98. Wochenend und Sonnenschein (4) – „…Na und?!!“

Joel und Mari verbringen ein Wochenende im zauberhaften Ambiente eines schönen Hotels

Fenster_MorgensonneDurch das offene Fenster strahlte die frühe Morgensonne und herrlicher Vogelgesang weckte Mari.
Sie hatte wunderbar geschlafen und musste erst einmal in die Realität zurück finden, als sie sich angekuschelt an Joel in dem breiten Bett ihrer schönen Suite, die sie in diesen zwei besonderen Tagen ihrer Kurzreise bewohnten, wieder fand.
Ganz still lag sie, um dieses Gefühl von Nähe und Geborgenheit in sich bewusst wahrzunehmen und noch ein wenig auszudehnen. Sie wollte ihn nicht wecken, denn es gab auch andere Gefühle in ihr…

Sie konnte ihm zutiefst vertrauen – das spürte sie immer deutlicher und das wurde in ihr besonders nach dem letzten Abend und dieser Nacht besonders spürbar… Er überschritt keine Grenze, die für sie nicht stimmig war, gab ihr die Nähe, die sie zulassen konnte und forderte nie mehr. Und heute – gerade in diesem Moment spürte sie: Etwas in ihr wollte inzwischen weiter gehen, wollte sich ausdehnen, wollte irgendwie mehr… und gleichzeitig waren immer noch Barrieren und Ängste da. Doch der Wunsch nach Lebendigkeit, nach mehr Intensität in ihren Berührungen, nach zunehmender Intimität wurde stärker.
Sie würde dazu einen Schritt auf ihn zu machen müssen, damit Joel die Veränderung ihrer Bedürfnisse und ihrer Bereitschaft wahrnehmen konnte. Aber wie?

Sein Arm lag entspannt auf ihrer Hüfte, zwischen ihnen war immer noch etwas von der Bettdecke, wenn diese auch in der Nacht etwas verrutscht war, aber sie bot genug Wärme und „Schutz“.
Brauchte… ja wollte… sie diesen Schutz eigentlich? fragte sie sich gerade.
Sanft legte sie ihre Hand auf seine.
„Na, meine süße Träumerin?“ fragte er – und sie hörte sein Lächeln in der Stimme, die so gar nicht verschlafen klang.
„Bist du schon länger wach?“ fragte sie ihn erstaunt.
„Ja, lange genug.“
„Wofür?“
„Um unsere Nähe bewusst genießen zu können… um dich zu spüren… um mich daran zu freuen, wie entspannt du ganz nah bei mir liegst.“

Sie drehte sich um, schaute ihm in die Augen. Und wieder ging eine Welle von Vertrauen und von… einem neuen, kribbelnden, reizvollen Gefühl durch sie hindurch. Dann erst wurde ihr bewusst, dass sie ja nackt waren und nun die Decke nichts mehr verbarg.
Joel bemerkte ihren Blick und meinte lächelnd: „Na und?!“
Sie lachte etwas verlegen und gab zurück: „Hm ja, …na und!!“
„Komm her, mein zartes Rehlein, lass uns ganz fest umarmen. Im Liegen ist das noch inniger und entspannter.“

Diese liebevolle Einladung nahm Mari an und atmete ganz tief, als er sie in seinen Armen hielt und für eine ganze Weile die Zeit still stand. Tief nahmen beide das wunderbare Gefühl von Nähe und Wärme in sich auf, eine Wärme, die Körper und Seele wohlig durchströmte. Sie nahm seinen Körper wahr… überall… seine Wärme… und… seine Härte, die nicht zu auszublenden wahr. Dennoch lag er ganz still.
„Du musst gar nichts tun, Liebes. Fühle einfach nur.  Sei einfach nur da. Ich erwarte nichts von dir,“ antwortete Joel auf ihre unausgesprochene Frage, die sein Körper, der nicht lügen konnte und auch nicht wollte, in ihr ausgelöst hatte.

Langsam begann seine rechte Hand über ihre Haut zu wandern, während die linke fest an ihrem Rücken blieb und sie weiterhin hielt.
Sehr bewusst nahm sie seine gleitenden Berührungen wahr, spürte wie ihr Körper erst wohlig, dann nach und nach immer bewegter auf ihn reagierte. Seine Berührungen wurden immer zarter… nahezu elektrisierend…  Als unwillkürlich ein Zucken durch sie hindurch pulste, und sie einen erschrockenen, etwas peinlich berührten Laut von sich gab, strich er beruhigend mit der flachen Hand und etwas mehr Druck über ihren Rücken und flüsterte ihr ins Ohr: „Lass deinen Körper ruhig zucken und tun, was er will… ich finde das wundervoll…“
Kurz rückte sie etwas von ihm ab, damit sie ihm in die Augen sehen konnte. Und spürte, als sie in ihnen versank, nur Annahme und Freude.
Ganz offen begegnete er ihrem Blick und ließ sie erkunden, was immer sie sehen wollte in ihnen – bis an den Grund seiner Seele öffnete er sich ihr und genauso offen ließ sie ihn eintauchen mit seinem Blick in ihre Gefühlswelt. Sie brauchte nichts zu sagen, wurde ihr in diesem Moment klar. Er kannte sie mittlerweile so gut, dass er anhand ihrer Körpersprache spüren konnte und in ihrem Blick lesen konnte, was sie mit Worten nicht zu formulieren vermochte. Er sah und fühlte tief in sich: ihren Wunsch nach mehr… ihre noch vorhandene, immer kleiner werdende Angst… ihr Vertrauen zu ihm als Mann… ihre Unsicherheit, mit der sie sich ihm jetzt anvertraute… ihr noch zögerliches Begehren… Und er sagte mit seinem ganzen Sein „JA“ zu ihr. Auch er sprach es in diesem magischen Moment nicht mit Worten aus, sondern ließ seine Augen sprechen. Und sie verstand sein JA und antwortete mit einem ganz zarten Nicken. Daraufhin zog er sie wieder fest in seine Arme und ließ sie dort wieder ankommen, Halt finden, die Sicherheit seiner absoluten Annahme fühlen.
Und als er spürte, dass sie mit all ihren Gefühlen bei ihm angekommen war, begannen seine Hände erneut auf die Reise zu gehen… Lust zu wecken… Geborgenheit zu schenken… zu reizen und zu besänftigen… zu locken und Halt zu geben… Er wusste, sie brauchte immer wieder zwischendurch den ruhigen Hafen seiner festen Umarmung, um dann wieder neue bewegende Berührungswellen zulassen zu können.  Nach und nach wurde sie lebendiger in seinen Armen, berührte und streichelte auch ihn und genoss den Tanz der Berührungen, die sie miteinander teilten, zunehmend.
„Es ist wunderschön mit dir, Mari…“ sagte er leise, als sie wieder einmal inne hielten, bevor eine neue Welle von Empfindungen durch sie hindurch strömte…
Es war ein wie ein Tanz: ein Hin und Her im gemeinsamen Aufeinander-Eingehen im Auf- und Abschwellen der Intensität ihrer Lustempfindungen… Und als sich die Berührungen immer mehr intensivierten und Mari spürte, dass sie nun keine besänftigende Welle mehr haben wollte, im Gegenteil, dass sie nichts mehr abflauen lassen wollte… mehr wollte… die Intensität steigern… bewegte sich alles auf einen Höhepunkt zu, mit dem sie ihren ersten sinnlichen gemeinsamen Tanz vollendeten.

Diese Reise der Berührungen war für Mari eine so intensive Erfahrung, dass ihr bei den Nachbeben ihres Körpers die Tränen kamen. Es zuckte in ihr und sie brachte mit ihrem Weinen all die lange aufgestauten Gefühle aus sich heraus: die Erfüllung ihrer Sehnsucht, ihre Lust, ihre Angst, ihre Freude, die Auflösung ihrer Zerrissenheit, ihre Fassungslosigkeit, wie ungebremst sie sich schließlich in seinen Armen hatte fallen lassen…
„Entschuldige, Joel, mein Weinen ist….“
„…nichts wofür du dich entschuldigen müsstest, mein Schatz! Ich weiß doch, wie viele Gefühle sich da in dir bewegen. Die wollen raus… Und dafür hat der Mensch das Gefühlswasser, das sich „Tränen“ nennt. Lass sie einfach fließen, ich halte dich!“
Liebevoll gehalten in seinen Armen ließ sie ihren Tränenstrom frei fließen in der Sicherheit, dass sie angenommen wurden, dass all ihre Gefühle, alles was sie ausmachte, angenommen war.
Welch größere Erfüllung konnte es geben…

Sie fühlte , wie eine Welle von Geborgenheit und  Frieden durch sie hindurch floss, in der ihre Tränen   auch eingebettet waren. Langsam wurde sie ruhiger und genoss voll Dankbarkeit das warme Gefühl, in ihrem ganzen Sein angenommen und gehalten zu werden.

Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge

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Möge Macht, Liebe und Güte immer miteinander verbunden sein

Gedanken zum Thema Macht
Macht ist ja oft mit unangenehmen Assoziationen verbunden. Für mich stellt sich allerdings nur die Frage, wie wir die Macht anwenden, ob mit Liebe und Wohlwollen oder nicht. Es gibt z.B. die Macht des Wissens, die Macht der Erwachsenen gegenüber Kindern, von Lehrer*innen zu Schülern, von Starken zu Schwachen (in verschiedenster Hinsicht). Da gibt es einfach eine Überlegenheit, nur wie wir mit   Überlegenheit umgehen, ist die Frage.
Und in allererster Linie, mit welcher Art von Macht wir mit uns selbst, unseren Impulsen, unseren Trieben unseren Gefühlen umgehen… ob wir uns von ihnen beherrschen und blind leiten lassen oder ob wir sie wahrnehmen und in liebevoller Bewusstheit leiten und führen, so wie Kinder auch Anleitung brauchen, die in Liebe ausgeübt wird.
Macht wird es geben, so lange wir Menschen sind und es Polaritäten gibt.
Meine Vision ist eine Welt, in der Überlegenheit und Macht, die in den verschiedensten Bereichen existiert, bewusst und in Liebe und Wohlwollen ausgeübt wird
Auf die vielen Stimmen und Strömungen in uns selbst bezogen, ist mein Wunsch für unseren Umgang mit allem, was wir in uns wahrnehmen, dieser:

Mögen wir unsere Gefühle wahrnehmen, annehmen und wohltuend leiten und uns nicht von ihnen (manchmal in die Irre) leiten lassen.

Möge jede Macht mit Liebe und Güte ausgeübt werden.

Güte

5. Eine utopische Heilungsreise: Schuldgefühle und Bedingungslosigkeit


Joel hatte sich für die Weihnachtszeit eine Fortsetzungsgeschichte von wohlwollenden außerirdischen Meistern zum Thema „Macht – Angst – Vertrauen – Hingabe“ für Mari ausgedacht, das er ihr in Form eines Adventskalenders geschenkt hatte.

Mari freute sich, dass die Adventszeit dadurch einen so märchenhaften Zauber erhielt.
Heute am Morgen des 5.Dezembers, öffnete sie nun den vierten Umschlag und ist gespannt auf das nächste Kapitel von Carinas Heilungsreise im Raumschiff der außerirdischer Meister…

Am Morgen nach Carinas kopfloser Flucht vor Ramon erwacht sie durch ein Klopfen an der Tür von Jennifers Zimmer, in dem sie in dieser Nacht geschlafen hat. René steht vor der Tür. Carina erschrickt. Jetzt wird er in seiner Funktion als Kommandant einschreiten und Carina erklären, dass er ihr Verhalten ihrem Meister gegenüber so nicht länger dulden kann. Aber seltsamerweise lächelt er freundlich und schaut sie mitfühlend an…

“Carina, ich komme als Postbote zu dir. Ramon hat mich gebeten, dir etwas aus deinem Adventskalender zu bringen. Übrigens, einen wunderschönen Adventskalenderengel hat er dir da gezaubert.” Mit diesen Worten überreicht er Carina das für den heutigen Tag vorgesehene Papierröllchen, nickt beiden Frauen noch einmal freundlich zu und verlässt Jennifers Zimmer wieder. Carina liest:

Geliebte Carina,
du kannst dir sicher denken,
dass du dich nicht dauerhaft vor mir verstecken kannst.
Liebes, ich verstehe dich in deiner Angst!
Könntest du mir nur ein Fünkchen mehr vertrauen,
würdest du mir jetzt glauben,
dass ich dir den Weg zurück zu mir leicht machen will.
In Liebe Ramon

Nach dem Frühstück, das Jennifer Carina ins Zimmer bringt, hat Jennifer die Idee, mit ihrer verängstigten Freundin auf das Parkdeck zu gehen. “Das Wasser und die Pflanzen dort tun uns sicher gut nach all der Aufregung.” Carina stimmt zu – sie kann sich ja schließlich nicht für alle Zeiten im Zimmer einschließen.

Nach einem wohltuenden Bad dösen beide auf einer Decke und ruhen sich aus. Als Carina sich wieder aufsetzt, schaut sie geradewegs in die Augen Ramons, der sich inzwischen neben sie gesetzt hatte. Verlegen schaut Carina auf ihre Füße. Ramon bestellt Jennifer einen Gruß von René, und dass sie doch bitte zu ihm kommen möge. Scheinbar ohne den flehenden Blick von Carina zu bemerken, springt Jennifer auf und läuft mit einem fröhlichen “Bis nachher, dann!” davon.

Ramon wendet sich nun Carina zu. “Das war eine gute Idee, hierher zu gehen. Die Pflanzen und das Wasser hier haben eine heilsame Wirkung. Hast du das bemerkt?”

Carina starrt ihn an. Was hatte er gesagt? Sie war total verwirrt. Das ist Jennifer?! Und nun sie hier mit ihm? Was soll sie nur sagen? Wie alles erklären?

Da hört sie ihn sagen: “Meinst du nicht Carina, es ist Zeit, dass wir über all die Wirrnisse, die in dir entstanden sind, einmal reden? Wie wär`s, wenn wir heute nachholen, was ich schon gestern vorhatte?”  Heftig schüttelt Carina den Kopf.

“Ich möchte dir mein Zimmer zeigen, Carina. Was ist daran so schlimm?” Da weiß Carina sich keinen anderen Rat mehr, als ihm von dem zu erzählen, was sie von ihrer Zimmernachbarin erfahren hatte. Verständnisvoll hört er ihr zu und rät ihr schließlich, sich einmal umzudrehen. Wie groß ist da Carinas Erstaunen, als hinter ihr die gleiche Frau, die ihr gestern die furchtbaren Horrorgeschichten erzählt hat, neben ihrem Meister auf einer Decke liegt und fröhlich mit ihm lacht.

Damit beginnen sich an diesem Tag Carinas größte Sorgen zu klären. Nach vielem guten Zureden und dem Versprechen, ihr nicht zu nahe zu treten, begleitet Carina Ramon in sein Zimmer, wo sie ein liebevoll gedeckter Tisch mit Tee, Plätzchen und einer Schale voller duftender Früchte erwartet. In einem Sessel schräg gegenüber ihrem nimmt Ramon Platz und ermutigt sie geduldig, endlich mit ihm über all das zu reden, was ihr so große Sorgen bereitet.

Nach und nach rückt Carina mit all ihren Kümmernissen heraus. Als sie spürt, dass kein Spott, kein Ärger, nicht eine Spur von Groll von ihm ausgeht, wird sie nach und nach mutiger. Sie erzählt von ihrer Angst, ihn zu beleidigen, worauf er ihr sagt: “Carina, du kannst mich nicht verletzen! Du hast immer Sorge, meine Gunst zu verlieren, das wird aber niemals geschehen. Du musst nichts tun, um mich freundlich zu stimmen. Du könntest mir diese Plätzchen hier vor die Füße werfen, du kannst tun, was immer du willst, es wird an meiner Haltung zu dir nichts ändern.

Als sie sich bedanken will für seine Bemühungen, zu ihr so freundlich und nett zu sein, erklärt er ihr: “Ich bemühe mich nicht, ein liebevolles Verhalten zu dir an den Tag zu legen. Das alles kostet mich absolut keine Mühe und Anstrengung. Es ist leicht, denn es ist echt. Ich bin liebevoll. Alles, was Mühe kostet, ist unecht und damit nicht wirklich Liebe.”

Immer mutiger geworden erklärt Carina ihm schließlich gerade heraus: “Ich kann diese Liebe aber nicht annehmen, denn ich will kein sexuelles Beisammensein, und das gehört ja wohl bei Männern immer zur Liebe dazu!”

Lange reden sie über dieses Thema… Manches versteht Carina, manches noch nicht, aber sie fühlt immer deutlicher: All das, was er sagt, hat wirklich mit Liebe zu tun, mit einer viel tieferen, umfassenderen, größeren Liebe, als sie sich zur Zeit noch vorstellen kann.

Und schließlich gibt er ihr ein entlastendes Versprechen: “Ich werde dich niemals zum sexuellen Miteinander zwingen, Carina. Auch, wenn du diese Ausdrucksform der Liebe nicht zulässt, was ich übrigens nicht glaube, wirst du nach den 24 Wochen deiner Ausbildung nach Hause zur Erde zurückkehren. Carina, du bist frei zu tun und zu lassen, was du willst. Nichts, was geschieht, bedingungsloskann an meiner Liebe zu dir etwas ändern. Nichts und niemand kann dich von meiner Liebe trennen, nicht einmal du selbst. Egal, was du denkst, sagst oder tust, meine Haltung zu dir bleibt immer gleich. Aber das kannst du erst glauben, bzw. wissen, wenn du es oft und lange genug erfahren hast. Du hast es in den letzten Tagen bereits erlebt, und du wirst es weiterhin so erleben! Ich bin niemals wütend auf dich, böse, beleidigt oder was immer du befürchten magst. Und ich erwarte auch keinen Dank von dir, denn meine Haltung der Liebe tut mir selbst genauso gut, wie dir. Ich tue alles, was ich tue, aus Freude und Liebe, deshalb ist es leicht und mühelos. Indem ich liebevoll zu dir bin, erfreue ich mich selbst. Also, lass frohen Herzens alle Gedanken von Schuld und Undankbarkeit los. Du schuldest mir nichts, hast nichts versäumt, und ich werde von dir niemals etwas zurückfordern, denn alles, was unfreiwillig gegeben wird, täte weder dir noch mir gut. Liebe und Verpflichtung haben nichts miteinander zu tun.”

Dann nimmt er ihren Kopf sanft zwischen seine Hände und haucht einen Kuss so zart auf ihre Stirn, dass er sie kaum berührt.

Nach diesem Gespräch, das Carina entlastet und verwirrt zugleich, geht sie in ihr Zimmer und schreibt alles in ein Tagebuch, das sie heute beginnt. Auf die erste Seite schreibt sie:

Vielleicht ist ja alles ganz anders…

Lange sitzt sie da und schreibt sich alles von der Seele, was sie in den letzten Tagen erlebt hat: ihre großen Ängste, ihre Verwirrung, die vielen Missverständnisse, und schließlich ein leise aufflammendes Fünkchen von Hoffnung, Vertrauen und… ein ganz neues liebevolle Gefühl. Ja, kann das Liebe sein? Kann es wirklich Liebe sein, was sie da alles um sich herum erlebt? Und was ist dieses frohe, leichte Gefühl in ihr?

Als Carina abends im Bett liegt, erlebt sie zum ersten Mal ein ruhiges, fast friedvolles Gefühl und ertappt sich bei der Frage, ob Ramon wohl wieder käme, um ihr eine gute Nacht zu wünschen.

Kurz nachdem sie das gedacht hat, kommt er wirklich zu ihr, setzt sich an ihr Bett und sagt: “Ich freue mich, Carina, dass du mich zum ersten Mal mit einem Lächeln begrüßt, wenn ich in dein Zimmer komme. Es ist gut, wenn vor dem Einschlafen die Gemüter friedvoll und ruhig sind. Wenn du es möchtest, komme ich jeden Abend noch einmal zu dir, um dir eine gute Nacht zu wünschen. Und falls es noch etwas gibt, was dich beunruhigt, können wir das vor der Nachtruhe dann zumindest noch soweit klären, dass du beruhigt schlafen kannst. Was hältst du davon?” Carina nickt zustimmend.

Ganz kurz bevor ihr endgültig die Augen zufallen und sie einschläft, denkt sie noch: ‘Auf der Erde wäre morgen Nikolaustag, aber hier ist ja alles ganz anders. Schade…’

Morgen wird die Geschichte fortgesetzt und läuft voraussichtlich bis Weihnachten

Hier geht es zu allen bisher erschienenen Kapitel zu dieser Geschichte, die Joel Mari in der Advents- und Weihnachtszeit erzählt –> Eine utopische Heilungsreise (Märchen) 

41. Eine Fußmassage

Bei Joel:  Unbekannte Empfindungen 

Heute überraschte ihr Meister Mari mit einer Fußmassage. Mari genoss  seine wohltuenden Berührungen, sanften Streichungen und Dehnungen ihrer Füße und Drehungen der Fußgelenke  sehr und entspannte sich mit der Zeit immer mehr.
Als er sie dann fragte, ob sie bereit sei für eine kleine Herausforderung, und sie einverstanden war, gab er ihr einen leichten Kuss auf den großen Zeh, dem schließlich die anderen folgten.

Obwohl ihr diese zarten Berührungen körperlich gar nicht unangenehm waren, fühlte sich Mari dabei beklommen. Durfte sie das zulassen? Es fühlte sich irgendwie verboten an, als dürfe es nicht sein, es war… so ungewöhnlich, sich am Fuß küssen zu lassen. Sie erzählte das ihrem Meister, der sie immer wieder einmal fragte, wie es ihr mit dem ging, was er tat. So konnte er einschätzen, wann es genug für sie war. Das war der Fall, als er sein Gesicht an ihre Fußsohle legte und es nach einer kurzen Zeit auch bewegte.

„Das fühlt sich irgendwie so… so… seltsam verboten an – ich würde das gern beenden“, sagte sie leise, und er ließ daraufhin die Massage mit einigen wohltuenden Streichungen ausklingen.

„Wenn du jetzt einen Wunsch frei hättest, was würdest du dir wünschen?“ fragte er sie anschließend.

„Dass ich dieses Verbotsgefühl auflösen könnte. Damit ich das als schön empfinden kann und die Anspannung weicht, ständig in dem Konflikt zu sein, ob ich das zulassen darf oder nicht.“

„Immerhin hattest du schöne Momente, vielleicht können wir diese Stück für Stück ausweiten…“

„Weißt du…“ versuchte, sie ihm zu beschreiben, was in ihr vor ging,“… da ist so ein innerer Kampf, den ich gar nicht kämpfen möchte, der aber wie von selbst einfach geschieht. Und ich würde so gern in Frieden sein – zumindest mit dem was sich gut anfühlt…“

„Gut, dass du das wahrnimmst, Mari. Das Licht deines Bewusstseins darauf zu richten ist schon ein erster kraftvoller Schritt in eine gute Richtung.“

„Ich fühle mich so begrenzt und unmöglich damit, dass so vieles mir schwierige Gefühle macht,“ bekannte Mari traurig.

„Du solltest dich dafür nicht verurteilen, Mari. Nimm dich damit an, denn es hat seine Ursachen, und nur, was du annimmst, kannst sich irgendwann verändern. Und das geschieht fast von allein, wenn du es eine Weile bewusst in dir getragen hast – so wie ein Kind, das im Mutterleib wächst. Erfreue dich während dessen lieber daran, dass du schöne Momente hast. Schaue nicht auf das, was du heute noch nicht zulassen konntest, sondern auf das, was geklappt hat. Ich habe deine nackten Füße geküsst – und es hat dir gefallen. Ich finde: das ist doch etwas Schönes!
Ich weiß nicht, ob es dir auch möglich gewesen wäre, wenn ich es angekündigt hätte, aber so hast du dich darauf eingelassen, ohne zu wissen, was kam – und du konntest es ein Stück weit genießen.“

„Du hast mich ja vorher gefragt, ob ich bereit bin für eine kleine Herausforderung,“ bemerkte Mari, „das war ein sehr aufregender Moment. Ich finde es sehr gut, dass du mich das gefragt hast, bevor du es getan hast. So habe ich das Gefühl, nicht überrannt worden zu sein – und dass du trotz deiner Machtposition… hmm.. ich weiß nicht, wie ich es formulieren soll… Es tat mir jedenfalls gut in meinen vielen Ängsten und Unsicherheiten…. Ach Meister, würdest du mich umarmen?“

Joel zog sie sanft an sich, und als er sie dann in seinen Armen hielt, fragte er leise: „Was ist los, Mari?“

Sie antwortete: „Da ist ein Gefühl von Freude, dass es überwiegend schön war, aber auch Traurigkeit, dass ich dieses Verbotsgefühl in mir trage, und…“ Sie zögerte etwas, bevor sie weiter sprach…“Ich frage mich auch, ob du als mein Meister, nicht enttäuscht von mir warst eben, als ich dich eben bat, die ja gar nicht unangenehme Massage so unvermittelt zu beenden.“

„Nein, ich war nicht enttäuscht, denn du hast mehr zugelassen, als ich gedacht hätte. Es ist schade, dass du da ein Verbot spürst, aber Verbote kann man dann, wenn sie bewusst geworden sind, in Erlaubnisse verwandeln.“

„Das wünsche ich mir ja, aber diese Erlaubnis muss vom Kopf ins Gefühl wandern, es reicht nicht, wenn ich mir einfach nur denke, es ist okay…“

„Ja, das stimmt, und dabei helfen positive Erfahrungen. Deswegen habe ich für heute auch die Fußmassage beendet, denn ich hatte den Eindruck, ein wirklich gutes Gefühl, wäre ab diesem Zeitpunkt nicht mehr möglich gewesen. Du hattest für heute eine genügend tiefe Erfahrungsintensität. Aber bei einer weiteren Fußmassage kann dein Gefühl vielleicht schon mehr zulassen.“

„Und wenn es sich dann doch nicht anders anfühlt?“ fragte Mari leise. „Da kommt gerade wieder die Angst, dich zu enttäuschen.“

„Ich werde nicht enttäuscht sein, weil ich für keines unserer Spiele feste Erwartungen habe. Jedes Mal ist neu und einzigartig. Es kann auch sein, dass bei dem nächsten oder übernächsten Treffen plötzlich einmal etwas nicht geht, was vorher schon möglich war, denn an jedem Tag gibt es eine andere Grundstimmung. Deshalb setze ich nie irgendetwas voraus. Weißt du Mari, es kommt nicht auf das Erzielen von Ergebnissen an, sondern auf deine Bereitschaft, Erfahrungen zu machen und einfach nur wahrzunehmen, wie sie sich anfühlen und darüber mit mir zu kommunizieren. Ich werde dich darin unterstützen, alles anzunehmen, so wie es sich zeigt. Wenn etwas erstmal auf dem großen Kissen des Bewusstseins liegt und einfach dadurch, dass es „da“ ist, beleuchtet und liebevoll angeschaut werden kann, geschieht irgendwann ganz von allein heilende Veränderung.

Und fühlt es sich nicht auch für dich spannend an, immer wieder mal Neues zu probieren und auf diesem Weg vielleicht nach und nach die Erfahrung machen, dass sich deine inneren Verbotsschilder Stückchen für Stückchen nach hinten verschieben?“ Joel schaute sie fragend an.

Mari nickte: „Wegen dieser Sehnsucht nach Lebendigkeit habe ich mich glaube ich auch auf diesen Weg mit dir gemacht. Wenn sich nur nicht so vieles so „verboten“ anfühlen würde… Gerade kommt mir der Gedanke, dass es ist meine verinnerlichte Oma, die diese Verbote hinterlassen hat.“

„Deine Oma wusste eben leider nicht, was gut tut, aber deswegen musst du es dir nicht versagen, Mari“, antwortete Joel ermutigend.

„Ja, das ist schon klar, aber das sitzt eben irgendwie tief in den Zellen. Wahrscheinlich hast du recht, dass ich mir neue Erlaubnisse geben sollte und dass es dann um neue gute Erfahrungen geht.“

„Ich finde, es wird Zeit, selbst zu erkunden, was gut für dich ist. Dein Körper kann das viel besser entscheiden, als deine Oma. Hör auf das Empfinden, nicht auf die Stimme im Kopf.“

„Ja, das stimmt, manchmal merke ich allerdings gar nicht so schnell, wie sich das alles vermischt, aber durch deine Fragen heute, konnte ich da viel voneinander trennen.“

„Wir werden miteinander viel tun dafür, dass du dir erlaubst, dich gut zu fühlen. Das ist das Ziel, da wollen wir hin: dass du Dinge erlebst, die dir gefallen, die dich gut fühlen lassen, weil du dir das wert bist, Mari!“

„Ja, das ist ein schönes Ziel, ein wertvolles Ziel! Dafür gehe ich gern diesen Weg weiter.“

„Das klingt kraftvoll, Mari, und ich freue mich auf die nächste „Lektion in Wahrnehmen und Annehmen“.

„Joel, hab ganz lieben Dank, dass du diesen Weg mit mir gehst. Ich kann nicht sagen, dass ich mich auf die nächste Lektion nur freue, denn es ist immer beides: Freude und Anspannung, Herausforderung und schöne Lebendigkeit.“

„Mari, du warst heute wieder einmal bereit, etwas Neues auszuprobieren. Ich danke dir dafür!“

„Und ich danke dir für deine Umsicht und deine Geduld, und ganz besonders dafür, dass du mich vorher gefragt hast, ob ich überhaupt bereit bin für eine kleine Herausforderung, die zwar dann zur seltsamen Überraschung wurde, aber ich hatte vorher meine Bereitschaft gegeben – und das macht mir nicht das Gefühl, dass über meine Grenzen gegangen wurde.“

„Ich bin sehr froh, dass ich das tun durfte,“ lächelte Joel.

„Wie wäre es, wenn wir die neue Erfahrung mit einem Gläschen Wein begießen?“ fragte er

Mari nickte: „Gerne!“

Joel verließ das Zimmer mit den Worten „Das Spiel ist beendet“, und kam kurze Zeit später mit dem Wein zurück.
„Den wollte ich jetzt als Joel mit dir trinken,“ erklärte er. „Lass uns auf die angenehmen Empfindungen anstoßen, die da waren, und dass ihnen noch viele weitere folgen mögen!“

„Ja gern“ stimmte Mari zu und empfand ein ganz kleines Glücksgefühl…“

Dieses Kapitel wurde gemeinsam geschrieben von Rafael und Miriam

Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge

37. Hände verschmelzen – Umarmung genießen

Bei Mari – Fortsetzung von Wie durch eine besondere Art des Strafens Vertrauen wachsen kann

Mari und Joel, der für sie wieder die Rolle des Meisters angenommen hatte in ihrem jetzt gerade begonnenen Spiel saßen sich gegenüber.
„Bereit zu unserer Übung?“ frage Joel.

„Ja, Meister“, antwortete Mari entschlossen.

„Also, ich möchte, dass du gleich deine Hände in meine legst, deine Augen schließt und sie dann wieder öffnest, wenn du findest, dass es der geeignete Moment dafür ist. Okay, Mari?“

„Also irgendwann, wenn ich das so empfinde…“

„Du bestimmst den Moment, Mari.“

„Okay“, sie rutschte mit ihrem Stuhl noch etwas näher an Joel heran und legte ihre Hände in seine. Er nahm sie ganz sanft auf. Dadurch, dass sie die Augen geschlossen hatte, spürte sie seine Hände, die ihre behutsam und ohne Druck hielten, besonders deutlich. Das war ein angenehmes Gefühl… Fast war sie erstaunt über sich, wie gut sich das anfühlte. Und sie spürte auch, dass sie mit den geschlossenen Augen im Moment eine Art Unbefangenheit hatte, die es ihr leichter machte, die Wärme seiner Hände und das angenehme Gefühl, das sie dabei empfand, bewusst wahrzunehmen.
Diese ruhigen, Wärme ausstrahlenden Hände vermittelten ihr einen Eindruck von Sicherheit und Geborgenheit, von Schutz und Wärme…
Das Gefühl, das durch die Hände ausgelöst war, übertrug sich auf Maris gesamte Persönlichkeit. Es fühlt sich an, als würde er mich annehmen und halten – nicht nur meine Hände, sondern mich als ganze Mari, dachte sie.

Joels Atem ging ruhig und tief, sie konnte ihn hören und fühlen. Wie von selbst übernahm Mari seinen Atem-Rhythmus, und sie beide atmeten miteinander entspannt, langsam und in Ruhe. Als sie sich dessen gewahr wurde, sagte sie innerlich „Ja“ dazu und nahm ganz bewusst die Verbundenheit wahr, die durch die gehaltenen Hände und den gemeinsamen Atemrhythmus entstanden war. Ohne nachzudenken, gab sie sich ganz in diesem Moment hinein. Die Frage, wann sie die Augen wieder öffnen sollte, trat in den Hintergrund. Es war, als würden die Hände mteinander verschmelzen – sie spürte nicht mehr, wo ihre Hand aufhörte und seine anfing. Von Joel ging eine tiefe Ruhe aus, die sich auf sie übertrug.

Kurz drückte er ihre Hand ganz sanft etwas nur zusammen, nur um ihr mit diesem ganz minimalen Druck zu vermitteln, dass alles gut war, dass er sie ganz bewusst hielt und dies so lange andauern durfte, wie sie es entscheiden würden.

Diese besondere Art der Verbundenheit vermittelte Mari Geborgenheit und ein unendliches Wohlgefühl. Sie verlor jegliches Zeitgefühl und tauchte ein in ein Meer von Frieden, in dem sich ihr wundes Gemüt ausruhen konnte.

