98. Wochenend und Sonnenschein (4) – „…Na und?!!“

Joel und Mari verbringen ein Wochenende im zauberhaften Ambiente eines schönen Hotels

Fenster_MorgensonneDurch das offene Fenster strahlte die frühe Morgensonne und herrlicher Vogelgesang weckte Mari.
Sie hatte wunderbar geschlafen und musste erst einmal in die Realität zurück finden, als sie sich angekuschelt an Joel in dem breiten Bett ihrer schönen Suite, die sie in diesen zwei besonderen Tagen ihrer Kurzreise bewohnten, wieder fand.
Ganz still lag sie, um dieses Gefühl von Nähe und Geborgenheit in sich bewusst wahrzunehmen und noch ein wenig auszudehnen. Sie wollte ihn nicht wecken, denn es gab auch andere Gefühle in ihr…

Sie konnte ihm zutiefst vertrauen – das spürte sie immer deutlicher und das wurde in ihr besonders nach dem letzten Abend und dieser Nacht besonders spürbar… Er überschritt keine Grenze, die für sie nicht stimmig war, gab ihr die Nähe, die sie zulassen konnte und forderte nie mehr. Und heute – gerade in diesem Moment spürte sie: Etwas in ihr wollte inzwischen weiter gehen, wollte sich ausdehnen, wollte irgendwie mehr… und gleichzeitig waren immer noch Barrieren und Ängste da. Doch der Wunsch nach Lebendigkeit, nach mehr Intensität in ihren Berührungen, nach zunehmender Intimität wurde stärker.
Sie würde dazu einen Schritt auf ihn zu machen müssen, damit Joel die Veränderung ihrer Bedürfnisse und ihrer Bereitschaft wahrnehmen konnte. Aber wie?

Sein Arm lag entspannt auf ihrer Hüfte, zwischen ihnen war immer noch etwas von der Bettdecke, wenn diese auch in der Nacht etwas verrutscht war, aber sie bot genug Wärme und „Schutz“.
Brauchte… ja wollte… sie diesen Schutz eigentlich? fragte sie sich gerade.
Sanft legte sie ihre Hand auf seine.
„Na, meine süße Träumerin?“ fragte er – und sie hörte sein Lächeln in der Stimme, die so gar nicht verschlafen klang.
„Bist du schon länger wach?“ fragte sie ihn erstaunt.
„Ja, lange genug.“
„Wofür?“
„Um unsere Nähe bewusst genießen zu können… um dich zu spüren… um mich daran zu freuen, wie entspannt du ganz nah bei mir liegst.“

Sie drehte sich um, schaute ihm in die Augen. Und wieder ging eine Welle von Vertrauen und von… einem neuen, kribbelnden, reizvollen Gefühl durch sie hindurch. Dann erst wurde ihr bewusst, dass sie ja nackt waren und nun die Decke nichts mehr verbarg.
Joel bemerkte ihren Blick und meinte lächelnd: „Na und?!“
Sie lachte etwas verlegen und gab zurück: „Hm ja, …na und!!“
„Komm her, mein zartes Rehlein, lass uns ganz fest umarmen. Im Liegen ist das noch inniger und entspannter.“

Diese liebevolle Einladung nahm Mari an und atmete ganz tief, als er sie in seinen Armen hielt und für eine ganze Weile die Zeit still stand. Tief nahmen beide das wunderbare Gefühl von Nähe und Wärme in sich auf, eine Wärme, die Körper und Seele wohlig durchströmte. Sie nahm seinen Körper wahr… überall… seine Wärme… und… seine Härte, die nicht zu auszublenden wahr. Dennoch lag er ganz still.
„Du musst gar nichts tun, Liebes. Fühle einfach nur.  Sei einfach nur da. Ich erwarte nichts von dir,“ antwortete Joel auf ihre unausgesprochene Frage, die sein Körper, der nicht lügen konnte und auch nicht wollte, in ihr ausgelöst hatte.

Langsam begann seine rechte Hand über ihre Haut zu wandern, während die linke fest an ihrem Rücken blieb und sie weiterhin hielt.
Sehr bewusst nahm sie seine gleitenden Berührungen wahr, spürte wie ihr Körper erst wohlig, dann nach und nach immer bewegter auf ihn reagierte. Seine Berührungen wurden immer zarter… nahezu elektrisierend…  Als unwillkürlich ein Zucken durch sie hindurch pulste, und sie einen erschrockenen, etwas peinlich berührten Laut von sich gab, strich er beruhigend mit der flachen Hand und etwas mehr Druck über ihren Rücken und flüsterte ihr ins Ohr: „Lass deinen Körper ruhig zucken und tun, was er will… ich finde das wundervoll…“
Kurz rückte sie etwas von ihm ab, damit sie ihm in die Augen sehen konnte. Und spürte, als sie in ihnen versank, nur Annahme und Freude.
Ganz offen begegnete er ihrem Blick und ließ sie erkunden, was immer sie sehen wollte in ihnen – bis an den Grund seiner Seele öffnete er sich ihr und genauso offen ließ sie ihn eintauchen mit seinem Blick in ihre Gefühlswelt. Sie brauchte nichts zu sagen, wurde ihr in diesem Moment klar. Er kannte sie mittlerweile so gut, dass er anhand ihrer Körpersprache spüren konnte und in ihrem Blick lesen konnte, was sie mit Worten nicht zu formulieren vermochte. Er sah und fühlte tief in sich: ihren Wunsch nach mehr… ihre noch vorhandene, immer kleiner werdende Angst… ihr Vertrauen zu ihm als Mann… ihre Unsicherheit, mit der sie sich ihm jetzt anvertraute… ihr noch zögerliches Begehren… Und er sagte mit seinem ganzen Sein „JA“ zu ihr. Auch er sprach es in diesem magischen Moment nicht mit Worten aus, sondern ließ seine Augen sprechen. Und sie verstand sein JA und antwortete mit einem ganz zarten Nicken. Daraufhin zog er sie wieder fest in seine Arme und ließ sie dort wieder ankommen, Halt finden, die Sicherheit seiner absoluten Annahme fühlen.
Und als er spürte, dass sie mit all ihren Gefühlen bei ihm angekommen war, begannen seine Hände erneut auf die Reise zu gehen… Lust zu wecken… Geborgenheit zu schenken… zu reizen und zu besänftigen… zu locken und Halt zu geben… Er wusste, sie brauchte immer wieder zwischendurch den ruhigen Hafen seiner festen Umarmung, um dann wieder neue bewegende Berührungswellen zulassen zu können.  Nach und nach wurde sie lebendiger in seinen Armen, berührte und streichelte auch ihn und genoss den Tanz der Berührungen, die sie miteinander teilten, zunehmend.
„Es ist wunderschön mit dir, Mari…“ sagte er leise, als sie wieder einmal inne hielten, bevor eine neue Welle von Empfindungen durch sie hindurch strömte…
Es war ein wie ein Tanz: ein Hin und Her im gemeinsamen Aufeinander-Eingehen im Auf- und Abschwellen der Intensität ihrer Lustempfindungen… Und als sich die Berührungen immer mehr intensivierten und Mari spürte, dass sie nun keine besänftigende Welle mehr haben wollte, im Gegenteil, dass sie nichts mehr abflauen lassen wollte… mehr wollte… die Intensität steigern… bewegte sich alles auf einen Höhepunkt zu, mit dem sie ihren ersten sinnlichen gemeinsamen Tanz vollendeten.

Diese Reise der Berührungen war für Mari eine so intensive Erfahrung, dass ihr bei den Nachbeben ihres Körpers die Tränen kamen. Es zuckte in ihr und sie brachte mit ihrem Weinen all die lange aufgestauten Gefühle aus sich heraus: die Erfüllung ihrer Sehnsucht, ihre Lust, ihre Angst, ihre Freude, die Auflösung ihrer Zerrissenheit, ihre Fassungslosigkeit, wie ungebremst sie sich schließlich in seinen Armen hatte fallen lassen…
„Entschuldige, Joel, mein Weinen ist….“
„…nichts wofür du dich entschuldigen müsstest, mein Schatz! Ich weiß doch, wie viele Gefühle sich da in dir bewegen. Die wollen raus… Und dafür hat der Mensch das Gefühlswasser, das sich „Tränen“ nennt. Lass sie einfach fließen, ich halte dich!“
Liebevoll gehalten in seinen Armen ließ sie ihren Tränenstrom frei fließen in der Sicherheit, dass sie angenommen wurden, dass all ihre Gefühle, alles was sie ausmachte, angenommen war.
Welch größere Erfüllung konnte es geben…

Sie fühlte , wie eine Welle von Geborgenheit und  Frieden durch sie hindurch floss, in der ihre Tränen   auch eingebettet waren. Langsam wurde sie ruhiger und genoss voll Dankbarkeit das warme Gefühl, in ihrem ganzen Sein angenommen und gehalten zu werden.

Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge

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01g Eine utopische Heilungsreise: NEUES UND UNGEWISSES

Bei Mari – der Meister erzählt Mari innerhalb ihres Rollenspiels ein utopisches Märchen, eine Fortsetzungsgeschichte von wohlwollenden außerirdischen Meistern zum Thema „Macht – Angst – Vertrauen – Hingabe“

Joel (der die Meisterrolle inne hatte innerhalb des gemeinsamen Rollenspiels mit Mari) hatte sich für die Vorweihnachtszeit eine Märchengeschichte ausgedacht, die in einer fiktiven Zukunft angesiedelt war und um eine Heilungsreise in einem Raumschiff mit außerirdischen Meistern geht. Nachdem Mari sich auf ihrer behaglichen Couch in seinen einladend geöffneten Arm gelehnt hatte, erzählte er das in den letzten Tagen bereits begonnene Märchen weiter:

„Als Carina am dritten Tag im Hause ihres Ausbilders Ramon morgens erwacht, entdeckt sie ein weiteres Briefchen vor ihrer Zimmertür. Gespannt liest sie die Botschaft ihres Meisters:

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Liebe Carina,

auch wenn morgen deine Ausbildungsreise beginnt, vor der du dich noch so fürchtest, brauchst du nicht zu verzweifeln. Ich gehe mit dir an Bord des Raumschiffes und auch durch alle deine Ängste. die jetzt noch zu dir gehören.

Dein Meister Ramon

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Jetzt ist es also soweit’, denkt Carina, und sie fühlt , wie ihr die Tränen in die Augen steigen. Es ist noch früh am Morgen, und sie beschließt, einen kurzen Spaziergang zu machen, um in der kalten Morgenluft ihren heißen Kopf abzukühlen. In der Haustür stehend hört sie hinter sich Ramons Stimme: ”Guten Morgen, Carina, na, schon so früh auf?”

Carina zuckt zusammen. Sie hat nicht erwartet, ihm jetzt schon zu begegnen. “Entschuldigung, ich wollte sie nicht aufwecken”, stammelt sie aufgeregt.

“Du hast mich nicht aufgeweckt“, sagt er freundlich zu ihr. „Ich möchte dir einfach nur sagen, dass du nicht allein bist, und wenn du willst, gehe ich gern mit dir.”

“Ich will Abschied nehmen…” Mit diesen Worten ist es um Carinas Fassung geschehen. Ein hemmungsloses Weinen bricht aus ihr heraus. Ramon legt seinen Arm um ihre Schultern.

Ich weiß, Carina, Abschied nehmen tut oftmals sehr weh”, tröstet er sie mitfühlend. Behutsam führt er sie ins Zimmer, setzt sich mit ihr auf die Couch. 

  “Ja, Carina, lass deinen Tränen freien Lauf, sie lösen den Schmerz und befreien dich von dem Druck der letzten Tage und dem bevorstehenden Abschied.

Carina schluchzt: “Bitte, bitte, lassen sie mich gehen, oder lassen sie uns wenigstens hier bleiben! Ich will nicht fort! Ich mag diese Reise nicht machen! Ich will nicht ins Raumschiff! Ich will das alles nicht. Ich kann nicht…” Ihre Augen flehen ihn an.

“Carina, ich verstehe deine Gefühle, deine große Angst. Doch ich täte dir nicht wirklich einen Gefallen, ließe ich dich gehen, denn hier geht es um mehr, als dir jetzt bewusst ist. Dein Herz, deine Seele, dein göttlicher, wissender Teil von dir wünscht, diese Reise zu machen. Er ist es, der mich gerufen hat, dir dabei zu helfen, dich zu erinnern, wer du wirklich bist. Ich bin hier, um dich zu dir selbst – in dein wahres Zuhause zu bringen.”

Während Ramon in dieser Weise mit Carina spricht, bricht die Mauer, die sie um sich herum gebaut hat, zusammen, und sie beginnt, über ihre Angst-Geschichten zu sprechen. Ramon hört ihr aufmerksam zu und führt sie immer wieder in die Gegenwart zurück: “Schau einmal Carina, was jetzt ist: Heute ist der dritte Tag, an dem du mit mir, einem großen, starken Mann, allein bist in einem abgelegenen Haus, oben in den verschneiten Bergen. Ist dir irgend etwas geschehen, was dir geschadet hat? Ich sage dir immer wieder, sooft du es hören willst: Ich tue dir kein Leid an, weder jetzt, noch später, niemals!” Vorsichtig nimmt er ihre kalte bebende Hand in seine warmen Hände und lässt ihr Kraft, Trost, Geborgenheit, Stärke und Wärme zufließen. Schließlich beruhigt sie sich etwas. 

Beide decken zusammen den Frühstückstisch, stärken sich mit gutem leckeren Essen, und anschließend machen sie einen gemeinsamen  Spaziergang, der sie zur Mittagszeit in ein gemütliches Restaurant führt. Carinas Gedanken sind immer wieder mit dem Geschehenen und mit dem, was noch kommen wird, beschäftigt. Plötzlich fällt ihr ein: “Aber wir sind doch erst drei Tage hier, warum geht es denn jetzt schon ins Raumschiff?” Carina spürt einen leisen Hauch von Hoffnung, vielleicht muss sie morgen doch noch nicht fort? “Carina, du hast schneller einen Kontakt zugelassen, als ich dachte, dass es dir möglich ist“, erklärte Ramon lächelnd. „Es täte dir nur unnötig weh, wenn wir jetzt den Abschied noch hinaus schieben würden. So habe ich im Kontakt mit deiner Seele diese Entscheidung getroffen.”  Seine Stimme klang warm und freundlich wie immer, aber gleichzeitig auch so bestimmt und klar, dass sie spürte, dass alles Diskutieren zwecklos wäre.

