75. Die Instanz, die so vieles verbietet…

Bei Mari

Nach einem gemeinsamen Spaziergang mit Joel, bei dem Mari wieder einmal in Kontakt kam mit ihrem Thema „inneres Verbot und Peinlichkeitsgefühle“ und dabei ihre innere Instanz spürte, die alles Ungewöhnliche als extrem bedrohlich empfindet, und deshalb versuchte, vieles, was normalerweise mit Lust und Spaß verbunden ist, zu verhindern, saßen Joel und Mari noch zusammen und sprachen darüber.
Er fragte sie: „Wer oder was in dir ist es, das dir verbietet und dir sogar Gefahr suggeriert, wenn du einfach tust oder zulässt, was sich interessant, faszinierend und spannend anfühlt? Wenn das ein Wesen wäre, wie würde es aussehen?“
Mari überlegte…
Er half ihr: „Kannst du dich nochmal in dieses Gefühl hinein versetzen, das du vorhin hattest?“
Sie dachte an die Situation und nickte.
„Wo spürst du es im Körper?“ Sie zeigte auf ihre Zwerchfellgegend.
Er nickte. „Okay, wenn du magst, leg doch mal sanft deine Hand darauf und schicke durch deine Hand Liebe in dieses Gefühl. Geht das?“
Mari legte ihre Hand auf diese Stelle und spürte, wie es in ihr ruhiger wurde und weniger vibrierte. „Es ist noch da, aber nicht mehr ganz so heftig.“
„Wenn dieses Gefühl ein Wesen wäre, ganz egal welches, ein Tier, ein Mensch eine Pflanze, oder was auch immer – was für ein Wesen wäre es? Welcher Impuls kommt dir ganz spontan?“
„Ein Kind. So sieben Jahre alt vielleicht… Aber es wirkt viel kleiner, fast so wie eine Puppe – allerdings ist ihr Gesicht hoch rot und irgendwie verzerrt.“
„Jetzt stell dir vor, du würdest es mit deinen Händen sanft aus dir heraus heben und vor dich auf den Schoß setzen. Vielleicht möchtest du die Beine hoch nehmen und sie hier auf der Couch leicht angewinkelt aufstellen, so dass es sich mit seinem Rücken an deine aufgestellten Knie anlehnen kann. Wie sieht sie aus? Wie wirkt sie jetzt auf dich?“
„Es ist ein zartes Mädchen, ein Schulmädchen mit einer Brille und einem ernsten Gesichtchen.“
„Was fühlst du, wenn du es ansiehst?“
„Oh, ich habe großes Mitgefühl, es wirkt so schmächtig und so ängstlich auf mich. Ich möchte ihr helfen, dass sie sich besser fühlt.“
„Tu, was immer dir einfällt, um ihr gut zu tun.“
„Ich nehme ihre Hände erstmal und halte sie zärtlich in meinen. Sie schaut ganz erstaunt. Dann streichle ich ihr über´s Haar, wische sanft ihre Tränen von den Wangen… und frage sie: „Kleines Mädchen, was bedrückt dich so?“
Es antwortet leise: „Dass ich nie weiß, was wirklich richtig ist, aber immer aufpassen muss, dass nichts Schlimmes geschieht. Ich bin schon so lange in dir und passe auf, dass wir nichts falsch machen, aber du tust nicht immer, was ich sage. Dann bekomme ich noch mehr Angst und versuche, stärker zu werden, lauter zu werden. Wir dürfen nicht so viel tun, was Lust und Spaß macht, sonst gibt es ganz viel Ärger, und der ist so schlimm, dass es die Zeiten der Freude und der Lust gar nicht ausgleichen können. Und die Schuldgefühle danach… die sind ja nicht zum Aushalten! Die verdunkeln alles Schöne und Bunte. Dabei habe ich so wenig Kraft und muss dennoch immer stark sein, sonst gehen wir unter im Meer des schlechten Gewissens! Weißt du noch, wie schlimm das früher immer war? So soll es nie mehr wieder sein!!!“

„Genau, mein lieber Schatz! Du sagst es: Das war früher! Aber jetzt bin ich groß. Jetzt sehe ich, dass die Werte der Großen von damals nicht meine Werte sind. Und deshalb brauchen wir keine Schuldgefühle mehr zu haben. Schau, ich bin doch inzwischen die Große, und du bist die Kleine! Ich bestimme jetzt über unser Leben, nicht mehr die Großen von damals. Und du brauchst dich jetzt nicht mehr zu sorgen. Ich hole dich jetzt aus der Sorgen-Tretmühle raus. Magst du in meine Arme kommen?“
Mit einer Geste nahm Mari das kleine unsichtbare Mädchen in ihre Arme und wiegte sie hin und her. „Alles ist gut, meine Kleine. Du bist jetzt nicht mehr zuständig für unsere Entscheidungen und Gewissensfragen. Das mache ich ab sofort selber. Du darfst dich jetzt ausruhen und einfach Kind sein. Das ist ganz wichtig, mein Schatz: Ab sofort entscheide ich allein, ich, die große Mari, was getan wird. Und ich richte mich dabei nach dem, was sich gut anfühlt, was für mich wahr ist und was meinen jetzigen Werten entspricht, nicht denen von Oma und Mutti und Papa damals. Du musst das alles nicht verstehen, aber du gibst die Entscheidung, was uns gut tut und was für uns wertvoll und lebenswert ist, ab an mich, hörst du? Ich bin die Große und du die Kleine. Ich hab dich sehr lieb und weiß, dass du bisher so gut aufgepasst hast, weil du uns vor Ärger bewahren wolltest und davor große Angst hattest, aber diesen Ärger gibt´s nicht mehr. Diese Gefahr ist schon lange vorbei. Die einzige, die sagen kann, was für uns stimmig ist und wertvoll, bin ich. Ich danke dir sehr für deine gute Absicht, aufzupassen, dass nichts Schlimmes passiert. Und nun darfst du spielen und damit aufhören, Kontrolle auszuüben, das tue ich jetzt!“

Liebevoll hielt Mari das kleine Mädchen, das bis eben noch die Rolle der Aufpasserin inne hatte, im Arm und strich ihr beruhigend über den Rücken… Schließlich sagte sie zu ihr: „Einverstanden? Du gibst mir das alles! Die ganzen Entscheidungen legst du nun in meine Hände und kannst einfach ausruhen, spielen, malen, alles was dir gut tut.“
Bei diesen Worten öffnete Mari ihre Hände wie eine Schale und stellte sich vor, wie das Mädchen ihre vermeintliche ganz große Aufgabe der Kontrolle in ihre Hände, also in die Hände der erwachsenen Mari, legte. Dann atmete sie tief und ließ das energetische Vorstellungsbild des kleinen Mädchens, das nun befreit lächelte, wieder zurück in sich hinein fließen.

„Es ist geschafft, Joel! Die Kleine in mir ist befreit von ihrer Last!“
„Wie fühlst du dich, Mari?“
„Seltsam leicht und irgendwie komisch.“
„Wie komisch?“
„So, als müsse sich in mir ganz vieles sortieren – in eine neue Ordnung kommen, die ich bestimmen kann. Ich habe mir dazu eben selbst die Macht erteilt, indem ich sie der kleine Aufpasserin abgenommen habe.“
„Wunderbar“, lächelte Joel. Dann bekräftige es nochmal, indem du einen Ich-Bin-Satz dazu machst und ihn laut vor mir als Zeugen aussprichst. Denn was in Gegenwart eines Zeugen gesagt wird, hat noch mehr Kraft.
Mari nickte, und kurz darauf sagte sie laut und voller Überzeugung:


„Ich bin die einzige und wahre Person in meinem Leben,
die entscheidet, was ich tue und lasse.
Ich erlaube mir, in Lust und Liebe zu leben,
wozu ich mich entscheide.
Ich darf das, und ich will das!“

Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge

42. Oma´s Segen – eine heilende Begegnung zwischen Raum und Zeit

Bei Mari:  Eine neue Freiheit – aufgewühlte Gefühle finden Frieden

Nach einer Fußmassage, die Mari von Joel gestern in einem ihrer Meisterspiele bekommen hatte, schlief sie in dieser Nacht wieder einmal sehr unruhig, wachte früh am Morgen auf und spürte ein unangenehmes Zittern in ihrem Körper. Diese Berührungen gestern an den Füßen waren nicht nur entspannend, sondern auch aufregend gewesen…

Ruhig, ganz ruhig, sprach sie begütigend zu ihren Körperzellen, alles ist in Ordnung. Alles ist okay! Wir durften das. Wir sind kein Kind mehr – wir dürfen alles fühlen, was wir fühlen möchten.
Dennoch waberten viele Gefühle und aufgeregte innere Stimmen weiterhin in ihr hin und her, was sich unangenehm in ihrem Körper bemerkbar machte.
Die Fußmassage gestern war anders als alle, die sie bisher erlebt hatte.
Sie spürte nach… Was war das Schwierige, das sie zittern ließ und so in Unruhe versetzte?
Sie richtete ihre Aufmerksamkeit auf ihre Füße und fragte nach innen:
„Hat euch etwas weh getan?“  „Nein!“
„War etwas eklig?“  „Nein!“
„War etwas schön?“ „Ja!“

„Warum seid ihr so aufgeregt?“
„Wir dürfen das nicht!  Es fühlt sich so falsch an!“

Das waren eindeutig nicht die Füße, die da sprachen.
„Wer hat das Gefühl, das nicht zu dürfen?“ fragte Mari nach innen.
Ein kleines, zartes vierjähriges Mädchen meldete sich.
„Linchen, mein Schatz,“ begrüßte Mari ihr inneres Kind. „Das dachte ich mir, dass du es bist, die so aufgeregt ist. Komm mal her“, liebevoll nahm sie in ihrer Vorstellung ihr inneres Kind auf den Schoß. Mir kannst du jetzt alles sagen.“
„Ich hab solche Angst,“ sagte die Kleine aufgeregt zu ihrer Großen. „Das hat sich gestern so verboten angefühlt. Oma wird schimpfen – und wie sie schimpfen wird… schreien… vielleicht auch hauen…? Und… da waren einmal so komische Gefühle da an der Fußsohle, ui jui jui…“, vertraute sie ihrer Großen an.
Die nickte und meinte: „Das war neu und unbekannt, stimmt´s?“
„Ja, irgendwie so… ich weiß nicht, finde kein Wort. Auf jeden Fall glaube ich, wir dürfen das nicht.“
„Es sind also zwei Sachen, die dir zu schaffen machen,“ stellte Mari fest, und drückte die Kleine an sich. „Einmal das Gefühl, etwas Verbotenes erlebt zu haben, und zum anderen dieses fremde, unbekannte verunsichernde Körpergefühl, ja?“
„Ja!“ Erleichtert kuschelte Linchen sich in die Arme ihrer Großen, sie hatte sie verstanden, das war gut!

Was tun, spricht Zeus? fragte sich Mari und spürte in sich hinein.
Sollte, wollte sie diesen Weg ins Unbekannte, den sie mit Joel begonnen hatte, abbrechen? Wäre das nicht vernünftiger, um sich selbst vor Schmerz, Angst und Peinlichkeiten zu bewahren?
Sie lauschte nach innen. Ein deutliches Nein!
Weiter gehen? Ein klares Ja erschien auf der Bildfläche.

Plötzlich erschien ihre Oma. Die Kleine kuschelte sich tiefer in die große Mari hinein.
„Au weia, jetzt gibt´s Ärger!“
Aber nein… so sah Oma gar nicht aus.
Fließend veränderte sich die Bildfläche. Oma saß in ihrem weinroten Sessel von damals. Mari saß vor ihr auf der Fußbank – das kleine Linchen hatte sich tief in ihrem Herzen eingekuschelt.
Oma trug ihren grau-silbernen Kleiderrock mit der dunkelbunten Bluse. Ernst und liebevoll sah sie Mari an und nahm ihre Hand in ihre, streichelte mit dem Daumen kleine Kreise auf den Handrücken. Erstaunt sah Mari, dass Omas Augen feucht waren.

„Mein lieber Schatz,“ begann ihre Oma zu sprechen, „ich bin durch Raum und Zeit zu dir gekommen, um dir etwas wichtiges zu sagen…“
Aufmerksam und gespannt sah Mari ihre Oma an.
„Du weißt, dass ich dich immer lieb gehabt habe, auch wenn ich damals oft aufbrausend war und dir viel zu viele Verbote und Regeln gegeben habe?“
Mari nickte und drückte die Hand ihrer Oma zärtlich.
„Ja, Oma, ich weiß das, und ich bin dir so dankbar, dass du mich in den Jahren, in denen ich nicht bei Mutti leben konnte, bei dir aufgenommen hast. Ich weiß jetzt, wo ich erwachsen bin, wie viel Kraft dich das gekostet haben muss.“
„Ja mein Schatz, ich war oft am Rande meiner Nervenkraft und ich hatte viel Angst um dich. Aber mit dieser Angst habe ich dich fast erdrückt, das weiß ich jetzt. Du warst, obwohl du dir immer Mühe gegeben hast, ruhig und brav zu sein, dennoch ein so lebendiges Mädchen, hast Fragen gestellt, die ich nicht beantworten konnte, hast Dinge gemacht…mit deinem Körper…
Beschämt nickte Mari. Ja, sie hatte es nicht lassen können. Immer wieder mal hatte sie sich selbst auf eine Weise berührt, die wohl nicht richtig gewesen war. Dabei hatte sie diesen schönen Gefühlen, die dabei entstanden waren, selten widerstehen können. Danach kam immer das schlechte Gewissen und der Vorsatz, es nie wieder zu tun – bis zum nächsten Mal…
Und oft hatte die Oma sie dabei erwischt, geschimpft und ihr gedroht, sie würde krank werden davon und  ins Krankenhaus kommen. Schreck… Angst… Schuldgefühle… schlechtes Gewissen waren ihre Begleiter durch die Jahre ihrer Kindheit – und nicht nur deswegen, vieles gab es, was Mari Omas Meinung nach „falsch“ machte…

„Mari, du hast damals nichts Falsches gemacht, gar nichts!“ sprach plötzlich die Oma in ihre Gedanken hinein. „Ich war es, die Fehler über Fehler gemacht hat, aber nur weil ich es nicht besser wusste und dich beschützen wollte. Es ist lange schon an der Zeit, dir dies zu sagen. Heute habe ich endlich einen Weg gefunden, zu dir zu kommen und dir das sagen zu können. Bitte schau mich an, mein Schatz.“
Mari hob den Blick, den sie eben noch beschämt nach unten auf den alten Teppich von damals gerichtet hatte. Und auch das kleine Linchen schaute die Oma neugierig an. Was würde jetzt kommen? Die Oma war so anders…so besonders… Und es sah aus, als wäre ein Licht um sie herum und strahlte aus ihr heraus.
Oma drückte die Hand ihrer Enkelin ein bisschen fester.

„Mein Liebes, was ich dir jetzt sage, kommt tief aus meinem Herzen und ist sehr, sehr wichtig:
Nicht du warst es, die damals etwas falsch gemacht hat. Das war ich! Weil ich es nicht besser wusste und konnte. Aber jetzt, hier und heute sage ich dir:

Du darfst alles fühlen und zulassen, was du selbst möchtest.
Du darfst auch erotische Gefühle haben und mit anderen teilen.
Du darfst dich auch damit wohlfühlen!

Hörst du mein Schatz: Ich nehme hiermit alle Verbote zurück!!!

Ich wollte dich damit ja nur davor bewahren, den gleichen Schmerz mit Männern zu erleben, wie ich ihn als junge, unschuldige Frau zugefügt bekam. Nun, vor diesen Schmerz bist du bewahrt worden, dafür entwickelten sich aber andere, nicht wahr?“

Mari nickte traurig… „Ja, Oma, ich hatte so viele Schuldgefühle! Immer wenn ich etwas zugelassen hatte, was den Raum der „Unschuld“ verließ, fühlte ich mich schlecht. So vieles habe ich mich nicht getraut. So oft habe ich dann Beziehungen abgebrochen, weil ich die Gefühle von etwas vermeintlich Schlimmen nicht aushalten konnte.“
Ihr kamen die Tränen, weil sich so vieles in ihrem Leben so kompliziert und unmöglich anfühlte…

„Mari, mein Schatz, sieh mir bitte in die Augen.“
Mari wischte sich die Tränen ab und hob wieder ihren Blick nach oben zur Oma…

„Nochmal, weil es so wichtig ist: Ich nehme alle Verbote zurück!


Du darfst und du sollst dich lebendig fühlen und tun, was sich für dich gut und spannend anfühlt.
Wandere auf den Wegen, die sich für dich gut anfühlen.
Mach die Experimente, die dich anziehen!
Lass das Feuer, das nie tot zu kriegen war, nun in einer ganz neuen Freiheit in dir lebendig sein.
Trau dich, Neues zu entdecken – und wisse dabei:

Meinen Segen hast du!

Und wenn du wieder einmal etwas erlebst, was sich irgendwie „verboten“ anfühlt, erinnere dich an die Begegnung mit mir heute. Ich sage es nochmal:

Meinen Segen hast du!

Du bist frei, wirklich frei, das zu tun und zu fühlen, was du erleben möchtest, du bist frei, das zuzulassen was du ausprobieren und spüren möchtest, und dich dabei gut zu fühlen.

Du bist es wert, alles, wozu du ein inneres Ja fühlst, zu erleben.

Frage dich immer, was dein Körper dazu sagt, ob es angenehm oder unangenehm ist, ob er mehr davon möchte oder nicht. Wenn ein „Ja“ in deinem Körper fühlbar ist, mach was immer du möchtest. Wenn du ein „Nein“ spürst oder ein „Noch nicht“, dann achte jedoch auf dich, mein Schatz. Lass nichts zu, was sich für dich unangenehm anfühlt, weil es ein anderer will!
Für keinen Menschen der Welt ist es richtig, etwas zu tun oder geschehen zu lassen, womit du dich nicht wohl fühlst! Nur du und dein Empfinden sollen deine Richtschnur sein für das, was du tust oder zulässt. Und weil es so wichtig ist, zum dritten Mal:

Meinen Segen hast du für alles, was du selber willst!

Es gibt nichts Falsches dabei! Das weiß ich jetzt.
Mach es nicht so wie ich – mach es anders – mach es so,
wie du es in jedem Moment in deinem tiefsten Innern willst.
Da spüre hin – das lass dein Wegweiser sein. Das und nichts anderes!
Willst du das tun? Du tust es in allererster Linie für dich!
Doch auch ich und einige andere hier in meiner Welt, werden sich mit daran freuen.“

Mari nickte, während ihr die Tränen über die Wangen liefen.
„Ja, Oma, ja!
Ich will nur noch meinem Inneren treu sein und dem folgen, was ich fühle.
Ich danke dir so, so sehr!“

Liebevoll nickte die Oma ihrer Enkelin zu, ein Strahlen breitete sich auf ihrem Gesicht aus und ihre grauen Löckchen wackelten ein bisschen.
Sie erhob sich aus ihrem Sessel und breitete ihre Arme aus. Mari ließ sich hinein fallen und beide drückten sich ganz herzlich.
Voller Liebe hielt die Oma Mari zusammen mit dem kleinen Linchen, das alles aufmerksam im Herzen von Mari mitverfolgt hatte, in ihren Armen.
Lange verweilten sie in einer so innigen Umarmung, wie sie heilender und liebevoller nicht hätte sein können. Irgendwann lösten sich alle Grenzen auf, und die Energie der erlaubenden, segnenden Oma floss in Mari hinein.

Glücklich und entspannt fand sie sich zuhause in ihrem Bett wieder und fühlte eine wunderbare Ruhe in sich.

Ja, sie würde sich trauen, Neues zu erleben! Den Segen der Oma hatte sie – er würde ihr nun Kraft geben. Und wann immer sich die alten Verbote meldeten, die möglicherweise aufgrund der Jahrzehnte alten Gewohnheit, in diesen Verneinungs-Bahnen zu denken und zu fühlen, noch immer in ihren Hirnwindungen eingewoben waren, würde sie sich sagen:

Ich habe Omas Segen!
Ich will und darf Neues zulassen.
Ich bin es wert, das zu tun und zu empfinden,
was sich gut und lebendig anfühlt.
Nur mein inneres Empfinden ist mein Kompass
für mein Ja und mein Nein.
Alles darf sein!

Ich erlaube mir,
mich auch mit Neuem gut zu fühlen. 
Ich bin es wert!
Nichts, was ich fühle, ist verkehrt.
Ich entscheide das allein –
und so soll es sein!

Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge