113. Eine leicht kitzelige Situation (Frank + Maria)

Im Park

Frank hatte Maria abgeholt zu einem kleinen Spaziergang, denn es war ein milder Herbsttag, der regelrecht dazu einlug
Sie liefen durch einen kleinen Park und plauderten über dies und jenes, Maria genoss die entspannte Stimmung. Er hatte den Arm um ihre Schultern gelegt und sagte zu ihr: Jetzt schließ mal deine Augen und lass dich von mir durch den Park führen, ich werde meinen Arm an deinen Schultern lassen. rote_ParkbankSie konnte sich gut auf seine sanften Druck-Impulse nach links oder rechts einlassen. Schließlich blieb er an einer Bank stehen und dirigierte sie mit verstärktem Druck nun von beiden Hände auf ihren Schultern auf die Sitzfläche der Bank.“
„Und wie geht´s dir?“ fragte er interessiert.
„Gut, Frank, das war ein schönes und spannendes Gefühl.“
„Na prima, das freut mich“, antwortete er, „machen wir noch etwas anderes.“
Et rückte ein wenig von ihr ab, so dass sie sich fast gegenüber saßen, Dann nahm er ihre Hand und hielt sie ein Weilchen einfach nur fest, auf angenehme Weise. Sie mochte seine Hand und das Gefühl von Sicherheit, Wärme und Halt, das entstand, indem er ihre Hand in seiner Hand hielt, Nach einem kleinen Weilchen öffnete er den Knopf unten am Ärmel ihrer Bluse, schob ihn hoch und nahm wieder ihre Hand in seine Linke, während er mit der rechten Hand langsam über den ganzen Arm strich – hoch und wieder runter. Das fühlte sich angenehm an. Mit der Zeit wurde der Druck immer sanfter – und schließlich so zart, dass es fast kitzelte. Es wurde schließlich zu einem gerade noch aushaltbaren elektrisierenden Gefühl. Als er sich mit einem Finger der Ellenbeuge näherte, wollte sie den Arm unwillkürlich wegziehen, weil es so kribbelte, aber er hielt ihn fest. „Schön hier bleiben,“ sagte er leise aber deutlich.    Das gereizte Gefühl besänftigend strich er wieder mit der ganzen Hand und etwas mehr Druck über den Arm. Erleichtert atmete sie aus. Dieses Spiel mit der Veränderung des Druckes auf ihrer Haut setzte er noch einige Male fort, und sie spürte, dass sie immer empfindsamer wurde dabei und mehrmals ihren Arm unwillkürlich weggezogen hätte, wenn er ihn nicht an der Hand festgehalten hätte. Doch er ging jedes Mal darauf ein und verstärkte den Druck seiner Wanderung über ihren Arm in solch sensiblen Momenten , so dass es wieder angenehmer wurde und sie bei seiner Berührung erneut entspannen konnte. Dabei sagte er lächelnd: „Schön liegen lassen – du kannst ihn sowieso nicht wegziehen.“
Schließlich ließ er das Streicheln ihres Armes ausklingen, behielt ihre Hand noch in seiner und sagte zu ihr:: „Und wie fühlte sich das an, Maria? Wie ging es dir dabei?“

„Ich habe es anfangs sehr genossen, als du meine Hand in deiner hieltest, es vermittelte so Gefühle wie…. Halt und… Geborgenheit. Als es dann allerdings immer mehr in Richtung Kitzeln ging, wurde es für kurze Momente richtig schwer auszuhalten. Du hast ja gemerkt, dass ich ihn manchmal weggezogen hätte, wenn du ihn nicht fest gehalten hättest. Das war… hm… ziemlich aufregend, wenn ich das mal so sagen darf.“

„Aber gern darfst du das so ausdrücken, Maria! Was hat dieses aufgeregte Gefühl denn ausgelöst – kannst du mir das sagen?“

„Ich glaube, es entstand  dadurch, dass deine Berührungen immer zarter und damit für mich schwieriger geworden sind, und dann dabei zu spüren, nicht ausweichen zu können, weil du den Arm an der Hand festgehalten hast. Richtig gut tat mir, dass du in den kitzligen Momenten auf mein unwillkürliches Wegzucken eingegangen bist, indem du den Druck deiner Hand jeweils wieder verstärkt hast, kurz bevor ich „Stopp!“ gesagt hätte, so dass es wieder aushaltbar und  angenehmer wurde. Das alles zusammen war eine aufregende und gute Erfahrung.“

„Das freut mich, Maria! Du hast dich auch voll drauf eingelassen, bewusst hin gespürt, was es mit dir macht, stimmt´s?“

„Stimmt, ich nehme so etwas recht intensiv wahr.“

„Super, da können wir noch viel zusammen erfahren. Da hattest du nun mit deinem Arm die erste Erfahrung, nicht weg zu können. Wie war das für dich?“

„Nun… gemischte Gefühle waren es. Als ich merkte, dass da eine kleine kitzelige Herausforderung kam und ich nicht wegziehen konnte, wurde es erregend, und ich muss zugeben… es war auch ein klein wenig Abwehr dabei. Die legte sich aber, als ich merkte, dass du auf meinen Level des Erträglichen bei dem Kitzelgefühl jeweils sehr aufmerksam eingegangen bist. Es war fast so, als würde ich mich nach und nach sicherer fühlen, bei steigender Intensität des Kitzelns gar nicht mehr wegzucken zu müssen, selbst wenn du die Hand dann nicht mehr festgehalten hättest.“

„Ja, so entwickelt sich schon dein Vertrauen… schön! Genauso wird es in den verschiedensten Erfahrungen sein, die ich an dich heran tragen werde. Dein Vertrauen wird mit jedem Mal wachsen, wo du spürst, dass ich auf dich eingehe, auch wenn du selbst nichts tun oder verändern kannst. Und ist das nicht genau die Erfahrung, die du machen willst? Etwas nicht kontrollieren zu können, also irgendwie wehrlos zu sein und in dieser Situation gut aufgehoben zu sein? So wie es jetzt dein Arm war?“

Maria nickte… „Hmm , ja.,. „

„Und jetzt gehen wir ins Café dort drüben und lassen uns Kaffee und Kuchen schmecken!“ lachte Frank.

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75. Die Instanz, die so vieles verbietet…

Bei Mari

Nach einem gemeinsamen Spaziergang mit Joel, bei dem Mari wieder einmal in Kontakt kam mit ihrem Thema „inneres Verbot und Peinlichkeitsgefühle“ und dabei ihre innere Instanz spürte, die alles Ungewöhnliche als extrem bedrohlich empfindet, und deshalb versuchte, vieles, was normalerweise mit Lust und Spaß verbunden ist, zu verhindern, saßen Joel und Mari noch zusammen und sprachen darüber.
Er fragte sie: „Wer oder was in dir ist es, das dir verbietet und dir sogar Gefahr suggeriert, wenn du einfach tust oder zulässt, was sich interessant, faszinierend und spannend anfühlt? Wenn das ein Wesen wäre, wie würde es aussehen?“
Mari überlegte…
Er half ihr: „Kannst du dich nochmal in dieses Gefühl hinein versetzen, das du vorhin hattest?“
Sie dachte an die Situation und nickte.
„Wo spürst du es im Körper?“ Sie zeigte auf ihre Zwerchfellgegend.
Er nickte. „Okay, wenn du magst, leg doch mal sanft deine Hand darauf und schicke durch deine Hand Liebe in dieses Gefühl. Geht das?“
Mari legte ihre Hand auf diese Stelle und spürte, wie es in ihr ruhiger wurde und weniger vibrierte. „Es ist noch da, aber nicht mehr ganz so heftig.“
„Wenn dieses Gefühl ein Wesen wäre, ganz egal welches, ein Tier, ein Mensch eine Pflanze, oder was auch immer – was für ein Wesen wäre es? Welcher Impuls kommt dir ganz spontan?“
„Ein Kind. So sieben Jahre alt vielleicht… Aber es wirkt viel kleiner, fast so wie eine Puppe – allerdings ist ihr Gesicht hoch rot und irgendwie verzerrt.“
„Jetzt stell dir vor, du würdest es mit deinen Händen sanft aus dir heraus heben und vor dich auf den Schoß setzen. Vielleicht möchtest du die Beine hoch nehmen und sie hier auf der Couch leicht angewinkelt aufstellen, so dass es sich mit seinem Rücken an deine aufgestellten Knie anlehnen kann. Wie sieht sie aus? Wie wirkt sie jetzt auf dich?“
„Es ist ein zartes Mädchen, ein Schulmädchen mit einer Brille und einem ernsten Gesichtchen.“
„Was fühlst du, wenn du es ansiehst?“
„Oh, ich habe großes Mitgefühl, es wirkt so schmächtig und so ängstlich auf mich. Ich möchte ihr helfen, dass sie sich besser fühlt.“
„Tu, was immer dir einfällt, um ihr gut zu tun.“
„Ich nehme ihre Hände erstmal und halte sie zärtlich in meinen. Sie schaut ganz erstaunt. Dann streichle ich ihr über´s Haar, wische sanft ihre Tränen von den Wangen… und frage sie: „Kleines Mädchen, was bedrückt dich so?“
Es antwortet leise: „Dass ich nie weiß, was wirklich richtig ist, aber immer aufpassen muss, dass nichts Schlimmes geschieht. Ich bin schon so lange in dir und passe auf, dass wir nichts falsch machen, aber du tust nicht immer, was ich sage. Dann bekomme ich noch mehr Angst und versuche, stärker zu werden, lauter zu werden. Wir dürfen nicht so viel tun, was Lust und Spaß macht, sonst gibt es ganz viel Ärger, und der ist so schlimm, dass es die Zeiten der Freude und der Lust gar nicht ausgleichen können. Und die Schuldgefühle danach… die sind ja nicht zum Aushalten! Die verdunkeln alles Schöne und Bunte. Dabei habe ich so wenig Kraft und muss dennoch immer stark sein, sonst gehen wir unter im Meer des schlechten Gewissens! Weißt du noch, wie schlimm das früher immer war? So soll es nie mehr wieder sein!!!“

„Genau, mein lieber Schatz! Du sagst es: Das war früher! Aber jetzt bin ich groß. Jetzt sehe ich, dass die Werte der Großen von damals nicht meine Werte sind. Und deshalb brauchen wir keine Schuldgefühle mehr zu haben. Schau, ich bin doch inzwischen die Große, und du bist die Kleine! Ich bestimme jetzt über unser Leben, nicht mehr die Großen von damals. Und du brauchst dich jetzt nicht mehr zu sorgen. Ich hole dich jetzt aus der Sorgen-Tretmühle raus. Magst du in meine Arme kommen?“
Mit einer Geste nahm Mari das kleine unsichtbare Mädchen in ihre Arme und wiegte sie hin und her. „Alles ist gut, meine Kleine. Du bist jetzt nicht mehr zuständig für unsere Entscheidungen und Gewissensfragen. Das mache ich ab sofort selber. Du darfst dich jetzt ausruhen und einfach Kind sein. Das ist ganz wichtig, mein Schatz: Ab sofort entscheide ich allein, ich, die große Mari, was getan wird. Und ich richte mich dabei nach dem, was sich gut anfühlt, was für mich wahr ist und was meinen jetzigen Werten entspricht, nicht denen von Oma und Mutti und Papa damals. Du musst das alles nicht verstehen, aber du gibst die Entscheidung, was uns gut tut und was für uns wertvoll und lebenswert ist, ab an mich, hörst du? Ich bin die Große und du die Kleine. Ich hab dich sehr lieb und weiß, dass du bisher so gut aufgepasst hast, weil du uns vor Ärger bewahren wolltest und davor große Angst hattest, aber diesen Ärger gibt´s nicht mehr. Diese Gefahr ist schon lange vorbei. Die einzige, die sagen kann, was für uns stimmig ist und wertvoll, bin ich. Ich danke dir sehr für deine gute Absicht, aufzupassen, dass nichts Schlimmes passiert. Und nun darfst du spielen und damit aufhören, Kontrolle auszuüben, das tue ich jetzt!“

Liebevoll hielt Mari das kleine Mädchen, das bis eben noch die Rolle der Aufpasserin inne hatte, im Arm und strich ihr beruhigend über den Rücken… Schließlich sagte sie zu ihr: „Einverstanden? Du gibst mir das alles! Die ganzen Entscheidungen legst du nun in meine Hände und kannst einfach ausruhen, spielen, malen, alles was dir gut tut.“
Bei diesen Worten öffnete Mari ihre Hände wie eine Schale und stellte sich vor, wie das Mädchen ihre vermeintliche ganz große Aufgabe der Kontrolle in ihre Hände, also in die Hände der erwachsenen Mari, legte. Dann atmete sie tief und ließ das energetische Vorstellungsbild des kleinen Mädchens, das nun befreit lächelte, wieder zurück in sich hinein fließen.

„Es ist geschafft, Joel! Die Kleine in mir ist befreit von ihrer Last!“
„Wie fühlst du dich, Mari?“
„Seltsam leicht und irgendwie komisch.“
„Wie komisch?“
„So, als müsse sich in mir ganz vieles sortieren – in eine neue Ordnung kommen, die ich bestimmen kann. Ich habe mir dazu eben selbst die Macht erteilt, indem ich sie der kleine Aufpasserin abgenommen habe.“
„Wunderbar“, lächelte Joel. Dann bekräftige es nochmal, indem du einen Ich-Bin-Satz dazu machst und ihn laut vor mir als Zeugen aussprichst. Denn was in Gegenwart eines Zeugen gesagt wird, hat noch mehr Kraft.
Mari nickte, und kurz darauf sagte sie laut und voller Überzeugung:


„Ich bin die einzige und wahre Person in meinem Leben,
die entscheidet, was ich tue und lasse.
Ich erlaube mir, in Lust und Liebe zu leben,
wozu ich mich entscheide.
Ich darf das, und ich will das!“

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62. Wann wird das Kribbeln zur Angst? (1)

Bei Joel – Ein Gespräch über´s Prickeln

Nach einer Viertelstunde Verspätung stand Mari etwas atemlos vor Joels Tür und erklärte ihm mit einer Entschuldigung, dass ein Bus ausgefallen war.
„Das kann passieren,“ antwortete er gelassen, „es ist alles gut. Setz dich auf die Couch. Was magst du trinken?“
„Gerne ein Glas Wasser.“ Sie nahm auf der in letzter Zeit bereits immer ausgezogenen Couch Platz. 
Er holte ihr ein Glas Wasser und und setzte sich neben sie.
„Mir ist unser letztes Spiel noch ziemlich präsent, auch wenn es nur kurz war, aber das Gefühl, als du mir gesagt hattest ´Jetzt bist du meine Gefangene´ und mich dabei festgehalten hast, das hat mich noch weiter bewegt.“
Interessiert schaute er sie an. „Was hat dich daran bewegt? Wie hat es sich im Nachhinein angefühlt?“
Es in Worte zu fassen, war nicht so leicht… „Einerseits etwas unheimlich, andererseits auch irgendwie prickelnd, aber real würde ich das nicht erleben wollen!“
„Würdest du nicht? Obwohl es prickelt?“
„Na ja, wie so oft, sind beide Anteile ziemlich gleich stark vorhanden. Eben auch die Angst. Ich glaube ich habe auch davon geträumt, bin heute morgen ziemlich verkrampft in meinem Bett aufgewacht und hatte noch Fetzen davon in Erinnerung…“
„Wovor hattest du Angst? Wie könntest du sie beschreiben? Hattest du Angst vor mir?“
„Das fühlt sich so nicht richtig an. Nein, ich hatte nicht wirklich Angst vor dir, aber trotzdem so eine diffuse Angst, eher vor meinen Gefühlen in so einer Situation.“
„Wie meinst du das?“
„Na ja, manchmal wird dieses bestimmte Prickeln, von dem wir schon neulich sprachen, so heftig, dass es sich richtig schlimm anfühlt und schwer auszuhalten ist…“
„Schlimm? Ich würde mal sagen, das Spiel beginnt. Erzähl mir etwas mehr vom Prickeln.“
„Das Prickeln fühlt sich sehr lebendig an – manchmal aber wird es so heftig, dass es mir Angst macht. Das spüre ich sowohl gefühlsmäßig als auch körperlich, und wenn es eine gewisse Schwelle erreicht, also sehr intensiv wird, dann fühlt es sich schon manchmal richtig schlimm an.“
Joel versuchte Mari besser zu verstehen und fragte nach: „Was ist daran für dich schlimm? Die meisten Menschen suchen ganz bewusst das Kribbeln, weil es so herrlich aufregend ist.“
„Na so herrlich ist das für mich nicht immer, und nicht nur“, erklärte sie ihm, „weil ich eben auch gleichzeitig einiges an Angst in mir trage. Ich glaube das hängt ganz vom der Intensität ab. Eine gewisse Menge an Aufregung ist spannend und fühlt sich lebendig an, wenn sie aber zu intensiv wird, macht sie mir Angst.“
Er nickte. „Ja, das verstehe ich. Was befürchtet denn deine Angst in solchen Momenten. Was könnte passieren?“
Mari fiel es schwer darauf zu antworten… „Das kann ich gar nicht so genau sagen, diese Angst ist so… so unbestimmt…  Oft hat sie mit körperlicher Unterlegenheit zu tun.“
Joel lächelte verhalten. „Naja, dass eine gewisse Unsicherheit und ein Gefühl von Unterlegenheit entsteht, das ist ja gewollt in solchen Spielen…“
Er schaute sie aufmerksam. Also obwohl du mich inzwischen schon ganz gut kennst und ja einiges an Vertrauen gewachsen ist, führt das Kribbeln, wenn es sehr intensiv wird, immer noch zu Angst in dir?“
„Ja, tut mir leid, so ist es manchmal…“ bestätigte Mari verlegen. „Da gibt es in mir wohl Verknüpfungen in meinem Hirn, die nicht wirklich angemessen sind.“
Er schaute sie freundlich an. „Ja, das ist wohl so. Aber dafür brauchst du dich nicht zu entschuldigen, Mari. Manches sitzt eben sehr tief… Nun daran arbeiten wir ja auch ein wenig, nicht wahr?“
Sie nickte. „Ja, ich wünschte mir, ich könnte mit weniger Angst reagieren.“
 Er hielt ihr seine Hände hin: „Magst du mir deine Hände geben?“

Wie es in diesem gerade beginnenden Spiel weitergeht, erscheint übermorgen…

Geschrieben von Raffael und Miriam

 

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59. Erstes Spiel im neuen Jahr (2)

Bei Joel – das Spiel geht weiter

Joel hielt Mari, die er dicht neben sich gezogen hatte, auf der Couch fest umschlungen und flüsterte – bereits in seiner Rolle als Meister: „Nun bist du meine Gefangene! Na, wie fühlt sich das an?“
Mari , die sich sehr plötzlich in dieser „gefangenen Sitzhaltung“ wiederfand und dadurch etwas erschrocken war, konnte nicht gleich antworten.
Er wartete und zog sie noch fühlbar enger an sich heran. In seinen beiden Händen hielt er ihre Hände: den einen Arm vor ihrem Oberkörper, den anderen Arm hinter dem Rücken. Dabei hielt er ihre Hände so fest, so dass sich ihre Arme in der Tat fast bewegungsunfähig anfühlten.
Ihn so nah bei sich zu fühlen in dieser Haltung fühlte sich tatsächlich wie gefangen an – und löste ein ambivalentes Gefühl aus – einerseits war es aufregend und unheimlich, so hilflos zu sein, andererseits fühlte es sich gut an, seine Nähe so deutlich zu spüren. Dazu die Worte „eine Gefangene sein“… löste ein Kribbeln aus.
„Nun, Mari… ich warte auf deine Antwort. Wie fühlt sich das an?“
„Schaurig – aufregend – spannend…“ antwortete sie leise.
„Nun, dann wollen wir doch mal sehen, wie es meiner Gefangenen weiter ergeht…“ Mit diesen Worten stand er, sie weiter in den Armen festhaltend auf, so dass ihr gar nichts anderes übrig blieb, als an seiner Seite mit aufzustehen. Einen Moment lang stand sie von ihrem eigenen Arm, dessen Hand er in seiner hielt, fest umschlungen fest an seine Seite gedrückt neben ihm.
„Körbchen-Position nennt man das im Tanz“, erklärte er ihr.
Plötzlich zog er an einem Arm, ließ den anderen los und gab ihr an der Schulter einen deutlichen Impuls, so dass sie sich schwungvoll aus der eben noch dicht neben ihm stehenden Haltung ausdrehte und sich ihm gegenüber wieder fand – jetzt, nun mit weitaus größerem Abstand nur noch an einer Hand gehalten.
Er hielt sie so lange an der Hand fest, bis sie ihr Gleichgewicht wieder gefunden hatte und sicher auf ihren Füßen stand. Dann ließ er sie los, ging drei Schritte zurück und betrachtete sie von dort aus.
„Du bleibst jetzt genau an dieser Stelle stehen – so lange bis ich dir etwas anderes sage. Und deine Arme verschränkst du hinter dem Rücken.“
Angespannt folgte sie seiner Anweisung.
„Gut, Mari.“
Er lächelte verhalten, kam auf sie zu und trat hinter sie.
Aufgeregt wartete sie ab. Was würde jetzt kommen?
Sie fühlte einen kleinen Druck seiner Hände auf ihre beiden Ellbogen, der die verschränkte Armhaltung noch etwas verstärkte. Das fühlte sich zwar unbehaglich an, aber nicht wirklich unangenehm.
Stille…
Er war immer noch hinter ihr…
Was würde jetzt kommen?
Aufgeregt hielt sie die Luft an.
Schließlich spürte sie, wie er seine Hände sanft auf ihre Schultern legte. „Ganz ruhig weiter atmen, Mari“, hörte sie seine Stimme leise an ihrem Ohr. „Du hast nichts weiter zu tun, als einfach nur wahrzunehmen, was du fühlst.“
Die Wärme, die aus seinen Händen strömte, tat ihr gut. Hörbar atmete sie aus.
„Ja, so ist es gut, entspann dich, auch wenn diese Haltung sich vielleicht gerade etwas unbehaglich anfühlen mag. Alles ist gut…“ Dann begann er seine Daumen mit sanftem Druck auf ihren verspannten Schultern zu bewegen. Dankbar nahm sie wahr, wie sich ihre Schultern dabei etwas lockerten. Auch ihre gefühlsmäßige Anspannung konnte sich dabei ein wenig beruhigen…

Schließlich trat er wieder vor sie, schaute ihr in die Augen und erklärte: „Du wirst weiterhin so stehen bleiben. Halte den Blickkontakt mit mir und nimm bewusst wahr, was in dir geschieht.“
Daraufhin ging er zwei Schritte rückwärts und sah sie von dort aus schweigend an.
Dieses Schweigen war schwierig für sie auszuhalten. Dabei fühlte sie die Anspannung der verschränkten Arme deutlicher als vorher.
Er wusste das und dehnte die Situation nicht allzu lange aus. Dennoch erschien es ihr sehr lang.
„Wie fühlst du dich?“ fragte er schließlich.
„Unbehaglich.“ Ihr Blick ging unruhig hin und her.
„Schau mich an, Mari.“
Sie erschrak. Stimmt ja! Sie sollte ja den Augenkontakt halten! Es fiel ihr jedoch schwer. Die Situation verursachte in ihr eine seltsame, unheimliche Stimmung.


Er trat wieder einen kleinen Schritt auf sie zu, legte einen Finger unter ihr Kinn und hob es an, bis sie ihm wieder in die Augen sehen musste.
„Was wünschst du dir jetzt?“
„Dass ich meine Arme lösen darf“, antwortete sie.
„Du darfst deine Arme wieder lösen und dich ganz bequem hinstellen.“ Er lächelte. „Mari, du bist jetzt wieder frei!“
Erleichtert nahm sie eine angenehmere Körperhaltung ein.
„Das hast du sehr gut gemacht!“ Er breitete seine Arme aus. „Und nun komm her! Lass dich umarmen!“

Erleichtert ließ sie sich von ihm halten. Das tat sooo gut… fest und innig umschlungen hielt er sie lange in seinen Armen. Dann setzte er sich mit ihr auf die Couch, legte einen Arm um sie und flüsterte: „Das Spiel ist vorbei, Mari. Der Meister hat sich aufgelöst, und du sitzt jetzt hier mit Joel.“
Aufatmend schmiegte sie sich an ihn. So viel war ja eigentlich gar nicht geschehen, dennoch hatte sie das Gefühl, von einem anstrengenden Weg nach hause gekommen zu sein.
„Auch wenn wir rein äußerlich betrachtet gar nicht so viel getan haben, hat es wohl einiges in dir bewegt… Spüre ich das richtig?“ fragte er.
„Ja“, bestätigte sie. „Deine Worte am Anfang, dass ich nun deine Gefangene bin, und diese seltsame Armhaltung haben ziemlich intensive Gefühle in mir ausgelöst.“
„Ich sag es auch gern nochmal als Joel, damit es ganz deutlich in dir ankommt: Mari, du bist jetzt frei! Am besten sagst du es dir selbst auch noch mal.
Mari nickte zustimmend: „Ja, ich bin frei!“
„Und eigentlich warst du das die ganze Zeit! Denn dieses Spiel, wie alle unsere Spiele, spielst du freiwillig, aus deinem freien Willen heraus. Nur während des Spielens tritt dieses Bewusstsein in den Hintergrund. Und es ist die Aufgabe des Meisters“, er zwinkerte ihr zu, „genau dafür zu sorgen, dass du es für diese Zeit vergisst. Aber jetzt… denkst du noch an deinen Satz am Anfang des Spieles?“
Mari lächelte „Ja, ich will die Aufregung und die kleine Angst, die mit unseren Spielen verbunden ist, spüren, und ich will auch spüren, wie sie sich wieder löst. Ich glaube, deshalb spiele ich gern diese Spiele, weil diese liebevolle Führung des Meisters in herausfordernden Situationen und hinterher die Erlösung aus der Angst ein so intensives Gefühl auslöst.“
Joel nickte. Er verstand sie.
„Und warum spielst du diese Spiele?“ fragte Mari interessiert.
„Ich mag es, die Macht zu fühlen, die du mir als Meister gibst – und die Handlungen in dieser Machtrolle in all ihren Herausforderungen sowohl aufregend als auch liebevoll zu gestalten! Diese Balance auszuloten ist für mich die Herausforderung…“ antwortete er lächelnd.
„Ich wünsche mir, dass in dieser Weise das ganze Leben mit uns umgeht!“
„Ja, möge uns das Leben solche Herausforderungen bringen, die sich herrlich lebendig anfühlen und gut zu bewältigen sind, auf dass sich alle Ängste immer wieder liebevoll auflösen und auch in ungewissen Situationen immer mehr Vertrauen wachsen kann…“

Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge