90. Die Magie der Drucklosigkeit

Bei Joel: Eine entspannte Erfahrung

Joel, der im gemeinsamen Rollenspiel bereits seine Meisterrolle eingenommen hatte, saß hinter Mari auf der Couch, als sie sich vorsichtig nach hinten gleiten ließ. Sie spürte seine Hände erst an ihrem Rücken und dann anKissen ihrem Kopf. Sicher hatte er ihn in seine Hände genommen und dirigierte ihn behutsam so, dass sie auf einem weichen Kissen zu liegen kam, das sich in seinem Schoß befand. Mari lag nun auf dem Rücken  auf der Couch mit ihrem Kopf in seinen Händen.
Joel ermutigte sie:
„Schließe deine Augen und lass deinen Kopf ganz schwer werden, Mari, du brauchst jetzt keinen Muskel selbst zu halten. Ich halte deinen Kopf ganz sicher in meinen Händen.“ 

Mari folgte seinen Worten und gab Gewicht ab, ließ ihren Kopf tiefer in seine Hände hinein sinken. Ganz langsam drehte er ihn mal ein wenig nach links, mal ein wenig nach rechts – dann wieder in die Mittelposition. Ließ ihn tiefer in das Kissen hinein sinken, hob ihn wieder etwas höher.  

Mari begann die Situation zu genießen. Leise summte er Töne vor sich hin, die ihre Seele berührten…
Tiefer glitt sie in eine wundervolle Entspannung hinein. Leise drangen nun Worte an ihr Ohr…
„Alles ist gut, Mari…
alles in bester Ordnung…
du kannst einfach sein…
es gibt nichts zu tun…
nichts zu können…
nichts zu leisten…
nichts zu vollbringen…
nichts zu kontrollieren…
nichts zu wissen… 
nichts zu denken…
du kannst in aller Ruhe einfach sein…
Auch dein Atem fließt ganz von allein, so wie dein Körper es will…
Es atmet dich…
Das Leben trägt dich…
Meine Hände halten dich…
Du bist getragen… gehalten… vom Leben geliebt…
Du bist ganz sicher…
behütet…
geborgen…
beschützt…
gewollt…
genau so wie du bist…
Dessen kannst du dir ganz sicher sein…
Jetzt, hier und wo auch immer du bist.“

Mari atmete tief und nahm diese Worte in sich hinein.
Sie erinnerte sich nicht, sich jemals so geborgen gefühlt zu haben wie jetzt.

Alles Denken hörte auf, sie drehte sich zur Seite, und Joel nahm ihre Hand in seine.
„Was auch immer noch geschehen mag, Mari, denke daran, was du jetzt gerade fühlst:
Du bist in Ordnung und vom Leben gewollt, genau so wie du bist.“

Langsam strich er mit seiner anderen Hand über ihren Rücken, knete sanft ihren Nacken, strich ihr das Haar aus der Stirn und ließ seine Hand auf ihrem Kopf ein Weilchen ruhig liegen.

Nach einigen Minuten legte sie ihre Hand auf seine, nahm sie dann in ihre Hand und führte sie langsam zu ihrer Herzgegend, legte sie an den magischen Ort in der Mitte ihrer Brüste, während er sich langsam zu ihr hinab beugte, ihre Augen sich begegneten und ihre Blicke für einen Moment ineinander flossen in einem Gefühl grundloser, wortloser, Harmonie…

Mari legte ihre Arme um seinen Nacken, zog ihn langsam zu sich hinunter, bis ihre Lippen sich zart berührten. Joel veränderte seine Lage,  um sie fester in seine Arme ziehen zu können, und sie schmiegte sich an ihn. Beide schlossen ihre Augen und waren sich so nah wie noch nie bisher.
Ihr Atem, der an Tiefe gewann, fand in einen gemeinsamen Rhythmus. Für heute waren sie angekommen und ruhten sich miteinander aus.

„Immer mit der Ruhe“, flüsterte Joel, „für heute steigen wir aus unseren Rollen aus und bleiben miteinander noch in dieser schönen Energie. wir haben alle Zeit der Welt.“

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Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge

16. Eine utopische Heilungsreise: RAUS AUS DEM RÜCKZUG und EINFACH-SEIN

Joel hatte sich für die Weihnachtszeit eine Fortsetzungsgeschichte von wohlwollenden außerirdischen Meistern zum Thema „Macht – Angst – Vertrauen – Hingabe“ für Mari ausgedacht, das er ihr in Form eines Adventskalenders geschenkt hatte.

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Auch heute wieder freute sich Mari darauf, den Umschlag aus ihrem Adventskalender zu öffnen. Sie nahm einen Schluck Kaffee, steckte sich ein Mandarinenscheibchen in den Mund und las gespannt wie es Carinas weiter erging im Raumschiff mit ihrem Meister…

Zerschlagen und mit Kopfschmerzen wacht Carina am nächsten Morgen auf. Sie hat das Gefühl, gar nichts mehr zu wollen. Sie will von Ramon in Ruhe gelassen werden und sich nicht mehr all diesen verwirrenden, schwierigen Gefühlen aussetzen. Alles ist ihr zu viel, und sie bleibt einfach im Bett. Aber sie findet keinen Schlaf mehr.

In der Zeit, in der sie normalerweise bei ihrem Meister wäre, ist sie allein in ihrem Zimmer und fühlt sich  fast so verwirrt und verloren wie am Anfang ihrer Ausbildungszeit hier im Raumschiff.

Heute Nachmittag fängt diese Gruppe an’, denkt sie, ‘ich gehe da nicht hin! Keiner kann mich zwingen, einen Seelen-Striptease abzuziehen!’

Aber wie soll das alles nur weitergehen? Und was würde René dazu sagen, wenn sie einfach nicht erschiene? Würde er es akzeptieren? Und wenn nicht, was würde er tun? Ein bisschen unheimlich ist er Carina immer noch.

Wieder einmal fühlt sie sich in einer Sackgasse. Sie hat sich in ein Gefängnis hinein manövriert, aus dem sie schwer allein den Weg heraus findet. Ein Gefühlsgemisch aus Trotz, Angst, Scham und Verlorenheit macht es ihr unmöglich, einfach ihr Zimmer zu verlassen und mit Ramon oder René über ihre Gefühle zu sprechen.

Der Druck im Kopf verstärkt sich, und auch ihr Magen macht sich unangenehm bemerkbar. Sie hat heute noch gar nichts gegessen. Da nimmt sie wahr, dass plötzlich ein Röllchen aufleuchtet. Sie wundert sich, es ist doch noch gar nicht an der Zeit… Aber vielleicht sind es gar keine regelmäßigen Zeitabstände, vielleicht hat das Aufleuchten mit ihren aktuellen Gefühlszuständen zu tun? Dieser Kalender ist ohnehin in seinem System für sie ein Mysterium – irgendwie magisch und unverständlich in der Art und Weise wie er immer zu ihrer aktuellen Gefühlslage passt.

So öffnet sie das leuchtende Röllchen und liest folgende Worte ihres Meisters:

Liebe Carina,
auch wenn du dich immer wieder versuchst
mir zu entziehen, bleiben meine Arme und mein Herz offen für dich.
Deine Angst, die hinter all dem steht, was du fühlst und tust,
will gesehen und angenommen werden.
Komm zu mir, ich werde dich halten und trösten
und dich ganz sicher zu nichts drängen.
In Liebe Ramon

Und Carina begreift: Wieder einmal weiß ihr Meister genau, wie sie sich fühlt, und will sie auf diese Weise unterstützen, diesmal selbst den Weg heraus aus dem selbst gebauten Gefängnis zu finden.

Es kostet sie zwar große Überwindung, aber sie schafft den Schritt hinaus aus ihrem Zimmer bis hin zu Ramons Tür. Dann zögert sie. Was soll sie sagen? Wie soll sie beginnen? Fast will sie wieder umkehren, als er von innen die Tür öffnet und zu ihr sagt: “Na, Carina, nun hast du den Weg bis hier her gefunden, da wirst du doch nicht wieder den Rückzug antreten? Komm `rein, Liebes, ich habe auf dich gewartet.”

Als sie sein Zimmer betritt, bemerkt sie René, der sich gerade aus seinem Sessel erhebt. Hätte sie gewusst, dass er hier ist, wäre sie sicher nicht gekommen! Während er auf Carina zu kommt, sagt er zu ihr: “Ich werde dich jetzt mit deinem Meister allein lassen. Nachher, wenn es dir wieder besser geht, reden wir zwei miteinander über deine Angst vor der neuen Gruppe. Nur schon mal vorab, Carina, mach dir keine Sorgen, ich werde dich zu nichts zwingen – und es wird auch keine schlimmen Folgen haben, dass du heute morgen nicht gekommen bist!”

Lächelnd verlässt René den Raum. Carina steht verlegen und unschlüssig da. Ramon zieht sie neben sich auf die Couch und streicht mit der ihm so eigenen typischen Geste über ihr Haar. “Es ist gut, Carina, dass du her gekommen bist. Du hast dir eine Falle gestellt, und du hast zum ersten Mal selbst den ersten Schritt heraus aus deiner Enge getan…“

Mitfühlend schaut er sie an. „Der Kopf tut dir weh, nicht wahr?“ Er nimmt ein Kissen und sagt:  „Komm, leg ihn auf das kühlende Kissen hier und dann sagst du mir alles, was dich bedrückt, ja?”

Carina zögert, aber als er ihr ermutigend zunickt, folgt sie seiner Einladung und legt sich auf die Couch dicht neben ihn. Er streicht ihr beruhigend übers Haar. Inzwischen weiß er ja, wie gut ihr das tut. Als sie seine sanften Berührungen spürt, ist es mit ihrer Fassung geschehen. Sie weint und redet sich ihren Kummer von der Seele: Ihr selbstgemachter Druck, ihre Versagensangst, ihr Minderwertigkeitsgefühl als Frau, ihre Scheu vor der Gruppe, speziell vor den anderen Meistern, ihre Schwächen offenbaren zu müssen, und schließlich die Abwehr, die sich auf das Thema Erotik bezieht… alles sprudelt heraus. Dann sieht sie ihn unsicher an. Hat sie zu viel gesagt? Ist er nun endlich in seiner Geduld erschöpft und ist nun doch beleidigt?

Er erwidert ihren Blick offen und mit freundlichem Lächeln und antwortet ihr auf ihre unausgesprochenen Gedanken: “Es ist gut, Carina, dass du das alles aussprichst. So ist es schon etwas leichter, nicht wahr? Da hast du dir ja mit deinem Anspruch an dich selbst, was das Thema Erotik anbelangt, einen richtigen Teufelskreis gebaut. Mit diesen Gedanken kann ja keine Freude oder Lust entstehen. Weißt du was, Carina, ich habe eine Idee: Wir beide machen ein paar Tage Urlaub! Wir sind in der Nähe eines wunderschönen Planeten namens Lux Natura, dorthin werden wir uns beide einige Tage absetzen und es uns gutgehen lassen, was hältst du davon?”

Carina ist erstaunt. Alle möglichen Hinweise, Erklärungen und Vorschläge hatte sie erwartet, aber nicht das. “Und was ist mit der Gruppe?” fragt sie vorsichtig.

“Die läuft uns nicht davon,” erwidert Ramon lächelnd. “Ich werde mit René darüber reden.”

Und tatsächlich besuchen sie noch am gleichen Tag diesen herrlich idyllischen Ort, an dem sie es  sich sieben Tage gut gehen lassen. Viele schöne Erlebnisse hat Carina dort mit ihrem Meister, und das Thema Erotik wird nicht berührt.

Die Nähe zu ihm wächst allerdings spürbar und auch ihr Vertrauen. Manchmal wird ihr bewusst, wie sehr sie sich zu ihm hingezogen fühlt. Sie teilen Erfahrungen, die auf dem Raumschiff nicht möglich wären. Zusammen wandern sie, schwimmen sie, ruhen sie, reden sie und schweigen sie. Auch schlafen, essen und meditieren können sie herrlich in der wunderschönen Natur dieses Planeten. Carina beginnt nach und nach diese Zeit der Erholung und des einfach Miteinander-Seins zu genießen…

Morgen wird die Geschichte fortgesetzt und läuft voraussichtlich bis Weihnachten

Hier geht es zu allen bisher erschienenen Kapitel zu dieser Geschichte, die Joel Mari in der Advents- und Weihnachtszeit erzählt –> Eine utopische Heilungsreise (Märchen) 

Alles Gute zum 1. Advent

Alles Gute und Freude

Liebe Gäste hier,
meine Geschichtenfiguren Mari, Joel, Carina, Ramon und ich
wünschen euch einen von Freude erfüllten, schönen ersten Advent.

Beim Anzünden der ersten Adventskerze,
sende ich den Herzenswunsch ab
(und wer mag, kann gerne mitmachen 🙂 )
dass bei den zunehmenden Lichtern in der Adventszeit
– 1 – 2 – 3 – 4 – viele –
das Fühlen von Frieden und Liebe
für uns alle mit jeder Kerze, die wir anzünden,
immer stärker wird.

Alles Gute,
die einfache Freude am Sein,
und der immer wieder Neues, Gutes geboren werden möge,
wünscht uns allen (ganz besonders) in der beginnenden Weihnachtszeit
eure Miriam