81. Gefühlsknoten…

Bei Joel – eine aufregende Ausgangssituation

„Liebe Mari,
wenn du heute zu mir kommst, bitte ich dich, ein Kleid zu tragen, das vorne durchgehend geknöpft ist – und nichts darunter.

Ich weiß, dass ist schon eine Herausforderung, aber für unsere weitere Reflexion über das Thema „Scham und Peinlichkeit“ wäre es sehr hilfreich.
Bis nachher dann – ich freu mich auf dich!“

Diese Nachricht kam am Vormittag, und seitdem tigerte Mari aufgeregt in ihrer Wohnung hin und her. Sie hatte zwei Kleider, die eine durchgehende Knopfleiste hatten. Nach langem Hin und Her entschied sich für ihr langes blaues Kleid. Die Tatsache, dass sie nichts darunter tragen sollte, machte ihr zu schaffen. Es war zwar schon frühlingshaft draußen, aber noch nicht allzu warm, insofern konnte sie auf jeden Fall draußen noch einen Mantel drüber ziehen. Aber was würde dann bei Joel geschehen? So aufgeregt wie heute war sie lange nicht mehr gewesen…
Joel wusste um die Intensität der Herausforderung und wartete gespannt, wie sie erscheinen und was sie sagen würde.
Die Gedanken, die sie auf dem Weg zu ihm hatte, kreisten nervös um diese Kleider-Frage. Nicht ohne Grund hatte er ja sicherlich die Vorgabe eines vorn gänzlich zu öffnenden Kleides gemacht. Und wenn es dann aufgeknöpft werden würde und sie gar nichts drunter hatte… Nein, das ginge einfach nicht! Am liebsten würde sie wieder umkehren, aber sie wollte diesem Vermeidungs-Impuls nicht folgen.

 Aufgeregt klingelte sie schließlich bei ihm. Freundlich wie immer begrüßte er sie, half ihr aus dem Mantel und lächelte als er das Kleid sah. „Ein hübsches Kleid hast du an! Das Blau steht dir gut.“
Im Wohnzimmer standen zwei Stühle einander gegenüber.
„Setz dich“, forderte er sie ruhig auf.
 Aufgeregt nahm sie Platz, und er setzte sich ihr entspannt gegenüber.
„Das Spiel beginnt.“
Sie nickte, hätte aber am liebsten wieder den Raum verlassen.
„Wie geht es dir, Mari?“ wollte er zunächst wissen.
Leise sagte sie: „So wie heute habe ich mich lange nicht gefühlt, ich würde am liebsten wieder gehen, wenn ich ehrlich bin. Deine Kleidungsvorgabe verunsichert mich sehr.“
„Verunsichert dich? Warum? Was befürchtest du?“
Mari spürte, wie eine Welle Wut in ihr hoch stieg. Als wenn er sich das nicht denken könnte… grummelte sie innerlich still vor sich hin. Und weiter dachte es in ihr: Jetzt bloß nicht pampig werden… Er muss ja nicht merken, wie mich das trifft. Aber was antworte ich darauf?
„Na die Knopfleiste wird ja nicht ohne Grund von dir gefordert worden sein!“ hörte sie sich schließlich sagen.
Er nickte. „Das stimmt. Aber du weißt auch, dass kein einziger Knopf ohne deine Zustimmung geöffnet wird – wenn überhaupt…“
„So? Weiß ich das?!“ entfuhr es ihr.
Ernsthaft blickte er sie an: „Ja. Das weißt du sehr genau!“
GefühlsknotenOh , Mari fühlte ein entsetzliches Gefühlsknäuel in sich, dass sie inzwischen kaum noch sortieren konnte.
„Du weißt, dass in unseren Sessions noch nie etwas passiert ist, was gegen deinen Willen war. Oder?“ erinnerte er sie.
„Stimmt irgendwie…“ musste sie zugeben.  Dennoch: Da war Wut in ihr, überhaupt in dieser Situation zu sein… Da war Scham… Da war Zweifel, ob sie sich im Ton vergriffen hatte… Da war Angst, dass er daraufhin sauer, genervt oder ärgerlich sein könnte… und das alles bildete einen unangenehmen Knoten in ihrem Solarlexus. Starr schaute sie aus dem Fenster.
„Bist du überhaupt bereit für eine gemeinsame Session, Mari?“ fragte er mit einem Gesichtsausdruck, den sie nicht deuten konnte.
„Joel, dieses Kleidungsthema hat so viel in mir ausgelöst… Beende unser Treffen bitte jetzt nicht, weil ich mich so daneben fühle.“
Er schüttelte den Kopf. „Wie kommst du auf sowas? Das habe ich absolut nicht vor! Aber ich habe das Gefühl, dass du zu blockiert bist, um dich auf eine gemeinsame Übung einlassen zu können. Und da ist es wichtig, erstmal hin zu schauen, was es ist, was sich da in dir bewegt.“ Freundlich schaute er sie an. „Was ist los, Mari?“
„Ja, es stimmt, ich fühle mich wirklich irgendwie blockiert! Da sind so viele schwierige Gefühle…“
Jetzt nachdem sie es ausgesprochen hatte, fühlte sie sich schon etwas leichter.
„Welche Gefühle sind das denn?“ fragte er, beugte sich etwas nach vorn und sah sie interessiert an.
Sie zögerte… „Sei dann aber bitte nicht sauer!“ 
„Ganz bestimmt nicht!“ versicherte er ihr.
„Okay“, sie gab sich einen Ruck, „als du vorhin gefragt hast `Was befürchtest du? Warum bist du verunsichert?´ ist Wut in mir entstanden, weil ich mir gedacht habe: `Das weißt du doch genau! Du ahnst doch sicher, dass deine Nachricht solche Gefühle in mir auslöst! Und wahrscheinlich hast du das auch bewusst getan! Und  nun stellst du dich verwundert und fragst nach, als ob das das Seltsamste von der Welt wäre!´  Gleichzeitig wollte ich aber nicht wütend sein und dir das vor allem nicht zeigen! Habe aber gespürt, dass ich es nicht ganz verbergen konnte, und dann habe ich mich geschämt, weil die Heftigkeit dafür sicher nicht angemessen war. Außerdem ist es mir peinlich, ohne irgendetwas unter meiner Kleidung zu sein.“
Joel nickte und fragte ruhig: „Was erzeugt in dir Wut, wenn ich unsere Vereinbarung umsetze?“
Verwirrt frage Mari: „Welche Vereinbarung? Was meinst du?“
„Wir haben vereinbart, dass wir uns innerhalb unserer Sessions unter anderem mit den Themen Sehnsucht, Angst,  Scham, Peinlichkeit beschäftigen – und das durchaus auch ganz praktisch. Dazu muss ich manchmal auch Situationen schaffen, die diese Gefühle auf den Plan rufen.“
Mari überlegte… schließlich erklärte sie: „Nicht über den Inhalt dieser Session war ich wütend, sondern über deine Frage, was mich verunsichert. Ich dachte, das ist doch eine rhetorische Frage, du weißt doch sicher, dass die Kleidung mich verunsichert. Außerdem ist diese Wut und die Verunsicherung einfach aufgestiegen, da hatte ich nicht das Gefühl irgendeine Entscheidung darüber treffen zu können, ob sie eine Daseinsberechtigung hat oder nicht, sie war einfach da!“
Er antwortete gelassen: „Ja, aber wir wollen doch genau dieser Verunsicherung und allen damit verbundenen Gefühlen auf den Grund gehen und sie soweit es möglich ist auflockern. Das ist doch unser Thema.“
Mari nickte: „Hast ja recht. Deshalb wollte ich ja auch nicht zeigen dass ich wütend war, weil ich es selbst nicht richtig finde.“
Freundlich schaute er Mari an. „Mari, alles, was du fühlst darf da sein. Verbergen ist nicht sinnvoll und gelingt meist auch nicht. Wenn wir offen drüber reden, können wir viel mehr erreichen. Doch um genau herauszufinden, was dich gerade bewegt, muss ich leider manchmal Fragen stellen, die dir nicht immer angenehm sind. Und manchmal frage ich noch tiefer nach, was es genau ist, was du mit einer Thematik wie jetzt die Verunsicherung verbindest, wie sie sich anfühlt, wodurch sie gerade entstanden ist, wo du sie im Körper fühlst, und so weiter. Dadurch wirst du dir selbst bewusster darüber, welche Gedanken es genau sind, die diese Gefühlsknäule in dir auslösen. Gedanken sind oft so flüchtig, passieren wie automatisch im Unbewussten, und erst wenn wir sie beobachten und untersuchen, entdecken wir, wodurch wir uns manchmal so blockiert, verunsichert oder wütend fühlen. Meist ist es so, dass unangenehme Gefühle durch Gedanken ausgelöst werden, von denen wir nicht mal im Ansatz wissen können, ob sie wahr sind. Und erst wenn wir diesen Gedanken auf die Spur kommen, und sie auf ihre Wahrheit und Nützlichkeit untersuchen, können sich die Gefühle verändern, die dadurch entstanden sind. Ich frage nicht, um dich zu nerven oder gar mich darüber zu erheben, was du fühlst, im Gegenteil, ich will erreichen, dass wir beide besser verstehen, was sich hinter deinen Gefühlen für Gedanken verbergen.“
Mari wurde rot – wie hatte sie sich wieder einmal geirrt in ihm! „Okay“, sagte sie leise.
Er beugte sich vor und nahm ihre Hand. „Mir ist klar, dass das nicht leicht ist, aber es gilt eben genau hinzuschauen.“
„In Ordnung – ich versuche es!“ antwortete sie leise.

„Prima! Also? Was bewegte sich in dir, seit du meine Nachricht erhalten hast? Was waren da für Gedanken und Gefühle?“
„Na ja… die Frage, warum ich nichts drunter ziehen und ein Kleid mit gänzlich durchgehender Knopfleiste anziehen sollte, legte für mich nahe, dass es eine mir peinliche Situationen geben wird, wenn es ums Öffnen der Knöpfe geht, und ich weiß nicht, ob und wie weit ich das tun oder zulassen kann. Und peinlich ist mir auch die Tatsache, dass unsere Session heute schon so verunglückt angefangen hat…“
„Verunglückt? Ach was! Schwierige Gefühle gehören zu dem, was wir hier tun, dazu. Das ist kein Unglück, im Gegenteil! Was sich zeigt, können wir beleuchten und klären.“ sagte er langsam. „Und was du zulassen kannst… nun, genau das gilt es herauszufinden – vielleicht nur ein Knopf, vielleicht drei, vielleicht keiner oder alle… Das ist ja gerade das Spannende, was wir beide bis jetzt noch nicht wissen. Und wie auch immer diese Herausforderung für dich sein wird, wie viele Knöpfe du öffnest oder auch nicht – es ist okay!“ 

Wie sie diese Herausforderung erleben wird, ist im folgenden Kapitel zu lesen.

Geschrieben von Rafael und Miriam

Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge

80. Druck – selbstgemacht

Bei Joel – Alles findet im Kopf statt

Als Mari auf dem Weg zu Joel war, dachte sie an das letzte Gespräch der beiden, indem sie ihm von ihren in letzter Zeit häufig auftretenden Träumen erzählt hatte, in denen es immer wieder um Prüfung und Versagensangst ging. Er hatte eine Andeutung gemacht dass er das im nächsten Treffen zum Thema machen würde.
Joel hat ein wenig umgeräumt und wartete auf sie.
„Hallo Mari, schön dich zu sehen, komm herein“, begrüßte er sie freundlich wie immer.
Und als sie eintrat, sagt er gleich: „Das Spiel beginnt.“
Ups, dachte Mari, das ging ja schnell heute, ohne Vorgespräch, ohne etwas zu trinken, da bin ich ja gespannt, was jetzt kommt…“
Im Raum stand ein Tisch und davor und dahinter ein Stuhl. Unschlüssig betrachtete sie dieses Setting und schaute ihn fragend an.
„Setz dich“, sagte er in seiner Meisterrolle sanft und brachte ihr ein Glas Wasser, ein paar weiße Blätter Papier und einen Kugelschreiber.
Das scheint tatsächlich mit dem Prüfungsthema zu tun zu haben, dachte Mari etwas beklommen.
Er setzte sich auf den anderen Stuhl ihr gegenüber hinter dem Tisch und fragte: „Bereit für heutige Lektion?“
„Ja, okay, ich bin bereit“, antwortet Mari.
„Ich werde Dir ein paar Fragen stellen“, erklärte er, „bitte schreibe die Antwort auf und lies sie mir dann vor, verstanden?“
Sie nickte: „Ja.“
„Ich werde dir auf jede Frage eine Punktanzahl sagen, und du schreibst sie dann auf das Papier unter die jeweilige Frage.“
„Hm, ja, in Ordnung. Wie viel sind denn die maximale Punktzahl?“
„Aufgabe 1“, sagte er und schaute sie an.
„Sie nickte.“
„Nenne drei Assoziationen zum Thema Vertrauen.“

Krampfhaft überlegte sie,. Warum fällt ihr nur so schnell gar nichts ein? Vertrauen… vertrauen… vertrauen… kann gelingen oder auch nicht… Dachte sie. Und dann schrieb sie auf:
– Selbstvertrauen
– Gottvertrauen
– Vertrauen ins Leben
Und dann las sie ihm die 3 Begriffe vor.
Er nickte nachdenklich. „Ok, 2 Punkte. Schreib sie dazu.“
So schrieb sie die Zahl 2 und fragte sich: Welcher der drei Begriffe war wohl falsch? Warum habe ich nicht die vollen 3 Punkte erhalten.
„Die nächste Aufgabe“, kündigte er an, „vervollständige den Satz: Wenn ich meinem Meister nicht vertraue, dann …
Und sie antwortete spontan: „… dann habe ich es schwer in dem, was wir hier tun.“ Auch das las sie laut vor.
„3 Punkte“, sagte er.
Das scheint so eine Art Zwischenprüfung zu sein, die sich auf unsere Thematik hier bezieht, dachte Mari beklommen. So gut fühlt sie sich mit ihrem Vertrauen noch nicht…
„Nenne drei Dinge, die es dir schwer machen zu vertrauen.“
„Angst zu versagen, Angst vor unangenehmen Erfahrungen, Angst vor peinlichen Momenten.“ „Hmmmm,“ sagte er, „notiere einen Punkt.“
Traurig schrieb sie einen Punkt auf und ein unangenehmes, heißes Gefühl kroch ihr den Rücken hinauf. Weiter ging es. „
„Nenne drei Dinge die dir peinlich sind.“
Oh jeh, dachte Mari, diese Fragen werden ja immer unangenehmer… Und sie schrieb nach einiger Überlegung auf und las dann vor:
Wenn mir nichts einfällt zu sagen auf eine Frage…
Wenn ich unangemessen oder spärlich angezogen bin…
Wenn ich Fehler mache…“
„Einen Punkt“, sagte Joel. Sie schrieb die Eins hin und überlegt, was wohl passieren würde, wenn das Gesamtergebnis dieser Prüfung ungenügend wäre. Was hätte das wohl zur Konsequenz? Wenn sie doch wenigstens wüsste, was für ein System dieser Bewertung zugrunde liegt.
Weiter fragte er: „Nenne drei Dinge, die dir Lust bereiten und gut tun.“
Für diese Frage brauchte sie nicht allzu lange nachzudenken: „Umarmen, Streicheln, Kopfmassage.“
„Zwei Punkte“, sagte er. Sie schrieb die Zahl zwei auf und überlegte, welcher von den drei Begriffen für ihn wohl nicht einen Punkt wert waren.
Weiter ging es: „Nenne drei Dinge die erregend sind für dich.“
Mari saß vor ihrem Papier… Was könnte sie nur aufschreiben? Es war nicht so, dass ihr nichts einfiel, aber alles in ihr sperrte sich dagegen, diese Gedanken aufzuschreiben und ihm anschließend vorzulesen. Die Frage war einfach zu peinlich… Der Widerstand zu groß…
Er schaute auf die Uhr.
Schließlich sagte sie: „Ich kann dazu nichts aufschreiben, entschuldige bitte.“
Er nickte und meinte: „Null Punkte.“
Ihr fällt zwar ein dass es sie erregt an der Brust berührt zu werden, aber sie bringt es nicht fertig das aufzuschreiben
Das war klar, sie schrieb die Null hin und kämpfte mit den Tränen.
„Dann schauen wir mal. Zähl mal alles zusammen. Wie viele Punkte hast du insgesamt?“
„15“ antwortete sie.
„Und? Was glaubst du, hat es gereicht?“
Was würde das denn jetzt bedeuten? Und welche Folgen würde es haben? überlegte sie in Gedanken und antwortete: „Ich weiß es doch nicht. Ich hoffe zumindest, dass ich nicht durchgefallen bin, auch wenn ich die letzte Frage gar nicht beantworten konnte.“
„Hm, du meinst du hast bestanden?“
So wie er das fragt, klingt es eigentlich nicht so. Drängte sich ein unangenehmer Verdacht auf. Aber tapfer vertrat sie sich: „Wenn ich selbst jetzt meine eigene Lehrerin wäre, dann würde ich schon meinen ich hätte bestanden, ich habe, so meine ich, jede Frage bis auf die letzte beantwortet.“ Und so bekräftigte sie noch einmal: „Ja, ich glaube ich habe bestanden.“
„Und wie fühlt sich das an?“ fragte er mit undurchdringlichem Blick.
„Im Moment noch sehr unsicher, weil ich ja nicht weiß ob es stimmt. Kannst du mir nicht bitte sagen, was du darüber denkst? Wie dein Urteil ist?“
Er redete weiter, ohne ihre Frage zu beantworten. „Und was könntest du wohl bestanden haben?“
Mari zuckte mit den Schultern. „Ja, wenn ich das wüsste… Diese ganze Situation ist irgendwie so undurchschaubar
Geht es vielleicht darum, wie zufrieden du mit mir hier bist?“
„Und? Wie wirke ich? Bin ich zufrieden?“ fragte er weiter.
Unschlüssig scheute sie ihn an. „Auch du wirkst ziemlich distanziert und undurchschauber, also ich neige dazu zu sagen, du wirkst nicht sehr zufrieden.“ Traurig schaute Mari an ihm vorbei aus dem Fenster.
„Das ist eine Interpretation – in einer Situation, die du, wie du sagst, nicht durchschaut hast. Eben warst du noch der Meinung bestanden zu haben. Warum sollte ich dann unzufrieden sein?“
„Du wirkst auf mich irgendwie so… Und meine Einschätzung, kann ja abweichend sein von dem sein, was du denkst.“
„Kann… aber muss nicht! Gerade warst du noch von dir überzeugt. Warum jetzt so unsicher?“
„Ich weiß nicht… Deine Fragen und dein Auftreten verunsichern mich.

Er begann, etwas zu lächeln. „Das war eine schwierige Prüfung, oder?“
Jetzt kamen Mari die Tränen tatsächlich, sie konnte sie nicht mehr zurückhalten. „Ja, das war wirklich eine schwere und unangenehme Prüfungssituation!“
Er ergriff sofort ihre Hand, drückte sie sanft und nickte. „Waren das so ähnliche Gefühle, wie du sie in deinen Träumen hast, die dich so belasten?“
„Ja stimmt, so ähnlich…, aber sag mir doch jetzt bitte mal, was du über mich denkst?“ brachte sie aufgeregt heraus.
Er lächelte: „Ich finde, du hast du gut behauptet in einer merkwürdigen Situation…, die… du viel zu ernst genommen hast.“
„Wie meinst du das?“ Fragend schaut Mari ihn an.
Er antwortete gelassen: „Na, was bringt mich denn im eine Position dich zu prüfen? Und was hätte es für einen Sinn, Vertrauen zu bewerten? Und was hätte es darin für eine Konsequenz oder für einen Abschluss geben sollen? Aber die Situation hat dich sofort gefangen genommen…“
„Ja, das stimmt, ich habe mich durch das Setting in einer ziemlich heftigen Drucksituation gefühlt. Ich dachte nach und nach immer mehr, dass es darum geht, wie zufrieden du mit mir bist hier in unserem Miteinander – grundsätzlich, und speziell heute in dieser Prüfungssituation ganz besonders.“
„Meinst du echt, über Vertrauen und ähnliches würde ich eine schriftliche Prüfung machen? Schon sehr unwahrscheinlich, oder?“
„Darüber habe ich gar nicht nachgedacht. Das hat mich gefühlsmäßig alles tatsächlich sehr an meine Träume erinnert…“
Joel nickte. „Ja, ich wollte dich diese Gefühle bewusst spüren lassen und sehen, wie du reagierst. Du hast nicht gezögert, nichts in Frage gestellt, warst sofort drin.“
Sie entgegnete: „Ganz am Anfang habe ich eine Frage nach dem Bewertungssystem gestellt, aber die hast du ignoriert, und dann traute ich mich nicht weiter zu fragen. Und stimmt… dann war ich in der Situation gefangen.“
„Wie geht es dir jetzt?“ fragte er.
„Naja, noch ziemlich durchgerüttelt. Das waren ja auch Fragen, die mich tief innen betroffen haben. Und ich wüsste immer noch gern, was du über meine Antworten gedacht hast.“
„Ich habe allem einfach nur interessiert zugehört ohne es wirklich zu bewerten. Das war nur Show, um es prüfungsähnlich zu machen. Ich habe bewusst einfach nur Zahlen genannt, die eigentlich gar keinen Sinn ergaben.“
Mari schüttelte verwundert den Kopf. „Es waren ja immer drei Dinge, nach denen du gefragt hast. Deshalb dachte ich, dass die Zahlen je nach deiner Zufriedenheit eine eins, zwei oder drei ergeben müssten, also drei wenn alles top war und eins ziemlich mangelhaft. Na ja und 0 war ja sowieso klar am Ende. War es nicht so?“
„Nein, das hast du dir nur so ausgedacht. Du kanntest die Kriterien nicht… weil… es keine gab!“
„Es gab absolut keine??? Und dabei hast du manchmal so ausgesehen, als würdest du genau nachdenken.“
Er lachte. „Ich wusste nicht einmal, wie die nächste Frage lauten würde, das ergab sich nach und nach aus dem, was du sagtest.“
„Das ist ja dann eine seltsame Prüfung… Was war deine Absicht dabei?“
„Ich wollte dich mit den Gefühlen deines Traumes konfrontieren und dir die Gelegenheit geben, sie bewusst in einer sicheren Situation wahrzunehmen, in der du zum Beispiel auch hättest aussteigen oder die Prüfung verweigern können, oder sie mit Humor nehmen… Wie auch immer – ich wollte kein Wissen, sondern Reaktionen wahrnehmen und heraus kitzeln. Die Situation war eigentlich ganz harmlos.“
„Aber angefühlt hat sie sich nicht so harmlos!!! Du hast sie so gestaltet dass sie schon ziemlich bedrückend für mich war.“
„Der Druck passierte aber nur in deinem Kopf. Ich habe dir keine negative Folge angedroht oder auch nur irgendwie angedeutet und in den Raum gestellt.“
„Ja das stimmt, gab Mari zu, „aber wenn du ehrlich bist, hast du schon einiges dazu getan, dass ich mich so verunsichert gefühlt habe, oder?“
„Ja, aber du hast dich sofort einfach darauf eingelassen.“
„Du hast mich, glaube ich, absichtlich in eine Drucksituation gebracht – und ja ich habe mich einfach darauf eingelassen das stimmt.“
„Ja, und den Druck hast du dir selbst gemacht, „ich habe keine Erwartung gestellt, keine Anforderung, keine mögliche Konsequenz genannt, ja, ich habe nicht mal das Wort Prüfung erwähnt.“
„Hast du nicht??? Das ist mir gar nicht mehr ganz präsent. Für mich war die Situation so eindeutig… Aber sag doch mal ehrlich, das hast du doch erwartet oder?“
„Ein Stück weit schon, aber ich habe ganz bewusst auf jede Formulierung verzichtet, die mit Prüfung zu tun hat, um dir zu zeigen, dass du dir den meisten Druck ganz alleine in dir selbst machst.“
„Na das ist dir gelungen!“
„Und was denkst du jetzt darüber?“
„Es passiert ziemlich von alleine, und das leider sehr oft, dass ich mir Druck mache, meine ich. Ich würde mir von mir selber wünschen, dass ich nicht so schnell in solche Fallen tappe.“
„Wichtig ist, dass du erkennst, dass du selbst dir den Druck machst!“
„Das hilft mir aber, glaube ich nicht, dass ich beim nächsten Mal nicht wieder in diesen Automatismus hinein gerate. Das passiert irgendwie ganz von alleine, ohne dass ich mir dessen bewusst bin.“
„Du wirst dich an diese Situation heute sicher öfter erinnern, wenn wieder solche Gefühle in dir entstehen, und dann ist der wichtigste Schritt zu prüfen, wer in der Situation die Erwartung hat.“
Mari wiederholte die Worte: „… wer in solchen Situationen die Erwartung hat. …Du meinst, das bin meistens ich selbst – und ich projiziere dann meine Erwartungshaltung in den anderen hinein…?“
Joel nickte. „Ja, vermutlich ist das oft so – auf jeden Fall zwischen uns beiden, aber wahrscheinlich auch öfter mal in deinem täglichen Leben. Du machst dir den meisten Druck selbst – und nur du kannst dann den Druck such verringern.“
Mari nickte nachdenklich – Ja, da ist was dran, aber im Außen können andere Menschen schon verstärkend auf den Druck einwirken oder entlastend. Allein schon ein Lächeln oder ein distanzierter Blick können ein subjektives Druckgefühl verstärken oder lindern, finde ich.“
„Ja sicher können andere dein Druckgefühl erhöhen oder lindern, aber frage dich immer, ob die anderen wirklich bestimmte Erwartungen an dich haben, oder ob du das nur vermutest. Und selbst wenn sie welche an dich haben, wäge für dich ab, ob du sie erfüllen willst, oder nicht. Es ist immer deine Wahl.“
„Ja das stimmt, das ist meine Verantwortung, da hast du recht. Und selbst wenn sie Erwartungen haben und sich so verhalten dass sie den Druck erhöhen, ist es ja meine Entscheidung, ob ich mich von ihnen abhängig machen will oder nicht…“
Joel nickte bestätigend. „Ja genau. Und welche Situation könnte es schon geben, wo du wirklich unter Druck kommen könntest? Wie viele Prüfungen willst du denn machen?“ Dabei lächelte er.
„Aber auch ohne reale Prüfungen erscheint mir das Leben oft wie eine grpße Prüfung. Ich habe Angst davor, dass andere von mir enttäuscht sind. Frage mich immer, ob ich mich angemessen verhalten habe, ob ich etwas vermasselt habe ohne es zu merken… Es geht glaube ich darum, mich von ihrer Erwartungshaltung unabhängig zu machen.“
„Ja, denn nur in echten Ptüfungssituationen ist ihr Urteil wirklich entscheidend.“
„Stimmt, der wichtigste Mensch in meinem Leben bin ich – und entscheidend ist was ich selber von mir denke.“
„Jeah! Das ist der Punkt! Damit ist das Spiel fast zu Ende… Eine Frage noch.“
„Ja ??? Mari nahm wahr, wie ihr Herz schon wieder unwillkürlich zu klopfen begann.“
„Gibt es wirklich nichts, dass dich erregt?“
Mari antwortete etwas verlegen: „Doch, natürlich gibt es Dinge, die mich erregen, aber ich war einfach nicht in der Lage sie aufzuschreiben.“
„Nun dann freue mich darauf, sie nach und nach zu erfahren.“ Er lächelte. „Das ist Spiel ist vorbei.“

„Kannst du mich jetzt bitte mal ganz fest in die Arme nehmen?“ fragte sie erschöpft.
„Aber gerne doch!“ Er kam zu ihr, und sie schmiegte sich in seine Arme. „Das tut jetzt sooo gut,“ flüsterte sie.
Er drückte sie sanft und eng an sich.
Sie atmete ganz tief. „Gott sei Dank ist diese Situation vorbei!“
„Du hast sie gut gemeistert!“ sagt er leise in ihr Ohr.
Erstaunt schaute sie ihm in die Augen: „Das meinst du nicht wirklich?! Ich habe mich ja richtig gefangen nehmen lassen. Habe das alles nicht durchschaut und einfach mitgespielt. Aber eins sage ich dir: Daraus will ich wirklich was mitnehmen!!!“
Er nickte: „Na, dann hat es doch einen Sinn gehabt! Und ich muss schon sagen: Du hast dich tapfer da durchgekämpft und warst sogar der Meinung dass du es geschafft hast. Das ist schon nicht so leicht gewesen!
Du hättest auch viel früher aufgeben und scheitern können.“
Mari lächelte: „So habe ich das noch gar nicht gesehen, da hast du auch wieder recht. Jetzt habe ich noch eine Bitte an dich.“
„Welche?“ fragte er interessiert.
„Könntest du bitte sagen: Mari, du hast die nicht stattgefundene Prüfung bestanden!“
Er lächelte und sagte laut und deutlich: „Mari, du hast die nicht stattgefundene Prüfung bestanden!“
„Danke!“ Jetzt lächelte auch Mari 😊 und fühlte sich richtig froh.

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61. Immer einen Schritt nach dem nächsten – und die Gedanken werden leiser…

Bei Joel: Eine wettere Vertrauensübung

Als Mari heute das Wohnzimmer von Joel betrat, bemerkte sie das es ungewöhnlich warm war.
Auf dem Tisch lag der Seidenschal, den sie nun schon mehrmals vor ihren Augen hatte.
Joel ging noch einmal in die Küche, um etwas zu trinken zu holen, schenkte Mari ein Glas Wasser ein und sagte: „Ich denke, wir machen heute beim Thema Vertrauen weiter. Bist du bereit, Mari?“
Sie schluckte und antwortete: „Ja, ich bin bereit.“ Welche Übung würde wohl heute auf sie zu kommen? Sie spielte sie mit ihm ja diese Rollenspiele, um ihr Vertrauen zu stärken, dennoch hatte sie immer wieder etwas Angst vorher und oft auch innerhalb der Spiele.

„Das freut mich sehr“, lächelte Joel, „das Spiel beginnt.“ Mit diesen Worten nahm er den Schal in die Hand, stellte sich hinter sie, legte ihn ihr ganz sanft über die Augen und verknotete ihn schließlich.


Mari stand still und versuchte mit ihrer Aufregung klar zu kommen. Was würde nun wohl geschehen?

„Alles gut, Mari?“ fragte er leise.

„Ja, alles okay, ich bin nur ein bisschen aufgeregt“, antwortete sie ehrlich.

„Du weißt, ich passe auf dich auf, nicht wahr?“

Sie nickte.

„Es ist recht warum, magst du deine Strickjacke ausziehen?“ bot er ihr an.

Das tat sie gern, denn ihr war in der Aufregung ziemlich heiß geworden. Er half ihr dabei, und als die Jacke fast ausgezogen war, verdrehte er sie plötzlich so, dass ihre Arme in der Jacke gefangen waren.
Sie versuchte, sich da irgendwie heraus zu winden, doch er zog ein paar mal an der Jacke, so dass die Arme plötzlich darin eingebunden waren.

„Halt still Mari“, wies er sie an.

Mari erschrak. „Ach, das machst du mit Absicht…“

„Ganz ruhig Mari“, flüsterte er leise an ihrem Ohr. Ich bin und bleibe die ganze Zeit in deiner Nähe. Dir kann nichts geschehen.“

Nun konnte sie nichts sehen und ihre Arme kaum bewegen. Sie versuchte, ihre Aufregung durch ruhigeres Atmen in den Griff zu bekommen, aber das funktionierte kaum. Sie fühlte sich äußerst nervös.

„Setz dich“, sagte er und führte sie, so dass sie sicher zu dem Stuhl gelangte.
Sie nahm ihn von hinten an ihren Knien wahr und fühlt sich ziemlich hilflos.
Joel half ihr mit einem festen Griff an den Schultern, dass sie sich ganz vorsichtig und sicher setzen konnte. Sie spürte deutlich, wie ihr Herz schlug.

Als sie sicher saß, ließ er sie los, und es wurde still im Raum.
Dass sie nicht wusste, wo genau er war, konnte sie nur schwer aushalten.
Es gab keine Geräusche, die ihn verrieten. Sie lauschte angestrengt, spürte den Pulsschlag in den Ohren rauschen. Endlich durchbrach er die Stille: „Gut, Mari, jetzt steh auf. Sie konnte nicht genau zuordnen, wo er sich im Raum befand.
Langsam erhob sie sich und fühlte sich dabei sehr unsicher, da sie sich ja mit den Händen nicht abstützen konnte.

„Sehr gut Mari“, lobte er sie, „und jetzt geh drei Schritte vor.“

Langsam setzt sie drei Schritte nach vorn.

„Ja, prima, nun dreh dich nach links und geh zwei Schritte vor. „
Sie folgte seiner Anweisung und fühlte sie sich langsam etwas sicherer.

So ging das noch ein ganzes Weilchen, mal nach links, mal nach rechts, mal mehr mal weniger Schritte, bis sie völlig die Orientierung im Raum verloren hatte.
Mit der Zeit wurde sie sicherer dabei, und fühlte sich irgendwie ganz seltsam ruhig in dieser Orientierungslosigkeit. Immer ruhiger wurde ihr Denken… Mit der Zeit war nichts mehr wichtig, nur immer der nächste Schritt. Seine Anweisungen gaben ihr irgendwie eine Struktur vor, an der sie sich innerlich festhalten konnte. Sie brauchte nur zu folgen, nichts selbst zu entscheiden. Das tat richtig gut.
Nach der gefühlten hundertsten Anweisung sagte Joel zu ihr: „Du machst das sehr, sehr gut Mari. Bleib einen Moment so stehen. “ Seine Stimme schien fast um sie herum zu klingen…
Sie freut sich über das Lob , stand still und erwartete, dass er ihr nun die Augenbinde abnehmen würde und die Übung beendet sei, aber nein…
Es kam eine weitere Anweisung: „Jetzt, lass dich nach hinten fallen, Mari.“

Boah… Das kostet Überwindung. Sie konnte nicht einschätzen, in welchem Abstand er sich von ihr befand. Gern würde sie seiner Anweisung folgen, aber noch gelang es ihr nicht.

Er nahm ihren inneren Kampf wahr und ermutigte sie: „Du warst beim Gehen so mutig und sicher, Mari, das hast du so phantastisch gemacht, nun lass dich noch rückwärts fallen.“

So gern würde sie wissen, wo er stand, wusste aber, dass es keinen Sinn hatte, ihn zu fragen. Sie erinnerte sich an die vielen Male, in denen er eine Übung für sie leichter gestaltet hatte, als sie zuvor dachte. Auch daran, dass er sie schon einmal von hinten aufgefangen hatte, dachte sie. Das war nun schon viele Wochen her. Ganz nah hatte er hinter ihr gestanden… Sicher würde er darauf achten, sie auch dieses Mal nicht fallen zu lassen. Warum war es dennoch so schwer, los zu lassen und sich nach hinten fallen zu lassen.
Sie atmete tief ein und dachte: „Jetzt!“ Aber es gelang nicht, ihr Körper folgte einfach nicht ihrer gedanklichen Anweisung.“

„Komm Mari,“ lockte er sie freundlich, „du weißt, dir wird nichts passieren.“

Immer noch zögerte sie…

Und bei seinen Worten: „Ich weiß, du schaffst das Mari!“, holte sie tief Luft, dachte noch einmal „Jetzt!!!“ und…. ließ sich schließlich fallen.

Anders als bei dem Spiel, das sie vor einiger Zeit schon mal hatten, waren seine Hände allerdings nicht sofort da, und sie begann tatsächlich deutlich zu kippen. Doch nach einem kurzen Schreckmoment waren seine Hände da, fingen sie kräftig und fest auf, und ließen sie ganz sanft auf einen Stuhl sinken.
Ihr war heiß, in ihrem Kopf kribbelte es und sie atmete aufgeregt.

„Sehr gut Mari“, lobte er sie.
Froh, seine Stimme nun ganz in der Nähe zu hören, wünschte sie sich, jetzt eine Berührung von ihm zu spüren.
„Würdest du mich bitte einen Moment umarmen?“ fragte sie leise.

„Aber sehr gerne“, lächelte er und nahm sie fest in die Arme.

In diesem Moment spürte sie erst, wie ihr Körper zitterte, und war dankbar für die Umarmung.
Er hält sie ganz fest. „Ruhig und tief atmen, Mari, das hast du sehr, sehr gut gemacht! Du hast großen Mut bewiesen und großes Vertrauen. Es war heute ja auch deutlich schwieriger, dich fallen zu lassen, aber du hast es gemacht, Mari!“ Daraufhin zog er ihr die Strickjacke nun mit nur einem kleine Zug an der richtigen Stelle aus. Auch die Augenbinde nahm er ihr nun ab und lächelte sie an…

„Danke für deine Anerkennung, das tut gut dass die Strickjacke jetzt ab kommt!“

Sie genoss es, wieder sehen und sich frei bewegen zu können.

„Das war wirklich sehr, sehr gut Mari“, sagte er noch einmal, und dann: „Das Spiel ist vorbei!“

Mari schaute Joel an und ging einen Schritt auf ihn zu, und… er nahm sie in seine Arme.

„Da hat es mir der Meister heute aber ziemlich schwer gemacht“, erklärte sie leise, und genoß seine Umarmung.

„Ja“ gab er zurück, „das war wirklich eine starke Herausforderung an dein Vertrauen, aber du hast sie super gemeistert, hast großen Mut bewiesen und ihm vertraut.“

„Du glaubst gar nicht, wie schwer mir das gefallen ist, Joel!“

„Oh doch, das glaube ich“, sagte er und drückte sie enger an sich, „aber du konntest es, weil dein Vertrauen wächst.“

„Es war heute so unheimlich, schon am Anfang, als er so lange geschwiegen hat, als ich auf dem Stuhl saß… Dann das Laufen ging ganz okay mit der Zeit, aber das Fallen lassen – das war echt heftig! Puh…“

„Ja, zumal er vorher dafür gesorgt hast, dass du die Orientierung verlierst beim Gehen , aber du hast dich nicht irritieren lassen und hast ihm vertraut! Ich bin beeindruckt, Mari!“

„Na doch habe ich mich irritieren lassen, ich habe völlig die Orientierung verloren hier im Raum, ich habe nicht mal mehr die Richtung seiner Stimme zuordnen können, da war ich schon sehr irritiert. Und ich glaube das war Absicht, stimmt’s?!“

„Ja sicher, es sollte ja schon etwas herausfordernder sein, als beim letzte Mal, schließlich willst du ja in deinem Vertrauen wachsen – und du hast tatsächlich noch mehr Vertrauen gezeigt! Prima, Mari!“

„Hm… der Meister ist schon ziemlich kreativ in seinen Übungen, da bekomme ich jetzt schon Bammel vor dem nächsten Mal…“

„Aber du weißt doch, dass es gut ausgehen wird!“ lächelte Joel.

„Warum habe ich dann trotzdem immer wieder so dolle Angst? Ich weiß gar nicht, welche Angst heute größer war: die Angst vor dem Fallen lassen oder die Angst davor, es nicht zu schaffen.“

Joel überlegte: „Tja, warum ist das so mit der Angst… Ich denke, weil es etwas Neues, etwas Ungewohntes ist, und weil du immer noch die unangenehmen Erinnerungen in dir trägst, die in ungewissen Situationen immer wieder aktiviert werden.“

„Ja, so wird es sein. Die kommen wohl immer wieder, wenn es eine neue Steigerung der Herausforderung gibt.“

„Ja, aber mit jedem Schritt, gewinnst du mehr Vertrauen, Mari, sonst wäre es dir heute blind und mit gefesselten Händen nicht möglich gewesen, so sicher durch die Wohnung zu gehen.“

Mari schaute Joel dankbar an. „Es ist echt toll von dir, Joel, dass du mich immer wieder auf die Dinge aufmerksam machst, die mir gelingen. Hab vielen Dank dafür!“

„Ich danke dir, Mari, dass ich ein Teil davon sein kann“, sagte er und drückt sie noch einmal fest an sich.

„Was hätte der Meister eigentlich gemacht, wenn ich mir die Jacke nicht hätte ausziehen wollen?“

Dann hätte er einen anderen Weg gefunden“, sagt Joel wissend, aber rätselhaft.

„Hm okay…“, ich frage wohl besser nicht weiter nach, meinte Mari nachdenklich.

„Du würdest auch keine Antwort bekommen“, schmunzelte Joel, „ich freue mich schon auf das nächste Spiel mit dir!“

Geschrieben von Raffael und Miriam

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60. Die Bühne des Miteinanders erweitert sich

Bei Joel – Mari bekommt den Auftrag, ein „Nest“ zu bauen

Nach einer freundlichen Begrüßung begann Joel, der für Mari die Rolle des Meisters einnahm, das heutige Spiel – unerwartet wie meist – mit dem Satz: „Das Spiel beginnt“ – und gleich danach kam die Aufforderung: „Mari, ich möchte jetzt, dass du dir heute hier auf der ausgezogenen Couch ein richtig kuschliges Nest baust.“

Mari schaute auf die ausgezogene Couch mit der breiten Liegefläche. Sie hatte ja nun schon einige Male darauf gelegen, aber jetzt… Die Anweisung, ein „kuschliges Nest“ zu bauen, weckte nebulöse Vorstellungen in ihr von dem, was sie wohl heute hier erleben würde. War sie dazu bereit?

Nervös schaute sie Joel an, der ihr freundlich, aber bestimmt, zunickte. Er öffnete eine Schranktür, hinter der Decken, Laken, Kissen, und ähnliches Material zu finden war. „Bediene dich, und gestalte daraus ein Lager, auf dem du dich so richtig wohl fühlen könntest. Lass dir ruhig Zeit dabei.“

Was sollte in diesem „Nest“ wohl geschehen? fragte wieder ihre Angst-Stimme.
„Ja, mach ich,“ antwortete sie, sprach aber die Frage nicht aus, wozu dieses Nest wohl dienen sollte – und machte sich an ihre Aufgabe. Er hätte ihr ohnehin keine Antwort gegeben – das wusste sie inzwischen und war froh, dass sie daran gedacht hatte, dem Impuls nicht gefolgt war und ihre Frage für sich behielt.

Auch Joel hatte das bemerkt und lächelte verhalten. Seine Schülerin kam weiter auf ihrem Weg… Dass sich in ihr Fragen bewegten, war ihm klar. Doch sie folgte seiner Anweisung ohne zu fragen, was ja eine ihrer Regeln innerhalb der Spiele war, in der sie die Rolle der Schülerin und er die des Meisters inne hatte. Der Inhalt dessen, was sie lernen wollte, war vor allem eins: Vertrauen.

Erst einmal holte Mari hervor, was sie in dem Schrank fand.

Dann wählte sie aus, was ihr gefiel und räumte den Rest wieder ein.
Joel lobte sie. „Das hast du sehr schön und kuschlig gemacht! Ich muss doch gleich einmal ausprobieren, wie es sich darin liegt.“

Mari schaute zu, wie er sein Hemd auszog, sich hinlegte und sich wohlig dehnte und streckte. Schließlich öffnete er seine Arme und lud sie ein, sich bei ihm nieder zu lassen.

Etwas zögernd stand sie im Raum. Immerhin, er hatte nicht verlangt, dass sie sich ausziehen sollte… Dennoch gab es eine Schranke in ihr, sich mit ihm sozusagen in ein gemachtes Bett zu legen, denn nichts anderes war ja dieses „Nest“, das sie gebaut hatte, nun eigentlich geworden…

„Mari, zieh bitte deine Bluse aus, die wirst du hier nicht brauchen. Wir haben ja eine Decke.“

Okay! Wenigstens hatte sie ein buntes Top unter der Bluse… Sie überlegte… wie weiter?
Sie fühlte sich so unbehaglich wie lange nicht mehr, doch konnte sie ja nicht die ganze Zeit hier stehen bleibe. Für solche schwierigen Momente gab es die Möglichkeit, dass sie um eine Umarmung bitten durfte… Er hatte ihr am Anfang ihres gemeinsamen Weges gesagt, dies sei immer möglich, um nicht in ein Gefühl der Starre hinein zu fallen, was ihr anfangs öfter passiert war.

„Ähm, es fühlt sich gerade ziemlich schwierig an in mir… Darf ich… um eine Umarmung bitten?“

„Gut, dass dir diese Möglichkeit eingefallen ist,“ bestätigte sie Joel. „Ja, das darfst du immer, Mari, und auch jetzt! Komm her zu mir, ich umarme dich gern.“

Damit hatte sie sich ein Eigentor geschossen… Genau das war ja ihr Problem gerade, dass sie sich nicht rühren konnte… dass sie Schwierigkeiten hatte, sich zu ihm in das von ihr eben bereitete Bett zu legen… mit wenig Kleidung…

Joel schaute sie aufmerksam an. Er ahnte, was sie bewegte und sagte sanft: „Meine Umarmung wird dir im Liegen genauso Halt geben wie im Sitzen oder Stehen. Probiere es einfach aus. Es ist nur ein kleiner Schritt, der geringfügig anders ist als sonst. Meine Umarmung wird genauso achtsam und liebevoll sein, wie du es schon oft erlebt hast.“
Geduldig und einladend lag sein geöffneter Arm auf der Matratze… Es lag nun an ihr, diesen Schritt zu tun und sich in seinen Arm hinein zu begeben.

Ich kenne und ich mag seine Umarmungen, sie tun mir gut… so redete sie sich in Gedanken gut zu, warum soll das im Liegen anders sein als im Sitzen oder im Stehen… auch wenn das jetzt ein Miteinander-im-Bett-sein ist… Und der Schritt gelang! Sie ließ sich nieder und kuschelte sich in seinen Arm, atmete tief und schloss die Augen. Ich liege mit ihm im Bett – uff!

Er zog die Decke über beide. „Wie schön, Mari, dass du diesen Schritt zu mir getan hast. Ich weiß wohl, dass dir das gerade nicht leicht fiel. Aber spür mal hin, ist es außer der Tatsache, dass wir uns liegend noch besser entspannen können, irgendwie schlimm?“

Etwas verlegen schüttelte sie den Kopf, der an seiner Schulter lag. „Nein, eigentlich nicht.“

„Und un-eigentlich?“

Sie öffnete die Augen. „Na ja, wir liegen mit nur wenig Klamotten miteinander im Bett! Die Couch ist nun zum Bett geworden… Und genau davor hatte ich ja so große Angst, mit einem Mann ins Bett zu gehen…“

„Keine Sorge, Mari, auch wenn wir hier mehr Fläche zur Verfügung haben und die „Bühne unseres Miteinanders“ sich erweitert hat und kuschliger wird, werde ich niemals etwas tun, was dir unangenehm oder für dich nicht möglich ist. Darauf kannst du dich immer verlassen!“

Er stützte sich leicht auf den Unterarm, so dass sie ihm in die Augen schauen konnte. „Willst du mir das glauben?“

„Ja, das möchte ich dir glauben.“

Sanft strich er ihr übers Haar. „Ich danke dir für dein Vertrauen – und dafür, dass du dir ein Herz gefasst hast.“

Ein vorsichtiges Lächeln stahl sich über ihr Gesicht.

„So, meine Liebe, und jetzt gibt es nur eine Aufgabe – und die heißt: Schließ deine Augen und fühle!“

Sie atmete tief ein, machte gehorsam die Augen zu und wartete mit Herzklopfen auf das, was nun geschah.

Joel hielt sie zunächst einfach nur weiterhin in seinem Arm und begann leise zu summen. Inzwischen wusste er um die beruhigende Wirkung auf sie, wenn er mit leisen Tönen ihre Seele streichelte. Nach einem Weilchen bemerkte er erfreut, wie sie etwas näher an ihn heran rückte und sich anschmiegte. Mit der anderen Hand strich er ihr übers Haar. Wohlig seufzte sie und begann sich zu entspannen. Das tat so gut…

Ihre Gedanken kamen zur Ruhe. Er strich wieder und wieder mit gleichmäßigem sanftem Druck über ihr Haar, lockerte von der Seite vorsichtig knetend ihre verkrampfte Schulter, und berührte dann behutsam ihr Gesicht, strich ganz sacht über ihre Wange. Sie merkte zu ihrem eigenen Erstaunen, dass sie sich tatsächlich wohlfühlte so nah neben ihm – und das im Bett…

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53. Einen Schritt weiter ins Vertrauen

Am Tag nach Weihnachten kommt Joel am Nachmittag Mari besuchen…

„Hallo Mari“, sagt er lächelnd, trat ein und zog sich seine Schuhe und Jacke aus.
„Tee und Plätzchen warten schon“, sagte Mari fröhlich. Sie freute sich auf ihn. Nach den entspannten Dezember-Wochen, in denen sie miteinander die Raumschiff-Geschichte gelesen hatten, die er für sie erdacht hatte, fühlt sie sich etwas unbefangener als davor.

„Das sieht bei dir immer alles so schön feierlich und gemütlich aus“, sagte er und setzte sich.



„Freut mich, dass es dir bei mir gefällt, Joel“, antwortete Mari lächelnd. „Diese Adventszeit war für mich eine ganz besondere durch deine Geschichte. Auch unsere Treffen, in denen du mir vorgelesen hast oder davon erzählt hast, empfand ich als so schön…“

„Das freut mich sehr“, antwortete er, nahm ein Plätzchen und sagte dabei leise: „Das Spiel beginnt.“ Dann in etwas anderer Stimmlage: „Ich würde gerne mit dir über die Geschichte reden, Mari.“

„Ja okay…“ antwortete sie abwartend.

„Wenn du so auf die Geschichte zurückblickst, welchen Eindruck hast du gehabt von der weiblichen Rolle?“ fragte er und schaute ihr in die Augen. Wie hat es sich für dich angefühlt? Wie sehr hast du mit ihr gefühlt?“ frage Joel nach.

„Also… Ich konnte mich gut in sie hinein versetzen, ihr Thematik ist mir ja nicht fremd. Und ich denke, das ist kein Zufall, oder?“ Sie sah Joel an und er zwinkerte ihr zu. „Manchmal tat sie mir leid, weil sie nicht mal weg gehen konnte, wenn sie es gewollt hätte, denn das Raumschiff konnte sie ja nicht verlassen. Also sie war nicht wie ich in einer von ihr selbstgewählten Situation von Macht und Kontrollabgabe, sondern sie hatte das Gefühl, zumindest am Anfang, völlig ausgeliefert zu sein. Da war es schön zu lesen, wie verständnisvoll und sanft ihr Meister mit ihr umgegangen ist.
Im Gegensatz zu Carina könnte ich das Ganze ja immer beenden, wenn ich es nicht mehr aushalten würde. Die arme Socke nicht. Das muss sich ziemlich heftig angefühlt haben – besonders am Anfang, bevor sie ihren Meister etwas besser einschätzen konnte. Ich habe sehr mit ihr gefühlt, habe mich manchmal richtig in der Geschichte drin gefühlt.“

„Das freut mich sehr“, lächelte Joel. „Gibt es etwas, das dich besonders gefangen genommen hat – etwas, das in deinem Kopf geblieben ist?“

„Naja, an zwei Stellen fand ich die Macht, oder soll ich besser sagen die Übermacht ganz besonders spürbar, das war einmal ganz am Anfang, als sie nach ihrer Flucht gefasst worden ist, bei ihm in seinem Haus war und schließlich ja keine andere Wahl hatte, als diese Reise mit ihm anzutreten.
Und dann die Situation, wo ihr Meister sie nicht aus dem Zimmer gelassen hat, und sie gezwungen hat, sich auf die Liege zu legen.“

„Wie war das für dich, als er sie dazu gezwungen hat?“ fragte Joel.

„Da waren einige Gefühle gleichzeitig in mir… Einerseits hatte ich ja genügend Distanz, um aus dem roten Faden, wie es bis dahin so lief, zu erkennen, das er ihr sicher nichts Böses wollte, und auch nichts Unkontrolliertes tun würde, mit dem er sie verletzen würde. Andererseits fühlte ich mit ihr mit, wie stark sie in ihrer Panik gefangen war, und hatte Mitgefühl mit ihr. Und dann gab es auch noch eine dritte Facette…“

„Eine Dritte Facette? Was war die dritte Facette?“

„Das fällt mir ein bisschen schwer, wie ich das beschreiben soll, vielleicht kann ich es als ein Gefühl von Faszination bezeichnen, etwas, was mich gleichzeitig angezogen hat und abgeschreckt hat… Und diese Gleichzeitigkeit hat sich irgendwie aufregend angefühlt, ja fast ein bisschen… erregend.“

„Oft liegt die Faszination ja in dem, was unmöglich zu sein scheint. Ramon hat in der Szene ja mehrfach gesagt, dass ihr nichts Schlimmes passieren wird, hast du ihm geglaubt?“

„Ja, ich als Leserin war mir sehr sicher, dass ihr wirklich nichts Schlimmes geschehen würde. Ich habe aber auch gespürt, dass sie das gar nicht glauben konnte, ja dass sie es nicht einmal wahrgenommen hat in ihrer Panik.“

„Und wie war es zu spüren, dass er sie nicht loslassen würde, dass er sie zwingen würde zu bleiben und sich hinzulegen?“

„Naja, da habe ich gedacht, wenn du das mit mir sobald am Anfang gemacht hättest, wie es für Carina war, das hätte ich wahrscheinlich als sehr schlimm empfunden. Aber seltsamerweise fand ich es innerhalb dieser Geschichte nicht so schlimm, diesen Widerspruch verstehe ich selbst nicht so richtig… Vielleicht weil ich mir von außen berachtet denken konnte, dass er ihr nicht wehtun wird… Ich glaube, deshalb fand ich es nicht nur „nicht schlimm“, sondern sogar spannend und aufregend.

„Weil du wusstest, er würde ihre Grenzen wahren. Ist das so richtig?“

„Ja, also genau wissen konnte ich es ja auch nicht, weil ich kannte ja die Geschichte noch nicht ganz, aber ich war mir irgendwie sehr sicher, dass er nicht über eine Grenze gehen würde, die für sie nicht stimmig gewesen wäre.
Obwohl er ja da schon über eine Grenze gegangen war, denn sie wollte ja aus der Situation raus gehen. Allerdings fand ich das – von außen betrachtet – irgendwie nicht so schlimm.“

„Ja, das Festhalten war sicher eine Grenzüberschreitung, aber eigentlich nur eine kleine, um etwas anderes vorzubereiten. Doch da war ja nicht klar, wie weit es gehen würde. Er war ja eindeutig stärker als sie und hätte mit ihr alles mögliche machen können. Wie war das Gefühl dieses Ausgeliefert-seins für dich?“

„Ich konnte ja spüren, das sie einem Mann, der es gut mit ihr meinte, ausgeliefert war – und das hat sich… ehrlich gesagt… sogar irgendwie… gut angefühlt,“ gab Mari etwas zögernd zu.
„Also aus ihrer Position hat sich das in diesem Moment sicherlich nicht gut angefühlt, aber aus meiner Position hatte das irgendwie etwas, ja fast irgendwie Schönes…“

Joel schaute sie nachdenklich an… „Diese Gefühl ausgeliefert und doch etwas behütet zu sein?“ fragte er schließlich.

Mari nickte: „Da hast du es genau auf den Punkt gebracht! Ja, diese Gleichzeitigkeit von Zwang und Güte – die hat was! Er hat ja auch während dessen immer wieder freundlich mit ihr geredet, das habe ich als Zuhörerin ja wahrgenommen, aber sie konnte es nicht wahrnehmen, weil sie so gefangen war in ihrer Angst.“

„Und diese Gleichzeitigkeit hatte etwas Faszinierendes?“

„Hm ja… Stimmt.“

„Kannst du sagen, was faszinierend daran ist?“

„Das merke ich immer mal wieder, dass… wenn zwei Gegensätze gleichzeitig da sind, und einer davon hat etwas mit Güte oder Liebe zu tun, irgendetwas in mir klingelt und sich berührt fühlt.
Es gibt ja den Ausspruch: jemanden zu seinem Glück zwingen. Und wenn wir hier die Fußmassage als Glück betrachten, weil sie ihr ja gut getan hat und ihre Kopfschmerzen gelindert hat, dann war dieser Zwang ja für etwas Gutes da und fühlt sich deshalb irgendwie stark an.“

„Ja, es hatte vielleicht etwas damit zu tun, jemandem zu seinem Glück zu zwingen. Allerdings… könnte es manchmal nicht auch darum gehen, einfach Macht zu spüren, das Gefühl zu fühlen, dass jemand Macht über einen anderen hat…“

„Hmm…also… ein starker Mann hat die Macht über sie, und das hat sich deshalb gut angefühlt, weil ich mir ziemlich sicher war, dass diese Macht nicht für etwas Böses, im Gegenteil für etwas Heilendes genutzt wird.“

„…Und das Gefühl, dass jemand Macht über sie hatte… das war faszinierend?“

„Ja, das fand ich faszinierend, aber das würde ich nur so empfinden, solange wie nichts Böses geschieht, nichts Schlimmes… Zu wissen, er ist ihr so überlegen in seiner Kraft, dass er alles mit ihr machen könnte, was er will, aber das nicht zu etwas ausnutzt, was ihr nicht gut tut, das finde ich ziemlich spannend.“

„Wie wäre es, wenn ich diese Macht über dich hätte, Mari?“

„Huuuh… Du stellst ja Fragen… Da sind wir plötzlich von der Geschichte bei uns gelandet!
Naja, ich glaube, du bist mir körperlich tatsächlich ziemlich überlegen…“

„Ja, das würde ich sagen. Wenn es darauf ankäme, könnte ich dich körperlich überwältigen.“

„Willst du mir jetzt Angst machen? Also bisher hatte ich immer den Eindruck, dass du diese Macht nicht einsetzt, also diese körperliche Überlegenheit…“

„Nein, du weißt, dass ich das nie zu deinem Schaden einsetzen würde – also keinesfalls, wenn es nicht okay wäre. Aber vielleicht reizt es dich ja, auch dieses Gefühl der Machtlosigkeit zu erleben – in dem Wissen, dass dir mit mir nichts Schlimmes passieren wird…?“

Mari überlegte… „Hm. Na ja… Da ist schon ein bisschen was Wahres dran… Dieses Gefühl der Machtlosigkeit ist so seltsam doppelt, es reizt mich irgendwie die Vorstellung, das körperlich zu spüren… Gleichzeitig ist aber auch eine große Angst davor da, wie wir ja in der Situation, in der du mich gefesselt hast gesehen hatten.“

„Nun, das wäre natürlich eine Frage des Vertrauens. Du müsstest viel Kontrolle abgeben und darauf vertrauen, dass ich trotz Überwältigung die Regeln einhalte.“

„Ui, das fühlt sich spannend und unmöglich gleichzeitig an, faszinierend und beängstigend zugleich… Ich weiß nicht, ob ich in dem Moment noch vertrauen könnte, Carina konnte es ja nicht, aber sie kannte ihren Meister auch noch nicht so lange, wie ich dich bereits kenne.“

„Ja, das ist schwer vorherzusehen. Wie sehr würde es dich reizen?“

„Hmm…“ Mari spürte schon bei der Frage, wie eine Aufregung, in ihr aufstieg, die sich spannend und leicht bedrohlich gleichzeitig anfühlte. „Irgendetwas reizt mich schon, herauszufinden, wie das wäre… wie stark ich in Panik geraten würde… oder ob ich schon ein Stück mehr vertrauen könnte. Ich weiß es wirklich nicht, wie das in der Realität sich anfühlen würde…“

„Es ist die Frage, ob du mir genug vertraust, um es mir zu erlauben.“

„Um dir was genau zu erlauben?“

Joel schaute sie ernst und gleichzeitig freundlich an. „Dich zu überwältigen, Mari… dich einmal zu etwas zwingen, selbstverständlich zu etwas, was du annehmen kannst.“

„Und was das ist, wozu du mich überwältigst, das entscheidest du? Ohne mein Wissen?“

„Ja genau, sonst wäre es ja keine Überwältigung.“

„Also ausgeschlossen müssten körperliche Schmerzen sein und sexuelle Übergriffe! Könntest du mir das versprechen?“

„Nun, ich würde nicht weiter gehen, als etwas, dass wir beide bereits miteinander erlebt haben.“ antwortete Joel sofort. „Und körperliche Schmerzen schließe ich definitiv aus.“

„Würde ich die Sicherheit der roten Ampel dann trotzdem weiterhin haben? Also würdest du aufhören wenn ich sagen würde Ampel rot?“

„Ja, wenn du „Rot!“ sagen würdest, würde ich sofort aufhören! Diese Regel bleibt immer bestehen.

„Hmm .. ich weiß nicht warum und ob es richtig ist, aber es zieht mich dahin zu sagen: Ja, ich bin einverstanden, ich gebe dir diese Erlaubnis.“

„Das würde bedeuten, dass ich dann, wenn ich es will, dich überwältigen darf, und etwas mit dir machen darf, was wie besprochen keine Schmerzen beinhaltet und nichts Schlimmes„. Joel lächelte unmerklich beim letzten Worten.

„Und ohne dass du mir vorher Bescheid sagst?“

„Ja ganz genau! Sonst wäre es keine Überwältigung.“

„Ich müsste also darauf vertrauen, dass du einschätzen kannst, was für mich etwas Schlimmes ist…“

„Ja das stimmt! Und genau aus diesem Grund, bleibt die Regel der roten Ampel bestehen.“

Mari wurde für einen Moment still und lauschte in sich hinein. Dann schaute sie ihn an und sagte: „Auch wenn das sich ziemlich doppelt anfühlt: Okay, ich sage ja.“

„Ich finde, es fühlt sich toll an, und ich danke dir sehr für das Vertrauen, dass du mir damit entgegenbringst, Mari!“

„Für mich fühlt es sich gleichzeitig etwas beängstigend und andererseits auch irgendwie toll an, und die Anziehung überwiegt, deshalb habe ich ja gesagt. Und ja, das ist wirklich viel Vertrauen was ich dir damit entgegen bringe.“

„Oh ja, und das fühlt sich für mich sehr anregend an, wenn ich dir das so sagen darf. Ich danke dir, für dein Vertrauen.“

„Würdest du mich mal umarmen?“

„Aber gerne“, antwortet er lächelnd und umarmte sie ganz fest. Nachdem beide ein Weilchen diese Umarmung genossen haben, flüsterte er ihr ins Ohr: „Das Spiel ist vorbei.“

„O Joel, ich glaube, mit dieser Erlaubnis ist jetzt etwas Neues in unsere Spiele hinein gekommen…“

„Oh ja, du hast heute einen riesigen Schritt gemacht in Bezug auf das Vertrauen und das Abgeben der Kontrolle. Ich bin sehr stolz auf dich!“ Er drückt sie nochmals eng an sich.

Und ich werde mir etwas einfallen lassen, um dich gelegentlich zu deinem Wohl zu überwältigen… lächelte er.

Geschrieben von Rafael und Miriam

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7. Eine utopische Heilungsreise: FURCHT UND Erleichterung

Joel hatte sich für die Weihnachtszeit eine Fortsetzungsgeschichte von wohlwollenden außerirdischen Meistern zum Thema „Macht – Angst – Vertrauen – Hingabe“ für Mari ausgedacht, das er ihr in Form eines Adventskalenders geschenkt hatte.

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Mari freute sich morgens schon immer darauf, ihren nächsten Umschlag zu öffnen. Sie steckte sich das heutige Schokoladentäfelchen in den Mund, trank Tee dazu und las gespannt wie es Carina weiter erging im Raumschiff mit ihrem Meister…

Am Morgen nach dem überraschend schönen Nikolaustag wird Carina zu René, dem Kommandanten, bestellt. Nervös läuft sie in ihrem Zimmer auf und ab. Um 11 Uhr soll sie sich bei ihm melden, sie hat noch eine halbe Stunde Zeit. Bisher ist sie ihm möglichst aus dem Weg gegangen, nachdem sie von ihrer Zimmernachbarin schlimme Gerüchte über ihn gehört hatte. Natürlich dämmert es ihr   inzwischen, dass dieser Wahrheitsgehalt sehr fraglich ist, aber der Schreck, den ihr dieses Gespräch versetzt hatte, sitzt noch immer in ihr. Meister René ist ihr irgendwie unheimlich. Dazu kommt seine Autoritätsfunktion als Kommandant. Sie hatte schon immer Angst vor Autoritäten. Was wird er nur von ihr wollen? Hatte sie sich etwas zu Schulden kommen lassen? Ob es um ihre mangelnde Kooperationsbereitschaft in den ersten Tagen geht? Oder ob doch noch ihre Fluchtgeschichte geahndet werden soll? Ihr Gedankenkarussel dreht sich immer heftiger… Dann fällt ihr Blick auf ihren Adventskalender, und sie befördert folgende Botschaft zu Tage:

Liebe Carina,
Du brauchst dich vor nichts und niemanden zu fürchten.

Du bist hier ganz sicher und gut aufgehoben.
Und wenn du Sorgen hast: Ich bin immer für dich da.
In Liebe Ramon

Ramon würde es nicht zulassen, dass ihr etwas Schlimmes geschieht. Etwas getröstet macht sie sich auf den Weg zu René. Der empfängt sie mit den Worten: “Na, da kommt ja unsere kleine Ausreißerin.” Angstvoll schaut Carina ihn an. Also geht es doch noch einmal um ihren Fluchtversuch. Aber wie ist dann das Lächeln in seinen Augen zu verstehen?

“Carina, du bist nun eine Woche hier, und ich freue mich, dass ich gestern zum ersten Mal ein Lächeln in deinem Gesicht gesehen habe. Ich weiß, du hast es in den ersten Tagen recht schwer gehabt. Die erste Woche war dazu da, dass jede Schülerin erst einmal mit ihrem persönlichen Ausbilder etwas vertraut wird. Ich weiß, dass es unter den Frauen einige sehr beängstigende Gerüchte gibt, was die Meister und besonders mich anbelangt. Nachdem ihr nun alle Gelegenheit hattet, eure Meister etwas kennenzulernen, ist es an der Zeit, dass ihr auch mich, euren Kommandanten und Gruppenleiter ein wenig kennenlernt, um euch selbst ein Bild zu machen, ob ihr hier bei mir im Raumschiff gut aufgehoben seid oder nicht. Dazu werde ich jede einzelne Schülerin nach und nach zu einigen Gesprächen zu mir bitten, damit wir miteinander vertrauter werden. Wenn ich dich also bitte, zu mir zu kommen, Carina, hast du keinerlei Grund, irgend etwas Negatives zu befürchten.”

Verlegen schaut Carina ihn an. Steht ihr ihre Angst so deutlich im Gesicht geschrieben?

René bietet Carina einen Tee an und bittet sie, ihm etwas über sich, vielleicht auch über ihr bisheriges Leben auf der Erde, zu erzählen. Egal was… das, was ihr gerade einfällt.

Nach der ersten Beklommenheit und Unsicherheit erzählt Carina zögernd von ihrer Familie, ihrem Beruf, der ihr viel Freude gemacht hat, und von ihrer kleinen Wohnung, die sie allein bewohnt. Während sie erzählt, erwacht das Heimweh wieder in ihr.

René legt seine Hand auf ihre Schulter und sagt tröstend: “Du wirst das alles wieder bekommen, Carina, und dann wirst du es noch viel mehr genießen können. Wie gut, dass deine Flucht nicht geglückt ist, denn dann hättest du dich wohl für eine längere Zeit nicht nach hause zurück getraut. Die Zeit hier wird schnell vergehen und angefüllt sein mit vielen interessanten, erfüllenden Erfahrungen. Du wirst zunehmend mehr Sicherheit bekommen und diese dann in dir tragen, wenn du nach Hause zurückkommst. Ganz sicher bringe ich euch wieder heim zur Erde – darauf gebe ich dir mein Wort!”

Nach diesem Gespräch fühlt sich Carina etwas erleichtert. Sie spürt, an den Gerüchten ist keinerlei Wahrheit. Eine leise Stimme in ihr flüstert: ‘Jemand, der so liebevolle Nikolausbilder verschenkt und der jeder Frau eine Gelegenheit einräumt, ihn kennenzulernen und sein Interesse und Mitgefühl zeigt, kann wohl kaum ein Sadist sein.’
Die andere Stimme der Angst mahnt jedoch: ‘Sei auf der Hut, du hast gehört, erst tun sie freundlich, und dann lassen sie ihre Maske fallen.’
Welcher Stimme soll sie Glauben schenken?
Wieder erinnert sie sich an die Worte Ramons: ‘Du kannst nur glauben, was mit deinen Erfahrungen übereinstimmt. Die mit der Zeit gemachten Erfahrungen werden dir helfen, dich nach und nach sicherer zu fühlen.’

Hatte nicht René so etwas ähnliches gesagt?

Auch an diesem Tag macht Carina nur noch angenehme Erfahrungen. Das Schönste ist eine von Ramon angeleitete Meditation, in der sie sich im Licht und Schutz ihres eigenen Herzens wiederfindet und tiefen Frieden und Geborgenheit spürt.

Morgen wird die Geschichte fortgesetzt und läuft voraussichtlich bis Weihnachten

Hier geht es zu allen bisher erschienenen Kapitel zu dieser Geschichte, die Joel Mari in der Advents- und Weihnachtszeit erzählt –> Eine utopische Heilungsreise (Märchen) 

2. Eine utopische Heilungsreise: Enttäuschung und Verständnis

Joel hatte sich für die Weihnachtszeit eine Fortsetzungsgeschichte von wohlwollenden außerirdischen Meistern zum Thema „Macht – Angst – Vertrauen – Hingabe“ für Mari ausgedacht, das er ihr in Form eines Adventskalenders geschenkt hatte.

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Mari freute sich, dass die Adventszeit dadurch einen so märchenhaften Zauber erhielt.
Heute am Morgen des 2.Dezembers, öffnete sie nun gespannt den zweiten Umschlag und freute sich auf das zweite Kapitel von Carinas Heilungsreise im Raumschiff der außerirdischer Meister…

„Als sie am Morgen nach der Ankunft im Raumschiff nach einem langen, tiefen Schlaf erwacht, fühlt sich Carina, ziemlich erholt – jedenfalls körperlich. Schlagartig ist da jedoch auch wieder diese Zwickmühle in ihrem Kopf. Welche Botschaft hat Ramon wohl heute für mich?’ fragt sie sich und nimmt das zweite Röllchen vom Adventskalender. Gespannt öffnet sie es und liest:

Geliebte Carina,
ich weiß um deine große Angst vor dem,
was dich hier wohl alles erwarten wird.
Doch glaube mir:
Es wird hier nichts geschehen,
was so sein wird,
wie du es dir jetzt noch in deiner Vorstellung erschaffst.
Es ist alles gut!
In Liebe Ramon

Sehr gemischte Gefühle rufen diese Worte in ihr hervor. Einerseits spürt sie seine liebevolle Absicht, sie in ihrer Angst zu beruhigen. ‘Andererseits’, denkt Carina, ‘kennt er meine Zwickmühle nicht, und ich wage es mich nicht mal, ihm zu sagen, dass ich seine Liebe zurückweisen will, damit das Ganze nicht zum Sex führt. Was soll ich nur tun?

Beim Frühstück sieht sie eine ihr noch nicht bekannte Frau neben dem Kommandanten sitzen. Diese Frau sieht faszinierend schön aus, und es geht von ihr eine sehr helle, freundliche Ausstrahlung aus. Carina kann keinerlei Anzeichen von Angst oder Befangenheit bei ihr erkennen. ‘Das ist sicher keine Schülerin’, denkt Carina gerade, als René das Wort ergreift:
”Guten Morgen miteinander, ich möchte euch eine liebe Sternengefährtin vorstellen, Meisterin Acquila Née. Sie wird uns auch begleiten. Sie ist die persönliche Ausbilderin von Jennifer, die, wie viele von euch bereits wissen, auch meine Schülerin ist. Ich werde als Kommandant und Gruppenleiter nicht immer für Jennifer da sein können, so wie die anderen Meister, die ja ausschließlich für die persönliche Ausbildung ihrer Schützlinge da sind. Deshalb unterstützt sie uns.

Meisterin Acquila möchte auch für jede Frau da sein, die noch nicht mit ihrem Meister über alles reden kann. Es gibt gerade jetzt zu Beginn unserer Reise gewisse Themen, von denen einige von euch meinen, nur mit einer Frau darüber reden zu können.

Lächelnd schaut Acquila in die Runde und bestätigt noch einmal das eben Gesagte: “Ihr könnt mich jederzeit gern ansprechen.”

Carina überlegt: ‘Sollte ich mit dieser Frau einmal über meinen inneren Konflikt reden? Es gibt    also auch Meisterinnen… Vielleicht besteht ja die Möglichkeit – wenn ich diese Ausbildung schon machen muss – eine Frau als Ausbilderin zu bekommen.’

Das scheint Carina die einzige Möglichkeit, diese ganze Reise unbeschadet zu überstehen. ‘Vielleicht hat ja eine Frau Verständnis für meine Lage, und da Acquila ja auch zu den Meistern gehört, liegt es vielleicht in ihrer Macht, mir zu einer Frau als Ausbilderin zu verhelfen. Aber kann ich wirklich einfach so mit ihr über meine innersten Dinge sprechen? Ich kenne sie ja gar nicht… Aber sie ist eine Frau – und wer weiß, ob mir die nicht der Himmel geschickt hat?’

Carina beobachtet die Meisterin den ganzen Tag und erlebt sie in den unterschiedlichsten Situationen immer freundlich, gelassen und fröhlich. Sie ist mit einer Aura von Liebe und Herzlichkeit umgeben.

Nach dem Abendessen wagt Carina, die Meisterin anzusprechen. Acquila nimmt sie mit in ihr Zimmer – und dort angekommen löst sich der gefühlsmäßige Stau in Carina zunächst in heftigem Weinen. Dann endlich sprudelt sie ihre angestaute Verzweiflung und angstvolle Spannung heraus. Sie redet sich ihr ganzes inneres Dilemma von der Seele. Acquila ist eine gute Zuhörerin. Sie strahlt so viel Wärme, Annahme, Verständnis und Mitgefühl aus, dass Carina tatsächlich viel mehr ausspricht, als sie zuvor wollte. Das Ganze endet mit der bangen Frage: “Können Sie bewirken, dass ich eine Frau als Ausbilderin bekomme?”

Acquila nimmt Carinas Hände sanft in ihre und hält sie ganz fest. “Liebe Carina, glaube mir, nach dem, was ich alles von den Erdenmenschen weiß, kann ich deine Angst nur zu gut verstehen.

Wir Meister sind auf Wunsch eurer Herzen auf die Erde gekommen, um euch zu einem neuen Verständnis des Lebens, eurer Selbst und auch der Geschlechter untereinander zu verhelfen. Dazu dienen diese Ausbildungsreisen. Liebevolle freie Sexualität ist auch ein Aspekt des wachsenden Friedens zwischen den Geschlechtern. Die vielen Ängste und peinlichen Gefühle, die damit verbunden sind, werden aufgelöst werden, damit ihr zu der Quelle eurer Lebenskraft zurückfinden könnt. Da sich deine Ängste vielfach auf das männliche Geschlecht beziehen, Carina, kannst du sie nur zusammen mit einem Mann auflösen. Ich rate dir, sprich mit deinem Meister, so wie es dir ums Herz ist. Er wird dich verstehen. Meister Ramon hat ein so sanftes und behutsames Wesen, dass er niemals etwas tun würde, was dich verletzt. Über deine Angst, seine Liebe anzunehmen, weil das Ganze dann vielleicht zu einem von dir ungewollten Sex führen könnte, solltest du unbedingt reden. Ich weiß, er wird dir ganz sicher nicht böse sein, wie du es jetzt noch befürchtest. Wenn du diesen Gedanke weiterhin unausgesprochen in dir trägst, wirst du es sehr schwer haben, denn Vertrauen ist die Grundlage der Ausbildung.”

Carina zuckt zusammen bei diesen Worten. “Würden Sie ihm bitte von diesem Gespräch nichts erzählen?” fragt sie mit zuckender Oberlippe. Acquila, die immer noch Carinas Hände in ihren hält, schaut sie liebevoll und mitfühlend an. “Carina, ich brauche ihm gar nichts davon zu erzählen. Er weiß es. Wir Meister stehen immer gedanklich miteinander in Verbindung. Wir wollen und können gar nichts voreinander verbergen. Du denkst jetzt wohl, dass das ganz schrecklich sei und dass er nun beleidigt sein könnte, aber glaube mir, er wird dich nicht verurteilen, weil du versucht hast, ihn gegen eine Frau auszutauschen. Rede über deinen Konflikt mit ihm. Nur dann, wenn du es ihm sagst, kann er dir helfen. Und ich bin sicher, er wird dir eine für dich gangbare Brücke bauen, Carina.”

Traurig und enttäuscht verlässt Carina das Zimmer Acquilas. Auch wenn sie freundlich war – geholfen hatte sie ihr nicht…
Oder… doch?“

Morgen wird die Geschichte fortgesetzt und läuft voraussichtlich bis Weihnachten

Hier geht es zu allen bisher erschienenen Kapitel zu dieser Geschichte, die Joel Mari in der Advents- und Weihnachtszeit erzählt –> Eine utopische Heilungsreise (Märchen) 

01f Eine utopische Heilungsreise: Wärme und Geborgenheit

Bei Mari – der Meister erzählt Mari innerhalb ihres Rollenspiels ein utopisches Märchen, eine Fortsetzungsgeschichte von wohlwollenden außerirdischen Meistern zum Thema „Macht – Angst – Vertrauen – Hingabe“

Joel (der die Meisterrolle inne hatte innerhalb des gemeinsamen Rollenspiels mit Mari) hatte sich für die bald beginnende Vorweihnachtszeit eine Märchengeschichte ausgedacht, die in einer fiktiven Zukunft angesiedelt war und eine Heilungsreise in einem Raumschiff mit außerirdischen Meistern beinhaltete. Nachdem die beiden es sich auf der Couch gemütlich gemacht hatten, erzählte er das in den letzten Tagen bereits begonnene Märchen weiter:

„Als sich Carina am zweiten Tag in ihrem Gästezimmer im Hause ihres Ausbilders für eine kleine Mittagsruhe auf ihrem Bett nieder lässt, findet sie auf ihrem Kopfkissen wieder ein kleines Briefchen von ihrem Meister vor. Mit gemischten Gefühlen beginnt sie zu lesen:

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Liebe Carina,


nun verlebst Du einige Tage allein mit einem Mann,
fühlst dich unsicher und voller “Geschichten” im Kopf.


Wenn du magst, sprich über deine “Geschichten” mit mir.
Ich höre dir gern zu.


Dein Meister Ramon

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Schwer kann Carina sich vorstellen, mit Ramon über ihre “Angst-Geschichten” in ihrem Kopf zu reden, da ihre Ängste ihr selbst peinlich und unangenehm sind. Er könnte entweder beleidigt sein, dass sie nach all der Freundlichkeit so negative Gedanken äußert, oder aber er könnte sie auch einfach auslachen und verspotten.
Tief in ihrem Innern vernimmt sie eine leise Stimme: ‘Vielleicht tut er keines von beiden und akzeptiert dich so wie du bist…`
Ich werde es nur herausfinden, ob ich ihm vertrauen kann, wenn ich es versuche, denkt Carina. Aber wie soll ich da nur einen Anfang finden?`

Abends sitzen sie gemütlich zusammen am Kaminfeuer bei Gebäck und Glühwein.

In dieser behaglichen Atmosphäre versucht Ramon, Carina eine Brücke zu bauen: “Na, Carina, hast du meine Nachricht an dich gefunden?”

Beklommen nickt Carina. “Möchtest du mit mir über deine Angst-Geschichten sprechen?” fragt Ramon sie ruhig und freundlich.

Carina weiß nicht, was sie antworten könnte, wie und womit sie beginnen soll. Fieberhaft arbeitet es in ihrem Kopf, und je krampfhafter sie einen möglichen Anfang sucht, um so unmöglicher erscheint es ihr, überhaupt etwas zu sagen. Gleichzeitig fürchtet Carina, dass Ramon ihr Schweigen als Ablehnung deuten könnte und in gleicher Weise reagieren könnte. Sie fühlt sich ausweglos überfordert. Tränen treten ihr in die Augen.

Da nimmt Ramon ihre Hand ganz sacht in seine Hände. “Carina, quäle dich nicht! Wenn du jetzt nicht über deine Gedanken und Gefühle reden kannst, ist das völlig okay. Wir haben viel Zeit. Irgendwann wird der richtige Zeitpunkt kommen, und dann kannst du auch mit mir über das reden, was dich bedrückt. Ich will nicht in dich dringen, jetzt nicht und später ebenso nicht! Ich werde dir immer wieder Gelegenheiten anbieten, dich mir mitzuteilen. Mit der Zeit wirst du die Erfahrung machen, dass es dich erleichtert, wenn du deine Gedanken und Gefühle zum Ausdruck bringst. Aber den Zeitpunkt und den Inhalt bestimmst du selbst. Bitte, Carina, schließe jetzt einmal deine Augen.”

Zögernd folgt sie seiner Bitte. Was hat er jetzt mit ihr vor? Ihre Gedanken wirbeln herum. Sie hört seine ruhige, freundliche Stimme: ”Spüre jetzt einfach mal nur deine Hand, Carina. Sei ganz sicher, es geschieht dir nichts. Deine Hand liegt zwischen meinen Händen, sicher, geborgen und warm. Ich halte sie ganz behutsam, ohne Druck. Ich manipuliere nicht an ihr herum, ich quetsche sie nicht, ich biege sie nicht. Ganz behutsam halte ich sie in meinen warmen Händen. Du kannst deine Hand jederzeit bewegen, sie auch heraus ziehen aus meinen Händen. Mache dir das einfach nur bewusst. Ich lade dich morgen wieder ein, deine Hand in meine Hände zu legen, ohne jeden Zwang.”

Carina spürt tief in sich die Botschaft seiner Worte: So behutsam wie er ihre Hand hält, so sicher und sanft hält er zur Zeit die ganze ängstliche Frau in seiner Obhut. Sie versteht diese Geste als eine Ermutigung, ihm zu vertrauen. Schließlich öffnet sie ihre Augen und begegnet seinem verständnisvollen Blick. “Danke”, flüstert sie, “es tut mir leid…”

“Nichts muss dir leid tun, Carina”, antwortet Ramon. “Alles ist in Ordnung, so wie es ist. Deine Zartheit, deine Angst, der scheue Blick deiner Augen – all das bist auch du – ein liebenswertes Wesen in einer herausfordernden Welt, das nach und nach die Erfahrung machen will, dass man auch Männern vertrauen kann. Ich werde dabei dein Lehrer sein, Carina.
Vertrauen… das wird eins deiner Hauptthemen sein in unserem Miteinander in der Ausbildung. Du wirst viel Zeit dafür haben. Aber jetzt ist erst einmal genug geredet! Was hältst du davon, wenn wir etwas zusammen singen?”

Mit diesen Worten setzt er sich ans Klavier und spielt das Lied    “Es ist für uns eine Zeit angekommen, die bringt uns eine große Freud”. Gemeinsam singen sie noch einige Advents- und Weihnachtslieder, die Carina so mag, dass sie  sich nach und nach etwas entspannen kann.

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Morgen wird die Geschichte fortgesetzt und läuft voraussichtlich bis Weihnachten

Hier geht es zu allen bisher erschienenen Kapitel zu dieser Geschichte, die Joel Mari in der Advents- und Weihnachtszeit erzählt –> Eine utopische Heilungsreise (Märchen)

Einen frohen und schönen ersten Advent wünscht euch, liebe Gäste,
eure Miriam

Zitat: Freundschaft

Das Einmalige an einer Freundschaft ist sowohl die Hand,
die sich einem entgegenstreckt,
als auch das freundliche Lächeln
oder die angenehme Gesellschaft.
Und das Einmalige an ihr ist die geistige Inspiration,
die man erhält, wenn man merkt,
dass jemand an einen glaubt.

( nach Ralph Waldo Emerson, 1803 – 1882).

Kerze und Tulpen

48. Die Seile (2)

 Bei Joel – das Leben schafft manchmal seltsame Situationen

Nachdem Mari unvermittelt, nahezu panisch aus Joels Wohnung gelaufen war, weil sie die im Wohnzimmer liegenden Seile so interpretiert hatte, als solle sie heute überraschend erstmalig gefesselt werden, stehen die beiden vor seiner Tür auf der Straße – und Joel, der von diesen Gedanken bis eben nichts ahnte, versucht zu verstehen, was in Mari plötzlich in die Flucht getrieben hatte. Gerade war ihm der erklärende Gedanke gekommen…

„Ich glaub, ich weiß jetzt, was passiert ist, oh Mann wirklich, Mari, da ist ein ganz großes Missverständnis entstanden. Ich kann’s selbst kaum glauben, was mir da passiert ist. Würdest du bitte mit mir zurück gehen? Ich möchte es gerne auflösen, und dann kannst du auch sofort gehen, wenn du das dann noch willst und brauchst, aber ich glaube, du musst es wirklich sehen, was ich meine!“

Etwas unschlüssig schaute Mari ihn an. „Ehrlich gesagt ist mir nicht ganz wohl dabei. Du bist mir körperlich überlegen, und könntest mich letztendlich doch überwältigen. Das hast du ja bisher nie getan aber… ich habe gerade eben so große Angst bekommen…“ Sie schaute ihn groß an, konnte es gar nicht glauben, dass sie in so eine Situation geraten war, in der sie gar nicht mehr wusste, was sie denken und tun sollte. Wie sollte sie sich entscheiden ?

Joel schaute ihr geduldig und offen in die Augen. „Wirklich, Mari, ich glaub, es reicht nicht, dir alles nur zu erzählen. Wirf einen Blick darauf, und du wirst sehen, das alles ist ein großes Missverständnis! Da liegen zwar Seile, die ich leider vergessen hatte, wegzuräumen, aber damit hatte ich keinesfalls irgendetwas vor, was mit dir und unserem Spiel zu tun hat. Und das kannst du mir am besten glauben, wenn du einen Blick in meine Küche wirfst. Ich würde dich den Zusammenhang gern sehen lassen, um dein Vertrauen zurück zu gewinnen, Mari!“

Mari schaute ihn an, langsam kam ein Hauch des vertrauten Gefühls zurück, das sie zu ihm bereits entwickelt hatte. Sie nickte und sagte: „Okay, aber lass bitte die Wohnungstür erstmal offen.“

„Ja sicher,“ bestätigte er verständnisvoll, aber auch etwas traurig, und schweigend gingen sie zurück, Er öffnete die Tür so weit wie es möglich war, warf aus dem Flur einen Blick ins Wohnzimmer und zeigte auf den Sessel, neben dem die Seile lagen, „Oh Mist, das sieht echt so aus, als hätte ich damit etwas vor gehabt. Das tut mir so leid, Mari!“

„Ja“, sagte sie, „eindeutiger geht es ja gar nicht mehr! Was sollte ich dabei denken?“

„Oh je, entschuldige bitte, Mari, ich war einfach so in Eile, dass ich vergessen habe, dass sie dort noch lagen, als du kamst. Würdest du bitte einen Blick in die Küche werfen?“ sagte er und ging voraus in die Küche, „nur einen Blick, bitte!“

Mari schaute, sich absichernd, auf die geöffnete Wohnungstür und ging langsam durch den Flur zur Küche.

„Ich bin ganz hinten in der Küche, du musst nur zur Tür hinein schauen,“ sagte er, um ihr Sicherheit zu geben.“

Als sie hinein schaute, bemerkte sie ein riesen Chaos. Überall lag Werkzeug, etwas Schmutz und eine große Sackkarre waren mitten in der Küche und davor ein Kühlschrank, der offensichtlich nicht so richtig in seine Lücke in der Küchennische passt. Joel zog überfordert die Schultern hoch und erklärte:
„Der Kühlschrank ist überraschend schon heute angekommen, und er war mit den Seilen an diese Sackkarre gebunden, ich habe sie vorhin einfach in den Sessel geworfen, damit sie hier nicht auch noch herumliegen. Echt, ich hatte absolut nichts mit ihnen vor, was mit dir zu tun haben könnte! Kannst du mir das nun glauben, Mari?“

Ziemlich schlagartig wurde Mari klar, dass sie total über reagiert hatte. Sie brauchte jetzt Joel nur anzuschauen, und sah an seiner Mimik und Körpersprache, dass er recht hatte.
Verlegen sagte sie zu ihm: „Ja, Joel, es tut mir so leid! Natürlich… jetzt wo ich das hier alles sehe, kann ich dir glauben.“ Die ganze Anspannung fiel in diesem Moment ab von Mari und dadurch fiel sie regelrecht in sich zusammen und brach in Tränen aus. Mari schämte sich inzwischen, dass sie so panisch die Wohnung verlassen hatte, und konnte ihn gar nicht richtig anschauen, auch die Tränen wollten nicht aufhören zu laufen aus Erleichterung und aus Scham gleichzeitig.

Joel berührte sie sanft an den Schultern, um zu spüren, ob er sie in seine Arme ziehen konnte. Sie ließ das zu, Er nahm sie fest in die Arme- Mari fiel es noch etwas schwer, sich auf die Umarmung einzulassen, als hätte sie es nicht verdient, jetzt umarmt zu werden, weil sie gleich weggelaufen war, anstatt anzusprechen, was ihr Unbehagen verursacht hatte.

„Oh Mann, bin ich froh, dass wir das noch klären konnten“, seufzte Joel erleichtert, „das ist ja ganz blöd gelaufen! Ich bin nur froh, dass du mitgekommen bist und mir nun glaubst.“

„Ich bin auch froh, dass ich mitgekommen bin, obwohl mir das sogar sehr schwer gefallen ist. Oh Joel, es tut mir so leid! Was muss noch passieren, damit ich endlich vertrauen kann! Das hast du nicht verdient, und es war falsch, dass ich sofort weg gerannt bin!“

Verständnisvoll antwortete er: „Ich sehe ja ein, dass das Bild wirklich sehr eindeutig schien, aber du hättest schon auch wissen können, dass ich so etwas nicht machen würde, ohne dass wir nicht auch gemeinsam darüber gesprochen hätten. Allerdings verstehe ich auch, dass dir die Seile Angst gemacht haben.“

„Ich konnte gar nicht mehr klar denken. Und du hast recht, ich hätte mit dir sprechen müssen .“ Beschämt schaute Mari nach unten und versuchte zu erklären, was in ihr ablief: „Joel, das war wie ein selbst laufender Mechanismus. Ich konnte gar nicht mehr klar denken, und ja… Ich habe es völlig falsch betrachtet.“

Joel fragte mit einem etwas schiefen Lächeln: „Ich bin echt froh, dass wir das Missverständnis klären konnten! Mari, ich danke dir, dass du trotz deiner Angst mit nach oben gekommen bist und mir die Chance gegeben hast, es doch noch aufzuklären.“

„Und ich danke dir, dass du mich jetzt trotzdem noch umarmst. Du bist doch jetzt sicher sehr enttäuscht von mir?“ Unsicher schaute sie Joel an. Er wirkte nicht sauer auf sie.
„Ich kann kaum glauben, dass du immer noch so freundlich zu mir sein kannst.“

Verwundert fragte er: „Aber warum sollte ich denn nicht freundlich zu dir sein, Mari? Es gab ein Missverständnis, so etwas kann doch immer passieren. Es ist nur wichtig, dass wir uns schnell darüber austauschen und es ausräumen konnten!“

„Ja“, gab sie zu, „sonst wäre ich mit einem furchtbaren Szenario im Kopf zu Hause allein gewesen. Aber wenn du mir nicht hinterher gekommen wärest, wäre ich jetzt gar nicht hier. Und wir hätten das nicht klären können. Ich danke dir sehr, dass du mir nachgekommen bist. Joel, könnten wir uns eventuell ein bisschen setzen? Mehr wackeln immer noch die Knie.“

„Natürlich“, antwortete er und führte sie zur Couch, wo sich die beiden eng aneinander setzten und er seinen Arm um sie legte.

Ihr Blick fiel noch mal wieder auf die Seile, und sie fragte: „Du hast vorhin gesagt, wenn du so etwas vor hättest, würdest du es auf jeden Fall mit mir besprechen. Heißt das, dass du so etwas vorhast?“

Ruhig antwortete er: „Ich würde das nur tun, wenn du dich dazu einverstanden erklärst. Weißt du, Mari, sich fesseln zu lassen, ist eine sehr kraftvolle Vertrauenserfahrung, vielleicht hat unser heutiges Missverständnis sogar eine Tür zu dieser Thematik geöffnet…“

Hektisch fragte Mari: „Das würdest du aber nicht ohne meine Zustimmung tun?“

Joel schaute ihr direkt in die Augen und sagte langsam und deutlich: „Mari, ich würde nie etwas ohne deine Zustimmung tun, das verspreche ich dir. Weißt du, nichts geschieht ja ohne Sinn – und durch deine Fehlinterpretation dieser Seile sind wir auf das Thema früher gekommen, als ich dachte. Ich werde es in einer der nächsten Sessions an dich heran tragen – in ganz behutsamer Art und Weise – und du kannst schauen, ob du dann den Mut hast, diese Erfahrung zuzulassen, um zu erleben, dass dir nichts Schlimmes geschieht, wenn du die Kontrolle so spürbar abgibst. Und wenn es soweit ist, kannst dazu natürlich ja oder nein sagen. Du hast alle Möglichkeiten offen.“

Nachdenklich erklärte Mari: „Es ist ja einerseits meine Sehnsucht, Kontrolle abgeben zu können, und gleichzeitig fällt es mir immer noch so schwer, wie wir heute gesehen haben.“

„Ja“, sagte Joel verständnisvoll. „Es ist ja auch kein leichter Weg, wenn man in dieser Richtung schlechte Erfahrungen gemacht hat, die sich tief in die Erinnerungen gegraben haben. Daher versuchen wir ja neue und positive Erfahrungen zu erschaffen, die die alten Erinnerungen irgendwann verblassen lassen.“

„Danke für dein Verständnis, Joel, ich danke dir sehr. Ich bin froh, dass ich jetzt mit dir außerhalb der Meisterrolle über das alles sprechen kann, obwohl ja vorhin eigentlich das Spiel schon begonnen hatte, und ich letztendlich vor dem Meister weg gelaufen bin. Der würde das wahrscheinlich alles ein bisschen anders sehen.“

„Nein“, antwortete Joel lächelnd, „würde er nicht! Er hätte dich auch verstanden.“

„Da bin ich aber froh, dass du sagst, dass er das auch nicht anders aussehen würde als du. Er wirkt ja immer ein bisschen strenger, aber du kennst ihn natürlich besser als ich, denn er lebt ja schließlich in dir.“ Bei diesen Worten musste Mari ein bisschen schmunzeln.

„Ja“, bestätigte Joel, „er ist klarer und bestimmter und wirkt daher ein wenig strenger, aber nur, weil das hilft, die Führungsrolle auch deutlich zu verkörpern.“

„Hm“, überlegte Mari, „das verstehe ich nicht so ganz. Ginge das nicht genauso sanft wie mit dir?“

„Ich glaube, das hätte nicht die gleiche Wirkung,“ erklärte er, „weil zu viel Sanftheit die Führungsqualität verwischen würde. Aber dennoch ist er doch auch verständnisvoll und macht es dir möglichst leicht, oder? Es ist eine Frage der Balance. Du willst ja eine Stärke, eine Macht spüren, in die du dich hinein fallen lassen kannst. Das, was du manchmal als Strenge empfindest, zeigt eben ganz klar, dass er weiß, was er tut, und dass du dem vertrauen kannst, was er mit dir jeweils vor hat. Durch seine klare Art gibt es kein „ein bisschen Verantwortung abgeben“, sondern du gibst sie so klar ab, wie es vorher vereinbart ist – nicht mehr, aber auch nicht weniger – dafür sorgt er dann. Da wäre ich vermutlich außerhalb der Meisterrolle nicht so klar und eindeutig, aber in dieser Deutlichkeit liegt auch eine Kraft, die dir manches möglich macht.“

„Das klingt alles irgendwie richtig, und so als hättest du dich damit schon intensiv auseinandergesetzt . Über all das muss ich mal in Ruhe nachdenken.“

Er nahm ihre Hand. „Geht es dir wieder gut Mari?“

„Ja, Joel, ich bin zwar ein bisschen erschöpft jetzt, aber habe wieder meine Mitte gefunden. Ich danke dir – ich danke dir von Herzen!“

Sie nahm seine Hand, hob sie zu ihren Lippen und haucht einen kleinen Kuss darauf…

Geschrieben von Rafael und Miriam

Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge

47. Die Seile (1)

 Bei Joel – ein beängstigender Anblick

Als Mari heute zum verabredeten Rollenspiel zu Joel kam, fühlte sie sich etwas entspannter als bisher. Dieses Gefühl sollte allerdings nicht so lange anhalten… Als sie bei ihm klingelte, öffnete er  ihr die Tür, und bat sie, schon mal ins Wohnzimmer zu gehen und es sich noch einen Moment gemütlich zu machen. Als Mari sich auf die Couch setzte, fiel ihr Blick auf einige Seile, die neben dem Sessel lagen. Zunächst war sie nur verwundert, dann… blitzartig kam ihr eine äußerst beängstigende Vorstellung: Wenn die Seile da lagen, ja dann sollten sie wohl auch verwendet werden…

Zum Spiel der Dominanz gehören ja oft auch Fesselspiele. Um Gottes willen, das wär ja entsetzlich! Das mache ich nicht mit! Das hätte er zumindest mit mir absprechen müssen. Nein, das halte ich nicht aus! Nichts wie weg hier, so lange ich noch weg kann! So tobten ihre Gedanken.

Ganz gefangen in diese Vorstellung, dass sie gefesselt werden sollte, verließ sie fluchtartig die Wohnung. 

„Moment, Mari!“ rief Joel ihr nach. Sie war allerdings schon im Treppenhaus und hörte ihn nicht mehr. Als er aus der Küche kam, sah er ihren Schatten gerade noch so aus der Tür verschwinden. Er zögerte einen Moment, versuchte zu verstehen, was gerade passiert war, doch konnte nichts erkennen. Schnell schnappte er sich seine Jacke und lief Mari nach.

Sie stand unten vor dem Haus, musste sich erst einmal sammeln, weil das Herz so klopfte und ihr schwindelig war. 

Joel stürmte aus dem Haus, „Mari“, rief er und lief  hinter ihr her.  „Mari, warte doch – was ist passiert? Wo willst du hin?“  Ein kleines Stück war er noch hinter ihr. Sie erschrak und lief noch schneller. Damit hatte sie nicht gerechnet, dass er hinter ihr herkam. Sie versuchte, noch schneller zu laufen, die Panik, die sie überfallen hatte, trieb sie an.

Doch Joel war schneller und hielt sie an der Schulter fest. „Mari, warte! Sag mir wenigstens, was passiert ist, wenn du schon gehen willst. Ich finde, das ist das mindeste!“ sagte er nicht ganz leise zu ihr.
Außer Atem und mit vor Schreck geweiteten Augen sah sie ihn an, schaute wieder weg, und spürte auch Empörung. Starr und stumm stand sie vor ihm. Dieser Anblick zeigte ihm, dass irgendetwas sie sehr erschüttert haben musste.

Dadurch ruhiger geworden sagte er zu ihr: „Bitte, du kannst sofort gehen, aber sage mir doch wenigstens, was geschehen ist, Mari – mehr nicht – nur, was geschehen ist.“ Seine Stimme klang nun deutlich bittend. Diese andere Stimmlage ließ sie einen Schritt in die Realität hinein finden und ihr bisher schon vertrautes Gefühl zu Joel ein wenig hervor schimmern, aber sie war immer noch nicht in der Lage, Worte zu finden, fühlte sich wie ein Karpfen auf dem Trockenen, der nach Luft schnappt.

Joel versuchte noch einmal, etwas über diese seltsame Situation von ihr zu erfahren: „Mari, du darfst natürlich jederzeit gehen, das ist dein gutes Recht, aber bitte, ich möchte nur verstehen, was passiert ist, dass du dich so plötzlich dazu entschieden hast. Ich würde mich freuen, wenn du es mir sagen würdest, bitte!“

„Ich mache da nicht mit,“ brachte sie heraus, „du hättest mich wenigstens fragen können, irgendwie vorwarnen, vorbereiten, aber nein… auch dann hätte ich das nicht gekonnt. Nein,  ich mache da nicht mit!“

Völlig verwundert antwortete Joel: „Okay, das akzeptiere ich – wirklich! Wir hatten immer gesagt, dass du jederzeit nein sagen kannst, aber…“ er holte tief Luft, „aber warum so plötzlich? Ich war doch in der Küche, und es geschah doch heute noch gar nichts!?“

„Na du hast doch schon alles vorbereitet! Die Seile lagen ja da schon im Wohnzimmer… Da brauchte ich ja nur noch eins und eins zusammenzuzählen. Gerade in so einer Situation hättest du mich vielleicht besser nicht alleine in das Zimmer geschickt, aber andererseits – vielleicht war es doch gut so… Sonst hätte ich ja auch nicht weggehen können. Vielleicht hast du mir diese Option ja bewusst offen gelassen…“

Joel sah sie fassungslos an und versuchte, seine Gedanken zu sortieren. „Ich… also… es klingt vielleicht komisch, aber ich weiß nicht, wovon du redest… Ich hatte nichts vorbereitet…“ sagte er völlig irritiert, „bitte, ich verstehe das nicht. Was denn für Seile?“

Unwirsch antwortete Mari: „Willst du mich jetzt für dumm verkaufen? Warum stellst du dich so unwissend? Erst legst du Seile ins Wohnzimmer, schön angeordnet neben dem Sessel, und dann sagst du, du wüsstest es nicht?! Was treibst du für ein Spiel mit mir? Bisher hast du wenigstens über alles mit mir offen geredet, und jetzt dieses seltsame Herausreden…“

Joel sah sie immer noch fragend an, und versuchte verzweifelt nachzudenken, doch die angespannte Situation auf der Straße war nicht gerade hilfreich dafür. Dann fiel der Groschen: „Oh mein Gott“, rief er und schlug sich mit der flachen Hand an die Stirn…“

Übermorgen gibt es die Fortsetzung

Geschrieben von Rafael und Miriam

Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge

46. Die Schöne und das Biest

Bei Joel – Eine schöne Überraschung

Mari war auf dem Weg zu Joel an diesem Tag leider etwas spät dran. Das steigerte ihre ohnehin schon immer vorhandene Aufregung, wenn sie ihm begegnete.
Eigentlich neigt er ja nicht dazu, schnell verärgert zu sein, versuchte sie sich zu beruhigen.

Es dauerte einen Moment bis der Summer erklang, und Mari eilte die Treppe hinauf. Joel empfing sie schon vor der Tür. Er trug eine legere schwarze Hose und ein schwarzes T-Shirt. Warum er wohl heute ganz in Schwarz gekleidet war?

Er bat sie, voraus zu gehen – und noch während sie an ihm vorbei ging und ihm daher zwangsläufig nahe war, flüsterte er ihr ins Ohr: „Das Spiel beginnt.“ 

„Nanu,“ entgegnete sie spontan, „heute so ganz ohne Vorgespräch?“ Kaum war die Frage ausgesprochen, wurde ihr bewusst, dass sie es ja nun schon mit dem Meister zu tun hatte, und nun schon ihre Regel galt, keine vermeidbaren Fragen zu stellen, eine Regel, die ihr schon manches Mal schwer gefallen war, einzuhalten. Und in letzter Zeit gab es für Regelverletzungen auch Sanktionen.
Mist, dachte sie – gleich zu Anfang reingerasselt
Ihr Blick fiel durch die offene Tür ins Wohnzimmer. Das Sofa war aufgeklappt… In dieser Form erinnerte es sie an ein früheres Spiel. An dem Tag war er ja auch schwarz gekleidet. Und dann war die unangenehme Aufforderung gekommen, sie solle sich entkleiden und auf das aufgeklappte Sofa legen. Die Erinnerung an diese Situation und die damit verbundenen Gefühle taten ihr in der jetzigen Situation, in der sie ja auch noch eine Strafte aufgrund der vermeidbaren Frage zu erwarten hatte, gar nicht gut.

Am liebsten wäre Mari gegangen, aber als sie sich umdrehte, stand Joel zwischen ihr und der Tür, so dass es in diesem Moment nicht möglich war zu gehen. Ihr Angst-Muster war aktiviert.  Joel, der das spürte, ging einen Schritt zurück.

Er sah ihr sanft in die Augen. Hatte er die Frage vielleicht gar nicht als solche bemerkt? Doch dann kam der gefürchtete Satz von ihm: „Mari, ich glaube, das war eine Frage.“

Maris Herz klopfte… „Entschuldigung, das kam einfach zu plötzlich“, stammelte sie. 

„Bist du bereit, deinen Fehler auszugleichen?“ fragte er ruhig.

In Mari tobte es hin und her… Warum nur fiel es ihr mal leichter und mal schwerer, im Vertrauen zu bleiben? Es war ihr beim letzten Mal ja schon leichter gefallen, seine kleinen Sanktionen annehmen zu können… Unglücklich schaute sie auf den Boden. Sie wäre ja sowieso schon bei dem Anblick der ausgezogenen Couch  gerade am liebsten gegangen, und nun auch das noch! Sollte sie einfach gehen und die ganzen heiklen Situationen, die mit diesen Machtspielen entstanden waren, hinter sich lassen? Er würde sie bestimmt nicht daran hindern. Andererseits  hatte es auch wunderschöne Situationen gegeben und sie hatte sich lange nicht so lebendig gefühlt wie in letzter Zeit… Und sie hatte sich ja eigentlich vorgenommen, künftig Strafen als Ausgleichmöglichkeit anzunehmen… Das alles ging ihr durch den Kopf.

Joel, der ihre Zerrissenheit bemerkte, erklärte ihr freundlich:  „Weißt du, ich hatte einen netten gemütlichen Abend geplant, aber es braucht jetzt ein ganz kleines Entgegenkommen von dir, dass wir damit beginnen können – bist du damit einverstanden?“

Sie redete sich selbst gut zu… und schließlich traf sie eine Entscheidung, nahm allen Mut zusammen und sagte: „Ja, ich bin bereit.“

„Ich freue mich sehr, Mari! Ich habe in der Küche etwas vorbereitet, das zu unserem Abend gehört, und ich bitte dich, es zu holen und ins Wohnzimmer zu bringen. Würdest du das tun?“

„Ja natürlich! Ist das bereits der Ausgleich? Oder kommt der noch?“

„Ist das noch eine Frage?“
 
„O Mist! Entschuldigung! ich bin irgendwie so… durcheinander… Tut mir echt leid!“
 
„Würdest du nun in die Küche gehen?“
 
„Ja, selbstverständlich!“ Mari ging in die Küche und kämpfte mit den Tränen. Musste heute aber auch von Anfang an alles schief gehen?!

Sie hörte Joel von draußen sagen: „Ok, du wirst schon sehen, was ich meine… In der Küche sind zwei kleine Tellerchen mit Schokolade und Keksen vorbereitet.

In der Küche nahm sie erst einmal ein paar tiefe Atemzüge, wischte sich die Tränen aus den Augen und trug dann die Tellerchen ins Wohnzimmer. Was würde jetzt geschehen… War das schon die Sanktion oder würde sie noch kommen? Würde sie nun doppelt bestraft werden? War er ungehalten, weil sie gleich noch eine Frage gestellt hatte?  Sie erinnerte sich daran, dass Joels „Strafen“ bisher nicht schlimm oder gar schmerzhaft waren. Wirklich schwer auszuhalten war für sie nur das peinliche Gefühl, das damit einher ging. Konnte sie es sich nicht endlich abgewöhnen, in den Spielen Fragen zu stellen und sich damit in schwierige Situationen zu bringen… 

Schließlich ging sie zögerlich mit den beiden Tellerchen ins Wohnzimmer.

Joel saß auf einer Seite der ausgezogenen Couch, aufrecht, mit dem Rücken an der Wand, ganz entspannt und deutet auf die beiden Schemel links und rechts vom Sofa. Aha, dort sollte sie die Nasch-Tellerchen wohl hin stellen. Und wenn sie falsch lag?

Dann würde er es sagen und nichts würde geschehen, flüsterte ihre innere Stimme ihr zu. 

Langsam verstand sie sich selbst. Sie stellte immer wieder Fragen, um zu vermeiden, korrigiert zu werden, was eigentlich gar kein Problem war. Nur gegen bekannte Regeln zu verstoßen wurde von ihm sanktioniert. Es war noch niemals zum Problem geworden, wenn sie etwas falsch verstanden hatte… 

Mach es dir gemütlich Mari, ich habe eine Überraschung für uns“, Joel riss sie aus ihren Gedanken.

Soll ich mich jetzt neben ihn auf die Couch setzen oder auf den Sessel, fragte sie sich und ärgerte sich gleichzeitig über sich selbst, dass jede noch so kleine Unsicherheit sie derart belastete.

Joel ging zum Fernseher und legte eine DVD ein, während er lächelnd an Mari vorbei ging und in ihr Ohr flüsterte: „Die zweite Frage vorhin habe ich schon wieder vergessen. Und alles andere ist nun erledigt.“ Dabei zwinkerte er freundlich mit den Augen, nahm sie bei der Hand und zog sie mit sich auf die Couch. Mari nickte erleichtert und setzte sich neben ihn.

Zu ihrer Freude erklang eine beschwingte Walt-Disney-Melodie aus dem Film Die Schöne und das Biest. Wie jetzt… einfach nur miteinander einen Film schauen – wie schön war DAS denn?!

Mari lehnte sich neben Joel an die Wand, an die er aufrecht zwei dicke Kissen gelehnt hatte. 

„Lass uns heute einfach einen gemütlichen Abend machen, Mari, okay?“

Erleichtert nickte Mari: „Oh ja, sehr gerne!“

Tatsächlich entspannte sie sich mit der Zeit mehr und mehr, und beide folgten der Filmhandlung. Zuweilen summten sie bei den Liedern mit, und Mari lehnte sich ohne darüber nachzudenken an den geöffneten Arm von Joel. So entspannt hatte sie sich innerhalb der Spiele noch nie gefühlt.

Als dann allerdings die DVD zu Ende war, und ihr bewusst wurde, wie nahe sie an den Meister angekuschelt war in einer halb sitzenden, halb liegenden Position, rückte sie vorsichtig wieder ein Stück ab von ihm.
„Danke, dass du mich mit einem so schönen Film überrascht hast,“ sagte sie leise.

Joel – noch immer in der Meisterrolle – lächelte: „Freut mich, dass es dir gefallen hat, Mari. Was meinst du, weshalb ich genau diesen Film gewählt habe? Hast du eine Idee?“

„Vielleicht, weil die Angst der Schönen vor dem Biest sich als unbegründet heraus stellte?“ vermutete sie.

„ich freu mich, dass du meine Botschaft, die in dem Film versteckt war, erkannt hast! Du hast dich vorhin so schön bei mir angelehnt und entspannt in meinem Arm gesessen, ja fast haben wir ja gelegen… Hast du jetzt, ohne den Film, auch den Mut, noch einmal näher zu kommen?“

Mari zögerte… Ja, es war eigentlich schön gewesen, in seinem Arm zu sein, selbst wenn es eine fast liegende Haltung war. Sie rückte auf ihn zu, und er legte ganz zart wieder einen Arm um ihre Schulter. „Das ist schön…“ flüsterte er. „Ich weiß, dass dieser – im Gegensatz zu vorhin – bewusste Schritt, mir von dir aus näher zu kommen, nicht ganz leicht war. Danke für dein Vertrauen. Weißt du Mari, ich versuche mein Möglichstes, um es dir leichter zu machen in deiner Angst, die dich manchmal noch so belastet. Und wenn dabei ein Märchen hilft – dann bette ich eben auch schon mal einen kleinen neuen Schritt  in ein Märchen ein. Und selbst ohne Märchen bist du eben gerade ganz mutig gewesen!“ Dann drückte er sie nochmal ganz kurz und das Spiel war beendet.

Joel meinte zu ihr: „Jetzt kannst du noch ein bisschen bleiben oder auch nach hause gehen, wie du möchtest, Mari.“

„Ich würde gern noch ein wenig in deinem Arm bleiben, wenn das okay ist…?“

„Und WIE das okay ist!“ lachte er.  

„Das war richtig schön heute, bekannte sie leise. „Wenn ich nur vorher den Anfang nicht so vermasselt hätte!“ 

„Was hast du vermasselt, Mari? Gar nichts! Ist es nicht ein richtig schöner Abend geworden? Denk an unsere wichtigste Regel: Fehler dürfen sein! Und auch die kleinen liebenswerten Regelverstöße sind doch dazu da, dir immer wieder neu die Gelegenheit zu geben, dass du die Erfahrung machen kannst, dass es nicht schlimm ist, Fehler zu machen, dass dir keiner böse ist deshalb und du sie leicht wieder ausgleichen kannst – im Gegensatz zu dem, was du als Kind erlebt hast. Dazu dienen meine kleinen Strafen: Dein Unterbewusstsein wird nach und nach lernen, dass nach einem kleinen „Schreckmoment“ des Erkennens und durch deine Bereitschaft, die vom Meister gegebene Ausgleichshandlung anzunehmen, alles ganz schnell wieder vorbei sein kann. Du selbst hast es damit in der Hand, dass direkt danach alles schon wieder losgelassen wird, als wäre es gar nicht geschehen. Na und heute war doch dein Meister sogar so großzügig und hat deine zweite kleine Frage gleich wieder vergessen…“ Er schmunzelte, zog Mari ein wenig fester in seinen Arm – und sie ließ es dankbar geschehen. Mit ihm fiel es ihr doch wesentlich leichter, die Körpernähe zuzulassen und sogar schon etwas zu genießen… 

„Danke für den schönen Abend“, flüsterte sie, „und danke, dass du dir so viele Gedanken um mich machst…“

Geschrieben von Rafael und Miriam

Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge

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45. Gedanken am Fenster

Joels Gedanken wandern… 

Joe schloss lächelnd die Keksdose und blickte aus dem Fenster. Bald würde Mari die Straße entlang kommen, nicht wissend, dass er sie von hier aus bereits sehen konnte.

Für heute hatte er sich etwas ganz besonderes ausgedacht.
 
Mal sehen, ob meine Überraschung tatsächlich die Wirkung hat, die ich mir erhoffe, überlegte er nachdenklich…
 
Seine Gedanken wanderten zurück zu den ersten E-Mails, die er mit ihr ausgetauscht hatte, und zu ihren ersten beiden Begegnungen, in denen sie ihm von ihrem Wunsch erzählte, ihre Furcht vor Männern, vor Körpernähe und schließlich auch vor Erotik abzubauen. An Auflösung wagte sie gar nicht zu denken, so stark war sie geprägt durch ihre Angst.
 
Und auch DAS, was sich für sie so seltsam widersprüchlich anfühlte, auch DAS hatte sie ihm anvertraut: nämlich  dass ihre Gedanken immer wieder um Fantasien von Macht und Gehorsam kreiste…
 
Dieser Aspekt fühlte sich für sie nicht gerade spielerisch leicht an, wie er bald bemerkt hatte im Laufe ihrer ersten Spiele, die sie miteinander spielten. Und dennoch zog es sie dorthin…Worin mag für sie dieser Sog bestehen?
Würde es sich irgendwann in all der Spannung auch lustvoll für sie anfühlen können?
 fragte er sich so manches Mal. Denn dass ihre Spiele für Sie immer wieder eine große Herausforderung darstellten, hatte er bald bemerkt. Auch für ihn war es eine spannende Herausforderung, denn er wollte sie gern in ihrem für sie so heiklen Anliegen unterstützen, und sie das fühlen lassen, was ihr Innerstes brauchte… und das war vor allem anderen besonders Vertrauen!
 
Inzwischen hatte er einige Fragmente aus ihrer Kindheit erfahren können, anhand derer er deutlich erkannte, dass sie schon als kleines Mädchen Dinge erlebt hatte, die es ihr schwer machten, unbefangen neue Herausforderungen anzunehmen, ganz besonders, wenn es um den Kontakt mit Männern ging, aber wohl auch sonst in anderen Bereichen des Leben. Es fiel ihr schwer, sich frei und neugierig auszuprobieren durch ihre alte, sie stark belastende Angst, etwas falsch zu machen, abgelehnt zu werden und zu versagen. Dennoch gab sie nicht auf, sich mit ihren Gefühlen anhand neuer Erfahrungen auseinanderzusetzen. Dafür achtete er sie.
Dass ihre Angst vor Autoritäten sie oft bis an die Grenze des Erträglichen brachte, war aus dem, was sie  bereits von sich erzählt hatte, deutlich erklärlich, obwohl es wahrscheinlich nur die Spitze des Eisbergs war, an das sie sich erinnerte.
 
Wahrscheinlich ist es für Sie wichtig, Autorität, also Macht, in einer neuen, für sie wohltuenden und heilsamen Weise zu erleben, in einer  bewusst angewandten und wohlwollenden Art und Weise… hatte er sich zu Beginn ihrer „Spiele“ überlegt.
Diese Macht wollte er gern für sie verkörpern! Denn er hatte selbst eine ganz eigene, facettenreiche Affinität zum Thema Macht, die er im Umgang mit Mari sehr  behutsam und an ihre Situation angepasst zum Ausdruck brachte.
 
Wenn man ihre Grundthemen als Säulen darstellen würde, so sah er sah zwei verschiedene Kraft-Säulen, bestehend aus zwei Sehnsüchten, und zwei Säulen, die es schwierig machten, vor seinem inneren Auge:
 
Die eine Kraftsäule war gebaut aus einer Mari sicher nur teilweise bewussten Sehnsucht nach Körpernähe und Erotik . Dieses Bedürfnis musste  ein starker Motor des Ganzen sein, überlegte er, der ihr die notwendige Energie gab, diesen Weg trotz aller Angst zu beschreiten und weiter zu gehen.
 
Die zweite Säule bestand aus ihrem Anliegen, Autorität auf neue, gute Weise zu erleben, um das Alte mit vielen neuen guten Erfahrungen von wohlwollender, gütiger Macht zu überschreiben. Auch diese Auseinandersetzung mit dem Thema „Macht und Gehorsam“ war eine große Herausforderung für sie, wie er immer wieder bemerkte, wenn er für sie  die symbolische Machtfigur des „Meisters“ einnahm. Welche Energie musste sie in sich tragen, um diesen Weg nicht aufzugeben, der ihr wohl wichtig war und gleichzeitig so schwer fiel…
Mehrmals war sie bereits in Angst und Panik verfallen, wenn er sie in der Rolle dieser Machtgestalt mit auch nur kleinen neuen Herausforderungen konfrontiert hatte. Glücklicherweise hatte er sie stets auffangen können, wenn sie drohte abzustürzen aus dem von ihr selbst gewählten Drahtseilakt.
 
Die beiden Säulen, die es schwer machten, bestanden aus den Bausteinen vieler verschiedener Ängste und Schamgefühle, die es Ihr erschwerten, dieses komplexe Anliegen mit den entsprechenden Bedürfnisse umzusetzen.
 
 Ja: Autorität, Erotik, Angst und Scham – das waren die Grundthemen, die sie spielerisch angehen wollte.
 
Oft sah er die nackte Angst vor allem Neuen in ihren Augen aufblitzen und in ihrem Körper zucken.
 
Glücklicherweise lässt sich die Angst bereits umarmen und dadurch mildern, freute er sich.
 
Er wollte auf diese vier Säulen ein schützendes Dach legen, aus Dachziegeln, die gebrannt waren aus Mitgefühl, Annahme, Güte, Geborgenheit, Wohlwollen, freundlichem Humor,  und einer ihm eigenen Bestimmtheit und Beständigkeit, die sie in ihrem Anliegen bei der Stange hielt.
 
 Ja, dachte er lächelnd, ich kann beharrlich darin sein, die von dir gewählten Ziele für dich im Auge zu behalten, du scheues zartes Reh!
 
Denn im Strudel der Emotionen, war ihr eigentliches Anliegen, was sie mit diesen so herausfordernden Spielen erreichen wollte, manchmal kaum noch fühlbar, und sie versuchte die Konfrontation mit der Ungewissheit, die sie als Übungsfeld brauchte, immer wieder mal wieder zu umgehen – zum Beispiel, wenn ihr wieder mal eine ihrer vielen Fragen innerhalb der Spiele herausrutschte, vermutete Joel schmunzelnd.
 
Aber dafür ist die Rolle des Meisters schließlich da, überlegte er weiter. Ich will dir gerne immer eine Hand reichen, auch als Meister, wenn dir eine Hürde zu hoch und eine Angst zu heftig erscheint….
 
Heute hatte er sich etwas besonderes ausgedacht, was dazu beitragen sollte, ihr den nächsten Schritt leichter zu machen. Denn dass es für Sie ein auffällig schwerer Schritt war, sich auf die Couch zu legen, war ihm schon seit einiger Zeit aufgefallen. Diesmal wollte er das nicht durch eine Anordnung durchsetzen – auch wenn das der Rolle des Meisters mehr entsprach, als die eher unauffällige, einladende Art und Weise, mit der er ihr heute diesen Schritt erleichtern wollte…
 
Das alles ist für dich schon schwer genug, dachte er voll Mitgefühl, und  empfand Achtung für den Mut und die Energie, die sie bisher auf diesem besonderen Weg hielt, der sie immer wieder an ihre Angst heran und durch sie hindurch führte, um dabei nach und nach die Erfahrung zu machen, einem Mann und vor allem auch sich selbst und den eigenen Gefühlen vertrauen zu können.
 
Na, Mari, lass dich überraschen, was ich heute mit dir vorhabe, dachte er schmunzelnd, als er sie zehn Minuten nach der verabredeten Zeit die Straße entlang eilen sah…

Was er für diesen Abend für sie geplant hatte, erscheint im folgenden Kapitel in zwei bis drei Tagen

Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge

25. Bei Angst um eine Umarmung bitten

Bei Mari – Angst kommt und Angst geht

„Bevor wir mit dem beginnen, was ich heute vor habe, möchte ich deine Hausaufgaben sehen, Mari. Es sind ja nun schon einige Wochen vergangen, seit ich sie dir gegeben hatte.“

„Ja, Meister.“ Aufgeregt verließ Mari das Zimmer, um das schwarze Gewand, in das sie bunte Ornamente sticken sollte, zu holen. Würde es ihm gefallen? Hatte sie genügend gestickt? Hatte sie es gut genug gemacht? Plötzlich fühlte sie sich wie ein kleines Schulmädchen…
Nervös hielt sie es ihm hin, und er betrachtete es in Ruhe.

„Das hast du gut gemacht, Mari. Dafür dass du meintest, nicht sticken zu können, ist es doch schon sehr schön geworden. Ich sehe, dass du dir Mühe gegeben hast. Weiter so!
Und was ist mit deiner anderen Hausaufgabe?

„Oh, daran habe ich nicht gleich gedacht. Entschuldigung. Ich hole es sofort!“

„Ganz in Ruhe, Mari.“

„Ja, Meister.“

Gehorsam verließ sie den Raum, um das Gewünschte zu holen, und Joel lächelte…
Immer mehr fand seine Schülerin in ihre Rolle hinein, ohne anfangs vor Angst zu erstarren.
Mari kam wieder mit einem schön verzierten Blatt Papier, auf dem die Worte der für sie wertvollsten Regel stand, die er ihr in ihrem ersten gemeinsamen Spiel gegeben hatte:

F E H L E R   D Ü R F E N   S E I N !

„Hast du täglich etwas hinzu gefügt von diesen schönen Verzierungen, die ich da sehe?“

„Ja, Meister, ich habe an jedem Tag etwas gemalt und etwas gestickt.“

„Und wie ging es dir damit?“

„Es hat mir Spaß gemacht. Selbst das Sticken, das bisher gar nicht so mein Ding war, machte mir irgendwie Freude.“

„Das freut mich zu hören, Mari!
Auf das Blatt mit der Fehler-Regel passt ja inzwischen kaum noch etwas drauf. Das hast du schön gestaltet in all den Wochen – damit darf es nun genug sein. Es gefällt mir gut. Und vielleicht ist ja dadurch, dass du dich jeden Tag mit diesen drei so wichtigen Worten beschäftigt hast, deine Angst, Fehler zu machen, schon etwas gesunken? Wir werden sehen…
Wo hängst du es auf?“

„Ich habe einen Rahmen besorgt und in meinem Schlafzimmer einen Nagel in die Wand gehauen dafür.“

„Schön, Mari!
An dem Gewand wirst du weiter sticken, immer wenn du etwas erlebst, was unerwartet kam und gut geworden ist, oder wenn du irgendetwas erlebst, wofür du dankbar bist, was auch immer es sein mag, sticke etwas kleines Buntes hinein – so wie du es bisher ja schon gemacht hast. Wenn du zu mir kommst, möchte ich, dass du es immer dabei hast. Und wenn ich zu dir komme, sollte es schon immer unaufgefordert hier in deinem Wohnzimmer liegen, damit ich es mir anschauen kann. „

„Ja, Meister.“

„So weit so gut.
Jetzt wiederhole mal die Regeln, die ich dir bisher gegeben habe.“

„Fehler dürfen sein.
Ich rede dich mit Meister an.
Wenn du zu mir kommst, soll ich vorher nicht aufräumen und putzen.
Den Beginn und das Ende einer Übung und des gesamten Spiels bestimmst du.“

„Diese Regeln hast du dir gut gemerkt, Mari…“

Mari lächelte.

„… es gibt aber noch eine.“

Mari überlegte… Mist! Es wollte ihr nicht einfallen, welche Regel es noch gab…

Nervös sah sie Joel an. Er wartete, schaute sie einfach nur an.

„Entschuldige bitte, Meister, ich weiß jetzt nicht, welche du meinst.“

Joel malte lächelnd ein Fragezeichen in die Luft.

„Ach ja! Ich soll keine vermeidbaren Fragen stellen.“

„Ja Mari, na da hast du doch noch gut die Kurve gekriegt!
Ich möchte dir zu dieser Regel noch etwas mit auf den Weg geben. Ich beschreibe meine Anordnungen stets so klar wie möglich. Dennoch kann es sein, dass zwischendurch mal eine Situation entsteht, wo es dir unvermeidbar erscheint, mich etwas zu fragen. Wenn du nicht weiter weißt, und unbedingt eine Frage stellen musst, dann bitte darum mit dem Satz: `Meister, ich bitte darum, eine Frage stellen zu dürfen´. Bedenke dabei: Prüfe vorher genau, ob die Frage unvermeidbar war – denn ich werde das auch tun. Lege deinen Fokus darauf, möglichst gar keine Fragen zu stellen. Auch wenn du nicht sicher bist, ob du eine Aufgabe richtig verstanden hast, ist das kein Grund nach zu fragen. Dann erfülle sie so, wie du es meinst verstanden zu haben und wie du es kannst. Sollte daran etwas nicht so sein, wie ich es meinte, dann werde ich dich korrigieren, daran ist nichts Schlimmes! Ich möchte, dass du dich daran gewöhnst, nicht perfekt sein zu können, und dass das kein Problem darstellt.“

Mari nickte beklommen. Gerade mit dieser Regel hatte sie am meisten Probleme.

„Nun beginnen wir mit einem Gedankenspiel,“ fuhr Joel fort.
„Was würdest du sagen, wenn ich jetzt von dir verlangen würde, dich nackt auszuziehen?“

Mari erstarrte.
Jetzt geht es los! Dachte sie. Jetzt muss ich… O Gott, ich kann das nicht… Dabei habe ich es doch irgendwie selbst gewollt, aber jetzt… es geht einfach nicht! Was soll ich bloß tun…?!

„Mari, schau mich an.“

Sie konnte sich nicht bewegen, nicht mal den Kopf heben…

Ihr Meister machte einen Schritt auf sie zu, legte behutsam eine Hand unter ihr Kinn und hob ihren Kopf etwas hoch, so dass sie ihn anschauen musste.
„Mari, ich verlange das doch jetzt gar nicht von dir.
Soweit sind wir noch nicht – das ist mir doch klar.
Ich habe dich lediglich gefragt, was wäre wenn…
Was würdest du dann sagen?
Und so wie es jetzt aussieht, würde es dir schwer fallen, überhaupt etwas zu sagen, stimmt´s?“

Mari nickte. Er öffnete einladend seine Arme für sie. „Möchtest du?“
Sie atmete erleichtert aus. Tatsächlich konnte sie sich in seiner Umarmung etwas entspannen…
Wie gut es tat, wenn er sie in seinen Armen hielt. Ihr Stress wurde weniger, die Angst beruhigte sich…

„So ist es gut,“ flüsterte er. „Du brauchst keine Angst zu haben, alles ist gut. Du musst niemals etwas tun, was dir absolut widerstrebt, Mari – niemals! Das verspreche ich dir!“
Mit diesen Worten setzte er sich mit ihr auf die Couch und legte seinen Arm um sie.
Ich wollte dich nicht so sehr erschrecken.
Es sollte lediglich ein Gedankenspiel sein: „Was wäre wenn…“

„Ich dachte, ich sollte jetzt gleich…“

„Beschreibe mir jetzt mal, was bei diesen Worten in dir passiert ist.“

„Alles in mir verkrampfte sich. Ich konnte mich nicht bewegen und auch nichts sagen. Es ging nicht. Und es dachte in mir immer nur: Ich kann nicht! Jetzt geht´s los! Was mach ich bloß?!!!

„Mari, du hast jederzeit die Möglichkeit zu sagen: „Die Ampel ist rötlich orange oder gar rot, dann brechen wir das Spiel ab oder unterbrechen es, bis es dir wieder besser geht und wir einen Konsens gefunden haben, ob und wie es weiter gehen könnte. Insofern behältst du in Wahrheit immer die Kontrolle über das, was du zulassen möchtest und was nicht. Gerade in deiner tiefen Verletzlichkeit musst du immer eine Tür zum kurzfristigen Ausstieg oder Abbruch haben.“

Marie nickte erleichtert: „Danke, dass du mich daran erinnerst, manchmal vergesse ich diese Möglichkeit in all der Aufregung.“

„Das war eben kurz vor einer Panikattacke, stimmt´s?“

„Ja, aber durch deine Umarmung und das Gespräch jetzt ist sie wieder abgeflaut.“

„Das freut mich sehr, Mari! Wie geht es dir jetzt körperlich?“

„Mir ist kühl und ich zittere.“

Fürsorglich legte er eine Decke um sie.

„Lass es ruhig zittern, Mari, das hört von allein wieder auf. Die Angst zittert sich aus…
Das darf sie.“

Sie lehnte sich an seine Schulter und ließ ihren Körper machen, was er machen musste…
Obwohl das Zittern und das damit verbundenen Schwächegefühl nicht angenehm war, fühlte sie sich seltsam geborgen. Es tat gut, sich anzulehnen. Sie musste ihren Körper einfach nur machen lassen… Es war nicht schlimm… Sie durfte so sein, wie sie sich fühlte…
Ihr Meister nahm sie an so wie sie war.
Und diese Angstattacke ging schneller vorüber als beim letzten Mal.

„Schau mal, Mari, es wird schon langsam dunkel draußen. Hast du eigentlich Kerzen im Haus?“ fragte ihr Meister und holte sie damit in die Gegenwart zurück.“

„Ja, hab ich.“

„Das ist schön,“ nickte Joel, „hol uns mal eine Kerze hierher, stell zwei andere dort drüben auf das Regal und zünde sie an. Sofort stand Mari von der Couch auf, um die Kerzen aus dem Schrank zu holen.“

„Bitte hole uns doch auch eine neue Wasserflasche, diese ist schon fast leer.“

„Ja, gern.“ Sie holte die gewünschte Flasche.
Als sie sie auf den Tisch stellte, fiel ihr auf, dass das Zittern sich gelegt hatte.
„Es geht mir wieder besser, Meister.“

„Das freut mich, Mari. Du siehst, die Angst kommt und geht auch wieder.
Ich glaube fest, dass sie nach und nach weniger schlimm werden wird und du dich mit der Zeit mehr entspannen kannst. Und weißt du, was mich freut?“

Mari schüttelte den Kopf.

„Dass meine Arme dir anscheinend Wärme und Sicherheit vermitteln können und du dich in unserer Umarmung inzwischen so geborgen fühlst, dass dein Bedrohungsgefühl darin nach lässt.
Das ist etwas, das wir ganz leicht tun können – und immer zur Verfügung haben.“

Mari nickte… „Ja, irgendwie stimmt es. Wenn du mich in deinen Armen hältst, wird mein Körper ruhiger und der Stresspegel sinkt.“

„Wunderbar! Daraus wird jetzt die nächste Regel, Mari:

BEI ANGST UM EINE UMARMUNG BITTEN.


„Ich hoffe bloß, das gelingt mir in dieser Starre, in der ich mich dann, wenn die Angst mich derartig überfällt, meist befinde. Ich kann es dir nicht versprechen, dass ich das immer schaffe, auch wenn ich es grundsätzlich gerne will, aber ich will mein Bestes tun, es umzusetzen.“

„Gut, Mari, deine Bereitschaft ist da. Und ich bin ja auch präsent und erkenne meistens schnell, wenn du in Angstzustände kommst. Wenn ich sehe, dass du nicht um eine Umarmung bitten kannst, dann umarme ich dich, ohne dass du darum bittest, so wie bisher ja auch. Aber wenn du es kannst, dann sprich es aus. Hast du das verstanden?“

„Ja, Meister!“

„Diese Regel wird zu deiner nächsten Hausaufgabe: Ich möchte, dass du sie auch auf ein großes Blatt Papier schreibst und sie täglich anschaust und farbig gestaltest.“

BEI ANGST UM EINE UMARMUNG BITTEN.

„Ja, gern Meister!“

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24. Ambivalenz gehört zum Menschsein

Bei Joel – Achterbahn-Gefühle

An diesem Abend war Mari besonders aufgeregt. Was würde heute geschehen? Sie war bei dem voran gegangenen Treffen gefragt worden, ob ihr vor etlichen Wochen geäußerter Wunsch, ihre Angst  und vor Männern und vor erotischer Nähe abzubauen immer noch gültig sei. Sie hatte in sich hinein gespürt und wahrgenommen, dass sie diesen Weg sogar mit all der Angst, die damit verbunden war, weitergehen wollte – diesen Weg, der mit Spielen von liebevoll ausgeüber Macht gepflastert war – in denen Joel eine charismatische Meistergestalt einnahm.

Heute fand sie beim Eintreten ins Wohnzimmer zwei sich gegenüber stehende Stühle vor, und Joel erklärte ihr: „Ich dachte mir, heute redest du einmal nur mit dem Meister – ganz ohne irgendeine Aktion oder Aufgabe“ , sagte er und legt die Hände auf die Lehne des einen Stuhls. Mari war erleichtert. Also heute würde die Herausforderung noch nicht allzu groß werden… Sie war Joel dankbar, dass er ihr das schon vor dem Spiel sagte, so konnte sie jetzt etwas entspannter an dieses Gespräch mit dem Meister heran gehen.

Joel lächelte Mari an: „Setz dich auf einen der beiden Stühle, Mari, das Spiel beginnt.“

Mari nahm ihrem Meister gegenüber Platz. Dieser lehnte sich entspannt zurück, schlug die Beine übereinander und schaute Mari freundlich an. 

Wie meistens fiel es Mari schwer, das Schweigen auszuhalten. Würde er doch zu reden anfangen, das Schweigen ist so unbehaglich, dachte sie…

Sie musste nicht lange warten. Er eröffnete das Gespräch rückblickend auf das letzte Treffen mit den Worten: „Ich habe mich sehr über dein Ja in unserer letzten Sitzung gefreut!“

„Danke, dass du das sagst, allerdings ist es mir nicht ganz leicht gefallen“, bekannte sie leise.

Das glaube ich! Deshalb hat es mich um so mehr gefreut, weil ich weiß, dass es ein großer Schritt war.“

Mari freute sich über sein Verständnis und die Anerkennung. „Danke für dein Verständnis, Meister!“

Mit welchem Gedanken, bist du heute gekommen?“ fragte er sie, beugte sich etwas vor und lächelte sie ermutigend an.

Sie erzählte ihm von ihrer Angst, dass die Herausforderungen nach dem letzten Gespräch nun intensiver werden würden und sie die vor ihr liegenden Schritte, die sie näher an den Bereich der Erotik führen würden, fürchtete, obwohl sie sich das ja auch wünschte…

„Bisher sind wir doch mit kleinen, behutsamen Schritten vorwärts gegangen, oder?“

Mari nickte, ja das stimmte, und dennoch waren ihr selbst diese manchmal schwer gefallen.

„Warum sollte sich das künftig ändern?“ fragte er freundlich.

„Na, ich dachte, wenn jetzt diese Frage ausgesprochen wird , dann ist das wie…wie… als wenn jetzt die Hürden größer werden sollen, als würden ab jetzt Anforderungen kommen, die dadurch dass sie noch viel stärker in diese erotische Richtung gehen, für mich noch schwieriger werden, und es war bisher schon nicht leicht!“

„Nein, ich weiß, dass es nicht leicht war für dich, und ich möchte dir sagen, dass ich beeindruckt bin, wie du bisher deine Schritte gegangen bist! Ich werde darauf achten, dass – gerade auch wenn es in Richtung Erotik geht – die Schrittchen schön klein bleiben und möglichst immer machbar sind. Und wenn etwas nicht so geht, dann sagst du es mir und ich finde eine Alternative – so lange bis es geht. Na, wie klingt das?“

„Ich danke dir, für deine Zusage, und dass du das gemerkt hast, dass vieles nicht leicht war… Ich komme mir immer so dämlich dabei vor, wenn ich wieder Angst bekomme, obwohl ich es besser wissen müsste, aber das verselbstständigt sich dann immer irgendwie, da habe ich kaum Einfluss drauf“, erklärte Mari
 
„Du solltest nicht so streng mit dir sein Mari, ich finde es völlig ausreichend, wenn ich „streng“ mit dir bin“, sagt er mit einem lächelnden Augenzwinkern und malte zwei Gänsefüßchen in die Luft.
 
„Ich wollte dir ja nur erklären, was in mir vorgeht, eigentlich bin ich nicht streng zu mir, sondern eher manchmal verzweifelt“, erklärte sie traurig.
 
„Du hast dich gerade dämlich genannt“, machte er ihr bewusst, „das ist kein liebevoller Umgang mit dir selbst. Das wichtigste ist, dass du einen liebevollen Umgang mit dir findest, nur dann kannst du auch gut den liebevollen Umgang anderer annehmen.“
 
Betroffen schaute Marie auf den Teppich. Ja, damit hatte der Meister recht. Das war ihr gar nicht aufgefallen, und sie sagte: „Danke, dass du mich darauf aufmerksam machst.“
 
„Ich finde, du solltest dich bei dir selbst entschuldigen, Mari. Sei sanft mit dir und nimm dich mit allem, was du fühlst, liebevoll an.“

 

Obwohl sich das seltsam anfühlte, sprach Mari mit sich selbst: „Entschuldige Mari, es tut mir leid, dass ich dich gerade dämlich genannt habe. Ich meinte das eigentlich gar nicht so und will künftig besser darauf aufpassen, wie ich mit spreche.“

Bestätigend nickte Joel ihr zu. „Das war gut und wichtig!  Du hast dich gerade selbst verletzt, und auch wenn es sich etwas seltsam anfühlt, sich bei sich selbst zu entschuldigen, hilft dann. Denn so kannst du es gleich wieder ausgleichen. 
Du solltest stolz auf dich sein, Mari, auf deinen Mut, und deine Entschlossenheit! Kannst du mir sagen, dass du mutig bist?“

Obwohl es ihr etwas schwer fiel, sprach sie es aus: „Ja, Meister ich bin mutig“

„Das ist viel hilfreicher, als wenn du dich herab würdigst. Da ist doch Energie drin!“ lobte er sie.

„Danke, Meister, ich weiß, Mut ist nötig, wenn man eine Angst auflösen will, und da ich jedoch nicht fühlen kann, dass ich mutig bin, muss ich es mir eben immer wieder einmal sagen.
 
Fühlst du es nicht? Fühlst du nicht die Kraft in dir? Die Kraft die dich neulich hat Ja sagen lassen, die Kraft die dich heute hier her geführt hat?“
 
Mari überlegte und suchte nach Kraftmomenten… Schließlich meinte sie: „Neulich konnte ich die Kraft für einen Moment spüren, kurz bevor ich ja gesagt habe, heute habe ich wieder mehr die Angst gespürt auf dem Weg hierher…“
 
„Aber du bist den Weg gegangen!“ Also war die Kraft größer als die Angst! Und auch der Mut war größer als die Angst! Das verdient Anerkennung – auch von dir!“
 
Mari überlegte… „Das ist seltsam, klingt logisch, und dennoch fühle ich diese Kraft eigentlich gar nicht so bewusst. Aber sie mussja da sein, sonst wäre ich nicht hergekommen… Da hast du recht!  Was könnte ich nur tun um sie stärker spüren zu können?“
 
„Nun, zunächst solltest du dir bewusst machen, wie viele Entscheidungen du triffst und bereits getroffen hast, zu denen Mut gebraucht wird, und sie auf diese Weise aufmerksam wahrnehmen.
In dir steckt ein großer Wunsch, eine tiefe Sehnsucht, ein zentrales Bedürfnis, und das verleiht eine sehr große Kraft. Daran solltest du denken, wenn du dich schwach fühlst… und an all die Dinge, die du schon getan hast, von denen du gedacht hast, du könntest es nicht. Auch hier steckt so viel Kraft drin, so viel Entschlossenheit!“
 
„Okay, ich werde versuchen daran zu denken, wenn ich wieder Angst bekomme.“
 
Also, mutige Mari, was ist eine positive Erinnerung, wenn du an Erotik denkst?“

 

Uff! Mari überlegte… das war ja gerade das Problem, dass sie bisher kaum positiven Erfahrungen damit gemacht hatte… aber… 
„Hmm, ich kann es als schön empfinden wenn ich mich selbst berühre“, bekannte sie. „Ich glaube das ist auch was, was zum Thema Erotik dazu gehört, obwohl es mir sehr peinlich ist, das auszusprechen.“

Oh ja, das gehört dazu,“ bestätige ihr Meister, „und das ist nichts Peinliches! Du sagtest, du kannst es als schön empfinden, Was meinst du damit genau, Mari“

Na, das sind angenehme Gefühle – Gefühle, die sich lebendig anfühlen – und ich bin dabei frei , und keinem Mann ausgeliefert!“ Marie rutschte auf ihrem Stuhl hin und her und fühlte sich  unbehaglich.

„Und doch möchtest du diese Gefühle auch mit einem Mann erleben, einem Mann, der dominant ist“, stellte ihr Meister lächelnd in den Raum.
 
„Ich weiß, das ist ein Widerspruch, und dennoch ist es so. Das ist ja das Verrückte, das ich selbst nicht verstehe: Vielleicht möchte ich das auch nicht, vielleicht möchte ich diese Führung nur in anderen Themen erleben – so wie bisher. Manchmal ist ja in der Fantasie etwas ganz anders als in Wirklichkeit…
 
Wenn du diesen Widerspruch benennst – wie fühlt sich das für dich an?“
 
„Als sei etwas mit mir nicht in Ordnung. Wie kann ich etwas wollen und gleichzeitig nicht wollen?!“
 
„Nun, wann immer du feststellst, dass du es nicht möchtest, bitte ich dich, es mir zu sagen.“
 
Da bin ich erstaunt, das sagst du mir??? Das darf ich? Innerhalb dieser Spiele?“
 
Ja, Mari., das darfst du! Ich möchte dich führen und dich nicht zu etwas zwingen. Und was deinen inneren Widerspruch anbelangt…“
 
Marie kamen die Tränen vor Erleichterung. Diese Worte berührten sie tief.
 
Ich erwarte von dir zwar eine Form von Unterwerfung, sonst hätte unser Miteinander hier im Aspekt der von dir gewünschten Machtspiele ja keinen Sinn, aber nur bis dorthin, wie weit du gehen willst und kannst.“ 
 
„Danke Meister, ich werde mein Bestes tun!“
 
„Das weiß ich, und das spüre ich, Mari.“ Joel lächelte, „Und was nun diesen von dir angesprochenen Widerspruch anbelangt – ach weißt du, Mari… schon der alte Goethe wusste um die zwei Herzen in der Brust. Ambivalenz ist etwas ganz Menschliches. Hilfreich ist es, wenn man sich der verschiedenen Stimmen in sich selbst bewusst ist und beide Seiten annimmt, sie im besten Fall als die gegensätzlichen Pole eines gemeinsamen Themas ansieht.“
 
Maris Augen wurden heller. „Das tut ja vielleicht gerade gut!!! Wenn es mir so geht wie Goethe kann ich ja gar nicht so verkehrt sein. Dieser Widerspruch in mir zwischen Angst vor Autorität und gleichzeitiger Affinität dorthin begleitet mich tatsächlich schon seit meiner Kindheit, und ich habe oft gedacht mit mir stimmt irgendetwas nicht… Dieses Macht-Thema hat mich nie losgelassen.“
 
„Viele sehen in der Macht auch eine besondere Form von Erotik. Es ist folglich verständlich, dass auch für dich hier eine Verbindung besteht. Wie die aussieht, das werden wir gemeinsam herausfinden.“
 
Bei diesen Worten spürte Mari wieder deutlich, wie sich die Seite der angstvollen Aufregung meldete und ihr fiel nichts ein, was sie darauf sagen konnte.
 
„Ich freue mich drauf! Und das Spiel ist jetzt beendet“, sagte Joel lächelnd.

Mari atmete auf. „Ich fühle mich wie in der Achterbahn, Joel!“

Wie viel leichter es sich doch für sie anfühlte, mit Joel außerhalb der Meisterrolle zu sprechen. Und dennoch… sie hätte es vermisst, dem Meister, der er für sie verkörperte, nicht mehr zu begegnen.

„Und fühlt sich das eher angenehm oder eher unangenehm für dich an?“
 
„Weder noch, irgendwo dazwischen… ziemlich lebendig einerseits und beängstigend andererseits“, antwortete sie. „Ach, Joel, könntest du mich vielleicht, wenn du das auch magst, mal in den Arm nehmen?“
 
Joel lächelte: „Das mache ich liebend gern!“ Er stand auf und umarmte sie.
„Hmm, Mari, gönne dir ruhig das Lebendig-sein. Das ist doch etwas sehr Wertvolles!“
 
Marie hielt sich einen Moment ganz fest an Joel, so als wenn sie gerade in dieser Achterbahn saß, und etwas zum festhalten brauchte. Und er hielt sie ganz fest, um ihr den Halt zu geben, den sie jetzt brauchte…
 
Geschrieben von Rafael und Miriam – vielen Dank für die gute Zusammenarbeit! 
 
 

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22. Mari entdeckt ihren „inneren Meister“

Spaziergang mit einer zentralen Frage

„Guten Abend, Mari“, Joel trat lächelnd ein, blieb aber anders als bisher im Flur stehen.

„Grüß dich, Joel, komm doch rein!“  Mari spürte wieder dieses Gefühlsgemisch aus Freude und Aufregung, so wie es meistens  war, wenn die beiden sich trafen.

„Heute würde ich gern einen kleinen Spaziergang mit dir machen, okay?“

„Ja, klar, können wir machen…“ antwortete Mari verwundert. 
„Äh – gehe ich mit dir als Joel oder als dem Meister spazieren?“ fragte sie etwas verunsichert.

Joel lachte und gab die Frage zurück. „Mit wem würdest du denn gern spazieren gehen?“

„Mit dir, Joel!“ kam prompt die Antwort, während Mari sich Jacke und Handtasche schnappte.

Unten angelegt, nahm er ihre Hand und führte sie in Richtung des nahegelegenen Parks.

„Hier ist es schön ruhig,“ meinte er, und sie freute sich über diesen besonderen Auftakt ihrer heutigen Begegnung. 

„Weißt du noch, Joel, hier sind wir vor etlichen Wochen auch spazieren gegangen, als wir uns kennengelernt haben…“

„Ja, daran erinnere ich mich noch sehr gut, Mari“, antwortete er nachdenklich. „Ich habe nicht ganz ohne Grund diesen Weg eingeschlagen für unseren kleinen Spaziergang…“

Gespannt und nun etwas unruhig geworden schaute Mari ihn von der Seite an und wartete darauf, dass er weiter sprach.

„Es war ja ein ganz besonderer Deal, den wir miteinander besprochen hatten…“

Mari wurde nervös… Was würde jetzt kommen? Der Deal war Englisch-Unterricht gegen Lektionen in Selbsterfahrung und Vertrauen… So fasste sie es kurz für sich zusammen.

Dear teacher, do you think that I am a good student by learning the English language?“ brachte Joel+ langsam heraus.

„O yes, Joel, you are a very good and hardworking student in learning the english language“ bestätigte sie, lächelnd den kleinen Fehler korrigierend.

„Ich freue mich jedes Mal, wenn ich wieder etwas mehr bei dir gelernt habe,“ erklärte Joel. „Hab vielen Dank, dass du mir das möglich gemacht hast, denn wie du ja weißt, hatte ich in den Jahren davor schon mehrere Anläufe gemacht, die Sprache zu lernen und es hat nie geklappt. Du bist echt eine super Lehrerin! Nur deiner Geduld und deiner speziellen Lehrmethoden habe ich es zu verdanken, dass ich nun den Einstieg ins Englische geschafft habe.“

Mari schaute ihn nachdenklich an. Er hatte in der kurzen Zeit viel gelernt – und konnte sich auf die Schulter klopfen. Dass er mit ihr als Lehrerin zufrieden war, freute sie.
Aber was war umgekehrt…? Dass sie als Lehrerin einiges in Gang bringen kann – ja, das wurde ihr schon oft signalisiert und dessen war sie sich inzwischen dankbar bewusst. Aber in der Rolle der Schülerin? Da empfand sie sich mit Abstand als nicht so gut wie Joel als Schüler…
Sie wurde traurig…. Ja, es war ihr gelungen, etwas Vertrauen zu fassen zu Joel und sogar auch zu dem „Meister“, dessen Rolle er für sie in ihren besonderen Spielen verkörperte… Aber das war noch sehr wackelig und sie stürzte immer wieder einmal in heftige Ängste. Dabei war das, was hinter ihr lag noch vergleichsweise harmlos im Vergleich zu dem, was sie noch vor sich hatte. 

Ich hätte inzwischen mehr schaffen sollen… mich mehr zusammen nehmen müssen… lockerer werden… mir mehr Mühe geben…  Ich hätte ihm meine vielen Ängste vielleicht nicht so deutlich zeigen sollen… Aber – anders geht es doch gar nicht – gerade nicht auf diesem Weg, in dieser Thematik… jedenfalls nicht für mich… Deshalb habe ich mich ja auf diesen Weg begeben…

„Mari, was geht in dir vor? Du wirkst plötzlich weit weg – und… irgendwie niedergeschlagen.“ fragte Joel. Ich dachte, es wäre gut, dir zwischendurch mal ein Feedback zu geben und habe heute morgen sogar Tante Google gefragt, wie ich das in Englisch hervor bringen könnte!“
Etwas schelmisch lächelten seine Augen, doch war auch die Betroffenheit über ihr Befinden deutlich spürbar.

„Na ja…“, druckste Mari herum, „ach, Joel… Du bist ein wunderbarer Schüler! Trotz deiner anfänglichen Hemmungen im Lernen dieser Sprache bist du schon so weit gekommen in der kurzen Zeit! Und ich… ich bin ja in unseren Spielen auch eine Art Schülerin…“

„Ja,“ bestätigte Joel, „ich würde sagen, du bist eine Schülerin im Fach „Vertrauen“ – was meinst du dazu?“

„Hmm, das trifft es wohl genau. Und ich habe längst nicht so viele Fortschritte gemacht wie du. Ich schäme mich meiner Ängste, die immer wieder so häufig und so heftig aufflackern und es dir und mir oft so schwer machen. Eben dachte ich darüber nach, wie unangenehm sich das wohl für dich anfühlen mag… Ich könnte verstehen, wenn du keine Lust mehr hast, mit mir diesen Deal weiter zu verfolgen… Vielleicht ist es ja das, was du mir sagen willst auf diesem Spaziergang?!“

Joel blieb stehen, drehte sich so zu Mari, dass sich beide gegenüber standen, und sah ihr in die Augen.
„Nein, Mari, das ist es keinesfalls, weshalb ich dieses Gespräch mit dir begonnen habe. 
Und es ist keinesfalls wahr, dass du so wenig Fortschritte gemacht hast!
Und selbst wenn es stimmen würde, wäre es für mich überhaupt kein Grund, abzubrechen. Im Gegenteil, ich würde nach neuen Möglichkeiten und Chancen suchen… aber…
und Jetzt kommt das große „Aber“…

Mari senkte den Kopf.

„Schau mich bitte an, Mari,“ bat er sie freundlich, „aber es funktioniert nur, wenn du es weiterhin willst – und dir dessen bewusst bist, dass du es bist, die letztendlich all das selbst möchte, was dir so oft wie eine große Hürde erscheint. Und diese Frage ist es, die ich dir heute stellen wollte. Sei sicher, ich möchte dich weiter auf diesem Weg führen, begleiten, unterstützen, annehmen und wenn nötig auch trösten, wenn die Gefühle mal wieder aus dem Ruder laufen. Es ist mir jedoch wichtig, dass dir immer bewusst bleibt, oder – wenn du es zwischenzeitlich vergisst, dass dir immer wieder bewusst wird, dass ich die Dinge – besonders wenn ich in der Meisterrolle bin – tue, weil du mir den Auftrag dazu gegeben hast.“

Mari schaute ihm forschend in die Augen… Ja, es ist wahr, was er sagt, dachte sie. Er meint wirklich, was er sagt. Er will es! Und ich? Wie sieht es in mir aus unter all diesen schwierigen Gefühlen? Was will ich? Was will ich wirklich?

Trau dich!  hörte und fühlte sie eine klare Stimme in sich. War das eine Ratgeber-Stimme? So etwas wie ihr „innerer Meister“?
Ja, ein guter Begriff, flüsterte es in ihr. Du kannst mich alles fragen! Gern kannst du mich als deinen „inneren Meister“ bezeichnen. Das passt!

Joel zog sie auf eine Bank und sagte zu ihr: „Wir haben inzwischen einiges miteinander erlebt . Mein Eindruck ist, dass dein Vertrauen sowohl zu mir als auch zu der Meisterrolle, die ich verkörpere, ein schönes Stück gewachsen ist. Wir haben dazu Rituale und Vertrauensübungen gemacht, und du kannst inzwischen einiges mehr annehmen als am Anfang. Weißt du noch, wie du bei unserem ersten Treffen bei mir aus der Wohnung gerannt bist…?“

Beide lachten. Es stimmte, sie hatten schon einiges miteinander erlebt und durchgestanden.

„Und nun ist die Frage, Mari, willst du weiter gehen? Du hattest mir anfangs gesagt, dass du mit  einem Mann auch auf der erotischen Ebene angstfreier als bisher umgehen würdest. Wenn wir uns künftig auch an dieses Thema, das ja bisher von mir kaum berührt wurde, heran tasten wollen, muss dir bewusst sein, dass du es willst, damit die Voraussetzung gegeben ist, dass du dich von mir weder als Joel noch als Meister bedrängt oder gar benutzt fühlst. 
Und diese Frage ist es, die ich dir heute stellen möchte und stellen muss. 

Gilt dein Auftrag an mich immer noch? Willst du mit mir in welcher Rolle und in welcher Weise auch immer diesen Weg der Vertrauensübungen und Machtspiele weiter gehen, der ja irgendwann dann, so wie du es dir gewünscht hast, auch ins Land der Erotik führen wird?

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25. Bei Angst um eine Umarmung bitten

Bei Mari – Angst kommt und Angst geht

„Bevor wir mit dem beginnen, was ich heute vor habe, möchte ich deine Hausaufgaben sehen, Mari. Es sind ja nun schon einige Wochen vergangen, seit ich sie dir gegeben hatte.“

„Ja, Meister.“ Aufgeregt verließ Mari das Zimmer, um das schwarze Gewand, in das sie bunte Ornamente sticken sollte, zu holen. Würde es ihm gefallen? Hatte sie genügend gestickt? Hatte sie es gut genug gemacht? Plötzlich fühlte sie sich wie ein kleines Schulmädchen…
Nervös hielt sie es ihm hin, und er betrachtete es in Ruhe.

„Das hast du gut gemacht, Mari. Dafür dass du meintest, nicht sticken zu können, ist es doch schon sehr schön geworden. Ich sehe, dass du dir Mühe gegeben hast. Weiter so!
Und was ist mit deiner anderen Hausaufgabe?

„Oh, daran habe ich nicht gleich gedacht. Entschuldigung. Ich hole es sofort!“

„Ganz in Ruhe, Mari.“

„Ja, Meister.“

Gehorsam verließ sie den Raum, um das Gewünschte zu holen, und Joel lächelte…
Immer mehr fand seine Schülerin in ihre Rolle hinein, ohne anfangs vor Angst zu erstarren.
Mari kam wieder mit einem schön verzierten Blatt Papier, auf dem die Worte der für sie wertvollsten Regel stand, die er ihr in ihrem ersten gemeinsamen Spiel gegeben hatte:

F E H L E R   D Ü R F E N   S E I N !

„Hast du täglich etwas hinzu gefügt von diesen schönen Verzierungen, die ich da sehe?“

„Ja, Meister, ich habe an jedem Tag etwas gemalt und etwas gestickt.“

„Und wie ging es dir damit?“

„Es hat mir Spaß gemacht. Selbst das Sticken, das bisher gar nicht so mein Ding war, machte mir irgendwie Freude.“

„Das freut mich zu hören, Mari!
Auf das Blatt mit der Fehler-Regel passt ja inzwischen kaum noch etwas drauf. Das hast du schön gestaltet in all den Wochen – damit darf es nun genug sein. Es gefällt mir gut. Und vielleicht ist ja dadurch, dass du dich jeden Tag mit diesen drei so wichtigen Worten beschäftigt hast, deine Angst, Fehler zu machen, schon etwas gesunken? Wir werden sehen…
Wo hängst du es auf?“

„Ich habe einen Rahmen besorgt und in meinem Schlafzimmer einen Nagel in die Wand gehauen dafür.“

„Schön, Mari!
An dem Gewand wirst du weiter sticken, immer wenn du etwas erlebst, was unerwartet kam und gut geworden ist, oder wenn du irgendetwas erlebst, wofür du dankbar bist, was auch immer es sein mag, sticke etwas kleines Buntes hinein – so wie du es bisher ja schon gemacht hast. Wenn du zu mir kommst, möchte ich, dass du es immer dabei hast. Und wenn ich zu dir komme, sollte es schon immer unaufgefordert hier in deinem Wohnzimmer liegen, damit ich es mir anschauen kann. „

„Ja, Meister.“

„So weit so gut.
Jetzt wiederhole mal die Regeln, die ich dir bisher gegeben habe.“

„Fehler dürfen sein.
Ich rede dich mit Meister an.
Wenn du zu mir kommst, soll ich vorher nicht aufräumen und putzen.
Den Beginn und das Ende einer Übung und des gesamten Spiels bestimmst du.“

„Diese Regeln hast du dir gut gemerkt, Mari…“

Mari lächelte.

„… es gibt aber noch eine.“

Mari überlegte… Mist! Es wollte ihr nicht einfallen, welche Regel es noch gab…

Nervös sah sie Joel an. Er wartete, schaute sie einfach nur an.

„Entschuldige bitte, Meister, ich weiß jetzt nicht, welche du meinst.“

Joel malte lächelnd ein Fragezeichen in die Luft.

„Ach ja! Ich soll keine vermeidbaren Fragen stellen.“

„Ja Mari, na da hast du doch noch gut die Kurve gekriegt!
Ich möchte dir zu dieser Regel noch etwas mit auf den Weg geben. Ich beschreibe meine Anordnungen stets so klar wie möglich. Dennoch kann es sein, dass zwischendurch mal eine Situation entsteht, wo es dir unvermeidbar erscheint, mich etwas zu fragen. Wenn du nicht weiter weißt, und unbedingt eine Frage stellen musst, dann bitte darum mit dem Satz: `Meister, ich bitte darum, eine Frage stellen zu dürfen´. Bedenke dabei: Prüfe vorher genau, ob die Frage unvermeidbar war – denn ich werde das auch tun. Lege deinen Fokus darauf, möglichst gar keine Fragen zu stellen. Auch wenn du nicht sicher bist, ob du eine Aufgabe richtig verstanden hast, ist das kein Grund nach zu fragen. Dann erfülle sie so, wie du es meinst verstanden zu haben und wie du es kannst. Sollte daran etwas nicht so sein, wie ich es meinte, dann werde ich dich korrigieren, daran ist nichts Schlimmes! Ich möchte, dass du dich daran gewöhnst, nicht perfekt sein zu können, und dass das kein Problem darstellt.“

Mari nickte beklommen. Gerade mit dieser Regel hatte sie am meisten Probleme.

„Nun beginnen wir mit einem Gedankenspiel,“ fuhr Joel fort.
„Was würdest du sagen, wenn ich jetzt von dir verlangen würde, dich nackt auszuziehen?“

Mari erstarrte.
Jetzt geht es los! Dachte sie. Jetzt muss ich… O Gott, ich kann das nicht… Dabei habe ich es doch irgendwie selbst gewollt, aber jetzt… es geht einfach nicht! Was soll ich bloß tun…?!

„Mari, schau mich an.“

Sie konnte sich nicht bewegen, nicht mal den Kopf heben…

Ihr Meister machte einen Schritt auf sie zu, legte behutsam eine Hand unter ihr Kinn und hob ihren Kopf etwas hoch, so dass sie ihn anschauen musste.
„Mari, ich verlange das doch jetzt gar nicht von dir.
Soweit sind wir noch nicht – das ist mir doch klar.
Ich habe dich lediglich gefragt, was wäre wenn…
Was würdest du dann sagen?
Und so wie es jetzt aussieht, würde es dir schwer fallen, überhaupt etwas zu sagen, stimmt´s?“

Mari nickte. Er öffnete einladend seine Arme für sie. „Möchtest du?“
Sie atmete erleichtert aus. Tatsächlich konnte sie sich in seiner Umarmung etwas entspannen…
Wie gut es tat, wenn er sie in seinen Armen hielt. Ihr Stress wurde weniger, die Angst beruhigte sich…

„So ist es gut,“ flüsterte er. „Du brauchst keine Angst zu haben, alles ist gut. Du musst niemals etwas tun, was dir absolut widerstrebt, Mari – niemals! Das verspreche ich dir!“
Mit diesen Worten setzte er sich mit ihr auf die Couch und legte seinen Arm um sie.
Ich wollte dich nicht so sehr erschrecken.
Es sollte lediglich ein Gedankenspiel sein: „Was wäre wenn…“

„Ich dachte, ich sollte jetzt gleich…“

„Beschreibe mir jetzt mal, was bei diesen Worten in dir passiert ist.“

„Alles in mir verkrampfte sich. Ich konnte mich nicht bewegen und auch nichts sagen. Es ging nicht. Und es dachte in mir immer nur: Ich kann nicht! Jetzt geht´s los! Was mach ich bloß?!!!

„Mari, du hast jederzeit die Möglichkeit zu sagen: „Die Ampel ist rötlich orange oder gar rot, dann brechen wir das Spiel ab oder unterbrechen es, bis es dir wieder besser geht und wir einen Konsens gefunden haben, ob und wie es weiter gehen könnte. Insofern behältst du in Wahrheit immer die Kontrolle über das, was du zulassen möchtest und was nicht. Gerade in deiner tiefen Verletzlichkeit musst du immer eine Tür zum kurzfristigen Ausstieg oder Abbruch haben.“

Marie nickte erleichtert: „Danke, dass du mich daran erinnerst, manchmal vergesse ich diese Möglichkeit in all der Aufregung.“

„Das war eben kurz vor einer Panikattacke, stimmt´s?“

„Ja, aber durch deine Umarmung und das Gespräch jetzt ist sie wieder abgeflaut.“

„Das freut mich sehr, Mari! Wie geht es dir jetzt körperlich?“

„Mir ist kühl und ich zittere.“

Fürsorglich legte er eine Decke um sie.

„Lass es ruhig zittern, Mari, das hört von allein wieder auf. Die Angst zittert sich aus…
Das darf sie.“

Sie lehnte sich an seine Schulter und ließ ihren Körper machen, was er machen musste…
Obwohl das Zittern und das damit verbundenen Schwächegefühl nicht angenehm war, fühlte sie sich seltsam geborgen. Es tat gut, sich anzulehnen. Sie musste ihren Körper einfach nur machen lassen… Es war nicht schlimm… Sie durfte so sein, wie sie sich fühlte…
Ihr Meister nahm sie an so wie sie war.
Und diese Angstattacke ging schneller vorüber als beim letzten Mal.

„Schau mal, Mari, es wird schon langsam dunkel draußen. Hast du eigentlich Kerzen im Haus?“ fragte ihr Meister und holte sie damit in die Gegenwart zurück.“

„Ja, hab ich.“

„Das ist schön,“ nickte Joel, „hol uns mal eine Kerze hierher, stell zwei andere dort drüben auf das Regal und zünde sie an. Sofort stand Mari von der Couch auf, um die Kerzen aus dem Schrank zu holen.“

„Bitte hole uns doch auch eine neue Wasserflasche, diese ist schon fast leer.“

„Ja, gern.“ Sie holte die gewünschte Flasche.
Als sie sie auf den Tisch stellte, fiel ihr auf, dass das Zittern sich gelegt hatte.
„Es geht mir wieder besser, Meister.“

„Das freut mich, Mari. Du siehst, die Angst kommt und geht auch wieder.
Ich glaube fest, dass sie nach und nach weniger schlimm werden wird und du dich mit der Zeit mehr entspannen kannst. Und weißt du, was mich freut?“

Mari schüttelte den Kopf.

„Dass meine Arme dir anscheinend Wärme und Sicherheit vermitteln können und du dich in unserer Umarmung inzwischen so geborgen fühlst, dass dein Bedrohungsgefühl darin nach lässt.
Das ist etwas, das wir ganz leicht tun können – und immer zur Verfügung haben.“

Mari nickte… „Ja, irgendwie stimmt es. Wenn du mich in deinen Armen hältst, wird mein Körper ruhiger und der Stresspegel sinkt.“

„Wunderbar! Daraus wird jetzt die nächste Regel, Mari:

BEI ANGST UM EINE UMARMUNG BITTEN.


„Ich hoffe bloß, das gelingt mir in dieser Starre, in der ich mich dann, wenn die Angst mich derartig überfällt, meist befinde. Ich kann es dir nicht versprechen, dass ich das immer schaffe, auch wenn ich es grundsätzlich gerne will, aber ich will mein Bestes tun, es umzusetzen.“

„Gut, Mari, deine Bereitschaft ist da. Und ich bin ja auch präsent und erkenne meistens schnell, wenn du in Angstzustände kommst. Wenn ich sehe, dass du nicht um eine Umarmung bitten kannst, dann umarme ich dich, ohne dass du darum bittest, so wie bisher ja auch. Aber wenn du es kannst, dann sprich es aus. Hast du das verstanden?“

„Ja, Meister!“

„Diese Regel wird zu deiner nächsten Hausaufgabe: Ich möchte, dass du sie auch auf ein großes Blatt Papier schreibst und sie täglich anschaust und farbig gestaltest.“

BEI ANGST UM EINE UMARMUNG BITTEN.

„Ja, gern Meister!“

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15. Schau mir in die Augen, Kleines…

Bei Joel – Du kannst nicht versagen 

Mari und Joel, der für sie in den Zeiträumen ihrer Spiele und Rituale die Rolle des „Meisters“ angenommen hat, saßen sich gegenüber.

Seine Hände lagen entspannt mit geöffneten Handflächen nach oben auf einem kleinen Kissen.

„So Mari, jetzt legst du deine Hände in meine, und wir schauen uns für eine gewisse Zeit in die Augen.“

„Für wie lange?“

„Nicht fragen, Mari! Nur dem folgen, was ich sage.“

„Oh Entschuldigung!“ Warum nur musste sie immer wieder den gleichen Fehler machen und Fragen stellen. Sie errötete.

„Entschuldigung angenommen.
Die Übung geht so lange, bis ich sie beende.“

„Ja, Meister.“

Gehorsam reichte sie ihm ihre Hände und versuchte, ihm in die Augen zu schauen. Es fiel ihr enorm schwer – so groß, so funkelnd, so machtvoll erschienen ihr seine Augen in diesem Moment.
Und es fiel ihr schwer, von diesen Augen so intensiv angeschaut zu werden.
Immer wieder musste sie den Blick senken und sich mit aller Willenskraft zwingen, ihn wieder anzuschauen.

Tränen traten ihr in die Augen und sie begann zu zittern.
Als er dies wahrnahm, beendete er die Übung und nahm sie in die Arme.
Erleichtert ließ sich Mari ein Weilchen von ihm halten.

Dann sagte sie verzweifelt: „Wenn ich schon bei einer so einfachen Anforderung versage, wie soll ich das andere, was noch vor mir liegt und sicher immer schwieriger wird, schaffen? Ich glaube, das mit unseren Vertrauens- und Macht-Spielen war ´ne Schnapsidee! Ich bringe das nicht!“

Ruhig antwortete Joel: „Erstens: Du hast nicht versagt, denn du hast mich immer wieder trotz aller Schwierigkeiten, die du hattest, angeschaut.
Zweitens: Unterschätze die Kraft und Intensität dieser Übung nicht. Es ist nicht ohne, sich wirklich darauf einzulassen, den Augenkontakt zu halten.
Und drittens ist die Annahme, dass du alles weitere nicht schaffen könntest, auch nicht wahr. Wenn wir ganz in Ruhe einen Schritt nach dem anderen tun, wird keine Anforderung so hoch sein, dass sie nicht zu bewältigen wäre. Und wenn etwas beim ersten Anlauf nicht klappt, dann gibt es einen zweiten oder dritten, vierten oder fünften Anlauf. Mach dir jetzt keine Sorgen, Mari, um etwas, das noch gar nicht dran ist.

Alles war und ist in Ordnung so wie es ist.
In Wahrheit gibt es gar nichts, was nicht in Ordnung sein könnte, denn jedes Gefühl darf gefühlt werden.

Du kannst also gar nicht versagen!

Und ich kann und werde dich immer unterstützen und wenn nötig auffangen, so lange du einfach nur da bleibst.
Und Mari… Du machst es dir und mir immer leichter, wenn du bereit bist, das auszusprechen, was in dir ist. Ich werde dich danach immer mal zwischendurch fragen.
Also: Was hast du vorhin beim Anschauen gefühlt, Mari?“

Sie dachte nach… Was war es eigentlich, was es ihr so schwer gemacht hatte, den Augenkontakt zu halten…
„Es war irgendwie unheimlich, dir so lange in die Augen zu schauen und von dir so gesehen zu werden…“
Sie stockte. Durfte sie das sagen? War er jetzt sauer?
Vorsichtig hob sie ihren Blick. Seine Augen schauten sie nach wie vor ruhig, gelassen und interessiert an und ermutigten sie, weiter zu reden.

„Ich hatte das Gefühl, du würdest mir bis in meine Seele blicken – und das war schwer für mich zuzulassen und auszuhalten. Ich fühlte mich so nackt und schutzlos. Und du weißt ja… Ich habe mit dem Nackt-sein Probleme.“

Joel nickte: „Ja, durch die Augen berühren wir unsere Seelen und sehen uns unverhüllt so, wie wir in der Tiefe unseres Wesens wirklich sind, das spürte ich auch.  Aber es wird nicht immer so bleiben, dass du es als unangenehm empfindest, von mir gesehen zu werden. Mit wachsendem Vertrauen wird es leichter werden. Noch hast du nicht genügend Vertrauen zu mir und auch zu dir selbst.
Ich sage dir: Es gibt nichts, aber auch gar nichts an deiner Seele und deinem Körper, was nicht liebenswert und schön ist. Ich möchte dich gern darin unterstützen, das glauben und fühlen zu können. Dein Vertrauen wird wachsen im Laufe der Zeit. Da bin ich ganz zuversichtlich! Deshalb sind wir ja auf diesem interessanten, und wie ich hoffe, auch für dich irgendwie guten Weg. Oder?“

„Ja,“  sie nickte.

Dankbar für seine ermutigenden, Worte drückte sie seine Hand.

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12. Kopfkino

Das erste Treffen bei Joel

Mari und Joel hatten sich bisher zweimal bei Mari getroffen. Beim letzten Mal hatte Joel sie fürs nächste Treffen zu sich nach hause eingeladen.

„Bist du bereit, das nächste Mal zu mir zu kommen, Mari?“ hatte er gefragt.

Sie hätte nein sagen können, aber das wollte sie nicht. Heute wäre es ihr allerdings lieber gewesen, sie hätten sich weiter bei ihr, in ihrer vertrauten Umgebung getroffen. Doch wie hieß es so schön: Man sollte seine Komfortzone immer mal wieder verlassen.

Am Nachmittag nahm ihre Aufregung zu. Was würde sie wohl heute erwarten? Was hatte er in seiner Rolle als „Meister“ diesmal mit ihr vor?

Pünktlich um 18 Uhr erschien sie bei Joel, der sie lächelnd begrüßte und ins Wohnzimmer führte, wo Tee, Wasser und Gebäck auf dem Tisch standen.

„Ich möchte heute gleich mit unserer Session beginnen, den Englisch-Unterricht machen wir diesmal hinterher,“ erklärte er und schloss die Tür.

Dieser Moment, dieser winzige Moment des Tür-Schließens ließ in Mari Alarmglocken schrillen. Was, wenn sie gehen wollte, und er sie nicht raus ließ?
Was, wenn er die Wohnungstür von innen zu geschlossen hatte?
Was, wenn er sich  bisher nur so freundlich und entgegenkommend gezeigt hatte und heute, wo sie beim ihm war, in seiner Wohnung, in der er schalten und walten konnte, wie er wollte, sein wahres Gesicht erst zeigte?
Was, wenn er über sie herfiel und sie nicht weg konnte?

Immer tiefer verrannte sie sich in furchterregende Fantasien.

War es nicht leichtsinnig von ihr, einfach herzukommen, zu einem Mann, den sie noch gar nicht so lange kannte?
Nicht einmal ein Sicherheits-Telefonat mit einer Freundin hatte sie organisiert. Aber mit wem auch? Es gab keine Freundin, der sie von diesen speziellen Treffen erzählen konnte.
Wo war überhaupt ihr Handy? Ach ja, es steckte noch in der Jackentasche, die draußen an der Garderobe hing… Da konnte sie jetzt auch nicht ran!
Sie erinnerte sich an Filme, in denen sich anfänglich sehr freundliche Männer schlagartig in übler Weise verwandelt hatten, nachdem sie ihr Opfer erst mal auf heimischen Boden hatten…

„Ich möchte raus hier! Ich möchte sofort gehen!“

Joel hörte die Panik in ihrer Stimme, sah wie blass sie plötzlich geworden war, und öffnete sofort die Tür.  „Na klar, Mari, komm, lass uns an die frische Luft gehen,“ schlug er vor.

Wie auf der Flucht verließ sie die Wohnung. Joel hatte noch schnell ihre Jacke von der Garderobe genommen und ging hinter ihr die Treppe hinunter, sorgsam darauf bedacht, ihr in diesem Moment nicht zu nahe zu kommen.

Draußen regnete es leicht. Mari nahm das gar nicht wahr.
„Warte doch bitte mal einen kleinen Moment,“ bat er sie von hinten.
Sie drehte sich um, sah ihn an, wie er ihr die Jacke hinterher trug und in einem kleinen Abstand von ihr stehen blieb.
„Wenn es dir recht ist, begleite ich dich,“ bot er ihr an. Seine Stimme klang freundlich und warm wie immer.
Müsste er jetzt nicht sauer sein???
Statt dessen fragte er mitfühlend: „Es geht dir gerade gar nicht gut, stimmt´s? Wo möchtest du denn hin?“

In diesem Moment sah sie ihn wieder – ihn, Joel, wie er wirklich war – nicht die Schreckensgestalt, die ihre Panik in der Wohnung aus ihm gemacht hatte.

Jetzt wurde die Angst von Scham abgelöst. Sie schaute nach unten, nahm wahr, wie sich kleine Pfützen bildeten, spürte nun die Nässe auch durch ihre Kleidung hindurch und fröstelte. Ganz starr stand sie – und murmelte: „Ich weiß auch nicht…“
Wollte sie jetzt wirklich nach hause fahren?

„Zieh doch erstmal deine Jacke an…“  Immer noch etwas von ihr entfernt stehend hielt er ihr die Jacke hin, und sie schlüpfte hinein, legte die Arme schützend um ihren frierenden Oberkörper.

„Oh, Joel, es tut mir leid…“ brach es aus ihr hervor.

„Es braucht dir nicht leid zu tun, Mari, Du hattest einen Panikanfall. Dafür kannst du nichts. Was meinst du, würde es dir gut tun, wenn ich dich jetzt in die Arme nehme?“ fragte er sie vorsichtig.

„Ja, wenn du das noch willst…?“

Langsam und ganz behutsam legte er die Arme um sie, und der Rest von Angst und Widerstand schmolz in seiner Umarmung.
Eine ganze Weile standen sie in dieser Umarmung versunken auf der verregneten Straße.
„Nimmst du mich wieder mit zu dir?“ fragte sie schließlich leise.

„Gern, Mari. Und ich verspreche dir, es wird dir nichts geschehen. Heute werden wir auch kein Spiel mehr machen! Jetzt möchte ich nur, dass du dich von deinem Schrecken erholst und wieder auftaust, mein Schatz!“
Und später können wir vielleicht über alles reden, wenn du möchtest…“

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11. Ein Brief ans Leben – Auftakt zu etwas Neuem…

Am Abend nach dem 2. Spiel – Mari denkt nach über das Spiel und das Leben

Obwohl es schon spät war, fand Mari noch immer keine Ruhe.
Sie holte ihr Stickgarn hervor und stickte eine kleine gelbe Blüte in den schwarzen Stoff des Gewandes, das ihr Joel vorhin im Rollenspiel als ihr „Meister“, gegeben hatte. Obwohl sie normalerweise überhaupt keine Lust zu Handarbeiten hatte, erfüllte sie jetzt gern seine Hausaufgabe, diesen besonderen Stoff nach und nach mit kleinen bunten Ornamenten zu besticken. 
Dass ich mal mit Freude sticken würde, hätte ich ja nie für möglich gehalten, dachte sie und grinste in sich hinein. Es ist aber schon was ganz anderes, es als Aufgabe vom Meister zu erhalten.
Das ist schon ein besonderer Mann… 

Eine tolle Idee von ihm, sich hinzustellen und „das Leben“ zu verkörpern.
Das war echt ein interessantes Gespräch! 

Spannend… da hatte ich doch vor kurzem selber auch schon die Idee, mit dem Leben zu kommunizieren… und hab ihm diesen Brief über meine Sehnsucht und Angst geschrieben. Was hatte ich eigentlich genau in diesen Brief ans Leben geschrieben…?

Mari holte ihr Tagebuch.

Da will ich doch gleich mal zurück blättern und nachschauen:

Aus Mari´s Tagebuch:

Du mein liebes Leben,
du kennst meine Fantasien, dass jemand, an den ich ganz bewusst für eine begrenzte Zeit meine Macht abgegeben habe, mir zum Beispiel sagt: „Du gibst jetzt mal für eine Weile alles in meine Hände. Du tust entweder gar nichts oder genau das, was ich dir sage! “

Leben, Du weißt ja, dass ich im täglichen Leben in meinem Beruf als Lehrerin viel Verantwortung übernehme. Es wäre vielleicht – wenn ich mich das trauen würde – ein guter Ausgleich für mich, wenn ich für gewisse Zeiten in Spiele eintauche, in denen ich mal die Verantwortung abgeben darf .

Du weißt auch, dass mir das sicher gar nicht leicht fallen würde, und dass ich mich dennoch danach sehne, mich in die Hände eines Menschen zu geben, der es gut mit mir meint, und diese von mir gewollte Führungsrolle mit Liebe und Einfühlungsvermögen gestaltet.

Natürlich müssten wir vorher viel abgesprochen haben, freundlich und klar miteinander kommunizieren können und uns grundsätzlich auf Augenhöhe begegnen. Das ist mir wichtig!


Aber vielleicht ist das auch eine absolute Schnapsidee, denn eigentlich weiß ich gar nicht so recht, wie und ob das überhaupt gehen kann…
Einerseits ist da so eine Sehnsucht danach, mich an so eine liebevolle Macht hingeben zu können, andererseits hab ich wiederum große Angst… und es fällt mir so schwer, die Kontrolle abzugeben – Sehnsucht und Angst zu dem gleichen Phänomen…


Leben, meinst Du, es könnte solch einen Menschen überhaupt geben, der tatsächlich Lust hat, diese zarten Nuancen einer Führungsenergie für mich zu verkörpern und der meine Ängste, die ja auch dabei sind, annehmen und dem entsprechend flexibel und behutsam mit mir umgehen könnte?
Jemand, der seine Anweisungen, die er mir in seiner Führungsrolle erteilt, wenn nötig auch variieren oder gar zurücknehmen kann, ohne es als „Gesichsverlust“ in seiner Meisterrolle zu werten, falls ich es nicht packe, und mir dabei die Wärme gibt, die ich bräuchte, um mich überhaupt weiter auf dieses Spiel einlassen zu können…?

Wenn es solch einen „Jemand“ gibt, der es auch selbst spannend fände und Freude an dieser Gradwanderung hätte, mich auf freundliche, wohlwollende Weise zu führen und im Rahmen von Rollenspielen über mich bestimmen zu dürfen, dann führe diesen Menschen bitte in meinen Weg. Ich weiß nicht wie, aber du weißt es in deiner allumfassenden Intelligenz.

Es wäre schön, wenn ich endlich Vertrauen fassen könnte und vielleicht durch diese Art liebevoller Führung mit der Zeit die Angst vor der Nähe zu Männern – und die Angst vor meinen eigenen Gefühlen – verringern oder gar verlieren könnte.
Derjenige müsste allerdings viel Geduld haben, nicht sauer sein, wenn es manchmal nicht so klappt… und selbst Lust dazu haben, solch eine Führungsrolle zu verkörpern.

Mensch, irgendwie wär das KLASSE?!!
Hey DU, mein Schicksal, du Schreiberin meines Lebensbuches, wie wäre es mit der Verwirklichung einer solchen Geschichte in meinem Leben?! Aber nur, wenn das gut geht!
Ich öffne mal symbolisch eine neue Seite in meinem Tagebuch dafür…

Hm… das hab ich vor gut drei Wochen geschrieben – und…wow, nun ist dieser Mensch schon da!
Und er hat gesagt, dass er behutsam sein will…
Liebes Leben, danke! Du hast ja echt schnell geantwortet. Ich bitte dich inständig darum, lass es nicht so sein, dass ich mich in Joel täusche! Ich habe immer wieder einmal Angst, dass es eine Seite in ihm gibt, die gefährlich sein könnte, die er bisher verborgen hat.
Mein Vater war auch manchmal ziemlich lieb und dann so ganz… na du weißt schon! So, dass es mir Angst gemacht hat.
Bitte lass Joel anders sein – so dass ich mit ihm wirklich sicher bin.
Lass das bloß alles gut gehen!!!
Nächstes Mal gehe ich zum ersten Mal zu ihm nach hause…
Bitte lass mich beschützt sein, liebes Leben!!!

Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge