8. Eine utopische Heilungsreise: SELBSTZWEIFEL    und    ANNAHME

Joel hatte sich für die Weihnachtszeit eine Fortsetzungsgeschichte von wohlwollenden außerirdischen Meistern zum Thema „Macht – Angst – Vertrauen – Hingabe“ für Mari ausgedacht, das er ihr in Form eines Adventskalenders geschenkt hatte.

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Heute hatten sie sich wieder getroffen und es sich bei Mari auf der Couch gemütlich gemacht. Joel lud Mari ein, sich in seinen Arm zu kuscheln und zog sie erst einmal zu einer innigen Umarmung an sich. Erfreut spürte er, dass sie sich auf die Nähe mit ihm zunehmend leichter einlassen konnte. Dann las er ihr das achte Kapitel der Geschichte vor:

Am nächsten Morgen findet Carina folgende Botschaft in ihrem Adventskalender:

Liebe Carina,
du wirst mit mir erfahren,
dass du angenommen und geliebt wirst, genauso wie du bist –

auch mit den Teilen in dir, die dir selbst noch schwer fallen anzunehmen,
und mit manchen, die dir auch noch verborgen sind
und in dir ein unbewusstes Eigenleben führen.
Wir werden sie gemeinsam entdecken! Okay?
In Liebe Ramon

Was für Teile Ramon wohl damit meint? Eigentlich kennt sie sich doch… Oder kann es sein, dass er sie besser kennt, als sie sich selbst? Nach all dem, was sie bisher mit ihm erlebt hat, muss sie vor sich zugeben, dass es viele Fehleinschätzungen in ihr gab. Er muss ein tiefes Verständnis besitzen. Es gab noch nie einen Menschen, der in so einzigartiger Weise auf sie eingegangen war und so phantasievoll und liebevoll mit ihren Gefühlen von Angst, Abwehr, Schutzbedürfnis und all dem, was sonst noch in ihr ist, umgegangen ist.

‘Er scheint mich bis in all meine Tiefen hinein zu kennen und zu verstehen. Es kommt mir fast so vor, als würde ich langsam beginnen, ihm zu vertrauen … Was für Teile er wohl meint, die wir gemeinsam entdecken werden? Irgendwie ist es auch unheimlich, wenn jemand viel mehr über mich weiß, als ich selbst.’

Durch diesen Gedanken fühlt sich Carina ihrem Meister gegenüber wieder etwas befangen. Ständig denkt sie darüber nach, was er wohl jetzt gerade in ihr sieht, und beobachtet ihn und sich selbst unter der Fragestellung, ob sie wohl alles richtig macht.

Es dauert nicht lang und dieser innere Druck erzeugt in ihrem Kopf einen Druck, der sich schließlich zu heftigen Kopfschmerzen steigert.

Am Abend, als Ramon an ihrem Bett sitzt, schaut er ihr in die Augen und fragt: “Was ist los, Carina? Was quält dich?”

Für Carina stehen die Kopfschmerzen im Vordergrund, und sie erzählt ihm davon. Ramon nickt mitfühlend und sagt: “Es muss Gedanken oder Gefühle in dir geben, die dir Druck machen. Vielleicht fühlst du dich im Moment überhaupt nicht in der Lage, darüber weiter nachzuforschen, das ist okay. Ich will dir nur sagen, Carina, und das sage ich diesem Teil von dir, der den Schmerz produziert hat: Du bist vollkommen in Ordnung, so wie du bist. Versuche zu vertrauen… vertraue, dass alles gut ist. Vertraue dir, vertraue mir, vertraue dem Leben. Es trägt dich, es hält dich in seiner liebenden Hand. Hab dich lieb, Carina, mit all dem, was du bist, es gehört zu deinem Mensch-sein. Strebe nicht nach einer Perfektion, die nie ein Mensch erreichen kann, sei einfach du selbst und wisse: Du bist ein phantastisches, wundervolles göttliches Wesen. Alles in dir ist in Ordnung!”

Carina schaut ihn dankbar an. Seine warmherzigen, liebevollen Worte tun ihr gut. Dann streicht er ganz sanft über ihren Kopf, immer und immer wieder. Sie spürt, wie der Druck sich langsam löst, ein paar Tränen fließen, und schließlich wird sie sehr müde, entspannt sich und schläft ein.

Morgen wird die Geschichte fortgesetzt und läuft voraussichtlich bis Weihnachten

Hier geht es zu allen bisher erschienenen Kapitel zu dieser Geschichte, die Joel Mari in der Advents- und Weihnachtszeit erzählt –> Eine utopische Heilungsreise (Märchen) 

49. Wenn… – …dann (1)

Bei Mari – Eine Übung in Selbstwahrnehmung und Selbstakzeptanz (1)

Mari und Joel saßen sich auf der ausgezogenen Couch gegenüber und Joel, der für Mari bereits die Meisterrolle in ihrem Spiel eingenommen hatte, wies sie an, etwas näher an ihn heran zu rücken und sich so hinzusetzen, dass sie ihre Hände bequem auf seine Hände legen konnte, die mit nach oben geöffneten Handflächen auf einem Kissen lagen, das in seinem Schoß lag.

Als sie eine gute Sitzposition für sich gefunden hatte, schaute er ihr ein Weilchen wie so oft zu Beginn eines Spieles in die Augen, ohne etwas zu sagen. Dies Momente empfand Mari meist als sehr lang, und sie spürte, wie Aufregung und Unruhe durch ihren Körper floss.

„Entspann dich, Mari“, sagte er ihr lächelnd. „und setz dich so bequem wie möglich hin. Du wirst gleich, wenn ich es sage, deine Augen schließen und von mir einige Satzanfänge hören. Deine Aufgabe ist es, sie zu beenden, und zwar so spontan wie möglich. Sprich das aus, was dir als erstes in den Sinn kommt, ohne nachzudenken. Sollte es passieren, dass dir gar nichts einfällt, dann schweigst du. Das ist dann auch in Ordnung. Kein Stress! Bei dem nächsten oder übernächsten Satzanfang, wird dir wieder etwas einfallen. Ich werde vielleicht manche Satzanfänge auch mehrmals sagen, damit du die Gelegenheit hast, mehreres dazu auszusprechen. Das bedeutet dann also nicht, dass ich mit dem, was du davor etwas gesagt hast, nicht einverstanden bin und etwas anderes erwarten würde.“

Mari nicke und lächelte… Wie gut ihr Meister sie doch kannte und sich jetzt schon vorstellen konnte, wo eventuelle Klippen bei ihr liegen könnten. Selbstzweifel und die Angst, nicht zu genügen, gehörten zu ihren häufigsten Schwierigkeiten, und sie empfand es als sehr fürsorglich, dass er ihr durch diese Erklärung, die er ihr gleich am Anfang etwas sagte, um möglicherweise entstehenden Druck gar nicht erst aufkommen zu lassen.
„Danke Meister!“ flüsterte sie und nickte.

„Es gibt hier kein Richtig und kein Falsch, Mari. Alles was dir einfällt und was du aussprichst ist in Ordnung. Meine geöffneten Hände sollen dir das Gefühl vermitteln, dass alles von mir angenommen wird. Du lässt die Augen so lange geschlossen, bis ich dir erlaube, sie wieder zu öffnen. Hast du die Übung verstanden?“

„Ja, Meister“, antwortete sie.

„Gut, dann schließe jetzt deine Augen, und lasse sie so lange geschlossen bis ich dir gestatte, sie wieder zu öffnen.“

Sie folgte seiner Anweisung. Was wohl jetzt kommen würde…

„Gut Mari,“ hörte sie ihn sagen, „spüre deine Hände, wie sie auf meinen liegen und wie sie von ihnen getragen werden. Alles darf jetzt in sie hinein fließen und ist ganz sicher willkommen. Ich beginne jetzt mit den Satzanfängen und du beendest sie so spontan wie möglich.“

Sie nickte.

„Ich freue mich, dass…“ begann er – „…wir uns begegnet sind.“, sagte sie leise.
„Ich mag es, wenn…“ – „…du sanft mein Gesicht berührst und mir über´s Haar streichst.“
„Ich wünsche mir, dass…“ – „…es keine Schwierigkeiten geben wird.“
„In Situationen, wo es schwierig wird, würde ich am liebsten…“ – „…davon laufen.“
„Wenn es mir gelingt, nicht davon zu laufen, würde ich am liebsten…“ – „…ganz klein werden und mich verstecken.“
„Wenn ich gefunden werde, würde ich mir wünschen…“ – „…ganz fest in die Arme genommen zu werden und dass es dann irgendwie leichter wird.“
„Erleichterung könnte ich fühlen, indem…“ – „…mir eine Brücke gebaut wird, dass es mir gelingt über das Schwierige reden zu können, was gerade in mir ist.“
„Wenn es mir gelingt, über das Schwierige in mir reden zu können, dann wünsche ich mir…“ – „…dass ich Verständnis und Annahme erlebe und keine Kritik und keine Strafe.“ Bei diesen Worten zitterte Maris Stimme und sie kämpfte mit den Tränen.
Gut, dass sie die Augen geschlossen hatte und ihren Meister nicht anschauen musste…

Er strich sanft mit den Daumen über ihre Handrücken, zum Zeichen, dass er ihre Bewegtheit wahrnahm.
„Mari, lass deine Augen noch geschlossen, auch wenn wir jetzt eine kleine Pause machen,“ sagte er leise zu ihr und legte ihre Hände sanft in die Mitte ihrer Brust auf ihr Herzzentrum. „Spüre mal, wie dein Herz für dich selber schlägt. Richte deine Aufmerksamkeit mal auf deinen Herzschlag. Und nimm ein paar tiefe sanfte Atemzüge. Du hast das bisher wunderbar gemacht!“

Leise setzte er sich hinter Mari, die leicht erschrak, als er seine Hände auf ihre Schlüsselbeine legte. Mit sanftem Druck brachte er sie dazu, ihren Oberkörper an ihn anzulehnen. „Ja,“ bestätigte er, „lehn dich an mich an, gib alles an mich ab… Spüre den Halt, den ich dir gebe. Deine Muskeln können weich werden… Du musst jetzt nichts tun , nichts denken, nichts beantworten, nichts erfüllen, nichts in Frage stellen, nichts überlegen… einfach nur sein…“

Seine Worte verfehlten ihre Wirkung nicht und halfen ihr, sich zu entspannen, loszulassen, weich zu werden… Oh wie gut das tat!…

Nachdem sie ein Weilchen einfach nur so gesessen hatten, wiegte er sie leicht hin und her. Das ließ sie tief aufatmen. Ein Gefühl von Geborgenheit breitete sich in ihr aus. Sie gab noch mehr Gewicht ab, lehnte sich gänzlich an und fühlte wie eine wärmende Gedankenlosigkeit sie einhüllte und schweben ließ…

Morgen oder übermorgen geht es weiter mit dem 2.Teil dieser Übung

Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge