7. Eine utopische Heilungsreise: FURCHT UND Erleichterung

Joel hatte sich für die Weihnachtszeit eine Fortsetzungsgeschichte von wohlwollenden außerirdischen Meistern zum Thema „Macht – Angst – Vertrauen – Hingabe“ für Mari ausgedacht, das er ihr in Form eines Adventskalenders geschenkt hatte.

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Mari freute sich morgens schon immer darauf, ihren nächsten Umschlag zu öffnen. Sie steckte sich das heutige Schokoladentäfelchen in den Mund, trank Tee dazu und las gespannt wie es Carina weiter erging im Raumschiff mit ihrem Meister…

Am Morgen nach dem überraschend schönen Nikolaustag wird Carina zu René, dem Kommandanten, bestellt. Nervös läuft sie in ihrem Zimmer auf und ab. Um 11 Uhr soll sie sich bei ihm melden, sie hat noch eine halbe Stunde Zeit. Bisher ist sie ihm möglichst aus dem Weg gegangen, nachdem sie von ihrer Zimmernachbarin schlimme Gerüchte über ihn gehört hatte. Natürlich dämmert es ihr   inzwischen, dass dieser Wahrheitsgehalt sehr fraglich ist, aber der Schreck, den ihr dieses Gespräch versetzt hatte, sitzt noch immer in ihr. Meister René ist ihr irgendwie unheimlich. Dazu kommt seine Autoritätsfunktion als Kommandant. Sie hatte schon immer Angst vor Autoritäten. Was wird er nur von ihr wollen? Hatte sie sich etwas zu Schulden kommen lassen? Ob es um ihre mangelnde Kooperationsbereitschaft in den ersten Tagen geht? Oder ob doch noch ihre Fluchtgeschichte geahndet werden soll? Ihr Gedankenkarussel dreht sich immer heftiger… Dann fällt ihr Blick auf ihren Adventskalender, und sie befördert folgende Botschaft zu Tage:

Liebe Carina,
Du brauchst dich vor nichts und niemanden zu fürchten.

Du bist hier ganz sicher und gut aufgehoben.
Und wenn du Sorgen hast: Ich bin immer für dich da.
In Liebe Ramon

Ramon würde es nicht zulassen, dass ihr etwas Schlimmes geschieht. Etwas getröstet macht sie sich auf den Weg zu René. Der empfängt sie mit den Worten: “Na, da kommt ja unsere kleine Ausreißerin.” Angstvoll schaut Carina ihn an. Also geht es doch noch einmal um ihren Fluchtversuch. Aber wie ist dann das Lächeln in seinen Augen zu verstehen?

“Carina, du bist nun eine Woche hier, und ich freue mich, dass ich gestern zum ersten Mal ein Lächeln in deinem Gesicht gesehen habe. Ich weiß, du hast es in den ersten Tagen recht schwer gehabt. Die erste Woche war dazu da, dass jede Schülerin erst einmal mit ihrem persönlichen Ausbilder etwas vertraut wird. Ich weiß, dass es unter den Frauen einige sehr beängstigende Gerüchte gibt, was die Meister und besonders mich anbelangt. Nachdem ihr nun alle Gelegenheit hattet, eure Meister etwas kennenzulernen, ist es an der Zeit, dass ihr auch mich, euren Kommandanten und Gruppenleiter ein wenig kennenlernt, um euch selbst ein Bild zu machen, ob ihr hier bei mir im Raumschiff gut aufgehoben seid oder nicht. Dazu werde ich jede einzelne Schülerin nach und nach zu einigen Gesprächen zu mir bitten, damit wir miteinander vertrauter werden. Wenn ich dich also bitte, zu mir zu kommen, Carina, hast du keinerlei Grund, irgend etwas Negatives zu befürchten.”

Verlegen schaut Carina ihn an. Steht ihr ihre Angst so deutlich im Gesicht geschrieben?

René bietet Carina einen Tee an und bittet sie, ihm etwas über sich, vielleicht auch über ihr bisheriges Leben auf der Erde, zu erzählen. Egal was… das, was ihr gerade einfällt.

Nach der ersten Beklommenheit und Unsicherheit erzählt Carina zögernd von ihrer Familie, ihrem Beruf, der ihr viel Freude gemacht hat, und von ihrer kleinen Wohnung, die sie allein bewohnt. Während sie erzählt, erwacht das Heimweh wieder in ihr.

René legt seine Hand auf ihre Schulter und sagt tröstend: “Du wirst das alles wieder bekommen, Carina, und dann wirst du es noch viel mehr genießen können. Wie gut, dass deine Flucht nicht geglückt ist, denn dann hättest du dich wohl für eine längere Zeit nicht nach hause zurück getraut. Die Zeit hier wird schnell vergehen und angefüllt sein mit vielen interessanten, erfüllenden Erfahrungen. Du wirst zunehmend mehr Sicherheit bekommen und diese dann in dir tragen, wenn du nach Hause zurückkommst. Ganz sicher bringe ich euch wieder heim zur Erde – darauf gebe ich dir mein Wort!”

Nach diesem Gespräch fühlt sich Carina etwas erleichtert. Sie spürt, an den Gerüchten ist keinerlei Wahrheit. Eine leise Stimme in ihr flüstert: ‘Jemand, der so liebevolle Nikolausbilder verschenkt und der jeder Frau eine Gelegenheit einräumt, ihn kennenzulernen und sein Interesse und Mitgefühl zeigt, kann wohl kaum ein Sadist sein.’
Die andere Stimme der Angst mahnt jedoch: ‘Sei auf der Hut, du hast gehört, erst tun sie freundlich, und dann lassen sie ihre Maske fallen.’
Welcher Stimme soll sie Glauben schenken?
Wieder erinnert sie sich an die Worte Ramons: ‘Du kannst nur glauben, was mit deinen Erfahrungen übereinstimmt. Die mit der Zeit gemachten Erfahrungen werden dir helfen, dich nach und nach sicherer zu fühlen.’

Hatte nicht René so etwas ähnliches gesagt?

Auch an diesem Tag macht Carina nur noch angenehme Erfahrungen. Das Schönste ist eine von Ramon angeleitete Meditation, in der sie sich im Licht und Schutz ihres eigenen Herzens wiederfindet und tiefen Frieden und Geborgenheit spürt.

Morgen wird die Geschichte fortgesetzt und läuft voraussichtlich bis Weihnachten

Hier geht es zu allen bisher erschienenen Kapitel zu dieser Geschichte, die Joel Mari in der Advents- und Weihnachtszeit erzählt –> Eine utopische Heilungsreise (Märchen) 

44. Eine Wanderung mit kleinen Schritten an der Grenze entlang

Mari geht spazieren

Gedankenversunken lief Mari durch den nahegelegenen Park, in dem sie inzwischen auch schon einige Male mit Joel spazieren gegangen war.

Ihre Gedanken wanderten zurück zum gestrigen Spiel mit dem Meister, den Joel wieder für sie dargestellt hatte. Diesmal fand sie einen Stuhl vor, der in der Mitte des Zimmers stand… Jedes Mal, wenn sie eine überraschende Anordnung der Möbel im Zimmer vor fand, rätselte sie, was das wohl für sie zu bedeuten haben möge. Bisher hatte sie es nie vorher rausfinden können.

Gestern sollte sie sich auf den Stuhl setzen, ihr wurden die Augen verbunden, und ihre Aufgabe bestand lediglich darin zu spüren. Na ja, klang erst mal nicht so schlimm… War eigentlich auch nicht wirklich „schlimm„, dachte sie jetzt im Nachhinein, schlimm nicht, aber ziemlich bewegend und herausfordernd…

Es war ein angenehmes Gefühl, als der Meister anfangs ihre Hand nahm und streichelte… Auch als er ganz langsam den Arm immer ein Stückchen aufwärts wanderte und wieder zurück kehrte zur Hand… Als er dann am Oberarm angelangt war und ein kleines Stückchen unter den Saum ihrer Ärmel wanderte, entstand ein spannendes Gefühlsgemisch, das sie in Aufregung versetzte. Mari dachte an diesen fortwährenden fast rhythmischen Wandel ihres Gefühlszustandes innerhalb der verschiedenen Berührungen… Irgendwann hatte sie die steigende Anspannung in diesen Wellen kaum noch aushalten können.
In solch einem Moment fragte Joel sie nach der Farbe ihrer Gefühlsampel.
Kann er Gedanken lesen? fragte sie sich gerade…“ rötliches Orange“, gab sie zur Antwort.

Eigentlich gut, dass er meine Körpersprache so gut wahrnehmen kann, aber irgendwie… auch seltsam, so durchschaubar zu seinDas ist, als würde es seine Macht verstärken, überlegte sie.
Er hatte freundlich geantwortet, er würde sich freuen, wenn er sie wieder auf „gelb“ zurück führen könnte, und hatte ihr erlaubt, einen Wunsch zu äußern.

Mari bewegte jetzt im Park beim Laufen unwillkürlich ihre Schultern, denn ihr Wunsch war eine Schulter- und Nackenmassage gewesen, denn sie hatte schon erlebt, wie gut es ihr tat, wenn Joel sie dort massiert hatte. Und so hatte die Erfüllung dieses Wunsches ihr auch gestern geholfen, wieder mehr entspannen zu können. Ihr war schließlich so warm geworden, dass sie ihn fragte, ob sie ihre kurzärmelige Jacke ausziehen könne.

Mari verzog ihren Mund zu einem verunglückten Grinsen in der Erinnerung daran, dass sie mit dieser Frage wieder die Regel verletzt hatte, nur absolut unvermeidbare Fragen zu stellen, um sich daran zu gewöhnen, auch Risiken einzugehen und zu vertrauen, dass nichts Schlimmes geschieht, wenn sie etwas anders machte, als er es gemeint hatte. Sie hätte die Jacke einfach ausziehen können, ohne zu fragen. Also ihr „Absichern wollen“ anhand von Fragen führte in diesen Spielen gerade dahin, wo sie nicht hin wollte, nämlich zur Verletzung dieser für sie so ungewohnten Nicht-Frage-Regel. Würde sie weniger Fragen stellen und sich einfach trauen, Dinge zu tun, wie sie ihr einfielen, würde sie die Regel weniger verletzen und sich damit nicht so oft auf Glatteis begeben. Wieder mal ein Paradoxon!

Ich frage, um nichts falsch zu machen und keine negative Sanktion zu bekommen und genau durch das Fragen erhalte ich sie.
Ich hätte gestern die Jacke einfach ausziehen sollen, ohne zu fragen, dann hätte ich auch keine Regel verletzt. So wollte ich vorher seine Zustimmung erhalten, um wie immer nichts falsch zu machen, und hab´s gerade damit wieder mal versemmelt.

Na ja, es war kein Verhängnis draus geworden – das war es ja eigentlich nie in den Sitzungen mit dem Meister! Aber es hatte sich durchaus unangenehm angefühlt, als er fragte: „Bereit für deine Strafe?“ Aber – und nun war Mari ein bisschen stolz auf sich – diesmal hatte sie gleich „Ja!“ gesagt, anders als in den Anlässen davor, in denen sie so starke Angst davor hatte, dass es ihr erstmal nicht so schnell möglich war, ihre Bereitschaft zu bekunden und sie mit allen Mitteln versucht hatte, das Blatt zu wenden, was ihr natürlich nie gelungen war. Doch wenn sie zurück dachte, war ihr Meister in der Auswahl seiner Sanktionen stets so achtsam gewesen, dass dadurch nie eine Angst verstärkt oder neu entstanden war – im Gegenteil, zurück blieb immer eine Erleichterung, erstens es geschafft zu haben und zweitens, dass es nie wirklich schlimm war.

So auch gestern: Nachdem sie diesmal, ohne lange zu zögern und zu diskutieren „Ja, ich bin bereit“ gesagt hatte, sollte sie ihm in die Augen schauen und ihm sagen: „Ich will meine Bereitschaft vertiefen, bei dir Risiken einzugehen.“ Allerdings nur dann, wenn sie dazu wirklich ja sagen könne, ansonsten würde er sich eine andere Sanktion einfallen lassen.
Und Mari bekundete diese Bereitschaft gerne. Sie wünschte es sich ja tatsächlich, mutiger, spontaner und risikobereiter zu sein.
Dankbar dachte Mari: Ich merke immer wieder, dass ich ihm vertrauen kann und er es mir so leicht macht, wie es im Rahmen dieser doch herausfordernden Machtspiel-Situationen möglich ist.

Nachdem diese Klippe umschifft war, wendete er sich wieder ihren Schultern zu und massierte sie bis in den Nacken hinein. War das gut… ! Sie fühlte jetzt noch das wunderbare Gefühl, wie sich ihre Anspannung wieder langsam gelöst hatte.

Doch als er sich dann langsam unter ihr Top vortastete und gar nicht mal unangenehm über die Schlüsselbeine strich, spürte Mari eine deutliche innere Grenze. Sie begann leicht zu zittern und wäre am liebsten aufgestanden, um die Situation sofort zu beenden. So schnell entstanden

in ihr Verknüpfungen, die alte Übergriffs-Situationen an triggerten.
Ihr Meister spürte ihre Anspannung, hielt in diesem Moment mit seinen Berührungen inne und fragte: „Mari, welche Farbe hat unsere Ampel?“ Als sie „Hellrot“ flüsterte, nahm er ruhig seine Hände dort weg, legte ihr eine Hand an ihre Stirn und die andere an den unteren Hinterkopf. Ihren heißen Kopf auf diese Weise in Joels Hände abgeben zu können, tat ihr sehr gut und ihr Stresspegel sank überraschend schnell. Als würde meine ganze Anspannung durch seine Hände abgeflossen sein – erinnerte sie sich. Danach hatte er das Spiel beendet, so dass sie in diesem angenehm entspannte Zustand hatte bleiben können.



Warum nur vergesse ich in solchen Momenten immer wieder die Möglichkeit, anhand der Ampel zu kommunizieren, wie es mir geht? fragte sie sich. Und gestern hatte er mich zu Beginn des Spieles sogar noch dran erinnert. Ich will künftig versuchen, das mehr im Auge zu behalten! Wie gut, dass er mich ein paar Mal von sich aus nach der aktuellen Ampelfarbe gefragt hat – das hätte sonst fast wieder zu einem Abbruch führen können, so wie neulich, als ich das Tuch bei unserem Blind-durch-den-Park-geh-Spiel abrupt abgerissen hatte. Doch auch danach war es dann wieder gut weiter gegangen, erinnerte sie sich dankbar.

Und wie schön war es gestern am Ende, als er mich umarmte, mir sagte, dass er sich gefreut habe, wie viel ich zulassen konnte, und dann ziemlich bald das Spiel beendete, und mich in Joels Armen zurück ließ… Mit ihm selbst, außerhalb der Meisterrolle fühlt es sich viel leichter und angenehmer an für mich!

Seltsam…, überlegte sie schon zum wiederholten Male, dass ich diese Spiele trotzdem auch immer wieder will…

Dieses Kapitel wurde gemeinsam geschrieben von Rafael und Miriam.

Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge

44. Eine Wanderung mit kleinen Schritten an der Grenze entlang

Mari geht spazieren

Gedankenversunken lief Mari durch den nahegelegenen Park, in dem sie inzwischen auch schon einige Male mit Joel spazieren gegangen war.

Ihre Gedanken wanderten zurück zum gestrigen Spiel mit dem Meister, den Joel wieder für sie dargestellt hatte. Diesmal fand sie einen Stuhl vor, der in der Mitte des Zimmers stand… Jedes Mal, wenn sie eine überraschende Anordnung der Möbel im Zimmer vor fand, rätselte sie, was das wohl für sie zu bedeuten haben möge. Bisher hatte sie es nie vorher rausfinden können.

Gestern sollte sie sich auf den Stuhl setzen, ihr wurden die Augen verbunden, und ihre Aufgabe bestand lediglich darin zu spüren. Na ja, klang erst mal nicht so schlimm… War eigentlich auch nicht wirklich „schlimm„, dachte sie jetzt im Nachhinein, schlimm nicht, aber ziemlich bewegend und herausfordernd…

Es war ein angenehmes Gefühl, als der Meister anfangs ihre Hand nahm und streichelte… Auch als er ganz langsam den Arm immer ein Stückchen aufwärts wanderte und wieder zurück kehrte zur Hand… Als er dann am Oberarm angelangt war und ein kleines Stückchen unter den Saum ihrer Ärmel wanderte, entstand ein spannendes Gefühlsgemisch, das sie in Aufregung versetzte. Mari dachte an diesen fortwährenden fast rhythmischen Wandel ihres Gefühlszustandes innerhalb der verschiedenen Berührungen… Irgendwann hatte sie die steigende Anspannung in diesen Wellen kaum noch aushalten können.
In solch einem Moment fragte Joel sie nach der Farbe ihrer Gefühlsampel.
Kann er Gedanken lesen? fragte sie sich gerade…“ rötliches Orange“, gab sie zur Antwort.

Eigentlich gut, dass er meine Körpersprache so gut wahrnehmen kann, aber irgendwie… auch seltsam, so durchschaubar zu seinDas ist, als würde es seine Macht verstärken, überlegte sie.
Er hatte freundlich geantwortet, er würde sich freuen, wenn er sie wieder auf „gelb“ zurück führen könnte, und hatte ihr erlaubt, einen Wunsch zu äußern.

Mari bewegte jetzt im Park beim Laufen unwillkürlich ihre Schultern, denn ihr Wunsch war eine Schulter- und Nackenmassage gewesen, denn sie hatte schon erlebt, wie gut es ihr tat, wenn Joel sie dort massiert hatte. Und so hatte die Erfüllung dieses Wunsches ihr auch gestern geholfen, wieder mehr entspannen zu können. Ihr war schließlich so warm geworden, dass sie ihn fragte, ob sie ihre kurzärmelige Jacke ausziehen könne.

Mari verzog ihren Mund zu einem verunglückten Grinsen in der Erinnerung daran, dass sie mit dieser Frage wieder die Regel verletzt hatte, nur absolut unvermeidbare Fragen zu stellen, um sich daran zu gewöhnen, auch Risiken einzugehen und zu vertrauen, dass nichts Schlimmes geschieht, wenn sie etwas anders machte, als er es gemeint hatte. Sie hätte die Jacke einfach ausziehen können, ohne zu fragen. Also ihr „Absichern wollen“ anhand von Fragen führte in diesen Spielen gerade dahin, wo sie nicht hin wollte, nämlich zur Verletzung dieser für sie so ungewohnten Nicht-Frage-Regel. Würde sie weniger Fragen stellen und sich einfach trauen, Dinge zu tun, wie sie ihr einfielen, würde sie die Regel weniger verletzen und sich damit nicht so oft auf Glatteis begeben. Wieder mal ein Paradoxon!

Ich frage, um nichts falsch zu machen und keine negative Sanktion zu bekommen und genau durch das Fragen erhalte ich sie.
Ich hätte gestern die Jacke einfach ausziehen sollen, ohne zu fragen, dann hätte ich auch keine Regel verletzt. So wollte ich vorher seine Zustimmung erhalten, um wie immer nichts falsch zu machen, und hab´s gerade damit wieder mal versemmelt.

Na ja, es war kein Verhängnis draus geworden – das war es ja eigentlich nie in den Sitzungen mit dem Meister! Aber es hatte sich durchaus unangenehm angefühlt, als er fragte: „Bereit für deine Strafe?“ Aber – und nun war Mari ein bisschen stolz auf sich – diesmal hatte sie gleich „Ja!“ gesagt, anders als in den Anlässen davor, in denen sie so starke Angst davor hatte, dass es ihr erstmal nicht so schnell möglich war, ihre Bereitschaft zu bekunden und sie mit allen Mitteln versucht hatte, das Blatt zu wenden, was ihr natürlich nie gelungen war. Doch wenn sie zurück dachte, war ihr Meister in der Auswahl seiner Sanktionen stets so achtsam gewesen, dass dadurch nie eine Angst verstärkt oder neu entstanden war – im Gegenteil, zurück blieb immer eine Erleichterung, erstens es geschafft zu haben und zweitens, dass es nie wirklich schlimm war.

So auch gestern: Nachdem sie diesmal, ohne lange zu zögern und zu diskutieren „Ja, ich bin bereit“ gesagt hatte, sollte sie ihm in die Augen schauen und ihm sagen: „Ich will meine Bereitschaft vertiefen, bei dir Risiken einzugehen.“ Allerdings nur dann, wenn sie dazu wirklich ja sagen könne, ansonsten würde er sich eine andere Sanktion einfallen lassen.
Und Mari bekundete diese Bereitschaft gerne. Sie wünschte es sich ja tatsächlich, mutiger, spontaner und risikobereiter zu sein.
Dankbar dachte Mari: Ich merke immer wieder, dass ich ihm vertrauen kann und er es mir so leicht macht, wie es im Rahmen dieser doch herausfordernden Machtspiel-Situationen möglich ist.

Nachdem diese Klippe umschifft war, wendete er sich wieder ihren Schultern zu und massierte sie bis in den Nacken hinein. War das gut… ! Sie fühlte jetzt noch das wunderbare Gefühl, wie sich ihre Anspannung wieder langsam gelöst hatte.

Doch als er sich dann langsam unter ihr Top vortastete und gar nicht mal unangenehm über die Schlüsselbeine strich, spürte Mari eine deutliche innere Grenze. Sie begann leicht zu zittern und wäre am liebsten aufgestanden, um die Situation sofort zu beenden. So schnell entstanden in ihr Verknüpfungen, die alte Übergriffs-Situationen an triggerten.
Ihr Meister spürte ihre Anspannung, hielt in diesem Moment mit seinen Berührungen inne und fragte: „Mari, welche Farbe hat unsere Ampel?“
Als sie „Hellrot“ flüsterte, nahm er ruhig seine Hände dort weg, legte ihr eine Hand an ihre Stirn und die andere an den unteren Hinterkopf. Ihren heißen Kopf auf diese Weise in Joels Hände abgeben zu können, tat ihr sehr gut und ihr Stresspegel sank überraschend schnell. Als würde meine ganze Anspannung durch seine Hände abgeflossen sein – erinnerte sie sich. Danach hatte er das Spiel beendet, so dass sie in diesem angenehm entspannte Zustand hatte bleiben können.



Warum nur vergesse ich in solchen Momenten immer wieder die Möglichkeit, anhand der Ampel zu kommunizieren, wie es mir geht? fragte sie sich. Und gestern hatte er mich zu Beginn des Spieles sogar noch dran erinnert. Ich will künftig versuchen, das mehr im Auge zu behalten! Wie gut, dass er mich ein paar Mal von sich aus nach der aktuellen Ampelfarbe gefragt hat – das hätte sonst fast wieder zu einem Abbruch führen können, so wie neulich, als ich das Tuch bei unserem Blind-durch-den-Park-geh-Spiel abrupt abgerissen hatte. Doch auch danach war es dann wieder gut weiter gegangen, erinnerte sie sich dankbar.

Und wie schön war es gestern am Ende, als er mich umarmte, mir sagte, dass er sich gefreut habe, wie viel ich zulassen konnte, und dann ziemlich bald das Spiel beendete, und mich in Joels Armen zurück ließ… Mit ihm selbst, außerhalb der Meisterrolle fühlt es sich viel leichter und angenehmer an für mich!

Seltsam…, überlegte sie schon zum wiederholten Male, dass ich diese Spiele trotzdem auch immer wieder will…

Dieses Kapitel wurde gemeinsam geschrieben von Rafael und Miriam.

Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge

36. Wie durch eine besondere Art des Strafens Vertrauen wachsen kann

Bei Mari – Mari entscheidet, sich fallen zu lassen

„Das Spiel beginnt.“ Wie immer kam der Start für Mari überraschend und sie zuckte etwas zusammen.

Joel, der in ihren Spielen die Rolle des Meisters für sie übernommen hatte, stellte sich vor sie, lächelte sie an und fragte: „Na, bereit?“

Mari stimmte zu: „Ja, Meister!“

Er stellte zwei Stühle gegenüber, setzte sich auf einen und wies Mari an, auf dem gegenüberstehenden Stuhl Platz zu nehmen. 
Zunächst sagte er nichts, saß einfach nur entspannt auf seinem Stuhl und sah Mari in die Augen.

Sie fühlte sich unbehaglich, nahm sich aber vor, jetzt keine Frage zu stellen. Ihr Meister nickte ihr leicht zu.

Deine Aufgabe heute: Du wirst deine Hände gleich in meine legen und die Augen schließen. Und du wirst sie so lange geschlossen halten, wie du es für richtig hältst.“  Joel legte seine Unterarme auf seine Beine, die Handflächen zeigten offen nach oben.

Marie musste dazu mit ihrem Stuhl ein bisschen näher heranrücken. Sie legte ihre Hände, die ein bisschen zitterten, in seine. O jeh, wie unsicher fühlte sie sich wieder… Joel sagte nichts.
Ob er noch etwas dazu sagen will, überlegte sie nervös. Ich weiß ja noch gar nicht, was der Indikator dafür sein soll, um die Augen dann wieder zu öffen…

„Soll ich die Augen jetzt gleich schließen?“ fragte sie unsicher

Seine Hände nahmen die ihren wortlos ganz sanft auf. Für einen Moment spürte sie, wie angenehm es war, als fände sie einen Halt in seinen Händen.

Leise war seine Stimme, als er bemerkte: „Mari, hast du mir gerade eine Frage gestellt?“

Während er dies sagte, wollte sie noch wissen: „Woher weiß ich denn, wann ich die Augen wieder aufmachen soll?“

„Und gleich noch eine Frage?“

Entschuldige bitte, Meister, ja es stimmt: Ich habe zwei Fragen gestellt, und es tut mir leid! Ich kann das nicht begreifen, ich nehme mir so oft vor, es nicht zu tun, und wenn ich unsicher bin, rutschen sie einfach raus…“

„Mari, du hast die Regel gebrochen. Das ist nicht schlimm, allerdings werde ich dir nun wie besprochen eine Strafe dafür geben.“

Maries Atem ging schneller, ihr Herz klopfte heftig, sie schluckte und sagte: „Ja, ich weiß, so hattest du es letztens angekündigt.“

„Erinnerst du dich noch, was ich dir dazu erklärt habe? Das könnte dir jetzt helfen.“

„Die Strafe, die du mir gibst, hat einen guten Sinn für mich, hast du gesagt. Und dass ich mich danach besser fühlen würde, weil sie als Ausgleich dienen würde und ich mich nicht nach Regelverstößen noch lange so unwohl fühlen müsste wie ich es in meiner Kindheit erlebt habe und noch immer mit mir rumtrage als Muster.“

„Das hast du dir ja gut gemerkt und wunderbar auf den Punkt gebracht“, lobte sie Joel als ihr Meister. Du kannst dir es so vorstellen, dass der Fehler damit regelrecht ausradiert ist, als hätte er nie stattgefunden. Dann brauchst du anschließend auch nicht mehr darüber nachdenken und dich damit belasten. Es wirkt wie eine Art „Reinigungsritual“, lächelte er.
Also, Mari, bist du bereit, deine Strafe anzunehmen?“

„Ja, Meister“ stimmte Mari leise zu.

„Das freut mich sehr! Komm steh auf, und tritt einen Schritt zu Seite.“

Mari brach der Schweiß aus, sie zitterte am ganzen Körper, stand aber dennoch entschlossen, es jetzt gut zu machen, auf und trat nach links neben den Stuhl. Joel ging um sie herum und stellte sich hinter sie.
„Mari, dein Drang, alles zu hinterfragen, zeigt, dass du unsicher bist, was ich tun könnte oder was geschehen könnte, wenn du etwas vermeintlich falsch machst… Als Ausgleich möchte ich, dass du mir durch eine kleine Handlung etwas Vertrauen schenkst. Ich weiß, du kannst Vertrauen nicht so leicht fühlen. Das lässt sich auch nicht erzwingen. Aber du kannst etwas tun, um deinen Körperzellen durch eine Erfahrung zu vermitteln, dass dir hier mit mir nichts Schlimmes geschieht.  Und damit machst du auch mir ein Vertrauensgeschenk. Bist du bereit das zu tun, Mari?“

Was sollte sie jetzt tun? Was würde er von ihr verlangen? Obwohl ihr mulmig zumute war, stellte sie diese Fragen nicht. Er würde sie ohnehin nicht beantworten.

„Nun, Mari, bist du bereit, den Ausgleich zu leisten?“

„Ja“, flüsterte sie.

„Formuliere das bitte in einem ganzen Satz. Was möchtest du, Mari?“

„Ich möchte meine beiden Fragen von vorhin, die ich nicht hätte stellen sollen, ausgleichen, Meister… Ich bin bereit dazu.“

Die zwei Sekunden bis sie eine Antwort von ihm bekam, zogen sich für sie zu einer langen Zeit hin. Heiße Wellen flossen durch ihren Körper aufwärts in ihren Kopf hinein.

„Das ist gut Mari! Jetzt stell dich gerade und aufrecht hin. Steh möglichst gerade.“

Oje, noch eine Kritik, dachte Marie. Diese zwei Worte „Steh gerade!“ hatte ihre Oma auch immer zu ihr gesagt – und gerade dann, wenn sie Angst hatte, war das unwillkürlich anders. Sie straffte die Schultern und versuchte, eine aufrechte Haltung einzunehmen und ihr Zittern zu verbergen.

Das machst du sehr gut Mari. Ich weiß du kannst das! Du schaffst das! Und danach wird es dir viel besser gehen – so als hätte es die Fehler nie gegeben.“

Seine freundlichen Worte taten ihr gut, sie milderten ihre Angst allerdings nur ein wenig – aber immerhin, es wurde erträglicher in ihr.

„Du wirst dich jetzt gleich nach hinten kippen lassen. Ich werde dich ganz sicher auffangen. Indem du dich fallen lässt, gerade auch mit aller Angst, die vielleicht jetzt da ist, schenkst du mir ein großes Stück Vertrauen, Mari. Du darfst ganz sicher sein, dass ich dich auffange. So, nun zeig mir, dass du mir vertraust. Lass dich nach hinten fallen. Hast du verstanden?“

„Ja, Meister ich habe das verstanden.“ Am liebsten würde sie sich jetzt umdrehen und schauen,  wie weit er von ihr entfernt steht, aber sie vermutete ganz richtig, dass sie das nicht sollte.

Mari brauchte noch etwas Zeit, um sich zu überwinden. Geduldig wartete Joel hinter ihr. 
Schließlich nahm sie ihren ganzen Mut zusammen. Okay, jetzt! sagte sie in Gedanken zu sich selbst und entschied, sich fallen zu lassen.

Ihr Körper beginnt ganz leicht zu kippen, doch fast noch bevor sie wirklich fallen konnte, waren bereits die Hände an ihren Schultern und stützen sie.

Sehr gut Mari. Das hast du sehr, sehr gut gemacht. Du hast dich fallen lassen, du HAST vertraut!“
Diese freundlichen, wertschätzenden Worte und die Erleichterung, es nun geschafft zu haben, berührten Mari so, dass ihr die Tränen kamen, als sich die Anspannung löste. Joel ging ohne sie loszulassen um sie herum, nahm sie sanft in seine Arme und gab ihr den Halt, den sie jetzt so dringend brauchte.

„Ich will dir doch so gern vertrauen, und dennoch fällt es mir so schwer. Jetzt habe ich es aber für diesmal geschafft!“ Da schwang nun auch eine kleine Freude mit in ihrer Stimme.

„Und wie du es geschafft hast! Ich bin stolz auf dich! Je größer die Angst, desto stärker der Mut! Und natürlich hattest du Angst, denn es war eine unsichere Situation, aber du hast dich entschieden, mir zu vertrauen – und das zählt!“

„Danke, dass du mich nicht so weit hast fallen lassen!“

„Es ging nicht darum, dass du tief fällst, sondern nur darum, ob du das Vertrauen zeigst, und das hast du getan. Du hast heute einen großen und wertvollen Schritt getan.“

Noch immer hielt er Mari in seinen Armen. Ihr Körper wurde weicher und begann sich in die Umarmung hinein zu entspannen.  Erleichtert atmete sie tiefer ein und aus. Sie hatte es geschafft! Es war überstanden! Und sie fühlte sich gut!
Wieder ging ein sehr tiefer Atemzug durch Mari, und sie spürte dankbar, dass sie sich gerade wirklich sicher bei ihm fühlte.

Als sie sich aus seinen Armen löste, fragte er sie: „Und… heute noch bereit, deine Aufgabe von vorhin zu auszuführen?“

„Ja, Meister, ich bin bereit.“

Dieses Kapitel wurde gemeinsam geschrieben von Rafael und Miriam.

Diese Aufgabe folgt im nächsten Kapitel –> 37. Hände verschmelzen – Umarmung genießen

Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge