69. Keine Angst vor Fehlern

Bei Joel – Gedanken über das Fehler-Machen

Mari und Joel saßen auf der Couch und sprachen über ihr letztes Spiel. „Manchmal ist es nicht möglich, Fehler zu vermeiden“, wiederholte Mari die Worte, die Joel ihr in ihrem Rollenspiel als Meister gesagt hatte, nachdem er eine Situation provoziert hatte, in der sie kaum anders konnte, als sich nicht an die Regeln zu halten und sich dafür geschämt hatte. „Glaubst du das wirklich?“
Er nickte. „Ja! Eigentlich ist es nie möglich, Fehler ganz auszuschließen. Denn auch bei aller Vorsicht und Achtsamkeit kann man zwar Fehler versuchen zu vermeiden, aber selten ganz verhindern, dass sie geschehen. Und…“ er lächelte, „du bist meist nicht mal allein dafür verantwortlich – so wie in diesem Spiel! Denn ich habe die Situation so gestaltet.“

Sie bewegte diesen Gedanken in sich: „Das würde heißen… Immer dann, wenn ich einen Fehler mache, kann ich ihn gar nicht vermeiden… Sonst hätte ich es ja getan! Richtig? Wenn ich auch nur einen einzigen Fehler vermeiden könnte, dann würde ich ihn ja gar nicht machen… Aus irgendeinem Grund mache ich ihn aber doch – und bestimmt nicht deshalb, weil ich ihn machen will!“ überlegte Marie jetzt weiter.
„Nun, vielleicht machst du ihn aus Angst“, gab er zu bedenken. „Das Warum ist nicht entscheidend. Wichtig ist, dass deine Angst abnimmt, einen Fehler zu machen, damit du dich grundsätzlich wohler fühlst. Um das bewusst zu durchdenken, hatte ich dieses Spiel so inszeniert, dass ich dich so überfordert hatte, bis eine unkontrollierte Reaktion entstehen musste.“
Maris Blick wanderte in die Ferne. „Ja, aus Angst mache ich mehrere Fehler in unseren Spielen hier… Und vielleicht auch im Leben… Das stimmt. Und je mehr Angst ich habe vor falschem Verhalten, umso unsicherer und fahriger werde ich. Ich werde dadurch unkonzentriert und mache mehr Fehler, was ich ja eigentlich gerade vermeiden will. Meine Angst ist also eine häufige Ursache für Fehler.“
Er nickte: „Ich sage es noch mal ganz klar:

Selbst wenn es theoretisch möglich wäre, könntest du Fehler nicht vermeiden, und die Angst vor einem Fehler, belastet dich schon, bevor überhaupt was passieren könnte, und nimmt dir dadurch Kraft und Konzentration. Je mehr du Fehler vermeiden willst, umso größer ist die „Chance“ sie zu machen.“
Mari hörte aufmerksam zu und ließ die Worte auf sich wirken. Schließlich sagte sie: „Ja, das stimmt, die Angst davor, Fehler zu machen, begünstigte diese. Aber wie werde ich die Angst los?“
„Du wirst sie nicht einfach los, Mari, aber du kannst lernen, anders mit ihr umzugehen. Du solltest einfach akzeptieren, dass Fehler passieren können und außerdem auch, dass du noch Angst davor hast. Und wenn sie aufsteigt, sag dir nicht, dass du keine Angst hast, sondern gesteh dir zu, dass Fehler normal sind, also in der Natur des Menschen liegen.“
„Gut, jedes Mal, wenn künftig die Angst kommt, Fehler zu machen, sage ich mir:
Na und – dann ist es so! Ich tue was ich kann! Wenn trotzdem was nicht klappt, konnte ich es nicht vermeiden. Mehr als mein Bestes kann ich nicht tun!“
„Ja“, bestätigte er, „Du kannst deine ganze Energie in die Aufmerksamkeit investieren, und dennoch ist es oft unmöglich, gar keine Fehler zu machen. Und deshalb geht es darum, zu akzeptieren, dass es unmöglich ist, keine Fehler zu machen. Das nimmt eine Menge Druck! Wenn man weiß, dass sie in jedem Fall passieren können, muss man nicht so zwanghaft aufmerksam sein und sich auch nicht selbst für Fehler bestrafen, indem man sich schlecht fühlt und Scham oder Schuldgefühle mit sich trägt. Ganz davon abgesehen, dass schon das Wort Fehler eine Interpretationsfrage aufwirft. Was ist wirklich schon ein Fehler?!“
Mari wiederholte noch einmal: „Wann immer diese Angst kommt, und sie kommt ja leider oft irgendwie automatisch in mir, dann sage ich mir ab jetzt:
Auch wenn ich mein Bestes tue, können Fehler passieren – das ist menschlich!“
„Ja Fehler sind menschlich! Und… sie alle haben einen Sinn – immer! “
„Immer?“ fragte Mari verblüfft.
„Immer! Sonst hätten wir zum Beispiel dieses Gespräch hier nicht geführt. Außerdem sind meist alle, in dem Fall also wir beide, an dem Fehler beteiligt.“ Er nahm Maris Hand, hielt sie an sein Herz und lächelte: „Das Spiel ist vorbei!“

Erleichtert sah Mari Joel an. „Der Meister ist und war gar nicht sauer mit mir! Da hat er mich in eine Falle tappen lassen, die sich erstmal richtig scheußlich angefühlt hat, aber jetzt ist mir ein Stein vom Herzen gefallen – nicht nur in der heutigen Situation, sondern irgendwie ziemlich grundsätzlich fühlt sich das so an.“
„Nein natürlich ist er nicht sauer“, bestätigte Joel. „Warum sollte er? Weil du eine Situation falsch eingeschätzt hast und darauf hin unkontrolliert reagiert hast? So etwas verärgert ihn doch nicht!“
„Es wirkte aber erst so, als er mir aufgezählt hat – zwei Regelbrüche und eine Verweigerung!“
„Er wollte dir dein von ihm ausgelöstes Fehlverhalten vor Auge führen, um dir dann zu zeigen, dass es für dich unvermeidbar war, während du dich bereits schuldig fühltest.“
„Das war ja eine heftige Lektion! Die werde ich so bald nicht vergessen!“
Und genau deshalb hat er es so inszeniert. Damit du dich daran erinnerst, und damit auch daran, was du daraus gelernt hast!“
Und nun…“ Er öffnete lächelnd seine Arme. „Eine Umarmung gefällig?“
Fest hielt er sie in seinen Armen.
„Es ist ein wunderbares Gefühl, dass jetzt alles vorbei ist und ich auch noch diesen Gedanken als Prävention für alle kommenden Fehler mitnehmen kann!“
„Na das ist doch phantastisch!“ sagte er und drückte sie noch einmal fest an sich.

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28. Ein unüblicher Heilungsweg

Bei Joel : Über die entlastende Funktion von Sanktionen (Teil 2)

„Ich bin stolz auf dich, dass du unser Spiel trotz deines Erschreckens nicht abgebrochen hast,“ sagte Joel, nachdem er ihr zum ersten Mal eine Strafe angekündigt hatte und sie nun in all ihrer Angst mit einer Umarmung aufgefangen hatte. Er drückte sie sanft, schmiegte sie an sich. Es war eine enge, eine umfassende Berührung und wirkte wie ein Ritual, um ihr Kraft zu geben. Er sagte nichts, hielt sie nur fest. Noch hatte sie es nicht verstanden, dass die symbolhafte Sanktion ihr helfen sollte, etwas Altes zu heilen. Zunächst brauchte die verstörte Frau neue Kraft, um dieses Spiel weiter spielen zu können, von dem er sicher war, dass es für sie wertvoll sein würde, wenn es ihr gelingen würde, es zu Ende zu bringen. Dafür wollte er ihr mit dieser Umarmung die nötige Kraft zufließen lassen.

Sie ließ sich in seine ausgebreiten Arme fallen. Der ganze aufgestaute Druck entlud sich, und sie begann heftig zu weinen. Soviel Schmerz war mit dem Thema Strafe verbunden, so viel Angst, so viel Scham… Sie fühlte die Gefühle, die sie so oft als Kind gequält hatten. Immer hatte sie sich Mühe gegeben, alles richtig zu machen, solche Mühe hatte sie sich gegeben, und doch war immer wieder einmal irgend etwas geschehen, was die Oma wütend gemacht hatte. Sie war so verzweifelt, dass sie trotz aller Bemühungen nicht gut genug war, und nun war es hier wieder so. Sie wollte doch alles richtig machen – und immer wieder versagte sie…

Er hielt sie, hielt sie sicher und fest in seinen Armen, nahm sie mit all ihren Gefühlen an.
„Es ist alles gut, Mari! Ja, lass die Tränen fließen, es ist alter Schmerz. Hier geschieht dir nichts Schlimmes. Und ich mag dich, egal was du tust oder unterlässt.“ Er hielt sie weiter fest umschlungen – war für sie wie ein Fels in der Brandung. Und sie hielt sich an ihm fest.

„Ich weiß, das ist ein schwieriger Schritt heute, und du bist schon weit gegangen. Ich bin sehr stolz auf dich. Sieh mal:

Es ist unmöglich Fehler zu vermeiden. Menschen machen einfach Fehler.
Es geht darum, dazu zu stehen, aus ihnen zu lernen und sie wieder auszugleichen.


Die Strafe kann ein Hilfsmittel sein, damit wir einen Fehler ausgleichen und er damit seine Bedeutung verliert. Weißt du, alles im Leben strebt nach einem Ausgleich. Oft bestrafen Menschen sich selbst unbewusst und das Annehmen einer symbolischen Strafe von außen kann Selbstbestrafungstendenzen entgegen wirken.
Bei dir habe ich bisher eine große Angst vor Fehlern bemerkt. Ich glaube, dass kleine symbolisch angewandte Strafen dir helfen können, leichter loszulassen – die aktuellen Fehler und damit auch die alten… Du hast hier bei mir die Chance, den Umgang mit Fehlern und daraus resultierenden Folgen, neu und heilsam zu erleben, ganz anders als das, was du als Kind als sehr belastend und schädigend erleben musstest.

Solch ein bewusstes Anwenden von kleinen Strafen, wie ich es mit dir vorhabe, vermittelt deinem Unterbewusstsein, dass damit alles ausgeglichen ist, dass du den jetzigen Fehler und damit verbunden auch andere alte Fehler nicht mehr mit dir herum tragen oder gar selbst ahnden musst. Jedes Mal, wenn du hier bei mir eine Strafe bekommst, darf dein Unterbewusstsein alte Belastungen mit loslassen. Dafür machen wir das.

Fehler sind nicht schlimm! Fehler dürfen sein!

Ich denke deswegen nicht schlecht von dir, wenn ich dir eine Strafe gebe. Im Gegenteil, ich werde zu dir aufschauen, wenn du deine Strafe annimmst. Und ich will dir helfen, eine gesündere Grundeinstellung zu Fehlern zu entwickeln.“ 
Er kam nahe an ihr Ohr und fragte leise: „Meinst du, wir können unser Spiel fortsetzen?“

Sie konnte nicht antworten, brauchte noch Zeit – und er gab ihr die Zeit, die sie benötigte, um alles zu fühlen, was da war. Ach hätte doch damals als Kind sie jemand so gehalten in schmerzlichen Situationen und so liebevoll mir ihr gesprochen, wenn ihr eines ihrer kleinen Missgeschicke passiert war…
Und hätte man ihr erklärt, dass Fehler zum Leben eines jeden Menschen dazu gehören und nicht wirklich schlimm sind – vielleicht hätte sie sich nicht so oft bedrückt und unzulänglich gefühlt.

„Meister, bitte glaub mir, ich gebe mir so große Mühe, alles richtig zu machen!“

„Mari, das weiß ich, und das sehe ich. Und ich weiß es zu schätzen. Aber trotz aller Mühe machst du wie jeder Mensch manchmal Fehler – hier und sicher auch sonst im Leben.
Aber, was könnte schlimm daran sein, etwas falsch zu machen?
Fehler sind Teil des Lebens und unseres Lernprozesses.

Glaube mir, dass ich es nicht schlimm finde, wenn du einen Fehler machst! Ich mag dich so wie du bist mit all den kleinen Unachtsamkeiten und den tiefen Gefühlswellen. Wir spielen ein kompliziertes Spiel, in dem die Gefühle schnell mal ausbrechen können – schneller, als man denken könnte. Und es ist so eine liebenswerte Eigenschaft von dir, dass du so tief fühlst. Ich möchte nicht, dass du keine Fehler machst, ich möchte nur, dass du dazu stehst und ausprobierst, wie es sich anfühlt, wenn du meine Strafe annimmst.“

Er wartete einen Moment… Sag mir, dass du einen Fehler gemacht hast. Das ist deine Strafe für heute. Wenn du das gesagt hast, ist das Spiel beendet.“ sagte er sanft.

„Ja, Meister, ich habe einen Fehler gemacht! Und ich bitte um Verzeihung dafür.“

„Mari, das hast du sehr gut gemacht. Du hast deine heutige „Strafe“ angenommen. Ich muss dir gar nicht verzeihen, denn der Fehler ist ausgeglichen. Es ist, als wäre er nie geschehen. Und nach und nach wird sich in dir – wie ich hoffe – auch nachhaltig ein Gefühl von Erleichterung einstellen, was das Thema „Fehler machen“ anbelangt. Da haben wir allerdings noch ein Stück Weg vor uns.
So, das Spiel ist vorbei, und du hast heute einen sehr großen Schritt gemacht. Weißt du, manche Fehler sind sogar wichtige Erlebnisse und können uns stärker machen. Du warst heute sehr stark! Alles ist gut, Mari!“

Erleichtert und erschöpft dankte ihm Mari.
Er hielt sie noch ein Weilchen in seinen Armen… Welch Erfahrung!!!
Trotz des Fehlers, trotz ihrer Schwäche meinte er, sie sei stark und alles konnte nun gut sein.

Er hielt sie so lange im Arm, bis sie sich langsam selbst aus der Umarmung heraus löste.

„Kaffee? fragte er. „Ich finde, den haben wir uns jetzt verdient.“ Er lächelte und ging in die Küche.

Dieses Kapitel wurde gemeinsam geschrieben von Rafael und Miriam

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27. Fassungslos…

Bei Joel : Über die entlastende Funktion von Sanktionen (Teil 1)

Joel öffnete die Tür, er trug eine schlichte schwarze Hose und ein schwarzes T-Shirt. 

„Was für eine Freude, dich zu sehen, Mari!“ sagte er und bat sie herein.

“Ich freue mich auch, Joel, bin aber auch sehr aufgeregt“ entgegnete Mari

„Das ist ein gutes Zeichen, Mari.“

Mari betrat das Wohnzimmer. Sie kannte sich aus, und doch war in ihr eine leichte Unsicherheit spürbar. Die Couch war heute aufgeklappt und einige bunte Kissen lehnten an der Wand.

„Magst du etwas trinken?“ fragt Joel.

„Ja gern!“

Joel holte Wasser und als er wieder ins Zimmer kam, blieb er stehen und hielt ihr das Glas so hin, dass sie aufstehen musste, um es zu nehmen. In dem Moment, als sie es in der Hand hatte, sagte er: „Das Spiel beginnt.“

„Ich werde dir jetzt eine Aufgabe stellen. Ich werde sie versuchen, sie so deutlich wie möglich zu formulieren.“ Joel ging dabei durch den Raum, als würde er mit sich selbst reden. Dann stand er vor ihr. „Bereit, Mari?“

„Ich müsste nochmal vorher ins Bad gehen,“ entgegnete sie verlegen. Aufregung schlug ihr oft auf die Blase.

„Du weißt ja, wo es ist. Ich erwarte dich genau hier“, sagte er und drehte sich zum Fenster.

Sie beeilte sich und kam schnell zurück. Wo genau hatte sie gestanden? Sie versuchte die gleiche Stelle zu finden.

Joel kam auf sie zu, stellte sich vor sie und schaute sie an.

„Besser?“ Sie nickte etwas beschämt..

„Bereit?“

„Ja, Meister.“

„Sehr gut, Mari, sehr gut!“ Joel nickte.

„Du entkleidest dich jetzt und legst dich auf die Couch.
Ich werde mich bis du fertig bist zum Fenster drehen.
Wenn du dich hingelegt hast, wirst du von mir eine Berührung bekommen – eine sanfte Berührung. Sie wird so sein, dass du sie leicht annehmen kannst. Schließe, wenn du liegst, deine Augen. Du darfst sie jederzeit kurz öffnen, aber dann wieder schließen. Du wirst so lange dort liegen, bis ich dir sage, dass du aufstehen darfst. Geredet wird dabei nicht.“

Joel machte eine Pause.

Entkleiden… meint er, ich soll mich diesmal ganz ausziehen? Das packe ich nicht! Warum fällt mir das nur so schwer? Nein, das mache ich nicht! Was tu ich bloß? Ich könnte ihn um eine Variation der Anordnung bitten… aber was ist, wenn er gar nicht meint, dass ich wirklich alles ausziehen soll. Fragen stellen soll ich ja auch nicht…

Unentschlossen stand Mari noch immer auf dem selben Fleck und wusste einfach nicht, wie sie sich verhalten sollte. Verunsichert und aufgeregt blickte sie ihn an.

„Hast du die Aufgabe verstanden, Mari, oder gibt es noch eine Unklarheit in dir?“ fragte er freundlich.

“Ich weiß nicht, wie viel ich ausziehen soll. Alles? Das geht für mich nicht. Das geht einfach nicht, bitte versteh das.“ Ihre Stimme bebte…

„Ich möchte, dass du so viel ausziehst, wie dir möglich ist, aber mindestens zwei Teile.“

Er lächelte sie an.

Erleichtert nickte Mari. Ja, das ging. Sie zog ihre langärmelige Bluse aus. Darunter trug sie noch ein T-Shirt. Dann zog sie ihre Socken aus. Das sind sogar drei Teile, freute sie sich im Stillen.
Dann fiel ihr wieder ein, dass sie sich nun hinlegen sollte. Langsam ging sie auf die Couch zu.
Was würde dort geschehen?
Immer unsicherer und langsamer wurden ihre Schritte. „Wo wirst du mich berühren?“ fragt sie leise.
Hatte sie das nur gedacht, oder hatte sie es ausgesprochen… ?
O jeh, sie sollte doch keine Fragen stellen….

„Mari? Du hast gerade gegen die Frage-Regel verstoßen. Sie ist es, die du immer wieder einmal vergisst, nicht wahr? Das war sicher keine Absicht, und es ist auch nicht schlimm, aber ab heute werden Regelverstöße kleine, für dich machbare Sanktionen nach sich ziehen. Sie haben einen tiefen guten Sinn, den ich dir nachher noch erklären werde und werden so bewusst und vorsichtig eingesetzt von mir, dass sie dir nicht weh tun werden.“
Joel stand noch immer an seinem Platz und hatte ihr wie versprochen beim Ausziehen nicht zugesehen, obwohl es ja nicht mal viel war, was sie ausgezogen hatte.

Feuerrot stand Mari noch immer vor der Couch.
Er will mich bestrafen… Oh bitte nicht!
„Bitte, ich habe das nicht gewollt, ich hab gar nicht gemerkt, dass ich meine Gedanken ausgesprochen habe und dadurch eine Frage gestellt habe. Du hast mich doch noch nie bestraft…“
Sie fühlte sich schrecklich. Wie peinlich war das denn?!! Ihr Kopf wurde glühend heiß, eine heftige heiße Welle wie flüssiges Feuer lief durch ihren Nacken in ihren Kopf hinein. Schwindelig wurde ihr jetzt auch noch. In welche Situation hatte sie sich hier nur mit diesen Machtspielen begeben?!!Wollte sie das wirklich? Sie hatte doch nicht wirklich so etwas Schlimmes getan, dass sie bestraft werden musste. Sie erinnerte sich an den Teppichklopfer, der bei ihrer Oma immer sichtbar auf dem Schrank gelegen hatte. Immer hatte sie ANGST, dass er benutzt werden würde… Und jetzt…
Was würde ihr Meister mit ihr tun? Angstvoll sah sie ihn an und brachte kein Wort heraus…
Ihre Augen wurden feucht, ihre Lippen zitterten…

„Ich weiß, dass es keine Absicht war. Die Strafe soll dir dienen, um zu erleben, dass ein Fehler wieder ausgeglichen werden kann. Ich möchte dir mit den Regeln, die manchmal nicht so leicht sind einzuhalten, die Gelegenheit geben, Fehler zu machen – um zu erfahren, dass das nicht schlimm ist, und du sie selbst wieder ausgleichen kannst. Diese Erfahrung, dass es nach einem Fehler wieder gut sein darf, hast du als Kind nicht machen können, da hielten schmerzliche Gefühle nach einem kleinen Fehler in dir lange an. Ein Kind, das lernt, mit einer Folge seines Fehlers umzugehen und dadurch Entlastung zu finden, fürchtet sich nicht mehr so vor Fehlern wie du es jetzt tust und kann sich ausprobieren. Diese Erfahrung fehlt dir, Mari. Mit kleinen, annehmbaren Strafen soll die alte Angst vor Fehlern und ihren Folgen nach und nach abgebaut werden.
Es geht darum, dass du regelrecht übst, Fehler zu machen – und dass das leicht zu bewältigen ist. Regelüberschreitungen und Unachtsamkeiten passieren und gehören dazu – hier in unseren Spielen und im Leben, und sie sind nicht schlimm! Meine Sanktionen sollen für dich eine Hilfe sein, das bedrückte Gefühl, das durch Fehler entsteht, wieder loslassen zu können. Wenn man sie akzeptiert und annimmt, ist der Verstoß sofort und endgültig ausgeglichen. Es wird jetzt eine kleine zusätzlich Aufgabe geben, die du ganz leicht bewältigen kannst. Ich werde dich dabei nicht anfassen. Nun leg dich hin, dann erkläre ich dir deine Strafe.“

Seine Stimme klang nicht unfreundlich.
Dennoch war Mari wie von innen erstarrt. Sie hörte zwar, dass er sprach, nahm die Worte aber nicht mit ihrem Bewusstsein wirklich auf. Sie rauschten an ihr vorbei. Selbst wenn sie nicht bestraft worden wäre, sie konnte sich jetzt nicht auf die Couch legen, so schutzlos und ausgeliefert fühlte sie sich.
Endlich kam ihr ein hilfreicher Gedanke: Er hatte ihr ja für solche Situationen, in denen gar nichts mehr ging, die Regel gegeben, dass sie um eine Umarmung bitten dürfe.
„Meister, ich kann nicht mehr“, sagte sie mit zittriger Stimme, „würdest du mich bitte in die Arme nehmen?“

„Ich bin stolz auf dich, dass du so reagierst,“ sagte er, „ich weiß, das ist alles für dich neu und schwer.“ Er kam auf sie zu breitete seine langen Arme aus und umhüllte sie ganz sanft damit. Kein Druck, und doch eine Festigkeit, ein Halt, wie sie ihn genau jetzt brauchte… damit das Spiel danach weiter gehen konnte…

Die Fortsetzung folgt... morgen… oder übermorgen…

Dieses Kapitel wurde gemeinsam geschrieben von Rafael und Miriam

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6. Gedanken am Abend – und ein Gute-Nacht-Gruß

Am Abend nach dem ersten Spiel

Mari war im Begriff, schlafen zu gehen am Abend dieses ereignisreichen Samstags.  Sie sah von ihrem Bett aus durch´s Fenster und ließ ihre Gedanken wandern…
Zum ersten Mal hatte sie heute Besuch von Joel bekommen – und sie hatten ein erstes „Meister-Spiel“ gespielt, ein Rollenspiel in einer Atmosphäre von sanfter Dominanz, die sie prickelnd in der Seele berührte… die obwohl sie sanft war und ohne jede Spur von Schmerz, in ihr eine ganz seltsame Gefühlsmischung auslöste. Sie hatte sich klein und unsicher gefühlt, sobald Joel die Meisterrolle eingenommen hatte. Dabei hatte er es nicht einmal darauf angelegt, sie klein zu machen. Es geschah einfach… 

Sobald er in einem ganz bestimmten Tonfall mit ihr sprach, fiel sie in ein Gefühl, das sie an ihre Kindheit erinnerte. So oft hatte sie damals Angst gehabt, etwas falsch zu machen…
Dabei hatte sie sich immer so viel Mühe gegeben, alles „richtig“ zu machen, so wie die Großen es wollten und brauchten(!) – und doch passierten immer mal wieder Dinge, die ihre nervöse Großmutter, bei der sie einige Jahre lebte, schnell ärgerlich und ungehalten werden ließ.
Der Ausklopfer, der zwar nur ganz selten benutzt wurde, lag  immer sichtbar auf dem Schrank im Flur… 
Noch schlimmer war es allerdings, dass ihre Großmutter, wenn sie sich wegen Mari´s kleiner Missgeschicke aufregte, Herzattacken bekam und die Kleine sich dafür schuldig fühlte, wenn sie hörte: „Jetzt hast du mich wieder so aufgeregt, dass ich Herzschmerzen bekomme.“
Sie wollte doch alles möglichst gut machen für die Oma… Und so oft hatte es dann doch nicht funktioniert  Diese Angst, zu versagen war tief in ihr – und wie sie heute mal wieder deutlich spürte, führte sie immer noch eine Art Eigenleben.

Sie hatte Joel davon bisher nichts erzählt, dennoch hatte er ihr heute diese ganz besondere „Regel“ gegeben:
F E H L E R   D Ü R F E N   S E I N ! 
Sie hatte das Papier mit den groß geschriebenen drei Worten, das sie auf sein Geheiß hin erstellt hatte, auf ihre Kommode im Schafzimmer gestellt, damit sie es beim Einschlafen und Aufwachen sehen konnte.

Und obwohl  sich innerhalb des Spiels nicht so angenehme Emotionen in ihr bewegt und  sie sich überwiegend nervös und beklommen gefühlt hatte, dachte sie jetzt mit einem warmen Gefühl daran zurück. Es wirkte im nachhinein wohlig prickelnd und löste gleichzeitig eine Art von Geborgenheit aus, nach der sie sich tief im Inneren sehnte.

Als ihr Meister hatte er sie zwar korrigiert, wenn sie etwas anders machte, als es in die Situation passte oder von ihm gewollt wurde, aber er hatte sie dabei nicht beschimpft oder in irgend einer Weise nieder gemacht. Er war einfach nur klar und bestimmt in seiner Korrektur gewesen. Als er wahrgenommen hatte, dass es sie verunsicherte, hatte er freundlich mit ihr geredet oder ihr mit irgendeiner Geste gezeigt, dass alles in Ordnung war – jedes Mal ! Und er hatte ihr Regeln gegeben, an denen sie sich festhalten konnte. Diese Klarheit tat im Nachhinein gut, auch wenn seine bestimmende Art in der Spielsituation ihre Gefühle von Kleinheit und Unsicherheit erstmal verstärkt hatte.

War es so, dass sie deshalb „klein“ sein wollte,  um zu erleben, dass sie „klein“ sein durfte, ohne Angst, den „Großen“ zu belasten…? 

Fühlte sie sich deshalb so zu diesen seltsamen Machtspielen hingezogen…?

Ein Summton ihres Smartphones unterbrach ihre Überlegungen – eine Nachricht war gekommen:

Liebe Mari, ich wünsche dir eine gute Nacht.
Du hast alles ganz prima gemacht! 
Hast in deinen Gefühlen sicher viel erlebt –

manches Mal wohl auch „heimlich“ gebebt?
Und nun – lass alles jetzt ruhn, 
In diesem Moment gibt´s nichts mehr zu tun.
Träume schön,
bis wir uns nächste Woche wieder sehn.
Dein Meister

Wie schön war DAS denn!!!

Danach ploppte noch eine zweite Nachricht auf:

Und auch ich wünsche dir eine gute Nacht, liebe Mari.
Der Abend mit dir hat mir viel gegeben.
Good night…
Joel

Mari lächelte und tippte:

Good night also for you, Joel! Sleep well.
Auch dir eine gute Nacht, Joel! Schlaf gut.

Hab Dank für diesen besonderen Abend –
und grüße bitte auch den Meister von mir.
Ich habe mich sehr über seinen – und deinen – Gute-Nacht-Gruß gefreut.

 

Zum nächsten Kapitel: 7 – Machtabgabe – ein kostbares Geschenk

 Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge