Komm gut heim (Worte von IAM)

 

Maris innerer Meister („IAM“) flüstert ihr und uns von innen zu:

Mein Liebes,
du bist zart und stark zugleich.
In dir lebt Sehnsucht und Erfüllung,
Licht und Schatten,
Liebe und Angst.

Wenn deine Zartheit sich von deiner Stärke umarmt fühlt,glitzer_herzen_0030
die Sehnsucht in dein Herz geholt wird und dort Erfüllung findet,
wenn Licht und Schatten miteinander tanzen
und die Angst sich in die Liebe einkuschelt,
dann bist du zuhause.

Komm gut heim, mein Schatz.
Ich warte dort auf dich – immer…

Deine Königin, die Liebe tief in dir

104. Alles gehört dazu (Frank + Maria)

 Chat zwischen Maria und Frank am Folgetag, nachdem sie ein spontanes  Gespräch über ihre persönlichen Bedürfnisse geführt hatten und beschlossen hatten, sich weiterhin privat zu treffen 

Hallo Maria, hier ist Frank . Wir waren ja beim Du. Ich wollte mich noch bedanken für deine Offenheit, die du mir gestern geschenkt hast. Das fand ich toll.

Guten Morgen, Frank, schön von dir zu lesen. Ja, hat mich ehrlich gesagt auch ziemlich viel Mut und Überwindung gekostet

Dass manches Mut und Überwindung kostet, kenne ich von mir auch, aber danach ist es meist ein gutes Gefühl, oder?

Manchmal ja, Kommt auf das Thema und die Situation an. Wie ging es dir denn mit dem Gespräch gestern, das wir davor zu deiner Thematik hatten?

Sehr gut! Deine Art der Gesprächsführung und die Fragen, die du mir gestellt hast, haben mir gut getan und durch das Aussprechen meiner Gefühle ist mir manches klarer geworden.

Das freut mich sehr! Es ging mir umgekehrt mit dir so ähnlich, als wir von der therapeutischen Ebene auf die persönliche umgestiegen sind. Deine Art und Weise hat es mir leichter gemacht, über meine ja doch sehr persönlichen Dinge  mit dir zu reden.

Und ich fand es richtig gut, dass du mit mir anschließend noch auf so einer persönlichen Ebene  gesprochen hast und mir dieses Bedürfnis von dir anvertraut hast, was ja zu meinem passen würde.

Du Frank… Das fühlt sich noch so komisch an… Habe ich es richtig verstanden, dass du vorgeschlagen hast, dass wir beide uns beim nächsten Mal dann im privaten Kontext treffen wollen, meintest du das so?

Ja, das würde ich mir wünschen, völlig unabhängig von deiner beruflichen Rolle.

Ich wollte nur noch mal sicher gehen, ob ich das wirklich richtig verstanden habe und das nicht irgendein seltsames Missverständnis war. Weißt du, da gibt’s was in mir, das kann es noch eigentlich gar nicht glauben, dass ich gerade mit einem Mann darüber schreibe und gestern geredet habe, und dass daraus möglicherweise sogar etwas Reales werden könnte…

Lass es einfach erst einmal sacken, und wenn du dann bereit bist und dich mit dem Gedanken anfreunden kannst, es real an zu testen… das wäre der zweite Schritt. Das ist doch eine interessante Tür, die sich jetzt für uns beide geöffnet hat – egal wie weit sie sich öffnen wird und wohin sie auch führen mag…  Ich denke, der Austausch von Gedanken, Zielen, Wünschen und Richtungen ist nun wichtig.
Bist du denn in deine devote Seite schon mal zusammen mit einem anderen Menschen eingetaucht?

Nein, und es fällt mir auch ziemlich schwer, darüber überhaupt zu reden, deshalb gab es bisher dafür auch kein Gegenüber.

Dann ist wahrscheinlich das Schreiben zunächst leichter.

Ja, das kann sein

Ich denke du solltest, wenn du mal Zeit hast, dir in Ruhe überlegen, was dich interessiert. Welche Ideen du hast… reizvolle Vorstellungen und Dinge, die du vielleicht mal probieren möchtest. „Es ist ne Menge möglich, aber es wird keinen Druck geben!“ steht immer im Vordergrund. Erstmal ist der Austausch zwischen uns wichtig, um eine Linie zu entdecken.

Weißt du, so viele konkrete Ideen und Gedanken habe ich darüber nicht. Was mich vor allem an dem Thema fasziniert, ist die Möglichkeit, für ne begrenzte Zeit Verantwortung mal abgeben zu können, und dass ein anderer Mensch eine Art Führung übernimmt. Das verbal und auch körperlich zu spüren, ist irgendwie eine Sehnsucht von mir.

Kann ich nachvollziehen. Ich glaube diese Bereitschaft kann durch Schreiben auch vertieft werden, weil wir ja da auch Gedanken austauschen und spüren, wie wir so miteinander reden könnten. Gibt es Fantasien in dir dazu?

Nur ein paar wenige…

Das ist doch ein Anfang

Fällt mir schwer, darüber zu schreiben. Das fühlt sich alles irgendwie so an, als sollte ich so etwas gar nicht denken und mir vorstellen. Ich trage so viele Scham- und Peinlichkeitsgefühle in mir.

…Auch wertvolle Emotionen. Diese genau zu fühlen… das gehört dazu. Ist doch interessant, das Gefühl im Körper wahrzunehmen, es setzt ein Zeichen, da wo´s lang gehen soll, auch wenn es sich nicht immer leicht anfühlt. Es macht uns aber lebendig.

Manchmal wäre ich diese blockierenden Schamgefühle gern los. Sie stehen im Weg, wenn ich mich ja tatsächlich austauschen möchte.

Nein, nicht dagegen kämpfen, Maria. Alles was du und ich an Emotionen empfinden, gehört dazu.

alles_gehoert_dazu.
 

Das finde ich wirklich eine ganz tolle Basis, denn so denke ich normalerweise auch. Nur in diesem Bereich fällt es mir bei mir selber schwer. Es tut richtig gut, wenn mir das mal von außen bestätigt wird – so ganz persönlich für mich und meine Gefühle, die ich als nicht so leicht empfinde. Schön, dass du nicht genervt bist.

Nein, überhaupt nicht! Du kannst sicher sein, ich achte all deine Gefühle. Ist doch ein Vertrauensgeschenk, wenn du mir davon erzählst. Bin davon in keinster Weise genervt!
Und: Wir machen nur das, was beiden gut tut. Dafür brauchen wir allerdings offene Kommunikation – immer wieder.

Vielleicht fühlt sich das, was ich an Fantasie in meinem Kopf habe, in der Realität viel schwieriger noch an als im Kopf, und da fühlt es sich schon ziemlich unheimlich an.  Also… ich schreibe mal zwei Stichworte:  Verbundene Augen… Wehrlos sein, vielleicht gefesselt und dabei was Gutes erleben… Das sind immer mal so Bilder die ich im Kopf habe.
Was auch ein großer Wunsch, eine tiefe Sehnsucht in mir ist… ist es, ganz lange und innig festgehalten zu werden, das Gefühl zu haben, wirklich gehalten zu sein…

Du möchtest dadurch Sicherheit spüren und die Erfahrung machen, vertrauen zu können?

Ja, stimmt, mich in einer gefühlten unsicheren Situation so zu fühlen, dass ich spüre, vertrauen zu können
Und wenn ich in so eine ungewisse Situation käme, würde sicher erst einmal Angst hochkommen… und das wahrscheinlich ziemlich heftig!

Ja sicher wäre das ein Vorwagen – und Stolz sollte damit verbunden sein, wenn du dich traust, dich deiner Angst in kleinen Schritten zu stellen. Du kannst schon jetzt nach unserem heutigen Chat stolz auf dich sein, dass du dich getraut hast, dich ein Stück weit zu öffnen, obwohl ich dir ja noch ziemlich fremd bin. Dafür bedanke ich mich! So, jetzt sag ich mal tschüss für den Moment. Muss nun was tun. Fand deine Andeutungen sehr toll und mutig und denke, mit Vertrauen und Ruhe geht viel, was wir beide uns wünschen.

Ja Vertrauen und Ruhe, das fühlt sich gut an…

Das wird kommen.

Da bist du ja sehr zuversichtlich – vielleicht kannst du mir ja von dieser Zuversicht etwas abgeben. Danke für das Gespräch, Frank.

Sehr gerne! Ich danke dir auch, Maria.
Leider bin ich beruflich ab Montag für vier bis sechs Wochen weg und brauche dort meine gesamte Konzentration und Zeit für ein Projekt, das mir am Herzen liegt. Also wundere dich bitte nicht, wenn ich mich erst wieder melde, wenn ich wieder da bin.

Okay, danke für´s Bescheid geben! Alles Gute für diese Reise und dein Projekt!

Danke! Auch dir eine gute Zeit, Maria. Ich freue mich schon jetzt auf unser erstes privates Treffen – auch wenn es leider noch einige Wochen dauern wird!

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103. Wenn nicht jetzt – wann dann? (Frank + Maria)

In Marias Praxis – eine erstaunliche Begegnung  

Welch seltsamer Zufall, dachte Maria, und betrachtete unauffällig den Klienten, der heute zum ersten Mal bei ihr in der Praxis war.
Sie war ziemlich erstaunt, als sie die Tür geöffnet hatte und der Direktor der Firma, in der ihre Freundin Mari arbeitete, vor ihr stand, die sie gerade vor kurzem in der Mittagspause besucht hatte. Sie war schon öfter kurz zu einem kleinen Plausch dort bei ihr gewesen, und kannte daher den freundlichen Chef ihrer Freundin flüchtig.
Er sei aufgrund der Empfehlungen gekommen, die er im Haus schon von mehreren MitarbeiterInnen erhalten habe, erklärte er ihr.
Nach einigen einleitenden Worten  sprach er über seine innere Unruhe, Schlafschwierigkeiten und dann auch ziemlich offen über den von ihm erkannten Hintergrund dessen, nämlich seine Sehnsucht nach einer neuen Partnerschaft und über sein Bedürfnis, darin die dominante Rolle einzunehmen. Dafür eine passende Frau zu finden…  sei schwierig, erklärte er und kam damit zum Punkt dessen, was ihn zur Zeit belastete: seine Sehnsucht und seine Unklarheit, welchen Weg er zur Erfüllung seines Bedürfnisses, finden könnte.
Vorher hatte er von seiner verstorbenen Frau erzählt, mit der er eine wohl sehr erfüllende Beziehung geführt hatte, wo es auch um diese Rollenverteilung ging im Bereich der Erotik. Nach einer längeren Trauerzeit sei das Bedürfnis nach einer Partnerin, mit der er diese Rollenverteilung erneut ausleben könnte, wieder erwacht, und das würde ihn inzwischen mit Sehnsucht und Unruhe erfüllen, woraus nun  inzwischen auch Schlafschwierigkeiten entstanden seien. Es fehle ihm die Möglichkeit, seine Liebe und Wärme in einer für ihn stimmigen Weise zum Ausdruck zu bringen.

Er grenzt sich deutlich ab von der Härte, die ich bisher mit dem Wort Dominanz assoziiert habe, nahm Maria interessiert wahr. Der Gedanke verdichtete sich in ihr, dass dieser Mann eventuell zu ihren eigenen, bisher nie gelebten, Bedürfnissen passen könnte. Aber das konnte sie in ihrer Rolle als Therapeutin natürlich nicht ansprechen.

Das ist etwas rein Privates! mahnte eine Stimme in ihr.
Aber wie oft geschehen schon solche Zufälle… gab eine andere Stimme in ihr zu bedenken.
Haustür-Mut_Möglicherweise hat das Leben mir genau diese Situation geschickt nach meinem Gespräch neulich mit Mari, in dem ich meine Bedürfnisse und Ängste diesbezüglich so deutlich gespürt hatte, überlegte sie weiter.
Ob ich mich trauen sollte, an diese Tür anzuklopfen, die sich da gerade in meinen Weg stellt?
Das kannst du auf keinen Fall tun,
rief wieder die zur Vorsicht mahnende Stimme sie zur Ordnung.
Aber wenn nicht jetzt, in dieser speziellen Situation, in der ich sicher bin hier bei mir… wann dann?
Wann klopft schon jemand ungerufen an die Tür und spricht von dem. was du auch irgendwie willst!!!
flüsterte wieder eine besonders mutige Stimme in ihr. Was soll noch geschehen, als dass ein netter Mann mit diesem Thema direkt in deine Praxis gelaufen kommt?!

Schließlich hörte sie sich am Ende der Sitzung fragen: „Frank, hättest du Lust, anschließend an diese Sitzung unabhängig von meiner Rolle als Therapeutin noch ein wenig zu bleiben und mit mir privat zu reden?“

Ihr Herz klopfte heftig… Wie konnte sie nur so eine grenzüberschreitende Frage stellen!
Du verlässt die professionelle Ebene! mahnte die kritische Stimme in ihr.
In ihr Gedankenkarussell hinein antwortete er gelassen, wenn auch scheinbar ein wenig verwundert: „Ja gerne!“ Und setzte sich abwartend wieder hin.
Maria nahm all ihren Mut zusammen: „Also wir sprachen ja vorhin davon, dass manchmal auch seltsame Zufälle geschehen können, die zu einer inneren Absicht passen, als würde etwas, was einem wichtig ist, fast von allein passieren, als würde es einen das Leben zufallen lassen… „
Frank schaute sie aufmerksam an, nickte bestätigend und hörte weiter zu.
„…So ein Zufall scheint sich gerade  zu ereignen… weil… Ich habe zu dem Thema auch eine Affinität – nur zu der entgegengesetzten Rolle. Allerdings habe ich das bisher noch nicht mit einem Mann auch nur ansatzweise erlebt. Hätte mich auch nicht getraut, diesbezüglich eine Initiative zu ergreifen, jemanden kennen zu lernen.“
Frank nickte bestätigend: „Das kann ich gut verstehen, ist mir ja auch schwer gefallen. Wie schön, dass dich diese Thematik auch reizt und dass du dich getraut hast, die professionelle Ebene zu verlassen und mit mir auf der privaten Ebene jetzt darüber zu reden. Das finde ich mutig von dir. Toll! Dann sollten wir uns vielleicht das nächste Mal privat treffen? Mal ein bisschen darüber reden, was für dich so denkbar wäre und wo deine Bedürfnisse und Sehnsüchte hingehen könnten?“
„Ehrlich gesagt ist das ein Thema, worüber es mir sehr schwer fällt zu reden. Da gibt es sehr viele Schamgefühle in mir… eigentlich überhaupt im Bereich der Erotik. Und auch das ist mir peinlich auszusprechen…“ Ihre Augen wanderten unruhig im Zimmer umher.
„Das muss dir aber nicht peinlich sein“, antwortete Frank ruhig. „Das geht anfangs den meisten Menschen so. Vielleicht würde es dir leichter fallen, wenn wir erst mal ein wenig darüber schreiben würden? Da sieht man den anderen nicht und kann in Ruhe überlegen, wie man was formulieren möchte. Und dann, wenn wir uns über die ersten Dinge etwas verständigt haben, verabreden wir uns zu einem persönlichen Treffen, in dem es darum gehen könnte, es mal leicht an zu testen, wie du dich dabei fühlst… ob es was für dich wäre… zusammen mit mir… und überhaupt mit dem Thema umzugehen…“

Erstaunt und erfreut nahm Maria wahr, wie gelassen, wie akzeptierend, wie einfühlsam und wie kleinschrittig dieser Mann mit dem umging, was ihr gerade so schwer gefallen war auszusprechen. Es war, als würden sich jetzt die Rollen umkehren. Er sprach in einer annehmenden, nicht urteilenden Weise mit ihr, die ihr gut tat, und die ähnlich war, wie die Art, mit der sie sonst mit ihren Klienten sprach. Ein solches Gegenüber könnte ihr in diesem für sie so herausfordernden Thema, in dem sie es mit ihren  eigenen Schatten zu tun hatte, wahrscheinlich gut tun…

„Okay – das könnte ein guter Weg sein. Wir haben ja unsere Kontaktdaten und können das per Chat probieren…“ stimmte sie zu und konnte für den Rest des Tages nicht fassen, welchen Schritt sie getan hatte, und was dadurch möglicherweise an diesem Tag begonnen haben könnte…

Frank lächelte noch, als er schon lange wieder die Praxis verlassen hatte… Das Leben hatte ihn zu Maria geführt – ausgelöst durch das Gespräch zwischen ihr und ihrer Freundin, das er vor ein paar Tagen ungewollt mit angehört hatte.
Er war heute von ihr als freundliche, erfahrene Therapeutin begrüßt worden, die das Gespräch mit ihm auf empathische, gut strukturierte Weise geführt hatte. Und als leicht verlegene, etwas unsichere Frau, die sich mutig vorgewagt hatte, indem sie ihre sichere professionelle Ebene verlassen hatte, mit der er das Gespräch auf seine Weise ebenso einfühlsam fortgesetzt hatte, verließ er sie.
Welche Schritte würde das Leben wohl mit ihnen beiden vorhaben?

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102. Ein Gespräch zwischen Freundinnen über Träume und Hindernisse (Mari + Maria)

Mittagspause in Maris Büro: Gespräch zwischen Mari und ihrer Freundin Maria

Mari:
Kaffeetasse1Wie schön, dass du mich in der Mittagspause besuchst, Maria. Magst du auch einen Kaffee?

Maria:
Gern! Na, ich wollt doch mal hören, wie es dir geht. Was machen deine Erlebnisse mit Joel? Immer noch alles im grünen Bereich?

Mari:
Hm ja! Stell dir vor, er hat mich mit einer Wochenendreise überrascht. Ich bin immer wieder froh, dass ich mich damals trotz aller Unsicherheitsgefühle darauf eingelassen habe, mit ihm meine Fantasien real werden zu lassen.
Und wie geht´s dir? Was machen denn deine bewegten Träume, wo du dich immer so in ausgelieferten Situationen wiederfindest? Hat sich das beruhigt? Kannst Du inzwischen besser schlafen?

Maria :
Nee, nicht wirklich, ich wache immer wieder mit den seltsamen Bildern im Kopf auf.

Mari:
Vielleicht solltest du sehen, ob du jemanden findest, mit dem du das verwirklichen kannst!

Maria:
Du weißt doch, dass ich mir das überhaupt nicht vorstellen kann bei meiner Geschichte und meinen vielen Schamgrenzen, den Angstgefühlen und Barrieren, die ich habe.  Ich hab dir ja von meinen Schwierigkeiten mit dem Ausziehen erzählt… Ich hab schon so lange keine intime Beziehung gehabt… Weißt du mit meiner Unsicherheit und den vielen Peinlichkeitsgefühle… So brauche ich erst gar nicht anzufangen. 

Mari:
Ich versteh dich ja, aber schau, bei mir war es ja ähnlich bis ich auf Joel traf. Es gibt eben auch nette Männer, die damit umgehen können…

Maria:
Ja, nett und freundlich sollte er schon sein… hm…  aber ich bräuchte, damit es überhaupt gehen könnte,    einen Mann, der im erotischen Bereich irgendwie die Führung übernimmt, jedoch nicht hart und heftig, sondern auf eine sanft Weise.

Mari:
Klar! Ich versteh dich total!

Maria:
Na und über meine Fantasien und den Reiz, der bei mir entsteht, wenn ich mir vorstelle, hilflos zu sein, nichts kontrollieren zu  können, nicht zu wissen was kommt… kann ich sowieso mit keinem sprechen, außer mit dir. Das ist einfach ein Tabu-Thema.

Mari:
Aber vielleicht wäre es doch gut und du könntest besser schlafen, wenn du es mal versuchen würdest, es wenigstens zu einem kleinen Teil real auszuleben. Klar – einen Mann mit der passenden Balance zu finden, ist nicht ganz leicht… Aber du weißt ja, nichts ist unmöglich, wenn es sein soll… Und mein Gefühl ist, das verdichtet sich bei dir.

Maria:
Ich könnte mir nicht vorstellen, mit einem Mann darüber überhaupt zu reden… Das wär mir so was von peinlich!
Und selbst wenn mir das gelingen würde… wenn jemand an diesem Thema interessiert ist, dann ginge das bestimmt wesentlich härter zur Sache, und das passt für mich gar nicht.

Mari:
Manchmal passieren die seltsamsten Sachen….
Hast du denn überhaupt Lust darauf, Berührungen und körperliche Nähe zu spüren?

Maria:
Ja, die hab ich!  Hab schon Sehnsucht danach, mal ganz fest und lange umarmt zu werden, auch gestreichelt und so…
Und da gibt´s auch diese Seite, die irgendwie so einen Kribbel erleben möchte… was Unvorhergesehenes, wo ein Gegenüber ist, das mir was zu sagen hat.

Mari:Liebevolle_Führung
Ich glaube, du sehnst dich nach Führung und nach Hingabe… danach, deine Verantwortung immer mal für ne Zeitlang abzugeben, und hast gleichzeitig Angst davor.

Maria:
Ja, stimmt genau! Und dieses Hin und Her in mir macht mich manchmal richtig kirre. Ob ich jemals den Mut dazu aufbringen würde, das auszuprobieren… Ich weiß nicht! Und trotzdem reizt es mich…
So, jetzt muss ich aber los. Die nächste Klientin wartet auf mich, und deine Mittagspause ist auch gleich vorbei. Hab noch einen schönen Tag!

Beide Frauen ahnten nichts davon, dass die Lautsprecherfunktion der Telefonanlage versehentlich nach einem Meeting noch angeschaltet war und Maris Chef, Frank, im Nebenzimmer das Gespräch unbeabsichtigt mit angehört hatte. Da er die Frauen nicht in eine peinliche Situation bringen wollte, konnte er den Raum nicht verlassen, um es auszuschalten, weil die beiden sonst durch die geöffnete Tür ihre eigenen Stimmen im Büro des Chefs durch die Lautsprecheranlage gehört hätten.
Frank schmunzelte… Mögli
cherweise hatte das Leben durch diesen Zufall eine Tür für sie beide geöffnet, die es möglich machen konnte, ihn und Maris Freundin Maria miteinander das erleben zu lassen, was beide sich schon länger wünschten, ohne eine Idee zu haben, wie sie zur Verwirklichung ihrer Bedürfnisse das passende Gegenüber hätten finden können.
Nun musste er nur noch heraus finden, wie er diese Maria unauffällig kennenlernen konnte, die nicht ahnend, dass er alles mitgehört hatte, und was das in ihm bewegt hatte, gerade noch im Vorzimmer bei seiner Sekretärin Mari saß.
Schließlich wollte er nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen…

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Zitat: ein Zustand voller Liebe, Kraft und Zuversicht…

… Ihre rot geweinten Augen schweiften durch den Raum…
Tief atmete sie ein, doch mit einem Mal wurde ihr Kopf still, als erkenne er, dass er in dieser Situation absolut nichts tun könne.

ein Zustand voller Liebe, Kraft und Zuversicht Und in dieser Stille machte sich eine sanfte Instanz In ihr bemerkbar – eine Instanz, die in ihr war, außerhalb von ihr, überall. Sie war in ihrem Körper und doch frei. Verwundert registrierte sie, wie etwas in ihr erwachte, sich erhob, sich hinter sie stellte mit einer so starken, zuversichtlichen Präsenz, dass sie sich getröstet und gehalten fühlte…

Das Gefühl wurde stärker, hüllte sie tröstend ein und für Minuten verharrte sie in diesem Zustand – ein Zustand ohne jede Angst, ein Zustand voller Liebe, Kraft und Zuversicht.
Ja, der Kopf war keine Hilfe. Aber dieses Andere…

Aus dem Buch: „Sterne gibt es überall „von Subina Giuletti

94. Anerkennung und Herausforderung in einem

Bei Joel – ein spannendes Angebot

„Oh, du hast ja heute Kaffee und Tee schon fertig“, sagte Mari und setzte sich auf die Couch.
Joel setzte sich ihr gegenüber. „Das Spiel beginnt“, sagte er.
Mari schaute ihn gespannt an. Was wohl heute kommen würde… Sie hatte keinen blassen Schimmer.

„Nun Mari, wir haben ja schon einiges zusammen erlebt… Und du hast große Fortschritte gemacht!“
Erstaunt schaute Mari ihn an. „Ja, es stimmt, wir haben schon viel erlebt inzwischen. Aber dass du von großen Fortschritten redest, …hmm na ja, das wundert mich ein bisschen, die Angst kommt mir ja doch immer mal wieder dazwischen… und andere schwierige Gefühle wie Peinlichkeit und Scham ja auch.“
Joel nickte bedächtig: „Ja, aber du bist schon ein großes Stück weiter gekommen, finde ich.“
„Das freut mich, dass du es so empfindest.“ Mari lächelte.
„Um diese Entwicklung miteinander zu feiern, hab ich mir etwas ausgedacht“, fuhr Joel fort.
Ihr Lächeln vertiefte sich… „Wie jetzt… Was denn? “ fragte sie erfreut und verwundert zugleich.
Es macht er ihr ein ganz seltsames und besonderes Gefühl, von ihm diese Anerkennung zu bekommen…

Er gab ihr einen Umschlag, aus dem sie ein wunderschönes Hotelprospekt hinaus beförderte und erklärte dann: „Ich lade dich ein, mit mir ein Wochenende in diesem Hotel zu verbringen.“
Ihre Augen weiteten sich… In diesem schönen Hotel… Wow! Du willst, dass wir beide zusammen ein Wochenende dort verbringen? Das ist ja eine zauberhafte Idee!“

„Ja… Dazu lade ich dich ein…“ sagte er ganz langsam mit einer seltsamen Betonung.
Der Ton, in dem er sprach, ließ sie etwas stutzig werden… „Das klingt so eigenartig, wie du das sagst…
Gibt es dabei irgendeinen Haken?“
Joel schaute sie ernsthaft an. „Einen Haken… nun wie man es nimmt. Ich würde dazu sagen: Es gibt auch Herausforderungen dabei!“

Mari spürte ein bekanntes Kribbeln, das sich ihre Wirbelsäule hinauf schlängelte in den Kopf hinein. „Kannst du dich bitte ein bisschen genauer ausdrücken?“ bat sie Joel.
Er nickte: „Nun, das Wochenende wird Anerkennung und Herausforderung gleichzeitig sein, wenn du zusagst.“
„Worin besteht denn die Herausforderung ?“ wollte sie wissen.
„Es wird wohl mehr als eine sein, aber die vermutlich wichtigste ist quasi die Voraussetzung, unter der wir fahren würden.“

„Fahre ich mit dir als Meister? Oder einfach mit dem Menschen Joel?“
Er lächelte: „Mit beiden. Es wird solche und solche Zeiten geben.“
„Okay“, nickte Mari, „da bin ich aber froh! Ein ganzes Wochenende durchgehend mit dir als Meister wäre schon sehr heftig. Dann ist die Voraussetzung also schon mal geklärt?“
„Nein noch nicht. Die Voraussetzung ist: Wir nehmen ein gemeinsames Zimmer.“
„Ohhh! Darüber hatte ich bisher noch gar nicht nachgedacht“, bemerkte Mari leise.

Er sagte nichts, wartete einen Moment.
Mari war der Konflikt deutlich in den Gesichtszügen abzulesen. In ihrem Magen fuhr es Fahrstuhl.
Was bezweckte er mit einem gemeinsamen Zimmer? Wie sollte das gehen… abends… nachts…?
Sollte das vielleicht… Hm…


„Kannst du mir bitte noch mehr über die Voraussetzungen und Herausforderungen sagen?“ fragte sie aufgeregt.

„Nun, das mit dem Zimmer ist die wichtigste. Wir werden uns das Bett teilen. Du weißt, dass ich dir nichts tun werde, was du nicht auch willst,“ antwortete er ruhig, „aber wir wissen auch beide, dass das eine echte Herausforderung ist!“
„Danke, dass du das noch mal so ausdrücklich sagst. Ich war mir nicht sicher, ob das gemeinsame Zimmer eventuell eine Andeutung sein sollte zu… mehr… Darauf kann ich mich doch auch dort verlassen, dass du nichts tust was ich nicht will oder kann?“
Joel nahm ihre Hand und nickte: „Ja, so wie schon die ganze Zeit. Das ist Teil unserer Vereinbarung.“
„Okay! Und du hast Recht: Es ist auch so schon herausfordernd genug. So… und nun meintest du noch, das sei noch nicht alles?“
„Nein. Das ist noch nicht alles. Es wird auch solche Sessions wie wir sie hier auch machen.“
Mari überlegte, wie sie sich nun entscheiden sollte, vermutlich würde er ihr über die anderen Herausforderungen nicht mehr viel erzählen…

„Ich weiß, das klingt etwas heftig, aber es ist Zeit, einen Schritt weiter zu gehen – und hier bietet sich eine große Chance.“

Einen Moment fühlte sie in sich hinein. Wie würde sie sich fühlen, wenn sie ja sagen würde: Das wäre sicher sehr aufregend und spannend, würde die Intensität der Herausforderungen und der damit verbundenen schwierigen Gefühle stärker machen als sonst, weil sie ja nicht weg konnte…
Und wie würden Sie sich fühlen, wenn sie nein sagen würde: Sie wäre mit Sicherheit traurig und frustriert, eine bestimmt sehr intensive und wahrscheinlich auch wenigstens teilweise schöne Erfahrung nicht gemacht zu haben…
So wanderten ihre Gedanken hin und her…

Joel, der ein guter Beobachter war, verstand in ihr zu lesen wie in einem offenen Buch und sagte: „Mari, du weißt: Ich werde jedes Stopp von dir achten. Und ich werde mein Bestes tun, dass es ein aufregendes und schönes Wochenende sein wird.“
„Ja, dass das ein sehr aufregendes Wochenende wird, das steht außer Frage!“ bestätigte Mari, „aber was ist, wenn ich es nicht packe? Wenn ich zwischendurch so heftige Angst bekomme, dass ich mit den Herausforderungen nicht klar komme? Ich könnte ja nicht mal nach Hause fahren so schnell…“

Joel nahm wahr, dass sie wirklich an einem Punkt angekommen war, an dem sie eine Entlastung brauchte, und sagte zu ihr: „Nun, ich verspreche dir, wenn es wirklich nicht mehr geht, bekommst du ein eigenes Zimmer.“
Mari fiel ein Stein vom Herzen. „Puh! Damit hatte ich jetzt nicht gerechnet, aber ich danke dir von ganzem Herzen für diese beruhigende Zusage. Ich hoffe, dass das nicht nötig werden wird, aber alleine schon zu wissen, dass diese Möglichkeit besteht, hilft mir sehr!!! Na und außerdem gibt es ja immer noch die Möglichkeit, um eine Umarmung zu bitten, wie hier auch, oder?“
„Ja sicher! Jederzeit! Mari“, bestätigte Joel. „Nun was sagst du zu meiner Einladung?“
„Ich sage Ja!“ strahlte Mari. „Ich freue mich riesig über dein Angebot. Ja, ich komme mit!“
Er lächelte „Ich freue mich sehr, dass du dich darauf einlässt Mari.“
„Das ist wirklich etwas ganz besonderes, in beiderlei Hinsicht: So schön wie auch so herausfordernd,“ meinte Mari und wollte wissen: „Wann soll es denn losgehen?“
„Nun, ich schlage vor: am kommenden Wochenende. Da soll es warm und sonnig sein.“
Mari bekam große Augen. „So bald schon! Na Gott sei Dank, dann ist die Aufregung nicht allzu lange vorher! Ja, am kommenden Wochenende habe ich nichts weiter vor – das geht. Das war ja eine Überraschung heute!“
„Ich freue mich sehr, dass du ja gesagt hast. Das Spiel ist vorbei.“

Erleichtert atmete Mari auf. „Das war genug Aufregung für diesen Nachmittag“, sagte sie zu Joel. „Es ist so schön, dass du dir da so etwas besonderes ausgedacht hast, vielen Dank. Ich bin jetzt gar nicht dazu gekommen, mich beim Meister auch zu bedanken, aber du kannst ihm das sicherlich ausrichten“, sagte sie augenzwinkernd.“
„Ja, na klar, „nickte er gut gelaunt. Der Meister und ich dachten, das wäre eine schöne Idee, und freuen uns sehr, dass du zugesagt hast.“
„Aber mal ehrlich… Das ist schon eine irre Kombi aus beidem, und ich bin sehr froh, dass er mir dieses entlastende Notlösungs-Angebot mit dem Einzelzimmer gemacht hat, wobei ich hoffe sehr, es wird nicht nötig sein. Aber zu wissen, dass es eine Hintertür gibt, das tut unendlich gut.“
„Ja“, bestätigte Joel. „Es sollte immer die Möglichkeit geben, dass du stopp sagst, auch wenn wir hoffen, dass es nicht passiert.“
„Das ist das, was ich an unserem Miteinander so schätze, und was es mir erst möglich macht… mich einzulassen… Danke! Du kennst mich halt schon sehr gut…“
„Nun lass uns auf die aufregenden und sicher auch sehr schönen Tage freuen.“
„Ich freue mich ganz besonders auf die Zeiten zwischen den Herausforderungen“, lachte Mari, „aber gespannt wie ein Flitzebogen bin ich auf alles, was kommt. Wie wäre es jetzt mit einer Umarmung?“
„Na aber sehr gerne“, sagte er und nimmt sie ganz tief in seine Arme.
Ihr Herz klopft immer noch heftig, und jetzt so wohltuend festgehalten zu werden, das tat Maris aufgewühltem Gemüt sehr gut.
„Und zur Not kann ich das ganz oft haben?“
„Ja sicher“, lächelte Joel. „der Vorrat an Umarmungen ist unbegrenzt!“
Da musste Mari lachen. „Dann wird das schon alles gut gehen! Ich danke dir und freue mich riesig!“

Dies Kapitel wurde gestaltet von Raffael und Miriam

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91. Sehen und sich sehen lassen

Bei Mari

Joel, der inzwischen wieder in die Meisterrolle geschlüpft war, saß Mari in ihrer heutigen Session sehr nah gegenüber, hielt ihre Hände in seinen und hatte sie angewiesen, den Augenkontakt mit ihm so lange  wie möglich zu halten, egal was er fragen oder sagen würde.