Später am Nachmittag überrascht Ramon Carina mit einem Köfferchen voll Fensterfarben, um mit ihr zusammen herrlich leuchtende Folien mit Ornamenten, Symbolen und all den Bildern herzustellen, die Carina gern malen wollte. Die Farben waren zauberhaft und Carina malte eifrig und mit Freude verschiedenste Ornamente und auch Gegenständliches. Carina liebt alles, was mit malen und Farben zu tun hat. “Du kannst die    Farben und Folien mitnehmen, wenn wir morgen ins Raumschiff gehen, sowie auch deinen Adventskalender und das Gesteck, das ich dir geschenkt habe. Alles andere, was du sonst noch brauchst, wirst du an Bord vorfinden”, erklärt Ramon.

‘Na ja’ , denkt Carina, ´woher will er wissen, was ich brauche… Ich kann nur hoffen, dass ich dort einigermaßen versorgt werde!’ Sie malen gemeinsam mit angenehmer Musik im Hintergrund  bis in den späten Abend    hinein, und Carina ertappt sich dabei, dass ihre ganze Konzentration auf die Freude am Tun gerichtet ist, so dass dabei zeitweise ihr Abschiedsschmerz in den Hintergrund rückt. Ramon beobachtet Carina unauffällig – schmunzelnd, ihr eine Beschäftigung    gegeben zu haben, die ihre Aufmerksamkeit total beansprucht.

Müde und erschöpft sinkt sie an diesem letzten Abend sofort in einen tiefen Schlaf, aus dem sie erst spät am nächsten Morgen erwacht. Ramon hat sie ausschlafen lassen. Dann jedoch geht alles ganz schnell. Er lässt ihr wenig Zeit zum Denken. Nach einem kurzen Frühstück hilft Carina ihm, alle Sachen im Auto zu verstauen, und los geht die Fahrt Richtung Raumschiff.

NeuesNach einer längeren Autofahrt endlich angekommen, staunt Carina doch. Vor ihr in geringer Entfernung steht ein gigantisch strahlendes Raumschiff. So leuchtend und schön hatte Carina sich das nicht vorgestellt, sie dachte eher an einen hässlichen “Metallkäfig”. Wieder entdeckte sie die Unwahrheit eine ihrer unangenehmen Vorstellungen…“

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Morgen wird die Geschichte fortgesetzt und läuft voraussichtlich bis Weihnachten Hier geht es zu allen bisher erschienenen Kapitel zu dieser Geschichte, die Joel Mari in der Advents- und Weihnachtszeit erzählt –> Eine utopische Heilungsreise (Märchen)

45. Gedanken am Fenster

Joels Gedanken wandern… 

Joe schloss lächelnd die Keksdose und blickte aus dem Fenster. Bald würde Mari die Straße entlang kommen, nicht wissend, dass er sie von hier aus bereits sehen konnte.

Für heute hatte er sich etwas ganz besonderes ausgedacht.
 
Mal sehen, ob meine Überraschung tatsächlich die Wirkung hat, die ich mir erhoffe, überlegte er nachdenklich…
 
Seine Gedanken wanderten zurück zu den ersten E-Mails, die er mit ihr ausgetauscht hatte, und zu ihren ersten beiden Begegnungen, in denen sie ihm von ihrem Wunsch erzählte, ihre Furcht vor Männern, vor Körpernähe und schließlich auch vor Erotik abzubauen. An Auflösung wagte sie gar nicht zu denken, so stark war sie geprägt durch ihre Angst.
 
Und auch DAS, was sich für sie so seltsam widersprüchlich anfühlte, auch DAS hatte sie ihm anvertraut: nämlich  dass ihre Gedanken immer wieder um Fantasien von Macht und Gehorsam kreiste…
 
Dieser Aspekt fühlte sich für sie nicht gerade spielerisch leicht an, wie er bald bemerkt hatte im Laufe ihrer ersten Spiele, die sie miteinander spielten. Und dennoch zog es sie dorthin…Worin mag für sie dieser Sog bestehen?
Würde es sich irgendwann in all der Spannung auch lustvoll für sie anfühlen können?
 fragte er sich so manches Mal. Denn dass ihre Spiele für Sie immer wieder eine große Herausforderung darstellten, hatte er bald bemerkt. Auch für ihn war es eine spannende Herausforderung, denn er wollte sie gern in ihrem für sie so heiklen Anliegen unterstützen, und sie das fühlen lassen, was ihr Innerstes brauchte… und das war vor allem anderen besonders Vertrauen!
 
Inzwischen hatte er einige Fragmente aus ihrer Kindheit erfahren können, anhand derer er deutlich erkannte, dass sie schon als kleines Mädchen Dinge erlebt hatte, die es ihr schwer machten, unbefangen neue Herausforderungen anzunehmen, ganz besonders, wenn es um den Kontakt mit Männern ging, aber wohl auch sonst in anderen Bereichen des Leben. Es fiel ihr schwer, sich frei und neugierig auszuprobieren durch ihre alte, sie stark belastende Angst, etwas falsch zu machen, abgelehnt zu werden und zu versagen. Dennoch gab sie nicht auf, sich mit ihren Gefühlen anhand neuer Erfahrungen auseinanderzusetzen. Dafür achtete er sie.
Dass ihre Angst vor Autoritäten sie oft bis an die Grenze des Erträglichen brachte, war aus dem, was sie  bereits von sich erzählt hatte, deutlich erklärlich, obwohl es wahrscheinlich nur die Spitze des Eisbergs war, an das sie sich erinnerte.
 
Wahrscheinlich ist es für Sie wichtig, Autorität, also Macht, in einer neuen, für sie wohltuenden und heilsamen Weise zu erleben, in einer  bewusst angewandten und wohlwollenden Art und Weise… hatte er sich zu Beginn ihrer „Spiele“ überlegt.
Diese Macht wollte er gern für sie verkörpern! Denn er hatte selbst eine ganz eigene, facettenreiche Affinität zum Thema Macht, die er im Umgang mit Mari sehr  behutsam und an ihre Situation angepasst zum Ausdruck brachte.
 
Wenn man ihre Grundthemen als Säulen darstellen würde, so sah er sah zwei verschiedene Kraft-Säulen, bestehend aus zwei Sehnsüchten, und zwei Säulen, die es schwierig machten, vor seinem inneren Auge:
 
Die eine Kraftsäule war gebaut aus einer Mari sicher nur teilweise bewussten Sehnsucht nach Körpernähe und Erotik . Dieses Bedürfnis musste  ein starker Motor des Ganzen sein, überlegte er, der ihr die notwendige Energie gab, diesen Weg trotz aller Angst zu beschreiten und weiter zu gehen.
 
Die zweite Säule bestand aus ihrem Anliegen, Autorität auf neue, gute Weise zu erleben, um das Alte mit vielen neuen guten Erfahrungen von wohlwollender, gütiger Macht zu überschreiben. Auch diese Auseinandersetzung mit dem Thema „Macht und Gehorsam“ war eine große Herausforderung für sie, wie er immer wieder bemerkte, wenn er für sie  die symbolische Machtfigur des „Meisters“ einnahm. Welche Energie musste sie in sich tragen, um diesen Weg nicht aufzugeben, der ihr wohl wichtig war und gleichzeitig so schwer fiel…
Mehrmals war sie bereits in Angst und Panik verfallen, wenn er sie in der Rolle dieser Machtgestalt mit auch nur kleinen neuen Herausforderungen konfrontiert hatte. Glücklicherweise hatte er sie stets auffangen können, wenn sie drohte abzustürzen aus dem von ihr selbst gewählten Drahtseilakt.
 
Die beiden Säulen, die es schwer machten, bestanden aus den Bausteinen vieler verschiedener Ängste und Schamgefühle, die es Ihr erschwerten, dieses komplexe Anliegen mit den entsprechenden Bedürfnisse umzusetzen.
 
 Ja: Autorität, Erotik, Angst und Scham – das waren die Grundthemen, die sie spielerisch angehen wollte.
 
Oft sah er die nackte Angst vor allem Neuen in ihren Augen aufblitzen und in ihrem Körper zucken.
 
Glücklicherweise lässt sich die Angst bereits umarmen und dadurch mildern, freute er sich.
 
Er wollte auf diese vier Säulen ein schützendes Dach legen, aus Dachziegeln, die gebrannt waren aus Mitgefühl, Annahme, Güte, Geborgenheit, Wohlwollen, freundlichem Humor,  und einer ihm eigenen Bestimmtheit und Beständigkeit, die sie in ihrem Anliegen bei der Stange hielt.
 
 Ja, dachte er lächelnd, ich kann beharrlich darin sein, die von dir gewählten Ziele für dich im Auge zu behalten, du scheues zartes Reh!
 
Denn im Strudel der Emotionen, war ihr eigentliches Anliegen, was sie mit diesen so herausfordernden Spielen erreichen wollte, manchmal kaum noch fühlbar, und sie versuchte die Konfrontation mit der Ungewissheit, die sie als Übungsfeld brauchte, immer wieder mal wieder zu umgehen – zum Beispiel, wenn ihr wieder mal eine ihrer vielen Fragen innerhalb der Spiele herausrutschte, vermutete Joel schmunzelnd.
 
Aber dafür ist die Rolle des Meisters schließlich da, überlegte er weiter. Ich will dir gerne immer eine Hand reichen, auch als Meister, wenn dir eine Hürde zu hoch und eine Angst zu heftig erscheint….
 
Heute hatte er sich etwas besonderes ausgedacht, was dazu beitragen sollte, ihr den nächsten Schritt leichter zu machen. Denn dass es für Sie ein auffällig schwerer Schritt war, sich auf die Couch zu legen, war ihm schon seit einiger Zeit aufgefallen. Diesmal wollte er das nicht durch eine Anordnung durchsetzen – auch wenn das der Rolle des Meisters mehr entsprach, als die eher unauffällige, einladende Art und Weise, mit der er ihr heute diesen Schritt erleichtern wollte…
 
Das alles ist für dich schon schwer genug, dachte er voll Mitgefühl, und  empfand Achtung für den Mut und die Energie, die sie bisher auf diesem besonderen Weg hielt, der sie immer wieder an ihre Angst heran und durch sie hindurch führte, um dabei nach und nach die Erfahrung zu machen, einem Mann und vor allem auch sich selbst und den eigenen Gefühlen vertrauen zu können.
 
Na, Mari, lass dich überraschen, was ich heute mit dir vorhabe, dachte er schmunzelnd, als er sie zehn Minuten nach der verabredeten Zeit die Straße entlang eilen sah…

Was er für diesen Abend für sie geplant hatte, erscheint im folgenden Kapitel in zwei bis drei Tagen

Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge

38. Heftige schmerzliche Wut – und nun? (Teil 1)

Bei Joel – Mari flippt aus

Mari war empört! Was sie da aus dem Nebenzimmer hörte, empfand sie als zutiefst demütigend!
Joel hatte – kurz bevor sie mit dem Spiel beginnen wollten – noch einen für ihn wohl sehr wichtigen Anruf entgegen genommen und war dazu ins Nebenzimmer gegangen. Doch die Tür hatte sich versehentlich wieder einen Spalt geöffnet, und so hörte Mari gezwungenermaßen alles mit, was er dem Menschen am anderen Ende des Smartphones sagte:

„Hallo? Ja, gut, dass sie anrufen. Ja, es ist wirklich schwierig – auch mit den kleinsten Schritten! Ich weiß nicht mehr weiter. Es will einfach nicht so recht vorwärts gehen. „

Über wen er da wohl redet… fragte sich Marie.

„Nein, wirklich… sie schaut mich oft ganz ängstlich an und traut sich nur ganz wenig zu. Sie lässt sich auch immer noch kaum anfassen. „

Mari wurde es heiß und kalt. Das bin wohl ich… Oh NEIN! Joel redet über mich!

Weitere Satzfetzen hörte sie aus dem Nebenzimmer:
„Ach, ich hab schon alles versucht, aber sie weicht bei allem nur zurück! Ich weiß langsam echt nicht mehr weiter. Und es dauert so lange, bis es mal einen Millimeter vorwärts geht.“

Entsetzt denkt Mari: Hatte er nicht immer etwas von Zeit und Geduld erzählt? Und außerdem… er sieht gar nicht, wie viel Mühe ich mir gebe. Er weiß doch, dass jeder Schritt mich so viel Mut kostet. Sein Gerede, dass er mir keinen Druck machen will, ist also gar nicht echt! So denkt er also in Wahrheit über mich! Oh Mensch, das hätte ich ihm nicht zugetraut!

„Also was sagen sie als Spezialistin? Was kann ich machen? Soll ich sie etwas mehr locken? Oder noch ein bisschen strenger sein? Sollte es nicht endlich mal ein Stückchen weiter vorwärts gehen… ?“

Mari sank in sich zusammen auf dem Sofa… Mensch tut das weh , oh jeh, das tut so weh, dass er so über mich denkt… dass das all das Getue mit den langsamen Schritten und der Geduld und Annahme nur Fassade ist… Vorwärts gehen, Erfolge, Ergebnisse… Nur das ist ihm wichtig!

„Ja das sagen sie so, aber es gelingt mir ja nicht mal, dass sie sich hinlegt in meiner Gegenwart. Ja wirklich, kaum eine Chance , dabei gehört das doch nun zu den ersten grundlegenden Dingen, die sie befolgen müsste, oder? Und dass sie die elementaren Dinge befolgt, ist doch nötig, damit es weiter gehen kann.“

Gut dass ich die Wahrheit höre, dachte die inzwischen sehr empörte Mari, und fragte sich, mit wem er wohl da über sie sprach. So denkt er also über mich! Und mir erzählt er immer was von keine Erwartung erfüllen müssen und so weiter, nein ich lege mich auch nicht hin! Und ich werde mich ja auch nicht hinlegen! Der Zug ist abgefahren!

„Ja, wenn sie meinen, dann werde ich das mal versuchen. Ja, vielleicht fängt sie ja dann endlich an, mal mehr aus sich heraus zu gehen.“

Mari kochte vor Enttäuschung und Wut: Der wird mit mir nichts mehr versuchen!!! So ein Heuchler, so ein…

 „Ja, ok, ich danke ihnen sehr,“ sagte Joel im Nebenzimmer und beendete das unglückselige Gespräch.
Kurz darauf betrat er das Zimmer. „Tut mir leid, Marie. Aber das war wirklich wichtig. Jetzt können wir starten. Das Spiel beginnt,“ sagte er und schaute ihr freudestrahlend ins Gesicht.

„So“, antwortete sie in schneidendem Tonfall, „dann spreche ich hier also mit dem Meister ja?!“

„Oh ja“, entgegnete er ernst und schaut sie verwundert an.

Nun erhob sich Mari mit hochrotem Kopf und sagte empört zu ihm: „Das hätte ich nicht von dir gedacht! Ich habe alles gehört! Schon allein, dass du über mich so in Einzelheiten mit anderen redest, ist schon schlimm genug, wir hatten Diskretion vereinbart! Aber was du gesagt hast über mich, das hat mich zutiefst getroffen!° Du tust so, als würdest du mir alle Zeit der Welt lassen, als würdest du mir Druck nehmen wollen, und dabei denkst du ja ganz anders, du Heuchler, du… du du..   Ach, das ist einfach nicht fair!“

Verblüfft über diesen Ausbruch schaute Joel Mari an. „Mari, vergreifst du dich da nicht gerade etwas im Ton? Ich weiß nicht genau, wovon du redest, aber ganz sicher reden wir nicht in diesem Ton miteinander!“

Diese erwiderte laut: „Ich rede jetzt genauso, wie ich reden will! Endlich, endlich, endlich (!) rede ich genau so, wie ich will! Jetzt habe ich keine Angst vor dir! Ich werde das beenden hier! Ich habe dir vertraut, dass du wirklich, w i r k l i c h, tatsächlich meinst, was du sagst, aber du willst einfach nur, dass ich mich hinlege! Ohh, das ist ja die Basis für alles!“ Ihre Stimme wird immer lauter. „Du willst mich einfach nur ins Bett kriegen, und wie ich mich fühle, ist dir scheißegal!!! Gut, dass ich das wenigstens noch erfahren habe, bevor es zu mehr gekommen ist!“

Mit diesen Worten ging die tief verletzte, zornige Frau auf dem Weg zur Tür einen Schritt auf ihn zu, zitternd vor Wut, Schmerz, und Empörung. Er stand allerdings zwischen ihr und der Tür, so dass sie nicht vorbei konnte.
So schrie sie ihn ganz außer sich an: „Jetzt lass mich gefälligst vorbei! Lass mich vorbei, habe ich gesagt!“

Er blieb stehen und versuchte Ruhe in die Situation zu bringen. „Mari, ich weiß nicht, was in dich gefahren ist, aber ich bitte dich, dich zu beruhigen, was redest du denn da? Wie kommst du darauf, dass ich dich einfach nur ins Bett kriegen will? Ehrlich Mari, ich weiß nicht, was los ist, aber wenn du das so sagst, fühle ich mich sehr angegriffen, nach all dem, was wir beide schon zusammen erlebt haben.“

„Du fühlst dich angegriffen?!!!“ In Mari kochte es! „Der erhabene Meister fühlt sich angegriffen?!!? Wenn sich hier einer angegriffen fühlen kann, dann ja wohl ich, und jetzt tu nicht so, als wenn du nicht wüsstest, wovon ich rede, du hast es eben selber gesagt! Für mich ist das alles hier zur Farce geworden, und das tut so irre weh! So, so schlimm ist das für mich! Alles Vertrauen, was bisher gewachsen war, was dem werten Meister ja sowieso viel zu wenig war, fühlt sich jetzt wie mit Füßen getreten an!
Ja, ich bin nicht so gut im Vertrauen, das geht alles langsam bei mir, und dir viel zu langsam! Das habe ich jetzt gehört, aber ich habe getan was ich tun konnte, mehr ging nicht! Hast du gehört?! Mehr ging einfach nicht!!! Und wenn dir das nicht genug ist, dann dann dann…“
Wieder versuchte die verzweifelte Mari an ihm vorbeizukommen… Doch Joel blieb ruhig stehen, nicht bereit, einen Zentimeter Platz zu machen.

„Mari, bitte, beruhige dich, wovon redest du denn? Ich war nur 5 Minuten aus dem Zimmer. Was ist denn passiert? Ich verstehe nicht, wovon du redest – und ja ich fühle mich gerade sehr angegriffen für etwas, dass ich sicher nicht getan habe!“ Seine Stimme blieb zwar ruhig, aber er schüttelte vehement den Kopf und seine Augen schauten sie forschend an.

Mari antwortete: „Jetzt tu doch nicht so! Du hast das alles doch eben nebenan irgendwem anders gesagt! Schon alleine, dass du über mich geredet hast finde ich furchtbar, aber in dieser Weise… nein!“

„Nebenan? Hast du mich belauscht?“ fragte er verblüfft.

Das machte sie noch wütender. „Nein habe ich nicht!! Es war nicht zu überhören, du hättest dir vielleicht Ohropax besorgen müssen und es mir vorher reichen, damit ich nicht höre, was du anderen über mich erzählst. Ich lausche nicht!!!!!!!!
Und jetzt lass mich endlich vorbei, ich halte das hier nicht mehr aus!“

„Über dich? Wie meinst du das? Über dich? Glaubst du etwa…“
Er machte eine Pause und sah Mari erstaunt an. Langsam begann er zu begreifen…
„Du glaubst doch nicht etwas, dass…“

„Lass mich endlich raus, habe ich gesagt!“

„Du glaubst, dass es bei dem Telefongespräch um dich ging?“

Mari zitterte vor Wut und Schmerz: „Na das liegt ja wohl auf der Hand! Du hättest dir wenigstens die Mühe machen müssen, die Tür richtig zu schließen, aber jetzt weiß ich, wie du über mich denkst! Und auf diese Weise geht es nicht mehr! Gar nicht! Überhaupt nichts geht mehr! Jetzt lass mich bitte endlich raus!“

Außer sich vor Zorn versuchte sie, sich an ihm vorbei zu drücken und zur Tür zu gelangen.

Joel blieb stehen und sagte ruhig und bestimmt: „Mari, jetzt hör mir mal ganz genau zu. Das am Telefon war eine Hundtrainerin, eine sehr bekannte und sehr teure Spezialistin, weshalb ich das Gespräch unbedingt führen wollte. Meine Eltern haben vor zwei Wochen einen Hund aus dem Tierheim geholt, ein wirklich armes Geschöpft, das offenbar vom Vorbesitzer massiv gequält wurde, und ich braucht dringend ein paar Tipps, um die Hündin zu beruhigen und zu ermutigen, sich aus ihrer Ecke, in der sie sich verschanzt hatte, heraus zu trauen. Es ging nicht im Ansatz um dich!“

Im ersten Moment drangen seine Worte noch gar nicht richtig zu der aufgeregten Frau durch, sie stand noch immer ganz außer sich vor ihm.

„Hörst du, Mari? Es ging um die Hündin meiner Eltern, nicht um dich! Wenn du willst, rufe ich die Hundetrainerin sofort an und gebe sie dir, damit sie es bestätigt. Es ging nicht um dich, in keiner einzigen Silbe!“

„Und du hast gesagt ich kann…“ In diesem Moment kamen seine Worte bei ihr an. „Wie jetzt, was? Hundetrainerin?“ Sie wich zwei Schritte zurück…
„Es ging mit alle dem gar nicht um mich? Du meinst, du hast nicht über mich geredet?! Oder ist das jetzt eine Ausrede?“ Kurz flammte ihr Misstrauen nochmal auf.

„Noch einmal: Bitte beruhige dich Mari. Ich hatte eine sehr bekannte Hundetrainerin am Telefon, um mir Tipps zu holen, wie ich gemeinsam mit meinen Eltern ihre total verängstigte und leidende Hündin unterstützen könnte. Ich weiß nicht, was genau du gehört hast, aber es ging nicht um dich!“

Mari ging langsam rückwärts, stieß dabei an einen Schrank, der hinter ihr stand. Voller Entsetzen über ihren ungerechten Ausbruch, der ihr nun richtig bewusst wurde, spürte sie ein unangenehmes kaltes Kribbeln durch ihre Arme und Hände fließen. Sie atmete schnell, rang nach Worten und brachte schließlich heraus: „Dann habe ich mich in allem geirrt? Dann war ich gar nicht gemeint… Oh jeh…“
Fast wäre sie über einen Hocker gestolpert, da hielt Joel sie am Arm fest, damit sie nicht gegen noch etwas stieß. Sie zuckte in einer automatischen Abwehrreaktion zurück vor Schreck. Schlagartig wurde ihr bewusst, wie unmöglich sie sich verhalten hatte. Wie erstarrt stand sie und wusste nicht ein noch aus.

„Mari, ich versichere dir, dass ich mit niemanden über das, was wir beide reden oder machen, spreche. In dem Telefongespräch ging es um eine Hündin, und hatte nichts, absolut gar nichts mit dir zu tun.“
Joel atmete tief ein. „Mari, bitte glaube mir, das war ein absolutes Missverständnis!“

„Das konnte ich aber nicht wissen…“ stammelte sie, „deine Worte waren so eindeutig… Wie konnte ich wissen, dass du von einer Hündin sprachst… Ich kann dich nur um Verzeihung bitten!“

„Wie konntest du das nur glauben, Mari?“ fragte Joel nun traurig.

„Was du alles gesagt hast… Keine Fortschritte… Alles zu langsam… Legt sich nicht hin….
Jetzt kamen ihr die Tränen. „Es ist ja zum Teil auch wahr…“

„Sie legt sich nicht hin? Und du glaubst, dass ich so etwas über dich sagen würde?!“

„Ja! JA! Scheiße, ja, ich habe das in dem Moment geglaubt.“

„Puh, das tut mir leid Mari! Aber es tut mir auch weh, dass du das geglaubt hast. Wirklich, so etwas würde ich nie sagen, und ich dachte, das wüsstest du!“

„Das klang einfach so eindeutig… Bis eben hatte ich so etwas ja auch nicht von dir gedacht!“

„Und hättest du nicht mit mir reden können, bevor du so… ausrastest? Ich meine… um ein Haar wärst du hier einfach hinaus gestürmt und wir hätten das Missverständnis nicht mehr aufklären können. Du hattest dein Urteil über mich gefällt, ohne mir auch nur eine Chance gegeben zu haben, etwas zu erklären! Findest du das nicht etwas unfair? Mir nicht wenigstens eine Chance gegeben zu haben?“

Jetzt schäumte noch eine letzte Welle von hilfloser Wut in ihr auf: „Na, wenn ich das gekonnt hätte, dann hätte ich mich wohl kaum in so eine unmögliche Situation gebracht, in der ich jetzt bin! Manchmal kann ich eben nicht! Manchmal kann ich alles mögliche nicht, was richtig wäre, und was andere könnten. Ich konnte es einfach nicht, Joel! Ich bin ja gar nicht auf eine andere Idee gekommen – es war ja nicht mal der Hauch einer Frage in mir. Für mich war das einfach so klar – und es tat so irre weh, so furchtbar weh! Das kannst du dir gar nicht vorstellen!!!“

Marie stand immer noch vor dem Schrank – fassungslos und beschämt, was sie da angerichtet hatte. Ihr Kopf platzte bald vor Schmerz, und sie fühlte sich am Rande ihrer Kraft.
„Kann ich mich bitte einen Moment hinsetzen, bevor du mich nun wahrscheinlich rausschmeißt?“ brachte sie leise hervor?“

Weiter… geht es im nächsten Kapitel: –> 39 Heftige schmerzliche Wut – und nun? (Teil 2)

Dieses Kapitel wurde gemeinsam geschrieben von Rafael und Miriam.

Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge


37. Hände verschmelzen – Umarmung genießen

Bei Mari – Fortsetzung von Wie durch eine besondere Art des Strafens Vertrauen wachsen kann

Mari und Joel, der für sie wieder die Rolle des Meisters angenommen hatte in ihrem jetzt gerade begonnenen Spiel saßen sich gegenüber.
„Bereit zu unserer Übung?“ frage Joel.

„Ja, Meister“, antwortete Mari entschlossen.

„Also, ich möchte, dass du gleich deine Hände in meine legst, deine Augen schließt und sie dann wieder öffnest, wenn du findest, dass es der geeignete Moment dafür ist. Okay, Mari?“

„Also irgendwann, wenn ich das so empfinde…“

„Du bestimmst den Moment, Mari.“

„Okay“, sie rutschte mit ihrem Stuhl noch etwas näher an Joel heran und legte ihre Hände in seine. Er nahm sie ganz sanft auf. Dadurch, dass sie die Augen geschlossen hatte, spürte sie seine Hände, die ihre behutsam und ohne Druck hielten, besonders deutlich. Das war ein angenehmes Gefühl… Fast war sie erstaunt über sich, wie gut sich das anfühlte. Und sie spürte auch, dass sie mit den geschlossenen Augen im Moment eine Art Unbefangenheit hatte, die es ihr leichter machte, die Wärme seiner Hände und das angenehme Gefühl, das sie dabei empfand, bewusst wahrzunehmen.
Diese ruhigen, Wärme ausstrahlenden Hände vermittelten ihr einen Eindruck von Sicherheit und Geborgenheit, von Schutz und Wärme…
Das Gefühl, das durch die Hände ausgelöst war, übertrug sich auf Maris gesamte Persönlichkeit. Es fühlt sich an, als würde er mich annehmen und halten – nicht nur meine Hände, sondern mich als ganze Mari, dachte sie.

Joels Atem ging ruhig und tief, sie konnte ihn hören und fühlen. Wie von selbst übernahm Mari seinen Atem-Rhythmus, und sie beide atmeten miteinander entspannt, langsam und in Ruhe. Als sie sich dessen gewahr wurde, sagte sie innerlich „Ja“ dazu und nahm ganz bewusst die Verbundenheit wahr, die durch die gehaltenen Hände und den gemeinsamen Atemrhythmus entstanden war. Ohne nachzudenken, gab sie sich ganz in diesem Moment hinein. Die Frage, wann sie die Augen wieder öffnen sollte, trat in den Hintergrund. Es war, als würden die Hände mteinander verschmelzen – sie spürte nicht mehr, wo ihre Hand aufhörte und seine anfing. Von Joel ging eine tiefe Ruhe aus, die sich auf sie übertrug.

Kurz drückte er ihre Hand ganz sanft etwas nur zusammen, nur um ihr mit diesem ganz minimalen Druck zu vermitteln, dass alles gut war, dass er sie ganz bewusst hielt und dies so lange andauern durfte, wie sie es entscheiden würden.

Diese besondere Art der Verbundenheit vermittelte Mari Geborgenheit und ein unendliches Wohlgefühl. Sie verlor jegliches Zeitgefühl und tauchte ein in ein Meer von Frieden, in dem sich ihr wundes Gemüt ausruhen konnte.

Wie lange verweilte sie bereits in diesem Meer von Frieden? Sie wusste es nicht…
Ein Gefühl tiefer Dankbarkeit über diese wertvolle Erfahrung durchströmte sie jetzt spürte sie den Impuls von innen, die Augen wieder zu öffnen.

Sie blickte auf Joel, der mit geschlossenen Augen ganz ruhig ihr gegenüber saß.
So schloß sie ihre Augfen noch einmal – es war so schön… Einen Moment lang wollte sie dieses weiche friedvolle Gefühl noch auskosten.
Als sie die Augen dann wieder öffnete, waren auch Joels Augen offen und er schaute sie sanft an.
Ihr Blick versank in seinen Augen und ihr wurde bewusst, dass sie heute den Blickkontakt halten konnte, ohne dass es ihr unbehaglich war, von ihm angeschaut zu werden.

Er lächelte ganz sanft und milde und nickte ihr anerkennend zu.

Spontan lächelte sie zurück.

„Das war wirklich sehr besonders, Mari“, sagte er leise zu ihr.

„Darf ich etwas sagen, Meister?“

„Das Spiel ist beendet“, jetzt darfst du alles sagen, fragen und tun, was du möchtest“, lachte Joel

„Da war zum ersten Mal ein Gefühl von wirklichem Vertrauen in mir, das entstand aber erst jetzt während du meine Hände hieltest, das war einfach so stützend, wärmend und schön… danke!“

„Ja, das habe ich gemerkt. Darüber freue ich mich. Und du hast nicht einfach nur an irgendeinen Moment die Augen geöffnet, sondern es war ein für uns beide total stimmiger und sehr kostbarer Moment“, bemerkte Joel.

„Ja, so habe ich es auch empfunden – als eine sehr kostbare Erfahrung… so als würden unsere Hände ineinander schmelzen, ich finde nicht die richtigen Worte, aber so ähnlich.

„Ja, es war ein unglaublicher Moment der Verbundenheit, weil uns das Vertrauen verband.“

„Ich möchte dir von Herzen danken, Joel, dass du diesen Weg mit mir gehst durch alle die Unebenheiten und mir immer wieder andere Gelegenheiten gibst, mich neu zu erfahren,“meinte Mari bewegt.

„Es war auch für mich eine sehr schöne Erfahrung, eine solche Verbundenheit zu spüren, Mari, so etwas gibt es nicht so oft,. Es war ein sehr schönes Erlebnis , ich danke dir!“

„Könnten wir uns jetzt noch einmal umarmen?“ fragte sie vorsichtig.

„Aber ja, gerne!“ Joel stand auf und breitete seine Arme aus, von denen Mari sich umfangen und halten ließ. Und sie genoss es – fühlte seine Nähe auf eine so wohltuende Weise, in einem Gefühl von Frieden , wie sie es vorher noch nie gehabt hatte. Diesmal flossen keine Tränen. Er atmete tief ein und drückte sie sanft an sich. Und noch einmal atmeten beide in einem gleichen Rhythmus, und während sie vorsichtig ihren Kopf bei ihm angelehnte, nahm sie seinen Herzschlag wahr. Wie gut diese Nähe tut, dachte Mari erstaunt… Gans sacht legte er seinen Kopf auf ihren, nur mit einem Hauch von Berührung, so dass sie die Position ganz leicht hätte ändern können, wenn sie das gewollt hätte – aber sie wollte es nicht!
Es ist schön, dachte sie und drückte ihn erstmalig auch ein bisschen an sich.

„Joel,“ flüsterte sie, „das ist so schön…“

An diesem Tag war für Mari eine Tür aufgegangen…

Dieses Kapitel wurde gemeinsam geschrieben von Rafael und Miriam.

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16. Zeit im Dunkeln

Bei Joel – eine kurze, aber intensive Vertrauensübung

Mari betrat Joels Wohnung. Er nahm ihr die Jacke ab und hing sie etwas schief auf einen Bügel und führte sie ins Wohnzimmer.
Mari sah sich zögernd um, während Joel ihr ein Glas Wasser holte. Das Wohnzimmer war nicht unordentlich aber auch alles andere als ordentlich. Hier standen ein paar Gläser, dort eine Tasse, hier lag eine Tafel Schokolade, dort ein offenes Buch. Es hatte etwas anheimelndes, gemütliches. Als er ihr das Glas gab, sagte er: „Das Spiel beginnt.“ 

Er ging an ihr vorbei auf eine offene Tür zu. Sie sah ihm nach und erkannte in dem Zimmer ein großes Bett. Er öffnete einen Schrank und nahm etwas heraus. Dann schloss er die Tür, kam zurück und bat sie, sich zu setzen. 

Sie nahm Platz und er setze sich ihr gegenüber. Er sah sie direkt an, sein Blick war konzentriert und strahlte Gelassenheit aus. Voller Spannung sah sie ihn an, doch er sagt kein Wort. Sie rutschte etwas auf ihrem Stuhl hin und her. Ihre Augen wurden größer, doch er blieb ganz ruhig, regungslos und ohne ein Wort sitzen. 

Sie rutschte noch einmal herum. Keine Position schien ihr angenehm. Sein Blick lag auf ihr. Er war nicht schwer oder belastend und doch, konnte sie ihn irgendwie nicht gut aushalten. 

„Was tust du?“ platzte es aus ihr heraus. Schon in dem Moment, als sie es sagte, bereute sie es. Schon wieder war ihr eine Frage heraus gerutscht. „Es tut mir leid, Meister.“ 

„Ich bin froh, dass es Dir aufgefallen ist. Du bist sehr aufmerksam, das ist gut so.“ sagte er mit seiner warmen, angenehmen Stimme. 

„Ich werde dir gleich die Augen verbinden. Du wirst einfach sitzen bleiben und nichts sagen, und ich werde mich wieder hier hin setzen und ebenfalls sitzen bleiben und nichts sagen. Hast Du das verstanden Mari?“

„Ja, Meister“, sagte sie und hielt den Atem an. Die Augen verbinden? Ihr wurde plötzlich ganz heiß. Er stand ganz langsam auf, nahm einen schwarzen, seidenen Schal und trat mit langsamen leisen Schritten hinter sie. Sie spürte die seidige Kühle des Tuches auf ihrem Gesicht, als es ihr vor den Augen schwarz wurde. 

„Es wird nichts passieren“, sagte er sanft und band ihr das Tuch so behutsam wie möglich um den Kopf. Sie konnte spüren, als er wieder an ihr vorbei ging, doch sie konnte nicht hören, ob er sich gesetzt hatte. 

Ihr Atem ging schneller. Saß er ihr gegenüber? Oder stand er noch neben ihr? Hatte sie dort nicht gerade seinen Atem an ihrem Hals gespürt? Sie zog den Kopf ganz leicht in die andere Richtung. Ihr Atem schien ihr unglaublich laut zu sein. 

Was war das? War da gerade ein Geräusch? Ist er aufgestanden? Geht er um sie herum? Sieht er sie an? Sie rutschte auf dem Stuhl hin und her. Ihr Atem ging schneller. Sie wollte diese Aufgabe erfüllen, aber sie hatte so große Angst was jetzt passieren konnte. Sie war so völlig hilflos. Sie wusste einfach nicht, was um sie herum geschah. Vielleicht saß er einfach nur da, wie er es gesagt hatte. Aber vielleicht machte er auch… Hatte sie da etwas am Arm berührt? Hatte hinter ihr eine Diele geknarrt?

Sie hatte das Gefühl, bereits seit Stunden hier so zu sitzen. Sie schwitzte, atmete heftig, ballte die Fäuste. 

„Nimm das Tuch ab,“ sagt er plötzlich sehr sanft. Von wo kam diese Stimme fragte sie sich, doch sie wollte nicht darüber nachdenken. Sie riss sich das Tuch vom Kopf. 

Joel saß ihr ganz entspannt gegenüber, so als wäre er nie aufgestanden. Er hatte immer noch den gleichen konzentrierten und absolut wohlwollenden Gesichtsausdruck. Langsam entspannte sich ihr Atem, entspannten sich ihre Fäuste, entspannte sich ihr Körper. Es war vorbei.

„Überrascht?“, fragte er. „Es ist genau das passiert, was ich gesagt habe. Wie lange glaubst du, hast du dort so gesessen, Mari?“

Sie zögerte: „20 Minuten?“

Er lächelte: „Zeit ist sehr relativ. Es waren genau 2 Minuten. Unser Spiel ist für heute vorbei. Es war kurz, aber wohl sehr intensiv, oder? Da darf es jetzt genug sein.“ 

Er stand auf und ging in die Küche. 

„Möchtest du ein Stück Pflaumenkuchen, Mari?“ fragte er, als sei es das Selbstverständlichste auf der Welt. 

Ihre Gedanken mußten sich erst langsam beruhigen. Warum hatte sie nicht glauben wollen, dass er genau das tun würde, was er ihr gesagt hatte? Wann würde sie anfangen, ihm wirklich zu vertrauen? 

„Ja, bitte“, sagte sie und lehnte sich mit einem Seufzer zurück. 

Geschrieben von Rafael und Miriam.

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15. Schau mir in die Augen, Kleines…

Bei Joel – Du kannst nicht versagen 

Mari und Joel, der für sie in den Zeiträumen ihrer Spiele und Rituale die Rolle des „Meisters“ angenommen hat, saßen sich gegenüber.

Seine Hände lagen entspannt mit geöffneten Handflächen nach oben auf einem kleinen Kissen.

„So Mari, jetzt legst du deine Hände in meine, und wir schauen uns für eine gewisse Zeit in die Augen.“

„Für wie lange?“

„Nicht fragen, Mari! Nur dem folgen, was ich sage.“

„Oh Entschuldigung!“ Warum nur musste sie immer wieder den gleichen Fehler machen und Fragen stellen. Sie errötete.

„Entschuldigung angenommen.
Die Übung geht so lange, bis ich sie beende.“

„Ja, Meister.“

Gehorsam reichte sie ihm ihre Hände und versuchte, ihm in die Augen zu schauen. Es fiel ihr enorm schwer – so groß, so funkelnd, so machtvoll erschienen ihr seine Augen in diesem Moment.
Und es fiel ihr schwer, von diesen Augen so intensiv angeschaut zu werden.
Immer wieder musste sie den Blick senken und sich mit aller Willenskraft zwingen, ihn wieder anzuschauen.

Tränen traten ihr in die Augen und sie begann zu zittern.
Als er dies wahrnahm, beendete er die Übung und nahm sie in die Arme.
Erleichtert ließ sich Mari ein Weilchen von ihm halten.

Dann sagte sie verzweifelt: „Wenn ich schon bei einer so einfachen Anforderung versage, wie soll ich das andere, was noch vor mir liegt und sicher immer schwieriger wird, schaffen? Ich glaube, das mit unseren Vertrauens- und Macht-Spielen war ´ne Schnapsidee! Ich bringe das nicht!“

Ruhig antwortete Joel: „Erstens: Du hast nicht versagt, denn du hast mich immer wieder trotz aller Schwierigkeiten, die du hattest, angeschaut.
Zweitens: Unterschätze die Kraft und Intensität dieser Übung nicht. Es ist nicht ohne, sich wirklich darauf einzulassen, den Augenkontakt zu halten.
Und drittens ist die Annahme, dass du alles weitere nicht schaffen könntest, auch nicht wahr. Wenn wir ganz in Ruhe einen Schritt nach dem anderen tun, wird keine Anforderung so hoch sein, dass sie nicht zu bewältigen wäre. Und wenn etwas beim ersten Anlauf nicht klappt, dann gibt es einen zweiten oder dritten, vierten oder fünften Anlauf. Mach dir jetzt keine Sorgen, Mari, um etwas, das noch gar nicht dran ist.

Alles war und ist in Ordnung so wie es ist.
In Wahrheit gibt es gar nichts, was nicht in Ordnung sein könnte, denn jedes Gefühl darf gefühlt werden.

Du kannst also gar nicht versagen!

Und ich kann und werde dich immer unterstützen und wenn nötig auffangen, so lange du einfach nur da bleibst.
Und Mari… Du machst es dir und mir immer leichter, wenn du bereit bist, das auszusprechen, was in dir ist. Ich werde dich danach immer mal zwischendurch fragen.
Also: Was hast du vorhin beim Anschauen gefühlt, Mari?“

Sie dachte nach… Was war es eigentlich, was es ihr so schwer gemacht hatte, den Augenkontakt zu halten…
„Es war irgendwie unheimlich, dir so lange in die Augen zu schauen und von dir so gesehen zu werden…“
Sie stockte. Durfte sie das sagen? War er jetzt sauer?
Vorsichtig hob sie ihren Blick. Seine Augen schauten sie nach wie vor ruhig, gelassen und interessiert an und ermutigten sie, weiter zu reden.

„Ich hatte das Gefühl, du würdest mir bis in meine Seele blicken – und das war schwer für mich zuzulassen und auszuhalten. Ich fühlte mich so nackt und schutzlos. Und du weißt ja… Ich habe mit dem Nackt-sein Probleme.“

Joel nickte: „Ja, durch die Augen berühren wir unsere Seelen und sehen uns unverhüllt so, wie wir in der Tiefe unseres Wesens wirklich sind, das spürte ich auch.  Aber es wird nicht immer so bleiben, dass du es als unangenehm empfindest, von mir gesehen zu werden. Mit wachsendem Vertrauen wird es leichter werden. Noch hast du nicht genügend Vertrauen zu mir und auch zu dir selbst.
Ich sage dir: Es gibt nichts, aber auch gar nichts an deiner Seele und deinem Körper, was nicht liebenswert und schön ist. Ich möchte dich gern darin unterstützen, das glauben und fühlen zu können. Dein Vertrauen wird wachsen im Laufe der Zeit. Da bin ich ganz zuversichtlich! Deshalb sind wir ja auf diesem interessanten, und wie ich hoffe, auch für dich irgendwie guten Weg. Oder?“

„Ja,“  sie nickte.

Dankbar für seine ermutigenden, Worte drückte sie seine Hand.

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