16. Eine utopische Heilungsreise: RAUS AUS DEM RÜCKZUG und EINFACH-SEIN

Joel hatte sich für die Weihnachtszeit eine Fortsetzungsgeschichte von wohlwollenden außerirdischen Meistern zum Thema „Macht – Angst – Vertrauen – Hingabe“ für Mari ausgedacht, das er ihr in Form eines Adventskalenders geschenkt hatte.

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Auch heute wieder freute sich Mari darauf, den Umschlag aus ihrem Adventskalender zu öffnen. Sie nahm einen Schluck Kaffee, steckte sich ein Mandarinenscheibchen in den Mund und las gespannt wie es Carinas weiter erging im Raumschiff mit ihrem Meister…

Zerschlagen und mit Kopfschmerzen wacht Carina am nächsten Morgen auf. Sie hat das Gefühl, gar nichts mehr zu wollen. Sie will von Ramon in Ruhe gelassen werden und sich nicht mehr all diesen verwirrenden, schwierigen Gefühlen aussetzen. Alles ist ihr zu viel, und sie bleibt einfach im Bett. Aber sie findet keinen Schlaf mehr.

In der Zeit, in der sie normalerweise bei ihrem Meister wäre, ist sie allein in ihrem Zimmer und fühlt sich  fast so verwirrt und verloren wie am Anfang ihrer Ausbildungszeit hier im Raumschiff.

Heute Nachmittag fängt diese Gruppe an’, denkt sie, ‘ich gehe da nicht hin! Keiner kann mich zwingen, einen Seelen-Striptease abzuziehen!’

Aber wie soll das alles nur weitergehen? Und was würde René dazu sagen, wenn sie einfach nicht erschiene? Würde er es akzeptieren? Und wenn nicht, was würde er tun? Ein bisschen unheimlich ist er Carina immer noch.

Wieder einmal fühlt sie sich in einer Sackgasse. Sie hat sich in ein Gefängnis hinein manövriert, aus dem sie schwer allein den Weg heraus findet. Ein Gefühlsgemisch aus Trotz, Angst, Scham und Verlorenheit macht es ihr unmöglich, einfach ihr Zimmer zu verlassen und mit Ramon oder René über ihre Gefühle zu sprechen.

Der Druck im Kopf verstärkt sich, und auch ihr Magen macht sich unangenehm bemerkbar. Sie hat heute noch gar nichts gegessen. Da nimmt sie wahr, dass plötzlich ein Röllchen aufleuchtet. Sie wundert sich, es ist doch noch gar nicht an der Zeit… Aber vielleicht sind es gar keine regelmäßigen Zeitabstände, vielleicht hat das Aufleuchten mit ihren aktuellen Gefühlszuständen zu tun? Dieser Kalender ist ohnehin in seinem System für sie ein Mysterium – irgendwie magisch und unverständlich in der Art und Weise wie er immer zu ihrer aktuellen Gefühlslage passt.

So öffnet sie das leuchtende Röllchen und liest folgende Worte ihres Meisters:

Liebe Carina,
auch wenn du dich immer wieder versuchst
mir zu entziehen, bleiben meine Arme und mein Herz offen für dich.
Deine Angst, die hinter all dem steht, was du fühlst und tust,
will gesehen und angenommen werden.
Komm zu mir, ich werde dich halten und trösten
und dich ganz sicher zu nichts drängen.
In Liebe Ramon

Und Carina begreift: Wieder einmal weiß ihr Meister genau, wie sie sich fühlt, und will sie auf diese Weise unterstützen, diesmal selbst den Weg heraus aus dem selbst gebauten Gefängnis zu finden.

Es kostet sie zwar große Überwindung, aber sie schafft den Schritt hinaus aus ihrem Zimmer bis hin zu Ramons Tür. Dann zögert sie. Was soll sie sagen? Wie soll sie beginnen? Fast will sie wieder umkehren, als er von innen die Tür öffnet und zu ihr sagt: “Na, Carina, nun hast du den Weg bis hier her gefunden, da wirst du doch nicht wieder den Rückzug antreten? Komm `rein, Liebes, ich habe auf dich gewartet.”

Als sie sein Zimmer betritt, bemerkt sie René, der sich gerade aus seinem Sessel erhebt. Hätte sie gewusst, dass er hier ist, wäre sie sicher nicht gekommen! Während er auf Carina zu kommt, sagt er zu ihr: “Ich werde dich jetzt mit deinem Meister allein lassen. Nachher, wenn es dir wieder besser geht, reden wir zwei miteinander über deine Angst vor der neuen Gruppe. Nur schon mal vorab, Carina, mach dir keine Sorgen, ich werde dich zu nichts zwingen – und es wird auch keine schlimmen Folgen haben, dass du heute morgen nicht gekommen bist!”

Lächelnd verlässt René den Raum. Carina steht verlegen und unschlüssig da. Ramon zieht sie neben sich auf die Couch und streicht mit der ihm so eigenen typischen Geste über ihr Haar. “Es ist gut, Carina, dass du her gekommen bist. Du hast dir eine Falle gestellt, und du hast zum ersten Mal selbst den ersten Schritt heraus aus deiner Enge getan…“

Mitfühlend schaut er sie an. „Der Kopf tut dir weh, nicht wahr?“ Er nimmt ein Kissen und sagt:  „Komm, leg ihn auf das kühlende Kissen hier und dann sagst du mir alles, was dich bedrückt, ja?”

Carina zögert, aber als er ihr ermutigend zunickt, folgt sie seiner Einladung und legt sich auf die Couch dicht neben ihn. Er streicht ihr beruhigend übers Haar. Inzwischen weiß er ja, wie gut ihr das tut. Als sie seine sanften Berührungen spürt, ist es mit ihrer Fassung geschehen. Sie weint und redet sich ihren Kummer von der Seele: Ihr selbstgemachter Druck, ihre Versagensangst, ihr Minderwertigkeitsgefühl als Frau, ihre Scheu vor der Gruppe, speziell vor den anderen Meistern, ihre Schwächen offenbaren zu müssen, und schließlich die Abwehr, die sich auf das Thema Erotik bezieht… alles sprudelt heraus. Dann sieht sie ihn unsicher an. Hat sie zu viel gesagt? Ist er nun endlich in seiner Geduld erschöpft und ist nun doch beleidigt?

Er erwidert ihren Blick offen und mit freundlichem Lächeln und antwortet ihr auf ihre unausgesprochenen Gedanken: “Es ist gut, Carina, dass du das alles aussprichst. So ist es schon etwas leichter, nicht wahr? Da hast du dir ja mit deinem Anspruch an dich selbst, was das Thema Erotik anbelangt, einen richtigen Teufelskreis gebaut. Mit diesen Gedanken kann ja keine Freude oder Lust entstehen. Weißt du was, Carina, ich habe eine Idee: Wir beide machen ein paar Tage Urlaub! Wir sind in der Nähe eines wunderschönen Planeten namens Lux Natura, dorthin werden wir uns beide einige Tage absetzen und es uns gutgehen lassen, was hältst du davon?”

Carina ist erstaunt. Alle möglichen Hinweise, Erklärungen und Vorschläge hatte sie erwartet, aber nicht das. “Und was ist mit der Gruppe?” fragt sie vorsichtig.

“Die läuft uns nicht davon,” erwidert Ramon lächelnd. “Ich werde mit René darüber reden.”

Und tatsächlich besuchen sie noch am gleichen Tag diesen herrlich idyllischen Ort, an dem sie es  sich sieben Tage gut gehen lassen. Viele schöne Erlebnisse hat Carina dort mit ihrem Meister, und das Thema Erotik wird nicht berührt.

Die Nähe zu ihm wächst allerdings spürbar und auch ihr Vertrauen. Manchmal wird ihr bewusst, wie sehr sie sich zu ihm hingezogen fühlt. Sie teilen Erfahrungen, die auf dem Raumschiff nicht möglich wären. Zusammen wandern sie, schwimmen sie, ruhen sie, reden sie und schweigen sie. Auch schlafen, essen und meditieren können sie herrlich in der wunderschönen Natur dieses Planeten. Carina beginnt nach und nach diese Zeit der Erholung und des einfach Miteinander-Seins zu genießen…

Morgen wird die Geschichte fortgesetzt und läuft voraussichtlich bis Weihnachten

Hier geht es zu allen bisher erschienenen Kapitel zu dieser Geschichte, die Joel Mari in der Advents- und Weihnachtszeit erzählt –> Eine utopische Heilungsreise (Märchen) 

32. Eine heilende Übung (2) – Verletzung und Größe

Bei Joel: Mari spricht mit ihrer Sportlehrerin in ihrer inneren Welt

Maris Körper saß mit geschlossenen Augen entspannt, sicher und gemütlich in einem bequemen Sessel, während ihr Geist sich mit Joel, der wieder die Rolle des Meisters einnahm,  auf einer inneren Reise befand…
Nachdem sie sich mit der Kraft der Natur-Elemente gestärkt hatte und dadurch immens gewachsen war, begleitete ihr Meister sie durch eine Tür, die in eine Sporthalle hinein führte.
„Ich bleibe die ganze Zeit dicht an deiner Seite, versicherte er ihr. Du bist nicht allein bei allem, was du jetzt erlebst!“ Sanft legte er eine Hand auf ihre Hände, die beim Anblick der Turnhalle zu zittern begannen, damit sie seine Präsenz auch körperlich deutlich spüren konnte.

„Mari, du bist immer noch sehr groß – gestärkt durch die Natur-Elemente so groß, dass du fast an die Turnhallendecke stößt. Alles unter dir ist ganz klein, so wie aus Lego-Steinen erbaut.“

Marie roch diesen typischen Turnhallen Geruch, der sie sofort an all die schwierigen Situationen in der Turnhalle ihrer Vergangenheit erinnerte.

„Atme tief Mari. Atme die Kraft  der Sonne, des Waldes, des Windes und des Wassers“, flüsterte Joel ihr zu.

Mari versuchte den Turnhallen-Geruch durch den Duft des Waldes zu ersetzen und spürte ein Gefühl der Stärke aufgrund ihrer magischen Größe. Ihr Kopf befand sich unterhalb der Turnhallen-Decke. Sie schaute von dort oben hinab und alles sah wie eine Spielzeug-Landschaft aus – weit weniger bedrohlich als früher…

Plötzlich sah sie sich selbst , die Sportlehrerin und die Klasse von oben, wie sie da unten herumliefen:
„Heute hier in dieser Größe bist du ganz sicher“, erklärte ihr Joel. „Alles in dieser Halle sieht wie Spielzeug aus, weil du längst darüber hinausgewachsen bist. Ich stehe direkt neben dir, damit du noch mehr Kraft hast, und gebe dir Schutz und Sicherheit.“
Ihr Meister war in ihrer Vorstellung noch größer als sie selbst und sie nahm in Gedanken seine Hand, die er sofort sowohl im Geist als auch real fest umschloss.

Es fiel Mari nicht leicht, bei dieser Vorstellung ihrer Größe zu bleiben – ihre Gefühle sprangen hin und her.

„Atme in deinen Bauch hinein – tief und tiefer. Hier kann dir nichts und niemand mehr etwas tun. Ich stehe direkt neben dir, damit du noch mehr Kraft hast. Schau, wie klein sie sind… Die Lehrerin scheint irgend etwas zu rufen, doch du kannst nichts hören, sie ist einfach zu klein.“ Ganz sanft, aber deutlich fühlbar drückte der Meister Maris Hand.

Die Sportlehrerin saß mit ihrer Trillerpfeife auf der Bank in ihrem blauen Trainingsanzug und pfiff. Das konnte Marie allerdings nur sehen und nicht hören.

„Ganz ruhig und tief atmen, Mari. Schau dir deine Lehrerin an, wie klein sie ist, wie winzig…“

„Wie sie da auf der Bank sitzt, wirkt sie richtig ein bisschen in sich zusammengesunken“, stellte Marie erstaunt fest.

Jetzt stand Frau Schmidt (Name wurde geändert aus Datenschutzgründen) von der Bank auf und reckte sich… Marie erschrak und drückte fest die Hand des Meisters.

Er drückte sie auch etwas stärker als davor, um ihr Halt und Kraft zu geben. „Komm, wir beugen uns ein bisschen zu ihr herunter“, schlug er vor. „Schau sie dir genau an. Sie kann dir nichts mehr tun, gar nichts!“

Der Schreck, den sie eben bekam, als Frau Schmidt aufstand, legte sich wieder etwas.

„Siehst du wie harmlos sie ist, du könntest sie geradezu aus der Halle pusten. Aber vorher… möchtest du ihr etwas sagen?“

„Ja, ich habe ihr etwas zu sagen,“ antwortete Mari. „Hallo Frau Schmidt, hier bin ich, Mari, und hier können Sie mir nichts tun! Und hier bin ich nicht allein, mein Meister ist bei mir… Ich habe ihnen viel zu sagen. Jetzt setzen Sie sich mal auf die Bank und hören mir zu!“

„Du siehst, wie sie erschrickt. Sie zuckt zusammen, und setzt sich zögerlich auf die Bank.“ Joel drückte wieder Maris Hand, und Mari ließ nun ihren Gefühlen freien Lauf:

„Es war so schlimm, es war so schlimm, es war so schlimm – der Sportunterricht bei ihnen in all den Jahren! Er hat mir die Freude am Sport genommen. Nein, Quatsch, er hat erst gar keine Freude aufkommen lassen! Sie haben mir jegliche Lust an Bewegung, an Neugier, an Spiel und sportlicher Gemeinschaft genommen. Sie haben mir mit ihren Beschimpfungen und mit ihrer lauten Trillerpfeife so oft furchtbar viel Schrecken verursacht! Sie haben mich beschämt und vor allen anderen lächerlich gemacht – nicht nur mich auch andere, aber mich ganz besonders, weil ich so zart und klein war… Ich habe ihre Verachtung gespürt mit ihren furchtbaren Bemerkungen. Und sie haben mir nicht nur die Lust am Sport unmöglich gemacht, sondern haben mit ihren Beschämungen meinen Körper und meine Gefühle übelst verletzt!“

„Das machst du gut Mari, lass es raus, lass raus, was du schon immer sagen wolltest“, ermutigte sie Joel.

„So sehr verletzt, so sehr gedemütigt haben sie mich immer, immer wieder… so sehr beschämt und immer wieder rauf auf´s Schlimme! Ich habe mich gefühlt wie ein Wurm, den sie zertreten wollten!“

„Frau Schmitt sieht dich zitternd und beschämt an, siehst du das Mari? Sag ihr alles, was du sagen möchtest.“

 

Mit Tränen in den Augen sprach Mari weiter: „Und was das Schlimmste ist, ich habe mir immer wieder Mühe gegeben. Ich habe mein Bestes getan, was ich tun konnte. Ich habe auch in meiner Freizeit geübt, aber es hatte gar keinen Sinn! Es war vergeblich! Sie haben mich immer wieder niedergemacht, und daraus entstand das Gefühl, ich kann mich anstrengen, soviel ich will, ich bin einfach nicht veränderungsfähig – ein Gefühl, was sich auch auf anderes übertragen hat und mich auch in anderen Zusammenhängen gebremst hatte.“

Marie sah auf die Sportlehrerin herab. Inzwischen tat sie ihr ein bisschen leid, aber es war noch nicht alles, was sie zu sagen hatte.

Ihr Meister ermunterte sie, weiter zu sprechen: „Mari, es ist wichtig, dass du alles ausdrückst, was dich belastet! Sag ihr alles, was noch in dir ist.“

„Vermutlich haben sie nicht gewusst, wie schlimm das alles ist, wie schlimm es war, und wie schlimm es immer noch ist, über so viele Jahre bis jetzt! Ich hatte dadurch so viel Scham und habe sie immer noch! Alles, was meinen Körper anbelangt, hat immer mit Peinlichkeit zu tun. Die natürlichsten Sachen fallen mir schwer, weil von ihnen so oft, wenn sie mich angesehen haben, ironische oder laute Beschimpfungen gekommen sind… Ich habe fast immer peinliche Gefühle, wenn mich jemand bei was auch immer beobachtet, weil… wenn wir Sport gemacht haben, haben wir ja nicht immer gesehen, wen sie wann beobachtet haben, und ganz plötzlich und oft unerwartet kamen dann die Verunglimpfungen. Da ist eine so riesige Angst und Scham in mir über all die Jahre in meinem Körper und in meinen Gefühlen gespeichert, dass ich mich so vieles nicht traue, es gar nicht erst wage, etwas auszuprobieren.

Und als sie mit mir Ball werfen trainiert haben, und immer wieder gebrüllt haben, dass ich so kraftlos werfe wie ihre sechsjährige Tochter, obwohl ich ja schon 13 Jahre alt war, habe ich mich so geschämt. Vor der ganzen Klasse haben sie mich da bloßgestellt!“

„Sehr gut Mari, lass es raus, lass deine Scham aus dir heraus, gib sie ihr zurück, gib ihr die Pein zurück!“ ermutigte sie Joel wieder.

„Ich sollte es schaffen, bis über die Linie zu werfen, und ich habe es nicht geschafft. Ich habe es immer wieder nicht geschafft! Und dann habe ich mir vorgestellt, hinter der Linie stehen sie, und ich könnte es mit meinem Ball erreichen, dass sie still sind, dass sie mal umkippen und endlich still sind und Ruhe geben!  Mit dieser Vorstellung ist es mir einmal gelungen, den Ball über die Linie zu befördern, aber ich will mir eigentlich gar nicht schlimme Sachen vorstellen, damit ich ein Ziel erreichen kann. Damit habe ich Gedanken gehabt, die gegen meine Werte waren – schon damals. Sie waren für mich die Schreckensperson der ganzen Schule, immer wenn ich in die Sporthalle hinein gegangen bin, stieg schon das Angstgefühl in mir auf!“ 
Erschöpft hielt sie inne.

„Aber nun hast du keine Angst mehr vor ihr, Mari! Sag es ihr.

„Heute habe ich keine Angst mehr vor ihnen, heute weiß ich, dass sie aus irgendeinem inneren Grund auch nicht anders konnten, als sie es konnten… Und ich wünsche mir, dass sie Frieden finden, denn sie müssen voller Aggressionen gewesen sein, oder vielleicht voller Schmerz. Ich weiß es nicht, es hat sicher einen Grund gegeben, und dieser Grund war nicht wirklich ich, aber ich habe es abbekommen! Und all der Not, die ich damals gespürt habe, habe ich etwas gemacht! Ich habe viel Einfühlungsvermögen für Kinder, besonders für die, die gemobbt werden, denen es schlecht geht, die Angst haben… und ich habe es mir zum Beruf gemacht, ihnen zu helfen und bin Lehrerin geworden.“

„Du bist sehr stark Mari, du willst ja keine Rache, du willst nur einen Ausgleich, indem du ihr nun all das sagst, was du nie hast sagen können – und sie muss es sich anhören.“

„Ich habe diesen Beruf gewählt und liebe ihn, weil ich auch dieses Vergeblichkeitsgefühl kenne, das manche Kinder haben:  dieses Gefühl: man kann sich noch so viel Mühe geben, und es scheint nicht zu klappen, dass man besser wird in den Leistungen, in denen man so gerne besser werden würde. Ich will besonders Kindern helfen und sie ermutigen, dieses Vergeblichkeitsgefühl aufzulösen. 
Und ich habe daraus gelernt, dass ich nicht im Sport besser werden muss, sondern dass es andere Dinge gibt, in denen ich gut sein kann!“

„Ja, Mari, du bist gut, du bist groß, du bist stark! Fühlst du es? Sag es ihr.“

„Es ist wichtig, dass sie wissen, wie schlimm das für mich und wahrscheinlich auch viele andere Schülerinnen und Schüler gewesen ist, damit diese Kette nicht fortgesetzt wird. Aber ich möchte, dass sie sich selbst auch verzeihen, und die Ursache finden, weshalb das so gekommen ist bei Ihnen. Ich bin nicht gut im Sport, aber ich habe andere Dinge, in denen ich gut bin! Eins davon ist: Ich kann vergeben. Frau Schmidt, ich vergebe ihnen, und ich bitte sie, vergeben auch sie sich selbst.“

„Deine Barmherzigkeit ihr gegenüber ist wahre Größe, Mari. Spüre die Kraft in dir!“

„Ja, diese Kraft spüre ich, Und die ist mir wertvoller als jede Sportübung!“

„Das ist eine gute Kraft Mari, eine edle Kraft! Du hast andere Übungen gemacht, und sie haben dir eine andere wertvollere Größe und Stärke verliehen.“

Geschrieben von Rafael und Miriam 

Weiter geht´s im nächsten Kapitel: –> 33. Eine heilende Übung (3) – Vergebung und Ausgleich

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