Der Blickkontakt hatte begonnen und Mari fühlte sich damit etwas unbehaglich.
„Sprich alles aus, was du denkst und fühlst“, ermutigte sie Joel leise.  „Ich weiß, dass das hier keine rosa-Bonbon-Übung wird, aber sie wird dich dir selbst näher bringen. Und das ist doch das wertvollste Geschenk, das du dir machen kannst, oder?“
Mari nickte. „Ja, ich weiß auch nicht, warum ich es so schwierig finde, diesen Blickkontakt zu halten. Es ist so ein intensives Gefühl.“
„Ja, Mari, das ist es. Für mich auch. Sanft drückte er ihre Hände, um ihr zu signalisieren, dass alles, was auch immer sie empfand und empfinden würde, von ihm absolut angenommen werden würde. Und diese nonverbale Botschaft kam an… erreichte ihre aufgewühlte Gefühlswelt. Ein unwillkürlicher tiefer Atemzug von ihr zeigte ihm das.
„Guuut… Mari, gut so… Alles ist in Ordnung…. Alles darf sein.“
Sie nickte. Die Worte taten ihr spürbar gut.
„Alles ist willkommen, was auch immer du denkst, fühlst und sagst. Und auch das nicht Ausgesprochene. Du darfst alles sagen, aber du musst nicht alles sagen, verstehst du? Du bist frei. Ich sehe dich, und du siehst mich. Du siehst und wirst gesehen. Wie fühlt sich das an?“
„Es ist so ähnlich wie nackt sein“, antwortete Mari leise. „Nur in der Seele.“
„Ja, wir schauen uns durch die Augen direkt in die Seele.“ bestätigte Joel. „Und welche Art des Gesehen-werdens fällt dir leichter, Mari? Wenn wir uns in unsere Seele schauen oder wenn wir uns unsere Körper unverhüllt zeigen ?“
Mari überlegte… „Jetzt – das fühlt sich… intensiv an und irgendwie nicht leicht, aber nicht so peinlich wie die körperliche Nacktheit.“ Ihr Blick wurde unruhig, die Augen begannen zu wandern.
„Bleib, Mari… weich nicht aus. Bleib im Kontakt, auch wenn das Thema sich gerade etwas brisant anfühlt. Du schaffst das…“
Ihr Blick fokussierte sich wieder auf seine Augen.
„Gut so… Sag, was ist am körperlichen Nackt-sein so schwierig für dich?“
Sie zuckte mit den Schultern und schwieg.
„Oder anders herum gefragt: Was macht es dir leichter, in deiner Seele gesehen zu werden?“
„Das ist nicht so peinlich, so… verboten…“ flüsterte sie.
„Und wenn es nicht verboten wäre?“ fragte Joel ebenso leise.
„Dann wäre es trotzdem schwierig, weil alle Unzulänglichkeiten meines Körpers zu sehen wären.“Alles_was_echt_istl
„Na und…? Meine wären auch zu sehen. Unsere Körper sind genau so, wie unser Leben sie geformt hat. Ich würde jeden Centimeter willkommen heißen, meine Liebe!“
Immer noch den Blickkontakt haltend streichelte er zart ihre Wange und fuhr mit dem Zeigefinger ihren Hals hinunter. „Ich mag dich genau so wie du bist – deinen Körper und deine Seele. Da bin ich mir hundertprozentig sicher! Du bist so schön in deiner Echtheit! Alles was echt ist, ist schön!“

Mari empfand die Wahrheit in seinen Worten wie eine wärmende Wolke, in die er sie beide einhüllte.
„Ich glaube, du hast recht, Joel. Ich fühle das gerade. Ich fühle die Tiefe und die Weisheit in deinen Worten…“
Er lächelte: „Das ist das schönste Geschenk, das gerade passieren kann“, gab er zurück.
Und wenn du von dieser Wahrheit ausgehst – was ist mit dem Gefühl des Verboten-seins sich zu zeigen? Wie weise ist diese Stimme in dir, die es verbietet, uns so echt, wie wir sind, zu zeigen? Ist es eine Stimme der Angst oder des Vertrauens?“
„Es ist eine von Angst geprägte Stimme.“
„Und meinst du, es ist sinnvoll  im Sinne von Kraft und Lebendigkeit, dieser Stimme zu gehorchen?“
Mari schüttelte den Kopf. „Sinnvoll ist es nicht, aber trotzdem nicht leicht, sich ihr zu widersetzen.“
Joel schaute sie verständnisvoll an. „Ja, das kann ich mir vorstellen. Wie lange ist sie schon in dir und bestimmt dein Verhalten?“
„Sehr lange… seit ich Kind bin und so viel Ärger und Scham vermittelt bekam zu dem Thema.“

„Meinst du, das war weise, was dir da als Mädchen vermittelt worden ist?“
Sie schüttelte den Kopf. Tränen traten ihr in die Augen. Joel beugte sich vor und nahm sie in die Arme. Nah an ihrem Ohr flüsterte er: „So lange richtest du dich nun nach diesen Verboten… Jahrzehnte… Willst du das immer weiter tun?“
Mari rückte etwas von ihm ab und sagte plötzlich klar und entschlossen: „Nein! Ich will der Stimme in mir folgen, die sich weit, aufgeschlossen und lebendig anfühlt.“
„Das ist ein kraftvoller Entschluss, Mari!“ bestätigte Joel. „Und damit ist unser Spiel für heute beendet. Lass uns einfach noch ein Weilchen ganz in Ruhe in der Umarmung verweilen…“

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87. Wer bin ich, wer sind wir – ohne unsere Rollen?

Bei Mari – Joel und Mari treffen sich zum ersten Mal „einfach so“

Kann man eigentlich noch aufgeregter als aufgeregt sein? fragte sich Mari am Morgen des vereinbarten Besuches von Joel, der diesmal – so wie sie es sich gewünscht hatte – nicht als Meister, sondern „einfach so“ – unabhängig von ihrem Deal  „Englisch-Unterricht als Ausgleich für  Vertrauens- und Machtspiele“ zu ihr kam.
Heute würde es keine vorher vereinbarten Rollen geben. Auch das fühlte sich – neben allem anderen – verunsichernd für Mari an. Wer bin ich, wenn ich nicht bin, wie ich sonst bin in unserem Miteinander? fragte sie sich. Was will ich? Was kann ich? Was werden wir tun miteinander? Hoffentlich fällt mir irgendetwas zu sagen ein. Denn nun liegt die Gesprächsführung ja nicht nur bei ihm. Hoffentlich findet er mich nicht langweilig, wenn ich einfach nur ich selber bin…
Socher Art Gedanken gingen zu Hauf durch Maris Kopf. Und wenn alle Sorgen und Unsicherheiten für einen Moment still waren, flackerte ein Hauch von Freude auf – bis die Verunsicherungs-Gedanken wieder kamen und schließlich beide Pole Vorfreude und angstvolle Aufregung einen beunruhigenden Tanz tanzten im Kopf und im Bauch von Mari, so dass es ihr heute sogar schwer fiel etwas zu essen, so flau war ihr im Magen.

Ob ich, wie in letzter Zeit auch, die Couch ausziehe oder nicht? fragte sie sich bereits zum zehnten Mal.  Diesmal war es ja  nicht so vereinbart… Sie hatte keine diesbezügliche Vorgabe erhalten. Wenn ich fühlen möchte, wie es sich anfühlt, Joel nahe zu sein, wie ich es ihm ja schon geschrieben habe, dann wäre allerdings mehr Fläche dazu sicher bequemer

Ja, ich werde die Couch aufklappen, entschied sie.

Schließlich war es soweit und Joel klingelte, trat ein, nahm sie zur Begrüßung in den Arm und ging dann erstmal ins Bad.
Mari setzte sich etwas nervös in die hinterste Ecke der Couch.
Fröhlich betrat er das Wohnzimmer, setzte sich zu ihr und legte seinen Arm um ihre Schulter.

Couech_mit_kissen

Ob er spürt, WIE unsicher und aufgeregt ich mich fühle? fragte sie sich und sah ihn an. Konnte sie in seinem Gesicht etwas finden, das ihr Auskunft darüber gab, was in ihm vorging…?
Er schaute sie offen an,  freundlich wie sie ihn auch sonst kannte.
„Ich fand es gemütlicher und praktischer, ein bisschen mehr Fläche zu haben“, erklärte sie. Joel bestätigte das: „Da hast du gut mitgedacht, Mari.“

Dann nahm er ihre Hand und bewegte sie sanft, streichelte sie, bog sie, hob sie hoch und bewegte sie in der Luft weiter. Es begann ein Tanz ihrer beider Hände, der sich gut anfühlte…

Mari begann sich etwas zu entspannen. Es war still zwischen ihnen, während sie die Aufmerksamkeit auf die Hände richteten. Als Joel ihre Hand wieder los ließ, zog er Mari etwas fester in seine Arme. Mari atmete tief… Das fühlte sich gut an. Sie konnte diese intensive Nähe gut annehmen, merkte sie erstaunt. Ja, sie fühlte sich sogar sicher in diesen starken Armen. Als hätte sie schon sehr lange Sehnsucht danach gehabt, so gehalten zu werden…  Joel strich ihr wohltuend über den Rücken. Ganz bewusst achtete sie auf jede Bewegung, auf jeden Millimeter, den seine Hände weiter wanderten. Leise sagte er zu ihr: „Du weißt, du kannst jederzeit Stopp sagen, ich werde mich sofort danach richten.“

Mari nickte… und fragte: „Ja, ich weiß, aber ich hätte Angst, dich damit zu frustrieren.“

„Nein, das brauchst du nicht, Mari, ganz sicher nicht!“ beruhigte er sie. „Mir macht es Freude, wenn es dir gut geht mit dem, was wir hier tun. Das ist mir das aller wichtigste!

Joels Hände begannen ganz langsam auf ihrem Rücken zu wandern – mal mit etwas mehr Druck, mal ganz zart, was kleine Schauer in ihr auslöste. Langsam, ganz langsam, um ihr jederzeit die Gelegenheit zu geben, Stopp zu sagen, bewegte er seine Hand über ihren Körper. Mari war höchst wach und beobachtete seine Bewegungen und die Gefühle, die sie in ihr auslösten aufmerksam. Zwischendurch tauchten immer mal wieder Zweifelstimmen in ihr auf, ob das jetzt in Ordnung sei. Und immer wieder schickte Mari die Botschaft nach innen: Alles okay, ganz ruhig – wir dürfen das!

Langsam rutschte Joel mit ihr tiefer auf der Couch, in eine halb liegende Position. Sie nahm es wahr und ließ es zu – immer wieder ganz bewusst nach spürend, will / kann ich da noch mitgehen? Sie wollte und sie würde achtsam mit ihren körperlichen Signalen umgehen und nichts zulassen, wobei sie spürte, dass ihre Körperzellen noch nein sagten. Und sie wollte darauf vertrauen, dass Joel wirklich meinte, was er sagte, dass es für ihn tatsächlich in Ordnung sei, wenn sie ihre Grenzen rechtzeitig und deutlich aufzeigte. Und wie zur Bestätigung ihrer Gedanken flüsterte er ihr ins Ohr: „Alles in Ordnung? Zeig mir oder sag mir, wenn was nicht geht. Ich will, dass es dir gut geht!“

„Danke, Joel, ja, es ist alles in Ordnung“, antwortete sie ihm leise. Ein Weilchen hielt er sie ganz einfach nur fest in seinen Armen und sie genoss diesen   Halt, den ihr seine Arme vermittelten. Noch ein Stückchen tiefer rutschte er mit ihr, und langsam setzten seine Hände die Wanderung fort, immer mal wieder kleine Schauer auslösend, die er mit Freude wahrnahm.
Auch dass sie schließlich ihre Bluse auszog, freute ihn, zeigte es ihm doch, dass sie sich sicher und wohl genug dazu fühlte, von sich aus einen kleinen Schritt zu tun.

Millimeter um Millimeter wanderten seine Hände nun auch unter ihre Kleidung. Als er jedoch an ihrer Brust angelangt war, schüttelte sie leicht den Kopf und nahm seine Hand, um sie in eine andere Richtung zu lenken. Sie war erstaunt, wie schnell und wie leicht er sich in diesem Moment von ihr führen ließ. Sein leise geflüstertes: „Ja, okay!“ bestätigten das.

Wieder einmal hielten sie inne, als er spürte, dass sie sich bei ihm fester hielt als vorher.  In diesem Moment fühlte sie sich gefordert, bewegt, beklommen, etwas ängstlich, aber nicht so ängstlich, dass sie dieses wundervolle Erlebnis abbrechen wollte. Sie war über sich selbst erstaunt. Ja, sie wollte… sie wollte… wollte sie tatsächlich? Ja, sie wollte….!
Wir dürfen das geschehen lassen und genießen, redete sie wieder gedanklich ihren inneren Stimmen zu, die sie immer wieder einmal zwischendurch Zweifel fühlen ließen, ob diese ganze Situation so in Ordnung war. Wie gut, dass Joel ihr Zeit ließ, nach innen zu spüren, und dass er ihr mit seiner Umarmung Sicherheit vermittelte.

Ja, er wollte und er würde ihr den Halt geben, den sie brauchte, um sich auf dieses für sie so wackelige und gefährlich erscheinende Land des Neuen einlassen zu können…. Als seine Hand sich wieder bewegte, fühlte sie wieder, dass sie damit einverstanden war, dass es aufregend schön war… Aber dann, als er langsam ihren Rock hochschob und seine Hand langsam weiter wanderte, war es genug. Das spürte sie ganz deutlich und nahm seine Hand dort weg. Er nickte und zog als Zeichen, dass er verstanden hatte, ihren Rock wieder  hinunter.

Wieder hielt er sie ganz fest und flüsterte „Alles in Ordnung! Ich hab verstanden… Wir wollen nichts überstürzen.“

Er hielt sie noch ein Weilchen in den Armen bis Mari sich wieder entspannen konnte… Dann fragte er: „Wie wäre es, wenn wir uns jetzt gemütlich einen Film anschauen? Ich hab ein paar DVDs zur Auswahl mitgebracht.“

„Überrascht und erfreut nickte Mari. „Welch schöne Idee! Gerne!“ 

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86. Joels Antwort

Joel antwortet auf die Mail von Mari

Liebe Mari,
          Einfach_mal_so_hab Dank für deine Offenheit in der letzten Mail mit der Frage, ob wir uns nicht manchmal auch ganz persönlich „einfach mal so“ als ich und du – jenseits unserer Rollenspiele – begegnen wollen.
Ja! Sehr gern! Und keine Sorge, das ist bei mir total gerade angekommen – hi hi , will sagen, gar nicht schief oder irgendwie befremdlich. Diese Angst darf sich gleich wieder schlafen legen. Deshalb antworte ich auch so schnell wie möglich. Denn ich könnte mir vorstellen, dass du vielleicht etwas unruhig bist, bis du meine Antwort lesen kannst.

Ich lese aus deinen Zeilen auch, dass wir nicht nur Kaffee trinken wollen… ? Denn du möchtest mit mir Dinge erleben, die du mit dem Meister erlebt hast und vielleicht noch erleben wirst…

Darauf freue ich mich ganz besonders. Ich habe große Lust dazu, dich in meinen Armen zu halten, und wer weiß… Doch du sollst dich bitte (!) frei fühlen, jederzeit zu sagen, wenn sich für dich etwas nicht oder noch nicht passend anfühlen sollte. Gern würde ich ein bisschen mit dir gemütlich zusammen liegen und dich dabei in meinen Armen halten. Ich hoffe, ich habe dich so richtig verstanden, dass du das ausprobieren möchtest?

Und noch etwas ist mir wichtig: Du darfst mich jederzeit alles fragen – und was immer dir gerade einfällt ganz offen mit mir besprechen. Alles ist willkommen – jeder Gedanke, jedes Gefühl…
Mir ist bewusst, dass du dich wahrscheinlich fühlst, als würdest du dich auf etwas wackeligem Boden bewegen – und auch ich bin etwas aufgeregt, wenn wir uns außerhalb des bisher vereinbarten Rahmens begegnen.

Dann bis zum kommenden Samstag, an dem ich dich gern – diesmal außerhalb der Spielebene -besuchen werde. Ich freu mich darauf!

Solltest du inzwischen irgendetwas auf dem Herzen haben – kannst du mir jederzeit gerne schreiben oder mich anrufen, liebe Mari! 

Sei in Gedanken umarmt von 

Joel

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84. Darf ich bitten?

Bei Joel – Führen lassen

Mari hatte eine ziemlich anstrengende Woche hinter sich und freute sich darauf, zusammen mit Joel wahrscheinlich auf ganz andere Gedanken zu kommen

Als sie eintrat, nahm sie wahr, dass die Möbel alle an die Wand geschoben waren.

„Ups, hier sieht es ja heute so anders aus…“ wunderte sie sich
„Komm herein“, sagte er zu ihr, und dann dimmte er das Licht. Leise flüsterte er ihr ins Ohr: „Das Spiel beginnt.“
Mari stand etwas unschlüssig im Zimmer – eine sanfte Klaviermusik erklang. Sie hüllte Mari ein in eine angenehme, besondere Stimmung.
Er kam auf sie zu, lächelte. „Darf ich bitten?“ fragte er und hielt ihr beide Hände hin.
Überrascht ging auch sie einen Schritt auf ihn zu und ergriff seine Hände.

Sich an den Händen haltend schwangen sie etwas zur Musik. Ein leises Lächeln entstand auf Maris Zügen, sie fühlte sich ganz seltsam berührt von der Musik und diesem sanften hin und her Schwingen mit Joel.
Mit leichtem Druck begann er, sie durch das Zimmer zu führen. Es war ein ganz eigenartiges Gefühl, sich so durch den Raum zu bewegen, aber irgendwie schön… fand Mari. Er dreht sie sorgsam links und rechts herum, führte sie tanzend durch den Raum.
Erst noch ziemlich kontrolliert, möglichst nichts falsch zu machen, aber nach einem kleinen Weilchen schon sorgloser begann sie die Situation zu genießen. Bald wurden die Bewegungen etwas schwungvoller. Mari hatte Freude daran – das war deutlich zu spüren. Nach und nach fühlte sie sich immer leichter.

„Und jetzt, Mari, schließ bitte deine Augen“, kam freundlich die Aufforderung von Joel.
„Oh, okay…“ Mari folgte seiner Anweisung, fühlte sich sofort unsicher und stolperte etwas, doch er hielt sie fest, gab ihr Halt.
Es war ihr etwas peinlich, dass sie jetzt nicht den Rhythmus hatte halten können und gestolpert war.
„Sorry“, sagte sie zu ihm.
„Psst. Nichts passiert“, sagte er und führte sie nun vorsichtiger durch den Raum.

Sie ließ die Augen zu, obwohl sie ab und zu den Impuls widerstehen musste zu blinzeln.
Es war irgendwie ein schönes Gefühl, von ihm durch den Raum geführt zu werden, allerdings wollte sie nicht noch einmal stolpern, so setzte sie nächsten Schritte sehr vorsichtig. Es gelang, und sie gewann wieder an Sicherheit, atmete etwas langsamer und kam wieder zur Ruhe.

Als beide den Rhythmus wieder hatten, wurden die Schritte größer, die Bewegungen runder… und es fühlte sich in Mari lockerer an als davor. Sie vermochte wieder, die Freude an der Bewegung und der Musik gemeinsam mit Joel zu fühlen.

Es war eine ganz neue, unerwartete Erfahrung, spannend und sehr hingegeben an seine Führungsimpulse und an die Musik. Nichts anderes war mehr in ihrem Kopf, nur diese Erfahrung, die sich mit jedem Schritt ausdehnte.

Nun begann er den Abstand zwischen ihnen zu verringern. Mari kam ihm entgegen und mit jeder Drehung verringerte sich der Abstand.

Dadurch dass Mari die Augen geschlossen hatte, konnte sie das ja nicht sehen, aber sie fühlte deutlich die sich intensivierende körperliche Nähe. Sein rechter Arm griff nun direkt an ihre Hüfte.
Sie spürte es, und empfand es als angenehm. So führte er sie weiter. Dann berührte er mit dem anderen Arm ihre Hüfte.
Sie fühlte sich einerseits durch die geschlossenen Augen etwas unsicher, spürte aber andererseits auch den Halt, den er ihr gab – eine Gefühlsmischung, die sie berührte und von innen heraus bewegte.
Bald kam er noch etwas näher. Seine Hand glitt etwas mehr auf ihren Rücken. Sie fühlte seine Nähe nun sehr intensiv… Es war ein faszinierendes und irgendwie angenehmes Gefühl. Inzwischen war nur noch ein kleiner Spalt zwischen ihnen. So tanzten sie weiter. Das fühlt sich so gut an, dachte Mari.

Wieder einmal drehten sie sich sanft einige Male. Das mit geschlossenen Augen zu tun, war schon eine kleine Herausforderung, und wieder kam Mari in Versuchung, die Augen zu öffnen, aber sie achtete darauf, es nicht zu tun.
Wieder kam er näher, und schließlich berührten sie sich – dicht an dicht…
Eine leise Aufregung floss durch Mari, während er seine Arme um sie schlang und sie, auf diese Weise gehalten, sanft weiter tanzten – eng aneinander geschmiegt im Rhythmus der Musik.
Das fühlte sich gut und aufregend gleichzeitig an. Mari atmete etwas tiefer und fühlte sich immer weicher werdend in Körper und Seele. Sie genoss diese Nähe zu Joel und mit ihm die gemeinsame Bewegung zur Musik sehr. Schließlich nahm er sie nun richtig in den Arm und tanzte mit ihr durch das ganze Zimmer.

Das fühlt sich wunderbar an, und das Denken in ihrem Kopf hörte ganz und gar auf…
Seine Hand lag fest auf ihrem Rücken. Bald hatte sie das Gefühl, sich gar nicht wirklich selbst zu bewegen sondern dass Bewegung einfach geschah. Seine Hand begann, etwas über ihren Rücken zu streicheln, während er sie sanft an sich drückte. Welch schönes Gefühl… Sie gab diesem Druck nach und schmiegte sich an ihn. Die Bewegungen wurden kleiner, und ganz eng aneinander gekuschelt gaben sie sich den herrlichen Klängen der Musik hin.

Wie schön diese Nähe doch ist… dachte Mari und hatte den Eindruck, sich lange nicht so wohl gefühlt zu haben… so weich zu werden… so innig berührt zu sein… Dadurch, dass sie die Augen immer noch geschlossen hatte, wusste sie gar nicht, an welcher Stelle des Raumes sie sich jeweils befand – und sie hatte nicht mal mehr den Drang es zu wissen, so schön war es, sich einfach Joels Führung zu überlassen.
Sie bewegten sich noch ein ganzes Weilchen gemeinsam nach den herrlichen Tönen durch den Raum, und schließlich verklang die Musik.

„Das Spiel ist vorbei“, flüsterte er und löste sich etwas.
„Das war wunderschön, Joel“, antwortete Mari leise.
„Freut mich, dass dir die Session heute so gut gefallen hat“, lächelte er.
„Ja! Das tat so gut heute, so ohne irgendetwas, was Angst gemacht hat. Na ja, also Angst ist zu viel gesagt, aber du weißt schon, was ich meine… ohne große Herausforderung.“
„Na ja, aber du musstest dich schon drauf einlassen!“
„Ja, stimmt, war am Anfang nicht ganz leicht, als ich gestolpert war, aber ich habe mir Mühe gegeben… Und du hast mich ganz wunderbar geführt.“
„Und du hast dich führen lassen!“
„Das hat sich sooo gut angefühlt! Ich wünschte, so ein Gefühl hätte ich öfter!“
„Tja mal sehen, was sich machen lässt,“ sagte Joel lächelnd.
„In deinen Armen habe ich mich heute sehr sicher gefühlt. Ich danke dir für diese schöne, besondere Erfahrung!“
„Sehr gerne!“ antwortete er mit einem Lächeln.
Sie schaute ihn an und wünschte sich, dass er sie noch einmal ganz fest in die Arme nehmen würde. Nur allzu gern folgte er ihrem Wunsch, nahm sie noch einmal in seine Arme und hielt sie darin bis sie sich von selbst daraus löste.

„Das war ein ganz besonderer Abend…“ flüstert sie ihm dabei ins Ohr.

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87. Die eine und die andere Hand

Bei Joel – Erinnerung an die Regeln

„Schön, dass du da bist, Mari!“ Freundlich wie immer bat Joel sie herein. „Heute beginnt unser Spiel gleich hier an der Tür“, erklärte er ihr. „Bist du bereit?“
Etwas erstaunt nickte sie. „Ja…, okay. Was hast du denn vor?“
Ernst sah er sie an und schwieg.
„Oh, entschuldige!“
„Ich glaube, die Einhaltung der Regeln ist in letzter Zeit etwas in den Hintergrund getreten“, sagte er leise. „Welche hast du eben nicht berücksichtigt?“
„Ich soll keine vermeidbaren Fragen stellen. Tut mir wirklich leid.“
„Es liegt auch mit an mir, ich habe auf die Einhaltung der Regeln in all dem Neuen, was ich in letzter Zeit an dich heran getragen habe, nicht so stark geachtet. Das wird jetzt wieder anders werden. Sie haben ihren Sinn und ihre Kraft. Es ist eine Balance… mal rücke ich sie mehr in den Vordergrund, und mal sind sie etwas im Hintergrund. Doch sei sicher, jede von dir bisher gestellte Frage habe ich wahrgenommen und bewusst entschieden, darauf mal mehr und mal weniger zu reagieren.“
„Heißt das, du hast alle Fragen in deinem Kopf gesammelt und wirst jetzt…“
Durchdringend sah er sie an.
„Oh Mist! Schon wieder eine Frage!“
Mit einem kaum sichtbaren Lächeln antwortete er: „Ja… schon wieder eine Frage. Aber du hast dich selbst unterbrochen, und sie nicht zu Ende formuliert. Einigen wir uns darauf, sie nicht als solche zu betrachten.“ Er zwinkerte ihr zu. Und zu dem, was unausgesprochen  geblieben ist, will ich dir sogar eine Antwort geben. Jedoch zunächst bekommst du eine Augenbinde.“
Er band ihr ein schwarzes Tuch um die Augen und führte sie schweigend sie immer mal wieder in verschiedene Richtungen drehend  hin und her – quer durch die ganze Wohnung – bis sie die Orientierung verlor. Dann blieb er mit ihr stehen, ließ sie los und sagte für zwei Minuten gar nichts. Es waren sehr lange Minuten für Mari, aber es gelang ihr, schweigend abzuwarten, was kommen würde.
„Zu deinem Gedanken von vorhin…“ unterbrach er die Stille, „nein, ich werde keinen Katalog von deinen in der Vergangenheit gestellten Fragen öffnen und dazu Maßnahmen einleiten. Das wäre unfair und wenig nutzbringend.  Nur Regelbrüche, die am Tag selbst stattfinden, haben Konsequenzen. Nur so ist ja der Zusammenhang spürbar. Die einzige Ausnahme dabei ist, wenn ich an dem Tag beschließe, dir eine Sanktion anzukündigen, die dann an einem anderen Tag erfolgen soll. Da ich das aber bisher nicht getan habe, werden bisherige Regelbrüche, die ich nicht benannt habe, die mir aber dennoch bewusst waren, keine Konsequenzen haben. Das ist nur sinnvoll und fair finde ich! Du solltest nur wissen, dass mir nichts entgangen ist.“
Diese Art von bewusstem und fairem Umgang mit ihren vergangenen Unbedachtheiten löste in Mari ein bewegtes Gefühl aus, das sich vom Bauch über den Magen bis in den Hals hinein bemerkbar machte. Doch was würde aus der unbedachten Frage von vorhin resultieren…?
Joel ahnte ihre Gedanken und die unausgesprochene Frage.
„Du wartest auf die Konsequenz deiner Frage von vorhin?“
Mari nickte mit einem unbehaglichen Gefühl.
„Ich habe keine Antwort gehört, Mari.“
„Ja, Meister.“ sagte sie leise.
„Bist du bereit, meine Sanktion dafür anzunehmen?“
Wie gern hätte sie gefragt, um was es sich handeln würde, aber das war klar, das ließ sie besser bleiben.
Wieder nickte sie.
Und wieder wollte er es hören und sagte: „Ich möchte, dass du es aussprichst.“
„Ich bin bereit, die Folge meiner unbedachten Frage anzunehmen.“
„Gut…“ Er berührte sanft ihre Schulter. „Vertraust du mir?“
Mari spürte eine Mischung von Vertrauen und Angst zugleich. Diese Mischung löste eine seltsame Erregung in ihr aus.
„Ja…, grundsätzlich vertraue ich dir.“
„Ich spüre da ein leises Aber…?“
„Hm… ich habe dennoch auch etwas Angst vor dem, was jetzt kommt.“
„Das ist in Ordnung. Fühle dieses Gefühl… es ist durchaus verständlich…“
Mari schluckte… spürte, wie die Nervosität in ihr Fahrstuhl fuhr.
„Verständlich, weil es in der menschlichen Natur liegt, dass Ungewissheit Angst bereitet, mal mehr, mal weniger – und in dem Zusammenhang, wo es sich um die Konsequenz eines Regelbruchs handelt, also um es mal klar auszusprechen um eine Strafe, ist diese von dir benannte Ängstlichkeit wohl eher etwas stärker vorhanden.“
Mari nickte unbehaglich. Konnte er ihr nicht endlich sagen, was kommt, anstatt sie noch im Ungewissen zu lassen und über die Gefühle zu reden, die dadurch noch intensiver wurden…
„Du möchtest wissen, was kommt?“
„Ja!“ Etwas heftig entfuhr ihr die Antwort.
„Wir warten noch ein bisschen, Mari.“
Er schwieg für einen langen Moment.
„Was fühlst du?“
„Wenn ich ganz ehrlich sein soll….“
„Ja, das sollst du!“
„Ich fühle ein Gemisch aus Unbehagen, Angst und Wut.“
„Wo im Körper sitzt das?“
„Es bewegt sich zwischen Bauch und Hals von oben nach unten wie ein Fahrstuhl hin und her.“
„Okay, Zeig mir mit deiner rechten Hand, wie es sich bewegt.“
Mari fuhr mit ihrer Hand in einem kleine Abstand vom Körper von unten nach oben und wieder zurück.“
„Gut machst du das! Nun lass die Geschwindigkeit deiner Hand nach und nach langsamer werden und achte darauf, was in dir geschieht.“
Mari verlangsamte das Auf und Ab ihrer Hand. Automatisch wurde auch ihre Atmung langsamer und ruhiger, und das heftige Gefühl ließ an Intensität nach.
„Gut machst du das, nun werde noch langsamer, immer langsamer bis die Hand an irgendeiner Stelle stehen bleibt – und in der Höhe berühre deinen Körper und leg die Hand einfach auf.“
Sie folgte seiner Anweisung und legte die Hand schließlich auf ihren Solarplexus.
„Gut. Nun nimm die Berührung deiner Hand dort bewusst wahr. Wie fühlst du dich dabei?“
Sie spürte erstaunt, wie gut sich das anfühlte und in ihr  ein leises Gefühl von Ruhe eintrat.
„Es ist als würde ich mir selbst Ruhe schenken und etwas Gutes durch meine Hand in mich hinein strömen.“
„Finde ein Wort für das Gute.“
„Annahme… Frieden… Liebe…“
„Alles zusammen… in einem Wort.“
„…Liebe.“
„Gut, fühle die Liebe, die durch deine Hand fließt, und nun strecke deine andere Hand nach vorn und öffne sie für die kleine Strafe, die ich dir jetzt geben werde.“
Diese Worte verstärkten wieder die ängstlich bewegten Gefühle, aber gleichzeitig konnte sie ihre Aufmerksamkeit auf die ruhig aufgelegte Hand auf ihrem Solarplexus richten und die Liebe weiter spüren, die aus ihr floss.
„Bereit?“ fragte Joel leise.
„Ja“, flüsterte sie und fühlte einen leichten Schlag auf ihrer Hand – ja sie hörte das Klatschen seiner Hand auf ihrer mehr, als dass sie es als Schlag fühlte. Es war kein Schmerz – nur ein Schreck – nicht mehr…
„Nun nimm deine Hand wieder zurück zu dir und lege sie unter die andere Hand, die noch auf deinem Solaplexus liegt, und Liebe strömen lässt.“
Mari spürte nun beide Hände übereinander… einen erleichterten tiefen Atemzug… und dann die Umarmung von Joel, der ihr dabei das Tuch von den Augen nahm und ihr ins Ohr flüsterte „Das Spiel ist vorbei.“

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Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge

Zitat: Herz über Kopf…

Der Kopf kann auf universelle Lösungen nicht zugreifen und daher fühlen wir uns oft überfordert. Dann entstehen Stress, Gefühle wie Angst, Druck und negative Gedanken. Wir wissen alle, dass positive Gedanken positive chemische Reaktionen in unseren Körpern auslösen. Der Punkt ist allerdings, dass das vielen nicht gelingt. Ängste, Wut oder Trauer sind so stark, dass positive Gedanken wie ein Tropfen Wasser in der Sonne verdunsten. Der Kopf ist wichtig, gar keine Frage, aber er sollte dem Herzen untergeordnet sein.

Wir denken positiv mit dem Kopf. Aber wie wir inzwischen wissen, hat auch das Herz ein Gehirn. Da müssen wir hin. Positives Denken, wie wir es bislang kennengelernt haben, ist der Versuch, das Herz mit dem Kopf zu erreichen. Und das klappt nicht.

Wenn du etwas ändern willst, solltest du als erstes verstehen, dass dein Gehirn dafür keine Impulse von außen braucht. Es braucht sie von innen. Wir müssen das Ding endlich umdrehen. Das was wir suchen ist in uns. Liebe, Dankbarkeit, Mitgefühl, Freude, und Glück. Das finden wir nicht im Kopf, all das ist in unserem Herzen. Wir sollten also das Gehirn des Herzens nutzen und damit das Gehirn des Kopfes speisen. Das ist der Weg wie sich Dinge wandeln, wie sich unser Leben ändern kann. Das ist der Weg des wahren positiven Denkens. Auf diese Weise werden Wünsche wahr. Und auf diese Weise ist eine andere Realität möglich.

Subina Giuletti
(aus dem Buch: Verrat mir deine Träume)

81. Gefühlsknoten…

Bei Joel – eine aufregende Ausgangssituation

„Liebe Mari,
wenn du heute zu mir kommst, bitte ich dich, ein Kleid zu tragen, das vorne durchgehend geknöpft ist – und nichts darunter.

Ich weiß, dass ist schon eine Herausforderung, aber für unsere weitere Reflexion über das Thema „Scham und Peinlichkeit“ wäre es sehr hilfreich.
Bis nachher dann – ich freu mich auf dich!“

Diese Nachricht kam am Vormittag, und seitdem tigerte Mari aufgeregt in ihrer Wohnung hin und her. Sie hatte zwei Kleider, die eine durchgehende Knopfleiste hatten. Nach langem Hin und Her entschied sich für ihr langes blaues Kleid. Die Tatsache, dass sie nichts darunter tragen sollte, machte ihr zu schaffen. Es war zwar schon frühlingshaft draußen, aber noch nicht allzu warm, insofern konnte sie auf jeden Fall draußen noch einen Mantel drüber ziehen. Aber was würde dann bei Joel geschehen? So aufgeregt wie heute war sie lange nicht mehr gewesen…
Joel wusste um die Intensität der Herausforderung und wartete gespannt, wie sie erscheinen und was sie sagen würde.
Die Gedanken, die sie auf dem Weg zu ihm hatte, kreisten nervös um diese Kleider-Frage. Nicht ohne Grund hatte er ja sicherlich die Vorgabe eines vorn gänzlich zu öffnenden Kleides gemacht. Und wenn es dann aufgeknöpft werden würde und sie gar nichts drunter hatte… Nein, das ginge einfach nicht! Am liebsten würde sie wieder umkehren, aber sie wollte diesem Vermeidungs-Impuls nicht folgen.

 Aufgeregt klingelte sie schließlich bei ihm. Freundlich wie immer begrüßte er sie, half ihr aus dem Mantel und lächelte als er das Kleid sah. „Ein hübsches Kleid hast du an! Das Blau steht dir gut.“
Im Wohnzimmer standen zwei Stühle einander gegenüber.
„Setz dich“, forderte er sie ruhig auf.
 Aufgeregt nahm sie Platz, und er setzte sich ihr entspannt gegenüber.
„Das Spiel beginnt.“
Sie nickte, hätte aber am liebsten wieder den Raum verlassen.
„Wie geht es dir, Mari?“ wollte er zunächst wissen.
Leise sagte sie: „So wie heute habe ich mich lange nicht gefühlt, ich würde am liebsten wieder gehen, wenn ich ehrlich bin. Deine Kleidungsvorgabe verunsichert mich sehr.“
„Verunsichert dich? Warum? Was befürchtest du?“
Mari spürte, wie eine Welle Wut in ihr hoch stieg. Als wenn er sich das nicht denken könnte… grummelte sie innerlich still vor sich hin. Und weiter dachte es in ihr: Jetzt bloß nicht pampig werden… Er muss ja nicht merken, wie mich das trifft. Aber was antworte ich darauf?
„Na die Knopfleiste wird ja nicht ohne Grund von dir gefordert worden sein!“ hörte sie sich schließlich sagen.
Er nickte. „Das stimmt. Aber du weißt auch, dass kein einziger Knopf ohne deine Zustimmung geöffnet wird – wenn überhaupt…“
„So? Weiß ich das?!“ entfuhr es ihr.
Ernsthaft blickte er sie an: „Ja. Das weißt du sehr genau!“
GefühlsknotenOh , Mari fühlte ein entsetzliches Gefühlsknäuel in sich, dass sie inzwischen kaum noch sortieren konnte.
„Du weißt, dass in unseren Sessions noch nie etwas passiert ist, was gegen deinen Willen war. Oder?“ erinnerte er sie.
„Stimmt irgendwie…“ musste sie zugeben.  Dennoch: Da war Wut in ihr, überhaupt in dieser Situation zu sein… Da war Scham… Da war Zweifel, ob sie sich im Ton vergriffen hatte… Da war Angst, dass er daraufhin sauer, genervt oder ärgerlich sein könnte… und das alles bildete einen unangenehmen Knoten in ihrem Solarlexus. Starr schaute sie aus dem Fenster.
„Bist du überhaupt bereit für eine gemeinsame Session, Mari?“ fragte er mit einem Gesichtsausdruck, den sie nicht deuten konnte.
„Joel, dieses Kleidungsthema hat so viel in mir ausgelöst… Beende unser Treffen bitte jetzt nicht, weil ich mich so daneben fühle.“
Er schüttelte den Kopf. „Wie kommst du auf sowas? Das habe ich absolut nicht vor! Aber ich habe das Gefühl, dass du zu blockiert bist, um dich auf eine gemeinsame Übung einlassen zu können. Und da ist es wichtig, erstmal hin zu schauen, was es ist, was sich da in dir bewegt.“ Freundlich schaute er sie an. „Was ist los, Mari?“
„Ja, es stimmt, ich fühle mich wirklich irgendwie blockiert! Da sind so viele schwierige Gefühle…“
Jetzt nachdem sie es ausgesprochen hatte, fühlte sie sich schon etwas leichter.
„Welche Gefühle sind das denn?“ fragte er, beugte sich etwas nach vorn und sah sie interessiert an.
Sie zögerte… „Sei dann aber bitte nicht sauer!“ 
„Ganz bestimmt nicht!“ versicherte er ihr.
„Okay“, sie gab sich einen Ruck, „als du vorhin gefragt hast `Was befürchtest du? Warum bist du verunsichert?´ ist Wut in mir entstanden, weil ich mir gedacht habe: `Das weißt du doch genau! Du ahnst doch sicher, dass deine Nachricht solche Gefühle in mir auslöst! Und wahrscheinlich hast du das auch bewusst getan! Und  nun stellst du dich verwundert und fragst nach, als ob das das Seltsamste von der Welt wäre!´  Gleichzeitig wollte ich aber nicht wütend sein und dir das vor allem nicht zeigen! Habe aber gespürt, dass ich es nicht ganz verbergen konnte, und dann habe ich mich geschämt, weil die Heftigkeit dafür sicher nicht angemessen war. Außerdem ist es mir peinlich, ohne irgendetwas unter meiner Kleidung zu sein.“
Joel nickte und fragte ruhig: „Was erzeugt in dir Wut, wenn ich unsere Vereinbarung umsetze?“
Verwirrt frage Mari: „Welche Vereinbarung? Was meinst du?“
„Wir haben vereinbart, dass wir uns innerhalb unserer Sessions unter anderem mit den Themen Sehnsucht, Angst,  Scham, Peinlichkeit beschäftigen – und das durchaus auch ganz praktisch. Dazu muss ich manchmal auch Situationen schaffen, die diese Gefühle auf den Plan rufen.“
Mari überlegte… schließlich erklärte sie: „Nicht über den Inhalt dieser Session war ich wütend, sondern über deine Frage, was mich verunsichert. Ich dachte, das ist doch eine rhetorische Frage, du weißt doch sicher, dass die Kleidung mich verunsichert. Außerdem ist diese Wut und die Verunsicherung einfach aufgestiegen, da hatte ich nicht das Gefühl irgendeine Entscheidung darüber treffen zu können, ob sie eine Daseinsberechtigung hat oder nicht, sie war einfach da!“
Er antwortete gelassen: „Ja, aber wir wollen doch genau dieser Verunsicherung und allen damit verbundenen Gefühlen auf den Grund gehen und sie soweit es möglich ist auflockern. Das ist doch unser Thema.“
Mari nickte: „Hast ja recht. Deshalb wollte ich ja auch nicht zeigen dass ich wütend war, weil ich es selbst nicht richtig finde.“
Freundlich schaute er Mari an. „Mari, alles, was du fühlst darf da sein. Verbergen ist nicht sinnvoll und gelingt meist auch nicht. Wenn wir offen drüber reden, können wir viel mehr erreichen. Doch um genau herauszufinden, was dich gerade bewegt, muss ich leider manchmal Fragen stellen, die dir nicht immer angenehm sind. Und manchmal frage ich noch tiefer nach, was es genau ist, was du mit einer Thematik wie jetzt die Verunsicherung verbindest, wie sie sich anfühlt, wodurch sie gerade entstanden ist, wo du sie im Körper fühlst, und so weiter. Dadurch wirst du dir selbst bewusster darüber, welche Gedanken es genau sind, die diese Gefühlsknäule in dir auslösen. Gedanken sind oft so flüchtig, passieren wie automatisch im Unbewussten, und erst wenn wir sie beobachten und untersuchen, entdecken wir, wodurch wir uns manchmal so blockiert, verunsichert oder wütend fühlen. Meist ist es so, dass unangenehme Gefühle durch Gedanken ausgelöst werden, von denen wir nicht mal im Ansatz wissen können, ob sie wahr sind. Und erst wenn wir diesen Gedanken auf die Spur kommen, und sie auf ihre Wahrheit und Nützlichkeit untersuchen, können sich die Gefühle verändern, die dadurch entstanden sind. Ich frage nicht, um dich zu nerven oder gar mich darüber zu erheben, was du fühlst, im Gegenteil, ich will erreichen, dass wir beide besser verstehen, was sich hinter deinen Gefühlen für Gedanken verbergen.“
Mari wurde rot – wie hatte sie sich wieder einmal geirrt in ihm! „Okay“, sagte sie leise.
Er beugte sich vor und nahm ihre Hand. „Mir ist klar, dass das nicht leicht ist, aber es gilt eben genau hinzuschauen.“
„In Ordnung – ich versuche es!“ antwortete sie leise.

„Prima! Also? Was bewegte sich in dir, seit du meine Nachricht erhalten hast? Was waren da für Gedanken und Gefühle?“
„Na ja… die Frage, warum ich nichts drunter ziehen und ein Kleid mit gänzlich durchgehender Knopfleiste anziehen sollte, legte für mich nahe, dass es eine mir peinliche Situationen geben wird, wenn es ums Öffnen der Knöpfe geht, und ich weiß nicht, ob und wie weit ich das tun oder zulassen kann. Und peinlich ist mir auch die Tatsache, dass unsere Session heute schon so verunglückt angefangen hat…“
„Verunglückt? Ach was! Schwierige Gefühle gehören zu dem, was wir hier tun, dazu. Das ist kein Unglück, im Gegenteil! Was sich zeigt, können wir beleuchten und klären.“ sagte er langsam. „Und was du zulassen kannst… nun, genau das gilt es herauszufinden – vielleicht nur ein Knopf, vielleicht drei, vielleicht keiner oder alle… Das ist ja gerade das Spannende, was wir beide bis jetzt noch nicht wissen. Und wie auch immer diese Herausforderung für dich sein wird, wie viele Knöpfe du öffnest oder auch nicht – es ist okay!“ 

Wie sie diese Herausforderung erleben wird, ist im folgenden Kapitel zu lesen.

Geschrieben von Rafael und Miriam

Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge

80. Druck – selbstgemacht

Bei Joel – Alles findet im Kopf statt

Als Mari auf dem Weg zu Joel war, dachte sie an das letzte Gespräch der beiden, indem sie ihm von ihren in letzter Zeit häufig auftretenden Träumen erzählt hatte, in denen es immer wieder um Prüfung und Versagensangst ging. Er hatte eine Andeutung gemacht dass er das im nächsten Treffen zum Thema machen würde.
Joel hat ein wenig umgeräumt und wartete auf sie.
„Hallo Mari, schön dich zu sehen, komm herein“, begrüßte er sie freundlich wie immer.
Und als sie eintrat, sagt er gleich: „Das Spiel beginnt.“
Ups, dachte Mari, das ging ja schnell heute, ohne Vorgespräch, ohne etwas zu trinken, da bin ich ja gespannt, was jetzt kommt…“
Im Raum stand ein Tisch und davor und dahinter ein Stuhl. Unschlüssig betrachtete sie dieses Setting und schaute ihn fragend an.
„Setz dich“, sagte er in seiner Meisterrolle sanft und brachte ihr ein Glas Wasser, ein paar weiße Blätter Papier und einen Kugelschreiber.
Das scheint tatsächlich mit dem Prüfungsthema zu tun zu haben, dachte Mari etwas beklommen.
Er setzte sich auf den anderen Stuhl ihr gegenüber hinter dem Tisch und fragte: „Bereit für heutige Lektion?“
„Ja, okay, ich bin bereit“, antwortet Mari.
„Ich werde Dir ein paar Fragen stellen“, erklärte er, „bitte schreibe die Antwort auf und lies sie mir dann vor, verstanden?“
Sie nickte: „Ja.“
„Ich werde dir auf jede Frage eine Punktanzahl sagen, und du schreibst sie dann auf das Papier unter die jeweilige Frage.“
„Hm, ja, in Ordnung. Wie viel sind denn die maximale Punktzahl?“
„Aufgabe 1“, sagte er und schaute sie an.
„Sie nickte.“
„Nenne drei Assoziationen zum Thema Vertrauen.“

Krampfhaft überlegte sie,. Warum fällt ihr nur so schnell gar nichts ein? Vertrauen… vertrauen… vertrauen… kann gelingen oder auch nicht… Dachte sie. Und dann schrieb sie auf:
– Selbstvertrauen
– Gottvertrauen
– Vertrauen ins Leben
Und dann las sie ihm die 3 Begriffe vor.
Er nickte nachdenklich. „Ok, 2 Punkte. Schreib sie dazu.“
So schrieb sie die Zahl 2 und fragte sich: Welcher der drei Begriffe war wohl falsch? Warum habe ich nicht die vollen 3 Punkte erhalten.
„Die nächste Aufgabe“, kündigte er an, „vervollständige den Satz: Wenn ich meinem Meister nicht vertraue, dann …
Und sie antwortete spontan: „… dann habe ich es schwer in dem, was wir hier tun.“ Auch das las sie laut vor.
„3 Punkte“, sagte er.
Das scheint so eine Art Zwischenprüfung zu sein, die sich auf unsere Thematik hier bezieht, dachte Mari beklommen. So gut fühlt sie sich mit ihrem Vertrauen noch nicht…
„Nenne drei Dinge, die es dir schwer machen zu vertrauen.“
„Angst zu versagen, Angst vor unangenehmen Erfahrungen, Angst vor peinlichen Momenten.“ „Hmmmm,“ sagte er, „notiere einen Punkt.“
Traurig schrieb sie einen Punkt auf und ein unangenehmes, heißes Gefühl kroch ihr den Rücken hinauf. Weiter ging es. „
„Nenne drei Dinge die dir peinlich sind.“
Oh jeh, dachte Mari, diese Fragen werden ja immer unangenehmer… Und sie schrieb nach einiger Überlegung auf und las dann vor:
Wenn mir nichts einfällt zu sagen auf eine Frage…
Wenn ich unangemessen oder spärlich angezogen bin…
Wenn ich Fehler mache…“
„Einen Punkt“, sagte Joel. Sie schrieb die Eins hin und überlegt, was wohl passieren würde, wenn das Gesamtergebnis dieser Prüfung ungenügend wäre. Was hätte das wohl zur Konsequenz? Wenn sie doch wenigstens wüsste, was für ein System dieser Bewertung zugrunde liegt.
Weiter fragte er: „Nenne drei Dinge, die dir Lust bereiten und gut tun.“
Für diese Frage brauchte sie nicht allzu lange nachzudenken: „Umarmen, Streicheln, Kopfmassage.“
„Zwei Punkte“, sagte er. Sie schrieb die Zahl zwei auf und überlegte, welcher von den drei Begriffen für ihn wohl nicht einen Punkt wert waren.
Weiter ging es: „Nenne drei Dinge die erregend sind für dich.“
Mari saß vor ihrem Papier… Was könnte sie nur aufschreiben? Es war nicht so, dass ihr nichts einfiel, aber alles in ihr sperrte sich dagegen, diese Gedanken aufzuschreiben und ihm anschließend vorzulesen. Die Frage war einfach zu peinlich… Der Widerstand zu groß…
Er schaute auf die Uhr.
Schließlich sagte sie: „Ich kann dazu nichts aufschreiben, entschuldige bitte.“
Er nickte und meinte: „Null Punkte.“
Ihr fällt zwar ein dass es sie erregt an der Brust berührt zu werden, aber sie bringt es nicht fertig das aufzuschreiben
Das war klar, sie schrieb die Null hin und kämpfte mit den Tränen.
„Dann schauen wir mal. Zähl mal alles zusammen. Wie viele Punkte hast du insgesamt?“
„15“ antwortete sie.
„Und? Was glaubst du, hat es gereicht?“
Was würde das denn jetzt bedeuten? Und welche Folgen würde es haben? überlegte sie in Gedanken und antwortete: „Ich weiß es doch nicht. Ich hoffe zumindest, dass ich nicht durchgefallen bin, auch wenn ich die letzte Frage gar nicht beantworten konnte.“
„Hm, du meinst du hast bestanden?“
So wie er das fragt, klingt es eigentlich nicht so. Drängte sich ein unangenehmer Verdacht auf. Aber tapfer vertrat sie sich: „Wenn ich selbst jetzt meine eigene Lehrerin wäre, dann würde ich schon meinen ich hätte bestanden, ich habe, so meine ich, jede Frage bis auf die letzte beantwortet.“ Und so bekräftigte sie noch einmal: „Ja, ich glaube ich habe bestanden.“
„Und wie fühlt sich das an?“ fragte er mit undurchdringlichem Blick.
„Im Moment noch sehr unsicher, weil ich ja nicht weiß ob es stimmt. Kannst du mir nicht bitte sagen, was du darüber denkst? Wie dein Urteil ist?“
Er redete weiter, ohne ihre Frage zu beantworten. „Und was könntest du wohl bestanden haben?“
Mari zuckte mit den Schultern. „Ja, wenn ich das wüsste… Diese ganze Situation ist irgendwie so undurchschaubar
Geht es vielleicht darum, wie zufrieden du mit mir hier bist?“
„Und? Wie wirke ich? Bin ich zufrieden?“ fragte er weiter.
Unschlüssig scheute sie ihn an. „Auch du wirkst ziemlich distanziert und undurchschauber, also ich neige dazu zu sagen, du wirkst nicht sehr zufrieden.“ Traurig schaute Mari an ihm vorbei aus dem Fenster.
„Das ist eine Interpretation – in einer Situation, die du, wie du sagst, nicht durchschaut hast. Eben warst du noch der Meinung bestanden zu haben. Warum sollte ich dann unzufrieden sein?“
„Du wirkst auf mich irgendwie so… Und meine Einschätzung, kann ja abweichend sein von dem sein, was du denkst.“
„Kann… aber muss nicht! Gerade warst du noch von dir überzeugt. Warum jetzt so unsicher?“
„Ich weiß nicht… Deine Fragen und dein Auftreten verunsichern mich.

Er begann, etwas zu lächeln. „Das war eine schwierige Prüfung, oder?“
Jetzt kamen Mari die Tränen tatsächlich, sie konnte sie nicht mehr zurückhalten. „Ja, das war wirklich eine schwere und unangenehme Prüfungssituation!“
Er ergriff sofort ihre Hand, drückte sie sanft und nickte. „Waren das so ähnliche Gefühle, wie du sie in deinen Träumen hast, die dich so belasten?“
„Ja stimmt, so ähnlich…, aber sag mir doch jetzt bitte mal, was du über mich denkst?“ brachte sie aufgeregt heraus.
Er lächelte: „Ich finde, du hast du gut behauptet in einer merkwürdigen Situation…, die… du viel zu ernst genommen hast.“
„Wie meinst du das?“ Fragend schaut Mari ihn an.
Er antwortete gelassen: „Na, was bringt mich denn im eine Position dich zu prüfen? Und was hätte es für einen Sinn, Vertrauen zu bewerten? Und was hätte es darin für eine Konsequenz oder für einen Abschluss geben sollen? Aber die Situation hat dich sofort gefangen genommen…“
„Ja, das stimmt, ich habe mich durch das Setting in einer ziemlich heftigen Drucksituation gefühlt. Ich dachte nach und nach immer mehr, dass es darum geht, wie zufrieden du mit mir bist hier in unserem Miteinander – grundsätzlich, und speziell heute in dieser Prüfungssituation ganz besonders.“
„Meinst du echt, über Vertrauen und ähnliches würde ich eine schriftliche Prüfung machen? Schon sehr unwahrscheinlich, oder?“
„Darüber habe ich gar nicht nachgedacht. Das hat mich gefühlsmäßig alles tatsächlich sehr an meine Träume erinnert…“
Joel nickte. „Ja, ich wollte dich diese Gefühle bewusst spüren lassen und sehen, wie du reagierst. Du hast nicht gezögert, nichts in Frage gestellt, warst sofort drin.“
Sie entgegnete: „Ganz am Anfang habe ich eine Frage nach dem Bewertungssystem gestellt, aber die hast du ignoriert, und dann traute ich mich nicht weiter zu fragen. Und stimmt… dann war ich in der Situation gefangen.“
„Wie geht es dir jetzt?“ fragte er.
„Naja, noch ziemlich durchgerüttelt. Das waren ja auch Fragen, die mich tief innen betroffen haben. Und ich wüsste immer noch gern, was du über meine Antworten gedacht hast.“
„Ich habe allem einfach nur interessiert zugehört ohne es wirklich zu bewerten. Das war nur Show, um es prüfungsähnlich zu machen. Ich habe bewusst einfach nur Zahlen genannt, die eigentlich gar keinen Sinn ergaben.“
Mari schüttelte verwundert den Kopf. „Es waren ja immer drei Dinge, nach denen du gefragt hast. Deshalb dachte ich, dass die Zahlen je nach deiner Zufriedenheit eine eins, zwei oder drei ergeben müssten, also drei wenn alles top war und eins ziemlich mangelhaft. Na ja und 0 war ja sowieso klar am Ende. War es nicht so?“
„Nein, das hast du dir nur so ausgedacht. Du kanntest die Kriterien nicht… weil… es keine gab!“
„Es gab absolut keine??? Und dabei hast du manchmal so ausgesehen, als würdest du genau nachdenken.“
Er lachte. „Ich wusste nicht einmal, wie die nächste Frage lauten würde, das ergab sich nach und nach aus dem, was du sagtest.“
„Das ist ja dann eine seltsame Prüfung… Was war deine Absicht dabei?“
„Ich wollte dich mit den Gefühlen deines Traumes konfrontieren und dir die Gelegenheit geben, sie bewusst in einer sicheren Situation wahrzunehmen, in der du zum Beispiel auch hättest aussteigen oder die Prüfung verweigern können, oder sie mit Humor nehmen… Wie auch immer – ich wollte kein Wissen, sondern Reaktionen wahrnehmen und heraus kitzeln. Die Situation war eigentlich ganz harmlos.“
„Aber angefühlt hat sie sich nicht so harmlos!!! Du hast sie so gestaltet dass sie schon ziemlich bedrückend für mich war.“
„Der Druck passierte aber nur in deinem Kopf. Ich habe dir keine negative Folge angedroht oder auch nur irgendwie angedeutet und in den Raum gestellt.“
„Ja das stimmt, gab Mari zu, „aber wenn du ehrlich bist, hast du schon einiges dazu getan, dass ich mich so verunsichert gefühlt habe, oder?“
„Ja, aber du hast dich sofort einfach darauf eingelassen.“
„Du hast mich, glaube ich, absichtlich in eine Drucksituation gebracht – und ja ich habe mich einfach darauf eingelassen das stimmt.“
„Ja, und den Druck hast du dir selbst gemacht, „ich habe keine Erwartung gestellt, keine Anforderung, keine mögliche Konsequenz genannt, ja, ich habe nicht mal das Wort Prüfung erwähnt.“
„Hast du nicht??? Das ist mir gar nicht mehr ganz präsent. Für mich war die Situation so eindeutig… Aber sag doch mal ehrlich, das hast du doch erwartet oder?“
„Ein Stück weit schon, aber ich habe ganz bewusst auf jede Formulierung verzichtet, die mit Prüfung zu tun hat, um dir zu zeigen, dass du dir den meisten Druck ganz alleine in dir selbst machst.“
„Na das ist dir gelungen!“
„Und was denkst du jetzt darüber?“
„Es passiert ziemlich von alleine, und das leider sehr oft, dass ich mir Druck mache, meine ich. Ich würde mir von mir selber wünschen, dass ich nicht so schnell in solche Fallen tappe.“
„Wichtig ist, dass du erkennst, dass du selbst dir den Druck machst!“
„Das hilft mir aber, glaube ich nicht, dass ich beim nächsten Mal nicht wieder in diesen Automatismus hinein gerate. Das passiert irgendwie ganz von alleine, ohne dass ich mir dessen bewusst bin.“
„Du wirst dich an diese Situation heute sicher öfter erinnern, wenn wieder solche Gefühle in dir entstehen, und dann ist der wichtigste Schritt zu prüfen, wer in der Situation die Erwartung hat.“
Mari wiederholte die Worte: „… wer in solchen Situationen die Erwartung hat. …Du meinst, das bin meistens ich selbst – und ich projiziere dann meine Erwartungshaltung in den anderen hinein…?“
Joel nickte. „Ja, vermutlich ist das oft so – auf jeden Fall zwischen uns beiden, aber wahrscheinlich auch öfter mal in deinem täglichen Leben. Du machst dir den meisten Druck selbst – und nur du kannst dann den Druck such verringern.“
Mari nickte nachdenklich – Ja, da ist was dran, aber im Außen können andere Menschen schon verstärkend auf den Druck einwirken oder entlastend. Allein schon ein Lächeln oder ein distanzierter Blick können ein subjektives Druckgefühl verstärken oder lindern, finde ich.“
„Ja sicher können andere dein Druckgefühl erhöhen oder lindern, aber frage dich immer, ob die anderen wirklich bestimmte Erwartungen an dich haben, oder ob du das nur vermutest. Und selbst wenn sie welche an dich haben, wäge für dich ab, ob du sie erfüllen willst, oder nicht. Es ist immer deine Wahl.“
„Ja das stimmt, das ist meine Verantwortung, da hast du recht. Und selbst wenn sie Erwartungen haben und sich so verhalten dass sie den Druck erhöhen, ist es ja meine Entscheidung, ob ich mich von ihnen abhängig machen will oder nicht…“
Joel nickte bestätigend. „Ja genau. Und welche Situation könnte es schon geben, wo du wirklich unter Druck kommen könntest? Wie viele Prüfungen willst du denn machen?“ Dabei lächelte er.
„Aber auch ohne reale Prüfungen erscheint mir das Leben oft wie eine grpße Prüfung. Ich habe Angst davor, dass andere von mir enttäuscht sind. Frage mich immer, ob ich mich angemessen verhalten habe, ob ich etwas vermasselt habe ohne es zu merken… Es geht glaube ich darum, mich von ihrer Erwartungshaltung unabhängig zu machen.“
„Ja, denn nur in echten Ptüfungssituationen ist ihr Urteil wirklich entscheidend.“
„Stimmt, der wichtigste Mensch in meinem Leben bin ich – und entscheidend ist was ich selber von mir denke.“
„Jeah! Das ist der Punkt! Damit ist das Spiel fast zu Ende… Eine Frage noch.“
„Ja ??? Mari nahm wahr, wie ihr Herz schon wieder unwillkürlich zu klopfen begann.“
„Gibt es wirklich nichts, dass dich erregt?“
Mari antwortete etwas verlegen: „Doch, natürlich gibt es Dinge, die mich erregen, aber ich war einfach nicht in der Lage sie aufzuschreiben.“
„Nun dann freue mich darauf, sie nach und nach zu erfahren.“ Er lächelte. „Das ist Spiel ist vorbei.“

„Kannst du mich jetzt bitte mal ganz fest in die Arme nehmen?“ fragte sie erschöpft.
„Aber gerne doch!“ Er kam zu ihr, und sie schmiegte sich in seine Arme. „Das tut jetzt sooo gut,“ flüsterte sie.
Er drückte sie sanft und eng an sich.
Sie atmete ganz tief. „Gott sei Dank ist diese Situation vorbei!“
„Du hast sie gut gemeistert!“ sagt er leise in ihr Ohr.
Erstaunt schaute sie ihm in die Augen: „Das meinst du nicht wirklich?! Ich habe mich ja richtig gefangen nehmen lassen. Habe das alles nicht durchschaut und einfach mitgespielt. Aber eins sage ich dir: Daraus will ich wirklich was mitnehmen!!!“
Er nickte: „Na, dann hat es doch einen Sinn gehabt! Und ich muss schon sagen: Du hast dich tapfer da durchgekämpft und warst sogar der Meinung dass du es geschafft hast. Das ist schon nicht so leicht gewesen!
Du hättest auch viel früher aufgeben und scheitern können.“
Mari lächelte: „So habe ich das noch gar nicht gesehen, da hast du auch wieder recht. Jetzt habe ich noch eine Bitte an dich.“
„Welche?“ fragte er interessiert.
„Könntest du bitte sagen: Mari, du hast die nicht stattgefundene Prüfung bestanden!“
Er lächelte und sagte laut und deutlich: „Mari, du hast die nicht stattgefundene Prüfung bestanden!“
„Danke!“ Jetzt lächelte auch Mari 😊 und fühlte sich richtig froh.

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79. Belastende Träume von Versagensangst

Bei Mari
In letzter Zeit hatte Mari immer wieder unruhige, manchmal ziemlich heftige belastende Träume von Prüfungssituationen, in denen sie mit Versagensangst zu kämpfen hatte. Die Angst , die ihr gestellten Fragen falsch zu beantworten und dann entsprechende Sanktionen zu erhalten, führte sie in ihren Träumen häufig dazu, dass sie kein Wort heraus brachte. Wenn sie dann aufwachte aus dem Traum, hatte sie oft durch die Verspannung im Schlaf Kopfschmerzen und fühlte sich morgens schlapp und unausgeruht.

Als sie Joel davon erzählte, wurde er nachdenklich und meinte schließlich: „Das Thema Prüfung und Versagensangst scheint in dir gerade an die Oberfläche zu kommen. Es sieht so aus, als schreit es regelrecht danach, bewusst wahrgenommen und verarbeitet zu werden.“
Mari nickte. „Ja, den Eindruck habe ich auch. Was könnte ich tun, um es zu verarbeiten?“

Joel schaute sie nachdenklich an. Es war, als würde er einer für sie nicht hörbaren Stimme lauschen…
Schließlich meinte er: „Verarbeitung der Gefühle geschieht ja dadurch, dass wir sie bewusst fühlen, dass wir spüren, wie sie sich im Körper anfühlen und ihnen Raum geben, da zu sein im Wissen, dass in der aktuellen Situation – im Gegensatz zu früher, wo sie entstanden sind, dabei nichts Schlimmes geschehen kann.

Was würdest du davon halten, wenn wir uns in einem nächsten Spiel diesem Thema zuwenden und eine Prüfungssituation gestalten, in der du die Gelegenheit hast, diese Gefühle in einem geschützten Raum, in dem du weißt, dass dir nichts wirklich Schlimmes geschehen kann, bewusst zu spüren?“
„Mari wurde es etwas unbehaglich zumute, und sie versuchte, das mit einer etwas flapsigen Bemerkung zu überspielen: „Wie jetzt? Wollen wir Schule spielen?!“ Sie lachte etwas zu hektisch dabei.
Ruhig und ernsthaft schaute Joel sie an…
Als sie wieder stiller wurde und er immer noch nichts sagte, sah sie ihn fragend an.
Und schließlich antwortete er ruhig: „Ja, so etwas in der Art. Lass dich überraschen…“

Was er sich dafür einfallen lässt, erscheint in Kürze im darauf folgenden Kapitel.

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77. Manchmal geht es einfach darum, nichts zu tun

Bei Joel – mit aller Angst durch die Erfahrung hindurch gehen

Joel hatte Mari mit zwei Osterkörbchen voller bunter Eier überrascht. In einem Körbchen gab es Eier, die mit einer Herausforderung verbunden waren, und im anderen waren Eier, die ein Geschenk für sie beinhalteten. Mari hatte sich zuerst das Ei mit der Herausforderung ausgesucht. Diese bestand darin, ihre Kontrolle dadurch einschränken zu lassen, dass Joel, der innerhalb des heutigen Spiels wieder einmal die Meisterrolle für sie einnahm, ihr auf einem Stuhl die Hände hinter der Rückenlehne fesselte.

Als er das Seil um beide Gelenke band und es dann deutlich fester zog, rief sie: „Joel, ich habe Angst! Das fühlt sich anders an als letztes Mal!!!“

Geduldig abwartend hielt Joel sanft ihre Hände, drückte sie leicht und fragte sanft: „Geht es noch?“

Mari zögerte einen Moment. „Ich möchte es gern schaffen“, sagte sie schließlich mit zittriger Stimme.“
„Gut, Mari! Tief atmen,“ erinnerte er sie daraufhin mit ruhiger Stimme.

„Machst du es wieder so, dass ich mich zur Not selbst heraus lösen könnte?“ wollte sie wissen.
Er lenkte ihre Aufmerksamkeit wieder auf die Atmung: „Ein und ausatmen, Mari. Immer wieder ganz in Ruhe: ein und aus, ein und aus… Ja, gut so, und dehne die Ausatmung etwas aus, dass du länger aus als einatmest. Das entspannt.“

Okay, Mari versuchte langsamer zu atmen, in dem Rhythmus, den er ihr mit seinen Worten vorgab: ein und aus – ein und aus…
Er zog noch etwas fester an dem Seil und machte einen Knoten.  
Obwohl sie sich immer noch darauf konzentrierte, langsam und bewusst zu atmen, verstärkte das ihre Angst.
„Ich werde darauf achten, dass dir nichts passiert“, sagte Joel.
Sowohl seine Worte, als auch seine besänftigende Stimme taten ihr gut, und sie spürte, wie der Druck in ihrem Kopf und das Zittern daraufhin ein wenig nachließ.

Schließlich trat er einen Schritt zurück. „So, die Fesselung ist fertig.“

Mari versuchte, ihre Hände auseinander zu ziehen und stellte entsetzt fest, dass es diesmal nicht funktionierte. Wie ein heißer Strom schoss eine weitere Angstwelle durch sie hindurch.
„Einfach nur sitzen bleiben“, sagte Joel sanft und stellt sich an ihre Seite dicht neben sie.
„Ich kann jetzt gar nichts machen“, rief Marie panisch, „das ist anders als beim letzten Mal! Ich könnte so nicht mal aufstehen vom Stuhl!“
Ruhig antwortete er: „Ja, stimmt. So ist es in diesem Moment. Ich sagte doch:
Bleib einfach still sitzen. Du sollst nichts machen, und ich werde nichts machen. Es geht jetzt nur darum, den Moment auszuhalten.“

Ihr Körper fühlte sich heiß und kalt gleichzeitig an. Sie hielt die Luft an und versuchte zu tun, was er sagte, einfach nur still sitzen… In Gedanken sagte sie sich den Satz noch einmal: Einfach nur still sitzen… Nichts machen…. und er wird nichts machen…
Er stand ganz still und ruhig direkt neben ihr. Sie drehte den Kopf zur Seite, sah ihn an und fragte mit wackeliger Stimme: „Würdest du bitte eine Hand auf meine Schulter legen?“
Er nickte lächelnd und legte seine warme Hand ganz behutsam auf ihre angespannte Schulter.

Diese Berührung war für sie wie ein Halt in der Heftigkeit ihrer Angst-Gefühle. Sie konzentriert sich auf ihre Schulter und spürte, wie ein warmer Strom von dort aus durch ihren Körper floss. Dabei atmete er deutlich hörbar dicht neben ihr, um ihr einen sanften Rhythmus vorzugeben – in der Absicht, auf diese Weise, ihren Atem zu synchronisieren und ihn dadurch allmählich zu beruhigen. Diese ruhigen Atemzüge, die er so hörbar machte, dass sie ihnen leicht folgen konnte, helfen ihr, sich langsam etwas zu entspannen. Er atmete sehr deutlich, und sie setzt ihre ganze Willenskraft und Konzentration ein , um sich mit ihrer Atmung anzupassen. Nur ab und zu zuckte in ihrem Körper eine Angstwelle durch, die sie wieder aus dem Rhythmus brachte.

„Das machst du sehr gut Mari“, sagte er sanft.
Seine Worte ließen sie unwillkürlich einen besonders tiefen Atemzug nehmen, der ihre Anspannung milderte und ihr half, den angestauten Druck mit dem Ausatmen aus sich heraus fließen zu lassen.

Nach einem kleinen Weilchen trat er wieder hinter sie und sagte: „Gut, Mari, gleich hast du es geschafft. Ich werde dich jetzt losbinden, aber vorher versuch noch einmal die Hände voneinander zu lösen und spüre, dass du diesmal wirklich gefesselt bist und dich nicht selbst befreien kannst.“

In dem Moment, in dem er seine Hand wieder von ihrer Schulter nahm, sich von ihr einen Schritt entfernte und sie erfolglos versucht ihre Hände aus den Seilen zu befreien, fühlte es sich noch mal wieder ziemlich schlimm in ihr an. „Es geht wirklich nicht!“ brachte sie hervor.

„Ja das stimmt“, bestätigte er, „und jetzt bitte still halten. Ich werde jetzt den Knoten öffnen.“
So bewegungslos wie möglich hielt sie ihre Hände und wartete auf den Moment, in dem sie sie wieder bewegen konnte. Es dauerte etwas. Dieser Knoten war nicht ganz leicht zu lösen. Sie versuchte, sich weiterhin mit Ein- und Ausatmen in der Situation ruhig zu halten. Schließlich konnte er das Seil ganz sanft wegziehen. Sofort nahm sie die Hände vor sich auf den Schoß und bewegte sie etwas. „Puh, bin ich froh, dass das jetzt vorbei ist!“

Er ging um sie herum, stand schließlich vor ihr, breitete seine Arme aus, um sie zu einer Umarmung einzuladen. Nur allzu gern nahm sie dieses Angebot an. Fest nahm er sie in die Arme. Oh, tat das gut!
Das Gehalten-werden und die Wärme, die von ihm ausging, war ein solcher Gegensatz zu den Gefühlen, die sie davor hatte, dass ihr die Tränen kamen. „Diese Erleichterung jetzt zu spüren, ist so wunderbar! Das ist ein fantastisches Gefühl!“, brachte sie hervor.

„Ja, jetzt ist alles gut“, lächelte er, „dir ist nichts passiert! Und um dieses intensiver Erleichterungsgefühl zu spüren, lohnt sich doch das Aushalten der Herausforderung davor, oder?“

 „Stimmt, mir ist wirklich nichts passiert! Und die Angst dabei hat sich sehr heftig angefühlt, aber jetzt hinterher… das ist ein richtiges Glücksgefühl!“ bestätigte sie. 

Dann sagte sie nachdenklich: „Dabei weiß ich doch inzwischen, dass ich vor dir keine Angst haben muss, aber trotzdem war in diesem Moment das Gefühl der Angst ganz schlimm, als ich merkte, dass ich die Hände nicht auseinander bekam.“

„Die Angst ist eben ein altes Gefühl, das in den Körperzellen gespeichert ist. Und dieses Mal warst du wirklich gefesselt! Das hätten wir so bisher nicht machen können, und du hast es geschafft, es gut auszuhalten.“

„Ja, das stimmt, diesmal war es wirklich fest. Und du hast es mir vorher nicht gesagt!“

Er nickte. „Du sollst mir ja vertrauen, egal was ich mache.“

„Das versuche ich auch immer – so gut es geht…“ antwortete sie leise.
„Ja, das merke ich, Mari.“ bestätigte er. „Und du hast die Situation gut bewältigt.“
„Naja, ich habe schon ziemlich Angst gehabt, aber ich wollte gerne schaffen, mit all der Angst, durch die Situation hindurch zu gehen.“
„Und das ist dir gut gelungen! Du warst sehr mutig und tapfer Mari“, lobte er sie.

„Danke schön, lieber Meister, das freut mich, dass du das so siehst!“ freute sie sich und löste sich langsam aus seinen Armen.

„So, wir haben noch eine zweite Runde!“ sagte er daraufhin.

„Ach so??? Noch mal ???“ fragte sie erstaunt.  Dabei war sie doch gerade so erleichtert, dass sie die Fessel-Erfahrung, die diesmal deutlich fester war, als beim Mal davor, überstanden hatte…

Und wie es in der nächsten Runde weitergeht, gibt es am Ostersonntag zu lesen

geschrieben von Raffael und Miriam

Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge

76. Eine fesselnde Herausforderung

Bei Joel
Mari und Joel saßen bei Kaffee , Tee und Gebäck noch etwas gemütlich zusammen, bevor das heutige Spiel begann, in dem Joel wieder die Meisterrolle für Mari einnahm. Anschließend ging Joel in die Küche und kam mit zwei Osternestern zurück, die er auf den Tisch stellte.
„Ach die sehen ja süß aus“, meinte Mari fröhlich.
„Ich dachte mir… eine kleine Osterüberraschung“, lächelte Joel verschmitzt.
„Süße Idee!“
„Aber da ist nicht nur Schokolade drin“, meinte er.
„Oh, was gibt es denn noch in den Eiern? Vielleicht Eierlikör?“ Mari schaute versonnen zu den Osternestern.
„Nein, sie sind mit etwas umwickelt, dass ich hinzu gefügt habe“, antwortete er mit einem Blick, den sie nicht deuten konnte.
„Was hast du denn hinzu gefügt?“ fragte sie, worauf er ihr erklärte: „In dem linken Körbchen sind Geschenke, und im rechten stecken Herausforderungen.“
„Wie jetzt… Wie meinst du das?“ Langsam ahnte Mari, dass die Eier nicht nur süß waren.
Ernst schaute er sie an und antwortete: „Nun, in jedem Ei des linken Körbchens ist etwas, von dem ich hoffe, dass es dir Freude bereitet, und in jedem Ei des rechten Körbchens steckt eine Herausforderung für dich – etwas, dass du tun oder erfahren kannst.“
Mari wurde unruhig. „Ach so…? heute…? Jetzt…? Hier…?
Er nickte. „Ja, beide Sorten Eier sind für hier und jetzt bestimmt. Das Spiel beginnt!“
Fragend schaute Mari ihn an. Was würde jetzt kommen?
Er trank ganz in Ruhe einen Schluck Kaffee, und sie spürte, wie das wohlbekannte Kribbeln ihrer Aufregung langsam in ihr aufstieg.
Schließlich sagte er: „Mari, du darfst dir jetzt aus jedem Körbchen ein Ei nehmen. Wähle sie jetzt aus und
lege sie vor dich hin.“
Mari betrachtete die beiden Körbchen und versuchte, irgendwelche Ahnungen zu bekommen, welches Ei jeweils für sie das Beste sei. Ob die Farben etwas darüber verraten würden…? Schließlich entschied sie sich für ein gelbes Ei aus dem Geschenke-Körbchen und für ein rosafarbenes Ei aus dem Körbchen der OstereierHerausforderungen. Rosa ist eigentlich die zarteste Farbe, dachte sie dabei, möge es also auch die sanfteste der Herausforderungen sein.
Nachdem sie ihre Wahl getroffen hatte, fragte Joel: „Welches Ei würdest du gerne als erstes öffnen?“
Diese Entscheidung fiel ihr leicht: „Das rosafarbene Ei aus dem Körbchen der Herausforderungen, dann weiß ich wenigstens, woran ich bin.“
„Ja dann…“ meinte er und schob das gelbe Ei etwas zu Seite.
„Soll ich es jetzt auswickeln?“ fragte Mari.
„Ja bitte“, nickte er und beobachtete sie.
Vorsichtig wickelte sie das rosafarbene Papier ab, mit dem das Ei umwickelt war und strich es glatt. Es erwies sich als ein Zettel, auf dem etwas geschrieben stand.
„Ich möchte, dass du den Text laut vorliest“, sagte er.
„Da die Schrift ziemlich klein war, musste sie einen Moment lang genau hinschauen. Dann erkannte sie die Schrift, schaute ihn kurz an und las:
Übung macht den Meister:  Abgabe deiner Kontrolle in einer Weise, die du so ähnlich bereits kennst.
Er schaute sie fragend an: „Und? An was denkst du?“
Von den beiden Ideen, die ihr kamen, wählte sie die für sie angenehmere Variante: „Willst du mir die Augen verbinden?“
Er schüttelte den Kopf. „Nein – nicht die Augen.“
Dann wurde ihre Befürchtung also wohl wahr. „Meinst du… meine Hände?“
Er nickte: „Ja – eine echte Osterüberraschung, oder? Und wie so oft wird es um die Stärkung deines Vertrauens gehen.“
„Ach Mensch, Joel… hätte ich doch ein anderes Ei genommen!“
„Was, wenn dies das harmloseste Ei war?“
Mari runzelte die Stirn. „Äh, was hast du dir denn noch ausgedacht???“
„Das wird nicht verraten und ein Umtauschrecht gibt es ohnehin nicht“, sagte er ernst, stand auf und holte ein Seil.
Mari spürte augenblicklich, wie ihr Adrenalinpegel stieg. Dabei versucht sie sich mit dem Gedanken zu beruhigen, dass sie Joel ja nun schon ein Weilchen kannte und ihm vertraute. Aber dieser Gedanke hatte nicht die Kraft, sie wirklich zu beruhigen.
„Setz dich bitte hierher.“ Zögernd stand sie auf und setzte sich auf den Stuhl, den er nun in die Mitte des Zimmers gestellt hatte.
„Streck deine Hände nach hinten“, sagte er sanft.
Sie atmete tief durch und tat was er verlangte. Behutsam griff er ihre Hände und zog sie leicht nach hinten.
Sie spürte dabei, wie ungeschützt sie sich fühlte in dieser Körperhaltung mit den Händen hinter der Stuhllehne und atmete möglichst tief um sich zu beruhigen.
„Es wird dir nichts passieren“, flüsterte er ihr ins Ohr. Mari hatte so mit sich zu tun, dass sie nichts antworten konnte. Sie wollte gern möglichst ohne Widerstand diese Übung schaffen, aber es fiel ihr schwer, auch wenn sie wusste, dass er ihr nichts tun würde. Ihre Emotionen und ihren Körper erreichte dieses Wissen nicht.
Joel begann, das Seil vorsichtig um ein Handgelenk zu wickeln. Es kostete sie viel Überwindung, die Hände beide hinten zu lassen, aber sie erinnerte sich an das letzte Mal, in dem er es nicht wirklich fest geknotet hatte, und sie es hätte öffnen können, wenn sie gewollt hätte. Nun wickelte er das Seil um das zweite Handgelenk. Ihr Magen fuhr Fahrstuhl, und in ihren Händen und Füßen kribbelten Ameisen, aber sie behielt die Hände hinten. Er band das Seil um beide Gelenke und zog es etwas fester. Dieser Reiz brachte sie an den Rand ihrer Nervenkraft, und sie rief: „Joel, ich habe Angst! Das fühlt sich anders an als letztes Mal!!!“

Wie es in dieser Übung weiter geht, erscheint morgen

geschrieben von Raffael und Miriam

73. Notwendig? Hilfreich? Der Situation angemessen?

Bei Joel – Fragen zum Einordnen alter Gefühle

Zu Beginn des heutigen Spiels hatte Joel zu Mari gesagt:
„Gefühle von Angst, Scham und Peinlichkeit fühlst du ja oft. Deshalb denke ich, dass es sinnvoll ist, wenn wir uns mit ihnen in der nächsten Zeit ganz bewusst beschäftigen.
Es geht darum jedes Gefühl wahrzunehmen und eine Entscheidung darüber zu treffen, welche Bedeutung du ihm heute geben willst und bewusst mit ihm durch die Situation gehen.“

Joel brachte einen Stuhl und wies sie an: „Setz dich. Du wirst jetzt gleich nichts mehr sehen können. Das kennst du ja bereits, hatten wir ja schon mehrmals gemacht.“
Sorgsam darauf achtend, dass er ihr die Haare nicht in den Knoten des Tuches einklemmte, band er ihr ein Tuch um die Augen. „Wie fühlst du dich?“
„Etwas beklommen, unsicher.“ antwortete sie.
„Fühlt sich das schlimm an?“
„Nein, nicht wirklich schlimm.“
„Was macht das Schamgefühl wegen der aufgeknöpften Bluse?“
„Ist noch da“
„Stärker oder weniger stark?“
„Stärker“
„Du merkst, mit verbundenen Augen fühlt man intensiver.
Er trat hinter sie. Maris Unbehagen verstärkte sich in diesem Moment.
Dann legt er mit einem angenehmen Druck seine warmen Hände auf ihre Oberarme. „Das tut gut.“ sagte sie leise.
„Ja, ich weiß, mit dem Berühren und Halten deiner Arme vermittele ich dir Geborgenheit und Schutz. Dadurch wird das andere weniger heftig, stimmt´s?“ Sie nickte und fühlte sich verstanden.

Als sie sich etwas entspannt hatte, trat er wieder vor sie, nahm das Tuch ab und erklärte ihr: „Keine Angst, ich binde dir jetzt die Hände zusammen, aber so locker, dass du es jederzeit lösen kannst. Halte sie mal zusammen vor deinen Körper. Auf Maris Schoß wickelte er nun ein Tuch um die Hände, so dass sie es gut sehen konnte. Und noch bevor sie in Angst geraten konnte, sagte er: „So, und nun probiere es selbst aus, ob du sie leicht auseinander bekommst, wenn du es willst.“ Und sie machte die Erfahrung, dass die Hände sich leicht aus dem Tuch heraus lösen ließen.
„Es geht nur um ein spielerisches Herantasten an das Gefühl, was dadurch ausgelöst wird. Wie fühlst du dich?“
„Etwas unbehaglich, nicht wirklich Angst, aber so ein bisschen in die Richtung.“
„Erträglich?“
„Ja.“
„Keine Angst, jetzt kommen die Füße ans Stuhlbein. Auch mit einer Bindung, die du sofort lösen könntest.“ Ganz ruhig, als wäre es die selbstverständlichste Sache der Welt, band er nun auch ihre Fußgelenke an die Stuhlbeine.
„Wie fühlst du dich? Hände und Beine sind bewegungsunfähig, aber du bist nicht hilflos, denn du könntest sie lösen.“
„Ich spüre das sehr deutlich, und ein etwas stärkeres Angstgefühl entsteht.“
„Okay, Mari, dein Körper nimmt wahr, dass da was ist, was sonst nicht so ist. Aber du weißt, du könntest dich sofort aus der Situation befreien. Du fühlst zwar die momentane Bewegungsunfähigkeit der Arme und Beine, aber du bist nicht hilflos. Ist ja alles spielerisch. Ist also ein realer Grund für Angst da?“
„Nein.“
„Wie geht´s dir jetzt, wo du dir das bewusst gemacht hast?“
„Besser.“

„Jetzt das Ganze mit verbundenen Augen. Du weißt, du könntest dich jederzeit lösen.“
Er trat hinter sie und band vorsichtig, dass es nicht ziepte, ein Tuch um ihre Augen.
„Wie ist es? Wie fühlst du dich?“
Mari begann leicht zu zittern. „Ich spüre das eben noch leichte Angstgefühl jetzt intensiver, spüre auch deutlicher die Bindungen.“
„Okay, alles ist in Ordnung, Das ist deshalb, weil du nichts siehst, da fühlst du intensiver. Du spürst sicher auch meine Hände jetzt deutlich.“ Mit einem wohltuenden Druck massierte er ihr die Schultern.
„Und jetzt? Wie fühlst du dich dabei?“
„Besser.“
„Du weißt und spürst an meinen Berührungen: Hier ist nichts wirklich gefährlich. Das sind alte Angstgefühle, die im Körper gespeichert sind. Es ist in Ordnung, dass sie da sind, aber du triffst die Entscheidung, Mari. Die Frage, die sich in solchen und ähnlichen Situationen immer wieder mal stellt, lautet:

Ist das, was du fühlst, also z.B. deine Angst oder deine Scham notwendig, um dich vor einer realen Gefahr zu schützen? Hilft es dir bei dem, was gerade ist? Und ist es angemessen, also passend zu deinen Wünschen, deiner Reife, deinem Wissen und deinen Entscheidungen in der aktuellen Situation?
Kurz: Ist dieses Gefühl, was gerade da ist, JETZT notwendig, hilfreich und angemessen?“

Mari schüttelte den Kopf und sagte leise: „Nein, eigentlich nicht, es gibt keine reale Gefahr und auch nichts wirklich Falsches.“
„Okay. Willst du dich nach dem Angstgefühl richten, oder willst du dieses Experiment, das wir beide hier machen, weiter machen?“
Sie zögerte einen Moment und entschied dann: „Ich will weiter machen.“
„Was macht das Schamgefühl?“
„Hab gerade nicht mehr so dran gedacht, eben waren die angenehmen Berührungen deiner Hände auf meinen Schultern im Vordergrund.“
„Und ich wette, dass die Füße angebunden sind, hast du auch schon vergessen.“
„Ja, stimmt“, sie lachte.
„So, nun machen wir mit den Händen noch was anderes: Ich löse die Bindung, und du nimmst sie mal hinter die Stuhllehne.“
Dort band er sie wieder mit dem Tuch zusammen.
„Wie fühlt sich das an?“
„Weitaus unangenehmer.“
„Ja, vor dem Körper könntest du noch irgendwas machen mit den Händen, sie vor dich nehmen, sie höher oder tiefer halten… So bist du noch mehr fixiert.“
„Und es verstärkt auch das Schamgefühl, weil ich vorher die Arme vorn vor meiner Brust hatte und sie jetzt so ungeschützt ist.“
„Nochmal die Frage:
Sind Angst- und Schamgefühle jetzt notwendig, hilfreich und der Situation angemessen?
„Nein, ich weiß, es ist hier keine reale Gefahr, und ich mache auch nichts falsch, wofür ich mich schämen müsste. Wir sind zu zweit, und ich hab mich zu diesem Weg mit dir bewusst entschieden. Da gibt´s eigentlich nichts, wofür ich mich schämen müsste, auch wenn es sich so anfühlt. Und hilfreich sind sie wahrlich nicht.“
„Es ist alles okay, sie sind da, und es ist wichtig, dass du sie wahrnimmst, aber du musst dich nicht nach ihnen richten. Das ist der wesentliche Faktor dabei.“

Nach diesen Worten löste er alle Tücher und sagte sanft: „Damit ist es dann auch genug für heute.“
„Wie geht es dir?“
Sie knöpfte ihre Bluse zu, dehnte und bewegte sich und spürte in ihre Arme und Beine hinein. „Eigentlich ganz okay“, meinte sie erstaunt. „Besser als ich anfangs vermutet hätte. Es tat mir gut, dass du mich darin unterstützt hast, meine Gefühle wahrzunehmen, mich zu fragen, ob sie hier und heute notwendig, helfend und angemessen sind. So konnte ich dann schließlich mit ihnen weiter machen, ohne sie abzulehnen und ohne mich von ihnen beeinflussen zu lassen.“
„Wie schön“, lächelte Joel, „wir sind auf einem guten Weg…“ Er reichte ihr die Hand, zog sie von ihrem Stuhl, nahm sie in die Arme und flüsterte ihr ins Ohr: „Das Spiel ist beendet.“

Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge

72. Ist hier und heute etwas gefährlich?

Bei Joel – Den Gefühlen eine bewusst gewählte Bedeutung geben

Mari betrat Joels Wohnung und wie immer gab es bei der Begrüßung erst einmal eine feste und innige Umarmung. „Das tut gut, Joel!“ meinte Mari, die sich heute besonders beklommen fühlte, da sie vorher von ihm eine Nachricht bekam, in der er schrieb, dass er sie zum heutigen Rollenspiel mit einen Rock und einer durchgeknöpften Bluse erwartete, unter der sie nichts drunter tragen möge. Was sollte heute geschehen?
Als sie auf seine Frage nach ihrem Befinden: „Ziemlich aufgeregt“ antwortete, lächelte er sie an und meinte: „Wie gut! Stell dir vor, du wärest gleichgültig, da ist doch Aufgeregtheit viel besser! Ist lebendig und zeigt intensives Fühlen. Gefühle sind Kräfte. Wichtig ist nur, dass wir dahin kommen, dass nicht die Gefühle uns leiten, sondern dass wir die Gefühle leiten!“

Mari nickte, ja das klang erstrebenswert. So manches Mal fühlte sie sich von ihren Gefühlen gebremst. Nachdem sie Kaffee getrunken hatten, begann er das heutige Spiel mit der Ankündigung: „Heute werden uns mal ganz bewusst mit der Vielfalt der Gefühle beschäftigen. Es geht darum, sie bewusst wahrzunehmen, auszusprechen, anzuerkennen, dass sie da sind und sie so einzuordnen, wie es gut tut . Ich werde Gefühle anregen und du sagst mir, was du fühlst. Jedes Gefühl ist wertvoll, alles darf da sein. Die angenehmen und auch die unangenehmen.

Gefühle von Angst, Scham und Peinlichkeit fühlst du ja oft. Deshalb denke ich, dass es sinnvoll ist, wenn wir uns mit ihnen in der nächsten Zeit ganz bewusst beschäftigen, lernen und üben, sie richtig einzuordnen. Sie zeigen ja eine Art Warnung, die im Körper durch alte Vorerfahrungen gespeichert ist. Diese Warnung sollte ernst genommen werden und nicht abgewertet werden. Und dann kommt das Deuten hinzu, also ihnen eine von dir jetzt gewählte bewusste Bedeutung zu geben. Du kannst dich bei jedem Gefühl fragen:
Ist das hier und jetzt eine ähnliche schlimme oder gar gefährliche Situation wie damals?
Und wenn du dadurch, dass du dir diese Frage nach dem, was jetzt ist, in die Gegenwart kommst, und vielleicht erkennst: Hier ist nichts gefährlich oder verboten oder schlimm, kannst du dir sagen: „Heute ist es okay, was gerade geschieht, was ich tue oder was ich zulasse“ – vorausgesetzt du siehst es so. Es geht darum, jedes Gefühl wahrzunehmen, dir diese Frage zu stellen, eine Entscheidung darüber zu treffen, welche Bedeutung du ihm heute geben willst, und bewusst mit ihm durch die Situation gehen.“ Ich werde dazu einige Gefühle auslösen, damit du das erfahren kannst. Steh mal auf und stell dich mir gegenüber dazu.“

Beide standen auf und stellten sie gegenüber.

Joel sagte ruhig, wohl wissend, welche Gefühle er bei Mari gleich auslösen würde: „Knöpfe dir die Bluse auf, ganz langsam und bewusst.“
Sie zögerte und begann schließlich langsam mit den ersten beiden Knöpfen. Von ihm dabei so deutlich betrachtet zu werden, machte es ihr besonders schwer.
Nach einem kleinen Moment fragte er:
„Wie geht es dir dabei, was fühlst du dabei?“
Verlegen schaute sie ihn an. Es war heftig, was sich in ihr bemerkbar machte.
„Peinlichkeit? Scham?“ half er ihr weiter.
Sie nickte wortlos und wartete ab.
„Ja, ich habe das vermutet. Das ist okay. Nun die Frage: Meinst du, dass es einen aktuellen Grund gibt, dich zu schämen? Wir kennen uns nun schon länger, und du hast dich entschieden, mit mir diesen Weg zu gehen. Du bist erwachsen und darfst diese Entscheidung treffen. Gibt es jetzt und hier einen Grund, dich zu schämen? Machst du etwas Falsches?“
Mari schüttelte den Kopf.
„Es ist also ein altes Gefühl, das wie von selbst abläuft. Nimm es wahr, und mach einfach weiter, auch wenn das Schamgefühl noch da ist – Knopf für Knopf mit dem Gedanken: „Ich erlaube es mir! Ich darf das.“ Zieh die Bluse ganz aus dem Rock und mach alle Knöpfe auf.“
Es kostete Mari viel Überwindung und Joel wusste das.
„Das machst du gut, Mari“, bestärkte er sie. „Ich weiß, es fällt dir nicht leicht.“

Als sie beim vorletzten Knopf angekommen war, fragte er sie: „War der letzte Knopf genauso schlimm wie der erste?“ Sie spürte nach und schüttelte den Kopf „Nicht ganz so.“
„Gewöhnung macht ne Menge!“
Schließlich stand sie mit offener Bluse vor ihm. Erleichtert nahm sie wahr, dass die rechte und linke Seite der Bluse so über ihrem Oberkörper hing, dass nicht allzu viel von ihrer nackten Haut hervor schaute.

Joel brachte einen Stuhl und wies sie an: „Nun setz dich auf den Stuhl.

Wie dieses Spiel weiter geht, ist im nächsten Kapitel zu lesen, das übermorgen erscheint.

Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge



71. Manchmal ist alles ganz anders als gedacht

Bei Joel – Eine überraschende Situation

Bevor das Spiel begann und Joel in die Rolle des Meisters schlüpfte, fragte er Mari, wie er das immer tat: „Wie geht es dir heute, Mari?“
„Danke schön, ganz gut,“ war ihre Antwort.
Er nahm wahr, wie ihr Augenlid zuckte und fragte: „Also nicht aufgeregt?“
Mari lachte etwas verlegen. „Natürlich, aufgeregt bin ich immer vor unseren Spielen!“
Er sah sie an, wartete einen Moment, veränderte leicht seine Sitzposition und meinte schließlich: „Ah… Okay! Dann wird es Zeit, dass das Spiel beginnt.“
Mari zuckte unwillkürlich leicht zusammen und dachte: Immer wieder gelingt es ihm, mich mit dem Anfang des Spieles irgendwie zu überraschen, obwohl ich es ja erwarte.
Er schmunzelte: „Und? Jetzt noch aufgeregter?“
„Ja, stimmt“, gab sie zu.
„Und wie fühlt sich das genau an?“
„Mein Herz klopft schneller, es kribbelt in den Armen und Beinen…“
„Kribbeln hört sich doch gut an – oder?“
„Naja… halb, halb“, antwortete sie etwas zögerlich. „Es ist einerseits sehr lebendig und aufregend, andererseits aber auch irgendwie ein bisschen schwierig in dem aufgeregten Gefühl. Da haben wir ja schon mal drüber gesprochen…
„Und ist es jetzt eher schwierig aufgeregt oder eher lebendig aufgeregt?“
Mari hielt einen Moment inne, um nach zu spüren… Ich würde sagen 40% lebendig und 60% schwierig aufgeregt, diese Mischung ist meistens am Anfang des Spieles so.“
Joel sah sie freundlich an. „Was kann ich tun, um dich etwas zu beruhigen?“
Überrascht antwortete Mari: „Das ist ja lieb, dass du fragst. Alleine schon die Frage tut gut. Hm… eine Umarmung wär schön.“
„Aber gerne!“ lächelnd ging er auf sie zu und umarmte sie.
Mari nahm einen tiefen Atemzug und empfand seine Umarmung als sehr wohltuend. Ganz sanft und doch fest hielt er sie im Arm. Sie kuschelte sich eng an ihn und dachte dabei: „Ach könnte doch diese Umarmung gaaaanz lange anhalten…“
Langsam spürte Mari, wie ihre Aufregung sich etwas legte und sie ein bisschen ruhiger wurde. Schließlich löste sie sich aus der Umarmung.
„Und?“ fragte er, „besser?“
Sie nickte und sagte leise: „Ja, das war schön, hat gut getan!“
„Magst du ein Glas Wein?“
„Oh?“ Überrascht schaute sie ihn an. Wein hatte er ihr bisher noch nie am Anfang eines Spieles angeboten.
„Ja, gern…“
„Okay, wie schön“, damit löste er sich von ihr und ging in die Küche, während Mari sich wieder auf die Couch setzte und wartete. Ihre Gedanken wanderten zurück zu den vielen prickelnden Erlebnissen, die sie hier mit ihm schon erlebt hatte…Nach kurzer Zeit hörte sie ihn aus der Küche rufen: „Du kannst gerne schon vorgehen.“
„Vorgehen? Was meinst du?“ fragte sie verwundert mit etwas lauter Stimme, so dass er sie in der Küche verstehen konnte.“
„Na, ins Schlafzimmer“, antwortete er und öffnete den Wein.
„Ups! Aber von Schlafzimmer war doch überhaupt nicht die Rede…“ überlegte Mari – allerdings so leise, dass er sie in der Küche nicht hörte.
„Das mit dem Schlafzimmer war doch schon mal, und er hatte doch selbst gesagt, dass das eine bewusste Provokation war… Er wollte damit eine impulsiven Reaktion provozieren, anhand derer sie anschließend einiges über Fehleinschätzungen und eine neue Einstellung zum Fehler-machen verinnerlicht hatte.
Nein, diesmal würde sie sich nicht ins Bockshorn jagen lassen, beschloss sie. Aber was sollte im Schlafzimmer geschehen? Egal… Ich will ihm heute vertrauen, beschloss sie, und machte sich auf den Weg ins Schlafzimmer. Im Flur hörte sie ihn mit der Flasche und den Gläsern hantieren
„Bin gleich soweit“, rief er aus der Küche. Inzwischen stand sie vor der Schlafzimmertür und zögerte noch etwas… Schließlich öffnete sie die Tür.
Wow, was war das denn? ! Das Bett sah ja aus wie zu einem Picknick vorbereitet.
Erstaunt betrachtete sie es, also sollte das Spiel wohl heute hier stattfinden…
Sie hört ihn hinter sich kommen. „So“, sagte er, und die Gläser klirrten. Sie nahm einen tiefen Atemzug und beschloss, jetzt erst einmal abzuwarten.
Auch wenn ich schon wieder ziemlich aufgeregt bin, ich will heute gelassener bleiben als letztes Mal, sagte sie sich selbst.
„Tritt ruhig ein“, hörte sie ihn dicht hinter ihr sagen, „oder sieht das hier gefährlich aus?“
„Nein, gefährlich sieht es nicht aus“, gab sie leise zu.
„Na, dann trau dich“, meinte er lächelnd, ging an ihr vorbei und setzte sich gemütlich, halb liegend aufs Bett. Langsam ging sie nun auch auf das Bett zu und setzte sich auf die andere Seite des in der Mitte stehenden Tabletts mit schön angerichteten Leckereien.


„Ich dachte, ich zeige dir, dass allein der Ort eines Schlafzimmers noch nichts bedeutet.“
Er goss Wein in zwei Gläser und hielt ihr eins entgegen. „Lass uns anstoßen.“
„Okay“, sie nahm ihr Glas und stieß mit ihm an, ohne etwas zu sagen.
Mit einem fröhlichen „Prost!“ nahm er einen Schluck, und sie tat es ihm nach.
„Entspann dich, Mari. Niemand wird dir was tun, auch hier nicht.“
Mit diesen Worten nahm er etwas Käse vom Tablett und ließ ihn sich schmecken.
„Wie umsichtig, dass du das so explizit sagst. So ein Stückchen Käse würde ich auch gern nehmen.“
Lächelnd steckte er ihr ein Stückchen Käse in den Mund. „Lass es dir schmecken! Nur ein kleiner lockerer Imbiss im Schlafzimmer heute.“
Warum kribbelte es ihr trotzdem so im Bauch? Und irgendetwas im Magen fuhr Fahrstuhl.
Ja, das Wort „heute“ war es, was sich so seltsam bemerkbar machte.
Was würde das nächste Mal kommen? Wenn heute vorbei war…? Egal, jetzt lasse ich mir den Käse und und den Wein schmecken, beschloss sie.
„Mach es dir doch auch gerne etwas gemütlich“, lud er sie ein, und sie nahm auch die Beine hoch auf das Bett.
„Darf ich helfen?“ fragte er schnell, beugte sich vor und zog ihr behutsam einen Schuh aus.
Da sie noch den Wein in der Hand hielt, musste sie mit Bewegungen vorsichtig sein.
Sie kichert ein bisschen verlegen, „gibt es da nicht ein Märchen, in dem ein Schuh eine Bewandtnis hatte?“
„Ja“, überlegte er, „ich glaub, das war Cinderella.“ Er hielt nun ihren Fuß in den Händen. „…Und dein Fuß ist gewiss so zierlich und schön wie ihrer war.“
Wie angenehm sich seine warmen Hände um ihren etwas kühlen Fuß schlossen. Sie genoss diese Berührung. Sanft massiert er ihn ein wenig. Für einen Moment schloss sie die Augen, und spürte nur diese wunderbare Berührungen an ihrem Fuß, nahm einen tiefen Atemzug und meinte: „Oh, tut das gut!“
Ganz ruhig massierte er den Fuß in langsam kreisenden Bewegungen. Kurz öffnete sie die Augen, stellte das Weinglas auf das Tablett, das in der Mitte des Bettes platziert war, um dann die Augen wieder zu schließen. Ach eigentlich konnte sie sich auch ein bisschen mehr ausstrecken…
Nun zog er ihr auch den zweiten Schuh aus, und begann, diesen Fuß leicht zu massieren.
Unwillkürlich drehte sie sich von der Seitenlage auf den Rücken, damit der andere Fuß nicht so verdreht lag. Sanft massiert er die Füße und die Zehen…
Welch eine Wohltat!
Nach und nach entspannte sich Mari, wozu auch der Wein etwas beitrug.
Er hielt inne und trank einen Schluck Wein.
„Das hat sich wunderschön angefühlt, Joel!“ Auch sie nahm ihr Glas in die Hand und sie stießen noch einmal an.
„Und? Ist es so schlimm, im Schlafzimmer zu sein?“ fragte er lächelnd.
„Nein, natürlich ist das heute nicht schlimm…“ musste Mari zugeben.
„Und du liegst sogar auf dem Bett… War das die ganze Aufregung wert?“
„Normalerweise passieren halt im Bett andere Dinge. Das brauche ich dir doch wohl nicht zu erklären, oder?“ Sie war etwas gereizt bei seinen Worten.
„Nein“, entgegnete er gelassen, „nicht grundsätzlich. Es passiert, was beide wollen! Das ist das Entscheidende.“
Oh, dieser Satz hatte Kraft!
„Mari, ich verstehe, dass das Schlafzimmer eine symbolische Wirkung in sich trägt für Dinge, vor denen du noch Angst hast. Doch sei sicher: Hier wird niemals etwas geschehen, wozu du nicht bereit bist.“
Er beugte sich vor, gab ihr einen Kuss auf jeden Fuß und flüsterte: „Das Spiel ist vorbei.“

Geschrieben von Raffael und Miriam

Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge