Auch berechtigte und angemessene Wut schadet uns selbst

Rechtfertigung ist eine Falle…

Sobald du gerechtfertigt Wut empfindest, dich ärgerst, enttäuscht oder verletzt bist, mixt du einen giftigen chemischen Cocktail in dir.

Das sind Gifte, die du selbst trinkst, und dabei erwartest, dass jemand anderes daran stirbt.

Unsere Körper unterscheiden nicht zwischen Zeiten, in denen wir recht haben oder falsch liegen.
Sie bekommen einfach dein Gift zu trinken.

In dem Moment, wo wir uns auf unser Herz fokussieren, synchronisiert es sich mit dem Kopf und dem Solarplexus, synchronisiert sich unser gesamtes System. Wir fühlen uns rund und ausgeglichen. Und das Schöne ist: da das Herz eine viel höhere Intelligenz als der Kopf hat, ist es in der Lage, negative Muster in unseren Neuronenbahnen zu durchbrechen,

Das ist so, weil das Herz mit der universellen Energie verbunden ist. Sobald du dein Herz aktivierst, bringst du es in Einklang mit deinem Kopf. Das bündelt deine Energien und dadurch wird alles viel machtvoller. Nimm Licht als Beispiel! In konzentrierter Form wird es zum Laser und hat unendlich viel mehr Kraft.

Subina Giuletti
(aus dem Buch: Verrat mir deine Träume)

75. Die Instanz, die so vieles verbietet…

Bei Mari

Nach einem gemeinsamen Spaziergang mit Joel, bei dem Mari wieder einmal in Kontakt kam mit ihrem Thema „inneres Verbot und Peinlichkeitsgefühle“ und dabei ihre innere Instanz spürte, die alles Ungewöhnliche als extrem bedrohlich empfindet, und deshalb versuchte, vieles, was normalerweise mit Lust und Spaß verbunden ist, zu verhindern, saßen Joel und Mari noch zusammen und sprachen darüber.
Er fragte sie: „Wer oder was in dir ist es, das dir verbietet und dir sogar Gefahr suggeriert, wenn du einfach tust oder zulässt, was sich interessant, faszinierend und spannend anfühlt? Wenn das ein Wesen wäre, wie würde es aussehen?“
Mari überlegte…
Er half ihr: „Kannst du dich nochmal in dieses Gefühl hinein versetzen, das du vorhin hattest?“
Sie dachte an die Situation und nickte.
„Wo spürst du es im Körper?“ Sie zeigte auf ihre Zwerchfellgegend.
Er nickte. „Okay, wenn du magst, leg doch mal sanft deine Hand darauf und schicke durch deine Hand Liebe in dieses Gefühl. Geht das?“
Mari legte ihre Hand auf diese Stelle und spürte, wie es in ihr ruhiger wurde und weniger vibrierte. „Es ist noch da, aber nicht mehr ganz so heftig.“
„Wenn dieses Gefühl ein Wesen wäre, ganz egal welches, ein Tier, ein Mensch eine Pflanze, oder was auch immer – was für ein Wesen wäre es? Welcher Impuls kommt dir ganz spontan?“
„Ein Kind. So sieben Jahre alt vielleicht… Aber es wirkt viel kleiner, fast so wie eine Puppe – allerdings ist ihr Gesicht hoch rot und irgendwie verzerrt.“
„Jetzt stell dir vor, du würdest es mit deinen Händen sanft aus dir heraus heben und vor dich auf den Schoß setzen. Vielleicht möchtest du die Beine hoch nehmen und sie hier auf der Couch leicht angewinkelt aufstellen, so dass es sich mit seinem Rücken an deine aufgestellten Knie anlehnen kann. Wie sieht sie aus? Wie wirkt sie jetzt auf dich?“
„Es ist ein zartes Mädchen, ein Schulmädchen mit einer Brille und einem ernsten Gesichtchen.“
„Was fühlst du, wenn du es ansiehst?“
„Oh, ich habe großes Mitgefühl, es wirkt so schmächtig und so ängstlich auf mich. Ich möchte ihr helfen, dass sie sich besser fühlt.“
„Tu, was immer dir einfällt, um ihr gut zu tun.“
„Ich nehme ihre Hände erstmal und halte sie zärtlich in meinen. Sie schaut ganz erstaunt. Dann streichle ich ihr über´s Haar, wische sanft ihre Tränen von den Wangen… und frage sie: „Kleines Mädchen, was bedrückt dich so?“
Es antwortet leise: „Dass ich nie weiß, was wirklich richtig ist, aber immer aufpassen muss, dass nichts Schlimmes geschieht. Ich bin schon so lange in dir und passe auf, dass wir nichts falsch machen, aber du tust nicht immer, was ich sage. Dann bekomme ich noch mehr Angst und versuche, stärker zu werden, lauter zu werden. Wir dürfen nicht so viel tun, was Lust und Spaß macht, sonst gibt es ganz viel Ärger, und der ist so schlimm, dass es die Zeiten der Freude und der Lust gar nicht ausgleichen können. Und die Schuldgefühle danach… die sind ja nicht zum Aushalten! Die verdunkeln alles Schöne und Bunte. Dabei habe ich so wenig Kraft und muss dennoch immer stark sein, sonst gehen wir unter im Meer des schlechten Gewissens! Weißt du noch, wie schlimm das früher immer war? So soll es nie mehr wieder sein!!!“

„Genau, mein lieber Schatz! Du sagst es: Das war früher! Aber jetzt bin ich groß. Jetzt sehe ich, dass die Werte der Großen von damals nicht meine Werte sind. Und deshalb brauchen wir keine Schuldgefühle mehr zu haben. Schau, ich bin doch inzwischen die Große, und du bist die Kleine! Ich bestimme jetzt über unser Leben, nicht mehr die Großen von damals. Und du brauchst dich jetzt nicht mehr zu sorgen. Ich hole dich jetzt aus der Sorgen-Tretmühle raus. Magst du in meine Arme kommen?“
Mit einer Geste nahm Mari das kleine unsichtbare Mädchen in ihre Arme und wiegte sie hin und her. „Alles ist gut, meine Kleine. Du bist jetzt nicht mehr zuständig für unsere Entscheidungen und Gewissensfragen. Das mache ich ab sofort selber. Du darfst dich jetzt ausruhen und einfach Kind sein. Das ist ganz wichtig, mein Schatz: Ab sofort entscheide ich allein, ich, die große Mari, was getan wird. Und ich richte mich dabei nach dem, was sich gut anfühlt, was für mich wahr ist und was meinen jetzigen Werten entspricht, nicht denen von Oma und Mutti und Papa damals. Du musst das alles nicht verstehen, aber du gibst die Entscheidung, was uns gut tut und was für uns wertvoll und lebenswert ist, ab an mich, hörst du? Ich bin die Große und du die Kleine. Ich hab dich sehr lieb und weiß, dass du bisher so gut aufgepasst hast, weil du uns vor Ärger bewahren wolltest und davor große Angst hattest, aber diesen Ärger gibt´s nicht mehr. Diese Gefahr ist schon lange vorbei. Die einzige, die sagen kann, was für uns stimmig ist und wertvoll, bin ich. Ich danke dir sehr für deine gute Absicht, aufzupassen, dass nichts Schlimmes passiert. Und nun darfst du spielen und damit aufhören, Kontrolle auszuüben, das tue ich jetzt!“

Liebevoll hielt Mari das kleine Mädchen, das bis eben noch die Rolle der Aufpasserin inne hatte, im Arm und strich ihr beruhigend über den Rücken… Schließlich sagte sie zu ihr: „Einverstanden? Du gibst mir das alles! Die ganzen Entscheidungen legst du nun in meine Hände und kannst einfach ausruhen, spielen, malen, alles was dir gut tut.“
Bei diesen Worten öffnete Mari ihre Hände wie eine Schale und stellte sich vor, wie das Mädchen ihre vermeintliche ganz große Aufgabe der Kontrolle in ihre Hände, also in die Hände der erwachsenen Mari, legte. Dann atmete sie tief und ließ das energetische Vorstellungsbild des kleinen Mädchens, das nun befreit lächelte, wieder zurück in sich hinein fließen.

„Es ist geschafft, Joel! Die Kleine in mir ist befreit von ihrer Last!“
„Wie fühlst du dich, Mari?“
„Seltsam leicht und irgendwie komisch.“
„Wie komisch?“
„So, als müsse sich in mir ganz vieles sortieren – in eine neue Ordnung kommen, die ich bestimmen kann. Ich habe mir dazu eben selbst die Macht erteilt, indem ich sie der kleine Aufpasserin abgenommen habe.“
„Wunderbar“, lächelte Joel. Dann bekräftige es nochmal, indem du einen Ich-Bin-Satz dazu machst und ihn laut vor mir als Zeugen aussprichst. Denn was in Gegenwart eines Zeugen gesagt wird, hat noch mehr Kraft.
Mari nickte, und kurz darauf sagte sie laut und voller Überzeugung:


„Ich bin die einzige und wahre Person in meinem Leben,
die entscheidet, was ich tue und lasse.
Ich erlaube mir, in Lust und Liebe zu leben,
wozu ich mich entscheide.
Ich darf das, und ich will das!“

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73. Notwendig? Hilfreich? Der Situation angemessen?

Bei Joel – Fragen zum Einordnen alter Gefühle

Zu Beginn des heutigen Spiels hatte Joel zu Mari gesagt:
„Gefühle von Angst, Scham und Peinlichkeit fühlst du ja oft. Deshalb denke ich, dass es sinnvoll ist, wenn wir uns mit ihnen in der nächsten Zeit ganz bewusst beschäftigen.
Es geht darum jedes Gefühl wahrzunehmen und eine Entscheidung darüber zu treffen, welche Bedeutung du ihm heute geben willst und bewusst mit ihm durch die Situation gehen.“

Joel brachte einen Stuhl und wies sie an: „Setz dich. Du wirst jetzt gleich nichts mehr sehen können. Das kennst du ja bereits, hatten wir ja schon mehrmals gemacht.“
Sorgsam darauf achtend, dass er ihr die Haare nicht in den Knoten des Tuches einklemmte, band er ihr ein Tuch um die Augen. „Wie fühlst du dich?“
„Etwas beklommen, unsicher.“ antwortete sie.
„Fühlt sich das schlimm an?“
„Nein, nicht wirklich schlimm.“
„Was macht das Schamgefühl wegen der aufgeknöpften Bluse?“
„Ist noch da“
„Stärker oder weniger stark?“
„Stärker“
„Du merkst, mit verbundenen Augen fühlt man intensiver.
Er trat hinter sie. Maris Unbehagen verstärkte sich in diesem Moment.
Dann legt er mit einem angenehmen Druck seine warmen Hände auf ihre Oberarme. „Das tut gut.“ sagte sie leise.
„Ja, ich weiß, mit dem Berühren und Halten deiner Arme vermittele ich dir Geborgenheit und Schutz. Dadurch wird das andere weniger heftig, stimmt´s?“ Sie nickte und fühlte sich verstanden.

