56. Ein Ritual zum Jahreswechsel mit den vier Elementen

Mit Joel unterwegs zu einem Jahreswechsel-Vertrauensritual

Mari saß mit Joel, im Auto – unterwegs zu einem ihr unbekannten Ziel. Sie wusste nur, dass sie zum Haus eines Freundes fahren würden und er sie dort durch ein Ritual führen wollte, in dem sie 4 Wünsche stärken und 4 Ängste mit heilenden Kräften verbinden lassen konnte, um damit gut ausgerüstet auf diese besondere Weise gestärkt ins neue Jahr zu gehen. Ihr größter Wunsch und die Kraft, die alles miteinander verband – ja eigentlich das Thema ihres gemeinsamen Weges: VERTRAUEN sollte hierbei eine wesentliche Rolle spielen. Deshalb sollte sie sich auf dieser Fahrt ganz auf ihn verlassen und bekam eine Augenbinde, um das noch tiefer fühlen zu können.

Nachdem sie sich etwas an die Tatsache gewöhnt hatte, nichts sehen zu können, war sie im Auto eingeschlafen. Es war gegen Mittag, als sie am Zielort ankamen. Just als das Auto zum Stehen kam, erwachte sie, bewegte ihre etwas steif gewordenen Arme und Beine und fragte: „Sind wir angekommen?“
„Ja“, bestätigte Joel und half ihr mit den noch immer verbundenen Augen auszusteigen.
Er stellte sich hinter sie, nahm ihr vorsichtig die Maske ab und sagte fürsorglich zu ihr: „So, vielleicht lässt du die Augen erst noch zu, und öffnest sie ganz langsam, damit es dich nicht blendet.“
Sie standen vor einem schönen Landhäuschen inmitten eines großen Gartens.
Und obwohl sie die Augen langsam öffnete, spürte sie das gar nicht mal so helle Licht als starken Reiz.
„Ganz in Ruhe“, empfahl Joel, „und viel blinzeln, damit sich die Augen langsam an das Licht gewöhnen.“
„Ja, es blendet tatsächlich etwas, aber wird schon besser“, stellte sie fest.

Joel nahm das Gepäck, und sie gingen hinein. Während er sie im Haus herum führte, fragte er: „Gefällt es dir?“
„Ja, es ist schön hier“, antwortet sie beeindruckt von dem ansprechenden Stil der Einrichtung.

Ihr Magen knurrte unüberhörbar. Joel lachte und meinte: „Das war eine deutliche Botschaft! Ich gehe jetzt in die Küche und zaubere uns etwas zu essen, und du kannst dir in der Zeit den Garten anschauen.“
„Ich kann dir auch gerne in der Küche zur Hand gehen“, bot Mari an.
„Nein“, lehnte er ab, „entspann dich etwas… und während du durch den Garten gehst, möchte dir noch eine Aufgabe geben. Hast du wie besprochen vier Zettel beschrieben mit je einem Wunsch und einer Angst?“
„Ja, ich habe meine Hausaufgaben gemacht“, antwortete sie lächelnd, schon gespannt, was damit geschehen sollte.
„Du wird nachher jeden Zettel einem Element übergeben“ erklärte er ihr, „und ich möchte, dass du dich jetzt schon im Garten entscheidest, welchem Element du welchen Wunsch zuordnen magst.“

Mit dieser Aufgabe zog Mari in den Garten und sah sich dort um, während Joel zu kochen begann. Er hatte schon viel vorbereitet, so dass es nicht lange dauerte. Als alles bereit war und er auch den Tisch schön gedeckt hatte, war er zufrieden und setzte sich ruhig hin, um auf Mari zu warten und sich auch etwas zu entspannen.

Mari war erstaunt über die Größe des Gartens, den sie erkundete, während sie über die Fragestellung nachdachte, welchen Zettel sie welchem Element zuordnen wollte. Als sie ihre Entscheidungen getroffen hatte, kam sie zurück in die Küche. Er lächelte sie an und führt sie direkt an den Tisch. „Na, bereit zum Essen?“
„Ja, gerne“, freute sie sich.
Und dann tischte er auf: Es gab gebackenen Kürbis, mit Aubergine und frischen gemischten Salat.
„Guten Appetit, Mari“, wünschte er, „lass es dir schmecken!“
Anschließend räumt er ab. Sie wollte dabei helfen, doch er winkte ab und sagte: „Während ich abräume , lass du dir jetzt bitte ein Symbol einfallen, das für dich alle vier Wünsche miteinander verbindet und zeichne es auf diese weiße Blatt hier.“
Das fiel Mari nicht schwer, und eifrig machte sie sich ans Werk.
Als sie fertig war, meinte er: „So, dann wäre jetzt die Zeit für das Ritual, bist du bereit?
„Ja, okay,“ erwiderte sie aufgeregt, „ich bin bereit.“

Das Ritual besteht aus fünf Schritten, erklärte er ihr. „Schritt Eins: Du wirst jetzt einen deiner Zettel einem Natur-Element übergeben. Mit welchem Element möchtest du anfangen?“
„Mit der Erde“, antworte sie.
„Okay, gib mir deine Hand“, sagte er und stand auf. Sie legte ihre Hand in seine, und er nahm sie mit hinaus in den Garten. An einer Stelle war ein Loch gegraben, und daneben stand ein kleiner, noch nicht gepflanzter Baum. Gespannt ging sie neben ihm her.
„Ich möchte, dass du deinen ersten Wunsch hier der Erde übergibst und den kleinen Baum darauf pflanzt. Genauso wie dieser Baum wachsen und stärker werden wird und so wird es auch dein Wunsch. “
Sie nahm den roten Zettel und fragte: „Soll ich das Blatt als ganzes jetzt in dieses Loch legen oder soll ich ihn vorher ein Schnipsel zerreißen?“
Er lächelte: „Mach es so wie du es möchtest. Die Erde wird ihn sich so oder so nehmen.“
Sie ging zu dem Loch, riss den Zettel langsam in kleine Schnipsel, dachte dabei noch einmal an ihren Wunsch, für den sie sich mehr Kraft erbat und an die Angst, die sie lösen wollte. Dabei streute sie die Schnipsel in das Loch. Dann gab er ihr den Baum in die Hände. Sie stellte ihn in das Loch auf die roten Schnipsel und schob mit ihren Händen andächtig die darum liegende Erde in das Loch und klopfte sie fest. Ganz berührt war sie von dieser Tätigkeit. Noch nie in ihrem Leben hat sie selbst einen Baum gepflanzt. Joel half noch etwas mit, warf noch mehr Erde an den Rand und drückte alles noch einmal fest.
„So hat dein erster Wunsch doch eine gute Ausgangsposition“, sagte er.
„Oh danke!“ rief Mari ganz bewegt. „Das ist etwas ganz besonderes für mich!“
„Das freut mich“, lächelte Joel. „Vertraue darauf, Mari, dass die Kräfte der Erde deine Angst zu sich nehmen und sie im Schoß von Mutter Erde Trost und Mut erhält, und dein  Wunsch wird dort Energie bekommen!“ bekräftigte Joel.

„Nun, welches Element, magst du als nächstes auswählen?“
„Die Luft.“
„Okay!“ Er nahm ihre Hand und führte sie zu einem kleinen Schuppen, der etwas weiter hinten im Garten stand. Sie wartete draußen, während er hinein ging, wohl um etwas zu holen… Gespannt sah sie ihm entgegen, als er mit einer kleinen Gasflasche und einer Schnur wieder hinaus kam.
„Falte bitte deinen Wunsch und befestige das Band daran“, wies er sie an. Mari tat das,
wickelte die Schnur fest herum und verknotete sie.
Joel zog einen Luftballon heraus und füllt diesen mit Helium aus der kleinen Gasflasche.
Erstaunt und erfreut über diese wunderbare Idee, lächelte Mari. Der Luftballon erinnert sie an ihre Kindheit, und diese hatte durchaus mit der Angst und dem Wunsch zu tun, den sie für das Element Luft ausgewählt hatte.
„So, Mari, und jetzt befestigst du die Schnur mit dem Wunsch an dem Ballon.“ Er hielt den Ballon so lange sicher fest, bis ihr Wunsch daran baumelte und gab ihn ihr dann in die Hand.
„Gut, und nun kannst du deinen Wunsch und die Angst, die damit zusammenhängt, der Luft überlassen.“
Sie hielt den Luftballon mit dem Zettel noch einen Moment in ihrer Hand, ließ ihn dann fliegen und schaute ihm hinterher, wie er in den Himmel aufsteigt. „Himmlische Kräfte werden sich darum kümmern“, flüsterte sie leise.
„Wunsch Nummer zwei“, sagte Joel und schaute mit ihr noch ein Weilchen dem Ballon nach.
Es war ein schönes Gefühl für Mari, mit Joel gemeinsam dem immer höher steigenden Ballon zuzusehen.
„Vertraue darauf, Mari, dass die Kräfte der Luft deine Angst mit sich in den Himmel tragen und dass sie deinen Wunsch der Erfüllung zu tragen werden!“ sagte Joel.

Schließlich ging es weiter. „Was ist das nächste Element?“ fragte er.
„Wasser.“
„Okay!“ Wieder nahm er ihre Hand und sie gingen an den Rand des Gartens, wo ein kleiner Bach floss.
„Weißt du, wie man ein Boot aus dem Blatt faltet?“ fragte Joel.
„Oh ja“, antwortete sie, „das weiß ich! Soll ich das gleich tun?“
„Ja, bitte“, nickte er.
Geschickt faltete sie aus dem grünen Zettel ein Boot.
„Das ist dir gut gelungen, ein schönes Boot…“, meinte er, „und jetzt setze es auf das Wasser und lass es fahren. Ich halte dich an der Hand fest dabei.“
Da der Boden ziemlich uneben und ein wenig abschüssig war, fühlte es sich gut an, dass er ihr auf diese Weise Halt gab. Mit der anderen Hand setze sie ihr Boot ganz andächtig ins Wasser. Der Bach plätscherte sanft und nahm das Boot, das den Wunsch und die ihn bremsende Angst trug, ruhig mit sich.
Mari kamen ein wenig die Tränen, als sie das kleine Bötchen davon gleiten sah. Es war so ein sanftes Wegtreiben des kleinen Bootes mit dem Wunsch und der Angst an Bord… „Das ist wunderschön, sie so sacht wegfließen zu sehen“, sagte sie leise.
„Ja, vertraue darauf, dass die Kräfte des Wassers deine Angst weg schwemmen und deinem Wunsch Energie zufließen lassen, Mari!“ bekräftigte Joel.

„Fehlt noch das Feuer“, meinte er schließlich und führte sie zurück ins Haus an den brennenden Kamin im Wohnzimmer.
„Du kannst nun den vierten Zettel zusammen knüllen und ihn den Flammen übergeben.“
Mari dachte an den auf dem Blatt notierten Wunsch und die Angst, die seine Erfüllung noch ein Stück weit blockierte, und warf den Zettel schließlich ins Feuer.
Dort schien er sich fast zu entfalten, bevor er sich in den Flammen auflöste.

Gebannt beobachtete Mari dieses Schauspiel. „Es sieht so aus, als hätte das Blatt Papier ein Eigenleben und will sich noch einmal aufbäumen ehe es verbrennt“, meinte sie nachdenklich. Auf diesem Papier steht eine sehr alte Angst, die sich immer mal wieder aufbäumte und heftig bemerkbar machte bisher“, erzählte sie Joel.
Und er sagte dazu: „Vertraue darauf, Mari, dass die Kräfte des Feuers deine Angst in Licht verwandeln und deinen Wunsch stärken werden!

Die Kräfte von Feuer, Erde, Luft und Wasser sind nun deine Helfer und Verbündeten auf dem Weg zur Erfüllung

…Tja – und ein Schritt kommt noch.“Elemente

Mari schaute ihn fragend an.

„Wir werden jetzt erst einmal eine Pause machen und uns Tee und Kuchen gönnen, bevor ich dich durch den letzten Schritt dieses Rituals führe“, lächelte er, legte Mari den Arm um die Schulter und ging mit ihr in die Küche.

Der letzte Schritt des Rituals folgt 

Geschrieben von Rafael und Miriam

Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge

01e Eine utopische Heilungsreise: Bange Fragen und eine leise Stimme tief innen

Bei Mari – der Meister erzählt Mari innerhalb ihres Rollenspiels ein utopisches Märchen, eine Fortsetzungsgeschichte von wohlwollenden außerirdischen Meistern zum Thema „Macht – Angst – Vertrauen – Hingabe

Joel (der die Meisterrolle inne hatte innerhalb des gemeinsamen Rollenspiels mit Mari) hatte sich für die bald beginnende Vorweihnachtszeit eine Märchengeschichte ausgedacht, die in einer fiktiven Zukunft angesiedelt war und um eine Heilungsreise in einem Raumschiff mit außerirdischen Meistern gehen würde. Auch heute erzählte er das bereits begonnene Märchen ein Stück weiter: „Am Morgen des zweiten Tages, den Carina noch im Haus ihres Ausbilders, Meister Ramon, verbringt, bekommt sie von ihm beim Frühstück ein kleines schönes Adventsgesteck und einen zauberhaften Adventskalender. Überrascht bedankt sie sich für diese besondere freundliche Geste, die tief in ihrem Innern etwas zum Klingen bringt, und trägt es nachdenklich in das behagliche Gästezimmer, das sie in dieser Zeit beherbergt. Nach dem Frühstück machen beide einen Spaziergang durch die phantastisch schöne Schneelandschaft. Als Carina schließlich am Mittagstisch sitzt und einen leckeren Auflauf von ihrem Meister serviert bekommt, fühlt sie sich wieder wie in einem Traum. Wann wird sie wohl erwachen? Und wie wird dieses Erwachen aussehen? Oder wird sich doch noch alles in einen gefürchteten Alptraum verwandeln? Was wird wohl der Preis für all diese Freundlichkeit sein? Wann und wie wird sie bezahlen müssen? All diese Gedanken schießen ihr durch den Kopf.

Nach dem Mittagessen zieht sie sich zum Ausruhen in ihr Zimmer zurück. Gedankenverloren schaut sie auf ihren Adventskalender. Ein wunderschöner Engel hängt an der Wand über ihrem Bett. An diesem Engel befinden sich 24 bunte Papierröllchen. Carina denkt:

‘Noch zwei Tage und dann beginnt die Vorweihnachtszeit. Sonst freue ich mich immer so darauf: Weihnachtslieder… Kerzenlicht… Tannengrün… Plätzchenduft…und die kleinen Überraschungen im Freundeskreis…

Wie wird diese Zeit wohl diesmal sein? Lange werden wir wahrscheinlich nicht mehr hier in seinem Haus sein, dann beginnt diese Ausbildungsreise in dem Raumschiff. O je, zwischen lauter fremden Menschen, in einem kalten Raumschiff, weit weg von der Erde, fremden Mächten ausgeliefert… Wie kann ich nur mit diesen heftigen Ängste umgehen, damit sie mich nicht so fertig machen…?’

Und in ihr flüsterte eine Stimme, ganz sanft und leise:

„Sprich mit ihm – am besten noch vor der Reise –

und immer wieder, wenn du bangst,

und es schwer aushalten kannst mit deiner Angst.`

Morgen wird die Geschichte fortgesetzt und läuft voraussichtlich bis Weihnachten Hier geht es zu allen bisher erschienenen Kapitel zu dieser Geschichte, die Joel Mari in der Advents- und Weihnachtszeit erzählt –> Eine utopische Heilungsreise (Märchen)

01c Eine utopische Heilungsreise: Unerwartetes Verständnis

Bei Mari – der Meister erzählt Mari innerhalb ihres Rollenspiels ein utopisches Märchen, eine Fortsetzungsgeschichte von wohlwollenden außerirdischen Meistern zum Thema „Macht – Angst – Vertrauen – Hingabe“

Joel (der die Meisterrolle inne hatte innerhalb des gemeinsamen Rollenspiels mit Mari) hatte sich für die bald beginnende Vorweihnachtszeit eine Märchengeschichte ausgedacht, die in einer fiktiven Zukunft angesiedelt war und von einer Heilungsreise in einem Raumschiff mit außerirdischen Meistern handelte. Nachdem Mari sich auf ihrer behaglichen Couch in seinen einladend geöffneten Arm gelehnt hatte, erzählte er das bereits in den letzten Tagen begonnene Märchen weiter:

„Nach Carinas missglückter Flucht vor den außerirdischen Meistern, bei denen sie – wie alle Menschen in dieser Phase der Machtübernahme – eine Ausbildungsreise antreten sollte, wurde sie an Bord des für sie zuständigen Raumschiffes gebracht, auf dem ihre Ausbildungsreise stattfinden sollte. Als sie an Bord des Meisterschiffes war, zitterte sie am ganzen Körper und die Gedanken an die Gerüchte über die Außerirdischen, die zwar Menschengestalt angenommen hatten, aber ungeahnte Fähigkeiten und dadurch große Macht über die Menschen hatten, schnürten ihr die Kehle zu. In ihrer Panik konnte sie kein Wort herausbringen. Immerhin hatte sie ihre Lage durch diese ganze Fluchtaktion verschlimmert und rechnete nun mit harter Strafe und gnadenlosem Vorgehen dieser Meister.

Sie ließ in angstvoller Starre den Dingen ihren Lauf. Was würden diese Männer nun mit ihr machen?

Bald kam ihr Ausbilder, der sich als „Meister Ramon“ vorstellte, in Begleitung des Kommandanten ihres zuständigen Ausbildungsraumschiffes, „Meister René“, zu ihr. Die beiden spürten schnell, dass Carina zu diesem Zeitpunkt unfähig war zu einem Gespräch. Verständnisvoll und mitfühlend schauten sie Carina an, die die Wärme ihrer Augen jedoch – gefangen in ihrer Angst – nicht wahrnehmen konnte. Im Gegenteil, in ihr zog sich alles noch mehr zusammen in diesen bangen Schweigeminuten, die ihr wie eine Ewigkeit erschienen.
Endlich brach Meister René das Schweigen: ”Du hast große Angst, nicht wahr, Carina?”
Sie konnte nichts sagen.
“Du musst jetzt nichts antworten. Ich glaube…”, und damit wandte er sich seinem Kollegen zu, “deine Schülerin braucht noch eine Zeit der Vorbereitung, Ramon, was meinst du?”
Ramon nickte zustimmend. Wieder zu Carina gewandt sagte René: “Du wirst jetzt einige Tage Vorbereitungszeit noch auf der Erde haben, zusammen mit deinem Meister. Und dann sehen wir uns wieder hier in meinem Raumschiff. Nur Mut, Carina! Bis bald.”

Ohne zu verstehen, was nun geschehen sollte, stand Carina wie ein kleines Häufchen Unglück ihrem Ausbilder gegenüber und wagte nicht, ihn anzuschauen. Der kam langsam näher, legte ihr sehr sanft eine Hand auf die Schultern und erklärte ihr: “Wir werden jetzt zur Erde zurückkehren und dort ein paar Tage in meinem Haus zusammen verbringen. Da haben wir Zeit, uns in Ruhe kennenzulernen, und du kannst dich ein bisschen an mich gewöhnen. Ich nehme an, auf deinem Heimatplaneten wirst du dich zunächst etwas sicherer mit mir fühlen, als auf unserem Raumschiff, vor dem du ja anscheinend große Angst hast.”

Völlig verwirrt und überrascht von dem unerwarteten Verständnis schaute Carina ihren Ausbilder kurz an. Der fing ihren Blick auf und nickte ihr lächelnd zu. “Pass auf, Carina, es wird alles ganz anders, als du jetzt noch glaubst.”

Morgen wird die Geschichte fortgesetzt und läuft voraussichtlich bis Weihnachten

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01b Eine utopische Heilungsreise: Flucht und Entdeckung – Katastrophe oder Rettung?

Bei Mari – Ein Märchen beginnt: der Meister erzählt Mari innerhalb ihres Rollenspiels eine Fortsetzungsgeschichte zum Thema „Macht – Angst – Vertrauen – Hingabe“

In ihrem letzten Spiel hatte Joel in seiner Rolle als Meister Mari für die bald beginnende Vorweihnachtszeit eine Märchengeschichte angekündigt und ihr erzählt, dass es in einer fiktiven Zukunft angesiedelt ist und um eine Heilungsreise in einem Raumschiff mit außerirdischen Meistern gehen würde. Gespannt hatte sie gelauscht, was er ihr bereits über die Rahmenhandlung des Märchens erzählt hatte. Nachdem Mari sich auf ihrer behaglichen Couch in seinen einladend geöffneten Arm gelehnt hatte, begann er heute in den Beginn des Märchens einzusteigen:

„Wir sind im Jahre Später-ist-heute-jetzt-und-eins:  Völlig verwirrt und erschöpft liegt die junge Frau Carina in dem behaglichen Gästezimmer im Hause ihres von ihr bislang so gefürchteten Ausbilders, der sich als „Meister Ramon“ vorgestellt hatte.

Sie kann noch nicht fassen, was ihr in den letzten Tagen und Stunden passiert ist. Die Bilder ziehen unruhig vor ihrem inneren Auge vorbei:

Nach einer abenteuerlichen Flucht, für die sie sich Hals über Kopf entschieden hatte aufgrund ihrer Angst vor der umstrittenen „Ausbildungsreise“ im Raumschiff von außerirdischen Meistern, war sie gefasst worden und genau an den Ort gebracht worden, den sie so fürchtete: ins Raumschiff dieser Außerirdischen, die zwar von sich sagten, dass sie den Menschen helfen wollten, mehr Bewusstheit, Liebe und Frieden zu entwickeln, was aber Gerüchten zu Folge nicht so war. 

Nach dieser Flucht, die einer Odyssee glich, und all dem, was geschehen war, hatte sie mit Verurteilung und harten Sanktionen gerechnet, als sie in deren Raumschiff angekommen war, und sie hatte heftige Panik vor dem, was nun kommen würde. Und was dann kam, war völlig seltsam…

Sie dachte noch weiter zurück: Als sie sich noch am Morgen dieses Tages an Bord eines Flugzeuges befunden hatte, das von radikalen Gegnern der Außerirdischen geführt wurde, hätte sie sich nicht träumen lassen, dass sie so schnell gefasst werden und in jenes gefürchtete Raumschiff gebracht werden würde und dann… nachdem sie bereits dort war, abends mit ihrem Ausbilder wieder auf die Erde zurück käme, um mit ihm dort erstmal einige Tage Zeit haben sollte, um mit ihm etwas vertraut zu werden. Und sie musste zugeben… er hatte sie bis jetzt gar nicht mal unfreundlich, ja eigentlich durchaus freundlich behandelt.

Sie dachte nach: So sehr hatte sie sich vor der bevorstehenden Ausbildungsreise an Bord der außerirdischen Meister gefürchtet, dass sie – ohne klar denken und das alles auch nur in etwa überschauen zu können – bereit war, sich von ihrer Heimat wegbringen zu lassen an einen entfernten Ort in der Wüste, an dem angeblich aufgrund eines bestimmten Magnetfeldes keiner der flüchtigen Menschen gefunden werden könne. Sie war dort mit anderen Flüchtlingen in einer völlig ungeklärten Situation, hatte Hunger und wusste nicht, wie es dort werden würde und wie es mit der Versorgung der notwendigsten Bedürfnisse funktionieren würde. ‘Aber’, so hatte sie gedacht, ‘das ist immerhin besser, als einem oder mehreren – sogar außerirdischen (!), völlig unberechenbaren Männern – für unbestimmte Zeit ausgeliefert zu sein.’ 

Carina hatte Angst vor Männern. In ihrer Gegenwart fühlte sie sich stets unwohl, beklommen, und unsicher. Deshalb hatte sie bisher stets deren Kontakt gemieden. Körpernähe und Erotik erschienen ihr wie ein Alptraum. Und sie hatte gehört, dass diese seltsamen Ausbildungen, die die Meister nach ihrer Machtübernahme auf der Erde für die Menschen obligatorisch veranstalteten, alle Ebenen des Menschseins beinhalten würden: Geist, Seele und eben auch den Körper. Das war der ausschlaggebende Faktor gewesen, der sie zur Flucht bewogen hatte.

Dass die Meister sie so bald finden würden, dass deren Raumschiff an ihrem Versteck in der Wüste landen würde, dass die Fluchthelfer, die sich nur zu bald als wenig vertrauenswürdig erwiesen hatten, es sogar zu Gewalthandlungen kommen lassen würden, und dass sie schließlich von den Meistern ruckzuck an Bord genommen werden würde, damit hatte Carina nicht gerechnet.

Und nun liegt sie hier im Gästezimmer ihres Ausbilders Ramon, der wie einige andere seiner Art  auch, schon seit einiger Zeit zwischen den Menschen lebte und ihnen mit Rat und Tat zur Seite stand,  ohne dass er sich als Außerirdischer zu erkennen gegeben hatte.“

Morgen wird die Geschichte fortgesetzt und läuft voraussichtlich bis Weihnachten

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40. Nach der großen Wut – 4 Fragen

Bei Joel – Gedanken und Überzeugungen werden sortiert und neu geordnet

Nach einem großen Missverständnis, das eine riesige, leider auch sehr unangemessene Wut bei Mari erzeugt hatte, die sie ihrem Meister entgegen geschleudert hatte, fühlte sie sich heute morgen ziemlich unbehaglich, obwohl gestern bereits alles geklärt werden konnte und beide sich einvernehmlich geeinigt hatten, diesem Weg, den sie begonnen hatten, weiter zu folgen. Joel hatte ihr vorsorglich bereits gestern angeboten, dass sie ihn am Morgen gern anrufen könne, falls sie damit noch Unsicherheit empfinden sollte. Das Angebot hatte sie angenommen und war von ihm eingeladen worden, spontan vorbei zu kommen. Eine Stunde später war sie bei ihm. Er begrüßte sie mit einer Umarmung, begleitete sie ins Wohnzimmer und ging dann in die Küche, um einen Kräutertee zu holen.

Dann setzte er sich auf den Stuhl gegenüber von ihr und sagte, für Mari etwas überraschend, weil sie das nicht abgesprochen hatten: „Das Spiel beginnt.“

Mari holte tief Luft und sagte: „Es ist mir ein großes Bedürfnis, mich als erstes noch einmal bei dir zu entschuldigen, auch wenn ich das gestern schon getan habe, aber es liegt mir ziemlich auf der Seele, wie ungerecht ich dich behandelt habe, wie blind ich war, und wie maßlos in meiner Wut… Das tut mir wirklich sehr leid!“

Joel in seiner Rolle als Meister sah sie verständnisvoll an: „Wut ist eine sehr starke Emotion. Ich danke dir für deine Entschuldigung, und ich nehme sie gerne an. Dass du weiterhin unseren gemeinsamen Weg gehen magst, hat mich gestern sehr gefreut, Mari.“

„Danke, Meister, dass du meine Heftigkeit von gestern und meine Entschuldigung so annehmen kannst. Ja ich möchte gern diesen Weg mit dir weitergehen, auch wenn es nicht immer einfach ist, aber es ist mir sehr wertvoll.“

Er nickte: „Nun, dass es nicht einfach werden würde, war uns ja bereits klar, als wir uns auf den Weg gemacht haben. Wie geht es dir mit Blick auf gestern, Mari?“

„Ich glaube ich bin an alte Schmerzpunkte gekommen, sonst hätte ich nicht solche Kopfschmerzen entwickelt in dieser Nacht. Habe auch kaum geschlafen“, erzählte sie

„An welche Schmerzpunkte kannst du dich besonders erinnern?“

„Am Anfang, als ich dachte, dass du über mich redetest und ich noch nicht wusste, dass es um die ängstliche Hündin ging, war es furchtbar für mich, als ich dachte, du wärest so unzufrieden mit mir.“ Mir wurde heute Nacht klar, dass es mich wahrscheinlich gar nicht so getroffen hätte, wenn ich nicht auch selbst mit mir so unzufrieden wäre. Und als ich dann nachdem das Missverständnis klar wurde, merkte, wie sehr ich mich geirrt und dementsprechend wie ungerecht meine Wut gewesen war – das waren so schmerzhafte Gefühle des Versagens und der Reue: Ich habe mich so sehr geschämt und hatte dann das Gefühl, dir gar nicht mehr in die Augen schauen zu können und kaum glauben zu können, dass du noch weiter Kontakt mit mir haben möchtest. Ich habe immer große Angst, wenn ich irgendetwas falsch mache, das alles kaputt geht.“

„Woher kommt deine so große Angst vor Fehlern, Mari? Speziell für uns haben wir doch extra die Regel, dass Fehler erlaubt sind. Ok, die Reaktion gestern ging schon ein wenig über einen Fehler hinaus, aber du weißt ja auch, dass ich dir gegenüber sehr verständnisvoll bin.“

„Ich habe es oft erlebt in meinem Leben, dass ganz plötzlich Menschen, die mir wichtig waren, einfach weg waren. Dann habe ich viele Wochen darüber nachgedacht, was ich falsch gemacht haben könnte, dass das so gekommen ist. Einige Dinge fielen mir dann auch ein…“

Joel beugte sich etwas vor und sag Mari in die Augen. „Bist du dir sicher, dass das, was dir einfiel ursächlich dafür war?“

Mari dachte nach… „Eine Bestätigung habe ich dafür nicht erhalten. Das ist nacheinander bei zwei meiner engsten Freundinnen passiert und mit einer anderen Beziehung die ich mit einem Mann hatte.“

Joel nahm ihre Hand in seine, sah sie ernst an und fragte: „Stimmt es, dass dein Verhalten die Ursache für das plötzliche Ausbleiben dieser Menschen war? Ist das wahr?“

Mari antwortete unsicher: „Ich glaube schon. Ich muss doch was wichtiges unterlassen haben oder etwas Schlimmes gemacht haben, sonst wäre das doch nicht so geschehen…“

„Kannst du mit absoluter Sicherheit wirklich wissen, ob das wahr ist, dass es an dir lag, Mari?“

„Nein, sicher wissen kann ich das nicht.“

„Und wie geht es dir mit dem Gedanken, dass dein Verhalten ursächlich war für den Kontaktabbruch der anderen? Wie reagierst du, wenn du diesen Gedanken denkst?“

„Ich fühle mich unzulänglich und unsicher, ja ich habe diese Unsicherheit inzwischen sogar auf die Beziehungen mit anderen Menschen übertragen und habe immer wie einen Sucher in mir, der aufpassen will, ob ich vielleicht wieder irgendwas anrichte oder schon vermasselt habe. Das fühlt sich ziemlich belastend an.“

„Wie würde es dir gehen, wenn es diesen Gedanken in dir nicht geben würde? Wer wärest du ohne diesen Gedanken?“

„Ich würde mich freier fühlen. Ich könnte die Kontaktabbrüche als Mysterium betrachten, das ich bei aller Nachdenkerei gar nicht lösen und damit zu den Akten legen kann. Schließlich könnte es auch an etwas liegen, wofür ich gar nicht verantwortlich bin. Und wenn ich nicht glauben würde, dass ich daran schuld war, würde ich mich nicht unzulänglich fühlen, könnte anderen Menschen spontaner begegnen und würde mich entspannt und locker fühlen. Ich wäre ein freierer Mensch als jetzt.“

„Okay,“ lächelte Joel, „das lassen wir jetzt einfach mal so stehen. Es entfaltet seine Wirksamkeit von ganz allein… Übrigens diese vier Fragen stammen von einer Frau namens Byron Kati, und sind Bestandteil eines heilenden Prinzips, dem sie den Namen „The work“ gegeben hat.
Und nun schau mal rückwärts, hat dir das Leben, nachdem diese Menschen weg waren, neue Menschen geschickt?“

„Ja, nach allen drei Abschieden entwickelten sich wieder neue Freundschaften.“

„Und nach anderen Abschieden, an denen du dich nicht schuldig fühltest?“

Mari dachte an vier verstorbene, ihr sehr nahestehende Menschen, und daran, wie weh diese Abschiede getan hatten. Jede Lücke hatte sich auf andere Weise wieder neu gefüllt, auch wenn sie sich das erst gar nicht hätte vorstellen können…

„Ja, das Leben hat mir immer wieder neue Menschen geschickt, mit denen ich vieles teilen und erleben konnte.“

„Das heißt ja, dass du dich auch immer wieder neu einlassen konntest, Mari! Auch wenn es drei schmerzhafte Kontaktabbrüche gab, auch wenn es mehrere Trauerphasen gab in deinem Leben – du hast dir die Fähigkeit bewahrt, dich immer wieder neu zu öffnen und einzulassen, richtig?“

Mari nickte zustimmend: „Ja, das ist wahr. Ich habe mich auch mit all meiner Angst, wieder solch mysteriöse Abbrüche zu erleben, immer wieder neu eingelassen – jetzt ja zum Beispiel auch hier auf dich und unsere Meisterspiele.“

„Und das setzt schon eine gehörige Portion Mut voraus“, lächelte Joel. „Du gehst immer wieder das Risiko ein, dass es schmerzhaft enden könnte, wie du es ja mehrfach erlebt hattest. Das ist ein Risiko, das sich ja in keiner Freundschaft vermeiden lässt, und dennoch tust du es und öffnest dich immer wieder neu für bestimmte Menschen, die das Leben dir schickt! Und so offen im Austausch, wie ich dich hier erlebe, bleibt das wohl selten auf einer oberflächlichen Ebene stehen bei dir – oder irre ich mich da?“

Mari schaute auf ihre wichtigsten Freundschaftsbeziehungen und auf die ihr nahe stehenden Menschen, die schon von dieser Erde gegangen waren… „Nein, du irrst dich nicht. Ich hatte und habe mit allen eine ganz eigene persönliche Beziehung, in der wir uns manches, was uns tief berührt aus unserem Inneren erzählen und ich jeweils mit meinem ganzen Herzen da bin. Andere oberflächlichere Arten von Freundschaft interessieren mich ehrlich gesagt gar nicht. Da ist es ja natürlich kein Wunder, dass es weh tut, wenn es plötzlich vorbei ist. Und trotzdem lasse ich es immer wieder zu, neue Freundschaften einzugehen trotz all des Schmerzes, der dann wieder kommen kann. Ich hätte ja auch allein bleiben können oder nur so Wander- und Museumsfreunde haben.“ Sie lachte und schüttelte den Kopf.

„Mari, siehst du, wie stark, wie mutig du bist? Kannst du sehen, wie viel dir der tiefe Austausch und die daraus entstehende Verbundenheit mit Menschen wert ist?“

„Ja, ich lasse mich immer wieder neu ein, denn das Schöne und Lebendige in einem wahrhaftigen offenen Austausch ist es mir wert, auch immer wieder dieses Risiko einzugehen. Und jetzt hier und heute erkenne ich, dass ich es durch alles Aufpassen auf eventuelle Fehler von mir nie verhindern konnte, dass diese plötzlichen Abschiede geschehen sind. Dann kann ich es auch gleich sein lassen, immer wieder meine Antennen auszufahren!“

„Und wie fühlt sich dieser Gedanke an?“

„Irgendwie entlastend“, antwortete Mari und nahm einen tiefen Atemzug.

„Jepp! Das Spiel ist beendet!“ Joel zog sie ganz überraschend aus ihrem Sessel, tanzte lachend ein paar Schritte mit ihr und meinte: „Und DAS feiern wir jetzt!“

Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge

P.S: Vielen Dank an Byron Katie für die wunderbaren Prinzipien von „The work“, aus der die 4 Fragen in diesem Gespräch stammen






31. Eine heilende Übung (1) – Es ist ganz anders als befürchtet…

Bei Joel – Widerstände vor einer Übung

Zwei Sessel standen sich gegenüber, als Mari Joels Wohnzimmer betrat. 
„Setz dich doch bitte in einen der beiden Sessel“,  bat Joel Mari, und als sie Platz nahm, trat er nahe an sie heran und sagte leise: „Das Spiel beginnt.“

Wie so oft ließ er sich Zeit und schaute Mari erst einmal nur freundlich an. 
Schließlich erklärte er ihr, dass er gleich eine Übung mit ihr machen wolle.
Schon als er das ankündigte, scheute sie in ihren Gefühlen wie ein Pferd vor einem unüberwindlichen Hindernis zurück und fragte spontan: „Muss das sein?“

„Habe ich da eine Frage gehört?“ 

„O jeh, entschuldige bitte, in meinem inneren Dilemma ist mir das gar nicht aufgefallen!“ Mari war erschrocken und erzählte ihrem Meister auf seine Frage nach dem Dilemma, in dem sie sich befand, dass schon der Begriff „Übung“ für sie mit einem unangenehmen Beigeschmack verbunden sei, da sie dabei an das vor kurzem aufgetauchte Thema, das Joel noch mit ihr bearbeiten wollte, dachte: „Demütigungen im Schulsport“.

Der Meister nickte langsam: „Aber ich hab noch gar nicht gesagt, was für eine Übung es sein könnte…“

„Stimmt, entschuldige bitte, ich war in meinen Gedanken darin gefangen. Ich dachte, jetzt käme irgendetwas, was mit Bewegung und Körper und Sport und so zu tun hat wegen unseres Gespräches von neulich und deiner Ankündigung, dass dieses Thema, das mir so zu schaffen macht, demnächst von dir aufgegriffen werden würde.“

„Mari, könntest du dir vorstellen, dass ich… jetzt und hier… eine Sportübung mit dir machen wollen würde? Eine die dich überfordern und beschämen könnte?“

„Ich glaube nicht dass du mich bewusst überfordern oder beschämen wollen würdest, aber da du ja meintest, du würdest dir demnächst zu diesem Thema noch etwas einfallen lassen, habe ich jetzt befürchtet, dass dir nun etwas dazu eingefallene ist.“

„Und du glaubst, dass mir etwas eingefallen ist, was für dich schlimm und beschämend sein könnte?“

„Alles, was dazu gehört, fühlt sich so an! Das kann sich ein anderer gar nicht vorstellen, wie schlimm sich das für mich anfühlt, und da ist schon das Geringste mit Scham verbunden!“ entgegnete Mari verzweifelt.“

„Aber was gehört denn dazu? Deine Sportlehrerin ist Lichtjahre entfernt, es gibt keine Klasse, nur uns beide, Mari, was könnte passieren?“

„Wahrscheinlich würdest du nichts tun oder verlangen, von dem du glaubst, dass es schlimm für mich wäre, aber schon das Wort „Übungen“ hat in mir die Gefühle von damals losgehen lassen, ohne dass ich darüber nachgedacht habe.“

„Ich weiß, dass das ein Reizwort für dich ist. Könntest du dir vorstellen, dass es Übungen gibt, die für dich nicht beschämend sind, die dich in keine peinliche Situation bringen? Traust du mir zu, dass ich so etwas für dich finden könnte?“

Mari überlegte… Ihr Meister hatte sie schon oft überrascht mit seinen verblüffenden wundersamen Wendungen einer von ihr ganz anders befürchteten Situation.

Joel fragte nach: „Konntest du im Laufe der Zeit wahrnehmen, dass meine Anforderungen immer  berücksichtigt haben, was für dich machbar ist Mari? Ich achte darauf, so weit es mir bewusst ist, immer nur so weit zu gehen, wie ich es dir zutraue. Und wenn ich mich darin mal geirrt habe, hattest du die Möglichkeit um eine leichtere Abwandlung der Aufgabe zu bitten.
Warum sollte das heute anders sein, nur weil ich das Wort „Übung“ verwendet habe?“

„Okay, das war nicht folgerichtig, aber darüber habe ich in dem Moment nicht nachgedacht“, erklärte Mari, und ein kleiner Anflug von Wut war in ihrem Gesicht.

Joel nahm die kleine Regung wahr, ging aber an dieser Stelle bewusst nicht darauf ein.
„Ja, da war deine Angst größer als dein Vertrauen in mich. Traust du mir nun zu, eine Übung zu finden , die dir dient und für dich machbar ist?“

„Ja Meister, ich will es versuchen.“

„Ich möchte, dass du auch die Erfahrung machst, dass eine „Übung“ harmlos sein kann – „Übungen“ – er zeichnete Anführungszeichen in die Luft-  können sogar schön sein. Bist du bereit, mir so sehr zu vertrauen, um dich heute darauf einzulassen?“

„Hmmmm…“

„Das klingt noch nicht bereit, Mari.“

„Okay, ja ich bin bereit.“

„Das freut mich“, Joel lächelte Mari freundlich zu.  
Ich möchte dass du dich hinten an die Lehne lehnst, so dass sie dich gut stützt und du dich leicht entspannen kannst“, wies er sie an. „Und dann möchte ich dich auf eine Reise in deine innere Welt hinein führen. Atme dabei ruhig und tief, und folge mir mit deiner Vorstellungskraft. Sollte für dich etwas nicht stimmig sein, sag mir bitte Bescheid.“
 

Nun führte er Mari in eine innere Landschaft, in der sie die Kräfte der Natur einatmen konnte. 
Es begann auf eine schönen bunten Sommerwiese, ging weiter durch einen herrlich duftenden Wald, hin zu einem See, in den sie ihre Füße eintauchen lassen konnte. Ein angenehm lauer warmer Sommerwind streichelte ihr Gesicht und wehte die Sorgen aus ihrem Kopf . Und schließlich ließ sie sich von herrlichem Sonnenschein durchfluten. Immer größer und stärker fühlte sie sich bei der Erfahrung eines jeden Elementes: Erde, Wasser, Luft und Feuer.

Welch herrliche „Übung“ dachte sie überrascht.

Wieder war es ihrem Meister gelungen, etwas völlig anderes… eine positive Erfahrung aus einem von ihr als „furchtbar unangenehm“ vermuteten Ereignis entstehen zu lassen.

Und die „Übung“ sollte noch weiter gehen… 

Geschrieben von Rafael und Miriam 

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