95. Wochenend und Sonnenschein (1) – eine spannnende Auszeit

Joel und Mari verbringen ein Wochenende im zauberhaften Ambiente eines schönen Hotels

An diesem Tag begann die Wochenendreise, die Joel Mari als Anerkennung geschenkt hatte für ihr in letzter Zeit deutlich gestiegenes Vertrauen. Die Reise sollte sowohl eine Auszeit voll Freude und Genuss werden, als auch einen anderen besonderen Rahmen darstellen für ihre Vertrauensspiele und Rituale, in denen er für sie die Meisterrolle einnahm.

Er hatte Mari abgeholt und fuhr mit ihr in ein nicht allzu weit gelegenes Hotel. Als sie vor dem großen weißen Gebäude vor fuhren, kam sofort ein Page und übernahm ihr Gepäck.
Das Hotel lag inmitten einer wunderschönen Parkanlage, und Mari genoss den zauberhaften Anblick. Freude und Aufregung mischten sich in ihr. Was würde diese Reise wohl bringen?

Joel hatte ihr die Eingangstür zur Hotelhalle geöffnet.
„Mensch, Joel, ich kann es noch gar nicht fassen, dass wir nun wirklich hier sind“, sprudelte Mari mit strahlenden Augen heraus
Sie betraten die riesige Halle des Hotels. Es sah alles sehr edel aus, gestaltet mit vielen Pflanzen. Die hellen Farben und die leise, sanfte Musik vermittelten Leichtigkeit und Urlaubsstimmung und doch wirkte die Einrichtung auch etwas traditionell.
Das Ambiente…  faszinierend und beeindruckend… eine richtige Auszeit aus dem Alltag, dachte Mari entzückt, während Joel zur Rezeption ging um einzuchecken.
„Ah, sie hatten die Suite bestellt – herzlich willkommen“, sagte die Dame dort.
Das Gepäck war mittlerweile schon nach oben gebracht worden.  Joel nahm den Schlüssel und ging mit Mari in dem bespiegelten Fahrstuhl. Während sie nach oben fuhren stieg in Mari die Aufregung…  Jetzt gleich würde sie das Zimmer betreten, in dem sie mit Joel das Wochenende verbringen wird, 2 Tage und 2 Nächte…

Joel ging voran und öffnete eine große Doppeltür. „Darf ich bitten?“ fragte er lächelnd.
Mari trat ein und blieb zunächst an der Tür stehen…. Alles wirkte schön und hell – beeindruckend…
Ein großes Zimmer wartete auf sie mit einem riesigen Sofa und einer großen Fensterfront.
Auf der rechten Seite gab es eine weitere Tür.
Langsam ging Mari weiter in den Raum hinein und sah dann durch die geöffnete Tür in das Schlafzimmer, dass sie nun für zwei Nächte gemeinsam mit Joel beherbergen würde.
Ihr Gepäck hatte der Page schon dort abgestellt.
Das große Bett – weiß mit hellblauen Akzenten – darin nahm ihren Blick gefangen.
Wenigstens wird in dem Bett genügend Platz sein für uns beide, dachte sie etwas beklommen…
Joel stellt sich hinter sie – ganz dicht – und flüsterte in ihr Ohr: „Na, das sieht doch sehr gemütlich aus, oder?“
„Hmm ja…“ murmelt sie leise. Worauf hatte sie sich nur eingelassenWürde das gut gehen?
„Da werde ich ja gleich müde…“ sagte er und schmunzelte dabei.
Wollte er sich jetzt etwa schon ins Bett legen? Mari drehte sich um, schaute ihn unschlüssig an, und nahm dann sein deutliches Schmunzeln war. Nun lachte er richtig, und das war so ansteckend, dass sie mit lachen musste.
„Was hältst du von einem Spaziergang durch den Park, bevor wir uns zum Essen fertig machen?“
„Das ist eine tolle Idee,“ antwortete Mari, „ich würde nur gern etwas Leichteres anziehen.“
Sie öffnete ihre Reisetasche und nahm ein Sommerkleid heraus, mit dem sie im Bad verschwand, sich kurz frisch machte, und es anzog.  Joel ging zum Fenster und genoss den Blick auf den zauberhaften Park hinter dem Hotel.

Als Mari aus dem Bad kam und sah wie er am Fenster stehend auf sie wartete, meinte sie fröhlich: „So, von mir aus kann es losgehen!“ Er drehte sich um und schaute sie an. „Du siehst ja umwerfend aus!“ sagte er,“ und ging auf sie zu. „Da werden die Blumen im Garten ja neidisch.“
Mari kicherte: „Oh danke schön, Gott sei Dank sind die Blumen über solche Gefühle von Neid erhaben.“
Er lächelte, bot ihr seinen Arm an und führte sie in den Garten hinaus.

Parkweg-Es war ein herrlicher Anblick und das Wetter spielte gut mit: wunderschöner Sonnenschein empfing die beiden, als sie gut gelaunt die ersten Schritte miteinander nach draußen traten und einen schmalen Weg entlang liefen.

„Das Spiel beginnt.“ sagte Joel plötzlich.
Ups… Mari zuckte etwas zusammen, das hatte sie in diesem Moment nun überhaupt nicht erwartet, gerade fühlte sich alles so leicht und schön an…
„Bereit für eine Herausforderung?“ fragte er lächelnd…

Worin diese Herausforderung besteht, erscheint im nächsten Kapitel

Dies Kapitel wurde gestaltet von Raffael und Miriam

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93. Sechs Runden

Bei Joel: Stück für Stück

Heute begann Joel, der für Mari wieder die Meisterrolle eingenommen hatte, ihr gemeinsames Rollenspiel bereits im Flur, nachdem sie ihren Mantel aufgehängt hatte. Er sah ihr in die Augen und sagte: „Das Spiel beginnt.“
Ups, das ging ja schnell heute, dachte Mari, während er in Richtung Schlafzimmer voran ging und beiläufig zu ihr sagte: „Folge mir.“
Etwas beklommen ging sie hinter ihm her.
„Heute kommt eine Übung zum Thema „Auflösen von Verboten und Scham, wir hatten ja letztens darüber geredet, dass es vieler neuer Gelegenheiten bedarf. Bist du bereit, Mari?“
„Ja, das ist jedoch ein schweres Thema“, meinte Mari.
Joel schaute sie verständnisvoll an und sagte sanft: „Ich werde versuchen, es so leicht wie möglich zu machen.“
„Gut, ich bin bereit“, antwortete sie und atmete tief ein, als er ihr den Arm um die Schulter legte und sie ins Schlafzimmer führte. Die Vorhänge waren zugezogen und er schaltete das Licht an.

„Ich möchte heute sehen, wie weit du dich traust, dich auszuziehen“, erklärte er, „und damit es einfacher wird, lösche ich gleich das Licht. So werden wir fast nichts sehen, und du wirst mir deshalb jedes Kleidungsstück geben, damit ich merke, was du ausgezogen hast.“
Mari stieg das Blut in den Kopf. „Und wie genau soll das ablaufen? Ich alleine? Oder wirst du dich auch ausziehen?“
Joel lächelte sie freundlich an: „Wenn du das möchtest, würde ich mich gleichen Maße ausziehen.“
Mari war einen Moment zögerlich, aber die Vorstellung dass sie nackt wäre und er angezogen, fühlt sich gar nicht gut an. Also sagt sie: „Ja, das würde ich, glaube ich, schon wollen.“
Er nickte: „Okay, das ist fair. Also? Bist bereit?“
In Mari fühlte es sich ziemlich schwierig an. „Du hast gesagt, so weit, wie ich mich traue? Also nicht ganz und gar?“
„Du bestimmst, wie weit es geht“, bestätigte er. „Bitte zähle doch mal, wie viele Kleidungsstücke du trägst, und verrat mir das.“
Mari dachte einen Moment nach…“Sechs.“


„Okay, danke, Mari.“ Er nickte, schaltete das Licht aus und stellte sich dann vorsichtig wieder vor sie. Es war so dunkel, dass man nur leichte Umrisse im Raum erkennen konnte.
„Beginnen wir. Runde eins, Mari!“
„Okay“, nickte sie, zog ihr T-Shirt aus und gab es ihm.
Mit einem freundlichen „Dankeschön“ legte er es auf das Bett, zog sein Hemd aus und reichte es ihr.
In der zweiten Runde folgte ein Strumpf und in der dritten Runde der zweite. Worauf auch er ihr jeweils einen seiner Socken reichte.
„Na, da haben wir ja schon drei Runden geschafft. Halbzeit!“ meinte er. „Dann auf zu Runde vier.“
Mari nahm einen tiefen Atemzug. Jetzt beginnt es, schwieriger zu werden“, sagte sie leise
„Nimm dir ruhig Zeit“, antwortete er ruhig ins Dunkle hinein.
Jetzt hatte sie nur noch ihren Rock, einen Slip und ein dünnes Top an.
„So, jetzt. Entschlossen zog sie ihren Rock aus und gab ihn Joel.
„Sehr gut!“ sagt er und gab ihr seine Hose.
„Auf zu Runde fünf. Bist du bereit?“
Mari stand wie eine Salzsäule auf der Stelle und kämpfte mit sich, was wäre jetzt leichter? Slip oder Top? Oder soll sie unterbrechen und aufhören? Es ging hin und her in ihrem Kopf.
„Nimm dir so viel Zeit, wie du brauchst“, sagt er.
„Danke“, flüsterte sie, aber leichter wird es dadurch auch nicht, dachte sie dabei … ich muss jetzt eine Entscheidung treffen...
Und schließlich entschied sie sich, ihr Oberteil auszuziehen. Das fühlte sich ziemlich schwierig an. Aber es ist ja dunkel, redete sie sich gut zu und gab ihm ihr Top schließlich.
„Sehr gut, Mari!“ sagte er, legte es behutsam auf das Bett und reichte ihr seine Unterhose mit den Worten: „Da ich kein Unterhemd drunter hatte, ist es bei mir ein Kleidungsstück weniger und ich bin jetzt fertig mit dem Ausziehen.“
Sie versuchte ruhig und tief zu atmen, aber es war ein ziemlich heftiger Aufruhr in ihr.
„Wie geht es dir, Mari?“ fragte er leise.
„Ich fühle mich ziemlich durcheinander, es fühlt sich fast wie Angst an: Herzklopfen, Vibrieren in Armen und Beinen, wackelige Knie – und gleichzeitig ist es mir peinlich, dass ich mich so anstelle.“
„Sag das nicht so abwertend, Liebes. Du gehst mutig ran an deine Schamgrenzen, das verdient unsere Anerkennung“, kommentierte er freundlich mahnend. Was genau bringt dich denn durcheinander?“
„Ich kann das gar nicht so genau orten, das ist so ein Gefühlswirrwarr und Knoten in mir, und irgendwie… ach ich weiß auch nicht… Es ist eigentlich Quatsch, nicht notwendig, nicht hilfreich und nicht angemessen, aber dennoch… eben da…“
„Und wie fühlt es sich an, wenn du an Runde 6 denkst?“
„Ziemlich schwer.“
„Kann ich etwas tun, damit es leichter wird?“
Mari kämpfte mit sich, normalerweise, wenn sie sich so zerrissen und aufgeregt fühlte wie jetzt, würde sie sich eine Umarmung wünschen, aber das auszusprechen traut sie sich jetzt in dieser Situation, wo er nackt war auch nicht.
Er stand ruhig nackt im Dunkeln vor ihr.
„Wir stehen vor Runde sechs“, sagte er leise, „bist du bereit dazu? Lass dir Zeit und spüre nach… Wenn es nicht geht, ist es auch okay, aber triff die Entscheidung ganz in Ruhe.“
Sie zögerte: „Darf ich dich was fragen?“
„Aber ja!“ antwortete er sofort.
„Wie geht es danach weiter? Wirst du dann das Licht anmachen?“
„Nein. Wir werden noch eine Weile so stehen, ganz nackt voreinander, ohne uns wirklich erkennen zu können im Schutz der Dunkelheit. Dann würde ich aus dem Raum gehen, und du kannst dich in Ruhe anziehen. Fürs erste ist das genug, denke ich.“
„Okay“, Mari nickte. „Danke dass du mir das gesagt hast.“
Und kurz danach: „Ich bin bereit für Runde 6.“
„Prima, Mari!“ Seine warme, ruhige Stimme tat ihr gut.
Schnell zog sie sich ihren Slip aus. Es fühlt es sich komisch an, auch diesen an ihn weiter zu geben, aber sie tat es.
„Vielen Dank für deinen Mut und dein Vertrauen, Mari“, sagte er und legte ihn aufs Bett.

Mari fühlte ihre Nacktheit jetzt sehr deutlich und war froh, dass es so dunkel war.
Als wenn er ihre Empfindungen spüren konnte, fragte er: „Wie fühlt es sich an, nackt zu sein?“
Sie suchte nach Worten… „Ich fühle mich sehr unsicher, habe das Bedürfnis irgendetwas Schützendes um mich herum zu haben…“
„Halt es noch etwas aus, es sieht ja keiner.“
Leider… dachte er dabei.
Sie standen noch ca. eine Minute so voreinander – es war die längste Minute, die sie bisher erlebt hatte.
„Wie ist es jetzt, Mari?“
Wie aus einem Nebel hörte sie seine Stimme und rang mit sich, ob sie das, was sie gerade fühlte aussprechen wollte oder lieber doch nicht. Schließlich entschloss sie sich dazu, es zu tun: „Es gibt neben den ganzen schwierigen Gefühlen auch noch etwas anderes in mir“, sagte sie leise.
„Ja? Nur raus damit! Was ist es denn?“
Sie nahm allen Mut zusammen. Ich würde dich gerne fühlen, also so ein bisschen umarmen…“
„Gern, sagte er. Ich stehe direkt vor dir, ganz nackt…“
Sie nickte und nahm einen tiefen Atemzug. „Kannst du mich ein bisschen vorsichtig in den Arm nehmen?“ fragte sie leise.
Er kam näher, und sie spürte ihn ganz nah. Seine Arne legen sich sanft um sie. Sie fühlte seine Haut, die Wärme, spürte die Nähe und sagte: „Joel, es ist… Es ist wie immer… Von dir umarmt zu werden, und dich zu umarmen, tut gut! Sogar auch nackt!“
Er hielt sie vorsichtig und sanft in seinen Armen. Sie hielt ganz still und spürt diesen Kontakt zum ersten Mal Haut an Haut. Es ist abenteuerlich, aber irgendwie schön, verwunderlich schön, dachte sie. Er drückte sie ganz behutsam an sich und erfreute sich auch an diesem für ihn unerwarteten Hautkontakt.
„Wie ist das für dich, Mari? Wie geht es dir in meinen Armen, so nackt?“ wollte er vorsichtig wissen.
„Auf jeden Fall ist es viel schöner, als nackt in Abstand vor dir zu stehen“ antwortete sie. „Es ist, als würde ich mich irgendwie beschützt fühlen.“
„Wie schön zu erfahren, dass du dich in meiner Körpernähe beschützt fühlst! Du weißt ja, ich würde dir nie etwas tun, was du nicht willst. Aber dich beschützt zu fühlen ist noch mehr als dieses Wissen. Darüber freue ich mich sehr! Du warst sehr mutig heute!“
Mari nickte: „Ja, das stimmt. Das hat mich ganz viel Kraft und Mut gekostet! Wie gut, dass du es mir durch die Dunkelheit leichter gemacht hast.“ Langsam löste sie sich aus seinen Armen.
„Das war auch meine Absicht. Ich weiß ja, wie sehr dir Scham noch zu schaffen macht“, erklärte er verständnisvoll.
„Ich bin fast selber erstaunt, dass ich die Runde 6 auch noch geschafft habe, gab sie zu. Und dich zu fragen ob du mich umarmst, war auch nicht leicht, aber ich wollte dann wissen wie es sich anfühlt, und hatte auch das Bedürfnis danach, nicht so allein dort nackt zu stehen.“
„Das verstehe ich gut“, nickte Joel, „aber diese Frage nach Körpernähe in dieser Situation musste von dir kommen, ganz frei und ohne Impuls von mir. So, und jetzt werde ich den Raum verlassen, so dass du dich ganz in Ruhe anziehen – und auch das Licht dabei anmachen kannst.“
Und als er an der Tür war, sagte er: „Ach ja, das Spiel ist vorbei.“

Und als Mari sich in aller Ruhe wieder angezogen hatte, schaute sie in den Spiegel, lächelte sich an und flüsterte sich selbst zu: „Wow, das habe ich geschafft heute!“

Dies Kapitel wurde gestaltet von Raffael und Miriam

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Zitat: Eine nicht versiegende Quelle von Glück…

„… Angenommen – du hättest in dir tatsächlich eine nicht versiegende Quelle von Glück gefunden, eine die tatsächlich unabhängig von allem anderen wäre, nur mal angenommen, es gäbe sie – dann hättest du einen Anker. Du könntest das Gleichgewicht nicht verlieren… Sobald man bereit ist, sich den Herausforderungen des Lebens zu stellen, hilft dir diese Instanz, sie wartet förmlich auf dich, das weiß ich ganz sicher…
Du hast dir eine große Herausforderung ausgesucht, aber das heißt nur, dass Gott auch meint, dass du das packst. „

„… Du glaubst an Gott?“
 „Meinst du diesen Rauschebart-Dingenskirchen, den sie immer so furchtbar kitschig auf Leinwände klatschen? Nein, nicht die Spur.“ Er gluckste. 
„An was glaubst Du dann?“
„Daran, dass die Kraft, die uns erschaffen hat, in uns ist. Manche nennen sie Gott, manche anders. Was ist ein Name. Es geht nur darum dass du nach innen gehst, nicht nach außen, dort findest du alle Antworten, aber das will geübt sein .“



Aus dem Buch „Live chat – Sag mir, wer du bist“ von Subina Gioletti

80. Druck – selbstgemacht

Bei Joel – Alles findet im Kopf statt

Als Mari auf dem Weg zu Joel war, dachte sie an das letzte Gespräch der beiden, indem sie ihm von ihren in letzter Zeit häufig auftretenden Träumen erzählt hatte, in denen es immer wieder um Prüfung und Versagensangst ging. Er hatte eine Andeutung gemacht dass er das im nächsten Treffen zum Thema machen würde.
Joel hat ein wenig umgeräumt und wartete auf sie.
„Hallo Mari, schön dich zu sehen, komm herein“, begrüßte er sie freundlich wie immer.
Und als sie eintrat, sagt er gleich: „Das Spiel beginnt.“
Ups, dachte Mari, das ging ja schnell heute, ohne Vorgespräch, ohne etwas zu trinken, da bin ich ja gespannt, was jetzt kommt…“
Im Raum stand ein Tisch und davor und dahinter ein Stuhl. Unschlüssig betrachtete sie dieses Setting und schaute ihn fragend an.
„Setz dich“, sagte er in seiner Meisterrolle sanft und brachte ihr ein Glas Wasser, ein paar weiße Blätter Papier und einen Kugelschreiber.
Das scheint tatsächlich mit dem Prüfungsthema zu tun zu haben, dachte Mari etwas beklommen.
Er setzte sich auf den anderen Stuhl ihr gegenüber hinter dem Tisch und fragte: „Bereit für heutige Lektion?“
„Ja, okay, ich bin bereit“, antwortet Mari.
„Ich werde Dir ein paar Fragen stellen“, erklärte er, „bitte schreibe die Antwort auf und lies sie mir dann vor, verstanden?“
Sie nickte: „Ja.“
„Ich werde dir auf jede Frage eine Punktanzahl sagen, und du schreibst sie dann auf das Papier unter die jeweilige Frage.“
„Hm, ja, in Ordnung. Wie viel sind denn die maximale Punktzahl?“
„Aufgabe 1“, sagte er und schaute sie an.
„Sie nickte.“
„Nenne drei Assoziationen zum Thema Vertrauen.“

Krampfhaft überlegte sie,. Warum fällt ihr nur so schnell gar nichts ein? Vertrauen… vertrauen… vertrauen… kann gelingen oder auch nicht… Dachte sie. Und dann schrieb sie auf:
– Selbstvertrauen
– Gottvertrauen
– Vertrauen ins Leben
Und dann las sie ihm die 3 Begriffe vor.
Er nickte nachdenklich. „Ok, 2 Punkte. Schreib sie dazu.“
So schrieb sie die Zahl 2 und fragte sich: Welcher der drei Begriffe war wohl falsch? Warum habe ich nicht die vollen 3 Punkte erhalten.
„Die nächste Aufgabe“, kündigte er an, „vervollständige den Satz: Wenn ich meinem Meister nicht vertraue, dann …
Und sie antwortete spontan: „… dann habe ich es schwer in dem, was wir hier tun.“ Auch das las sie laut vor.
„3 Punkte“, sagte er.
Das scheint so eine Art Zwischenprüfung zu sein, die sich auf unsere Thematik hier bezieht, dachte Mari beklommen. So gut fühlt sie sich mit ihrem Vertrauen noch nicht…
„Nenne drei Dinge, die es dir schwer machen zu vertrauen.“
„Angst zu versagen, Angst vor unangenehmen Erfahrungen, Angst vor peinlichen Momenten.“ „Hmmmm,“ sagte er, „notiere einen Punkt.“
Traurig schrieb sie einen Punkt auf und ein unangenehmes, heißes Gefühl kroch ihr den Rücken hinauf. Weiter ging es. „
„Nenne drei Dinge die dir peinlich sind.“
Oh jeh, dachte Mari, diese Fragen werden ja immer unangenehmer… Und sie schrieb nach einiger Überlegung auf und las dann vor:
Wenn mir nichts einfällt zu sagen auf eine Frage…
Wenn ich unangemessen oder spärlich angezogen bin…
Wenn ich Fehler mache…“
„Einen Punkt“, sagte Joel. Sie schrieb die Eins hin und überlegt, was wohl passieren würde, wenn das Gesamtergebnis dieser Prüfung ungenügend wäre. Was hätte das wohl zur Konsequenz? Wenn sie doch wenigstens wüsste, was für ein System dieser Bewertung zugrunde liegt.
Weiter fragte er: „Nenne drei Dinge, die dir Lust bereiten und gut tun.“
Für diese Frage brauchte sie nicht allzu lange nachzudenken: „Umarmen, Streicheln, Kopfmassage.“
„Zwei Punkte“, sagte er. Sie schrieb die Zahl zwei auf und überlegte, welcher von den drei Begriffen für ihn wohl nicht einen Punkt wert waren.
Weiter ging es: „Nenne drei Dinge die erregend sind für dich.“
Mari saß vor ihrem Papier… Was könnte sie nur aufschreiben? Es war nicht so, dass ihr nichts einfiel, aber alles in ihr sperrte sich dagegen, diese Gedanken aufzuschreiben und ihm anschließend vorzulesen. Die Frage war einfach zu peinlich… Der Widerstand zu groß…
Er schaute auf die Uhr.
Schließlich sagte sie: „Ich kann dazu nichts aufschreiben, entschuldige bitte.“
Er nickte und meinte: „Null Punkte.“
Ihr fällt zwar ein dass es sie erregt an der Brust berührt zu werden, aber sie bringt es nicht fertig das aufzuschreiben
Das war klar, sie schrieb die Null hin und kämpfte mit den Tränen.
„Dann schauen wir mal. Zähl mal alles zusammen. Wie viele Punkte hast du insgesamt?“
„15“ antwortete sie.
„Und? Was glaubst du, hat es gereicht?“
Was würde das denn jetzt bedeuten? Und welche Folgen würde es haben? überlegte sie in Gedanken und antwortete: „Ich weiß es doch nicht. Ich hoffe zumindest, dass ich nicht durchgefallen bin, auch wenn ich die letzte Frage gar nicht beantworten konnte.“
„Hm, du meinst du hast bestanden?“
So wie er das fragt, klingt es eigentlich nicht so. Drängte sich ein unangenehmer Verdacht auf. Aber tapfer vertrat sie sich: „Wenn ich selbst jetzt meine eigene Lehrerin wäre, dann würde ich schon meinen ich hätte bestanden, ich habe, so meine ich, jede Frage bis auf die letzte beantwortet.“ Und so bekräftigte sie noch einmal: „Ja, ich glaube ich habe bestanden.“
„Und wie fühlt sich das an?“ fragte er mit undurchdringlichem Blick.
„Im Moment noch sehr unsicher, weil ich ja nicht weiß ob es stimmt. Kannst du mir nicht bitte sagen, was du darüber denkst? Wie dein Urteil ist?“
Er redete weiter, ohne ihre Frage zu beantworten. „Und was könntest du wohl bestanden haben?“
Mari zuckte mit den Schultern. „Ja, wenn ich das wüsste… Diese ganze Situation ist irgendwie so undurchschaubar
Geht es vielleicht darum, wie zufrieden du mit mir hier bist?“
„Und? Wie wirke ich? Bin ich zufrieden?“ fragte er weiter.
Unschlüssig scheute sie ihn an. „Auch du wirkst ziemlich distanziert und undurchschauber, also ich neige dazu zu sagen, du wirkst nicht sehr zufrieden.“ Traurig schaute Mari an ihm vorbei aus dem Fenster.
„Das ist eine Interpretation – in einer Situation, die du, wie du sagst, nicht durchschaut hast. Eben warst du noch der Meinung bestanden zu haben. Warum sollte ich dann unzufrieden sein?“
„Du wirkst auf mich irgendwie so… Und meine Einschätzung, kann ja abweichend sein von dem sein, was du denkst.“
„Kann… aber muss nicht! Gerade warst du noch von dir überzeugt. Warum jetzt so unsicher?“
„Ich weiß nicht… Deine Fragen und dein Auftreten verunsichern mich.

Er begann, etwas zu lächeln. „Das war eine schwierige Prüfung, oder?“
Jetzt kamen Mari die Tränen tatsächlich, sie konnte sie nicht mehr zurückhalten. „Ja, das war wirklich eine schwere und unangenehme Prüfungssituation!“
Er ergriff sofort ihre Hand, drückte sie sanft und nickte. „Waren das so ähnliche Gefühle, wie du sie in deinen Träumen hast, die dich so belasten?“
„Ja stimmt, so ähnlich…, aber sag mir doch jetzt bitte mal, was du über mich denkst?“ brachte sie aufgeregt heraus.
Er lächelte: „Ich finde, du hast du gut behauptet in einer merkwürdigen Situation…, die… du viel zu ernst genommen hast.“
„Wie meinst du das?“ Fragend schaut Mari ihn an.
Er antwortete gelassen: „Na, was bringt mich denn im eine Position dich zu prüfen? Und was hätte es für einen Sinn, Vertrauen zu bewerten? Und was hätte es darin für eine Konsequenz oder für einen Abschluss geben sollen? Aber die Situation hat dich sofort gefangen genommen…“
„Ja, das stimmt, ich habe mich durch das Setting in einer ziemlich heftigen Drucksituation gefühlt. Ich dachte nach und nach immer mehr, dass es darum geht, wie zufrieden du mit mir bist hier in unserem Miteinander – grundsätzlich, und speziell heute in dieser Prüfungssituation ganz besonders.“
„Meinst du echt, über Vertrauen und ähnliches würde ich eine schriftliche Prüfung machen? Schon sehr unwahrscheinlich, oder?“
„Darüber habe ich gar nicht nachgedacht. Das hat mich gefühlsmäßig alles tatsächlich sehr an meine Träume erinnert…“
Joel nickte. „Ja, ich wollte dich diese Gefühle bewusst spüren lassen und sehen, wie du reagierst. Du hast nicht gezögert, nichts in Frage gestellt, warst sofort drin.“
Sie entgegnete: „Ganz am Anfang habe ich eine Frage nach dem Bewertungssystem gestellt, aber die hast du ignoriert, und dann traute ich mich nicht weiter zu fragen. Und stimmt… dann war ich in der Situation gefangen.“
„Wie geht es dir jetzt?“ fragte er.
„Naja, noch ziemlich durchgerüttelt. Das waren ja auch Fragen, die mich tief innen betroffen haben. Und ich wüsste immer noch gern, was du über meine Antworten gedacht hast.“
„Ich habe allem einfach nur interessiert zugehört ohne es wirklich zu bewerten. Das war nur Show, um es prüfungsähnlich zu machen. Ich habe bewusst einfach nur Zahlen genannt, die eigentlich gar keinen Sinn ergaben.“
Mari schüttelte verwundert den Kopf. „Es waren ja immer drei Dinge, nach denen du gefragt hast. Deshalb dachte ich, dass die Zahlen je nach deiner Zufriedenheit eine eins, zwei oder drei ergeben müssten, also drei wenn alles top war und eins ziemlich mangelhaft. Na ja und 0 war ja sowieso klar am Ende. War es nicht so?“
„Nein, das hast du dir nur so ausgedacht. Du kanntest die Kriterien nicht… weil… es keine gab!“
„Es gab absolut keine??? Und dabei hast du manchmal so ausgesehen, als würdest du genau nachdenken.“
Er lachte. „Ich wusste nicht einmal, wie die nächste Frage lauten würde, das ergab sich nach und nach aus dem, was du sagtest.“
„Das ist ja dann eine seltsame Prüfung… Was war deine Absicht dabei?“
„Ich wollte dich mit den Gefühlen deines Traumes konfrontieren und dir die Gelegenheit geben, sie bewusst in einer sicheren Situation wahrzunehmen, in der du zum Beispiel auch hättest aussteigen oder die Prüfung verweigern können, oder sie mit Humor nehmen… Wie auch immer – ich wollte kein Wissen, sondern Reaktionen wahrnehmen und heraus kitzeln. Die Situation war eigentlich ganz harmlos.“
„Aber angefühlt hat sie sich nicht so harmlos!!! Du hast sie so gestaltet dass sie schon ziemlich bedrückend für mich war.“
„Der Druck passierte aber nur in deinem Kopf. Ich habe dir keine negative Folge angedroht oder auch nur irgendwie angedeutet und in den Raum gestellt.“
„Ja das stimmt, gab Mari zu, „aber wenn du ehrlich bist, hast du schon einiges dazu getan, dass ich mich so verunsichert gefühlt habe, oder?“
„Ja, aber du hast dich sofort einfach darauf eingelassen.“
„Du hast mich, glaube ich, absichtlich in eine Drucksituation gebracht – und ja ich habe mich einfach darauf eingelassen das stimmt.“
„Ja, und den Druck hast du dir selbst gemacht, „ich habe keine Erwartung gestellt, keine Anforderung, keine mögliche Konsequenz genannt, ja, ich habe nicht mal das Wort Prüfung erwähnt.“
„Hast du nicht??? Das ist mir gar nicht mehr ganz präsent. Für mich war die Situation so eindeutig… Aber sag doch mal ehrlich, das hast du doch erwartet oder?“
„Ein Stück weit schon, aber ich habe ganz bewusst auf jede Formulierung verzichtet, die mit Prüfung zu tun hat, um dir zu zeigen, dass du dir den meisten Druck ganz alleine in dir selbst machst.“
„Na das ist dir gelungen!“
„Und was denkst du jetzt darüber?“
„Es passiert ziemlich von alleine, und das leider sehr oft, dass ich mir Druck mache, meine ich. Ich würde mir von mir selber wünschen, dass ich nicht so schnell in solche Fallen tappe.“
„Wichtig ist, dass du erkennst, dass du selbst dir den Druck machst!“
„Das hilft mir aber, glaube ich nicht, dass ich beim nächsten Mal nicht wieder in diesen Automatismus hinein gerate. Das passiert irgendwie ganz von alleine, ohne dass ich mir dessen bewusst bin.“
„Du wirst dich an diese Situation heute sicher öfter erinnern, wenn wieder solche Gefühle in dir entstehen, und dann ist der wichtigste Schritt zu prüfen, wer in der Situation die Erwartung hat.“
Mari wiederholte die Worte: „… wer in solchen Situationen die Erwartung hat. …Du meinst, das bin meistens ich selbst – und ich projiziere dann meine Erwartungshaltung in den anderen hinein…?“
Joel nickte. „Ja, vermutlich ist das oft so – auf jeden Fall zwischen uns beiden, aber wahrscheinlich auch öfter mal in deinem täglichen Leben. Du machst dir den meisten Druck selbst – und nur du kannst dann den Druck such verringern.“
Mari nickte nachdenklich – Ja, da ist was dran, aber im Außen können andere Menschen schon verstärkend auf den Druck einwirken oder entlastend. Allein schon ein Lächeln oder ein distanzierter Blick können ein subjektives Druckgefühl verstärken oder lindern, finde ich.“
„Ja sicher können andere dein Druckgefühl erhöhen oder lindern, aber frage dich immer, ob die anderen wirklich bestimmte Erwartungen an dich haben, oder ob du das nur vermutest. Und selbst wenn sie welche an dich haben, wäge für dich ab, ob du sie erfüllen willst, oder nicht. Es ist immer deine Wahl.“
„Ja das stimmt, das ist meine Verantwortung, da hast du recht. Und selbst wenn sie Erwartungen haben und sich so verhalten dass sie den Druck erhöhen, ist es ja meine Entscheidung, ob ich mich von ihnen abhängig machen will oder nicht…“
Joel nickte bestätigend. „Ja genau. Und welche Situation könnte es schon geben, wo du wirklich unter Druck kommen könntest? Wie viele Prüfungen willst du denn machen?“ Dabei lächelte er.
„Aber auch ohne reale Prüfungen erscheint mir das Leben oft wie eine grpße Prüfung. Ich habe Angst davor, dass andere von mir enttäuscht sind. Frage mich immer, ob ich mich angemessen verhalten habe, ob ich etwas vermasselt habe ohne es zu merken… Es geht glaube ich darum, mich von ihrer Erwartungshaltung unabhängig zu machen.“
„Ja, denn nur in echten Ptüfungssituationen ist ihr Urteil wirklich entscheidend.“
„Stimmt, der wichtigste Mensch in meinem Leben bin ich – und entscheidend ist was ich selber von mir denke.“
„Jeah! Das ist der Punkt! Damit ist das Spiel fast zu Ende… Eine Frage noch.“
„Ja ??? Mari nahm wahr, wie ihr Herz schon wieder unwillkürlich zu klopfen begann.“
„Gibt es wirklich nichts, dass dich erregt?“
Mari antwortete etwas verlegen: „Doch, natürlich gibt es Dinge, die mich erregen, aber ich war einfach nicht in der Lage sie aufzuschreiben.“
„Nun dann freue mich darauf, sie nach und nach zu erfahren.“ Er lächelte. „Das ist Spiel ist vorbei.“

„Kannst du mich jetzt bitte mal ganz fest in die Arme nehmen?“ fragte sie erschöpft.
„Aber gerne doch!“ Er kam zu ihr, und sie schmiegte sich in seine Arme. „Das tut jetzt sooo gut,“ flüsterte sie.
Er drückte sie sanft und eng an sich.
Sie atmete ganz tief. „Gott sei Dank ist diese Situation vorbei!“
„Du hast sie gut gemeistert!“ sagt er leise in ihr Ohr.
Erstaunt schaute sie ihm in die Augen: „Das meinst du nicht wirklich?! Ich habe mich ja richtig gefangen nehmen lassen. Habe das alles nicht durchschaut und einfach mitgespielt. Aber eins sage ich dir: Daraus will ich wirklich was mitnehmen!!!“
Er nickte: „Na, dann hat es doch einen Sinn gehabt! Und ich muss schon sagen: Du hast dich tapfer da durchgekämpft und warst sogar der Meinung dass du es geschafft hast. Das ist schon nicht so leicht gewesen!
Du hättest auch viel früher aufgeben und scheitern können.“
Mari lächelte: „So habe ich das noch gar nicht gesehen, da hast du auch wieder recht. Jetzt habe ich noch eine Bitte an dich.“
„Welche?“ fragte er interessiert.
„Könntest du bitte sagen: Mari, du hast die nicht stattgefundene Prüfung bestanden!“
Er lächelte und sagte laut und deutlich: „Mari, du hast die nicht stattgefundene Prüfung bestanden!“
„Danke!“ Jetzt lächelte auch Mari 😊 und fühlte sich richtig froh.

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71. Manchmal ist alles ganz anders als gedacht

Bei Joel – Eine überraschende Situation

Bevor das Spiel begann und Joel in die Rolle des Meisters schlüpfte, fragte er Mari, wie er das immer tat: „Wie geht es dir heute, Mari?“
„Danke schön, ganz gut,“ war ihre Antwort.
Er nahm wahr, wie ihr Augenlid zuckte und fragte: „Also nicht aufgeregt?“
Mari lachte etwas verlegen. „Natürlich, aufgeregt bin ich immer vor unseren Spielen!“
Er sah sie an, wartete einen Moment, veränderte leicht seine Sitzposition und meinte schließlich: „Ah… Okay! Dann wird es Zeit, dass das Spiel beginnt.“
Mari zuckte unwillkürlich leicht zusammen und dachte: Immer wieder gelingt es ihm, mich mit dem Anfang des Spieles irgendwie zu überraschen, obwohl ich es ja erwarte.
Er schmunzelte: „Und? Jetzt noch aufgeregter?“
„Ja, stimmt“, gab sie zu.
„Und wie fühlt sich das genau an?“
„Mein Herz klopft schneller, es kribbelt in den Armen und Beinen…“
„Kribbeln hört sich doch gut an – oder?“
„Naja… halb, halb“, antwortete sie etwas zögerlich. „Es ist einerseits sehr lebendig und aufregend, andererseits aber auch irgendwie ein bisschen schwierig in dem aufgeregten Gefühl. Da haben wir ja schon mal drüber gesprochen…
„Und ist es jetzt eher schwierig aufgeregt oder eher lebendig aufgeregt?“
Mari hielt einen Moment inne, um nach zu spüren… Ich würde sagen 40% lebendig und 60% schwierig aufgeregt, diese Mischung ist meistens am Anfang des Spieles so.“
Joel sah sie freundlich an. „Was kann ich tun, um dich etwas zu beruhigen?“
Überrascht antwortete Mari: „Das ist ja lieb, dass du fragst. Alleine schon die Frage tut gut. Hm… eine Umarmung wär schön.“
„Aber gerne!“ lächelnd ging er auf sie zu und umarmte sie.
Mari nahm einen tiefen Atemzug und empfand seine Umarmung als sehr wohltuend. Ganz sanft und doch fest hielt er sie im Arm. Sie kuschelte sich eng an ihn und dachte dabei: „Ach könnte doch diese Umarmung gaaaanz lange anhalten…“
Langsam spürte Mari, wie ihre Aufregung sich etwas legte und sie ein bisschen ruhiger wurde. Schließlich löste sie sich aus der Umarmung.
„Und?“ fragte er, „besser?“
Sie nickte und sagte leise: „Ja, das war schön, hat gut getan!“
„Magst du ein Glas Wein?“
„Oh?“ Überrascht schaute sie ihn an. Wein hatte er ihr bisher noch nie am Anfang eines Spieles angeboten.
„Ja, gern…“
„Okay, wie schön“, damit löste er sich von ihr und ging in die Küche, während Mari sich wieder auf die Couch setzte und wartete. Ihre Gedanken wanderten zurück zu den vielen prickelnden Erlebnissen, die sie hier mit ihm schon erlebt hatte…Nach kurzer Zeit hörte sie ihn aus der Küche rufen: „Du kannst gerne schon vorgehen.“
„Vorgehen? Was meinst du?“ fragte sie verwundert mit etwas lauter Stimme, so dass er sie in der Küche verstehen konnte.“
„Na, ins Schlafzimmer“, antwortete er und öffnete den Wein.
„Ups! Aber von Schlafzimmer war doch überhaupt nicht die Rede…“ überlegte Mari – allerdings so leise, dass er sie in der Küche nicht hörte.
„Das mit dem Schlafzimmer war doch schon mal, und er hatte doch selbst gesagt, dass das eine bewusste Provokation war… Er wollte damit eine impulsiven Reaktion provozieren, anhand derer sie anschließend einiges über Fehleinschätzungen und eine neue Einstellung zum Fehler-machen verinnerlicht hatte.
Nein, diesmal würde sie sich nicht ins Bockshorn jagen lassen, beschloss sie. Aber was sollte im Schlafzimmer geschehen? Egal… Ich will ihm heute vertrauen, beschloss sie, und machte sich auf den Weg ins Schlafzimmer. Im Flur hörte sie ihn mit der Flasche und den Gläsern hantieren
„Bin gleich soweit“, rief er aus der Küche. Inzwischen stand sie vor der Schlafzimmertür und zögerte noch etwas… Schließlich öffnete sie die Tür.
Wow, was war das denn? ! Das Bett sah ja aus wie zu einem Picknick vorbereitet.
Erstaunt betrachtete sie es, also sollte das Spiel wohl heute hier stattfinden…
Sie hört ihn hinter sich kommen. „So“, sagte er, und die Gläser klirrten. Sie nahm einen tiefen Atemzug und beschloss, jetzt erst einmal abzuwarten.
Auch wenn ich schon wieder ziemlich aufgeregt bin, ich will heute gelassener bleiben als letztes Mal, sagte sie sich selbst.
„Tritt ruhig ein“, hörte sie ihn dicht hinter ihr sagen, „oder sieht das hier gefährlich aus?“
„Nein, gefährlich sieht es nicht aus“, gab sie leise zu.
„Na, dann trau dich“, meinte er lächelnd, ging an ihr vorbei und setzte sich gemütlich, halb liegend aufs Bett. Langsam ging sie nun auch auf das Bett zu und setzte sich auf die andere Seite des in der Mitte stehenden Tabletts mit schön angerichteten Leckereien.


„Ich dachte, ich zeige dir, dass allein der Ort eines Schlafzimmers noch nichts bedeutet.“
Er goss Wein in zwei Gläser und hielt ihr eins entgegen. „Lass uns anstoßen.“
„Okay“, sie nahm ihr Glas und stieß mit ihm an, ohne etwas zu sagen.
Mit einem fröhlichen „Prost!“ nahm er einen Schluck, und sie tat es ihm nach.
„Entspann dich, Mari. Niemand wird dir was tun, auch hier nicht.“
Mit diesen Worten nahm er etwas Käse vom Tablett und ließ ihn sich schmecken.
„Wie umsichtig, dass du das so explizit sagst. So ein Stückchen Käse würde ich auch gern nehmen.“
Lächelnd steckte er ihr ein Stückchen Käse in den Mund. „Lass es dir schmecken! Nur ein kleiner lockerer Imbiss im Schlafzimmer heute.“
Warum kribbelte es ihr trotzdem so im Bauch? Und irgendetwas im Magen fuhr Fahrstuhl.
Ja, das Wort „heute“ war es, was sich so seltsam bemerkbar machte.
Was würde das nächste Mal kommen? Wenn heute vorbei war…? Egal, jetzt lasse ich mir den Käse und und den Wein schmecken, beschloss sie.
„Mach es dir doch auch gerne etwas gemütlich“, lud er sie ein, und sie nahm auch die Beine hoch auf das Bett.
„Darf ich helfen?“ fragte er schnell, beugte sich vor und zog ihr behutsam einen Schuh aus.
Da sie noch den Wein in der Hand hielt, musste sie mit Bewegungen vorsichtig sein.
Sie kichert ein bisschen verlegen, „gibt es da nicht ein Märchen, in dem ein Schuh eine Bewandtnis hatte?“
„Ja“, überlegte er, „ich glaub, das war Cinderella.“ Er hielt nun ihren Fuß in den Händen. „…Und dein Fuß ist gewiss so zierlich und schön wie ihrer war.“
Wie angenehm sich seine warmen Hände um ihren etwas kühlen Fuß schlossen. Sie genoss diese Berührung. Sanft massiert er ihn ein wenig. Für einen Moment schloss sie die Augen, und spürte nur diese wunderbare Berührungen an ihrem Fuß, nahm einen tiefen Atemzug und meinte: „Oh, tut das gut!“
Ganz ruhig massierte er den Fuß in langsam kreisenden Bewegungen. Kurz öffnete sie die Augen, stellte das Weinglas auf das Tablett, das in der Mitte des Bettes platziert war, um dann die Augen wieder zu schließen. Ach eigentlich konnte sie sich auch ein bisschen mehr ausstrecken…
Nun zog er ihr auch den zweiten Schuh aus, und begann, diesen Fuß leicht zu massieren.
Unwillkürlich drehte sie sich von der Seitenlage auf den Rücken, damit der andere Fuß nicht so verdreht lag. Sanft massiert er die Füße und die Zehen…
Welch eine Wohltat!
Nach und nach entspannte sich Mari, wozu auch der Wein etwas beitrug.
Er hielt inne und trank einen Schluck Wein.
„Das hat sich wunderschön angefühlt, Joel!“ Auch sie nahm ihr Glas in die Hand und sie stießen noch einmal an.
„Und? Ist es so schlimm, im Schlafzimmer zu sein?“ fragte er lächelnd.
„Nein, natürlich ist das heute nicht schlimm…“ musste Mari zugeben.
„Und du liegst sogar auf dem Bett… War das die ganze Aufregung wert?“
„Normalerweise passieren halt im Bett andere Dinge. Das brauche ich dir doch wohl nicht zu erklären, oder?“ Sie war etwas gereizt bei seinen Worten.
„Nein“, entgegnete er gelassen, „nicht grundsätzlich. Es passiert, was beide wollen! Das ist das Entscheidende.“
Oh, dieser Satz hatte Kraft!
„Mari, ich verstehe, dass das Schlafzimmer eine symbolische Wirkung in sich trägt für Dinge, vor denen du noch Angst hast. Doch sei sicher: Hier wird niemals etwas geschehen, wozu du nicht bereit bist.“
Er beugte sich vor, gab ihr einen Kuss auf jeden Fuß und flüsterte: „Das Spiel ist vorbei.“

Geschrieben von Raffael und Miriam

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70. Gedankenleere

Bei Joel – Einfach nur wahrnehmen

„Mari, setz dich doch schon mal, und mach es dir gemütlich“, Joel ging in die Küche, um etwas zu trinken zu holen.
Sie setzte sich auf den Sessel und versank in Erinnerungen… Was hatte sie hier bereits alles erlebt – und immer war es – auch in allen Herausforderungen – mit Annahme und Verständnis verbunden gewesen. Was würde sie wohl diesmal in ihrem Rollenspiel erwarten, in dem Joel die Rolle des Meisters und sie die der Schülerin einnahm?
Wie würde es ihr heute gelingen, ihr Vertrauen und ihre Bereitschaft, sich ihm zu öffnen auszudrücken?
Was würde sie wohl heute hier mit ihm erleben?
Wie immer war sie aufgeregt.
Ohne dass sie es merkte – so versunken war sie in ihren Gedanken – betrat er den Raum, stellte sich hinter ihren Sessel, und legte ihr seine Hände auf die Schultern. Leicht zuckte sie zusammen.
„Ganz ruhig, Mari“, sagte er leise, und… „Das Spiel beginnt.“
Sie nickte zum Zeichen, dass sie bereit war.
„Trink noch etwas Wasser“, forderte er sie auf. „Danach wirst du erst einmal nicht dazu kommen.“
Bei diesen Worten begann ihr Magen unruhig zu flattern.
Schnell nahm sie das Glas und trank es zur Hälfte aus.
„Okay, Mari. Wie fühlst du dich?“
Seine Hände fuhren langsam an ihrem Nacken hoch und griffen von links und rechts in ihre Frisur. Es tat nicht weh, aber sie spürte einen leichten Zug an ihren Haaren.
Ein kribbelndes Gefühl floss aus ihrem Bauch aufwärts durch ihren Hals nach oben in den Kopf.
„Mari?“
Wie aus weiter Ferne klang seine Stimme an ihr Ohr.
„Ich habe dich etwas gefragt.“
Was hatte er gefragt… ? Sie hatte es vergessen. „Ich weiß es nicht mehr“, bekannte sie leise.
Der Druck seiner Hände, die ihre Haare fest zwischen seinen Fingern hielten, verstärkte sich etwas – nur wenig, aber spürbar.
„Ich wiederhole meine Frage: Wie fühlst du dich?“
„Da ist Unruhe, Nervosität, leichte Angst…“
„Tut dir der Griff in deine Haare weh?“ fragte er.
„Nein“, antwortete sie „noch nicht.“
„Warum noch?“
„Wenn du den Druck stärker erhöhen würdest, täte es weh.“
Er griff eine kleine Nuance fester zu.
„Und jetzt?“
Es war fest, ja. Sie konnte den Kopf nicht bewegen, ohne dass es Schmerz erzeugt hätte, aber wenn sie ihn ganz still hielt, tat nichts weh. Aber alles in ihr fühlte sich in Hochspannung.
„Es ist noch nicht schmerzhaft.“
„Hmm, sagte er leise… Du scheinst den Schmerz ja regelrecht zu erwarten, wenn du zum zweiten Mal das Wort „noch“ verwendest. Ist das so?“
Mari überlegte. Ja, irgendwie war es wohl so…
„Mari? Ist das so?“
„Ja, da du den Druck erhöht hast… befürchte ich das.“
„Traust du mir zu, dir bewusst Schmerz zuzufügen?“
Sie wollte den Kopf schütteln, aber das ging natürlich nicht mit seinem festen Griff im Haar. „Nein, eigentlich nicht.“
„Und uneigentlich?“
„Na ja, sicher weiß ich es ja nicht ganz genau..“
„Irgendwann wird die Zeit kommen, in der du es sicher weißt, Mari“, antwortete er . „Und bis es soweit ist, wird die Angst immer wieder einmal unser Gast sein.“
War das eine Kritik? War er jetzt verärgert?
„Und es dauert so lange, wie es dauert, bis es soweit ist.“ Bei diesen Worten, die sehr sanft von ihm gesprochen wurden, konnte sie ein leichtes Lächeln dabei sogar in seiner Stimme hören, ohne dass sie ihn sah.
Erleichtert atmete sie aus.

„Sehr gut, Mari. Entspann dich so gut es geht in deine Gefühle hinein. Und antworte mir so spontan wie möglich, sprich entweder von deinen körperlichen oder von den emotionalen Empfindungen. Was nimmst du jetzt wahr?“
„Den Zug in meinen Haarwurzeln spüre ich deutlich.“
„Wie genau fühlt sich das an?“
Es ist, als würde ich jedes einzelne Haar spüren und als würde mein Kopf, der durch diesen festen Zug der Haare an einer Position gehalten wird, fast nicht in der Lage sein zu denken, so absorbiert bin ich durch diese dicht an der Schmerzgrenze entlang wandernden Empfindungen.“
„Gut, Mari, dann lass dich ganz hinein fallen in diese Empfindungen. Spüre einfach nur…“
Ein wenig reduzierte er nun die Intensität, mit der er in ihre Haare griff. Für sie war diese Nuance sehr deutlich spürbar und löste einen unwillkürlichen Laut der Entspannung aus, wobei sie tief ausatmete. Ohhh, fühlte sich das gut an, weich… entspannend… ihre Augenlider sanken herab. Gedankenfreier Raum… nur fühlen…spüren… wohl fühlen… sich ausdehnen in dieses Wohlgefühl hinein.

Joel spürte anhand ihrer verlangsamten Atmung und der leisen Laute, die sie von sich gab, wie sie diesen Zustand genoss und hielt sie bewegungslos ein Weilchen in dieser Position.

Dann griff er plötzlich wieder etwas fester hinein. Ein schnelles Einatmen war bei Mari die Folge.
„Was empfindest du?“ frage er sofort. Denn er wollte keinesfalls, dass sie in den Bereich unangenehmer Empfindungen hinein geriet.
„Es ist wie eine Welle, die durch den plötzlichen kleinen Schreck durch mich hindurch gesaust ist“, erklärte Mari und fühlte sich wieder hellwach und völlig angstfrei.
„Atme ganz ruhig weiter, und nimm einfach nur wahr, was du fühlst. Sag mir sofort Bescheid, falls sich etwas unangenehm anfühlen sollte.“
„Okay!“ Aufmerksam spürte sie nach, wie es ihrem Kopf ging. Mittlerweile war sie schon über zehn Minuten in gedankenleerem Raum…
Wieder reduzierte er ganz langsam den Druck, mit dem er an ihren Haaren zog. Und wieder atmete sie aus und ließ sich fallen in dieses Gefühl, immer weicher zu werden… Und wieder hielt er sie ein Weilchen in genau diesem Druck und ließ es dann noch sanfter werden, was eine noch tiefere Entspannung zur Folge hatte. Er fragte nun auch nicht mehr, sondern ließ Mari Zeit, in ihrem gedankenlosen, herrlich entspannten, sich immer mehr weitenden Raum der Gedankenleere zu verweilen. Immer mehr lockerte er nach und nach, unendlich langsam seinen Griff, bis er seine Hände ganz von ihrem Kopf löste und ihr selbst das nicht mehr auffiel. Diese Erfahrung währte eine knappe halbe Stunde.
Und als Mari sich dann langsam dehnte, bewegte und schließlich die Augen öffnete, sah sie Joel lächelnd ihr gegenüber auf der Couch sitzen. Sie konnte sich nicht erinnern, sich jemals so herrlich entspannt, erfrischt und gelassen gefühlt zu haben. Erfreut nahm Joel wahr, wie ihre Augen leuchteten. Im Zustand der Gedankenleere war sie tief in sich selbst, in ihre innerste Kraftquelle, versunken gewesen.
Danke“, sagte sie leise, ging langsam auf ihn zu, setzte sich neben ihn auf die Couch und nahm seine Hand. „Es ist wie ein Zauber… so wohl fühle ich mich…“
Leise sagte er: „Das freut mich sehr, Mari. Und auch wenn das Spiel jetzt beendet ist, lass diesen Zustand noch so lange da sein, wie er da sein möchte…“
Sie saßen in ruhigem Einklang noch lange auf der Couch… in Stille.
Und zum ersten Mal empfand sie die Stille nicht als belastend, sondern eher so, als würde sie sich in einem heilenden Raum aufhalten.

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46. Die Schöne und das Biest

Bei Joel – Eine schöne Überraschung

Mari war auf dem Weg zu Joel an diesem Tag leider etwas spät dran. Das steigerte ihre ohnehin schon immer vorhandene Aufregung, wenn sie ihm begegnete.
Eigentlich neigt er ja nicht dazu, schnell verärgert zu sein, versuchte sie sich zu beruhigen.

Es dauerte einen Moment bis der Summer erklang, und Mari eilte die Treppe hinauf. Joel empfing sie schon vor der Tür. Er trug eine legere schwarze Hose und ein schwarzes T-Shirt. Warum er wohl heute ganz in Schwarz gekleidet war?

Er bat sie, voraus zu gehen – und noch während sie an ihm vorbei ging und ihm daher zwangsläufig nahe war, flüsterte er ihr ins Ohr: „Das Spiel beginnt.“ 

„Nanu,“ entgegnete sie spontan, „heute so ganz ohne Vorgespräch?“ Kaum war die Frage ausgesprochen, wurde ihr bewusst, dass sie es ja nun schon mit dem Meister zu tun hatte, und nun schon ihre Regel galt, keine vermeidbaren Fragen zu stellen, eine Regel, die ihr schon manches Mal schwer gefallen war, einzuhalten. Und in letzter Zeit gab es für Regelverletzungen auch Sanktionen.
Mist, dachte sie – gleich zu Anfang reingerasselt
Ihr Blick fiel durch die offene Tür ins Wohnzimmer. Das Sofa war aufgeklappt… In dieser Form erinnerte es sie an ein früheres Spiel. An dem Tag war er ja auch schwarz gekleidet. Und dann war die unangenehme Aufforderung gekommen, sie solle sich entkleiden und auf das aufgeklappte Sofa legen. Die Erinnerung an diese Situation und die damit verbundenen Gefühle taten ihr in der jetzigen Situation, in der sie ja auch noch eine Strafte aufgrund der vermeidbaren Frage zu erwarten hatte, gar nicht gut.

Am liebsten wäre Mari gegangen, aber als sie sich umdrehte, stand Joel zwischen ihr und der Tür, so dass es in diesem Moment nicht möglich war zu gehen. Ihr Angst-Muster war aktiviert.  Joel, der das spürte, ging einen Schritt zurück.

Er sah ihr sanft in die Augen. Hatte er die Frage vielleicht gar nicht als solche bemerkt? Doch dann kam der gefürchtete Satz von ihm: „Mari, ich glaube, das war eine Frage.“

Maris Herz klopfte… „Entschuldigung, das kam einfach zu plötzlich“, stammelte sie. 

„Bist du bereit, deinen Fehler auszugleichen?“ fragte er ruhig.

In Mari tobte es hin und her… Warum nur fiel es ihr mal leichter und mal schwerer, im Vertrauen zu bleiben? Es war ihr beim letzten Mal ja schon leichter gefallen, seine kleinen Sanktionen annehmen zu können… Unglücklich schaute sie auf den Boden. Sie wäre ja sowieso schon bei dem Anblick der ausgezogenen Couch  gerade am liebsten gegangen, und nun auch das noch! Sollte sie einfach gehen und die ganzen heiklen Situationen, die mit diesen Machtspielen entstanden waren, hinter sich lassen? Er würde sie bestimmt nicht daran hindern. Andererseits  hatte es auch wunderschöne Situationen gegeben und sie hatte sich lange nicht so lebendig gefühlt wie in letzter Zeit… Und sie hatte sich ja eigentlich vorgenommen, künftig Strafen als Ausgleichmöglichkeit anzunehmen… Das alles ging ihr durch den Kopf.

Joel, der ihre Zerrissenheit bemerkte, erklärte ihr freundlich:  „Weißt du, ich hatte einen netten gemütlichen Abend geplant, aber es braucht jetzt ein ganz kleines Entgegenkommen von dir, dass wir damit beginnen können – bist du damit einverstanden?“

Sie redete sich selbst gut zu… und schließlich traf sie eine Entscheidung, nahm allen Mut zusammen und sagte: „Ja, ich bin bereit.“

„Ich freue mich sehr, Mari! Ich habe in der Küche etwas vorbereitet, das zu unserem Abend gehört, und ich bitte dich, es zu holen und ins Wohnzimmer zu bringen. Würdest du das tun?“

„Ja natürlich! Ist das bereits der Ausgleich? Oder kommt der noch?“

„Ist das noch eine Frage?“
 
„O Mist! Entschuldigung! ich bin irgendwie so… durcheinander… Tut mir echt leid!“
 
„Würdest du nun in die Küche gehen?“
 
„Ja, selbstverständlich!“ Mari ging in die Küche und kämpfte mit den Tränen. Musste heute aber auch von Anfang an alles schief gehen?!

Sie hörte Joel von draußen sagen: „Ok, du wirst schon sehen, was ich meine… In der Küche sind zwei kleine Tellerchen mit Schokolade und Keksen vorbereitet.

In der Küche nahm sie erst einmal ein paar tiefe Atemzüge, wischte sich die Tränen aus den Augen und trug dann die Tellerchen ins Wohnzimmer. Was würde jetzt geschehen… War das schon die Sanktion oder würde sie noch kommen? Würde sie nun doppelt bestraft werden? War er ungehalten, weil sie gleich noch eine Frage gestellt hatte?  Sie erinnerte sich daran, dass Joels „Strafen“ bisher nicht schlimm oder gar schmerzhaft waren. Wirklich schwer auszuhalten war für sie nur das peinliche Gefühl, das damit einher ging. Konnte sie es sich nicht endlich abgewöhnen, in den Spielen Fragen zu stellen und sich damit in schwierige Situationen zu bringen… 

Schließlich ging sie zögerlich mit den beiden Tellerchen ins Wohnzimmer.

Joel saß auf einer Seite der ausgezogenen Couch, aufrecht, mit dem Rücken an der Wand, ganz entspannt und deutet auf die beiden Schemel links und rechts vom Sofa. Aha, dort sollte sie die Nasch-Tellerchen wohl hin stellen. Und wenn sie falsch lag?

Dann würde er es sagen und nichts würde geschehen, flüsterte ihre innere Stimme ihr zu. 

Langsam verstand sie sich selbst. Sie stellte immer wieder Fragen, um zu vermeiden, korrigiert zu werden, was eigentlich gar kein Problem war. Nur gegen bekannte Regeln zu verstoßen wurde von ihm sanktioniert. Es war noch niemals zum Problem geworden, wenn sie etwas falsch verstanden hatte… 

Mach es dir gemütlich Mari, ich habe eine Überraschung für uns“, Joel riss sie aus ihren Gedanken.

Soll ich mich jetzt neben ihn auf die Couch setzen oder auf den Sessel, fragte sie sich und ärgerte sich gleichzeitig über sich selbst, dass jede noch so kleine Unsicherheit sie derart belastete.

Joel ging zum Fernseher und legte eine DVD ein, während er lächelnd an Mari vorbei ging und in ihr Ohr flüsterte: „Die zweite Frage vorhin habe ich schon wieder vergessen. Und alles andere ist nun erledigt.“ Dabei zwinkerte er freundlich mit den Augen, nahm sie bei der Hand und zog sie mit sich auf die Couch. Mari nickte erleichtert und setzte sich neben ihn.

Zu ihrer Freude erklang eine beschwingte Walt-Disney-Melodie aus dem Film Die Schöne und das Biest. Wie jetzt… einfach nur miteinander einen Film schauen – wie schön war DAS denn?!

Mari lehnte sich neben Joel an die Wand, an die er aufrecht zwei dicke Kissen gelehnt hatte. 

„Lass uns heute einfach einen gemütlichen Abend machen, Mari, okay?“

Erleichtert nickte Mari: „Oh ja, sehr gerne!“

Tatsächlich entspannte sie sich mit der Zeit mehr und mehr, und beide folgten der Filmhandlung. Zuweilen summten sie bei den Liedern mit, und Mari lehnte sich ohne darüber nachzudenken an den geöffneten Arm von Joel. So entspannt hatte sie sich innerhalb der Spiele noch nie gefühlt.

Als dann allerdings die DVD zu Ende war, und ihr bewusst wurde, wie nahe sie an den Meister angekuschelt war in einer halb sitzenden, halb liegenden Position, rückte sie vorsichtig wieder ein Stück ab von ihm.
„Danke, dass du mich mit einem so schönen Film überrascht hast,“ sagte sie leise.

Joel – noch immer in der Meisterrolle – lächelte: „Freut mich, dass es dir gefallen hat, Mari. Was meinst du, weshalb ich genau diesen Film gewählt habe? Hast du eine Idee?“

„Vielleicht, weil die Angst der Schönen vor dem Biest sich als unbegründet heraus stellte?“ vermutete sie.

„ich freu mich, dass du meine Botschaft, die in dem Film versteckt war, erkannt hast! Du hast dich vorhin so schön bei mir angelehnt und entspannt in meinem Arm gesessen, ja fast haben wir ja gelegen… Hast du jetzt, ohne den Film, auch den Mut, noch einmal näher zu kommen?“

Mari zögerte… Ja, es war eigentlich schön gewesen, in seinem Arm zu sein, selbst wenn es eine fast liegende Haltung war. Sie rückte auf ihn zu, und er legte ganz zart wieder einen Arm um ihre Schulter. „Das ist schön…“ flüsterte er. „Ich weiß, dass dieser – im Gegensatz zu vorhin – bewusste Schritt, mir von dir aus näher zu kommen, nicht ganz leicht war. Danke für dein Vertrauen. Weißt du Mari, ich versuche mein Möglichstes, um es dir leichter zu machen in deiner Angst, die dich manchmal noch so belastet. Und wenn dabei ein Märchen hilft – dann bette ich eben auch schon mal einen kleinen neuen Schritt  in ein Märchen ein. Und selbst ohne Märchen bist du eben gerade ganz mutig gewesen!“ Dann drückte er sie nochmal ganz kurz und das Spiel war beendet.

Joel meinte zu ihr: „Jetzt kannst du noch ein bisschen bleiben oder auch nach hause gehen, wie du möchtest, Mari.“

„Ich würde gern noch ein wenig in deinem Arm bleiben, wenn das okay ist…?“

„Und WIE das okay ist!“ lachte er.  

„Das war richtig schön heute, bekannte sie leise. „Wenn ich nur vorher den Anfang nicht so vermasselt hätte!“ 

„Was hast du vermasselt, Mari? Gar nichts! Ist es nicht ein richtig schöner Abend geworden? Denk an unsere wichtigste Regel: Fehler dürfen sein! Und auch die kleinen liebenswerten Regelverstöße sind doch dazu da, dir immer wieder neu die Gelegenheit zu geben, dass du die Erfahrung machen kannst, dass es nicht schlimm ist, Fehler zu machen, dass dir keiner böse ist deshalb und du sie leicht wieder ausgleichen kannst – im Gegensatz zu dem, was du als Kind erlebt hast. Dazu dienen meine kleinen Strafen: Dein Unterbewusstsein wird nach und nach lernen, dass nach einem kleinen „Schreckmoment“ des Erkennens und durch deine Bereitschaft, die vom Meister gegebene Ausgleichshandlung anzunehmen, alles ganz schnell wieder vorbei sein kann. Du selbst hast es damit in der Hand, dass direkt danach alles schon wieder losgelassen wird, als wäre es gar nicht geschehen. Na und heute war doch dein Meister sogar so großzügig und hat deine zweite kleine Frage gleich wieder vergessen…“ Er schmunzelte, zog Mari ein wenig fester in seinen Arm – und sie ließ es dankbar geschehen. Mit ihm fiel es ihr doch wesentlich leichter, die Körpernähe zuzulassen und sogar schon etwas zu genießen… 

„Danke für den schönen Abend“, flüsterte sie, „und danke, dass du dir so viele Gedanken um mich machst…“

Geschrieben von Rafael und Miriam

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44. Eine Wanderung mit kleinen Schritten an der Grenze entlang

Mari geht spazieren

Gedankenversunken lief Mari durch den nahegelegenen Park, in dem sie inzwischen auch schon einige Male mit Joel spazieren gegangen war.

Ihre Gedanken wanderten zurück zum gestrigen Spiel mit dem Meister, den Joel wieder für sie dargestellt hatte. Diesmal fand sie einen Stuhl vor, der in der Mitte des Zimmers stand… Jedes Mal, wenn sie eine überraschende Anordnung der Möbel im Zimmer vor fand, rätselte sie, was das wohl für sie zu bedeuten haben möge. Bisher hatte sie es nie vorher rausfinden können.

Gestern sollte sie sich auf den Stuhl setzen, ihr wurden die Augen verbunden, und ihre Aufgabe bestand lediglich darin zu spüren. Na ja, klang erst mal nicht so schlimm… War eigentlich auch nicht wirklich „schlimm„, dachte sie jetzt im Nachhinein, schlimm nicht, aber ziemlich bewegend und herausfordernd…

Es war ein angenehmes Gefühl, als der Meister anfangs ihre Hand nahm und streichelte… Auch als er ganz langsam den Arm immer ein Stückchen aufwärts wanderte und wieder zurück kehrte zur Hand… Als er dann am Oberarm angelangt war und ein kleines Stückchen unter den Saum ihrer Ärmel wanderte, entstand ein spannendes Gefühlsgemisch, das sie in Aufregung versetzte. Mari dachte an diesen fortwährenden fast rhythmischen Wandel ihres Gefühlszustandes innerhalb der verschiedenen Berührungen… Irgendwann hatte sie die steigende Anspannung in diesen Wellen kaum noch aushalten können.
In solch einem Moment fragte Joel sie nach der Farbe ihrer Gefühlsampel.
Kann er Gedanken lesen? fragte sie sich gerade…“ rötliches Orange“, gab sie zur Antwort.

Eigentlich gut, dass er meine Körpersprache so gut wahrnehmen kann, aber irgendwie… auch seltsam, so durchschaubar zu seinDas ist, als würde es seine Macht verstärken, überlegte sie.
Er hatte freundlich geantwortet, er würde sich freuen, wenn er sie wieder auf „gelb“ zurück führen könnte, und hatte ihr erlaubt, einen Wunsch zu äußern.

Mari bewegte jetzt im Park beim Laufen unwillkürlich ihre Schultern, denn ihr Wunsch war eine Schulter- und Nackenmassage gewesen, denn sie hatte schon erlebt, wie gut es ihr tat, wenn Joel sie dort massiert hatte. Und so hatte die Erfüllung dieses Wunsches ihr auch gestern geholfen, wieder mehr entspannen zu können. Ihr war schließlich so warm geworden, dass sie ihn fragte, ob sie ihre kurzärmelige Jacke ausziehen könne.

Mari verzog ihren Mund zu einem verunglückten Grinsen in der Erinnerung daran, dass sie mit dieser Frage wieder die Regel verletzt hatte, nur absolut unvermeidbare Fragen zu stellen, um sich daran zu gewöhnen, auch Risiken einzugehen und zu vertrauen, dass nichts Schlimmes geschieht, wenn sie etwas anders machte, als er es gemeint hatte. Sie hätte die Jacke einfach ausziehen können, ohne zu fragen. Also ihr „Absichern wollen“ anhand von Fragen führte in diesen Spielen gerade dahin, wo sie nicht hin wollte, nämlich zur Verletzung dieser für sie so ungewohnten Nicht-Frage-Regel. Würde sie weniger Fragen stellen und sich einfach trauen, Dinge zu tun, wie sie ihr einfielen, würde sie die Regel weniger verletzen und sich damit nicht so oft auf Glatteis begeben. Wieder mal ein Paradoxon!

Ich frage, um nichts falsch zu machen und keine negative Sanktion zu bekommen und genau durch das Fragen erhalte ich sie.
Ich hätte gestern die Jacke einfach ausziehen sollen, ohne zu fragen, dann hätte ich auch keine Regel verletzt. So wollte ich vorher seine Zustimmung erhalten, um wie immer nichts falsch zu machen, und hab´s gerade damit wieder mal versemmelt.

Na ja, es war kein Verhängnis draus geworden – das war es ja eigentlich nie in den Sitzungen mit dem Meister! Aber es hatte sich durchaus unangenehm angefühlt, als er fragte: „Bereit für deine Strafe?“ Aber – und nun war Mari ein bisschen stolz auf sich – diesmal hatte sie gleich „Ja!“ gesagt, anders als in den Anlässen davor, in denen sie so starke Angst davor hatte, dass es ihr erstmal nicht so schnell möglich war, ihre Bereitschaft zu bekunden und sie mit allen Mitteln versucht hatte, das Blatt zu wenden, was ihr natürlich nie gelungen war. Doch wenn sie zurück dachte, war ihr Meister in der Auswahl seiner Sanktionen stets so achtsam gewesen, dass dadurch nie eine Angst verstärkt oder neu entstanden war – im Gegenteil, zurück blieb immer eine Erleichterung, erstens es geschafft zu haben und zweitens, dass es nie wirklich schlimm war.

So auch gestern: Nachdem sie diesmal, ohne lange zu zögern und zu diskutieren „Ja, ich bin bereit“ gesagt hatte, sollte sie ihm in die Augen schauen und ihm sagen: „Ich will meine Bereitschaft vertiefen, bei dir Risiken einzugehen.“ Allerdings nur dann, wenn sie dazu wirklich ja sagen könne, ansonsten würde er sich eine andere Sanktion einfallen lassen.
Und Mari bekundete diese Bereitschaft gerne. Sie wünschte es sich ja tatsächlich, mutiger, spontaner und risikobereiter zu sein.
Dankbar dachte Mari: Ich merke immer wieder, dass ich ihm vertrauen kann und er es mir so leicht macht, wie es im Rahmen dieser doch herausfordernden Machtspiel-Situationen möglich ist.

Nachdem diese Klippe umschifft war, wendete er sich wieder ihren Schultern zu und massierte sie bis in den Nacken hinein. War das gut… ! Sie fühlte jetzt noch das wunderbare Gefühl, wie sich ihre Anspannung wieder langsam gelöst hatte.

Doch als er sich dann langsam unter ihr Top vortastete und gar nicht mal unangenehm über die Schlüsselbeine strich, spürte Mari eine deutliche innere Grenze. Sie begann leicht zu zittern und wäre am liebsten aufgestanden, um die Situation sofort zu beenden. So schnell entstanden

in ihr Verknüpfungen, die alte Übergriffs-Situationen an triggerten.
Ihr Meister spürte ihre Anspannung, hielt in diesem Moment mit seinen Berührungen inne und fragte: „Mari, welche Farbe hat unsere Ampel?“ Als sie „Hellrot“ flüsterte, nahm er ruhig seine Hände dort weg, legte ihr eine Hand an ihre Stirn und die andere an den unteren Hinterkopf. Ihren heißen Kopf auf diese Weise in Joels Hände abgeben zu können, tat ihr sehr gut und ihr Stresspegel sank überraschend schnell. Als würde meine ganze Anspannung durch seine Hände abgeflossen sein – erinnerte sie sich. Danach hatte er das Spiel beendet, so dass sie in diesem angenehm entspannte Zustand hatte bleiben können.



Warum nur vergesse ich in solchen Momenten immer wieder die Möglichkeit, anhand der Ampel zu kommunizieren, wie es mir geht? fragte sie sich. Und gestern hatte er mich zu Beginn des Spieles sogar noch dran erinnert. Ich will künftig versuchen, das mehr im Auge zu behalten! Wie gut, dass er mich ein paar Mal von sich aus nach der aktuellen Ampelfarbe gefragt hat – das hätte sonst fast wieder zu einem Abbruch führen können, so wie neulich, als ich das Tuch bei unserem Blind-durch-den-Park-geh-Spiel abrupt abgerissen hatte. Doch auch danach war es dann wieder gut weiter gegangen, erinnerte sie sich dankbar.

Und wie schön war es gestern am Ende, als er mich umarmte, mir sagte, dass er sich gefreut habe, wie viel ich zulassen konnte, und dann ziemlich bald das Spiel beendete, und mich in Joels Armen zurück ließ… Mit ihm selbst, außerhalb der Meisterrolle fühlt es sich viel leichter und angenehmer an für mich!

Seltsam…, überlegte sie schon zum wiederholten Male, dass ich diese Spiele trotzdem auch immer wieder will…

Dieses Kapitel wurde gemeinsam geschrieben von Rafael und Miriam.

Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge

44. Eine Wanderung mit kleinen Schritten an der Grenze entlang

Mari geht spazieren

Gedankenversunken lief Mari durch den nahegelegenen Park, in dem sie inzwischen auch schon einige Male mit Joel spazieren gegangen war.

Ihre Gedanken wanderten zurück zum gestrigen Spiel mit dem Meister, den Joel wieder für sie dargestellt hatte. Diesmal fand sie einen Stuhl vor, der in der Mitte des Zimmers stand… Jedes Mal, wenn sie eine überraschende Anordnung der Möbel im Zimmer vor fand, rätselte sie, was das wohl für sie zu bedeuten haben möge. Bisher hatte sie es nie vorher rausfinden können.

Gestern sollte sie sich auf den Stuhl setzen, ihr wurden die Augen verbunden, und ihre Aufgabe bestand lediglich darin zu spüren. Na ja, klang erst mal nicht so schlimm… War eigentlich auch nicht wirklich „schlimm„, dachte sie jetzt im Nachhinein, schlimm nicht, aber ziemlich bewegend und herausfordernd…

Es war ein angenehmes Gefühl, als der Meister anfangs ihre Hand nahm und streichelte… Auch als er ganz langsam den Arm immer ein Stückchen aufwärts wanderte und wieder zurück kehrte zur Hand… Als er dann am Oberarm angelangt war und ein kleines Stückchen unter den Saum ihrer Ärmel wanderte, entstand ein spannendes Gefühlsgemisch, das sie in Aufregung versetzte. Mari dachte an diesen fortwährenden fast rhythmischen Wandel ihres Gefühlszustandes innerhalb der verschiedenen Berührungen… Irgendwann hatte sie die steigende Anspannung in diesen Wellen kaum noch aushalten können.
In solch einem Moment fragte Joel sie nach der Farbe ihrer Gefühlsampel.
Kann er Gedanken lesen? fragte sie sich gerade…“ rötliches Orange“, gab sie zur Antwort.

Eigentlich gut, dass er meine Körpersprache so gut wahrnehmen kann, aber irgendwie… auch seltsam, so durchschaubar zu seinDas ist, als würde es seine Macht verstärken, überlegte sie.
Er hatte freundlich geantwortet, er würde sich freuen, wenn er sie wieder auf „gelb“ zurück führen könnte, und hatte ihr erlaubt, einen Wunsch zu äußern.

Mari bewegte jetzt im Park beim Laufen unwillkürlich ihre Schultern, denn ihr Wunsch war eine Schulter- und Nackenmassage gewesen, denn sie hatte schon erlebt, wie gut es ihr tat, wenn Joel sie dort massiert hatte. Und so hatte die Erfüllung dieses Wunsches ihr auch gestern geholfen, wieder mehr entspannen zu können. Ihr war schließlich so warm geworden, dass sie ihn fragte, ob sie ihre kurzärmelige Jacke ausziehen könne.

Mari verzog ihren Mund zu einem verunglückten Grinsen in der Erinnerung daran, dass sie mit dieser Frage wieder die Regel verletzt hatte, nur absolut unvermeidbare Fragen zu stellen, um sich daran zu gewöhnen, auch Risiken einzugehen und zu vertrauen, dass nichts Schlimmes geschieht, wenn sie etwas anders machte, als er es gemeint hatte. Sie hätte die Jacke einfach ausziehen können, ohne zu fragen. Also ihr „Absichern wollen“ anhand von Fragen führte in diesen Spielen gerade dahin, wo sie nicht hin wollte, nämlich zur Verletzung dieser für sie so ungewohnten Nicht-Frage-Regel. Würde sie weniger Fragen stellen und sich einfach trauen, Dinge zu tun, wie sie ihr einfielen, würde sie die Regel weniger verletzen und sich damit nicht so oft auf Glatteis begeben. Wieder mal ein Paradoxon!

Ich frage, um nichts falsch zu machen und keine negative Sanktion zu bekommen und genau durch das Fragen erhalte ich sie.
Ich hätte gestern die Jacke einfach ausziehen sollen, ohne zu fragen, dann hätte ich auch keine Regel verletzt. So wollte ich vorher seine Zustimmung erhalten, um wie immer nichts falsch zu machen, und hab´s gerade damit wieder mal versemmelt.

Na ja, es war kein Verhängnis draus geworden – das war es ja eigentlich nie in den Sitzungen mit dem Meister! Aber es hatte sich durchaus unangenehm angefühlt, als er fragte: „Bereit für deine Strafe?“ Aber – und nun war Mari ein bisschen stolz auf sich – diesmal hatte sie gleich „Ja!“ gesagt, anders als in den Anlässen davor, in denen sie so starke Angst davor hatte, dass es ihr erstmal nicht so schnell möglich war, ihre Bereitschaft zu bekunden und sie mit allen Mitteln versucht hatte, das Blatt zu wenden, was ihr natürlich nie gelungen war. Doch wenn sie zurück dachte, war ihr Meister in der Auswahl seiner Sanktionen stets so achtsam gewesen, dass dadurch nie eine Angst verstärkt oder neu entstanden war – im Gegenteil, zurück blieb immer eine Erleichterung, erstens es geschafft zu haben und zweitens, dass es nie wirklich schlimm war.

So auch gestern: Nachdem sie diesmal, ohne lange zu zögern und zu diskutieren „Ja, ich bin bereit“ gesagt hatte, sollte sie ihm in die Augen schauen und ihm sagen: „Ich will meine Bereitschaft vertiefen, bei dir Risiken einzugehen.“ Allerdings nur dann, wenn sie dazu wirklich ja sagen könne, ansonsten würde er sich eine andere Sanktion einfallen lassen.
Und Mari bekundete diese Bereitschaft gerne. Sie wünschte es sich ja tatsächlich, mutiger, spontaner und risikobereiter zu sein.
Dankbar dachte Mari: Ich merke immer wieder, dass ich ihm vertrauen kann und er es mir so leicht macht, wie es im Rahmen dieser doch herausfordernden Machtspiel-Situationen möglich ist.

Nachdem diese Klippe umschifft war, wendete er sich wieder ihren Schultern zu und massierte sie bis in den Nacken hinein. War das gut… ! Sie fühlte jetzt noch das wunderbare Gefühl, wie sich ihre Anspannung wieder langsam gelöst hatte.

Doch als er sich dann langsam unter ihr Top vortastete und gar nicht mal unangenehm über die Schlüsselbeine strich, spürte Mari eine deutliche innere Grenze. Sie begann leicht zu zittern und wäre am liebsten aufgestanden, um die Situation sofort zu beenden. So schnell entstanden in ihr Verknüpfungen, die alte Übergriffs-Situationen an triggerten.
Ihr Meister spürte ihre Anspannung, hielt in diesem Moment mit seinen Berührungen inne und fragte: „Mari, welche Farbe hat unsere Ampel?“
Als sie „Hellrot“ flüsterte, nahm er ruhig seine Hände dort weg, legte ihr eine Hand an ihre Stirn und die andere an den unteren Hinterkopf. Ihren heißen Kopf auf diese Weise in Joels Hände abgeben zu können, tat ihr sehr gut und ihr Stresspegel sank überraschend schnell. Als würde meine ganze Anspannung durch seine Hände abgeflossen sein – erinnerte sie sich. Danach hatte er das Spiel beendet, so dass sie in diesem angenehm entspannte Zustand hatte bleiben können.



Warum nur vergesse ich in solchen Momenten immer wieder die Möglichkeit, anhand der Ampel zu kommunizieren, wie es mir geht? fragte sie sich. Und gestern hatte er mich zu Beginn des Spieles sogar noch dran erinnert. Ich will künftig versuchen, das mehr im Auge zu behalten! Wie gut, dass er mich ein paar Mal von sich aus nach der aktuellen Ampelfarbe gefragt hat – das hätte sonst fast wieder zu einem Abbruch führen können, so wie neulich, als ich das Tuch bei unserem Blind-durch-den-Park-geh-Spiel abrupt abgerissen hatte. Doch auch danach war es dann wieder gut weiter gegangen, erinnerte sie sich dankbar.

Und wie schön war es gestern am Ende, als er mich umarmte, mir sagte, dass er sich gefreut habe, wie viel ich zulassen konnte, und dann ziemlich bald das Spiel beendete, und mich in Joels Armen zurück ließ… Mit ihm selbst, außerhalb der Meisterrolle fühlt es sich viel leichter und angenehmer an für mich!

Seltsam…, überlegte sie schon zum wiederholten Male, dass ich diese Spiele trotzdem auch immer wieder will…

Dieses Kapitel wurde gemeinsam geschrieben von Rafael und Miriam.

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37. Hände verschmelzen – Umarmung genießen

Bei Mari – Fortsetzung von Wie durch eine besondere Art des Strafens Vertrauen wachsen kann

Mari und Joel, der für sie wieder die Rolle des Meisters angenommen hatte in ihrem jetzt gerade begonnenen Spiel saßen sich gegenüber.
„Bereit zu unserer Übung?“ frage Joel.

„Ja, Meister“, antwortete Mari entschlossen.

„Also, ich möchte, dass du gleich deine Hände in meine legst, deine Augen schließt und sie dann wieder öffnest, wenn du findest, dass es der geeignete Moment dafür ist. Okay, Mari?“

„Also irgendwann, wenn ich das so empfinde…“

„Du bestimmst den Moment, Mari.“

„Okay“, sie rutschte mit ihrem Stuhl noch etwas näher an Joel heran und legte ihre Hände in seine. Er nahm sie ganz sanft auf. Dadurch, dass sie die Augen geschlossen hatte, spürte sie seine Hände, die ihre behutsam und ohne Druck hielten, besonders deutlich. Das war ein angenehmes Gefühl… Fast war sie erstaunt über sich, wie gut sich das anfühlte. Und sie spürte auch, dass sie mit den geschlossenen Augen im Moment eine Art Unbefangenheit hatte, die es ihr leichter machte, die Wärme seiner Hände und das angenehme Gefühl, das sie dabei empfand, bewusst wahrzunehmen.
Diese ruhigen, Wärme ausstrahlenden Hände vermittelten ihr einen Eindruck von Sicherheit und Geborgenheit, von Schutz und Wärme…
Das Gefühl, das durch die Hände ausgelöst war, übertrug sich auf Maris gesamte Persönlichkeit. Es fühlt sich an, als würde er mich annehmen und halten – nicht nur meine Hände, sondern mich als ganze Mari, dachte sie.

Joels Atem ging ruhig und tief, sie konnte ihn hören und fühlen. Wie von selbst übernahm Mari seinen Atem-Rhythmus, und sie beide atmeten miteinander entspannt, langsam und in Ruhe. Als sie sich dessen gewahr wurde, sagte sie innerlich „Ja“ dazu und nahm ganz bewusst die Verbundenheit wahr, die durch die gehaltenen Hände und den gemeinsamen Atemrhythmus entstanden war. Ohne nachzudenken, gab sie sich ganz in diesem Moment hinein. Die Frage, wann sie die Augen wieder öffnen sollte, trat in den Hintergrund. Es war, als würden die Hände mteinander verschmelzen – sie spürte nicht mehr, wo ihre Hand aufhörte und seine anfing. Von Joel ging eine tiefe Ruhe aus, die sich auf sie übertrug.

Kurz drückte er ihre Hand ganz sanft etwas nur zusammen, nur um ihr mit diesem ganz minimalen Druck zu vermitteln, dass alles gut war, dass er sie ganz bewusst hielt und dies so lange andauern durfte, wie sie es entscheiden würden.

Diese besondere Art der Verbundenheit vermittelte Mari Geborgenheit und ein unendliches Wohlgefühl. Sie verlor jegliches Zeitgefühl und tauchte ein in ein Meer von Frieden, in dem sich ihr wundes Gemüt ausruhen konnte.

Wie lange verweilte sie bereits in diesem Meer von Frieden? Sie wusste es nicht…
Ein Gefühl tiefer Dankbarkeit über diese wertvolle Erfahrung durchströmte sie jetzt spürte sie den Impuls von innen, die Augen wieder zu öffnen.

Sie blickte auf Joel, der mit geschlossenen Augen ganz ruhig ihr gegenüber saß.
So schloß sie ihre Augfen noch einmal – es war so schön… Einen Moment lang wollte sie dieses weiche friedvolle Gefühl noch auskosten.
Als sie die Augen dann wieder öffnete, waren auch Joels Augen offen und er schaute sie sanft an.
Ihr Blick versank in seinen Augen und ihr wurde bewusst, dass sie heute den Blickkontakt halten konnte, ohne dass es ihr unbehaglich war, von ihm angeschaut zu werden.

Er lächelte ganz sanft und milde und nickte ihr anerkennend zu.

Spontan lächelte sie zurück.

„Das war wirklich sehr besonders, Mari“, sagte er leise zu ihr.

„Darf ich etwas sagen, Meister?“

„Das Spiel ist beendet“, jetzt darfst du alles sagen, fragen und tun, was du möchtest“, lachte Joel

„Da war zum ersten Mal ein Gefühl von wirklichem Vertrauen in mir, das entstand aber erst jetzt während du meine Hände hieltest, das war einfach so stützend, wärmend und schön… danke!“

„Ja, das habe ich gemerkt. Darüber freue ich mich. Und du hast nicht einfach nur an irgendeinen Moment die Augen geöffnet, sondern es war ein für uns beide total stimmiger und sehr kostbarer Moment“, bemerkte Joel.

„Ja, so habe ich es auch empfunden – als eine sehr kostbare Erfahrung… so als würden unsere Hände ineinander schmelzen, ich finde nicht die richtigen Worte, aber so ähnlich.

„Ja, es war ein unglaublicher Moment der Verbundenheit, weil uns das Vertrauen verband.“

„Ich möchte dir von Herzen danken, Joel, dass du diesen Weg mit mir gehst durch alle die Unebenheiten und mir immer wieder andere Gelegenheiten gibst, mich neu zu erfahren,“meinte Mari bewegt.

„Es war auch für mich eine sehr schöne Erfahrung, eine solche Verbundenheit zu spüren, Mari, so etwas gibt es nicht so oft,. Es war ein sehr schönes Erlebnis , ich danke dir!“

„Könnten wir uns jetzt noch einmal umarmen?“ fragte sie vorsichtig.

„Aber ja, gerne!“ Joel stand auf und breitete seine Arme aus, von denen Mari sich umfangen und halten ließ. Und sie genoss es – fühlte seine Nähe auf eine so wohltuende Weise, in einem Gefühl von Frieden , wie sie es vorher noch nie gehabt hatte. Diesmal flossen keine Tränen. Er atmete tief ein und drückte sie sanft an sich. Und noch einmal atmeten beide in einem gleichen Rhythmus, und während sie vorsichtig ihren Kopf bei ihm angelehnte, nahm sie seinen Herzschlag wahr. Wie gut diese Nähe tut, dachte Mari erstaunt… Gans sacht legte er seinen Kopf auf ihren, nur mit einem Hauch von Berührung, so dass sie die Position ganz leicht hätte ändern können, wenn sie das gewollt hätte – aber sie wollte es nicht!
Es ist schön, dachte sie und drückte ihn erstmalig auch ein bisschen an sich.

„Joel,“ flüsterte sie, „das ist so schön…“

An diesem Tag war für Mari eine Tür aufgegangen…

Dieses Kapitel wurde gemeinsam geschrieben von Rafael und Miriam.

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36. Wie durch eine besondere Art des Strafens Vertrauen wachsen kann

Bei Mari – Mari entscheidet, sich fallen zu lassen

„Das Spiel beginnt.“ Wie immer kam der Start für Mari überraschend und sie zuckte etwas zusammen.

Joel, der in ihren Spielen die Rolle des Meisters für sie übernommen hatte, stellte sich vor sie, lächelte sie an und fragte: „Na, bereit?“

Mari stimmte zu: „Ja, Meister!“

Er stellte zwei Stühle gegenüber, setzte sich auf einen und wies Mari an, auf dem gegenüberstehenden Stuhl Platz zu nehmen. 
Zunächst sagte er nichts, saß einfach nur entspannt auf seinem Stuhl und sah Mari in die Augen.

Sie fühlte sich unbehaglich, nahm sich aber vor, jetzt keine Frage zu stellen. Ihr Meister nickte ihr leicht zu.

Deine Aufgabe heute: Du wirst deine Hände gleich in meine legen und die Augen schließen. Und du wirst sie so lange geschlossen halten, wie du es für richtig hältst.“  Joel legte seine Unterarme auf seine Beine, die Handflächen zeigten offen nach oben.

Marie musste dazu mit ihrem Stuhl ein bisschen näher heranrücken. Sie legte ihre Hände, die ein bisschen zitterten, in seine. O jeh, wie unsicher fühlte sie sich wieder… Joel sagte nichts.
Ob er noch etwas dazu sagen will, überlegte sie nervös. Ich weiß ja noch gar nicht, was der Indikator dafür sein soll, um die Augen dann wieder zu öffen…

„Soll ich die Augen jetzt gleich schließen?“ fragte sie unsicher

Seine Hände nahmen die ihren wortlos ganz sanft auf. Für einen Moment spürte sie, wie angenehm es war, als fände sie einen Halt in seinen Händen.

Leise war seine Stimme, als er bemerkte: „Mari, hast du mir gerade eine Frage gestellt?“

Während er dies sagte, wollte sie noch wissen: „Woher weiß ich denn, wann ich die Augen wieder aufmachen soll?“

„Und gleich noch eine Frage?“

Entschuldige bitte, Meister, ja es stimmt: Ich habe zwei Fragen gestellt, und es tut mir leid! Ich kann das nicht begreifen, ich nehme mir so oft vor, es nicht zu tun, und wenn ich unsicher bin, rutschen sie einfach raus…“

„Mari, du hast die Regel gebrochen. Das ist nicht schlimm, allerdings werde ich dir nun wie besprochen eine Strafe dafür geben.“

Maries Atem ging schneller, ihr Herz klopfte heftig, sie schluckte und sagte: „Ja, ich weiß, so hattest du es letztens angekündigt.“

„Erinnerst du dich noch, was ich dir dazu erklärt habe? Das könnte dir jetzt helfen.“

„Die Strafe, die du mir gibst, hat einen guten Sinn für mich, hast du gesagt. Und dass ich mich danach besser fühlen würde, weil sie als Ausgleich dienen würde und ich mich nicht nach Regelverstößen noch lange so unwohl fühlen müsste wie ich es in meiner Kindheit erlebt habe und noch immer mit mir rumtrage als Muster.“

„Das hast du dir ja gut gemerkt und wunderbar auf den Punkt gebracht“, lobte sie Joel als ihr Meister. Du kannst dir es so vorstellen, dass der Fehler damit regelrecht ausradiert ist, als hätte er nie stattgefunden. Dann brauchst du anschließend auch nicht mehr darüber nachdenken und dich damit belasten. Es wirkt wie eine Art „Reinigungsritual“, lächelte er.
Also, Mari, bist du bereit, deine Strafe anzunehmen?“

„Ja, Meister“ stimmte Mari leise zu.

„Das freut mich sehr! Komm steh auf, und tritt einen Schritt zu Seite.“

Mari brach der Schweiß aus, sie zitterte am ganzen Körper, stand aber dennoch entschlossen, es jetzt gut zu machen, auf und trat nach links neben den Stuhl. Joel ging um sie herum und stellte sich hinter sie.
„Mari, dein Drang, alles zu hinterfragen, zeigt, dass du unsicher bist, was ich tun könnte oder was geschehen könnte, wenn du etwas vermeintlich falsch machst… Als Ausgleich möchte ich, dass du mir durch eine kleine Handlung etwas Vertrauen schenkst. Ich weiß, du kannst Vertrauen nicht so leicht fühlen. Das lässt sich auch nicht erzwingen. Aber du kannst etwas tun, um deinen Körperzellen durch eine Erfahrung zu vermitteln, dass dir hier mit mir nichts Schlimmes geschieht.  Und damit machst du auch mir ein Vertrauensgeschenk. Bist du bereit das zu tun, Mari?“

Was sollte sie jetzt tun? Was würde er von ihr verlangen? Obwohl ihr mulmig zumute war, stellte sie diese Fragen nicht. Er würde sie ohnehin nicht beantworten.

„Nun, Mari, bist du bereit, den Ausgleich zu leisten?“

„Ja“, flüsterte sie.

„Formuliere das bitte in einem ganzen Satz. Was möchtest du, Mari?“

„Ich möchte meine beiden Fragen von vorhin, die ich nicht hätte stellen sollen, ausgleichen, Meister… Ich bin bereit dazu.“

Die zwei Sekunden bis sie eine Antwort von ihm bekam, zogen sich für sie zu einer langen Zeit hin. Heiße Wellen flossen durch ihren Körper aufwärts in ihren Kopf hinein.

„Das ist gut Mari! Jetzt stell dich gerade und aufrecht hin. Steh möglichst gerade.“

Oje, noch eine Kritik, dachte Marie. Diese zwei Worte „Steh gerade!“ hatte ihre Oma auch immer zu ihr gesagt – und gerade dann, wenn sie Angst hatte, war das unwillkürlich anders. Sie straffte die Schultern und versuchte, eine aufrechte Haltung einzunehmen und ihr Zittern zu verbergen.

Das machst du sehr gut Mari. Ich weiß du kannst das! Du schaffst das! Und danach wird es dir viel besser gehen – so als hätte es die Fehler nie gegeben.“

Seine freundlichen Worte taten ihr gut, sie milderten ihre Angst allerdings nur ein wenig – aber immerhin, es wurde erträglicher in ihr.

„Du wirst dich jetzt gleich nach hinten kippen lassen. Ich werde dich ganz sicher auffangen. Indem du dich fallen lässt, gerade auch mit aller Angst, die vielleicht jetzt da ist, schenkst du mir ein großes Stück Vertrauen, Mari. Du darfst ganz sicher sein, dass ich dich auffange. So, nun zeig mir, dass du mir vertraust. Lass dich nach hinten fallen. Hast du verstanden?“

„Ja, Meister ich habe das verstanden.“ Am liebsten würde sie sich jetzt umdrehen und schauen,  wie weit er von ihr entfernt steht, aber sie vermutete ganz richtig, dass sie das nicht sollte.

Mari brauchte noch etwas Zeit, um sich zu überwinden. Geduldig wartete Joel hinter ihr. 
Schließlich nahm sie ihren ganzen Mut zusammen. Okay, jetzt! sagte sie in Gedanken zu sich selbst und entschied, sich fallen zu lassen.

Ihr Körper beginnt ganz leicht zu kippen, doch fast noch bevor sie wirklich fallen konnte, waren bereits die Hände an ihren Schultern und stützen sie.

Sehr gut Mari. Das hast du sehr, sehr gut gemacht. Du hast dich fallen lassen, du HAST vertraut!“
Diese freundlichen, wertschätzenden Worte und die Erleichterung, es nun geschafft zu haben, berührten Mari so, dass ihr die Tränen kamen, als sich die Anspannung löste. Joel ging ohne sie loszulassen um sie herum, nahm sie sanft in seine Arme und gab ihr den Halt, den sie jetzt so dringend brauchte.

„Ich will dir doch so gern vertrauen, und dennoch fällt es mir so schwer. Jetzt habe ich es aber für diesmal geschafft!“ Da schwang nun auch eine kleine Freude mit in ihrer Stimme.

„Und wie du es geschafft hast! Ich bin stolz auf dich! Je größer die Angst, desto stärker der Mut! Und natürlich hattest du Angst, denn es war eine unsichere Situation, aber du hast dich entschieden, mir zu vertrauen – und das zählt!“

„Danke, dass du mich nicht so weit hast fallen lassen!“

„Es ging nicht darum, dass du tief fällst, sondern nur darum, ob du das Vertrauen zeigst, und das hast du getan. Du hast heute einen großen und wertvollen Schritt getan.“

Noch immer hielt er Mari in seinen Armen. Ihr Körper wurde weicher und begann sich in die Umarmung hinein zu entspannen.  Erleichtert atmete sie tiefer ein und aus. Sie hatte es geschafft! Es war überstanden! Und sie fühlte sich gut!
Wieder ging ein sehr tiefer Atemzug durch Mari, und sie spürte dankbar, dass sie sich gerade wirklich sicher bei ihm fühlte.

Als sie sich aus seinen Armen löste, fragte er sie: „Und… heute noch bereit, deine Aufgabe von vorhin zu auszuführen?“

„Ja, Meister, ich bin bereit.“

Dieses Kapitel wurde gemeinsam geschrieben von Rafael und Miriam.

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Vertrauensfragen in die Magie des Lebens

Was bleibt, wenn nichts mehr bleibt?

Die Liebe des Lebens selbst.
Das Prinzip, dass jede Lücke wieder neu gefüllt wird.

Denn auf jede Ebbe folgt Flut.

Es gibt nie nichts.


Bist du bereit, dich immer wieder neu einzulassen
auf das, was das Leben dir bringt –
um Erfüllung zu fühlen –
um deiner Lebendigkeit willen?


Kannst du sagen:

Ja, ich bin bereit,
mich dem Leben ganz zu schenken
und mich der Lust am Leben

mit all seinen Ups and Downs hinzugeben?

33. Eine heilende Übung (3) – Vergebung und Ausgleich

Bei Joel – Mari erlebt sich als stark

Mari befand sich auf einer inneren Reise, in der sie mit Hilfe von Joel, der wieder einmal die Meisterrolle für sie einnahm, ihre beschämenden und demütigenden Erfahrungen aufarbeitete, die sie durch ihre Sportlehrerin erlebt hatte. Nachdem sie all ihre daraus resultierenden Gefühle und Belastungen ausgesprochen hatte und sich in Gegenwart ihrer Lehrerin ruhig und sicher fühlte, war ein großer Schritt getan.
Diese saß inzwischen ganz zusammengesunken auf der Bank in der alten Turnhalle ihrer Kindheit. Nun gab Mari ihr Gelegenheit, jetzt wo sie sich alles angehört hatte, darauf zu antworten. Sie setzte sich auf den Boden gegenüber ihrer Lehrerin und war immer noch größer als die auf der Bank sitzende Frau, die sie nun zitternd ansah und sagte: „Es tut mir so leid, dass ich das alles getan habe, Mari, ich hab nicht gemerkt, was ich dir antue!“

„Ich glaube sie haben mich verachtet, weil sie nur meine körperliche Schwäche gesehen haben, und körperliche Schwäche für Sie das schlimmste war!“

„Ich hatte so viel Wut und Hass in mir, und ich habe es leider an dir ausgelassen, dabei konntest du gar nichts dafür, aber du warst schwächer als ich, so dass ich das ohne nachzudenken leicht tun konnte. Das hätte ich nicht tun dürfen! Das war so unfair! Ich habe dich gepeinigt und beschämt, anstatt dich zu stärken und zu ermutigen und damit aufzubauen, wie es meine Aufgabe als Lehrerin gewesen wäre. Das hatte ich bewusst eigentlich nie wirklich gewollt…“

„Stimmt, das war unfair, und ich glaube ihnen auch, dass ihnen nicht bewusst gewesen ist, wie schlimm das für mich war“, antwortete Mari ruhig.

„Aber es war für mich einfacher als die Wut und den Hass zurück zu halten. Es tut mir so leid, Ich habe nicht gewusst, wie schlimm es für dich war, ich hatte mir nicht vorstellen wollen, was es mit ihr machte… Ich schäme mich, schäme mich, für das, was ich dir angetan habe, um mit meiner eigenen Wut und meinem Hass klar zu kommen. Es tut mir sehr leid, Mari! Ich weiß, dass ich es nicht wieder gut machen kann, aber ich wünsche dir so sehr, dass du die Erinnerungen an damals irgendwie abschütteln kannst…“

„Danke, dass Sie das jetzt erkennen, und für ihre Worte.  Dass ihnen das Leid tut, nehme ich an. Ich bin ihnen nicht böse. Ich weiß, sie konnten es nicht anders und wussten es nicht besser, aber jetzt wissen sie es, und jetzt ist es das Beste, was Sie tun können, um das wieder gut zu machen, dass sie hinschauen, wo ihre Aggressionen herkommen, und sich jemanden suchen, der das mit ihnen bewältigt, so dass sie nie wieder einen Schüler quälen.“

Die Sportlehrerin nickte beschämt. „Ich werde nie wieder einen Schüler quälen,“ sagte sie brav, wie eine Schülerin.

Mari fühlte inzwischen Mitgefühl mit der Frau, deren Herz wohl schon lange verhärtet gewesen war – denn auch das hatte ja Gründe…
„Auch sie haben Qual erlitten, da bin ich ganz sicher, sonst wären sie nicht so hart gewesen. Ihr Herz ist sicherlich zu gegangen, und ihr eigenes Gefühl traute sich nicht mehr, weich zu sein, weil sie sicherlich selbst viel einstecken mussten. Es ist gut, dass sie sagen, sie werden nie wieder einen Schüler quälen. Und bitte quälen sie auch sich selbst nicht mehr!
Darf ich sie berühren?“ fragte Mari und schaute sie freundlich an.

Der Meister drückte Maris Hand. Ihre ehemalige Lehrerin nickte verwundert und verunsichert. Was würde jetzt kommen?

Mari legte eine Hand auf das Herz-Zentrum ihrer Sportlehrerin. ließ Wärme hineinfließen und sagte ihr dazu: „Frau Schmidt (Name geändert aus Datenschutzgründen), es darf jetzt gut sein. Es darf jetzt alles gut sein! Sie konnten es nicht besser. Jede von uns beiden konnte es nicht besser. Aber jetzt können wir voneinander lernen.“

Die Lehrerin zuckte leicht zusammen, als sie erstaunt spürte, wie intensiv ein Strom von Wärme durch Maris Hand in ihre Brust hineinfloss.

„Das ist nur Wärme, Verständnis und Mitgefühl, das durch meine Hand fließt. Wirklich, es darf jetzt alles gut sein! Ich möchte, dass es ihnen gut geht, denn nur dann, wenn es ihnen gut geht, können sie auch ihre Schüler gut behandeln, und vielleicht komme ich sie irgendwann einmal, wenn ich soweit bin und mich das traue, in einer anderen Variation von mir als Kind im Sportunterricht besuchen, denn ich bin sicher, ab jetzt werden sie eine gütige Sportlehrerin sein, die ihre Schüler ermutigt und stärkt. Frau Schmidt, sie haben so viel Erfahrung, Energie, Mut, Ausdauer und Kraft für alles, was Sport und Körperliche Fähigkeiten anbelangt. Wollen sie mir davon etwas abgeben?“

Die Lehrerin schaute Mari erstaunt an. Dann nickte sie. „Wenn ich so auch nur ein kleines Bisschen von dem wieder gut machen kann, dann will ich das gern tun!“ antwortete sie – froh, eine Chance zum Ausgleich bekommen zu haben und schaute ihre ehemalige Schülerin, die inzwischen innerlich so stark geworden war, dankbar an.

Mari öffnete ihre Hand, und Frau Schmidt ließ einen Strom von Kraft, Mut, Körper-Bewusstsein, Know-how, Ausdauer und Kondition in sie hineinfließen und Mari atmete diese Energie tief ein. „Danke, Frau Schmidt, nun ist Ausgleich geschaffen.“

„Nimm so viel Kraft, wie du brauchst“, sagte sie

„Danke, ich nehme gerne noch,“ antwortete Mari, „ich weiß, ich nehme ihnen ja nichts weg. Die Kraft fließt ja durch sie durch und macht sie nicht leer, genauso wenig wie mich vorhin…“
Mari atmete tief die Energie ein, die die Lehrerin ihr zufließen ließ. und spürte eine neue Kraft von Entschlossenheit, Mut und Stärke und dachte: Mal sehen wo das mich hinführt.
„Danke Frau Schmidt! Und jetzt darf es wirklich gut sein, bei mir und bei ihnen.“ Beide standen auf und reichten sich sportlich die Hände.

„Danke , dass du mir vergeben hast, Mari“ sagte sie, „du hast meine ganze Anerkennung! Ich wünsche dir von Herzen alles Gute!“

„Und ich wünsche dir alles Gute, Frau Schmidt!  Alles ist gut jetzt!“

Mari atmete nun tief und erleichtert. Nun konnte sie sich deutlich fühlbar entspannen.

„Mari, das hast du wunderbar gemacht!“ hörte sie die Stimme von Joel. „Bist du bereit für noch einen wichtigen Schritt?“

Mari nickte und sagte entschlossen: Ja! Ich bin bereit!“

Geschrieben von Rafael und Miriam

Weiter geht´s im nächsten Kapitel: –> 34. Eine heilende Übung (4) – Das innere Kind erhält Hilfe

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31. Eine heilende Übung (1) – Es ist ganz anders als befürchtet…

Bei Joel – Widerstände vor einer Übung

Zwei Sessel standen sich gegenüber, als Mari Joels Wohnzimmer betrat. 
„Setz dich doch bitte in einen der beiden Sessel“,  bat Joel Mari, und als sie Platz nahm, trat er nahe an sie heran und sagte leise: „Das Spiel beginnt.“

Wie so oft ließ er sich Zeit und schaute Mari erst einmal nur freundlich an. 
Schließlich erklärte er ihr, dass er gleich eine Übung mit ihr machen wolle.
Schon als er das ankündigte, scheute sie in ihren Gefühlen wie ein Pferd vor einem unüberwindlichen Hindernis zurück und fragte spontan: „Muss das sein?“

„Habe ich da eine Frage gehört?“ 

„O jeh, entschuldige bitte, in meinem inneren Dilemma ist mir das gar nicht aufgefallen!“ Mari war erschrocken und erzählte ihrem Meister auf seine Frage nach dem Dilemma, in dem sie sich befand, dass schon der Begriff „Übung“ für sie mit einem unangenehmen Beigeschmack verbunden sei, da sie dabei an das vor kurzem aufgetauchte Thema, das Joel noch mit ihr bearbeiten wollte, dachte: „Demütigungen im Schulsport“.

Der Meister nickte langsam: „Aber ich hab noch gar nicht gesagt, was für eine Übung es sein könnte…“

„Stimmt, entschuldige bitte, ich war in meinen Gedanken darin gefangen. Ich dachte, jetzt käme irgendetwas, was mit Bewegung und Körper und Sport und so zu tun hat wegen unseres Gespräches von neulich und deiner Ankündigung, dass dieses Thema, das mir so zu schaffen macht, demnächst von dir aufgegriffen werden würde.“

„Mari, könntest du dir vorstellen, dass ich… jetzt und hier… eine Sportübung mit dir machen wollen würde? Eine die dich überfordern und beschämen könnte?“

„Ich glaube nicht dass du mich bewusst überfordern oder beschämen wollen würdest, aber da du ja meintest, du würdest dir demnächst zu diesem Thema noch etwas einfallen lassen, habe ich jetzt befürchtet, dass dir nun etwas dazu eingefallene ist.“

„Und du glaubst, dass mir etwas eingefallen ist, was für dich schlimm und beschämend sein könnte?“

„Alles, was dazu gehört, fühlt sich so an! Das kann sich ein anderer gar nicht vorstellen, wie schlimm sich das für mich anfühlt, und da ist schon das Geringste mit Scham verbunden!“ entgegnete Mari verzweifelt.“

„Aber was gehört denn dazu? Deine Sportlehrerin ist Lichtjahre entfernt, es gibt keine Klasse, nur uns beide, Mari, was könnte passieren?“

„Wahrscheinlich würdest du nichts tun oder verlangen, von dem du glaubst, dass es schlimm für mich wäre, aber schon das Wort „Übungen“ hat in mir die Gefühle von damals losgehen lassen, ohne dass ich darüber nachgedacht habe.“

„Ich weiß, dass das ein Reizwort für dich ist. Könntest du dir vorstellen, dass es Übungen gibt, die für dich nicht beschämend sind, die dich in keine peinliche Situation bringen? Traust du mir zu, dass ich so etwas für dich finden könnte?“

Mari überlegte… Ihr Meister hatte sie schon oft überrascht mit seinen verblüffenden wundersamen Wendungen einer von ihr ganz anders befürchteten Situation.

Joel fragte nach: „Konntest du im Laufe der Zeit wahrnehmen, dass meine Anforderungen immer  berücksichtigt haben, was für dich machbar ist Mari? Ich achte darauf, so weit es mir bewusst ist, immer nur so weit zu gehen, wie ich es dir zutraue. Und wenn ich mich darin mal geirrt habe, hattest du die Möglichkeit um eine leichtere Abwandlung der Aufgabe zu bitten.
Warum sollte das heute anders sein, nur weil ich das Wort „Übung“ verwendet habe?“

„Okay, das war nicht folgerichtig, aber darüber habe ich in dem Moment nicht nachgedacht“, erklärte Mari, und ein kleiner Anflug von Wut war in ihrem Gesicht.

Joel nahm die kleine Regung wahr, ging aber an dieser Stelle bewusst nicht darauf ein.
„Ja, da war deine Angst größer als dein Vertrauen in mich. Traust du mir nun zu, eine Übung zu finden , die dir dient und für dich machbar ist?“

„Ja Meister, ich will es versuchen.“

„Ich möchte, dass du auch die Erfahrung machst, dass eine „Übung“ harmlos sein kann – „Übungen“ – er zeichnete Anführungszeichen in die Luft-  können sogar schön sein. Bist du bereit, mir so sehr zu vertrauen, um dich heute darauf einzulassen?“

„Hmmmm…“

„Das klingt noch nicht bereit, Mari.“

„Okay, ja ich bin bereit.“

„Das freut mich“, Joel lächelte Mari freundlich zu.  
Ich möchte dass du dich hinten an die Lehne lehnst, so dass sie dich gut stützt und du dich leicht entspannen kannst“, wies er sie an. „Und dann möchte ich dich auf eine Reise in deine innere Welt hinein führen. Atme dabei ruhig und tief, und folge mir mit deiner Vorstellungskraft. Sollte für dich etwas nicht stimmig sein, sag mir bitte Bescheid.“
 

Nun führte er Mari in eine innere Landschaft, in der sie die Kräfte der Natur einatmen konnte. 
Es begann auf eine schönen bunten Sommerwiese, ging weiter durch einen herrlich duftenden Wald, hin zu einem See, in den sie ihre Füße eintauchen lassen konnte. Ein angenehm lauer warmer Sommerwind streichelte ihr Gesicht und wehte die Sorgen aus ihrem Kopf . Und schließlich ließ sie sich von herrlichem Sonnenschein durchfluten. Immer größer und stärker fühlte sie sich bei der Erfahrung eines jeden Elementes: Erde, Wasser, Luft und Feuer.

Welch herrliche „Übung“ dachte sie überrascht.

Wieder war es ihrem Meister gelungen, etwas völlig anderes… eine positive Erfahrung aus einem von ihr als „furchtbar unangenehm“ vermuteten Ereignis entstehen zu lassen.

Und die „Übung“ sollte noch weiter gehen… 

Geschrieben von Rafael und Miriam 

–>  Zum nächsten Kapitel: 32. Eine heilende Übung (2) – Verletzung und Größe

 Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge

 

18. Bereitschaft… reicht aus

Bei Mari – 2.Teil der Übung Vertrauen ins Leben wächst in vorsichtigen kleinen Schritten

Mari bewegte sich vorsichtig Schrittchen für Schrittchen mit verbundenen Augen durch ihr Wohnzimmer, wobei Joel in der Rolle des Meisters nur noch ein kleines Stückchen entfernt von ihr stand.

Wieder einmal machte sie eine Vertrauensübung mit verbundenen Augen. Es war nicht mehr so leicht wie beim ersten Mal, in denen es nur darum gegangen war, sich überhaupt erst einmal sitzend an den schwarzen Seidenschal vor ihren Augen zu gewöhnen. Sie erinnerte sich, wie schwer ihr das gefallen war. Und heute bewegte sie sich schon langsam durch den Raum damit nach den Weisungen ihres Meisters, der wieder einmal symbolisch die Rolle des Lebens für sie eingenommen hatte.

Ach, wenn sie doch jemals dieses Vertrauen fühlen könnte, das sie sich so sehr wünschte.

„Jetzt knie vor dem Leben nieder.“

Unsicher ging sie in die Knie – und in dem Moment, in dem sie fast umgefallen wäre, weil nichts zum Festhalten da zu sein schien, ergriff er ihren Arm und half ihr dabei nieder zu knien.

„Ich werde dir immer helfen, spätestens dann, wenn du spürst, es allein nicht zu schaffen. Und du darfst mich jederzeit um Hilfe bitten. Meine Hilfe wird zwar nicht immer genauso aussehen, wie du sie dir vorstellst, aber sie wird dir gewährt. Darauf kannst du vertrauen!“

„Danke, Meister!“

Sie spürte, dass etwas Weiches an der Stelle lag, an der sie sich nun nieder kniete, eine Decke… ein Kissen… Genau wusste sie es nicht, aber sie nahm wahr, dass er dafür gesorgt hatte, dass es nicht zu hart für sie wurde auf dem Boden. War das ein Symbol dafür, dass auch das Leben für sie sorgte, und alles so gestaltete, dass es nie zu hart sein würde, wenn sie ihm nur vertraute?

„So, und nun sprich mir nach – Satz für Satz, langsam und deutlich:

  • Leben, du bist unendlich groß – und ich bin klein.“
    „Leben, du bist unendlich groß – und ich bin klein.“
    Dabei fühle Mari sich klein – und das war in diesem Zusammenhang ein  erstaunlich angenehmes Gefühl. Sie brauchte sich nicht zu sorgen, das Leben sorgte für sie.

  • „Du führst, ich folge.“
    „Du führst, ich folge.“
    Auch das fühlte sich seltsam gut an – geborgen in einer größeren Macht…

  • „Du hilfst, ich nehme deine Hilfe an.“
    „Du hilfst, ich nehme deine Hilfe an.“
    Tief atmete Mari ein – ach wenn sie doch sicher sein könnte,
    immer und überall Hilfe zu bekommen!

  • „Du, Leben, bist mein Meister, dir will ich mich blind ergeben.“
    „Du, Leben, bist mein Meister, dir will ich mich blind ergeben.“
    Na ja, das ist eine ziemliche Herausforderung… dachte sie –
    aber es genügt, wenn ich es will, auch wenn ich es noch nicht ganz fühlen kann.

  • „Unberechenbar, unkontrollierbar und ungewiss ist jeder Schritt, und in allem ist Liebe – auch in dem, was sich manchmal schwer anfühlt.“
    „Unberechenbar, unkontrollierbar und ungewiss ist jeder Schritt, und in allem ist Liebe – auch in dem, was sich manchmal schwer anfühlt.“
    Ach könnte ich die Liebe doch immer fühlen oder wenigstens darauf vertrauen,
    dass sie da ist, auch wenn ich sie gerade nicht wahrnehme…

  • „Ich bin bereit, deine Liebe in allem zu finden – und meine Bereitschaft wird mit Unterstützung belohnt.“
    „Ich bin bereit, deine Liebe in allem zu finden – und meine Bereitschaft wird mit Unterstützung belohnt.“
    Das fühlt sich gut an… mit Unterstützung belohnt…
    Aber ob ich das immer kann? überlegte Mari

  • „Ich muss es nicht können – es genügt, dass ich bereit bin.“
    „Ich muss es nicht können – es genügt, dass ich bereit bin.“
    Sie sprach es nach und dachte: Als ob er weiß, was ich eben gedacht habe…
    Es ist so erlösend und nimmt Druck, wenn die Bereitschaft ausreicht!

  • „Ich bin bereit, in allem die Liebe zu finden.“
    „Ich bin bereit, in allem die Liebe zu finden.“
    Das gibt Frieden und Kraft!
    „Ja, ich bin bereit dazu…“ flüsterte sie noch einmal


    In diesem Moment fühlte sie, wie das Leben ihre Hände in seine großen warmen Hände nahm und wie es ihr half, sich zu erheben. Dann wurde sie in die Arme genommen und gehalten. Fest und innig umarmt stand sie nun aufrecht, sicher gehalten in den Armen des Lebens und nahm diese so deutlich spürbare Liebe wahr.

    „Atme die Liebe ein, Mari“, hörte sie die Stimme ihres Meister leise an ihrem Ohr, der als „das Leben“ zu ihr sprach. „Ja, so ist es gut. Gaaanz tief… Mit jedem Atemzug atmest du Liebe ein – jetzt hier in meinen Armen und auch sonst kannst du das tun – wo immer du bist.
    Du brauchst nur daran zu denken, bewusst Liebe einzuatmen, und schon ist es so.“

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17. Vertrauen ins Leben wächst in vorsichtigen kleinen Schritten

Bei Mari – Hilfe kommt dann, wenn sie gebraucht wird

„So Mari, das Spiel beginnt. Setze dich jetzt auf den kleinen Schemel, den du bereits kennst.“

Überraschend wie meistens begann Joel das Rollenspiel, als er aus dem Badezimmer kam und das schwarz-bunte „Gewand des Lebens“ trug.

„Ich komme heute wieder als „das Leben“ zu dir und werde dir gleich die Augen verbinden. Das kennst du ja schon vom letzten Mal. Du hast zunächst nichts weiter zu tun, als einfach nur sitzen zu bleiben und das geschehen zu lassen. Dann wirst du weitere Anweisungen bekommen.“

Sie hörte wie er wieder hinter sie trat und leise zu summen begann – keine bestimmte Melodie, einfach nur Töne. Konnte das sein?! Ein Mann, der so zart summen konnte und das für sie tat…
Ihr Meister fand mit den Tönen einen Zugang zu ihrem gerade wieder so verletzlichen Gemüt… Im ersten Moment, als er ihr das schwarze Seidentuch umgebunden hatte, war sie verängstigt, wie letztes Mal auch. Doch dieser Schreck begann sich nun langsam sich zu lösen. Sie spürte seine warmen Hände auf ihren Schultern Mit sicheren, wohltuenden Bewegungen lockerte er ihre angespannte Körperhaltung. Ach, tat das gut! Wohlig seufzte sie leise auf. In diesem Moment hörte er auf zu summen und sprach zu ihr:

„Du wirst heute das Leben als deinen persönlichen Meister fühlbar mit deinen Sinnen erleben, Mari. Du hast dir ja neulich gewünscht, dem Leben öfter zu begegnen und zu lernen, ihm tiefer vertrauen zu können. Dein Wunsch ist wahr geworden! Steh auf und verneige dich vor deinem Meister, dem Leben.“

Gehorsam erhob sie sich und drehte sich um, da sie ihn noch hinter sich vermutete. Doch seine Stimme kam nun von woanders.

„Nein, da wo du dich hinwendest, bin ich nicht mehr. Ich bin stets unberechenbar. Dreh dich um in die Richtung, aus der du meine Stimme vernimmst.“

Langsam drehte sie sich soweit wie sie meinte, dass nun die Richtung stimmte.

„Ja,“ hörte sie ihn, „das ist fast richtig, ein kleines Stück noch nach rechts!

Sie folgte seiner Anweisung.

„Gut machst du das, Mari.“

Wie wohl ihr dieses kleine Lob tat! Daran merkte sie, wie unsicher sie sich fühlte, und wie hilfreich für sie die kleinste Bestätigung war.

„Weißt du noch, was du tun solltest?“

„Ja, Meister, ich soll mich vor dem Leben verneigen.“

„Sehr gut!“

Wieder spürte sie diese seltsame Freude über das Lob.

„Also nun – ich warte.“

Mari erschrak! Ach ja, sie sollte sich ja verneigen. Langsam beugte sie sich vor.

„Tiefer.“

„Ja, Meister!“

„Sehr gut! Nun richte dich wieder auf und komm näher.“

„Ja, Meister!“ Langsam ging sie vorwärts in die Richtung, in der sie ihn vermutete. Wie weit sollte sie gehen? Vorsichtig tastete sie um sich, damit sie nirgendwo anstieß.

„Deine Arme lässt du bitte unten. Du wirst dich nirgendwo stoßen! Sollte ein Hindernis im Weg sein, werde ich dich warnen.“

„Ja, Meister.“ Noch unsicherer als zuvor setzte sie langsam ihre Schritte vorwärts und blieb schließlich stehen.

„Komm weiter – noch näher – du bist noch nicht dort angekommen, wo ich es will.“

„Ja, Meister,“ flüsterte sie und ging weiter. Wie schwer fiel es ihr doch, die Arme nicht tastend um sich zu bewegen.

„Es fällt dir nicht leicht, mir zu vertrauen, nicht wahr?“

Sie schwieg, ganz mit der Bewältigung ihres Weges beschäftigt. Wackelig ging sie Schrittchen für Schrittchen vorwärts. So lang war ihr Wohnzimmer doch nie gewesen…“

„Du wirst es lernen! Das wird immer wieder einmal eine unserer Übungen sein – blindes Vertrauen.“ Seine Stimme klang ruhig und sicher.
Und irgendwie übertrug sich diese Sicherheit für einen kostbaren Moment auf Mari und und ein leises Lächeln flog über ihr Gesicht…

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15. Schau mir in die Augen, Kleines…

Bei Joel – Du kannst nicht versagen 

Mari und Joel, der für sie in den Zeiträumen ihrer Spiele und Rituale die Rolle des „Meisters“ angenommen hat, saßen sich gegenüber.

Seine Hände lagen entspannt mit geöffneten Handflächen nach oben auf einem kleinen Kissen.

„So Mari, jetzt legst du deine Hände in meine, und wir schauen uns für eine gewisse Zeit in die Augen.“

„Für wie lange?“

„Nicht fragen, Mari! Nur dem folgen, was ich sage.“

„Oh Entschuldigung!“ Warum nur musste sie immer wieder den gleichen Fehler machen und Fragen stellen. Sie errötete.

„Entschuldigung angenommen.
Die Übung geht so lange, bis ich sie beende.“

„Ja, Meister.“

Gehorsam reichte sie ihm ihre Hände und versuchte, ihm in die Augen zu schauen. Es fiel ihr enorm schwer – so groß, so funkelnd, so machtvoll erschienen ihr seine Augen in diesem Moment.
Und es fiel ihr schwer, von diesen Augen so intensiv angeschaut zu werden.
Immer wieder musste sie den Blick senken und sich mit aller Willenskraft zwingen, ihn wieder anzuschauen.

Tränen traten ihr in die Augen und sie begann zu zittern.
Als er dies wahrnahm, beendete er die Übung und nahm sie in die Arme.
Erleichtert ließ sich Mari ein Weilchen von ihm halten.

Dann sagte sie verzweifelt: „Wenn ich schon bei einer so einfachen Anforderung versage, wie soll ich das andere, was noch vor mir liegt und sicher immer schwieriger wird, schaffen? Ich glaube, das mit unseren Vertrauens- und Macht-Spielen war ´ne Schnapsidee! Ich bringe das nicht!“

Ruhig antwortete Joel: „Erstens: Du hast nicht versagt, denn du hast mich immer wieder trotz aller Schwierigkeiten, die du hattest, angeschaut.
Zweitens: Unterschätze die Kraft und Intensität dieser Übung nicht. Es ist nicht ohne, sich wirklich darauf einzulassen, den Augenkontakt zu halten.
Und drittens ist die Annahme, dass du alles weitere nicht schaffen könntest, auch nicht wahr. Wenn wir ganz in Ruhe einen Schritt nach dem anderen tun, wird keine Anforderung so hoch sein, dass sie nicht zu bewältigen wäre. Und wenn etwas beim ersten Anlauf nicht klappt, dann gibt es einen zweiten oder dritten, vierten oder fünften Anlauf. Mach dir jetzt keine Sorgen, Mari, um etwas, das noch gar nicht dran ist.

Alles war und ist in Ordnung so wie es ist.
In Wahrheit gibt es gar nichts, was nicht in Ordnung sein könnte, denn jedes Gefühl darf gefühlt werden.

Du kannst also gar nicht versagen!

Und ich kann und werde dich immer unterstützen und wenn nötig auffangen, so lange du einfach nur da bleibst.
Und Mari… Du machst es dir und mir immer leichter, wenn du bereit bist, das auszusprechen, was in dir ist. Ich werde dich danach immer mal zwischendurch fragen.
Also: Was hast du vorhin beim Anschauen gefühlt, Mari?“

Sie dachte nach… Was war es eigentlich, was es ihr so schwer gemacht hatte, den Augenkontakt zu halten…
„Es war irgendwie unheimlich, dir so lange in die Augen zu schauen und von dir so gesehen zu werden…“
Sie stockte. Durfte sie das sagen? War er jetzt sauer?
Vorsichtig hob sie ihren Blick. Seine Augen schauten sie nach wie vor ruhig, gelassen und interessiert an und ermutigten sie, weiter zu reden.

„Ich hatte das Gefühl, du würdest mir bis in meine Seele blicken – und das war schwer für mich zuzulassen und auszuhalten. Ich fühlte mich so nackt und schutzlos. Und du weißt ja… Ich habe mit dem Nackt-sein Probleme.“

Joel nickte: „Ja, durch die Augen berühren wir unsere Seelen und sehen uns unverhüllt so, wie wir in der Tiefe unseres Wesens wirklich sind, das spürte ich auch.  Aber es wird nicht immer so bleiben, dass du es als unangenehm empfindest, von mir gesehen zu werden. Mit wachsendem Vertrauen wird es leichter werden. Noch hast du nicht genügend Vertrauen zu mir und auch zu dir selbst.
Ich sage dir: Es gibt nichts, aber auch gar nichts an deiner Seele und deinem Körper, was nicht liebenswert und schön ist. Ich möchte dich gern darin unterstützen, das glauben und fühlen zu können. Dein Vertrauen wird wachsen im Laufe der Zeit. Da bin ich ganz zuversichtlich! Deshalb sind wir ja auf diesem interessanten, und wie ich hoffe, auch für dich irgendwie guten Weg. Oder?“

„Ja,“  sie nickte.

Dankbar für seine ermutigenden, Worte drückte sie seine Hand.

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13. Ein Hauch von Geborgenheit

In Joels Wohnung kurz nachdem Mari einen Panikanfall hatte…

Nachdem Mari vor einer halben Stunde fluchtartig auf die verregnete Straße gelaufen war, glätteten sich langsam die Wogen.  Joel hatte sie in ihrer plötzlich auftretenden Panik begleitet bis sie sich etwas beruhigen konnte und wieder in der Lage war, mit ihm nach oben zu gehen.

Als beide – durchnässt von ihrem Aufenthalt auf der verregneten Straße – wieder in Joels Wohnung angekommen waren, schlug er Mari vor, ihre nasse Kleidung gegen trockene Sachen von ihm auszutauschen. So kam sie nun mit einem zu großen T-Shirt und einer Jogging-Hose von ihm aus dem Badezimmer und setzte sich in die Couchecke, während ihre Sachen auf der Heizung trockneten.

Jetzt erst spürte Mari, wieviel Kraft sie der plötzlich ausgebrochene Panikanfall gekostet hatte. 
Sie fror und zitterte.

Fürsorglich legte ihr Joel eine Decke um die Schultern, in die sie sich gern einkuschelte – ein Hauch von Geborgenheit…

„Magst du Tee, Mari?“

„Gern“, antwortete sie befangen. Was war nur wieder mit ihr los gewesen…?!

„Mach dir keine Sorgen, Mari, das wird schon wieder…“ 

 Der heiße Tee tat gut.

Von dem Gebäck und dem Obst konnte sie im Moment nichts anrühren, ihr Magen war zu. 

„Joel, das ist mir furchtbar peinlich. Du hast mir ja gar nichts getan…“

„Nein, das habe ich wirklich nicht. Aber in deinem Inneren muss es irgendeinen Auslöser gegeben haben, der deine Angst an getriggert hat. Was war das Mari? Womit ging es los?“

Mari überlegte… 
„Eigentlich bin ich schon mit einer kleinen Angst im Bauch hierher gekommen.
Ich wollte es mir selbst nicht so recht eingestehen, aber ich glaube, ich war noch nicht so weit, hatte noch nicht genügend Sicherheit und Vertrauen… So lange kennen wir uns ja noch nicht. Aber andererseits kam ich mir wegen meiner Bedenken auch so blöd vor…“

Joel schaute sie ruhig an: „Mari, du Liebe! Es ist doch ganz verständlich, dass du diese Bedenken hattest. Deshalb hatte ich dich ja gefragt, ob du bereit wärest, zu mir zu kommen. Du hättest auch nein sagen können, das hätte ich ganz sicher akzeptiert und wir hätten uns noch weiter bei dir getroffen, wo du dich ja etwas sicherer fühlst.“

„Erst dachte ich wirklich, es ist okay. Aber je näher unser Treffen rückte, umso mehr Zweifel bekam ich, umso mulmiger wurde es in mir.“

„Es wäre gut gewesen, wenn du mich angerufen hättest. Wir hätten in Ruhe drüber geredet und gemeinsam überlegt, wie wir es machen.“

„Stimmt, ich wollte aber nicht schon wieder so schwächelnd da stehen.“

„Du, Mari, das wird sicher immer mal wieder vorkommen, dass die Angst in Wellen hin und her schwappt, dass manchmal was geht, was sich ein paar Tage später wieder anders anfühlen mag. Wenn das so ist, bitte: Rede mit mir darüber! Schon indem es da sein darf, und von uns beiden freundlich angeschaut wird, verliert es möglicherweise an Schrecken. Und ich kann besser darauf eingehen. 
Gerade in den Spielen, die wir miteinander planen, ist es so wichtig, dass ich einschätzen kann, was dir gerade Angst macht. Und wenn schon im Vorfeld etwas da ist, lass es mich künftig wissen! Deine Angst ist wie ein Kind, und wir beide wollen doch als Erwachsene fürsorglich mit ihr umgehen, zumal sie unser gemeinsames Spiel-Projekt ja bestimmt ohnehin schon als heftige Herausforderung erlebt.
Also nochmal: Du kannst mir immer sagen, wenn sich etwas für dich schwierig anfühlt oder nicht geht, auch wenn du vorher „Ja“ gesagt hast und sich dann in der Zwischenzeit bis es soweit ist, ein „Nein“ daraus entwickeln sollte. Wenn deine Angst immer und immer wieder erlebt, dass wir auf sie eingehen, wird sie nach und nach leiser werden. Sie soll, wenn sie schon durch unsere Spiele auf den Plan gerufen wird, einen geschützten Raum bekommen – und das geht nur, wenn sie offen da sein darf. „

„Das ist eine so tolle Einstellung, Joel. Ich danke dir sehr!!!

„Gab es denn dann, als du bei mir warst, noch einen ganz konkreten Auslöser?“

Mari überlegte… „Ja, die Panik kam mir voller Wucht in dem Moment, als du die Tür zugemacht hattest. Ich fühlte mich plötzlich wie gefangen… Dann kamen Bilder und Szenen aus Filmen, die ich mal gesehen habe, wie ein Mann plötzlich, als die Tür zuschnappte, plötzlich wie verwandelt war, ein hämisches Gesicht zeigte und einer Frau, die zu seinem Opfer geworden war, etwas antat…
Männern kann man nicht vertrauen, hatte meine Oma mir beigebracht. In jedem Mann würde ein wildes Tier leben, das über einen herfällt, wenn es die Gelegenheit bekäme…
Entschuldige bitte, Joel, du bist damit nicht gemeint. Du hast dich bisher so prima mir gegenüber benommen – und ich verlier hier die Fassung!“

„Mari, du brauchst dich nicht zu entschuldigen, ich nehme das nicht persönlich. Ich spürte, dass du mich, den Joel, gar nicht mehr gesehen hast. Da war nur noch ein riesiges Angstgebäude und ich stand für das, was dich scheinbar bedrohte.
Hat dir deine Oma das mit der Gefährlichkeit der Männer öfter gesagt?“

„Ja, schon als ich klein war – und als ich zu einem Teeni heran wuchs, immer und immer wieder. Sie war als junge Frau vergewaltigt und später auch von ihrem Ehemann hintergangen worden und hatte daher einen Hass auf alle Männer.
Na ja, und mein Vater bestätigte in seinem Verhalten auch mir gegenüber dieses Männerbild. Er war Alkoholiker und in seinen Rauschzuständen unberechenbar. Nüchtern war er ganz lieb, aber dann, wenn er trank…  Ich hatte Angst vor ihm, jedoch nicht immer… aber oft… Er hatte…
Ich will darüber jetzt nicht weiter reden, okay?“

„Das brauchst du auch nicht, Mari. Ich dachte mir schon länger, dass du eine ganze Menge Gepäck mit dir rum schleppst. Aber keine Sorge, davon lassen wir uns nicht unterkriegen! Wir sind jetzt zwei, die sich um deine Angst kümmern… 
Und jetzt geht es erst einmal darum, dass du wieder warm wirst und dich besser fühlst.
Weißt du was?
Wir tanzen!“

Er legte eine CD ein, zog sie von der Couch und die rhythmische Musik tat ihre Wirkung…
Sie brachte beide in Bewegung, und durch das Tanzen konnte die Anspannung in Maris Körper sich nach und nach lösen.

Als dann schließlich der Hunger kam, kochten sie sich Spaghetti mit Tomatensauce, schnipselten gemeinsam Salat und spielten danach Mikado.
Joel beobachtete lächelnd, welch ruhige Hand Mari dabei hatte. Das Zittern hatte sich gelegt… 

Es wurde auf ganz einfache Weise ein schöner, gemütlicher Abend und Joel war froh, dass Mari bei dem ersten Besuch in seiner Wohnung – gerade nach diesem heftigen Beginn – doch noch angenehme Erfahrungen mitnehmen konnte…

Zum nächsten Kapitel:  –> 14. Joel als Stellvertreter für die „Die Männer“

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