95. Wochenend und Sonnenschein (1) – eine spannnende Auszeit

Joel und Mari verbringen ein Wochenende im zauberhaften Ambiente eines schönen Hotels

An diesem Tag begann die Wochenendreise, die Joel Mari als Anerkennung geschenkt hatte für ihr in letzter Zeit deutlich gestiegenes Vertrauen. Die Reise sollte sowohl eine Auszeit voll Freude und Genuss werden, als auch einen anderen besonderen Rahmen darstellen für ihre Vertrauensspiele und Rituale, in denen er für sie die Meisterrolle einnahm.

Er hatte Mari abgeholt und fuhr mit ihr in ein nicht allzu weit gelegenes Hotel. Als sie vor dem großen weißen Gebäude vor fuhren, kam sofort ein Page und übernahm ihr Gepäck.
Das Hotel lag inmitten einer wunderschönen Parkanlage, und Mari genoss den zauberhaften Anblick. Freude und Aufregung mischten sich in ihr. Was würde diese Reise wohl bringen?

Joel hatte ihr die Eingangstür zur Hotelhalle geöffnet.
„Mensch, Joel, ich kann es noch gar nicht fassen, dass wir nun wirklich hier sind“, sprudelte Mari mit strahlenden Augen heraus
Sie betraten die riesige Halle des Hotels. Es sah alles sehr edel aus, gestaltet mit vielen Pflanzen. Die hellen Farben und die leise, sanfte Musik vermittelten Leichtigkeit und Urlaubsstimmung und doch wirkte die Einrichtung auch etwas traditionell.
Das Ambiente…  faszinierend und beeindruckend… eine richtige Auszeit aus dem Alltag, dachte Mari entzückt, während Joel zur Rezeption ging um einzuchecken.
„Ah, sie hatten die Suite bestellt – herzlich willkommen“, sagte die Dame dort.
Das Gepäck war mittlerweile schon nach oben gebracht worden.  Joel nahm den Schlüssel und ging mit Mari in dem bespiegelten Fahrstuhl. Während sie nach oben fuhren stieg in Mari die Aufregung…  Jetzt gleich würde sie das Zimmer betreten, in dem sie mit Joel das Wochenende verbringen wird, 2 Tage und 2 Nächte…

Joel ging voran und öffnete eine große Doppeltür. „Darf ich bitten?“ fragte er lächelnd.
Mari trat ein und blieb zunächst an der Tür stehen…. Alles wirkte schön und hell – beeindruckend…
Ein großes Zimmer wartete auf sie mit einem riesigen Sofa und einer großen Fensterfront.
Auf der rechten Seite gab es eine weitere Tür.
Langsam ging Mari weiter in den Raum hinein und sah dann durch die geöffnete Tür in das Schlafzimmer, dass sie nun für zwei Nächte gemeinsam mit Joel beherbergen würde.
Ihr Gepäck hatte der Page schon dort abgestellt.
Das große Bett – weiß mit hellblauen Akzenten – darin nahm ihren Blick gefangen.
Wenigstens wird in dem Bett genügend Platz sein für uns beide, dachte sie etwas beklommen…
Joel stellt sich hinter sie – ganz dicht – und flüsterte in ihr Ohr: „Na, das sieht doch sehr gemütlich aus, oder?“
„Hmm ja…“ murmelt sie leise. Worauf hatte sie sich nur eingelassenWürde das gut gehen?
„Da werde ich ja gleich müde…“ sagte er und schmunzelte dabei.
Wollte er sich jetzt etwa schon ins Bett legen? Mari drehte sich um, schaute ihn unschlüssig an, und nahm dann sein deutliches Schmunzeln war. Nun lachte er richtig, und das war so ansteckend, dass sie mit lachen musste.
„Was hältst du von einem Spaziergang durch den Park, bevor wir uns zum Essen fertig machen?“
„Das ist eine tolle Idee,“ antwortete Mari, „ich würde nur gern etwas Leichteres anziehen.“
Sie öffnete ihre Reisetasche und nahm ein Sommerkleid heraus, mit dem sie im Bad verschwand, sich kurz frisch machte, und es anzog.  Joel ging zum Fenster und genoss den Blick auf den zauberhaften Park hinter dem Hotel.

Als Mari aus dem Bad kam und sah wie er am Fenster stehend auf sie wartete, meinte sie fröhlich: „So, von mir aus kann es losgehen!“ Er drehte sich um und schaute sie an. „Du siehst ja umwerfend aus!“ sagte er,“ und ging auf sie zu. „Da werden die Blumen im Garten ja neidisch.“
Mari kicherte: „Oh danke schön, Gott sei Dank sind die Blumen über solche Gefühle von Neid erhaben.“
Er lächelte, bot ihr seinen Arm an und führte sie in den Garten hinaus.

Parkweg-Es war ein herrlicher Anblick und das Wetter spielte gut mit: wunderschöner Sonnenschein empfing die beiden, als sie gut gelaunt die ersten Schritte miteinander nach draußen traten und einen schmalen Weg entlang liefen.

„Das Spiel beginnt.“ sagte Joel plötzlich.
Ups… Mari zuckte etwas zusammen, das hatte sie in diesem Moment nun überhaupt nicht erwartet, gerade fühlte sich alles so leicht und schön an…
„Bereit für eine Herausforderung?“ fragte er lächelnd…

Worin diese Herausforderung besteht, erscheint im nächsten Kapitel

Dies Kapitel wurde gestaltet von Raffael und Miriam

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71. Manchmal ist alles ganz anders als gedacht

Bei Joel – Eine überraschende Situation

Bevor das Spiel begann und Joel in die Rolle des Meisters schlüpfte, fragte er Mari, wie er das immer tat: „Wie geht es dir heute, Mari?“
„Danke schön, ganz gut,“ war ihre Antwort.
Er nahm wahr, wie ihr Augenlid zuckte und fragte: „Also nicht aufgeregt?“
Mari lachte etwas verlegen. „Natürlich, aufgeregt bin ich immer vor unseren Spielen!“
Er sah sie an, wartete einen Moment, veränderte leicht seine Sitzposition und meinte schließlich: „Ah… Okay! Dann wird es Zeit, dass das Spiel beginnt.“
Mari zuckte unwillkürlich leicht zusammen und dachte: Immer wieder gelingt es ihm, mich mit dem Anfang des Spieles irgendwie zu überraschen, obwohl ich es ja erwarte.
Er schmunzelte: „Und? Jetzt noch aufgeregter?“
„Ja, stimmt“, gab sie zu.
„Und wie fühlt sich das genau an?“
„Mein Herz klopft schneller, es kribbelt in den Armen und Beinen…“
„Kribbeln hört sich doch gut an – oder?“
„Naja… halb, halb“, antwortete sie etwas zögerlich. „Es ist einerseits sehr lebendig und aufregend, andererseits aber auch irgendwie ein bisschen schwierig in dem aufgeregten Gefühl. Da haben wir ja schon mal drüber gesprochen…
„Und ist es jetzt eher schwierig aufgeregt oder eher lebendig aufgeregt?“
Mari hielt einen Moment inne, um nach zu spüren… Ich würde sagen 40% lebendig und 60% schwierig aufgeregt, diese Mischung ist meistens am Anfang des Spieles so.“
Joel sah sie freundlich an. „Was kann ich tun, um dich etwas zu beruhigen?“
Überrascht antwortete Mari: „Das ist ja lieb, dass du fragst. Alleine schon die Frage tut gut. Hm… eine Umarmung wär schön.“
„Aber gerne!“ lächelnd ging er auf sie zu und umarmte sie.
Mari nahm einen tiefen Atemzug und empfand seine Umarmung als sehr wohltuend. Ganz sanft und doch fest hielt er sie im Arm. Sie kuschelte sich eng an ihn und dachte dabei: „Ach könnte doch diese Umarmung gaaaanz lange anhalten…“
Langsam spürte Mari, wie ihre Aufregung sich etwas legte und sie ein bisschen ruhiger wurde. Schließlich löste sie sich aus der Umarmung.
„Und?“ fragte er, „besser?“
Sie nickte und sagte leise: „Ja, das war schön, hat gut getan!“
„Magst du ein Glas Wein?“
„Oh?“ Überrascht schaute sie ihn an. Wein hatte er ihr bisher noch nie am Anfang eines Spieles angeboten.
„Ja, gern…“
„Okay, wie schön“, damit löste er sich von ihr und ging in die Küche, während Mari sich wieder auf die Couch setzte und wartete. Ihre Gedanken wanderten zurück zu den vielen prickelnden Erlebnissen, die sie hier mit ihm schon erlebt hatte…Nach kurzer Zeit hörte sie ihn aus der Küche rufen: „Du kannst gerne schon vorgehen.“
„Vorgehen? Was meinst du?“ fragte sie verwundert mit etwas lauter Stimme, so dass er sie in der Küche verstehen konnte.“
„Na, ins Schlafzimmer“, antwortete er und öffnete den Wein.
„Ups! Aber von Schlafzimmer war doch überhaupt nicht die Rede…“ überlegte Mari – allerdings so leise, dass er sie in der Küche nicht hörte.
„Das mit dem Schlafzimmer war doch schon mal, und er hatte doch selbst gesagt, dass das eine bewusste Provokation war… Er wollte damit eine impulsiven Reaktion provozieren, anhand derer sie anschließend einiges über Fehleinschätzungen und eine neue Einstellung zum Fehler-machen verinnerlicht hatte.
Nein, diesmal würde sie sich nicht ins Bockshorn jagen lassen, beschloss sie. Aber was sollte im Schlafzimmer geschehen? Egal… Ich will ihm heute vertrauen, beschloss sie, und machte sich auf den Weg ins Schlafzimmer. Im Flur hörte sie ihn mit der Flasche und den Gläsern hantieren
„Bin gleich soweit“, rief er aus der Küche. Inzwischen stand sie vor der Schlafzimmertür und zögerte noch etwas… Schließlich öffnete sie die Tür.
Wow, was war das denn? ! Das Bett sah ja aus wie zu einem Picknick vorbereitet.
Erstaunt betrachtete sie es, also sollte das Spiel wohl heute hier stattfinden…
Sie hört ihn hinter sich kommen. „So“, sagte er, und die Gläser klirrten. Sie nahm einen tiefen Atemzug und beschloss, jetzt erst einmal abzuwarten.
Auch wenn ich schon wieder ziemlich aufgeregt bin, ich will heute gelassener bleiben als letztes Mal, sagte sie sich selbst.
„Tritt ruhig ein“, hörte sie ihn dicht hinter ihr sagen, „oder sieht das hier gefährlich aus?“
„Nein, gefährlich sieht es nicht aus“, gab sie leise zu.
„Na, dann trau dich“, meinte er lächelnd, ging an ihr vorbei und setzte sich gemütlich, halb liegend aufs Bett. Langsam ging sie nun auch auf das Bett zu und setzte sich auf die andere Seite des in der Mitte stehenden Tabletts mit schön angerichteten Leckereien.


„Ich dachte, ich zeige dir, dass allein der Ort eines Schlafzimmers noch nichts bedeutet.“
Er goss Wein in zwei Gläser und hielt ihr eins entgegen. „Lass uns anstoßen.“
„Okay“, sie nahm ihr Glas und stieß mit ihm an, ohne etwas zu sagen.
Mit einem fröhlichen „Prost!“ nahm er einen Schluck, und sie tat es ihm nach.
„Entspann dich, Mari. Niemand wird dir was tun, auch hier nicht.“
Mit diesen Worten nahm er etwas Käse vom Tablett und ließ ihn sich schmecken.
„Wie umsichtig, dass du das so explizit sagst. So ein Stückchen Käse würde ich auch gern nehmen.“
Lächelnd steckte er ihr ein Stückchen Käse in den Mund. „Lass es dir schmecken! Nur ein kleiner lockerer Imbiss im Schlafzimmer heute.“
Warum kribbelte es ihr trotzdem so im Bauch? Und irgendetwas im Magen fuhr Fahrstuhl.
Ja, das Wort „heute“ war es, was sich so seltsam bemerkbar machte.
Was würde das nächste Mal kommen? Wenn heute vorbei war…? Egal, jetzt lasse ich mir den Käse und und den Wein schmecken, beschloss sie.
„Mach es dir doch auch gerne etwas gemütlich“, lud er sie ein, und sie nahm auch die Beine hoch auf das Bett.
„Darf ich helfen?“ fragte er schnell, beugte sich vor und zog ihr behutsam einen Schuh aus.
Da sie noch den Wein in der Hand hielt, musste sie mit Bewegungen vorsichtig sein.
Sie kichert ein bisschen verlegen, „gibt es da nicht ein Märchen, in dem ein Schuh eine Bewandtnis hatte?“
„Ja“, überlegte er, „ich glaub, das war Cinderella.“ Er hielt nun ihren Fuß in den Händen. „…Und dein Fuß ist gewiss so zierlich und schön wie ihrer war.“
Wie angenehm sich seine warmen Hände um ihren etwas kühlen Fuß schlossen. Sie genoss diese Berührung. Sanft massiert er ihn ein wenig. Für einen Moment schloss sie die Augen, und spürte nur diese wunderbare Berührungen an ihrem Fuß, nahm einen tiefen Atemzug und meinte: „Oh, tut das gut!“
Ganz ruhig massierte er den Fuß in langsam kreisenden Bewegungen. Kurz öffnete sie die Augen, stellte das Weinglas auf das Tablett, das in der Mitte des Bettes platziert war, um dann die Augen wieder zu schließen. Ach eigentlich konnte sie sich auch ein bisschen mehr ausstrecken…
Nun zog er ihr auch den zweiten Schuh aus, und begann, diesen Fuß leicht zu massieren.
Unwillkürlich drehte sie sich von der Seitenlage auf den Rücken, damit der andere Fuß nicht so verdreht lag. Sanft massiert er die Füße und die Zehen…
Welch eine Wohltat!
Nach und nach entspannte sich Mari, wozu auch der Wein etwas beitrug.
Er hielt inne und trank einen Schluck Wein.
„Das hat sich wunderschön angefühlt, Joel!“ Auch sie nahm ihr Glas in die Hand und sie stießen noch einmal an.
„Und? Ist es so schlimm, im Schlafzimmer zu sein?“ fragte er lächelnd.
„Nein, natürlich ist das heute nicht schlimm…“ musste Mari zugeben.
„Und du liegst sogar auf dem Bett… War das die ganze Aufregung wert?“
„Normalerweise passieren halt im Bett andere Dinge. Das brauche ich dir doch wohl nicht zu erklären, oder?“ Sie war etwas gereizt bei seinen Worten.
„Nein“, entgegnete er gelassen, „nicht grundsätzlich. Es passiert, was beide wollen! Das ist das Entscheidende.“
Oh, dieser Satz hatte Kraft!
„Mari, ich verstehe, dass das Schlafzimmer eine symbolische Wirkung in sich trägt für Dinge, vor denen du noch Angst hast. Doch sei sicher: Hier wird niemals etwas geschehen, wozu du nicht bereit bist.“
Er beugte sich vor, gab ihr einen Kuss auf jeden Fuß und flüsterte: „Das Spiel ist vorbei.“

Geschrieben von Raffael und Miriam

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01b Eine utopische Heilungsreise: Flucht und Entdeckung – Katastrophe oder Rettung?

Bei Mari – Ein Märchen beginnt: der Meister erzählt Mari innerhalb ihres Rollenspiels eine Fortsetzungsgeschichte zum Thema „Macht – Angst – Vertrauen – Hingabe“

In ihrem letzten Spiel hatte Joel in seiner Rolle als Meister Mari für die bald beginnende Vorweihnachtszeit eine Märchengeschichte angekündigt und ihr erzählt, dass es in einer fiktiven Zukunft angesiedelt ist und um eine Heilungsreise in einem Raumschiff mit außerirdischen Meistern gehen würde. Gespannt hatte sie gelauscht, was er ihr bereits über die Rahmenhandlung des Märchens erzählt hatte. Nachdem Mari sich auf ihrer behaglichen Couch in seinen einladend geöffneten Arm gelehnt hatte, begann er heute in den Beginn des Märchens einzusteigen:

„Wir sind im Jahre Später-ist-heute-jetzt-und-eins:  Völlig verwirrt und erschöpft liegt die junge Frau Carina in dem behaglichen Gästezimmer im Hause ihres von ihr bislang so gefürchteten Ausbilders, der sich als „Meister Ramon“ vorgestellt hatte.

Sie kann noch nicht fassen, was ihr in den letzten Tagen und Stunden passiert ist. Die Bilder ziehen unruhig vor ihrem inneren Auge vorbei:

Nach einer abenteuerlichen Flucht, für die sie sich Hals über Kopf entschieden hatte aufgrund ihrer Angst vor der umstrittenen „Ausbildungsreise“ im Raumschiff von außerirdischen Meistern, war sie gefasst worden und genau an den Ort gebracht worden, den sie so fürchtete: ins Raumschiff dieser Außerirdischen, die zwar von sich sagten, dass sie den Menschen helfen wollten, mehr Bewusstheit, Liebe und Frieden zu entwickeln, was aber Gerüchten zu Folge nicht so war. 

Nach dieser Flucht, die einer Odyssee glich, und all dem, was geschehen war, hatte sie mit Verurteilung und harten Sanktionen gerechnet, als sie in deren Raumschiff angekommen war, und sie hatte heftige Panik vor dem, was nun kommen würde. Und was dann kam, war völlig seltsam…

Sie dachte noch weiter zurück: Als sie sich noch am Morgen dieses Tages an Bord eines Flugzeuges befunden hatte, das von radikalen Gegnern der Außerirdischen geführt wurde, hätte sie sich nicht träumen lassen, dass sie so schnell gefasst werden und in jenes gefürchtete Raumschiff gebracht werden würde und dann… nachdem sie bereits dort war, abends mit ihrem Ausbilder wieder auf die Erde zurück käme, um mit ihm dort erstmal einige Tage Zeit haben sollte, um mit ihm etwas vertraut zu werden. Und sie musste zugeben… er hatte sie bis jetzt gar nicht mal unfreundlich, ja eigentlich durchaus freundlich behandelt.

Sie dachte nach: So sehr hatte sie sich vor der bevorstehenden Ausbildungsreise an Bord der außerirdischen Meister gefürchtet, dass sie – ohne klar denken und das alles auch nur in etwa überschauen zu können – bereit war, sich von ihrer Heimat wegbringen zu lassen an einen entfernten Ort in der Wüste, an dem angeblich aufgrund eines bestimmten Magnetfeldes keiner der flüchtigen Menschen gefunden werden könne. Sie war dort mit anderen Flüchtlingen in einer völlig ungeklärten Situation, hatte Hunger und wusste nicht, wie es dort werden würde und wie es mit der Versorgung der notwendigsten Bedürfnisse funktionieren würde. ‘Aber’, so hatte sie gedacht, ‘das ist immerhin besser, als einem oder mehreren – sogar außerirdischen (!), völlig unberechenbaren Männern – für unbestimmte Zeit ausgeliefert zu sein.’ 

Carina hatte Angst vor Männern. In ihrer Gegenwart fühlte sie sich stets unwohl, beklommen, und unsicher. Deshalb hatte sie bisher stets deren Kontakt gemieden. Körpernähe und Erotik erschienen ihr wie ein Alptraum. Und sie hatte gehört, dass diese seltsamen Ausbildungen, die die Meister nach ihrer Machtübernahme auf der Erde für die Menschen obligatorisch veranstalteten, alle Ebenen des Menschseins beinhalten würden: Geist, Seele und eben auch den Körper. Das war der ausschlaggebende Faktor gewesen, der sie zur Flucht bewogen hatte.

Dass die Meister sie so bald finden würden, dass deren Raumschiff an ihrem Versteck in der Wüste landen würde, dass die Fluchthelfer, die sich nur zu bald als wenig vertrauenswürdig erwiesen hatten, es sogar zu Gewalthandlungen kommen lassen würden, und dass sie schließlich von den Meistern ruckzuck an Bord genommen werden würde, damit hatte Carina nicht gerechnet.

Und nun liegt sie hier im Gästezimmer ihres Ausbilders Ramon, der wie einige andere seiner Art  auch, schon seit einiger Zeit zwischen den Menschen lebte und ihnen mit Rat und Tat zur Seite stand,  ohne dass er sich als Außerirdischer zu erkennen gegeben hatte.“

Morgen wird die Geschichte fortgesetzt und läuft voraussichtlich bis Weihnachten

Hier geht es zu allen bisher erschienenen Kapitel zu dieser Geschichte, die Joel Mari in der Advents- und Weihnachtszeit erzählt –> Eine utopische Heilungsreise (Märchen) 

01a Eine utopische Heilungsreise: ein Märchen wird angekündigt

Bei Mari – Ein Märchen kommt ins Spiel

Joel, der bereits in ihrem heutigen Rollenspiel seine Meisterrolle inne hatte, saß auf einem Sessel, als Mari mit zwei Wassergläsern ihr Wohnzimmer betrat. 
„Mari, in der kommenden Zeit möchte ich, dass die Couch immer ausgezogen ist, dass wir Platz haben, es uns bequem zu machen.“ 

„Ja, okay…“antwortete Mari und begann, das Sofa auszuziehen.

„Prima, das hast du gut gemacht. Komm, lass es uns gleich darauf gemütlich machen.“
Unerwartet griff er um ihre Taille und zog sie auf die Couch , so dass sie halb liegend halb sitzend in seinem Arm landete. „So und jetzt kuschel dich einfach an mich an, und genieße es.“
Mit der anderen Hand strich er ihr sanft über die Wange.
Nach der ersten Schrecksekunde konnte sich Mari tatsächlich einigermaßen in seinem Arm entspannen.

2Kerzen mit Geigenspielerin_Engel„In einer Woche ist erster Advent“, begann er das Gespräch, „und ich habe mir etwas für uns einfallen lassen.“

Neugierig schaute Mari ihn an. „Die Weihnachtszeit ist für mich in jedem Jahr eine besondere Zeit“, bekannte sie.

„Das dachte ich mir fast“, lächelte Joel, „und deshalb denke ich, wir sollten diese Zeit nutzen, um es uns gemeinsam gut gehen zu lassen und all das, was du in den letzten Wochen erlebt hast, ein wenig zu festigen. Ich möchte im Dezember nicht viel Neues an dich heran tragen, denn du hast viel erlebt, und es sollte auch Zeit geben dafür, dass es sich setzen kann und wir mit all dem und miteinander noch vertrauter werden. Deshalb habe ich mir für diese Zeit etwas ganz besonderes ausgedacht. Wir werden uns gemütlich aneinander kuscheln, und ich werde dir eine Fortsetzungs-Geschichte erzählen, die ich mir in letzter Zeit für dich ausgedacht habe.“

„Ohh, das ist ja eine tolle Überraschung!“ freute sich Mari.

„Und  bevor du mir die Frage stellst, worum es in der Geschichte geht“, Joel zwinkerte, „erzähle ich dir schon mal etwas davon: 

„Au ja, danke!“ Mari kuschelte sich tiefer in seinen Arm hinein…

01a

„Es handelt sich um eine utopische Geschichte, die in einer vielleicht gar nicht soooo fernen Zukunft spielt. Und es geht – wie könnte es anders sein – um Themen wie „Macht, Angst, Vertrauen, Hingabe…“ Er drückte Maris Hand. „Die Hauptperson in der Geschichte ist eine ängstliche Frau, nennen wir sie Carina. Und was meinst du, wovor sie sich besonders fürchtet?“ fragte er Augen zwinkernd.

„Hm… vielleicht vor der Nähe mit Männern… vor Autoritäten… vor neuen Erfahrungen… davor Fehler zu machen…?“ Mari sah ihn etwas verlegen, und gleichzeitig interessiert an.

„Ja, das war wohl nicht so ganz schwer zu erraten“, lächelte Joel. „Und sie wird in eine Situation hinein geraten, in der sie sowohl mit einem Mann als auch mit viel Neuem konfrontiert werden wird, und in der sie anfangs einen deutlichen Fehler gemacht hat.“

„Oh, das wird spannend“, meinte Mari und spürte, wie sich ihr Herzschlag beschleunigte. „Erzähl doch noch etwas mehr darüber.“

„Überhaupt wird die ganze Menschheit mit viel Neuem konfrontiert werden, denn so, wie es bisher war, konnte es nicht mehr weiter gehen. Die Probleme auf der Erde werden so groß, dass es in meiner Vorstellung in diesem Märchen eine ganz besondere Art von Hilfe geben wird: Hilfe aus dem All von außerirdischen Wesen, die in ihrer geistigen, gefühlsmäßigen und technischen Entwicklung den Menschen weit überlegen sind. Etliche Menschen hatten Gedanken abgesendet, mit denen sie um Unterstützung gebeten haben, weil sie nicht mehr wussten, wie sie das drohende Unheil, das auf Erden sich schon lange anbahnte, abwenden konnten. Und dieser Hilferuf wird von diesen wohlwollenden, intelligenten Wesen, die ich mal “Meister des Lichts” nennen will, empfangen. Sie folgen ihm, verkörpern sich in menschlicher Gestalt, um für die Menschen auch physisch erfahrbar zu werden, und landen mit Raumschiffen auf allen Kontinenten, überall auf Erden.

Mantra Erde

Es ist für sie ein Leichtes, kraft ihrer sehr hohen mentalen, technischen, und spirituellen Entwicklung die Weltregierung zu übernehmen. Ihr Ziel ist es, eine emotionale, körperliche und spirituelle Heilung für die gesamte Menschheit einzuleiten.
Für diesen ganzheitlichen Entwicklungsprozess haben sie für jeden Menschen eine Art Ausbildungs- und Heilungsreise vorgesehen – mit einem jeweils eigenen persönlichen Ausbilder, der gleichzeitig Lehrer, Seelsorger, Heiler und Freund sein wird. Das können natürlich auch Ausbilderinnen sein.

Für viele Menschen wird diese Machtübernahme durch die Außerirdischen natürlich sehr angstbesetzt sein. Die meisten können erstmal nicht glauben, was die Meister und Meisterinnen ihnen persönlich und auch durch die Medien immer wieder erklären: nämlich, dass sie mit hilfreichen Absichten den gebeten vieler Menschen gefolgt sind, und dass sie ihre Macht in Liebe gebrauchen würden.

Diese Meister wissen, dass es einige Zeit dauern wird, bis die Menschen gelernt haben werden, ihnen zu vertrauen. Manche von ihnen lebten übrigens schon lange Zeit unerkannt auf der Erde, meist als Lehrer, Ärzte, Therapeuten, Seelsorger und Berater, um von innen heraus heilsame Impulse zwischen die Menschen zu bringen. Sie werden sich dann auch zu erkennen geben und helfen beim Aufbau von Vertrauensbeziehungen. Das wird ein großes Erstaunen, als bekannt wird, wie viele von ihnen schon lange Zeit auf der Erde in menschlichen Körpern mit großer Bewusstheit, tiefer Liebe und immensen Einsatz heilend auf die Menschen ihres Umfelds gewirkt haben und weiter wirken werden. Dazu gehören viele bekannte Lehrer und Heiler…“

Joel beugte sich etwas vor, sah Mari an und fragte: „Na, wie findest du die Rahmenhandlung? Hättest du Lust, in diese Geschichte einzusteigen und zu erfahren, wie es Carina mit all dem Neuen geht?!“

„Oh ja! Das ist ja spannend!“ antwortete Mari aufgeregt und fügte etwas nachdenklich hinzu: „Obwohl ich nicht glaube, dass die Lösung unserer Probleme von außen kommen kann und wird.“ 

„Das glaube ich so auch nicht wirklich,“ antwortete er, „aber der Gedanke gefiel mir und eignet sich gut zu unserem gemeinsamen Thema „wohlwollende Macht“. Es ist einfach nur ein Märchen – so wie eins aus tausend und einer Nacht, nur dass es eben in der Zukunft spielt…“

„Ich bin gespannt, wie das Märchen weiter geht…“ Mit diesen Worten umarmte sie spontan ihren Meister und flüsterte ein leises „Danke für diese tolle Idee!“ in sein Ohr. 

Morgen wird die Geschichte fortgesetzt und läuft voraussichtlich bis Weihnachten

32. Eine heilende Übung (2) – Verletzung und Größe

Bei Joel: Mari spricht mit ihrer Sportlehrerin in ihrer inneren Welt

Maris Körper saß mit geschlossenen Augen entspannt, sicher und gemütlich in einem bequemen Sessel, während ihr Geist sich mit Joel, der wieder die Rolle des Meisters einnahm,  auf einer inneren Reise befand…
Nachdem sie sich mit der Kraft der Natur-Elemente gestärkt hatte und dadurch immens gewachsen war, begleitete ihr Meister sie durch eine Tür, die in eine Sporthalle hinein führte.
„Ich bleibe die ganze Zeit dicht an deiner Seite, versicherte er ihr. Du bist nicht allein bei allem, was du jetzt erlebst!“ Sanft legte er eine Hand auf ihre Hände, die beim Anblick der Turnhalle zu zittern begannen, damit sie seine Präsenz auch körperlich deutlich spüren konnte.

„Mari, du bist immer noch sehr groß – gestärkt durch die Natur-Elemente so groß, dass du fast an die Turnhallendecke stößt. Alles unter dir ist ganz klein, so wie aus Lego-Steinen erbaut.“

Marie roch diesen typischen Turnhallen Geruch, der sie sofort an all die schwierigen Situationen in der Turnhalle ihrer Vergangenheit erinnerte.

„Atme tief Mari. Atme die Kraft  der Sonne, des Waldes, des Windes und des Wassers“, flüsterte Joel ihr zu.

Mari versuchte den Turnhallen-Geruch durch den Duft des Waldes zu ersetzen und spürte ein Gefühl der Stärke aufgrund ihrer magischen Größe. Ihr Kopf befand sich unterhalb der Turnhallen-Decke. Sie schaute von dort oben hinab und alles sah wie eine Spielzeug-Landschaft aus – weit weniger bedrohlich als früher…

Plötzlich sah sie sich selbst , die Sportlehrerin und die Klasse von oben, wie sie da unten herumliefen:
„Heute hier in dieser Größe bist du ganz sicher“, erklärte ihr Joel. „Alles in dieser Halle sieht wie Spielzeug aus, weil du längst darüber hinausgewachsen bist. Ich stehe direkt neben dir, damit du noch mehr Kraft hast, und gebe dir Schutz und Sicherheit.“
Ihr Meister war in ihrer Vorstellung noch größer als sie selbst und sie nahm in Gedanken seine Hand, die er sofort sowohl im Geist als auch real fest umschloss.

Es fiel Mari nicht leicht, bei dieser Vorstellung ihrer Größe zu bleiben – ihre Gefühle sprangen hin und her.

„Atme in deinen Bauch hinein – tief und tiefer. Hier kann dir nichts und niemand mehr etwas tun. Ich stehe direkt neben dir, damit du noch mehr Kraft hast. Schau, wie klein sie sind… Die Lehrerin scheint irgend etwas zu rufen, doch du kannst nichts hören, sie ist einfach zu klein.“ Ganz sanft, aber deutlich fühlbar drückte der Meister Maris Hand.

Die Sportlehrerin saß mit ihrer Trillerpfeife auf der Bank in ihrem blauen Trainingsanzug und pfiff. Das konnte Marie allerdings nur sehen und nicht hören.

„Ganz ruhig und tief atmen, Mari. Schau dir deine Lehrerin an, wie klein sie ist, wie winzig…“

„Wie sie da auf der Bank sitzt, wirkt sie richtig ein bisschen in sich zusammengesunken“, stellte Marie erstaunt fest.

Jetzt stand Frau Schmidt (Name wurde geändert aus Datenschutzgründen) von der Bank auf und reckte sich… Marie erschrak und drückte fest die Hand des Meisters.

Er drückte sie auch etwas stärker als davor, um ihr Halt und Kraft zu geben. „Komm, wir beugen uns ein bisschen zu ihr herunter“, schlug er vor. „Schau sie dir genau an. Sie kann dir nichts mehr tun, gar nichts!“

Der Schreck, den sie eben bekam, als Frau Schmidt aufstand, legte sich wieder etwas.

„Siehst du wie harmlos sie ist, du könntest sie geradezu aus der Halle pusten. Aber vorher… möchtest du ihr etwas sagen?“

„Ja, ich habe ihr etwas zu sagen,“ antwortete Mari. „Hallo Frau Schmidt, hier bin ich, Mari, und hier können Sie mir nichts tun! Und hier bin ich nicht allein, mein Meister ist bei mir… Ich habe ihnen viel zu sagen. Jetzt setzen Sie sich mal auf die Bank und hören mir zu!“

„Du siehst, wie sie erschrickt. Sie zuckt zusammen, und setzt sich zögerlich auf die Bank.“ Joel drückte wieder Maris Hand, und Mari ließ nun ihren Gefühlen freien Lauf:

„Es war so schlimm, es war so schlimm, es war so schlimm – der Sportunterricht bei ihnen in all den Jahren! Er hat mir die Freude am Sport genommen. Nein, Quatsch, er hat erst gar keine Freude aufkommen lassen! Sie haben mir jegliche Lust an Bewegung, an Neugier, an Spiel und sportlicher Gemeinschaft genommen. Sie haben mir mit ihren Beschimpfungen und mit ihrer lauten Trillerpfeife so oft furchtbar viel Schrecken verursacht! Sie haben mich beschämt und vor allen anderen lächerlich gemacht – nicht nur mich auch andere, aber mich ganz besonders, weil ich so zart und klein war… Ich habe ihre Verachtung gespürt mit ihren furchtbaren Bemerkungen. Und sie haben mir nicht nur die Lust am Sport unmöglich gemacht, sondern haben mit ihren Beschämungen meinen Körper und meine Gefühle übelst verletzt!“

„Das machst du gut Mari, lass es raus, lass raus, was du schon immer sagen wolltest“, ermutigte sie Joel.

„So sehr verletzt, so sehr gedemütigt haben sie mich immer, immer wieder… so sehr beschämt und immer wieder rauf auf´s Schlimme! Ich habe mich gefühlt wie ein Wurm, den sie zertreten wollten!“

„Frau Schmitt sieht dich zitternd und beschämt an, siehst du das Mari? Sag ihr alles, was du sagen möchtest.“

 

Mit Tränen in den Augen sprach Mari weiter: „Und was das Schlimmste ist, ich habe mir immer wieder Mühe gegeben. Ich habe mein Bestes getan, was ich tun konnte. Ich habe auch in meiner Freizeit geübt, aber es hatte gar keinen Sinn! Es war vergeblich! Sie haben mich immer wieder niedergemacht, und daraus entstand das Gefühl, ich kann mich anstrengen, soviel ich will, ich bin einfach nicht veränderungsfähig – ein Gefühl, was sich auch auf anderes übertragen hat und mich auch in anderen Zusammenhängen gebremst hatte.“

Marie sah auf die Sportlehrerin herab. Inzwischen tat sie ihr ein bisschen leid, aber es war noch nicht alles, was sie zu sagen hatte.

Ihr Meister ermunterte sie, weiter zu sprechen: „Mari, es ist wichtig, dass du alles ausdrückst, was dich belastet! Sag ihr alles, was noch in dir ist.“

„Vermutlich haben sie nicht gewusst, wie schlimm das alles ist, wie schlimm es war, und wie schlimm es immer noch ist, über so viele Jahre bis jetzt! Ich hatte dadurch so viel Scham und habe sie immer noch! Alles, was meinen Körper anbelangt, hat immer mit Peinlichkeit zu tun. Die natürlichsten Sachen fallen mir schwer, weil von ihnen so oft, wenn sie mich angesehen haben, ironische oder laute Beschimpfungen gekommen sind… Ich habe fast immer peinliche Gefühle, wenn mich jemand bei was auch immer beobachtet, weil… wenn wir Sport gemacht haben, haben wir ja nicht immer gesehen, wen sie wann beobachtet haben, und ganz plötzlich und oft unerwartet kamen dann die Verunglimpfungen. Da ist eine so riesige Angst und Scham in mir über all die Jahre in meinem Körper und in meinen Gefühlen gespeichert, dass ich mich so vieles nicht traue, es gar nicht erst wage, etwas auszuprobieren.

Und als sie mit mir Ball werfen trainiert haben, und immer wieder gebrüllt haben, dass ich so kraftlos werfe wie ihre sechsjährige Tochter, obwohl ich ja schon 13 Jahre alt war, habe ich mich so geschämt. Vor der ganzen Klasse haben sie mich da bloßgestellt!“

„Sehr gut Mari, lass es raus, lass deine Scham aus dir heraus, gib sie ihr zurück, gib ihr die Pein zurück!“ ermutigte sie Joel wieder.

„Ich sollte es schaffen, bis über die Linie zu werfen, und ich habe es nicht geschafft. Ich habe es immer wieder nicht geschafft! Und dann habe ich mir vorgestellt, hinter der Linie stehen sie, und ich könnte es mit meinem Ball erreichen, dass sie still sind, dass sie mal umkippen und endlich still sind und Ruhe geben!  Mit dieser Vorstellung ist es mir einmal gelungen, den Ball über die Linie zu befördern, aber ich will mir eigentlich gar nicht schlimme Sachen vorstellen, damit ich ein Ziel erreichen kann. Damit habe ich Gedanken gehabt, die gegen meine Werte waren – schon damals. Sie waren für mich die Schreckensperson der ganzen Schule, immer wenn ich in die Sporthalle hinein gegangen bin, stieg schon das Angstgefühl in mir auf!“ 
Erschöpft hielt sie inne.

„Aber nun hast du keine Angst mehr vor ihr, Mari! Sag es ihr.

„Heute habe ich keine Angst mehr vor ihnen, heute weiß ich, dass sie aus irgendeinem inneren Grund auch nicht anders konnten, als sie es konnten… Und ich wünsche mir, dass sie Frieden finden, denn sie müssen voller Aggressionen gewesen sein, oder vielleicht voller Schmerz. Ich weiß es nicht, es hat sicher einen Grund gegeben, und dieser Grund war nicht wirklich ich, aber ich habe es abbekommen! Und all der Not, die ich damals gespürt habe, habe ich etwas gemacht! Ich habe viel Einfühlungsvermögen für Kinder, besonders für die, die gemobbt werden, denen es schlecht geht, die Angst haben… und ich habe es mir zum Beruf gemacht, ihnen zu helfen und bin Lehrerin geworden.“

„Du bist sehr stark Mari, du willst ja keine Rache, du willst nur einen Ausgleich, indem du ihr nun all das sagst, was du nie hast sagen können – und sie muss es sich anhören.“

„Ich habe diesen Beruf gewählt und liebe ihn, weil ich auch dieses Vergeblichkeitsgefühl kenne, das manche Kinder haben:  dieses Gefühl: man kann sich noch so viel Mühe geben, und es scheint nicht zu klappen, dass man besser wird in den Leistungen, in denen man so gerne besser werden würde. Ich will besonders Kindern helfen und sie ermutigen, dieses Vergeblichkeitsgefühl aufzulösen. 
Und ich habe daraus gelernt, dass ich nicht im Sport besser werden muss, sondern dass es andere Dinge gibt, in denen ich gut sein kann!“

„Ja, Mari, du bist gut, du bist groß, du bist stark! Fühlst du es? Sag es ihr.“

„Es ist wichtig, dass sie wissen, wie schlimm das für mich und wahrscheinlich auch viele andere Schülerinnen und Schüler gewesen ist, damit diese Kette nicht fortgesetzt wird. Aber ich möchte, dass sie sich selbst auch verzeihen, und die Ursache finden, weshalb das so gekommen ist bei Ihnen. Ich bin nicht gut im Sport, aber ich habe andere Dinge, in denen ich gut bin! Eins davon ist: Ich kann vergeben. Frau Schmidt, ich vergebe ihnen, und ich bitte sie, vergeben auch sie sich selbst.“

„Deine Barmherzigkeit ihr gegenüber ist wahre Größe, Mari. Spüre die Kraft in dir!“

„Ja, diese Kraft spüre ich, Und die ist mir wertvoller als jede Sportübung!“

„Das ist eine gute Kraft Mari, eine edle Kraft! Du hast andere Übungen gemacht, und sie haben dir eine andere wertvollere Größe und Stärke verliehen.“

Geschrieben von Rafael und Miriam 

Weiter geht´s im nächsten Kapitel: –> 33. Eine heilende Übung (3) – Vergebung und Ausgleich

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