulänglichkeiten sind. Ich kann in diesen Situationen gar nicht mehr unterscheiden, wie schlimm etwas wirklich ist. Alles ist dann ganz schlimm. Und ich habe eine riesengr0ße Angst vor dem, was dann kommt.“
„Ich werde mir etwas einfallen lassen, damit du mit dem Thema „Fehler und ihre Folgen“ völlig neue Erfahrungen und Gefühle verbinden kannst. Versuche daran zu denken, wenn es soweit ist, dass du mit mir niemals Grund zu Angst oder Besorgnis haben musst, und dass das, was ich für dich plane, immer einen Sinn hat, einen heilenden Sinn! Bitte denke daran, wenn es soweit ist.“

Und wenn es dir in dem Moment nicht gelingen sollte, daran zu denken, werde ich dich daran erinnern.“
Er sah ihr in die Augen…„Mari, du brauchst dich bei mir niemals zu fürchten.“ 

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19. Bewegt und gehalten von den Händen des Lebens – geborgen in der Umarmung von Joel

Bei Joel –  eine Sehnsucht erfüllt sich

Mari fiel auf, dass Joel sie in letzter Zeit vermehrt zu sich gebeten hatte, um den Raum für ihre Spiele, in denen er die Rolle des Meisters für sie verkörperte, nach seinen Plänen vorbereiten zu können. Auch heute ging sie wie bisher jedes Mal mit Aufregung zu ihm.

Obwohl sie bisher jedes Mal die Erfahrung gemacht hatte, dass er wohlwollend und achtsam mit ihr umging in den Spielen und Ritualen, in denen er sie wie verabredet ins Ungewisse schickte und sie nicht wissen ließ, was er mit ihr vorhatte, war sie jedes Mal zu Beginn nervös. Ja, es fiel ihr auf, dass sich ihr Stresspegel ein wenig gesenkt hatte inzwischen – das war allerdings keine wesentliche Veränderung, dachte sie gerade.
Was würde sie heute erwarten.

Nachdem Joel sie nach ihrem Befinden gefragt hatte und sie Gelegenheit hatte, ein wenig über ihre Befangenheit zu sprechen, erklärte er ihr bevor das Spiel begann – und das tat er sonst nie –  dass er an diesem Abend eine schöne, leichte Übung für sie vorgesehen habe.

Tief atmete sie aus. Ihre Aufregung legte sich. 
Das Spiel begann.

Er bat sie, sich bequem hinzusetzen und ihre linke Hand in seine Hände zu legen, und mit geschlossenen Augen ihre ganze Aufmerksamkeit auf diese Hand zu richten. Die Hand sei jetzt ihre Persönlichkeit, und seine Hände, die ihre Hand hielten seien symbolisch das Leben.

„Nun fühle einfache, Mari, wie das Leben – verkörpert durch meine Hände – mit dir umgeht…“

Und sie stellte fest: Das Leben ging sehr sanft und behutsam mit ihr um. Es fühlte sich angenehm, warm und geborgen an in Joels Händen. Als die Übung dem Ende zuging hatte sie sich ganz entspannt und folgte mit wachem Interesse seinen streichelnden, sanft biegenden, behutsamen und sicheren Bewegungen. Froh stellte sie fest, dass diese Übung tatsächlich schön und vor allem leicht war.

Nachdem sie darüber geredet hatten, wie sie sich gefühlt hatte dabei, wollte Joel die gleiche Übung noch einmal machen. Wieder verkörperten seine Hände das Leben, während Mari dieses Mal ihre Aufmerksamkeit auf ihren Kopf richten sollte. Wie würden die Hände, die das Leben verkörperten, nun wohl mit ihrem Kopf umgehen?

Wieder waren sie sanft und sicher, mal mit etwas mehr Druck, mal ganz zart. Mari versuchte, ihren Kopf ganz weich, locker und biegsam zu halten und fragte sich, ob sie es wohl so richtig machte, aber sie stellte die Frage nicht laut.

Schließlich begann sie die Übung zu genießen. Es tat so gut, ihren heißen schweren Kopf mit all den Gedanken einfach abzulegen in die Hände des Lebens. Schließlich dachte sie auch nicht mehr darüber nach, ob sie es richtig machte oder nicht. Besonders genoss sie es, wenn die Hände an manchen Stellen etwas mehr Druck ausübten. Wenn die Hände für das Leben standen, war es dann nicht merkwürdig, dass sie einen gewissen Druck als angenehm empfand?

Als das Spiel beendet war, redete sie mit Joel darüber, wie seltsam sie es fand, dass eine gewisse Art von Druck ihr gut getan hatte.

Auf seine Frage, ob sie eine Idee hätte, was es war, was ihr an diesem Druck gut getan hatte,  gelangte sie zu der Antwort, dass der Druck der Hände, der absolut passend dosiert war, der ihre Hand auch manchmal nach links oder rechts, nach oben oder unten geführt hatte, irgendwie richtungsweisend und damit wohltuend war. Es war wie ein Tanz, in dem Joels Hand ihre Hand geführt hatte und sie sich führen ließ.

Dann kam ihr der Gedanke:
Zeigte nicht auch das Leben manchmal deutlich durch Zufälligkeiten und Zeichen, wo es sie hinhaben wollte, in welche Richtung sie sich bewegen sollte?
Ja oft gab es aus ihren Gefühlen und den vorhandenen Möglichkeiten heraus fast nur eine Richtung, in die es weiter führte…

Meistens empfand sie diese Phasen angenehmer als Zeiten, in denen sie sich orientierungslos und unklar fühlte.
Also war Druck gar nicht immer und grundsätzlich unangenehm!
Wow – diese neue Erkenntnis ließ ganz neue Gedanken- und Gefühlswege zu:

Fasziniert erzählte sie Joel von dieser neuen Erkenntnis.
Schließlich schloss sie dankbar:
„Heute habe ich mich richtig wohl gefühlt in unserem Spiel. Wenn du sonst den Meister verkörperst, ist immer eine gewisse Anspannung in mir… Danke, dass du es mir heute so leicht gemacht hast. Ich wünschte mir, du könntest diese Art der Energie und Stimmung öfter entstehen lassen. „

„Wenn ich das durchweg täte, würde ich nicht deinem ursprünglichen Wunsch folgen, Mari.
Du wolltest mit Macht und Ungewissheit konfrontiert werden, um daran Vertrauen zu üben.
Und du willst eine liebevolle Autorität spüren, in die du dich, wenn du schließlich mehr Vertrauen aufgebaut hast, regelrecht hinein fallen lassen kannst. Das bin ich gern für dich, doch ohne diese Ungewissheiten und die Eindeutigkeit und Klarheit in der Meisterrolle würdest du diese Haltung der Hingabe, nach der du dich sehnst, nicht in dir entwickeln können, jedenfalls dann nicht durch unsere Spiele und Rituale. Sicher würde das Leben dir dann andere Wege dafür zeigen. Möchtest du das?“

Ruhig und gelassen sah er sie an.

„Nein, Joel, ich möchte diesen Weg mit dir weiter gehen. Zu dir entwickle ich gerade Vertrauen.“
Ups – hatte sie das gerade gesagt?
Es sprach aus mir,
bemerkte sie erstaunt, eine Stimme, die ich bisher noch nicht so deutlich wahrgenommen habe…

„Das freut mich, Mari, dann gehen wir gemeinsam diesen Weg weiter. 
Auch ich möchte das gern!
Wenn die Ungewissheit und andere Gefühle mal wieder quälend heftig werden sollten, denke daran, dass sie das Tor bauen, durch das du gehen musst, um Vertrauen zu üben. Was auch kommt, es wird immer meine Absicht und mein Ziel sein, dass du dich gut aufgehoben fühlst – bei mir als Meister und als Joel, der dir schon ein Stück näher ist. Bestimmt kannst du mit der Zeit immer sicherer sein, dass es immer gut weiter geht – hier und im Leben überhaupt.“

Nach diesen Worten zog er das schwarz-bunte symbolische Gewand aus, das er immer trug, wenn er das Leben verkörperte und nahm Mari zum ersten Mal behutsam in die Arme… 
Wie leicht konnte sie diese Umarmung annehmen und sich in sie hinein fallen lassen… sie wunderte sich über sich selbst. Heute fühlte es sich so an, als wäre in ihr schon ein Stück Vertrauen gewachsen…
Vielleicht lag es auch daran, dass dieses Spiel so friedlich, so harmonisch gewesen war und sie sich dadurch leichter öffnen konnte…

Nach einigen wunderbaren Atemzügen wollte sie sich aus der Umarmung lösen, unabhängig von ihrem Bedürfnis, dass sie gern noch länger darin verweilt wäre. So tief verankert waren die alten Sätze ihrer Oma, niemals zu viel haben zu wollen, Maß halten zu müssen… 
Joel nahm jedoch ihr echtes Bedürfnis wahr und hielt sie weiterhin angenehm fest und sicher in seinen Armen.
Ein neues, entspanntes und wärmendes Glückgefühl durchströmte sie… 
Sie durfte… sie durfte verweilen in diesen Arme, die sie hielten…
Sie durfte ohne weiter nachzudenken einfach sein und diese Nähe spüren…

Sie fühlte sich in diesen kostbaren Minuten auf so wohltuende Weise gehalten und geborgen, wie sie es kaum für möglich gehalten hatte, aber sich tief innen wohl schon lange unbewusst danach gesehnt hatte.

Als sie anschließend anschließend bei Kaffee und Kuchen zusammen saßen, sagte Mari zu Joel: „So wie du mich vorhin umarmt und gehalten hast, das fand ich wunderschön – nicht nur so ganz kurz mal drücken, wie es sonst üblich ist, sondern so, dass ich mich da schließlich richtig reinfallen lassen konnte.“

„Na ja, lächelte Joel, „ich wollte dir vermitteln, dass du gehalten bist und die Möglichkeit hast, dich anzulehnen und fallen zu lassen. Ich fand es schön zu spüren, dass du die Umarmung angenommen und dich ganz hinein begeben hast.“

„Ich hatte in der Umarmung nach einem kleinen Weilchen Sorge, dass es zu viel werden könnte, und versuchte, mich ein bisschen zu lösen. Doch du hieltest mich einfach weiter fest…  und dann konnte ich mich noch tiefer da hinein fallen lassen.“

„Ich wollte nicht, dass du dich zurückziehst, weil du glaubst, es wäre zu viel für mich  – und ich war mir in diesem Fall sicher, dass du mir deutlich signalisieren würdest, wann du die Umarmung beenden wolltest. Und das hast du ja nach einem Weilchen auch getan.“

„Es ist schön, wie du mich ohne Worte verstanden hast… ich danke dir sehr, Joel!“

12. Kopfkino

Das erste Treffen bei Joel

Mari und Joel hatten sich bisher zweimal bei Mari getroffen. Beim letzten Mal hatte Joel sie fürs nächste Treffen zu sich nach hause eingeladen.

„Bist du bereit, das nächste Mal zu mir zu kommen, Mari?“ hatte er gefragt.

Sie hätte nein sagen können, aber das wollte sie nicht. Heute wäre es ihr allerdings lieber gewesen, sie hätten sich weiter bei ihr, in ihrer vertrauten Umgebung getroffen. Doch wie hieß es so schön: Man sollte seine Komfortzone immer mal wieder verlassen.

Am Nachmittag nahm ihre Aufregung zu. Was würde sie wohl heute erwarten? Was hatte er in seiner Rolle als „Meister“ diesmal mit ihr vor?

Pünktlich um 18 Uhr erschien sie bei Joel, der sie lächelnd begrüßte und ins Wohnzimmer führte, wo Tee, Wasser und Gebäck auf dem Tisch standen.

„Ich möchte heute gleich mit unserer Session beginnen, den Englisch-Unterricht machen wir diesmal hinterher,“ erklärte er und schloss die Tür.

Dieser Moment, dieser winzige Moment des Tür-Schließens ließ in Mari Alarmglocken schrillen. Was, wenn sie gehen wollte, und er sie nicht raus ließ?
Was, wenn er die Wohnungstür von innen zu geschlossen hatte?
Was, wenn er sich  bisher nur so freundlich und entgegenkommend gezeigt hatte und heute, wo sie beim ihm war, in seiner Wohnung, in der er schalten und walten konnte, wie er wollte, sein wahres Gesicht erst zeigte?
Was, wenn er über sie herfiel und sie nicht weg konnte?

Immer tiefer verrannte sie sich in furchterregende Fantasien.

War es nicht leichtsinnig von ihr, einfach herzukommen, zu einem Mann, den sie noch gar nicht so lange kannte?
Nicht einmal ein Sicherheits-Telefonat mit einer Freundin hatte sie organisiert. Aber mit wem auch? Es gab keine Freundin, der sie von diesen speziellen Treffen erzählen konnte.
Wo war überhaupt ihr Handy? Ach ja, es steckte noch in der Jackentasche, die draußen an der Garderobe hing… Da konnte sie jetzt auch nicht ran!
Sie erinnerte sich an Filme, in denen sich anfänglich sehr freundliche Männer schlagartig in übler Weise verwandelt hatten, nachdem sie ihr Opfer erst mal auf heimischen Boden hatten…

„Ich möchte raus hier! Ich möchte sofort gehen!“

Joel hörte die Panik in ihrer Stimme, sah wie blass sie plötzlich geworden war, und öffnete sofort die Tür.  „Na klar, Mari, komm, lass uns an die frische Luft gehen,“ schlug er vor.

Wie auf der Flucht verließ sie die Wohnung. Joel hatte noch schnell ihre Jacke von der Garderobe genommen und ging hinter ihr die Treppe hinunter, sorgsam darauf bedacht, ihr in diesem Moment nicht zu nahe zu kommen.

Draußen regnete es leicht. Mari nahm das gar nicht wahr.
„Warte doch bitte mal einen kleinen Moment,“ bat er sie von hinten.
Sie drehte sich um, sah ihn an, wie er ihr die Jacke hinterher trug und in einem kleinen Abstand von ihr stehen blieb.
„Wenn es dir recht ist, begleite ich dich,“ bot er ihr an. Seine Stimme klang freundlich und warm wie immer.
Müsste er jetzt nicht sauer sein???
Statt dessen fragte er mitfühlend: „Es geht dir gerade gar nicht gut, stimmt´s? Wo möchtest du denn hin?“

In diesem Moment sah sie ihn wieder – ihn, Joel, wie er wirklich war – nicht die Schreckensgestalt, die ihre Panik in der Wohnung aus ihm gemacht hatte.

Jetzt wurde die Angst von Scham abgelöst. Sie schaute nach unten, nahm wahr, wie sich kleine Pfützen bildeten, spürte nun die Nässe auch durch ihre Kleidung hindurch und fröstelte. Ganz starr stand sie – und murmelte: „Ich weiß auch nicht…“
Wollte sie jetzt wirklich nach hause fahren?

„Zieh doch erstmal deine Jacke an…“  Immer noch etwas von ihr entfernt stehend hielt er ihr die Jacke hin, und sie schlüpfte hinein, legte die Arme schützend um ihren frierenden Oberkörper.

„Oh, Joel, es tut mir leid…“ brach es aus ihr hervor.

„Es braucht dir nicht leid zu tun, Mari, Du hattest einen Panikanfall. Dafür kannst du nichts. Was meinst du, würde es dir gut tun, wenn ich dich jetzt in die Arme nehme?“ fragte er sie vorsichtig.

„Ja, wenn du das noch willst…?“

Langsam und ganz behutsam legte er die Arme um sie, und der Rest von Angst und Widerstand schmolz in seiner Umarmung.
Eine ganze Weile standen sie in dieser Umarmung versunken auf der verregneten Straße.
„Nimmst du mich wieder mit zu dir?“ fragte sie schließlich leise.

„Gern, Mari. Und ich verspreche dir, es wird dir nichts geschehen. Heute werden wir auch kein Spiel mehr machen! Jetzt möchte ich nur, dass du dich von deinem Schrecken erholst und wieder auftaust, mein Schatz!“
Und später können wir vielleicht über alles reden, wenn du möchtest…“

 Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge

2. Ein verletztes Vögelchen braucht eine sichere und behutsame Hand…

Mehr von Mari´s Fantasien:
Hilflos
sein und dabei getröstet, ermutigt und liebevoll berührt werden…

Hand in Hand gingen Mari und Joel durch den Park, während sie über das sprachen, was sie gemeinsam vorhatten. 

„Bitte beschreib doch mal, was du dir  von mir im Spiel der dominanten Rolle wünschst, Mari. Je mehr ich davon weiß, umso leichter wird es für uns beide, das zu verwirklichen, was dir gut tut in diesem sensiblen Thema.“

Mari überlege… wie sollte sie beginnen?
„Es sind ja immer nur Fragmente, Ausschnitte, kleine Szenen, kurze Sätze, die in mir aufploppen…“

„Na ja, ich will auch nicht, dass du mir ein ausgearbeitetes Drehbuch auftischst,“ lachte er. „Dann wäre ja auch keine Spannung mehr da. Die Gestaltung des Ablaufs unserer Sessions überlässt du ruhig mir. Regie ist schließlich meine Aufgabe in dem Spiel.
Wenn ich dich richtig verstanden habe, geht es dir ja gerade darum, die Erfahrung zu machen, dich gut aufgehoben zu fühlen, wenn du NICHT weißt, was kommt, wenn eine anfängliche Ungewissheit dein Adrenalin ins Fließen bringt und du dann erlebst, dass dir nichts Schlimmes geschieht. Habe ich dich so richtig verstanden?“

„Besser hätte ich es nicht formulieren können,“ bestätigte Mari. „Du hast gut zugehört.“

„Ja, ich glaube, zuhören kann ich ganz gut,“ gab Joel zurück.
„Also pass auf, wir machen jetzt ein Interview. Du antwortest möglichst spontan und sagst das, was dir gerade einfällt, ohne lange nachzudenken, okay?“

„Okay!“

„Wonach sehnst du dich?“

„Nach innigen Umarmungen, nach dem Gefühl, gehalten zu sein in allen Gefühlen, die gerade da sind, und mich sicher zu fühlen… Und dass meine Ups and Downs okay sind, auch dann, wenn ich weinen muss.“

„Deine Tränen sind mir jederzeit willkommen – ich werde für genügend Taschentücher sorgen, okay? Ernsthaft Mari: Es ist für mich vollkommen okay, wenn du weinst. Alles was aus dir kommt, darf da sein. Anders ginge solch ein Weg, den wir vorhaben, gar nicht. Und ich möchte dich darin auffangen können, dir Trost und Sicherheit geben, wenn es soweit ist. Deshalb meine nächste  Frage: Was tut dir gut? Was tröstet dich, wenn du dich aufgewühlt und ängstlich fühlst? Was hilft dir, wenn du weinst?“

„Wenn jemand meine Hand nimmt und sagt:  Alles okay. Alles darf sein. Mach dir keine Sorgen – alles ist gut.
Berührungen, die besonders in solchen Situationen eindeutig nicht erotisch sind, die einfach nur gut tun und in meiner Seele ankommen…“

„Verstehe – wie wenn ein Vogel verletzt ist… das zitternde, flatternde Vögelchen braucht dann eine sanfte Hand, in der es sich gut aufgehoben, aber nicht festgehalten fühlt…“

Mari konnte nur nicken, so berührt war sie von dem Gedankenbild, das er eben entworfen hatte.

„Auf welche Weise hast du in deinen Fantasien schon Machtlosigkeit und Kontrollabgabe erlebt?“

„Na ja… zum Beispiel durch Augen-Verbinden. Viel Macht hat auch die Stimme, die ich dann immer in mir höre. Sie ist bestimmend, aber immer auf freundliche Weise und nie laut. Manchmal stelle ich mir vor, dass jemand sagt: Du tust jetzt gar nichts, außer das, was ich dir sage!
Wenn ich mich dann darauf einlasse, macht es mir auch ein ganz warmes Gefühl, wenn diese Stimme mir sowas sagt wie: Das machst du gut, Mari. Ja, so ist es prima. Genauso wollte ich es. Gut gemacht!  
Manchmal stelle ich mir auch vor… gefesselt zu werden. Dies aber in wohlwollender, achtsamer Weise, ohne dass es weh tut – immer begleitet von dieser Stimme, die freundlich, aber bestimmt und in solchen Situationen auch ermutigend mit mir spricht. Stille könnte ich dabei nicht aushalten.“

„Hmm, verstehe… Das Fesseln… zum Beispiel mit Seidentüchern?“

„Ja… und nicht zu fest, aber so, dass ich es spüre und mich eingeschränkt fühle in meiner Beweglichkeit. Dabei geschieht dann aber immer irgendetwas Angenehmes, um die Angst, die dabei unweigerlich hochkommt, leichter erträglich zu machen. Und seltsamerweise entsteht durch diese dann gemilderte Angst eine Art von sexueller Erregung in mir. Die wird durch bestimmende, aber freundliche Worte verstärkt. Das Gefühl, gut aufgehoben zu sein, aber keine Möglichkeit zu haben, selbst auf das Geschehen Einfluss zu nehmen – das macht ganz viel mit mir.“

„Ich glaub, ich verstehe dich. Du willst wehrlos gemacht werden und dabei gleichzeitig getröstet, ermutigt, gelobt und in jeglicher Weise gut behandelt werden, ja?“

„Ja, so ungefähr, und ich weiß gar nicht warum ich so seltsam ticke…“
„Das ist jetzt auch vollkommen egal. Wichtig ist, was du fühlst dabei… was dich bewegt… was immer wieder auftaucht in dir… und wie wir das in für dich gute Erlebnisse umsetzen können. Warum… Wieso… fragt der Kopf. Das bringt nichts. Es ist so, und hat sicher Ursachen. Die sind jetzt nebensächlich, lass uns auf das konzentrieren, was du erleben willst, und besonders auf das, was du brauchst, um dich darin aufhalten zu können, damit du mir nicht gleich wegrennst oder alles abbrichst, wenn die ersten Gefühle von Angst und Hilflosigkeit entstehen. Ich bin ziemlich sicher, dass es nicht viel braucht bei dir, um das auszulösen – die stehen ja schon lange Schlange in deinem Inneren und warten darauf, dass die Tür sich öffnet und sie ins Leben kommen dürfen. Und dann ist es wichtig, dass ich dich halten kann, Mari. Denn wir wollen ja beide nicht, dass die Angst gleich so mächtig wird, dass sie die zaghaft geöffnete Tür gleich wieder zuschlägt.“

„Mir ist jetzt schon ganz flau im Magen,“ bekannte Mari.

„Komm, hier ist ne Bank, setzen wir uns hin,“ schlug Joel vor. „Darf ich dir ein bisschen die Schultern massieren?“ 

„Ui – das ist ja ein tolles Angebot, das nehme ich gern an.“

„Und hier im Park bist du ziemlich sicher, wenn ich dich das erste Mal berühre. Hier laufen immer mal Leute entlang und könnten dich retten, wenn ich dir was antun würde,“ scherzte Joel. „Aber Flachs beiseite, spür einfach mal hin, wie sich meine Hände für dich anfühlen.“

So bekam Mari ihre erste Massage auf der Parkbank – und konnte sie genießen.
Ihre Schultern- und Nackenmuskeln waren hoch erfreut – und sie konnte sich tatsächlich entspannen. „Hier kann ja kaum was Schlimmes geschehen“ meinten  ihre kleinen Angststimmen, wurden ganz ruhig und legten sich für ein Weilchen schlafen. 
Zum nächsten Kapitel: 3 – Bei dir oder bei mir?

 

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