13. Eine utopische Heilungsreise: ABWEHR    und    ACHTSAMKEIT

Joel hatte sich für die Weihnachtszeit eine Fortsetzungsgeschichte von wohlwollenden außerirdischen Meistern zum Thema „Macht – Angst – Vertrauen – Hingabe“ für Mari ausgedacht, das er ihr in Form eines Adventskalenders geschenkt hatte.

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An diesem Tag trafen sich Joel und Mari sich bei Joel. Er hatte Kerzen angezündet und einen Früchtekuchen auf den Tisch gestellt. Nachdem sie sich mit Kaffee und Kuchen gestärkt und ein wenig über ihre Erlebnisse während der letzten Tage geplaudert hatten, schlug Joel vor, dass sie es sich wieder gemeinsam auf der Couch gemütlich machten. Er legte seinen Arm um Mari, zog sie hinab, dass sie bei ihm lag und drehte sie so, dass sie die Kerzen auf dem Tisch sehen konnte. Sie lag vor ihm, so dass sie sich mit dem Rücken an ihn anlehnen konnte. Das löste ein angenehmes, geborgenes Gefühl in ihr aus. In dieser Position erzählte er die Geschichte weiter:

Viele Stunden der Nähe und der Entspannung erlebt Carina in der nächsten Zeit, ohne dass sie von Ramon in einer Weise berührt wird, die ihre Grenzen übersteigen würde.

Heute fragt er sie: „Wie wäre es heute mit einer kleinen neuen Herausforderung?“
Fragend schaut Carina ihn an. Er schaut sie offen und liebevoll an, sagt aber nichts weiter. Schließlich sagt sie: „Ja, ich will dir vertrauen.“

Er hält sie in seinem linken Arm und streicht einige Male entspannend mit der rechten Hand über ihre Arme und ihren Rücken, wandert dann über ihren Bauch, geht etwas tiefer und legt schließlich seine Hand ganz sanft auf ihre intimste Stelle. Bewegungslos lässt er sie dort liegen und betrachtet Carina freundlich und aufmerksam. Sie hält die Luft an, starr vor Schreck, ihre Gedanken wirbeln herum: ‘Jetzt ist es soweit, jetzt… jetzt… jetzt wird er sich nehmen, worauf er so lange gewartet hat! Das ist jetzt der Anfang, gleich… gleich… gleich wird er über mich herfallen…

Sie will schreien: ‘Nein!’, aber es ist nur ein Krächzen. Dennoch nimmt er es wahr und nimmt seine Hand sofort weg. Er kuschelt die zitternde Carina in die Decke ein, hält sie ganz fest in seinen Armen und streicht ihr mit einem sanften Druck über den Rücken. “Ganz ruhig, Carina. Es ist alles gut”, redet er ihr beruhigend zu. “Du hast ‘nein’ signalisiert, und ich habe mich danach gerichtet. Ganz ruhig, nichts geschieht dir.”

Lange Zeit redet er sanft und liebevoll mit ihr, und schließlich findet sie ihre Sprache wieder und redet sich ihre Angst von der Seele. 
Und wieder versichert er ihr verständnisvoll und geduldig, dass er nichts mit ihr tun wird, was für sie nicht stimmig ist, und nichts, rein gar nichts von ihr fordern würde. 

Als sie wieder in ihr Zimmer kommt, leuchtet ein Röllchen ihres Kalenders auf und sie liest:

Geliebte Carina,
nicht du bist für mich hier,
um meine Bedürfnisse zu befriedigen,
sondern ich bin für dich da,
um dir zu helfen,
deine tiefsten Bedürfnisse und Wünsche 
zu erkennen und sie leben zu lassen.
In Liebe Ramon

Wieder fühlt sie das neue, seltsame Gefühl, wirklich gut aufgehoben zu sein.

Mari drehte sich um zu Joel, schaute ihn an und meinte: „Die befinden sich ja auf einer ähnlichen Reise wie wir…“

„Ja, nur dass Carina nicht die Möglichkeit hat, einfach weg zu gehen, so wie du“, lächelte Joel, „sie ist wirklich ganz darauf angewiesen zu vertrauen, dass ihr Meister nichts mit ihr macht, was ihr widerstrebt.“

„Und ich glaube, das wird er auch nicht tun. Er war ja auch jetzt bei dieser neuen Herausforderung sehr achtsam und hat auf ihr Signal sofort reagiert“, antwortete Mari.

„Und…  was meinst du, Mari, wenn ich dich einmal in dieser Weise berühre wie es Ramon heute bei Carina tat, was meinst du… wie würdest du reagieren?“

Mari rückte ein kleines Stückchen ab von Joel.

„Keine Sorge, ich rede nicht von heute, und auch nicht von diesem Jahr“, beruhigte er sie.

„Na ja…“ Mari entspannte sich wieder, „Ich glaube, ich hätte nicht diese Panik, dass du über mich herfallen würdest und dir gewaltsam etwas nehmen würdest, was ich nicht wöllte, aber…“

Joel zog sie wieder in seine Arme. „Das ist doch schon mal wunderbar,“ flüsterte er ihr ins Ohr. „Aber…?“

„Es gibt da eine Blockade in mir, ganz nackt zu sein, und mich wirklich an allen Stellen berühren zu lassen“, erklärte Mari verlegen, „ich weiß nicht, wie…“

„Das musst du jetzt auch gar nicht wissen, Mari“, unterbrach er sie, „lass uns einfach in der Adventszeit ganz gemütlich und ohne weitere Herausforderungen für dich im Zauber der Geschichte bleiben. Was dann irgendwann kommt, das sehen wir, wenn es soweit ist, okay?“

Mari nickte. „Danke, Joel! Irgendwie… ist das ist eine ganz besondere Adventszeit in diesem Jahr…“

Morgen wird die Geschichte fortgesetzt und läuft voraussichtlich bis Weihnachten

Hier geht es zu allen bisher erschienenen Kapitel zu dieser Geschichte, die Joel Mari in der Advents- und Weihnachtszeit erzählt –> Eine utopische Heilungsreise (Märchen) 

12. Eine utopische Heilungsreise: SCHRECKEN    und    BEHUTSAMKEIT

Joel hatte sich für die Weihnachtszeit eine Fortsetzungsgeschichte von wohlwollenden außerirdischen Meistern zum Thema „Macht – Angst – Vertrauen – Hingabe“ für Mari ausgedacht, das er ihr in Form eines Adventskalenders geschenkt hatte.

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Mari freute sich darauf, ihren nächsten Umschlag zu öffnen. Sie trank einen Schluck Kaffee, steckte sich eine Orangenscheibe in den Mund und las gespannt wie es Carinas weiter erging im Raumschiff mit ihrem Meister…

Inzwischen befindet sich das Raumschiff in einer anderen Raum-Zeit-Dimension. Die Tage wurden viel länger, bis schließlich der Sprung in diese Dimension erfolgte. Jetzt tritt das ein, was Ramon ihr zuvor schon erklärt hatte, dass in der Zeit, die einem Erdentag entspricht hier im Raumschiff mehrere Tage vergehen. So öffnet Carina ihren Adventskalender nicht mehr jeden Tag, sondern in bestimmten Abständen. Ramon erklärt ihr, dass immer in gewissen Zyklen ein Röllchen aufleuchten würde, woran sie erkennt, dass es jetzt an der Zeit sei, dieses zu öffnen. 13 Röllchen sind es noch. Carina überlegt, als sie sich abends ihren Adventskalender betrachtet: Was wohl geschieht, wenn alle 13 Röllchen geöffnet sind? Ob sie dann wieder auf die Erde zurückkommt? Wird sie danach ihr altes Leben wieder fortsetzen? Und sie spürt eine unbestimmten Sehnsucht in sich. Ihr wird zunehmend bewusst, dass Ramon in seiner liebevollen, fürsorglichen, oft aber auch sehr direkten Art für sie zu einem Teil ihres Lebens geworden ist. Würde sie ihn nach dieser Reise gar nicht mehr sehen?

Schließlich macht sie sich bewusst, dass bis dahin noch viel Zeit ist, und dass sie jetzt noch gar nicht abschätzen kann, was dann sein wird. Es hat jetzt keinen Sinn, darüber nachzudenken. Wie bisher über alles andere auch wird sie darüber mit ihm reden können, wenn es an der Zeit ist.

Ja, Carina hat schon eine gewisse Portion an Vertrauen, Gelassenheit und Zuversicht in sich entwickelt. Das braucht sie auch, als sie schließlich das nächste Röllchen öffnet und liest:

Geliebte Carina,
du hast nun viele Male erlebt,
dass ich dich nicht zwinge, etwas zu tun,
was dir nicht entspricht.
Und ebenso wird es sein, wenn wir uns ganz sacht
und behutsam den Gefühlen der Erotik zuwenden.
Carina, auch sie gehört zu dir und will gelebt werden.
Ich führe dich Schritt für Schritt,
dass du diese Lust als Kraftquelle entdecken kannst.
In Liebe Ramon

Carina zittert am ganzen Körper, als sie das liest. Nun kommt es also doch, das Thema, vor dem sie so große Angst hat. Was soll sie nur tun? Ein Gefühl von Panik und Überforderung steigt in ihr auf, wie sie es seit vielen Tagen hier nicht mehr hatte.

In diesem Moment klopft Ramon an ihre Tür. Sie öffnet, blass und verstört. Ramon setzt sich mit ihr auf die Couch, legt seinen Arm in einer beschützenden, tröstenden Geste um ihre Schultern und spricht zu ihr mit seiner warmen, tiefen Stimme: “Carina, Liebes, keine Sorge, nichts wird sich ändern. Mein Versprechen gilt, ich werde nichts tun, was dir nicht entspricht. Du merkst doch selbst, dass dir meine Berührungen nicht unangenehm sind, nicht wahr?”

Zögernd nickt Carina. „Aber ich habe Angst vor dem sexuellen Miteinander.

“Erotik ist viel mehr, als der direkte sexuelle Akt. Erotik bezieht sich auf das bewusste Wahrnehmen der Ganzheit von Körper, Seele und Geist bei Mann und Frau. So betrachtet war ganz viel von dem, was wir miteinander erlebt haben, schon sehr erotisch. Ich werde ganz sicher nicht über dich herfallen und dich zwingen, etwas zu tun, was du nicht willst. So weit kennst du mich doch schon, oder?” fragend schaut er sie an, und wieder nickt sie.

“Ich möchte nachher deinen ganzen Körper massieren, und du bleibst dabei ganz bewusst und sagst mir all deine Empfindungen. Sowie dir etwas unangenehm ist oder du eine Grenze spürst, lässt du es mich wissen, und ich werde es achten. Du probierst das aus, was dich schon einige Zeit beschäftigt, nämlich die Frage: ‘Wie ist es wohl, wenn er mich überall berührt?’ Das kannst du nur herausfinden, wenn du es erfährst. Du hast mein Ehrenwort, dass ich mich ganz auf deine Rückmeldungen einstelle. Sobald du mir sagst: ‘Das ist mir unangenehm, hier möchte ich nicht berührt werden’, nehme ich meine Hand dort weg. Aber erst dann, wenn du es probiert hast und es wirklich so empfindest. Nicht auf Grund einer Vorstellung, die du in deinem Kopf hast. Bist du bereit, dich darauf einzulassen?”

Carina schluckt. Dann fragt sie: “Müsste ich mich dazu nackt ausziehen?” Ramon ist einen Moment still. Es sieht aus, als würde er einer für Carina nicht hörbaren Stimme zuhören. Dann antwortet er: „“Ja, Carina, es wäre gut, wenn wir uns langsam erlauben, uns unsere Körper so zu zeigen, wie sie sind: offen und unverhüllt. Aber wir werden uns da langsam herantasten. Durch die Aufenthalte auf dem Parkdeck kennen wir uns ja schon in Badebekleidung, nicht wahr? Den BH hast du bei den Rückenmassagen auch schon abgelegt. Ich weiß, ich weiß, du hast immer dafür gesorgt, dass ich deine Brust nicht sehe, und ich habe das so respektiert. Wenn ich dich massiere, werde ich immer genauso viel ausziehen, wie du auch, damit du nicht das Gefühl von Ungleichgewicht hast. Du wirst nicht nackter und verletzlicher sein als ich. Vielleicht kannst du dich heute darauf einlassen, dass wir beide die Oberkörper ganz frei haben? Lass es uns versuchen. Wenn es nicht geht, auch in Ordnung, dann bekommst du deine Massage mit Bikini. Wir haben Zeit. Nichts soll  erzwungen werden.” Zögernd nickt Carina.

Ramon betrachtet sie einen Moment, nimmt wahr, wie aufgeregt sie ist und meint schließlich: “Weißt du was, komm doch gleich mit, wir wollen nicht bis nachher warten, das steigert deine Aufregung nur unnötig.”

Keine Antwort abwartend nimmt er sie bei der Hand und führt sie in sein Zimmer, das sie angenehm duftend und wohlig warm erwartet. Ramon zieht sich aus, und Carina tut es auch, bis auf Slip und BH. Sehr aufgeregt legt sie sich hin, voll Spannung im ganzen Körper. Ramon streicht ihren Rücken, massiert ihren Kopf, bis sie sich nach und nach etwas entspannen kann und wieder das Angenehme an den Berührungen empfindet. Schließlich ist sie auch bereit, ihren BH zu lösen. Arme und Beine, Rücken und Bauch, ihr ganzer Körper wird berührt. Dankbar nimmt sie wahr, dass er ihre intimsten Stellen unberührt lässt. Und so stellt sie fest, dass es keine unangenehmen, allzu peinlichen Berührungen gibt. Er kennt ihre Grenzen genau, schöpft sie aus, geht aber nicht darüber hinweg. Wieder einmal staunt Carina über seine Einfühlungsgabe. Wieder einmal macht sie die Erfahrung, ihm vertrauen zu können. Und wieder einmal löst sich eine große Angst in Erleichterung auf. Dankbar schaut sie ihn an, als sie wieder beide angezogen sind, auf der Couch sitzen und sich mit Plätzchen stärken. 

Morgen wird die Geschichte fortgesetzt und läuft voraussichtlich bis Weihnachten

Hier geht es zu allen bisher erschienenen Kapitel zu dieser Geschichte, die Joel Mari in der Advents- und Weihnachtszeit erzählt –> Eine utopische Heilungsreise (Märchen) 

11. Eine utopische Heilungsreise: BEREITSCHAFT    und    ZUWENDUNG

Joel hatte sich für die Weihnachtszeit eine Fortsetzungsgeschichte von wohlwollenden außerirdischen Meistern zum Thema „Macht – Angst – Vertrauen – Hingabe“ für Mari ausgedacht, das er ihr in Form eines Adventskalenders geschenkt hatte.

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Mari freute sich darauf, ihren nächsten Umschlag zu öffnen. Sie trank einen Schluck Kaffee, steckte sich eine Orangenscheibe in den Mund und las gespannt wie es Carinas weiter erging im Raumschiff mit ihrem Meister…

Am nächsten Morgen gleich nach dem Aufstehen findet Carina folgende Worte in ihrem Adventskalender:

Mein Liebes, 
Du musst nichts können!
Ich erwarte nichts von dir.
Sei einfach nur bereit…
bereit, da zu sein und da zu bleiben
und wahrzunehmen was du fühlst –
nicht mehr – und nicht weniger.

In Liebe Ramon

Diese Worte mildern etwas ihren inneren Druck. Und tatsächlich fühlt sie gerade in sich ein einigermaßen friedvolles Gefühl. Okay, sie will bereit sein, bereit zu vertrauen, bereit das anzunehmen, was ihr Meister ihr geben will. Denn sie hat jetzt schon so oft erlebt, dass er es gut mit ihr meint. Selbst die Situation mit dem unfreiwilligen Aufenthalt auf der Liege war irgendwie gut für sie, wie sie im Nachhinein erkennt. Denn am Tag danach war dadurch, dass sie ihre Angst durchlebt und ausgedrückt hat, ihr Kopfschmerz verschwunden.

So ist sie bereit, sich heute auf die Kopf- und Rückenmassage einzulassen – ein wenig nervös und aufgeregt, aber ohne Abwehr. 
Zu Beginn erklärt ihr Ramon: “Du musst dich nicht entspannen, Carina. So wie es ist, so ist es in Ordnung!”. Das tut ihr gut – und es geschieht das Wunder, dass sie seine Massage regelrecht genießen kann. Eigentlich ist es ganz angenehm, von ihm berührt zu werden. Seine Hände sind so sanft und auch sicher. Sie wissen genau, an welchen Stellen ein wenig mehr Druck wohltuend wirkt, und wo nur ganz zarte Berührungen angebracht sind.

Carina ertappt sich bei der gedanklichen Frage, wie es wohl wäre, am ganzen Körper von ihm berührt zu werden.

In den nächsten Tagen erhält Carina viele wohltuende Kopf- Rücken- und Fußmassagen von ihm und lernt, diese zu genießen. Ihre Angst vor der Liege schwindet.

Die Gemeinschaft mit den anderen Frauen empfindet sie als bereichernd. Es gibt Sing- und Spielabende, die von René organisiert und in der ihm eigenen Weise humorvoll geleitet werden.

Besonders gut versteht sie sich mit Jennifer, die ihr längst erklärt hat, dass sie René als ihren Ausbilder sehr schätzt und mag und keinesfalls von ihm gequält wird. Auch Carina entdeckt, dass sie ihren Meister richtig gern hat, wenn auch seine männliche Ausstrahlung sie immer wieder in Unruhe versetzt.

Sie führt viele Gespräche mit ihm, und er versteht es gut, eine Atmosphäre zu schaffen, in der es ihr möglich ist, Dinge auszusprechen, von denen sie bisher dachte, dass sie sie nie irgend jemandem, vor allem nicht einem Mann, erzählen könnte. Und immer fühlt sie sich verstanden und akzeptiert. Ihre Kopfschmerzen werden nach und nach weniger, und sie lernt mit der Zeit, den Druck der Selbstablehnung und -verurteilung langsam loszulassen.

Morgen wird die Geschichte fortgesetzt und läuft voraussichtlich bis Weihnachten

Hier geht es zu allen bisher erschienenen Kapitel zu dieser Geschichte, die Joel Mari in der Advents- und Weihnachtszeit erzählt –> Eine utopische Heilungsreise (Märchen) 

10. Eine utopische Heilungsreise: ÄNGSTLICHKEIT    und    LIEBEVOLLE FÜHRUNG

Joel hatte sich für die Weihnachtszeit eine Fortsetzungsgeschichte von wohlwollenden außerirdischen Meistern zum Thema „Macht – Angst – Vertrauen – Hingabe“ für Mari ausgedacht, das er ihr in Form eines Adventskalenders geschenkt hatte.

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Mari freute sich darauf, ihren nächsten Umschlag zu öffnen. Sie trank einen Schluck Kaffee, steckte sich eine Orangenscheibe in den Mund und las gespannt wie es Carinas weiter erging im Raumschiff mit ihrem Meister…

An diesem Morgen denkt Carina beim Aufwachen sofort an die heftige Situation von gestern, in der sie sich für eine durchaus wohltuende Fußmassage auf die Liege legen musste, obwohl sie das erst nicht wollte. Seltsamerweise bewegen sich in ihr Gefühle, die sich gar nicht mal übel anfühlen. Sie hatte es bisher nicht erlebt, dass irgendwer sich in solcher Weise für ihr Wohlergehen interessiert hatte. Denn dass Ramon das alles nicht für sich selbst, sondern für sie tat, das ist ihr inzwischen klar. Seine körperliche und mentale Stärke ist zwar nach wie vor beängstigend für sie, aber es gibt inzwischen auch Momente, in denen sie zumindest im Nachhinein spürt, dass es ihr auf eine bisher nicht gekannte Weise gut tut, sich von der natürlichen, sanften und doch kraftvollen Autorität ihres Meisters führen zu lassen. Das fällt ihr allerdings schwer, allein schon nur sich selbst gegenüber einzugestehen.

Gespannt öffnet sie das nächste Röllchen ihres seltsamen Adventskalenders und liest:

Geliebte Carina,
auch wenn dir in sicherlich sehr seltenen Momenten 
meine Konsequenz
als Härte erscheinen mag,
wisse, dass ich mit dir fühle –
in jedem Augenblick.
Ich wäre grausam, ließe ich dich in deiner Angst stecken.
Carina, ich bin gerade auch in den schwierigen Momenten
mit meiner ganzen Herzenskraft für dich da.
Ich verstehe und tröste dich in deiner Angst,
ich führe dich in neuen Erfahrungen,
ich nehme dich an, in jedem deiner Vorwärts- und Rückwärtsschritte,
ich ermutige dich, wenn du zögest,
und ich feiere mit dir jeden kleinen Sieg!
In Liebe Ramon

Auch an diesem Tag bekommt sie wieder eine Fußmassage. Es fällt ihr noch nicht leicht, sich wieder auf die Liege zu legen, aber sie tut es schließlich. Für den nächsten Tag kündigt ihr Ramon eine Rücken- und Kopfmassage an, damit ihre angespannten Muskeln sich entspannen könnten und die häufigen Kopfschmerzen sich bessern könnten.
Carina denkt nun immer wieder über diese kommende Behandlung nach. Sie hat gar nicht das Gefühl, dadurch zu mehr Entspannung gelangen zu können, ganz im Gegenteil, sie merkt, wie sie in Stress gerät, ganz besonders dann, wenn sie daran denkt, sich auf diese Liege legen zu müssen. Sie würde sich ja gern besser entspannen können, aber aufgrund ihrer heftigen Angst kann sie es doch nicht. Dabei wird ihr inzwischen zumindest theoretisch klar, dass sie eigentlich vor Ramon keine Angst zu haben bräuchte, aber in ihre Gefühle. die von alten Angst-Mustern geprägt sind, hat dieses Wissen noch keinen Eingang gefunden.

Immerhin überwindet sie sich, am Abend mit ihrem Meister darüber zu sprechen und ihm davon zu erzählen. „Es tut mir so leid, dass ich noch nicht besser vertrauen kann, dass ich mich so schwer entspannen kann, dass ich nicht einfach locker und unverkrampft sein kann…“ sagt sie traurig zu ihrem Meister. „Ich möchte doch so gern alles richtig machen! Ich sehe ein, dass ich dir vertrauen könnte – und dennoch kann ich es so schwer, weil mir die Angst immer wieder im Weg steht. Und wenn ich mir wünsche, lockerer zu werden, wird es eher schlimmer als besser.“

„Carina, Liebes, Vertrauen lässt sich nicht erzwingen“, erklärt er ihr verständnisvoll, „das kann nur langsam wachsen. Gib dir Zeit. Das wird sich nach und nach mit jeder guten Erfahrung, die wir gemeinsam machen, entwickeln. Und wir werden noch viel Gutes miteinander erleben, lächelt er. „Dessen bin ich mir ganz sicher!“

Morgen wird die Geschichte fortgesetzt und läuft voraussichtlich bis Weihnachten

Hier geht es zu allen bisher erschienenen Kapitel zu dieser Geschichte, die Joel Mari in der Advents- und Weihnachtszeit erzählt –> Eine utopische Heilungsreise (Märchen) 

9. Eine utopische Heilungsreise: ANGST    und    STÄRKE

Joel hatte sich für die Weihnachtszeit eine Fortsetzungsgeschichte von wohlwollenden außerirdischen Meistern zum Thema „Macht – Angst – Vertrauen – Hingabe“ für Mari ausgedacht, das er ihr in Form eines Adventskalenders geschenkt hatte.

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Mari freute sich morgens schon immer darauf, ihren nächsten Umschlag zu öffnen. Sie nahm einen Schluck aus ihrer Teetasse, wickelte das kleine Schokostückchen aus dem Umschlag ihres Adventskalenders aus und las gespannt wie es Carinas weiter erging im Raumschiff mit ihrem Meister…

Carina erwacht an diesem Tag mit einem unangenehmen Druck im Kopf. Hoffentlich würden sich daraus nicht wieder so heftige Kopfschmerzen wie gestern entwickeln. In ihrem Adventskalender findet sie folgende Botschaft:

Liebe Carina, 
erinnere dich immer wieder einmal zwischendurch
an die Leichtigkeit,
die du spürst, wenn ich dir helfe zu entspannen,
indem ich mit meinen Händen
deinen Kopf halte
und ganz sanft d
einen inneren Druck
und den damit verbundenen Schmerz weg streichele.
Diese entspannte Leichtigkeit ist auch ein Teil von dir hinter aller Angst.
Lass sie uns mehr und mehr hervor holen.
In Liebe Ramon

Oh, ja – dankbar liest sie diese Worte. Leichtigkeit würde sie gerne mehr und mehr in sich spüren – bisher fühlt sich aber vieles in ihr noch recht schwer an.

Beim Frühstück fragt Ramon, wie es ihr gehe. Sie erzählt von dem Kopfdruck, mit dem sie aufgewacht ist.

“Ich glaube, es ist wichtig, dass wir einen Teil der Zeit deinem Körper widmen, Carina. Wir werden heute etwas für deinen Körper tun”, erklärt er ihr.

Mit sehr gemischten Gefühlen betritt sie heute wieder einmal seinen Raum und wäre fast rückwärts wieder `rausgegangen, als sie in seinem großen, großzügig eingerichteten Raum heute in dem hinteren Bereich, der bisher optisch abgeteilt war, eine breite Liege stehen sieht. Was hat er wohl mit ihr vor? Was meinte er mit: “…dem Körper Aufmerksamkeit schenken?”

Mit starren Augen haftet ihr Blick an der Liege, und sie bleibt wie angewurzelt stehen. Ramon tritt auf sie zu und führt sie zu der Sitzecke, wo wie immer Tee und Plätzchen auf sie warten. Aber sie hat keinen Blick dafür.  “Was soll die Liege da?” fragt sie beklommen.

“Die ist für dich, Carina. Sieht sie nicht behaglich und einladend aus mit der blauen Sternendecke und den goldenen weichen Kissen? KissenSie haben übrigens eine leicht kühlende Wirkung für deinen Kopf. Am besten legst du dich gleich mal hin.”

Carina schüttelt heftig den Kopf. “Nein”, bringt sie heraus, “ich lege mich hier nicht hin.” Es kommt ihr vor, als würde sie sich ihm völlig ausliefern, wenn sie sich jetzt hier hinlegte.

Ihr Meister schaut sie einen Moment schweigend an, dann fragt er: “Wovor hast du Angst, Carina?”

Sie antwortet nur: “Ich will mich hier nicht hinlegen!” Auf ein weiteres Gespräch kann sie sich nicht einlassen. Der Gedanke ‘Ich will das nicht’ ist zu einer fixen Idee in ihrem Kopf geworden.

Nach einigen Gesprächsangeboten sagt Ramon: ”Doch, Carina, du wirst dich jetzt auf diese Liege legen, es ist sehr notwendig!” Carina springt auf, läuft zur Tür und stellt voll Entsetzen fest, dass diese verschlossen ist. Panisch schaut sie sich um, die Tür im Rücken. Als Ramon schließlich auf sie zukommt, springt sie mit ein paar Sätzen in die nächste Zimmerecke. Er ist im Nu bei ihr und nimmt sie einfach wie ein Kind auf seine Arme. Sie wehrt sich und schreit. Ramon hält sie ganz fest und trägt sie zur Liege. Seine Worte: “Carina, es geschieht dir nichts Schlimmes. Ich verspreche es dir!” nimmt sie gar nicht wahr.

Auf der Liege hält er die tobende, weinende Carina fest. Dabei redet er ihr gut zu: “Du brauchst keine Angst zu haben, Carina, aber es ist okay. Kämpfe, wehre dich, solange du es tun musst. Ich halte dich.”

Nach einer Weile erlahmen Carinas Kräfte. Sie spürt, sie kann gegen ihn nichts ausrichten, und so liegt sie endlich still. Immer noch hält er sie fest. “Carina, wenn ich dich jetzt loslasse, bleibe bitte liegen, sonst geht der ganze Kampf noch einmal los. Du wirst die Erfahrung, die ich heute für dich vorgesehen habe, machen, und wenn wir hier den ganzen Tag verbringen.”

Angstvoll schaut Carina ihn an. Was will er nur mit ihr machen? Warum ist er ihr heute so unheimlich? Was hat er mit ihr vor? Lässt er jetzt erst die Maske der Freundlichkeit fallen? Er schaut sie ruhig und freundlich an.

“Ich lasse jetzt los, Carina. Fühle deine Angst und deinen Widerstand, das ist völlig in Ordnung. Du kannst auch weinen und schreien, aber wenn du versuchst aufzuspringen, werde ich dich festhalten.”

Carina sieht an seinem Blick, dass es ihm ernst ist. Er lässt sie los, und sie bleibt zitternd liegen. Angstvoll erwartet sie nun, was kommen soll. Er setzt sich seitlich zu ihr auf die Liege, sieht sie sehr mitfühlend und freundlich an und beginnt eine Melodie zu summen. Bald erkennt sie, es ist das alte Schlaflied “Guten Abend, gute Nacht”, das ihre Mutter ihr oft vorgesungen hatte. Verwirrt schaut sie ihn an. Wie passt das alles zusammen? Mit einer sanften Bewegung streicht er ihr eine Haarsträhne aus der verschwitzten Stirn. Es dauert einige Zeit, bis sie sich langsam beruhigt.
Schließlich sagt er zu ihr sehr sanft: “Ganz ruhig, Carina, ich weiß, das war schlimm für dich, aber es musste sein. Es ist für dich wichtig, dass du deine Gefühle durchlebst und die Erfahrung machst, dass dir trotz aller Angst nichts Schlimmes widerfährt. Ich werde dir jetzt einfach nur deine Füße massieren, das wird deinem ganzen Körper, besonders aber deinem Kopf sehr gut tun. Und ich sage dir schon jetzt: das ist alles! Mehr geschieht nicht. Nach der Fußmassage bleibst du am besten noch einen Moment liegen und lässt sie ruhig nachwirken. Dann kannst du wieder aufstehen, und wenn du willst reden wir über alles.”

Darauf zieht er ihr ihre Schuhe aus und gibt ihr eine sehr, sehr wohltuende Fußmassage, deren entspannender Wirkung sie sich nicht entziehen kann. Lange massiert er in gleichmäßigen, sanften, kreisenden und streichenden Bewegungen mit genau dem Druck, der ihr angenehm ist. Sie schließt irgendwann die Augen und hört seinem tiefen beruhigenden Summen zu.

Eigentlich fühlt sich das ganz gut an, was er da mit ihr macht. Langsam ergibt sie sich ihrer Erschöpfung, beginnt sich zu entspannen und fällt in manchen Momenten auch in einen leichten Schlaf. Als er die Massage schließlich beendet, döst sie noch eine Zeit weiter, bis sie erwacht und dann schnell die Liege verlässt.

Im Moment möchte sie gar nicht reden, soviel Verwirrung und Scham ist in ihr. Er akzeptiert das und empfiehlt ihr, sich in ihrem Zimmer noch ein wenig hinzulegen.

Den Nachmittag verbringt sie mit Jennifer auf dem Parkdeck, und zögernd beginnt sie mit ihrer neuen Freundin über ihre Erfahrung zu reden. Das Gespräch tut ihr gut.

Als sie am Abend im Bett liegt, stellt sie fest, dass sie keine Kopfschmerzen mehr hat. “Ja”, erklärt ihr Ramon, “du hast verdrängte Gefühle zugelassen und ausgelebt, so musstest du sie nicht mehr in den Kopf wegdrücken. Und du hast erlebt, dass du mit allem Kampf und Widerstand angenommen wurdest und dir bei aller Angst dennoch nichts Schlimmes geschehen ist. Nicht wahr?”

Carina nickte. „Ja, ich hatte einen ganz anderen, schlimmen Film im Kopf. Und… irgendwie muss ich jetzt zugeben, hat es mir sogar gut getan, dass ich meinen inneren Kampf auch mal körperlich ausdrücken konnte und du mich darin gehalten und nicht verurteilt hast oder sauer geworden bist.“ Etwas fragend und unsicher schaute sie ihn dennoch an…

„Aber nein, Carina, überhaupt nicht! Wie könnte ich?! Ich spüre doch, dass dein Widerstand durch Angst entsteht. Diese Angst ist alt und hat in Wahrheit nichts mit mir zu tun. Aber ich bin es, der damit umgeht – und das wird immer liebevoll sein! Darauf kannst du dich fest verlassen –  selbst dann, wenn ich mal etwas tue, was sich in diesem Moment nicht ganz so leicht anfühlt. Das wird allerdings nur sehr, sehr selten der Fall sein! Aber du kannst dir immer und ganz besonders in solchen Situationen ganz sicher sein:
Selbst wenn ich mal auf etwas bestehe – so wie heute, zum Beispiel, dass du dich einfach nur auf die Liege  legst – werde ich dir niemals irgendetwas Schlimmes dabei tun, nichts was dich verletzen oder in unangenehmer, unerwünschter Weise berühren würde. Das verspreche ich dir!“

Carina nickt. „Danke, Ramon! Es geschah ja auch heute eigentlich nichts Schlimmes, als ich dann auf der Liege lag. Aber die Ungewissheit vorher war schlimm.“

„Hättest du mit mir geredet, anstatt zu kämpfen, wäre es gar nicht so weit gekommen, Carina. Aber du warst in einem Zustand, in dem du mich gar nicht mehr gehört hast, geschweige denn mir glauben konntest. Heute hat mir meine Intuition gesagt, dass es wichtig war, nicht nachzugeben, dass du es brauchtest, diesen Kampf einmal körperlich so auszuleben. Sei aber versichert, dass so etwas eher eine Ausnahme ist. Ich will gern immer über alles mit dir reden und gemeinsam mit dir für dich machbare gute Wege finden.“

„Das fühlt dich gut an, danke Ramon!“ Carina reicht ihm ihre Hand und er hält sie ganz behutsam ein Weilchen fest. Dann streicht er ihr sanft über die Wange und wünscht ihr eine gute Nacht.
„Mögest du heute ganz entspannt schlafen können und es dir morgen richtig gut gehen, Carina!“

Morgen wird die Geschichte fortgesetzt und läuft voraussichtlich bis Weihnachten

Hier geht es zu allen bisher erschienenen Kapitel zu dieser Geschichte, die Joel Mari in der Advents- und Weihnachtszeit erzählt –> Eine utopische Heilungsreise (Märchen) 

8. Eine utopische Heilungsreise: SELBSTZWEIFEL    und    ANNAHME

Joel hatte sich für die Weihnachtszeit eine Fortsetzungsgeschichte von wohlwollenden außerirdischen Meistern zum Thema „Macht – Angst – Vertrauen – Hingabe“ für Mari ausgedacht, das er ihr in Form eines Adventskalenders geschenkt hatte.

linie09

Heute hatten sie sich wieder getroffen und es sich bei Mari auf der Couch gemütlich gemacht. Joel lud Mari ein, sich in seinen Arm zu kuscheln und zog sie erst einmal zu einer innigen Umarmung an sich. Erfreut spürte er, dass sie sich auf die Nähe mit ihm zunehmend leichter einlassen konnte. Dann las er ihr das achte Kapitel der Geschichte vor:

Am nächsten Morgen findet Carina folgende Botschaft in ihrem Adventskalender:

Liebe Carina,
du wirst mit mir erfahren,
dass du angenommen und geliebt wirst, genauso wie du bist –

auch mit den Teilen in dir, die dir selbst noch schwer fallen anzunehmen,
und mit manchen, die dir auch noch verborgen sind
und in dir ein unbewusstes Eigenleben führen.
Wir werden sie gemeinsam entdecken! Okay?
In Liebe Ramon

Was für Teile Ramon wohl damit meint? Eigentlich kennt sie sich doch… Oder kann es sein, dass er sie besser kennt, als sie sich selbst? Nach all dem, was sie bisher mit ihm erlebt hat, muss sie vor sich zugeben, dass es viele Fehleinschätzungen in ihr gab. Er muss ein tiefes Verständnis besitzen. Es gab noch nie einen Menschen, der in so einzigartiger Weise auf sie eingegangen war und so phantasievoll und liebevoll mit ihren Gefühlen von Angst, Abwehr, Schutzbedürfnis und all dem, was sonst noch in ihr ist, umgegangen ist.

‘Er scheint mich bis in all meine Tiefen hinein zu kennen und zu verstehen. Es kommt mir fast so vor, als würde ich langsam beginnen, ihm zu vertrauen … Was für Teile er wohl meint, die wir gemeinsam entdecken werden? Irgendwie ist es auch unheimlich, wenn jemand viel mehr über mich weiß, als ich selbst.’

Durch diesen Gedanken fühlt sich Carina ihrem Meister gegenüber wieder etwas befangen. Ständig denkt sie darüber nach, was er wohl jetzt gerade in ihr sieht, und beobachtet ihn und sich selbst unter der Fragestellung, ob sie wohl alles richtig macht.

Es dauert nicht lang und dieser innere Druck erzeugt in ihrem Kopf einen Druck, der sich schließlich zu heftigen Kopfschmerzen steigert.

Am Abend, als Ramon an ihrem Bett sitzt, schaut er ihr in die Augen und fragt: “Was ist los, Carina? Was quält dich?”

Für Carina stehen die Kopfschmerzen im Vordergrund, und sie erzählt ihm davon. Ramon nickt mitfühlend und sagt: “Es muss Gedanken oder Gefühle in dir geben, die dir Druck machen. Vielleicht fühlst du dich im Moment überhaupt nicht in der Lage, darüber weiter nachzuforschen, das ist okay. Ich will dir nur sagen, Carina, und das sage ich diesem Teil von dir, der den Schmerz produziert hat: Du bist vollkommen in Ordnung, so wie du bist. Versuche zu vertrauen… vertraue, dass alles gut ist. Vertraue dir, vertraue mir, vertraue dem Leben. Es trägt dich, es hält dich in seiner liebenden Hand. Hab dich lieb, Carina, mit all dem, was du bist, es gehört zu deinem Mensch-sein. Strebe nicht nach einer Perfektion, die nie ein Mensch erreichen kann, sei einfach du selbst und wisse: Du bist ein phantastisches, wundervolles göttliches Wesen. Alles in dir ist in Ordnung!”

Carina schaut ihn dankbar an. Seine warmherzigen, liebevollen Worte tun ihr gut. Dann streicht er ganz sanft über ihren Kopf, immer und immer wieder. Sie spürt, wie der Druck sich langsam löst, ein paar Tränen fließen, und schließlich wird sie sehr müde, entspannt sich und schläft ein.

Morgen wird die Geschichte fortgesetzt und läuft voraussichtlich bis Weihnachten

Hier geht es zu allen bisher erschienenen Kapitel zu dieser Geschichte, die Joel Mari in der Advents- und Weihnachtszeit erzählt –> Eine utopische Heilungsreise (Märchen) 

7. Eine utopische Heilungsreise: FURCHT UND Erleichterung

Joel hatte sich für die Weihnachtszeit eine Fortsetzungsgeschichte von wohlwollenden außerirdischen Meistern zum Thema „Macht – Angst – Vertrauen – Hingabe“ für Mari ausgedacht, das er ihr in Form eines Adventskalenders geschenkt hatte.

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Mari freute sich morgens schon immer darauf, ihren nächsten Umschlag zu öffnen. Sie steckte sich das heutige Schokoladentäfelchen in den Mund, trank Tee dazu und las gespannt wie es Carina weiter erging im Raumschiff mit ihrem Meister…

Am Morgen nach dem überraschend schönen Nikolaustag wird Carina zu René, dem Kommandanten, bestellt. Nervös läuft sie in ihrem Zimmer auf und ab. Um 11 Uhr soll sie sich bei ihm melden, sie hat noch eine halbe Stunde Zeit. Bisher ist sie ihm möglichst aus dem Weg gegangen, nachdem sie von ihrer Zimmernachbarin schlimme Gerüchte über ihn gehört hatte. Natürlich dämmert es ihr   inzwischen, dass dieser Wahrheitsgehalt sehr fraglich ist, aber der Schreck, den ihr dieses Gespräch versetzt hatte, sitzt noch immer in ihr. Meister René ist ihr irgendwie unheimlich. Dazu kommt seine Autoritätsfunktion als Kommandant. Sie hatte schon immer Angst vor Autoritäten. Was wird er nur von ihr wollen? Hatte sie sich etwas zu Schulden kommen lassen? Ob es um ihre mangelnde Kooperationsbereitschaft in den ersten Tagen geht? Oder ob doch noch ihre Fluchtgeschichte geahndet werden soll? Ihr Gedankenkarussel dreht sich immer heftiger… Dann fällt ihr Blick auf ihren Adventskalender, und sie befördert folgende Botschaft zu Tage:

Liebe Carina,
Du brauchst dich vor nichts und niemanden zu fürchten.

Du bist hier ganz sicher und gut aufgehoben.
Und wenn du Sorgen hast: Ich bin immer für dich da.
In Liebe Ramon

Ramon würde es nicht zulassen, dass ihr etwas Schlimmes geschieht. Etwas getröstet macht sie sich auf den Weg zu René. Der empfängt sie mit den Worten: “Na, da kommt ja unsere kleine Ausreißerin.” Angstvoll schaut Carina ihn an. Also geht es doch noch einmal um ihren Fluchtversuch. Aber wie ist dann das Lächeln in seinen Augen zu verstehen?

“Carina, du bist nun eine Woche hier, und ich freue mich, dass ich gestern zum ersten Mal ein Lächeln in deinem Gesicht gesehen habe. Ich weiß, du hast es in den ersten Tagen recht schwer gehabt. Die erste Woche war dazu da, dass jede Schülerin erst einmal mit ihrem persönlichen Ausbilder etwas vertraut wird. Ich weiß, dass es unter den Frauen einige sehr beängstigende Gerüchte gibt, was die Meister und besonders mich anbelangt. Nachdem ihr nun alle Gelegenheit hattet, eure Meister etwas kennenzulernen, ist es an der Zeit, dass ihr auch mich, euren Kommandanten und Gruppenleiter ein wenig kennenlernt, um euch selbst ein Bild zu machen, ob ihr hier bei mir im Raumschiff gut aufgehoben seid oder nicht. Dazu werde ich jede einzelne Schülerin nach und nach zu einigen Gesprächen zu mir bitten, damit wir miteinander vertrauter werden. Wenn ich dich also bitte, zu mir zu kommen, Carina, hast du keinerlei Grund, irgend etwas Negatives zu befürchten.”

Verlegen schaut Carina ihn an. Steht ihr ihre Angst so deutlich im Gesicht geschrieben?

René bietet Carina einen Tee an und bittet sie, ihm etwas über sich, vielleicht auch über ihr bisheriges Leben auf der Erde, zu erzählen. Egal was… das, was ihr gerade einfällt.

Nach der ersten Beklommenheit und Unsicherheit erzählt Carina zögernd von ihrer Familie, ihrem Beruf, der ihr viel Freude gemacht hat, und von ihrer kleinen Wohnung, die sie allein bewohnt. Während sie erzählt, erwacht das Heimweh wieder in ihr.

René legt seine Hand auf ihre Schulter und sagt tröstend: “Du wirst das alles wieder bekommen, Carina, und dann wirst du es noch viel mehr genießen können. Wie gut, dass deine Flucht nicht geglückt ist, denn dann hättest du dich wohl für eine längere Zeit nicht nach hause zurück getraut. Die Zeit hier wird schnell vergehen und angefüllt sein mit vielen interessanten, erfüllenden Erfahrungen. Du wirst zunehmend mehr Sicherheit bekommen und diese dann in dir tragen, wenn du nach Hause zurückkommst. Ganz sicher bringe ich euch wieder heim zur Erde – darauf gebe ich dir mein Wort!”

Nach diesem Gespräch fühlt sich Carina etwas erleichtert. Sie spürt, an den Gerüchten ist keinerlei Wahrheit. Eine leise Stimme in ihr flüstert: ‘Jemand, der so liebevolle Nikolausbilder verschenkt und der jeder Frau eine Gelegenheit einräumt, ihn kennenzulernen und sein Interesse und Mitgefühl zeigt, kann wohl kaum ein Sadist sein.’
Die andere Stimme der Angst mahnt jedoch: ‘Sei auf der Hut, du hast gehört, erst tun sie freundlich, und dann lassen sie ihre Maske fallen.’
Welcher Stimme soll sie Glauben schenken?
Wieder erinnert sie sich an die Worte Ramons: ‘Du kannst nur glauben, was mit deinen Erfahrungen übereinstimmt. Die mit der Zeit gemachten Erfahrungen werden dir helfen, dich nach und nach sicherer zu fühlen.’

Hatte nicht René so etwas ähnliches gesagt?

Auch an diesem Tag macht Carina nur noch angenehme Erfahrungen. Das Schönste ist eine von Ramon angeleitete Meditation, in der sie sich im Licht und Schutz ihres eigenen Herzens wiederfindet und tiefen Frieden und Geborgenheit spürt.

Morgen wird die Geschichte fortgesetzt und läuft voraussichtlich bis Weihnachten

Hier geht es zu allen bisher erschienenen Kapitel zu dieser Geschichte, die Joel Mari in der Advents- und Weihnachtszeit erzählt –> Eine utopische Heilungsreise (Märchen) 

6. Eine utopische Heilungsreise: ERSTAUNEN    und    FREUDE


Joel hatte sich für die Weihnachtszeit eine Fortsetzungsgeschichte von wohlwollenden außerirdischen Meistern zum Thema „Macht – Angst – Vertrauen – Hingabe“ für Mari ausgedacht, das er ihr in Form eines Adventskalenders geschenkt hatte.

Heute am Nikolaustag besuchte Mari Joel. Beide hatten eine kleine süße Nikolaus-Überraschung füreinander. Auf dem Tisch strahlte eine Kerzen zwischen Tannenzweigen. Mari freute sich über diesen schönen Anblick und war neugierig, wie die Geschichte von Carina, deren Ängste ihr ja recht bekannt vorkamen, weiter ging. Beide setzten sich auf die Couch. Joel goss ihnen Tee ein, steckte Mari lächelnd ein Marzipanherz in den Mund und schlug ihr dann vor, sich mit dem Kopf auf einem Kissen dicht neeben ihn zu legen und es sich dabei ganz gemütlich zu machen auf der breiten Couch. Etwas zögernd folgte sie seinem Impuls und empfand es bald als sehr schön. Eine innige, geborgene Stimmung entstand. Er legte seine Hand auf ihr Haar, streichelte sie sanft und begann dann, ihr das sechste Kapitel von Carinas Heilungsreise im Raumschiff der außerirdischer Meister vorzulesen…

ATT2

„Als Carina am Morgen des sechsten Tages an Bord des Raumschiffes erwacht, fällt ihr Blick auf eine brennende Kerze, die vor ihren mit Tanne und Süßigkeiten gefüllten Hausschuhen steht. Daneben sitzt eine wunderschöne, lieb und fröhlich dreinschauende Clownspuppe mit einem Stern, auf dem sie liest:

Geliebte Carina,
vielleicht kannst du bald alles mehr als ein großes Spiel betrachten.
Bis dahin schau ihn dir an, den kleinen Kerl, 
und lass seine Fröhlichkeit in dein Herz hinein.
In Liebe Ramon

War das eine liebevolle Geste! Wie ein zartes Streicheln für ihr inneres Kind wirkt diese unerwartete Nikolaus-Gabe für sie.  In dem Moment klopft es an der Tür. Auf Carinas “Ja, bitte!” schaut Ramon herein und meint, “Na, ist mir meine Nikolausüberraschung geglückt?” Carina sieht ihn dankbar an. “Ja, sehr. Danke! Vielen Dank! Aber ich hätte gar nicht gedacht, dass hier an Bord auch heute der Nikolaus kommen würde. Das ist echt schön!“

Beim Frühstück erwartet sie eine zweite Überraschung. Auf dem Platz jeder Schülerin steht eine kunstvoll verzierte Kerze, ein paar kleine Leckereien und wundervoll duftende exotische Früchte neben den bekannten Apfelsinen und Nüssen, die wegen der Tradition nicht fehlen dürfen. Und jede Frau hat ein kleines Bildchen geschenkt bekommen. Carina findet auf ihrem Bild ein Reh unter einer verschneiten Tanne mit einem wirklich funkelnden Sternenhimmel darüber. Dazu ein Kärtchen mit den Worten:

Für das scheue Reh, Carina.
Möge es mehr und mehr vertrauen und den Mut haben,
seinen ureigenen Stern zu finden und ihm zu folgen.

Als sich Carina bei Ramon bedanken will, sagt er: “Nein, Carina, das alles hier ist nicht von mir. Das ist ein Geschenk von René an jede Schülerin.”

René? Carina ist verwirrt und erstaunt. Das hätte sie nun wirklich nicht gedacht! Es passt so gar nicht zu den schrecklichen Gerüchten, die über ihn kursieren. Gedankenvoll schaut sie René an. Er fängt ihren Blick auf und erwidert ihn augenzwinkernd. Carinas Lippen formen sich zu einem leisen “Danke schön…”, fast unhörbar. Aber René muss es vernommen haben, denn er nickt ihr zu und lacht.

Als sie später dann wieder in ihrem Zimmer ist, öffnet sie das heutige Röllchen ihres Adventskalenders und liest:

Liebe Carina,
hier ein paar Worte über die Wahrheit und Kraft deines Herzens:
Du wirst niemals etwas erleben, was dir nicht entspricht –
wozu dein Herz nicht    „JA“    sagt.
Frage dein innerstes Herzgefühl,
was für dich stimmt und was nicht.
Dem, was es dir sagt, und nur dem (!) ,
mögest du folgen.
In Liebe Ramon

Kurze Zeit später klopft Jennifer an der Tür und richtet ihr aus, sie möge bitte in Ramons Zimmer kommen. Wieder überkommt Carina die ihr so bekannte angstvolle Aufregung. Was hat er wohl heute mit ihr vor? Wird er wirklich Wort halten und nichts mit ihr tun, was ihr nicht entspricht? Seine Worte von gestern fallen ihr ein: “Nur die Erfahrung, die immer wieder gemachte Erfahrung, dass dir mit mir nichts Schlimmes passiert, lässt dein Vertrauen wachsen.” So gibt sich Carina schließlich einen Ruck und macht sich auf den Weg zu ihrem Meister.

Als sie das Zimmer betritt, sieht sie als erstes eine Kerze und leckere Adventsplätzchen auf dem Tisch. Ramon kommt lächelnd auf sie zu und meint: “Schön, dass du gekommen bist, Carina. Heute ist Nikolaustag, da dachte ich, es würde dir vielleicht Freude machen, wenn wir hier zusammen einige adventliche Transparentbilder gestalten. Was meinst du?”

Carina schaut ihn dankbar und erleichtert an. Ja, dazu hat sie richtig Lust! Ramon macht ein interessantes Spiel daraus: Carina soll sich ein Motiv vorstellen, und er zeichnet die Konturen, die er in ihrem Geist findet, auf die Folie. Je intensiver ihr Gefühl bei der Vorstellung des inneren Bildes ist, um so klarer und schöner wird das gemalte Motiv. Carina malt es dann schließlich mit Farben aus. Wunderschöne Bilder entstehen. Carina darf sie alle mitnehmen, und Ramon meint: “Immer wenn du sie dir anschaust, erinnere dich daran, dass du in meinem Zimmer, entgegen deiner noch vorhandenen Befürchtung, etwas Angenehmes erlebt hast, und erkenne die Schönheit deiner inneren Bilderwelt. Und wer weiß, vielleicht möchtest du ja der einen oder dem anderen auch etwas von den tollen Bildern schenken… Ich habe gehört, dass diese Sitte bei den Menschen gerade in der Adventszeit viel Freude hervorruft. Wir werden noch oft und viel zusammen malen, so dass der Vorrat an deinen wunderschönen inneren Bildern, die sich dann in Form und Farben ausdrücken unerschöpflich sein wird. Du sollst hier als erstes die Erfahrung machen, dass die Lust am Erschaffen ein kraftvoller und kraftspendender Ausdruck deines Menschseins ist. Lust und Freude ist die Quelle deiner Lebenskraft. Und davon werden wir gemeinsam noch ganz viel erleben.”

Am Abend schreibt Carina in ihr Tagebuch über diesen ganz besonderen Nikolaustag, an dem sie sich froh und erfüllt fühlt – der erste Tag im Raumschiff, an dem sie fast ohne Schmerz und Angst ist.“

Morgen wird die Geschichte fortgesetzt und läuft voraussichtlich bis Weihnachten

Hier geht es zu allen bisher erschienenen Kapitel zu dieser Geschichte, die Joel Mari in der Advents- und Weihnachtszeit erzählt –> Eine utopische Heilungsreise (Märchen) 

5. Eine utopische Heilungsreise: Schuldgefühle und Bedingungslosigkeit


Joel hatte sich für die Weihnachtszeit eine Fortsetzungsgeschichte von wohlwollenden außerirdischen Meistern zum Thema „Macht – Angst – Vertrauen – Hingabe“ für Mari ausgedacht, das er ihr in Form eines Adventskalenders geschenkt hatte.

Mari freute sich, dass die Adventszeit dadurch einen so märchenhaften Zauber erhielt.
Heute am Morgen des 5.Dezembers, öffnete sie nun den vierten Umschlag und ist gespannt auf das nächste Kapitel von Carinas Heilungsreise im Raumschiff der außerirdischer Meister…

Am Morgen nach Carinas kopfloser Flucht vor Ramon erwacht sie durch ein Klopfen an der Tür von Jennifers Zimmer, in dem sie in dieser Nacht geschlafen hat. René steht vor der Tür. Carina erschrickt. Jetzt wird er in seiner Funktion als Kommandant einschreiten und Carina erklären, dass er ihr Verhalten ihrem Meister gegenüber so nicht länger dulden kann. Aber seltsamerweise lächelt er freundlich und schaut sie mitfühlend an…

“Carina, ich komme als Postbote zu dir. Ramon hat mich gebeten, dir etwas aus deinem Adventskalender zu bringen. Übrigens, einen wunderschönen Adventskalenderengel hat er dir da gezaubert.” Mit diesen Worten überreicht er Carina das für den heutigen Tag vorgesehene Papierröllchen, nickt beiden Frauen noch einmal freundlich zu und verlässt Jennifers Zimmer wieder. Carina liest:

Geliebte Carina,
du kannst dir sicher denken,
dass du dich nicht dauerhaft vor mir verstecken kannst.
Liebes, ich verstehe dich in deiner Angst!
Könntest du mir nur ein Fünkchen mehr vertrauen,
würdest du mir jetzt glauben,
dass ich dir den Weg zurück zu mir leicht machen will.
In Liebe Ramon

Nach dem Frühstück, das Jennifer Carina ins Zimmer bringt, hat Jennifer die Idee, mit ihrer verängstigten Freundin auf das Parkdeck zu gehen. “Das Wasser und die Pflanzen dort tun uns sicher gut nach all der Aufregung.” Carina stimmt zu – sie kann sich ja schließlich nicht für alle Zeiten im Zimmer einschließen.

Nach einem wohltuenden Bad dösen beide auf einer Decke und ruhen sich aus. Als Carina sich wieder aufsetzt, schaut sie geradewegs in die Augen Ramons, der sich inzwischen neben sie gesetzt hatte. Verlegen schaut Carina auf ihre Füße. Ramon bestellt Jennifer einen Gruß von René, und dass sie doch bitte zu ihm kommen möge. Scheinbar ohne den flehenden Blick von Carina zu bemerken, springt Jennifer auf und läuft mit einem fröhlichen “Bis nachher, dann!” davon.

Ramon wendet sich nun Carina zu. “Das war eine gute Idee, hierher zu gehen. Die Pflanzen und das Wasser hier haben eine heilsame Wirkung. Hast du das bemerkt?”

Carina starrt ihn an. Was hatte er gesagt? Sie war total verwirrt. Das ist Jennifer?! Und nun sie hier mit ihm? Was soll sie nur sagen? Wie alles erklären?

Da hört sie ihn sagen: “Meinst du nicht Carina, es ist Zeit, dass wir über all die Wirrnisse, die in dir entstanden sind, einmal reden? Wie wär`s, wenn wir heute nachholen, was ich schon gestern vorhatte?”  Heftig schüttelt Carina den Kopf.

“Ich möchte dir mein Zimmer zeigen, Carina. Was ist daran so schlimm?” Da weiß Carina sich keinen anderen Rat mehr, als ihm von dem zu erzählen, was sie von ihrer Zimmernachbarin erfahren hatte. Verständnisvoll hört er ihr zu und rät ihr schließlich, sich einmal umzudrehen. Wie groß ist da Carinas Erstaunen, als hinter ihr die gleiche Frau, die ihr gestern die furchtbaren Horrorgeschichten erzählt hat, neben ihrem Meister auf einer Decke liegt und fröhlich mit ihm lacht.

Damit beginnen sich an diesem Tag Carinas größte Sorgen zu klären. Nach vielem guten Zureden und dem Versprechen, ihr nicht zu nahe zu treten, begleitet Carina Ramon in sein Zimmer, wo sie ein liebevoll gedeckter Tisch mit Tee, Plätzchen und einer Schale voller duftender Früchte erwartet. In einem Sessel schräg gegenüber ihrem nimmt Ramon Platz und ermutigt sie geduldig, endlich mit ihm über all das zu reden, was ihr so große Sorgen bereitet.

Nach und nach rückt Carina mit all ihren Kümmernissen heraus. Als sie spürt, dass kein Spott, kein Ärger, nicht eine Spur von Groll von ihm ausgeht, wird sie nach und nach mutiger. Sie erzählt von ihrer Angst, ihn zu beleidigen, worauf er ihr sagt: “Carina, du kannst mich nicht verletzen! Du hast immer Sorge, meine Gunst zu verlieren, das wird aber niemals geschehen. Du musst nichts tun, um mich freundlich zu stimmen. Du könntest mir diese Plätzchen hier vor die Füße werfen, du kannst tun, was immer du willst, es wird an meiner Haltung zu dir nichts ändern.

Als sie sich bedanken will für seine Bemühungen, zu ihr so freundlich und nett zu sein, erklärt er ihr: “Ich bemühe mich nicht, ein liebevolles Verhalten zu dir an den Tag zu legen. Das alles kostet mich absolut keine Mühe und Anstrengung. Es ist leicht, denn es ist echt. Ich bin liebevoll. Alles, was Mühe kostet, ist unecht und damit nicht wirklich Liebe.”

Immer mutiger geworden erklärt Carina ihm schließlich gerade heraus: “Ich kann diese Liebe aber nicht annehmen, denn ich will kein sexuelles Beisammensein, und das gehört ja wohl bei Männern immer zur Liebe dazu!”

Lange reden sie über dieses Thema… Manches versteht Carina, manches noch nicht, aber sie fühlt immer deutlicher: All das, was er sagt, hat wirklich mit Liebe zu tun, mit einer viel tieferen, umfassenderen, größeren Liebe, als sie sich zur Zeit noch vorstellen kann.

Und schließlich gibt er ihr ein entlastendes Versprechen: “Ich werde dich niemals zum sexuellen Miteinander zwingen, Carina. Auch, wenn du diese Ausdrucksform der Liebe nicht zulässt, was ich übrigens nicht glaube, wirst du nach den 24 Wochen deiner Ausbildung nach Hause zur Erde zurückkehren. Carina, du bist frei zu tun und zu lassen, was du willst. Nichts, was geschieht, bedingungsloskann an meiner Liebe zu dir etwas ändern. Nichts und niemand kann dich von meiner Liebe trennen, nicht einmal du selbst. Egal, was du denkst, sagst oder tust, meine Haltung zu dir bleibt immer gleich. Aber das kannst du erst glauben, bzw. wissen, wenn du es oft und lange genug erfahren hast. Du hast es in den letzten Tagen bereits erlebt, und du wirst es weiterhin so erleben! Ich bin niemals wütend auf dich, böse, beleidigt oder was immer du befürchten magst. Und ich erwarte auch keinen Dank von dir, denn meine Haltung der Liebe tut mir selbst genauso gut, wie dir. Ich tue alles, was ich tue, aus Freude und Liebe, deshalb ist es leicht und mühelos. Indem ich liebevoll zu dir bin, erfreue ich mich selbst. Also, lass frohen Herzens alle Gedanken von Schuld und Undankbarkeit los. Du schuldest mir nichts, hast nichts versäumt, und ich werde von dir niemals etwas zurückfordern, denn alles, was unfreiwillig gegeben wird, täte weder dir noch mir gut. Liebe und Verpflichtung haben nichts miteinander zu tun.”

Dann nimmt er ihren Kopf sanft zwischen seine Hände und haucht einen Kuss so zart auf ihre Stirn, dass er sie kaum berührt.

Nach diesem Gespräch, das Carina entlastet und verwirrt zugleich, geht sie in ihr Zimmer und schreibt alles in ein Tagebuch, das sie heute beginnt. Auf die erste Seite schreibt sie:

Vielleicht ist ja alles ganz anders…

Lange sitzt sie da und schreibt sich alles von der Seele, was sie in den letzten Tagen erlebt hat: ihre großen Ängste, ihre Verwirrung, die vielen Missverständnisse, und schließlich ein leise aufflammendes Fünkchen von Hoffnung, Vertrauen und… ein ganz neues liebevolle Gefühl. Ja, kann das Liebe sein? Kann es wirklich Liebe sein, was sie da alles um sich herum erlebt? Und was ist dieses frohe, leichte Gefühl in ihr?

Als Carina abends im Bett liegt, erlebt sie zum ersten Mal ein ruhiges, fast friedvolles Gefühl und ertappt sich bei der Frage, ob Ramon wohl wieder käme, um ihr eine gute Nacht zu wünschen.

Kurz nachdem sie das gedacht hat, kommt er wirklich zu ihr, setzt sich an ihr Bett und sagt: “Ich freue mich, Carina, dass du mich zum ersten Mal mit einem Lächeln begrüßt, wenn ich in dein Zimmer komme. Es ist gut, wenn vor dem Einschlafen die Gemüter friedvoll und ruhig sind. Wenn du es möchtest, komme ich jeden Abend noch einmal zu dir, um dir eine gute Nacht zu wünschen. Und falls es noch etwas gibt, was dich beunruhigt, können wir das vor der Nachtruhe dann zumindest noch soweit klären, dass du beruhigt schlafen kannst. Was hältst du davon?” Carina nickt zustimmend.

Ganz kurz bevor ihr endgültig die Augen zufallen und sie einschläft, denkt sie noch: ‘Auf der Erde wäre morgen Nikolaustag, aber hier ist ja alles ganz anders. Schade…’

Morgen wird die Geschichte fortgesetzt und läuft voraussichtlich bis Weihnachten

Hier geht es zu allen bisher erschienenen Kapitel zu dieser Geschichte, die Joel Mari in der Advents- und Weihnachtszeit erzählt –> Eine utopische Heilungsreise (Märchen) 

4. Eine utopische Heilungsreise: Panik und Hilfe


Joel hatte sich für die Weihnachtszeit eine Fortsetzungsgeschichte von wohlwollenden außerirdischen Meistern zum Thema „Macht – Angst – Vertrauen – Hingabe“ für Mari ausgedacht, das er ihr in Form eines Adventskalenders geschenkt hatte.

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Mari freute sich, dass die Adventszeit dadurch einen so märchenhaften Zauber erhielt.
Morgens öffnete sie nun den vierten Umschlag, gespannt darauf, wie es mit Carinas Heilungsreise im Raumschiff der außerirdischer Meister weiter gehen wird. Sie liest…

Als Ramon am Nachmittag nach dem Gespräch, für das sie sich inzwischen schämt, noch einmal bei Carina hereinschaut, stellt sie sich schlafend – sie fühlt sich nicht in der Lage, ihm zu begegnen. Leise verlässt er den Raum wieder. Genauso verhält sie sich am Abend, als er ihr eine gute Nacht wünschen will. Sie versucht weiterhin den Kontakt mit ihm zu vermeiden, weil sie keine Möglichkeit sieht ihren Konflikt, den sie mit ihm hat, zu lösen.
Irgendwie spürt sie schon, dass alle es auf diesem Ausbildungsschiff mit ihr gut meinen, ganz besonders Ramon, und sie weiß auch, dass es so nicht weiter gehen kann. Aber sie fühlt sich wie in einem inneren Käfig und weiß nicht, wie sie ihn verlassen kann.

Obwohl sie sich schlafend stellt, setzt sich Ramon zu ihr ans Bett, streichelt ihr lange Zeit sanft über`s Haar, summt dabei eine angenehme ruhige Melodie vor sich hin und vermittelt ihr damit einen Hauch von Erleichterung und Geborgenheit, was ihr schließlich hilft, tatsächlich einzuschlafen.

Sie schläft tief die ganze Nacht hindurch. Am nächsten Morgen geht es ihr jedoch nur geringfügig besser. Sie liest heute folgende Worte von ihm:

Liebe Carina,
verstecke dich nicht vor mir,
wenn du verzweifelt oder traurig bist.
Lass dich von mir halten und trösten in deinem Kummer.
Deine Tränen wollen gesehen und getrocknet werden.
 In Liebe Ramon

Langsam wird ihr dieser Adventskalender unheimlich. Die Botschaften stecken für sie sichtbar schon seit einer Woche darin und passen immer haargenau zu ihrer Situation. Woher konnte er vorher schon gewusst haben, an welchem Tag welche Worte für sie wichtig sind?

Plötzlich wird ihr bewusst, dass er also gemerkt hatte, dass sie nicht wirklich geschlafen hatte, als er bei ihr war. Wieder verstärkt sich ihr Peinlichkeitsgefühl und damit ihre Übelkeit.

So kann das nicht weitergehen’, denkt Carina. ‘Ich verstehe das alles hier nicht so recht, aber ich spüre sein Wohlwollen. Ich will es schaffen, wieder mit ihm zu sprechen.’

Nach dem Mittagessen kommt sie in Kontakt mit der jungen Frau, die das Zimmer neben ihr bewohnt. Und – war in ihr nun schon eine leise Bereitschaft gewachsen – Ramon zu vertrauen, so wird diese sofort wieder restlos zerstört. Denn auch diese Frau ist in großer Verzweiflung. Sie kann über das, was sie bedrückt, nicht konkret sprechen, erklärt Carina aber, dass sich ihr Meister in den ersten Tagen auch sehr sanft und rücksichtsvoll ihr gegenüber gezeigt habe, aber daß er gestern diese “Maske” fallen ließ und sie nun glaube zu wissen, dass all die Freundlichkeit nur am Anfang gewesen sei, um die Frauen zu täuschen. Und so denke nicht nur sie. Auch von einer anderen Frau habe sie bereits das Gleiche gehört. Als Carina vorsichtig erklärt, dass sie ihren Meister bisher als verständnisvoll erlebt habe, lacht ihre Gesprächspartnerin spöttisch und hart und meint: “Du hast dich also genauso hereinlegen lassen wie ich. Warte nur, bis er dich das erste Mal in sein Zimmer bestellt und die Maske fallen lässt!”

Carina wird ganz unruhig, als sie diese Worte hört. “Ich weiß ja nicht, was er dir angetan hat, aber kannst du dich denn nicht an den Kommandanten wenden und ihn um Hilfe bitten? Er scheint mir bisher sehr fair und uns wohlgesonnen zu sein. Er hat zu mir gesagt, wenn es Probleme gibt, können wir uns auch an ihn wenden”, versucht Carina zu helfen. Fassungslos schaut die junge Frau Carina an. “Ja, weißt du denn nicht…? Das ist doch der Schlimmste von allen. Der ist doch ein Sadist! Ich habe von einer Frau gehört, die von einer anderen Frau gehört hat, dass er Jennifer geschlagen hat. Nein! Der hilft uns bestimmt nicht. Ich bin froh, solange ich mit dem nichts zu tun habe. Nein, nein, wir müssen uns damit abfinden, dass wir hier restlos verloren sind!”

Mit diesen Worten lässt sie die fassungslose Carina stehen. Am ganzen Körper zitternd geht Carina in ihr Zimmer. Kurze Zeit später erscheint Ramon bei ihr. “Nun bist du schon zwei Tage an Bord und kennst meinen Raum noch gar nicht. Komm, Carina, ich möchte dir mein Reich zeigen.” Carina erstarrt. In ihr klingen noch die Worte der jungen Frau “Warte nur, bis er dich das erste Mal in sein Zimmer bestellt”.  Eine Welle von Panik jagt durch ihren Körper. Ramon geht einen Schritt auf sie zu, um ihr seine Hand auf ihre Schulter zu legen. Diese Geste aber erscheint Carina wie eine Bedrohung. ‘Nur weg’, denkt sie, und wie von Furien gehetzt stürzt sie an ihm vorbei, rennt, so schnell sie kann, die Gänge hinunter, ohne nach links und rechts zu sehen – nur weg! Völlig außer Atem bleibt sie irgendwann stehen, blickt sich hastig um, kann aber niemanden hinter sich sehen. ‘Er ist nicht da’, denkt sie erleichtert. Dann schaut sich um. ‘Wo bin ich hier eigentlich? Ich bin einfach nur gerannt und habe dabei ganz die Orientierung verloren. Egal – ich bin hier erst einmal in Sicherheit. Nein, niemals werde ich seinen Raum betreten!’

Nachdem sie sich eine Weile ausgeruht hat und wieder zu Atem gekommen ist, beginnt sie nachzudenken. ‘Was soll ich nun tun? Ich kann ja nicht ewig hier im Gang hocken…’, als sie plötzlich Schritte hört. Erneut schießt die Panik durch ihren Körper, doch dann sieht sie, dass es nur eine Schülerin ist. Carina fragt die Vorbeikommende, wo sie sich hier eigentlich befände?

Die beiden Schülerinnen kommen ins Gespräch. Carina erzählt kurz, wie sie hier her gekommen ist. Voll Mitgefühl und Anteilnahme bietet die andere Carina an, erst einmal mit zu ihr zu kommen und sagt hilfsbereit: “Hier im Gang wirst du eher gefunden, als in meinem Zimmer.” Carina ist etwas erleichtert, erst einmal zu wissen, wohin sie jetzt gehen kann, und einen Menschen gefunden zu haben, in dessen Nähe sie keine Angst hat.

Erst viel später wird Carina erfahren, dass Ramon es war, der diese Schülerin zu Carina geschickt hatte, mit der Bitte sich um sie zu kümmern. Auch, dass es sich hierbei um die    angeblich so gepeinigte Jennifer handelt, weiß sie noch nicht.

Jennifer bietet der völlig verstörten Carina an, sich in ihrem Bett erst einmal auszuruhen. Später könnten sie dann gemeinsam versuchen, eine Lösung zu finden. Aber erst einmal musste Carina  zur Ruhe kommen und neue Kräfte sammeln.

Zum Abendessen geht Carina nicht mit. Jennifer bringt ihr einen liebevoll zusammengestllten Teller mit leichten leckeren Speisen mit und erzählt: „Bitte, sag Carina einen lieben Gruß von mir. Es ist in Ordnung, wenn sie erst einmal bei dir bleibt. Ich werde euch nicht stören. Carina soll sich bei dir von mir ungestört wissen – auf jeden Fall erst einmal für den heutigen Tag. Sag ihr, sie soll nicht verzweifeln, das alles ist kein Drama.”

Angstvoll hört Carina den Gruß ihres Meisters. Jennifer betrachtet nachdenklich und voll Mitgefühl ihre vor Angst bebende neue Freundin und bietet ihr schließlich an, bei ihr auf der Couch schlafen zu können, bis sie eine Lösung gefunden haben werden. Liebevoll nimmt sie Carina in die Arme und sagt leise in ihr Ohr: “Dann bist du in deiner Angst nicht so allein.” Carina nimmt das liebe Angebot dankbar an. Fast fühlt sie sich ein bisschen geborgen, als sie am Abend auf Jennifers Couch liegt. Endlich hat sie hier einen Menschen gefunden, zu dem sie ein Gefühl von Vertrauen hat. So schläft sie schließlich nach diesem anstrengenden Tag ein wenig erleichtert ein.

Morgen wird die Geschichte fortgesetzt und läuft voraussichtlich bis Weihnachten

Hier geht es zu allen bisher erschienenen Kapitel zu dieser Geschichte, die Joel Mari in der Advents- und Weihnachtszeit erzählt –> Eine utopische Heilungsreise (Märchen) 

3. Eine utopische Heilungsreise: Schmerz und Mitgefühl


Joel hatte sich für die Weihnachtszeit eine Fortsetzungsgeschichte von wohlwollenden außerirdischen Meistern zum Thema „Macht – Angst – Vertrauen – Hingabe“ für Mari ausgedacht, das er ihr in Form eines Adventskalenders geschenkt hatte.

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Mari freute sich, dass die Adventszeit dadurch einen so märchenhaften Zauber erhielt.
Heute am Morgen des 3.Dezembers, öffnete sie nun gespannt den nächsten bunten Umschlag und ist neugierig auf das dritte Kapitel von Carinas Heilungsreise im Raumschiff der außerirdischer Meister. Sie liest:

Grübelnd liegt Carina in ihrem Bett: ‘Nun sitze ich noch tiefer in der Tinte. Er erfährt von diesem Gespräch, weil er telepathisch mit Acquila verbunden ist. Hätte ich ihr doch nicht erzählt, dass ich lieber eine Frau als Ausbilderin hätte! Jetzt ist es sicher vorbei mit seiner Freundlichkeit.’

Als ihr Meister in ihr Zimmer kommt, um ihr eine gute Nacht zu wünschen, stellt sie sich schlafend. Carina fühlt sich nicht in der Lage, ihm in die Augen zu sehen und mit ihm zu reden. Immerhin war er ja stets freundlich und rücksichtsvoll zu ihr gewesen. Für wie undankbar muss er sie nun halten? Wie sollte sie ihm am nächsten Morgen nur begegnen?

Meister Ramon tritt ans Bett seiner sich schlafend stellenden Schülerin, streichelt ihr sanft wie immer übers Haar und sagt leise: “Schlaf gut, Carina. Du bräuchtest gar keine Angst zu haben.  Alles wird gut, du wirst sehen, es ist alles nicht so schlimm, wie du denkst.” Und wieder schläft Carina durch das wiederholte sanfte Streicheln schließlich ein.

Am nächsten Morgen liest sie folgende Botschaft von ihm in ihrem Adventskalender:

Geliebte Carina,
ich weiß, du wünschst lieber bei einer Frau deine Ausbildung zu machen.
Doch wir wissen doch beide, Carina, warum dir das so wichtig ist.
Auch, wenn du es jetzt mit einem Mann zu tun hast,
bedeutet das nicht, dass damit eine Gefahr für dich verbunden ist.
Das kannst du dir zwar noch nicht vorstellen,
aber genau diese Erfahrung willst du machen.
Ich helfe dir dabei.
 In Liebe Ramon

Er weiß also wirklich schon von dem Gespräch, das ich mit der Meisterin hatte’, denkt Carina, und ihr Magen rebelliert. Gefühle von Scham und Peinlichkeit verursachen in ihr ein solches Übelkeitsgefühl, dass sie sich nicht in der Lage fühlt aufzustehen. Ihr ungelöster Konflikt, über den sie sich permanent den Kopf zerbricht, hatte schon gestern Kopfschmerzen ausgelöst. Heute kommt zu diesen quälenden Schmerzen auch noch Übelkeit. Sie schließt die Augen, mag nichts mehr hören, nichts mehr sehen und schläft wieder ein.

Als sie erwacht, kommt kurze Zeit später ihr Meister zu ihr. Sie sagt ihm, dass es ihr schlecht gehe, und bittet ihn, heute im Bett bleiben zu dürfen.

Mitfühlend legt er seine Hand auf ihre heiße Stirn und bietet ihr eine Behandlung gegen ihre Schmerzen an.

Carina kann sich nicht vorstellen, dass ihr in diesem Zustand irgend etwas helfen könnte. Außerdem möchte sie den Kontakt zu Meister Ramon aufgrund ihrer schwierigen Gefühle auf ein Minimum beschränken. So bittet sie ihn nur um Ruhe und lehnt alles andere ab. Er respektiert ihren Wunsch und verlässt ihr Zimmer.

 

Carina dämmert vor sich hin. Immer wieder kommen ihr vor Verzweiflung die Tränen, dann schläft sie wieder erschöpft ein.

Kaffeetasse1Meisterin Acquila bringt ihr zwischendurch Tee, einen wohltuenden heilsamen Saft und etwas Leichtes zu essen, das Carina jedoch nicht anrührt.

Auch dieser Frau, der sie sich gestern anvertraut hat, fühlt sie sich beklommen gegenüber.

Die leise Stimme in ihrem Inneren, die ihr zuflüstert: „Du bist nicht so allein wie du dich fühlst…“ kann sie nur im Halbschlaf bruchstückhaft wahrnehmen. Ale sie wieder aufwacht bleiben die Worte haften „…nicht allein… “ 

Ach würde sie sich doch nicht so allein fühlen zwischen all den Fremden hier…

Hier geht es zu allen bisher erschienenen Kapitel zu dieser Geschichte, die Joel Mari in der Advents- und Weihnachtszeit erzählt –> Eine utopische Heilungsreise (Märchen) 

 

Morgen wird die Geschichte fortgesetzt und läuft voraussichtlich bis Weihnachten

2. Eine utopische Heilungsreise: Enttäuschung und Verständnis

Joel hatte sich für die Weihnachtszeit eine Fortsetzungsgeschichte von wohlwollenden außerirdischen Meistern zum Thema „Macht – Angst – Vertrauen – Hingabe“ für Mari ausgedacht, das er ihr in Form eines Adventskalenders geschenkt hatte.

linie09

Mari freute sich, dass die Adventszeit dadurch einen so märchenhaften Zauber erhielt.
Heute am Morgen des 2.Dezembers, öffnete sie nun gespannt den zweiten Umschlag und freute sich auf das zweite Kapitel von Carinas Heilungsreise im Raumschiff der außerirdischer Meister…

„Als sie am Morgen nach der Ankunft im Raumschiff nach einem langen, tiefen Schlaf erwacht, fühlt sich Carina, ziemlich erholt – jedenfalls körperlich. Schlagartig ist da jedoch auch wieder diese Zwickmühle in ihrem Kopf. Welche Botschaft hat Ramon wohl heute für mich?’ fragt sie sich und nimmt das zweite Röllchen vom Adventskalender. Gespannt öffnet sie es und liest:

Geliebte Carina,
ich weiß um deine große Angst vor dem,
was dich hier wohl alles erwarten wird.
Doch glaube mir:
Es wird hier nichts geschehen,
was so sein wird,
wie du es dir jetzt noch in deiner Vorstellung erschaffst.
Es ist alles gut!
In Liebe Ramon

Sehr gemischte Gefühle rufen diese Worte in ihr hervor. Einerseits spürt sie seine liebevolle Absicht, sie in ihrer Angst zu beruhigen. ‘Andererseits’, denkt Carina, ‘kennt er meine Zwickmühle nicht, und ich wage es mich nicht mal, ihm zu sagen, dass ich seine Liebe zurückweisen will, damit das Ganze nicht zum Sex führt. Was soll ich nur tun?

Beim Frühstück sieht sie eine ihr noch nicht bekannte Frau neben dem Kommandanten sitzen. Diese Frau sieht faszinierend schön aus, und es geht von ihr eine sehr helle, freundliche Ausstrahlung aus. Carina kann keinerlei Anzeichen von Angst oder Befangenheit bei ihr erkennen. ‘Das ist sicher keine Schülerin’, denkt Carina gerade, als René das Wort ergreift:
”Guten Morgen miteinander, ich möchte euch eine liebe Sternengefährtin vorstellen, Meisterin Acquila Née. Sie wird uns auch begleiten. Sie ist die persönliche Ausbilderin von Jennifer, die, wie viele von euch bereits wissen, auch meine Schülerin ist. Ich werde als Kommandant und Gruppenleiter nicht immer für Jennifer da sein können, so wie die anderen Meister, die ja ausschließlich für die persönliche Ausbildung ihrer Schützlinge da sind. Deshalb unterstützt sie uns.

Meisterin Acquila möchte auch für jede Frau da sein, die noch nicht mit ihrem Meister über alles reden kann. Es gibt gerade jetzt zu Beginn unserer Reise gewisse Themen, von denen einige von euch meinen, nur mit einer Frau darüber reden zu können.

Lächelnd schaut Acquila in die Runde und bestätigt noch einmal das eben Gesagte: “Ihr könnt mich jederzeit gern ansprechen.”

Carina überlegt: ‘Sollte ich mit dieser Frau einmal über meinen inneren Konflikt reden? Es gibt    also auch Meisterinnen… Vielleicht besteht ja die Möglichkeit – wenn ich diese Ausbildung schon machen muss – eine Frau als Ausbilderin zu bekommen.’

Das scheint Carina die einzige Möglichkeit, diese ganze Reise unbeschadet zu überstehen. ‘Vielleicht hat ja eine Frau Verständnis für meine Lage, und da Acquila ja auch zu den Meistern gehört, liegt es vielleicht in ihrer Macht, mir zu einer Frau als Ausbilderin zu verhelfen. Aber kann ich wirklich einfach so mit ihr über meine innersten Dinge sprechen? Ich kenne sie ja gar nicht… Aber sie ist eine Frau – und wer weiß, ob mir die nicht der Himmel geschickt hat?’

Carina beobachtet die Meisterin den ganzen Tag und erlebt sie in den unterschiedlichsten Situationen immer freundlich, gelassen und fröhlich. Sie ist mit einer Aura von Liebe und Herzlichkeit umgeben.

Nach dem Abendessen wagt Carina, die Meisterin anzusprechen. Acquila nimmt sie mit in ihr Zimmer – und dort angekommen löst sich der gefühlsmäßige Stau in Carina zunächst in heftigem Weinen. Dann endlich sprudelt sie ihre angestaute Verzweiflung und angstvolle Spannung heraus. Sie redet sich ihr ganzes inneres Dilemma von der Seele. Acquila ist eine gute Zuhörerin. Sie strahlt so viel Wärme, Annahme, Verständnis und Mitgefühl aus, dass Carina tatsächlich viel mehr ausspricht, als sie zuvor wollte. Das Ganze endet mit der bangen Frage: “Können Sie bewirken, dass ich eine Frau als Ausbilderin bekomme?”

Acquila nimmt Carinas Hände sanft in ihre und hält sie ganz fest. “Liebe Carina, glaube mir, nach dem, was ich alles von den Erdenmenschen weiß, kann ich deine Angst nur zu gut verstehen.

Wir Meister sind auf Wunsch eurer Herzen auf die Erde gekommen, um euch zu einem neuen Verständnis des Lebens, eurer Selbst und auch der Geschlechter untereinander zu verhelfen. Dazu dienen diese Ausbildungsreisen. Liebevolle freie Sexualität ist auch ein Aspekt des wachsenden Friedens zwischen den Geschlechtern. Die vielen Ängste und peinlichen Gefühle, die damit verbunden sind, werden aufgelöst werden, damit ihr zu der Quelle eurer Lebenskraft zurückfinden könnt. Da sich deine Ängste vielfach auf das männliche Geschlecht beziehen, Carina, kannst du sie nur zusammen mit einem Mann auflösen. Ich rate dir, sprich mit deinem Meister, so wie es dir ums Herz ist. Er wird dich verstehen. Meister Ramon hat ein so sanftes und behutsames Wesen, dass er niemals etwas tun würde, was dich verletzt. Über deine Angst, seine Liebe anzunehmen, weil das Ganze dann vielleicht zu einem von dir ungewollten Sex führen könnte, solltest du unbedingt reden. Ich weiß, er wird dir ganz sicher nicht böse sein, wie du es jetzt noch befürchtest. Wenn du diesen Gedanke weiterhin unausgesprochen in dir trägst, wirst du es sehr schwer haben, denn Vertrauen ist die Grundlage der Ausbildung.”

Carina zuckt zusammen bei diesen Worten. “Würden Sie ihm bitte von diesem Gespräch nichts erzählen?” fragt sie mit zuckender Oberlippe. Acquila, die immer noch Carinas Hände in ihren hält, schaut sie liebevoll und mitfühlend an. “Carina, ich brauche ihm gar nichts davon zu erzählen. Er weiß es. Wir Meister stehen immer gedanklich miteinander in Verbindung. Wir wollen und können gar nichts voreinander verbergen. Du denkst jetzt wohl, dass das ganz schrecklich sei und dass er nun beleidigt sein könnte, aber glaube mir, er wird dich nicht verurteilen, weil du versucht hast, ihn gegen eine Frau auszutauschen. Rede über deinen Konflikt mit ihm. Nur dann, wenn du es ihm sagst, kann er dir helfen. Und ich bin sicher, er wird dir eine für dich gangbare Brücke bauen, Carina.”

Traurig und enttäuscht verlässt Carina das Zimmer Acquilas. Auch wenn sie freundlich war – geholfen hatte sie ihr nicht…
Oder… doch?“

Morgen wird die Geschichte fortgesetzt und läuft voraussichtlich bis Weihnachten

Hier geht es zu allen bisher erschienenen Kapitel zu dieser Geschichte, die Joel Mari in der Advents- und Weihnachtszeit erzählt –> Eine utopische Heilungsreise (Märchen) 

01e Eine utopische Heilungsreise: Bange Fragen und eine leise Stimme tief innen

Bei Mari – der Meister erzählt Mari innerhalb ihres Rollenspiels ein utopisches Märchen, eine Fortsetzungsgeschichte von wohlwollenden außerirdischen Meistern zum Thema „Macht – Angst – Vertrauen – Hingabe

Joel (der die Meisterrolle inne hatte innerhalb des gemeinsamen Rollenspiels mit Mari) hatte sich für die bald beginnende Vorweihnachtszeit eine Märchengeschichte ausgedacht, die in einer fiktiven Zukunft angesiedelt war und um eine Heilungsreise in einem Raumschiff mit außerirdischen Meistern gehen würde. Auch heute erzählte er das bereits begonnene Märchen ein Stück weiter: „Am Morgen des zweiten Tages, den Carina noch im Haus ihres Ausbilders, Meister Ramon, verbringt, bekommt sie von ihm beim Frühstück ein kleines schönes Adventsgesteck und einen zauberhaften Adventskalender. Überrascht bedankt sie sich für diese besondere freundliche Geste, die tief in ihrem Innern etwas zum Klingen bringt, und trägt es nachdenklich in das behagliche Gästezimmer, das sie in dieser Zeit beherbergt. Nach dem Frühstück machen beide einen Spaziergang durch die phantastisch schöne Schneelandschaft. Als Carina schließlich am Mittagstisch sitzt und einen leckeren Auflauf von ihrem Meister serviert bekommt, fühlt sie sich wieder wie in einem Traum. Wann wird sie wohl erwachen? Und wie wird dieses Erwachen aussehen? Oder wird sich doch noch alles in einen gefürchteten Alptraum verwandeln? Was wird wohl der Preis für all diese Freundlichkeit sein? Wann und wie wird sie bezahlen müssen? All diese Gedanken schießen ihr durch den Kopf.

Nach dem Mittagessen zieht sie sich zum Ausruhen in ihr Zimmer zurück. Gedankenverloren schaut sie auf ihren Adventskalender. Ein wunderschöner Engel hängt an der Wand über ihrem Bett. An diesem Engel befinden sich 24 bunte Papierröllchen. Carina denkt:

‘Noch zwei Tage und dann beginnt die Vorweihnachtszeit. Sonst freue ich mich immer so darauf: Weihnachtslieder… Kerzenlicht… Tannengrün… Plätzchenduft…und die kleinen Überraschungen im Freundeskreis…

Wie wird diese Zeit wohl diesmal sein? Lange werden wir wahrscheinlich nicht mehr hier in seinem Haus sein, dann beginnt diese Ausbildungsreise in dem Raumschiff. O je, zwischen lauter fremden Menschen, in einem kalten Raumschiff, weit weg von der Erde, fremden Mächten ausgeliefert… Wie kann ich nur mit diesen heftigen Ängste umgehen, damit sie mich nicht so fertig machen…?’

Und in ihr flüsterte eine Stimme, ganz sanft und leise:

„Sprich mit ihm – am besten noch vor der Reise –

und immer wieder, wenn du bangst,

und es schwer aushalten kannst mit deiner Angst.`

Morgen wird die Geschichte fortgesetzt und läuft voraussichtlich bis Weihnachten Hier geht es zu allen bisher erschienenen Kapitel zu dieser Geschichte, die Joel Mari in der Advents- und Weihnachtszeit erzählt –> Eine utopische Heilungsreise (Märchen)

01d Eine utopische Heilungsreise: Angst und kleine Überraschungen

Bei Mari – der Meister erzählt Mari innerhalb ihres Rollenspiels ein utopisches Märchen, eine Fortsetzungsgeschichte von wohlwollenden außerirdischen Meistern zum Thema „Macht – Angst – Vertrauen – Hingabe“

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Joel (der die Meisterrolle inne hatte innerhalb des gemeinsamen Rollenspiels mit Mari) hatte sich für die bald beginnende Vorweihnachtszeit eine Märchengeschichte ausgedacht, die in einer fiktiven Zukunft angesiedelt war und um eine Heilungsreise in einem Raumschiff mit außerirdischen Meistern gehen würde. Gespannt schaute Mari ihn an, nachdem sie es sich beide miteinander gemütlich gemacht hatten, und er erzählte das bereits in den letzten Tagen begonnene Märchen weiter:

„Vor ein paar Stunden war Carina, zusammen mit ihrem Ausbilder (Meister Ramon) in seinem Haus, das er auf der Erde bewohnte, angekommen. Bevor sie ihre Ausbildungsreise innerhalb eines Raumschiffes beginnen würde, durfte sie sich nun hier mit ihm, zunächst auf heimischem Boden, etwas vertraut machen.

Es erscheint ihr alles völlig irreal:

Sie ist in einem schönen Holzhaus, mitten in einer herrlichen Landschaft in den Bergen, in behaglicher Atmosphäre, zusammen mit einem außerirdischen Mann, den sie zutiefst fürchtet, der ihr aber bisher mit Freundlichkeit und Wärme entgegengekommen ist.

Nach ihrer Ankunft hatte er eine leichte, leckere Mahlzeit für beide gebrutzelt, und Carina, die geglaubt hatte, gar nichts essen zu können, hatte schließlich bei dem leckeren Geruch und Anblick doch Appetit bekommen. Danach hatte sie ein entspannendes Bad genommen, das er fürsorglich für sie eingelassen hatte. Und jetzt findet sie in dem gemütlichen kleinen Gästezimmer eine Schachtel Pralinen, eine Flasche Wasser und eine Karaffe Saft vor – und ein Briefchen, das auf der Pralinenschachtel   befestigt ist. Sie liest

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Liebe Carina,
jetzt bist du erst einmal angekommen.
Du bist jetzt in meinem Haus und kannst nun den kennenlernen,
vor dem du so große Angst hast.
Ich gebe dir mein Wort, dass dir nichts Schlimmes geschehen wird.
Ganz sicher!!!
Dein Meister Ramon


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Carinas Gefühle sind total durcheinander. Gern würde sie dieser Zusage glauben. Aber er ist ein Mann und hat sicher ganz andere Maßstäbe als sie. Wahrscheinlich wird er Verhaltensweisen, die für sie angstbesetzt sind, gar nicht als „schlimm“ empfinden. Und die Grenze, wo er etwas als bedrohlich definieren würde, liegt bei ihm sicher ganz woanders als bei ihr. Immerhin scheint sein Bestreben zu sein, sie nicht zu verletzen. Sie hat das Gefühl, sich nun dankbar und kooperativ zeigen zu müssen, um dieses wohlwollende Verhalten nicht nach allem, was sie sich mit der Flucht geleistet hatte, noch zu zerstören. Es ist ihr peinlich, ständig mit jemanden zu tun zu haben, der genau weiß, dass sie sich vor ihm fürchtet. Normalerweise verbarg sie ihre Angst vor dem männlichen Geschlecht hinter einer Maske von höflicher Distanz. Hier nun sind alle Fassaden zusammengebrochen.

Nachdem sie sich etwas ausgeruht hat, geht sie zu ihm hinunter ins Wohnzimmer. Er hat inzwischen das Feuer im Kamin angezündet und zwei Sessel davor gestellt.

“Wie geht es dir, Carina?” fragt er sie und schaut sie an mit einem Blick, der tief in ihr Inneres sieht.

“Nicht so sehr gut”, antwortet Carina zu ihrem eigenen Erstaunen recht ehrlich. Wird ihm diese Antwort missfallen? Wirkt es undankbar, dass sie nach all der Freundlichkeit, dem guten Essen, dem Bad, dem lieben Briefchen und der Pralinenschachtel nicht sagte, es ginge ihr gut? Aber in seinen Gesichtszügen ist kein Anzeichen von Missstimmung abzulesen. Im Gegenteil, er schaut sie mitfühlend an und meint: “Das kann ich gut verstehen. Du fühlst dich hier so ganz allein mit mir nicht so recht sicher, vielleicht sogar mir ausgeliefert. Etlichen Frauen würde es Angst bereiten, mit einem fremden Mann über mehrere Tage und Nächte allein in einem abgelegenen Haus zu verbringen. Doch du wirst mit der Zeit die Erfahrung machen, dass ich diese Situation nicht benutze, um dir zu schaden. Ganz im Gegenteil! Wir sind hier, um zumindest ein geringes Maß an Vertrauen zu schaffen, damit dir der Eintritt ins Raumschiff dann etwas leichter fällt.” Beklommen schaut Carina Ramon an.

“Mir ist bewusst, dass gerade jetzt, wo in ein paar Tagen der Weihnachtsmonat beginnt, es besonders schwer für dich ist, deine gewohnte Umgebung zu verlassen. Aber du sollst wissen, Carina, dass ich auf all das Rücksicht nehme. Du wirst auf die Weihnachtszeit nicht verzichten müssen. Vielleicht sieht sie diesmal etwas anders aus als sonst, aber wir Meister achten eure Sitten und Gebräuche und feiern mit euch dieses Fest des Lichts und der Liebe.”

Nach diesen Worten legt er ihr eine CD mit Gospel-Weihnachtsliedern in den Schoß und sagt: ”Ich hoffe, ich habe deinen Geschmack getroffen. Wollen wir einmal rein hören?“ Und so saßen Carina und ihr Meister vor dem Kamin, lauschten den Gospel-Songs, die ihr über den ersten Abend im Haus ihres Meisters mit harmonischen Klängen dieser starken Stimmen hinweg halfen.

Morgen wird die Geschichte fortgesetzt und läuft voraussichtlich bis Weihnachten

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01c Eine utopische Heilungsreise: Unerwartetes Verständnis

Bei Mari – der Meister erzählt Mari innerhalb ihres Rollenspiels ein utopisches Märchen, eine Fortsetzungsgeschichte von wohlwollenden außerirdischen Meistern zum Thema „Macht – Angst – Vertrauen – Hingabe“

Joel (der die Meisterrolle inne hatte innerhalb des gemeinsamen Rollenspiels mit Mari) hatte sich für die bald beginnende Vorweihnachtszeit eine Märchengeschichte ausgedacht, die in einer fiktiven Zukunft angesiedelt war und von einer Heilungsreise in einem Raumschiff mit außerirdischen Meistern handelte. Nachdem Mari sich auf ihrer behaglichen Couch in seinen einladend geöffneten Arm gelehnt hatte, erzählte er das bereits in den letzten Tagen begonnene Märchen weiter:

„Nach Carinas missglückter Flucht vor den außerirdischen Meistern, bei denen sie – wie alle Menschen in dieser Phase der Machtübernahme – eine Ausbildungsreise antreten sollte, wurde sie an Bord des für sie zuständigen Raumschiffes gebracht, auf dem ihre Ausbildungsreise stattfinden sollte. Als sie an Bord des Meisterschiffes war, zitterte sie am ganzen Körper und die Gedanken an die Gerüchte über die Außerirdischen, die zwar Menschengestalt angenommen hatten, aber ungeahnte Fähigkeiten und dadurch große Macht über die Menschen hatten, schnürten ihr die Kehle zu. In ihrer Panik konnte sie kein Wort herausbringen. Immerhin hatte sie ihre Lage durch diese ganze Fluchtaktion verschlimmert und rechnete nun mit harter Strafe und gnadenlosem Vorgehen dieser Meister.

Sie ließ in angstvoller Starre den Dingen ihren Lauf. Was würden diese Männer nun mit ihr machen?

Bald kam ihr Ausbilder, der sich als „Meister Ramon“ vorstellte, in Begleitung des Kommandanten ihres zuständigen Ausbildungsraumschiffes, „Meister René“, zu ihr. Die beiden spürten schnell, dass Carina zu diesem Zeitpunkt unfähig war zu einem Gespräch. Verständnisvoll und mitfühlend schauten sie Carina an, die die Wärme ihrer Augen jedoch – gefangen in ihrer Angst – nicht wahrnehmen konnte. Im Gegenteil, in ihr zog sich alles noch mehr zusammen in diesen bangen Schweigeminuten, die ihr wie eine Ewigkeit erschienen.
Endlich brach Meister René das Schweigen: ”Du hast große Angst, nicht wahr, Carina?”
Sie konnte nichts sagen.
“Du musst jetzt nichts antworten. Ich glaube…”, und damit wandte er sich seinem Kollegen zu, “deine Schülerin braucht noch eine Zeit der Vorbereitung, Ramon, was meinst du?”
Ramon nickte zustimmend. Wieder zu Carina gewandt sagte René: “Du wirst jetzt einige Tage Vorbereitungszeit noch auf der Erde haben, zusammen mit deinem Meister. Und dann sehen wir uns wieder hier in meinem Raumschiff. Nur Mut, Carina! Bis bald.”

Ohne zu verstehen, was nun geschehen sollte, stand Carina wie ein kleines Häufchen Unglück ihrem Ausbilder gegenüber und wagte nicht, ihn anzuschauen. Der kam langsam näher, legte ihr sehr sanft eine Hand auf die Schultern und erklärte ihr: “Wir werden jetzt zur Erde zurückkehren und dort ein paar Tage in meinem Haus zusammen verbringen. Da haben wir Zeit, uns in Ruhe kennenzulernen, und du kannst dich ein bisschen an mich gewöhnen. Ich nehme an, auf deinem Heimatplaneten wirst du dich zunächst etwas sicherer mit mir fühlen, als auf unserem Raumschiff, vor dem du ja anscheinend große Angst hast.”

Völlig verwirrt und überrascht von dem unerwarteten Verständnis schaute Carina ihren Ausbilder kurz an. Der fing ihren Blick auf und nickte ihr lächelnd zu. “Pass auf, Carina, es wird alles ganz anders, als du jetzt noch glaubst.”

Morgen wird die Geschichte fortgesetzt und läuft voraussichtlich bis Weihnachten

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01b Eine utopische Heilungsreise: Flucht und Entdeckung – Katastrophe oder Rettung?

Bei Mari – Ein Märchen beginnt: der Meister erzählt Mari innerhalb ihres Rollenspiels eine Fortsetzungsgeschichte zum Thema „Macht – Angst – Vertrauen – Hingabe“

In ihrem letzten Spiel hatte Joel in seiner Rolle als Meister Mari für die bald beginnende Vorweihnachtszeit eine Märchengeschichte angekündigt und ihr erzählt, dass es in einer fiktiven Zukunft angesiedelt ist und um eine Heilungsreise in einem Raumschiff mit außerirdischen Meistern gehen würde. Gespannt hatte sie gelauscht, was er ihr bereits über die Rahmenhandlung des Märchens erzählt hatte. Nachdem Mari sich auf ihrer behaglichen Couch in seinen einladend geöffneten Arm gelehnt hatte, begann er heute in den Beginn des Märchens einzusteigen:

„Wir sind im Jahre Später-ist-heute-jetzt-und-eins:  Völlig verwirrt und erschöpft liegt die junge Frau Carina in dem behaglichen Gästezimmer im Hause ihres von ihr bislang so gefürchteten Ausbilders, der sich als „Meister Ramon“ vorgestellt hatte.

Sie kann noch nicht fassen, was ihr in den letzten Tagen und Stunden passiert ist. Die Bilder ziehen unruhig vor ihrem inneren Auge vorbei:

Nach einer abenteuerlichen Flucht, für die sie sich Hals über Kopf entschieden hatte aufgrund ihrer Angst vor der umstrittenen „Ausbildungsreise“ im Raumschiff von außerirdischen Meistern, war sie gefasst worden und genau an den Ort gebracht worden, den sie so fürchtete: ins Raumschiff dieser Außerirdischen, die zwar von sich sagten, dass sie den Menschen helfen wollten, mehr Bewusstheit, Liebe und Frieden zu entwickeln, was aber Gerüchten zu Folge nicht so war. 

Nach dieser Flucht, die einer Odyssee glich, und all dem, was geschehen war, hatte sie mit Verurteilung und harten Sanktionen gerechnet, als sie in deren Raumschiff angekommen war, und sie hatte heftige Panik vor dem, was nun kommen würde. Und was dann kam, war völlig seltsam…

Sie dachte noch weiter zurück: Als sie sich noch am Morgen dieses Tages an Bord eines Flugzeuges befunden hatte, das von radikalen Gegnern der Außerirdischen geführt wurde, hätte sie sich nicht träumen lassen, dass sie so schnell gefasst werden und in jenes gefürchtete Raumschiff gebracht werden würde und dann… nachdem sie bereits dort war, abends mit ihrem Ausbilder wieder auf die Erde zurück käme, um mit ihm dort erstmal einige Tage Zeit haben sollte, um mit ihm etwas vertraut zu werden. Und sie musste zugeben… er hatte sie bis jetzt gar nicht mal unfreundlich, ja eigentlich durchaus freundlich behandelt.

Sie dachte nach: So sehr hatte sie sich vor der bevorstehenden Ausbildungsreise an Bord der außerirdischen Meister gefürchtet, dass sie – ohne klar denken und das alles auch nur in etwa überschauen zu können – bereit war, sich von ihrer Heimat wegbringen zu lassen an einen entfernten Ort in der Wüste, an dem angeblich aufgrund eines bestimmten Magnetfeldes keiner der flüchtigen Menschen gefunden werden könne. Sie war dort mit anderen Flüchtlingen in einer völlig ungeklärten Situation, hatte Hunger und wusste nicht, wie es dort werden würde und wie es mit der Versorgung der notwendigsten Bedürfnisse funktionieren würde. ‘Aber’, so hatte sie gedacht, ‘das ist immerhin besser, als einem oder mehreren – sogar außerirdischen (!), völlig unberechenbaren Männern – für unbestimmte Zeit ausgeliefert zu sein.’ 

Carina hatte Angst vor Männern. In ihrer Gegenwart fühlte sie sich stets unwohl, beklommen, und unsicher. Deshalb hatte sie bisher stets deren Kontakt gemieden. Körpernähe und Erotik erschienen ihr wie ein Alptraum. Und sie hatte gehört, dass diese seltsamen Ausbildungen, die die Meister nach ihrer Machtübernahme auf der Erde für die Menschen obligatorisch veranstalteten, alle Ebenen des Menschseins beinhalten würden: Geist, Seele und eben auch den Körper. Das war der ausschlaggebende Faktor gewesen, der sie zur Flucht bewogen hatte.

Dass die Meister sie so bald finden würden, dass deren Raumschiff an ihrem Versteck in der Wüste landen würde, dass die Fluchthelfer, die sich nur zu bald als wenig vertrauenswürdig erwiesen hatten, es sogar zu Gewalthandlungen kommen lassen würden, und dass sie schließlich von den Meistern ruckzuck an Bord genommen werden würde, damit hatte Carina nicht gerechnet.

Und nun liegt sie hier im Gästezimmer ihres Ausbilders Ramon, der wie einige andere seiner Art  auch, schon seit einiger Zeit zwischen den Menschen lebte und ihnen mit Rat und Tat zur Seite stand,  ohne dass er sich als Außerirdischer zu erkennen gegeben hatte.“

Morgen wird die Geschichte fortgesetzt und läuft voraussichtlich bis Weihnachten

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48. Die Seile (2)

 Bei Joel – das Leben schafft manchmal seltsame Situationen

Nachdem Mari unvermittelt, nahezu panisch aus Joels Wohnung gelaufen war, weil sie die im Wohnzimmer liegenden Seile so interpretiert hatte, als solle sie heute überraschend erstmalig gefesselt werden, stehen die beiden vor seiner Tür auf der Straße – und Joel, der von diesen Gedanken bis eben nichts ahnte, versucht zu verstehen, was in Mari plötzlich in die Flucht getrieben hatte. Gerade war ihm der erklärende Gedanke gekommen…

„Ich glaub, ich weiß jetzt, was passiert ist, oh Mann wirklich, Mari, da ist ein ganz großes Missverständnis entstanden. Ich kann’s selbst kaum glauben, was mir da passiert ist. Würdest du bitte mit mir zurück gehen? Ich möchte es gerne auflösen, und dann kannst du auch sofort gehen, wenn du das dann noch willst und brauchst, aber ich glaube, du musst es wirklich sehen, was ich meine!“

Etwas unschlüssig schaute Mari ihn an. „Ehrlich gesagt ist mir nicht ganz wohl dabei. Du bist mir körperlich überlegen, und könntest mich letztendlich doch überwältigen. Das hast du ja bisher nie getan aber… ich habe gerade eben so große Angst bekommen…“ Sie schaute ihn groß an, konnte es gar nicht glauben, dass sie in so eine Situation geraten war, in der sie gar nicht mehr wusste, was sie denken und tun sollte. Wie sollte sie sich entscheiden ?

Joel schaute ihr geduldig und offen in die Augen. „Wirklich, Mari, ich glaub, es reicht nicht, dir alles nur zu erzählen. Wirf einen Blick darauf, und du wirst sehen, das alles ist ein großes Missverständnis! Da liegen zwar Seile, die ich leider vergessen hatte, wegzuräumen, aber damit hatte ich keinesfalls irgendetwas vor, was mit dir und unserem Spiel zu tun hat. Und das kannst du mir am besten glauben, wenn du einen Blick in meine Küche wirfst. Ich würde dich den Zusammenhang gern sehen lassen, um dein Vertrauen zurück zu gewinnen, Mari!“

Mari schaute ihn an, langsam kam ein Hauch des vertrauten Gefühls zurück, das sie zu ihm bereits entwickelt hatte. Sie nickte und sagte: „Okay, aber lass bitte die Wohnungstür erstmal offen.“

„Ja sicher,“ bestätigte er verständnisvoll, aber auch etwas traurig, und schweigend gingen sie zurück, Er öffnete die Tür so weit wie es möglich war, warf aus dem Flur einen Blick ins Wohnzimmer und zeigte auf den Sessel, neben dem die Seile lagen, „Oh Mist, das sieht echt so aus, als hätte ich damit etwas vor gehabt. Das tut mir so leid, Mari!“

„Ja“, sagte sie, „eindeutiger geht es ja gar nicht mehr! Was sollte ich dabei denken?“

„Oh je, entschuldige bitte, Mari, ich war einfach so in Eile, dass ich vergessen habe, dass sie dort noch lagen, als du kamst. Würdest du bitte einen Blick in die Küche werfen?“ sagte er und ging voraus in die Küche, „nur einen Blick, bitte!“

Mari schaute, sich absichernd, auf die geöffnete Wohnungstür und ging langsam durch den Flur zur Küche.

„Ich bin ganz hinten in der Küche, du musst nur zur Tür hinein schauen,“ sagte er, um ihr Sicherheit zu geben.“

Als sie hinein schaute, bemerkte sie ein riesen Chaos. Überall lag Werkzeug, etwas Schmutz und eine große Sackkarre waren mitten in der Küche und davor ein Kühlschrank, der offensichtlich nicht so richtig in seine Lücke in der Küchennische passt. Joel zog überfordert die Schultern hoch und erklärte:
„Der Kühlschrank ist überraschend schon heute angekommen, und er war mit den Seilen an diese Sackkarre gebunden, ich habe sie vorhin einfach in den Sessel geworfen, damit sie hier nicht auch noch herumliegen. Echt, ich hatte absolut nichts mit ihnen vor, was mit dir zu tun haben könnte! Kannst du mir das nun glauben, Mari?“

Ziemlich schlagartig wurde Mari klar, dass sie total über reagiert hatte. Sie brauchte jetzt Joel nur anzuschauen, und sah an seiner Mimik und Körpersprache, dass er recht hatte.
Verlegen sagte sie zu ihm: „Ja, Joel, es tut mir so leid! Natürlich… jetzt wo ich das hier alles sehe, kann ich dir glauben.“ Die ganze Anspannung fiel in diesem Moment ab von Mari und dadurch fiel sie regelrecht in sich zusammen und brach in Tränen aus. Mari schämte sich inzwischen, dass sie so panisch die Wohnung verlassen hatte, und konnte ihn gar nicht richtig anschauen, auch die Tränen wollten nicht aufhören zu laufen aus Erleichterung und aus Scham gleichzeitig.

Joel berührte sie sanft an den Schultern, um zu spüren, ob er sie in seine Arme ziehen konnte. Sie ließ das zu, Er nahm sie fest in die Arme- Mari fiel es noch etwas schwer, sich auf die Umarmung einzulassen, als hätte sie es nicht verdient, jetzt umarmt zu werden, weil sie gleich weggelaufen war, anstatt anzusprechen, was ihr Unbehagen verursacht hatte.

„Oh Mann, bin ich froh, dass wir das noch klären konnten“, seufzte Joel erleichtert, „das ist ja ganz blöd gelaufen! Ich bin nur froh, dass du mitgekommen bist und mir nun glaubst.“

„Ich bin auch froh, dass ich mitgekommen bin, obwohl mir das sogar sehr schwer gefallen ist. Oh Joel, es tut mir so leid! Was muss noch passieren, damit ich endlich vertrauen kann! Das hast du nicht verdient, und es war falsch, dass ich sofort weg gerannt bin!“

Verständnisvoll antwortete er: „Ich sehe ja ein, dass das Bild wirklich sehr eindeutig schien, aber du hättest schon auch wissen können, dass ich so etwas nicht machen würde, ohne dass wir nicht auch gemeinsam darüber gesprochen hätten. Allerdings verstehe ich auch, dass dir die Seile Angst gemacht haben.“

„Ich konnte gar nicht mehr klar denken. Und du hast recht, ich hätte mit dir sprechen müssen .“ Beschämt schaute Mari nach unten und versuchte zu erklären, was in ihr ablief: „Joel, das war wie ein selbst laufender Mechanismus. Ich konnte gar nicht mehr klar denken, und ja… Ich habe es völlig falsch betrachtet.“

Joel fragte mit einem etwas schiefen Lächeln: „Ich bin echt froh, dass wir das Missverständnis klären konnten! Mari, ich danke dir, dass du trotz deiner Angst mit nach oben gekommen bist und mir die Chance gegeben hast, es doch noch aufzuklären.“

„Und ich danke dir, dass du mich jetzt trotzdem noch umarmst. Du bist doch jetzt sicher sehr enttäuscht von mir?“ Unsicher schaute sie Joel an. Er wirkte nicht sauer auf sie.
„Ich kann kaum glauben, dass du immer noch so freundlich zu mir sein kannst.“

Verwundert fragte er: „Aber warum sollte ich denn nicht freundlich zu dir sein, Mari? Es gab ein Missverständnis, so etwas kann doch immer passieren. Es ist nur wichtig, dass wir uns schnell darüber austauschen und es ausräumen konnten!“

„Ja“, gab sie zu, „sonst wäre ich mit einem furchtbaren Szenario im Kopf zu Hause allein gewesen. Aber wenn du mir nicht hinterher gekommen wärest, wäre ich jetzt gar nicht hier. Und wir hätten das nicht klären können. Ich danke dir sehr, dass du mir nachgekommen bist. Joel, könnten wir uns eventuell ein bisschen setzen? Mehr wackeln immer noch die Knie.“

„Natürlich“, antwortete er und führte sie zur Couch, wo sich die beiden eng aneinander setzten und er seinen Arm um sie legte.

Ihr Blick fiel noch mal wieder auf die Seile, und sie fragte: „Du hast vorhin gesagt, wenn du so etwas vor hättest, würdest du es auf jeden Fall mit mir besprechen. Heißt das, dass du so etwas vorhast?“

Ruhig antwortete er: „Ich würde das nur tun, wenn du dich dazu einverstanden erklärst. Weißt du, Mari, sich fesseln zu lassen, ist eine sehr kraftvolle Vertrauenserfahrung, vielleicht hat unser heutiges Missverständnis sogar eine Tür zu dieser Thematik geöffnet…“

Hektisch fragte Mari: „Das würdest du aber nicht ohne meine Zustimmung tun?“

Joel schaute ihr direkt in die Augen und sagte langsam und deutlich: „Mari, ich würde nie etwas ohne deine Zustimmung tun, das verspreche ich dir. Weißt du, nichts geschieht ja ohne Sinn – und durch deine Fehlinterpretation dieser Seile sind wir auf das Thema früher gekommen, als ich dachte. Ich werde es in einer der nächsten Sessions an dich heran tragen – in ganz behutsamer Art und Weise – und du kannst schauen, ob du dann den Mut hast, diese Erfahrung zuzulassen, um zu erleben, dass dir nichts Schlimmes geschieht, wenn du die Kontrolle so spürbar abgibst. Und wenn es soweit ist, kannst dazu natürlich ja oder nein sagen. Du hast alle Möglichkeiten offen.“

Nachdenklich erklärte Mari: „Es ist ja einerseits meine Sehnsucht, Kontrolle abgeben zu können, und gleichzeitig fällt es mir immer noch so schwer, wie wir heute gesehen haben.“

„Ja“, sagte Joel verständnisvoll. „Es ist ja auch kein leichter Weg, wenn man in dieser Richtung schlechte Erfahrungen gemacht hat, die sich tief in die Erinnerungen gegraben haben. Daher versuchen wir ja neue und positive Erfahrungen zu erschaffen, die die alten Erinnerungen irgendwann verblassen lassen.“

„Danke für dein Verständnis, Joel, ich danke dir sehr. Ich bin froh, dass ich jetzt mit dir außerhalb der Meisterrolle über das alles sprechen kann, obwohl ja vorhin eigentlich das Spiel schon begonnen hatte, und ich letztendlich vor dem Meister weg gelaufen bin. Der würde das wahrscheinlich alles ein bisschen anders sehen.“

„Nein“, antwortete Joel lächelnd, „würde er nicht! Er hätte dich auch verstanden.“

„Da bin ich aber froh, dass du sagst, dass er das auch nicht anders aussehen würde als du. Er wirkt ja immer ein bisschen strenger, aber du kennst ihn natürlich besser als ich, denn er lebt ja schließlich in dir.“ Bei diesen Worten musste Mari ein bisschen schmunzeln.

„Ja“, bestätigte Joel, „er ist klarer und bestimmter und wirkt daher ein wenig strenger, aber nur, weil das hilft, die Führungsrolle auch deutlich zu verkörpern.“

„Hm“, überlegte Mari, „das verstehe ich nicht so ganz. Ginge das nicht genauso sanft wie mit dir?“

„Ich glaube, das hätte nicht die gleiche Wirkung,“ erklärte er, „weil zu viel Sanftheit die Führungsqualität verwischen würde. Aber dennoch ist er doch auch verständnisvoll und macht es dir möglichst leicht, oder? Es ist eine Frage der Balance. Du willst ja eine Stärke, eine Macht spüren, in die du dich hinein fallen lassen kannst. Das, was du manchmal als Strenge empfindest, zeigt eben ganz klar, dass er weiß, was er tut, und dass du dem vertrauen kannst, was er mit dir jeweils vor hat. Durch seine klare Art gibt es kein „ein bisschen Verantwortung abgeben“, sondern du gibst sie so klar ab, wie es vorher vereinbart ist – nicht mehr, aber auch nicht weniger – dafür sorgt er dann. Da wäre ich vermutlich außerhalb der Meisterrolle nicht so klar und eindeutig, aber in dieser Deutlichkeit liegt auch eine Kraft, die dir manches möglich macht.“

„Das klingt alles irgendwie richtig, und so als hättest du dich damit schon intensiv auseinandergesetzt . Über all das muss ich mal in Ruhe nachdenken.“

Er nahm ihre Hand. „Geht es dir wieder gut Mari?“

„Ja, Joel, ich bin zwar ein bisschen erschöpft jetzt, aber habe wieder meine Mitte gefunden. Ich danke dir – ich danke dir von Herzen!“

Sie nahm seine Hand, hob sie zu ihren Lippen und haucht einen kleinen Kuss darauf…

Geschrieben von Rafael und Miriam

Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge

47. Die Seile (1)

 Bei Joel – ein beängstigender Anblick

Als Mari heute zum verabredeten Rollenspiel zu Joel kam, fühlte sie sich etwas entspannter als bisher. Dieses Gefühl sollte allerdings nicht so lange anhalten… Als sie bei ihm klingelte, öffnete er  ihr die Tür, und bat sie, schon mal ins Wohnzimmer zu gehen und es sich noch einen Moment gemütlich zu machen. Als Mari sich auf die Couch setzte, fiel ihr Blick auf einige Seile, die neben dem Sessel lagen. Zunächst war sie nur verwundert, dann… blitzartig kam ihr eine äußerst beängstigende Vorstellung: Wenn die Seile da lagen, ja dann sollten sie wohl auch verwendet werden…

Zum Spiel der Dominanz gehören ja oft auch Fesselspiele. Um Gottes willen, das wär ja entsetzlich! Das mache ich nicht mit! Das hätte er zumindest mit mir absprechen müssen. Nein, das halte ich nicht aus! Nichts wie weg hier, so lange ich noch weg kann! So tobten ihre Gedanken.

Ganz gefangen in diese Vorstellung, dass sie gefesselt werden sollte, verließ sie fluchtartig die Wohnung. 

„Moment, Mari!“ rief Joel ihr nach. Sie war allerdings schon im Treppenhaus und hörte ihn nicht mehr. Als er aus der Küche kam, sah er ihren Schatten gerade noch so aus der Tür verschwinden. Er zögerte einen Moment, versuchte zu verstehen, was gerade passiert war, doch konnte nichts erkennen. Schnell schnappte er sich seine Jacke und lief Mari nach.

Sie stand unten vor dem Haus, musste sich erst einmal sammeln, weil das Herz so klopfte und ihr schwindelig war. 

Joel stürmte aus dem Haus, „Mari“, rief er und lief  hinter ihr her.  „Mari, warte doch – was ist passiert? Wo willst du hin?“  Ein kleines Stück war er noch hinter ihr. Sie erschrak und lief noch schneller. Damit hatte sie nicht gerechnet, dass er hinter ihr herkam. Sie versuchte, noch schneller zu laufen, die Panik, die sie überfallen hatte, trieb sie an.

Doch Joel war schneller und hielt sie an der Schulter fest. „Mari, warte! Sag mir wenigstens, was passiert ist, wenn du schon gehen willst. Ich finde, das ist das mindeste!“ sagte er nicht ganz leise zu ihr.
Außer Atem und mit vor Schreck geweiteten Augen sah sie ihn an, schaute wieder weg, und spürte auch Empörung. Starr und stumm stand sie vor ihm. Dieser Anblick zeigte ihm, dass irgendetwas sie sehr erschüttert haben musste.

Dadurch ruhiger geworden sagte er zu ihr: „Bitte, du kannst sofort gehen, aber sage mir doch wenigstens, was geschehen ist, Mari – mehr nicht – nur, was geschehen ist.“ Seine Stimme klang nun deutlich bittend. Diese andere Stimmlage ließ sie einen Schritt in die Realität hinein finden und ihr bisher schon vertrautes Gefühl zu Joel ein wenig hervor schimmern, aber sie war immer noch nicht in der Lage, Worte zu finden, fühlte sich wie ein Karpfen auf dem Trockenen, der nach Luft schnappt.

Joel versuchte noch einmal, etwas über diese seltsame Situation von ihr zu erfahren: „Mari, du darfst natürlich jederzeit gehen, das ist dein gutes Recht, aber bitte, ich möchte nur verstehen, was passiert ist, dass du dich so plötzlich dazu entschieden hast. Ich würde mich freuen, wenn du es mir sagen würdest, bitte!“

„Ich mache da nicht mit,“ brachte sie heraus, „du hättest mich wenigstens fragen können, irgendwie vorwarnen, vorbereiten, aber nein… auch dann hätte ich das nicht gekonnt. Nein,  ich mache da nicht mit!“

Völlig verwundert antwortete Joel: „Okay, das akzeptiere ich – wirklich! Wir hatten immer gesagt, dass du jederzeit nein sagen kannst, aber…“ er holte tief Luft, „aber warum so plötzlich? Ich war doch in der Küche, und es geschah doch heute noch gar nichts!?“

„Na du hast doch schon alles vorbereitet! Die Seile lagen ja da schon im Wohnzimmer… Da brauchte ich ja nur noch eins und eins zusammenzuzählen. Gerade in so einer Situation hättest du mich vielleicht besser nicht alleine in das Zimmer geschickt, aber andererseits – vielleicht war es doch gut so… Sonst hätte ich ja auch nicht weggehen können. Vielleicht hast du mir diese Option ja bewusst offen gelassen…“

Joel sah sie fassungslos an und versuchte, seine Gedanken zu sortieren. „Ich… also… es klingt vielleicht komisch, aber ich weiß nicht, wovon du redest… Ich hatte nichts vorbereitet…“ sagte er völlig irritiert, „bitte, ich verstehe das nicht. Was denn für Seile?“

Unwirsch antwortete Mari: „Willst du mich jetzt für dumm verkaufen? Warum stellst du dich so unwissend? Erst legst du Seile ins Wohnzimmer, schön angeordnet neben dem Sessel, und dann sagst du, du wüsstest es nicht?! Was treibst du für ein Spiel mit mir? Bisher hast du wenigstens über alles mit mir offen geredet, und jetzt dieses seltsame Herausreden…“

Joel sah sie immer noch fragend an, und versuchte verzweifelt nachzudenken, doch die angespannte Situation auf der Straße war nicht gerade hilfreich dafür. Dann fiel der Groschen: „Oh mein Gott“, rief er und schlug sich mit der flachen Hand an die Stirn…“

Übermorgen gibt es die Fortsetzung

Geschrieben von Rafael und Miriam

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44. Eine Wanderung mit kleinen Schritten an der Grenze entlang

Mari geht spazieren

Gedankenversunken lief Mari durch den nahegelegenen Park, in dem sie inzwischen auch schon einige Male mit Joel spazieren gegangen war.

Ihre Gedanken wanderten zurück zum gestrigen Spiel mit dem Meister, den Joel wieder für sie dargestellt hatte. Diesmal fand sie einen Stuhl vor, der in der Mitte des Zimmers stand… Jedes Mal, wenn sie eine überraschende Anordnung der Möbel im Zimmer vor fand, rätselte sie, was das wohl für sie zu bedeuten haben möge. Bisher hatte sie es nie vorher rausfinden können.

Gestern sollte sie sich auf den Stuhl setzen, ihr wurden die Augen verbunden, und ihre Aufgabe bestand lediglich darin zu spüren. Na ja, klang erst mal nicht so schlimm… War eigentlich auch nicht wirklich „schlimm„, dachte sie jetzt im Nachhinein, schlimm nicht, aber ziemlich bewegend und herausfordernd…

Es war ein angenehmes Gefühl, als der Meister anfangs ihre Hand nahm und streichelte… Auch als er ganz langsam den Arm immer ein Stückchen aufwärts wanderte und wieder zurück kehrte zur Hand… Als er dann am Oberarm angelangt war und ein kleines Stückchen unter den Saum ihrer Ärmel wanderte, entstand ein spannendes Gefühlsgemisch, das sie in Aufregung versetzte. Mari dachte an diesen fortwährenden fast rhythmischen Wandel ihres Gefühlszustandes innerhalb der verschiedenen Berührungen… Irgendwann hatte sie die steigende Anspannung in diesen Wellen kaum noch aushalten können.
In solch einem Moment fragte Joel sie nach der Farbe ihrer Gefühlsampel.
Kann er Gedanken lesen? fragte sie sich gerade…“ rötliches Orange“, gab sie zur Antwort.

Eigentlich gut, dass er meine Körpersprache so gut wahrnehmen kann, aber irgendwie… auch seltsam, so durchschaubar zu seinDas ist, als würde es seine Macht verstärken, überlegte sie.
Er hatte freundlich geantwortet, er würde sich freuen, wenn er sie wieder auf „gelb“ zurück führen könnte, und hatte ihr erlaubt, einen Wunsch zu äußern.

Mari bewegte jetzt im Park beim Laufen unwillkürlich ihre Schultern, denn ihr Wunsch war eine Schulter- und Nackenmassage gewesen, denn sie hatte schon erlebt, wie gut es ihr tat, wenn Joel sie dort massiert hatte. Und so hatte die Erfüllung dieses Wunsches ihr auch gestern geholfen, wieder mehr entspannen zu können. Ihr war schließlich so warm geworden, dass sie ihn fragte, ob sie ihre kurzärmelige Jacke ausziehen könne.

Mari verzog ihren Mund zu einem verunglückten Grinsen in der Erinnerung daran, dass sie mit dieser Frage wieder die Regel verletzt hatte, nur absolut unvermeidbare Fragen zu stellen, um sich daran zu gewöhnen, auch Risiken einzugehen und zu vertrauen, dass nichts Schlimmes geschieht, wenn sie etwas anders machte, als er es gemeint hatte. Sie hätte die Jacke einfach ausziehen können, ohne zu fragen. Also ihr „Absichern wollen“ anhand von Fragen führte in diesen Spielen gerade dahin, wo sie nicht hin wollte, nämlich zur Verletzung dieser für sie so ungewohnten Nicht-Frage-Regel. Würde sie weniger Fragen stellen und sich einfach trauen, Dinge zu tun, wie sie ihr einfielen, würde sie die Regel weniger verletzen und sich damit nicht so oft auf Glatteis begeben. Wieder mal ein Paradoxon!

Ich frage, um nichts falsch zu machen und keine negative Sanktion zu bekommen und genau durch das Fragen erhalte ich sie.
Ich hätte gestern die Jacke einfach ausziehen sollen, ohne zu fragen, dann hätte ich auch keine Regel verletzt. So wollte ich vorher seine Zustimmung erhalten, um wie immer nichts falsch zu machen, und hab´s gerade damit wieder mal versemmelt.

Na ja, es war kein Verhängnis draus geworden – das war es ja eigentlich nie in den Sitzungen mit dem Meister! Aber es hatte sich durchaus unangenehm angefühlt, als er fragte: „Bereit für deine Strafe?“ Aber – und nun war Mari ein bisschen stolz auf sich – diesmal hatte sie gleich „Ja!“ gesagt, anders als in den Anlässen davor, in denen sie so starke Angst davor hatte, dass es ihr erstmal nicht so schnell möglich war, ihre Bereitschaft zu bekunden und sie mit allen Mitteln versucht hatte, das Blatt zu wenden, was ihr natürlich nie gelungen war. Doch wenn sie zurück dachte, war ihr Meister in der Auswahl seiner Sanktionen stets so achtsam gewesen, dass dadurch nie eine Angst verstärkt oder neu entstanden war – im Gegenteil, zurück blieb immer eine Erleichterung, erstens es geschafft zu haben und zweitens, dass es nie wirklich schlimm war.

So auch gestern: Nachdem sie diesmal, ohne lange zu zögern und zu diskutieren „Ja, ich bin bereit“ gesagt hatte, sollte sie ihm in die Augen schauen und ihm sagen: „Ich will meine Bereitschaft vertiefen, bei dir Risiken einzugehen.“ Allerdings nur dann, wenn sie dazu wirklich ja sagen könne, ansonsten würde er sich eine andere Sanktion einfallen lassen.
Und Mari bekundete diese Bereitschaft gerne. Sie wünschte es sich ja tatsächlich, mutiger, spontaner und risikobereiter zu sein.
Dankbar dachte Mari: Ich merke immer wieder, dass ich ihm vertrauen kann und er es mir so leicht macht, wie es im Rahmen dieser doch herausfordernden Machtspiel-Situationen möglich ist.

Nachdem diese Klippe umschifft war, wendete er sich wieder ihren Schultern zu und massierte sie bis in den Nacken hinein. War das gut… ! Sie fühlte jetzt noch das wunderbare Gefühl, wie sich ihre Anspannung wieder langsam gelöst hatte.

Doch als er sich dann langsam unter ihr Top vortastete und gar nicht mal unangenehm über die Schlüsselbeine strich, spürte Mari eine deutliche innere Grenze. Sie begann leicht zu zittern und wäre am liebsten aufgestanden, um die Situation sofort zu beenden. So schnell entstanden

in ihr Verknüpfungen, die alte Übergriffs-Situationen an triggerten.
Ihr Meister spürte ihre Anspannung, hielt in diesem Moment mit seinen Berührungen inne und fragte: „Mari, welche Farbe hat unsere Ampel?“ Als sie „Hellrot“ flüsterte, nahm er ruhig seine Hände dort weg, legte ihr eine Hand an ihre Stirn und die andere an den unteren Hinterkopf. Ihren heißen Kopf auf diese Weise in Joels Hände abgeben zu können, tat ihr sehr gut und ihr Stresspegel sank überraschend schnell. Als würde meine ganze Anspannung durch seine Hände abgeflossen sein – erinnerte sie sich. Danach hatte er das Spiel beendet, so dass sie in diesem angenehm entspannte Zustand hatte bleiben können.



Warum nur vergesse ich in solchen Momenten immer wieder die Möglichkeit, anhand der Ampel zu kommunizieren, wie es mir geht? fragte sie sich. Und gestern hatte er mich zu Beginn des Spieles sogar noch dran erinnert. Ich will künftig versuchen, das mehr im Auge zu behalten! Wie gut, dass er mich ein paar Mal von sich aus nach der aktuellen Ampelfarbe gefragt hat – das hätte sonst fast wieder zu einem Abbruch führen können, so wie neulich, als ich das Tuch bei unserem Blind-durch-den-Park-geh-Spiel abrupt abgerissen hatte. Doch auch danach war es dann wieder gut weiter gegangen, erinnerte sie sich dankbar.

Und wie schön war es gestern am Ende, als er mich umarmte, mir sagte, dass er sich gefreut habe, wie viel ich zulassen konnte, und dann ziemlich bald das Spiel beendete, und mich in Joels Armen zurück ließ… Mit ihm selbst, außerhalb der Meisterrolle fühlt es sich viel leichter und angenehmer an für mich!

Seltsam…, überlegte sie schon zum wiederholten Male, dass ich diese Spiele trotzdem auch immer wieder will…

Dieses Kapitel wurde gemeinsam geschrieben von Rafael und Miriam.

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