Als sie sich etwas entspannt hatte, trat er wieder vor sie, nahm das Tuch ab und erklärte ihr: „Keine Angst, ich binde dir jetzt die Hände zusammen, aber so locker, dass du es jederzeit lösen kannst. Halte sie mal zusammen vor deinen Körper. Auf Maris Schoß wickelte er nun ein Tuch um die Hände, so dass sie es gut sehen konnte. Und noch bevor sie in Angst geraten konnte, sagte er: „So, und nun probiere es selbst aus, ob du sie leicht auseinander bekommst, wenn du es willst.“ Und sie machte die Erfahrung, dass die Hände sich leicht aus dem Tuch heraus lösen ließen.
„Es geht nur um ein spielerisches Herantasten an das Gefühl, was dadurch ausgelöst wird. Wie fühlst du dich?“
„Etwas unbehaglich, nicht wirklich Angst, aber so ein bisschen in die Richtung.“
„Erträglich?“
„Ja.“
„Keine Angst, jetzt kommen die Füße ans Stuhlbein. Auch mit einer Bindung, die du sofort lösen könntest.“ Ganz ruhig, als wäre es die selbstverständlichste Sache der Welt, band er nun auch ihre Fußgelenke an die Stuhlbeine.
„Wie fühlst du dich? Hände und Beine sind bewegungsunfähig, aber du bist nicht hilflos, denn du könntest sie lösen.“
„Ich spüre das sehr deutlich, und ein etwas stärkeres Angstgefühl entsteht.“
„Okay, Mari, dein Körper nimmt wahr, dass da was ist, was sonst nicht so ist. Aber du weißt, du könntest dich sofort aus der Situation befreien. Du fühlst zwar die momentane Bewegungsunfähigkeit der Arme und Beine, aber du bist nicht hilflos. Ist ja alles spielerisch. Ist also ein realer Grund für Angst da?“
„Nein.“
„Wie geht´s dir jetzt, wo du dir das bewusst gemacht hast?“
„Besser.“

„Jetzt das Ganze mit verbundenen Augen. Du weißt, du könntest dich jederzeit lösen.“
Er trat hinter sie und band vorsichtig, dass es nicht ziepte, ein Tuch um ihre Augen.
„Wie ist es? Wie fühlst du dich?“
Mari begann leicht zu zittern. „Ich spüre das eben noch leichte Angstgefühl jetzt intensiver, spüre auch deutlicher die Bindungen.“
„Okay, alles ist in Ordnung, Das ist deshalb, weil du nichts siehst, da fühlst du intensiver. Du spürst sicher auch meine Hände jetzt deutlich.“ Mit einem wohltuenden Druck massierte er ihr die Schultern.
„Und jetzt? Wie fühlst du dich dabei?“
„Besser.“
„Du weißt und spürst an meinen Berührungen: Hier ist nichts wirklich gefährlich. Das sind alte Angstgefühle, die im Körper gespeichert sind. Es ist in Ordnung, dass sie da sind, aber du triffst die Entscheidung, Mari. Die Frage, die sich in solchen und ähnlichen Situationen immer wieder mal stellt, lautet:

Ist das, was du fühlst, also z.B. deine Angst oder deine Scham notwendig, um dich vor einer realen Gefahr zu schützen? Hilft es dir bei dem, was gerade ist? Und ist es angemessen, also passend zu deinen Wünschen, deiner Reife, deinem Wissen und deinen Entscheidungen in der aktuellen Situation?
Kurz: Ist dieses Gefühl, was gerade da ist, JETZT notwendig, hilfreich und angemessen?“

Mari schüttelte den Kopf und sagte leise: „Nein, eigentlich nicht, es gibt keine reale Gefahr und auch nichts wirklich Falsches.“
„Okay. Willst du dich nach dem Angstgefühl richten, oder willst du dieses Experiment, das wir beide hier machen, weiter machen?“
Sie zögerte einen Moment und entschied dann: „Ich will weiter machen.“
„Was macht das Schamgefühl?“
„Hab gerade nicht mehr so dran gedacht, eben waren die angenehmen Berührungen deiner Hände auf meinen Schultern im Vordergrund.“
„Und ich wette, dass die Füße angebunden sind, hast du auch schon vergessen.“
„Ja, stimmt“, sie lachte.
„So, nun machen wir mit den Händen noch was anderes: Ich löse die Bindung, und du nimmst sie mal hinter die Stuhllehne.“
Dort band er sie wieder mit dem Tuch zusammen.
„Wie fühlt sich das an?“
„Weitaus unangenehmer.“
„Ja, vor dem Körper könntest du noch irgendwas machen mit den Händen, sie vor dich nehmen, sie höher oder tiefer halten… So bist du noch mehr fixiert.“
„Und es verstärkt auch das Schamgefühl, weil ich vorher die Arme vorn vor meiner Brust hatte und sie jetzt so ungeschützt ist.“
„Nochmal die Frage:
Sind Angst- und Schamgefühle jetzt notwendig, hilfreich und der Situation angemessen?
„Nein, ich weiß, es ist hier keine reale Gefahr, und ich mache auch nichts falsch, wofür ich mich schämen müsste. Wir sind zu zweit, und ich hab mich zu diesem Weg mit dir bewusst entschieden. Da gibt´s eigentlich nichts, wofür ich mich schämen müsste, auch wenn es sich so anfühlt. Und hilfreich sind sie wahrlich nicht.“
„Es ist alles okay, sie sind da, und es ist wichtig, dass du sie wahrnimmst, aber du musst dich nicht nach ihnen richten. Das ist der wesentliche Faktor dabei.“

Nach diesen Worten löste er alle Tücher und sagte sanft: „Damit ist es dann auch genug für heute.“
„Wie geht es dir?“
Sie knöpfte ihre Bluse zu, dehnte und bewegte sich und spürte in ihre Arme und Beine hinein. „Eigentlich ganz okay“, meinte sie erstaunt. „Besser als ich anfangs vermutet hätte. Es tat mir gut, dass du mich darin unterstützt hast, meine Gefühle wahrzunehmen, mich zu fragen, ob sie hier und heute notwendig, helfend und angemessen sind. So konnte ich dann schließlich mit ihnen weiter machen, ohne sie abzulehnen und ohne mich von ihnen beeinflussen zu lassen.“
„Wie schön“, lächelte Joel, „wir sind auf einem guten Weg…“ Er reichte ihr die Hand, zog sie von ihrem Stuhl, nahm sie in die Arme und flüsterte ihr ins Ohr: „Das Spiel ist beendet.“

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Was würde ich tun, wenn ich Gott wäre und als Gestalt zur Erde käme… ?

Die folgenden Gedanken kamen mir ausgelöst durch die Frage von Eljin: „Wenn du Gott wärst und dich hier auf der Erde umsehen würdest, heute… wolltest du den Menschen dann helfen oder würdest du dich wortlos abwenden?“

Wenn ich Gott wäre und in Menschengestalt herkäme, würde ich meine Arme weit öffnen und jedem – unabhängig von dem, was er je getan hat – der in meine Nähe kommt, eine Umarmung anbieten, wissend dass in meinen göttlichen Armen die Menschen sich der Liebe gewahr werden würden, die in ihren Herzen oft hinter Mauern des Schmerzes, der Angst und der daraus oft entstehenden Wut verborgen ist.
Allein meine geöffneten Arme und der Blick meiner liebenden Augen würde die Menschen ihre Sehnsucht nach Liebe spüren lassen, und sie würden dadurch meine Einladung, sich von mir umarmen zu lassen, annehmen.
LiebeSie würden so viel Kraft und inneren Frieden in meiner göttlichen Umarmung erhalten, dass sie dabei ihre eigene Liebe, die auf diese Weise in ihnen aufgetaut werden würde, fühlen, leben, ausstrahlen und weiter geben würden.
Und ich würde mich vervielfältigen und gaaaanz viele Menschen umarmen, damit die Liebe sich überall verbreitet und alle Situationen auf Erden erfüllen und dadurch heilen würde.
Hmm bei dieser Vision wird mir ganz warm ums Herz…

67. Gespräch mit der inneren Meisterstimme (2): IAM – ICH BIN deine tiefste Kraftquelle

Mari tippt in ihren Laptop:

Hallo, DU Stimme in mir, die neulich, als ich nicht schlafen konnte, mit mir gesprochen hat. bist DU da?

Ja, Mari, ICH BIN da.
ICH sagte es dir ja schon heute Nacht: ICH BIN immer da. Du kannst dich jederzeit an MICH wenden. Du brauchst nur an MICH zu denken und schon BIN ICH für dich präsent.


Wer oder was bist DU?
Was verkörperst DU?
Was willst du von mir?
Wie kann ich DICH anreden?
Hast du einen Namen?


Wenn ich einen Mund hätte, würde ich jetzt lächeln, Mari, so viele Fragen auf einmal…
Wir wissen ja beide, dass du oft und gern Fragen stellst – und… für MICH ist das völlig in Ordnung. Es ist eine Möglichkeit, dass wir uns näher kommen. Denn es ist ja dein tiefer Wunsch, oder genauer gesagt: die tiefste Sehnsucht in dir, MICH immer deutlicher in dir zu spüren und dich EINS mit mir zu fühlen.

Gespannt nahm Mari die sich seltsam gut anfühlenden Gedanken wahr und konnte sogar fühlen, wie diese Stimme lächelte.

Wie kann ich DICH denn anreden? fragte sie nach innen. Ich will doch nicht nur „Hallo DU“ schreiben! Wer oder was bist DU?

Nun, Mari, ICH gebe dir gern jetzt einige Antworten auf deine Fragen:

ICH BIN DAS, was du wirklich brauchst.
ICH BIN DER, der dir Halt, Kraft und Sicherheit vermittelt.
ICH BIN DIE, in der du dich geborgen und behütet fühlen kannst.
ICH BIN die tiefste und reinste Energie der Liebe in dir.
ICH BIN DAS von dir, das ganz und gar im Vertrauen und in der Liebe ist
und dessen tiefstes Ansinnen lebendige Güte ist.
ICH BIN das „ICH-BIN“ – ICH BIN du in Vollendung.

Nenne mich deshalb einfach
I AM – ICH BIN –

und setze es als Namen zusammen: IAM

Okay… Mari richtete sich in ihrer Sitzhaltung auf, nahm einen tiefen Atemzug,
und sprach in ihr INNERSTES hinein:
Hallo, IAM, danke , dass DU DICH für mich bemerkbar gemacht hast.

Das konnte ICH tun, weil die Zeit dafür reif ist und du die dazu nötige Bereitschaft und Offenheit nun in dir trägst.
Erinnere dich, wir hatten schon mal Kontakt miteinander, nur dass das nicht schriftlich, sondern rein gedanklich geschah.

ICH verrate dir aber eines:
Wenn wir miteinander schreiben, ist das ein weitaus kraftvolleres Miteinander, als wenn du MICH nur in deinen Gedanken berührst.
Du wirst manchmal denken: Was soll ich sagen oder fragen…?

Was soll jetzt schon kommen…?
Und wenn du dich dann doch hinsetzt und einfach nur beginnst, den Gedanken aufzuschreiben, der dann gerade „da“ ist, komme ICH dazu und unser Miteinander beginnt. Da wir das ab dem Moment gemeinsam tun, in dem du dich an MICH wendest, wird es immer zu etwas führen, was du dir vorher nicht hast denken können, denn ICH BIN ja dann mit meiner Schwingung dabei. Probiere es aus – von Mal zu Mal – und ICH verspreche dir: Du wirst jedes Mal aufs Neue überrascht sein!


Und überrascht war Mari auch jetzt. Oh ja, sie war neugierig geworden und wollte diesen neuen Kontakt nun möglichst oft aufnehmen…

Danke, IAM, wir schreiben bald weiter!

Zu allen Kapiteln –> des Dialoges mit der inneren Meisterstimme



58. Erstes Spiel im neuen Jahr (1)

Bei Joel – erstes Treffen im Januar 

Heute besuchte Mari ihren Spielpartner Joel zum ersten Rollenspiel im neuen Jahr. Aufgeregt stand sie vor seiner Tür und klingelte.
Fröhlich öffnete er die Tür, nahm ihr die Jacke ab und meinte dann im Wohnzimmer zu ihr: champagner_0011„Weißt du was, bevor wir mit dem Spiel beginnen, lass uns nochmal auf das neue Jahr anstoßen.“
„Gerne“, lächelte Mari und nahm das gefüllte Sektglas entgegen.
„Auf viele spannende und… schöne Erlebnisse, Mari!“
Vorsichtig stieß sie an das Glas, das er ihr entgegen hielt und nickte.
„Was wünschst du dir für unsere Spiele im neuen Jahr?“ fragte er sie.
Mari überlegte… Schließlich antwortete sie: „Dass es uns beiden gut geht damit.“
Aufmerksam schaute er sie an. „Was brauchst du, damit es dir gut geht, wenn wir spielen?“
Was sollte sie dazu sagen…
Er half ihr: „Wann fühlt es sich richtig gut an für dich, Mari?“
„Wenn es mir gelingt, so viel Vertrauen zu fühlen, dass die Angst nur klein ist.“
„Wie wäre es, wenn du dir wünschtest, gar keine Angst zu haben?“ wollte er wissen, zwinkerte und sagte: „Übrigens: das Spiel beginnt.“
„Das kann ich mir kaum vorstellen“, bekannte sie.
„Kannst du nicht, oder willst du nicht?“ fragte er und sah sie prüfend an.
„Warum fragst du das?!“ mit einem leisen Klirren stellte sie das Sektglas auf den Tisch.
„Meine Frage ist durchaus ernst gemeint“, erklärte er ihr, nahm ihr Hand und setzte sich mit ihr auf die Couch. „Gehört eine Spur von Angst nicht zu unseren Spielen dazu?“ Er machte eine beschwichtigende Geste… „Keine wirkliche, keine belastende Angst meine ich, sondern eine, die  leicht auszuhalten ist, die die Spannung steigert und die Entspannung danach, wenn das Spiel sich dem Ende zuneigt,  deutlicher fühlbar macht – nennen wir sie „Aufregung“ oder „Kribbel“, ist das besser annehmbar?“
Mari fühlte sich ein bisschen wie ertappt. „Ja, ich glaube, da ist schon was dran“, gab sie zu.
„Siehst du, Mari, das wollte ich hören! Es ist gut, wenn dir bewusst ist, dass du es bist, die das so will, damit es spannend und aufregend wird. Deshalb würdest du mich in der Rolle des „Meisters“ in unseren Spielen doch gar nicht immer nur butterweich und gähnend berechenbar haben wollen, richtig?“ Er wartete auf ihre Antwort.
Sie nickte.
„Ich will eine Antwort von dir hören, Mari.“
„Ja…“
„Wozu sagst du ja?“
Es fiel ihr schwer, es auszusprechen, sie suchte nach Worten… „Ja, ich bin bereit für etwas Aufregung in unseren Spielen.“
„Mari, es geht darum, dass du vor dir selbst und vor mir dazu stehst, dass du das willst.“
„Okay! Ja, ich will ein gewisses Maß an Aufregung, und ich will mich mit meiner Angst konfrontieren in unseren Spielen! Aber ich will auch immer wieder dabei erleben, dass meine Angst sich auflöst!!!“
„So soll es sein!“ bestätigte Joel. „Und daran, dass du das so willst, denke auch dann, wenn du die Angst oder sagen wir die Aufregung etwas intensiver spüren solltest.“

Mit einem Ruck zog er ihre Hand, die er bis eben ruhig in seiner gehalten hatte, um ihren Körper herum, so dass sie sich nach einer viertel Drehung ihres Oberkörpers plötzlich mit ihrem eigenen Arm, der um sie selbst herum lag, fast bewegungsunfähig, dicht an ihn gelehnt, wieder fand.  Und sie vernahm dicht an ihrem Ohr die Worte: „Nun bist du meine Gefangene! Na, wie fühlt sich das an?“

Was Mari darauf antwortet, und wie das Spiel weitergeht, erscheint übermorgen.

Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge

57. Die Kraft fürs neue Jahr: Der Beschluss zu vertrauen siegt über die Angst

In einem Ferienhaus für ein Vertrauensritual zum Jahreswechsel

Nach einem Ritual mit den vier Naturelementen, denen Mari jeweils einen Wunsch und eine Angst übergeben hatte, erklärte ihr Joel, der hier im Haus, in dem sie kurzzeitig wohnten, für sie in diesem Rollenspiel die Meisterrolle übernommen hatte: „Ein Schritt fehlt noch.“
Mari schaute ihn fragend an.

„Bist du bereit für die letzte Sequenz dieses Rituals?“
„Ja“, antwortete Mari etwas zögernd. Was sollte jetzt noch kommen?

Joel nahm sie bei der Hand und führte sie zum Sofa.
„So, Mari, leg dich jetzt bitte auf den Rücken, schließe deine Augen, und nimm die Arme hinter deinen Kopf.“
Mari schaute ihn nervös an.
Er wusste, dass es ihr nicht leicht fallen würde, seiner Anweisung zu folgen. Deshalb fügte er hinzu: „Du brauchst keine Angst zu haben, dass ich etwas tue, was für dich irgendwie schlimm oder grenzüberschreitend wäre. Auch wenn du dich in einer für dich nicht so behaglichen Weise hin legst, bist du ganz sicher, Mari, darauf kannst du vertrauen.“

Seine Aufforderung erinnerte sie an ein für sie sehr herausforderndes Spiel, das noch gar nicht so lange war. Darin hatte sie sich bereit erklärt sich von ihm an den Händen fesseln zu lassen. Es war ihr nach einigen Hürden gelungen, das zuzulassen, und er war mit ihren Ängsten und Widerständen sehr geduldig und ermutigend umgegangen. Sie wollte so gern dieses Mal wenigstens etwas besser vertrauen können… So fasste sie sich ein Herz und legte sich hin. Würde er sie heute hier an diesem unbekannten Ort etwa auch fesseln wollen? Doch wahrscheinlich würde er ihr keine Antwort geben, wenn sie ihn danach fragen würde…

Joel nahm ihr inneres Ringen wahr, hockte sich vor die Couch, um ihr durch seine Nähe Halt zu geben, und wartete ab.
Sie lag auf dem Rücken und hatte inzwischen die Augen geschlossen. Ihre Arme lagen allerdings noch immer seitlich neben ihr…
Er ließ ihr Zeit und wartete weiter, ohne etwas zu sagen.
Sie hatte so stark den Wunsch, es heute anders zu machen als beim letzten Mal, aber es fiel ihr sehr schwer, die Arme nach hinten zu legen… Und schließlich gelang es ihr, sich dazu überwinden.

„Sehr gut Mari, das hast du toll gemacht!“ lobte er sie. Er wusste, dass es eine Herausforderung wahr und schenkte ihr Anerkennung, dass sie die Hürde diesmal aus eigener Kraft genommen hatte. „Und nun entspann dich, es wird dir nichts geschehen.“

Mari blieb zwar liegen, aber von Entspannung konnte keine Rede sein.
Er legte ganz sanft eine Hand auf ihren Bauch. Als sie das wahrnahm, stieg ihr Aufregung.
Noch heftiger wurde sie, als er ihr T-Shirt etwas nach oben schob, so dass ein Teil ihres Bauches frei wurde.

Es kostet sie starke Überwindung, aus der Position nicht auszusteigen und aufzuspringen von der Couch. Angstvoll hielt sie die Luft an. „Ganz ruhig, Mari“, redete er ihr zu. „Alles ist gut. Du kannst zwar nicht sehen, was ich tue, aber du kannst fühlen, dass ich dir nicht weh tue und auch nichts Übergriffiges tue, oder?“
„Ja“, flüsterte sie und dachte …noch! Wer weiß, was noch kommt…
„Und so wird es auch bleiben, selbst, wenn ich deinen Bauch berühre.“

Er legte tatsächlich wirklich nur ihren Bauch frei, alles andere blieb gut bedeckt.
Sie fragte sich: Was wird jetzt kommen? Was wird er hier mit mir machen,? Und hier sind wir ganz allein, ich kann ja nicht weg, habe kein Geld, kein Handy…
Sie griff mit ihrer Hand nach seiner Hand. Er nahm sie und drückte sie beruhigend. „Alles ist gut, Mari! Jetzt nicht erschrecken… Was ich jetzt tue, könnte sich gleich etwas feucht an fühlen, aber es ist ganz harmlos“, versicherte er ihr.
Ihre Atmung beschleunigte sich…
Etwas Kühles berührte nun ihren Bauch. Es fühlte sich tatsächlich ganz weich und soft an und glitt mehrmals in Kurven über ihre Haut.
Mari spannte ihren Bauch an und setzte ihre ganze Willenskraft ein, liegen zu bleiben und nicht auf zu springen und ihrem Fluchtimpuls zu folgen. Was mochte das sein auf ihrem Bauch?
Es fuhr in sanften Kurven mehrmals über ihren Bauch. Manchmal nahm er es kurz weg und setzte wieder neu an. Mari richtete ihre ganze Aufmerksamkeit auf ihren Bauch. Gerade als sie dachte: Lange kann ich das nicht mehr aushalten, gleich sage ich Ampel ROT!  hörte sie, wie er sagte: „So, fertig! Nun darfst du deine Augen wieder öffnen.“

Erleichtert nahm sie einen tiefen Atemzug und öffnete die Augen. Da sie ja auf dem Rücken lag, konnte sie nicht sehen, was da auf ihrem Bauch vor sich ging.
„Jetzt kannst du dich aufsetzen und darfst dich frei bewegen“, sagte Joel und gab ihr seine Hand zum leichteren Aufrichten.“
Sofort setzt sie sich, schaute auf ihren Bauch und war erstaunt und berührt von dem Anblick:
Er hatte ihr das von ihr gezeichnete Symbol, das alle vier Wünsche, die sie den Elementen übergeben hatte, in sich vereinte, auf den Bauch gemalt. Jetzt erklärte er ihr: „Keine Angst, es sind Lebensmittelfarben. Die sind nach zwei bis dreimal duschen wieder verschwunden.“

Bewegt strich sie sanft über ihren Bauch und meinte: „O Joel, dass du mir mein Wunscherfüllungssymbol auf den Bauch gemalt hast… das ist eine wunderbare Überraschung! Und  ich war so angespannt… Da hätte ich ja wirklich keine Angst haben müssen! Du hast mir mein  Symbol auf dem Bauch gemacht… Wow!“
„Ja“, lächelte er. Jetzt trägst du es ins neue Jahr hinein, eine Kraft, die dich vom Alten ins Neue begleitet.“
Plötzlich durch strömte sie ein tiefes Glücksgefühl, und sie umarmt ihn
„Das ist so wunderbar, Joel! Ich bin so froh, dass ich liegen geblieben bin, obwohl es meine ganze Überwindung gekostet hatte.“
„Ja, das war ein großer Schritt, und du warst sehr mutig, wenn wir betrachten, wie groß deine Angst in dieser Berührungsthematik ist. Das finde ich großartig!“ meinte er. „Und so wie heute wird es immer sein innerhalb dessen, was wir miteinander erleben. Es mag sich vieles erst verunsichernd, seltsam und so manches Mal auch herausfordernd anfühlen, aber es wird immer wieder mit dem Ergebnis enden, dass du, so wie eben gerade, feststellen wirst ´…eigentlich hätte ich gar keine Angst haben müssen´. Dadurch wird dann die Angst nach und nach immer weniger werden. Und vielleicht kannst du das irgendwann auf´s ganze Leben übertragen. Dafür haben wir ja mit dem Ritual auch viele gute Kräfte mobilisiert.“

Lächelnd öffnete er seine Arme und Mari folgte dieser einladenden Geste. Sie drückte ihn ganz fest an sich, und fühlt eine  tiefe Dankbarkeit für dieses tiefe Erlebnis. „Jetzt habe ich das Kraftsymbol für die Erfüllung aller meiner vier Wünsche vereint auf meinem Bauch… Und selbst wenn es irgendwann abgewaschen ist, diese Erinnerung daran wird bleiben – gerade weil sie mit so intensiven Gefühlen verbunden ist!“

„Ja, so kann das neue Jahr kommen“, sagte er mit einem Blick auf die Uhr, denn in ein paar Minuten wurde es Mitternacht…
Langsam lösten sie sich aus der Umarmung. Und während Mari ihr T-Shirt wieder in die Hose steckte, ging er in die Küche, um kurze Zeit später, gerade rechtzeitig bevor die Uhr Mitternacht schlug, mit zwei Sektgläsern wieder zu kommen.

„Auf ein liebevolles Jahr 2021!“

2021

Geschrieben von Rafael und Miriam

Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge

Ein Gedanke zu Weihnachten

Leuchten will es vor allem im Herzen,
dann ist es mehr als nur Licht der Kerzen.
Es wird zum hellen Hoffnungsschimmer,
dass die Liebe lebendig ist für immer.
Helga Schäferling

Immer öfter und immer tiefer den Schimmer in uns zu fühlen,
dass die Liebe in mannigfaltiger Weise lebendig ist,
und sie immer bewusster, mutiger und kraftvoller auszudrücken,
wünscht dir und uns allen
eure Miriam

50. Wenn… – …dann (2)


Bei Mari – Eine Übung in Selbstwahrnehmung und Selbstakzeptanz (2)

Mari saß mit Joel auf der Couch und hatte die Aufgabe, mit geschlossenen Augen die von ihm gegebenen Satzanfänge spontan zu vollenden. Sie taten dies schon ein Weilchen und nach einer kleinen Pause ging es nun weiter. Maris Hände lagen auf seinen nach oben geöffneten Handflächen zum Zeichen dafür, dass er alles annahm, was sie ihm anvertraute.

„Wir machen es genau so wie vorhin, Mari. Das hast du bisher sehr gut gemacht. Bist du bereit? Es gibt weitere Satzanfänge.“

Sie nickte und Joel sagte: „Wenn ich mich verstanden und angenommen fühle, dann…“
Und Mari vollendete den Satz: „…brauche ich nicht so viel Angst zu haben.“
Einen weiteren Satz begann Joel: „Ich habe Angst vor…“ – Und Mari antwortete: „…Kritik und Strafe.“
„Kritik und Strafen sind deshalb so schlimm, weil…“ – „ich mich dann so unzulänglich und beschämt fühle.“
„Strafen hier in diesen Meisterspielen sind deshalb so schlimm, weil…“ – „…ich mir soviel Mühe gebe und dennoch manchmal Regeln übertrete.“
„Das Übertreten von Regeln ist für mich so schlimm, weil…“ – „…ich alles richtig machen will.“
„Wenn es mir nicht gelingt, alles richtig zu machen, dann…“ – „…schäme ich mich so sehr.“

Mari stieg die Schamesröte in den Kopf. Am liebsten würde sie die Übung jetzt unterbrechen, aber sie hielt tapfer ihre Augen geschlossen und wartete auf den nächsten Satzanfang.

„Wenn ich mich schäme, wünsche ich mir…“ – „…dass das nicht geschehen wäre, wofür ich mich schäme.“
„Wenn ich mich schäme, wünsche ich mir von meinem Meister…“ – „…dass er mich umarmt und mir sagt, dass alles gut wird.“

Joel beugte sich vor und flüsterte Mari zu: „Mari, alles ist gut. Die Umarmung bekommst du nachher – versprochen! Jetzt machen wir aber hiermit erst noch ein bisschen weiter.“

Dann gab er ihr wieder etwas lauter den nächsten Satzanfang:
„Wenn ich mich schäme, wünsche ich mir von mir selbst…“ – „…dass ich fühlen kann, dass es keinen Grund gibt, mich zu schämen! Dass ich fühlen kann, dass ich in Ordnung bin mit allem was in mir ist! Dass ich eine Stimme in mir habe, die ich deutlich wahrnehmen kann und der ich glauben kann, dass ich in Ordnung bin! Dass ich so stark bin, dass ich auch vor Fehlern und Strafen keine Angst mehr habe und…“

„Stopp, Mari,“ sagte ihr Meister an dieser Stelle nicht sehr laut, aber deutlich und bestimmt.
„Wiederhole bitte die letzten Worte, die du eben sagtest.“

„Dass ich so stark bin, dass ich auch vor Fehlern und Strafen keine Angst mehr habe?“

„Ja, genau das. Und nun nimm das Wort „dass“ am Anfang des Satzes weg und fang an mit Ich bin…“

„Ich bin so stark, dass ich auch vor Fehlern und Strafen keine Angst mehr habe.“

„Wie ist das, wenn du vor Fehlern und Strafen keine Angst mehr hast?“

„Ich bin dann so stark, dass ich Fehler und Strafen leicht annehmen kann.“

„Wunderbar! Sag das noch einmal und stell dir vor, all deine inneren Anteile sitzen vor dir wie in der Schule, und du erklärst es ihnen!“

„Ich bin so stark, dass ich Fehler und Strafen leicht annehmen kann.“

Und sag es so laut und deutlich, dass sie alle es gut hören und glauben können.

„Ihr alle in mir! Hört mir jetzt gut zu:
Ich bin so stark, dass ich Fehler und Strafen leicht annehmen kann.“



„Nun kannst du die Augen öffnen. Mari, die Übung hast du prima gemacht!“

Mari atmete tief, öffnete ihre Augen und sah direkt in Joels lächelndes Gesicht.

„Toll, dass du das durchgehalten hast bis hierher!“

Sie freute sich über seine Anerkennung und bekannte: „Es gab einen Punkt, da hätte ich fast abgebrochen, weil ich es nur noch schwer aushalten konnte…“

„Und dennoch hast du weiter gemacht, Mari! Wunderbar! Deine Stärke wächst!“
Joel legte seinen Arm über die Rückenlehne der Couch und schaute Mari einladend an.
Sie lehnte sich in seinen Arm, und er strich sanft über ihre Wange. „Mari, ich weiß, dass du dir immer sehr viel Mühe gibst und alles so gut machst, wie du es kannst – und dass das nicht leicht ist bei all den vielfältigen und oft auch widersprüchlichen Gefühlen, die du in dir trägst. Du wirst dich daran gewöhnen, dass du nicht alles richtig machen kannst – hier nicht und im ganzen Leben nicht. Und auch daran, dass das Folgen hat. Das ist für jeden Menschen so. Deshalb wird es hier auch immer wieder einmal Gelegenheiten geben, zu üben, dass du nicht perfekt sein kannst und dass es dafür Ausgleich gibt. Und auch in den Situationen, in denen du nicht eindeutig eine Regel verletzt hast, sondern dich für irgendetwas schämst und schuldig fühlst, werde ich dir eine Ausgleichsmöglichkeit geben, damit du das dann leichter wieder loslassen kannst. Hast du das verstanden, Mari? Die kleinen Strafen, die ich dir gebe, sollen dir helfen, deine Scham loszulassen. Sie sollen dich nicht noch mehr beschämen!“

Mari nickte. „Ich hoffe, es gelingt mir, in den Momenten daran zu denken, Meister.“

„Ich werde dich, wann immer es nötig ist, daran erinnern und auch daran, dass du so stark bist, Fehler und Strafen gut annehmen zu können.“

Dann umarmte er sie und flüsterte ihr ins Ohr: „Das Spiel ist vorbei.“

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47. Die Seile (1)

 Bei Joel – ein beängstigender Anblick

Als Mari heute zum verabredeten Rollenspiel zu Joel kam, fühlte sie sich etwas entspannter als bisher. Dieses Gefühl sollte allerdings nicht so lange anhalten… Als sie bei ihm klingelte, öffnete er  ihr die Tür, und bat sie, schon mal ins Wohnzimmer zu gehen und es sich noch einen Moment gemütlich zu machen. Als Mari sich auf die Couch setzte, fiel ihr Blick auf einige Seile, die neben dem Sessel lagen. Zunächst war sie nur verwundert, dann… blitzartig kam ihr eine äußerst beängstigende Vorstellung: Wenn die Seile da lagen, ja dann sollten sie wohl auch verwendet werden…

Zum Spiel der Dominanz gehören ja oft auch Fesselspiele. Um Gottes willen, das wär ja entsetzlich! Das mache ich nicht mit! Das hätte er zumindest mit mir absprechen müssen. Nein, das halte ich nicht aus! Nichts wie weg hier, so lange ich noch weg kann! So tobten ihre Gedanken.

Ganz gefangen in diese Vorstellung, dass sie gefesselt werden sollte, verließ sie fluchtartig die Wohnung. 

„Moment, Mari!“ rief Joel ihr nach. Sie war allerdings schon im Treppenhaus und hörte ihn nicht mehr. Als er aus der Küche kam, sah er ihren Schatten gerade noch so aus der Tür verschwinden. Er zögerte einen Moment, versuchte zu verstehen, was gerade passiert war, doch konnte nichts erkennen. Schnell schnappte er sich seine Jacke und lief Mari nach.

Sie stand unten vor dem Haus, musste sich erst einmal sammeln, weil das Herz so klopfte und ihr schwindelig war. 

Joel stürmte aus dem Haus, „Mari“, rief er und lief  hinter ihr her.  „Mari, warte doch – was ist passiert? Wo willst du hin?“  Ein kleines Stück war er noch hinter ihr. Sie erschrak und lief noch schneller. Damit hatte sie nicht gerechnet, dass er hinter ihr herkam. Sie versuchte, noch schneller zu laufen, die Panik, die sie überfallen hatte, trieb sie an.

Doch Joel war schneller und hielt sie an der Schulter fest. „Mari, warte! Sag mir wenigstens, was passiert ist, wenn du schon gehen willst. Ich finde, das ist das mindeste!“ sagte er nicht ganz leise zu ihr.
Außer Atem und mit vor Schreck geweiteten Augen sah sie ihn an, schaute wieder weg, und spürte auch Empörung. Starr und stumm stand sie vor ihm. Dieser Anblick zeigte ihm, dass irgendetwas sie sehr erschüttert haben musste.

Dadurch ruhiger geworden sagte er zu ihr: „Bitte, du kannst sofort gehen, aber sage mir doch wenigstens, was geschehen ist, Mari – mehr nicht – nur, was geschehen ist.“ Seine Stimme klang nun deutlich bittend. Diese andere Stimmlage ließ sie einen Schritt in die Realität hinein finden und ihr bisher schon vertrautes Gefühl zu Joel ein wenig hervor schimmern, aber sie war immer noch nicht in der Lage, Worte zu finden, fühlte sich wie ein Karpfen auf dem Trockenen, der nach Luft schnappt.

Joel versuchte noch einmal, etwas über diese seltsame Situation von ihr zu erfahren: „Mari, du darfst natürlich jederzeit gehen, das ist dein gutes Recht, aber bitte, ich möchte nur verstehen, was passiert ist, dass du dich so plötzlich dazu entschieden hast. Ich würde mich freuen, wenn du es mir sagen würdest, bitte!“

„Ich mache da nicht mit,“ brachte sie heraus, „du hättest mich wenigstens fragen können, irgendwie vorwarnen, vorbereiten, aber nein… auch dann hätte ich das nicht gekonnt. Nein,  ich mache da nicht mit!“

Völlig verwundert antwortete Joel: „Okay, das akzeptiere ich – wirklich! Wir hatten immer gesagt, dass du jederzeit nein sagen kannst, aber…“ er holte tief Luft, „aber warum so plötzlich? Ich war doch in der Küche, und es geschah doch heute noch gar nichts!?“

„Na du hast doch schon alles vorbereitet! Die Seile lagen ja da schon im Wohnzimmer… Da brauchte ich ja nur noch eins und eins zusammenzuzählen. Gerade in so einer Situation hättest du mich vielleicht besser nicht alleine in das Zimmer geschickt, aber andererseits – vielleicht war es doch gut so… Sonst hätte ich ja auch nicht weggehen können. Vielleicht hast du mir diese Option ja bewusst offen gelassen…“

Joel sah sie fassungslos an und versuchte, seine Gedanken zu sortieren. „Ich… also… es klingt vielleicht komisch, aber ich weiß nicht, wovon du redest… Ich hatte nichts vorbereitet…“ sagte er völlig irritiert, „bitte, ich verstehe das nicht. Was denn für Seile?“

Unwirsch antwortete Mari: „Willst du mich jetzt für dumm verkaufen? Warum stellst du dich so unwissend? Erst legst du Seile ins Wohnzimmer, schön angeordnet neben dem Sessel, und dann sagst du, du wüsstest es nicht?! Was treibst du für ein Spiel mit mir? Bisher hast du wenigstens über alles mit mir offen geredet, und jetzt dieses seltsame Herausreden…“

Joel sah sie immer noch fragend an, und versuchte verzweifelt nachzudenken, doch die angespannte Situation auf der Straße war nicht gerade hilfreich dafür. Dann fiel der Groschen: „Oh mein Gott“, rief er und schlug sich mit der flachen Hand an die Stirn…“

Übermorgen gibt es die Fortsetzung

Geschrieben von Rafael und Miriam

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39 Heftige schmerzliche Wut – und nun? (Teil 2)

 Bei Joel – Ein klärendes Gespräch 

Nachdem Mari aufgrund einer Fehlinterpretation von Joels Worten in heftige, ungerechtfertigte Wut geraten war, und ihren Meister ungerecht angebrüllt hatte, ihm Dinge an den Kopf warf, die absolut unwahr waren, stand sie, nachdem sich das Missverständnis aufgeklärt hatte, beschämt und erschöpft vor ihm. Er war noch immer in der Rolle des Meisters, da er noch nicht dazu gekommen war, das Spiel zu beenden und es jetzt auch für besser hielt, in dieser Rolle, die auch ihm Halt gab, zu bleiben.

„Ich konnte einfach nicht mehr klar denken“, flüsterte sie.

„Setz dich bitte, Mari“, sagte er, setzte sich selbst direkt ihr gegenüber und schaute sie forschend an.

Sie fühlte sich erbärmlich, total verunsichert, was sie jetzt sagen oder tun könnte.
„Ich bitte dich um Verzeihung, Meister, es war wie ein Selbstläufer in mir! Ich konnte nicht mehr klar denken, es schien für mich alles so eindeutig…“ brachte sie endlich leise heraus.

„Mari, lass uns jetzt noch einmal über das Missverständnis reden, damit du dir ganz sicher sein kannst, dass es in dem Gespräch, was du von nebenan gehört hast, nicht um dich ging. Kannst du mir nun glauben, dass ich über das, was wir beide miteinander erleben, nichts erzählt habe und erzählen werde? Ist das jetzt ganz klar? Und vor allem ist mir wichtig, dass ich dich nicht rauswerfen würde! Was auch geschieht, das würde ich nie tun!“

Stumm saß Mari auf dem Sofa, unfähig, irgendetwas zu sagen.

„Darf ich deine Hand nehmen Mari?“

Maris Hände zitterten, sie nickte und schaute nach unten. Leise antwortete sie: „Ich glaube dir , dass du nicht über mich geredet hast, es tut mir so leid… Bei der Wut, die ich hatte, könnte ich verstehen dass du jetzt keinen Lust mehr hast, mit mir noch…“

„Mari, wie kannst du das denken? Wie kannst du denken, dass ich so nachtragend sein könnte? Ich möchte dich doch auch nicht verlieren – und ganz sicher nicht wegen eines Missverständnisses!“

Mari fühlte sich von seinen versöhnlichen Worten so berührt, dass sie nun gänzlich ihre Fassung verlor. Sie bebte am ganzen Körper. „Ich meine… nicht nur wegen des Missverständnisses, sondern weil ich so heftig geworden bin… könnte ich echt verstehen, wenn du…“

Er unterbrach sie: „Darf ich dich in den Arm nehmen, Mari?“

„Oh, so gerne“, antwortete sie.
Er setzte sich dicht neben sie und nahm sie fest in seine Arme, um ihr Halt und Sicherheit zu vermitteln.

Dadurch öffneten sich ihre Schleusen noch mehr und Tränen rollten über ihre Wangen. Wie überraschend und erleichternd war das denn?!!  Diese freundliche Annahme in ihrem Gefühlschaos tat so gut, und fühlte sich gleichzeitig so beschämend an. Sie versuchte vergeblich, ihre Fassung zu bewahren.

Er redete ihr leise zu: „Mari, lass sie raus… die ganze Wut und Anspannung von eben… Es ist alles gut! Ich werde unseren Kontakt nicht wegen irgendwelcher Konflikte plötzlich beenden – niemals! Auch mir ist unser ganz besonderes Miteinander sehr wichtig!“

Diese Worte berührten ihr Herz und ganz viel alten Schmerz. Sie konnte es nicht fassen, dass sie trotz ihrer starken Wut nicht aufs heftigste kritisiert und niedergemacht, sondern sogar liebevoll festgehalten wurde, dass ihr so warme Worte geschenkt wurden… ja, dass er ihr nichts nachtragen wollte, obwohl sie sich so unmöglich verhalten hatte… dass er gar nicht so geredet und nicht mal gedacht hatte über sie, wie es sich angehört hatte aus dem Nebenzimmer…
Das tat einerseits unendlich gut, und ließ sie andererseits spüren, wie klein sie sich fühlte, wie sehr es ihr an Selbstwertgefühl mangelte.

Joel drückte sie fest an sich. „Ich verstehe, dass du wütend geworden bist, wenn du gedacht hast, dass ich über dich geredet hätte, aber glaube mir, so war es nicht und so etwas wird nicht geschehen! Ich achte dich sehr, Mari, und du bist mir wichtig! Bitte glaube mir das!“ 

„Das fällt mir ein bisschen schwer, weil ich mich oft so unzulänglich fühle, und jetzt ganz besonders. Aber du sagst es, und ich will dir das so gerne glauben“, antwortete sie leise.

„Mari, jedem kann einmal etwas zu viel werden, jeder kann einmal die Beherrschung verlieren. Das ist für mich kein Grund, um mit jemandem zu brechen, erst recht nicht, ohne die Situation zu klären und zu schauen, ob es nicht doch gut weitergehen kann. Und ich würde gerne mit dir weitergehen. Wie steht es mit dir, Mari?“

„Ich würde gerne auch den Weg mit dir weiter gehen, wenn es mir doch nur gelingen würde, dass ich… wenn ich doch leichter vertrauen könnte…“

„Aber es gelingt dir doch zunehmend besser,“ sagte er lächelnd.

„Und dann falle ich immer mal wieder so zurück wie heute“, entgegnete sie unglücklich. „Ich scheitere doch beim kleinsten Anlass!“

„Der Anlass vorhin war aus deiner Perspektive nicht klein. Und scheitern würdest du nur, wenn du nach einem Ausrutscher nicht wieder aufstehen und es erneut versuchen würdest. Mari, was meinst du, magst du es weiter versuchen, nach jedem kleinen Absturz wieder aufzustehen und weiterzugehen? Ich bin an deiner Seite und reiche dir die Hand – jedes Mal auf´s Neue! Versprochen!“

„Ja“, antwortete sie entschlossen, „ich mag es wieder versuchen!“

„Das ist das wichtigste! Das ist das aller wichtigste, Mari!“

„Ich habe nur Angst, dass es irgendwann wieder passiert, dass irgendetwas meine Verletztheit und die Wut, die daraus manchmal entsteht, so empfindlich berührt, dass ich eventuell wieder die Beherrschung verlieren könnte…“

„Ja, das könnte durchaus geschehen. Und dann werden wir damit umgehen. Du hast vorhin geschrien, weil du empört warst, weil du wütend warst und  auch Angst hattest. Das ist menschlich und darf passieren – erst recht in solch einem geschützten Raum, wie wir ihn uns hier erschaffen haben. Es ist auch gut, diese Gefühle raus zu lassen, aber bitte, brich den Kontakt nicht ab! Geh nie weg, ohne dass wir über das, was dich aus der Fassung gebracht hat, gesprochen haben.“

„Ich werde versuchen, es immer in Erinnerung zu behalten!“

„Und ja… Vielleicht wirst du erneut die Beherrschung verlieren. Das kann jedem passieren, wenn man an seine Grenzen kommt, aber ich hoffe, du wirst mir dann immer noch so zugewandt sein, dass wir darüber reden können.“

„Ja, das will ich. Ich möchte, dass es mir gelingt, dass ich immer noch mit dir reden kann, was auch passiert, Joel. Ich will es wirklich! „Ich hätte jetzt den Kontakt fast abgebrochen, und das tut mir sehr, sehr leid – wirklich! Ich hoffe, dass das nie mehr passiert, aber sicher versprechen kann ich dir das nicht. Doch ich will meine ganze Kraft dafür aufwenden.“

„Dann werden wir das auch schaffen Mari! Sicher, es kann immer viel passieren, gerade bei dem doch für dich recht herausfordernden Weg, den wir gemeinsam gehen. Daher möchte als, quasi als Ausgleich für heute, dein Wort, dass du es versuchen wirst, mir zumindest immer die Chance zu geben, mit dir zu sprechen, bevor du dein endgültiges Urteil fällst. Zumindest wünsche ich mir, dass du es immer versuchen willst.“

„Ja, darauf gebe ich dir mein Wort, ich werde es mit aller Kraft versuchen, auch wenn etwas noch so sehr brennt und weh tut, will ich versuchen mit dir zu sprechen und in Kontakt zu bleiben!“

„Das freut mich sehr, und ich verspreche dir, dass ich dich in allem unterstütze, so gut ich es kann, auch und gerade, wenn es wackelt in dir, damit wir noch sehr viele Schritte gemeinsam gehen könne, okay Mari?“

„Danke für dieses Versprechen! Und danke nochmal, dass du den Kontakt nicht abbrechen willst, obwohl ich so heftig gewesen bin.“

„Mari ich sichere die meine… Vertrauenswürdigkeit und meine Zugewandtheit zu – auch in heftigen Momenten. Ich möchte sehr gerne die begonnene Reise mit dir fortsetzen. Bist du auch dazu bereit?“
„Ja, ich möchte die begonnene Reise mit dir fortsetzen, und ich danke dir für diese Zusicherungen.“

„Dann freue ich mich auf unsere nächsten Treffen und bin gespannt, wie es weiter geht“, lächelte Joel. „Das Spiel ist für heute beendet“, fügte er leise hinzu.

Mari sah Joel an. „Ich danke auch dir, Joel.“

„Und nicht nur der Meister, auch ich möchte gerne, dass unsere gemeinsam begonnene Reise weitergeht“, sagte er und drückte sie sanft an sich.

Erleichtert kuschelte sie sich an ihn, erschöpft und froh, dass nun doch alles zu einem guten Abschluss gefunden hatte.

„Das war ziemlich heftig, und ich bin froh, dass wir das miteinander klären konnten, Mari“, sagte er leise.

„Ja, Joel, ich auch! Es tut mir so leid, dass ich so wütend geworden bin, es tut mir so unendlich leid…“

„Alles gut! Wichtig ist doch nur, dass wir das Missverständnis klären konnten. Und dass dich das wütend gemacht hatte, ist ja verständlich.“

„Ich habe richtig Angst vor morgen früh, wenn ich aufwache, und die Erinnerung dann da ist was ich hier verzapft habe. Ich danke dir für dein Verständnis, Joel, und hoffe, dass du und der Meister… also dass ihr das morgen nicht bereuen werdet.“

„Nein, das werden wir sicher nicht, und wenn du morgen früh tatsächlich ein schwieriges Gefühl hast, dann ruf mich einfach an, damit wir uns beide versichern können, dass wir auch weiterhin diesen Weg weiter gehen wollen, okay?“

Zaghaft lächelte Mari ihn an. „Das ist eine schöne Idee, ein liebes Angebot! Ich will das auf jeden Fall! Das spüre ich jetzt noch deutlicher als vorher. Ich danke euch beiden, dir und dem Meister, der du ja auch bist.“  😉

„Das freut mich Mari! Weißt du, ich glaube, dass solche Momente eben auch dazu gehören, und ich bin froh, dass wir das heute gut bewältigt haben.“ 

„Ich bin auch so froh darüber! Gut, dass du die Nerven behalten konntest!“

„Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass etwas passiert sein könnte, dass uns so plötzlich auseinander bringt.“

„Na ja, du hast halt ein großes Stück mehr Vertrauen und Kraft als ich. Und das bewundere ich an dir, Joel!“ 

„Letztlich entscheidet immer die Summe an Kraft und Vertrauen, die wir beide gemeinsam aufbringen. Und ich glaube, zusammen haben wir genug davon, dass es uns gelingt, auch solche Situationen wie vorhin gemeinsam gut zu überstehen.“

Mari lächelte, und dachte dabei: Er findet immer wieder wunderbare und entlastende Worte.

„Ja, das möchte ich auch glauben,“ antwortete sie, „und heute war es ja so – wenn du auch wesentlich mehr davon eingebracht hattest als ich.“

„Nun, an anderen Tagen musstest du deutlich mehr Vertrauen einbringen, Mari. Das wird sich ausgleichen, denke ich“,  sagte er und drückte sie noch einmal an sich.

Ja, das stimmt eigentlich, dachte Mari erfreut und drückt ihn auch noch einmal. 

Dieses Kapitel wurde gemeinsam geschrieben von Rafael und Miriam.

 

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37. Hände verschmelzen – Umarmung genießen

Bei Mari – Fortsetzung von Wie durch eine besondere Art des Strafens Vertrauen wachsen kann

Mari und Joel, der für sie wieder die Rolle des Meisters angenommen hatte in ihrem jetzt gerade begonnenen Spiel saßen sich gegenüber.
„Bereit zu unserer Übung?“ frage Joel.

„Ja, Meister“, antwortete Mari entschlossen.

„Also, ich möchte, dass du gleich deine Hände in meine legst, deine Augen schließt und sie dann wieder öffnest, wenn du findest, dass es der geeignete Moment dafür ist. Okay, Mari?“

„Also irgendwann, wenn ich das so empfinde…“

„Du bestimmst den Moment, Mari.“

„Okay“, sie rutschte mit ihrem Stuhl noch etwas näher an Joel heran und legte ihre Hände in seine. Er nahm sie ganz sanft auf. Dadurch, dass sie die Augen geschlossen hatte, spürte sie seine Hände, die ihre behutsam und ohne Druck hielten, besonders deutlich. Das war ein angenehmes Gefühl… Fast war sie erstaunt über sich, wie gut sich das anfühlte. Und sie spürte auch, dass sie mit den geschlossenen Augen im Moment eine Art Unbefangenheit hatte, die es ihr leichter machte, die Wärme seiner Hände und das angenehme Gefühl, das sie dabei empfand, bewusst wahrzunehmen.
Diese ruhigen, Wärme ausstrahlenden Hände vermittelten ihr einen Eindruck von Sicherheit und Geborgenheit, von Schutz und Wärme…
Das Gefühl, das durch die Hände ausgelöst war, übertrug sich auf Maris gesamte Persönlichkeit. Es fühlt sich an, als würde er mich annehmen und halten – nicht nur meine Hände, sondern mich als ganze Mari, dachte sie.

Joels Atem ging ruhig und tief, sie konnte ihn hören und fühlen. Wie von selbst übernahm Mari seinen Atem-Rhythmus, und sie beide atmeten miteinander entspannt, langsam und in Ruhe. Als sie sich dessen gewahr wurde, sagte sie innerlich „Ja“ dazu und nahm ganz bewusst die Verbundenheit wahr, die durch die gehaltenen Hände und den gemeinsamen Atemrhythmus entstanden war. Ohne nachzudenken, gab sie sich ganz in diesem Moment hinein. Die Frage, wann sie die Augen wieder öffnen sollte, trat in den Hintergrund. Es war, als würden die Hände mteinander verschmelzen – sie spürte nicht mehr, wo ihre Hand aufhörte und seine anfing. Von Joel ging eine tiefe Ruhe aus, die sich auf sie übertrug.

Kurz drückte er ihre Hand ganz sanft etwas nur zusammen, nur um ihr mit diesem ganz minimalen Druck zu vermitteln, dass alles gut war, dass er sie ganz bewusst hielt und dies so lange andauern durfte, wie sie es entscheiden würden.

Diese besondere Art der Verbundenheit vermittelte Mari Geborgenheit und ein unendliches Wohlgefühl. Sie verlor jegliches Zeitgefühl und tauchte ein in ein Meer von Frieden, in dem sich ihr wundes Gemüt ausruhen konnte.

Wie lange verweilte sie bereits in diesem Meer von Frieden? Sie wusste es nicht…
Ein Gefühl tiefer Dankbarkeit über diese wertvolle Erfahrung durchströmte sie jetzt spürte sie den Impuls von innen, die Augen wieder zu öffnen.

Sie blickte auf Joel, der mit geschlossenen Augen ganz ruhig ihr gegenüber saß.
So schloß sie ihre Augfen noch einmal – es war so schön… Einen Moment lang wollte sie dieses weiche friedvolle Gefühl noch auskosten.
Als sie die Augen dann wieder öffnete, waren auch Joels Augen offen und er schaute sie sanft an.
Ihr Blick versank in seinen Augen und ihr wurde bewusst, dass sie heute den Blickkontakt halten konnte, ohne dass es ihr unbehaglich war, von ihm angeschaut zu werden.

Er lächelte ganz sanft und milde und nickte ihr anerkennend zu.

Spontan lächelte sie zurück.

„Das war wirklich sehr besonders, Mari“, sagte er leise zu ihr.

„Darf ich etwas sagen, Meister?“

„Das Spiel ist beendet“, jetzt darfst du alles sagen, fragen und tun, was du möchtest“, lachte Joel

„Da war zum ersten Mal ein Gefühl von wirklichem Vertrauen in mir, das entstand aber erst jetzt während du meine Hände hieltest, das war einfach so stützend, wärmend und schön… danke!“

„Ja, das habe ich gemerkt. Darüber freue ich mich. Und du hast nicht einfach nur an irgendeinen Moment die Augen geöffnet, sondern es war ein für uns beide total stimmiger und sehr kostbarer Moment“, bemerkte Joel.

„Ja, so habe ich es auch empfunden – als eine sehr kostbare Erfahrung… so als würden unsere Hände ineinander schmelzen, ich finde nicht die richtigen Worte, aber so ähnlich.

„Ja, es war ein unglaublicher Moment der Verbundenheit, weil uns das Vertrauen verband.“

„Ich möchte dir von Herzen danken, Joel, dass du diesen Weg mit mir gehst durch alle die Unebenheiten und mir immer wieder andere Gelegenheiten gibst, mich neu zu erfahren,“meinte Mari bewegt.

„Es war auch für mich eine sehr schöne Erfahrung, eine solche Verbundenheit zu spüren, Mari, so etwas gibt es nicht so oft,. Es war ein sehr schönes Erlebnis , ich danke dir!“

„Könnten wir uns jetzt noch einmal umarmen?“ fragte sie vorsichtig.

„Aber ja, gerne!“ Joel stand auf und breitete seine Arme aus, von denen Mari sich umfangen und halten ließ. Und sie genoss es – fühlte seine Nähe auf eine so wohltuende Weise, in einem Gefühl von Frieden , wie sie es vorher noch nie gehabt hatte. Diesmal flossen keine Tränen. Er atmete tief ein und drückte sie sanft an sich. Und noch einmal atmeten beide in einem gleichen Rhythmus, und während sie vorsichtig ihren Kopf bei ihm angelehnte, nahm sie seinen Herzschlag wahr. Wie gut diese Nähe tut, dachte Mari erstaunt… Gans sacht legte er seinen Kopf auf ihren, nur mit einem Hauch von Berührung, so dass sie die Position ganz leicht hätte ändern können, wenn sie das gewollt hätte – aber sie wollte es nicht!
Es ist schön, dachte sie und drückte ihn erstmalig auch ein bisschen an sich.

„Joel,“ flüsterte sie, „das ist so schön…“

An diesem Tag war für Mari eine Tür aufgegangen…

Dieses Kapitel wurde gemeinsam geschrieben von Rafael und Miriam.

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35. Annehmen, was ist – der Nährboden für neue zarte Vertrauenspflänzchen


Bei Mari – ein Gespräch vor Beginn des Spiels über Vertrauen, auch bei möglichen Strafen 

Heute war Mari wieder einmal sehr nervös. Sie hatte einen schweren Traum von einer Bestrafungssituation gehabt, in der sie noch ein Kind war. Der erinnerte sie an eine etwas zurückliegende Sitzung mit Joel in einem ihrer Machtspiele, in denen er die Rolle eines Meisters für sie verkörperte. In diesem Spiel hatte es aufgrund einer  Regelübertretung zum ersten Mal eine Strafe für Mari gegeben hatte. Zugegeben – das war keine wirklich Strafe, eher ein leicht auszusprechendes Bekenntnis, aber seit dem wusste sie, dass weitere Sanktionen folgen würden.

Wie bisher jedes Mal war Joel in seiner Meisterrolle verständnisvoll, unterstützend und dennoch konsequent mit seiner Spielgefährtin, die die Rolle der Schülerin einnahm, umgegangen und hatte ihr erklärt, dass in ihrer besonderen Situation die Strafe dazu dienen sollte, ihr ein Gefühl von Ausgleich zu vermitteln und neue, gute Erfahrungen mit den kleinen Fehlern, die ihr hier unterliefen, zu machen. Als Kind hatte sie nach jeder kleinen Unachtsamkeit lange gelitten und hatte keine Ausgleichsmöglichkeiten bekommen und kein Wort, das ihr damals den Druck hätte nehmen können. Jetzt hier mit dem Meister konnte sie durch das Annehmen einer (von ihm sehr behutsam ausgewählten) Strafe dafür sorgen, dass sie nach ihrem „Fehltritt“ keinerlei Unzulänglichkeitsgefühle oder gar schlechtes Gewissen mit sich herum tragen mußte. Denn dies war eines der Relikte aus ihrer Kindheit, das sie am meisten belastete. Im Kopf hatte sie inzwischen einiges verstanden, das reichte aber nicht aus, um tiefgreifende Veränderungen zu bewirken, dazu bedurfte es wiederholter Erfahrungen, die sie mit ihre Sinnen erleben musste. Dazu sollten unter anderem diese Art sorgfältig ausgewählter Sanktionen dienen und, wie er hoffte, eine heilende Wirkung entfalten. 

Dennoch… als sie erfuhr, dass Regelübertretungen künftig diese Folgen trugen, steigerte sich ihre ängstliche Beklommenheit zunächst noch. Joel war allerdings zuversichtlich, dass sich das mit der Zeit geben würde, nachdem sie erste Erfahrungen mit seiner Art zu strafen gemacht hatte.

So kam es, dass Mari heute vor dem Besuch Joels noch nervöser war als sonst. 

Bevor er das Spiel begann, gab er ihr noch eine Gelegenheit anzusprechen, was sie belastete: „Möchtest du noch etwas loswerden, bevor wir starten, Mari?““

„Ich bin heute noch aufgeregter als sonst –  habe Angst, etwas falsch zu machen, aber ich glaube das weißt du schon…“, bekannte Mari leise.

„Warum hast du Angst, etwas falsch zu machen?“

„Weil mir das nun noch unangenehmer ist, seit ich weiß, dass ich dann von dir bestraft werde.“

„Aber das würde ja auch bedeuten, du hättest Angst vor mir. Habe ich dir jemand Anlass dafür gegeben?“

„Das ist ganz seltsam Joel, sobald das Spiel beginnt, habe ich nicht mehr das gleiche Gefühl zu dir, wie ich es davor oder danach habe. Die Autorität, die der Meister ausstrahlt, hat immer auch etwas leicht Beängstigendes für mich.“

„Hmm, ja ich weiß.  Sag  mal, hat der Meister eigentlich je etwas getan, das deine Angst rechtfertigt… etwas, vor dem du dich fürchten musst? Hat er nicht immer Verständnis und Augenmaß bewiesen und dich nie überfordert, Mari?“ fragte Joel ruhig.

„Er hat mir bisher nichts wirklich getan, das stimmt… Vielleicht liegt dieses Gefühl von Angst in seiner Rolle an sich und in der Ungewissheit der Aufgaben begründet“, überlegte Mari, „und dass es ab jetzt Strafen geben wird, das macht mir große Angst!“

„Ich bin ganz zuversichtlich, dass dein Vertrauen auch zu mir als Meister mit der Zeit wachsen wird.“ Joel lächelte Mari freundlich an.

„Es tut mir leid, Joel, dass mein Gefühl da nicht so hinterher kommt, wie es passend und gut wäre. Ich schäme mich, dass mein Vertrauen so dünn ist und dass ich oft so schwierige Gefühle habe“, bekannte Mari.

„Mari, dir braucht nichts leid zu tun, und erst recht brauchst du dich nicht zu schämen! Wir wissen beide, welche komplexen Hintergründe deine Ängste haben. Wenn es einfach wäre, bräuchten wir keine Spiele dafür!“

„Ich habe einfach Angst, dass das zu lange dauert bei mir und dass du genervt oder sauer werden könntest“, erklärte Mari. 

„Nein, ich bin nicht sauer und auch nicht genervt, überhaupt nicht, warum auch, du hast doch nichts Schlimmes getan, überhaupt nichts!“

„Na ich dachte, weil du ja Recht hast damit, dass der Meister bisher immer achtsam und angemessen mit mir und meinen Gefühlen umgegangen ist, hätte er mehr Vertrauen verdient! Ich kann es aber leider noch nicht so fühlen!“

„Aber Mari, deswegen gibt es den Meister doch überhaupt, weil dir das Vertrauen schwer fällt und du es mit ihm üben möchtest.“

 Mari musste ein bisschen lachen, „ja, so gesehen hast du schon Recht…“

„Siehst du…“ herzhaft stimmte Joel in ihr Lachen mit ein,

Dankbar nickte Mari
Er ist nicht ungeduldig oder gar sauer, weil mir das mit dem Vertrauen noch nicht so gelingt,
 dachte sie befreit. 
Es war so wohltuend, dass Joel sie so annehmen konnte wie sie war.  Nur so konnte das zarte Pflänzchen des Vertrauens langsam wachsen…

Sein freundliches Annehmen war der Nährboden für das Gedeihen des bereits vorhandenen, noch sehr zarten Vertrauenspflänzchens und derer, die noch hinzu kommen würden…

Dieses Kapitel wurde gemeinsam geschrieben von Rafael und Miriam

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34. Eine heilende Übung (4) – Das innere Kind erhält Hilfe

 

Bei Joel: Mari hilft ihrem inneren Kind

Nach einem langen Gespräch, das Mari in ihrer inneren Welt mit ihrer alten Sportlehrerin führte, das Vergebung und Veränderung zur Folge hatte,  nahm Joel, der für sie wieder einmal die Meisterrolle verkörperte, sie an die Hand, und beide gingen gemeinsam auf die andere Seite der alten Turnhalle ihrer Kindheit. Dort stand das kleine Linchen, das verschüchterte Kind, das Mari damals war.

Joel empfahl ihr: „Nun geh zu deiner Kleinen und sag ihr, dass sie ab sofort keine Angst mehr haben muss!“

Sie folgte seinem Impuls gern und sagte zu ihr: „Mein liebes kleines Mädchen, du brauchst jetzt keine Angst mehr haben! Frau Schmidt tut dir nichts mehr, und wenn du willst kannst du jetzt mit mir kommen, ich bin deine große Mari, die die du geworden bist viele Jahre später, und wenn du willst kannst du sofort aus dem Sportunterricht aussteigen und mit mir mitkommen in die Zeit, die für dich noch Zukunft ist. Dann machen wir es uns schön, willst du? 

Nachdenklich meinte Linchen:“Ja schon, aber… wir können doch die Mutti nicht alleine lassen in der alten Zeit.“
Einen Moment überlegte Mari, dann kam ihr eine Idee: „Weißt du was, mein Schatz, der Teil von dir, der jetzt ganz voller Kraft und Mut geworden ist, kann in der alten Zeit bleiben, und einen lebendigen schönen Sportunterricht bei der inzwischen gütigen Frau Schmidt miterleben, die nie mehr ihre Schüler quält, sondern ihnen hilft und ihnen Mut macht. Und ein anderer Teil von dir, der Gefühlsbereich, der noch ängstlich und schüchtern ist, kann mit mir kommen in meine Gegenwart, was hältst du davon?“

Das fand Linchen toll! Plötzlich stand ihre Mutti an der Tür von der Turnhalle und holte das nun stark gewordene, mutige Linchen ab, die ihr ganz happy von dem erzählte, was gerade geschehen war, während das  kleine ängstliche Linchen von Mari liebevoll umarmt wurde. Sie würde sich gut um ihren kleinen  ängstlichen Gefühlsteil kümmern, versprach sie sich selbst und Linchen.

Dann trug sie ihr inneres Kind zurück in die Zeit, in der sie jetzt lebte.  Linchen hatte ihren Kopf ganz fest an die Schulter ihrer großen Mari gedrückt und wurde von ihr sicher und liebevoll  gehalten. Joel beobachtete Mari dabei und bemerkte, wie ihre Augen ganz feucht wurden. 

„Wie geht es dir, Mari? fragte er leise:

„Ich bin so berührt, das fühlt sich so gut und so wahr an gerade…“, antwortete sie ihm mit geschlossenen Augen.

„Mari, atme noch einmal die Kraft der Wiese, der Sonne, des Waldes und des Wassers ein. Du warst sehr, sehr stark gerade! Nun wird sich das kleine ängstliche Linchen ganz geborgen bei dir fühlen, und dadurch wirst du dich auch insgesamt verändern. Du wirst dir mehr zutrauen und dich neuen Herausforderungen und Abenteuern leichter zuwenden können – und du wirst kraftvoller für dich eintreten können!“

Mari atmete tief und hatte einen Arm um ihren Oberkörper gelegt, worin sie in ihrer Vorstellung das kleine Linchen trug. So lief sie, begleitet von ihrem Meister, durch den Wald und über die Wiese ihrer inneren Landschaft.

„Nun stehen wir zu dritt auf der Wiese Mari, nimm noch einmal die Kraft die von ihr ausgeht tief in dich hinein.“ 

Mari nahm noch einige tiefe Atemzüge.

Joel sprach weiter: „Spüre das Gewicht des kleinen Linchen in deinem Arm und fühle die neu gewonnene Kraft, die deine alte Sportlehrerin dir hat zufließen lassen.“

Mari nickte. Ja, sie fühlte sich herrlich gestärkt nach dieser langen inneren Reise.

„Und bist du bereit, dich jetzt zurück zu bewegen in deine aktuelle Zeit?
Bereit, ins JETZT zu gehen Mari? Bereit diese Übung zu beenden?“

Mari nickte lächelnd

„Dann behalte dein Linchen  im Arm. Nimm ein paar tiefe Atemzüge und atme dich ins JETZT hinein. Du bist mit ihr zurück, wenn du deine Augen öffnest.“

Mari nahm noch einige tiefe Atemzüge und öffnete ihre Augen. Ihr Meister saß nahe bei ihr – ihr direkt gegenüber. Seine Hand lag noch immer entspannt auf ihrer Hand.  
Erstaunt sah sie ihn an.

„Ganz entspannt weiter atmen, Mari, willkommen zurück!“ sagte er leise.

Sie nickte, noch ganz bewegt von all dem, was sie eben erlebt hatte.  „Danke, vielen Dank, Meister!“

„Wo ist das kleine Linchen jetzt?“

„Sie sitzt noch auf meinem Schoß.“

„Dann nimm sie fest in deine Arme,“ sagt der Meister und nahm seine Hand langsam weg.

Mari drückt das fiktive Linchen mit beiden Armen liebevoll an ihr Herz.

„Nun stell dir vor, wie die Energie von Linchen in dich hinein fließt und ihr eins werdet. Wann immer du mit Linchen reden willst oder etwas mit ihr unternehmen, kommt sie wieder einzeln  als dein kindlicher Teil in dein Bewusstsein,“ erklärte ihr Joel.

Das gelang Mari leicht.

„Du hast dieses Übung mit einer unglaublichen Kraft ausgeführt und etwas ganz Wertvolles in das Hier und Jetzt zurück geholt,“ erklärte er ihr anerkennend. „Wie geht es dir jetzt, Mari?“

„Ich bin so sehr dankbar, dass du diese Reise mit mir gemacht hast. Ich fühle mich erschöpft, aber auch stark. Vielen vielen Dank, Meister, und entschuldige bitte, dass ich vorher diese Übung nicht machen wollte, weil ich nicht wusste, worum es ging. Da wäre mir echt was verloren gegangen, wenn ich sie nicht gemacht hätte. Ich hätte dir viel mehr vertrauen sollen!“

Es ist schön, dass du das nun so siehst, Mari, darüber freue ich mich.“ Joel lächelte.
„Erinnerst du dich, dass du noch einen Fehler von vorhin auszugleichen hast? Möchtest du das tun?“

„Ach ja, daran hatte ich gar nicht mehr gedacht…“ Erschrocken zuckte Mari zusammen, sagte aber entschlossen: „Ja, Meister, ich bin bereit, den Fehler auszugleichen.“

„Gut Mari! Ich möchte, dass du in den nächsten Tagen für Linchen ein kleines Willkommensgeschenk besorgst oder es selbst machst. Wirst du das tun?“

Marie entspannte sich wieder: „Das will ich gerne tun, so gerne! Danke für diese wunderbare Strafe!“

„Das Spiel ist vorbei“, sagte der Meister lächelnd.

Geschrieben von Rafael und Miriam

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14. Joel als Stellvertreter für die „Die Männer“

Zweites Treffen bei Joel – Ein Vergebungs-Ritual 

„Schön dass du da bist, Mari!“
Joel empfing Mari mit einem herzlichen Lächeln und ging ihr voran ins Wohnzimmer.
Diesmal achtete er darauf, die Wohnzimmertür offen zu lassen.
Sie bemerkte es und war froh. Er hatte sich diesen Auslöser ihrer Angst von letztem Mal gemerkt und ihn heute sorgsam umgangen. Sie freute sich über seine Achtsamkeit. 
Dabei wäre die Tür heute wahrscheinlich gar kein Problem mehr… – erfreut nahm sie diesen auftauchenden Gedanken in sich wahr.

„Setz dich doch. Ich finde es mutig von dir, dass du dich entschieden hast, heute wieder zu mir zu kommen, nachdem du letzten Samstag bei deinem ersten Besuch diesen Panikanfall hattest.“

„Danke,“ sagte Mari knapp. Mehr fiel ihr gerade nicht ein.

Nachdem Joel ihr etwas zu trinken angeboten und beiden etwas eingegossen hatte, setzte er sich ihr gegenüber.
„Zu Beginn unserer Spiele hat dich bisher immer die Angst gepackt, dass irgend etwas Furchtbares geschehen könnte. Und ich hatte den Eindruck, dass das besonders mit mir als Mann zu tun hatte. Ich möchte das heute als dein Meister zum Thema machen. Lass uns ohne lange Vorrede gleich beginnen, denn die Angst liegt ja ohnehin ganz oben auf dem Tisch.“

„Okay, Meister.“ Unbehaglich schaute ihn Mari an.

Joel holte zwei Stühle, stellte sie in einem gewissen Abstand gegenüber, wies Mari an, sich auf einen davon zu setzen und setzte sich auf den anderen.

„Ich sitze jetzt hier als Symbolfigur für „die Männer“ und lade deine Angst ein, sich alles von der Seele zu reden:
Liebe Angst von Mari, du kannst mir alles sagen, was du über „Männer“ denkst, was du von ihnen befürchtest, was du mit ihnen verbindest, was du vielleicht schon erlebt hast…
Ich sitze hier stellvertretend für die Gattung „Mann“ und höre dir mit offenem Herzen zu.
Du darfst frei und ungeschminkt, auch total unsortiert alles sagen, was dir einfällt.
Ich nehme nichts persönlich. Okay?“

„Hmm… ich habe Angst, darüber zu reden.“

Liebe Angst von Mari, was befürchtest du?“

„Dass es zu viel ist, dass du doch irgendwann sauer wirst, dass ich mich lächerlich mache, dass ich in einen Gefühlsstrudel versinke, der sich fürchterlich anfühlt…“

„Ich verspreche dir, dass ich ganz sicher nicht sauer werde.
Lächerlich kannst du dich gar nicht machen, denn wir beide, die Mari und ich, wir achten dich sehr, liebe Angst. Jedes Wort, jede Träne, jedes Gefühl ist wertvoll und soll seinen Platz haben. Da gibt es nichts, wessen du dich schämen müsstest, denn es hat ja alles seine Ursachen.
Ja, und die Angst vor dem Gefühlsstrudel – die kann ich dir nicht nehmen. Das kann passieren. Doch sollst du sicher sein, dass ich dich, in welchem Strudel du auch immer sein magst, nicht allein lasse und dir beistehe, bis eventuelle heftige Wellen wieder abflauen. Denn das tun sie immer. Gefühle sind wie Wellen, sie kommen und gehen. Nur wenn sie abgelehnt und verdrängt werden, bleiben sie hartnäckig vor der Tür stehen und klopfen bei jeder Gelegenheit an. Deshalb möchte ich sie heute einladen, ganz bewusst da zu sein, weil sie ja eigentlich sowieso schon immer da waren und da sind.“

„Okay. Ich lasse mich drauf ein. Probieren wir´s.“

„Prima, Mari, du bist sehr mutig.
Also, liebe Angst von Mari, was denkst du über „die Männer“?

„Männer sind gefährlich…“ flüsterte Mari.

Joel nickte und sagte: „Ich spüre deine Angst und achte sie. Was noch?“

„Männer haben laute Stimmen, die mir Angst machen, sie könnten mich plötzlich anbrüllen und furchtbar nieder machen…“

Wieder nickte Joel und sagte: „Ich höre deine Angst und achte sie. Was noch?“

Männer sind mir körperlich überlegen… Sie können mir weh tun… Sie können über mich herfallen… Sie können… mich festhalten… Sie können mich umwerfen… Sie können mich fallen lassen… Sie können mich so sehr verletzen!“ Tränen traten ihr in die Augen.

Mitfühlend nickte Joel und sagte: „Ich sehe deine Tränen, ich höre deine Angst, und ich achte dich. Was noch?

„Männer mögen mich nicht, weil ich so empfindsam und ängstlich bin. Sie lachen mich aus und machen mich nieder, weil ich so vieles nicht kann.“

„Ich mag dich! Ich mag dich in deiner Zartheit. Ich mag dich in deiner Empfindsamkeit. Ich mag dich mit aller Angst! Ich mag dich mit dem, was du kannst und mit dem, was du noch nicht kannst. Und ich mag dich, weil du so mutig bist, dich deiner Angst zu stellen!“

Bei diesen wertschätzenden Worten kamen Mari die Tränen. Joel stand auf, ging auf sie zu und kniete sich vor ihr nieder. 

„Mari, ich verneige mich vor deinem Mut und deiner Bereitschaft, neue Erfahrungen zu machen.
Und ich bitte dich von Herzen im Namen all der Männer, die dir weh getan haben und dich in deinem wahren Wert nicht gesehen, geachtet und anerkannt haben, um Verzeihung.
Mach mit mir was du willst – zum Ausgleich dessen, was geschah.
Ich nehme es an – stellvertretend für alle Männer, die dir weh taten. „

Ganz tief verneigte er sich vor ihr bis sein Kopf den Boden berührte und blieb in dieser Position.

Mari schaute verwundert auf diesen Mann, der auf dem Boden kniete und dessen Stirn die Erde berührte. Er bewegte sich kaum. Sie bemerkte minimale Bewegungen, als würde er Balance suchen, um in dieser Position verharren zu können.

Ein für beide nicht messbarer Zeitraum verging… 
Er wartet! Dachte sie.
Er bleibt dort auf dem Boden…
Er sagt nichts mehr, er wartet…
Etwas in ihr schmolz…
Auch dazu gehört Mut…
Irgendetwas bewegte sich in ihr und verströmte Wärme.
Mitgefühl entstand…
Sie ging nah an ihn heran und um ihn herum.

Sie könnte ihn jetzt stellvertretend für ihren Vater und die anderen Männer, die ihr so weh getan hatten, anschreien, auf den Rücken schlagen, mit dem Fuß auf seine vorgestreckten Hände treten – doch sie spürte: Das alles wollte sie nicht.
Statt dessen legte sie ihre Hand auf seinen Kopf und sagte: „Ihr wart wie ferngesteuert. Etwas hat sich vor euer Herz gelegt. Ich vergebe euch – und ich bitte euch: öffnet alle euer Herz.“

Joel blieb noch immer in dieser Position auf der Erde, wartete ab, was noch gesagt oder getan werden wollte.

Nun ließ sich auch Mari auf den Boden nieder, kniete sich vor ihn und flüsterte: „Ich weiß auch,  wie es ist, wenn man plötzlich die Beherrschung verliert, wenn das Herz sich verschließt und man wie ferngesteuert Dinge sagt oder tut, die hinterher nur Reue und Schmerz hinterlassen. Das habe ich auch getan.“
Tränen liefen ihr über die Wangen, und sie bat: „Bitte erhebe dich, wir sind gleich – es geht uns beiden so.“
Langsam hob Joel seinen Kopf, und sie sah in seinem Gesicht auch Tränen.

So knieten sie voreinander…

Und Mari öffnete ihre Arme zu einer stillen Einladung. Beide hielten sich bewegt in den Armen und ließen eine Welle von Heilung und Sehnsucht nach Frieden und Liebe durch ihre Augen, Herzen und Arme fließen…

 

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9. „Leben – bitte, sei sanft mit mir!“

Mari und Joel im 2. Rollenspiel: Im Leben ist eigentlich alles ungewiss“

Mari saß mit geschlossenen Augen auf dem kleinen Schemel, den Joel in seiner Rolle als Meister ihr zugewiesen hatte. Es fiel ihr schwer, die Augen nicht wenigstens ein wenig zu öffnen.
Angespannt lauschte sie auf die Geräusche im Zimmer.
Von hinten kam seine Stimme: „Wie fühlst du dich, Mari?“

„Etwas unbehaglich…“

„Was bereitet dir gerade am meisten Unbehagen?“

„Die Augen geschlossen zu halten – und nicht zu wissen, was du mit mir vorhast.“

„Ja, es ist wie im Leben, eigentlich ist es immer irgendwie ungewiss, wir wissen nie sicher was kommt. Und doch kommt oft etwas Gutes oder zumindest nichts Schlimmes.“

Noch immer war er etwas entfernt hinter ihr.
Jetzt hörte sie ihn näher kommen.
Erschrocken zuckte sie zusammen, als er seine Hände auf ihre Schultern legte.

„Ganz ruhig, Mari, meine Hände kennst du doch bereits von der Schultermassage neulich auf der Parkbank. Und  ja… ich weiß… die Berührung kam überraschend – das ließ dich zusammen zucken. Spüre einfach mal hin… alles okay?
Was sagt die Gefühls-Ampel?“

„Körperlich grün – emotional gelb!“ antwortete Mari nach kurzem Zögern.

„Okay, dann richte mal deine Aufmerksamkeit ganz auf den Körper, besonders auf deine Schultern und die Berührungen meine Hände. Wie fühlt sich das an?“ Sanft massierte er Maris angespannte Schultern.

„Das tut gut…“ seufzte sie

Nach 5 Minuten Wohlfühlzeit löste er seine Hände und ging um Mari herum.

„Du kannst jetzt deine Augen öffnen, Mari.“

Meister_in_Schwazem_Gewand-.Joel stand ca. 2 Meter entfernt von ihr. Er hatte über sein T-Shirt ein schwarzes, weites, bis auf die Erde reichendes Gewand angezogen.

„Ich stehe jetzt als Symbolgestalt für das ganze Leben vor dir, Mari. Und ich frage dich:  Wie fühlst du dich? Was willst du mir, dem Leben, sagen?“

„Leben, ich habe Angst vor dem, was kommt!!!
Ich fühle mich oft so schwach, so verletzbar, so wund…
Ich danke dir für all das Gute, was du mir schon gebracht hast. 
Und das war wirklich viel.
Aber manches war auch ziemlich schwer!
Oh ich bitte dich, sei sanft zu mir! Tu mir nicht noch einmal so weh!“

Bei diesen Worten kamen Mari die Tränen.
Sie barg den Kopf in ihren Händen und schluchzte.

Joel trat auf sie zu, griff ihr vorsichtig unter die Achseln, zog sie sanft empor und führte sie zum Sofa. Er setzte sich in die Couchecke, legte ein Kissen in seinen Schoß und sagte zu ihr: „Mari, ich bin noch immer das Leben, und als solches lade ich dich ein, deinen Kopf in meinen Schoß zu legen, und dich ins Leben hinein zu entspannen. Leg dich hin und gib mir deinen Kopf.“

Noch immer weinend legte sich Mari auf die Couch und legte ihren heißen Kopf in seinen Schoß.

„Ich habe solche Angst!“ brach es aus ihr hervor. „Du kannst mir alles nehmen, alles mit mir machen, mich rütteln und schütteln, mich aufbauen und wieder zusammen falten. Oh Leben, du bist so mächtig, und ich bin so hilflos und klein. Ich möchte nie wieder so schlimme Schmerzen haben… Bitte, bitte! Geh ab jetzt sanfter mit mir um!“

Joel stellvertretend für „das Leben“ strich sanft über ihr Haar, in langsamen, beruhigenden Bewegungen – immer und immer wieder… Ließ sie weinen bis die Tränen versiegten und sie aufhörte zu schluchzen. Unablässig strich er über ihr Haar und ihre Schultern. 
Mari ließ es geschehen und spürte, wie sie sich langsam entspannte. Ab und zu schluchzte sie noch einmal auf… 

„Fühl mal, Mari:
Ich, das Leben, bin stark und groß,
und du bist in meinem Schoß.
Ich, das Leben, bin sanft zu dir –
jetzt und hier. 
Und denk mal zurück,
gab es in all dem Schweren nicht auch Beistand und Glück?
Gab es auch nur eine Situation, die gänzlich ohne Hilfe war?
Gab es auch nur einen Tag, an dem absolut gar nichts Gutes geschah?“

Mari ließ ihre Gedanken zu den verschiedenen schmerzhaften Erlebnissen wandern – und tatsächlich… in allem wurde ihr auch Hilfe zuteil. Oft floss sogar immens viel Liebe – unerwartet, gerade in den besonders schweren Momenten.  Immer waren Menschen da, manchmal Freunde, manchmal auch völlig Fremde, die ihr zur Seite gestanden hatten. Es gab seltsame Zufälle, mit denen gar nicht zu rechnen war, die gute Wendungen mit sich brachten.
Die Intensität der Liebe – war gerade in harten Tagen besonders stark spürbar gewesen. 
Ob das vielleicht der Sinn von allem schmerzlichen Erleben ist, dass die Liebe besonders deutlich zutage tritt…, überlegte Mari im stillen.

„War häufig nicht die Angst ein Verstärker deines Schmerzes?“ fragte Joel als „das Leben“.

„Ja, das stimmt, bekannte Mari, „ich habe so viel Angst in mir, aber ich kann sie nicht wegdenken! Das hab ich schon so oft versucht. Mit allen möglichen positiven Gedanken, Affirmationen, Kraftsätzen und weiß der Geier was – es funktioniert nicht!“

„Stimmt! Du kannst all deine Gefühle nur da sein lassen, atmen und sie fühlen. Und wenn du dich nicht so wehren würdest gegen sie – und vor allem nicht gegen mich, also gegen die Ungewissheit, die ich als „das Leben“ dir bringe, wäre vieles leichter…“

„Das fällt mir so schwer…“ gab Mari zu.

„Genau deswegen tun wir das, was wir hier miteinander tun! Wir üben miteinander…
Du übst, Mari – und ich bin dein Lehrer, der dich immer wieder hinein schickt ins Ungewisse – und dann deine Hand nimmt, um dich da durch zu führen – und sie ganz sicher hält, um es dir leichter zu machen,“ flüsterte Joel. „Das Leben will nicht, dass du es dir so schwer machst. Es will, dass du lernst, ihm zu vertrauen, dich von ihm halten und durch alles hindurch führen  zu lassen…“

Mari setzte sich auf und sah sich das Leben, verkörpert durch Joel an. Der öffnete seine Arme – und Mari ließ sich von ihm halten… Das fühlte sich so gut an,  sooo gut…

„Je mehr du dich in mich hinein entspannst, umso weniger Schmerz wirst du erleben…“ 

„Das will ich lernen – bitte hilf mir dabei!“ 

„Dafür bin ich da.
Dafür hat mich das Leben zu dir geführt, Mari.
Und das tue ich sooo gern!“

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7. Machtabgabe – ein kostbares Geschenk

Bei einem Spaziergang am Sonntag nach dem ersten Treffen

„Warum soll ich eigentlich die Wohnung nicht aufräumen und putzen bevor wir uns bei mir treffen?“ fragte Mari, als beide sich spontan zu einem kleinen Spaziergang am Sonntag nach dem ersten Spiel verabredet hatten und mal wieder gemeinsam auf der Parkbank saßen.

„Das beschäftigt dich also immer noch…“ schmunzelte Joel, der ihr zum Spielpartner geworden war und in dem für sie kniffligen Thema „Angst vor der Nähe mit Männern“ für sie eine Meisterrolle verkörperte. Im Gegenzug gab sie ihm Englisch-Unterricht.

„Okay, von mir bekommst du jetzt die Antwort darauf, nachdem ich sie dir gestern als dein Meister verschwiegen habe. Das tat ich übrigens nicht, weil ich nicht will, dass du den Grund verstehst, sondern weil es im Spiel nicht zu deiner Rolle passt, den Meister nach Gründen seiner Anordnungen zu fragen.“

„Ja , das habe ich inzwischen kapiert,“ entgegnete Mari.

„Es geht mir darum, dass du nichts vor mir verbergen musst. Ich will dich und deine Wohnung sehen so wie du bist, so wie du lebst – genau so wie es ist, wenn ich nicht bei dir zu Besuch bin und du dich ganz unbefangen zuhause aufhältst.
Diese Natürlichkeit darf mit der Zeit wachsen und damit die Sicherheit, dass du dich niemals schämen musst, auch dann nicht, wenn etwas unperfekt, unordentlich, oder sonst wie ist, wie du glaubst, es sei nicht komplett in Ordnung.
Ich möchte, dass die Nervosität, das Überlegen, was du tun müsstest, damit ich zufrieden mit dir bin, immer mehr verfliegt, dass deine alte eingebrannte Angst, stets etwas falsch machen zu können, langsam zur Ruhe kommt.

Denn weißt du Mari… ich, der Joel, und ich als dein Meister, wir mögen dich beide sehr – nicht wegen bestimmter Eigenschaften, sondern einfach weil du du bist! Ich mag die Seite an dir, die klug, stark und freundlich ist, z.B. wenn du in der Rolle der Englisch-Lehrerin bist und mir die Scheu vor dieser Sprache nimmst, und genauso mag ich die Seite an dir, die nervös, ängstlich und angespannt ist, wenn sie in Gegenwart ihres Meisters in der Schüler-Rolle ist.
Und ich mag die Mari, die jenseits aller Rollen mit mir zusammen sitzt, und ihren ganzen Mut auffährt, um mir so offen von sich zu erzählen. Du bist in all deiner Zartheit so stark, Mari!
Ich achte dich sehr – in all deinen Facetten und Farbtönen – wenn du errötest, wenn du blass wirst, wenn du entspannt und locker aussiehst, in bunter Kleidung oder in Jogginghose und weitem Schlabber-T-Shirt – in allem… und sicher auch nackt!“

„Ui,.. kein leichtes Thema!“ Mari blickte verlegen auf die Wiese vor der Bank.

„Ich weiß, antwortete Joel, schau, wir haben Zeit… so viel Zeit wie du brauchst, Mari.“

„Ich fühle mich oft so unsicher dir gegenüber,“ bekannte sie verlegen.

„Und allein diese Offenheit, mir das zu erzählen,“ zeigt deine innere Stärke, die hinter den anderen Gefühlen steht, die dich zum Teil so belasten,“ antwortete Joel darauf mit warmer Stimme.

„Du hattest mir vor drei Wochen von deiner Idee erzählt, verschiedene Rollen füreinander einzunehmen, jetzt sind wir schon dabei, die zu verwirklichen – und das finde ich einen spannenden, interessanten Weg! Ich schätze deine Kreativität und deinen Mut sehr, diesen Stein ins Rollen gebracht zu haben. Mal sehen, wo er mit uns hin rollt…
Es bereitet mir jedenfalls ein wunderbares Gefühl, für dich diese machtvolle Rolle verkörpern zu dürfen, denn in dieser Weise habe ich mich noch nie in meiner Macht und gleichzeitig in der Liebe gefühlt.
Nur weil du mir in diesen Spielen die Macht gibst, Mari, kann ich sie so deutlich verkörpern und dadurch selbst fühlen. Damit machst du mir ein großes Geschenk. Ich glaube, du weißt gar nicht, wie viel du mir damit auch gibst. Und ich will mit dieser kostbaren Gabe sehr achtsam umgehen, Mari, das verspreche ich dir!“

Ganz behutsam nahm er ihre Hand in seine, drückte sie kurz und bekräftigte das eben Gesagte mit diesem Händedruck.

Und Mari erwiderte den Händedruck.

„Joel…“

„Ja?“

„Ich mag dich auch.“

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Willkommen als unsichtbarer Zeuge…

Hallo, tritt ein, lieber Gast,
schön, dass du da bist!

Wie immer du hierher gefunden hast, irgendetwas… ein Wort, ein Bild… ein Gedanke… hat dir den Impuls gegeben, dich für einen kurzen Moment oder vielleicht auch eine etwas zeitlosere Weile hier einzuklicken.
Vielleicht hast du ja Lust, dich von den Szenen und Dialogen berühren zu lassen?
Vielleicht magst du dich fragen:
WAS würde ich an Mari´s Stelle fühlen?
WIE würde ich mich als Meister fühlen?
WELCHE Zusagen und Anweisungen würde ich Mari geben, damit sie einerseits leichter vertrauen kann und andererseits die (liebevoll ausgeübte) MACHT spürt?
WELCHE Rolle würde ich in diesem Moment lieber einnehmen – die von Mari oder die des Meisters?
WIE würde ich sie gern spielen?


Fühle dich eingeladen in der Geschichte von Mari und ihrem Meister, in ihrem Spiel-Raum als unsichtbarer Zeuge dabei zu sein und – wenn du das willst – die Szene auf die dir eigene Weise in deiner Fantasie mit zu erleben oder auch anders zu erleben und sie für dich „rund“ zu gestalten...

Gern kannst du mir von deinen Eindrücken, Gedanken und Gefühlen erzählen – hier im Kommentarfeld oder per Mail.

Meine Mailadresse : miriam28358 ät web.de

Sollte dir ein Satz, ein kurzer Dialog oder ein Erlebnis für Mari und Joel einfallen, sei herzlich eingeladen, sie mir als Mail zu schicken. Möglicherweise baue ich das dann in die Geschichte ein, wenn die Schwingung dazu passt. Auf jeden Fall würde ich es mit viel Interesse lesen und dir eine Antwort darauf schreiben.

Herzlich grüßen dich Miriam (die Geschichtenerzählerin)
und auch Mari und Joel

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