82. Was könnte dir helfen?

Bei Joel – Verständnis, Annahme, Drucklosigkeit und ganz kleine Schritte

Mari saß Joel gegenüber in einem vorne durchgeknöpften Kleid, unter dem sie entsprechend seiner Vorgabe nichts darunter trug. Wieder einmal verkörperte er die Funktion des Meisters in einem Rollenspiel, in dem es um das Thema „Scham und Peinlichkeit“ ging.
„Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie peinlich mir das alles gerade ist!“ sagte sie leise.
„Wie genau fühlt sich die Peinlichkeit an?“
„Bedrückend, als ein heißes Gefühl im Kopf und Flattern in der Brust, in der Herzgegend.“
„Was löst diese Peinlichkeit denn aus?“
„Dass es wahrscheinlich darum gehen wird, das Kleid zu öffnen und da ich nichts drunter habe, wär mir das echt peinlich. Ich weiß ja nicht genau, was du vorhast, aber dass es um das Thema „Peinlichkeit“ gehen soll, hattest du mir ja schon geschrieben.“
„Schau, Mari, alle Impulse, die ich gebe, sind Angebote für neue Schritte, manchmal gedankliche und manchmal reale Schritte. Aber nur du kannst entscheiden, ob es jeweils ein passender Schritt ist für dich. Ich werde dich niemals zu etwas zwingen, das weißt du.“
„In Ordnung, um welchen Schritt soll es also heute gehen?“
„Nun, wir wollen herausfinden, wo die Grenze deiner Peinlichkeit liegt, und wie wir mit ihr liebevoll umgehen können, dass sie sich eventuell sogar etwas verschieben lässt. Bist du jetzt dazu bereit?“
Mari nickte angespannt. „Ja, ich versuche es.“
„Prima! Was würdest du dazu sagen, den obersten Knopf zu öffnen?“
„Okay, kann ich machen.“
„Und? Wie ist es?“
„Das fühlt sich okay an.“
„Wie wäre der unterste Knopf?“
Überrascht schaute sie nach unten, sie hätte jetzt den zweiten Knopf von oben erwartet. „Ja, der unterste Knopf geht auch.“
„Das sind schon zwei. Wie geht es dir damit?“
„Das ist auch noch okay,  nicht peinlich.“
„Okay, wie viele Knöpfe oben könntest du öffnen, bevor es peinlich wird?“
Mari überlegte… „Noch zwei.“
„Bitte öffne diese beiden.“
Mari öffnete nun den zweiten und dritten Knopf von oben.
Joel schaute sie fragend an: „Und? Alles okay?“
Mari nickte. „Ja, es geht.“
„Geht? Hört sich etwas eingeschränkt an?“
„Na, wenn der nächste käme, würde es schwierig werden, aber bis hierher ist alles in Ordnung.“ erklärte Mari.
Er nickte. „Wie viele Knöpfe von unten könntest du öffnen?
Noch drei
Und Marie öffnete die nächsten drei Köpfe von unten.
„Und wie ist es?“
„Fühlt sich noch okay an.“
„Prima! Schau mal, was du schon geschafft hast! Kannst du dir vorstellen noch einen Knopf zu öffnen? Egal wo?“
Jetzt fing es an schwierig zu werden, aber ein unterer Knopf wäre noch möglich, ohne dass das Kleid allzu weit auseinander fiel , entschied sich Mari, und öffnete diesen Knopf.
„Du wirst mutiger.“ Wie geht es dir damit?“
Mari musste wider Erwarten lächeln. Die drei Worte du wirst mutiger fühlten sich gut an.
Sie antwortete: „Da ist einerseits eine stärkere Annäherung an die Peinlichkeitsgrenze, aber andererseits die Freude, ein bisschen Mut schon gehabt zu haben.“
„Ja, das hattest du, Mari“, bestärkte er sie. „Und… was meinst du? Geht noch ein Knopf? Oder wird es jetzt zu schwierig?“
Mari zögerte und überlegte… Einen unteren Knopf könnte sie noch öffnen, ohne dass das Kleid gleich auseinander fiel. Und sie tat es.
„Sehr mutig“, meinte er daraufhin, „wie geht es dir damit, noch einen Schritt weiter gegangen zu sein?“
„Die Fragestellung allein schon lässt ein bisschen Freude aufkommen, dass ich mich noch einen Schritt getraut habe.“
„Und? Geht noch einer?“
„Wenn ich jetzt noch einen öffnen würde, würde ich mich sehr unbehaglich fühlen.“
„Was könnte dir helfen, noch einen zu öffnen?“
„Vielleicht, dass du nicht hinschaust?“ fragend schaute Mari Joel an.
Er lächelte. „Reicht es, die Augen zu schließen?“
„Ja.“
„Okay, mach ich!“ Er nickte und schloss deutlich sichtbar die Augen.“
Und Mari öffnete noch einen Knopf von oben und einen anderen von unten. „Jetzt habe ich sogar noch zwei Knöpfe geöffnet!“ erzählte sie ihm.
Das war aber sehr mutig! Wie geht es dir damit?“ fragte  er mit geschlossenen Augen
Einerseits freue ich mich über meinen Entschluss, andererseits sieht es ziemlich komisch aus, wenn ich an mir herab schaue, und es gibt schon ein peinliches Gefühl! Dass du das nicht sehen kannst, ist natürlich wiederum sehr entlastend, aber auch nicht sicher, denn ich weiß ja nicht, wann du die Augen wieder öffnen wirst.“
„Doch, das weißt du sehr genau.“
„Du meinst damit, dass ich sicher sein kann, dass du sie so lange geschlossen hast, bis ich die letzten beiden Knöpfe wieder geschlossen habe?“ fragte Mari.
„So lange du es möchtest, dass ich sie geschlossen halte! Du könntest gefahrlos alle öffnen. Ich würde es weder wissen noch sehen.“
„Ja, und dieses Vertrauen habe ich inzwischen auch, dass ich mich darauf verlassen kann, wenn du das sagst.“
„Na, das ist doch ein toller Fortschritt!“
BLAUE_KNOEPFEEntschlossen öffnete Mari nun fast alle Knöpfe bis auf einen in dem Bewusstsein, das Joel es ja nicht sehen konnte. Dieser saß ihr direkt gegenüber und hatte weiterhin die Augen fest und deutlich geschlossen.
Nun sagte sie ihm:  „Ich verrate dir jetzt, dass ich bis auf einen Knopf inzwischen alle geöffnet habe.“
„Oh, das ist beides sehr mutig: Es zu tun und es mir zu sagen!“
Mari freute sich über die Anerkennung, und schließlich fragte Joel weiter:
„Und wie steht es mit dem letzten Knopf?“
„Na der hält alles zusammen“, überlegte Mari laut.
„Vielleicht nur kurz?“ bot er ihr an, „bevor du alles wieder zuknöpfst?“
Und Mari nickte: „Okay, mach ich!“ Sie öffnete nun auch den letzten Knopf und sprach es aus: „So, nun ist auch der letzte Knopf geöffnet.“
Joel nickte: „Ich bin beeindruckt!“
„Ich auch“, brachte Mari heraus und wurde etwas rot dabei, aber Gott sei Dank konnte er das ja nicht sehen…
„Du hast dich quasi vor meinen Augen ausgezogen. Klasse!“
Darauf gab sie zu bedenken: „Nein, du hattest ja deine Augen geschlossen. Und hast sie immer noch zu.“
„Ja, aber dennoch bin ich ja genau vor dir. Jetzt magst du sicher die Knöpfe wieder schließen.“
„Hmm, ja stimmt.“
„Tu das, ganz in Ruhe. Ich halte die Augen so lange geschlossen bis du mir sagst, dass ich sie wieder öffnen kann.“
Als nur noch der oberste Knopf offen war, sagte sie: „So, nun kannst du deine Augen wieder öffnen.“
Er wartet einen kleinen Moment, dann öffnete er die Augen.
„So, das Spiel ist vorbei. Ich danke dir für dein Vertrauen und deinen Mut, Mari.“
Mari sah ihn direkt an.
„Der war am Ende nur möglich, weil du mich gefragt hast, was mir helfen könnte, und bereit warst, mir diese Hilfe zu geben, deine Augen bei den letzten Knöpfen zu schließen.“
„Und du hast sie angenommen – und hast dich getraut! Wir haben es beide zusammen möglich gemacht!“
„Das hätte ich nie gedacht, dass ich heute mein Kleid ganz aufknöpfe!“
„Schön, dass es geklappt hat! Und das, wo dir allein die Möglichkeit vorher so zu schaffen gemacht hatte. Manchmal ist in der Situation selbst einiges möglich, was sich der Kopf vorher nie hätte vorstellen können. Komm, lass dich umarmen!“
Mari schaute kurz prüfend an sich hinunter, ob ihr Kleid jetzt richtig saß, stand auf, und er schloss sie fest in seine ausgebreiteten Arme. Mari genoss diese Umarmung. Für einen Bruchteil eines Momentes kam ihr der Gedanke in den Kopf, wie es sich wohl anfühlen würde, wenn sie dabei Hautkontakt hätten, aber dieser Gedanke wurde ganz schnell wieder in den Hintergrund verbannt…

Geschrieben von Rafael und Miriam

Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge

Was möchtest du für den ersten Tag dieses Jahres zaubern?

Wie ein Buch mit unbeschriebenen Seiten…

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liegt das neue Jahr noch vor uns.
Möge es ein wundervolles, zauberhaftes Buch werden, mit 365 Seiten mit lebendigen, berührenden und vertrauensstärkenden Eintragungen – und möge am Ende der jeweiligen Tages-Seite eine bunte Dankbarkeitsliste stehen.

Möge sich das, was auf den Seiten geschrieben steht, wie eine spannende, tolle Geschichte lesen, die an etlichen Stellen des Tages und vor allem am Ende immer wieder mit Liebe und Freude einhergeht.

Und mögen die Herausforderungen und Spannungsbögen, ohne die ja keine Geschichte auskommt, gut und am besten mit Lust, Freude und Erfolg zu bewältigen sein.

Na ja… und sollten manche Tage sich nicht ganz so von Freude erfüllt anfühlen, dann lasst uns auf diesen Seiten (und vielleicht nicht nur auf diesen Seiten 😉 ? ) Geschichten erfinden, die so toll sind, dass sie sich am liebsten verwirklichen möchten…

Denn unser Unterbewusstsein kennt ja nicht den Unterschied zwischen vorgestellten Erlebnissen und der Wirklichkeit und fühlt das, was wir uns „ausdenken“, als echtes Gefühl…

Und was wir denken und fühlen – strebt dazu, Realität zu werden…
Ups – könnte man das nicht zaubern nennen, wenn wir uns erlauben, ein bisschen märchenhaft zu denken?

Viel Spaß bei der „täglichen Magie“
und ein zauberhaftes, kraftvolles Jahr 2021 voll Freude, Wohlbefinden und Liebe
wünscht euch
eure Miriam
sowie die beiden „Märchenhelden“ dieses Blogs: Mari und Joel

24. Eine utopische Heilungsreise: In der Weihnacht Neuland betreten

Joel hatte sich für die Weihnachtszeit eine Fortsetzungsgeschichte von wohlwollenden außerirdischen Meistern zum Thema „Macht – Angst – Vertrauen – Hingabe“ für Mari ausgedacht, das er ihr in Form eines Adventskalenders geschenkt hatte.

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Am heiligen Abend kam Joel abends – etwas später als sonst – zu Mari. Sie wünschten sich mit einer innigen Umarmung frohe Weihnachten, kuschelten sich zusammen auf die Couch und freuten sich zum vorletzten Mal auf die Geschichte von Carina und Ramon…

Kurz nachdem der Gesang verstummt, kommt Ramon zu Carina. Er setzt sich an ihr Bett und schaut ihr zärtlich in die Augen. Carina nimmt seine Hand und fühlt eine große Sehnsucht, ihm ganz nah zu sein. Ramon antwortet auf diese Sehnsucht: “Carina, heute hat mich dein Herz gerufen. Heute gehen wir gemeinsam den Schritt, den du nun schon seit einigen Tagen erwartest.” Lächelnd reicht er ihr seine Hand und sagt: “Komm mit mir, Liebes …”

Mit klopfendem Herzen verlässt Carina ihr Bett und geht mit Ramon in sein Reich hinüber. Diesmal sieht sie dort eine bisher immer geschlossene Tür offen stehen und begreift, da gibt es noch ein Zimmer, das von seinem großen Raum abgeht. Es ist sein Schlafzimmer. Ihr Blick fällt auf ein großes, weiches Bett. Auf leuchtend blauem Stoff sind Rosen und Sterne gemalt. Alle Kissen und Decken tragen dieses Muster. Auf dem Tisch neben dem Bett steht ein Strauß dunkelroter Rosen.

Carina schluckt nervös… Noch stehen sie in dem großen, ihr nun schon seit langem vertrauten Raum. Ramon legt seine Hände auf ihre Schultern, schaut ihr tief in die Augen und fragt mit zärtlicher Stimme: “Bist du bereit, Carina?” Carina nickt. Da nimmt Ramon sie auf seine Arme und legt sie aufs Bett. Langsam und behutsam entkleidet er Carina und dann sich selbst. Ganz dicht kuschelt sich Carina in ihrer Aufregung an ihn, und er hält sie lange Zeit einfach nur in seinen Armen und flüstert ihr ab und zu beruhigende Worte in ihr Ohr. “Keine Angst, mein Liebes, es ist alles in Ordnung, wir haben alle Zeit der Welt. Vertraue mir, vertraue unserer Liebe…”

Nach und nach entspannt sich Carina in seinen Armen. Als ihr endlich wieder warm ist, sagt er: “Du brauchst jetzt gar nichts zu tun, Carina, lass einfach nur geschehen. Ich werde dir nicht wehtun, ganz sicher nicht!” Wieder überkommt Carina eine nervöse Spannung, und wieder streichelt er lange ihren Rücken, bis sie sich wieder beruhigt. Er dehnt sein Streicheln über den ganzen Körper aus, und sie spürt zunehmend eine lustvolle Erregung in sich aufsteigen. Pulsierende Wellen strömen durch ihren Körper. Als diese Empfindungen sich noch intensivieren, versucht Carina, sie abzubremsen, indem sie ihren ganzen Körper anspannt. Ramon schaut sie liebevoll an: “Es ist neu, Carina, ich weiß, aber du brauchst dich nicht vor deinen Empfindungen zu fürchten. Wenn du nicht gegen sie ankämpfst, tragen sie dich auf den Gipfel der Erfüllung. Ich erwecke dein inneres Feuer. Gib dich ihm hin, du wirst nicht verbrennen. Es wird dich durchströmen und jede deiner Zellen zum Leuchten bringen. Vertraue mir, vertraue deinem Körper und lass einfach nur geschehen.”

Sanft streichelt er ihren Kopf, und sie lässt langsam ihre Anspannung wieder los. Auf und ab gleitet sie auf den Wellen ihrer Lust. Sie lässt ihr Feuer in sich zu und bremst es wieder ab, wenn es ihr zu gewaltig erscheint – und wieder gibt sie sich ihm hin, um es bei zu starker Intensität wieder abflauen zu lassen. Ramon lässt dieses Wechselspiel ihrer Bereitschaft geduldig geschehen, geht auf ihre Anspannung ein, führt sie wieder in die Entspannung, und bringt ihr Feuer erneut zum Lodern, immer und immer wieder… Carina wird in seinen Armen lebendig, lässt die unwillkürlichen Bewegungen ihres Körpers zu, mehr und mehr. Dann schließlich, als ihr Körper immer lebendiger wird, lässt er sie nicht mehr zurück gleiten in eine wohlige Entspannung, sondern steigert ihre Lust noch mehr.

Sie spürt ihn, bekommt einen kleinen Schreck, hört wie von Ferne und doch ganz nah seine Worte: “Es ist soweit, Carina, öffne jetzt dein Tor für mich, sage “JA”, einfach nur “JA”, wobei er wieder ihre so empfindsamen Brüste küsst. Carina haucht “Ja”, flüstert “Ja”, immer wieder “JA”… – und sie spürt, wie er ganz langsam in sie hinein kommt – ganz behutsam. Solange hatte er das Tor ihrer Lust vorbereitet, dass es nun ganz offen ist und kein Schmerz entsteht. Als sie ihn ganz in sich aufgenommen hat, hält er sie einen Moment, der ihr wie eine Ewigkeit erscheint, ganz bewegungslos in seinen Armen, und sie spürt wieder diese quälende Sehnsucht. Verwirrt schaut sie ihn an. Er hält ihren Blick mit seinen warmen liebenden Augen und streichelt ihr Haar: “Jetzt vereint sich unser Feuer, und wir reiten gemeinsam auf den Wellen des Lebens. Nur Mut, ich halte dich.” Langsam bewegt er sich in ihr. Sanft pulsiert eine Woge nach der anderen durch ihren Körper, und sie verspürt schließlich das Bedürfnis nach mehr… mehr… und noch mehr… – versinken im Meer der Liebe… Sie liegt in seinen Armen, er streichelt ihr Haar und hält mit seinen Augen ihren Blick fest. Mit jeder neuen Welle der Lust weiten sich ihre Augen und lassen ihn an ihren inneren Bewegungen teilhaben. Die Fenster ihrer Seelen sind weit offen – seine und ihre – und sie schauen durch ihre eigenen Fenster hinaus tief in die offenen Fenster des anderen hinein.

Carina will wieder abbremsen, aber Ramon flüstert: “Hab keine Angst. Lass es einfach zu, mehr brauchst du nicht tun.”

Carina spürt die Wellen jetzt immer schneller und intensiver kommen, gibt sich ihnen ganz hin in der Geborgenheit seiner Arme gehalten, von seiner Liebe getragen, von ihrem inzwischen gewachsenen Vertrauen geführt. Wie von allein bewegt sich ihr Körper der Erfüllung entgegen… bis schließlich in ihr die Sterne explodieren. Ganz fest hält er sie, als ihr Körper sich schüttelt, zuckt und windet, wobei sie wie aus weiter Ferne  seine Stimme hört: “Wir sind eins, Carina, spür es – ja, wir sind eins – großartig, lass es zu… Es ist Liebe, die dich durchströmt, reine Liebe…”

Langsam ebbt das Feuerwerk ab… Die Wellen beruhigen sich nach und nach, und Carina verbirgt ihren Kopf in seinen Armen. “Was habe ich getan?” flüstert sie. Noch ehe die alten Schamgefühle von ihr Besitz ergreifen, sucht Ramon ihren Blick, lächelt und sagt: „Du hast die Liebe körperlich erlebt. Carina, du bist eine wundervolle Frau! Ich danke dir, dass du dein Feuer mit meinem vereint hast.”

Still liegt sie in seinen Armen, verwirrt, erschöpft und glücklich. Die Wärme seiner Haut, sein wohltuender Duft und sein liebevolles Streicheln geben ihr die Sicherheit zurück. So sehr geliebt und geborgen fühlt sie sich, dass sie sagt: “Am liebsten würde ich die ganze Nacht bei dir bleiben.”
Und er antwortet: “Das möchte ich auch gern, Carina.” Liebevoll und zärtlich sieht er sie an. “Morgen früh, ist das große Fest des Lichts und der Liebe. Da feiern wir alle hier an Bord Weihnachten, Und übermorgen landen wir auf der Erde. Dort ist dann der 25. Dezember und wir werden, so wie du es dir wünschst, auch auf deinem Heimatplaneten Weihnachten feiern.”

Carina schaut ihn nachdenklich an. “Hast du gewusst, dass es in dieser Nacht geschehen wird – die ganze Zeit schon?”
Ramon lächelt: “Dein Herz wollte es so… ja… aber wäre deine Persönlichkeit noch nicht bereit gewesen, wäre es auch in Ordnung. Ich wäre dann trotzdem mit dir gekommen – und irgendwann in unserem Miteinander auf der Erde wäre in dir die Bereitschaft erwacht.”

Fragend sieht sie ihn an: “Es bleibt doch dabei? Du kommst mit mir?”

“Ja, Carina, ich komme mit dir. Wir werden zusammen leben und wirken, weil du es so willst, und weil es seit Anbeginn aller Zeiten auch mein Wunsch ist.

Ramon spürt, wie Carina müde wird. Schläfrig und glücklich kuschelt sie sich in seine Arme, nimmt als letztes noch ganz intensiv den Duft der Rosen wahr, der sie heute Nacht in ihrer Liebe gestärkt hat, und gleitet in einen tiefen, erholsamen Schlaf hinein.

Morgen erscheint der letzte Teil der Geschichte

Hier geht es zu allen bisher erschienenen Kapitel zu dieser Geschichte, die Joel Mari in der Advents- und Weihnachtszeit erzählt –> Eine utopische Heilungsreise (Märchen) 

Ich wünsche euch allen einen von Freude und Liebe erfüllten heiligen Abend.
Von Herzen eure Miriam

20. Eine utopische Heilungsreise: HEILENDE ENTWICKLUNGEN in GEBORGENHEIT

Joel hatte sich für die Weihnachtszeit eine Fortsetzungsgeschichte von wohlwollenden außerirdischen Meistern zum Thema „Macht – Angst – Vertrauen – Hingabe“ für Mari ausgedacht, das er ihr in Form eines Adventskalenders geschenkt hatte.

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Bevor Mari ihren heutigen Umschlag öffnete, sah sie träumend aus dem Fenster und versuchte sich vorzustellen, wie sich Carina fühlte, der es zunehmend gelang, immer mehr vertrauen zu können. Dann las sie:

Nach und nach fühlt sich Carina in dem Raumschiff immer wohler. Sie hat gelernt, sich auch in der Gruppe in dem ihr möglichen Maß zu öffnen. Zu René, dessen Funktion als Kommandant und Gruppenleiter in ihr immer mal wieder ambivalente Gefühle hervorruft, hat sie auch ein gewisses Maß an Vertrauen entwickelt, und sie weiß es inzwischen, dass auch er es mit jeder Frau an Bord wirklich gut meint – auch mit ihr. Dennoch berührt er mit seiner originellen, total unberechenbaren Art und Weise, die Dinge auf den Punkt zu bringen, immer wieder ihre alten Autoritätsängste. Im Geheimen ist sie froh, dass er nicht ihr persönlicher Meister ist. René schmunzelt, wenn er zuweilen einen ihrer fragenden nachdenklichen Blicke auffängt, denn er denkt: So soll es ja auch sein! Die absolute Vertrauensperson ist der eigene Meister. Er darf ruhig ab und zu mal einen kleinen Gegensatz spiegeln, und eine etwas unbeliebte Rolle einnehmen, um manche Schattenseite ans Licht zu bringen. Aber es ist für alle Frauen erkennbar, dass René seine Aufgabe mit großer Liebe erfüllt. Er schafft durch den ihm eigenen freundlichen Humor und durch seine originellen spielerischen Ideen eine freundliche Atmosphäre, einen Schutzraum für die verletzten inneren Kinder der Frauen hier an Bord. Mit liebevollen, versöhnenden Gesten und kleinen Überraschungen gestaltet er das Leben der Gemeinschaft an Bord lebendig und behaglich, so dass sich alle grundsätzlich wohl und geborgen fühlen.

Neben der “Gefühlsgruppe”, wie die Frauen die Gruppe nennen, die er anfangs mit etwas Widerstand seitens mancher Teilnehmerinnen ins Leben gerufen hat, organisiert er viele Nachmittage und Abende mit kreativen, gestalterischen Schwerpunkten, was den meisten Frauen, und auch Carina, viel Freude macht. Auch regelmäßige Treffen, wo gemeinsam gesungen und musiziert wird, tragen zu der inzwischen fast familiär gewordenen Gemeinschaftsatmosphäre bei.

Carina liebt das gemeinsame Singen. Die Meister haben so wohlklingende Stimmen, dass die Luft vibriert und die Herzen sich weit öffnen. Zuweilen singen sie auch spät abends, wenn die Frauen schon im Bett liegen, für sie Lieder, die die Gemüter beruhigen und tiefen Frieden für die Nacht verbreiten. Immer wieder ist Carina beeindruckt von der Liebe, die sie inzwischen von jedem Meister hier spürt. Manchmal findet sie es seltsam, dass es Verhaltensweisen der Meister gibt, von denen sie bisher dachte, so würden sich Männer nur Kindern gegenüber verhalten. Hier aber steht die Äußerung von zärtlichen, liebevollen Gefühlen überhaupt nicht im Widerspruch zu der männlichen Stärke – entdeckt Carina. Tief in ihren Herzen sind alle Frauen davon so berührt und beglückt, dass Stärke und Sanftmut, Kraft und Zärtlichkeit, Männlichkeit und Behutsamkeit sich so wunderbar verbinden  können.

Nie hätte sich Carina vorher träumen lassen, dass sie in dieser von ihr zuvor so gefürchteten Ausbildungsreise so viele tiefe, liebevolle Gefühle in sich selbst und in den anderen erfahren würde. Ihr Herz ist inzwischen voll Dankbarkeit. Und etwas schüchtern bringt sie diese Gefühle sowohl ihrem Meister als auch René gegenüber zum Ausdruck. Sie hat das Bedürfnis, den beiden Männern, vor denen sie anfangs eine so gewaltige Angst hatte, von der Veränderung ihrer Sichtweise zu erzählen. Natürlich wissen sie das längst, das ist auch Carina bewusst, aber es ist für sie selbst wichtig, auch diese schwer errungenen positiven Gefühle zu äußern. Und die beiden Meister teilen die Freude gern mit Carina.

Ein angenehmes, friedvolles Gefühl erfüllt sie. Über das, was später kommt, will sie jetzt nicht nachdenken. Sie schmust und kuschelt inzwischen gern mit Ramon und erfährt von ihm viel Neues, Interessantes aus anderen Welten und Dimensionen.

Voll Freude liest sie das aktuelle Röllchen:

Geliebte Carina, lass dich fallen 
in die Geborgenheit meiner Liebe.
Mehr brauchst du nicht zu tun.
In Liebe Ramon

Das fühlt sich so gut an! Sie spürt ihre Sehnsucht nach Geborgenheit und wie gut es tut, einfach mal ohne viel Nachzudenken sich dem zu überlassen, was kommt…

Morgen wird die Geschichte fortgesetzt und läuft voraussichtlich bis Weihnachten

Hier geht es zu allen bisher erschienenen Kapitel zu dieser Geschichte, die Joel Mari in der Advents- und Weihnachtszeit erzählt –> Eine utopische Heilungsreise (Märchen) 

6. Eine utopische Heilungsreise: ERSTAUNEN    und    FREUDE


Joel hatte sich für die Weihnachtszeit eine Fortsetzungsgeschichte von wohlwollenden außerirdischen Meistern zum Thema „Macht – Angst – Vertrauen – Hingabe“ für Mari ausgedacht, das er ihr in Form eines Adventskalenders geschenkt hatte.

Heute am Nikolaustag besuchte Mari Joel. Beide hatten eine kleine süße Nikolaus-Überraschung füreinander. Auf dem Tisch strahlte eine Kerzen zwischen Tannenzweigen. Mari freute sich über diesen schönen Anblick und war neugierig, wie die Geschichte von Carina, deren Ängste ihr ja recht bekannt vorkamen, weiter ging. Beide setzten sich auf die Couch. Joel goss ihnen Tee ein, steckte Mari lächelnd ein Marzipanherz in den Mund und schlug ihr dann vor, sich mit dem Kopf auf einem Kissen dicht neeben ihn zu legen und es sich dabei ganz gemütlich zu machen auf der breiten Couch. Etwas zögernd folgte sie seinem Impuls und empfand es bald als sehr schön. Eine innige, geborgene Stimmung entstand. Er legte seine Hand auf ihr Haar, streichelte sie sanft und begann dann, ihr das sechste Kapitel von Carinas Heilungsreise im Raumschiff der außerirdischer Meister vorzulesen…

ATT2

„Als Carina am Morgen des sechsten Tages an Bord des Raumschiffes erwacht, fällt ihr Blick auf eine brennende Kerze, die vor ihren mit Tanne und Süßigkeiten gefüllten Hausschuhen steht. Daneben sitzt eine wunderschöne, lieb und fröhlich dreinschauende Clownspuppe mit einem Stern, auf dem sie liest:

Geliebte Carina,
vielleicht kannst du bald alles mehr als ein großes Spiel betrachten.
Bis dahin schau ihn dir an, den kleinen Kerl, 
und lass seine Fröhlichkeit in dein Herz hinein.
In Liebe Ramon

War das eine liebevolle Geste! Wie ein zartes Streicheln für ihr inneres Kind wirkt diese unerwartete Nikolaus-Gabe für sie.  In dem Moment klopft es an der Tür. Auf Carinas “Ja, bitte!” schaut Ramon herein und meint, “Na, ist mir meine Nikolausüberraschung geglückt?” Carina sieht ihn dankbar an. “Ja, sehr. Danke! Vielen Dank! Aber ich hätte gar nicht gedacht, dass hier an Bord auch heute der Nikolaus kommen würde. Das ist echt schön!“

Beim Frühstück erwartet sie eine zweite Überraschung. Auf dem Platz jeder Schülerin steht eine kunstvoll verzierte Kerze, ein paar kleine Leckereien und wundervoll duftende exotische Früchte neben den bekannten Apfelsinen und Nüssen, die wegen der Tradition nicht fehlen dürfen. Und jede Frau hat ein kleines Bildchen geschenkt bekommen. Carina findet auf ihrem Bild ein Reh unter einer verschneiten Tanne mit einem wirklich funkelnden Sternenhimmel darüber. Dazu ein Kärtchen mit den Worten:

Für das scheue Reh, Carina.
Möge es mehr und mehr vertrauen und den Mut haben,
seinen ureigenen Stern zu finden und ihm zu folgen.

Als sich Carina bei Ramon bedanken will, sagt er: “Nein, Carina, das alles hier ist nicht von mir. Das ist ein Geschenk von René an jede Schülerin.”

René? Carina ist verwirrt und erstaunt. Das hätte sie nun wirklich nicht gedacht! Es passt so gar nicht zu den schrecklichen Gerüchten, die über ihn kursieren. Gedankenvoll schaut sie René an. Er fängt ihren Blick auf und erwidert ihn augenzwinkernd. Carinas Lippen formen sich zu einem leisen “Danke schön…”, fast unhörbar. Aber René muss es vernommen haben, denn er nickt ihr zu und lacht.

Als sie später dann wieder in ihrem Zimmer ist, öffnet sie das heutige Röllchen ihres Adventskalenders und liest:

Liebe Carina,
hier ein paar Worte über die Wahrheit und Kraft deines Herzens:
Du wirst niemals etwas erleben, was dir nicht entspricht –
wozu dein Herz nicht    „JA“    sagt.
Frage dein innerstes Herzgefühl,
was für dich stimmt und was nicht.
Dem, was es dir sagt, und nur dem (!) ,
mögest du folgen.
In Liebe Ramon

Kurze Zeit später klopft Jennifer an der Tür und richtet ihr aus, sie möge bitte in Ramons Zimmer kommen. Wieder überkommt Carina die ihr so bekannte angstvolle Aufregung. Was hat er wohl heute mit ihr vor? Wird er wirklich Wort halten und nichts mit ihr tun, was ihr nicht entspricht? Seine Worte von gestern fallen ihr ein: “Nur die Erfahrung, die immer wieder gemachte Erfahrung, dass dir mit mir nichts Schlimmes passiert, lässt dein Vertrauen wachsen.” So gibt sich Carina schließlich einen Ruck und macht sich auf den Weg zu ihrem Meister.

Als sie das Zimmer betritt, sieht sie als erstes eine Kerze und leckere Adventsplätzchen auf dem Tisch. Ramon kommt lächelnd auf sie zu und meint: “Schön, dass du gekommen bist, Carina. Heute ist Nikolaustag, da dachte ich, es würde dir vielleicht Freude machen, wenn wir hier zusammen einige adventliche Transparentbilder gestalten. Was meinst du?”

Carina schaut ihn dankbar und erleichtert an. Ja, dazu hat sie richtig Lust! Ramon macht ein interessantes Spiel daraus: Carina soll sich ein Motiv vorstellen, und er zeichnet die Konturen, die er in ihrem Geist findet, auf die Folie. Je intensiver ihr Gefühl bei der Vorstellung des inneren Bildes ist, um so klarer und schöner wird das gemalte Motiv. Carina malt es dann schließlich mit Farben aus. Wunderschöne Bilder entstehen. Carina darf sie alle mitnehmen, und Ramon meint: “Immer wenn du sie dir anschaust, erinnere dich daran, dass du in meinem Zimmer, entgegen deiner noch vorhandenen Befürchtung, etwas Angenehmes erlebt hast, und erkenne die Schönheit deiner inneren Bilderwelt. Und wer weiß, vielleicht möchtest du ja der einen oder dem anderen auch etwas von den tollen Bildern schenken… Ich habe gehört, dass diese Sitte bei den Menschen gerade in der Adventszeit viel Freude hervorruft. Wir werden noch oft und viel zusammen malen, so dass der Vorrat an deinen wunderschönen inneren Bildern, die sich dann in Form und Farben ausdrücken unerschöpflich sein wird. Du sollst hier als erstes die Erfahrung machen, dass die Lust am Erschaffen ein kraftvoller und kraftspendender Ausdruck deines Menschseins ist. Lust und Freude ist die Quelle deiner Lebenskraft. Und davon werden wir gemeinsam noch ganz viel erleben.”

Am Abend schreibt Carina in ihr Tagebuch über diesen ganz besonderen Nikolaustag, an dem sie sich froh und erfüllt fühlt – der erste Tag im Raumschiff, an dem sie fast ohne Schmerz und Angst ist.“

Morgen wird die Geschichte fortgesetzt und läuft voraussichtlich bis Weihnachten

Hier geht es zu allen bisher erschienenen Kapitel zu dieser Geschichte, die Joel Mari in der Advents- und Weihnachtszeit erzählt –> Eine utopische Heilungsreise (Märchen) 

Frieden tief innen (nicht nur) zum zweiten Advent…

(Nicht nur) zum zweiten Advent
wünsche ich uns den tiefen Frieden,
den nur die Stille kennt…

der nur innen zu finden ist,
unabhängig von allem, was im Außen ist,
von toller Freude bis hin zum größten Mist…

den Frieden zwischen den Worten,
und zwischen allen Orten,
den Frieden zwischen den Gedanken,
die so schnell hin und her doch schwanken
den Frieden zwischen den Gefühlen,
die ja oft auch einen Streich uns spielen…



den Frieden zwischen zwei Kerzen,
den Frieden in und zwischen Herzen,
den Frieden, der in allen Zwischenräumen zu hause ist,
der keinen von uns jemals vergisst,
der darauf wartet, von uns eingeladen zu werden
dann verbreitet er sich ganz von allein auf Erden…

DEN Frieden, der uns findet,
wenn es uns gelingt, ganz ruhig zu werden,
und unabhängig von allen Beschwerden
das Rennen und Suchen sein lassen,
um uns von ihm finden und umarmen zu lassen….

Lassen wir uns von ihm erfüllen
und von ihm unsere Sehnsucht stillen.

Und während wir die Kerzen betrachten wie ein Kind,
und von ihrem Zauber ergriffen sind,
er zwischen den Lichtern der Kerzen schwebt
und uns eine Brücke zu ihm nach Hause webt…

Einen zauberhaften zweiten Advent,
in dem wir uns geborgen fühlen
in einem Frieden, der uns
für einen magisch ausgedehnten zeitlosen Moment
berührt und still werden lässt,
wünscht dir, und uns allen

Miriam

5. Eine utopische Heilungsreise: Schuldgefühle und Bedingungslosigkeit


Joel hatte sich für die Weihnachtszeit eine Fortsetzungsgeschichte von wohlwollenden außerirdischen Meistern zum Thema „Macht – Angst – Vertrauen – Hingabe“ für Mari ausgedacht, das er ihr in Form eines Adventskalenders geschenkt hatte.

Mari freute sich, dass die Adventszeit dadurch einen so märchenhaften Zauber erhielt.
Heute am Morgen des 5.Dezembers, öffnete sie nun den vierten Umschlag und ist gespannt auf das nächste Kapitel von Carinas Heilungsreise im Raumschiff der außerirdischer Meister…

Am Morgen nach Carinas kopfloser Flucht vor Ramon erwacht sie durch ein Klopfen an der Tür von Jennifers Zimmer, in dem sie in dieser Nacht geschlafen hat. René steht vor der Tür. Carina erschrickt. Jetzt wird er in seiner Funktion als Kommandant einschreiten und Carina erklären, dass er ihr Verhalten ihrem Meister gegenüber so nicht länger dulden kann. Aber seltsamerweise lächelt er freundlich und schaut sie mitfühlend an…

“Carina, ich komme als Postbote zu dir. Ramon hat mich gebeten, dir etwas aus deinem Adventskalender zu bringen. Übrigens, einen wunderschönen Adventskalenderengel hat er dir da gezaubert.” Mit diesen Worten überreicht er Carina das für den heutigen Tag vorgesehene Papierröllchen, nickt beiden Frauen noch einmal freundlich zu und verlässt Jennifers Zimmer wieder. Carina liest:

Geliebte Carina,
du kannst dir sicher denken,
dass du dich nicht dauerhaft vor mir verstecken kannst.
Liebes, ich verstehe dich in deiner Angst!
Könntest du mir nur ein Fünkchen mehr vertrauen,
würdest du mir jetzt glauben,
dass ich dir den Weg zurück zu mir leicht machen will.
In Liebe Ramon

Nach dem Frühstück, das Jennifer Carina ins Zimmer bringt, hat Jennifer die Idee, mit ihrer verängstigten Freundin auf das Parkdeck zu gehen. “Das Wasser und die Pflanzen dort tun uns sicher gut nach all der Aufregung.” Carina stimmt zu – sie kann sich ja schließlich nicht für alle Zeiten im Zimmer einschließen.

Nach einem wohltuenden Bad dösen beide auf einer Decke und ruhen sich aus. Als Carina sich wieder aufsetzt, schaut sie geradewegs in die Augen Ramons, der sich inzwischen neben sie gesetzt hatte. Verlegen schaut Carina auf ihre Füße. Ramon bestellt Jennifer einen Gruß von René, und dass sie doch bitte zu ihm kommen möge. Scheinbar ohne den flehenden Blick von Carina zu bemerken, springt Jennifer auf und läuft mit einem fröhlichen “Bis nachher, dann!” davon.

Ramon wendet sich nun Carina zu. “Das war eine gute Idee, hierher zu gehen. Die Pflanzen und das Wasser hier haben eine heilsame Wirkung. Hast du das bemerkt?”

Carina starrt ihn an. Was hatte er gesagt? Sie war total verwirrt. Das ist Jennifer?! Und nun sie hier mit ihm? Was soll sie nur sagen? Wie alles erklären?

Da hört sie ihn sagen: “Meinst du nicht Carina, es ist Zeit, dass wir über all die Wirrnisse, die in dir entstanden sind, einmal reden? Wie wär`s, wenn wir heute nachholen, was ich schon gestern vorhatte?”  Heftig schüttelt Carina den Kopf.

“Ich möchte dir mein Zimmer zeigen, Carina. Was ist daran so schlimm?” Da weiß Carina sich keinen anderen Rat mehr, als ihm von dem zu erzählen, was sie von ihrer Zimmernachbarin erfahren hatte. Verständnisvoll hört er ihr zu und rät ihr schließlich, sich einmal umzudrehen. Wie groß ist da Carinas Erstaunen, als hinter ihr die gleiche Frau, die ihr gestern die furchtbaren Horrorgeschichten erzählt hat, neben ihrem Meister auf einer Decke liegt und fröhlich mit ihm lacht.

Damit beginnen sich an diesem Tag Carinas größte Sorgen zu klären. Nach vielem guten Zureden und dem Versprechen, ihr nicht zu nahe zu treten, begleitet Carina Ramon in sein Zimmer, wo sie ein liebevoll gedeckter Tisch mit Tee, Plätzchen und einer Schale voller duftender Früchte erwartet. In einem Sessel schräg gegenüber ihrem nimmt Ramon Platz und ermutigt sie geduldig, endlich mit ihm über all das zu reden, was ihr so große Sorgen bereitet.

Nach und nach rückt Carina mit all ihren Kümmernissen heraus. Als sie spürt, dass kein Spott, kein Ärger, nicht eine Spur von Groll von ihm ausgeht, wird sie nach und nach mutiger. Sie erzählt von ihrer Angst, ihn zu beleidigen, worauf er ihr sagt: “Carina, du kannst mich nicht verletzen! Du hast immer Sorge, meine Gunst zu verlieren, das wird aber niemals geschehen. Du musst nichts tun, um mich freundlich zu stimmen. Du könntest mir diese Plätzchen hier vor die Füße werfen, du kannst tun, was immer du willst, es wird an meiner Haltung zu dir nichts ändern.

Als sie sich bedanken will für seine Bemühungen, zu ihr so freundlich und nett zu sein, erklärt er ihr: “Ich bemühe mich nicht, ein liebevolles Verhalten zu dir an den Tag zu legen. Das alles kostet mich absolut keine Mühe und Anstrengung. Es ist leicht, denn es ist echt. Ich bin liebevoll. Alles, was Mühe kostet, ist unecht und damit nicht wirklich Liebe.”

Immer mutiger geworden erklärt Carina ihm schließlich gerade heraus: “Ich kann diese Liebe aber nicht annehmen, denn ich will kein sexuelles Beisammensein, und das gehört ja wohl bei Männern immer zur Liebe dazu!”

Lange reden sie über dieses Thema… Manches versteht Carina, manches noch nicht, aber sie fühlt immer deutlicher: All das, was er sagt, hat wirklich mit Liebe zu tun, mit einer viel tieferen, umfassenderen, größeren Liebe, als sie sich zur Zeit noch vorstellen kann.

Und schließlich gibt er ihr ein entlastendes Versprechen: “Ich werde dich niemals zum sexuellen Miteinander zwingen, Carina. Auch, wenn du diese Ausdrucksform der Liebe nicht zulässt, was ich übrigens nicht glaube, wirst du nach den 24 Wochen deiner Ausbildung nach Hause zur Erde zurückkehren. Carina, du bist frei zu tun und zu lassen, was du willst. Nichts, was geschieht, bedingungsloskann an meiner Liebe zu dir etwas ändern. Nichts und niemand kann dich von meiner Liebe trennen, nicht einmal du selbst. Egal, was du denkst, sagst oder tust, meine Haltung zu dir bleibt immer gleich. Aber das kannst du erst glauben, bzw. wissen, wenn du es oft und lange genug erfahren hast. Du hast es in den letzten Tagen bereits erlebt, und du wirst es weiterhin so erleben! Ich bin niemals wütend auf dich, böse, beleidigt oder was immer du befürchten magst. Und ich erwarte auch keinen Dank von dir, denn meine Haltung der Liebe tut mir selbst genauso gut, wie dir. Ich tue alles, was ich tue, aus Freude und Liebe, deshalb ist es leicht und mühelos. Indem ich liebevoll zu dir bin, erfreue ich mich selbst. Also, lass frohen Herzens alle Gedanken von Schuld und Undankbarkeit los. Du schuldest mir nichts, hast nichts versäumt, und ich werde von dir niemals etwas zurückfordern, denn alles, was unfreiwillig gegeben wird, täte weder dir noch mir gut. Liebe und Verpflichtung haben nichts miteinander zu tun.”

Dann nimmt er ihren Kopf sanft zwischen seine Hände und haucht einen Kuss so zart auf ihre Stirn, dass er sie kaum berührt.

Nach diesem Gespräch, das Carina entlastet und verwirrt zugleich, geht sie in ihr Zimmer und schreibt alles in ein Tagebuch, das sie heute beginnt. Auf die erste Seite schreibt sie:

Vielleicht ist ja alles ganz anders…

Lange sitzt sie da und schreibt sich alles von der Seele, was sie in den letzten Tagen erlebt hat: ihre großen Ängste, ihre Verwirrung, die vielen Missverständnisse, und schließlich ein leise aufflammendes Fünkchen von Hoffnung, Vertrauen und… ein ganz neues liebevolle Gefühl. Ja, kann das Liebe sein? Kann es wirklich Liebe sein, was sie da alles um sich herum erlebt? Und was ist dieses frohe, leichte Gefühl in ihr?

Als Carina abends im Bett liegt, erlebt sie zum ersten Mal ein ruhiges, fast friedvolles Gefühl und ertappt sich bei der Frage, ob Ramon wohl wieder käme, um ihr eine gute Nacht zu wünschen.

Kurz nachdem sie das gedacht hat, kommt er wirklich zu ihr, setzt sich an ihr Bett und sagt: “Ich freue mich, Carina, dass du mich zum ersten Mal mit einem Lächeln begrüßt, wenn ich in dein Zimmer komme. Es ist gut, wenn vor dem Einschlafen die Gemüter friedvoll und ruhig sind. Wenn du es möchtest, komme ich jeden Abend noch einmal zu dir, um dir eine gute Nacht zu wünschen. Und falls es noch etwas gibt, was dich beunruhigt, können wir das vor der Nachtruhe dann zumindest noch soweit klären, dass du beruhigt schlafen kannst. Was hältst du davon?” Carina nickt zustimmend.

Ganz kurz bevor ihr endgültig die Augen zufallen und sie einschläft, denkt sie noch: ‘Auf der Erde wäre morgen Nikolaustag, aber hier ist ja alles ganz anders. Schade…’

Morgen wird die Geschichte fortgesetzt und läuft voraussichtlich bis Weihnachten

Hier geht es zu allen bisher erschienenen Kapitel zu dieser Geschichte, die Joel Mari in der Advents- und Weihnachtszeit erzählt –> Eine utopische Heilungsreise (Märchen) 

Alles Gute zum 1. Advent

Alles Gute und Freude

Liebe Gäste hier,
meine Geschichtenfiguren Mari, Joel, Carina, Ramon und ich
wünschen euch einen von Freude erfüllten, schönen ersten Advent.

Beim Anzünden der ersten Adventskerze,
sende ich den Herzenswunsch ab
(und wer mag, kann gerne mitmachen 🙂 )
dass bei den zunehmenden Lichtern in der Adventszeit
– 1 – 2 – 3 – 4 – viele –
das Fühlen von Frieden und Liebe
für uns alle mit jeder Kerze, die wir anzünden,
immer stärker wird.

Alles Gute,
die einfache Freude am Sein,
und der immer wieder Neues, Gutes geboren werden möge,
wünscht uns allen (ganz besonders) in der beginnenden Weihnachtszeit
eure Miriam


28. Ein unüblicher Heilungsweg

Bei Joel : Über die entlastende Funktion von Sanktionen (Teil 2)

„Ich bin stolz auf dich, dass du unser Spiel trotz deines Erschreckens nicht abgebrochen hast,“ sagte Joel, nachdem er ihr zum ersten Mal eine Strafe angekündigt hatte und sie nun in all ihrer Angst mit einer Umarmung aufgefangen hatte. Er drückte sie sanft, schmiegte sie an sich. Es war eine enge, eine umfassende Berührung und wirkte wie ein Ritual, um ihr Kraft zu geben. Er sagte nichts, hielt sie nur fest. Noch hatte sie es nicht verstanden, dass die symbolhafte Sanktion ihr helfen sollte, etwas Altes zu heilen. Zunächst brauchte die verstörte Frau neue Kraft, um dieses Spiel weiter spielen zu können, von dem er sicher war, dass es für sie wertvoll sein würde, wenn es ihr gelingen würde, es zu Ende zu bringen. Dafür wollte er ihr mit dieser Umarmung die nötige Kraft zufließen lassen.

Sie ließ sich in seine ausgebreiten Arme fallen. Der ganze aufgestaute Druck entlud sich, und sie begann heftig zu weinen. Soviel Schmerz war mit dem Thema Strafe verbunden, so viel Angst, so viel Scham… Sie fühlte die Gefühle, die sie so oft als Kind gequält hatten. Immer hatte sie sich Mühe gegeben, alles richtig zu machen, solche Mühe hatte sie sich gegeben, und doch war immer wieder einmal irgend etwas geschehen, was die Oma wütend gemacht hatte. Sie war so verzweifelt, dass sie trotz aller Bemühungen nicht gut genug war, und nun war es hier wieder so. Sie wollte doch alles richtig machen – und immer wieder versagte sie…

Er hielt sie, hielt sie sicher und fest in seinen Armen, nahm sie mit all ihren Gefühlen an.
„Es ist alles gut, Mari! Ja, lass die Tränen fließen, es ist alter Schmerz. Hier geschieht dir nichts Schlimmes. Und ich mag dich, egal was du tust oder unterlässt.“ Er hielt sie weiter fest umschlungen – war für sie wie ein Fels in der Brandung. Und sie hielt sich an ihm fest.

„Ich weiß, das ist ein schwieriger Schritt heute, und du bist schon weit gegangen. Ich bin sehr stolz auf dich. Sieh mal:

Es ist unmöglich Fehler zu vermeiden. Menschen machen einfach Fehler.
Es geht darum, dazu zu stehen, aus ihnen zu lernen und sie wieder auszugleichen.


Die Strafe kann ein Hilfsmittel sein, damit wir einen Fehler ausgleichen und er damit seine Bedeutung verliert. Weißt du, alles im Leben strebt nach einem Ausgleich. Oft bestrafen Menschen sich selbst unbewusst und das Annehmen einer symbolischen Strafe von außen kann Selbstbestrafungstendenzen entgegen wirken.
Bei dir habe ich bisher eine große Angst vor Fehlern bemerkt. Ich glaube, dass kleine symbolisch angewandte Strafen dir helfen können, leichter loszulassen – die aktuellen Fehler und damit auch die alten… Du hast hier bei mir die Chance, den Umgang mit Fehlern und daraus resultierenden Folgen, neu und heilsam zu erleben, ganz anders als das, was du als Kind als sehr belastend und schädigend erleben musstest.

Solch ein bewusstes Anwenden von kleinen Strafen, wie ich es mit dir vorhabe, vermittelt deinem Unterbewusstsein, dass damit alles ausgeglichen ist, dass du den jetzigen Fehler und damit verbunden auch andere alte Fehler nicht mehr mit dir herum tragen oder gar selbst ahnden musst. Jedes Mal, wenn du hier bei mir eine Strafe bekommst, darf dein Unterbewusstsein alte Belastungen mit loslassen. Dafür machen wir das.

Fehler sind nicht schlimm! Fehler dürfen sein!

Ich denke deswegen nicht schlecht von dir, wenn ich dir eine Strafe gebe. Im Gegenteil, ich werde zu dir aufschauen, wenn du deine Strafe annimmst. Und ich will dir helfen, eine gesündere Grundeinstellung zu Fehlern zu entwickeln.“ 
Er kam nahe an ihr Ohr und fragte leise: „Meinst du, wir können unser Spiel fortsetzen?“

Sie konnte nicht antworten, brauchte noch Zeit – und er gab ihr die Zeit, die sie benötigte, um alles zu fühlen, was da war. Ach hätte doch damals als Kind sie jemand so gehalten in schmerzlichen Situationen und so liebevoll mir ihr gesprochen, wenn ihr eines ihrer kleinen Missgeschicke passiert war…
Und hätte man ihr erklärt, dass Fehler zum Leben eines jeden Menschen dazu gehören und nicht wirklich schlimm sind – vielleicht hätte sie sich nicht so oft bedrückt und unzulänglich gefühlt.

„Meister, bitte glaub mir, ich gebe mir so große Mühe, alles richtig zu machen!“

„Mari, das weiß ich, und das sehe ich. Und ich weiß es zu schätzen. Aber trotz aller Mühe machst du wie jeder Mensch manchmal Fehler – hier und sicher auch sonst im Leben.
Aber, was könnte schlimm daran sein, etwas falsch zu machen?
Fehler sind Teil des Lebens und unseres Lernprozesses.

Glaube mir, dass ich es nicht schlimm finde, wenn du einen Fehler machst! Ich mag dich so wie du bist mit all den kleinen Unachtsamkeiten und den tiefen Gefühlswellen. Wir spielen ein kompliziertes Spiel, in dem die Gefühle schnell mal ausbrechen können – schneller, als man denken könnte. Und es ist so eine liebenswerte Eigenschaft von dir, dass du so tief fühlst. Ich möchte nicht, dass du keine Fehler machst, ich möchte nur, dass du dazu stehst und ausprobierst, wie es sich anfühlt, wenn du meine Strafe annimmst.“

Er wartete einen Moment… Sag mir, dass du einen Fehler gemacht hast. Das ist deine Strafe für heute. Wenn du das gesagt hast, ist das Spiel beendet.“ sagte er sanft.

„Ja, Meister, ich habe einen Fehler gemacht! Und ich bitte um Verzeihung dafür.“

„Mari, das hast du sehr gut gemacht. Du hast deine heutige „Strafe“ angenommen. Ich muss dir gar nicht verzeihen, denn der Fehler ist ausgeglichen. Es ist, als wäre er nie geschehen. Und nach und nach wird sich in dir – wie ich hoffe – auch nachhaltig ein Gefühl von Erleichterung einstellen, was das Thema „Fehler machen“ anbelangt. Da haben wir allerdings noch ein Stück Weg vor uns.
So, das Spiel ist vorbei, und du hast heute einen sehr großen Schritt gemacht. Weißt du, manche Fehler sind sogar wichtige Erlebnisse und können uns stärker machen. Du warst heute sehr stark! Alles ist gut, Mari!“

Erleichtert und erschöpft dankte ihm Mari.
Er hielt sie noch ein Weilchen in seinen Armen… Welch Erfahrung!!!
Trotz des Fehlers, trotz ihrer Schwäche meinte er, sie sei stark und alles konnte nun gut sein.

Er hielt sie so lange im Arm, bis sie sich langsam selbst aus der Umarmung heraus löste.

„Kaffee? fragte er. „Ich finde, den haben wir uns jetzt verdient.“ Er lächelte und ging in die Küche.

Dieses Kapitel wurde gemeinsam geschrieben von Rafael und Miriam

 Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge

27. Fassungslos…

Bei Joel : Über die entlastende Funktion von Sanktionen (Teil 1)

Joel öffnete die Tür, er trug eine schlichte schwarze Hose und ein schwarzes T-Shirt. 

„Was für eine Freude, dich zu sehen, Mari!“ sagte er und bat sie herein.

“Ich freue mich auch, Joel, bin aber auch sehr aufgeregt“ entgegnete Mari

„Das ist ein gutes Zeichen, Mari.“

Mari betrat das Wohnzimmer. Sie kannte sich aus, und doch war in ihr eine leichte Unsicherheit spürbar. Die Couch war heute aufgeklappt und einige bunte Kissen lehnten an der Wand.

„Magst du etwas trinken?“ fragt Joel.

„Ja gern!“

Joel holte Wasser und als er wieder ins Zimmer kam, blieb er stehen und hielt ihr das Glas so hin, dass sie aufstehen musste, um es zu nehmen. In dem Moment, als sie es in der Hand hatte, sagte er: „Das Spiel beginnt.“

„Ich werde dir jetzt eine Aufgabe stellen. Ich werde sie versuchen, sie so deutlich wie möglich zu formulieren.“ Joel ging dabei durch den Raum, als würde er mit sich selbst reden. Dann stand er vor ihr. „Bereit, Mari?“

„Ich müsste nochmal vorher ins Bad gehen,“ entgegnete sie verlegen. Aufregung schlug ihr oft auf die Blase.

„Du weißt ja, wo es ist. Ich erwarte dich genau hier“, sagte er und drehte sich zum Fenster.

Sie beeilte sich und kam schnell zurück. Wo genau hatte sie gestanden? Sie versuchte die gleiche Stelle zu finden.

Joel kam auf sie zu, stellte sich vor sie und schaute sie an.

„Besser?“ Sie nickte etwas beschämt..

„Bereit?“

„Ja, Meister.“

„Sehr gut, Mari, sehr gut!“ Joel nickte.

„Du entkleidest dich jetzt und legst dich auf die Couch.
Ich werde mich bis du fertig bist zum Fenster drehen.
Wenn du dich hingelegt hast, wirst du von mir eine Berührung bekommen – eine sanfte Berührung. Sie wird so sein, dass du sie leicht annehmen kannst. Schließe, wenn du liegst, deine Augen. Du darfst sie jederzeit kurz öffnen, aber dann wieder schließen. Du wirst so lange dort liegen, bis ich dir sage, dass du aufstehen darfst. Geredet wird dabei nicht.“

Joel machte eine Pause.

Entkleiden… meint er, ich soll mich diesmal ganz ausziehen? Das packe ich nicht! Warum fällt mir das nur so schwer? Nein, das mache ich nicht! Was tu ich bloß? Ich könnte ihn um eine Variation der Anordnung bitten… aber was ist, wenn er gar nicht meint, dass ich wirklich alles ausziehen soll. Fragen stellen soll ich ja auch nicht…

Unentschlossen stand Mari noch immer auf dem selben Fleck und wusste einfach nicht, wie sie sich verhalten sollte. Verunsichert und aufgeregt blickte sie ihn an.

„Hast du die Aufgabe verstanden, Mari, oder gibt es noch eine Unklarheit in dir?“ fragte er freundlich.

“Ich weiß nicht, wie viel ich ausziehen soll. Alles? Das geht für mich nicht. Das geht einfach nicht, bitte versteh das.“ Ihre Stimme bebte…

„Ich möchte, dass du so viel ausziehst, wie dir möglich ist, aber mindestens zwei Teile.“

Er lächelte sie an.

Erleichtert nickte Mari. Ja, das ging. Sie zog ihre langärmelige Bluse aus. Darunter trug sie noch ein T-Shirt. Dann zog sie ihre Socken aus. Das sind sogar drei Teile, freute sie sich im Stillen.
Dann fiel ihr wieder ein, dass sie sich nun hinlegen sollte. Langsam ging sie auf die Couch zu.
Was würde dort geschehen?
Immer unsicherer und langsamer wurden ihre Schritte. „Wo wirst du mich berühren?“ fragt sie leise.
Hatte sie das nur gedacht, oder hatte sie es ausgesprochen… ?
O jeh, sie sollte doch keine Fragen stellen….

„Mari? Du hast gerade gegen die Frage-Regel verstoßen. Sie ist es, die du immer wieder einmal vergisst, nicht wahr? Das war sicher keine Absicht, und es ist auch nicht schlimm, aber ab heute werden Regelverstöße kleine, für dich machbare Sanktionen nach sich ziehen. Sie haben einen tiefen guten Sinn, den ich dir nachher noch erklären werde und werden so bewusst und vorsichtig eingesetzt von mir, dass sie dir nicht weh tun werden.“
Joel stand noch immer an seinem Platz und hatte ihr wie versprochen beim Ausziehen nicht zugesehen, obwohl es ja nicht mal viel war, was sie ausgezogen hatte.

Feuerrot stand Mari noch immer vor der Couch.
Er will mich bestrafen… Oh bitte nicht!
„Bitte, ich habe das nicht gewollt, ich hab gar nicht gemerkt, dass ich meine Gedanken ausgesprochen habe und dadurch eine Frage gestellt habe. Du hast mich doch noch nie bestraft…“
Sie fühlte sich schrecklich. Wie peinlich war das denn?!! Ihr Kopf wurde glühend heiß, eine heftige heiße Welle wie flüssiges Feuer lief durch ihren Nacken in ihren Kopf hinein. Schwindelig wurde ihr jetzt auch noch. In welche Situation hatte sie sich hier nur mit diesen Machtspielen begeben?!!Wollte sie das wirklich? Sie hatte doch nicht wirklich so etwas Schlimmes getan, dass sie bestraft werden musste. Sie erinnerte sich an den Teppichklopfer, der bei ihrer Oma immer sichtbar auf dem Schrank gelegen hatte. Immer hatte sie ANGST, dass er benutzt werden würde… Und jetzt…
Was würde ihr Meister mit ihr tun? Angstvoll sah sie ihn an und brachte kein Wort heraus…
Ihre Augen wurden feucht, ihre Lippen zitterten…

„Ich weiß, dass es keine Absicht war. Die Strafe soll dir dienen, um zu erleben, dass ein Fehler wieder ausgeglichen werden kann. Ich möchte dir mit den Regeln, die manchmal nicht so leicht sind einzuhalten, die Gelegenheit geben, Fehler zu machen – um zu erfahren, dass das nicht schlimm ist, und du sie selbst wieder ausgleichen kannst. Diese Erfahrung, dass es nach einem Fehler wieder gut sein darf, hast du als Kind nicht machen können, da hielten schmerzliche Gefühle nach einem kleinen Fehler in dir lange an. Ein Kind, das lernt, mit einer Folge seines Fehlers umzugehen und dadurch Entlastung zu finden, fürchtet sich nicht mehr so vor Fehlern wie du es jetzt tust und kann sich ausprobieren. Diese Erfahrung fehlt dir, Mari. Mit kleinen, annehmbaren Strafen soll die alte Angst vor Fehlern und ihren Folgen nach und nach abgebaut werden.
Es geht darum, dass du regelrecht übst, Fehler zu machen – und dass das leicht zu bewältigen ist. Regelüberschreitungen und Unachtsamkeiten passieren und gehören dazu – hier in unseren Spielen und im Leben, und sie sind nicht schlimm! Meine Sanktionen sollen für dich eine Hilfe sein, das bedrückte Gefühl, das durch Fehler entsteht, wieder loslassen zu können. Wenn man sie akzeptiert und annimmt, ist der Verstoß sofort und endgültig ausgeglichen. Es wird jetzt eine kleine zusätzlich Aufgabe geben, die du ganz leicht bewältigen kannst. Ich werde dich dabei nicht anfassen. Nun leg dich hin, dann erkläre ich dir deine Strafe.“

Seine Stimme klang nicht unfreundlich.
Dennoch war Mari wie von innen erstarrt. Sie hörte zwar, dass er sprach, nahm die Worte aber nicht mit ihrem Bewusstsein wirklich auf. Sie rauschten an ihr vorbei. Selbst wenn sie nicht bestraft worden wäre, sie konnte sich jetzt nicht auf die Couch legen, so schutzlos und ausgeliefert fühlte sie sich.
Endlich kam ihr ein hilfreicher Gedanke: Er hatte ihr ja für solche Situationen, in denen gar nichts mehr ging, die Regel gegeben, dass sie um eine Umarmung bitten dürfe.
„Meister, ich kann nicht mehr“, sagte sie mit zittriger Stimme, „würdest du mich bitte in die Arme nehmen?“

„Ich bin stolz auf dich, dass du so reagierst,“ sagte er, „ich weiß, das ist alles für dich neu und schwer.“ Er kam auf sie zu breitete seine langen Arme aus und umhüllte sie ganz sanft damit. Kein Druck, und doch eine Festigkeit, ein Halt, wie sie ihn genau jetzt brauchte… damit das Spiel danach weiter gehen konnte…

Die Fortsetzung folgt... morgen… oder übermorgen…

Dieses Kapitel wurde gemeinsam geschrieben von Rafael und Miriam

 Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge

22. Mari entdeckt ihren „inneren Meister“

Spaziergang mit einer zentralen Frage

„Guten Abend, Mari“, Joel trat lächelnd ein, blieb aber anders als bisher im Flur stehen.

„Grüß dich, Joel, komm doch rein!“  Mari spürte wieder dieses Gefühlsgemisch aus Freude und Aufregung, so wie es meistens  war, wenn die beiden sich trafen.

„Heute würde ich gern einen kleinen Spaziergang mit dir machen, okay?“

„Ja, klar, können wir machen…“ antwortete Mari verwundert. 
„Äh – gehe ich mit dir als Joel oder als dem Meister spazieren?“ fragte sie etwas verunsichert.

Joel lachte und gab die Frage zurück. „Mit wem würdest du denn gern spazieren gehen?“

„Mit dir, Joel!“ kam prompt die Antwort, während Mari sich Jacke und Handtasche schnappte.

Unten angelegt, nahm er ihre Hand und führte sie in Richtung des nahegelegenen Parks.

„Hier ist es schön ruhig,“ meinte er, und sie freute sich über diesen besonderen Auftakt ihrer heutigen Begegnung. 

„Weißt du noch, Joel, hier sind wir vor etlichen Wochen auch spazieren gegangen, als wir uns kennengelernt haben…“

„Ja, daran erinnere ich mich noch sehr gut, Mari“, antwortete er nachdenklich. „Ich habe nicht ganz ohne Grund diesen Weg eingeschlagen für unseren kleinen Spaziergang…“

Gespannt und nun etwas unruhig geworden schaute Mari ihn von der Seite an und wartete darauf, dass er weiter sprach.

„Es war ja ein ganz besonderer Deal, den wir miteinander besprochen hatten…“

Mari wurde nervös… Was würde jetzt kommen? Der Deal war Englisch-Unterricht gegen Lektionen in Selbsterfahrung und Vertrauen… So fasste sie es kurz für sich zusammen.

Dear teacher, do you think that I am a good student by learning the English language?“ brachte Joel+ langsam heraus.

„O yes, Joel, you are a very good and hardworking student in learning the english language“ bestätigte sie, lächelnd den kleinen Fehler korrigierend.

„Ich freue mich jedes Mal, wenn ich wieder etwas mehr bei dir gelernt habe,“ erklärte Joel. „Hab vielen Dank, dass du mir das möglich gemacht hast, denn wie du ja weißt, hatte ich in den Jahren davor schon mehrere Anläufe gemacht, die Sprache zu lernen und es hat nie geklappt. Du bist echt eine super Lehrerin! Nur deiner Geduld und deiner speziellen Lehrmethoden habe ich es zu verdanken, dass ich nun den Einstieg ins Englische geschafft habe.“

Mari schaute ihn nachdenklich an. Er hatte in der kurzen Zeit viel gelernt – und konnte sich auf die Schulter klopfen. Dass er mit ihr als Lehrerin zufrieden war, freute sie.
Aber was war umgekehrt…? Dass sie als Lehrerin einiges in Gang bringen kann – ja, das wurde ihr schon oft signalisiert und dessen war sie sich inzwischen dankbar bewusst. Aber in der Rolle der Schülerin? Da empfand sie sich mit Abstand als nicht so gut wie Joel als Schüler…
Sie wurde traurig…. Ja, es war ihr gelungen, etwas Vertrauen zu fassen zu Joel und sogar auch zu dem „Meister“, dessen Rolle er für sie in ihren besonderen Spielen verkörperte… Aber das war noch sehr wackelig und sie stürzte immer wieder einmal in heftige Ängste. Dabei war das, was hinter ihr lag noch vergleichsweise harmlos im Vergleich zu dem, was sie noch vor sich hatte. 

Ich hätte inzwischen mehr schaffen sollen… mich mehr zusammen nehmen müssen… lockerer werden… mir mehr Mühe geben…  Ich hätte ihm meine vielen Ängste vielleicht nicht so deutlich zeigen sollen… Aber – anders geht es doch gar nicht – gerade nicht auf diesem Weg, in dieser Thematik… jedenfalls nicht für mich… Deshalb habe ich mich ja auf diesen Weg begeben…

„Mari, was geht in dir vor? Du wirkst plötzlich weit weg – und… irgendwie niedergeschlagen.“ fragte Joel. Ich dachte, es wäre gut, dir zwischendurch mal ein Feedback zu geben und habe heute morgen sogar Tante Google gefragt, wie ich das in Englisch hervor bringen könnte!“
Etwas schelmisch lächelten seine Augen, doch war auch die Betroffenheit über ihr Befinden deutlich spürbar.

„Na ja…“, druckste Mari herum, „ach, Joel… Du bist ein wunderbarer Schüler! Trotz deiner anfänglichen Hemmungen im Lernen dieser Sprache bist du schon so weit gekommen in der kurzen Zeit! Und ich… ich bin ja in unseren Spielen auch eine Art Schülerin…“

„Ja,“ bestätigte Joel, „ich würde sagen, du bist eine Schülerin im Fach „Vertrauen“ – was meinst du dazu?“

„Hmm, das trifft es wohl genau. Und ich habe längst nicht so viele Fortschritte gemacht wie du. Ich schäme mich meiner Ängste, die immer wieder so häufig und so heftig aufflackern und es dir und mir oft so schwer machen. Eben dachte ich darüber nach, wie unangenehm sich das wohl für dich anfühlen mag… Ich könnte verstehen, wenn du keine Lust mehr hast, mit mir diesen Deal weiter zu verfolgen… Vielleicht ist es ja das, was du mir sagen willst auf diesem Spaziergang?!“

Joel blieb stehen, drehte sich so zu Mari, dass sich beide gegenüber standen, und sah ihr in die Augen.
„Nein, Mari, das ist es keinesfalls, weshalb ich dieses Gespräch mit dir begonnen habe. 
Und es ist keinesfalls wahr, dass du so wenig Fortschritte gemacht hast!
Und selbst wenn es stimmen würde, wäre es für mich überhaupt kein Grund, abzubrechen. Im Gegenteil, ich würde nach neuen Möglichkeiten und Chancen suchen… aber…
und Jetzt kommt das große „Aber“…

Mari senkte den Kopf.

„Schau mich bitte an, Mari,“ bat er sie freundlich, „aber es funktioniert nur, wenn du es weiterhin willst – und dir dessen bewusst bist, dass du es bist, die letztendlich all das selbst möchte, was dir so oft wie eine große Hürde erscheint. Und diese Frage ist es, die ich dir heute stellen wollte. Sei sicher, ich möchte dich weiter auf diesem Weg führen, begleiten, unterstützen, annehmen und wenn nötig auch trösten, wenn die Gefühle mal wieder aus dem Ruder laufen. Es ist mir jedoch wichtig, dass dir immer bewusst bleibt, oder – wenn du es zwischenzeitlich vergisst, dass dir immer wieder bewusst wird, dass ich die Dinge – besonders wenn ich in der Meisterrolle bin – tue, weil du mir den Auftrag dazu gegeben hast.“

Mari schaute ihm forschend in die Augen… Ja, es ist wahr, was er sagt, dachte sie. Er meint wirklich, was er sagt. Er will es! Und ich? Wie sieht es in mir aus unter all diesen schwierigen Gefühlen? Was will ich? Was will ich wirklich?

Trau dich!  hörte und fühlte sie eine klare Stimme in sich. War das eine Ratgeber-Stimme? So etwas wie ihr „innerer Meister“?
Ja, ein guter Begriff, flüsterte es in ihr. Du kannst mich alles fragen! Gern kannst du mich als deinen „inneren Meister“ bezeichnen. Das passt!

Joel zog sie auf eine Bank und sagte zu ihr: „Wir haben inzwischen einiges miteinander erlebt . Mein Eindruck ist, dass dein Vertrauen sowohl zu mir als auch zu der Meisterrolle, die ich verkörpere, ein schönes Stück gewachsen ist. Wir haben dazu Rituale und Vertrauensübungen gemacht, und du kannst inzwischen einiges mehr annehmen als am Anfang. Weißt du noch, wie du bei unserem ersten Treffen bei mir aus der Wohnung gerannt bist…?“

Beide lachten. Es stimmte, sie hatten schon einiges miteinander erlebt und durchgestanden.

„Und nun ist die Frage, Mari, willst du weiter gehen? Du hattest mir anfangs gesagt, dass du mit  einem Mann auch auf der erotischen Ebene angstfreier als bisher umgehen würdest. Wenn wir uns künftig auch an dieses Thema, das ja bisher von mir kaum berührt wurde, heran tasten wollen, muss dir bewusst sein, dass du es willst, damit die Voraussetzung gegeben ist, dass du dich von mir weder als Joel noch als Meister bedrängt oder gar benutzt fühlst. 
Und diese Frage ist es, die ich dir heute stellen möchte und stellen muss. 

Gilt dein Auftrag an mich immer noch? Willst du mit mir in welcher Rolle und in welcher Weise auch immer diesen Weg der Vertrauensübungen und Machtspiele weiter gehen, der ja irgendwann dann, so wie du es dir gewünscht hast, auch ins Land der Erotik führen wird?

Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge