89. Anspannung und Entspannung zugleich – der Kopf wird frei

Bei Joel: Gedankenruhe

Mari war wie so oft gespannt, was Joel gleich mit ihr vor hatte. Sie hatten das Spiel bereits begonnen.

Mit verbundenen Augen hatte er sie mit den verschiedensten Koste-Häppchen überrascht, die sie sich auf der Zunge zergehen ließ.

Nun, als sie gesättigt war und immer noch auf der Kante der Couch saß, sagte Joel in seiner Rolle als Meister zu ihr: „Und jetzt, Mari, dreh dich auf der Sitzfläche der Couch um eine Viertel Drehung herum, und lass dich dann auf die ganze Länge der Liegefläche langsam hinab sinken. Leg dich hin, und entspann dich – so gut es dir möglich ist. Jetzt lasse ich dich gleich andere Erfahrungen kosten. Und auch das werden keine leberwurstähnlichen Erlebnisse sein. Wir wissen ja beide, dass du die nicht magst! Er schmunzelte Und, Mari… glaubst du mir das?“


Mari musste unwillkürlich lachen…
„Ja, ich glaub dir das, aber…“

„Kein Aber, Mari!“ Joel nahm ihre Hand und hielt sie mit sanftem Druck in seiner. „Sollte dir etwas unangenehm sein, sagst du es mir genau dann, wenn du es so empfindest, aber nicht vorher die Erfahrung zerreden…“

Mari nickte. Was würde nun kommen?

Joel berührte sie mit einem zitronig duftenden Wattebäuschchen ganz sanft an der Stirn. Sie atmete erleichtert aus, das fühlte sich einfach nur gut an.

Plötzlich schabte ein Bürstchen sacht an ihrem Unterarm, auch das war ganz okay.

Leicht erschrak sie sich, als er ihre Füße abwechselnd mit einem kühlen und einem warmen nassen Waschlappen berührte, nachdem er ihr davor die Socken ausgezogen hatte.

Danach schob er ihr das T-Shirt etwas höher und kitzelte sie kurz am Bauch und in der Rippengegend – erschrocken musste sie lachen.

Nach diesem kurzen Moment süßen Qual zog er das Shirt wieder hinunter und massierte sanft ihre Schultern. Welch Wohltat!

Dann fühlte sie für ein kleines Weilchen gar nichts, konnte auch nicht wahrnehmen, an welcher Stelle Joel sich nun befand. War er überhaupt noch da???
Leise fragte sie :“Joel…?“
Seine Stimme war näher als sie gedacht hatte, als er ihr antwortete : „Ich bin da Mari.“

Kurz darauf spürte sie seine warmen Hände angenehm ihre Arme hinauf und hinunter streichen.

Etwas später fuhr Joel mit einem winzig kleinen Auto an ihrem Schienbein entlang aufwärts.

Und so kamen die verschiedensten Sinneseindrücke, mal ganz sanft und zart, mal intensiver spürbar, aber immer so, wie es für sie noch an der Grenze des Angenehmen bis Neutralen war, wobei jedoch immer mal wieder ein paar kleine unerwartete Schreckmomente enthalten waren. Von Berührung zu Berührung schienen sich ihre Sinne zu schärfen, und sie war ganz präsent in jedem einzelnen Augenblick.

Wie gut tat es ihr doch, angeregt durch diese Vielfalt sinnlicher Erfahrungen, für eine kurze Zeit gänzlich aus ihrem sonstigen Gedankenkarussell auszusteigen…

Nahezu bewegungslos lag sie auf der Couch. In einer seltenen Mischung aus wacher Anspannung und Entspannung seufzte sie leise… Das war für Joel ein Zeichen, dass es ihr gut ging , und er freute sich darüber. Schließlich legte er sich zu ihr, nahm sie in seine Arme und streichelte sie dabei über den Rücken.
´Wie schön ist DAS denn?!´ dachte Mari und streichelte ihn auch sanft an den Stellen, die sie in diesem Moment gut erreichen konnte. Und während sie sich noch näher an ihn heran kuschelte, flüsterte er ihr ins Ohr: „Das Spiel ist vorbei, Mari. Wir können es uns aber gern noch weiter hier auf der Couch miteinander gut gehen lassen…“

„Sehr gerne“, gab sie leise zurück…

Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge

22. Eine utopische Heilungsreise: ZÄRTLICHKEIT    und    VERTRAUEN

Joel hatte sich für die Weihnachtszeit eine Fortsetzungsgeschichte von wohlwollenden außerirdischen Meistern zum Thema „Macht – Angst – Vertrauen – Hingabe“ für Mari ausgedacht, das er ihr in Form eines Adventskalenders geschenkt hatte.

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Heute war Mari besonders früh aufgewacht, machte sich Kaffee und ging nochmal mit der Kaffeetasse und dem heutigen Umschlag in ihr Bett. Sie öffnete ihn, fand ein Marzipanherz darin und las gespannt, wie die Geschichte weiter ging...

Das Vertrauen, das sie zu Ramon entwickelt hat, trägt Früchte. Sie empfindet Dankbarkeit für seine Einfühlungsgabe und Annahme. Immer wieder einmal durch fließt sie ein leises Gefühl von Hingezogenheit. Schließlich gehen auch erste zarte Regungen von Zärtlichkeit von ihr aus.

Als sie an diesem Abend entspannt nach einer wohltuenden Massage in seinen Armen liegt, fühlt sie eine so große Verbundenheit zu ihm, dass sie zum ersten Mal den Impuls spürt, ihr zärtliches Gefühl, das sie zu ihm gewonnen hat, selbst auszudrücken und nicht nur verborgen in sich zu halten. Ihre innere Freude sucht ein Ventil, und ganz sacht tut sie zum ersten Mal von sich aus einen kleinen Schritt ihm entgegen.

Am nächsten Morgen leuchtet wieder einmal ein Röllchen auf:

Geliebte Carina,
zärtlich berührte zum ersten Mal deine Hand mein Gesicht,
streichelte sanft mein Haar,
und d
u schmiegtest dich von dir aus an meinen Körper.
Dein Blick suchte den meinen, und ein entspanntes Lächeln
breitete sich aus auf deinem Gesicht.
Ich danke dir für dein Vertrauen!
In Liebe Ramon

Carina denkt: ‘Zum ersten Mal hatte ich in seiner direkten körperlichen Nähe keinerlei Angstgefühle. Das ist so schön!’

Sie weiß es nun nach all den Tagen ganz sicher: Er tut nichts, was ihr in irgend einer Weise unangenehm ist. Sie darf entspannt ihren Körper in seine liebenden Hände geben und seine wohltuenden Berührungen zulassen und kann es sogar genießen. Er erwartet von ihr nichts – gar nichts! Es sind nicht nur Worte, es ist seine Wahrheit. Er ist für sie da und nimmt sie so an, wie sie ist. Dieses befreiende Bewusstsein erlaubt es ihr, langsam auch in der intimen Nähe seines Körpers ihren Druck loszulassen und sich mehr und mehr zu entspannen.

Carina begreift, sie ist kein neuer Mensch geworden, ihre Ängstlichkeit ist immer noch ein Teil von ihr, aber sie hat eine neue Ebene gefunden, mit sich selbst umzugehen. Sie wird sich nach und nach selbst zur besten Freundin, sie lehnt sich nicht mehr ab für ihre Schwächen und Unsicherheiten, und sie sucht in allem, was ihr zunächst bedrohlich oder schwer erscheint, den verborgenen Segen. So vieles hat sie nun schon erlebt, was anfangs ganz anders erschien, als es sich schließlich entwickelt hat. So viel mehr Liebe ist da, als sie anfangs gedacht hätte. Alles kam immer wieder ganz anders, als sie es befürchtet hatte. Und auch der Schritt, vor dem sich noch etwas Angst hatte, könnte vielleiht… ganz vielleicht… ja auch ganz anders sein… sich vielleicht auch irgendwie… als schön erweisen…?

Morgen wird die Geschichte fortgesetzt und läuft voraussichtlich bis Weihnachten

Hier geht es zu allen bisher erschienenen Kapitel zu dieser Geschichte, die Joel Mari in der Advents- und Weihnachtszeit erzählt –> Eine utopische Heilungsreise (Märchen) 

21. Eine utopische Heilungsreise: ANSPANNUNG    und    ENTSPANNUNG

Joel hatte sich für die Weihnachtszeit eine Fortsetzungsgeschichte von wohlwollenden außerirdischen Meistern zum Thema „Macht – Angst – Vertrauen – Hingabe“ für Mari ausgedacht, das er ihr in Form eines Adventskalenders geschenkt hatte.

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Joel und Mari machten es sich auf der Couch gemütlich. Mari genoss es, in seinem Arm zu liegen und sich von ihm die Geschichte weiter erzählen zu lassen:

In der folgenden Nacht träumt Carina, dass Ramon sie nackt auszieht, sie auf seine Arme nimmt und zum Bett trägt. Dort liegt sie offen und entblößt, während auch er sich entkleidet. Mit großen Augen schaut sie Ramon an, der über ihr ist, und ihren Blick mit seinen Augen festhält…

An dieser Stelle erwacht sie. Heiße Wellen durchfluten ihren Körper, und sie begreift, dass es nun bald soweit sein wird, dass sie den Raum betritt, vor dem sie noch immer Angst hat. Aus ihrem Herzen vernimmt sie die Stimme ihres Meisters: “Du gehst nicht allein. Du tust diesen Schritt nicht allein, Carina. Gemeinsam werden wir auch diesen Raum betreten, und in meinen Armen wirst du lernen, dich darin zurechtzufinden und wohl zu fühlen.”

Als sie am Morgen Ramon begegnet, fühlt sie sich etwas scheu und befangen. “Carina, ich war mit dir in deinem Traum”, begrüßt er sie. “Wie fühlst du dich?”

Zögernd erzählt sie ihm, dass sie noch immer Angst habe, dass sie sich so unsicher fühle, dass sie doch völliges Neuland betreten müsse und gar nicht wisse, was sie tun, wie sie sich verhalten müsse. Sie fühlt sich in seiner Gegenwart wieder einmal sehr unsicher. Seine männliche Ausstrahlung, die sie heute besonders stark spürt, macht ihr Angst.

Verständnisvoll sieht er sie an: “Es ist nur natürlich, dass du noch Angst hast, Carina. Es ist menschlich, dass du dich bei allem Neuen, Unbekannten fürchtest und unsicher fühlst. Ganz verschwinden wird diese Angst erst nach und nach, wenn du auch in diesem Gebiet Erfahrungen mit mir gesammelt hast. Das ist genauso wie in allen anderen Aspekten unserer Beziehung auch. Und mein Versprechen gilt weiterhin: Ich werde niemals irgend etwas tun, was du nicht willst, und ganz gewiss werde ich dir niemals weh tun!”

Am Abend in ihrem Zimmer, als sie über all das wieder nachdenkt, leuchtet ein Röllchen auf. Sie liest:

Geliebte Carina,
Du musst nichts wissen, nichts tun, nichts können.
Sage “JA” und lass geschehen.
Lass dich befreien aus den Fesseln deiner Angst,
und lass dich fallen in meine Arme, ganz offen und frei.
In Liebe Ramon

In den nächsten Tagen geschieht entgegen Carinas Befürchtungen nichts Sensationelles. Ihr auf Hochtouren arbeitender Kopf beruhigt sich langsam wieder. Ihr wird klar, dass Ramon so lange warten wird, bis ihr innerer Druck gewichen ist. Viele Stunden seelischer, geistiger und körperlicher Nähe gibt es. Carina hat ihm gestattet, sie überall, auch an ihren intimsten Stellen zu berühren. Ramon macht von dieser Erlaubnis zunächst nur selten Gebrauch. Er spürt, wie sie in diesen Momenten vor Schreck und Anspannung die Luft anhält, und wie sie sich verkrampft. Nach und nach berührt er sie auch dort öfter und immer wieder macht sie dann die Erfahrung, dass nichts Bedrohliches geschieht.

Ganz sicher und ganz ruhig geht ihr Meister mit ihr in diesen Schreck-Momenten um. Und die bedrückenden Gedanken: ‘Jetzt ist es soweit, jetzt gleich wird es geschehen… Was soll ich tun? Was erwartet er von mir?” kann sie nach und nach loslassen.

Immer wieder sagt er ihr in diesen Momenten: “Carina, spür einfach nur, wie es sich anfühlt, wenn meine Hand dort liegt. Nichts weiter wird geschehen. Nur die Liebe und Wärme meiner Hand fließt in diese Stelle. Ich erwarte nichts von dir. Du musst gar nichts tun, nimm einfach nur wahr. Wir haben alle Zeit der Welt.”    Carina holt tief Luft und lässt ihre Anspannung langsam los.

Immer mal wieder, eingebettet in andere Erlebnisse der Nähe und Zärtlichkeit, macht sie diese Erfahrung, so dass sie schließlich nach und nach auch diese intimen Berührungen nicht mehr als bedrohlich empfindet. Lange Zeit hat sie sich nur passiv verhalten und mit äußerster Anspannung seine Zärtlichkeit empfangen. Als sich ihre innere Spannung schließlich langsam legt, beginnt sie, auch das Angenehme in diesen Berührungen zu spüren. Ganz langsam erwacht ihr Körper aus der anfänglichen Starre.“

Morgen wird die Geschichte fortgesetzt und läuft voraussichtlich bis Weihnachten

Hier geht es zu allen bisher erschienenen Kapitel zu dieser Geschichte, die Joel Mari in der Advents- und Weihnachtszeit erzählt –> Eine utopische Heilungsreise (Märchen) 

1. Eine utopische Heilungsreise: SORGE und    FÜRSORGLICHKEIT

Joel hatte sich für die Weihnachtszeit eine Fortsetzungsgeschichte von wohlwollenden außerirdischen Meistern zum Thema „Macht – Angst – Vertrauen – Hingabe“ für Mari ausgedacht, das er ihr in Form eines Adventskalenders geschenkt hatte.
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Er hatte sich eine Märchengeschichte ausgedacht, die in einer fiktiven Zukunft angesiedelt war und in der es um eine Heilungsreise in einem Raumschiff mit außerirdischen Meistern ging. Den Vorspann, wie es zu dieser Reise kam, hatte er ihr bereits in den vergangenen Treffen erzählt.  Da sich die beiden allerdings nicht täglich begegneten, hatte er ihr gestern einen  BunteUmschlaegeAdventskalender geschenkt, der aus 24 bunten Briefumschlägen bestand, die mit jeweils einem Kapitel dieser Geschichte und einer kleinen Süßigkeit gefüllt waren.

„…Und an den Tagen, an denen wir uns treffen, bringst du den jeweiligen Umschlag mit, und dann lese ich dir das Kapitel vor, während wir uns gemütlich zusammen auf die Couch kuscheln“, hatte er ihr vorgeschlagen – und Mari hatte begeistert genickt. Dass die Adventszeit einen so märchenhaften Zauber erhalten sollte, freute sie sehr.

kerze24Heute am Morgen des 1.Dezembers, öffnete sie nun gespannt den ersten Umschlag, fand ein kleines Täfelchen Schokolade mit einer zart gezeichneten Kerze darauf und das erste Kapitel, in dem nun die Heilungsreise der ängstlichen Frau Carina im Raumschiff außerirdischer Meister begann. Sie genoss das Schokoladentäfelchen, versank in die Geschichte von Carina und las…

„Als Carina nach einer drei-tätigen Vorbereitungszeit an der Seite ihres Ausbilders, Meister Ramon, das Raumschiff betritt, in dem ihre Ausbildungsreise stattfindet, wird sie vom Kommandanten herzlich begrüßt. Meister René nimmt Carinas Hand in beide Hände und sagt mit einem strahlenden Lächeln: “Wie schön, dass du so schnell Kontakt zu deinem Meister gefunden hast. Ich begrüße dich an Bord meines Schiffes und versichere dir, dass auch wir zwei gut miteinander auskommen werden. Du wirst bald sehen, dass es dir hier an nichts fehlen wird. Wir alle wollen, dass es dir und den anderen Frauen hier gut geht. Solltest du Unterstützung brauchen, kannst du dich gern jederzeit an mich wenden. Auch ich bin hier für dich da, Carina. Übrigens, es ist hier an Bord so üblich, dass wir alle “du” zueinander sagen. Du weißt ja, ich heiße René. Die anderen Frauen und Meister hier wirst du später beim Abendessen kennenlernen.”

 Er tritt einen Schritt zurück, schaut Carina lächelnd an und meint: “ Na, heute siehst du schon ganz anders aus als vor ein paar Tagen, als wir dich von deiner kleinen Extratour abholten. Bald wirst du merken, dass dir hier nichts Schlimmes geschieht, und du wirst darüber lächeln können, dass du so voller Angst flüchten wolltest. Ramon zeigt dir jetzt erst einmal dein Zimmer, das du während der Zeit deines Aufenthaltes hier an Bord bewohnen wirst, und ich werde dich später durchs Raumschiff führen. Das tue ich besonders gern. Weißt du Carina, das, was für dich noch ein fliegender Metallkäfig ist und dir wie die Höhle des Löwen erscheint, ist für mich ein Ort, den ich mit sehr viel Liebe und Freude gestaltet habe, weil ich mir wünsche, dass sich jeder hier wohl fühlt. Vielleicht wirst auch du das bald erkennen können.”

Ramon bringt Carina in ihr Zimmer. Sie staunt: So viel Behaglichkeit, Wärme und persönliche Atmosphäre hätte sie sich nie und nimmer in einem Raumschiff vorgestellt. So liebevoll ist ihr  Raum gestaltet, dass sie schlucken muss… Da sind wunderschöne Bilder an den Wänden. Die Möbel, Decken und Kissen sind in zarten Farben gehalten, ein Regal mit Schreib- und Malutensilien ist in der Wand eingebaut, und da sind auch Bücher, deren Titel nach kurzem Überfliegen Carinas Leselust ansprechen. Sogar ein kleiner Kühlschrank ist da mit Leckereien für den kleinen Appetit zwischendurch.

Völlig überwältigt    von all dem Schönen bedankt sich Carina bei ihrem Meister, der sie lächelnd ansieht und meint: “Ich hoffe, René und ich haben deinen Geschmack getroffen? Ich hatte ihm in den drei Tagen, in denen ich dich schon etwas kennen lernen konnte, schon einiges von deinen Vorlieben mitgeteilt. Wir wollen  doch, dass du dich hier für die Zeit der Reise wohl und geborgen fühlst. Jetzt nimm erst einmal dein neues Zimmer in Besitz. Ruh dich ein bisschen aus, und wenn du noch Lust hast, bringst du vielleicht noch das Gesteck, deinen Adventskalender und die Fensterbilder unter. Ich hole dich später hier ab und zeige dir dann mein Reich hier an Bord.”

Mit diesen Worten lässt er die überraschte Carina erst einmal allein mit sich.  Neugierig inspiziert sie den Kühlschrank, der ein paar richtig gute Leckereien enthält, sowie den Schrank, in dem sie Kleidung entdeckt, die ebenfalls ihrem Geschmack und ihrer Größe entsprechen. Nachdem sie soweit alles geordnet und begutachtet hat,  steht sie vor ihrem Adventskalender, den sie dekorativ an der Wand über ihrem Bett platziert hat, und denkt: ‘Heute ist ja der 1. Dezember, und ich kann das erste Röllchen öffnen. Zögernd, doch gleichzeitig neugierig liest sie:

Geliebte    Carina,
heute ist nun dein erster Tag hier im Raumschiff, und deine Ausbildung hat begonnen.
In den nächsten 24 Wochen werden wir beide viel miteinander erleben.
Wenn du zur Erde zurückkehrst, werden dort 24 Tage vergangen sein.
Ich habe für dich bewusst diese Zeit gewählt, die ihr Menschen Advent nennt.
Du, Carina, hast immer ein ganz helles, strahlendes Gefühl in dieser Zeit,
und dieses tiefe,
besondere Gefühl wird es sein, das dir helfen wird,
dein inneres Licht immer bewusster wahrzunehmen
.
Denn deshalb bist du hier mit mir auf dieser Reise.
Ich, dein Meister und Freund, freue mich sehr,
dich dabei unterstützen
 zu dürfen,
dich zu halten, zu führen und zu begleiten
und wenn nötig auch zu trösten.
Du darfst mir alles sagen.
Ich verspreche dir, dich damit anzunehmen.
In Liebe  Dein Meister Ramon

Carina liest diese Botschaft mit sehr gemischten Gefühlen. Die Worte “In Liebe” von einem Mann machen ihr Angst. “Wenn ein Mann von Liebe spricht, ist immer Sex gemeint”, so wurde es ihr beigebracht. Nein – sie will von ihm nicht geliebt werden. “Männer tun Frauen nur weh – besonders wenn es um Liebe geht”, hört sie ihre Mutter und Großmutter in sich sagen.

Aber habe ich    eine Wahl? Ich muss mich ihm hier fügen, was auch immer er von mir will oder mit mir anstellen mag, denn sowohl körperlich als auch geistig ist er mir überlegen.’ Panik erfasst sie, um so mehr sie über ihre ihr so aussichtslos erscheinende  Lage hier im Raumschiff, von dem sie nicht weg kann, nachdenkt.

Wenn ich aber seine Liebe abweise’, überlegt sie weiter, ‘wird es sicher noch schlimmer für mich – bisher war er mir wenigstens wohlgesonnen. Wenn ich mir sein Wohlwollen durch abweisendes Verhalten verscherze, dann gibt es für mich hier nichts zum Lachen. Reagiere ich aber freundlich, könnte er mein Verhalten als Zustimmung zu seinen Absichten auslegen. Oh, Gott, was soll ich nur tun?’

Qualvoll grübelnd erlebt sie den Rest des Tages wie hinter einer dicken Mauer. Sicher, das ganze Raumschiff sieht viel schöner und großzügiger aus, als sie es sich vorstellen konnte. Aber ist sie hier nicht in einen goldenen Riesen-Käfig gefangen?

Während René mit ihr und einigen anderen Frauen einen Rundgang durch das Raumschiff macht, kann sie kaum etwas wahrnehmen, und Kontakt zu den anderen findet sie auch nicht. Diese Gedanken-Zwickmühle geht ihr einfach nicht aus dem Kopf. Selbst das gute, vielfältige Abendessen kann sie nicht genießen, obwohl Carina sonst sehr gerne und gut isst. Nach dem Essen bittet sie darum, sich in ihr Zimmer zurückziehen zu dürfen, da sie sich erschöpft fühlt.

Einige Zeit später, als sie bereits im Bett liegt, klopft es an ihre Tür. Ramon fragt: “Carina, ist es dir recht, wenn ich mich noch ein paar Minuten an dein Bett setze und dir eine gute Nacht wünsche?

‘Was soll ich bloß sagen…’ überlegt Carina, ‘ich will mir doch seine Gunst nicht schon gleich am ersten Abend verscherzen.’ Sie zieht ihre Bettdecke bis hinauf ans Kinn und ruft: “Herein!”

Ramon setzt sich zu der verängstigten Frau ans Bett, streicht sacht mit seinem Handrücken über ihr heißes Gesicht und sagt schließlich: “Carina, du kannst mit mir über alles reden, was dich bedrückt. Möchtest du mir etwas sagen?” Carina fühlt sich nicht in der Lage zu antworten. Ramon wartet einen Moment und nickt dann beruhigend: “Ist in Ordnung! Wir haben noch viel Zeit, über alles zu reden. Jetzt schlaf erst einmal, es war ein aufregender Tag für dich. Gute Nacht, du zartes, scheues Reh. Bald sieht alles schon viel heller und klarer für dich aus, das verspreche ich dir.”

Er streicht sanft über ihr Haar, wieder und wieder in gleichmäßigem Rhythmus, bis sich ihre Anspannung löst und sie sich ihrer Müdigkeit hingibt und schließlich einschläft. Er weiß, sie hätte sich sonst in den Schlaf geweint. Doch gerade heute, an ihrem ersten Abend im Raumschiff, möchte er, dass sie in Ruhe einschläft.“

Morgen wird die Geschichte fortgesetzt und läuft voraussichtlich bis Weihnachten

Hier geht es zu allen bisher erschienenen Kapitel zu dieser Geschichte, die Joel Mari in der Advents- und Weihnachtszeit erzählt –> Eine utopische Heilungsreise (Märchen)

52. Reicht das Vertrauen zum Fesselspiel? (2)

Bei Joel – eine Herausforderung und Chance für Maris Vertrauen

Mari hatte sich durchgerungen, sich von Joel im Rahmen ihrer Vertrauensspiele die Hände fesseln zu lassen, aber in dem Moment, wo sie auf dem Rücken liegend die Hände nach hinten ausgestreckt hatte und er sich mit dem Seil näherte, bekam sie ein so heftiges Angstgefühl, dass sie sich schnell wieder aufsetzte.  „Entschuldige bitte – bitte entschuldige! Ich kann nicht!“ rief sie aufgeregt.

„Was würde dir helfen, Mari?“ fragte er ruhig.
„Ich habe solch eine Angst“, antwortete sie, „ich weiß auch nicht! Ich war ja schon froh, dass ich bis hierhin gekommen bin, aber als ich dann das Seil in deiner Hand sah, ist mein Körper einfach zusammengezuckt.“
Er hielt ihr seine linke Hand hin. „Das macht gar nichts, Mari.“ sagt er ganz sanft. „Leg dich einfach wieder hin, und gib mir deine Hände.“ Seine warme Stimme verfehlte ihre Wirkung nicht. Sie schaute ihn an, legte sich wieder hin, und reichte ihm ihre Hände.
Er ergriff sie mit einer Hand und drückt sie, um ihr Halt zu geben und ihr zu zeigen, dass er verstand, was in ihr vorging.
Dieser Händedruck fühlte sich tröstlich an und trug dazu bei, den angstvollen Druck, unter dem sie stand, ein wenig zu mildern. Als sie langsam ausatmete griff er ihre Hände fester und sie sah, das Seil in seiner anderen Hand. Wie im Zeitlupentempo lief diese ganze Situation in ihrer Wahrnehmung ab.
So, jetzt ist es soweit, ich will jetzt nicht noch mal zurück zucken, sagte sie sich mit aller Entschlossenheit, die sie aufbieten konnte.

In dem Moment führte er die Hände über ihren Kopf. Sie atmete ganz schnell und nahm ihre ganze Kraft zusammen, um nicht aufzugeben.
„Ganz ruhig, Mari“, hörte sie seine Stimme wie aus weiter Ferne, „das machst du gut!“
Ihre Hände lagen nun fast über ihrem Kopf, was ein so intensives Gefühl von Wehrlosigkeit auslöste, dass sie wie automatisch die Arme doch wieder zurück zu ziehen versuchte. 
Ihr Meister hielt leicht dagegen.
„Vertrau mir, Mari“, sagte er leise. 
Und wieder war es sein Zuspruch, der ihr half, den Widerstand aufzugeben ihm ihre Arme zu überlassen.
„Ja“, sagte sie, ich will dir ja auch vertrauen…“
„Sehr gut Mari“, bekräftigte er und versicherte ihr nochmals: „Ich werde dir nichts tun! Du kannst mir ganz sicher vertrauen.“ Und sie spürte nun auch seine rechte Hand an ihren Händen. 
Mehrmals atmete sie schnell ein und aus und konzentrierte sich darauf, ihre Hände hinten zu lassen, obwohl etwas in ihr es anders wollte.“
„Tief und langsam atmen, Mari, ganz ruhig, du machst das toll!“ 
Sie atmete etwas langsamer und tiefer und schloss die Augen.
„Sehr gut Mari,“ sagte er wieder und wickelt das Seil um ihr linkes Handgelenk. 
Sie begann, etwas zu zittern, ließ die Hände aber nach hinten gestreckt. Dann wickelte er das Seil auch um das rechte Handgelenk. Jetzt war das Gefühl, gefesselt zu sein deutlich spürbar.

Mari redete sich in Gedanken gut zu: Er hat gesagt, er macht keinen Knoten. Er hat gesagt, wenn ich Stopp sage, löst er das Seil…
Sie nahm wahr, wie Joel es  ein zweites Mal um die Handgelenke wickelte, und tatsächlich keinen Knoten machte. Durch das zweimalige Umwickeln fühlt es sich allerdings schon ziemlich deutlich fixiert an.

„Ganz ruhig weiter atmen, Mari“, sagte er und zog seine Hände weg. „Da ist kein Knoten, wie versprochen!“
Es gelang Mari jetzt jedoch nicht, ruhig zu atmen. Sie fragte sich, ob sie sich wirklich daraus lösen könnte, denn es fühlt sich gar nicht so an, obwohl kein Knoten da war. Heftig kämpfte sie mit ihrer Angst. Aber sie wollte nicht aufgeben und von ihrem „Stopp“ Gebrauch machen.
Joel, der ihre innere Anspannung wahrnahm erklärte ihr mit ruhiger Stimme: 
„Das Seil ist nicht verknotet, es soll sich nur so wie gefesselt anfühlen, aber Mari, du hast die ganze Zeit die Kontrolle, und auf dein Zeichen hin könnte ich dich in einer Sekunde befreien.“
„Würdest du das auch tun?“
„Aber sicher“, entgegnete er gelassen, „jederzeit!“
„Gut! Das hilft ein bisschen, danke, dass du das so deutlich sagst.“ antwortete sie noch immer angespannt sehr nervös.

Entspannt lag ihr Meister ganz dicht neben ihr. Eine Hand hatte er ihr auf den Bauch gelegt.
Ihre Aufmerksamkeit richtete sich auf diese Hand.. Sie lag ganz ruhig dort, direkt auf der Mitte ihres Bauches. Das löste ein beunruhigendes Gefühl in ihr aus.
Warum er wohl seine Hand dorthin legt? fragte sie sich. Hoffentlich lässt er sie dort liegen…
Nun begann er auch noch, ihr T-Shirt leicht nach oben zu schieben.
„Nein! Bitte nicht! Ich will das nicht!“ rief sie laut.

Sofort zog er das Shirt wieder herunter und nahm die Hand weg.
Erleicht holte sie wieder Luft, und ein bisschen unangenehm war es ihr, dass sie fast ausgeflippt wäre.“
„Alles gut, Mari, wenn du Stopp sagst, ist sofort Stopp! Das hast du richtig gemacht, Mari!“ bestätigte er ganz ruhig und deutlich.
„Was wolltest du denn mit mir machen? fragte sie noch immer sehr aufgeregt. Sie fühlte sich halb wie in einem Film gefangen.
„Ich wollte nur deinen nackten Bauch streicheln, mehr nicht. Ich dachte, etwas Berührung, während du gefesselt bist, könnte vielleicht angenehm sein.“
„Ich dachte, du wolltest das T-Shirt ausziehen, entschuldige bitte“, erklärte Mari.
„Nein, so weit wollte ich nicht gehen“, antwortete Joel.

Er lächelte sie an und streichelte ganz sanft ihr Gesicht, fuhr zart über ihre Wange und legte dann seine Hand sanft darauf und ließ sie dort liegen.
Das fühlte sich gut an. Jetzt konnte sich Mari etwas beruhigen und ein paar tiefe Atemzüge nehmen
„Ja, so ist es gut, tief atmen, Mari.“ bestätigte er sie.
Sie gab ihre Wange ganz bewusst in seine Hand hinein, und es fühlte sich an, als würde sie darin Halt und ein Stück… Geborgenheit finden. Sie konzentrierte sich ganz auf diese Empfindung und blendete den Rest ihres Körpers fast aus dabei. Ganz ruhig hielt Joel seine Hand wie beschützend an ihre heiße Wange. 

Und wieder sagte er wie in einer sanften Hypnose zu ihr: „Das machst du sehr gut Mari, alles ist gut.“
„Jetzt bin ich bereit dafür, dass du meinen Bauch streichelst, aber bitte wirklich nur den Bauch, sagte sie mit neuem Mut.“
„Das verspreche ich dir“, sagte er und legte seine Hand wieder auf den Bauch – erstmal noch auf dem T-Shirt. 
Sie spürte, wie ihre Anspannung unwillkürlich wieder stieg und sie die Luft anhielt.
„Ruhig weiter atmen“, sagte er. Dabei hob und senkte er die auf dem Bauch liegende Hand im Rhythmus ihres Atems und wurde dann ganz allmählich, fast unmerklich, nach und nach langsamer.
Maris Atmung passte sich seiner Hand an und wurde dadurch ruhiger und langsamer.
„Sehr gut Mari“, sagte er leise.
Als sie sich mehr und mehr entspannte, begann er, ihr das T-Shirt ein wenig nach oben zu schieben.
Dabei wurde ihr bewusst, wie viel Widerstand diese kleine Handlung auslöste. Aber sie entschied  jetzt bewusst, sich diesem an getriggerten Abwehr-Automatismus nicht unterwerfen zu wollen
Ganz behutsam schob ihr Meister, der ihren inneren Kampf wohl bemerkte, das Shirt nur ein klein wenig höher… bis über den Bauchnabel.
Sie hielt die Luft an, und als sie merkte, dass er es nicht weiter zog, atmete sie langsam wieder aus.

Sanft legte er seine Hand auf ihren nackten Bauch. Ihre gesamte Aufmerksamkeit war nun auf dieser Gegend gerichtet und sie beobachtete gebannt, was geschah, um gegebenenfalls schnell reagieren zu können.
Aber… bisher ist alles in Ordnung, stellte sie fest.
Seine Hand blieb ganz ruhig und sanft auf ihrem nackten Bauch liegen.
Und wieder sprach er ihr beruhigend zu: „Sehr gut Mari, tief atmen…“
Langsam entspannte sie sich wieder.
„Das hast du gut gemacht, Mari“, flüsterte er, nahm die Hand weg und zog ihr das T-Shirt wieder herunter.

Mari, die noch darauf gewartet hatte, dass er sie auf dem Bauch streicheln würde, war erleichtert, dass diese angespannte Situation sich nun auflöste.
In diesem Moment begann ihr Meister, das Seil zu lösen und es ganz zu entfernen. Als es weg war, legte er sich wieder neben sie und sagte er lächelnd: „Das hast du sehr, sehr gut gemacht Mari. Ich freue mich über dein Vertrauen, das dich so viel Kraft gekostet hat. Das Spiel ist vorbei.“

Erleichtert atmete sie tief auf, setzte sich hin, und würde Joel jetzt am liebsten umarmen.
Dieser lag noch und fragte: „Hey, bekomme ich jetzt eine Umarmung?“
Sie rutschte wieder ein bisschen tiefer und erwiderte: „So gerne, die hatte ich mir jetzt auch gewünscht!“
„Na dann…“ lachte er und breitete seine starken Arme aus.
Sie ließ sich hinein fallen in seine Arme, und er drückt sie fest an sich.

„Na das war doch sehr aufregend!“ begann er einen Austausch über das Erlebte.
Und wie das aufregend war“, bestätigte sie, und empfand es als sehr wohltuend,  jetzt von ihm so festgehalten zu werden, auch wenn sie beide auf dem Sofa lagen, was ihr bis vor kurzem noch ein wenig  unheimlich war.
„Ich bin ehrlich gesagt froh, dass es jetzt vorbei ist“, gab sie zu.
Joel hielt sie fest an sich gedrückt. „Du warst sehr mutig Mari. Wirklich, alle Achtung! Und dass du nun erstmal froh bist, dass es überstanden ist, das ist doch nur zu verständlich!“
„Na ja, mutig… findest du? Auch wenn ich zwischendurch wieder zusammengezuckt bin? Ich fand mich gar nicht mutig, ich musste manchmal richtig gegen meinen Körperangst-Automatismus kämpfen. Es war schon ziemlich herausfordernd und manchmal auch ein bisschen schlimm, z.B. als der Meister das T-Shirt begonnen hat hoch zu schieben.“
„Naja, es war ja schon auch eine sehr besondere Situation“, meinte Joel verständnisvoll, „so gefühlt hilflos zu sein… Da ist es schon auch ganz normal, dass man unsicher ist. Aber du hast dich darauf eingelassen, und du hast es zulassen können, dass er dein Shirt hochschieben konnte, etwas, das gerade dann, wenn man gefesselt ist, sich schon irgendwie gefährlich anfühlen kann.
Aber es war nicht gefährlich nicht wahr? Er hat genau das gemacht, was er angekündigt hatte. Er ist an keiner Stelle weiter gegangen, als er es dir zugesagt hatte, und er hat sofort gestoppt als du Nein! gesagt hast, richtig?“
Erleichtert antwortete Mari: „Danke, dass du mich so gut verstehst, Joel, und das nicht bagatellisierst. Es tut so gut, sich verstanden zu fühlen!“
„Ich verstehe dich. Er hat dich ganz bewusst gefordert in dieser Situation.“
„Ja, es stimmt, er hat sich an alles gehalten, nur dass er mein T-Shirt hoch geschoben hat, das war nicht ausgemacht, das hat mich einen Moment lang richtig in Panik versetzt, aber ich war froh, dass er auf mein Nein gleich reagiert hat.“
Nachdenklich antwortete Joel: „Nun, etwas musste er machen, damit du die Erfahrung machen konntest, dass dein „Nein“ sofort berücksichtigt wird. Und dazu musste er dir einen Anlass geben, damit du die Gelegenheit hattest, Nein zu sagen. Dabei hast du die Wehlosigkeit besonders deutlich gespürt und dass er es auch sofort berücksichtigt, wenn du etwas nicht willst. „
„Ach so, deshalb… Naja, und er hat ja auch nicht gesagt, dass er alles, was er tut, vorher ankündigen wird…“ fiel Mari ein, „aber ich habe mich in dem Moment wirklich sehr hilflos gefühlt!“
„Ja, die Wehrlosigkeit zeigt sich ja erst wirklich, wenn etwas passieren könnte. Also musste er zumindest etwas andeuten, wenn auch etwas eher Harmloses, welches durch die Situation aber deutlich ernster wirkte.“
„Stimmt“, bestätigte Mari, „in dieser Situation fühlt man sich gleich doppelt und dreifach verletzlich! Na ja es war ja auch nicht ausgemacht, das alles vorher angekündigt werden würde, aber das hochschieben des Tops hat in mir Alarmglocken schrillen lassen!“
„Du solltest die Wehrlosigkeit spüren – allerdings kombiniert mit dem Wissen und der Erfahrung, dass dir nichts passieren wird.“
„Dieses Wissen ist in solchen Momenten, wenn plötzlich so eine Angst losgeht, wie nicht mehr verfügbar“, erklärte Mari.
„Ja“, bestätigte Joel, „das sollte ja auch einen inneren Alarm auslösen. Du solltest für dich prüfen, wie sehr du ihm vertrauen kannst.“
„Und jetzt bin ich wohl durchgefallen? Weil ich gleich stopp gesagt habe…“

„Aber nein, du hast ihm ja sogar eine zweite Chance eingeräumt, dass er etwas nackte Haut auf deinem Bauch berühren konnte. Das war sehr mutig! Das wichtigste ist, dass du die Erfahrung gemacht hast, dass dir nichts Schlimmes passiert, selbst wenn du gefesselt bist.“
„Ja, das stimmt, ich habe es bewusst geschehen lassen, und in allem, was war, konnte ich die Erfahrung machen, dass er sich an die Absprachen hält. Er hat dann sogar die Situation mit der Hand auf dem Bauch nur sehr kurz gehalten, da war ich froh!“

„Ja“, lächelte Joel, „du sollst ja Vertrauen gewinnen, daher wollte er dich schon auch ziemlich herausfordern , aber dir gleichzeitig eben auch zeigen, dass er stets deine Gefühle berücksichtigt und dass dir nichts Schlimmes geschieht.“
„Das war schon eine ziemlich intensive Lektion!“
„Ja, und du hast sie gut gemeistert“, sagte er und drückte sie noch einmal fest an sich.

„Danke, Joel, dass ich mit dir darüber noch sprechen kann – jetzt hinterher – das hilft mir, das alles noch besser zu verarbeiten und einzuordnen… Hmm… Wollen wir jetzt unsere Sekt austrinken? Jetzt kann ich ihn, glaube ich, besser genießen als vorhin…“

„Ja gern“, sagte er, holte die Gläser und sie stießen noch einmal gemeinsam an.
„Auf diese ganz besondere Erfahrung“, sagt Mari.
„Auf deinen Mut!“ lächelte Joel.

Geschrieben von Rafael und Miriam

Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge

44. Eine Wanderung mit kleinen Schritten an der Grenze entlang

Mari geht spazieren

Gedankenversunken lief Mari durch den nahegelegenen Park, in dem sie inzwischen auch schon einige Male mit Joel spazieren gegangen war.

Ihre Gedanken wanderten zurück zum gestrigen Spiel mit dem Meister, den Joel wieder für sie dargestellt hatte. Diesmal fand sie einen Stuhl vor, der in der Mitte des Zimmers stand… Jedes Mal, wenn sie eine überraschende Anordnung der Möbel im Zimmer vor fand, rätselte sie, was das wohl für sie zu bedeuten haben möge. Bisher hatte sie es nie vorher rausfinden können.

Gestern sollte sie sich auf den Stuhl setzen, ihr wurden die Augen verbunden, und ihre Aufgabe bestand lediglich darin zu spüren. Na ja, klang erst mal nicht so schlimm… War eigentlich auch nicht wirklich „schlimm„, dachte sie jetzt im Nachhinein, schlimm nicht, aber ziemlich bewegend und herausfordernd…

Es war ein angenehmes Gefühl, als der Meister anfangs ihre Hand nahm und streichelte… Auch als er ganz langsam den Arm immer ein Stückchen aufwärts wanderte und wieder zurück kehrte zur Hand… Als er dann am Oberarm angelangt war und ein kleines Stückchen unter den Saum ihrer Ärmel wanderte, entstand ein spannendes Gefühlsgemisch, das sie in Aufregung versetzte. Mari dachte an diesen fortwährenden fast rhythmischen Wandel ihres Gefühlszustandes innerhalb der verschiedenen Berührungen… Irgendwann hatte sie die steigende Anspannung in diesen Wellen kaum noch aushalten können.
In solch einem Moment fragte Joel sie nach der Farbe ihrer Gefühlsampel.
Kann er Gedanken lesen? fragte sie sich gerade…“ rötliches Orange“, gab sie zur Antwort.

Eigentlich gut, dass er meine Körpersprache so gut wahrnehmen kann, aber irgendwie… auch seltsam, so durchschaubar zu seinDas ist, als würde es seine Macht verstärken, überlegte sie.
Er hatte freundlich geantwortet, er würde sich freuen, wenn er sie wieder auf „gelb“ zurück führen könnte, und hatte ihr erlaubt, einen Wunsch zu äußern.

Mari bewegte jetzt im Park beim Laufen unwillkürlich ihre Schultern, denn ihr Wunsch war eine Schulter- und Nackenmassage gewesen, denn sie hatte schon erlebt, wie gut es ihr tat, wenn Joel sie dort massiert hatte. Und so hatte die Erfüllung dieses Wunsches ihr auch gestern geholfen, wieder mehr entspannen zu können. Ihr war schließlich so warm geworden, dass sie ihn fragte, ob sie ihre kurzärmelige Jacke ausziehen könne.

Mari verzog ihren Mund zu einem verunglückten Grinsen in der Erinnerung daran, dass sie mit dieser Frage wieder die Regel verletzt hatte, nur absolut unvermeidbare Fragen zu stellen, um sich daran zu gewöhnen, auch Risiken einzugehen und zu vertrauen, dass nichts Schlimmes geschieht, wenn sie etwas anders machte, als er es gemeint hatte. Sie hätte die Jacke einfach ausziehen können, ohne zu fragen. Also ihr „Absichern wollen“ anhand von Fragen führte in diesen Spielen gerade dahin, wo sie nicht hin wollte, nämlich zur Verletzung dieser für sie so ungewohnten Nicht-Frage-Regel. Würde sie weniger Fragen stellen und sich einfach trauen, Dinge zu tun, wie sie ihr einfielen, würde sie die Regel weniger verletzen und sich damit nicht so oft auf Glatteis begeben. Wieder mal ein Paradoxon!

Ich frage, um nichts falsch zu machen und keine negative Sanktion zu bekommen und genau durch das Fragen erhalte ich sie.
Ich hätte gestern die Jacke einfach ausziehen sollen, ohne zu fragen, dann hätte ich auch keine Regel verletzt. So wollte ich vorher seine Zustimmung erhalten, um wie immer nichts falsch zu machen, und hab´s gerade damit wieder mal versemmelt.

Na ja, es war kein Verhängnis draus geworden – das war es ja eigentlich nie in den Sitzungen mit dem Meister! Aber es hatte sich durchaus unangenehm angefühlt, als er fragte: „Bereit für deine Strafe?“ Aber – und nun war Mari ein bisschen stolz auf sich – diesmal hatte sie gleich „Ja!“ gesagt, anders als in den Anlässen davor, in denen sie so starke Angst davor hatte, dass es ihr erstmal nicht so schnell möglich war, ihre Bereitschaft zu bekunden und sie mit allen Mitteln versucht hatte, das Blatt zu wenden, was ihr natürlich nie gelungen war. Doch wenn sie zurück dachte, war ihr Meister in der Auswahl seiner Sanktionen stets so achtsam gewesen, dass dadurch nie eine Angst verstärkt oder neu entstanden war – im Gegenteil, zurück blieb immer eine Erleichterung, erstens es geschafft zu haben und zweitens, dass es nie wirklich schlimm war.

So auch gestern: Nachdem sie diesmal, ohne lange zu zögern und zu diskutieren „Ja, ich bin bereit“ gesagt hatte, sollte sie ihm in die Augen schauen und ihm sagen: „Ich will meine Bereitschaft vertiefen, bei dir Risiken einzugehen.“ Allerdings nur dann, wenn sie dazu wirklich ja sagen könne, ansonsten würde er sich eine andere Sanktion einfallen lassen.
Und Mari bekundete diese Bereitschaft gerne. Sie wünschte es sich ja tatsächlich, mutiger, spontaner und risikobereiter zu sein.
Dankbar dachte Mari: Ich merke immer wieder, dass ich ihm vertrauen kann und er es mir so leicht macht, wie es im Rahmen dieser doch herausfordernden Machtspiel-Situationen möglich ist.

Nachdem diese Klippe umschifft war, wendete er sich wieder ihren Schultern zu und massierte sie bis in den Nacken hinein. War das gut… ! Sie fühlte jetzt noch das wunderbare Gefühl, wie sich ihre Anspannung wieder langsam gelöst hatte.

Doch als er sich dann langsam unter ihr Top vortastete und gar nicht mal unangenehm über die Schlüsselbeine strich, spürte Mari eine deutliche innere Grenze. Sie begann leicht zu zittern und wäre am liebsten aufgestanden, um die Situation sofort zu beenden. So schnell entstanden

in ihr Verknüpfungen, die alte Übergriffs-Situationen an triggerten.
Ihr Meister spürte ihre Anspannung, hielt in diesem Moment mit seinen Berührungen inne und fragte: „Mari, welche Farbe hat unsere Ampel?“ Als sie „Hellrot“ flüsterte, nahm er ruhig seine Hände dort weg, legte ihr eine Hand an ihre Stirn und die andere an den unteren Hinterkopf. Ihren heißen Kopf auf diese Weise in Joels Hände abgeben zu können, tat ihr sehr gut und ihr Stresspegel sank überraschend schnell. Als würde meine ganze Anspannung durch seine Hände abgeflossen sein – erinnerte sie sich. Danach hatte er das Spiel beendet, so dass sie in diesem angenehm entspannte Zustand hatte bleiben können.



Warum nur vergesse ich in solchen Momenten immer wieder die Möglichkeit, anhand der Ampel zu kommunizieren, wie es mir geht? fragte sie sich. Und gestern hatte er mich zu Beginn des Spieles sogar noch dran erinnert. Ich will künftig versuchen, das mehr im Auge zu behalten! Wie gut, dass er mich ein paar Mal von sich aus nach der aktuellen Ampelfarbe gefragt hat – das hätte sonst fast wieder zu einem Abbruch führen können, so wie neulich, als ich das Tuch bei unserem Blind-durch-den-Park-geh-Spiel abrupt abgerissen hatte. Doch auch danach war es dann wieder gut weiter gegangen, erinnerte sie sich dankbar.

Und wie schön war es gestern am Ende, als er mich umarmte, mir sagte, dass er sich gefreut habe, wie viel ich zulassen konnte, und dann ziemlich bald das Spiel beendete, und mich in Joels Armen zurück ließ… Mit ihm selbst, außerhalb der Meisterrolle fühlt es sich viel leichter und angenehmer an für mich!

Seltsam…, überlegte sie schon zum wiederholten Male, dass ich diese Spiele trotzdem auch immer wieder will…

Dieses Kapitel wurde gemeinsam geschrieben von Rafael und Miriam.

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44. Eine Wanderung mit kleinen Schritten an der Grenze entlang

Mari geht spazieren

Gedankenversunken lief Mari durch den nahegelegenen Park, in dem sie inzwischen auch schon einige Male mit Joel spazieren gegangen war.

Ihre Gedanken wanderten zurück zum gestrigen Spiel mit dem Meister, den Joel wieder für sie dargestellt hatte. Diesmal fand sie einen Stuhl vor, der in der Mitte des Zimmers stand… Jedes Mal, wenn sie eine überraschende Anordnung der Möbel im Zimmer vor fand, rätselte sie, was das wohl für sie zu bedeuten haben möge. Bisher hatte sie es nie vorher rausfinden können.

Gestern sollte sie sich auf den Stuhl setzen, ihr wurden die Augen verbunden, und ihre Aufgabe bestand lediglich darin zu spüren. Na ja, klang erst mal nicht so schlimm… War eigentlich auch nicht wirklich „schlimm„, dachte sie jetzt im Nachhinein, schlimm nicht, aber ziemlich bewegend und herausfordernd…

Es war ein angenehmes Gefühl, als der Meister anfangs ihre Hand nahm und streichelte… Auch als er ganz langsam den Arm immer ein Stückchen aufwärts wanderte und wieder zurück kehrte zur Hand… Als er dann am Oberarm angelangt war und ein kleines Stückchen unter den Saum ihrer Ärmel wanderte, entstand ein spannendes Gefühlsgemisch, das sie in Aufregung versetzte. Mari dachte an diesen fortwährenden fast rhythmischen Wandel ihres Gefühlszustandes innerhalb der verschiedenen Berührungen… Irgendwann hatte sie die steigende Anspannung in diesen Wellen kaum noch aushalten können.
In solch einem Moment fragte Joel sie nach der Farbe ihrer Gefühlsampel.
Kann er Gedanken lesen? fragte sie sich gerade…“ rötliches Orange“, gab sie zur Antwort.

Eigentlich gut, dass er meine Körpersprache so gut wahrnehmen kann, aber irgendwie… auch seltsam, so durchschaubar zu seinDas ist, als würde es seine Macht verstärken, überlegte sie.
Er hatte freundlich geantwortet, er würde sich freuen, wenn er sie wieder auf „gelb“ zurück führen könnte, und hatte ihr erlaubt, einen Wunsch zu äußern.

Mari bewegte jetzt im Park beim Laufen unwillkürlich ihre Schultern, denn ihr Wunsch war eine Schulter- und Nackenmassage gewesen, denn sie hatte schon erlebt, wie gut es ihr tat, wenn Joel sie dort massiert hatte. Und so hatte die Erfüllung dieses Wunsches ihr auch gestern geholfen, wieder mehr entspannen zu können. Ihr war schließlich so warm geworden, dass sie ihn fragte, ob sie ihre kurzärmelige Jacke ausziehen könne.

Mari verzog ihren Mund zu einem verunglückten Grinsen in der Erinnerung daran, dass sie mit dieser Frage wieder die Regel verletzt hatte, nur absolut unvermeidbare Fragen zu stellen, um sich daran zu gewöhnen, auch Risiken einzugehen und zu vertrauen, dass nichts Schlimmes geschieht, wenn sie etwas anders machte, als er es gemeint hatte. Sie hätte die Jacke einfach ausziehen können, ohne zu fragen. Also ihr „Absichern wollen“ anhand von Fragen führte in diesen Spielen gerade dahin, wo sie nicht hin wollte, nämlich zur Verletzung dieser für sie so ungewohnten Nicht-Frage-Regel. Würde sie weniger Fragen stellen und sich einfach trauen, Dinge zu tun, wie sie ihr einfielen, würde sie die Regel weniger verletzen und sich damit nicht so oft auf Glatteis begeben. Wieder mal ein Paradoxon!

Ich frage, um nichts falsch zu machen und keine negative Sanktion zu bekommen und genau durch das Fragen erhalte ich sie.
Ich hätte gestern die Jacke einfach ausziehen sollen, ohne zu fragen, dann hätte ich auch keine Regel verletzt. So wollte ich vorher seine Zustimmung erhalten, um wie immer nichts falsch zu machen, und hab´s gerade damit wieder mal versemmelt.

Na ja, es war kein Verhängnis draus geworden – das war es ja eigentlich nie in den Sitzungen mit dem Meister! Aber es hatte sich durchaus unangenehm angefühlt, als er fragte: „Bereit für deine Strafe?“ Aber – und nun war Mari ein bisschen stolz auf sich – diesmal hatte sie gleich „Ja!“ gesagt, anders als in den Anlässen davor, in denen sie so starke Angst davor hatte, dass es ihr erstmal nicht so schnell möglich war, ihre Bereitschaft zu bekunden und sie mit allen Mitteln versucht hatte, das Blatt zu wenden, was ihr natürlich nie gelungen war. Doch wenn sie zurück dachte, war ihr Meister in der Auswahl seiner Sanktionen stets so achtsam gewesen, dass dadurch nie eine Angst verstärkt oder neu entstanden war – im Gegenteil, zurück blieb immer eine Erleichterung, erstens es geschafft zu haben und zweitens, dass es nie wirklich schlimm war.

So auch gestern: Nachdem sie diesmal, ohne lange zu zögern und zu diskutieren „Ja, ich bin bereit“ gesagt hatte, sollte sie ihm in die Augen schauen und ihm sagen: „Ich will meine Bereitschaft vertiefen, bei dir Risiken einzugehen.“ Allerdings nur dann, wenn sie dazu wirklich ja sagen könne, ansonsten würde er sich eine andere Sanktion einfallen lassen.
Und Mari bekundete diese Bereitschaft gerne. Sie wünschte es sich ja tatsächlich, mutiger, spontaner und risikobereiter zu sein.
Dankbar dachte Mari: Ich merke immer wieder, dass ich ihm vertrauen kann und er es mir so leicht macht, wie es im Rahmen dieser doch herausfordernden Machtspiel-Situationen möglich ist.

Nachdem diese Klippe umschifft war, wendete er sich wieder ihren Schultern zu und massierte sie bis in den Nacken hinein. War das gut… ! Sie fühlte jetzt noch das wunderbare Gefühl, wie sich ihre Anspannung wieder langsam gelöst hatte.

Doch als er sich dann langsam unter ihr Top vortastete und gar nicht mal unangenehm über die Schlüsselbeine strich, spürte Mari eine deutliche innere Grenze. Sie begann leicht zu zittern und wäre am liebsten aufgestanden, um die Situation sofort zu beenden. So schnell entstanden in ihr Verknüpfungen, die alte Übergriffs-Situationen an triggerten.
Ihr Meister spürte ihre Anspannung, hielt in diesem Moment mit seinen Berührungen inne und fragte: „Mari, welche Farbe hat unsere Ampel?“
Als sie „Hellrot“ flüsterte, nahm er ruhig seine Hände dort weg, legte ihr eine Hand an ihre Stirn und die andere an den unteren Hinterkopf. Ihren heißen Kopf auf diese Weise in Joels Hände abgeben zu können, tat ihr sehr gut und ihr Stresspegel sank überraschend schnell. Als würde meine ganze Anspannung durch seine Hände abgeflossen sein – erinnerte sie sich. Danach hatte er das Spiel beendet, so dass sie in diesem angenehm entspannte Zustand hatte bleiben können.



Warum nur vergesse ich in solchen Momenten immer wieder die Möglichkeit, anhand der Ampel zu kommunizieren, wie es mir geht? fragte sie sich. Und gestern hatte er mich zu Beginn des Spieles sogar noch dran erinnert. Ich will künftig versuchen, das mehr im Auge zu behalten! Wie gut, dass er mich ein paar Mal von sich aus nach der aktuellen Ampelfarbe gefragt hat – das hätte sonst fast wieder zu einem Abbruch führen können, so wie neulich, als ich das Tuch bei unserem Blind-durch-den-Park-geh-Spiel abrupt abgerissen hatte. Doch auch danach war es dann wieder gut weiter gegangen, erinnerte sie sich dankbar.

Und wie schön war es gestern am Ende, als er mich umarmte, mir sagte, dass er sich gefreut habe, wie viel ich zulassen konnte, und dann ziemlich bald das Spiel beendete, und mich in Joels Armen zurück ließ… Mit ihm selbst, außerhalb der Meisterrolle fühlt es sich viel leichter und angenehmer an für mich!

Seltsam…, überlegte sie schon zum wiederholten Male, dass ich diese Spiele trotzdem auch immer wieder will…

Dieses Kapitel wurde gemeinsam geschrieben von Rafael und Miriam.

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41. Eine Fußmassage

Bei Joel:  Unbekannte Empfindungen 

Heute überraschte ihr Meister Mari mit einer Fußmassage. Mari genoss  seine wohltuenden Berührungen, sanften Streichungen und Dehnungen ihrer Füße und Drehungen der Fußgelenke  sehr und entspannte sich mit der Zeit immer mehr.
Als er sie dann fragte, ob sie bereit sei für eine kleine Herausforderung, und sie einverstanden war, gab er ihr einen leichten Kuss auf den großen Zeh, dem schließlich die anderen folgten.

Obwohl ihr diese zarten Berührungen körperlich gar nicht unangenehm waren, fühlte sich Mari dabei beklommen. Durfte sie das zulassen? Es fühlte sich irgendwie verboten an, als dürfe es nicht sein, es war… so ungewöhnlich, sich am Fuß küssen zu lassen. Sie erzählte das ihrem Meister, der sie immer wieder einmal fragte, wie es ihr mit dem ging, was er tat. So konnte er einschätzen, wann es genug für sie war. Das war der Fall, als er sein Gesicht an ihre Fußsohle legte und es nach einer kurzen Zeit auch bewegte.

„Das fühlt sich irgendwie so… so… seltsam verboten an – ich würde das gern beenden“, sagte sie leise, und er ließ daraufhin die Massage mit einigen wohltuenden Streichungen ausklingen.

„Wenn du jetzt einen Wunsch frei hättest, was würdest du dir wünschen?“ fragte er sie anschließend.

„Dass ich dieses Verbotsgefühl auflösen könnte. Damit ich das als schön empfinden kann und die Anspannung weicht, ständig in dem Konflikt zu sein, ob ich das zulassen darf oder nicht.“

„Immerhin hattest du schöne Momente, vielleicht können wir diese Stück für Stück ausweiten…“

„Weißt du…“ versuchte, sie ihm zu beschreiben, was in ihr vor ging,“… da ist so ein innerer Kampf, den ich gar nicht kämpfen möchte, der aber wie von selbst einfach geschieht. Und ich würde so gern in Frieden sein – zumindest mit dem was sich gut anfühlt…“

„Gut, dass du das wahrnimmst, Mari. Das Licht deines Bewusstseins darauf zu richten ist schon ein erster kraftvoller Schritt in eine gute Richtung.“

„Ich fühle mich so begrenzt und unmöglich damit, dass so vieles mir schwierige Gefühle macht,“ bekannte Mari traurig.

„Du solltest dich dafür nicht verurteilen, Mari. Nimm dich damit an, denn es hat seine Ursachen, und nur, was du annimmst, kannst sich irgendwann verändern. Und das geschieht fast von allein, wenn du es eine Weile bewusst in dir getragen hast – so wie ein Kind, das im Mutterleib wächst. Erfreue dich während dessen lieber daran, dass du schöne Momente hast. Schaue nicht auf das, was du heute noch nicht zulassen konntest, sondern auf das, was geklappt hat. Ich habe deine nackten Füße geküsst – und es hat dir gefallen. Ich finde: das ist doch etwas Schönes!
Ich weiß nicht, ob es dir auch möglich gewesen wäre, wenn ich es angekündigt hätte, aber so hast du dich darauf eingelassen, ohne zu wissen, was kam – und du konntest es ein Stück weit genießen.“

„Du hast mich ja vorher gefragt, ob ich bereit bin für eine kleine Herausforderung,“ bemerkte Mari, „das war ein sehr aufregender Moment. Ich finde es sehr gut, dass du mich das gefragt hast, bevor du es getan hast. So habe ich das Gefühl, nicht überrannt worden zu sein – und dass du trotz deiner Machtposition… hmm.. ich weiß nicht, wie ich es formulieren soll… Es tat mir jedenfalls gut in meinen vielen Ängsten und Unsicherheiten…. Ach Meister, würdest du mich umarmen?“

Joel zog sie sanft an sich, und als er sie dann in seinen Armen hielt, fragte er leise: „Was ist los, Mari?“

Sie antwortete: „Da ist ein Gefühl von Freude, dass es überwiegend schön war, aber auch Traurigkeit, dass ich dieses Verbotsgefühl in mir trage, und…“ Sie zögerte etwas, bevor sie weiter sprach…“Ich frage mich auch, ob du als mein Meister, nicht enttäuscht von mir warst eben, als ich dich eben bat, die ja gar nicht unangenehme Massage so unvermittelt zu beenden.“

„Nein, ich war nicht enttäuscht, denn du hast mehr zugelassen, als ich gedacht hätte. Es ist schade, dass du da ein Verbot spürst, aber Verbote kann man dann, wenn sie bewusst geworden sind, in Erlaubnisse verwandeln.“

„Das wünsche ich mir ja, aber diese Erlaubnis muss vom Kopf ins Gefühl wandern, es reicht nicht, wenn ich mir einfach nur denke, es ist okay…“

„Ja, das stimmt, und dabei helfen positive Erfahrungen. Deswegen habe ich für heute auch die Fußmassage beendet, denn ich hatte den Eindruck, ein wirklich gutes Gefühl, wäre ab diesem Zeitpunkt nicht mehr möglich gewesen. Du hattest für heute eine genügend tiefe Erfahrungsintensität. Aber bei einer weiteren Fußmassage kann dein Gefühl vielleicht schon mehr zulassen.“

„Und wenn es sich dann doch nicht anders anfühlt?“ fragte Mari leise. „Da kommt gerade wieder die Angst, dich zu enttäuschen.“

„Ich werde nicht enttäuscht sein, weil ich für keines unserer Spiele feste Erwartungen habe. Jedes Mal ist neu und einzigartig. Es kann auch sein, dass bei dem nächsten oder übernächsten Treffen plötzlich einmal etwas nicht geht, was vorher schon möglich war, denn an jedem Tag gibt es eine andere Grundstimmung. Deshalb setze ich nie irgendetwas voraus. Weißt du Mari, es kommt nicht auf das Erzielen von Ergebnissen an, sondern auf deine Bereitschaft, Erfahrungen zu machen und einfach nur wahrzunehmen, wie sie sich anfühlen und darüber mit mir zu kommunizieren. Ich werde dich darin unterstützen, alles anzunehmen, so wie es sich zeigt. Wenn etwas erstmal auf dem großen Kissen des Bewusstseins liegt und einfach dadurch, dass es „da“ ist, beleuchtet und liebevoll angeschaut werden kann, geschieht irgendwann ganz von allein heilende Veränderung.

Und fühlt es sich nicht auch für dich spannend an, immer wieder mal Neues zu probieren und auf diesem Weg vielleicht nach und nach die Erfahrung machen, dass sich deine inneren Verbotsschilder Stückchen für Stückchen nach hinten verschieben?“ Joel schaute sie fragend an.

Mari nickte: „Wegen dieser Sehnsucht nach Lebendigkeit habe ich mich glaube ich auch auf diesen Weg mit dir gemacht. Wenn sich nur nicht so vieles so „verboten“ anfühlen würde… Gerade kommt mir der Gedanke, dass es ist meine verinnerlichte Oma, die diese Verbote hinterlassen hat.“

„Deine Oma wusste eben leider nicht, was gut tut, aber deswegen musst du es dir nicht versagen, Mari“, antwortete Joel ermutigend.

„Ja, das ist schon klar, aber das sitzt eben irgendwie tief in den Zellen. Wahrscheinlich hast du recht, dass ich mir neue Erlaubnisse geben sollte und dass es dann um neue gute Erfahrungen geht.“

„Ich finde, es wird Zeit, selbst zu erkunden, was gut für dich ist. Dein Körper kann das viel besser entscheiden, als deine Oma. Hör auf das Empfinden, nicht auf die Stimme im Kopf.“

„Ja, das stimmt, manchmal merke ich allerdings gar nicht so schnell, wie sich das alles vermischt, aber durch deine Fragen heute, konnte ich da viel voneinander trennen.“

„Wir werden miteinander viel tun dafür, dass du dir erlaubst, dich gut zu fühlen. Das ist das Ziel, da wollen wir hin: dass du Dinge erlebst, die dir gefallen, die dich gut fühlen lassen, weil du dir das wert bist, Mari!“

„Ja, das ist ein schönes Ziel, ein wertvolles Ziel! Dafür gehe ich gern diesen Weg weiter.“

„Das klingt kraftvoll, Mari, und ich freue mich auf die nächste „Lektion in Wahrnehmen und Annehmen“.

„Joel, hab ganz lieben Dank, dass du diesen Weg mit mir gehst. Ich kann nicht sagen, dass ich mich auf die nächste Lektion nur freue, denn es ist immer beides: Freude und Anspannung, Herausforderung und schöne Lebendigkeit.“

„Mari, du warst heute wieder einmal bereit, etwas Neues auszuprobieren. Ich danke dir dafür!“

„Und ich danke dir für deine Umsicht und deine Geduld, und ganz besonders dafür, dass du mich vorher gefragt hast, ob ich überhaupt bereit bin für eine kleine Herausforderung, die zwar dann zur seltsamen Überraschung wurde, aber ich hatte vorher meine Bereitschaft gegeben – und das macht mir nicht das Gefühl, dass über meine Grenzen gegangen wurde.“

„Ich bin sehr froh, dass ich das tun durfte,“ lächelte Joel.

„Wie wäre es, wenn wir die neue Erfahrung mit einem Gläschen Wein begießen?“ fragte er

Mari nickte: „Gerne!“

Joel verließ das Zimmer mit den Worten „Das Spiel ist beendet“, und kam kurze Zeit später mit dem Wein zurück.
„Den wollte ich jetzt als Joel mit dir trinken,“ erklärte er. „Lass uns auf die angenehmen Empfindungen anstoßen, die da waren, und dass ihnen noch viele weitere folgen mögen!“

„Ja gern“ stimmte Mari zu und empfand ein ganz kleines Glücksgefühl…“

Dieses Kapitel wurde gemeinsam geschrieben von Rafael und Miriam

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3. Bei dir oder bei mir ?

Mari saß auf der Parkbank und genoss Joels Hände auf ihren Schultern. Sie massierten ihre verspannte Schulter- und Nackenmuskulatur und übten dabei jenen besonderen Druck aus, der deutlich spürbar war, die Muskeln weicher werden ließ, aber nicht weh tat.

„Deine Massage tut gut, Joel. Nicht zu fest und auch nicht zu zart – meine Anspannung wird weniger. Dank dir!“

„Ist es nicht ähnlich wie du es dir für die Spiele wünschst?“ fragte Joel
„Ein kleines bisschen wohl dosierten Druck, der zu Entspannung führt, aber nicht weh tut?“

„Ui… ja, so könnte man es formulieren. Und sollte es doch zu viel werden… würdest du den Druck reduzieren?“

„Anfangs würde ich sofort den Druck wegnehmen oder abmildern.
Irgendwann einmal, wenn wir uns besser kennen, würde ich dich fragen, ob du noch zwei bis drei Sekunden in der Situation bleiben könntest, um zu sehen, wie es sich in dir entwickelt. Denn so wie harte Muskeln nach einer kurzen Zeit des Druckes weicher werden, könnte auch dein Gefühl sich durch eine kleine Gewöhnungszeit verändern. Das würde ich aber nur mit deinem Einverständnis tun.“

Mari holte Luft, und er spürte, wie ihr Verspannung wieder zunahm.

„Soweit sind wir aber längst noch nicht. Und wie gesagt, wir können immer über alles reden.
Ich würde gern die Ampelfarben als Stimmungsindikator nutzen, dass du mir schnell und ohne lange nach Formulierungen suchen zu müssen, mitteilen kannst, wie es dir geht und was du brauchst.
Grün heißt: Alles paletti, weiter im Spiel.
Gelb  bedeutet: Es geht gerade noch so… Ich bin an meiner Grenze des Erträglichen, bitte keine Steigerung! Ich brauche Unterstützung, um in der Situation bleiben zu können.
Rot bedeutet: Sofort Stopp! Ohne Diskussion. Abbruch dieser Situation.
Solltest du „Rot!“ sagen, werde ich mich absolut danach richten, und wir steigen sofort aus der Situation oder aus dem gesamten Spiel aus.
Und scheue dich bitte niemals, „Rot!“ zu sagen, wenn du es so empfindest.“

„Joel, ich brauche nur daran zu denken, und ich habe Bammel.“

Er legte die Hände auf ihren Kopf und massierte in langsam kreisenden Bewegungen ihre Kopfhaut. „Wie fühlt sich das an?“

„Herrlich!“

„Mari, ich werde tun, was ich kann, dass solche herrlichen Momente wie jetzt dir über schwierige Gefühle wie Angst, Scham und Unsicherheit hinweg helfen.“

„Danke Joel… Irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich schon ein wenig Vertrauen zu bekomme.“

„Das freut mich, Mari!“

„Hmm… ich überlege: Wir haben uns jetzt dreimal irgendwo draußen getroffen…. Vielleicht wäre es ganz gut, wenn wir uns das nächste Mal bei dir oder mir zuhause treffen  würden?“

„Ja, das denke ich auch“, stimmte Joel zu, „aber ich hätte es nicht ausgesprochen. Diesen Schritt, ein erstes Treffen in der Wohnung vorzuschlagen, wollte ich dir überlassen, damit du dich nicht überrumpelt fühlst.“
Langsam kam er um die Bank herum und setzte sich neben sie.
„Wo wollen wir uns treffen, Mari? Möchtest du zu mir kommen, oder soll ich zu dir kommen? Wo würdest du dich sicherer fühlen?“

Mari dachte nach… „Ich glaube, bei mir zuhause würde ich mich etwas wohler fühlen. Möchtest du mich am nächsten Samstag besuchen kommen?“

„Gern, Mari! Und jetzt holen wir uns ein Eis!“

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