44. Eine Wanderung mit kleinen Schritten an der Grenze entlang

Mari geht spazieren

Gedankenversunken lief Mari durch den nahegelegenen Park, in dem sie inzwischen auch schon einige Male mit Joel spazieren gegangen war.

Ihre Gedanken wanderten zurück zum gestrigen Spiel mit dem Meister, den Joel wieder für sie dargestellt hatte. Diesmal fand sie einen Stuhl vor, der in der Mitte des Zimmers stand… Jedes Mal, wenn sie eine überraschende Anordnung der Möbel im Zimmer vor fand, rätselte sie, was das wohl für sie zu bedeuten haben möge. Bisher hatte sie es nie vorher rausfinden können.

Gestern sollte sie sich auf den Stuhl setzen, ihr wurden die Augen verbunden, und ihre Aufgabe bestand lediglich darin zu spüren. Na ja, klang erst mal nicht so schlimm… War eigentlich auch nicht wirklich „schlimm„, dachte sie jetzt im Nachhinein, schlimm nicht, aber ziemlich bewegend und herausfordernd…

Es war ein angenehmes Gefühl, als der Meister anfangs ihre Hand nahm und streichelte… Auch als er ganz langsam den Arm immer ein Stückchen aufwärts wanderte und wieder zurück kehrte zur Hand… Als er dann am Oberarm angelangt war und ein kleines Stückchen unter den Saum ihrer Ärmel wanderte, entstand ein spannendes Gefühlsgemisch, das sie in Aufregung versetzte. Mari dachte an diesen fortwährenden fast rhythmischen Wandel ihres Gefühlszustandes innerhalb der verschiedenen Berührungen… Irgendwann hatte sie die steigende Anspannung in diesen Wellen kaum noch aushalten können.
In solch einem Moment fragte Joel sie nach der Farbe ihrer Gefühlsampel.
Kann er Gedanken lesen? fragte sie sich gerade…“ rötliches Orange“, gab sie zur Antwort.

Eigentlich gut, dass er meine Körpersprache so gut wahrnehmen kann, aber irgendwie… auch seltsam, so durchschaubar zu seinDas ist, als würde es seine Macht verstärken, überlegte sie.
Er hatte freundlich geantwortet, er würde sich freuen, wenn er sie wieder auf „gelb“ zurück führen könnte, und hatte ihr erlaubt, einen Wunsch zu äußern.

Mari bewegte jetzt im Park beim Laufen unwillkürlich ihre Schultern, denn ihr Wunsch war eine Schulter- und Nackenmassage gewesen, denn sie hatte schon erlebt, wie gut es ihr tat, wenn Joel sie dort massiert hatte. Und so hatte die Erfüllung dieses Wunsches ihr auch gestern geholfen, wieder mehr entspannen zu können. Ihr war schließlich so warm geworden, dass sie ihn fragte, ob sie ihre kurzärmelige Jacke ausziehen könne.

Mari verzog ihren Mund zu einem verunglückten Grinsen in der Erinnerung daran, dass sie mit dieser Frage wieder die Regel verletzt hatte, nur absolut unvermeidbare Fragen zu stellen, um sich daran zu gewöhnen, auch Risiken einzugehen und zu vertrauen, dass nichts Schlimmes geschieht, wenn sie etwas anders machte, als er es gemeint hatte. Sie hätte die Jacke einfach ausziehen können, ohne zu fragen. Also ihr „Absichern wollen“ anhand von Fragen führte in diesen Spielen gerade dahin, wo sie nicht hin wollte, nämlich zur Verletzung dieser für sie so ungewohnten Nicht-Frage-Regel. Würde sie weniger Fragen stellen und sich einfach trauen, Dinge zu tun, wie sie ihr einfielen, würde sie die Regel weniger verletzen und sich damit nicht so oft auf Glatteis begeben. Wieder mal ein Paradoxon!

Ich frage, um nichts falsch zu machen und keine negative Sanktion zu bekommen und genau durch das Fragen erhalte ich sie.
Ich hätte gestern die Jacke einfach ausziehen sollen, ohne zu fragen, dann hätte ich auch keine Regel verletzt. So wollte ich vorher seine Zustimmung erhalten, um wie immer nichts falsch zu machen, und hab´s gerade damit wieder mal versemmelt.

Na ja, es war kein Verhängnis draus geworden – das war es ja eigentlich nie in den Sitzungen mit dem Meister! Aber es hatte sich durchaus unangenehm angefühlt, als er fragte: „Bereit für deine Strafe?“ Aber – und nun war Mari ein bisschen stolz auf sich – diesmal hatte sie gleich „Ja!“ gesagt, anders als in den Anlässen davor, in denen sie so starke Angst davor hatte, dass es ihr erstmal nicht so schnell möglich war, ihre Bereitschaft zu bekunden und sie mit allen Mitteln versucht hatte, das Blatt zu wenden, was ihr natürlich nie gelungen war. Doch wenn sie zurück dachte, war ihr Meister in der Auswahl seiner Sanktionen stets so achtsam gewesen, dass dadurch nie eine Angst verstärkt oder neu entstanden war – im Gegenteil, zurück blieb immer eine Erleichterung, erstens es geschafft zu haben und zweitens, dass es nie wirklich schlimm war.

So auch gestern: Nachdem sie diesmal, ohne lange zu zögern und zu diskutieren „Ja, ich bin bereit“ gesagt hatte, sollte sie ihm in die Augen schauen und ihm sagen: „Ich will meine Bereitschaft vertiefen, bei dir Risiken einzugehen.“ Allerdings nur dann, wenn sie dazu wirklich ja sagen könne, ansonsten würde er sich eine andere Sanktion einfallen lassen.
Und Mari bekundete diese Bereitschaft gerne. Sie wünschte es sich ja tatsächlich, mutiger, spontaner und risikobereiter zu sein.
Dankbar dachte Mari: Ich merke immer wieder, dass ich ihm vertrauen kann und er es mir so leicht macht, wie es im Rahmen dieser doch herausfordernden Machtspiel-Situationen möglich ist.

Nachdem diese Klippe umschifft war, wendete er sich wieder ihren Schultern zu und massierte sie bis in den Nacken hinein. War das gut… ! Sie fühlte jetzt noch das wunderbare Gefühl, wie sich ihre Anspannung wieder langsam gelöst hatte.

Doch als er sich dann langsam unter ihr Top vortastete und gar nicht mal unangenehm über die Schlüsselbeine strich, spürte Mari eine deutliche innere Grenze. Sie begann leicht zu zittern und wäre am liebsten aufgestanden, um die Situation sofort zu beenden. So schnell entstanden

in ihr Verknüpfungen, die alte Übergriffs-Situationen an triggerten.
Ihr Meister spürte ihre Anspannung, hielt in diesem Moment mit seinen Berührungen inne und fragte: „Mari, welche Farbe hat unsere Ampel?“ Als sie „Hellrot“ flüsterte, nahm er ruhig seine Hände dort weg, legte ihr eine Hand an ihre Stirn und die andere an den unteren Hinterkopf. Ihren heißen Kopf auf diese Weise in Joels Hände abgeben zu können, tat ihr sehr gut und ihr Stresspegel sank überraschend schnell. Als würde meine ganze Anspannung durch seine Hände abgeflossen sein – erinnerte sie sich. Danach hatte er das Spiel beendet, so dass sie in diesem angenehm entspannte Zustand hatte bleiben können.



Warum nur vergesse ich in solchen Momenten immer wieder die Möglichkeit, anhand der Ampel zu kommunizieren, wie es mir geht? fragte sie sich. Und gestern hatte er mich zu Beginn des Spieles sogar noch dran erinnert. Ich will künftig versuchen, das mehr im Auge zu behalten! Wie gut, dass er mich ein paar Mal von sich aus nach der aktuellen Ampelfarbe gefragt hat – das hätte sonst fast wieder zu einem Abbruch führen können, so wie neulich, als ich das Tuch bei unserem Blind-durch-den-Park-geh-Spiel abrupt abgerissen hatte. Doch auch danach war es dann wieder gut weiter gegangen, erinnerte sie sich dankbar.

Und wie schön war es gestern am Ende, als er mich umarmte, mir sagte, dass er sich gefreut habe, wie viel ich zulassen konnte, und dann ziemlich bald das Spiel beendete, und mich in Joels Armen zurück ließ… Mit ihm selbst, außerhalb der Meisterrolle fühlt es sich viel leichter und angenehmer an für mich!

Seltsam…, überlegte sie schon zum wiederholten Male, dass ich diese Spiele trotzdem auch immer wieder will…

Dieses Kapitel wurde gemeinsam geschrieben von Rafael und Miriam.

Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge

44. Eine Wanderung mit kleinen Schritten an der Grenze entlang

Mari geht spazieren

Gedankenversunken lief Mari durch den nahegelegenen Park, in dem sie inzwischen auch schon einige Male mit Joel spazieren gegangen war.

Ihre Gedanken wanderten zurück zum gestrigen Spiel mit dem Meister, den Joel wieder für sie dargestellt hatte. Diesmal fand sie einen Stuhl vor, der in der Mitte des Zimmers stand… Jedes Mal, wenn sie eine überraschende Anordnung der Möbel im Zimmer vor fand, rätselte sie, was das wohl für sie zu bedeuten haben möge. Bisher hatte sie es nie vorher rausfinden können.

Gestern sollte sie sich auf den Stuhl setzen, ihr wurden die Augen verbunden, und ihre Aufgabe bestand lediglich darin zu spüren. Na ja, klang erst mal nicht so schlimm… War eigentlich auch nicht wirklich „schlimm„, dachte sie jetzt im Nachhinein, schlimm nicht, aber ziemlich bewegend und herausfordernd…

Es war ein angenehmes Gefühl, als der Meister anfangs ihre Hand nahm und streichelte… Auch als er ganz langsam den Arm immer ein Stückchen aufwärts wanderte und wieder zurück kehrte zur Hand… Als er dann am Oberarm angelangt war und ein kleines Stückchen unter den Saum ihrer Ärmel wanderte, entstand ein spannendes Gefühlsgemisch, das sie in Aufregung versetzte. Mari dachte an diesen fortwährenden fast rhythmischen Wandel ihres Gefühlszustandes innerhalb der verschiedenen Berührungen… Irgendwann hatte sie die steigende Anspannung in diesen Wellen kaum noch aushalten können.
In solch einem Moment fragte Joel sie nach der Farbe ihrer Gefühlsampel.
Kann er Gedanken lesen? fragte sie sich gerade…“ rötliches Orange“, gab sie zur Antwort.

Eigentlich gut, dass er meine Körpersprache so gut wahrnehmen kann, aber irgendwie… auch seltsam, so durchschaubar zu seinDas ist, als würde es seine Macht verstärken, überlegte sie.
Er hatte freundlich geantwortet, er würde sich freuen, wenn er sie wieder auf „gelb“ zurück führen könnte, und hatte ihr erlaubt, einen Wunsch zu äußern.

Mari bewegte jetzt im Park beim Laufen unwillkürlich ihre Schultern, denn ihr Wunsch war eine Schulter- und Nackenmassage gewesen, denn sie hatte schon erlebt, wie gut es ihr tat, wenn Joel sie dort massiert hatte. Und so hatte die Erfüllung dieses Wunsches ihr auch gestern geholfen, wieder mehr entspannen zu können. Ihr war schließlich so warm geworden, dass sie ihn fragte, ob sie ihre kurzärmelige Jacke ausziehen könne.

Mari verzog ihren Mund zu einem verunglückten Grinsen in der Erinnerung daran, dass sie mit dieser Frage wieder die Regel verletzt hatte, nur absolut unvermeidbare Fragen zu stellen, um sich daran zu gewöhnen, auch Risiken einzugehen und zu vertrauen, dass nichts Schlimmes geschieht, wenn sie etwas anders machte, als er es gemeint hatte. Sie hätte die Jacke einfach ausziehen können, ohne zu fragen. Also ihr „Absichern wollen“ anhand von Fragen führte in diesen Spielen gerade dahin, wo sie nicht hin wollte, nämlich zur Verletzung dieser für sie so ungewohnten Nicht-Frage-Regel. Würde sie weniger Fragen stellen und sich einfach trauen, Dinge zu tun, wie sie ihr einfielen, würde sie die Regel weniger verletzen und sich damit nicht so oft auf Glatteis begeben. Wieder mal ein Paradoxon!

Ich frage, um nichts falsch zu machen und keine negative Sanktion zu bekommen und genau durch das Fragen erhalte ich sie.
Ich hätte gestern die Jacke einfach ausziehen sollen, ohne zu fragen, dann hätte ich auch keine Regel verletzt. So wollte ich vorher seine Zustimmung erhalten, um wie immer nichts falsch zu machen, und hab´s gerade damit wieder mal versemmelt.

Na ja, es war kein Verhängnis draus geworden – das war es ja eigentlich nie in den Sitzungen mit dem Meister! Aber es hatte sich durchaus unangenehm angefühlt, als er fragte: „Bereit für deine Strafe?“ Aber – und nun war Mari ein bisschen stolz auf sich – diesmal hatte sie gleich „Ja!“ gesagt, anders als in den Anlässen davor, in denen sie so starke Angst davor hatte, dass es ihr erstmal nicht so schnell möglich war, ihre Bereitschaft zu bekunden und sie mit allen Mitteln versucht hatte, das Blatt zu wenden, was ihr natürlich nie gelungen war. Doch wenn sie zurück dachte, war ihr Meister in der Auswahl seiner Sanktionen stets so achtsam gewesen, dass dadurch nie eine Angst verstärkt oder neu entstanden war – im Gegenteil, zurück blieb immer eine Erleichterung, erstens es geschafft zu haben und zweitens, dass es nie wirklich schlimm war.

So auch gestern: Nachdem sie diesmal, ohne lange zu zögern und zu diskutieren „Ja, ich bin bereit“ gesagt hatte, sollte sie ihm in die Augen schauen und ihm sagen: „Ich will meine Bereitschaft vertiefen, bei dir Risiken einzugehen.“ Allerdings nur dann, wenn sie dazu wirklich ja sagen könne, ansonsten würde er sich eine andere Sanktion einfallen lassen.
Und Mari bekundete diese Bereitschaft gerne. Sie wünschte es sich ja tatsächlich, mutiger, spontaner und risikobereiter zu sein.
Dankbar dachte Mari: Ich merke immer wieder, dass ich ihm vertrauen kann und er es mir so leicht macht, wie es im Rahmen dieser doch herausfordernden Machtspiel-Situationen möglich ist.

Nachdem diese Klippe umschifft war, wendete er sich wieder ihren Schultern zu und massierte sie bis in den Nacken hinein. War das gut… ! Sie fühlte jetzt noch das wunderbare Gefühl, wie sich ihre Anspannung wieder langsam gelöst hatte.

Doch als er sich dann langsam unter ihr Top vortastete und gar nicht mal unangenehm über die Schlüsselbeine strich, spürte Mari eine deutliche innere Grenze. Sie begann leicht zu zittern und wäre am liebsten aufgestanden, um die Situation sofort zu beenden. So schnell entstanden in ihr Verknüpfungen, die alte Übergriffs-Situationen an triggerten.
Ihr Meister spürte ihre Anspannung, hielt in diesem Moment mit seinen Berührungen inne und fragte: „Mari, welche Farbe hat unsere Ampel?“
Als sie „Hellrot“ flüsterte, nahm er ruhig seine Hände dort weg, legte ihr eine Hand an ihre Stirn und die andere an den unteren Hinterkopf. Ihren heißen Kopf auf diese Weise in Joels Hände abgeben zu können, tat ihr sehr gut und ihr Stresspegel sank überraschend schnell. Als würde meine ganze Anspannung durch seine Hände abgeflossen sein – erinnerte sie sich. Danach hatte er das Spiel beendet, so dass sie in diesem angenehm entspannte Zustand hatte bleiben können.



Warum nur vergesse ich in solchen Momenten immer wieder die Möglichkeit, anhand der Ampel zu kommunizieren, wie es mir geht? fragte sie sich. Und gestern hatte er mich zu Beginn des Spieles sogar noch dran erinnert. Ich will künftig versuchen, das mehr im Auge zu behalten! Wie gut, dass er mich ein paar Mal von sich aus nach der aktuellen Ampelfarbe gefragt hat – das hätte sonst fast wieder zu einem Abbruch führen können, so wie neulich, als ich das Tuch bei unserem Blind-durch-den-Park-geh-Spiel abrupt abgerissen hatte. Doch auch danach war es dann wieder gut weiter gegangen, erinnerte sie sich dankbar.

Und wie schön war es gestern am Ende, als er mich umarmte, mir sagte, dass er sich gefreut habe, wie viel ich zulassen konnte, und dann ziemlich bald das Spiel beendete, und mich in Joels Armen zurück ließ… Mit ihm selbst, außerhalb der Meisterrolle fühlt es sich viel leichter und angenehmer an für mich!

Seltsam…, überlegte sie schon zum wiederholten Male, dass ich diese Spiele trotzdem auch immer wieder will…

Dieses Kapitel wurde gemeinsam geschrieben von Rafael und Miriam.

Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge

35. Annehmen, was ist – der Nährboden für neue zarte Vertrauenspflänzchen


Bei Mari – ein Gespräch vor Beginn des Spiels über Vertrauen, auch bei möglichen Strafen 

Heute war Mari wieder einmal sehr nervös. Sie hatte einen schweren Traum von einer Bestrafungssituation gehabt, in der sie noch ein Kind war. Der erinnerte sie an eine etwas zurückliegende Sitzung mit Joel in einem ihrer Machtspiele, in denen er die Rolle eines Meisters für sie verkörperte. In diesem Spiel hatte es aufgrund einer  Regelübertretung zum ersten Mal eine Strafe für Mari gegeben hatte. Zugegeben – das war keine wirklich Strafe, eher ein leicht auszusprechendes Bekenntnis, aber seit dem wusste sie, dass weitere Sanktionen folgen würden.

Wie bisher jedes Mal war Joel in seiner Meisterrolle verständnisvoll, unterstützend und dennoch konsequent mit seiner Spielgefährtin, die die Rolle der Schülerin einnahm, umgegangen und hatte ihr erklärt, dass in ihrer besonderen Situation die Strafe dazu dienen sollte, ihr ein Gefühl von Ausgleich zu vermitteln und neue, gute Erfahrungen mit den kleinen Fehlern, die ihr hier unterliefen, zu machen. Als Kind hatte sie nach jeder kleinen Unachtsamkeit lange gelitten und hatte keine Ausgleichsmöglichkeiten bekommen und kein Wort, das ihr damals den Druck hätte nehmen können. Jetzt hier mit dem Meister konnte sie durch das Annehmen einer (von ihm sehr behutsam ausgewählten) Strafe dafür sorgen, dass sie nach ihrem „Fehltritt“ keinerlei Unzulänglichkeitsgefühle oder gar schlechtes Gewissen mit sich herum tragen mußte. Denn dies war eines der Relikte aus ihrer Kindheit, das sie am meisten belastete. Im Kopf hatte sie inzwischen einiges verstanden, das reichte aber nicht aus, um tiefgreifende Veränderungen zu bewirken, dazu bedurfte es wiederholter Erfahrungen, die sie mit ihre Sinnen erleben musste. Dazu sollten unter anderem diese Art sorgfältig ausgewählter Sanktionen dienen und, wie er hoffte, eine heilende Wirkung entfalten. 

Dennoch… als sie erfuhr, dass Regelübertretungen künftig diese Folgen trugen, steigerte sich ihre ängstliche Beklommenheit zunächst noch. Joel war allerdings zuversichtlich, dass sich das mit der Zeit geben würde, nachdem sie erste Erfahrungen mit seiner Art zu strafen gemacht hatte.

So kam es, dass Mari heute vor dem Besuch Joels noch nervöser war als sonst. 

Bevor er das Spiel begann, gab er ihr noch eine Gelegenheit anzusprechen, was sie belastete: „Möchtest du noch etwas loswerden, bevor wir starten, Mari?““

„Ich bin heute noch aufgeregter als sonst –  habe Angst, etwas falsch zu machen, aber ich glaube das weißt du schon…“, bekannte Mari leise.

„Warum hast du Angst, etwas falsch zu machen?“

„Weil mir das nun noch unangenehmer ist, seit ich weiß, dass ich dann von dir bestraft werde.“

„Aber das würde ja auch bedeuten, du hättest Angst vor mir. Habe ich dir jemand Anlass dafür gegeben?“

„Das ist ganz seltsam Joel, sobald das Spiel beginnt, habe ich nicht mehr das gleiche Gefühl zu dir, wie ich es davor oder danach habe. Die Autorität, die der Meister ausstrahlt, hat immer auch etwas leicht Beängstigendes für mich.“

„Hmm, ja ich weiß.  Sag  mal, hat der Meister eigentlich je etwas getan, das deine Angst rechtfertigt… etwas, vor dem du dich fürchten musst? Hat er nicht immer Verständnis und Augenmaß bewiesen und dich nie überfordert, Mari?“ fragte Joel ruhig.

„Er hat mir bisher nichts wirklich getan, das stimmt… Vielleicht liegt dieses Gefühl von Angst in seiner Rolle an sich und in der Ungewissheit der Aufgaben begründet“, überlegte Mari, „und dass es ab jetzt Strafen geben wird, das macht mir große Angst!“

„Ich bin ganz zuversichtlich, dass dein Vertrauen auch zu mir als Meister mit der Zeit wachsen wird.“ Joel lächelte Mari freundlich an.

„Es tut mir leid, Joel, dass mein Gefühl da nicht so hinterher kommt, wie es passend und gut wäre. Ich schäme mich, dass mein Vertrauen so dünn ist und dass ich oft so schwierige Gefühle habe“, bekannte Mari.

„Mari, dir braucht nichts leid zu tun, und erst recht brauchst du dich nicht zu schämen! Wir wissen beide, welche komplexen Hintergründe deine Ängste haben. Wenn es einfach wäre, bräuchten wir keine Spiele dafür!“

„Ich habe einfach Angst, dass das zu lange dauert bei mir und dass du genervt oder sauer werden könntest“, erklärte Mari. 

„Nein, ich bin nicht sauer und auch nicht genervt, überhaupt nicht, warum auch, du hast doch nichts Schlimmes getan, überhaupt nichts!“

„Na ich dachte, weil du ja Recht hast damit, dass der Meister bisher immer achtsam und angemessen mit mir und meinen Gefühlen umgegangen ist, hätte er mehr Vertrauen verdient! Ich kann es aber leider noch nicht so fühlen!“

„Aber Mari, deswegen gibt es den Meister doch überhaupt, weil dir das Vertrauen schwer fällt und du es mit ihm üben möchtest.“

 Mari musste ein bisschen lachen, „ja, so gesehen hast du schon Recht…“

„Siehst du…“ herzhaft stimmte Joel in ihr Lachen mit ein,

Dankbar nickte Mari
Er ist nicht ungeduldig oder gar sauer, weil mir das mit dem Vertrauen noch nicht so gelingt,
 dachte sie befreit. 
Es war so wohltuend, dass Joel sie so annehmen konnte wie sie war.  Nur so konnte das zarte Pflänzchen des Vertrauens langsam wachsen…

Sein freundliches Annehmen war der Nährboden für das Gedeihen des bereits vorhandenen, noch sehr zarten Vertrauenspflänzchens und derer, die noch hinzu kommen würden…

Dieses Kapitel wurde gemeinsam geschrieben von Rafael und Miriam

Zum nächsten Kapitel: –> 36. Wie durch eine besondere Art des „Strafens“ Vertrauen wachsen kann

Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge

 

20. Fehler und ihre Folgen

 Bei Joel – Schmerzliche Unzulänglichkeitsgefühle aus der Kindheit tauchen auf

Wieder einmal hatte Joel in seiner Funktion als Meister Marie die Augen verbunden. Jedes Mal wenn er das tat, stieg ihre ohnehin schon vorhandene Aufregung heftig an.

„Marie, du hast jetzt im Moment nichts weiter zu tun, als auf der Couch sitzen zu bleiben und wahrzunehmen, was du hörst und wie du dich fühlst,“ erklärte ihr Joel mit ruhiger Stimme.

Sie nahm wahr, wie er aufstand und im Zimmer umherging. Es raschelte an einer Stelle, es klapperte an einer anderen Stelle, dann war es einen Moment lang ruhiger, und wieder hörte sie aus den verschiedenen Stellen des Zimmers unterschiedliche leise Geräusche .

Was tat er da? Am liebsten hätte sie ihn gefragt, aber glücklicherweise konnte sie sich diesmal rechtzeitig zurückhalten und stellte keinerlei Fragen.
Das ist mir jetzt gelungen, freute sie sich im stillen und musste für einen kleinen Moment schmunzeln.

„Es freut mich, dich lächeln zu sehen Mari!“
In diesem Moment setzte sich Joel zu ihr auf die Couch. Erschrocken zuckte sie ein wenig zusammen.
„Wie fühlst du dich?“
Er hat es gespürt, dass ich schon wieder so aufgeregt bin, dachte Marie.
„Das Verbinden der Augen macht mir immer beklemmende Gefühle – jetzt auch gerade,“ erklärte sie ihm ehrlich.
„Ja, Marie, das weiß ich. Deshalb werden wir es ganz oft zu tun, bis ein Gewöhnungseffekt einsetzt und es dann für dich leichter wird. Für heute ist es erst einmal genug. Du kannst das Tuch wieder abnehmen. „
Erleichtert zog sie es herunter. Ja, was war das denn? im Wohnzimmer lagen bunt verstreut Gegenstände auf dem Teppich. Den Sessel hatte Joel zur Seite gestellt, sodass mehr Fläche entstanden war, auf der ein Durcheinander von Kissen, Büchern, einem Stoffhund und zwei größeren Blumenvasen entstanden war.
„Ja was soll das denn?“ fragte sie erstaunt. Joel schaute sie schweigend an. Da blitzte die Erkenntnis auf: Schon wieder hatte sie eine Frage gestellt, die vermeidbar gewesen wäre. Wann würde sie es endlich lernen, die Gegebenheiten ungefragt und unkommentiert zu nehmen wie sie sind?!
Beschämt sah sie ihn an: „Es tut mir leid Joel.“
Noch ein Fehler! Sie sollte ihn doch in ihrem gemeinsamen Spiel mit „Meister“ ansprechen!
„Entschuldigung, ich meine es tut mir leid, Meister.“
Ein unangenehmes Flattern in der Magengegend breitete sich aus, und ihre Hände begannen zu zittern.
Joel nahm ihre Hand und hielt sie in seinen beiden warmen Händen.
„Ganz ruhig Marie… Ja du hast zwei Fehler gemacht, zwei Regelübertretungen sind passiert.
Was meinst du, warum dein Unterbewusstsein das immer wieder so macht?“
Erstaunt schaute Mari ihn an. Diese Frage hatte sie nicht erwartet. Aber womit konnte man in diesen Spielen schon rechnen? Es gelang ihm immer wieder, sie zu verblüffen und zu überraschen…
„Das weiß ich nicht, Meister, und es tut mir sehr, sehr leid! Gerade hatte ich mich gefreut, dass ich davor bemerkt habe, dass ich fast eine Frage gestellt hätte und es dann nicht getan habe – und nun tappe ich kurz darauf doch wieder in die Falle!“
„Dafür gibt es bestimmt Gründe, Mari,“ entgegnete Joel ruhig, „das ist meistens so, wenn etwas immer wieder geschieht Vielleicht möchtest du dich ganz tief innen mit dem Thema „Fehler und ihre Folgen“ beschäftigen. Ich merke ja, dass du immer sehr aufgeregt bist, wenn dir ein Fehler unterläuft. Was geschieht da in dir? Wovor hast du Angst?“
Ohne dass sie lange nach dachte sprudelte Sie heraus: Ich habe Angst dass du sauer auf mich  wirst… Ich habe Angst vor Beschimpfung und vor Bestrafung. Ich habe Angst, dass du sagst: Das hat doch alles keinen Sinn, so geht das nicht, und mich weg schickst.“
 Mit diesen Worten brach sie in Tränen aus.
Joel nahm sie in die Arme, hielt sie ganz vorsichtig fest, sodass sie seine Wärme und seine Sicherheit am ganzen Körper spürte. Es zuckte und bebte in ihr. Gehalten in seiner Umarmung brachen Erinnerungen aus der Tiefe ihrer Seele heraus.
Ich lebte als Kind bei meiner Oma, weil meine Mutter bis abends arbeiten musste und es mit der Krippen-Unterbringung nicht geklappt hat.
Meine Oma hatte mich lieb, aber sie war sehr ungeduldig und nervös. Ganz oft machte ich irgendetwas falsch. Dann wurde ich beschimpft oder bestraft, obwohl ich mir so viel Mühe gab, alles richtig zu machen.
Schlimmer noch als die Strafen war jedoch die Angst von mir, ins Kinderheim zu müssen, wenn ich nicht brav genug bin, weil sie oft zu anderen Nachbarn und Bekannten sagte: Wenn die Kleine nicht so still und brav wäre, würde das gar nicht gehen. Und ich hatte keine Vorstellung davon, was geschehen würde, wenn es nicht ginge bei Oma zu sein. Es ging ja auch nicht, bei Mutti zu sein…
 Wo sollte ich dann hin? So wollte ich mir immer ganz viel Mühe geben, alles gut zu machen, um nicht weggeschickt zu werden.“
Die Tränen wurden wieder heftiger und ihr Körper zitterte und bebte.
Joel hielt sie ganz fest.
Nach einem Weilchen, als sie sich etwas beruhigt hatte und sich aus seiner Umarmung löste, nahm er ihre Hand, was sie als sehr tröstlich empfand.
„Marie, Liebes, ich werde dich ganz sicher nicht wegschicken, und ich glaube in einer anderen Ecke deines Inneren weißt du das auch. Und du weißt auch, dass du inzwischen nicht mehr abhängig bist wie als Kind. Aber in diesen Momenten ist dieses Wissen im Hintergrund, da ist eine existenzielle Angst an getriggert.
Du bist ja inzwischen als erwachsener Mensch durchaus lebensfähig, selbst wenn ein wichtiger Kontakt, der dir viel gibt, abbrechen sollte. Aber in Momenten wie jetzt ist das innere Kind von dir lebendig und fühlt sich tief bedroht, wenn du Fehler machst, stimmt’s?“
Erschöpft nickte Mari.  „Ja, Fehler machen ist für mich immer ganz furchtbar – egal ob es kleine oder größere Unzulänglichkeiten sind. Ich kann in diesen Situationen gar nicht mehr unterscheiden, wie schlimm etwas wirklich ist. Alles ist dann ganz schlimm. Und ich habe eine riesengr0ße Angst vor dem, was dann kommt.“
„Ich werde mir etwas einfallen lassen, damit du mit dem Thema „Fehler und ihre Folgen“ völlig neue Erfahrungen und Gefühle verbinden kannst. Versuche daran zu denken, wenn es soweit ist, dass du mit mir niemals Grund zu Angst oder Besorgnis haben musst, und dass das, was ich für dich plane, immer einen Sinn hat, einen heilenden Sinn! Bitte denke daran, wenn es soweit ist.“

Und wenn es dir in dem Moment nicht gelingen sollte, daran zu denken, werde ich dich daran erinnern.“
Er sah ihr in die Augen…„Mari, du brauchst dich bei mir niemals zu fürchten.“ 

Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge