86. Joels Antwort

Joel antwortet auf die Mail von Mari

Liebe Mari,
          Einfach_mal_so_hab Dank für deine Offenheit in der letzten Mail mit der Frage, ob wir uns nicht manchmal auch ganz persönlich „einfach mal so“ als ich und du – jenseits unserer Rollenspiele – begegnen wollen.
Ja! Sehr gern! Und keine Sorge, das ist bei mir total gerade angekommen – hi hi , will sagen, gar nicht schief oder irgendwie befremdlich. Diese Angst darf sich gleich wieder schlafen legen. Deshalb antworte ich auch so schnell wie möglich. Denn ich könnte mir vorstellen, dass du vielleicht etwas unruhig bist, bis du meine Antwort lesen kannst.

Ich lese aus deinen Zeilen auch, dass wir nicht nur Kaffee trinken wollen… ? Denn du möchtest mit mir Dinge erleben, die du mit dem Meister erlebt hast und vielleicht noch erleben wirst…

Darauf freue ich mich ganz besonders. Ich habe große Lust dazu, dich in meinen Armen zu halten, und wer weiß… Doch du sollst dich bitte (!) frei fühlen, jederzeit zu sagen, wenn sich für dich etwas nicht oder noch nicht passend anfühlen sollte. Gern würde ich ein bisschen mit dir gemütlich zusammen liegen und dich dabei in meinen Armen halten. Ich hoffe, ich habe dich so richtig verstanden, dass du das ausprobieren möchtest?

Und noch etwas ist mir wichtig: Du darfst mich jederzeit alles fragen – und was immer dir gerade einfällt ganz offen mit mir besprechen. Alles ist willkommen – jeder Gedanke, jedes Gefühl…
Mir ist bewusst, dass du dich wahrscheinlich fühlst, als würdest du dich auf etwas wackeligem Boden bewegen – und auch ich bin etwas aufgeregt, wenn wir uns außerhalb des bisher vereinbarten Rahmens begegnen.

Dann bis zum kommenden Samstag, an dem ich dich gern – diesmal außerhalb der Spielebene -besuchen werde. Ich freu mich darauf!

Solltest du inzwischen irgendetwas auf dem Herzen haben – kannst du mir jederzeit gerne schreiben oder mich anrufen, liebe Mari! 

Sei in Gedanken umarmt von 

Joel

Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge

66. Gespräch mit der inneren Meisterstimme (1) – eine Beziehung entsteht zu einer Instanz tief innen

Mari fühlt sich geborgen – in sich selbst

Mari drehte sich zum wiederholten Mal im Bett herum, irgendwie fand sie heute keinen Schlaf. Eine diffuse Unruhe war in ihr.
Es ist als ob irgendetwas fehlt… aber was könnte das sein… fragte sie sich.
Meine Arbeit macht mir Freude, finanziell gibt´s keine Probleme, die Treffen mit Joel sind spannend und schön, und dennoch… was ist das, was sich gerade so leer anfühlt in mir…?

Dir fehlt die innige Beziehung zu MIR.

Ups, was war DAS denn? Der Gedanken flog von links nach rechts durch ihren Kopf und hinterließ deutliche Spuren: Sie fühlte sich plötzlich so lebendig und munter, als sei sie nach einem ausgiebigen Schlaf erfrischt aufgewacht.

Schreib!

Huch, jetzt gibt´s auch noch eine Anweisung… Sie grinste. Eine Stimme, die es eigentlich gar nicht gab, sagte ihr, was sie tun sollte…

MICH gibt es! Gerne buchstabiere ich es dir – und da du Farben magst, setze ich jeden Buchstaben in eine andere Farbe für dich:    h   !

Sofort stellte sich Mari das Wort in leuchtend bunten Lettern vor.
Na, dann will ich tun, was du sagst, dachte sie und verließ ihr Bett, um sich an den Laptop zu setzen.

Prima! Gut, dass du gleich aufgestanden bist!
Wenn du mit mir MIR schreibst und  MEINE Antworten empfängst, dann schreibe bitte  MEINE Anrede und alle zu  MIR gehörenden Pronomen in durchgängig großen Buchstaben, denn MEINE Energie stammt aus einer höheren Ebene, aus DER Ebene, nach DER du dich sehnst. So spürst du das schon beim Schreiben und später, wenn du es mal wieder liest,  gleich ganz deutlich.

Mari hatte es schon beim Schreiben, als sie die Energie der Worte fühlte,  entsprechend korrigiert. Sie spürte wirklich bereits, was gemeint war.

Wer oder was bist DU?  fragte sie schreibend.

ICH BIN DER, DEM du alles sagen kannst,  DEN du alles fragen kannst, von DEM du immer Antwort, Hilfe und Führung erhältst – dein innerer Meister.
ICH BIN DIE, DIE alles von dir annimmt, in der Tiefe versteht – und liebt – deine gute Fee.
ICH BIN DAS, in DEM du immer zuhause und geborgen bist – dein inneres Licht.
ICH BIN dein tiefstes, wahres SEIN:  DIE  ALLUMFASSENDE  LIEBE.

Ein tiefer Atemzug durchströmte sie. DAS fühlte sich so wunderbar an.
Als ob eine Sehnsucht Erfüllung finden würde…

Ist es nicht das, wonach du dich sehnst? Geborgenheit, Verlässlichkeit, liebevolle Führung?

Ist es nicht die Art von Energie, die Joel in eurem Rollenspiel für dich als „Meister“ verkörpert, wenn er dir aufträgt, etwas zu tun, was dir gut tut – was dich in deinem Vertrauen stärkt – und was er dir vermittelt, wenn er dich umarmt?

Mari nickte zustimmend. Ja, so ähnlich fühlte sich das auch an mit ihm… nur dass sie es mit ihm auch körperlich spüren konnte, wenn er sie zum Beispiel fest in den Armen hielt und ihr dadurch Halt und Sicherheit vermittelte.

Die Stimme antwortete auf ihre Gedanken:
Diese Gefühle können sowohl durch körperliche Nähe und Berührung entstehen, wie auch durch Worte, die ein anderer Mensch zu dir sagt,
als auch mit Hilfe des Geistes – durch die Verbundenheit mit MIR,
der Essenz von der Kraft der Liebe und Stärke,
die in dir ist und in allem, was um dich herum ist.
Diese Ebene des Geistes – BIN ICH !
Und mit MIR bist du immer in Verbindung – die Frage ist nur, ob du dir dessen gewahr bist oder nicht. Durch unsere dir bewusste Verbundenheit fühlst du das von dir oft so ersehnte Gefühl von Nähe und Geborgenheit, auch ohne körperliche Anwesenheit eines anderen Menschen. Wenn du MICH wahrnimmst, dann fühlst du dich so wunderbar, wie du dich jetzt in diesem Moment fühlst. 

Unwillkürlich musste Mari in diesem Moment lächeln.
Ja eigentlich „mache“ ich es gar nicht,
dachte sie, es kommt ganz von allein –  ES lächelt aus mir – ES lächelt mich
Auch diese Worte schrieb sie auf.

Dieses innere Lächeln ist ein untrügliches Zeichen, dass du mit MIR verbunden bist, „hörte“ sie  diese klare und irgendwie machtvolle, wenn auch leise klingende „Stimme“ in ihr liebevoll sprechen.
Sei gewiss: ICH BIN immer voller Liebe und Frieden – deshalb brauchst du MICH und alles, was ICH dir sage, niemals zu fürchten. Im Gegenteil, du kannst dich immer darauf verlassen, dass die Themen, die du mit MIR besprichst, und die Gedanken, die du MIR übergibst, sich allein schon dadurch, dass du sie MIR anvertraust, heller und leichter anfühlen werden, und dass MEINE Antworten dir immer gut tun werden. Denn:

ICH BIN die tiefste Liebe deines Seins
ICH BIN  immer da für dich. 

Ein tiefes Geborgenheitsgefühl durchströmte Mari und sie hörte die Stimme in sich flüstern:

Und nun geh schlafen, Mari, komm in MEINE Arme…

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16. Eine utopische Heilungsreise: RAUS AUS DEM RÜCKZUG und EINFACH-SEIN

Joel hatte sich für die Weihnachtszeit eine Fortsetzungsgeschichte von wohlwollenden außerirdischen Meistern zum Thema „Macht – Angst – Vertrauen – Hingabe“ für Mari ausgedacht, das er ihr in Form eines Adventskalenders geschenkt hatte.

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Auch heute wieder freute sich Mari darauf, den Umschlag aus ihrem Adventskalender zu öffnen. Sie nahm einen Schluck Kaffee, steckte sich ein Mandarinenscheibchen in den Mund und las gespannt wie es Carinas weiter erging im Raumschiff mit ihrem Meister…

Zerschlagen und mit Kopfschmerzen wacht Carina am nächsten Morgen auf. Sie hat das Gefühl, gar nichts mehr zu wollen. Sie will von Ramon in Ruhe gelassen werden und sich nicht mehr all diesen verwirrenden, schwierigen Gefühlen aussetzen. Alles ist ihr zu viel, und sie bleibt einfach im Bett. Aber sie findet keinen Schlaf mehr.

In der Zeit, in der sie normalerweise bei ihrem Meister wäre, ist sie allein in ihrem Zimmer und fühlt sich  fast so verwirrt und verloren wie am Anfang ihrer Ausbildungszeit hier im Raumschiff.

Heute Nachmittag fängt diese Gruppe an’, denkt sie, ‘ich gehe da nicht hin! Keiner kann mich zwingen, einen Seelen-Striptease abzuziehen!’

Aber wie soll das alles nur weitergehen? Und was würde René dazu sagen, wenn sie einfach nicht erschiene? Würde er es akzeptieren? Und wenn nicht, was würde er tun? Ein bisschen unheimlich ist er Carina immer noch.

Wieder einmal fühlt sie sich in einer Sackgasse. Sie hat sich in ein Gefängnis hinein manövriert, aus dem sie schwer allein den Weg heraus findet. Ein Gefühlsgemisch aus Trotz, Angst, Scham und Verlorenheit macht es ihr unmöglich, einfach ihr Zimmer zu verlassen und mit Ramon oder René über ihre Gefühle zu sprechen.

Der Druck im Kopf verstärkt sich, und auch ihr Magen macht sich unangenehm bemerkbar. Sie hat heute noch gar nichts gegessen. Da nimmt sie wahr, dass plötzlich ein Röllchen aufleuchtet. Sie wundert sich, es ist doch noch gar nicht an der Zeit… Aber vielleicht sind es gar keine regelmäßigen Zeitabstände, vielleicht hat das Aufleuchten mit ihren aktuellen Gefühlszuständen zu tun? Dieser Kalender ist ohnehin in seinem System für sie ein Mysterium – irgendwie magisch und unverständlich in der Art und Weise wie er immer zu ihrer aktuellen Gefühlslage passt.

So öffnet sie das leuchtende Röllchen und liest folgende Worte ihres Meisters:

Liebe Carina,
auch wenn du dich immer wieder versuchst
mir zu entziehen, bleiben meine Arme und mein Herz offen für dich.
Deine Angst, die hinter all dem steht, was du fühlst und tust,
will gesehen und angenommen werden.
Komm zu mir, ich werde dich halten und trösten
und dich ganz sicher zu nichts drängen.
In Liebe Ramon

Und Carina begreift: Wieder einmal weiß ihr Meister genau, wie sie sich fühlt, und will sie auf diese Weise unterstützen, diesmal selbst den Weg heraus aus dem selbst gebauten Gefängnis zu finden.

Es kostet sie zwar große Überwindung, aber sie schafft den Schritt hinaus aus ihrem Zimmer bis hin zu Ramons Tür. Dann zögert sie. Was soll sie sagen? Wie soll sie beginnen? Fast will sie wieder umkehren, als er von innen die Tür öffnet und zu ihr sagt: “Na, Carina, nun hast du den Weg bis hier her gefunden, da wirst du doch nicht wieder den Rückzug antreten? Komm `rein, Liebes, ich habe auf dich gewartet.”

Als sie sein Zimmer betritt, bemerkt sie René, der sich gerade aus seinem Sessel erhebt. Hätte sie gewusst, dass er hier ist, wäre sie sicher nicht gekommen! Während er auf Carina zu kommt, sagt er zu ihr: “Ich werde dich jetzt mit deinem Meister allein lassen. Nachher, wenn es dir wieder besser geht, reden wir zwei miteinander über deine Angst vor der neuen Gruppe. Nur schon mal vorab, Carina, mach dir keine Sorgen, ich werde dich zu nichts zwingen – und es wird auch keine schlimmen Folgen haben, dass du heute morgen nicht gekommen bist!”

Lächelnd verlässt René den Raum. Carina steht verlegen und unschlüssig da. Ramon zieht sie neben sich auf die Couch und streicht mit der ihm so eigenen typischen Geste über ihr Haar. “Es ist gut, Carina, dass du her gekommen bist. Du hast dir eine Falle gestellt, und du hast zum ersten Mal selbst den ersten Schritt heraus aus deiner Enge getan…“

Mitfühlend schaut er sie an. „Der Kopf tut dir weh, nicht wahr?“ Er nimmt ein Kissen und sagt:  „Komm, leg ihn auf das kühlende Kissen hier und dann sagst du mir alles, was dich bedrückt, ja?”

Carina zögert, aber als er ihr ermutigend zunickt, folgt sie seiner Einladung und legt sich auf die Couch dicht neben ihn. Er streicht ihr beruhigend übers Haar. Inzwischen weiß er ja, wie gut ihr das tut. Als sie seine sanften Berührungen spürt, ist es mit ihrer Fassung geschehen. Sie weint und redet sich ihren Kummer von der Seele: Ihr selbstgemachter Druck, ihre Versagensangst, ihr Minderwertigkeitsgefühl als Frau, ihre Scheu vor der Gruppe, speziell vor den anderen Meistern, ihre Schwächen offenbaren zu müssen, und schließlich die Abwehr, die sich auf das Thema Erotik bezieht… alles sprudelt heraus. Dann sieht sie ihn unsicher an. Hat sie zu viel gesagt? Ist er nun endlich in seiner Geduld erschöpft und ist nun doch beleidigt?

Er erwidert ihren Blick offen und mit freundlichem Lächeln und antwortet ihr auf ihre unausgesprochenen Gedanken: “Es ist gut, Carina, dass du das alles aussprichst. So ist es schon etwas leichter, nicht wahr? Da hast du dir ja mit deinem Anspruch an dich selbst, was das Thema Erotik anbelangt, einen richtigen Teufelskreis gebaut. Mit diesen Gedanken kann ja keine Freude oder Lust entstehen. Weißt du was, Carina, ich habe eine Idee: Wir beide machen ein paar Tage Urlaub! Wir sind in der Nähe eines wunderschönen Planeten namens Lux Natura, dorthin werden wir uns beide einige Tage absetzen und es uns gutgehen lassen, was hältst du davon?”

Carina ist erstaunt. Alle möglichen Hinweise, Erklärungen und Vorschläge hatte sie erwartet, aber nicht das. “Und was ist mit der Gruppe?” fragt sie vorsichtig.

“Die läuft uns nicht davon,” erwidert Ramon lächelnd. “Ich werde mit René darüber reden.”

Und tatsächlich besuchen sie noch am gleichen Tag diesen herrlich idyllischen Ort, an dem sie es  sich sieben Tage gut gehen lassen. Viele schöne Erlebnisse hat Carina dort mit ihrem Meister, und das Thema Erotik wird nicht berührt.

Die Nähe zu ihm wächst allerdings spürbar und auch ihr Vertrauen. Manchmal wird ihr bewusst, wie sehr sie sich zu ihm hingezogen fühlt. Sie teilen Erfahrungen, die auf dem Raumschiff nicht möglich wären. Zusammen wandern sie, schwimmen sie, ruhen sie, reden sie und schweigen sie. Auch schlafen, essen und meditieren können sie herrlich in der wunderschönen Natur dieses Planeten. Carina beginnt nach und nach diese Zeit der Erholung und des einfach Miteinander-Seins zu genießen…

Morgen wird die Geschichte fortgesetzt und läuft voraussichtlich bis Weihnachten

Hier geht es zu allen bisher erschienenen Kapitel zu dieser Geschichte, die Joel Mari in der Advents- und Weihnachtszeit erzählt –> Eine utopische Heilungsreise (Märchen) 

2. Ein verletztes Vögelchen braucht eine sichere und behutsame Hand…

Mehr von Mari´s Fantasien:
Hilflos
sein und dabei getröstet, ermutigt und liebevoll berührt werden…

Hand in Hand gingen Mari und Joel durch den Park, während sie über das sprachen, was sie gemeinsam vorhatten.

„Bitte beschreib doch mal, was du dir von mir in meiner Rolle wünschst, Mari. Je mehr ich davon weiß, umso leichter wird es für uns beide, das zu verwirklichen, was dir gut tut in diesem sensiblen Thema.“

Mari überlege… wie sollte sie beginnen?
„Es sind ja immer nur Fragmente, Ausschnitte, kleine Szenen, kurze Sätze, die in mir aufploppen…“

„Na ja, ich will auch nicht, dass du mir ein ausgearbeitetes Drehbuch auftischst,“ lachte er. „Dann wäre ja auch keine Spannung mehr da. Die Gestaltung des Ablaufs unserer Sessions überlässt du ruhig mir. Regie ist schließlich meine Aufgabe in dem Spiel.
Wenn ich dich richtig verstanden habe, geht es dir ja gerade darum, die Erfahrung zu machen, dich gut aufgehoben zu fühlen, wenn du NICHT weißt, was kommt, wenn eine anfängliche Ungewissheit dein Adrenalin ins Fließen bringt und du dann erlebst, dass dir nichts Schlimmes geschieht. Habe ich dich so richtig verstanden?“

„Besser hätte ich es nicht formulieren können,“ bestätigte Mari. „Du hast gut zugehört.“

„Zuhören ist die Voraussetzung für Verständnis,“ gab Joel zurück, und es ist mein Anliegen, dich so gut wie möglich verstehen zu können, damit ich dich da abholen kann, wo du dich aufhältst in deiner inneren Landschaft.“
Seine Worte berührten Mari, und sie schaute ihm kurz in die Augen.
Joel hatte eine Idee: Also pass auf, wir machen jetzt ein Interview. Du antwortest möglichst spontan und sagst das, was dir gerade einfällt, ohne lange nachzudenken, okay?“

„Okay!“

„Wonach sehnst du dich?“

„Nach innigen Umarmungen, nach dem Gefühl, gehalten zu sein in allen Gefühlen, die gerade da sind, und mich sicher zu fühlen… Und dass meine Ups and Downs okay sind, auch dann, wenn ich weinen muss.“

„Deine Tränen sind mir jederzeit willkommen – ich werde für genügend Taschentücher sorgen, okay? Ernsthaft Mari: Es ist für mich vollkommen in Ordnung, wenn du weinst. Alles was aus dir kommt, darf da sein. Anders ginge solch ein Weg, den wir vorhaben, gar nicht. Und ich möchte dich darin auffangen können, dir Trost und Sicherheit geben, wenn es soweit ist. Deshalb meine nächste Frage: Was tut dir gut, was tröstet dich, wenn du dich aufgewühlt und ängstlich fühlst. Was hilft dir, wenn du weinst?“

„Wenn jemand meine Hand nimmt und sagt: Alles okay. Alles darf sein. Mach dir keine Sorgen – alles ist gut.
Berührungen, die besonders in solchen Situationen eindeutig
nicht erotisch sind, die einfach nur gut tun und in meiner Seele ankommen…“

„Verstehe – wie wenn ein Vogel verletzt ist… das zitternde, flatternde Vögelchen braucht dann eine sanfte Hand, in der es sich gewärmt, gehalten und gut aufgehoben, aber nicht festgehalten fühlt…“

Mari konnte nur nicken, so berührt war sie von dem Gedankenbild, das er eben entworfen hatte.

„Auf welche Weise hast du in deinen Fantasien schon Machtlosigkeit und Kontrollabgabe erlebt?“

„Na ja… zum Beispiel durch Augen-Verbinden. Viel Macht hat auch die Stimme, die ich dann immer in mir höre. Sie ist bestimmend, wirkt manchmal unnachgiebig, ist es aber nicht wirklich. Dadurch, dass mir jemand sagt: Du tust jetzt gar nichts, außer das, was ich dir sage!
Wenn ich mich dann darauf einlasse, macht es mir auch ein ganz warmes Gefühl, wenn diese Stimme mir so etwas sagt wie: Das machst du gut, Mari. Ja, so ist es prima. Und wenn etwas nicht geht, zu hören: Das macht überhaupt nichts – alles gut!
Manchmal stelle ich mir auch vor… gefesselt zu werden. Dies aber in wohlwollender, achtsamer Weise, ohne dass es weh tut – immer begleitet von dieser Stimme, die freundlich, aber bestimmt und in solchen Situationen auch ermutigend mit mir spricht. Stille könnte ich dabei nicht aushalten.“

„Hmm, verstehe… Das Fesseln…zum Beispiel mit Seidentüchern?“

„Ja… und nicht zu fest, aber so, dass ich es spüre und mich eingeschränkt fühle in meiner Beweglichkeit. Dabei geschieht dann aber immer irgendetwas Angenehmes, um die Angst, die dabei unweigerlich hochkommt, leichter erträglich zu machen. Und seltsamerweise entsteht durch diese dann gemilderte Angst eine Art Erregung in mir. Die wird durch bestimmende, aber freundliche Worte verstärkt. Das Gefühl, gut aufgehoben zu sein, aber keine Möglichkeit zu haben, selbst auf das Geschehen Einfluss zu nehmen – das macht ganz viel mit mir. Aber ob das auch real geht, weiß ich nicht, das findet bisher nur in meiner Fantasiewelt statt.“

„Ich glaub, ich verstehe dich. Du willst wehrlos gemacht werden und dabei gleichzeitig getröstet, ermutigt, gelobt und in jeglicher Weise gut behandelt werden, ja?“

„Ja, so ungefähr, und ich weiß gar nicht warum ich so seltsam ticke…“

„Das ist jetzt auch vollkommen egal. Wichtig ist, was du fühlst dabei… was dich bewegt… was immer wieder auftaucht in dir… und wie wir das in für dich gute Erlebnisse umsetzen können. Warum… Wieso… fragt der Kopf. Das bringt nichts. Es ist so, und hat sicher Ursachen. Die sind jetzt nebensächlich, lass uns auf das konzentrieren, was du erleben willst, und besonders auf das, was du brauchst, um dich darin aufhalten zu können, damit du mir nicht gleich weg rennst oder alles abbrichst, wenn die ersten Gefühle von Angst und Hilflosigkeit entstehen. Ich bin ziemlich sicher, dass es nicht viel braucht bei dir, um das auszulösen – die stehen ja schon lange Schlange in deinem Inneren und warten darauf, dass die Tür sich öffnet und sie ins Leben kommen dürfen. Und dann ist es wichtig, dass ich dich halten kann, Mari. Denn wir wollen ja beide nicht, dass die Angst gleich so mächtig wird, dass sie die zaghaft geöffnete Tür gleich wieder zuschlägt.“

„Mir ist jetzt schon ganz flau im Magen,“ bekannte Mari.

„Komm, hier ist ne Bank, setzen wir uns hin,“ schlug Joel vor. „Darf ich dir ein bisschen die Schultern massieren?“

„Ui – das ist ja ein tolles Angebot, das nehme ich gern an.“

„Und hier im Park bist du ziemlich sicher, wenn ich dich das erste Mal berühre. Hier laufen immer mal Leute entlang und könnten dich retten, wenn ich dir was antun würde,“ scherzte Joel. „Aber, Flachs beiseite, spür einfach mal hin, wie sich meine Hände für dich anfühlen.“

So bekam Mari ihre erste Massage auf einer Parkbank – und konnte sie genießen.
Ihre Schulter- und Nackenmuskeln waren hoch erfreut – und sie konnte sich tatsächlich entspannen. „Hier kann ja kaum was Schlimmes geschehen“ meinten ihre kleinen Angststimmen, wurden ganz ruhig und legten sich für ein Weilchen schlafen.

Zum nächsten Kapitel: 3 – Bei dir oder bei mir?

 

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