94. Anerkennung und Herausforderung in einem

Bei Joel – ein spannendes Angebot

„Oh, du hast ja heute Kaffee und Tee schon fertig“, sagte Mari und setzte sich auf die Couch.
Joel setzte sich ihr gegenüber. „Das Spiel beginnt“, sagte er.
Mari schaute ihn gespannt an. Was wohl heute kommen würde… Sie hatte keinen blassen Schimmer.

„Nun Mari, wir haben ja schon einiges zusammen erlebt… Und du hast große Fortschritte gemacht!“
Erstaunt schaute Mari ihn an. „Ja, es stimmt, wir haben schon viel erlebt inzwischen. Aber dass du von großen Fortschritten redest, …hmm na ja, das wundert mich ein bisschen, die Angst kommt mir ja doch immer mal wieder dazwischen… und andere schwierige Gefühle wie Peinlichkeit und Scham ja auch.“
Joel nickte bedächtig: „Ja, aber du bist schon ein großes Stück weiter gekommen, finde ich.“
„Das freut mich, dass du es so empfindest.“ Mari lächelte.
„Um diese Entwicklung miteinander zu feiern, hab ich mir etwas ausgedacht“, fuhr Joel fort.
Ihr Lächeln vertiefte sich… „Wie jetzt… Was denn? “ fragte sie erfreut und verwundert zugleich.
Es macht er ihr ein ganz seltsames und besonderes Gefühl, von ihm diese Anerkennung zu bekommen…

Er gab ihr einen Umschlag, aus dem sie ein wunderschönes Hotelprospekt hinaus beförderte und erklärte dann: „Ich lade dich ein, mit mir ein Wochenende in diesem Hotel zu verbringen.“
Ihre Augen weiteten sich… In diesem schönen Hotel… Wow! Du willst, dass wir beide zusammen ein Wochenende dort verbringen? Das ist ja eine zauberhafte Idee!“

„Ja… Dazu lade ich dich ein…“ sagte er ganz langsam mit einer seltsamen Betonung.
Der Ton, in dem er sprach, ließ sie etwas stutzig werden… „Das klingt so eigenartig, wie du das sagst…
Gibt es dabei irgendeinen Haken?“
Joel schaute sie ernsthaft an. „Einen Haken… nun wie man es nimmt. Ich würde dazu sagen: Es gibt auch Herausforderungen dabei!“

Mari spürte ein bekanntes Kribbeln, das sich ihre Wirbelsäule hinauf schlängelte in den Kopf hinein. „Kannst du dich bitte ein bisschen genauer ausdrücken?“ bat sie Joel.
Er nickte: „Nun, das Wochenende wird Anerkennung und Herausforderung gleichzeitig sein, wenn du zusagst.“
„Worin besteht denn die Herausforderung ?“ wollte sie wissen.
„Es wird wohl mehr als eine sein, aber die vermutlich wichtigste ist quasi die Voraussetzung, unter der wir fahren würden.“

„Fahre ich mit dir als Meister? Oder einfach mit dem Menschen Joel?“
Er lächelte: „Mit beiden. Es wird solche und solche Zeiten geben.“
„Okay“, nickte Mari, „da bin ich aber froh! Ein ganzes Wochenende durchgehend mit dir als Meister wäre schon sehr heftig. Dann ist die Voraussetzung also schon mal geklärt?“
„Nein noch nicht. Die Voraussetzung ist: Wir nehmen ein gemeinsames Zimmer.“
„Ohhh! Darüber hatte ich bisher noch gar nicht nachgedacht“, bemerkte Mari leise.

Er sagte nichts, wartete einen Moment.
Mari war der Konflikt deutlich in den Gesichtszügen abzulesen. In ihrem Magen fuhr es Fahrstuhl.
Was bezweckte er mit einem gemeinsamen Zimmer? Wie sollte das gehen… abends… nachts…?
Sollte das vielleicht… Hm…


„Kannst du mir bitte noch mehr über die Voraussetzungen und Herausforderungen sagen?“ fragte sie aufgeregt.

„Nun, das mit dem Zimmer ist die wichtigste. Wir werden uns das Bett teilen. Du weißt, dass ich dir nichts tun werde, was du nicht auch willst,“ antwortete er ruhig, „aber wir wissen auch beide, dass das eine echte Herausforderung ist!“
„Danke, dass du das noch mal so ausdrücklich sagst. Ich war mir nicht sicher, ob das gemeinsame Zimmer eventuell eine Andeutung sein sollte zu… mehr… Darauf kann ich mich doch auch dort verlassen, dass du nichts tust was ich nicht will oder kann?“
Joel nahm ihre Hand und nickte: „Ja, so wie schon die ganze Zeit. Das ist Teil unserer Vereinbarung.“
„Okay! Und du hast Recht: Es ist auch so schon herausfordernd genug. So… und nun meintest du noch, das sei noch nicht alles?“
„Nein. Das ist noch nicht alles. Es wird auch solche Sessions wie wir sie hier auch machen.“
Mari überlegte, wie sie sich nun entscheiden sollte, vermutlich würde er ihr über die anderen Herausforderungen nicht mehr viel erzählen…

„Ich weiß, das klingt etwas heftig, aber es ist Zeit, einen Schritt weiter zu gehen – und hier bietet sich eine große Chance.“

Einen Moment fühlte sie in sich hinein. Wie würde sie sich fühlen, wenn sie ja sagen würde: Das wäre sicher sehr aufregend und spannend, würde die Intensität der Herausforderungen und der damit verbundenen schwierigen Gefühle stärker machen als sonst, weil sie ja nicht weg konnte…
Und wie würden Sie sich fühlen, wenn sie nein sagen würde: Sie wäre mit Sicherheit traurig und frustriert, eine bestimmt sehr intensive und wahrscheinlich auch wenigstens teilweise schöne Erfahrung nicht gemacht zu haben…
So wanderten ihre Gedanken hin und her…

Joel, der ein guter Beobachter war, verstand in ihr zu lesen wie in einem offenen Buch und sagte: „Mari, du weißt: Ich werde jedes Stopp von dir achten. Und ich werde mein Bestes tun, dass es ein aufregendes und schönes Wochenende sein wird.“
„Ja, dass das ein sehr aufregendes Wochenende wird, das steht außer Frage!“ bestätigte Mari, „aber was ist, wenn ich es nicht packe? Wenn ich zwischendurch so heftige Angst bekomme, dass ich mit den Herausforderungen nicht klar komme? Ich könnte ja nicht mal nach Hause fahren so schnell…“

Joel nahm wahr, dass sie wirklich an einem Punkt angekommen war, an dem sie eine Entlastung brauchte, und sagte zu ihr: „Nun, ich verspreche dir, wenn es wirklich nicht mehr geht, bekommst du ein eigenes Zimmer.“
Mari fiel ein Stein vom Herzen. „Puh! Damit hatte ich jetzt nicht gerechnet, aber ich danke dir von ganzem Herzen für diese beruhigende Zusage. Ich hoffe, dass das nicht nötig werden wird, aber alleine schon zu wissen, dass diese Möglichkeit besteht, hilft mir sehr!!! Na und außerdem gibt es ja immer noch die Möglichkeit, um eine Umarmung zu bitten, wie hier auch, oder?“
„Ja sicher! Jederzeit! Mari“, bestätigte Joel. „Nun was sagst du zu meiner Einladung?“
„Ich sage Ja!“ strahlte Mari. „Ich freue mich riesig über dein Angebot. Ja, ich komme mit!“
Er lächelte „Ich freue mich sehr, dass du dich darauf einlässt Mari.“
„Das ist wirklich etwas ganz besonderes, in beiderlei Hinsicht: So schön wie auch so herausfordernd,“ meinte Mari und wollte wissen: „Wann soll es denn losgehen?“
„Nun, ich schlage vor: am kommenden Wochenende. Da soll es warm und sonnig sein.“
Mari bekam große Augen. „So bald schon! Na Gott sei Dank, dann ist die Aufregung nicht allzu lange vorher! Ja, am kommenden Wochenende habe ich nichts weiter vor – das geht. Das war ja eine Überraschung heute!“
„Ich freue mich sehr, dass du ja gesagt hast. Das Spiel ist vorbei.“

Erleichtert atmete Mari auf. „Das war genug Aufregung für diesen Nachmittag“, sagte sie zu Joel. „Es ist so schön, dass du dir da so etwas besonderes ausgedacht hast, vielen Dank. Ich bin jetzt gar nicht dazu gekommen, mich beim Meister auch zu bedanken, aber du kannst ihm das sicherlich ausrichten“, sagte sie augenzwinkernd.“
„Ja, na klar, „nickte er gut gelaunt. Der Meister und ich dachten, das wäre eine schöne Idee, und freuen uns sehr, dass du zugesagt hast.“
„Aber mal ehrlich… Das ist schon eine irre Kombi aus beidem, und ich bin sehr froh, dass er mir dieses entlastende Notlösungs-Angebot mit dem Einzelzimmer gemacht hat, wobei ich hoffe sehr, es wird nicht nötig sein. Aber zu wissen, dass es eine Hintertür gibt, das tut unendlich gut.“
„Ja“, bestätigte Joel. „Es sollte immer die Möglichkeit geben, dass du stopp sagst, auch wenn wir hoffen, dass es nicht passiert.“
„Das ist das, was ich an unserem Miteinander so schätze, und was es mir erst möglich macht… mich einzulassen… Danke! Du kennst mich halt schon sehr gut…“
„Nun lass uns auf die aufregenden und sicher auch sehr schönen Tage freuen.“
„Ich freue mich ganz besonders auf die Zeiten zwischen den Herausforderungen“, lachte Mari, „aber gespannt wie ein Flitzebogen bin ich auf alles, was kommt. Wie wäre es jetzt mit einer Umarmung?“
„Na aber sehr gerne“, sagte er und nimmt sie ganz tief in seine Arme.
Ihr Herz klopft immer noch heftig, und jetzt so wohltuend festgehalten zu werden, das tat Maris aufgewühltem Gemüt sehr gut.
„Und zur Not kann ich das ganz oft haben?“
„Ja sicher“, lächelte Joel. „der Vorrat an Umarmungen ist unbegrenzt!“
Da musste Mari lachen. „Dann wird das schon alles gut gehen! Ich danke dir und freue mich riesig!“

Dies Kapitel wurde gestaltet von Raffael und Miriam

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88. Das Leben schmeckt oft ganz unterschiedlich

Bei Joel – Erfahrungen für die Sinne

Mari klingelte, und Joel öffnete wie so oft lächelnd die Tür. Die vertrauten Worte „Schön, dass du da bist, Mari!“ und ein freundliches Lächeln empfingen sie. Und gleich nachdem er die Wohnungstür hinter ihr geschlossen hatte, breitete er seine Arme aus zu einer Geste des Willkommens.

Mari liebte es, von ihm umarmt zu werden, und er wusste das. Ganz fest hielt er sie in seinen langen Armen. Unwillkürlich wurde ihr Atem tiefer, die Atemzüge länger und ruhiger… ihr Körper weicher… Sie spürte seine  starken Arme, die sie hielten, sich in angenehmer Weise um sie legten und ihr mit sanftem Druck Halt gaben. Die Aufregung ließ etwas nach, aber nicht völlig – schließlich geschah mit Joel als Meister immer irgendetwas Herausforderndes, Spannendes, Aufregendes. Und das war gut so – das war es ja, was sie so anzog an der besonderen Art ihres  Miteinanders, dass es sich einerseits spannend und lebendig, andererseits auch geborgen und behütet anfühlte – eine ganz besondere Mischung…
Genau in dem Moment, in dem sie den Impuls spürte, sich langsam aus der diesmal so ausgiebigen Begrüßungsumarmung zu lösen, gab er ihr einen zarten Kuss auf ihr Haar, schaute ihr in die Augen und sagte: „Es ist schön, dass du da bist, Mari.“

Er legte ihr einen Arm um die Schulter und führte sie ins Wohnzimmer. 
Die Couch war ausgezogen und davor stand ein gedeckter Tisch.
„Wow! Schokoladentorte!!! Das sieht ja lecker aus!“ Überrascht von diesem nicht alltäglichen Anblick schaute Mari Joel an, und sein Schmunzeln vertiefte sich zu einem breiten Grinsen. 
„Hmm, du weißt ja, ich bin immer mal für eine Überraschung gut… aber bevor du dich setzt: Das Spiel beginnt!“ Mit diesen Worten zog er ein Tuch hervor und verband ihr die Augen. „Du überlässt dich jetzt in allem einfach nur meiner Führung, okay?“
„Okay“, sagte sie leise. 

Er trat hinter sie und legte mit sanftem Druck die Hände auf ihre Schultern, schob sie vorwärts, drehte sie etwas und sie spürte die Couch hinter sich. Der Druck auf ihre Schultern verstärkte sich, und sie sank etwas unkontrolliert nach unten, aber bevor sie ganz das Gleichgewicht verlor, waren seine Hände unter ihren Armen und dirigierten sie so, dass sie in eine sitzende Position kam. Sie saß vorn auf der Couch, und er setzte sich neben sie, legte ihr einen Arm um die Schulter, zog sie seitlich an sich.

Nun saß sie gespannt neben ihm auf dem Sofa. Auf ihre Frage, was sie trinken möchte, antwortete sie: „Am liebsten schwarzen Tee mit Honig und Zitrone.“
Überrascht hörte sie das Plätschern des Tees, denn sie hatte nicht damit gerechnet, dass Tee schon fertig sein würde…

„Ich war mir ziemlich sicher, dass du zu Schokotorte gern Tee mit Honig und Zitrone trinkst“, antwortete er. Dann hörte sie den Löffel in der Tasse klimpern und war gespannt darauf, die Mischung zu kosten. Sanft und achtsam hielt er ihr die Tasse an die Lippen. „Perfekt! Danke! Die Menge an Zitronensaft und Honig ist genau richtig!“
Sie hielt ihm die Tasse wieder hin und er nahm sie ihr ab. „Und nun, meine Liebe, darfst du einfach nur genießen…“
Einen Moment später fühlte sie Schokoladencreme an ihrer Lippe, sie öffnete den Mund und fand erlesene Schokotorte zwischen ihren Gaumen. „Hmm…“ Sie kostete diesen Genuss aus, öffnete wieder den Mund und spürte eine runde feste Kugel zwischen den Lippen, gerade wollte sie ihre Hand zu Hilfe nehmen und die Kugel erstmal vom Mund nehmen, als Joel nach ihrer Hand griff und sie in der Bewegung zum Mund hin stoppte.
„Nein, Mari. Die Hände bleiben unten. Du ahnst es schon richtig, das was ich dir jetzt gerade an die Lippen halte , hat mit süßer Torte nichts zu tun, jetzt kommen ganz verschiedene Probierhäppchen. Vertraust du mir so weit, dass ich dir kein Leberwurstschnittchen in den Mund stecke?“

Mari nickte lächelnd. „Gut, dass du dich erinnerst, dass ich Leberwurst absolut nicht leiden kann! Und… ja, ich vertraue dir auch dahin gehend.“

Abwechselnd bekam sie Süßes, Saures, Salziges, Weiches, Knuspriges, Flüssiges, Festes, Saftiges und Trockenes zu kosten. Es war seltsam, auf nichts vorbereitet zu sein, aber jedes einzelne Stückchen schmeckte ihr gut nach einem kurzen Moment, in dem sie es auf der Zuge wälzte.

„So ist es auch im Leben“, hörte sie Joel sagen, „die Vielfalt ist es, die es reich und lebendig macht. Und darüber nicht zu denken, sondern sie zu erfahren, die einzelnen Erlebnisse zu kosten, ohne sie vorher in Kategorien einzuordnen wie schwer, leicht, süß, bitter, hart, weich, macht sie zu etwas Besonderen und lässt sie anders erscheinen… gibt ihnen einen viel höheren Wert an Intensität, als alles Nachdenken darüber es je tun könnte.“

Als Mari ein Sättigungsgefühl spürte, beendete Joel diese besondere kulinarische Erfahrung.
„Und jetzt, meine Liebe, dreh dich auf der Sitzfläche der Couch um eine Viertel Drehung und lass dich …

Wie es an diesem Abend weiter geht, erscheint im nächsten Beitrag…

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85. Mari äußert eine Bitte

Eine Mail an Joel

Lieber Joel, 
da für mich manches leichter ist, schriftlich auszudrücken, möchte ich dich auf diesem Weg etwas fragen:

Unser Kennenlernen stand ja unter dem Stern des gegenseitigen Austausches, in dem ich die Funktion der Englischlehrerin für dich verkörpere und du für mich die Rolle des Meisters in den Spielen zum Thema Macht und Vertrauen.

Ich spüre, dass der „Meister“, den du für mich verkörperst, in unseren Spielen durch seine Machtrolle für mich stets mit mehr Distanz verbunden ist, als ich sie fühle, wenn wir uns davor  und danach als Joel und Mari begegnen, also so wie wir sind – ohne die vereinbarten Rollen als „Meister“ und „Schülerin“.

Einfach_mal_so

Manchmal frage ich mich, wie es wäre, mit dir ab und zu auch mal jenseits der Spiele zusammen zu sein und vielleicht auch manches zu erleben, was ich mit dir als „Meister“ bereits erlebt habe, (wie zum Beispiel das Zusammen-auf-der-Couch-liegen bei dem schönen Filmabend) oder vielleicht auch noch erleben werde… einfach mit dir als Joel, ganz ohne Regeln, ohne das leicht beängstigende Gefüge, das diese Machtrolle mit sich bringt, die du – und das möchte ich an dieser Stelle mal sagen – wirklich brillant verkörperst.

Also versteh mich richtig: Ich würde gern auch weiterhin dem Meister begegnen, der mir in seiner Machtposition viele Dinge verdeutlicht, die mir bisher nicht oder nur halb bewusst waren, und mich durch seine ganz besondere Art der Autorität an und manchmal auch über Grenzen und in Räume führt, die ich sonst nicht betreten hätte.
Aber zwischendurch würde ich mich gern auch mal mit dir ganz persönlich treffen mit der Frage, die mich bewegt, ob ich mit dir als ganzem Joe vielleicht mehr Nähe empfinden und zulassen könntel als innerhalb der Spiele.
Vielleicht mal so und mal so – wäre meine Idee…

Ich hoffe, diese Frage ist okay für dich? Sag mir  bitte ganz offen, was du dazu denkst – deine Antwort darauf, ob ja oder nein, wie du es auch immer siehst, respektiere ich selbstverständlich in jedem Falle, und ich hoffe, dass ich dir mit dieser Idee nicht zu nahe getreten bin, keine Grenze überschreite oder irgendwie befremdlich auf dich wirke. Ich habe ein Weilchen überlegt, ob ich die Mail so abschicke, fällt mir nicht so leicht, aber jetzt klicke ich auf 

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82. Was könnte dir helfen?

Bei Joel – Verständnis, Annahme, Drucklosigkeit und ganz kleine Schritte

Mari saß Joel gegenüber in einem vorne durchgeknöpften Kleid, unter dem sie entsprechend seiner Vorgabe nichts darunter trug. Wieder einmal verkörperte er die Funktion des Meisters in einem Rollenspiel, in dem es um das Thema „Scham und Peinlichkeit“ ging.
„Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie peinlich mir das alles gerade ist!“ sagte sie leise.
„Wie genau fühlt sich die Peinlichkeit an?“
„Bedrückend, als ein heißes Gefühl im Kopf und Flattern in der Brust, in der Herzgegend.“
„Was löst diese Peinlichkeit denn aus?“
„Dass es wahrscheinlich darum gehen wird, das Kleid zu öffnen und da ich nichts drunter habe, wär mir das echt peinlich. Ich weiß ja nicht genau, was du vorhast, aber dass es um das Thema „Peinlichkeit“ gehen soll, hattest du mir ja schon geschrieben.“
„Schau, Mari, alle Impulse, die ich gebe, sind Angebote für neue Schritte, manchmal gedankliche und manchmal reale Schritte. Aber nur du kannst entscheiden, ob es jeweils ein passender Schritt ist für dich. Ich werde dich niemals zu etwas zwingen, das weißt du.“
„In Ordnung, um welchen Schritt soll es also heute gehen?“
„Nun, wir wollen herausfinden, wo die Grenze deiner Peinlichkeit liegt, und wie wir mit ihr liebevoll umgehen können, dass sie sich eventuell sogar etwas verschieben lässt. Bist du jetzt dazu bereit?“
Mari nickte angespannt. „Ja, ich versuche es.“
„Prima! Was würdest du dazu sagen, den obersten Knopf zu öffnen?“
„Okay, kann ich machen.“
„Und? Wie ist es?“
„Das fühlt sich okay an.“
„Wie wäre der unterste Knopf?“
Überrascht schaute sie nach unten, sie hätte jetzt den zweiten Knopf von oben erwartet. „Ja, der unterste Knopf geht auch.“
„Das sind schon zwei. Wie geht es dir damit?“
„Das ist auch noch okay,  nicht peinlich.“
„Okay, wie viele Knöpfe oben könntest du öffnen, bevor es peinlich wird?“
Mari überlegte… „Noch zwei.“
„Bitte öffne diese beiden.“
Mari öffnete nun den zweiten und dritten Knopf von oben.
Joel schaute sie fragend an: „Und? Alles okay?“
Mari nickte. „Ja, es geht.“
„Geht? Hört sich etwas eingeschränkt an?“
„Na, wenn der nächste käme, würde es schwierig werden, aber bis hierher ist alles in Ordnung.“ erklärte Mari.
Er nickte. „Wie viele Knöpfe von unten könntest du öffnen?
Noch drei
Und Marie öffnete die nächsten drei Köpfe von unten.
„Und wie ist es?“
„Fühlt sich noch okay an.“
„Prima! Schau mal, was du schon geschafft hast! Kannst du dir vorstellen noch einen Knopf zu öffnen? Egal wo?“
Jetzt fing es an schwierig zu werden, aber ein unterer Knopf wäre noch möglich, ohne dass das Kleid allzu weit auseinander fiel , entschied sich Mari, und öffnete diesen Knopf.
„Du wirst mutiger.“ Wie geht es dir damit?“
Mari musste wider Erwarten lächeln. Die drei Worte du wirst mutiger fühlten sich gut an.
Sie antwortete: „Da ist einerseits eine stärkere Annäherung an die Peinlichkeitsgrenze, aber andererseits die Freude, ein bisschen Mut schon gehabt zu haben.“
„Ja, das hattest du, Mari“, bestärkte er sie. „Und… was meinst du? Geht noch ein Knopf? Oder wird es jetzt zu schwierig?“
Mari zögerte und überlegte… Einen unteren Knopf könnte sie noch öffnen, ohne dass das Kleid gleich auseinander fiel. Und sie tat es.
„Sehr mutig“, meinte er daraufhin, „wie geht es dir damit, noch einen Schritt weiter gegangen zu sein?“
„Die Fragestellung allein schon lässt ein bisschen Freude aufkommen, dass ich mich noch einen Schritt getraut habe.“
„Und? Geht noch einer?“
„Wenn ich jetzt noch einen öffnen würde, würde ich mich sehr unbehaglich fühlen.“
„Was könnte dir helfen, noch einen zu öffnen?“
„Vielleicht, dass du nicht hinschaust?“ fragend schaute Mari Joel an.
Er lächelte. „Reicht es, die Augen zu schließen?“
„Ja.“
„Okay, mach ich!“ Er nickte und schloss deutlich sichtbar die Augen.“
Und Mari öffnete noch einen Knopf von oben und einen anderen von unten. „Jetzt habe ich sogar noch zwei Knöpfe geöffnet!“ erzählte sie ihm.
Das war aber sehr mutig! Wie geht es dir damit?“ fragte  er mit geschlossenen Augen
Einerseits freue ich mich über meinen Entschluss, andererseits sieht es ziemlich komisch aus, wenn ich an mir herab schaue, und es gibt schon ein peinliches Gefühl! Dass du das nicht sehen kannst, ist natürlich wiederum sehr entlastend, aber auch nicht sicher, denn ich weiß ja nicht, wann du die Augen wieder öffnen wirst.“
„Doch, das weißt du sehr genau.“
„Du meinst damit, dass ich sicher sein kann, dass du sie so lange geschlossen hast, bis ich die letzten beiden Knöpfe wieder geschlossen habe?“ fragte Mari.
„So lange du es möchtest, dass ich sie geschlossen halte! Du könntest gefahrlos alle öffnen. Ich würde es weder wissen noch sehen.“
„Ja, und dieses Vertrauen habe ich inzwischen auch, dass ich mich darauf verlassen kann, wenn du das sagst.“
„Na, das ist doch ein toller Fortschritt!“
BLAUE_KNOEPFEEntschlossen öffnete Mari nun fast alle Knöpfe bis auf einen in dem Bewusstsein, das Joel es ja nicht sehen konnte. Dieser saß ihr direkt gegenüber und hatte weiterhin die Augen fest und deutlich geschlossen.
Nun sagte sie ihm:  „Ich verrate dir jetzt, dass ich bis auf einen Knopf inzwischen alle geöffnet habe.“
„Oh, das ist beides sehr mutig: Es zu tun und es mir zu sagen!“
Mari freute sich über die Anerkennung, und schließlich fragte Joel weiter:
„Und wie steht es mit dem letzten Knopf?“
„Na der hält alles zusammen“, überlegte Mari laut.
„Vielleicht nur kurz?“ bot er ihr an, „bevor du alles wieder zuknöpfst?“
Und Mari nickte: „Okay, mach ich!“ Sie öffnete nun auch den letzten Knopf und sprach es aus: „So, nun ist auch der letzte Knopf geöffnet.“
Joel nickte: „Ich bin beeindruckt!“
„Ich auch“, brachte Mari heraus und wurde etwas rot dabei, aber Gott sei Dank konnte er das ja nicht sehen…
„Du hast dich quasi vor meinen Augen ausgezogen. Klasse!“
Darauf gab sie zu bedenken: „Nein, du hattest ja deine Augen geschlossen. Und hast sie immer noch zu.“
„Ja, aber dennoch bin ich ja genau vor dir. Jetzt magst du sicher die Knöpfe wieder schließen.“
„Hmm, ja stimmt.“
„Tu das, ganz in Ruhe. Ich halte die Augen so lange geschlossen bis du mir sagst, dass ich sie wieder öffnen kann.“
Als nur noch der oberste Knopf offen war, sagte sie: „So, nun kannst du deine Augen wieder öffnen.“
Er wartet einen kleinen Moment, dann öffnete er die Augen.
„So, das Spiel ist vorbei. Ich danke dir für dein Vertrauen und deinen Mut, Mari.“
Mari sah ihn direkt an.
„Der war am Ende nur möglich, weil du mich gefragt hast, was mir helfen könnte, und bereit warst, mir diese Hilfe zu geben, deine Augen bei den letzten Knöpfen zu schließen.“
„Und du hast sie angenommen – und hast dich getraut! Wir haben es beide zusammen möglich gemacht!“
„Das hätte ich nie gedacht, dass ich heute mein Kleid ganz aufknöpfe!“
„Schön, dass es geklappt hat! Und das, wo dir allein die Möglichkeit vorher so zu schaffen gemacht hatte. Manchmal ist in der Situation selbst einiges möglich, was sich der Kopf vorher nie hätte vorstellen können. Komm, lass dich umarmen!“
Mari schaute kurz prüfend an sich hinunter, ob ihr Kleid jetzt richtig saß, stand auf, und er schloss sie fest in seine ausgebreiteten Arme. Mari genoss diese Umarmung. Für einen Bruchteil eines Momentes kam ihr der Gedanke in den Kopf, wie es sich wohl anfühlen würde, wenn sie dabei Hautkontakt hätten, aber dieser Gedanke wurde ganz schnell wieder in den Hintergrund verbannt…

Geschrieben von Rafael und Miriam

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78. Ein Ostergeschenk

Bei Joel – die Herausforderung findet einen wohltuenden Ausklang

Joel hatte Mari mit zwei Osterkörbchen voller bunter Eier überrascht. In einem Körbchen gab es Eier, die mit einer Herausforderung verbunden waren, und im anderen waren Eier, die je ein Geschenk für sie beinhalteten.

Nachdem Mari mit Angst, aber auch langsam wachsendem Vertrauen durch eine herausfordernde, aber von Joel gut unterstützte Übung, in der ihr die Hände hinter dem Stuhl gefesselt worden sind, gegangen war, meinte er zu ihr: „So, wir haben noch eine zweite Runde!“
„Ach so??? Noch mal???“ fragte sie erstaunt. Dabei war sie doch gerade so erleichtert, dass sie ihre Fessel-Erfahrung, die diesmal deutlich fester war, als beim Mal davor, überstanden hatte.

Joel erinnerte sie lächelnd:
„Na… es gibt doch noch ein zweites Ei!“
„Ach ja! Mari fasste sich an den Kopf, und ihr Blick fiel auf das gelbe Osterei, das noch unausgewickelt auf dem Tisch lag. 
 „Aufmachen und vorlesen“, sagte er Augen zwinkernd.
Neugierig wickelt sie das gelbe Papier ab, strich es glatt und las vor: „Du darfst dir von mir etwas wünschen.“
Er strahlte sie an: „Ein Hauptgewinn!“

Fragend schaute sie ihn an. „Was für eine Art Wunsch darf ich denn äußern? „
„Ich würde sagen, bis auf Geld so ziemlich alles“, sagt er grinsend.
„Na das ist ja wirklich wie das große Los! “ bestätigt sie lächelnd
Er lachte. „Und? Was darf es sein?“
„Ich wünsche mir… Ich wünsche mir… eine Kopf-, Nacken-, und Schultermassage von dir.“
„Da hast du aber gleich richtig zugegriffen“, meinte er schmunzelnd. „Dann setz dich bitte auf den Stuhl…- oder….“
Joel überlegte… „Was würdest du davon halten, wenn ich dir die Massage am Ostersonntag gebe?“

Mari nickte. „Das ist eine gute Idee! Dann wartet auf mich zu Ostern etwas, worauf ich mich einfach nur freuen kann.“

„Genau!“ bestätigte Joel. „Heute haben wir ja schon einiges erlebt, und am Sonntag ist mehr Ruhe – auch innere Ruhe in dir. Damit ist das Spiel für heute beendet. Lass uns jetzt einfach noch ein bisschen gemütlich auf der Couch sitzen und Musik hören…“ So fand diese heftige Herausforderung einen ruhigen und harmonischen Ausklang.

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Am Sonntag setzte sich Mari dann nach einem gemütlichen gemeinsamen Osterkaffee auf jenen Stuhl, auf dem sie zwei Tage vorher zu Karfreitag so schwierige Gefühle gehabt und bewältigt hatte.

„Gibt es heute einfach nur eine Massage von dir?“ wollte sie vorher wissen, „ohne… äh…“

Joel lächelte: „Ja, ohne…! Ohne irgendetwas, was sich für dich schwierig anfühlen könnte! Keinerlei Herausforderungen! Heute feiern wir Ostern und wollen es uns einfach nur gut gehen lassen. Das Spiel beginnt.“
Mit diesen Worten krempelte er sich seine Ärmel hoch und legte seine Hände sanft auf ihre Schultern.

„Ach ist das schön, deine Hände auf meinen Schultern zu spüren, und diesmal nicht dabei gefesselt zu sein“, freute sie sich.

Mit sanftem Druck begann er, ihr die Schultern zu massieren. Mari schloss die Augen und nahm diese angenehmen Berührungen dankbar war. Seine Hände kneteten und massierten wohltuend den hinteren Teil der Schulter. Dabei wanderten sie leicht hin und her.

Mari dachte dabei: Welch Geschenk! Ist das toll, dass jetzt etwas geschieht, das einfach nur schön ist, ohne mit irgendeiner Angst oder Herausforderung verbunden zu sein.

Seine Daumen massierten den Nackenansatz. Dort tat es ihr besonders gut. Sie spürte wie ihre Nackenmuskulatur langsam weicher wurde.
Er nahm wahr, wie sie reagierte und erhöhte ganz leicht den Druck so weit wie es noch angenehm war. Seine Finger massierten nun den Nacken. Dabei gab sie leise , wohlige Laute von sich. Oh, war das schön!
Die Finger strichen den Nacken auf und ab, und dadurch dass sie ihre Herausforderung ja schon seit Freitag hinter sich hatte, konnte sie diese Massage gerade ganz besonders genießen.

Nun ließ er seine Fingerspitzen über ihren Kopf gleiten und massierte sanft die Kopfhaut
Hmm, ist das schön… Der Kopf entspannte sich fühlbar unter den mit sanftem Druck langsam kreisenden Bewegungen seiner Finger, die auf diese Weise langsam über den ganzen Kopf wanderten.

Das fühlte sich an, als würde die Kopfhaut sich weiten und der ganze Druck, der sich vorhin angestaut hatte, durch alle Poren langsam und stetig nach außen fließen und in ihrem Kopf entstand eine wunderbare Leere. Ganz langsam reduzierte er den Druck, glitt immer langsamer durch die Haare, und schließlich löste er allmählich seine Finger von ihrer Kopfhaut, so sacht, dass sie noch ein Weilchen das Wohlgefühl seiner Massage spüren konnte.
Dann nahm er seine Hand ganz weg.

„Und? Wie war es?“ fragte er lächelnd.
„Das war wunder-, wunderschön, Joel, „ich danke dir! Und dadurch dass die Herausforderung schon vorbei war, konnte ich es besonders gut annehmen und genießen. „

„Weißt du, das waren in diesem Jahr ganz besondere Ostertage. Der Meister hat mich echt durch Berg und Tal geschickt zu Karfreitag und Ostersonntag.

„Ja, das waren zwei sehr unterschiedliche Überraschungen“, bestätigte Joel.

„Es wäre interessant, was in den anderen Überraschungen gewesen wäre. Darf ich die Zettel nun abwickeln?“ fragte Mari interessiert

„Nein!“ sagte er streng, aber lachend.
Sie grinste: „Ehrlich gesagt, das dachte ich mir auch schon!“

Dann wurde sie still und schaute nachdenklich auf die Osterkörbchen. „Diese beiden Erfahrungen passen irgendwie auch zu Ostern, überlegte sie… Das Fesseln, die Angst und die Bewegungslosigkeit zu Karfreitag – und die wunderschöne Massage war ein richtiges Ostergeschenk.“

Er lächelte: „Siehst du, am Ende wird immer alles gut. Frohe Ostern, Mari!“
Sie stand von ihrem Stuhl auf und umarmte ihn: „Frohe Ostern, Joel!“

Geschrieben von Raffael und Miriam

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Liebe lesende Gäste,
FROHE , MAGISCHE OSTERN mit wachsendem Mut und Vertrauen für alles Neue, was sich lebendig und gut anfühlt, wünschen euch von Herzen
Mari, Joel, Raffael und Miriam

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77. Manchmal geht es einfach darum, nichts zu tun

Bei Joel – mit aller Angst durch die Erfahrung hindurch gehen

Joel hatte Mari mit zwei Osterkörbchen voller bunter Eier überrascht. In einem Körbchen gab es Eier, die mit einer Herausforderung verbunden waren, und im anderen waren Eier, die ein Geschenk für sie beinhalteten. Mari hatte sich zuerst das Ei mit der Herausforderung ausgesucht. Diese bestand darin, ihre Kontrolle dadurch einschränken zu lassen, dass Joel, der innerhalb des heutigen Spiels wieder einmal die Meisterrolle für sie einnahm, ihr auf einem Stuhl die Hände hinter der Rückenlehne fesselte.

Als er das Seil um beide Gelenke band und es dann deutlich fester zog, rief sie: „Joel, ich habe Angst! Das fühlt sich anders an als letztes Mal!!!“

Geduldig abwartend hielt Joel sanft ihre Hände, drückte sie leicht und fragte sanft: „Geht es noch?“

Mari zögerte einen Moment. „Ich möchte es gern schaffen“, sagte sie schließlich mit zittriger Stimme.“
„Gut, Mari! Tief atmen,“ erinnerte er sie daraufhin mit ruhiger Stimme.

„Machst du es wieder so, dass ich mich zur Not selbst heraus lösen könnte?“ wollte sie wissen.
Er lenkte ihre Aufmerksamkeit wieder auf die Atmung: „Ein und ausatmen, Mari. Immer wieder ganz in Ruhe: ein und aus, ein und aus… Ja, gut so, und dehne die Ausatmung etwas aus, dass du länger aus als einatmest. Das entspannt.“

Okay, Mari versuchte langsamer zu atmen, in dem Rhythmus, den er ihr mit seinen Worten vorgab: ein und aus – ein und aus…
Er zog noch etwas fester an dem Seil und machte einen Knoten.  
Obwohl sie sich immer noch darauf konzentrierte, langsam und bewusst zu atmen, verstärkte das ihre Angst.
„Ich werde darauf achten, dass dir nichts passiert“, sagte Joel.
Sowohl seine Worte, als auch seine besänftigende Stimme taten ihr gut, und sie spürte, wie der Druck in ihrem Kopf und das Zittern daraufhin ein wenig nachließ.

Schließlich trat er einen Schritt zurück. „So, die Fesselung ist fertig.“

Mari versuchte, ihre Hände auseinander zu ziehen und stellte entsetzt fest, dass es diesmal nicht funktionierte. Wie ein heißer Strom schoss eine weitere Angstwelle durch sie hindurch.
„Einfach nur sitzen bleiben“, sagte Joel sanft und stellt sich an ihre Seite dicht neben sie.
„Ich kann jetzt gar nichts machen“, rief Marie panisch, „das ist anders als beim letzten Mal! Ich könnte so nicht mal aufstehen vom Stuhl!“
Ruhig antwortete er: „Ja, stimmt. So ist es in diesem Moment. Ich sagte doch:
Bleib einfach still sitzen. Du sollst nichts machen, und ich werde nichts machen. Es geht jetzt nur darum, den Moment auszuhalten.“

Ihr Körper fühlte sich heiß und kalt gleichzeitig an. Sie hielt die Luft an und versuchte zu tun, was er sagte, einfach nur still sitzen… In Gedanken sagte sie sich den Satz noch einmal: Einfach nur still sitzen… Nichts machen…. und er wird nichts machen…
Er stand ganz still und ruhig direkt neben ihr. Sie drehte den Kopf zur Seite, sah ihn an und fragte mit wackeliger Stimme: „Würdest du bitte eine Hand auf meine Schulter legen?“
Er nickte lächelnd und legte seine warme Hand ganz behutsam auf ihre angespannte Schulter.

Diese Berührung war für sie wie ein Halt in der Heftigkeit ihrer Angst-Gefühle. Sie konzentriert sich auf ihre Schulter und spürte, wie ein warmer Strom von dort aus durch ihren Körper floss. Dabei atmete er deutlich hörbar dicht neben ihr, um ihr einen sanften Rhythmus vorzugeben – in der Absicht, auf diese Weise, ihren Atem zu synchronisieren und ihn dadurch allmählich zu beruhigen. Diese ruhigen Atemzüge, die er so hörbar machte, dass sie ihnen leicht folgen konnte, helfen ihr, sich langsam etwas zu entspannen. Er atmete sehr deutlich, und sie setzt ihre ganze Willenskraft und Konzentration ein , um sich mit ihrer Atmung anzupassen. Nur ab und zu zuckte in ihrem Körper eine Angstwelle durch, die sie wieder aus dem Rhythmus brachte.

„Das machst du sehr gut Mari“, sagte er sanft.
Seine Worte ließen sie unwillkürlich einen besonders tiefen Atemzug nehmen, der ihre Anspannung milderte und ihr half, den angestauten Druck mit dem Ausatmen aus sich heraus fließen zu lassen.

Nach einem kleinen Weilchen trat er wieder hinter sie und sagte: „Gut, Mari, gleich hast du es geschafft. Ich werde dich jetzt losbinden, aber vorher versuch noch einmal die Hände voneinander zu lösen und spüre, dass du diesmal wirklich gefesselt bist und dich nicht selbst befreien kannst.“

In dem Moment, in dem er seine Hand wieder von ihrer Schulter nahm, sich von ihr einen Schritt entfernte und sie erfolglos versucht ihre Hände aus den Seilen zu befreien, fühlte es sich noch mal wieder ziemlich schlimm in ihr an. „Es geht wirklich nicht!“ brachte sie hervor.

„Ja das stimmt“, bestätigte er, „und jetzt bitte still halten. Ich werde jetzt den Knoten öffnen.“
So bewegungslos wie möglich hielt sie ihre Hände und wartete auf den Moment, in dem sie sie wieder bewegen konnte. Es dauerte etwas. Dieser Knoten war nicht ganz leicht zu lösen. Sie versuchte, sich weiterhin mit Ein- und Ausatmen in der Situation ruhig zu halten. Schließlich konnte er das Seil ganz sanft wegziehen. Sofort nahm sie die Hände vor sich auf den Schoß und bewegte sie etwas. „Puh, bin ich froh, dass das jetzt vorbei ist!“

Er ging um sie herum, stand schließlich vor ihr, breitete seine Arme aus, um sie zu einer Umarmung einzuladen. Nur allzu gern nahm sie dieses Angebot an. Fest nahm er sie in die Arme. Oh, tat das gut!
Das Gehalten-werden und die Wärme, die von ihm ausging, war ein solcher Gegensatz zu den Gefühlen, die sie davor hatte, dass ihr die Tränen kamen. „Diese Erleichterung jetzt zu spüren, ist so wunderbar! Das ist ein fantastisches Gefühl!“, brachte sie hervor.

„Ja, jetzt ist alles gut“, lächelte er, „dir ist nichts passiert! Und um dieses intensiver Erleichterungsgefühl zu spüren, lohnt sich doch das Aushalten der Herausforderung davor, oder?“

 „Stimmt, mir ist wirklich nichts passiert! Und die Angst dabei hat sich sehr heftig angefühlt, aber jetzt hinterher… das ist ein richtiges Glücksgefühl!“ bestätigte sie. 

Dann sagte sie nachdenklich: „Dabei weiß ich doch inzwischen, dass ich vor dir keine Angst haben muss, aber trotzdem war in diesem Moment das Gefühl der Angst ganz schlimm, als ich merkte, dass ich die Hände nicht auseinander bekam.“

„Die Angst ist eben ein altes Gefühl, das in den Körperzellen gespeichert ist. Und dieses Mal warst du wirklich gefesselt! Das hätten wir so bisher nicht machen können, und du hast es geschafft, es gut auszuhalten.“

„Ja, das stimmt, diesmal war es wirklich fest. Und du hast es mir vorher nicht gesagt!“

Er nickte. „Du sollst mir ja vertrauen, egal was ich mache.“

„Das versuche ich auch immer – so gut es geht…“ antwortete sie leise.
„Ja, das merke ich, Mari.“ bestätigte er. „Und du hast die Situation gut bewältigt.“
„Naja, ich habe schon ziemlich Angst gehabt, aber ich wollte gerne schaffen, mit all der Angst, durch die Situation hindurch zu gehen.“
„Und das ist dir gut gelungen! Du warst sehr mutig und tapfer Mari“, lobte er sie.

„Danke schön, lieber Meister, das freut mich, dass du das so siehst!“ freute sie sich und löste sich langsam aus seinen Armen.

„So, wir haben noch eine zweite Runde!“ sagte er daraufhin.

„Ach so??? Noch mal ???“ fragte sie erstaunt.  Dabei war sie doch gerade so erleichtert, dass sie die Fessel-Erfahrung, die diesmal deutlich fester war, als beim Mal davor, überstanden hatte…

Und wie es in der nächsten Runde weitergeht, gibt es am Ostersonntag zu lesen

geschrieben von Raffael und Miriam

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73. Notwendig? Hilfreich? Der Situation angemessen?

Bei Joel – Fragen zum Einordnen alter Gefühle

Zu Beginn des heutigen Spiels hatte Joel zu Mari gesagt:
„Gefühle von Angst, Scham und Peinlichkeit fühlst du ja oft. Deshalb denke ich, dass es sinnvoll ist, wenn wir uns mit ihnen in der nächsten Zeit ganz bewusst beschäftigen.
Es geht darum jedes Gefühl wahrzunehmen und eine Entscheidung darüber zu treffen, welche Bedeutung du ihm heute geben willst und bewusst mit ihm durch die Situation gehen.“

Joel brachte einen Stuhl und wies sie an: „Setz dich. Du wirst jetzt gleich nichts mehr sehen können. Das kennst du ja bereits, hatten wir ja schon mehrmals gemacht.“
Sorgsam darauf achtend, dass er ihr die Haare nicht in den Knoten des Tuches einklemmte, band er ihr ein Tuch um die Augen. „Wie fühlst du dich?“
„Etwas beklommen, unsicher.“ antwortete sie.
„Fühlt sich das schlimm an?“
„Nein, nicht wirklich schlimm.“
„Was macht das Schamgefühl wegen der aufgeknöpften Bluse?“
„Ist noch da“
„Stärker oder weniger stark?“
„Stärker“
„Du merkst, mit verbundenen Augen fühlt man intensiver.
Er trat hinter sie. Maris Unbehagen verstärkte sich in diesem Moment.
Dann legt er mit einem angenehmen Druck seine warmen Hände auf ihre Oberarme. „Das tut gut.“ sagte sie leise.
„Ja, ich weiß, mit dem Berühren und Halten deiner Arme vermittele ich dir Geborgenheit und Schutz. Dadurch wird das andere weniger heftig, stimmt´s?“ Sie nickte und fühlte sich verstanden.

Als sie sich etwas entspannt hatte, trat er wieder vor sie, nahm das Tuch ab und erklärte ihr: „Keine Angst, ich binde dir jetzt die Hände zusammen, aber so locker, dass du es jederzeit lösen kannst. Halte sie mal zusammen vor deinen Körper. Auf Maris Schoß wickelte er nun ein Tuch um die Hände, so dass sie es gut sehen konnte. Und noch bevor sie in Angst geraten konnte, sagte er: „So, und nun probiere es selbst aus, ob du sie leicht auseinander bekommst, wenn du es willst.“ Und sie machte die Erfahrung, dass die Hände sich leicht aus dem Tuch heraus lösen ließen.
„Es geht nur um ein spielerisches Herantasten an das Gefühl, was dadurch ausgelöst wird. Wie fühlst du dich?“
„Etwas unbehaglich, nicht wirklich Angst, aber so ein bisschen in die Richtung.“
„Erträglich?“
„Ja.“
„Keine Angst, jetzt kommen die Füße ans Stuhlbein. Auch mit einer Bindung, die du sofort lösen könntest.“ Ganz ruhig, als wäre es die selbstverständlichste Sache der Welt, band er nun auch ihre Fußgelenke an die Stuhlbeine.
„Wie fühlst du dich? Hände und Beine sind bewegungsunfähig, aber du bist nicht hilflos, denn du könntest sie lösen.“
„Ich spüre das sehr deutlich, und ein etwas stärkeres Angstgefühl entsteht.“
„Okay, Mari, dein Körper nimmt wahr, dass da was ist, was sonst nicht so ist. Aber du weißt, du könntest dich sofort aus der Situation befreien. Du fühlst zwar die momentane Bewegungsunfähigkeit der Arme und Beine, aber du bist nicht hilflos. Ist ja alles spielerisch. Ist also ein realer Grund für Angst da?“
„Nein.“
„Wie geht´s dir jetzt, wo du dir das bewusst gemacht hast?“
„Besser.“

„Jetzt das Ganze mit verbundenen Augen. Du weißt, du könntest dich jederzeit lösen.“
Er trat hinter sie und band vorsichtig, dass es nicht ziepte, ein Tuch um ihre Augen.
„Wie ist es? Wie fühlst du dich?“
Mari begann leicht zu zittern. „Ich spüre das eben noch leichte Angstgefühl jetzt intensiver, spüre auch deutlicher die Bindungen.“
„Okay, alles ist in Ordnung, Das ist deshalb, weil du nichts siehst, da fühlst du intensiver. Du spürst sicher auch meine Hände jetzt deutlich.“ Mit einem wohltuenden Druck massierte er ihr die Schultern.
„Und jetzt? Wie fühlst du dich dabei?“
„Besser.“
„Du weißt und spürst an meinen Berührungen: Hier ist nichts wirklich gefährlich. Das sind alte Angstgefühle, die im Körper gespeichert sind. Es ist in Ordnung, dass sie da sind, aber du triffst die Entscheidung, Mari. Die Frage, die sich in solchen und ähnlichen Situationen immer wieder mal stellt, lautet:

Ist das, was du fühlst, also z.B. deine Angst oder deine Scham notwendig, um dich vor einer realen Gefahr zu schützen? Hilft es dir bei dem, was gerade ist? Und ist es angemessen, also passend zu deinen Wünschen, deiner Reife, deinem Wissen und deinen Entscheidungen in der aktuellen Situation?
Kurz: Ist dieses Gefühl, was gerade da ist, JETZT notwendig, hilfreich und angemessen?“

Mari schüttelte den Kopf und sagte leise: „Nein, eigentlich nicht, es gibt keine reale Gefahr und auch nichts wirklich Falsches.“
„Okay. Willst du dich nach dem Angstgefühl richten, oder willst du dieses Experiment, das wir beide hier machen, weiter machen?“
Sie zögerte einen Moment und entschied dann: „Ich will weiter machen.“
„Was macht das Schamgefühl?“
„Hab gerade nicht mehr so dran gedacht, eben waren die angenehmen Berührungen deiner Hände auf meinen Schultern im Vordergrund.“
„Und ich wette, dass die Füße angebunden sind, hast du auch schon vergessen.“
„Ja, stimmt“, sie lachte.
„So, nun machen wir mit den Händen noch was anderes: Ich löse die Bindung, und du nimmst sie mal hinter die Stuhllehne.“
Dort band er sie wieder mit dem Tuch zusammen.
„Wie fühlt sich das an?“
„Weitaus unangenehmer.“
„Ja, vor dem Körper könntest du noch irgendwas machen mit den Händen, sie vor dich nehmen, sie höher oder tiefer halten… So bist du noch mehr fixiert.“
„Und es verstärkt auch das Schamgefühl, weil ich vorher die Arme vorn vor meiner Brust hatte und sie jetzt so ungeschützt ist.“
„Nochmal die Frage:
Sind Angst- und Schamgefühle jetzt notwendig, hilfreich und der Situation angemessen?
„Nein, ich weiß, es ist hier keine reale Gefahr, und ich mache auch nichts falsch, wofür ich mich schämen müsste. Wir sind zu zweit, und ich hab mich zu diesem Weg mit dir bewusst entschieden. Da gibt´s eigentlich nichts, wofür ich mich schämen müsste, auch wenn es sich so anfühlt. Und hilfreich sind sie wahrlich nicht.“
„Es ist alles okay, sie sind da, und es ist wichtig, dass du sie wahrnimmst, aber du musst dich nicht nach ihnen richten. Das ist der wesentliche Faktor dabei.“

Nach diesen Worten löste er alle Tücher und sagte sanft: „Damit ist es dann auch genug für heute.“
„Wie geht es dir?“
Sie knöpfte ihre Bluse zu, dehnte und bewegte sich und spürte in ihre Arme und Beine hinein. „Eigentlich ganz okay“, meinte sie erstaunt. „Besser als ich anfangs vermutet hätte. Es tat mir gut, dass du mich darin unterstützt hast, meine Gefühle wahrzunehmen, mich zu fragen, ob sie hier und heute notwendig, helfend und angemessen sind. So konnte ich dann schließlich mit ihnen weiter machen, ohne sie abzulehnen und ohne mich von ihnen beeinflussen zu lassen.“
„Wie schön“, lächelte Joel, „wir sind auf einem guten Weg…“ Er reichte ihr die Hand, zog sie von ihrem Stuhl, nahm sie in die Arme und flüsterte ihr ins Ohr: „Das Spiel ist beendet.“

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72. Ist hier und heute etwas gefährlich?

Bei Joel – Den Gefühlen eine bewusst gewählte Bedeutung geben

Mari betrat Joels Wohnung und wie immer gab es bei der Begrüßung erst einmal eine feste und innige Umarmung. „Das tut gut, Joel!“ meinte Mari, die sich heute besonders beklommen fühlte, da sie vorher von ihm eine Nachricht bekam, in der er schrieb, dass er sie zum heutigen Rollenspiel mit einen Rock und einer durchgeknöpften Bluse erwartete, unter der sie nichts drunter tragen möge. Was sollte heute geschehen?
Als sie auf seine Frage nach ihrem Befinden: „Ziemlich aufgeregt“ antwortete, lächelte er sie an und meinte: „Wie gut! Stell dir vor, du wärest gleichgültig, da ist doch Aufgeregtheit viel besser! Ist lebendig und zeigt intensives Fühlen. Gefühle sind Kräfte. Wichtig ist nur, dass wir dahin kommen, dass nicht die Gefühle uns leiten, sondern dass wir die Gefühle leiten!“

Mari nickte, ja das klang erstrebenswert. So manches Mal fühlte sie sich von ihren Gefühlen gebremst. Nachdem sie Kaffee getrunken hatten, begann er das heutige Spiel mit der Ankündigung: „Heute werden uns mal ganz bewusst mit der Vielfalt der Gefühle beschäftigen. Es geht darum, sie bewusst wahrzunehmen, auszusprechen, anzuerkennen, dass sie da sind und sie so einzuordnen, wie es gut tut . Ich werde Gefühle anregen und du sagst mir, was du fühlst. Jedes Gefühl ist wertvoll, alles darf da sein. Die angenehmen und auch die unangenehmen.

Gefühle von Angst, Scham und Peinlichkeit fühlst du ja oft. Deshalb denke ich, dass es sinnvoll ist, wenn wir uns mit ihnen in der nächsten Zeit ganz bewusst beschäftigen, lernen und üben, sie richtig einzuordnen. Sie zeigen ja eine Art Warnung, die im Körper durch alte Vorerfahrungen gespeichert ist. Diese Warnung sollte ernst genommen werden und nicht abgewertet werden. Und dann kommt das Deuten hinzu, also ihnen eine von dir jetzt gewählte bewusste Bedeutung zu geben. Du kannst dich bei jedem Gefühl fragen:
Ist das hier und jetzt eine ähnliche schlimme oder gar gefährliche Situation wie damals?
Und wenn du dadurch, dass du dir diese Frage nach dem, was jetzt ist, in die Gegenwart kommst, und vielleicht erkennst: Hier ist nichts gefährlich oder verboten oder schlimm, kannst du dir sagen: „Heute ist es okay, was gerade geschieht, was ich tue oder was ich zulasse“ – vorausgesetzt du siehst es so. Es geht darum, jedes Gefühl wahrzunehmen, dir diese Frage zu stellen, eine Entscheidung darüber zu treffen, welche Bedeutung du ihm heute geben willst, und bewusst mit ihm durch die Situation gehen.“ Ich werde dazu einige Gefühle auslösen, damit du das erfahren kannst. Steh mal auf und stell dich mir gegenüber dazu.“

Beide standen auf und stellten sie gegenüber.

Joel sagte ruhig, wohl wissend, welche Gefühle er bei Mari gleich auslösen würde: „Knöpfe dir die Bluse auf, ganz langsam und bewusst.“
Sie zögerte und begann schließlich langsam mit den ersten beiden Knöpfen. Von ihm dabei so deutlich betrachtet zu werden, machte es ihr besonders schwer.
Nach einem kleinen Moment fragte er:
„Wie geht es dir dabei, was fühlst du dabei?“
Verlegen schaute sie ihn an. Es war heftig, was sich in ihr bemerkbar machte.
„Peinlichkeit? Scham?“ half er ihr weiter.
Sie nickte wortlos und wartete ab.
„Ja, ich habe das vermutet. Das ist okay. Nun die Frage: Meinst du, dass es einen aktuellen Grund gibt, dich zu schämen? Wir kennen uns nun schon länger, und du hast dich entschieden, mit mir diesen Weg zu gehen. Du bist erwachsen und darfst diese Entscheidung treffen. Gibt es jetzt und hier einen Grund, dich zu schämen? Machst du etwas Falsches?“
Mari schüttelte den Kopf.
„Es ist also ein altes Gefühl, das wie von selbst abläuft. Nimm es wahr, und mach einfach weiter, auch wenn das Schamgefühl noch da ist – Knopf für Knopf mit dem Gedanken: „Ich erlaube es mir! Ich darf das.“ Zieh die Bluse ganz aus dem Rock und mach alle Knöpfe auf.“
Es kostete Mari viel Überwindung und Joel wusste das.
„Das machst du gut, Mari“, bestärkte er sie. „Ich weiß, es fällt dir nicht leicht.“

Als sie beim vorletzten Knopf angekommen war, fragte er sie: „War der letzte Knopf genauso schlimm wie der erste?“ Sie spürte nach und schüttelte den Kopf „Nicht ganz so.“
„Gewöhnung macht ne Menge!“
Schließlich stand sie mit offener Bluse vor ihm. Erleichtert nahm sie wahr, dass die rechte und linke Seite der Bluse so über ihrem Oberkörper hing, dass nicht allzu viel von ihrer nackten Haut hervor schaute.

Joel brachte einen Stuhl und wies sie an: „Nun setz dich auf den Stuhl.

Wie dieses Spiel weiter geht, ist im nächsten Kapitel zu lesen, das übermorgen erscheint.

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71. Manchmal ist alles ganz anders als gedacht

Bei Joel – Eine überraschende Situation

Bevor das Spiel begann und Joel in die Rolle des Meisters schlüpfte, fragte er Mari, wie er das immer tat: „Wie geht es dir heute, Mari?“
„Danke schön, ganz gut,“ war ihre Antwort.
Er nahm wahr, wie ihr Augenlid zuckte und fragte: „Also nicht aufgeregt?“
Mari lachte etwas verlegen. „Natürlich, aufgeregt bin ich immer vor unseren Spielen!“
Er sah sie an, wartete einen Moment, veränderte leicht seine Sitzposition und meinte schließlich: „Ah… Okay! Dann wird es Zeit, dass das Spiel beginnt.“
Mari zuckte unwillkürlich leicht zusammen und dachte: Immer wieder gelingt es ihm, mich mit dem Anfang des Spieles irgendwie zu überraschen, obwohl ich es ja erwarte.
Er schmunzelte: „Und? Jetzt noch aufgeregter?“
„Ja, stimmt“, gab sie zu.
„Und wie fühlt sich das genau an?“
„Mein Herz klopft schneller, es kribbelt in den Armen und Beinen…“
„Kribbeln hört sich doch gut an – oder?“
„Naja… halb, halb“, antwortete sie etwas zögerlich. „Es ist einerseits sehr lebendig und aufregend, andererseits aber auch irgendwie ein bisschen schwierig in dem aufgeregten Gefühl. Da haben wir ja schon mal drüber gesprochen…
„Und ist es jetzt eher schwierig aufgeregt oder eher lebendig aufgeregt?“
Mari hielt einen Moment inne, um nach zu spüren… Ich würde sagen 40% lebendig und 60% schwierig aufgeregt, diese Mischung ist meistens am Anfang des Spieles so.“
Joel sah sie freundlich an. „Was kann ich tun, um dich etwas zu beruhigen?“
Überrascht antwortete Mari: „Das ist ja lieb, dass du fragst. Alleine schon die Frage tut gut. Hm… eine Umarmung wär schön.“
„Aber gerne!“ lächelnd ging er auf sie zu und umarmte sie.
Mari nahm einen tiefen Atemzug und empfand seine Umarmung als sehr wohltuend. Ganz sanft und doch fest hielt er sie im Arm. Sie kuschelte sich eng an ihn und dachte dabei: „Ach könnte doch diese Umarmung gaaaanz lange anhalten…“
Langsam spürte Mari, wie ihre Aufregung sich etwas legte und sie ein bisschen ruhiger wurde. Schließlich löste sie sich aus der Umarmung.
„Und?“ fragte er, „besser?“
Sie nickte und sagte leise: „Ja, das war schön, hat gut getan!“
„Magst du ein Glas Wein?“
„Oh?“ Überrascht schaute sie ihn an. Wein hatte er ihr bisher noch nie am Anfang eines Spieles angeboten.
„Ja, gern…“
„Okay, wie schön“, damit löste er sich von ihr und ging in die Küche, während Mari sich wieder auf die Couch setzte und wartete. Ihre Gedanken wanderten zurück zu den vielen prickelnden Erlebnissen, die sie hier mit ihm schon erlebt hatte…Nach kurzer Zeit hörte sie ihn aus der Küche rufen: „Du kannst gerne schon vorgehen.“
„Vorgehen? Was meinst du?“ fragte sie verwundert mit etwas lauter Stimme, so dass er sie in der Küche verstehen konnte.“
„Na, ins Schlafzimmer“, antwortete er und öffnete den Wein.
„Ups! Aber von Schlafzimmer war doch überhaupt nicht die Rede…“ überlegte Mari – allerdings so leise, dass er sie in der Küche nicht hörte.
„Das mit dem Schlafzimmer war doch schon mal, und er hatte doch selbst gesagt, dass das eine bewusste Provokation war… Er wollte damit eine impulsiven Reaktion provozieren, anhand derer sie anschließend einiges über Fehleinschätzungen und eine neue Einstellung zum Fehler-machen verinnerlicht hatte.
Nein, diesmal würde sie sich nicht ins Bockshorn jagen lassen, beschloss sie. Aber was sollte im Schlafzimmer geschehen? Egal… Ich will ihm heute vertrauen, beschloss sie, und machte sich auf den Weg ins Schlafzimmer. Im Flur hörte sie ihn mit der Flasche und den Gläsern hantieren
„Bin gleich soweit“, rief er aus der Küche. Inzwischen stand sie vor der Schlafzimmertür und zögerte noch etwas… Schließlich öffnete sie die Tür.
Wow, was war das denn? ! Das Bett sah ja aus wie zu einem Picknick vorbereitet.
Erstaunt betrachtete sie es, also sollte das Spiel wohl heute hier stattfinden…
Sie hört ihn hinter sich kommen. „So“, sagte er, und die Gläser klirrten. Sie nahm einen tiefen Atemzug und beschloss, jetzt erst einmal abzuwarten.
Auch wenn ich schon wieder ziemlich aufgeregt bin, ich will heute gelassener bleiben als letztes Mal, sagte sie sich selbst.
„Tritt ruhig ein“, hörte sie ihn dicht hinter ihr sagen, „oder sieht das hier gefährlich aus?“
„Nein, gefährlich sieht es nicht aus“, gab sie leise zu.
„Na, dann trau dich“, meinte er lächelnd, ging an ihr vorbei und setzte sich gemütlich, halb liegend aufs Bett. Langsam ging sie nun auch auf das Bett zu und setzte sich auf die andere Seite des in der Mitte stehenden Tabletts mit schön angerichteten Leckereien.


„Ich dachte, ich zeige dir, dass allein der Ort eines Schlafzimmers noch nichts bedeutet.“
Er goss Wein in zwei Gläser und hielt ihr eins entgegen. „Lass uns anstoßen.“
„Okay“, sie nahm ihr Glas und stieß mit ihm an, ohne etwas zu sagen.
Mit einem fröhlichen „Prost!“ nahm er einen Schluck, und sie tat es ihm nach.
„Entspann dich, Mari. Niemand wird dir was tun, auch hier nicht.“
Mit diesen Worten nahm er etwas Käse vom Tablett und ließ ihn sich schmecken.
„Wie umsichtig, dass du das so explizit sagst. So ein Stückchen Käse würde ich auch gern nehmen.“
Lächelnd steckte er ihr ein Stückchen Käse in den Mund. „Lass es dir schmecken! Nur ein kleiner lockerer Imbiss im Schlafzimmer heute.“
Warum kribbelte es ihr trotzdem so im Bauch? Und irgendetwas im Magen fuhr Fahrstuhl.
Ja, das Wort „heute“ war es, was sich so seltsam bemerkbar machte.
Was würde das nächste Mal kommen? Wenn heute vorbei war…? Egal, jetzt lasse ich mir den Käse und und den Wein schmecken, beschloss sie.
„Mach es dir doch auch gerne etwas gemütlich“, lud er sie ein, und sie nahm auch die Beine hoch auf das Bett.
„Darf ich helfen?“ fragte er schnell, beugte sich vor und zog ihr behutsam einen Schuh aus.
Da sie noch den Wein in der Hand hielt, musste sie mit Bewegungen vorsichtig sein.
Sie kichert ein bisschen verlegen, „gibt es da nicht ein Märchen, in dem ein Schuh eine Bewandtnis hatte?“
„Ja“, überlegte er, „ich glaub, das war Cinderella.“ Er hielt nun ihren Fuß in den Händen. „…Und dein Fuß ist gewiss so zierlich und schön wie ihrer war.“
Wie angenehm sich seine warmen Hände um ihren etwas kühlen Fuß schlossen. Sie genoss diese Berührung. Sanft massiert er ihn ein wenig. Für einen Moment schloss sie die Augen, und spürte nur diese wunderbare Berührungen an ihrem Fuß, nahm einen tiefen Atemzug und meinte: „Oh, tut das gut!“
Ganz ruhig massierte er den Fuß in langsam kreisenden Bewegungen. Kurz öffnete sie die Augen, stellte das Weinglas auf das Tablett, das in der Mitte des Bettes platziert war, um dann die Augen wieder zu schließen. Ach eigentlich konnte sie sich auch ein bisschen mehr ausstrecken…
Nun zog er ihr auch den zweiten Schuh aus, und begann, diesen Fuß leicht zu massieren.
Unwillkürlich drehte sie sich von der Seitenlage auf den Rücken, damit der andere Fuß nicht so verdreht lag. Sanft massiert er die Füße und die Zehen…
Welch eine Wohltat!
Nach und nach entspannte sich Mari, wozu auch der Wein etwas beitrug.
Er hielt inne und trank einen Schluck Wein.
„Das hat sich wunderschön angefühlt, Joel!“ Auch sie nahm ihr Glas in die Hand und sie stießen noch einmal an.
„Und? Ist es so schlimm, im Schlafzimmer zu sein?“ fragte er lächelnd.
„Nein, natürlich ist das heute nicht schlimm…“ musste Mari zugeben.
„Und du liegst sogar auf dem Bett… War das die ganze Aufregung wert?“
„Normalerweise passieren halt im Bett andere Dinge. Das brauche ich dir doch wohl nicht zu erklären, oder?“ Sie war etwas gereizt bei seinen Worten.
„Nein“, entgegnete er gelassen, „nicht grundsätzlich. Es passiert, was beide wollen! Das ist das Entscheidende.“
Oh, dieser Satz hatte Kraft!
„Mari, ich verstehe, dass das Schlafzimmer eine symbolische Wirkung in sich trägt für Dinge, vor denen du noch Angst hast. Doch sei sicher: Hier wird niemals etwas geschehen, wozu du nicht bereit bist.“
Er beugte sich vor, gab ihr einen Kuss auf jeden Fuß und flüsterte: „Das Spiel ist vorbei.“

Geschrieben von Raffael und Miriam

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70. Gedankenleere

Bei Joel – Einfach nur wahrnehmen

„Mari, setz dich doch schon mal, und mach es dir gemütlich“, Joel ging in die Küche, um etwas zu trinken zu holen.
Sie setzte sich auf den Sessel und versank in Erinnerungen… Was hatte sie hier bereits alles erlebt – und immer war es – auch in allen Herausforderungen – mit Annahme und Verständnis verbunden gewesen. Was würde sie wohl diesmal in ihrem Rollenspiel erwarten, in dem Joel die Rolle des Meisters und sie die der Schülerin einnahm?
Wie würde es ihr heute gelingen, ihr Vertrauen und ihre Bereitschaft, sich ihm zu öffnen auszudrücken?
Was würde sie wohl heute hier mit ihm erleben?
Wie immer war sie aufgeregt.
Ohne dass sie es merkte – so versunken war sie in ihren Gedanken – betrat er den Raum, stellte sich hinter ihren Sessel, und legte ihr seine Hände auf die Schultern. Leicht zuckte sie zusammen.
„Ganz ruhig, Mari“, sagte er leise, und… „Das Spiel beginnt.“
Sie nickte zum Zeichen, dass sie bereit war.
„Trink noch etwas Wasser“, forderte er sie auf. „Danach wirst du erst einmal nicht dazu kommen.“
Bei diesen Worten begann ihr Magen unruhig zu flattern.
Schnell nahm sie das Glas und trank es zur Hälfte aus.
„Okay, Mari. Wie fühlst du dich?“
Seine Hände fuhren langsam an ihrem Nacken hoch und griffen von links und rechts in ihre Frisur. Es tat nicht weh, aber sie spürte einen leichten Zug an ihren Haaren.
Ein kribbelndes Gefühl floss aus ihrem Bauch aufwärts durch ihren Hals nach oben in den Kopf.
„Mari?“
Wie aus weiter Ferne klang seine Stimme an ihr Ohr.
„Ich habe dich etwas gefragt.“
Was hatte er gefragt… ? Sie hatte es vergessen. „Ich weiß es nicht mehr“, bekannte sie leise.
Der Druck seiner Hände, die ihre Haare fest zwischen seinen Fingern hielten, verstärkte sich etwas – nur wenig, aber spürbar.
„Ich wiederhole meine Frage: Wie fühlst du dich?“
„Da ist Unruhe, Nervosität, leichte Angst…“
„Tut dir der Griff in deine Haare weh?“ fragte er.
„Nein“, antwortete sie „noch nicht.“
„Warum noch?“
„Wenn du den Druck stärker erhöhen würdest, täte es weh.“
Er griff eine kleine Nuance fester zu.
„Und jetzt?“
Es war fest, ja. Sie konnte den Kopf nicht bewegen, ohne dass es Schmerz erzeugt hätte, aber wenn sie ihn ganz still hielt, tat nichts weh. Aber alles in ihr fühlte sich in Hochspannung.
„Es ist noch nicht schmerzhaft.“
„Hmm, sagte er leise… Du scheinst den Schmerz ja regelrecht zu erwarten, wenn du zum zweiten Mal das Wort „noch“ verwendest. Ist das so?“
Mari überlegte. Ja, irgendwie war es wohl so…
„Mari? Ist das so?“
„Ja, da du den Druck erhöht hast… befürchte ich das.“
„Traust du mir zu, dir bewusst Schmerz zuzufügen?“
Sie wollte den Kopf schütteln, aber das ging natürlich nicht mit seinem festen Griff im Haar. „Nein, eigentlich nicht.“
„Und uneigentlich?“
„Na ja, sicher weiß ich es ja nicht ganz genau..“
„Irgendwann wird die Zeit kommen, in der du es sicher weißt, Mari“, antwortete er . „Und bis es soweit ist, wird die Angst immer wieder einmal unser Gast sein.“
War das eine Kritik? War er jetzt verärgert?
„Und es dauert so lange, wie es dauert, bis es soweit ist.“ Bei diesen Worten, die sehr sanft von ihm gesprochen wurden, konnte sie ein leichtes Lächeln dabei sogar in seiner Stimme hören, ohne dass sie ihn sah.
Erleichtert atmete sie aus.

„Sehr gut, Mari. Entspann dich so gut es geht in deine Gefühle hinein. Und antworte mir so spontan wie möglich, sprich entweder von deinen körperlichen oder von den emotionalen Empfindungen. Was nimmst du jetzt wahr?“
„Den Zug in meinen Haarwurzeln spüre ich deutlich.“
„Wie genau fühlt sich das an?“
Es ist, als würde ich jedes einzelne Haar spüren und als würde mein Kopf, der durch diesen festen Zug der Haare an einer Position gehalten wird, fast nicht in der Lage sein zu denken, so absorbiert bin ich durch diese dicht an der Schmerzgrenze entlang wandernden Empfindungen.“
„Gut, Mari, dann lass dich ganz hinein fallen in diese Empfindungen. Spüre einfach nur…“
Ein wenig reduzierte er nun die Intensität, mit der er in ihre Haare griff. Für sie war diese Nuance sehr deutlich spürbar und löste einen unwillkürlichen Laut der Entspannung aus, wobei sie tief ausatmete. Ohhh, fühlte sich das gut an, weich… entspannend… ihre Augenlider sanken herab. Gedankenfreier Raum… nur fühlen…spüren… wohl fühlen… sich ausdehnen in dieses Wohlgefühl hinein.

Joel spürte anhand ihrer verlangsamten Atmung und der leisen Laute, die sie von sich gab, wie sie diesen Zustand genoss und hielt sie bewegungslos ein Weilchen in dieser Position.

Dann griff er plötzlich wieder etwas fester hinein. Ein schnelles Einatmen war bei Mari die Folge.
„Was empfindest du?“ frage er sofort. Denn er wollte keinesfalls, dass sie in den Bereich unangenehmer Empfindungen hinein geriet.
„Es ist wie eine Welle, die durch den plötzlichen kleinen Schreck durch mich hindurch gesaust ist“, erklärte Mari und fühlte sich wieder hellwach und völlig angstfrei.
„Atme ganz ruhig weiter, und nimm einfach nur wahr, was du fühlst. Sag mir sofort Bescheid, falls sich etwas unangenehm anfühlen sollte.“
„Okay!“ Aufmerksam spürte sie nach, wie es ihrem Kopf ging. Mittlerweile war sie schon über zehn Minuten in gedankenleerem Raum…
Wieder reduzierte er ganz langsam den Druck, mit dem er an ihren Haaren zog. Und wieder atmete sie aus und ließ sich fallen in dieses Gefühl, immer weicher zu werden… Und wieder hielt er sie ein Weilchen in genau diesem Druck und ließ es dann noch sanfter werden, was eine noch tiefere Entspannung zur Folge hatte. Er fragte nun auch nicht mehr, sondern ließ Mari Zeit, in ihrem gedankenlosen, herrlich entspannten, sich immer mehr weitenden Raum der Gedankenleere zu verweilen. Immer mehr lockerte er nach und nach, unendlich langsam seinen Griff, bis er seine Hände ganz von ihrem Kopf löste und ihr selbst das nicht mehr auffiel. Diese Erfahrung währte eine knappe halbe Stunde.
Und als Mari sich dann langsam dehnte, bewegte und schließlich die Augen öffnete, sah sie Joel lächelnd ihr gegenüber auf der Couch sitzen. Sie konnte sich nicht erinnern, sich jemals so herrlich entspannt, erfrischt und gelassen gefühlt zu haben. Erfreut nahm Joel wahr, wie ihre Augen leuchteten. Im Zustand der Gedankenleere war sie tief in sich selbst, in ihre innerste Kraftquelle, versunken gewesen.
Danke“, sagte sie leise, ging langsam auf ihn zu, setzte sich neben ihn auf die Couch und nahm seine Hand. „Es ist wie ein Zauber… so wohl fühle ich mich…“
Leise sagte er: „Das freut mich sehr, Mari. Und auch wenn das Spiel jetzt beendet ist, lass diesen Zustand noch so lange da sein, wie er da sein möchte…“
Sie saßen in ruhigem Einklang noch lange auf der Couch… in Stille.
Und zum ersten Mal empfand sie die Stille nicht als belastend, sondern eher so, als würde sie sich in einem heilenden Raum aufhalten.

Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge


69. Keine Angst vor Fehlern

Bei Joel – Gedanken über das Fehler-Machen

Mari und Joel saßen auf der Couch und sprachen über ihr letztes Spiel. „Manchmal ist es nicht möglich, Fehler zu vermeiden“, wiederholte Mari die Worte, die Joel ihr in ihrem Rollenspiel als Meister gesagt hatte, nachdem er eine Situation provoziert hatte, in der sie kaum anders konnte, als sich nicht an die Regeln zu halten und sich dafür geschämt hatte. „Glaubst du das wirklich?“
Er nickte. „Ja! Eigentlich ist es nie möglich, Fehler ganz auszuschließen. Denn auch bei aller Vorsicht und Achtsamkeit kann man zwar Fehler versuchen zu vermeiden, aber selten ganz verhindern, dass sie geschehen. Und…“ er lächelte, „du bist meist nicht mal allein dafür verantwortlich – so wie in diesem Spiel! Denn ich habe die Situation so gestaltet.“

Sie bewegte diesen Gedanken in sich: „Das würde heißen… Immer dann, wenn ich einen Fehler mache, kann ich ihn gar nicht vermeiden… Sonst hätte ich es ja getan! Richtig? Wenn ich auch nur einen einzigen Fehler vermeiden könnte, dann würde ich ihn ja gar nicht machen… Aus irgendeinem Grund mache ich ihn aber doch – und bestimmt nicht deshalb, weil ich ihn machen will!“ überlegte Marie jetzt weiter.
„Nun, vielleicht machst du ihn aus Angst“, gab er zu bedenken. „Das Warum ist nicht entscheidend. Wichtig ist, dass deine Angst abnimmt, einen Fehler zu machen, damit du dich grundsätzlich wohler fühlst. Um das bewusst zu durchdenken, hatte ich dieses Spiel so inszeniert, dass ich dich so überfordert hatte, bis eine unkontrollierte Reaktion entstehen musste.“
Maris Blick wanderte in die Ferne. „Ja, aus Angst mache ich mehrere Fehler in unseren Spielen hier… Und vielleicht auch im Leben… Das stimmt. Und je mehr Angst ich habe vor falschem Verhalten, umso unsicherer und fahriger werde ich. Ich werde dadurch unkonzentriert und mache mehr Fehler, was ich ja eigentlich gerade vermeiden will. Meine Angst ist also eine häufige Ursache für Fehler.“
Er nickte: „Ich sage es noch mal ganz klar:

Selbst wenn es theoretisch möglich wäre, könntest du Fehler nicht vermeiden, und die Angst vor einem Fehler, belastet dich schon, bevor überhaupt was passieren könnte, und nimmt dir dadurch Kraft und Konzentration. Je mehr du Fehler vermeiden willst, umso größer ist die „Chance“ sie zu machen.“
Mari hörte aufmerksam zu und ließ die Worte auf sich wirken. Schließlich sagte sie: „Ja, das stimmt, die Angst davor, Fehler zu machen, begünstigte diese. Aber wie werde ich die Angst los?“
„Du wirst sie nicht einfach los, Mari, aber du kannst lernen, anders mit ihr umzugehen. Du solltest einfach akzeptieren, dass Fehler passieren können und außerdem auch, dass du noch Angst davor hast. Und wenn sie aufsteigt, sag dir nicht, dass du keine Angst hast, sondern gesteh dir zu, dass Fehler normal sind, also in der Natur des Menschen liegen.“
„Gut, jedes Mal, wenn künftig die Angst kommt, Fehler zu machen, sage ich mir:
Na und – dann ist es so! Ich tue was ich kann! Wenn trotzdem was nicht klappt, konnte ich es nicht vermeiden. Mehr als mein Bestes kann ich nicht tun!“
„Ja“, bestätigte er, „Du kannst deine ganze Energie in die Aufmerksamkeit investieren, und dennoch ist es oft unmöglich, gar keine Fehler zu machen. Und deshalb geht es darum, zu akzeptieren, dass es unmöglich ist, keine Fehler zu machen. Das nimmt eine Menge Druck! Wenn man weiß, dass sie in jedem Fall passieren können, muss man nicht so zwanghaft aufmerksam sein und sich auch nicht selbst für Fehler bestrafen, indem man sich schlecht fühlt und Scham oder Schuldgefühle mit sich trägt. Ganz davon abgesehen, dass schon das Wort Fehler eine Interpretationsfrage aufwirft. Was ist wirklich schon ein Fehler?!“
Mari wiederholte noch einmal: „Wann immer diese Angst kommt, und sie kommt ja leider oft irgendwie automatisch in mir, dann sage ich mir ab jetzt:
Auch wenn ich mein Bestes tue, können Fehler passieren – das ist menschlich!“
„Ja Fehler sind menschlich! Und… sie alle haben einen Sinn – immer! “
„Immer?“ fragte Mari verblüfft.
„Immer! Sonst hätten wir zum Beispiel dieses Gespräch hier nicht geführt. Außerdem sind meist alle, in dem Fall also wir beide, an dem Fehler beteiligt.“ Er nahm Maris Hand, hielt sie an sein Herz und lächelte: „Das Spiel ist vorbei!“

Erleichtert sah Mari Joel an. „Der Meister ist und war gar nicht sauer mit mir! Da hat er mich in eine Falle tappen lassen, die sich erstmal richtig scheußlich angefühlt hat, aber jetzt ist mir ein Stein vom Herzen gefallen – nicht nur in der heutigen Situation, sondern irgendwie ziemlich grundsätzlich fühlt sich das so an.“
„Nein natürlich ist er nicht sauer“, bestätigte Joel. „Warum sollte er? Weil du eine Situation falsch eingeschätzt hast und darauf hin unkontrolliert reagiert hast? So etwas verärgert ihn doch nicht!“
„Es wirkte aber erst so, als er mir aufgezählt hat – zwei Regelbrüche und eine Verweigerung!“
„Er wollte dir dein von ihm ausgelöstes Fehlverhalten vor Auge führen, um dir dann zu zeigen, dass es für dich unvermeidbar war, während du dich bereits schuldig fühltest.“
„Das war ja eine heftige Lektion! Die werde ich so bald nicht vergessen!“
Und genau deshalb hat er es so inszeniert. Damit du dich daran erinnerst, und damit auch daran, was du daraus gelernt hast!“
Und nun…“ Er öffnete lächelnd seine Arme. „Eine Umarmung gefällig?“
Fest hielt er sie in seinen Armen.
„Es ist ein wunderbares Gefühl, dass jetzt alles vorbei ist und ich auch noch diesen Gedanken als Prävention für alle kommenden Fehler mitnehmen kann!“
„Na das ist doch phantastisch!“ sagte er und drückte sie noch einmal fest an sich.

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68. Die „Fehler“-Falle

Bei Joel – Eine beängstigende Assoziation

Mari wurde vom Regen überrascht und und klingelte durchgefroren bei Joel, mit dem sie wieder einmal zu einem Rollenspiel verabredet war, in dem er die Rolle des Meisters übernahm.
„Oh Mari, du bist ja ganz durchnässt, komm rein“, sagte er und ging sofort ins Bad, um etwas zum Abtrocknen für sie zu holen.
Sie blieb abwartend im Flur stehen. Er kam mit einem großen Handtuch zurück und legte es ihr um die Schultern. Diese fürsorgliche Geste fühlte sich gut an, und sie rubbelte sich ihre Bluse ab so gut es eben ging. Er half ihr und rieb ihr mit dem Handtuch über den Rücken.
Als sie jedoch niesen musste und er sah, dass sie vor Kälte zitterte, meinte er: „Ich glaub du solltest deine nassen Sachen ausziehen, Mari.“
Etwas unschlüssig schaute sie ihn an. „Hm… könntest du mir vielleicht ein T-Shirt von dir borgen?“ fragt sie vorsichtig.
Er nickte: „Ja, sicher“, und holte eines seiner Shirts und gab es ihr, worauf sie damit im Bad verschwand. Es war ein relativ langes T-Shirt, in dem sie sich einigermaßen wohl fühlte, auch als sie ihre lange, total durchnässte Hose ausgezogen hatte. Als sie aus dem Bad kam, wurde ihm anhand ihrer nackten Beine erst deutlich, dass sie auch eine Hose brauchen könnte und fragte: „Magst du noch eine Hose haben?“
„Oh ja, sehr gerne Joel, das wäre prima!“ Daraufhin brachte er ihr eine enge Sporthose, in die sie schnell hinein schlüpfte. Zu ihrer Erleichterung passte sie einigermaßen.
Er lächelte: „Jetzt besser?“
„Prima, ich danke dir. Ja jetzt fühle ich mich wohler.“
Er schaute sie einen Moment lang an… „Dann beginnt das Spiel?…Jetzt!“

Maris Herz begann zu klopfen. Er ging auf sie zu und unwillkürlich trat sie einen Schritt zurück.
„Oh? Was ist denn?“ fragte er.
Da es ja auch keinen für sie selbst plausiblen Grund dafür gab, antwortete sie: „Nichts…“
„Gib mir deine Hand, Mari“, forderte er sie auf.
Sie gab ihm ihre rechte Hand.
„Wirst du mir folgen?“
Sie spürte ihren Herzschlag deutlich. Wohin und wie würde er sie führen, dass er so explizit fragte? Das tat er ja sonst nicht. Sie nickte und sagte: „Ja.“
Er ging drei Schritte zurück und zog sie leicht an der Hand. Sie folgte ihm und wurde von ihm in einem kleinen Kreis durch das Wohnzimmer geführt – fast wie in einem Tanz.
Froh, dass sie von ihm trockene Sachen bekommen hatte und sich darin einigermaßen wohl fühlte, hatte Mari inzwischen richtig gute Laune, während sie mit ihm an seiner Hand durch das Wohnzimmer ging. Er zog sie nach einem Weilchen in Richtung des kleinen Flurs
Verwundert ließ sich Mari durch den Flur führen.
„Was machen wir hier?“ fragte sie unbedacht.
Ernst sah er sie an. Wieder einmal hatte sie nicht an die Regel gedacht, innerhalb des Spiels keine vermeidbaren Fragen zu stellen. Er sagte noch nichts dazu und führte sie an den Türen vorbei bis zur Tür am Ende des Flurs, aber aufgrund seines Blickes wurde ihr das jetzt bewusst. Mit unguten Gefühlen ging sie mit ihm ein paar Schritte weiter. Schließlich standen sie direkt vor der Schlafzimmertür.
Sie schaute ihn von der Seite an und dachte: „Um Gottes Willen bloß nicht noch eine Frage stellen!“
Er öffnete die Tür und sie sah direkt das große Bett.
Ihr Herzschlag beschleunigte sich, und sie versteifte sich, als er mit ihr das Zimmer betreten wollte.

„Nein, das möchte ich nicht!“ Fast wie ein Schrei kamen die Worte aus ihrem Mund.
Er sah sie einen Moment stumm an. Dann fragte er: „Hast du nicht gesagt du folgst mir?“
„Aber doch nicht in dein Schlafzimmer! Wir sind doch sonst immer im Wohnzimmer, was soll denn hier geschehen?!“
Mari war jetzt so verschreckt, dass ihr die Frage-Regel des Spiels und alles sonstige Prozedere nicht mehr präsent waren.
Joel entgegnete in einer für ihn auch in der Meisterrolle untypischen Härte: „Das ist schon die zweite Frage und eine Verweigerung.“
Siedend heiß stand sie da und erstarrte.

Als er ihren Zustand wahr nahm, schloss er die Tür und führte sie zurück ins Wohnzimmer zu einem Sessel, in dem sie regelrecht in sich zusammen sank und zu zittern begann.
Er setzte sich vor sie, nahm ihre Hände und hielt sie fest. Diese Geste tat ihr gut und gab ihr ein bisschen Halt. Sie hob ihren Blick und schaute ihn kurz an.
„Wie geht es dir Mari?“ Es fühlte sich an, als würde er ihr mit seinen Augen eine Brücke bauen wollen. Dadurch dass er sie so wärmend anschaute und ihre Hände hielt, tauchte sie aus ihrer Erstarrung wieder auf und war in der Lage mit ihm zu reden.
„Es tut mir leid, ich bin noch nicht soweit – wirklich es tut mir leid! Ich konnte nicht mehr klar denken. Ich fühle mich furchbar!“
„Warum?“ Immer noch hielt er sie mit seinem Blick.
„Du hast doch bereits gesagt: zwei Fragen und eine Verweigerung. Außerdem habe ich Angst…“
„Angst? Wovor?“
„Na du wirst mich ja nicht ohne Grund ins Schlafzimmer geführt haben! Ich kann das noch nicht!“
„Was kannst du denn noch nicht? Was hast du erwartet?“
„Mari bekam einen roten Kopf… Na – mit dir Sex haben…“
„Wow?! Das wäre aber ziemlich plötzlich gekommen, oder? Nach all den vielen kleinen Schritten, die wir miteinander gegangen sind…“
Verlegen stammelte sie: „Na, warum hast du dann… Warum wolltest du… Wir waren doch immer im Wohnzimmer… Ich dachte…“
„Was dachtest du?“ fragte er unbeirrt weiter.
Jetzt wurde Mari heftig: „Das weißt du doch nun ganz genau! Warum muss ich es jetzt noch mal aussprechen?!“
Ruhig antwortete er: „Ich frage mich, wie du darauf kommst. Wie kommt es, dass du diese Vermutung hast?“
„Na, was sollte ich denn bei dem plötzlichen Schlafzimmer-Besuch ansonsten denken?!“
„Vielleicht wollte ich dir nur etwas zeigen… Vielleicht wollte ich eine Decke oder etwas anderes holen… Wie kommt es, dass du nach all unseren Spielen und Vertrauensübungen denkst, dass ich dir plötzlich solch einen für dich großen Schritt zumuten würde?“
„Ich konnte nicht mehr klar denken! Die Assoziation, als ich das Bett gesehen habe, war einfach da. Bitte entschuldige! Ich war verschreckt und verunsichert in dem Moment, es tut mir wirklich leid – auch dass ich diese Assoziation gehabt habe, weshalb ich dir ja nicht mehr weiter folgen konnte…“
Weiter fragte er: „Wie fühlt es sich für dich an Mari – Drei Fehler in so kurzer Zeit… zwei Fragen und eine Verweigerung.“
„Es fühlt sich schrecklich an! Ich würde am liebsten davonlaufen, aber damit kann ich es auch nicht ungeschehen machen. Bei diesen Worten kamen ihr die Tränen…

Er hielt noch immer ihre Hand und fragte sie mit sehr sanfter Stimme: „Mari, glaubst du, du hättest die Fehler vermeiden können?“
Sie schüttelt weinend den Kopf. „Ach nein, es war ja gar keine Kontrolle mehr in mir… !“
Er drückte behutsam ihre Hand. „Mari, Irrtümer, Fehleinschätzungen und Fehler passieren! Es wird nie möglich sein, alle Fehler zu vermeiden.“
„Das ist ja das Schlimme. Ich kann mir Mühe geben soviel ich will… Irgendetwas geht immer daneben. Das ist nicht nur jetzt so, das ist schon mein ganzes Leben lang so: Immer wieder vermassele ich irgendetwas! Nie reicht meine Mühe aus! Ich wollte dir wirklich folgen, als du mir die Frage gestellt hast und ich dir meine Hand gab. Und plötzlich war ich out of order.“
Er strich ihr mit einer zarten Bewegung über die heiße Wange. „Du solltest gar nicht erst versuchen, alles perfekt zu machen. Jeder Mensch macht Fehler. Es ist einfach menschlich!“
Sie sagte leise: „Ich habe dich enttäuscht und habe nicht angemessen gehandelt oder gedacht! Mensch das tut mir so leid und tut so weh in mir.“
„Su sagst ja selbst, du konntest gar nicht anders.“
Sie nickte: „Ja, das stimmt. ich konnte in dem Moment nicht anders.“

„Mari, schau mich bitte an. Ich sage dir jetzt etwas wichtiges: Ich habe deine Reaktion bewusst provoziert. Ich wusste, dass ich damit viel zu weit gehen würde.“
Verwundert hob Mari jetzt ihren Kopf und sah ihn an. „Wie jetzt? Warum das? Wolltest du mich fertig machen?“
Er schüttelte den Kopf. „Auch wenn das jetzt erstmal so scheint, aber nein! Ich erschuf diese Situation, die dich in unkontrollierbares Verhalten brachte, um dir zu zeigen, dass es unmöglich ist, immer alles in optimaler Weise zu tun und um einen Anlass zu schaffen, das Fehler-Thema, das dich schon so lange blockiert, gemeinsam zu durchleuchten. Das waren so intensive Gefühle, dass du dich daran wohl immer erinnern wirst. Und damit auch an die Erkenntnis, die daraus resultiert: Es ist unmöglich, manche Verhaltensweisen zu unterlassen, die zu „Fehlern“ führen – und damit zeichnete er zwei Anführungszeichen in die Luft.
Ihre Gedanken wurden immer verworrener, wer hatte denn nun eigentlich den Fehler gemacht…
„Du wolltest also, dass ich Fehler mache?!“
Er nickte. „Ja, ich wollte es. Insofern bin ich mindestens zur Hälfte mitverantwortlich dafür. Auch wenn du manchmal die Regeln vergisst, auch wenn du etwas verweigerst – übrigens welch schlimmes Wort! Du darfst schließlich auch etwas ablehnen und dafür die rote Ampel anwenden. Das ist alles nicht schlimm, Mari! Selbst wenn ich eine kleine Show abziehe und mit erhobenem Zeigefinger daher komme. In Wahrheit ist das niemals ein Problem. Na, und dann gibt es gibt ja auch noch unsere kleinen Ausgleichsrituale, genannt Strafe. Er zwinkerte mit den Augen. Na und??! Du brauchst keine Angst vor Fehlern haben, denn Fehler passieren und sind unvermeidlich.“ Er legte seine Hände sanft auf ihre Schultern und schüttelte sie ganz sacht. „Mari, du kannst immer nur alles so gut machen, wie du es kannst – der Rest liegt nicht in deiner Macht. Denn könntest du es anders tun, hättest du es ja anders gemacht. Und für das, was du selbst bei allem Wollen nicht anders tun kannst, brauchst du dich auch nicht schlecht zu fühlen.“

Irgendetwas wurde bei diesen Worten in ihr leichter. Sie verstand es nicht genau, was da in ihr passierte, aber es war, als wenn eine zentnerschwere Last von ihr abfiel…
Wir reden nächstes Mal weiter darüber“, sagte er leise, aber bestimmt. „Jetzt möchte ich dir nur noch gut tun. Wie wäre es mit einer schönen entspannenden Kopf-Massage hier auf der Couch, in der sich deine Gefühle und Gedanken beruhigen können?“
So nahm dieses so heftig begonnene Spiel ein sehr sanftes, wohltuendes Ende.

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64. Körper lügen nicht

Bei Joel – Erfahrungen auf der Spielwiese

Als Mari aus dem Bad ins Wohnzimmer kam, sah sie Joel auf der ausgeklappten Couch gemütlich an der Wand angelehnt sitzen.
„Das Spiel beginnt.“
Er öffnete einladend seine Arme mit den Worten: „Komm her zu mir, Mari.“

Langsam ging Mari auf Joel zu, der nun wieder seine Meisterrolle innerhalb dieses Rollenspiels eingenommen hatte, setzte sich auf die Couch, und… noch bevor sie lange nachdenken konnte, griff er um ihre Taille und zog sie neben sich in eine halb liegende, halb sitzende Position… Überrascht hielt sie kurz die Luft an.
Als sie sich neben ihm in seinem Arm wieder fand, schmunzelte er: „Du kannst in Ruhe weiter atmen, Mari, die kleine Schrecksekunde ist bereits vorbei. Und wie fühlst du dich hier?“
Er zog sie noch ein bisschen näher an sich.

Mari spürte nach und stellte erstaunt fest, dass es sich gut anfühlte, ihm so nah zu sein, so festgehalten zu werden, sich an ihn anlehnen zu können – und das obwohl sie noch nicht wusste, was sie heute hier erwartete… Es ist dieses Fest-gehalten-werden, das mir irgendwie Halt und Sicherheit gibt, nahm sie erstaunt wahr.

„Hast du meine Frage gehört?“

Ach ja, er wollte ja wissen, wie sie sich fühlte… „Es geht mir ganz gut, danke.“

„Wie fühlt sich dein Ganz-gut-gehen an, Mari? Was genau ist es, was dieses Gefühl hervor ruft?“

Warum muss er nur immer so genau nachfragen
, dachte sie. Was sag ich dazu?
„Ich glaube, es geht mir deshalb gut, weil ich mich in deinem Arm gerade so gut aufgehoben fühle“, gestand sie ihm leise.

„Das freut mich außerordentlich, Mari“, lächelte Joel. Dann wollen wir diesen Zustand so bald heute nicht verändern…“ Mit diesen Worten umschlang er sie mit beiden Armen und zog sie noch ein Stückchen tiefer auf die Couch, so dass sie nun ganz in seinen Armen lag. Wieder hielt sie vor Schreck die Luft an ob dieser plötzlichen Lageveränderung.
„Atmen, Mari, einfach weiter atmen“, flüsterte er ihr ins Ohr. „Alles ist gut, wir umarmen uns heute eben mal liegend und nicht wie sonst im Stehen oder Sitzen…“ Und es wird länger dauern als sonst, dachte er, aber sprach es nicht aus.
„Wie fühlst du dich hier in meiner Umarmung? Was sagt dein Körper?“

Mari spürte wieder in sich hinein… Und wieder nahm sie wahr, dass es sich gut anfühlte, von ihm so fest in den Armen gehalten zu werden. Seine gerade so intensive Körpernähe tut mir gut… nahm sie zu ihrem Erstaunen wahr.
„Es tut mir gut, dass du mich so festhältst“, bekannte sie.

„Wie schön… Körper lügen nicht! In deinem Körper kannst du deutlich spüren, was gut für dich ist und was nicht, natürlich nur, wenn er nicht gerade im Alarm-Modus ist“, erklärte ihr Joej. „Und es freut mich sehr, dass dein Körper mir zunehmend mehr vertraut.“


Joel streichelte Maris Wangen, strich ihr sanft übers Haar und freute sich zu spüren, wie sie sich langsam ein wenig entspannte in dem Arm, in dem er sie hielt. Er ließ seine Hand weiter wandern über die Schulter und den Arm… bis zur Hand, mit der er etwas spielte, um dann wieder hinauf zur Schulter zu streichen.
In absoluter Aufmerksamkeit beobachtete Mari jede Bewegung seiner Hand…
Bisher fühlt es sich weiter gut an.
Von dort aus fuhr er mit sanftem Druck über ihren Rücken.
Ein genussvoller Laut kam über ihre Lippen.
Das tut so gut, dachte sie… so unerwartet gut…

Als er dann seinen Druck veränderte und nur federleicht über ihre untere Rückenpartie strich, zuckte ihr Körper mehrmals leicht zusammen. Dabei hielt Joel sie weiterhin fest, noch etwas fester als davor, und gab ihr Halt, während sie spürte, dass ihr Körper begann, ein Eigenleben zu führen in Joels Armen.
Was war das denn? Irgendwie peinlich, dass sie es nicht kontrollieren konnte, was sein besonders sanftes Streicheln da in ihr auslöste.
Dieser Gedanke löste eine kleine Fluchtreaktion in ihr aus, sie wollte sich aus seinem Arm etwas heraus winden, er hielt sie allerdings nach wie vor fest und ließ das nicht zu. „Alles gut, Mari, lass deinen Körper machen, was er will, du bist hier ganz sicher in meinen Armen. Und solltest du etwas nicht wollen, dann sag einfach „Ampel rot!“ und ich werde sofort aufhören, das verspreche ich dir“, flüsterte Joel ihr zu.

Mari holte tief Luft, spürte, wie Joel den Druck seiner Hand wieder etwas verstärkte und konnte sich wieder entspannen. Die Hand verschwand nach einem Weilchen langsam unter dem Bündchen ihres Rockes, wanderte tiefer… Ach, würde doch nicht dieses „verbotene“ Gefühl dabei sein… Weiter bewegte sich seine Hand. Sie hielt die Luft an…
„Welche Farbe hat unsere Ampel, Mari?“ fragte Joel leise. „rötliches Orange“, antwortete sie. „Okay“, flüsterte er, veränderte seine Position etwas, nahm seine Hand dort wieder weg und strich Mari beruhigend über den Rücken. Langsam entspannte sie sich wieder. Ihre kurzärmelige Bluse war inzwischen so verrutscht, dass er sie ihr leicht abstreifen konnte. Anschließend zog er sich sein T-Shirt aus. Nur noch mit einem dünnen Top bekleidet, fühlte sie seinen warmen kräftigen Oberkörper, an dem sie eng umschlungen von seinen Armen lag, sehr deutlich.

Gut, dass er mir wenigstens mein Top noch lässt, dachte sie aufgeregt. Er spürte ihre zunehmende Anspannung, strich ihr – sie weiterhin fest im Arm haltend – behutsam einige Haarsträhnen aus dem Gesicht. „Schau mich an, Mari“, hörte sie seine Stimme wie von weit her. Sie öffnete die Augen, sah sein Gesicht über ihr und versuchte, sich etwas zur Seite zu bewegen. Er ließ das jedoch nicht zu. Seltsamerweise fühlte sich das irgendwie einerseits schwer auszuhalten und gleichzeitig gut an. Sie konnte nicht weg! Und eigentlich wollte sie auch gar nicht wirklich weg, erkannte sie blitzartig. Es war nur ein Teil von ihr, der sich aus der Situation lösen wollte, in der er sie jedoch festhielt.

Und sie, die ganze Mari, wollte so gehalten werden… Doch… wollte sie festgehalten werden ?
Sie spürte, sie wollte von seinen starken Armen umfangen sein… Doch wollte sie gefangen sein???
Gefangen(?) und festgehalten (?) in einer Kraft, die es gut mit ihr meinte… die sie verstand, wie sie sich selbst noch nicht verstanden hatte… die ihr das gab, von dem sie noch nicht wusste, dass sie es brauchte…

„Entspann dich, Mari, das Spiel ist beendet.“ hörte sie Joel wie aus weiter Ferne und doch so nah an ihrem Ohr…
Und zum ersten Mal reagierte sie auf diese Worte nicht erleichtert, sondern hörte sich denken: „Schade…“

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61. Immer einen Schritt nach dem nächsten – und die Gedanken werden leiser…

Bei Joel: Eine wettere Vertrauensübung

Als Mari heute das Wohnzimmer von Joel betrat, bemerkte sie das es ungewöhnlich warm war.
Auf dem Tisch lag der Seidenschal, den sie nun schon mehrmals vor ihren Augen hatte.
Joel ging noch einmal in die Küche, um etwas zu trinken zu holen, schenkte Mari ein Glas Wasser ein und sagte: „Ich denke, wir machen heute beim Thema Vertrauen weiter. Bist du bereit, Mari?“
Sie schluckte und antwortete: „Ja, ich bin bereit.“ Welche Übung würde wohl heute auf sie zu kommen? Sie spielte sie mit ihm ja diese Rollenspiele, um ihr Vertrauen zu stärken, dennoch hatte sie immer wieder etwas Angst vorher und oft auch innerhalb der Spiele.

„Das freut mich sehr“, lächelte Joel, „das Spiel beginnt.“ Mit diesen Worten nahm er den Schal in die Hand, stellte sich hinter sie, legte ihn ihr ganz sanft über die Augen und verknotete ihn schließlich.


Mari stand still und versuchte mit ihrer Aufregung klar zu kommen. Was würde nun wohl geschehen?

„Alles gut, Mari?“ fragte er leise.

„Ja, alles okay, ich bin nur ein bisschen aufgeregt“, antwortete sie ehrlich.

„Du weißt, ich passe auf dich auf, nicht wahr?“

Sie nickte.

„Es ist recht warum, magst du deine Strickjacke ausziehen?“ bot er ihr an.

Das tat sie gern, denn ihr war in der Aufregung ziemlich heiß geworden. Er half ihr dabei, und als die Jacke fast ausgezogen war, verdrehte er sie plötzlich so, dass ihre Arme in der Jacke gefangen waren.
Sie versuchte, sich da irgendwie heraus zu winden, doch er zog ein paar mal an der Jacke, so dass die Arme plötzlich darin eingebunden waren.

„Halt still Mari“, wies er sie an.

Mari erschrak. „Ach, das machst du mit Absicht…“

„Ganz ruhig Mari“, flüsterte er leise an ihrem Ohr. Ich bin und bleibe die ganze Zeit in deiner Nähe. Dir kann nichts geschehen.“

Nun konnte sie nichts sehen und ihre Arme kaum bewegen. Sie versuchte, ihre Aufregung durch ruhigeres Atmen in den Griff zu bekommen, aber das funktionierte kaum. Sie fühlte sich äußerst nervös.

„Setz dich“, sagte er und führte sie, so dass sie sicher zu dem Stuhl gelangte.
Sie nahm ihn von hinten an ihren Knien wahr und fühlt sich ziemlich hilflos.
Joel half ihr mit einem festen Griff an den Schultern, dass sie sich ganz vorsichtig und sicher setzen konnte. Sie spürte deutlich, wie ihr Herz schlug.

Als sie sicher saß, ließ er sie los, und es wurde still im Raum.
Dass sie nicht wusste, wo genau er war, konnte sie nur schwer aushalten.
Es gab keine Geräusche, die ihn verrieten. Sie lauschte angestrengt, spürte den Pulsschlag in den Ohren rauschen. Endlich durchbrach er die Stille: „Gut, Mari, jetzt steh auf. Sie konnte nicht genau zuordnen, wo er sich im Raum befand.
Langsam erhob sie sich und fühlte sich dabei sehr unsicher, da sie sich ja mit den Händen nicht abstützen konnte.

„Sehr gut Mari“, lobte er sie, „und jetzt geh drei Schritte vor.“

Langsam setzt sie drei Schritte nach vorn.

„Ja, prima, nun dreh dich nach links und geh zwei Schritte vor. „
Sie folgte seiner Anweisung und fühlte sie sich langsam etwas sicherer.

So ging das noch ein ganzes Weilchen, mal nach links, mal nach rechts, mal mehr mal weniger Schritte, bis sie völlig die Orientierung im Raum verloren hatte.
Mit der Zeit wurde sie sicherer dabei, und fühlte sich irgendwie ganz seltsam ruhig in dieser Orientierungslosigkeit. Immer ruhiger wurde ihr Denken… Mit der Zeit war nichts mehr wichtig, nur immer der nächste Schritt. Seine Anweisungen gaben ihr irgendwie eine Struktur vor, an der sie sich innerlich festhalten konnte. Sie brauchte nur zu folgen, nichts selbst zu entscheiden. Das tat richtig gut.
Nach der gefühlten hundertsten Anweisung sagte Joel zu ihr: „Du machst das sehr, sehr gut Mari. Bleib einen Moment so stehen. “ Seine Stimme schien fast um sie herum zu klingen…
Sie freut sich über das Lob , stand still und erwartete, dass er ihr nun die Augenbinde abnehmen würde und die Übung beendet sei, aber nein…
Es kam eine weitere Anweisung: „Jetzt, lass dich nach hinten fallen, Mari.“

Boah… Das kostet Überwindung. Sie konnte nicht einschätzen, in welchem Abstand er sich von ihr befand. Gern würde sie seiner Anweisung folgen, aber noch gelang es ihr nicht.

Er nahm ihren inneren Kampf wahr und ermutigte sie: „Du warst beim Gehen so mutig und sicher, Mari, das hast du so phantastisch gemacht, nun lass dich noch rückwärts fallen.“

So gern würde sie wissen, wo er stand, wusste aber, dass es keinen Sinn hatte, ihn zu fragen. Sie erinnerte sich an die vielen Male, in denen er eine Übung für sie leichter gestaltet hatte, als sie zuvor dachte. Auch daran, dass er sie schon einmal von hinten aufgefangen hatte, dachte sie. Das war nun schon viele Wochen her. Ganz nah hatte er hinter ihr gestanden… Sicher würde er darauf achten, sie auch dieses Mal nicht fallen zu lassen. Warum war es dennoch so schwer, los zu lassen und sich nach hinten fallen zu lassen.
Sie atmete tief ein und dachte: „Jetzt!“ Aber es gelang nicht, ihr Körper folgte einfach nicht ihrer gedanklichen Anweisung.“

„Komm Mari,“ lockte er sie freundlich, „du weißt, dir wird nichts passieren.“

Immer noch zögerte sie…

Und bei seinen Worten: „Ich weiß, du schaffst das Mari!“, holte sie tief Luft, dachte noch einmal „Jetzt!!!“ und…. ließ sich schließlich fallen.

Anders als bei dem Spiel, das sie vor einiger Zeit schon mal hatten, waren seine Hände allerdings nicht sofort da, und sie begann tatsächlich deutlich zu kippen. Doch nach einem kurzen Schreckmoment waren seine Hände da, fingen sie kräftig und fest auf, und ließen sie ganz sanft auf einen Stuhl sinken.
Ihr war heiß, in ihrem Kopf kribbelte es und sie atmete aufgeregt.

„Sehr gut Mari“, lobte er sie.
Froh, seine Stimme nun ganz in der Nähe zu hören, wünschte sie sich, jetzt eine Berührung von ihm zu spüren.
„Würdest du mich bitte einen Moment umarmen?“ fragte sie leise.

„Aber sehr gerne“, lächelte er und nahm sie fest in die Arme.

In diesem Moment spürte sie erst, wie ihr Körper zitterte, und war dankbar für die Umarmung.
Er hält sie ganz fest. „Ruhig und tief atmen, Mari, das hast du sehr, sehr gut gemacht! Du hast großen Mut bewiesen und großes Vertrauen. Es war heute ja auch deutlich schwieriger, dich fallen zu lassen, aber du hast es gemacht, Mari!“ Daraufhin zog er ihr die Strickjacke nun mit nur einem kleine Zug an der richtigen Stelle aus. Auch die Augenbinde nahm er ihr nun ab und lächelte sie an…

„Danke für deine Anerkennung, das tut gut dass die Strickjacke jetzt ab kommt!“

Sie genoss es, wieder sehen und sich frei bewegen zu können.

„Das war wirklich sehr, sehr gut Mari“, sagte er noch einmal, und dann: „Das Spiel ist vorbei!“

Mari schaute Joel an und ging einen Schritt auf ihn zu, und… er nahm sie in seine Arme.

„Da hat es mir der Meister heute aber ziemlich schwer gemacht“, erklärte sie leise, und genoß seine Umarmung.

„Ja“ gab er zurück, „das war wirklich eine starke Herausforderung an dein Vertrauen, aber du hast sie super gemeistert, hast großen Mut bewiesen und ihm vertraut.“

„Du glaubst gar nicht, wie schwer mir das gefallen ist, Joel!“

„Oh doch, das glaube ich“, sagte er und drückte sie enger an sich, „aber du konntest es, weil dein Vertrauen wächst.“

„Es war heute so unheimlich, schon am Anfang, als er so lange geschwiegen hat, als ich auf dem Stuhl saß… Dann das Laufen ging ganz okay mit der Zeit, aber das Fallen lassen – das war echt heftig! Puh…“

„Ja, zumal er vorher dafür gesorgt hast, dass du die Orientierung verlierst beim Gehen , aber du hast dich nicht irritieren lassen und hast ihm vertraut! Ich bin beeindruckt, Mari!“

„Na doch habe ich mich irritieren lassen, ich habe völlig die Orientierung verloren hier im Raum, ich habe nicht mal mehr die Richtung seiner Stimme zuordnen können, da war ich schon sehr irritiert. Und ich glaube das war Absicht, stimmt’s?!“

„Ja sicher, es sollte ja schon etwas herausfordernder sein, als beim letzte Mal, schließlich willst du ja in deinem Vertrauen wachsen – und du hast tatsächlich noch mehr Vertrauen gezeigt! Prima, Mari!“

„Hm… der Meister ist schon ziemlich kreativ in seinen Übungen, da bekomme ich jetzt schon Bammel vor dem nächsten Mal…“

„Aber du weißt doch, dass es gut ausgehen wird!“ lächelte Joel.

„Warum habe ich dann trotzdem immer wieder so dolle Angst? Ich weiß gar nicht, welche Angst heute größer war: die Angst vor dem Fallen lassen oder die Angst davor, es nicht zu schaffen.“

Joel überlegte: „Tja, warum ist das so mit der Angst… Ich denke, weil es etwas Neues, etwas Ungewohntes ist, und weil du immer noch die unangenehmen Erinnerungen in dir trägst, die in ungewissen Situationen immer wieder aktiviert werden.“

„Ja, so wird es sein. Die kommen wohl immer wieder, wenn es eine neue Steigerung der Herausforderung gibt.“

„Ja, aber mit jedem Schritt, gewinnst du mehr Vertrauen, Mari, sonst wäre es dir heute blind und mit gefesselten Händen nicht möglich gewesen, so sicher durch die Wohnung zu gehen.“

Mari schaute Joel dankbar an. „Es ist echt toll von dir, Joel, dass du mich immer wieder auf die Dinge aufmerksam machst, die mir gelingen. Hab vielen Dank dafür!“

„Ich danke dir, Mari, dass ich ein Teil davon sein kann“, sagte er und drückt sie noch einmal fest an sich.

„Was hätte der Meister eigentlich gemacht, wenn ich mir die Jacke nicht hätte ausziehen wollen?“

Dann hätte er einen anderen Weg gefunden“, sagt Joel wissend, aber rätselhaft.

„Hm okay…“, ich frage wohl besser nicht weiter nach, meinte Mari nachdenklich.

„Du würdest auch keine Antwort bekommen“, schmunzelte Joel, „ich freue mich schon auf das nächste Spiel mit dir!“

Geschrieben von Raffael und Miriam

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60. Die Bühne des Miteinanders erweitert sich

Bei Joel – Mari bekommt den Auftrag, ein „Nest“ zu bauen

Nach einer freundlichen Begrüßung begann Joel, der für Mari die Rolle des Meisters einnahm, das heutige Spiel – unerwartet wie meist – mit dem Satz: „Das Spiel beginnt“ – und gleich danach kam die Aufforderung: „Mari, ich möchte jetzt, dass du dir heute hier auf der ausgezogenen Couch ein richtig kuschliges Nest baust.“

Mari schaute auf die ausgezogene Couch mit der breiten Liegefläche. Sie hatte ja nun schon einige Male darauf gelegen, aber jetzt… Die Anweisung, ein „kuschliges Nest“ zu bauen, weckte nebulöse Vorstellungen in ihr von dem, was sie wohl heute hier erleben würde. War sie dazu bereit?

Nervös schaute sie Joel an, der ihr freundlich, aber bestimmt, zunickte. Er öffnete eine Schranktür, hinter der Decken, Laken, Kissen, und ähnliches Material zu finden war. „Bediene dich, und gestalte daraus ein Lager, auf dem du dich so richtig wohl fühlen könntest. Lass dir ruhig Zeit dabei.“

Was sollte in diesem „Nest“ wohl geschehen? fragte wieder ihre Angst-Stimme.
„Ja, mach ich,“ antwortete sie, sprach aber die Frage nicht aus, wozu dieses Nest wohl dienen sollte – und machte sich an ihre Aufgabe. Er hätte ihr ohnehin keine Antwort gegeben – das wusste sie inzwischen und war froh, dass sie daran gedacht hatte, dem Impuls nicht gefolgt war und ihre Frage für sich behielt.

Auch Joel hatte das bemerkt und lächelte verhalten. Seine Schülerin kam weiter auf ihrem Weg… Dass sich in ihr Fragen bewegten, war ihm klar. Doch sie folgte seiner Anweisung ohne zu fragen, was ja eine ihrer Regeln innerhalb der Spiele war, in der sie die Rolle der Schülerin und er die des Meisters inne hatte. Der Inhalt dessen, was sie lernen wollte, war vor allem eins: Vertrauen.

Erst einmal holte Mari hervor, was sie in dem Schrank fand.

Dann wählte sie aus, was ihr gefiel und räumte den Rest wieder ein.
Joel lobte sie. „Das hast du sehr schön und kuschlig gemacht! Ich muss doch gleich einmal ausprobieren, wie es sich darin liegt.“

Mari schaute zu, wie er sein Hemd auszog, sich hinlegte und sich wohlig dehnte und streckte. Schließlich öffnete er seine Arme und lud sie ein, sich bei ihm nieder zu lassen.

Etwas zögernd stand sie im Raum. Immerhin, er hatte nicht verlangt, dass sie sich ausziehen sollte… Dennoch gab es eine Schranke in ihr, sich mit ihm sozusagen in ein gemachtes Bett zu legen, denn nichts anderes war ja dieses „Nest“, das sie gebaut hatte, nun eigentlich geworden…

„Mari, zieh bitte deine Bluse aus, die wirst du hier nicht brauchen. Wir haben ja eine Decke.“

Okay! Wenigstens hatte sie ein buntes Top unter der Bluse… Sie überlegte… wie weiter?
Sie fühlte sich so unbehaglich wie lange nicht mehr, doch konnte sie ja nicht die ganze Zeit hier stehen bleibe. Für solche schwierigen Momente gab es die Möglichkeit, dass sie um eine Umarmung bitten durfte… Er hatte ihr am Anfang ihres gemeinsamen Weges gesagt, dies sei immer möglich, um nicht in ein Gefühl der Starre hinein zu fallen, was ihr anfangs öfter passiert war.

„Ähm, es fühlt sich gerade ziemlich schwierig an in mir… Darf ich… um eine Umarmung bitten?“

„Gut, dass dir diese Möglichkeit eingefallen ist,“ bestätigte sie Joel. „Ja, das darfst du immer, Mari, und auch jetzt! Komm her zu mir, ich umarme dich gern.“

Damit hatte sie sich ein Eigentor geschossen… Genau das war ja ihr Problem gerade, dass sie sich nicht rühren konnte… dass sie Schwierigkeiten hatte, sich zu ihm in das von ihr eben bereitete Bett zu legen… mit wenig Kleidung…

Joel schaute sie aufmerksam an. Er ahnte, was sie bewegte und sagte sanft: „Meine Umarmung wird dir im Liegen genauso Halt geben wie im Sitzen oder Stehen. Probiere es einfach aus. Es ist nur ein kleiner Schritt, der geringfügig anders ist als sonst. Meine Umarmung wird genauso achtsam und liebevoll sein, wie du es schon oft erlebt hast.“
Geduldig und einladend lag sein geöffneter Arm auf der Matratze… Es lag nun an ihr, diesen Schritt zu tun und sich in seinen Arm hinein zu begeben.

Ich kenne und ich mag seine Umarmungen, sie tun mir gut… so redete sie sich in Gedanken gut zu, warum soll das im Liegen anders sein als im Sitzen oder im Stehen… auch wenn das jetzt ein Miteinander-im-Bett-sein ist… Und der Schritt gelang! Sie ließ sich nieder und kuschelte sich in seinen Arm, atmete tief und schloss die Augen. Ich liege mit ihm im Bett – uff!

Er zog die Decke über beide. „Wie schön, Mari, dass du diesen Schritt zu mir getan hast. Ich weiß wohl, dass dir das gerade nicht leicht fiel. Aber spür mal hin, ist es außer der Tatsache, dass wir uns liegend noch besser entspannen können, irgendwie schlimm?“

Etwas verlegen schüttelte sie den Kopf, der an seiner Schulter lag. „Nein, eigentlich nicht.“

„Und un-eigentlich?“

Sie öffnete die Augen. „Na ja, wir liegen mit nur wenig Klamotten miteinander im Bett! Die Couch ist nun zum Bett geworden… Und genau davor hatte ich ja so große Angst, mit einem Mann ins Bett zu gehen…“

„Keine Sorge, Mari, auch wenn wir hier mehr Fläche zur Verfügung haben und die „Bühne unseres Miteinanders“ sich erweitert hat und kuschliger wird, werde ich niemals etwas tun, was dir unangenehm oder für dich nicht möglich ist. Darauf kannst du dich immer verlassen!“

Er stützte sich leicht auf den Unterarm, so dass sie ihm in die Augen schauen konnte. „Willst du mir das glauben?“

„Ja, das möchte ich dir glauben.“

Sanft strich er ihr übers Haar. „Ich danke dir für dein Vertrauen – und dafür, dass du dir ein Herz gefasst hast.“

Ein vorsichtiges Lächeln stahl sich über ihr Gesicht.

„So, meine Liebe, und jetzt gibt es nur eine Aufgabe – und die heißt: Schließ deine Augen und fühle!“

Sie atmete tief ein, machte gehorsam die Augen zu und wartete mit Herzklopfen auf das, was nun geschah.

Joel hielt sie zunächst einfach nur weiterhin in seinem Arm und begann leise zu summen. Inzwischen wusste er um die beruhigende Wirkung auf sie, wenn er mit leisen Tönen ihre Seele streichelte. Nach einem Weilchen bemerkte er erfreut, wie sie etwas näher an ihn heran rückte und sich anschmiegte. Mit der anderen Hand strich er ihr übers Haar. Wohlig seufzte sie und begann sich zu entspannen. Das tat so gut…

Ihre Gedanken kamen zur Ruhe. Er strich wieder und wieder mit gleichmäßigem sanftem Druck über ihr Haar, lockerte von der Seite vorsichtig knetend ihre verkrampfte Schulter, und berührte dann behutsam ihr Gesicht, strich ganz sacht über ihre Wange. Sie merkte zu ihrem eigenen Erstaunen, dass sie sich tatsächlich wohlfühlte so nah neben ihm – und das im Bett…

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59. Erstes Spiel im neuen Jahr (2)

Bei Joel – das Spiel geht weiter

Joel hielt Mari, die er dicht neben sich gezogen hatte, auf der Couch fest umschlungen und flüsterte – bereits in seiner Rolle als Meister: „Nun bist du meine Gefangene! Na, wie fühlt sich das an?“
Mari , die sich sehr plötzlich in dieser „gefangenen Sitzhaltung“ wiederfand und dadurch etwas erschrocken war, konnte nicht gleich antworten.
Er wartete und zog sie noch fühlbar enger an sich heran. In seinen beiden Händen hielt er ihre Hände: den einen Arm vor ihrem Oberkörper, den anderen Arm hinter dem Rücken. Dabei hielt er ihre Hände so fest, so dass sich ihre Arme in der Tat fast bewegungsunfähig anfühlten.
Ihn so nah bei sich zu fühlen in dieser Haltung fühlte sich tatsächlich wie gefangen an – und löste ein ambivalentes Gefühl aus – einerseits war es aufregend und unheimlich, so hilflos zu sein, andererseits fühlte es sich gut an, seine Nähe so deutlich zu spüren. Dazu die Worte „eine Gefangene sein“… löste ein Kribbeln aus.
„Nun, Mari… ich warte auf deine Antwort. Wie fühlt sich das an?“
„Schaurig – aufregend – spannend…“ antwortete sie leise.
„Nun, dann wollen wir doch mal sehen, wie es meiner Gefangenen weiter ergeht…“ Mit diesen Worten stand er, sie weiter in den Armen festhaltend auf, so dass ihr gar nichts anderes übrig blieb, als an seiner Seite mit aufzustehen. Einen Moment lang stand sie von ihrem eigenen Arm, dessen Hand er in seiner hielt, fest umschlungen fest an seine Seite gedrückt neben ihm.
„Körbchen-Position nennt man das im Tanz“, erklärte er ihr.
Plötzlich zog er an einem Arm, ließ den anderen los und gab ihr an der Schulter einen deutlichen Impuls, so dass sie sich schwungvoll aus der eben noch dicht neben ihm stehenden Haltung ausdrehte und sich ihm gegenüber wieder fand – jetzt, nun mit weitaus größerem Abstand nur noch an einer Hand gehalten.
Er hielt sie so lange an der Hand fest, bis sie ihr Gleichgewicht wieder gefunden hatte und sicher auf ihren Füßen stand. Dann ließ er sie los, ging drei Schritte zurück und betrachtete sie von dort aus.
„Du bleibst jetzt genau an dieser Stelle stehen – so lange bis ich dir etwas anderes sage. Und deine Arme verschränkst du hinter dem Rücken.“
Angespannt folgte sie seiner Anweisung.
„Gut, Mari.“
Er lächelte verhalten, kam auf sie zu und trat hinter sie.
Aufgeregt wartete sie ab. Was würde jetzt kommen?
Sie fühlte einen kleinen Druck seiner Hände auf ihre beiden Ellbogen, der die verschränkte Armhaltung noch etwas verstärkte. Das fühlte sich zwar unbehaglich an, aber nicht wirklich unangenehm.
Stille…
Er war immer noch hinter ihr…
Was würde jetzt kommen?
Aufgeregt hielt sie die Luft an.
Schließlich spürte sie, wie er seine Hände sanft auf ihre Schultern legte. „Ganz ruhig weiter atmen, Mari“, hörte sie seine Stimme leise an ihrem Ohr. „Du hast nichts weiter zu tun, als einfach nur wahrzunehmen, was du fühlst.“
Die Wärme, die aus seinen Händen strömte, tat ihr gut. Hörbar atmete sie aus.
„Ja, so ist es gut, entspann dich, auch wenn diese Haltung sich vielleicht gerade etwas unbehaglich anfühlen mag. Alles ist gut…“ Dann begann er seine Daumen mit sanftem Druck auf ihren verspannten Schultern zu bewegen. Dankbar nahm sie wahr, wie sich ihre Schultern dabei etwas lockerten. Auch ihre gefühlsmäßige Anspannung konnte sich dabei ein wenig beruhigen…

Schließlich trat er wieder vor sie, schaute ihr in die Augen und erklärte: „Du wirst weiterhin so stehen bleiben. Halte den Blickkontakt mit mir und nimm bewusst wahr, was in dir geschieht.“
Daraufhin ging er zwei Schritte rückwärts und sah sie von dort aus schweigend an.
Dieses Schweigen war schwierig für sie auszuhalten. Dabei fühlte sie die Anspannung der verschränkten Arme deutlicher als vorher.
Er wusste das und dehnte die Situation nicht allzu lange aus. Dennoch erschien es ihr sehr lang.
„Wie fühlst du dich?“ fragte er schließlich.
„Unbehaglich.“ Ihr Blick ging unruhig hin und her.
„Schau mich an, Mari.“
Sie erschrak. Stimmt ja! Sie sollte ja den Augenkontakt halten! Es fiel ihr jedoch schwer. Die Situation verursachte in ihr eine seltsame, unheimliche Stimmung.


Er trat wieder einen kleinen Schritt auf sie zu, legte einen Finger unter ihr Kinn und hob es an, bis sie ihm wieder in die Augen sehen musste.
„Was wünschst du dir jetzt?“
„Dass ich meine Arme lösen darf“, antwortete sie.
„Du darfst deine Arme wieder lösen und dich ganz bequem hinstellen.“ Er lächelte. „Mari, du bist jetzt wieder frei!“
Erleichtert nahm sie eine angenehmere Körperhaltung ein.
„Das hast du sehr gut gemacht!“ Er breitete seine Arme aus. „Und nun komm her! Lass dich umarmen!“

Erleichtert ließ sie sich von ihm halten. Das tat sooo gut… fest und innig umschlungen hielt er sie lange in seinen Armen. Dann setzte er sich mit ihr auf die Couch, legte einen Arm um sie und flüsterte: „Das Spiel ist vorbei, Mari. Der Meister hat sich aufgelöst, und du sitzt jetzt hier mit Joel.“
Aufatmend schmiegte sie sich an ihn. So viel war ja eigentlich gar nicht geschehen, dennoch hatte sie das Gefühl, von einem anstrengenden Weg nach hause gekommen zu sein.
„Auch wenn wir rein äußerlich betrachtet gar nicht so viel getan haben, hat es wohl einiges in dir bewegt… Spüre ich das richtig?“ fragte er.
„Ja“, bestätigte sie. „Deine Worte am Anfang, dass ich nun deine Gefangene bin, und diese seltsame Armhaltung haben ziemlich intensive Gefühle in mir ausgelöst.“
„Ich sag es auch gern nochmal als Joel, damit es ganz deutlich in dir ankommt: Mari, du bist jetzt frei! Am besten sagst du es dir selbst auch noch mal.
Mari nickte zustimmend: „Ja, ich bin frei!“
„Und eigentlich warst du das die ganze Zeit! Denn dieses Spiel, wie alle unsere Spiele, spielst du freiwillig, aus deinem freien Willen heraus. Nur während des Spielens tritt dieses Bewusstsein in den Hintergrund. Und es ist die Aufgabe des Meisters“, er zwinkerte ihr zu, „genau dafür zu sorgen, dass du es für diese Zeit vergisst. Aber jetzt… denkst du noch an deinen Satz am Anfang des Spieles?“
Mari lächelte „Ja, ich will die Aufregung und die kleine Angst, die mit unseren Spielen verbunden ist, spüren, und ich will auch spüren, wie sie sich wieder löst. Ich glaube, deshalb spiele ich gern diese Spiele, weil diese liebevolle Führung des Meisters in herausfordernden Situationen und hinterher die Erlösung aus der Angst ein so intensives Gefühl auslöst.“
Joel nickte. Er verstand sie.
„Und warum spielst du diese Spiele?“ fragte Mari interessiert.
„Ich mag es, die Macht zu fühlen, die du mir als Meister gibst – und die Handlungen in dieser Machtrolle in all ihren Herausforderungen sowohl aufregend als auch liebevoll zu gestalten! Diese Balance auszuloten ist für mich die Herausforderung…“ antwortete er lächelnd.
„Ich wünsche mir, dass in dieser Weise das ganze Leben mit uns umgeht!“
„Ja, möge uns das Leben solche Herausforderungen bringen, die sich herrlich lebendig anfühlen und gut zu bewältigen sind, auf dass sich alle Ängste immer wieder liebevoll auflösen und auch in ungewissen Situationen immer mehr Vertrauen wachsen kann…“

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58. Erstes Spiel im neuen Jahr (1)

Bei Joel – erstes Treffen im Januar 

Heute besuchte Mari ihren Spielpartner Joel zum ersten Rollenspiel im neuen Jahr. Aufgeregt stand sie vor seiner Tür und klingelte.
Fröhlich öffnete er die Tür, nahm ihr die Jacke ab und meinte dann im Wohnzimmer zu ihr: champagner_0011„Weißt du was, bevor wir mit dem Spiel beginnen, lass uns nochmal auf das neue Jahr anstoßen.“
„Gerne“, lächelte Mari und nahm das gefüllte Sektglas entgegen.
„Auf viele spannende und… schöne Erlebnisse, Mari!“
Vorsichtig stieß sie an das Glas, das er ihr entgegen hielt und nickte.
„Was wünschst du dir für unsere Spiele im neuen Jahr?“ fragte er sie.
Mari überlegte… Schließlich antwortete sie: „Dass es uns beiden gut geht damit.“
Aufmerksam schaute er sie an. „Was brauchst du, damit es dir gut geht, wenn wir spielen?“
Was sollte sie dazu sagen…
Er half ihr: „Wann fühlt es sich richtig gut an für dich, Mari?“
„Wenn es mir gelingt, so viel Vertrauen zu fühlen, dass die Angst nur klein ist.“
„Wie wäre es, wenn du dir wünschtest, gar keine Angst zu haben?“ wollte er wissen, zwinkerte und sagte: „Übrigens: das Spiel beginnt.“
„Das kann ich mir kaum vorstellen“, bekannte sie.
„Kannst du nicht, oder willst du nicht?“ fragte er und sah sie prüfend an.
„Warum fragst du das?!“ mit einem leisen Klirren stellte sie das Sektglas auf den Tisch.
„Meine Frage ist durchaus ernst gemeint“, erklärte er ihr, nahm ihr Hand und setzte sich mit ihr auf die Couch. „Gehört eine Spur von Angst nicht zu unseren Spielen dazu?“ Er machte eine beschwichtigende Geste… „Keine wirkliche, keine belastende Angst meine ich, sondern eine, die  leicht auszuhalten ist, die die Spannung steigert und die Entspannung danach, wenn das Spiel sich dem Ende zuneigt,  deutlicher fühlbar macht – nennen wir sie „Aufregung“ oder „Kribbel“, ist das besser annehmbar?“
Mari fühlte sich ein bisschen wie ertappt. „Ja, ich glaube, da ist schon was dran“, gab sie zu.
„Siehst du, Mari, das wollte ich hören! Es ist gut, wenn dir bewusst ist, dass du es bist, die das so will, damit es spannend und aufregend wird. Deshalb würdest du mich in der Rolle des „Meisters“ in unseren Spielen doch gar nicht immer nur butterweich und gähnend berechenbar haben wollen, richtig?“ Er wartete auf ihre Antwort.
Sie nickte.
„Ich will eine Antwort von dir hören, Mari.“
„Ja…“
„Wozu sagst du ja?“
Es fiel ihr schwer, es auszusprechen, sie suchte nach Worten… „Ja, ich bin bereit für etwas Aufregung in unseren Spielen.“
„Mari, es geht darum, dass du vor dir selbst und vor mir dazu stehst, dass du das willst.“
„Okay! Ja, ich will ein gewisses Maß an Aufregung, und ich will mich mit meiner Angst konfrontieren in unseren Spielen! Aber ich will auch immer wieder dabei erleben, dass meine Angst sich auflöst!!!“
„So soll es sein!“ bestätigte Joel. „Und daran, dass du das so willst, denke auch dann, wenn du die Angst oder sagen wir die Aufregung etwas intensiver spüren solltest.“

Mit einem Ruck zog er ihre Hand, die er bis eben ruhig in seiner gehalten hatte, um ihren Körper herum, so dass sie sich nach einer viertel Drehung ihres Oberkörpers plötzlich mit ihrem eigenen Arm, der um sie selbst herum lag, fast bewegungsunfähig, dicht an ihn gelehnt, wieder fand.  Und sie vernahm dicht an ihrem Ohr die Worte: „Nun bist du meine Gefangene! Na, wie fühlt sich das an?“

Was Mari darauf antwortet, und wie das Spiel weitergeht, erscheint übermorgen.

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55. Eine Fahrt ins Vertrauen zum Jahreswechsel

Joel holt Mari mit dem Auto ab

Aufgeregt trat Mari aus dem Haus und stellte fest, dass Joel schon vor ihrer Tür stand und auf sie wartete. Sie waren verabredet für eine Fahrt ins Ungewisse… ein Vertrauensritual zum Jahreswechsel… Was immer das beinhalten würde – sie wusste es nicht… Dennoch hatte sie sich darauf eingelassen…
Schnell ein Blick auf ihre Armbanduhr: Ja, sie war pünktlich. Joel, ihr inzwischen schon vertrauter Spielpartner, der in ihren Spielen die führende Rolle inne hatte, nahm zur Begrüßung beide Hände in seine und drückte sie: „Schön, dass du mit kommst, Mari! Das Spiel beginnt. Wir werden sicher einiges miteinander erleben.“

Sie stieg ein. Doch er fuhr noch nicht gleich los. Er drehte sich zu ihr, sah sie an und fragte: „Mari, du weißt, worum es geht – Vertrauen ist dein Wunsch, den du stärken möchtest. Ja?“

„Ja.“ bestätigte sie.

„Deshalb wirst du mir jetzt alles geben, was dir in irgendeiner Weise eine Art äußerer Sicherheit vermittelt. Das heißt konkret: deine Handtasche, dein Handy und deine Uhr.“



Mari war nach dieser Ansage kurz davor, wieder auszusteigen. Wollte… konnte… sie sich darauf wirklich einlassen?

Sanft legte er ihr eine Hand auf die Schulter. Was ist das Schwierigste davon für dich?“ fragte er leise. 

„Mein Handy!“ antwortete sie sofort. „Ich muss für meine Mutter wenigstens ab und zu erreichbar sein. Wir telefonieren täglich!“

„Gut, das verstehe ich. Du wirst dein Handy ab und zu von mir bekommen – für das Gespräch mit deiner Mutter und um zu sehen, ob sie eine Nachricht hinterlassen hat. Okay?“

Sie zögerte noch kurz und war dann einverstanden. 

„Nun gibt es gleich noch eine Herausforderung, Mari. An dieser Stelle kannst du noch aus dem Auto aussteigen, und auf die Fahrt verzichten. Und ich versichere dir, das wäre okay! Du müsstest dann keine Sorge haben, dass ich deshalb sauer wäre.“

„Welche Herausforderung meinst du?“ 

„Ich werde dir jetzt eine Augenmaske geben, damit du nichts sehen kannst. Die wirst du die ganze Fahrt über tragen und auch wenn wir im Haus angekommen sind noch so lange, bis ich sie dir abnehme.“

„Uff! Joel… du verlangst viel!“

„Das sind die Bedingungen dieses Spiels, Mari. Du musst nicht mit spielen. Es liegt an dir, ja oder nein zu sagen. Beides ist in Ordnung.“

Einige Atemzüge später hatte sie ihre Entscheidung noch einmal neu getroffen: „Okay, ich bin einverstanden…“

So begann die Fahrt schon mit einigen herausfordernden Momenten. Als Mari dann aber im Auto saß und es los ging, gewöhnte sie sich nach und nach an diese seltsame Situation.
Sie wusste nicht, wie lange sie unterwegs sein würden…
Sie wusste nicht, wohin sie mit ihm fahren würde…
Sie wusste nicht, wann es das nächste Mal etwas zu essen geben würde…
Sie wusste nicht, was sie gemeinsam machen würden…
Sie wusste nur: Sie selbst hatte dazu Ja gesagt – und…
Sie war mit einem Mann unterwegs, der ihr bisher auch in angstbesetzten Situationen niemals etwas getan hatte oder eine Grenze überschritten hatte, die für sie wichtig war.
Jedenfalls bisher…
Wie würde sie wohl von dieser Fahrt zurück kommen?
Wie würde sich sich fühlen?

In diesem Moment erklang leise, wohl klingende Musik im Auto. 
Sie sank noch etwas tiefer in den Autositz hinein, spürte das gleichmäßige Schuckeln und nickte ein…

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54. Ungewissheit ist der Lehrpfad des Vertrauens

Bei Mari – Die Idee zu einem Vertrauensritual zum Jahreswechsel

Noch immer lagen die bunten Briefumschläge mit der Raumschiff-Geschichte bei Mari auf ihrem Regal neben dem Adventskranz. Joel richtete seinen Blick darauf und sagte: „Das Spiel beginnt.“

Mari saß neben ihm auf der Couch, und er nahm ihre Hand in seine. „Mari, jetzt kommt ja bald das neue Jahr… Was wünschst du dir besonders für dich in diesem kommenden Jahr?“

Ohne lange nachzudenken antwortete sie: „Ich wünsche mir, dass mein Vertrauen stärker wird! Ich glaube, dass sich dann vieles leichter anfühlen würde für mich – sowohl in unserer speziellen Thematik als auch im Leben überhaupt.“

Joel nickte: „Das ist ein großer, ein weitreichender und wie ich glaube auch sehr wertvoller Wunsch. Den würde ich gern unterstützen! Wärst du bereit, etwas dafür zu tun, um diesem Wunsch noch mehr Kraft zu verleihen?“

Fragend schaute Mari ihn an… „Was meinst du damit? Was denn tun?“

„Es gibt einen Satz der heißt: Ungewissheit ist der Lehrpfad des Vertrauens.“
Joel hielt weiterhin ihre Hand und erklärte: „Indem du durch Unbekanntes, Unkontrollierbares, Ungewisses hindurch gehst, und die Erfahrung machst, dass du es gut bewältigen kannst, wird dein Vertrauen sowohl in dich selbst als auch ins Leben stärker.“

Mari, der dieser Gedanke ja nicht neu war, antwortete: „Das habe ich mit dir ja gerade in unseren Spielen hier schon mehrmals erlebt.“

„Ja“, bestätigte er, „und was würdest du jetzt davon halten, wenn ich dich stellvertretend für das Leben durch ein Ritual führe, das diesen Wunsch stärkt?“

„Und was wäre das für ein Ritual?“ fragte Mari mit einem etwas unbehaglichen Flattern im Bauch.

„Ein guter Freund von mir ist mehrere Wochen verreist, und ich habe ein Auge auf sein Haus. Er hat mir angeboten, dass ich es – gern auch mit Begleitung – jederzeit nutzen darf. Es liegt etwas außerhalb und hat auch einen großen Garten. Hättest du Lust, über Sylvester dort mit mir hinzufahren?“ fragte Joel.
„Wo ist denn das Haus?“ wollte Mari wissen.

Joel schaute sie ernst an…“Ja, und an dieser Frage würde die Anforderung an dein Vertrauen bereits beginnen. Du würdest mit mir fahren, ohne zu wissen, wohin. Du müsstest dich mir anvertrauen.“

„Na, liegt es in der Nähe – oder einige Stunden entfernt? Ist es eine Reise oder nur ein Katzensprung?“ versuchte es Mari weiter…

„Nix da!“ antwortete Joel konsequent. „Die einzige Frage, die du dir selbst stellen musst ist die, ob du dich mir anvertrauen willst. Wie lange und wohin wir fahren, wirst du vorher nicht erfahren.“

„Und was machen wir dort?“

„Auch das werde ich dir vorher nicht verraten. Du müsstest dich ganz auf das einlassen, was ich mit dir vorhabe. Unsere bisherigen Regeln und Absprachen würden natürlich weiterhin gelten. Darauf kannst du dich immer verlassen. Dazu gehört auch unsere Gefühls-Ampel. Sollte etwas für dich nicht gehen, und du würdest „Rot“ sagen, würde ich es sofort beenden. Nur ganz aus der Situation, also aus dem Haus und der Umgebung dort, könntest du dich natürlich nicht entfernen.“

„Dann würde es mir ja ähnlich gehen wie Carina im Haus ihres Meisters und wie im Raumschiff – ich könnte nicht weg!“

„Ja“, bestätigte Joel, „so wäre es. Du sagtest mir ja, dass dir diese Situation unter anderem besonders unter die Haut gegangen ist. Und damit es dem tatsächlich ähnelt, gibt es noch eine zweite Bedingung: Du wirst kein Geld mitnehmen!“

„Wie jetzt…“ Mari wurde es zunehmend unbehaglicher zumute.

„Damit wir eine ähnliche Situation herstellen, wie sie Carina hatte, wirst du ohne Geld mit mir kommen und darauf vertrauen, dass ich dich sicher und wohlbehalten hin und wieder zurück bringen werde. Du hättest also keine Möglichkeit, selbst wieder zurück zu fahren, falls du solch einen Impuls verspüren würdest. Ich glaube allerdings nicht, dass das passieren wird,“ lächelte er und drückte ihre Hand ein wenig, „aber es macht für dich etwas aus, zu wissen, dass es nicht möglich wäre…“

„Und wenn ich plötzlich Panik bekäme und nach Hause wollen würde?“

„Dann müsstest du dich darauf verlassen, dass ich mit deiner Angst fürsorglich und liebevoll umgehen würde – so wie ich es ja bisher auch getan habe“, antwortete Joel. „Ich bin sicher, wir würden Panik, falls welche aufkommen würde, gemeinsam gut bewältigen. Aber ich gehe davon aus, dass es soweit gar nicht erst kommt.“

Mari spürte, wie dieses Angebot von Joel sie einerseits anzog und andererseits auch beunruhigte. Wieder diese ihr schon bekannte Mischung von Angst vor Kontrollverlust und gleichzeitiger Anziehung…
„Und wie wäre es dort mit dem Essen?“ wollte sie wissen.

„Auch in der Versorgungsfrage müsstest du dich ganz auf mich verlassen. Du nimmst nichts mit! Ich sorge für alles.“

„Aber eine Wasserflasche in der Handtasche und ein paar Süßigkeiten und Snacks werden doch wohl erlaubt sein oder?“ versuchte sie zu handeln.

„Wasserflasche ja“, nickte Joel, „alles andere nicht!“

Er stand auf, zog sie von der Couch, stellte sich ihr gegenüber, sah ihr in die Augen und fragte: „Was meinst du, willst du diese Anforderung an dein Vertrauen annehmen? Möchtest du diese Fahrt ins Vertrauen mit mir machen?“

Und zu ihrer eigenen Überraschung hörte sie sich sagen: „Ja, ich nehme die Anforderung an. Ich mache dieses Vertrauensritual mit dir.“

„Und du bist bereit, die genannten Bedingungen anzunehmen? Kein Geld. Keine Info über den Ort. Keine eigene Verpflegung. Und es werden noch andere Dinge hinzu kommen, die du jetzt noch nicht weißt und über die ich jetzt auch noch nichts sagen werde. Bist du bereit dazu?“

Sie schluckte… sah ihn an… erinnerte sich an vieles, was sie bereits mit ihn erlebt hatte, und sagte: „Ja ich nehme diese Chance an. Ich bin bereit.“

„Wunderbar“, lächelte er, zog sie an sich heran und umarmte sie fest. „Ich freue mich, Mari!“

Innerhalb seiner Umarmung spürte Mari, dass diese Entscheidung für sie richtig war, auch wenn sich das nicht einfach anfühlte.

Etwas später gab er ihr noch eine Hausaufgabe: „Ich möchte, dass du zuhause für dieses Ritual vier verschieden farbige Blätter auswählst. Auf jedes schreibst du einen Wunsch, den du gern verwirklichen möchtest, und eine Angst, die der Wunsch-Erfüllung möglicherweise im Wege steht. Aber so lange bis sie sich noch nicht gelöst hat, hab dich lieb damit, denn: Du kannst sie nicht durch deinen Willen allein „wegmachen“. Wenn die Zeit reif ist, wird sie sich wandeln. Wichtig ist nur, dass du dich für die Lösung bereit erklärst…  Dann rollst du sie zusammen und machst ein kleines Bändchen drum. Ich werde das, was darauf geschrieben steht, nicht lesen.“

Fragen_auf_Zettelt

„Okay“, nickte sie, „das sollte mir nicht so schwer fallen…

Er schaute sie ernst an. „Frag dein Herz, welche vier Wünsche und Ängste du in dieses Ritual mitnimmst.“
Dann drückte er sie noch einmal an sich und flüsterte ihr ins Ohr: „Das Spiel ist für heute beendet.“

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53. Einen Schritt weiter ins Vertrauen

Am Tag nach Weihnachten kommt Joel am Nachmittag Mari besuchen…

„Hallo Mari“, sagt er lächelnd, trat ein und zog sich seine Schuhe und Jacke aus.
„Tee und Plätzchen warten schon“, sagte Mari fröhlich. Sie freute sich auf ihn. Nach den entspannten Dezember-Wochen, in denen sie miteinander die Raumschiff-Geschichte gelesen hatten, die er für sie erdacht hatte, fühlt sie sich etwas unbefangener als davor.

„Das sieht bei dir immer alles so schön feierlich und gemütlich aus“, sagte er und setzte sich.



„Freut mich, dass es dir bei mir gefällt, Joel“, antwortete Mari lächelnd. „Diese Adventszeit war für mich eine ganz besondere durch deine Geschichte. Auch unsere Treffen, in denen du mir vorgelesen hast oder davon erzählt hast, empfand ich als so schön…“

„Das freut mich sehr“, antwortete er, nahm ein Plätzchen und sagte dabei leise: „Das Spiel beginnt.“ Dann in etwas anderer Stimmlage: „Ich würde gerne mit dir über die Geschichte reden, Mari.“

„Ja okay…“ antwortete sie abwartend.

„Wenn du so auf die Geschichte zurückblickst, welchen Eindruck hast du gehabt von der weiblichen Rolle?“ fragte er und schaute ihr in die Augen. Wie hat es sich für dich angefühlt? Wie sehr hast du mit ihr gefühlt?“ frage Joel nach.

„Also… Ich konnte mich gut in sie hinein versetzen, ihr Thematik ist mir ja nicht fremd. Und ich denke, das ist kein Zufall, oder?“ Sie sah Joel an und er zwinkerte ihr zu. „Manchmal tat sie mir leid, weil sie nicht mal weg gehen konnte, wenn sie es gewollt hätte, denn das Raumschiff konnte sie ja nicht verlassen. Also sie war nicht wie ich in einer von ihr selbstgewählten Situation von Macht und Kontrollabgabe, sondern sie hatte das Gefühl, zumindest am Anfang, völlig ausgeliefert zu sein. Da war es schön zu lesen, wie verständnisvoll und sanft ihr Meister mit ihr umgegangen ist.
Im Gegensatz zu Carina könnte ich das Ganze ja immer beenden, wenn ich es nicht mehr aushalten würde. Die arme Socke nicht. Das muss sich ziemlich heftig angefühlt haben – besonders am Anfang, bevor sie ihren Meister etwas besser einschätzen konnte. Ich habe sehr mit ihr gefühlt, habe mich manchmal richtig in der Geschichte drin gefühlt.“

„Das freut mich sehr“, lächelte Joel. „Gibt es etwas, das dich besonders gefangen genommen hat – etwas, das in deinem Kopf geblieben ist?“

„Naja, an zwei Stellen fand ich die Macht, oder soll ich besser sagen die Übermacht ganz besonders spürbar, das war einmal ganz am Anfang, als sie nach ihrer Flucht gefasst worden ist, bei ihm in seinem Haus war und schließlich ja keine andere Wahl hatte, als diese Reise mit ihm anzutreten.
Und dann die Situation, wo ihr Meister sie nicht aus dem Zimmer gelassen hat, und sie gezwungen hat, sich auf die Liege zu legen.“

„Wie war das für dich, als er sie dazu gezwungen hat?“ fragte Joel.

„Da waren einige Gefühle gleichzeitig in mir… Einerseits hatte ich ja genügend Distanz, um aus dem roten Faden, wie es bis dahin so lief, zu erkennen, das er ihr sicher nichts Böses wollte, und auch nichts Unkontrolliertes tun würde, mit dem er sie verletzen würde. Andererseits fühlte ich mit ihr mit, wie stark sie in ihrer Panik gefangen war, und hatte Mitgefühl mit ihr. Und dann gab es auch noch eine dritte Facette…“

„Eine Dritte Facette? Was war die dritte Facette?“

„Das fällt mir ein bisschen schwer, wie ich das beschreiben soll, vielleicht kann ich es als ein Gefühl von Faszination bezeichnen, etwas, was mich gleichzeitig angezogen hat und abgeschreckt hat… Und diese Gleichzeitigkeit hat sich irgendwie aufregend angefühlt, ja fast ein bisschen… erregend.“

„Oft liegt die Faszination ja in dem, was unmöglich zu sein scheint. Ramon hat in der Szene ja mehrfach gesagt, dass ihr nichts Schlimmes passieren wird, hast du ihm geglaubt?“

„Ja, ich als Leserin war mir sehr sicher, dass ihr wirklich nichts Schlimmes geschehen würde. Ich habe aber auch gespürt, dass sie das gar nicht glauben konnte, ja dass sie es nicht einmal wahrgenommen hat in ihrer Panik.“

„Und wie war es zu spüren, dass er sie nicht loslassen würde, dass er sie zwingen würde zu bleiben und sich hinzulegen?“

„Naja, da habe ich gedacht, wenn du das mit mir sobald am Anfang gemacht hättest, wie es für Carina war, das hätte ich wahrscheinlich als sehr schlimm empfunden. Aber seltsamerweise fand ich es innerhalb dieser Geschichte nicht so schlimm, diesen Widerspruch verstehe ich selbst nicht so richtig… Vielleicht weil ich mir von außen berachtet denken konnte, dass er ihr nicht wehtun wird… Ich glaube, deshalb fand ich es nicht nur „nicht schlimm“, sondern sogar spannend und aufregend.

„Weil du wusstest, er würde ihre Grenzen wahren. Ist das so richtig?“

„Ja, also genau wissen konnte ich es ja auch nicht, weil ich kannte ja die Geschichte noch nicht ganz, aber ich war mir irgendwie sehr sicher, dass er nicht über eine Grenze gehen würde, die für sie nicht stimmig gewesen wäre.
Obwohl er ja da schon über eine Grenze gegangen war, denn sie wollte ja aus der Situation raus gehen. Allerdings fand ich das – von außen betrachtet – irgendwie nicht so schlimm.“

„Ja, das Festhalten war sicher eine Grenzüberschreitung, aber eigentlich nur eine kleine, um etwas anderes vorzubereiten. Doch da war ja nicht klar, wie weit es gehen würde. Er war ja eindeutig stärker als sie und hätte mit ihr alles mögliche machen können. Wie war das Gefühl dieses Ausgeliefert-seins für dich?“

„Ich konnte ja spüren, das sie einem Mann, der es gut mit ihr meinte, ausgeliefert war – und das hat sich… ehrlich gesagt… sogar irgendwie… gut angefühlt,“ gab Mari etwas zögernd zu.
„Also aus ihrer Position hat sich das in diesem Moment sicherlich nicht gut angefühlt, aber aus meiner Position hatte das irgendwie etwas, ja fast irgendwie Schönes…“

Joel schaute sie nachdenklich an… „Diese Gefühl ausgeliefert und doch etwas behütet zu sein?“ fragte er schließlich.

Mari nickte: „Da hast du es genau auf den Punkt gebracht! Ja, diese Gleichzeitigkeit von Zwang und Güte – die hat was! Er hat ja auch während dessen immer wieder freundlich mit ihr geredet, das habe ich als Zuhörerin ja wahrgenommen, aber sie konnte es nicht wahrnehmen, weil sie so gefangen war in ihrer Angst.“

„Und diese Gleichzeitigkeit hatte etwas Faszinierendes?“

„Hm ja… Stimmt.“

„Kannst du sagen, was faszinierend daran ist?“

„Das merke ich immer mal wieder, dass… wenn zwei Gegensätze gleichzeitig da sind, und einer davon hat etwas mit Güte oder Liebe zu tun, irgendetwas in mir klingelt und sich berührt fühlt.
Es gibt ja den Ausspruch: jemanden zu seinem Glück zwingen. Und wenn wir hier die Fußmassage als Glück betrachten, weil sie ihr ja gut getan hat und ihre Kopfschmerzen gelindert hat, dann war dieser Zwang ja für etwas Gutes da und fühlt sich deshalb irgendwie stark an.“

„Ja, es hatte vielleicht etwas damit zu tun, jemandem zu seinem Glück zu zwingen. Allerdings… könnte es manchmal nicht auch darum gehen, einfach Macht zu spüren, das Gefühl zu fühlen, dass jemand Macht über einen anderen hat…“

„Hmm…also… ein starker Mann hat die Macht über sie, und das hat sich deshalb gut angefühlt, weil ich mir ziemlich sicher war, dass diese Macht nicht für etwas Böses, im Gegenteil für etwas Heilendes genutzt wird.“

„…Und das Gefühl, dass jemand Macht über sie hatte… das war faszinierend?“

„Ja, das fand ich faszinierend, aber das würde ich nur so empfinden, solange wie nichts Böses geschieht, nichts Schlimmes… Zu wissen, er ist ihr so überlegen in seiner Kraft, dass er alles mit ihr machen könnte, was er will, aber das nicht zu etwas ausnutzt, was ihr nicht gut tut, das finde ich ziemlich spannend.“

„Wie wäre es, wenn ich diese Macht über dich hätte, Mari?“

„Huuuh… Du stellst ja Fragen… Da sind wir plötzlich von der Geschichte bei uns gelandet!
Naja, ich glaube, du bist mir körperlich tatsächlich ziemlich überlegen…“

„Ja, das würde ich sagen. Wenn es darauf ankäme, könnte ich dich körperlich überwältigen.“

„Willst du mir jetzt Angst machen? Also bisher hatte ich immer den Eindruck, dass du diese Macht nicht einsetzt, also diese körperliche Überlegenheit…“

„Nein, du weißt, dass ich das nie zu deinem Schaden einsetzen würde – also keinesfalls, wenn es nicht okay wäre. Aber vielleicht reizt es dich ja, auch dieses Gefühl der Machtlosigkeit zu erleben – in dem Wissen, dass dir mit mir nichts Schlimmes passieren wird…?“

Mari überlegte… „Hm. Na ja… Da ist schon ein bisschen was Wahres dran… Dieses Gefühl der Machtlosigkeit ist so seltsam doppelt, es reizt mich irgendwie die Vorstellung, das körperlich zu spüren… Gleichzeitig ist aber auch eine große Angst davor da, wie wir ja in der Situation, in der du mich gefesselt hast gesehen hatten.“

„Nun, das wäre natürlich eine Frage des Vertrauens. Du müsstest viel Kontrolle abgeben und darauf vertrauen, dass ich trotz Überwältigung die Regeln einhalte.“

„Ui, das fühlt sich spannend und unmöglich gleichzeitig an, faszinierend und beängstigend zugleich… Ich weiß nicht, ob ich in dem Moment noch vertrauen könnte, Carina konnte es ja nicht, aber sie kannte ihren Meister auch noch nicht so lange, wie ich dich bereits kenne.“

„Ja, das ist schwer vorherzusehen. Wie sehr würde es dich reizen?“

„Hmm…“ Mari spürte schon bei der Frage, wie eine Aufregung, in ihr aufstieg, die sich spannend und leicht bedrohlich gleichzeitig anfühlte. „Irgendetwas reizt mich schon, herauszufinden, wie das wäre… wie stark ich in Panik geraten würde… oder ob ich schon ein Stück mehr vertrauen könnte. Ich weiß es wirklich nicht, wie das in der Realität sich anfühlen würde…“

„Es ist die Frage, ob du mir genug vertraust, um es mir zu erlauben.“

„Um dir was genau zu erlauben?“

Joel schaute sie ernst und gleichzeitig freundlich an. „Dich zu überwältigen, Mari… dich einmal zu etwas zwingen, selbstverständlich zu etwas, was du annehmen kannst.“

„Und was das ist, wozu du mich überwältigst, das entscheidest du? Ohne mein Wissen?“

„Ja genau, sonst wäre es ja keine Überwältigung.“

„Also ausgeschlossen müssten körperliche Schmerzen sein und sexuelle Übergriffe! Könntest du mir das versprechen?“

„Nun, ich würde nicht weiter gehen, als etwas, dass wir beide bereits miteinander erlebt haben.“ antwortete Joel sofort. „Und körperliche Schmerzen schließe ich definitiv aus.“

„Würde ich die Sicherheit der roten Ampel dann trotzdem weiterhin haben? Also würdest du aufhören wenn ich sagen würde Ampel rot?“

„Ja, wenn du „Rot!“ sagen würdest, würde ich sofort aufhören! Diese Regel bleibt immer bestehen.

„Hmm .. ich weiß nicht warum und ob es richtig ist, aber es zieht mich dahin zu sagen: Ja, ich bin einverstanden, ich gebe dir diese Erlaubnis.“

„Das würde bedeuten, dass ich dann, wenn ich es will, dich überwältigen darf, und etwas mit dir machen darf, was wie besprochen keine Schmerzen beinhaltet und nichts Schlimmes„. Joel lächelte unmerklich beim letzten Worten.

„Und ohne dass du mir vorher Bescheid sagst?“

„Ja ganz genau! Sonst wäre es keine Überwältigung.“

„Ich müsste also darauf vertrauen, dass du einschätzen kannst, was für mich etwas Schlimmes ist…“

„Ja das stimmt! Und genau aus diesem Grund, bleibt die Regel der roten Ampel bestehen.“

Mari wurde für einen Moment still und lauschte in sich hinein. Dann schaute sie ihn an und sagte: „Auch wenn das sich ziemlich doppelt anfühlt: Okay, ich sage ja.“

„Ich finde, es fühlt sich toll an, und ich danke dir sehr für das Vertrauen, dass du mir damit entgegenbringst, Mari!“

„Für mich fühlt es sich gleichzeitig etwas beängstigend und andererseits auch irgendwie toll an, und die Anziehung überwiegt, deshalb habe ich ja gesagt. Und ja, das ist wirklich viel Vertrauen was ich dir damit entgegen bringe.“

„Oh ja, und das fühlt sich für mich sehr anregend an, wenn ich dir das so sagen darf. Ich danke dir, für dein Vertrauen.“

„Würdest du mich mal umarmen?“

„Aber gerne“, antwortet er lächelnd und umarmte sie ganz fest. Nachdem beide ein Weilchen diese Umarmung genossen haben, flüsterte er ihr ins Ohr: „Das Spiel ist vorbei.“

„O Joel, ich glaube, mit dieser Erlaubnis ist jetzt etwas Neues in unsere Spiele hinein gekommen…“

„Oh ja, du hast heute einen riesigen Schritt gemacht in Bezug auf das Vertrauen und das Abgeben der Kontrolle. Ich bin sehr stolz auf dich!“ Er drückt sie nochmals eng an sich.

Und ich werde mir etwas einfallen lassen, um dich gelegentlich zu deinem Wohl zu überwältigen… lächelte er.

Geschrieben von Rafael und Miriam

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