24. Eine utopische Heilungsreise: In der Weihnacht Neuland betreten

Joel hatte sich für die Weihnachtszeit eine Fortsetzungsgeschichte von wohlwollenden außerirdischen Meistern zum Thema „Macht – Angst – Vertrauen – Hingabe“ für Mari ausgedacht, das er ihr in Form eines Adventskalenders geschenkt hatte.

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Am heiligen Abend kam Joel abends – etwas später als sonst – zu Mari. Sie wünschten sich mit einer innigen Umarmung frohe Weihnachten, kuschelten sich zusammen auf die Couch und freuten sich zum vorletzten Mal auf die Geschichte von Carina und Ramon…

Kurz nachdem der Gesang verstummt, kommt Ramon zu Carina. Er setzt sich an ihr Bett und schaut ihr zärtlich in die Augen. Carina nimmt seine Hand und fühlt eine große Sehnsucht, ihm ganz nah zu sein. Ramon antwortet auf diese Sehnsucht: “Carina, heute hat mich dein Herz gerufen. Heute gehen wir gemeinsam den Schritt, den du nun schon seit einigen Tagen erwartest.” Lächelnd reicht er ihr seine Hand und sagt: “Komm mit mir, Liebes …”

Mit klopfendem Herzen verlässt Carina ihr Bett und geht mit Ramon in sein Reich hinüber. Diesmal sieht sie dort eine bisher immer geschlossene Tür offen stehen und begreift, da gibt es noch ein Zimmer, das von seinem großen Raum abgeht. Es ist sein Schlafzimmer. Ihr Blick fällt auf ein großes, weiches Bett. Auf leuchtend blauem Stoff sind Rosen und Sterne gemalt. Alle Kissen und Decken tragen dieses Muster. Auf dem Tisch neben dem Bett steht ein Strauß dunkelroter Rosen.

Carina schluckt nervös… Noch stehen sie in dem großen, ihr nun schon seit langem vertrauten Raum. Ramon legt seine Hände auf ihre Schultern, schaut ihr tief in die Augen und fragt mit zärtlicher Stimme: “Bist du bereit, Carina?” Carina nickt. Da nimmt Ramon sie auf seine Arme und legt sie aufs Bett. Langsam und behutsam entkleidet er Carina und dann sich selbst. Ganz dicht kuschelt sich Carina in ihrer Aufregung an ihn, und er hält sie lange Zeit einfach nur in seinen Armen und flüstert ihr ab und zu beruhigende Worte in ihr Ohr. “Keine Angst, mein Liebes, es ist alles in Ordnung, wir haben alle Zeit der Welt. Vertraue mir, vertraue unserer Liebe…”

Nach und nach entspannt sich Carina in seinen Armen. Als ihr endlich wieder warm ist, sagt er: “Du brauchst jetzt gar nichts zu tun, Carina, lass einfach nur geschehen. Ich werde dir nicht wehtun, ganz sicher nicht!” Wieder überkommt Carina eine nervöse Spannung, und wieder streichelt er lange ihren Rücken, bis sie sich wieder beruhigt. Er dehnt sein Streicheln über den ganzen Körper aus, und sie spürt zunehmend eine lustvolle Erregung in sich aufsteigen. Pulsierende Wellen strömen durch ihren Körper. Als diese Empfindungen sich noch intensivieren, versucht Carina, sie abzubremsen, indem sie ihren ganzen Körper anspannt. Ramon schaut sie liebevoll an: “Es ist neu, Carina, ich weiß, aber du brauchst dich nicht vor deinen Empfindungen zu fürchten. Wenn du nicht gegen sie ankämpfst, tragen sie dich auf den Gipfel der Erfüllung. Ich erwecke dein inneres Feuer. Gib dich ihm hin, du wirst nicht verbrennen. Es wird dich durchströmen und jede deiner Zellen zum Leuchten bringen. Vertraue mir, vertraue deinem Körper und lass einfach nur geschehen.”

Sanft streichelt er ihren Kopf, und sie lässt langsam ihre Anspannung wieder los. Auf und ab gleitet sie auf den Wellen ihrer Lust. Sie lässt ihr Feuer in sich zu und bremst es wieder ab, wenn es ihr zu gewaltig erscheint – und wieder gibt sie sich ihm hin, um es bei zu starker Intensität wieder abflauen zu lassen. Ramon lässt dieses Wechselspiel ihrer Bereitschaft geduldig geschehen, geht auf ihre Anspannung ein, führt sie wieder in die Entspannung, und bringt ihr Feuer erneut zum Lodern, immer und immer wieder… Carina wird in seinen Armen lebendig, lässt die unwillkürlichen Bewegungen ihres Körpers zu, mehr und mehr. Dann schließlich, als ihr Körper immer lebendiger wird, lässt er sie nicht mehr zurück gleiten in eine wohlige Entspannung, sondern steigert ihre Lust noch mehr.

Sie spürt ihn, bekommt einen kleinen Schreck, hört wie von Ferne und doch ganz nah seine Worte: “Es ist soweit, Carina, öffne jetzt dein Tor für mich, sage “JA”, einfach nur “JA”, wobei er wieder ihre so empfindsamen Brüste küsst. Carina haucht “Ja”, flüstert “Ja”, immer wieder “JA”… – und sie spürt, wie er ganz langsam in sie hinein kommt – ganz behutsam. Solange hatte er das Tor ihrer Lust vorbereitet, dass es nun ganz offen ist und kein Schmerz entsteht. Als sie ihn ganz in sich aufgenommen hat, hält er sie einen Moment, der ihr wie eine Ewigkeit erscheint, ganz bewegungslos in seinen Armen, und sie spürt wieder diese quälende Sehnsucht. Verwirrt schaut sie ihn an. Er hält ihren Blick mit seinen warmen liebenden Augen und streichelt ihr Haar: “Jetzt vereint sich unser Feuer, und wir reiten gemeinsam auf den Wellen des Lebens. Nur Mut, ich halte dich.” Langsam bewegt er sich in ihr. Sanft pulsiert eine Woge nach der anderen durch ihren Körper, und sie verspürt schließlich das Bedürfnis nach mehr… mehr… und noch mehr… – versinken im Meer der Liebe… Sie liegt in seinen Armen, er streichelt ihr Haar und hält mit seinen Augen ihren Blick fest. Mit jeder neuen Welle der Lust weiten sich ihre Augen und lassen ihn an ihren inneren Bewegungen teilhaben. Die Fenster ihrer Seelen sind weit offen – seine und ihre – und sie schauen durch ihre eigenen Fenster hinaus tief in die offenen Fenster des anderen hinein.

Carina will wieder abbremsen, aber Ramon flüstert: “Hab keine Angst. Lass es einfach zu, mehr brauchst du nicht tun.”

Carina spürt die Wellen jetzt immer schneller und intensiver kommen, gibt sich ihnen ganz hin in der Geborgenheit seiner Arme gehalten, von seiner Liebe getragen, von ihrem inzwischen gewachsenen Vertrauen geführt. Wie von allein bewegt sich ihr Körper der Erfüllung entgegen… bis schließlich in ihr die Sterne explodieren. Ganz fest hält er sie, als ihr Körper sich schüttelt, zuckt und windet, wobei sie wie aus weiter Ferne  seine Stimme hört: “Wir sind eins, Carina, spür es – ja, wir sind eins – großartig, lass es zu… Es ist Liebe, die dich durchströmt, reine Liebe…”

Langsam ebbt das Feuerwerk ab… Die Wellen beruhigen sich nach und nach, und Carina verbirgt ihren Kopf in seinen Armen. “Was habe ich getan?” flüstert sie. Noch ehe die alten Schamgefühle von ihr Besitz ergreifen, sucht Ramon ihren Blick, lächelt und sagt: „Du hast die Liebe körperlich erlebt. Carina, du bist eine wundervolle Frau! Ich danke dir, dass du dein Feuer mit meinem vereint hast.”

Still liegt sie in seinen Armen, verwirrt, erschöpft und glücklich. Die Wärme seiner Haut, sein wohltuender Duft und sein liebevolles Streicheln geben ihr die Sicherheit zurück. So sehr geliebt und geborgen fühlt sie sich, dass sie sagt: “Am liebsten würde ich die ganze Nacht bei dir bleiben.”
Und er antwortet: “Das möchte ich auch gern, Carina.” Liebevoll und zärtlich sieht er sie an. “Morgen früh, ist das große Fest des Lichts und der Liebe. Da feiern wir alle hier an Bord Weihnachten, Und übermorgen landen wir auf der Erde. Dort ist dann der 25. Dezember und wir werden, so wie du es dir wünschst, auch auf deinem Heimatplaneten Weihnachten feiern.”

Carina schaut ihn nachdenklich an. “Hast du gewusst, dass es in dieser Nacht geschehen wird – die ganze Zeit schon?”
Ramon lächelt: “Dein Herz wollte es so… ja… aber wäre deine Persönlichkeit noch nicht bereit gewesen, wäre es auch in Ordnung. Ich wäre dann trotzdem mit dir gekommen – und irgendwann in unserem Miteinander auf der Erde wäre in dir die Bereitschaft erwacht.”

Fragend sieht sie ihn an: “Es bleibt doch dabei? Du kommst mit mir?”

“Ja, Carina, ich komme mit dir. Wir werden zusammen leben und wirken, weil du es so willst, und weil es seit Anbeginn aller Zeiten auch mein Wunsch ist.

Ramon spürt, wie Carina müde wird. Schläfrig und glücklich kuschelt sie sich in seine Arme, nimmt als letztes noch ganz intensiv den Duft der Rosen wahr, der sie heute Nacht in ihrer Liebe gestärkt hat, und gleitet in einen tiefen, erholsamen Schlaf hinein.

Morgen erscheint der letzte Teil der Geschichte

Hier geht es zu allen bisher erschienenen Kapitel zu dieser Geschichte, die Joel Mari in der Advents- und Weihnachtszeit erzählt –> Eine utopische Heilungsreise (Märchen) 

Ich wünsche euch allen einen von Freude und Liebe erfüllten heiligen Abend.
Von Herzen eure Miriam

6. Eine utopische Heilungsreise: ERSTAUNEN    und    FREUDE


Joel hatte sich für die Weihnachtszeit eine Fortsetzungsgeschichte von wohlwollenden außerirdischen Meistern zum Thema „Macht – Angst – Vertrauen – Hingabe“ für Mari ausgedacht, das er ihr in Form eines Adventskalenders geschenkt hatte.

Heute am Nikolaustag besuchte Mari Joel. Beide hatten eine kleine süße Nikolaus-Überraschung füreinander. Auf dem Tisch strahlte eine Kerzen zwischen Tannenzweigen. Mari freute sich über diesen schönen Anblick und war neugierig, wie die Geschichte von Carina, deren Ängste ihr ja recht bekannt vorkamen, weiter ging. Beide setzten sich auf die Couch. Joel goss ihnen Tee ein, steckte Mari lächelnd ein Marzipanherz in den Mund und schlug ihr dann vor, sich mit dem Kopf auf einem Kissen dicht neeben ihn zu legen und es sich dabei ganz gemütlich zu machen auf der breiten Couch. Etwas zögernd folgte sie seinem Impuls und empfand es bald als sehr schön. Eine innige, geborgene Stimmung entstand. Er legte seine Hand auf ihr Haar, streichelte sie sanft und begann dann, ihr das sechste Kapitel von Carinas Heilungsreise im Raumschiff der außerirdischer Meister vorzulesen…

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„Als Carina am Morgen des sechsten Tages an Bord des Raumschiffes erwacht, fällt ihr Blick auf eine brennende Kerze, die vor ihren mit Tanne und Süßigkeiten gefüllten Hausschuhen steht. Daneben sitzt eine wunderschöne, lieb und fröhlich dreinschauende Clownspuppe mit einem Stern, auf dem sie liest:

Geliebte Carina,
vielleicht kannst du bald alles mehr als ein großes Spiel betrachten.
Bis dahin schau ihn dir an, den kleinen Kerl, 
und lass seine Fröhlichkeit in dein Herz hinein.
In Liebe Ramon

War das eine liebevolle Geste! Wie ein zartes Streicheln für ihr inneres Kind wirkt diese unerwartete Nikolaus-Gabe für sie.  In dem Moment klopft es an der Tür. Auf Carinas “Ja, bitte!” schaut Ramon herein und meint, “Na, ist mir meine Nikolausüberraschung geglückt?” Carina sieht ihn dankbar an. “Ja, sehr. Danke! Vielen Dank! Aber ich hätte gar nicht gedacht, dass hier an Bord auch heute der Nikolaus kommen würde. Das ist echt schön!“

Beim Frühstück erwartet sie eine zweite Überraschung. Auf dem Platz jeder Schülerin steht eine kunstvoll verzierte Kerze, ein paar kleine Leckereien und wundervoll duftende exotische Früchte neben den bekannten Apfelsinen und Nüssen, die wegen der Tradition nicht fehlen dürfen. Und jede Frau hat ein kleines Bildchen geschenkt bekommen. Carina findet auf ihrem Bild ein Reh unter einer verschneiten Tanne mit einem wirklich funkelnden Sternenhimmel darüber. Dazu ein Kärtchen mit den Worten:

Für das scheue Reh, Carina.
Möge es mehr und mehr vertrauen und den Mut haben,
seinen ureigenen Stern zu finden und ihm zu folgen.

Als sich Carina bei Ramon bedanken will, sagt er: “Nein, Carina, das alles hier ist nicht von mir. Das ist ein Geschenk von René an jede Schülerin.”

René? Carina ist verwirrt und erstaunt. Das hätte sie nun wirklich nicht gedacht! Es passt so gar nicht zu den schrecklichen Gerüchten, die über ihn kursieren. Gedankenvoll schaut sie René an. Er fängt ihren Blick auf und erwidert ihn augenzwinkernd. Carinas Lippen formen sich zu einem leisen “Danke schön…”, fast unhörbar. Aber René muss es vernommen haben, denn er nickt ihr zu und lacht.

Als sie später dann wieder in ihrem Zimmer ist, öffnet sie das heutige Röllchen ihres Adventskalenders und liest:

Liebe Carina,
hier ein paar Worte über die Wahrheit und Kraft deines Herzens:
Du wirst niemals etwas erleben, was dir nicht entspricht –
wozu dein Herz nicht    „JA“    sagt.
Frage dein innerstes Herzgefühl,
was für dich stimmt und was nicht.
Dem, was es dir sagt, und nur dem (!) ,
mögest du folgen.
In Liebe Ramon

Kurze Zeit später klopft Jennifer an der Tür und richtet ihr aus, sie möge bitte in Ramons Zimmer kommen. Wieder überkommt Carina die ihr so bekannte angstvolle Aufregung. Was hat er wohl heute mit ihr vor? Wird er wirklich Wort halten und nichts mit ihr tun, was ihr nicht entspricht? Seine Worte von gestern fallen ihr ein: “Nur die Erfahrung, die immer wieder gemachte Erfahrung, dass dir mit mir nichts Schlimmes passiert, lässt dein Vertrauen wachsen.” So gibt sich Carina schließlich einen Ruck und macht sich auf den Weg zu ihrem Meister.

Als sie das Zimmer betritt, sieht sie als erstes eine Kerze und leckere Adventsplätzchen auf dem Tisch. Ramon kommt lächelnd auf sie zu und meint: “Schön, dass du gekommen bist, Carina. Heute ist Nikolaustag, da dachte ich, es würde dir vielleicht Freude machen, wenn wir hier zusammen einige adventliche Transparentbilder gestalten. Was meinst du?”

Carina schaut ihn dankbar und erleichtert an. Ja, dazu hat sie richtig Lust! Ramon macht ein interessantes Spiel daraus: Carina soll sich ein Motiv vorstellen, und er zeichnet die Konturen, die er in ihrem Geist findet, auf die Folie. Je intensiver ihr Gefühl bei der Vorstellung des inneren Bildes ist, um so klarer und schöner wird das gemalte Motiv. Carina malt es dann schließlich mit Farben aus. Wunderschöne Bilder entstehen. Carina darf sie alle mitnehmen, und Ramon meint: “Immer wenn du sie dir anschaust, erinnere dich daran, dass du in meinem Zimmer, entgegen deiner noch vorhandenen Befürchtung, etwas Angenehmes erlebt hast, und erkenne die Schönheit deiner inneren Bilderwelt. Und wer weiß, vielleicht möchtest du ja der einen oder dem anderen auch etwas von den tollen Bildern schenken… Ich habe gehört, dass diese Sitte bei den Menschen gerade in der Adventszeit viel Freude hervorruft. Wir werden noch oft und viel zusammen malen, so dass der Vorrat an deinen wunderschönen inneren Bildern, die sich dann in Form und Farben ausdrücken unerschöpflich sein wird. Du sollst hier als erstes die Erfahrung machen, dass die Lust am Erschaffen ein kraftvoller und kraftspendender Ausdruck deines Menschseins ist. Lust und Freude ist die Quelle deiner Lebenskraft. Und davon werden wir gemeinsam noch ganz viel erleben.”

Am Abend schreibt Carina in ihr Tagebuch über diesen ganz besonderen Nikolaustag, an dem sie sich froh und erfüllt fühlt – der erste Tag im Raumschiff, an dem sie fast ohne Schmerz und Angst ist.“

Morgen wird die Geschichte fortgesetzt und läuft voraussichtlich bis Weihnachten

Hier geht es zu allen bisher erschienenen Kapitel zu dieser Geschichte, die Joel Mari in der Advents- und Weihnachtszeit erzählt –> Eine utopische Heilungsreise (Märchen) 

10. Leuchtend bunte Lebendigkeit auf dem dunklen Grund der Ungewissheit

Gegen Ende des 2. Rollenspiels – Ein Gespräch mit dem „Leben“ auf der Couch 

Mari saß mit Joel, der in diesem Spiel für sie „das Leben“ verkörperte, auf ihrem gemütlichen Sofa.

„Was geht dir gerade durch den Kopf, Mari?“

„Der Rückblick vorhin auf mein Leben… dass in allem Schweren, was ich bisher erlebte, stets auch Beistand, Hilfe und ja… auch Liebe da gewesen war, bewegt mich.
Und ich finde meine Idee spannend, ob nicht gerade das, was sich schwer anfühlt, die Liebe besonders intensiv fühlbar macht. Ich müsste meinen Fokus in solchen Momenten allerdings darauf richten und mich fragen:
Wo finde ich gerade jetzt, wenn es vielleicht heftig wackelt, oder gar weh tut – auch die Liebe?“

„Ich, das Leben, stimme dir zu:
Liebe ist immer da! Immer!
Liebe ist meine tiefste Essenz, auch wenn es oft nicht danach aussieht.
Ich bringe zu allem Schweren immer auch die Kraft, das zu bewältigen, hilfreiche Wendungen, die du selbst gar nicht planen oder dir vorstellen kannst, helfende Hände von Freunden oder Fremden, Trost und Ermutigung in Büchern, Liedern, Texten… freundliche, hilfsbereite Menschen…“

„Das stimmt. Das habe ich alles schon erlebt…“ überlegte Mari.

„Und nun sitze ich als „das Leben“ hier bei dir, um dich genau das erkennen zu lassen. Das ist heute meine Art, dir meine Liebe zu zeigen: Ich möchte dir helfen, mehr Gleichmut und Annahme dafür zu entwickeln, dass nicht immer alles rund läuft, nicht immer alles rund laufen kann! Denn sonst gäbe es keine Spannung mehr – und glaub mir, auch Langeweile kann als sehr schmerzlich empfunden werden.
Du wolltest tief in deinem Inneren schon immer intensiv fühlen, damit du auch meine Essenz, die Liebe, ganz stark wahrnehmen kannst. Deshalb hast du solch einen feinfühligen und damit wohl auch schmerzempfindlichen Körper und so ein sensibles Gefühlsleben.  Und deshalb musste ich dir auch die Herausforderungen bringen, die dich erschreckten, dich ängstigten und die du nun so stark spürst im Zusammensein mit dem Mann Joel. Hättest du früher die schlimmen Dinge nicht erlebt, könntest du jetzt die Liebe nicht erfahren, die danach strebt, die alten Verletzungen mit heilenden Worten, Gesten und Berührungen heilen zu lassen.
Alles dient letztendlich der Liebe – wenn auch in einem viel umfassenderen Sinne, als es in den jeweiligen Situationen erfassbar ist.“

„Warum hast du eigentlich so ein schwarzes Gewand an? Ist das Leben nicht in der Vielfalt seiner Erscheinungen eigentlich bunt?
Ach, Entschuldigung, ich habe schon wieder vergessen, dass ich den Meister nicht nach einem Warum fragen sollte. “

Lächelnd antwortete er: „Gut, dass es dir wieder eingefallen ist! In diesem Fall mache ich allerdings eine Ausnahme und gebe dir eine Antwort auf diese Frage. Denn darauf wollte ich selbst ohnehin gleich zu sprechen kommen.
Ja, du hast es gut erkannt, das Leben ist bunt, also vielfältig – und so gehört natürlich auch schwarz dazu.
Das schwarze Gewand sollte heute die Ungewissheit symbolisieren, das Undurchschaubare, das Mysterium, das das Leben oft in sich birgt, die Unkontrollierbarkeit, die bei vielen Menschen – nicht nur bei dir – Angst auslöst. Unbekanntes ist oft mit Angst verbunden. Und letztlich ist jeder Tag ein eigenes Kapitel, das immer auch Unbekanntes mit sich bringt.
Du hast dich vorhin ja gerade auch wegen des Ungewissen, was ich dir bringe und mit dir machen könnte, gefürchtet, nicht wahr?
Und… Mari… wie war denn nun heute deine Begegnung mit mir, als „das Leben“ für dich?“

„Nicht so schlimm, wie ich erst befürchtet hatte… nein – eigentlich gar nicht schlimm! Und ich hatte ganz wichtige Erkenntnisse – mit der Liebe in allem und so…
Ja, irgendwie ist es richtig schön, sich mit dem Leben mal auf der Couch sitzend unterhalten zu können,“ lachte Mari.

„Mari, du kannst immer mit mir, also mit dem Leben als Ganzes reden, auch wenn ich nicht verkörpert neben dir auf der Couch sitze. Ich höre und sehe alles von dir und nehme es in mich auf. Erzähl mir von dem, was dich bewegt, so oft du möchtest. Sag mir deine Wünsche, deinen Dank, deine Freuden, und du wirst nach und nach merken, dass ich für dich zu einem fühlbaren Partner werde, denn ich antworte auf alles in meiner Weise: durch Zufälle, durch Sätze, die du irgendwo hörst oder liest, durch Lieder, Geschichten, Begebenheiten, und auch durch deine innere Stimme, deine Inspiration. Rede mit mir, ich antworte dir!“

„Wow, dass du mir das heute sagst, finde ich magisch. Es ist nämlich noch gar nicht so lange her, da habe ich das schon mal gemacht, allerdings schriftlich. Das war, als ich Joel noch gar nicht kannte… Da habe ich einen Brief ans Leben, also an dich in mein Tagebuch geschrieben. Und du hast darauf in der Weise reagiert, dass der Mailwechsel mit Joel entstanden ist. Und nun sitzt er als das Leben hier neben mir und wir erleben etwas von dem, was ich dir geschrieben habe… Hui…!
Ja, liebes Leben, ich will gern noch öfter mit dir ins Gespräch gehen – sei es in gesprochener oder in schriftlicher Form. Vielleicht wird sich meine Angst vor dem Ungewissen, was du ja immer mitbringst, langsam verringern…“

„Diese Angst ist ganz menschlich, Mari, und es wird noch oft so sein, dass du dich erst einmal aufgrund der Ungewissheit fürchtest und dann am Ende feststellst, dass es eigentlich nicht schlimm war. Und so manches Mal wirst du dich – so wie jetzt – später freuen und sogar lachen können. Das gilt für unsere Spiele hier und für viele Erfahrungen auch im realen  Leben“, meinte Joel als ihr Meister.
„Vielleicht kann ja das, was wir hier miteinander erleben, auch zu einem tieferen Vertrauen ins Leben überhaupt beitragen. Das würde mich freuen – als dein Meister und als Joel.“

„Das wäre schön…“

„So und nun gebe ich dir zum Abschluss unseres heutigen Spiels noch eine Hausaufgabe:
Ich möchte, dass du dir Stickgarn besorgst.“

„Wie jetzt…?! Soll ich etwa sticken???
Stickgarn hab ich sogar – aber ich kann nicht gut sticken oder nähen…
Das ist nicht so mein Ding, da fehlt mir die Geduld.“

„Ich möchte dennoch, dass du jedes Mal, nachdem du eine sich positiv gestaltende Erfahrung von Ungewissheit gemacht hast, also fast nach jedem Spiel, aber auch sonst, wenn du etwas erlebst, was erst ungewiss ist und sich dann auflöst, etwas Buntes in diesen schwarzen Umhang, den „das Leben“ immer wieder einmal tragen wird, hinein stickst. Es muss nicht viel sein, und es muss nicht perfekt sein! Du kannst zum Beispiel auch mal eine einzige kleine bunte Paillette aufnähen oder fünf Kreuzchen sticken, oder einfach eine kleine Schlangenlinie… was immer dir einfällt und dir leicht fällt!
Mit der Zeit wird dieses Gewand immer bunter und schöner werden. Und du wirst sehen, wie zauberhaft die farbigen kleinen Stickereien sich auf dem schwarzen Untergrund abheben – so wie Sterne im Nachhimmel – so herrlich leuchten die bunten Fäden der Lebendigkeit auf dem dunklen Boden der Ungewissheit… Und du wirst nach und nach sehen und erleben: Das Gewand des Leben wird durch deine Gestaltung immer bunter und schöner!
Wirst du diese Aufgabe annehmen, Mari, auch wenn du bisher nicht gern gestickt oder genäht hast?“

„Ja, Meister, ich nehme deine Aufgabe an.“

–>  Zum nächsten Kapitel: 11. Ein Brief ans Leben – Auftakt zu etwas Neuem… 

Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge