12. Wertschätzung vom Geist der Liebe : Jedes Gefühl von dir ist ein Geschenk

Der innere Meister flüstert Mari und allen, die es sonst noch hören wollen zu:

Täglich schenkst du MIRHerz_Lichtblitze_gelborange
und den Menschen, denen du begegnest,
unendlich viele Gefühle.
Jedes davon macht dein einzigartiges Wesen aus.
Jedes davon ist wertvoll.
Jedes davon ist ein Geschenk
des mutigen Mensch-Seins,
und jedes würdig ICH
mit MEINER unendlichen Liebe.

Zu allen Posts von –> IAM (die Stimme der inneren Meister-Instanz)

Kontakt – das größte Geschenk


Ich glaube daran, dass das größte Geschenk,
das ich von jemandem empfangen kann, ist,
gesehen, gehört, verstanden und berührt zu werden.

Das größte Geschenk, das ich geben kann, ist,
den anderen zu sehen, zu hören, zu verstehen und zu berühren.

Wenn dies geschieht, entsteht Kontakt.

Virginia Satir (Sozialarbeiterin und Dozentin für Familientherapie)


76. Eine fesselnde Herausforderung

Bei Joel
Mari und Joel saßen bei Kaffee , Tee und Gebäck noch etwas gemütlich zusammen, bevor das heutige Spiel begann, in dem Joel wieder die Meisterrolle für Mari einnahm. Anschließend ging Joel in die Küche und kam mit zwei Osternestern zurück, die er auf den Tisch stellte.
„Ach die sehen ja süß aus“, meinte Mari fröhlich.
„Ich dachte mir… eine kleine Osterüberraschung“, lächelte Joel verschmitzt.
„Süße Idee!“
„Aber da ist nicht nur Schokolade drin“, meinte er.
„Oh, was gibt es denn noch in den Eiern? Vielleicht Eierlikör?“ Mari schaute versonnen zu den Osternestern.
„Nein, sie sind mit etwas umwickelt, dass ich hinzu gefügt habe“, antwortete er mit einem Blick, den sie nicht deuten konnte.
„Was hast du denn hinzu gefügt?“ fragte sie, worauf er ihr erklärte: „In dem linken Körbchen sind Geschenke, und im rechten stecken Herausforderungen.“
„Wie jetzt… Wie meinst du das?“ Langsam ahnte Mari, dass die Eier nicht nur süß waren.
Ernst schaute er sie an und antwortete: „Nun, in jedem Ei des linken Körbchens ist etwas, von dem ich hoffe, dass es dir Freude bereitet, und in jedem Ei des rechten Körbchens steckt eine Herausforderung für dich – etwas, dass du tun oder erfahren kannst.“
Mari wurde unruhig. „Ach so…? heute…? Jetzt…? Hier…?
Er nickte. „Ja, beide Sorten Eier sind für hier und jetzt bestimmt. Das Spiel beginnt!“
Fragend schaute Mari ihn an. Was würde jetzt kommen?
Er trank ganz in Ruhe einen Schluck Kaffee, und sie spürte, wie das wohlbekannte Kribbeln ihrer Aufregung langsam in ihr aufstieg.
Schließlich sagte er: „Mari, du darfst dir jetzt aus jedem Körbchen ein Ei nehmen. Wähle sie jetzt aus und
lege sie vor dich hin.“
Mari betrachtete die beiden Körbchen und versuchte, irgendwelche Ahnungen zu bekommen, welches Ei jeweils für sie das Beste sei. Ob die Farben etwas darüber verraten würden…? Schließlich entschied sie sich für ein gelbes Ei aus dem Geschenke-Körbchen und für ein rosafarbenes Ei aus dem Körbchen der OstereierHerausforderungen. Rosa ist eigentlich die zarteste Farbe, dachte sie dabei, möge es also auch die sanfteste der Herausforderungen sein.
Nachdem sie ihre Wahl getroffen hatte, fragte Joel: „Welches Ei würdest du gerne als erstes öffnen?“
Diese Entscheidung fiel ihr leicht: „Das rosafarbene Ei aus dem Körbchen der Herausforderungen, dann weiß ich wenigstens, woran ich bin.“
„Ja dann…“ meinte er und schob das gelbe Ei etwas zu Seite.
„Soll ich es jetzt auswickeln?“ fragte Mari.
„Ja bitte“, nickte er und beobachtete sie.
Vorsichtig wickelte sie das rosafarbene Papier ab, mit dem das Ei umwickelt war und strich es glatt. Es erwies sich als ein Zettel, auf dem etwas geschrieben stand.
„Ich möchte, dass du den Text laut vorliest“, sagte er.
„Da die Schrift ziemlich klein war, musste sie einen Moment lang genau hinschauen. Dann erkannte sie die Schrift, schaute ihn kurz an und las:
Übung macht den Meister:  Abgabe deiner Kontrolle in einer Weise, die du so ähnlich bereits kennst.
Er schaute sie fragend an: „Und? An was denkst du?“
Von den beiden Ideen, die ihr kamen, wählte sie die für sie angenehmere Variante: „Willst du mir die Augen verbinden?“
Er schüttelte den Kopf. „Nein – nicht die Augen.“
Dann wurde ihre Befürchtung also wohl wahr. „Meinst du… meine Hände?“
Er nickte: „Ja – eine echte Osterüberraschung, oder? Und wie so oft wird es um die Stärkung deines Vertrauens gehen.“
„Ach Mensch, Joel… hätte ich doch ein anderes Ei genommen!“
„Was, wenn dies das harmloseste Ei war?“
Mari runzelte die Stirn. „Äh, was hast du dir denn noch ausgedacht???“
„Das wird nicht verraten und ein Umtauschrecht gibt es ohnehin nicht“, sagte er ernst, stand auf und holte ein Seil.
Mari spürte augenblicklich, wie ihr Adrenalinpegel stieg. Dabei versucht sie sich mit dem Gedanken zu beruhigen, dass sie Joel ja nun schon ein Weilchen kannte und ihm vertraute. Aber dieser Gedanke hatte nicht die Kraft, sie wirklich zu beruhigen.
„Setz dich bitte hierher.“ Zögernd stand sie auf und setzte sich auf den Stuhl, den er nun in die Mitte des Zimmers gestellt hatte.
„Streck deine Hände nach hinten“, sagte er sanft.
Sie atmete tief durch und tat was er verlangte. Behutsam griff er ihre Hände und zog sie leicht nach hinten.
Sie spürte dabei, wie ungeschützt sie sich fühlte in dieser Körperhaltung mit den Händen hinter der Stuhllehne und atmete möglichst tief um sich zu beruhigen.
„Es wird dir nichts passieren“, flüsterte er ihr ins Ohr. Mari hatte so mit sich zu tun, dass sie nichts antworten konnte. Sie wollte gern möglichst ohne Widerstand diese Übung schaffen, aber es fiel ihr schwer, auch wenn sie wusste, dass er ihr nichts tun würde. Ihre Emotionen und ihren Körper erreichte dieses Wissen nicht.
Joel begann, das Seil vorsichtig um ein Handgelenk zu wickeln. Es kostete sie viel Überwindung, die Hände beide hinten zu lassen, aber sie erinnerte sich an das letzte Mal, in dem er es nicht wirklich fest geknotet hatte, und sie es hätte öffnen können, wenn sie gewollt hätte. Nun wickelte er das Seil um das zweite Handgelenk. Ihr Magen fuhr Fahrstuhl, und in ihren Händen und Füßen kribbelten Ameisen, aber sie behielt die Hände hinten. Er band das Seil um beide Gelenke und zog es etwas fester. Dieser Reiz brachte sie an den Rand ihrer Nervenkraft, und sie rief: „Joel, ich habe Angst! Das fühlt sich anders an als letztes Mal!!!“

Wie es in dieser Übung weiter geht, erscheint morgen

geschrieben von Raffael und Miriam

7. Machtabgabe – ein kostbares Geschenk

Bei einem Spaziergang am Sonntag nach dem ersten Treffen

„Warum soll ich eigentlich die Wohnung nicht aufräumen und putzen bevor wir uns bei mir treffen?“ fragte Mari, als beide sich spontan zu einem kleinen Spaziergang am Sonntag nach dem ersten Spiel verabredet hatten und mal wieder gemeinsam auf der Parkbank saßen.

„Das beschäftigt dich also immer noch…“ schmunzelte Joel, der ihr zum Spielpartner geworden war und in dem für sie kniffligen Thema „Angst vor der Nähe mit Männern“ für sie eine Meisterrolle verkörperte. Im Gegenzug gab sie ihm Englisch-Unterricht.

„Okay, von mir bekommst du jetzt die Antwort darauf, nachdem ich sie dir gestern als dein Meister verschwiegen habe. Das tat ich übrigens nicht, weil ich nicht will, dass du den Grund verstehst, sondern weil es im Spiel nicht zu deiner Rolle passt, den Meister nach Gründen seiner Anordnungen zu fragen.“

„Ja , das habe ich inzwischen kapiert,“ entgegnete Mari.

„Es geht mir darum, dass du nichts vor mir verbergen musst. Ich will dich und deine Wohnung sehen so wie du bist, so wie du lebst – genau so wie es ist, wenn ich nicht bei dir zu Besuch bin und du dich ganz unbefangen zuhause aufhältst.
Diese Natürlichkeit darf mit der Zeit wachsen und damit die Sicherheit, dass du dich niemals schämen musst, auch dann nicht, wenn etwas unperfekt, unordentlich, oder sonst wie ist, wie du glaubst, es sei nicht komplett in Ordnung.
Ich möchte, dass die Nervosität, das Überlegen, was du tun müsstest, damit ich zufrieden mit dir bin, immer mehr verfliegt, dass deine alte eingebrannte Angst, stets etwas falsch machen zu können, langsam zur Ruhe kommt.

Denn weißt du Mari… ich, der Joel, und ich als dein Meister, wir mögen dich beide sehr – nicht wegen bestimmter Eigenschaften, sondern einfach weil du du bist! Ich mag die Seite an dir, die klug, stark und freundlich ist, z.B. wenn du in der Rolle der Englisch-Lehrerin bist und mir die Scheu vor dieser Sprache nimmst, und genauso mag ich die Seite an dir, die nervös, ängstlich und angespannt ist, wenn sie in Gegenwart ihres Meisters in der Schüler-Rolle ist.
Und ich mag die Mari, die jenseits aller Rollen mit mir zusammen sitzt, und ihren ganzen Mut auffährt, um mir so offen von sich zu erzählen. Du bist in all deiner Zartheit so stark, Mari!
Ich achte dich sehr – in all deinen Facetten und Farbtönen – wenn du errötest, wenn du blass wirst, wenn du entspannt und locker aussiehst, in bunter Kleidung oder in Jogginghose und weitem Schlabber-T-Shirt – in allem… und sicher auch nackt!“

„Ui,.. kein leichtes Thema!“ Mari blickte verlegen auf die Wiese vor der Bank.

„Ich weiß, antwortete Joel, schau, wir haben Zeit… so viel Zeit wie du brauchst, Mari.“

„Ich fühle mich oft so unsicher dir gegenüber,“ bekannte sie verlegen.

„Und allein diese Offenheit, mir das zu erzählen,“ zeigt deine innere Stärke, die hinter den anderen Gefühlen steht, die dich zum Teil so belasten,“ antwortete Joel darauf mit warmer Stimme.

„Du hattest mir vor drei Wochen von deiner Idee erzählt, verschiedene Rollen füreinander einzunehmen, jetzt sind wir schon dabei, die zu verwirklichen – und das finde ich einen spannenden, interessanten Weg! Ich schätze deine Kreativität und deinen Mut sehr, diesen Stein ins Rollen gebracht zu haben. Mal sehen, wo er mit uns hin rollt…
Es bereitet mir jedenfalls ein wunderbares Gefühl, für dich diese machtvolle Rolle verkörpern zu dürfen, denn in dieser Weise habe ich mich noch nie in meiner Macht und gleichzeitig in der Liebe gefühlt.
Nur weil du mir in diesen Spielen die Macht gibst, Mari, kann ich sie so deutlich verkörpern und dadurch selbst fühlen. Damit machst du mir ein großes Geschenk. Ich glaube, du weißt gar nicht, wie viel du mir damit auch gibst. Und ich will mit dieser kostbaren Gabe sehr achtsam umgehen, Mari, das verspreche ich dir!“

Ganz behutsam nahm er ihre Hand in seine, drückte sie kurz und bekräftigte das eben Gesagte mit diesem Händedruck.

Und Mari erwiderte den Händedruck.

„Joel…“

„Ja?“

„Ich mag dich auch.“

–> zu Kapitel 8. Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne

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