Wie lange verweilte sie bereits in diesem Meer von Frieden? Sie wusste es nicht…
Ein Gefühl tiefer Dankbarkeit über diese wertvolle Erfahrung durchströmte sie jetzt spürte sie den Impuls von innen, die Augen wieder zu öffnen.

Sie blickte auf Joel, der mit geschlossenen Augen ganz ruhig ihr gegenüber saß.
So schloß sie ihre Augfen noch einmal – es war so schön… Einen Moment lang wollte sie dieses weiche friedvolle Gefühl noch auskosten.
Als sie die Augen dann wieder öffnete, waren auch Joels Augen offen und er schaute sie sanft an.
Ihr Blick versank in seinen Augen und ihr wurde bewusst, dass sie heute den Blickkontakt halten konnte, ohne dass es ihr unbehaglich war, von ihm angeschaut zu werden.

Er lächelte ganz sanft und milde und nickte ihr anerkennend zu.

Spontan lächelte sie zurück.

„Das war wirklich sehr besonders, Mari“, sagte er leise zu ihr.

„Darf ich etwas sagen, Meister?“

„Das Spiel ist beendet“, jetzt darfst du alles sagen, fragen und tun, was du möchtest“, lachte Joel

„Da war zum ersten Mal ein Gefühl von wirklichem Vertrauen in mir, das entstand aber erst jetzt während du meine Hände hieltest, das war einfach so stützend, wärmend und schön… danke!“

„Ja, das habe ich gemerkt. Darüber freue ich mich. Und du hast nicht einfach nur an irgendeinen Moment die Augen geöffnet, sondern es war ein für uns beide total stimmiger und sehr kostbarer Moment“, bemerkte Joel.

„Ja, so habe ich es auch empfunden – als eine sehr kostbare Erfahrung… so als würden unsere Hände ineinander schmelzen, ich finde nicht die richtigen Worte, aber so ähnlich.

„Ja, es war ein unglaublicher Moment der Verbundenheit, weil uns das Vertrauen verband.“

„Ich möchte dir von Herzen danken, Joel, dass du diesen Weg mit mir gehst durch alle die Unebenheiten und mir immer wieder andere Gelegenheiten gibst, mich neu zu erfahren,“meinte Mari bewegt.

„Es war auch für mich eine sehr schöne Erfahrung, eine solche Verbundenheit zu spüren, Mari, so etwas gibt es nicht so oft,. Es war ein sehr schönes Erlebnis , ich danke dir!“

„Könnten wir uns jetzt noch einmal umarmen?“ fragte sie vorsichtig.

„Aber ja, gerne!“ Joel stand auf und breitete seine Arme aus, von denen Mari sich umfangen und halten ließ. Und sie genoss es – fühlte seine Nähe auf eine so wohltuende Weise, in einem Gefühl von Frieden , wie sie es vorher noch nie gehabt hatte. Diesmal flossen keine Tränen. Er atmete tief ein und drückte sie sanft an sich. Und noch einmal atmeten beide in einem gleichen Rhythmus, und während sie vorsichtig ihren Kopf bei ihm angelehnte, nahm sie seinen Herzschlag wahr. Wie gut diese Nähe tut, dachte Mari erstaunt… Gans sacht legte er seinen Kopf auf ihren, nur mit einem Hauch von Berührung, so dass sie die Position ganz leicht hätte ändern können, wenn sie das gewollt hätte – aber sie wollte es nicht!
Es ist schön, dachte sie und drückte ihn erstmalig auch ein bisschen an sich.

„Joel,“ flüsterte sie, „das ist so schön…“

An diesem Tag war für Mari eine Tür aufgegangen…

Dieses Kapitel wurde gemeinsam geschrieben von Rafael und Miriam.

Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge

35. Annehmen, was ist – der Nährboden für neue zarte Vertrauenspflänzchen


Bei Mari – ein Gespräch vor Beginn des Spiels über Vertrauen, auch bei möglichen Strafen 

Heute war Mari wieder einmal sehr nervös. Sie hatte einen schweren Traum von einer Bestrafungssituation gehabt, in der sie noch ein Kind war. Der erinnerte sie an eine etwas zurückliegende Sitzung mit Joel in einem ihrer Machtspiele, in denen er die Rolle eines Meisters für sie verkörperte. In diesem Spiel hatte es aufgrund einer  Regelübertretung zum ersten Mal eine Strafe für Mari gegeben hatte. Zugegeben – das war keine wirklich Strafe, eher ein leicht auszusprechendes Bekenntnis, aber seit dem wusste sie, dass weitere Sanktionen folgen würden.

Wie bisher jedes Mal war Joel in seiner Meisterrolle verständnisvoll, unterstützend und dennoch konsequent mit seiner Spielgefährtin, die die Rolle der Schülerin einnahm, umgegangen und hatte ihr erklärt, dass in ihrer besonderen Situation die Strafe dazu dienen sollte, ihr ein Gefühl von Ausgleich zu vermitteln und neue, gute Erfahrungen mit den kleinen Fehlern, die ihr hier unterliefen, zu machen. Als Kind hatte sie nach jeder kleinen Unachtsamkeit lange gelitten und hatte keine Ausgleichsmöglichkeiten bekommen und kein Wort, das ihr damals den Druck hätte nehmen können. Jetzt hier mit dem Meister konnte sie durch das Annehmen einer (von ihm sehr behutsam ausgewählten) Strafe dafür sorgen, dass sie nach ihrem „Fehltritt“ keinerlei Unzulänglichkeitsgefühle oder gar schlechtes Gewissen mit sich herum tragen mußte. Denn dies war eines der Relikte aus ihrer Kindheit, das sie am meisten belastete. Im Kopf hatte sie inzwischen einiges verstanden, das reichte aber nicht aus, um tiefgreifende Veränderungen zu bewirken, dazu bedurfte es wiederholter Erfahrungen, die sie mit ihre Sinnen erleben musste. Dazu sollten unter anderem diese Art sorgfältig ausgewählter Sanktionen dienen und, wie er hoffte, eine heilende Wirkung entfalten. 

Dennoch… als sie erfuhr, dass Regelübertretungen künftig diese Folgen trugen, steigerte sich ihre ängstliche Beklommenheit zunächst noch. Joel war allerdings zuversichtlich, dass sich das mit der Zeit geben würde, nachdem sie erste Erfahrungen mit seiner Art zu strafen gemacht hatte.

So kam es, dass Mari heute vor dem Besuch Joels noch nervöser war als sonst. 

Bevor er das Spiel begann, gab er ihr noch eine Gelegenheit anzusprechen, was sie belastete: „Möchtest du noch etwas loswerden, bevor wir starten, Mari?““

„Ich bin heute noch aufgeregter als sonst –  habe Angst, etwas falsch zu machen, aber ich glaube das weißt du schon…“, bekannte Mari leise.

„Warum hast du Angst, etwas falsch zu machen?“

„Weil mir das nun noch unangenehmer ist, seit ich weiß, dass ich dann von dir bestraft werde.“

„Aber das würde ja auch bedeuten, du hättest Angst vor mir. Habe ich dir jemand Anlass dafür gegeben?“

„Das ist ganz seltsam Joel, sobald das Spiel beginnt, habe ich nicht mehr das gleiche Gefühl zu dir, wie ich es davor oder danach habe. Die Autorität, die der Meister ausstrahlt, hat immer auch etwas leicht Beängstigendes für mich.“

„Hmm, ja ich weiß.  Sag  mal, hat der Meister eigentlich je etwas getan, das deine Angst rechtfertigt… etwas, vor dem du dich fürchten musst? Hat er nicht immer Verständnis und Augenmaß bewiesen und dich nie überfordert, Mari?“ fragte Joel ruhig.

„Er hat mir bisher nichts wirklich getan, das stimmt… Vielleicht liegt dieses Gefühl von Angst in seiner Rolle an sich und in der Ungewissheit der Aufgaben begründet“, überlegte Mari, „und dass es ab jetzt Strafen geben wird, das macht mir große Angst!“

„Ich bin ganz zuversichtlich, dass dein Vertrauen auch zu mir als Meister mit der Zeit wachsen wird.“ Joel lächelte Mari freundlich an.

„Es tut mir leid, Joel, dass mein Gefühl da nicht so hinterher kommt, wie es passend und gut wäre. Ich schäme mich, dass mein Vertrauen so dünn ist und dass ich oft so schwierige Gefühle habe“, bekannte Mari.

„Mari, dir braucht nichts leid zu tun, und erst recht brauchst du dich nicht zu schämen! Wir wissen beide, welche komplexen Hintergründe deine Ängste haben. Wenn es einfach wäre, bräuchten wir keine Spiele dafür!“

„Ich habe einfach Angst, dass das zu lange dauert bei mir und dass du genervt oder sauer werden könntest“, erklärte Mari. 

„Nein, ich bin nicht sauer und auch nicht genervt, überhaupt nicht, warum auch, du hast doch nichts Schlimmes getan, überhaupt nichts!“

„Na ich dachte, weil du ja Recht hast damit, dass der Meister bisher immer achtsam und angemessen mit mir und meinen Gefühlen umgegangen ist, hätte er mehr Vertrauen verdient! Ich kann es aber leider noch nicht so fühlen!“

„Aber Mari, deswegen gibt es den Meister doch überhaupt, weil dir das Vertrauen schwer fällt und du es mit ihm üben möchtest.“

 Mari musste ein bisschen lachen, „ja, so gesehen hast du schon Recht…“

„Siehst du…“ herzhaft stimmte Joel in ihr Lachen mit ein,

Dankbar nickte Mari
Er ist nicht ungeduldig oder gar sauer, weil mir das mit dem Vertrauen noch nicht so gelingt,
 dachte sie befreit. 
Es war so wohltuend, dass Joel sie so annehmen konnte wie sie war.  Nur so konnte das zarte Pflänzchen des Vertrauens langsam wachsen…

Sein freundliches Annehmen war der Nährboden für das Gedeihen des bereits vorhandenen, noch sehr zarten Vertrauenspflänzchens und derer, die noch hinzu kommen würden…

Dieses Kapitel wurde gemeinsam geschrieben von Rafael und Miriam

Zum nächsten Kapitel: –> 36. Wie durch eine besondere Art des „Strafens“ Vertrauen wachsen kann

Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge

 

24. Ambivalenz gehört zum Menschsein

Bei Joel – Achterbahn-Gefühle

An diesem Abend war Mari besonders aufgeregt. Was würde heute geschehen? Sie war bei dem voran gegangenen Treffen gefragt worden, ob ihr vor etlichen Wochen geäußerter Wunsch, ihre Angst  und vor Männern und vor erotischer Nähe abzubauen immer noch gültig sei. Sie hatte in sich hinein gespürt und wahrgenommen, dass sie diesen Weg sogar mit all der Angst, die damit verbunden war, weitergehen wollte – diesen Weg, der mit Spielen von liebevoll ausgeüber Macht gepflastert war – in denen Joel eine charismatische Meistergestalt einnahm.

Heute fand sie beim Eintreten ins Wohnzimmer zwei sich gegenüber stehende Stühle vor, und Joel erklärte ihr: „Ich dachte mir, heute redest du einmal nur mit dem Meister – ganz ohne irgendeine Aktion oder Aufgabe“ , sagte er und legt die Hände auf die Lehne des einen Stuhls. Mari war erleichtert. Also heute würde die Herausforderung noch nicht allzu groß werden… Sie war Joel dankbar, dass er ihr das schon vor dem Spiel sagte, so konnte sie jetzt etwas entspannter an dieses Gespräch mit dem Meister heran gehen.

Joel lächelte Mari an: „Setz dich auf einen der beiden Stühle, Mari, das Spiel beginnt.“

Mari nahm ihrem Meister gegenüber Platz. Dieser lehnte sich entspannt zurück, schlug die Beine übereinander und schaute Mari freundlich an. 

Wie meistens fiel es Mari schwer, das Schweigen auszuhalten. Würde er doch zu reden anfangen, das Schweigen ist so unbehaglich, dachte sie…

Sie musste nicht lange warten. Er eröffnete das Gespräch rückblickend auf das letzte Treffen mit den Worten: „Ich habe mich sehr über dein Ja in unserer letzten Sitzung gefreut!“

„Danke, dass du das sagst, allerdings ist es mir nicht ganz leicht gefallen“, bekannte sie leise.

Das glaube ich! Deshalb hat es mich um so mehr gefreut, weil ich weiß, dass es ein großer Schritt war.“

Mari freute sich über sein Verständnis und die Anerkennung. „Danke für dein Verständnis, Meister!“

Mit welchem Gedanken, bist du heute gekommen?“ fragte er sie, beugte sich etwas vor und lächelte sie ermutigend an.

Sie erzählte ihm von ihrer Angst, dass die Herausforderungen nach dem letzten Gespräch nun intensiver werden würden und sie die vor ihr liegenden Schritte, die sie näher an den Bereich der Erotik führen würden, fürchtete, obwohl sie sich das ja auch wünschte…

„Bisher sind wir doch mit kleinen, behutsamen Schritten vorwärts gegangen, oder?“

Mari nickte, ja das stimmte, und dennoch waren ihr selbst diese manchmal schwer gefallen.

„Warum sollte sich das künftig ändern?“ fragte er freundlich.

„Na, ich dachte, wenn jetzt diese Frage ausgesprochen wird , dann ist das wie…wie… als wenn jetzt die Hürden größer werden sollen, als würden ab jetzt Anforderungen kommen, die dadurch dass sie noch viel stärker in diese erotische Richtung gehen, für mich noch schwieriger werden, und es war bisher schon nicht leicht!“

„Nein, ich weiß, dass es nicht leicht war für dich, und ich möchte dir sagen, dass ich beeindruckt bin, wie du bisher deine Schritte gegangen bist! Ich werde darauf achten, dass – gerade auch wenn es in Richtung Erotik geht – die Schrittchen schön klein bleiben und möglichst immer machbar sind. Und wenn etwas nicht so geht, dann sagst du es mir und ich finde eine Alternative – so lange bis es geht. Na, wie klingt das?“

„Ich danke dir, für deine Zusage, und dass du das gemerkt hast, dass vieles nicht leicht war… Ich komme mir immer so dämlich dabei vor, wenn ich wieder Angst bekomme, obwohl ich es besser wissen müsste, aber das verselbstständigt sich dann immer irgendwie, da habe ich kaum Einfluss drauf“, erklärte Mari
 
„Du solltest nicht so streng mit dir sein Mari, ich finde es völlig ausreichend, wenn ich „streng“ mit dir bin“, sagt er mit einem lächelnden Augenzwinkern und malte zwei Gänsefüßchen in die Luft.
 
„Ich wollte dir ja nur erklären, was in mir vorgeht, eigentlich bin ich nicht streng zu mir, sondern eher manchmal verzweifelt“, erklärte sie traurig.
 
„Du hast dich gerade dämlich genannt“, machte er ihr bewusst, „das ist kein liebevoller Umgang mit dir selbst. Das wichtigste ist, dass du einen liebevollen Umgang mit dir findest, nur dann kannst du auch gut den liebevollen Umgang anderer annehmen.“
 
Betroffen schaute Marie auf den Teppich. Ja, damit hatte der Meister recht. Das war ihr gar nicht aufgefallen, und sie sagte: „Danke, dass du mich darauf aufmerksam machst.“
 
„Ich finde, du solltest dich bei dir selbst entschuldigen, Mari. Sei sanft mit dir und nimm dich mit allem, was du fühlst, liebevoll an.“

Obwohl sich das seltsam anfühlte, sprach Mari mit sich selbst: „Entschuldige Mari, es tut mir leid, dass ich dich gerade dämlich genannt habe. Ich meinte das eigentlich gar nicht so und will künftig besser darauf aufpassen, wie ich mit spreche.“

Bestätigend nickte Joel ihr zu. „Das war gut und wichtig!  Du hast dich gerade selbst verletzt, und auch wenn es sich etwas seltsam anfühlt, sich bei sich selbst zu entschuldigen, hilft dann. Denn so kannst du es gleich wieder ausgleichen. 
Du solltest stolz auf dich sein, Mari, auf deinen Mut, und deine Entschlossenheit! Kannst du mir sagen, dass du mutig bist?“

Obwohl es ihr etwas schwer fiel, sprach sie es aus: „Ja, Meister ich bin mutig“

„Das ist viel hilfreicher, als wenn du dich herab würdigst. Da ist doch Energie drin!“ lobte er sie.

„Danke, Meister, ich weiß, Mut ist nötig, wenn man eine Angst auflösen will, und da ich jedoch nicht fühlen kann, dass ich mutig bin, muss ich es mir eben immer wieder einmal sagen.
 
Fühlst du es nicht? Fühlst du nicht die Kraft in dir? Die Kraft die dich neulich hat Ja sagen lassen, die Kraft die dich heute hier her geführt hat?“
 
Mari überlegte und suchte nach Kraftmomenten… Schließlich meinte sie: „Neulich konnte ich die Kraft für einen Moment spüren, kurz bevor ich ja gesagt habe, heute habe ich wieder mehr die Angst gespürt auf dem Weg hierher…“
 
„Aber du bist den Weg gegangen!“ Also war die Kraft größer als die Angst! Und auch der Mut war größer als die Angst! Das verdient Anerkennung – auch von dir!“
 
Mari überlegte… „Das ist seltsam, klingt logisch, und dennoch fühle ich diese Kraft eigentlich gar nicht so bewusst. Aber sie mussja da sein, sonst wäre ich nicht hergekommen… Da hast du recht!  Was könnte ich nur tun um sie stärker spüren zu können?“
 
„Nun, zunächst solltest du dir bewusst machen, wie viele Entscheidungen du triffst und bereits getroffen hast, zu denen Mut gebraucht wird, und sie auf diese Weise aufmerksam wahrnehmen.
In dir steckt ein großer Wunsch, eine tiefe Sehnsucht, ein zentrales Bedürfnis, und das verleiht eine sehr große Kraft. Daran solltest du denken, wenn du dich schwach fühlst… und an all die Dinge, die du schon getan hast, von denen du gedacht hast, du könntest es nicht. Auch hier steckt so viel Kraft drin, so viel Entschlossenheit!“
 
„Okay, ich werde versuchen daran zu denken, wenn ich wieder Angst bekomme.“
 
Also, mutige Mari, was ist eine positive Erinnerung, wenn du an Erotik denkst?“

Uff! Mari überlegte… das war ja gerade das Problem, dass sie bisher kaum positiven Erfahrungen damit gemacht hatte… aber… 
„Hmm, ich kann es als schön empfinden wenn ich mich selbst berühre“, bekannte sie. „Ich glaube das ist auch was, was zum Thema Erotik dazu gehört, obwohl es mir sehr peinlich ist, das auszusprechen.“
Oh ja, das gehört dazu,“ bestätige ihr Meister, „und das ist nichts Peinliches! Du sagtest, du kannst es als schön empfinden, Was meinst du damit genau, Mari“

Na, das sind angenehme Gefühle – Gefühle, die sich lebendig anfühlen – und ich bin dabei frei , und keinem Mann ausgeliefert!“ Marie rutschte auf ihrem Stuhl hin und her und fühlte sich  unbehaglich.

„Und doch möchtest du diese Gefühle auch mit einem Mann erleben, einem Mann, der dominant ist“, stellte ihr Meister lächelnd in den Raum.
 
„Ich weiß, das ist ein Widerspruch, und dennoch ist es so. Das ist ja das Verrückte, das ich selbst nicht verstehe: Vielleicht möchte ich das auch nicht, vielleicht möchte ich diese Führung nur in anderen Themen erleben – so wie bisher. Manchmal ist ja in der Fantasie etwas ganz anders als in Wirklichkeit…
 
Wenn du diesen Widerspruch benennst – wie fühlt sich das für dich an?“
 
„Als sei etwas mit mir nicht in Ordnung. Wie kann ich etwas wollen und gleichzeitig nicht wollen?!“
 
„Nun, wann immer du feststellst, dass du es nicht möchtest, bitte ich dich, es mir zu sagen.“
 
Da bin ich erstaunt, das sagst du mir??? Das darf ich? Innerhalb dieser Spiele?“
 
Ja, Mari., das darfst du! Ich möchte dich führen und dich nicht zu etwas zwingen. Und was deinen inneren Widerspruch anbelangt…“
 
Marie kamen die Tränen vor Erleichterung. Diese Worte berührten sie tief.
 
Ich erwarte von dir zwar eine Form von Unterwerfung, sonst hätte unser Miteinander hier im Aspekt der von dir gewünschten Machtspiele ja keinen Sinn, aber nur bis dorthin, wie weit du gehen willst und kannst.“ 
 
„Danke Meister, ich werde mein Bestes tun!“
 
„Das weiß ich, und das spüre ich, Mari.“ Joel lächelte, „Und was nun diesen von dir angesprochenen Widerspruch anbelangt – ach weißt du, Mari… schon der alte Goethe wusste um die zwei Herzen in der Brust. Ambivalenz ist etwas ganz Menschliches. Hilfreich ist es, wenn man sich der verschiedenen Stimmen in sich selbst bewusst ist und beide Seiten annimmt, sie im besten Fall als die gegensätzlichen Pole eines gemeinsamen Themas ansieht.“
 
Maris Augen wurden heller. „Das tut ja vielleicht gerade gut!!! Wenn es mir so geht wie Goethe kann ich ja gar nicht so verkehrt sein. Dieser Widerspruch in mir zwischen Angst vor Autorität und gleichzeitiger Affinität dorthin begleitet mich tatsächlich schon seit meiner Kindheit, und ich habe oft gedacht mit mir stimmt irgendetwas nicht… Dieses Macht-Thema hat mich nie losgelassen.“
 
„Viele sehen in der Macht auch eine besondere Form von Erotik. Es ist folglich verständlich, dass auch für dich hier eine Verbindung besteht. Wie die aussieht, das werden wir gemeinsam herausfinden.“
 
Bei diesen Worten spürte Mari wieder deutlich, wie sich die Seite der angstvollen Aufregung meldete und ihr fiel nichts ein, was sie darauf sagen konnte.
 
„Ich freue mich drauf! Und das Spiel ist jetzt beendet“, sagte Joel lächelnd.

Mari atmete auf. „Ich fühle mich wie in der Achterbahn, Joel!“

Wie viel leichter es sich doch für sie anfühlte, mit Joel außerhalb der Meisterrolle zu sprechen. Und dennoch… sie hätte es vermisst, dem Meister, der er für sie verkörperte, nicht mehr zu begegnen.

„Und fühlt sich das eher angenehm oder eher unangenehm für dich an?“
 
„Weder noch, irgendwo dazwischen… ziemlich lebendig einerseits und beängstigend andererseits“, antwortete sie. „Ach, Joel, könntest du mich vielleicht, wenn du das auch magst, mal in den Arm nehmen?“
 
Joel lächelte: „Das mache ich liebend gern!“ Er stand auf und umarmte sie.
„Hmm, Mari, gönne dir ruhig das Lebendig-sein. Das ist doch etwas sehr Wertvolles!“
 
Marie hielt sich einen Moment ganz fest an Joel, so als wenn sie gerade in dieser Achterbahn saß, und etwas zum festhalten brauchte. Und er hielt sie ganz fest, um ihr den Halt zu geben, den sie jetzt brauchte…
 
Geschrieben von Rafael und Miriam – vielen Dank für die gute Zusammenarbeit! 

–>  Zum nächsten Kapitel:   25. Bei Angst um eine Umarmung bitten

 
 

 Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge

 
 
 

19. Bewegt und gehalten von den Händen des Lebens – geborgen in der Umarmung von Joel

Bei Joel –  eine Sehnsucht erfüllt sich

Mari fiel auf, dass Joel sie in letzter Zeit vermehrt zu sich gebeten hatte, um den Raum für ihre Spiele, in denen er die Rolle des Meisters für sie verkörperte, nach seinen Plänen vorbereiten zu können. Auch heute ging sie wie bisher jedes Mal mit Aufregung zu ihm.

Obwohl sie bisher jedes Mal die Erfahrung gemacht hatte, dass er wohlwollend und achtsam mit ihr umging in den Spielen und Ritualen, in denen er sie wie verabredet ins Ungewisse schickte und sie nicht wissen ließ, was er mit ihr vorhatte, war sie jedes Mal zu Beginn nervös. Ja, es fiel ihr auf, dass sich ihr Stresspegel ein wenig gesenkt hatte inzwischen – das war allerdings keine wesentliche Veränderung, dachte sie gerade.
Was würde sie heute erwarten.

Nachdem Joel sie nach ihrem Befinden gefragt hatte und sie Gelegenheit hatte, ein wenig über ihre Befangenheit zu sprechen, erklärte er ihr bevor das Spiel begann – und das tat er sonst nie –  dass er an diesem Abend eine schöne, leichte Übung für sie vorgesehen habe.

Tief atmete sie aus. Ihre Aufregung legte sich. 
Das Spiel begann.

Er bat sie, sich bequem hinzusetzen und ihre linke Hand in seine Hände zu legen, und mit geschlossenen Augen ihre ganze Aufmerksamkeit auf diese Hand zu richten. Die Hand sei jetzt ihre Persönlichkeit, und seine Hände, die ihre Hand hielten seien symbolisch das Leben.

„Nun fühle einfache, Mari, wie das Leben – verkörpert durch meine Hände – mit dir umgeht…“

Und sie stellte fest: Das Leben ging sehr sanft und behutsam mit ihr um. Es fühlte sich angenehm, warm und geborgen an in Joels Händen. Als die Übung dem Ende zuging hatte sie sich ganz entspannt und folgte mit wachem Interesse seinen streichelnden, sanft biegenden, behutsamen und sicheren Bewegungen. Froh stellte sie fest, dass diese Übung tatsächlich schön und vor allem leicht war.

Nachdem sie darüber geredet hatten, wie sie sich gefühlt hatte dabei, wollte Joel die gleiche Übung noch einmal machen. Wieder verkörperten seine Hände das Leben, während Mari dieses Mal ihre Aufmerksamkeit auf ihren Kopf richten sollte. Wie würden die Hände, die das Leben verkörperten, nun wohl mit ihrem Kopf umgehen?

Wieder waren sie sanft und sicher, mal mit etwas mehr Druck, mal ganz zart. Mari versuchte, ihren Kopf ganz weich, locker und biegsam zu halten und fragte sich, ob sie es wohl so richtig machte, aber sie stellte die Frage nicht laut.

Schließlich begann sie die Übung zu genießen. Es tat so gut, ihren heißen schweren Kopf mit all den Gedanken einfach abzulegen in die Hände des Lebens. Schließlich dachte sie auch nicht mehr darüber nach, ob sie es richtig machte oder nicht. Besonders genoss sie es, wenn die Hände an manchen Stellen etwas mehr Druck ausübten. Wenn die Hände für das Leben standen, war es dann nicht merkwürdig, dass sie einen gewissen Druck als angenehm empfand?

Als das Spiel beendet war, redete sie mit Joel darüber, wie seltsam sie es fand, dass eine gewisse Art von Druck ihr gut getan hatte.

Auf seine Frage, ob sie eine Idee hätte, was es war, was ihr an diesem Druck gut getan hatte,  gelangte sie zu der Antwort, dass der Druck der Hände, der absolut passend dosiert war, der ihre Hand auch manchmal nach links oder rechts, nach oben oder unten geführt hatte, irgendwie richtungsweisend und damit wohltuend war. Es war wie ein Tanz, in dem Joels Hand ihre Hand geführt hatte und sie sich führen ließ.

Dann kam ihr der Gedanke:
Zeigte nicht auch das Leben manchmal deutlich durch Zufälligkeiten und Zeichen, wo es sie hinhaben wollte, in welche Richtung sie sich bewegen sollte?
Ja oft gab es aus ihren Gefühlen und den vorhandenen Möglichkeiten heraus fast nur eine Richtung, in die es weiter führte…

Meistens empfand sie diese Phasen angenehmer als Zeiten, in denen sie sich orientierungslos und unklar fühlte.
Also war Druck gar nicht immer und grundsätzlich unangenehm!
Wow – diese neue Erkenntnis ließ ganz neue Gedanken- und Gefühlswege zu:

Fasziniert erzählte sie Joel von dieser neuen Erkenntnis.
Schließlich schloss sie dankbar:
„Heute habe ich mich richtig wohl gefühlt in unserem Spiel. Wenn du sonst den Meister verkörperst, ist immer eine gewisse Anspannung in mir… Danke, dass du es mir heute so leicht gemacht hast. Ich wünschte mir, du könntest diese Art der Energie und Stimmung öfter entstehen lassen. „

„Wenn ich das durchweg täte, würde ich nicht deinem ursprünglichen Wunsch folgen, Mari.
Du wolltest mit Macht und Ungewissheit konfrontiert werden, um daran Vertrauen zu üben.
Und du willst eine liebevolle Autorität spüren, in die du dich, wenn du schließlich mehr Vertrauen aufgebaut hast, regelrecht hinein fallen lassen kannst. Das bin ich gern für dich, doch ohne diese Ungewissheiten und die Eindeutigkeit und Klarheit in der Meisterrolle würdest du diese Haltung der Hingabe, nach der du dich sehnst, nicht in dir entwickeln können, jedenfalls dann nicht durch unsere Spiele und Rituale. Sicher würde das Leben dir dann andere Wege dafür zeigen. Möchtest du das?“

Ruhig und gelassen sah er sie an.

„Nein, Joel, ich möchte diesen Weg mit dir weiter gehen. Zu dir entwickle ich gerade Vertrauen.“
Ups – hatte sie das gerade gesagt?
Es sprach aus mir,
bemerkte sie erstaunt, eine Stimme, die ich bisher noch nicht so deutlich wahrgenommen habe…

„Das freut mich, Mari, dann gehen wir gemeinsam diesen Weg weiter. 
Auch ich möchte das gern!
Wenn die Ungewissheit und andere Gefühle mal wieder quälend heftig werden sollten, denke daran, dass sie das Tor bauen, durch das du gehen musst, um Vertrauen zu üben. Was auch kommt, es wird immer meine Absicht und mein Ziel sein, dass du dich gut aufgehoben fühlst – bei mir als Meister und als Joel, der dir schon ein Stück näher ist. Bestimmt kannst du mit der Zeit immer sicherer sein, dass es immer gut weiter geht – hier und im Leben überhaupt.“

Nach diesen Worten zog er das schwarz-bunte symbolische Gewand aus, das er immer trug, wenn er das Leben verkörperte und nahm Mari zum ersten Mal behutsam in die Arme… 
Wie leicht konnte sie diese Umarmung annehmen und sich in sie hinein fallen lassen… sie wunderte sich über sich selbst. Heute fühlte es sich so an, als wäre in ihr schon ein Stück Vertrauen gewachsen…
Vielleicht lag es auch daran, dass dieses Spiel so friedlich, so harmonisch gewesen war und sie sich dadurch leichter öffnen konnte…

Nach einigen wunderbaren Atemzügen wollte sie sich aus der Umarmung lösen, unabhängig von ihrem Bedürfnis, dass sie gern noch länger darin verweilt wäre. So tief verankert waren die alten Sätze ihrer Oma, niemals zu viel haben zu wollen, Maß halten zu müssen… 
Joel nahm jedoch ihr echtes Bedürfnis wahr und hielt sie weiterhin angenehm fest und sicher in seinen Armen.
Ein neues, entspanntes und wärmendes Glückgefühl durchströmte sie… 
Sie durfte… sie durfte verweilen in diesen Arme, die sie hielten…
Sie durfte ohne weiter nachzudenken einfach sein und diese Nähe spüren…

Sie fühlte sich in diesen kostbaren Minuten auf so wohltuende Weise gehalten und geborgen, wie sie es kaum für möglich gehalten hatte, aber sich tief innen wohl schon lange unbewusst danach gesehnt hatte.

Als sie anschließend anschließend bei Kaffee und Kuchen zusammen saßen, sagte Mari zu Joel: „So wie du mich vorhin umarmt und gehalten hast, das fand ich wunderschön – nicht nur so ganz kurz mal drücken, wie es sonst üblich ist, sondern so, dass ich mich da schließlich richtig reinfallen lassen konnte.“

„Na ja, lächelte Joel, „ich wollte dir vermitteln, dass du gehalten bist und die Möglichkeit hast, dich anzulehnen und fallen zu lassen. Ich fand es schön zu spüren, dass du die Umarmung angenommen und dich ganz hinein begeben hast.“

„Ich hatte in der Umarmung nach einem kleinen Weilchen Sorge, dass es zu viel werden könnte, und versuchte, mich ein bisschen zu lösen. Doch du hieltest mich einfach weiter fest…  und dann konnte ich mich noch tiefer da hinein fallen lassen.“

„Ich wollte nicht, dass du dich zurückziehst, weil du glaubst, es wäre zu viel für mich  – und ich war mir in diesem Fall sicher, dass du mir deutlich signalisieren würdest, wann du die Umarmung beenden wolltest. Und das hast du ja nach einem Weilchen auch getan.“

„Es ist schön, wie du mich ohne Worte verstanden hast… ich danke dir sehr, Joel!“

Zum nächsten Kapitel:  –>  20. Fehler und ihre Folgen

Zu allen Kapiteln der –> „Geschichte von Mari und ihrem Meister“ in chronologischer (wenn auch leider umgekehrter Reihenfolge, also das aktuellste ist vorn. Um an den Anfang zu gelangen nach unten scollen und auf ältere Beiträge gehen, das ganze drei oder vier mal… so kannst du die Geschichte wie ein Buch von vorn nach hinten lesen 🙂