13. Eine utopische Heilungsreise: ABWEHR    und    ACHTSAMKEIT

Joel hatte sich für die Weihnachtszeit eine Fortsetzungsgeschichte von wohlwollenden außerirdischen Meistern zum Thema „Macht – Angst – Vertrauen – Hingabe“ für Mari ausgedacht, das er ihr in Form eines Adventskalenders geschenkt hatte.

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An diesem Tag trafen sich Joel und Mari sich bei Joel. Er hatte Kerzen angezündet und einen Früchtekuchen auf den Tisch gestellt. Nachdem sie sich mit Kaffee und Kuchen gestärkt und ein wenig über ihre Erlebnisse während der letzten Tage geplaudert hatten, schlug Joel vor, dass sie es sich wieder gemeinsam auf der Couch gemütlich machten. Er legte seinen Arm um Mari, zog sie hinab, dass sie bei ihm lag und drehte sie so, dass sie die Kerzen auf dem Tisch sehen konnte. Sie lag vor ihm, so dass sie sich mit dem Rücken an ihn anlehnen konnte. Das löste ein angenehmes, geborgenes Gefühl in ihr aus. In dieser Position erzählte er die Geschichte weiter:

Viele Stunden der Nähe und der Entspannung erlebt Carina in der nächsten Zeit, ohne dass sie von Ramon in einer Weise berührt wird, die ihre Grenzen übersteigen würde.

Heute fragt er sie: „Wie wäre es heute mit einer kleinen neuen Herausforderung?“
Fragend schaut Carina ihn an. Er schaut sie offen und liebevoll an, sagt aber nichts weiter. Schließlich sagt sie: „Ja, ich will dir vertrauen.“

Er hält sie in seinem linken Arm und streicht einige Male entspannend mit der rechten Hand über ihre Arme und ihren Rücken, wandert dann über ihren Bauch, geht etwas tiefer und legt schließlich seine Hand ganz sanft auf ihre intimste Stelle. Bewegungslos lässt er sie dort liegen und betrachtet Carina freundlich und aufmerksam. Sie hält die Luft an, starr vor Schreck, ihre Gedanken wirbeln herum: ‘Jetzt ist es soweit, jetzt… jetzt… jetzt wird er sich nehmen, worauf er so lange gewartet hat! Das ist jetzt der Anfang, gleich… gleich… gleich wird er über mich herfallen…

Sie will schreien: ‘Nein!’, aber es ist nur ein Krächzen. Dennoch nimmt er es wahr und nimmt seine Hand sofort weg. Er kuschelt die zitternde Carina in die Decke ein, hält sie ganz fest in seinen Armen und streicht ihr mit einem sanften Druck über den Rücken. “Ganz ruhig, Carina. Es ist alles gut”, redet er ihr beruhigend zu. “Du hast ‘nein’ signalisiert, und ich habe mich danach gerichtet. Ganz ruhig, nichts geschieht dir.”

Lange Zeit redet er sanft und liebevoll mit ihr, und schließlich findet sie ihre Sprache wieder und redet sich ihre Angst von der Seele. 
Und wieder versichert er ihr verständnisvoll und geduldig, dass er nichts mit ihr tun wird, was für sie nicht stimmig ist, und nichts, rein gar nichts von ihr fordern würde. 

Als sie wieder in ihr Zimmer kommt, leuchtet ein Röllchen ihres Kalenders auf und sie liest:

Geliebte Carina,
nicht du bist für mich hier,
um meine Bedürfnisse zu befriedigen,
sondern ich bin für dich da,
um dir zu helfen,
deine tiefsten Bedürfnisse und Wünsche 
zu erkennen und sie leben zu lassen.
In Liebe Ramon

Wieder fühlt sie das neue, seltsame Gefühl, wirklich gut aufgehoben zu sein.

Mari drehte sich um zu Joel, schaute ihn an und meinte: „Die befinden sich ja auf einer ähnlichen Reise wie wir…“

„Ja, nur dass Carina nicht die Möglichkeit hat, einfach weg zu gehen, so wie du“, lächelte Joel, „sie ist wirklich ganz darauf angewiesen zu vertrauen, dass ihr Meister nichts mit ihr macht, was ihr widerstrebt.“

„Und ich glaube, das wird er auch nicht tun. Er war ja auch jetzt bei dieser neuen Herausforderung sehr achtsam und hat auf ihr Signal sofort reagiert“, antwortete Mari.

„Und…  was meinst du, Mari, wenn ich dich einmal in dieser Weise berühre wie es Ramon heute bei Carina tat, was meinst du… wie würdest du reagieren?“

Mari rückte ein kleines Stückchen ab von Joel.

„Keine Sorge, ich rede nicht von heute, und auch nicht von diesem Jahr“, beruhigte er sie.

„Na ja…“ Mari entspannte sich wieder, „Ich glaube, ich hätte nicht diese Panik, dass du über mich herfallen würdest und dir gewaltsam etwas nehmen würdest, was ich nicht wöllte, aber…“

Joel zog sie wieder in seine Arme. „Das ist doch schon mal wunderbar,“ flüsterte er ihr ins Ohr. „Aber…?“

„Es gibt da eine Blockade in mir, ganz nackt zu sein, und mich wirklich an allen Stellen berühren zu lassen“, erklärte Mari verlegen, „ich weiß nicht, wie…“

„Das musst du jetzt auch gar nicht wissen, Mari“, unterbrach er sie, „lass uns einfach in der Adventszeit ganz gemütlich und ohne weitere Herausforderungen für dich im Zauber der Geschichte bleiben. Was dann irgendwann kommt, das sehen wir, wenn es soweit ist, okay?“

Mari nickte. „Danke, Joel! Irgendwie… ist das ist eine ganz besondere Adventszeit in diesem Jahr…“

Morgen wird die Geschichte fortgesetzt und läuft voraussichtlich bis Weihnachten

Hier geht es zu allen bisher erschienenen Kapitel zu dieser Geschichte, die Joel Mari in der Advents- und Weihnachtszeit erzählt –> Eine utopische Heilungsreise (Märchen) 

1. Erste Schritte miteinander

 

Ein erstes Treffen im Gartenlokal

Mari und Joel, die sich aufgrund einer Kontaktanzeige kennengelernt hatten und bisher einige Mails miteinander ausgetauscht hatten, waren zu einem Treffen in einem Gartenrestaurant verabredet, um sich  persönlich kennen zu lernen. Sie saßen an einem Tisch unter einer großen Buche. Joel fragte Mari: „Wie ist es eigentlich dazu gekommen, dass du diese Anzeige geschaltet hast, auf die ich geschrieben habe?“

Ach weißt du, ich trage schon lange Fantasien von Spielen mit Rollen von Überlegenheit und Unterlegenheit in mir,“ antwortete Mari etwas verlegen. „Die fühlen sich so lebendig an, so kribbelnd und bewegen mich so, dass ich die Idee nun endlich umgesetzt habe, einen Menschen zu suchen, mit dem ich darüber reden kann – erst mal nur reden… und vielleicht irgendwann… in kleinen Nuancen auch mal etwas davon erleben, wenn es sich für beide stimmig anfühlt – und anfangs am besten erst einmal Spiele, die mit Erotik nur wenig zu tun haben, um zunächst ein Gefühl für Nähe wachsen zu lassen…“ Mari klaubte einen nicht vorhandenen Fussel von ihrer Jeans.

Joel schaute sie nachdenklich an… „Fängt Erotik da nicht schon an? Bei dieser wunderbaren Offenheit, über Gefühle, Fantasien und Sehnsüchte zu reden? Bei dem Wunsch, Nähe zu spüren?“ fragte er vorsichtig. „Was fühlst du denn, wenn du daran denkst und darüber sprichst?“

„Ich empfinde gleichzeitig Faszination und auch Angst bei diesen Fantasien. Und trotz schwieriger Gefühle wie Furcht und Scham zieht es mich an, vielleicht etwas davon zu erleben. Ich glaube, ich sehne mich danach, in meiner Angst, die Kontrolle abzugeben, ganz fest umarmt zu werden und zu erleben, dass ich sie nicht zu haben bräuchte, dass ich vertrauen könnte…  Na ja und ich bin ja nun auch schon in einem Alter… – da liegt es nahe, darüber nachzudenken, was man im Leben noch verwirklichen will – was es wirklich wert ist, Zeit und Energie dafür zu verwenden.“

Ja, es ist gut, Träume, die immer wiederkehren, Schritt für Schritt wahr werden zu lassen, auch wenn sich das anfangs fast unmöglich anfühlt…  ganz egal, wie alt wir sind,“ bestätigte Joel. „Magst du mir noch etwas mehr von deinen Wünschen und Visionen erzählen?“ 

Ich träume schon lange von echter, tiefer Begegnung, wo die ganze Bandbreite von Gefühlen wirklich da sein kann, und ich mich mit meiner alten Angst, die ich leider noch immer habe durch das, was mir als Kind geschehen ist, äußern kann und darin angenommen werde. Körperliche und emotionale Nähe, in der ich männliche Stärke als wohlwollend und freundlich erleben kann. Etwas in mir will spüren, wie es ist, die Kontrolle für eine bestimmte Zeit abzugeben und dabei gute Erfahrungen zu machen… vertrauen zu lernen…,wahrzunehmen, dass auch meine Grenzen respektiert und angenommen werden. Ich glaube, das ist der Hintergrund für meine Sehnsucht nach Erfahrungen von Macht… ich möchte die heilende Erfahrung machen, dass sie mit Liebe ausgeübt wird, und ich darin nicht abgelehnt werde, und auch nicht überredet werde, etwas zu tun, was ich nicht möchte. Ich habe so viele Ängste, weißt du…“

Joel nickte. „Ja, von deiner Angst und auch den peinlichkeitsgefühlen hattest du schon geschrieben. Und… sie schreckt mich überhaupt nicht ab! Im Gegenteil, es wäre spannend, dich darin unterstützen zu können, deine Angststimmen nach und nach leiser werden zu lassen und mit all deiner Unsicherheit neue, und wie ich hoffe, gute Erfahrungen zu machen. Du brauchst dich deiner Ängste nicht zu schämen, Mari! Sie haben ja ihre Ursachen… Außerdem bin ich froh, dir in dieser Weise einen Ausgleich geben zu können für deine Hilfe beim  Lernen der englischen Sprache. Glaub mir, in dieser Welt kein Englisch zu können, ist mir auch oft peinlich, und ich musste schon etwas über meinen Schatten springen, dir davon zu erzählen. Aber du hast es mir leicht gemacht mit deiner warmherzigen Art. Danke, dass du mich darin unterstützen willst.“

Das mach ich so gerne, Joel! Ich glaube dir, dass es schwierig sein muss, kein Englisch zu können, wo es ja vor englischen Ausdrücken nur so wimmelt, z.B. auch im Internet…
Dich im Englischen zu unterstützen, wird mir sicher Freude machen und fällt mir leicht.
Aber weißt du, über meine ambivalenten Sehnsüchte und Ängste zu sprechen und dieses spezielle Thema anzugehen, fällt mir schwer. Da ist bei mir so viel Unsicherheit und angelernte alte Schamgefühle. Diese Fantasien von Dominanz, wo einer mir sagt, was ich zu tun habe – das fühlt sich irgendwie so seltsam an… Ich habe bisher noch keinem davon erzählt!“

Na, da haben wir beide ja spannende Herausforderungen, die wir bewältigen möchten. Wie gut, dass wir einander gefunden haben.“ Joel lächelte. „Wenn ich dich in den Mails richtig verstanden habe, soll das Macht-Thema ja auch nur in abgegrenzten Zeiten da sein, in Rollenspielen, wo ich die Machtrolle hätte und du dich von mir führen lassen willst, um zu spüren wie es ist, zu vertrauen und darin gute Erfahrungen zu machen. Du möchtest dir deiner Ängste und Sehsüchte immer tiefer bewusst werden, um sie  annehmen und bewältigen zu können. Richtig?“

Hm… ja… per Mail, als alles noch so anonym war, fiel es mir relativ leicht, dir von meinen Fantasien und den Ängsten zu schreiben, die mich bisher darin blockieren, meine Träume wahr werden zu lassen. Durch unseren intensiven Mailwechsel wissen wir ja nun schon einiges über uns…  Am Telefon wurde es jedoch schon schwieriger…“

Und jetzt, wo wir uns hier gegenüber sitzen, willst du am liebsten Reißaus nehmen – stimmt´s?“ fragte Joel und sah Mari aufmerksam an. Seine Lebenserfahrung und Menschenkenntnis ließen ihn leicht erkennen, wie unbehaglich sie sich gerade fühlte.

Mari nickte und griff nach ihrer Tasse, nur um irgendetwas zu tun.

Ja, es hilft schon etwas, wenn man sich an einer Tasse festhalten kann…“ Joel legte seine Hand in die Mitte des Tisches, „aber… vielleicht ist eine Hand zum Festhalten auch ne schöne Idee?“

Mari nickte, stellte die Tasse wieder auf den Tisch und legte ihre Hand in seine.
Eine ganze Weile sagten sie nichts… Und irgendwie… fühlte sich das gut an.

Seine Hand vermittelte Wärme… Ruhe… Sicherheit… Geborgenheit…

Joel sagte leise: „Jeder Weg beginnt mit einem ersten Schritt. Den hast du getan, indem du mir schon etwas von dir erzählt hast….Was meinst du, wollen wir ein paar Schritte miteinander gehen?“
Sie überlegte… Konnte sie jetzt schon „JA“ sagen, erste Schritte auf diesem angedachten Weg mit ihm zu gehen?

Hier ist ein schöner Park gegenüber.“

Ach so,“ sie schmunzelte, „spazieren gehen… Ja, okay, das ist eine schöne Idee!“

Und beide standen auf und machten sich auf den Weg – ein paar Schritte miteinander, Hand in Hand…

Zum nächsten Kapitel:  2 – ein verletztes Vögelchen braucht eine sichere und behutsame Hand

Zu allen Kapiteln der –> „Geschichte von Mari und ihrem Meister“ in chronologischer (wenn auch leider umgekehrter Reihenfolge, also das aktuellste ist vorn. Um an den Anfang zu gelangen nach unten scollen und auf ältere Beiträge gehen, das ganze drei oder vier mal… so kannst du die Geschichte wie ein Buch von vorn nach hinten lesen 🙂