111. Einfach mal anlehnen…

Bei Maria – Vertrauen entsteht
Maria und Frank saßen sich gegenüber am Tisch. Nachdem sie miteinander Kaffee getrunken hatten, stand er auf, hielt ihr auffordernd seine Hand hin, und sie spürte, wie sich die Stimmung in diesem Moment änderte. Plötzlich fühlte sie sich schwächer, irgendwie „kleiner“… Sein Blick lag ruhig auf ihr, und er wartete, dass sie seine Hand nahm, was sie dann auch etwas zögerlich tat.
Er zog sie langsam um den Tisch herum, bis sie dicht vor ihm stand, legte beide Hände auf ihre Schultern ohne den Blickkontakt zu unterbrechen und sagte:
„Das hast du gut gemacht, Maria, unser Miteinander beginnt schon jetzt langsam auch ohne Worte zu funktionieren.“

Dann führte er sie bis an die Couch, drehte sie mit dem Rücken zur Couch, setzte sich und zog sie neben sich. Als sie saß, legte er den Arm um ihre Schultern.
„Lehn dich mal richtig an meine Schulter an, Maria.“ Vorsichtig folgte sie seinen Worten.
„Ja, gut so… nicht so zaghaft. Kuschel dich richtig rein in meinen Arm.“ Mit sanftem Druck zog er sie seitlich näher an sich heran und verstärkte den Druck seiner Hand etwas an ihrer Schulter. „Lehn auch gern deinen Kopf an mich an und spür mal in dich hinein, wie sich das anfühlt.“
Maria nahm einen tiefen Atemzug. Sie fühlte sich wieder irgendwie klein und schutzbedürftig. Es war ein Gefühl von Sehnsucht und Erfüllung in einem. Fast schmerzlich schön fühlte es sich an,  von ihm auf so angenehme Weise festgehalten zu werden.
„Ich fühle mich irgendwie klein, und dabei auch seltsam berührt in meinen Gefühlen. Es ist als wenn sich gerade eine tiefe Sehnsucht Bahn brechen würde… Ich würde am liebsten einfach so… ganz lange, also ein ziemliches Weilchen so sitzen bleiben, aber…“
„Kein Aber,“ unterbrach Frank sie lächelnd, was sie allerdings nicht sehen konnte. „Wir machen das! Wir bleiben ein ganzes Weilchen genau so sitzen und du lehnst dich ganz dicht an mich an. Mach auch mal deine Augen zu dabei. Was ist da? Wie ist das Gefühl in dir?“
„Ich fühle mich eigentümlich klein und wohl dabei. Fast wie ein Mädchen… Es löst Geborgenheit aus, aber gleichzeitig ist es mir auch etwas peinlich, dass ich mich so klein fühle und dir das erzähle.“
„Das muss dir nicht peinlich sein, jedes Gefühl hat seine Daseinsberechtigung. Was meinst du, weshalb du nach dieser gewissen sanften Dominanz suchst? Weil ein Teil von dir sich eben klein fühlen WILL. VerständnisUnd das ist vollkommen okay. Ich mag das. Du kannst mir alles sagen, Maria, ich verurteile nichts – ich will dich verstehen, in deiner ganzen Gefühlstiefe. Ich mag es, wie kleine Nuancen bei dir ausreichen um intensive Gefühle in dir hervor zu rufen…“

Er legte eine Hand auf ihren Kopf. „Was empfindest du bei dieser Berührung?“
„Ich spüre, wie die Wärme deine Hand durch meinen ganzen Kopf hindurch fließt wie ein wärmender Strom. Die Lage deiner Hand auf meinem Scheitel hat etwas Beschützendes, etwas Beruhigendes. Ich mag das.“
Einen Moment ließ er seine Hand noch liegen, dann nahm er sie weg und streichelte mit der Außenkante seines Zeigefingers sanft ihre Wange.
Sie atmete tief ein. Das fühlte sich so gut an.

„Schön, dass du das magst“, meinte Frank leise. Wenn ich jetzt mit diesem Finger genau so sanft über deinen gesamten Körper fahren würde, wie wäre das für dich?“
„Anders…“ antwortete sie. „Da würde es Stellen geben, in denen ich Abwehr-Gefühle hätte…“
Er nickte. „Ja das denke ich mir. Deshalb gehe ich an diese Stellen erstmal nicht heran.“
Sanft aber deutlich zog er sie wieder näher an sich heran. „Ich möchte, dass es dir mit mir gut geht, Maria! Auch wenn wir später noch ganz andere Dinge miteinander tun werden – und jetzt am Anfang unseres gemeinsamen Weges möchte ich dir zeigen, dass du darauf immer vertrauen kannst.“
Maria atmete seine Worte tief ein.
„Und nach und nach… wird dein Widerstand, der jetzt an bestimmten Stellen noch da ist, sich auflösen und der Wunsch wird entstehen, auch dort berührt zu werden. Lass uns für heute einfach noch ein Weilchen so nah beieinander sitzen. Wir haben Zeit…“

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Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Maria und Frank in chronologischer Reihenfolge 

15. Eine utopische Heilungsreise: ABLEHNUNG    und    ERMUTIGUNG

Joel hatte sich für die Weihnachtszeit eine Fortsetzungsgeschichte von wohlwollenden außerirdischen Meistern zum Thema „Macht – Angst – Vertrauen – Hingabe“ für Mari ausgedacht, das er ihr in Form eines Adventskalenders geschenkt hatte.

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Mari freute sich morgens schon immer darauf, ihren nächsten Umschlag zu öffnen. Sie nahm einen Schluck aus ihrer Teetasse, wickelte das kleine Schokostückchen aus dem Umschlag ihres Adventskalenders aus und las gespannt wie es Carinas weiter erging im Raumschiff mit ihrem Meister…

René hatte heute beim Frühstück erzählt, dass am nächsten Tag eine Gruppe beginnen würde, in der einige Frauen zusammen mit ihren Meistern teilnähmen. Dort ginge es um Erfahrungsaustausch, gegenseitige Unterstützung durch verbale, kreative, meditative und auch körperliche Übungen. Sie würden dort lernen, über ihre Gefühle, besonders auch ihre Ängste, zu reden und sich durch gegenseitige Annahme darin zu unterstützen, sich selbst stärker zu akzeptieren. Er würde die Gruppe leiten. Er habe schon viele interessante Ideen, fügt er verschmitzt lächelnd hinzu.

Als Carina erfährt, dass auch sie zu dieser Gruppe kommen soll, ist sie voller Abwehr. Sie kann sich nicht vorstellen, vor einer ganzen Gruppe von Frauen und Meistern über ihre Gefühle, vor allem die schwierigen, peinlichen, zu reden. Sie sagt zu Ramon, das würde total die Grenzen ihrer Kapazität übersteigen. Ramon erklärt ihr, dass auch René niemals irgend jemanden zu etwas zwingen würde, was ihm nicht entspricht, dass sie auch dort niemals überfordert werden würde. Aber Carina ist in ihrer Abwehr so gefangen und fühlt sich von dieser Vorstellung so überfordert, dass sie gar nicht offen ist für seine Worte und eine andere Art und Weise darüber zu denken und eine überhaupt in Erwägung zu ziehen, dass sie dieser Einladung zur Gruppe überhaupt eine Chance geben könnte. Dann überlegt sie: War es überhaupt eine Einladung? Oder war es eine Anordnung von René in seiner Funktion als Kommandant? Hat sie überhaupt die Möglichkeit, die Teilnahme in der Gruppe abzulehnen? 

Etwas später, als sie allein ist, leuchtet die nächste Botschaft ihres Adventskalenders auf, und sie liest:

Geliebte Carina, 
um ins Vertrauen zu kommen,
bedarf es von Zeit zu Zeit,
dass du deine Grenzen erweiterst.
Hab Mut, mein Liebes!
Ich unterstütze dich.
In Liebe Ramon

In dieser Nacht schläft Carina sehr schlecht und hat so angstvolle Träume, wie sie sie am Anfang ihrer Zeit an Bord des Raumschiffes hatte..

Morgen wird die Geschichte fortgesetzt und läuft voraussichtlich bis Weihnachten

Hier geht es zu allen bisher erschienenen Kapitel zu dieser Geschichte, die Joel Mari in der Advents- und Weihnachtszeit erzählt –> Eine utopische Heilungsreise (Märchen) 

8. Eine utopische Heilungsreise: SELBSTZWEIFEL    und    ANNAHME

Joel hatte sich für die Weihnachtszeit eine Fortsetzungsgeschichte von wohlwollenden außerirdischen Meistern zum Thema „Macht – Angst – Vertrauen – Hingabe“ für Mari ausgedacht, das er ihr in Form eines Adventskalenders geschenkt hatte.

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Heute hatten sie sich wieder getroffen und es sich bei Mari auf der Couch gemütlich gemacht. Joel lud Mari ein, sich in seinen Arm zu kuscheln und zog sie erst einmal zu einer innigen Umarmung an sich. Erfreut spürte er, dass sie sich auf die Nähe mit ihm zunehmend leichter einlassen konnte. Dann las er ihr das achte Kapitel der Geschichte vor:

Am nächsten Morgen findet Carina folgende Botschaft in ihrem Adventskalender:

Liebe Carina,
du wirst mit mir erfahren,
dass du angenommen und geliebt wirst, genauso wie du bist –

auch mit den Teilen in dir, die dir selbst noch schwer fallen anzunehmen,
und mit manchen, die dir auch noch verborgen sind
und in dir ein unbewusstes Eigenleben führen.
Wir werden sie gemeinsam entdecken! Okay?
In Liebe Ramon

Was für Teile Ramon wohl damit meint? Eigentlich kennt sie sich doch… Oder kann es sein, dass er sie besser kennt, als sie sich selbst? Nach all dem, was sie bisher mit ihm erlebt hat, muss sie vor sich zugeben, dass es viele Fehleinschätzungen in ihr gab. Er muss ein tiefes Verständnis besitzen. Es gab noch nie einen Menschen, der in so einzigartiger Weise auf sie eingegangen war und so phantasievoll und liebevoll mit ihren Gefühlen von Angst, Abwehr, Schutzbedürfnis und all dem, was sonst noch in ihr ist, umgegangen ist.

‘Er scheint mich bis in all meine Tiefen hinein zu kennen und zu verstehen. Es kommt mir fast so vor, als würde ich langsam beginnen, ihm zu vertrauen … Was für Teile er wohl meint, die wir gemeinsam entdecken werden? Irgendwie ist es auch unheimlich, wenn jemand viel mehr über mich weiß, als ich selbst.’

Durch diesen Gedanken fühlt sich Carina ihrem Meister gegenüber wieder etwas befangen. Ständig denkt sie darüber nach, was er wohl jetzt gerade in ihr sieht, und beobachtet ihn und sich selbst unter der Fragestellung, ob sie wohl alles richtig macht.

Es dauert nicht lang und dieser innere Druck erzeugt in ihrem Kopf einen Druck, der sich schließlich zu heftigen Kopfschmerzen steigert.

Am Abend, als Ramon an ihrem Bett sitzt, schaut er ihr in die Augen und fragt: “Was ist los, Carina? Was quält dich?”

Für Carina stehen die Kopfschmerzen im Vordergrund, und sie erzählt ihm davon. Ramon nickt mitfühlend und sagt: “Es muss Gedanken oder Gefühle in dir geben, die dir Druck machen. Vielleicht fühlst du dich im Moment überhaupt nicht in der Lage, darüber weiter nachzuforschen, das ist okay. Ich will dir nur sagen, Carina, und das sage ich diesem Teil von dir, der den Schmerz produziert hat: Du bist vollkommen in Ordnung, so wie du bist. Versuche zu vertrauen… vertraue, dass alles gut ist. Vertraue dir, vertraue mir, vertraue dem Leben. Es trägt dich, es hält dich in seiner liebenden Hand. Hab dich lieb, Carina, mit all dem, was du bist, es gehört zu deinem Mensch-sein. Strebe nicht nach einer Perfektion, die nie ein Mensch erreichen kann, sei einfach du selbst und wisse: Du bist ein phantastisches, wundervolles göttliches Wesen. Alles in dir ist in Ordnung!”

Carina schaut ihn dankbar an. Seine warmherzigen, liebevollen Worte tun ihr gut. Dann streicht er ganz sanft über ihren Kopf, immer und immer wieder. Sie spürt, wie der Druck sich langsam löst, ein paar Tränen fließen, und schließlich wird sie sehr müde, entspannt sich und schläft ein.

Morgen wird die Geschichte fortgesetzt und läuft voraussichtlich bis Weihnachten

Hier geht es zu allen bisher erschienenen Kapitel zu dieser Geschichte, die Joel Mari in der Advents- und Weihnachtszeit erzählt –> Eine utopische Heilungsreise (Märchen)