19. Eine utopische Heilungsreise: INNERES „JA“   und    HINGABE

Joel hatte sich für die Weihnachtszeit eine Fortsetzungsgeschichte von wohlwollenden außerirdischen Meistern zum Thema „Macht – Angst – Vertrauen – Hingabe“ für Mari ausgedacht, das er ihr in Form eines Adventskalenders geschenkt hatte.

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Heute saßen Joel und Mari wieder einmal gemütlich zusammen auf der Couch. Mari hatte die Kerzen auf dem Adventskranz angezündet und goss Tee ein. Sie genoss es, ihrem Meister so nah zu sein und freute sich darauf, von ihm zu hören, wie es Carinas weiter erging im Raumschiff mit ihrem Meister. Er streichelte sanft ihre Schulter und begann vorzulesen:

Ramon begegnet Carina weiterhin sehr rücksichtsvoll und taktvoll . Zärtlich antwortet er auf ihre kleinen Schritte der Annäherung, während er auf ihre zunehmend wieder stärker aufflammende Ängstlichkeit und Nervosität einfühlsam und liebevoll eingeht. Immer wieder zerstreut er ihre nagenden Selbstzweifel mit großer Geduld. Er nutzt jede Gelegenheit, sie wissen und fühlen zu lassen, dass sie wirklich über alles mit ihm reden kann, ohne dass er sie je herabsetzen oder in irgendeiner Weise beschämen würde. Carina spürt seine unendliche Geduld und liebevolle Annahme voll Dankbarkeit. Aber ihre Angst vor all dem Neuen, vor ihren eigenen Gefühlen, vor dem Mann in ihm, den sie tief in sich immer noch etwas fürchtet, hindert sie noch, mit ihm über all das zu reden, was sie nun schon seit Tagen beschäftigt…

Da leuchtet wieder einmal ein Röllchen auf. Carina liest:

Geliebte Carina, 
nun warst du schon bereit, einiges geschehen zu lassen,
mal mit mehr, mal mit weniger Angst
und hast schon ein ganzes Stück Vertrauen und Hingabe entwickelt.
Nun geht es für dich darum, dein inneres “JA” 
zur Intimität zwischen Frau und Mann zu finden und zu leben.
Ich versichere dir, du brauchst dich nicht zu fürchten.
Alles wird ganz so sein, wie du es brauchst.
In Liebe Ramon

Diese Worte lassen ihre Angst wieder auf flackern. Sie fühlt sich verwirrt und bedrückt. Aber anders als bisher ist ihr sofort klar, dass es für sie der beste Weg ist, mit Ramon über all das zu reden, was sie beschäftigt.

Es fällt ihr nicht leicht, einen Anfang zu finden, als sie kurze Zeit später bei ihm sitzt. Er versucht, ihr eine Brücke zu bauen: “Carina, du weißt, du kannst mir alles sagen, mich alles fragen, und ich werde dir antworten, so gut wie ich es vermag. Fang einfach bei dem nächstliegenden Gedanken an, der dir auf der Seele liegt…”

Geduldig wartet er, und schließlich nach etlichen Ansätzen wagt Carina ihre Fragen auszusprechen: “Das mit dem inneren Ja zur Intimität – wie soll das gehen bei der Angst, die ich noch immer habe? Und dann das mit der Hingabe – ich kann mich nicht hingeben, jedenfalls so lange nicht, wie ich nicht weiß, wie es dann weitergeht – ich meine nach dieser Reise. Aber auch sonst… Ich habe einfach Angst… Vielleicht bin ich doch zu weit gegangen und habe durch all die Nähe, die zwischen uns entstanden ist, Hoffnungen und Bedürfnisse in dir geweckt, die ich nicht erfüllen kann…” Verzweifelt sieht Carina zu Ramon auf.

Der lächelt sie liebevoll an und antwortet auf ihre ausgesprochenen und unausgesprochenen Fragen: “ Carina, hast du wieder einmal vergessen, dass ich anders bin, als du es von Männern glaubst? Ich weiß, dass einzig und allein der Geist den Körper bestimmt und nicht umgekehrt. Ich erwarte keine Bedürfnis-Befriedigung von dir. Mein einziges “Bedürfnis” ist, dich zu lieben – so wie du bist, mit allem, was du fühlst. Damit bin ich in der Liebe und erfüllt von Frieden und Glück. Bald wirst du das verstehen. Ab einem gewissen Punkt gibt es nur noch Liebe, da hören alle persönlichen Bedürfnisse auf. Du kannst also ganz beruhigt deinen Gefühlen folgen, du bist willkommen in meinen Armen und in meinem Herzen. Ich will nichts anderes von dir, als du von dir selbst willst.”

Noch immer schaut Carina ihn etwas sorgenvoll an…

“Und was nun das “danach”, das “später” angeht: Es wird das geschehen, was du dir wünschst. Ich kann nach dieser Reise bei dir bleiben, ich kann wieder weg fliegen… Ich werde in meinem Herzen immer in Verbindung mit dir bleiben, so wie es bereits auch vorher schon gewesen ist. Seit du dein Abenteuer “Menschsein” mit all seinen Begrenzungen und Illusionen begonnen hast, bin ich in Liebe mit dir verbunden. Ich bin sozusagen dein energetischer Partner, der das Bewusstsein unseres Einsseins nie vergessen hat. Weil dein Herz es wollte, bin ich kommen, um dich an diese Einheit zu erinnern, um dich all dein vergessenes Wissen wieder erfahren zu lassen – so war es damals vor Urzeiten verabredet. Nun ist diese Zeit gekommen: Dein Innerstes hat mich gerufen, und ich bin deinem Ruf gefolgt, Carina.

Wenn du es willst, werde ich dich nun nie wieder verlassen. Wenn du es aber anders willst, gehe ich nach dieser Reise in der Form des menschlichen Körpers von dir weg – meine Energie wird aber immer mit dir vereint bleiben. So war es schon immer, und so wird es immer sein – nur dass du nun wieder darum weißt. Wir gehören zusammen. Du hast die Wahl: Soll ich als Mann bei dir bleiben, oder willst du mich nach der Reise nur noch energetisch bei dir wissen? Dieser Körper ist für mich lediglich eine Möglichkeit, mich in der Welt der Materie für dich erfahrbar zu machen. Ich bin nicht an ihn gebunden…”

Lächelnd schaut er Carina an. Die schluckt und fragt schließlich zögernd: “Das heißt, du würdest als Mann mit mir auf der Erde leben wollen?”

“Ja, Carina, wenn das dein Wunsch ist – ja!  Wir hätten viele Möglichkeiten, unsere Liebe zu leben, und mannigfaltige Aufgaben, die uns gemeinsam für die Menschheit von Nutzen sein lassen würden.”

Carinas Augen beginnen zu leuchten. “Das heißt, du wirst mich nicht wieder verlassen – ich meine in dieser menschlichen Form?”

“Nicht, wenn du es nicht willst.”

Ein plötzlicher Gedanke lässt wieder einen Schatten über ihre Augen huschen. “Du meinst, wir würden quasi als Mann und Frau zusammen leben? Dazu gehört dann sicher auch ein sexuelles Miteinander, nicht wahr? Ramon, ich weiß nicht, ob ich dazu bereit bin… Ich habe noch immer große Angst davor.”

Ramon schaut sie liebevoll an. “Carina, wir werden so zusammen leben, wie du es möchtest. Ich habe dir versprochen: Nichts geschieht gegen deinen Willen! Dieses Versprechen gilt auch weiterhin, auch wenn wir als Mann und Frau zusammen leben und wirken. Aber weißt du: irgendwann wird es nur noch Liebe geben, das heißt, da gibt es dann keine Angst mehr. Denn wo Liebe ist, verschwindet nach und nach alle Angst. Schau, wenn du fühlst, dass du ganz nah bei mir liegen möchtest, wenn du mein Streicheln genießt auf deinem Haar, wenn du dich in meinen Armen entspannst, dann gibst du dich deinen Gefühlen von Zärtlichkeit und deiner Sehnsucht nach Nähe und Berührung hin. Mehr brauchst du gar nicht zu tun. Sei einfach nur bereit, den Empfindungen deines Herzens zu vertrauen und deinen Gefühlen zu folgen.  Und wenn du dann irgendwann den Impuls in dir spürst, dein Feuer mit meinem Feuer zu verbinden, dann werden wir es wissen. Ich weiß, noch fällt es dir schwer, dir das vorzustellen, und erst recht, wenn es so wäre, es mir auch mitzuteilen. Noch erscheint es dir undenkbar, dir selbst dieses völlig neue Gefühl einzugestehen, und erst recht mir. Doch glaub mir, wenn es soweit ist, werde ich es wissen und dir auch hierbei ein behutsamer, einfühlsamer Lehrer, Freund und Partner sein. Dann wenn du die Bereitschaft in dir fühlst – und wirklich erst dann – werden wir uns auch körperlich vereinen. Und solltest du das nicht in dir fühlen – dann ist das auch in Ordnung, fügte er zu ihrer Beruhigung leise lächelnd hinzu.”

Diese Worte nehmen ihr den Druck und tun gut. Dann dämmert ihr eine Erkenntnis: “Das hast du doch sicher schon die ganze Zeit gewusst, nicht wahr? Und dabei wurdest du mir als mein Ausbilder vorgestellt – als mein Lehrer – aber eigentlich bist du als… mein Partner gekommen… War das nicht eine Lüge?”

Ramon lächelt: “Du hattest doch schon so große Mühe, mich als Ausbilder und Lehrer zu akzeptieren – übrigens keine Lüge, denn ich glaube, du hast viel von mir gelernt und wirst noch viel lernen… Wie meinst du, hättest du reagiert, wenn ich mich als dein Liebster oder dein Partner vorgestellt hätte? Ich schätze, deine Panik wäre noch viel größer gewesen, als sie ohnehin schon war. Es hätte dich noch wesentlich mehr Zeit und Energie gekostet,  aus deiner inneren Erstarrung aufzutauen, und es hätte eine noch größere Furcht und Qual bedeutet. Erst jetzt, wo du selbst das Bedürfnis spürst, mit mir zusammen sein zu wollen, wo du gelernt hast, mir zu vertrauen, ist es sinnvoll, dich diese Zusammenhänge wissen zu lassen. Siehst du das ein?”

Carina nickt. Ganz tief fühlt sie seine Liebe, seine Umsicht und sein großes Einfühlungsvermögen. Glücklich schaut sie ihn an. Sie weiß zwar noch nicht, wie das alles konkret weitergehen soll, aber das macht im Moment nichts. Sie weiß sich in seiner Liebe sicher. Sie weiß, er wird nichts fordern, nichts tun, was mit ihrem Herzen nicht im Einklang ist. Sie kann sich hinein fallen lassen in ihre Sehnsucht nach Geborgenheit, Zärtlichkeit und Nähe – ohne Angst, dass daraus etwas folgt, was sie fürchtet. Es tut so gut, von dem Druck erlöst zu sein, irgendwelchen Erwartungen zu entsprechen. Diese Haltung der Liebe von ihm lässt in ihr so freie zärtliche Gefühle entstehen, wie sie es sich vorher nie hätte vorstellen können. Und irgendwo ganz tief im hintersten Winkel ihres Herzens fühlt sie eine so innige Verbundenheit mit ihm, dass sie weiß, dass dieses Gefühl auch irgendwann seinen körperlichen Ausdruck finden wird.

Morgen wird die Geschichte fortgesetzt und läuft voraussichtlich bis Weihnachten

Hier geht es zu allen bisher erschienenen Kapitel zu dieser Geschichte, die Joel Mari in der Advents- und Weihnachtszeit erzählt –> Eine utopische Heilungsreise (Märchen) 

7. Eine utopische Heilungsreise: FURCHT UND Erleichterung

Joel hatte sich für die Weihnachtszeit eine Fortsetzungsgeschichte von wohlwollenden außerirdischen Meistern zum Thema „Macht – Angst – Vertrauen – Hingabe“ für Mari ausgedacht, das er ihr in Form eines Adventskalenders geschenkt hatte.

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Mari freute sich morgens schon immer darauf, ihren nächsten Umschlag zu öffnen. Sie steckte sich das heutige Schokoladentäfelchen in den Mund, trank Tee dazu und las gespannt wie es Carina weiter erging im Raumschiff mit ihrem Meister…

Am Morgen nach dem überraschend schönen Nikolaustag wird Carina zu René, dem Kommandanten, bestellt. Nervös läuft sie in ihrem Zimmer auf und ab. Um 11 Uhr soll sie sich bei ihm melden, sie hat noch eine halbe Stunde Zeit. Bisher ist sie ihm möglichst aus dem Weg gegangen, nachdem sie von ihrer Zimmernachbarin schlimme Gerüchte über ihn gehört hatte. Natürlich dämmert es ihr   inzwischen, dass dieser Wahrheitsgehalt sehr fraglich ist, aber der Schreck, den ihr dieses Gespräch versetzt hatte, sitzt noch immer in ihr. Meister René ist ihr irgendwie unheimlich. Dazu kommt seine Autoritätsfunktion als Kommandant. Sie hatte schon immer Angst vor Autoritäten. Was wird er nur von ihr wollen? Hatte sie sich etwas zu Schulden kommen lassen? Ob es um ihre mangelnde Kooperationsbereitschaft in den ersten Tagen geht? Oder ob doch noch ihre Fluchtgeschichte geahndet werden soll? Ihr Gedankenkarussel dreht sich immer heftiger… Dann fällt ihr Blick auf ihren Adventskalender, und sie befördert folgende Botschaft zu Tage:

Liebe Carina,
Du brauchst dich vor nichts und niemanden zu fürchten.

Du bist hier ganz sicher und gut aufgehoben.
Und wenn du Sorgen hast: Ich bin immer für dich da.
In Liebe Ramon

Ramon würde es nicht zulassen, dass ihr etwas Schlimmes geschieht. Etwas getröstet macht sie sich auf den Weg zu René. Der empfängt sie mit den Worten: “Na, da kommt ja unsere kleine Ausreißerin.” Angstvoll schaut Carina ihn an. Also geht es doch noch einmal um ihren Fluchtversuch. Aber wie ist dann das Lächeln in seinen Augen zu verstehen?

“Carina, du bist nun eine Woche hier, und ich freue mich, dass ich gestern zum ersten Mal ein Lächeln in deinem Gesicht gesehen habe. Ich weiß, du hast es in den ersten Tagen recht schwer gehabt. Die erste Woche war dazu da, dass jede Schülerin erst einmal mit ihrem persönlichen Ausbilder etwas vertraut wird. Ich weiß, dass es unter den Frauen einige sehr beängstigende Gerüchte gibt, was die Meister und besonders mich anbelangt. Nachdem ihr nun alle Gelegenheit hattet, eure Meister etwas kennenzulernen, ist es an der Zeit, dass ihr auch mich, euren Kommandanten und Gruppenleiter ein wenig kennenlernt, um euch selbst ein Bild zu machen, ob ihr hier bei mir im Raumschiff gut aufgehoben seid oder nicht. Dazu werde ich jede einzelne Schülerin nach und nach zu einigen Gesprächen zu mir bitten, damit wir miteinander vertrauter werden. Wenn ich dich also bitte, zu mir zu kommen, Carina, hast du keinerlei Grund, irgend etwas Negatives zu befürchten.”

Verlegen schaut Carina ihn an. Steht ihr ihre Angst so deutlich im Gesicht geschrieben?

René bietet Carina einen Tee an und bittet sie, ihm etwas über sich, vielleicht auch über ihr bisheriges Leben auf der Erde, zu erzählen. Egal was… das, was ihr gerade einfällt.

Nach der ersten Beklommenheit und Unsicherheit erzählt Carina zögernd von ihrer Familie, ihrem Beruf, der ihr viel Freude gemacht hat, und von ihrer kleinen Wohnung, die sie allein bewohnt. Während sie erzählt, erwacht das Heimweh wieder in ihr.

René legt seine Hand auf ihre Schulter und sagt tröstend: “Du wirst das alles wieder bekommen, Carina, und dann wirst du es noch viel mehr genießen können. Wie gut, dass deine Flucht nicht geglückt ist, denn dann hättest du dich wohl für eine längere Zeit nicht nach hause zurück getraut. Die Zeit hier wird schnell vergehen und angefüllt sein mit vielen interessanten, erfüllenden Erfahrungen. Du wirst zunehmend mehr Sicherheit bekommen und diese dann in dir tragen, wenn du nach Hause zurückkommst. Ganz sicher bringe ich euch wieder heim zur Erde – darauf gebe ich dir mein Wort!”

Nach diesem Gespräch fühlt sich Carina etwas erleichtert. Sie spürt, an den Gerüchten ist keinerlei Wahrheit. Eine leise Stimme in ihr flüstert: ‘Jemand, der so liebevolle Nikolausbilder verschenkt und der jeder Frau eine Gelegenheit einräumt, ihn kennenzulernen und sein Interesse und Mitgefühl zeigt, kann wohl kaum ein Sadist sein.’
Die andere Stimme der Angst mahnt jedoch: ‘Sei auf der Hut, du hast gehört, erst tun sie freundlich, und dann lassen sie ihre Maske fallen.’
Welcher Stimme soll sie Glauben schenken?
Wieder erinnert sie sich an die Worte Ramons: ‘Du kannst nur glauben, was mit deinen Erfahrungen übereinstimmt. Die mit der Zeit gemachten Erfahrungen werden dir helfen, dich nach und nach sicherer zu fühlen.’

Hatte nicht René so etwas ähnliches gesagt?

Auch an diesem Tag macht Carina nur noch angenehme Erfahrungen. Das Schönste ist eine von Ramon angeleitete Meditation, in der sie sich im Licht und Schutz ihres eigenen Herzens wiederfindet und tiefen Frieden und Geborgenheit spürt.

Morgen wird die Geschichte fortgesetzt und läuft voraussichtlich bis Weihnachten

Hier geht es zu allen bisher erschienenen Kapitel zu dieser Geschichte, die Joel Mari in der Advents- und Weihnachtszeit erzählt –> Eine utopische Heilungsreise (Märchen) 

45. Gedanken am Fenster

Joels Gedanken wandern… 

Joe schloss lächelnd die Keksdose und blickte aus dem Fenster. Bald würde Mari die Straße entlang kommen, nicht wissend, dass er sie von hier aus bereits sehen konnte.

Für heute hatte er sich etwas ganz besonderes ausgedacht.
 
Mal sehen, ob meine Überraschung tatsächlich die Wirkung hat, die ich mir erhoffe, überlegte er nachdenklich…
 
Seine Gedanken wanderten zurück zu den ersten E-Mails, die er mit ihr ausgetauscht hatte, und zu ihren ersten beiden Begegnungen, in denen sie ihm von ihrem Wunsch erzählte, ihre Furcht vor Männern, vor Körpernähe und schließlich auch vor Erotik abzubauen. An Auflösung wagte sie gar nicht zu denken, so stark war sie geprägt durch ihre Angst.
 
Und auch DAS, was sich für sie so seltsam widersprüchlich anfühlte, auch DAS hatte sie ihm anvertraut: nämlich  dass ihre Gedanken immer wieder um Fantasien von Macht und Gehorsam kreiste…
 
Dieser Aspekt fühlte sich für sie nicht gerade spielerisch leicht an, wie er bald bemerkt hatte im Laufe ihrer ersten Spiele, die sie miteinander spielten. Und dennoch zog es sie dorthin…Worin mag für sie dieser Sog bestehen?
Würde es sich irgendwann in all der Spannung auch lustvoll für sie anfühlen können?
 fragte er sich so manches Mal. Denn dass ihre Spiele für Sie immer wieder eine große Herausforderung darstellten, hatte er bald bemerkt. Auch für ihn war es eine spannende Herausforderung, denn er wollte sie gern in ihrem für sie so heiklen Anliegen unterstützen, und sie das fühlen lassen, was ihr Innerstes brauchte… und das war vor allem anderen besonders Vertrauen!
 
Inzwischen hatte er einige Fragmente aus ihrer Kindheit erfahren können, anhand derer er deutlich erkannte, dass sie schon als kleines Mädchen Dinge erlebt hatte, die es ihr schwer machten, unbefangen neue Herausforderungen anzunehmen, ganz besonders, wenn es um den Kontakt mit Männern ging, aber wohl auch sonst in anderen Bereichen des Leben. Es fiel ihr schwer, sich frei und neugierig auszuprobieren durch ihre alte, sie stark belastende Angst, etwas falsch zu machen, abgelehnt zu werden und zu versagen. Dennoch gab sie nicht auf, sich mit ihren Gefühlen anhand neuer Erfahrungen auseinanderzusetzen. Dafür achtete er sie.
Dass ihre Angst vor Autoritäten sie oft bis an die Grenze des Erträglichen brachte, war aus dem, was sie  bereits von sich erzählt hatte, deutlich erklärlich, obwohl es wahrscheinlich nur die Spitze des Eisbergs war, an das sie sich erinnerte.
 
Wahrscheinlich ist es für Sie wichtig, Autorität, also Macht, in einer neuen, für sie wohltuenden und heilsamen Weise zu erleben, in einer  bewusst angewandten und wohlwollenden Art und Weise… hatte er sich zu Beginn ihrer „Spiele“ überlegt.
Diese Macht wollte er gern für sie verkörpern! Denn er hatte selbst eine ganz eigene, facettenreiche Affinität zum Thema Macht, die er im Umgang mit Mari sehr  behutsam und an ihre Situation angepasst zum Ausdruck brachte.
 
Wenn man ihre Grundthemen als Säulen darstellen würde, so sah er sah zwei verschiedene Kraft-Säulen, bestehend aus zwei Sehnsüchten, und zwei Säulen, die es schwierig machten, vor seinem inneren Auge:
 
Die eine Kraftsäule war gebaut aus einer Mari sicher nur teilweise bewussten Sehnsucht nach Körpernähe und Erotik . Dieses Bedürfnis musste  ein starker Motor des Ganzen sein, überlegte er, der ihr die notwendige Energie gab, diesen Weg trotz aller Angst zu beschreiten und weiter zu gehen.
 
Die zweite Säule bestand aus ihrem Anliegen, Autorität auf neue, gute Weise zu erleben, um das Alte mit vielen neuen guten Erfahrungen von wohlwollender, gütiger Macht zu überschreiben. Auch diese Auseinandersetzung mit dem Thema „Macht und Gehorsam“ war eine große Herausforderung für sie, wie er immer wieder bemerkte, wenn er für sie  die symbolische Machtfigur des „Meisters“ einnahm. Welche Energie musste sie in sich tragen, um diesen Weg nicht aufzugeben, der ihr wohl wichtig war und gleichzeitig so schwer fiel…
Mehrmals war sie bereits in Angst und Panik verfallen, wenn er sie in der Rolle dieser Machtgestalt mit auch nur kleinen neuen Herausforderungen konfrontiert hatte. Glücklicherweise hatte er sie stets auffangen können, wenn sie drohte abzustürzen aus dem von ihr selbst gewählten Drahtseilakt.
 
Die beiden Säulen, die es schwer machten, bestanden aus den Bausteinen vieler verschiedener Ängste und Schamgefühle, die es Ihr erschwerten, dieses komplexe Anliegen mit den entsprechenden Bedürfnisse umzusetzen.
 
 Ja: Autorität, Erotik, Angst und Scham – das waren die Grundthemen, die sie spielerisch angehen wollte.
 
Oft sah er die nackte Angst vor allem Neuen in ihren Augen aufblitzen und in ihrem Körper zucken.
 
Glücklicherweise lässt sich die Angst bereits umarmen und dadurch mildern, freute er sich.
 
Er wollte auf diese vier Säulen ein schützendes Dach legen, aus Dachziegeln, die gebrannt waren aus Mitgefühl, Annahme, Güte, Geborgenheit, Wohlwollen, freundlichem Humor,  und einer ihm eigenen Bestimmtheit und Beständigkeit, die sie in ihrem Anliegen bei der Stange hielt.
 
 Ja, dachte er lächelnd, ich kann beharrlich darin sein, die von dir gewählten Ziele für dich im Auge zu behalten, du scheues zartes Reh!
 
Denn im Strudel der Emotionen, war ihr eigentliches Anliegen, was sie mit diesen so herausfordernden Spielen erreichen wollte, manchmal kaum noch fühlbar, und sie versuchte die Konfrontation mit der Ungewissheit, die sie als Übungsfeld brauchte, immer wieder mal wieder zu umgehen – zum Beispiel, wenn ihr wieder mal eine ihrer vielen Fragen innerhalb der Spiele herausrutschte, vermutete Joel schmunzelnd.
 
Aber dafür ist die Rolle des Meisters schließlich da, überlegte er weiter. Ich will dir gerne immer eine Hand reichen, auch als Meister, wenn dir eine Hürde zu hoch und eine Angst zu heftig erscheint….
 
Heute hatte er sich etwas besonderes ausgedacht, was dazu beitragen sollte, ihr den nächsten Schritt leichter zu machen. Denn dass es für Sie ein auffällig schwerer Schritt war, sich auf die Couch zu legen, war ihm schon seit einiger Zeit aufgefallen. Diesmal wollte er das nicht durch eine Anordnung durchsetzen – auch wenn das der Rolle des Meisters mehr entsprach, als die eher unauffällige, einladende Art und Weise, mit der er ihr heute diesen Schritt erleichtern wollte…
 
Das alles ist für dich schon schwer genug, dachte er voll Mitgefühl, und  empfand Achtung für den Mut und die Energie, die sie bisher auf diesem besonderen Weg hielt, der sie immer wieder an ihre Angst heran und durch sie hindurch führte, um dabei nach und nach die Erfahrung zu machen, einem Mann und vor allem auch sich selbst und den eigenen Gefühlen vertrauen zu können.
 
Na, Mari, lass dich überraschen, was ich heute mit dir vorhabe, dachte er schmunzelnd, als er sie zehn Minuten nach der verabredeten Zeit die Straße entlang eilen sah…

Was er für diesen Abend für sie geplant hatte, erscheint im folgenden Kapitel in zwei bis drei Tagen

Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge

8. Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne

Ein zweites Treffen: bei Mari, im Rollenspiel: Kann eine Hand eine Brücke sein?

Mari kam aus dem Bad und wollte sich gerade wieder auf die Couch setzen…

Doch die Stimmlage, in der Joel sie gerade ansprach, ließ sie in ihrer Bewegung sofort inne halten. Die bis eben recht entspannte Stimmung begann zu knistern.

„Mari, du wirst dich jetzt dorthin setzen und die Augen schließen.“

Hocker-1Ihr Blick folgte seiner Hand, die auf einen kleinen niedrigen Holzschemel wies, den sie sonst als Blumenbänkchen nutzte. Er hatte die Blumenvase, als sie vorhin in der Küche war, auf die Fensterbank gestellt. Ohne dass es ausgesprochen werden musste, war klar, dass das zweite Spiel begann.
Das erste war ja nur was Kurzes – sozusagen „zum Angewöhnen…“
Eine Adrenalinwelle schoss durch ihren Körper – ihr wurde heiß und sie fühlte, wie ihr Herz schneller schlug. Was würde jetzt kommen? 

Konnte sie sich wirklich darauf verlassen, dass er sich an die getroffenen Absprachen hielt?
Hatte er vielleicht doch eine Seite, die ihr gefährlich werden konnte… und wollte?

So gut kannte sie ihn doch noch gar nicht, um das abschätzen zu können, auch wenn sie sich schon mehrmals getroffen hatten und sie ihm viel erzählt hatte von ihren Bedürfnissen, Sehnsüchten und Grenzen.

Sie hatte nicht gedacht, dass schon der Beginn ihres neuen Weges, der sich in der Fantasie so viel schöner und leichter anfühlte, so angstbesetzt sein würde…
Wie von ferne hörte sie seine Stimme…

„Folge einfach nur dem, was ich sage! Setz dich dorthin und schließe die Augen, wenn du sitzt.“

Wie versteinert blieb sie stehen, während ihre Gedanken furchterregende Szenarien entwarfen. Konnte sie ihm wirklich vertrauen? Er war ja erst einmal hier gewesen… Er war ihr körperlich überlegen und könnte sie einfach…

Er stand aus seinem Sessel auf, kam langsam auf sie zu… Ihr Herz schlug noch schneller.
Da stand er auch schon vor ihr und… streckte ihr seine Hand entgegen.

Kann eine Hand eine Brücke sein?

Sie ergriff die angebotene Hand und stand direkt vor ihm.

Er nickte, schaute sie mitfühlend an, fragte: „So schlimm?“

Mari konnte nur leise flüstern: „Ja…“

Sacht zog er sie ganz an sich heran, nahm sie in die Arme und hielt sie – bis sich ihre Muskeln lockerten und sie die Umarmung auch mit ihrer Seele annehmen konnte.

In dem Moment flossen leise Tränen, sie schluchzte in sich hinein, verhalten, so wenig, dass sie hoffte, er würde es nicht wahrnehmen.

„Mari, du darfst weinen. Du darfst alles da sein lassen, was du fühlst. Es ist in Ordnung…“

„Da brach es aus ihr heraus: Ich kenne dich doch noch so wenig, ich bekam plötzlich Panik, es tut mir leid! Jetzt hab ich alles vermasselt…“

„Nichts hast du vermasselt! Ich verstehe dich, wir sind uns ja wirklich noch ziemlich fremd…
Und ich achte dich – besonders auch in deiner Angst. Welch großes Geschenk machst du mir und dir, dich trotz deiner Unsicherheit, mit all deiner alten Furcht vor Männern und körperlicher Nähe, auf diesen neuen Weg einzulassen.“

Dankbar nahm sie seine Worte auf, spürte die Wärme, die in seiner Stimme lag, und den Halt, den sein Arm ihr gab, den er um ihre Schultern gelegt hatte. Inzwischen hatte er sich mit ihr auf die Couch gesetzt. Langsam beruhigte sie sich.

„Okay, wenn du nicht inzwischen die Nase voll hast von mir, dann…“
Er unterbrach sie:
„Bitte rede nicht so von dir! Deine Gefühle brauchen unseremeine und deine – Achtung, Geduld und Liebe!“

„Ja, Meister!“ sagte sie und stand auf, um sich auf den ihr zugewiesenen Schemel zu setzen und sich auf das Spiel einzulassen.

Dies war der Moment, in dem er wirklich zu ihrem Meister wurde – indem sie ihn nicht nur im Kopf, sondern auch in ihrem Herzen als Meister für diesen Weg der geplanten Macht-Spiele und Vertrauens-Übungen annahm. Auch wenn das Vertrauen immer mal wieder heftig wackeln würde – ein erstes Pflänzchen war gesät.

Als sie auf dem Schemel saß und die Augen schloss, sagte er nicht: „Na bitte – geht doch!“ sondern…

„Gut gemacht, Mari!
Ja… aller Anfang ist schwer – aber…

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben.

Hermann Hesse wusste das – und auch wir werden es gemeinsam erleben…“

Zum nächsten Kapitel –> 9. „Leben – bitte, sei sanft mit mir!“

Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge