95. Wochenend und Sonnenschein (1) – eine spannnende Auszeit

Joel und Mari verbringen ein Wochenende im zauberhaften Ambiente eines schönen Hotels

An diesem Tag begann die Wochenendreise, die Joel Mari als Anerkennung geschenkt hatte für ihr in letzter Zeit deutlich gestiegenes Vertrauen. Die Reise sollte sowohl eine Auszeit voll Freude und Genuss werden, als auch einen anderen besonderen Rahmen darstellen für ihre Vertrauensspiele und Rituale, in denen er für sie die Meisterrolle einnahm.

Er hatte Mari abgeholt und fuhr mit ihr in ein nicht allzu weit gelegenes Hotel. Als sie vor dem großen weißen Gebäude vor fuhren, kam sofort ein Page und übernahm ihr Gepäck.
Das Hotel lag inmitten einer wunderschönen Parkanlage, und Mari genoss den zauberhaften Anblick. Freude und Aufregung mischten sich in ihr. Was würde diese Reise wohl bringen?

Joel hatte ihr die Eingangstür zur Hotelhalle geöffnet.
„Mensch, Joel, ich kann es noch gar nicht fassen, dass wir nun wirklich hier sind“, sprudelte Mari mit strahlenden Augen heraus
Sie betraten die riesige Halle des Hotels. Es sah alles sehr edel aus, gestaltet mit vielen Pflanzen. Die hellen Farben und die leise, sanfte Musik vermittelten Leichtigkeit und Urlaubsstimmung und doch wirkte die Einrichtung auch etwas traditionell.
Das Ambiente…  faszinierend und beeindruckend… eine richtige Auszeit aus dem Alltag, dachte Mari entzückt, während Joel zur Rezeption ging um einzuchecken.
„Ah, sie hatten die Suite bestellt – herzlich willkommen“, sagte die Dame dort.
Das Gepäck war mittlerweile schon nach oben gebracht worden.  Joel nahm den Schlüssel und ging mit Mari in dem bespiegelten Fahrstuhl. Während sie nach oben fuhren stieg in Mari die Aufregung…  Jetzt gleich würde sie das Zimmer betreten, in dem sie mit Joel das Wochenende verbringen wird, 2 Tage und 2 Nächte…

Joel ging voran und öffnete eine große Doppeltür. „Darf ich bitten?“ fragte er lächelnd.
Mari trat ein und blieb zunächst an der Tür stehen…. Alles wirkte schön und hell – beeindruckend…
Ein großes Zimmer wartete auf sie mit einem riesigen Sofa und einer großen Fensterfront.
Auf der rechten Seite gab es eine weitere Tür.
Langsam ging Mari weiter in den Raum hinein und sah dann durch die geöffnete Tür in das Schlafzimmer, dass sie nun für zwei Nächte gemeinsam mit Joel beherbergen würde.
Ihr Gepäck hatte der Page schon dort abgestellt.
Das große Bett – weiß mit hellblauen Akzenten – darin nahm ihren Blick gefangen.
Wenigstens wird in dem Bett genügend Platz sein für uns beide, dachte sie etwas beklommen…
Joel stellt sich hinter sie – ganz dicht – und flüsterte in ihr Ohr: „Na, das sieht doch sehr gemütlich aus, oder?“
„Hmm ja…“ murmelt sie leise. Worauf hatte sie sich nur eingelassenWürde das gut gehen?
„Da werde ich ja gleich müde…“ sagte er und schmunzelte dabei.
Wollte er sich jetzt etwa schon ins Bett legen? Mari drehte sich um, schaute ihn unschlüssig an, und nahm dann sein deutliches Schmunzeln war. Nun lachte er richtig, und das war so ansteckend, dass sie mit lachen musste.
„Was hältst du von einem Spaziergang durch den Park, bevor wir uns zum Essen fertig machen?“
„Das ist eine tolle Idee,“ antwortete Mari, „ich würde nur gern etwas Leichteres anziehen.“
Sie öffnete ihre Reisetasche und nahm ein Sommerkleid heraus, mit dem sie im Bad verschwand, sich kurz frisch machte, und es anzog.  Joel ging zum Fenster und genoss den Blick auf den zauberhaften Park hinter dem Hotel.

Als Mari aus dem Bad kam und sah wie er am Fenster stehend auf sie wartete, meinte sie fröhlich: „So, von mir aus kann es losgehen!“ Er drehte sich um und schaute sie an. „Du siehst ja umwerfend aus!“ sagte er,“ und ging auf sie zu. „Da werden die Blumen im Garten ja neidisch.“
Mari kicherte: „Oh danke schön, Gott sei Dank sind die Blumen über solche Gefühle von Neid erhaben.“
Er lächelte, bot ihr seinen Arm an und führte sie in den Garten hinaus.

Parkweg-Es war ein herrlicher Anblick und das Wetter spielte gut mit: wunderschöner Sonnenschein empfing die beiden, als sie gut gelaunt die ersten Schritte miteinander nach draußen traten und einen schmalen Weg entlang liefen.

„Das Spiel beginnt.“ sagte Joel plötzlich.
Ups… Mari zuckte etwas zusammen, das hatte sie in diesem Moment nun überhaupt nicht erwartet, gerade fühlte sich alles so leicht und schön an…
„Bereit für eine Herausforderung?“ fragte er lächelnd…

Worin diese Herausforderung besteht, erscheint im nächsten Kapitel

Dies Kapitel wurde gestaltet von Raffael und Miriam

Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge

94. Anerkennung und Herausforderung in einem

Bei Joel – ein spannendes Angebot

„Oh, du hast ja heute Kaffee und Tee schon fertig“, sagte Mari und setzte sich auf die Couch.
Joel setzte sich ihr gegenüber. „Das Spiel beginnt“, sagte er.
Mari schaute ihn gespannt an. Was wohl heute kommen würde… Sie hatte keinen blassen Schimmer.

„Nun Mari, wir haben ja schon einiges zusammen erlebt… Und du hast große Fortschritte gemacht!“
Erstaunt schaute Mari ihn an. „Ja, es stimmt, wir haben schon viel erlebt inzwischen. Aber dass du von großen Fortschritten redest, …hmm na ja, das wundert mich ein bisschen, die Angst kommt mir ja doch immer mal wieder dazwischen… und andere schwierige Gefühle wie Peinlichkeit und Scham ja auch.“
Joel nickte bedächtig: „Ja, aber du bist schon ein großes Stück weiter gekommen, finde ich.“
„Das freut mich, dass du es so empfindest.“ Mari lächelte.
„Um diese Entwicklung miteinander zu feiern, hab ich mir etwas ausgedacht“, fuhr Joel fort.
Ihr Lächeln vertiefte sich… „Wie jetzt… Was denn? “ fragte sie erfreut und verwundert zugleich.
Es macht er ihr ein ganz seltsames und besonderes Gefühl, von ihm diese Anerkennung zu bekommen…

Er gab ihr einen Umschlag, aus dem sie ein wunderschönes Hotelprospekt hinaus beförderte und erklärte dann: „Ich lade dich ein, mit mir ein Wochenende in diesem Hotel zu verbringen.“
Ihre Augen weiteten sich… In diesem schönen Hotel… Wow! Du willst, dass wir beide zusammen ein Wochenende dort verbringen? Das ist ja eine zauberhafte Idee!“

„Ja… Dazu lade ich dich ein…“ sagte er ganz langsam mit einer seltsamen Betonung.
Der Ton, in dem er sprach, ließ sie etwas stutzig werden… „Das klingt so eigenartig, wie du das sagst…
Gibt es dabei irgendeinen Haken?“
Joel schaute sie ernsthaft an. „Einen Haken… nun wie man es nimmt. Ich würde dazu sagen: Es gibt auch Herausforderungen dabei!“

Mari spürte ein bekanntes Kribbeln, das sich ihre Wirbelsäule hinauf schlängelte in den Kopf hinein. „Kannst du dich bitte ein bisschen genauer ausdrücken?“ bat sie Joel.
Er nickte: „Nun, das Wochenende wird Anerkennung und Herausforderung gleichzeitig sein, wenn du zusagst.“
„Worin besteht denn die Herausforderung ?“ wollte sie wissen.
„Es wird wohl mehr als eine sein, aber die vermutlich wichtigste ist quasi die Voraussetzung, unter der wir fahren würden.“

„Fahre ich mit dir als Meister? Oder einfach mit dem Menschen Joel?“
Er lächelte: „Mit beiden. Es wird solche und solche Zeiten geben.“
„Okay“, nickte Mari, „da bin ich aber froh! Ein ganzes Wochenende durchgehend mit dir als Meister wäre schon sehr heftig. Dann ist die Voraussetzung also schon mal geklärt?“
„Nein noch nicht. Die Voraussetzung ist: Wir nehmen ein gemeinsames Zimmer.“
„Ohhh! Darüber hatte ich bisher noch gar nicht nachgedacht“, bemerkte Mari leise.

Er sagte nichts, wartete einen Moment.
Mari war der Konflikt deutlich in den Gesichtszügen abzulesen. In ihrem Magen fuhr es Fahrstuhl.
Was bezweckte er mit einem gemeinsamen Zimmer? Wie sollte das gehen… abends… nachts…?
Sollte das vielleicht… Hm…


„Kannst du mir bitte noch mehr über die Voraussetzungen und Herausforderungen sagen?“ fragte sie aufgeregt.

„Nun, das mit dem Zimmer ist die wichtigste. Wir werden uns das Bett teilen. Du weißt, dass ich dir nichts tun werde, was du nicht auch willst,“ antwortete er ruhig, „aber wir wissen auch beide, dass das eine echte Herausforderung ist!“
„Danke, dass du das noch mal so ausdrücklich sagst. Ich war mir nicht sicher, ob das gemeinsame Zimmer eventuell eine Andeutung sein sollte zu… mehr… Darauf kann ich mich doch auch dort verlassen, dass du nichts tust was ich nicht will oder kann?“
Joel nahm ihre Hand und nickte: „Ja, so wie schon die ganze Zeit. Das ist Teil unserer Vereinbarung.“
„Okay! Und du hast Recht: Es ist auch so schon herausfordernd genug. So… und nun meintest du noch, das sei noch nicht alles?“
„Nein. Das ist noch nicht alles. Es wird auch solche Sessions wie wir sie hier auch machen.“
Mari überlegte, wie sie sich nun entscheiden sollte, vermutlich würde er ihr über die anderen Herausforderungen nicht mehr viel erzählen…

„Ich weiß, das klingt etwas heftig, aber es ist Zeit, einen Schritt weiter zu gehen – und hier bietet sich eine große Chance.“

Einen Moment fühlte sie in sich hinein. Wie würde sie sich fühlen, wenn sie ja sagen würde: Das wäre sicher sehr aufregend und spannend, würde die Intensität der Herausforderungen und der damit verbundenen schwierigen Gefühle stärker machen als sonst, weil sie ja nicht weg konnte…
Und wie würden Sie sich fühlen, wenn sie nein sagen würde: Sie wäre mit Sicherheit traurig und frustriert, eine bestimmt sehr intensive und wahrscheinlich auch wenigstens teilweise schöne Erfahrung nicht gemacht zu haben…
So wanderten ihre Gedanken hin und her…

Joel, der ein guter Beobachter war, verstand in ihr zu lesen wie in einem offenen Buch und sagte: „Mari, du weißt: Ich werde jedes Stopp von dir achten. Und ich werde mein Bestes tun, dass es ein aufregendes und schönes Wochenende sein wird.“
„Ja, dass das ein sehr aufregendes Wochenende wird, das steht außer Frage!“ bestätigte Mari, „aber was ist, wenn ich es nicht packe? Wenn ich zwischendurch so heftige Angst bekomme, dass ich mit den Herausforderungen nicht klar komme? Ich könnte ja nicht mal nach Hause fahren so schnell…“

Joel nahm wahr, dass sie wirklich an einem Punkt angekommen war, an dem sie eine Entlastung brauchte, und sagte zu ihr: „Nun, ich verspreche dir, wenn es wirklich nicht mehr geht, bekommst du ein eigenes Zimmer.“
Mari fiel ein Stein vom Herzen. „Puh! Damit hatte ich jetzt nicht gerechnet, aber ich danke dir von ganzem Herzen für diese beruhigende Zusage. Ich hoffe, dass das nicht nötig werden wird, aber alleine schon zu wissen, dass diese Möglichkeit besteht, hilft mir sehr!!! Na und außerdem gibt es ja immer noch die Möglichkeit, um eine Umarmung zu bitten, wie hier auch, oder?“
„Ja sicher! Jederzeit! Mari“, bestätigte Joel. „Nun was sagst du zu meiner Einladung?“
„Ich sage Ja!“ strahlte Mari. „Ich freue mich riesig über dein Angebot. Ja, ich komme mit!“
Er lächelte „Ich freue mich sehr, dass du dich darauf einlässt Mari.“
„Das ist wirklich etwas ganz besonderes, in beiderlei Hinsicht: So schön wie auch so herausfordernd,“ meinte Mari und wollte wissen: „Wann soll es denn losgehen?“
„Nun, ich schlage vor: am kommenden Wochenende. Da soll es warm und sonnig sein.“
Mari bekam große Augen. „So bald schon! Na Gott sei Dank, dann ist die Aufregung nicht allzu lange vorher! Ja, am kommenden Wochenende habe ich nichts weiter vor – das geht. Das war ja eine Überraschung heute!“
„Ich freue mich sehr, dass du ja gesagt hast. Das Spiel ist vorbei.“

Erleichtert atmete Mari auf. „Das war genug Aufregung für diesen Nachmittag“, sagte sie zu Joel. „Es ist so schön, dass du dir da so etwas besonderes ausgedacht hast, vielen Dank. Ich bin jetzt gar nicht dazu gekommen, mich beim Meister auch zu bedanken, aber du kannst ihm das sicherlich ausrichten“, sagte sie augenzwinkernd.“
„Ja, na klar, „nickte er gut gelaunt. Der Meister und ich dachten, das wäre eine schöne Idee, und freuen uns sehr, dass du zugesagt hast.“
„Aber mal ehrlich… Das ist schon eine irre Kombi aus beidem, und ich bin sehr froh, dass er mir dieses entlastende Notlösungs-Angebot mit dem Einzelzimmer gemacht hat, wobei ich hoffe sehr, es wird nicht nötig sein. Aber zu wissen, dass es eine Hintertür gibt, das tut unendlich gut.“
„Ja“, bestätigte Joel. „Es sollte immer die Möglichkeit geben, dass du stopp sagst, auch wenn wir hoffen, dass es nicht passiert.“
„Das ist das, was ich an unserem Miteinander so schätze, und was es mir erst möglich macht… mich einzulassen… Danke! Du kennst mich halt schon sehr gut…“
„Nun lass uns auf die aufregenden und sicher auch sehr schönen Tage freuen.“
„Ich freue mich ganz besonders auf die Zeiten zwischen den Herausforderungen“, lachte Mari, „aber gespannt wie ein Flitzebogen bin ich auf alles, was kommt. Wie wäre es jetzt mit einer Umarmung?“
„Na aber sehr gerne“, sagte er und nimmt sie ganz tief in seine Arme.
Ihr Herz klopft immer noch heftig, und jetzt so wohltuend festgehalten zu werden, das tat Maris aufgewühltem Gemüt sehr gut.
„Und zur Not kann ich das ganz oft haben?“
„Ja sicher“, lächelte Joel. „der Vorrat an Umarmungen ist unbegrenzt!“
Da musste Mari lachen. „Dann wird das schon alles gut gehen! Ich danke dir und freue mich riesig!“

Dies Kapitel wurde gestaltet von Raffael und Miriam

Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge

93. Sechs Runden

Bei Joel: Stück für Stück

Heute begann Joel, der für Mari wieder die Meisterrolle eingenommen hatte, ihr gemeinsames Rollenspiel bereits im Flur, nachdem sie ihren Mantel aufgehängt hatte. Er sah ihr in die Augen und sagte: „Das Spiel beginnt.“
Ups, das ging ja schnell heute, dachte Mari, während er in Richtung Schlafzimmer voran ging und beiläufig zu ihr sagte: „Folge mir.“
Etwas beklommen ging sie hinter ihm her.
„Heute kommt eine Übung zum Thema „Auflösen von Verboten und Scham, wir hatten ja letztens darüber geredet, dass es vieler neuer Gelegenheiten bedarf. Bist du bereit, Mari?“
„Ja, das ist jedoch ein schweres Thema“, meinte Mari.
Joel schaute sie verständnisvoll an und sagte sanft: „Ich werde versuchen, es so leicht wie möglich zu machen.“
„Gut, ich bin bereit“, antwortete sie und atmete tief ein, als er ihr den Arm um die Schulter legte und sie ins Schlafzimmer führte. Die Vorhänge waren zugezogen und er schaltete das Licht an.

„Ich möchte heute sehen, wie weit du dich traust, dich auszuziehen“, erklärte er, „und damit es einfacher wird, lösche ich gleich das Licht. So werden wir fast nichts sehen, und du wirst mir deshalb jedes Kleidungsstück geben, damit ich merke, was du ausgezogen hast.“
Mari stieg das Blut in den Kopf. „Und wie genau soll das ablaufen? Ich alleine? Oder wirst du dich auch ausziehen?“
Joel lächelte sie freundlich an: „Wenn du das möchtest, würde ich mich gleichen Maße ausziehen.“
Mari war einen Moment zögerlich, aber die Vorstellung dass sie nackt wäre und er angezogen, fühlt sich gar nicht gut an. Also sagt sie: „Ja, das würde ich, glaube ich, schon wollen.“
Er nickte: „Okay, das ist fair. Also? Bist bereit?“
In Mari fühlte es sich ziemlich schwierig an. „Du hast gesagt, so weit, wie ich mich traue? Also nicht ganz und gar?“
„Du bestimmst, wie weit es geht“, bestätigte er. „Bitte zähle doch mal, wie viele Kleidungsstücke du trägst, und verrat mir das.“
Mari dachte einen Moment nach…“Sechs.“


„Okay, danke, Mari.“ Er nickte, schaltete das Licht aus und stellte sich dann vorsichtig wieder vor sie. Es war so dunkel, dass man nur leichte Umrisse im Raum erkennen konnte.
„Beginnen wir. Runde eins, Mari!“
„Okay“, nickte sie, zog ihr T-Shirt aus und gab es ihm.
Mit einem freundlichen „Dankeschön“ legte er es auf das Bett, zog sein Hemd aus und reichte es ihr.
In der zweiten Runde folgte ein Strumpf und in der dritten Runde der zweite. Worauf auch er ihr jeweils einen seiner Socken reichte.
„Na, da haben wir ja schon drei Runden geschafft. Halbzeit!“ meinte er. „Dann auf zu Runde vier.“
Mari nahm einen tiefen Atemzug. Jetzt beginnt es, schwieriger zu werden“, sagte sie leise
„Nimm dir ruhig Zeit“, antwortete er ruhig ins Dunkle hinein.
Jetzt hatte sie nur noch ihren Rock, einen Slip und ein dünnes Top an.
„So, jetzt. Entschlossen zog sie ihren Rock aus und gab ihn Joel.
„Sehr gut!“ sagt er und gab ihr seine Hose.
„Auf zu Runde fünf. Bist du bereit?“
Mari stand wie eine Salzsäule auf der Stelle und kämpfte mit sich, was wäre jetzt leichter? Slip oder Top? Oder soll sie unterbrechen und aufhören? Es ging hin und her in ihrem Kopf.
„Nimm dir so viel Zeit, wie du brauchst“, sagt er.
„Danke“, flüsterte sie, aber leichter wird es dadurch auch nicht, dachte sie dabei … ich muss jetzt eine Entscheidung treffen...
Und schließlich entschied sie sich, ihr Oberteil auszuziehen. Das fühlte sich ziemlich schwierig an. Aber es ist ja dunkel, redete sie sich gut zu und gab ihm ihr Top schließlich.
„Sehr gut, Mari!“ sagte er, legte es behutsam auf das Bett und reichte ihr seine Unterhose mit den Worten: „Da ich kein Unterhemd drunter hatte, ist es bei mir ein Kleidungsstück weniger und ich bin jetzt fertig mit dem Ausziehen.“
Sie versuchte ruhig und tief zu atmen, aber es war ein ziemlich heftiger Aufruhr in ihr.
„Wie geht es dir, Mari?“ fragte er leise.
„Ich fühle mich ziemlich durcheinander, es fühlt sich fast wie Angst an: Herzklopfen, Vibrieren in Armen und Beinen, wackelige Knie – und gleichzeitig ist es mir peinlich, dass ich mich so anstelle.“
„Sag das nicht so abwertend, Liebes. Du gehst mutig ran an deine Schamgrenzen, das verdient unsere Anerkennung“, kommentierte er freundlich mahnend. Was genau bringt dich denn durcheinander?“
„Ich kann das gar nicht so genau orten, das ist so ein Gefühlswirrwarr und Knoten in mir, und irgendwie… ach ich weiß auch nicht… Es ist eigentlich Quatsch, nicht notwendig, nicht hilfreich und nicht angemessen, aber dennoch… eben da…“
„Und wie fühlt es sich an, wenn du an Runde 6 denkst?“
„Ziemlich schwer.“
„Kann ich etwas tun, damit es leichter wird?“
Mari kämpfte mit sich, normalerweise, wenn sie sich so zerrissen und aufgeregt fühlte wie jetzt, würde sie sich eine Umarmung wünschen, aber das auszusprechen traut sie sich jetzt in dieser Situation, wo er nackt war auch nicht.
Er stand ruhig nackt im Dunkeln vor ihr.
„Wir stehen vor Runde sechs“, sagte er leise, „bist du bereit dazu? Lass dir Zeit und spüre nach… Wenn es nicht geht, ist es auch okay, aber triff die Entscheidung ganz in Ruhe.“
Sie zögerte: „Darf ich dich was fragen?“
„Aber ja!“ antwortete er sofort.
„Wie geht es danach weiter? Wirst du dann das Licht anmachen?“
„Nein. Wir werden noch eine Weile so stehen, ganz nackt voreinander, ohne uns wirklich erkennen zu können im Schutz der Dunkelheit. Dann würde ich aus dem Raum gehen, und du kannst dich in Ruhe anziehen. Fürs erste ist das genug, denke ich.“
„Okay“, Mari nickte. „Danke dass du mir das gesagt hast.“
Und kurz danach: „Ich bin bereit für Runde 6.“
„Prima, Mari!“ Seine warme, ruhige Stimme tat ihr gut.
Schnell zog sie sich ihren Slip aus. Es fühlt es sich komisch an, auch diesen an ihn weiter zu geben, aber sie tat es.
„Vielen Dank für deinen Mut und dein Vertrauen, Mari“, sagte er und legte ihn aufs Bett.

Mari fühlte ihre Nacktheit jetzt sehr deutlich und war froh, dass es so dunkel war.
Als wenn er ihre Empfindungen spüren konnte, fragte er: „Wie fühlt es sich an, nackt zu sein?“
Sie suchte nach Worten… „Ich fühle mich sehr unsicher, habe das Bedürfnis irgendetwas Schützendes um mich herum zu haben…“
„Halt es noch etwas aus, es sieht ja keiner.“
Leider… dachte er dabei.
Sie standen noch ca. eine Minute so voreinander – es war die längste Minute, die sie bisher erlebt hatte.
„Wie ist es jetzt, Mari?“
Wie aus einem Nebel hörte sie seine Stimme und rang mit sich, ob sie das, was sie gerade fühlte aussprechen wollte oder lieber doch nicht. Schließlich entschloss sie sich dazu, es zu tun: „Es gibt neben den ganzen schwierigen Gefühlen auch noch etwas anderes in mir“, sagte sie leise.
„Ja? Nur raus damit! Was ist es denn?“
Sie nahm allen Mut zusammen. Ich würde dich gerne fühlen, also so ein bisschen umarmen…“
„Gern, sagte er. Ich stehe direkt vor dir, ganz nackt…“
Sie nickte und nahm einen tiefen Atemzug. „Kannst du mich ein bisschen vorsichtig in den Arm nehmen?“ fragte sie leise.
Er kam näher, und sie spürte ihn ganz nah. Seine Arne legen sich sanft um sie. Sie fühlte seine Haut, die Wärme, spürte die Nähe und sagte: „Joel, es ist… Es ist wie immer… Von dir umarmt zu werden, und dich zu umarmen, tut gut! Sogar auch nackt!“
Er hielt sie vorsichtig und sanft in seinen Armen. Sie hielt ganz still und spürt diesen Kontakt zum ersten Mal Haut an Haut. Es ist abenteuerlich, aber irgendwie schön, verwunderlich schön, dachte sie. Er drückte sie ganz behutsam an sich und erfreute sich auch an diesem für ihn unerwarteten Hautkontakt.
„Wie ist das für dich, Mari? Wie geht es dir in meinen Armen, so nackt?“ wollte er vorsichtig wissen.
„Auf jeden Fall ist es viel schöner, als nackt in Abstand vor dir zu stehen“ antwortete sie. „Es ist, als würde ich mich irgendwie beschützt fühlen.“
„Wie schön zu erfahren, dass du dich in meiner Körpernähe beschützt fühlst! Du weißt ja, ich würde dir nie etwas tun, was du nicht willst. Aber dich beschützt zu fühlen ist noch mehr als dieses Wissen. Darüber freue ich mich sehr! Du warst sehr mutig heute!“
Mari nickte: „Ja, das stimmt. Das hat mich ganz viel Kraft und Mut gekostet! Wie gut, dass du es mir durch die Dunkelheit leichter gemacht hast.“ Langsam löste sie sich aus seinen Armen.
„Das war auch meine Absicht. Ich weiß ja, wie sehr dir Scham noch zu schaffen macht“, erklärte er verständnisvoll.
„Ich bin fast selber erstaunt, dass ich die Runde 6 auch noch geschafft habe, gab sie zu. Und dich zu fragen ob du mich umarmst, war auch nicht leicht, aber ich wollte dann wissen wie es sich anfühlt, und hatte auch das Bedürfnis danach, nicht so allein dort nackt zu stehen.“
„Das verstehe ich gut“, nickte Joel, „aber diese Frage nach Körpernähe in dieser Situation musste von dir kommen, ganz frei und ohne Impuls von mir. So, und jetzt werde ich den Raum verlassen, so dass du dich ganz in Ruhe anziehen – und auch das Licht dabei anmachen kannst.“
Und als er an der Tür war, sagte er: „Ach ja, das Spiel ist vorbei.“

Und als Mari sich in aller Ruhe wieder angezogen hatte, schaute sie in den Spiegel, lächelte sich an und flüsterte sich selbst zu: „Wow, das habe ich geschafft heute!“

Dies Kapitel wurde gestaltet von Raffael und Miriam

Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge

92. Die Kraft der Gewohnheit

Bei Mari: Neue Gewohnheitsstraßen wollen gebildet werden

Joel hielt Mari entspannt in seinen Armen, nachdem sie ein intensives Erlebnis längeren Augenkontaktes beendet hatten und Mari den Entschluss gefasst hatte, sich künftig nicht mehr nach alten verinnerlichten Verboten richten zu wollen, die ihre Lust und ihre innere Freiheit einschränkten, das zu tun, was sich locker und frei anfühlte Sie sprach ihre soeben getroffene Entscheidung aus: „Ich will der Stimme in mir folgen, die sich weit, aufgeschlossen und lebendig anfühlt.“
„Das ist ein kraftvoller Entschluss, Mari!“ hatte Joel ihr bestätigt.

Nachdem sie eine Weile entspannt die Umarmung genossen hatten, redete er weiter: „…Es kann allerdings geschehen, dass du trotz deines Beschlusses weiterhin immer wieder einmal mit den alten einengenden Verbotsgefühlen zu tun hast, weil sie über die vielen Jahre eine fest sitzende Gewohnheitsbahn in deinem Gehirn gebildet haben, die so breit ist wie eine Autobahn. Da hilft es nur, anhand neuer bewusst gewählter Entscheidungen und Erfahrungen neue Gewohnheitsstraßen in dir zu bilden – so wie wir es ja auch schon seit geraumer Zeit tun. Und jetzt, wo  du das so bewusst entschieden hast, wird es sich als Thema wahrscheinlich in der nächsten Zeit noch deutlicher  zeigen. Immer wenn du die alten automatisierten Verbotsgefühle in dir wahrnimmst hast du die Gelegenheit, das alte                       Muster durch neue Erlaubnis-Strategien zu zu entkräften. Gern werde ich dich darin unterstützen, deinem getroffenem Beschluss zu folgen und dir dazu Gelegenheiten geben.“

„Gelegenheiten?“ fragte Mari, löste sich aus seinen Armen und drehte sich etwas zur Seite, um ihm ins Gesicht schauen zu können.
Ernsthaft nickte er. „Ja – Gelegenheiten, anhand derer du mit den alten Verbotsgefühlen in Berührung kommen wirst und sie nach und nach entkräften kannst.“
Ohne dass sie es merkte rückte Mari ein wenig von ihm ab und errichtete dadurch eine kleine Distanz zwischen ihnen.

„Mari, merkst du , was du tust?“
Erstaunt schaute sie ihn an. „Was meinst du?“
„Du ziehst dich etwas zurück.“
„Nein, das habe ich nicht beabsichtigt und auch nicht bewusst getan.“
„Das vermute ich auch, aber dein Körper spricht eine eigene Sprache. Wenn du eine Herausforderung witterst, gehst du, ohne es zu merken, als erste Reaktion in Abstand von mir.“
„Tut mir leid, Joel!“
„Das braucht dir nicht leid zu tun. Ich wollte es dir nur bewusst machen. Dann hast du nämlich auch eine bewusste Wahl. Schau, Mari…“ liebevoll lächelnd schaute er sie an, „Dein Körper und dein Unterbewusstsein betrachtet mich immer noch manchmal als Feind, weil ich öfter mal etwas in deinem inneren alten Wertesystem durcheinander bringen will. Aber ich bin nicht dein Feind! Ich tue das, worum du mich einst gebeten hast…“  Sanft nahm er ihre Hand in seine und schaute sie ernst an.
Betroffen nickte Mari: „Hm, ich weiß ja, aber meine Körperzellen scheinen das nicht ganz zu kapieren oder es zumindest immer mal wieder zu vergessen.“
Geduld_Annahme_Ermutigung_Bestaetigung„Deshalb wollen wir sie ja viele neue Erfahrungen machen lassen – und dies immer und immer wieder, damit neue Gewohnheitsstraßen entstehen können. Einverstanden?“
Mari zögerte einen Moment lang; nickte dann und sagte: „Ja, ich bin einverstanden! Aber sei nicht enttäuscht, wenn sich nicht so schnell alles verändert!“
„Ich bitte dich nur um eines, Mari: Sei von dir selbst nicht enttäuscht! Denn die von dir so ersehnte tiefe Veränderung braucht unser beider Geduld, Annahme, Ermutigung und Bestätigung!“

Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge

91. Sehen und sich sehen lassen

Bei Mari

Joel, der inzwischen wieder in die Meisterrolle geschlüpft war, saß Mari in ihrer heutigen Session sehr nah gegenüber, hielt ihre Hände in seinen und hatte sie angewiesen, den Augenkontakt mit ihm so lange  wie möglich zu halten, egal was er fragen oder sagen würde.

Der Blickkontakt hatte begonnen und Mari fühlte sich damit etwas unbehaglich.
„Sprich alles aus, was du denkst und fühlst“, ermutigte sie Joel leise.  „Ich weiß, dass das hier keine rosa-Bonbon-Übung wird, aber sie wird dich dir selbst näher bringen. Und das ist doch das wertvollste Geschenk, das du dir machen kannst, oder?“
Mari nickte. „Ja, ich weiß auch nicht, warum ich es so schwierig finde, diesen Blickkontakt zu halten. Es ist so ein intensives Gefühl.“
„Ja, Mari, das ist es. Für mich auch. Sanft drückte er ihre Hände, um ihr zu signalisieren, dass alles, was auch immer sie empfand und empfinden würde, von ihm absolut angenommen werden würde. Und diese nonverbale Botschaft kam an… erreichte ihre aufgewühlte Gefühlswelt. Ein unwillkürlicher tiefer Atemzug von ihr zeigte ihm das.
„Guuut… Mari, gut so… Alles ist in Ordnung…. Alles darf sein.“
Sie nickte. Die Worte taten ihr spürbar gut.
„Alles ist willkommen, was auch immer du denkst, fühlst und sagst. Und auch das nicht Ausgesprochene. Du darfst alles sagen, aber du musst nicht alles sagen, verstehst du? Du bist frei. Ich sehe dich, und du siehst mich. Du siehst und wirst gesehen. Wie fühlt sich das an?“
„Es ist so ähnlich wie nackt sein“, antwortete Mari leise. „Nur in der Seele.“
„Ja, wir schauen uns durch die Augen direkt in die Seele.“ bestätigte Joel. „Und welche Art des Gesehen-werdens fällt dir leichter, Mari? Wenn wir uns in unsere Seele schauen oder wenn wir uns unsere Körper unverhüllt zeigen ?“
Mari überlegte… „Jetzt – das fühlt sich… intensiv an und irgendwie nicht leicht, aber nicht so peinlich wie die körperliche Nacktheit.“ Ihr Blick wurde unruhig, die Augen begannen zu wandern.
„Bleib, Mari… weich nicht aus. Bleib im Kontakt, auch wenn das Thema sich gerade etwas brisant anfühlt. Du schaffst das…“
Ihr Blick fokussierte sich wieder auf seine Augen.
„Gut so… Sag, was ist am körperlichen Nackt-sein so schwierig für dich?“
Sie zuckte mit den Schultern und schwieg.
„Oder anders herum gefragt: Was macht es dir leichter, in deiner Seele gesehen zu werden?“
„Das ist nicht so peinlich, so… verboten…“ flüsterte sie.
„Und wenn es nicht verboten wäre?“ fragte Joel ebenso leise.
„Dann wäre es trotzdem schwierig, weil alle Unzulänglichkeiten meines Körpers zu sehen wären.“Alles_was_echt_istl
„Na und…? Meine wären auch zu sehen. Unsere Körper sind genau so, wie unser Leben sie geformt hat. Ich würde jeden Centimeter willkommen heißen, meine Liebe!“
Immer noch den Blickkontakt haltend streichelte er zart ihre Wange und fuhr mit dem Zeigefinger ihren Hals hinunter. „Ich mag dich genau so wie du bist – deinen Körper und deine Seele. Da bin ich mir hundertprozentig sicher! Du bist so schön in deiner Echtheit! Alles was echt ist, ist schön!“

Mari empfand die Wahrheit in seinen Worten wie eine wärmende Wolke, in die er sie beide einhüllte.
„Ich glaube, du hast recht, Joel. Ich fühle das gerade. Ich fühle die Tiefe und die Weisheit in deinen Worten…“
Er lächelte: „Das ist das schönste Geschenk, das gerade passieren kann“, gab er zurück.
Und wenn du von dieser Wahrheit ausgehst – was ist mit dem Gefühl des Verboten-seins sich zu zeigen? Wie weise ist diese Stimme in dir, die es verbietet, uns so echt, wie wir sind, zu zeigen? Ist es eine Stimme der Angst oder des Vertrauens?“
„Es ist eine von Angst geprägte Stimme.“
„Und meinst du, es ist sinnvoll  im Sinne von Kraft und Lebendigkeit, dieser Stimme zu gehorchen?“
Mari schüttelte den Kopf. „Sinnvoll ist es nicht, aber trotzdem nicht leicht, sich ihr zu widersetzen.“
Joel schaute sie verständnisvoll an. „Ja, das kann ich mir vorstellen. Wie lange ist sie schon in dir und bestimmt dein Verhalten?“
„Sehr lange… seit ich Kind bin und so viel Ärger und Scham vermittelt bekam zu dem Thema.“

„Meinst du, das war weise, was dir da als Mädchen vermittelt worden ist?“
Sie schüttelte den Kopf. Tränen traten ihr in die Augen. Joel beugte sich vor und nahm sie in die Arme. Nah an ihrem Ohr flüsterte er: „So lange richtest du dich nun nach diesen Verboten… Jahrzehnte… Willst du das immer weiter tun?“
Mari rückte etwas von ihm ab und sagte plötzlich klar und entschlossen: „Nein! Ich will der Stimme in mir folgen, die sich weit, aufgeschlossen und lebendig anfühlt.“
„Das ist ein kraftvoller Entschluss, Mari!“ bestätigte Joel. „Und damit ist unser Spiel für heute beendet. Lass uns einfach noch ein Weilchen ganz in Ruhe in der Umarmung verweilen…“

Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge

90. Die Magie der Drucklosigkeit

Bei Joel: Eine entspannte Erfahrung

Joel, der im gemeinsamen Rollenspiel bereits seine Meisterrolle eingenommen hatte, saß hinter Mari auf der Couch, als sie sich vorsichtig nach hinten gleiten ließ. Sie spürte seine Hände erst an ihrem Rücken und dann anKissen ihrem Kopf. Sicher hatte er ihn in seine Hände genommen und dirigierte ihn behutsam so, dass sie auf einem weichen Kissen zu liegen kam, das sich in seinem Schoß befand. Mari lag nun auf dem Rücken  auf der Couch mit ihrem Kopf in seinen Händen.
Joel ermutigte sie:
„Schließe deine Augen und lass deinen Kopf ganz schwer werden, Mari, du brauchst jetzt keinen Muskel selbst zu halten. Ich halte deinen Kopf ganz sicher in meinen Händen.“ 

Mari folgte seinen Worten und gab Gewicht ab, ließ ihren Kopf tiefer in seine Hände hinein sinken. Ganz langsam drehte er ihn mal ein wenig nach links, mal ein wenig nach rechts – dann wieder in die Mittelposition. Ließ ihn tiefer in das Kissen hinein sinken, hob ihn wieder etwas höher.  

Mari begann die Situation zu genießen. Leise summte er Töne vor sich hin, die ihre Seele berührten…
Tiefer glitt sie in eine wundervolle Entspannung hinein. Leise drangen nun Worte an ihr Ohr…
„Alles ist gut, Mari…
alles in bester Ordnung…
du kannst einfach sein…
es gibt nichts zu tun…
nichts zu können…
nichts zu leisten…
nichts zu vollbringen…
nichts zu kontrollieren…
nichts zu wissen… 
nichts zu denken…
du kannst in aller Ruhe einfach sein…
Auch dein Atem fließt ganz von allein, so wie dein Körper es will…
Es atmet dich…
Das Leben trägt dich…
Meine Hände halten dich…
Du bist getragen… gehalten… vom Leben geliebt…
Du bist ganz sicher…
behütet…
geborgen…
beschützt…
gewollt…
genau so wie du bist…
Dessen kannst du dir ganz sicher sein…
Jetzt, hier und wo auch immer du bist.“

Mari atmete tief und nahm diese Worte in sich hinein.
Sie erinnerte sich nicht, sich jemals so geborgen gefühlt zu haben wie jetzt.

Alles Denken hörte auf, sie drehte sich zur Seite, und Joel nahm ihre Hand in seine.
„Was auch immer noch geschehen mag, Mari, denke daran, was du jetzt gerade fühlst:
Du bist in Ordnung und vom Leben gewollt, genau so wie du bist.“

Langsam strich er mit seiner anderen Hand über ihren Rücken, knete sanft ihren Nacken, strich ihr das Haar aus der Stirn und ließ seine Hand auf ihrem Kopf ein Weilchen ruhig liegen.

Nach einigen Minuten legte sie ihre Hand auf seine, nahm sie dann in ihre Hand und führte sie langsam zu ihrer Herzgegend, legte sie an den magischen Ort in der Mitte ihrer Brüste, während er sich langsam zu ihr hinab beugte, ihre Augen sich begegneten und ihre Blicke für einen Moment ineinander flossen in einem Gefühl grundloser, wortloser, Harmonie…

Mari legte ihre Arme um seinen Nacken, zog ihn langsam zu sich hinunter, bis ihre Lippen sich zart berührten. Joel veränderte seine Lage,  um sie fester in seine Arme ziehen zu können, und sie schmiegte sich an ihn. Beide schlossen ihre Augen und waren sich so nah wie noch nie bisher.
Ihr Atem, der an Tiefe gewann, fand in einen gemeinsamen Rhythmus. Für heute waren sie angekommen und ruhten sich miteinander aus.

„Immer mit der Ruhe“, flüsterte Joel, „für heute steigen wir aus unseren Rollen aus und bleiben miteinander noch in dieser schönen Energie. wir haben alle Zeit der Welt.“

Dieses Bild hat ein leeres alt-Attribut; sein Dateiname ist buch_0035.gif.

Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge

89. Anspannung und Entspannung zugleich – der Kopf wird frei

Bei Joel: Gedankenruhe

Mari war wie so oft gespannt, was Joel gleich mit ihr vor hatte. Sie hatten das Spiel bereits begonnen.

Mit verbundenen Augen hatte er sie mit den verschiedensten Koste-Häppchen überrascht, die sie sich auf der Zunge zergehen ließ.

Nun, als sie gesättigt war und immer noch auf der Kante der Couch saß, sagte Joel in seiner Rolle als Meister zu ihr: „Und jetzt, Mari, dreh dich auf der Sitzfläche der Couch um eine Viertel Drehung herum, und lass dich dann auf die ganze Länge der Liegefläche langsam hinab sinken. Leg dich hin, und entspann dich – so gut es dir möglich ist. Jetzt lasse ich dich gleich andere Erfahrungen kosten. Und auch das werden keine leberwurstähnlichen Erlebnisse sein. Wir wissen ja beide, dass du die nicht magst! Er schmunzelte Und, Mari… glaubst du mir das?“


Mari musste unwillkürlich lachen…
„Ja, ich glaub dir das, aber…“

„Kein Aber, Mari!“ Joel nahm ihre Hand und hielt sie mit sanftem Druck in seiner. „Sollte dir etwas unangenehm sein, sagst du es mir genau dann, wenn du es so empfindest, aber nicht vorher die Erfahrung zerreden…“

Mari nickte. Was würde nun kommen?

Joel berührte sie mit einem zitronig duftenden Wattebäuschchen ganz sanft an der Stirn. Sie atmete erleichtert aus, das fühlte sich einfach nur gut an.

Plötzlich schabte ein Bürstchen sacht an ihrem Unterarm, auch das war ganz okay.

Leicht erschrak sie sich, als er ihre Füße abwechselnd mit einem kühlen und einem warmen nassen Waschlappen berührte, nachdem er ihr davor die Socken ausgezogen hatte.

Danach schob er ihr das T-Shirt etwas höher und kitzelte sie kurz am Bauch und in der Rippengegend – erschrocken musste sie lachen.

Nach diesem kurzen Moment süßen Qual zog er das Shirt wieder hinunter und massierte sanft ihre Schultern. Welch Wohltat!

Dann fühlte sie für ein kleines Weilchen gar nichts, konnte auch nicht wahrnehmen, an welcher Stelle Joel sich nun befand. War er überhaupt noch da???
Leise fragte sie :“Joel…?“
Seine Stimme war näher als sie gedacht hatte, als er ihr antwortete : „Ich bin da Mari.“

Kurz darauf spürte sie seine warmen Hände angenehm ihre Arme hinauf und hinunter streichen.

Etwas später fuhr Joel mit einem winzig kleinen Auto an ihrem Schienbein entlang aufwärts.

Und so kamen die verschiedensten Sinneseindrücke, mal ganz sanft und zart, mal intensiver spürbar, aber immer so, wie es für sie noch an der Grenze des Angenehmen bis Neutralen war, wobei jedoch immer mal wieder ein paar kleine unerwartete Schreckmomente enthalten waren. Von Berührung zu Berührung schienen sich ihre Sinne zu schärfen, und sie war ganz präsent in jedem einzelnen Augenblick.

Wie gut tat es ihr doch, angeregt durch diese Vielfalt sinnlicher Erfahrungen, für eine kurze Zeit gänzlich aus ihrem sonstigen Gedankenkarussell auszusteigen…

Nahezu bewegungslos lag sie auf der Couch. In einer seltenen Mischung aus wacher Anspannung und Entspannung seufzte sie leise… Das war für Joel ein Zeichen, dass es ihr gut ging , und er freute sich darüber. Schließlich legte er sich zu ihr, nahm sie in seine Arme und streichelte sie dabei über den Rücken.
´Wie schön ist DAS denn?!´ dachte Mari und streichelte ihn auch sanft an den Stellen, die sie in diesem Moment gut erreichen konnte. Und während sie sich noch näher an ihn heran kuschelte, flüsterte er ihr ins Ohr: „Das Spiel ist vorbei, Mari. Wir können es uns aber gern noch weiter hier auf der Couch miteinander gut gehen lassen…“

„Sehr gerne“, gab sie leise zurück…

Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge

88. Das Leben schmeckt oft ganz unterschiedlich

Bei Joel – Erfahrungen für die Sinne

Mari klingelte, und Joel öffnete wie so oft lächelnd die Tür. Die vertrauten Worte „Schön, dass du da bist, Mari!“ und ein freundliches Lächeln empfingen sie. Und gleich nachdem er die Wohnungstür hinter ihr geschlossen hatte, breitete er seine Arme aus zu einer Geste des Willkommens.

Mari liebte es, von ihm umarmt zu werden, und er wusste das. Ganz fest hielt er sie in seinen langen Armen. Unwillkürlich wurde ihr Atem tiefer, die Atemzüge länger und ruhiger… ihr Körper weicher… Sie spürte seine  starken Arme, die sie hielten, sich in angenehmer Weise um sie legten und ihr mit sanftem Druck Halt gaben. Die Aufregung ließ etwas nach, aber nicht völlig – schließlich geschah mit Joel als Meister immer irgendetwas Herausforderndes, Spannendes, Aufregendes. Und das war gut so – das war es ja, was sie so anzog an der besonderen Art ihres  Miteinanders, dass es sich einerseits spannend und lebendig, andererseits auch geborgen und behütet anfühlte – eine ganz besondere Mischung…
Genau in dem Moment, in dem sie den Impuls spürte, sich langsam aus der diesmal so ausgiebigen Begrüßungsumarmung zu lösen, gab er ihr einen zarten Kuss auf ihr Haar, schaute ihr in die Augen und sagte: „Es ist schön, dass du da bist, Mari.“

Er legte ihr einen Arm um die Schulter und führte sie ins Wohnzimmer. 
Die Couch war ausgezogen und davor stand ein gedeckter Tisch.
„Wow! Schokoladentorte!!! Das sieht ja lecker aus!“ Überrascht von diesem nicht alltäglichen Anblick schaute Mari Joel an, und sein Schmunzeln vertiefte sich zu einem breiten Grinsen. 
„Hmm, du weißt ja, ich bin immer mal für eine Überraschung gut… aber bevor du dich setzt: Das Spiel beginnt!“ Mit diesen Worten zog er ein Tuch hervor und verband ihr die Augen. „Du überlässt dich jetzt in allem einfach nur meiner Führung, okay?“
„Okay“, sagte sie leise. 

Er trat hinter sie und legte mit sanftem Druck die Hände auf ihre Schultern, schob sie vorwärts, drehte sie etwas und sie spürte die Couch hinter sich. Der Druck auf ihre Schultern verstärkte sich, und sie sank etwas unkontrolliert nach unten, aber bevor sie ganz das Gleichgewicht verlor, waren seine Hände unter ihren Armen und dirigierten sie so, dass sie in eine sitzende Position kam. Sie saß vorn auf der Couch, und er setzte sich neben sie, legte ihr einen Arm um die Schulter, zog sie seitlich an sich.

Nun saß sie gespannt neben ihm auf dem Sofa. Auf ihre Frage, was sie trinken möchte, antwortete sie: „Am liebsten schwarzen Tee mit Honig und Zitrone.“
Überrascht hörte sie das Plätschern des Tees, denn sie hatte nicht damit gerechnet, dass Tee schon fertig sein würde…

„Ich war mir ziemlich sicher, dass du zu Schokotorte gern Tee mit Honig und Zitrone trinkst“, antwortete er. Dann hörte sie den Löffel in der Tasse klimpern und war gespannt darauf, die Mischung zu kosten. Sanft und achtsam hielt er ihr die Tasse an die Lippen. „Perfekt! Danke! Die Menge an Zitronensaft und Honig ist genau richtig!“
Sie hielt ihm die Tasse wieder hin und er nahm sie ihr ab. „Und nun, meine Liebe, darfst du einfach nur genießen…“
Einen Moment später fühlte sie Schokoladencreme an ihrer Lippe, sie öffnete den Mund und fand erlesene Schokotorte zwischen ihren Gaumen. „Hmm…“ Sie kostete diesen Genuss aus, öffnete wieder den Mund und spürte eine runde feste Kugel zwischen den Lippen, gerade wollte sie ihre Hand zu Hilfe nehmen und die Kugel erstmal vom Mund nehmen, als Joel nach ihrer Hand griff und sie in der Bewegung zum Mund hin stoppte.
„Nein, Mari. Die Hände bleiben unten. Du ahnst es schon richtig, das was ich dir jetzt gerade an die Lippen halte , hat mit süßer Torte nichts zu tun, jetzt kommen ganz verschiedene Probierhäppchen. Vertraust du mir so weit, dass ich dir kein Leberwurstschnittchen in den Mund stecke?“

Mari nickte lächelnd. „Gut, dass du dich erinnerst, dass ich Leberwurst absolut nicht leiden kann! Und… ja, ich vertraue dir auch dahin gehend.“

Abwechselnd bekam sie Süßes, Saures, Salziges, Weiches, Knuspriges, Flüssiges, Festes, Saftiges und Trockenes zu kosten. Es war seltsam, auf nichts vorbereitet zu sein, aber jedes einzelne Stückchen schmeckte ihr gut nach einem kurzen Moment, in dem sie es auf der Zuge wälzte.

„So ist es auch im Leben“, hörte sie Joel sagen, „die Vielfalt ist es, die es reich und lebendig macht. Und darüber nicht zu denken, sondern sie zu erfahren, die einzelnen Erlebnisse zu kosten, ohne sie vorher in Kategorien einzuordnen wie schwer, leicht, süß, bitter, hart, weich, macht sie zu etwas Besonderen und lässt sie anders erscheinen… gibt ihnen einen viel höheren Wert an Intensität, als alles Nachdenken darüber es je tun könnte.“

Als Mari ein Sättigungsgefühl spürte, beendete Joel diese besondere kulinarische Erfahrung.
„Und jetzt, meine Liebe, dreh dich auf der Sitzfläche der Couch um eine Viertel Drehung und lass dich …

Wie es an diesem Abend weiter geht, erscheint im nächsten Beitrag…

Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge

87. Wer bin ich, wer sind wir – ohne unsere Rollen?

Bei Mari – Joel und Mari treffen sich zum ersten Mal „einfach so“

Kann man eigentlich noch aufgeregter als aufgeregt sein? fragte sich Mari am Morgen des vereinbarten Besuches von Joel, der diesmal – so wie sie es sich gewünscht hatte – nicht als Meister, sondern „einfach so“ – unabhängig von ihrem Deal  „Englisch-Unterricht als Ausgleich für  Vertrauens- und Machtspiele“ zu ihr kam.
Heute würde es keine vorher vereinbarten Rollen geben. Auch das fühlte sich – neben allem anderen – verunsichernd für Mari an. Wer bin ich, wenn ich nicht bin, wie ich sonst bin in unserem Miteinander? fragte sie sich. Was will ich? Was kann ich? Was werden wir tun miteinander? Hoffentlich fällt mir irgendetwas zu sagen ein. Denn nun liegt die Gesprächsführung ja nicht nur bei ihm. Hoffentlich findet er mich nicht langweilig, wenn ich einfach nur ich selber bin…
Socher Art Gedanken gingen zu Hauf durch Maris Kopf. Und wenn alle Sorgen und Unsicherheiten für einen Moment still waren, flackerte ein Hauch von Freude auf – bis die Verunsicherungs-Gedanken wieder kamen und schließlich beide Pole Vorfreude und angstvolle Aufregung einen beunruhigenden Tanz tanzten im Kopf und im Bauch von Mari, so dass es ihr heute sogar schwer fiel etwas zu essen, so flau war ihr im Magen.

Ob ich, wie in letzter Zeit auch, die Couch ausziehe oder nicht? fragte sie sich bereits zum zehnten Mal.  Diesmal war es ja  nicht so vereinbart… Sie hatte keine diesbezügliche Vorgabe erhalten. Wenn ich fühlen möchte, wie es sich anfühlt, Joel nahe zu sein, wie ich es ihm ja schon geschrieben habe, dann wäre allerdings mehr Fläche dazu sicher bequemer

Ja, ich werde die Couch aufklappen, entschied sie.

Schließlich war es soweit und Joel klingelte, trat ein, nahm sie zur Begrüßung in den Arm und ging dann erstmal ins Bad.
Mari setzte sich etwas nervös in die hinterste Ecke der Couch.
Fröhlich betrat er das Wohnzimmer, setzte sich zu ihr und legte seinen Arm um ihre Schulter.

Couech_mit_kissen

Ob er spürt, WIE unsicher und aufgeregt ich mich fühle? fragte sie sich und sah ihn an. Konnte sie in seinem Gesicht etwas finden, das ihr Auskunft darüber gab, was in ihm vorging…?
Er schaute sie offen an,  freundlich wie sie ihn auch sonst kannte.
„Ich fand es gemütlicher und praktischer, ein bisschen mehr Fläche zu haben“, erklärte sie. Joel bestätigte das: „Da hast du gut mitgedacht, Mari.“

Dann nahm er ihre Hand und bewegte sie sanft, streichelte sie, bog sie, hob sie hoch und bewegte sie in der Luft weiter. Es begann ein Tanz ihrer beider Hände, der sich gut anfühlte…

Mari begann sich etwas zu entspannen. Es war still zwischen ihnen, während sie die Aufmerksamkeit auf die Hände richteten. Als Joel ihre Hand wieder los ließ, zog er Mari etwas fester in seine Arme. Mari atmete tief… Das fühlte sich gut an. Sie konnte diese intensive Nähe gut annehmen, merkte sie erstaunt. Ja, sie fühlte sich sogar sicher in diesen starken Armen. Als hätte sie schon sehr lange Sehnsucht danach gehabt, so gehalten zu werden…  Joel strich ihr wohltuend über den Rücken. Ganz bewusst achtete sie auf jede Bewegung, auf jeden Millimeter, den seine Hände weiter wanderten. Leise sagte er zu ihr: „Du weißt, du kannst jederzeit Stopp sagen, ich werde mich sofort danach richten.“

Mari nickte… und fragte: „Ja, ich weiß, aber ich hätte Angst, dich damit zu frustrieren.“

„Nein, das brauchst du nicht, Mari, ganz sicher nicht!“ beruhigte er sie. „Mir macht es Freude, wenn es dir gut geht mit dem, was wir hier tun. Das ist mir das aller wichtigste!

Joels Hände begannen ganz langsam auf ihrem Rücken zu wandern – mal mit etwas mehr Druck, mal ganz zart, was kleine Schauer in ihr auslöste. Langsam, ganz langsam, um ihr jederzeit die Gelegenheit zu geben, Stopp zu sagen, bewegte er seine Hand über ihren Körper. Mari war höchst wach und beobachtete seine Bewegungen und die Gefühle, die sie in ihr auslösten aufmerksam. Zwischendurch tauchten immer mal wieder Zweifelstimmen in ihr auf, ob das jetzt in Ordnung sei. Und immer wieder schickte Mari die Botschaft nach innen: Alles okay, ganz ruhig – wir dürfen das!

Langsam rutschte Joel mit ihr tiefer auf der Couch, in eine halb liegende Position. Sie nahm es wahr und ließ es zu – immer wieder ganz bewusst nach spürend, will / kann ich da noch mitgehen? Sie wollte und sie würde achtsam mit ihren körperlichen Signalen umgehen und nichts zulassen, wobei sie spürte, dass ihre Körperzellen noch nein sagten. Und sie wollte darauf vertrauen, dass Joel wirklich meinte, was er sagte, dass es für ihn tatsächlich in Ordnung sei, wenn sie ihre Grenzen rechtzeitig und deutlich aufzeigte. Und wie zur Bestätigung ihrer Gedanken flüsterte er ihr ins Ohr: „Alles in Ordnung? Zeig mir oder sag mir, wenn was nicht geht. Ich will, dass es dir gut geht!“

„Danke, Joel, ja, es ist alles in Ordnung“, antwortete sie ihm leise. Ein Weilchen hielt er sie ganz einfach nur fest in seinen Armen und sie genoss diesen   Halt, den ihr seine Arme vermittelten. Noch ein Stückchen tiefer rutschte er mit ihr, und langsam setzten seine Hände die Wanderung fort, immer mal wieder kleine Schauer auslösend, die er mit Freude wahrnahm.
Auch dass sie schließlich ihre Bluse auszog, freute ihn, zeigte es ihm doch, dass sie sich sicher und wohl genug dazu fühlte, von sich aus einen kleinen Schritt zu tun.

Millimeter um Millimeter wanderten seine Hände nun auch unter ihre Kleidung. Als er jedoch an ihrer Brust angelangt war, schüttelte sie leicht den Kopf und nahm seine Hand, um sie in eine andere Richtung zu lenken. Sie war erstaunt, wie schnell und wie leicht er sich in diesem Moment von ihr führen ließ. Sein leise geflüstertes: „Ja, okay!“ bestätigten das.

Wieder einmal hielten sie inne, als er spürte, dass sie sich bei ihm fester hielt als vorher.  In diesem Moment fühlte sie sich gefordert, bewegt, beklommen, etwas ängstlich, aber nicht so ängstlich, dass sie dieses wundervolle Erlebnis abbrechen wollte. Sie war über sich selbst erstaunt. Ja, sie wollte… sie wollte… wollte sie tatsächlich? Ja, sie wollte….!
Wir dürfen das geschehen lassen und genießen, redete sie wieder gedanklich ihren inneren Stimmen zu, die sie immer wieder einmal zwischendurch Zweifel fühlen ließen, ob diese ganze Situation so in Ordnung war. Wie gut, dass Joel ihr Zeit ließ, nach innen zu spüren, und dass er ihr mit seiner Umarmung Sicherheit vermittelte.

Ja, er wollte und er würde ihr den Halt geben, den sie brauchte, um sich auf dieses für sie so wackelige und gefährlich erscheinende Land des Neuen einlassen zu können…. Als seine Hand sich wieder bewegte, fühlte sie wieder, dass sie damit einverstanden war, dass es aufregend schön war… Aber dann, als er langsam ihren Rock hochschob und seine Hand langsam weiter wanderte, war es genug. Das spürte sie ganz deutlich und nahm seine Hand dort weg. Er nickte und zog als Zeichen, dass er verstanden hatte, ihren Rock wieder  hinunter.

Wieder hielt er sie ganz fest und flüsterte „Alles in Ordnung! Ich hab verstanden… Wir wollen nichts überstürzen.“

Er hielt sie noch ein Weilchen in den Armen bis Mari sich wieder entspannen konnte… Dann fragte er: „Wie wäre es, wenn wir uns jetzt gemütlich einen Film anschauen? Ich hab ein paar DVDs zur Auswahl mitgebracht.“

„Überrascht und erfreut nickte Mari. „Welch schöne Idee! Gerne!“ 

Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge

86. Joels Antwort

Joel antwortet auf die Mail von Mari

Liebe Mari,
          Einfach_mal_so_hab Dank für deine Offenheit in der letzten Mail mit der Frage, ob wir uns nicht manchmal auch ganz persönlich „einfach mal so“ als ich und du – jenseits unserer Rollenspiele – begegnen wollen.
Ja! Sehr gern! Und keine Sorge, das ist bei mir total gerade angekommen – hi hi , will sagen, gar nicht schief oder irgendwie befremdlich. Diese Angst darf sich gleich wieder schlafen legen. Deshalb antworte ich auch so schnell wie möglich. Denn ich könnte mir vorstellen, dass du vielleicht etwas unruhig bist, bis du meine Antwort lesen kannst.

Ich lese aus deinen Zeilen auch, dass wir nicht nur Kaffee trinken wollen… ? Denn du möchtest mit mir Dinge erleben, die du mit dem Meister erlebt hast und vielleicht noch erleben wirst…

Darauf freue ich mich ganz besonders. Ich habe große Lust dazu, dich in meinen Armen zu halten, und wer weiß… Doch du sollst dich bitte (!) frei fühlen, jederzeit zu sagen, wenn sich für dich etwas nicht oder noch nicht passend anfühlen sollte. Gern würde ich ein bisschen mit dir gemütlich zusammen liegen und dich dabei in meinen Armen halten. Ich hoffe, ich habe dich so richtig verstanden, dass du das ausprobieren möchtest?

Und noch etwas ist mir wichtig: Du darfst mich jederzeit alles fragen – und was immer dir gerade einfällt ganz offen mit mir besprechen. Alles ist willkommen – jeder Gedanke, jedes Gefühl…
Mir ist bewusst, dass du dich wahrscheinlich fühlst, als würdest du dich auf etwas wackeligem Boden bewegen – und auch ich bin etwas aufgeregt, wenn wir uns außerhalb des bisher vereinbarten Rahmens begegnen.

Dann bis zum kommenden Samstag, an dem ich dich gern – diesmal außerhalb der Spielebene -besuchen werde. Ich freu mich darauf!

Solltest du inzwischen irgendetwas auf dem Herzen haben – kannst du mir jederzeit gerne schreiben oder mich anrufen, liebe Mari! 

Sei in Gedanken umarmt von 

Joel

Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge

85. Mari äußert eine Bitte

Eine Mail an Joel

Lieber Joel, 
da für mich manches leichter ist, schriftlich auszudrücken, möchte ich dich auf diesem Weg etwas fragen:

Unser Kennenlernen stand ja unter dem Stern des gegenseitigen Austausches, in dem ich die Funktion der Englischlehrerin für dich verkörpere und du für mich die Rolle des Meisters in den Spielen zum Thema Macht und Vertrauen.

Ich spüre, dass der „Meister“, den du für mich verkörperst, in unseren Spielen durch seine Machtrolle für mich stets mit mehr Distanz verbunden ist, als ich sie fühle, wenn wir uns davor  und danach als Joel und Mari begegnen, also so wie wir sind – ohne die vereinbarten Rollen als „Meister“ und „Schülerin“.

Einfach_mal_so

Manchmal frage ich mich, wie es wäre, mit dir ab und zu auch mal jenseits der Spiele zusammen zu sein und vielleicht auch manches zu erleben, was ich mit dir als „Meister“ bereits erlebt habe, (wie zum Beispiel das Zusammen-auf-der-Couch-liegen bei dem schönen Filmabend) oder vielleicht auch noch erleben werde… einfach mit dir als Joel, ganz ohne Regeln, ohne das leicht beängstigende Gefüge, das diese Machtrolle mit sich bringt, die du – und das möchte ich an dieser Stelle mal sagen – wirklich brillant verkörperst.

Also versteh mich richtig: Ich würde gern auch weiterhin dem Meister begegnen, der mir in seiner Machtposition viele Dinge verdeutlicht, die mir bisher nicht oder nur halb bewusst waren, und mich durch seine ganz besondere Art der Autorität an und manchmal auch über Grenzen und in Räume führt, die ich sonst nicht betreten hätte.
Aber zwischendurch würde ich mich gern auch mal mit dir ganz persönlich treffen mit der Frage, die mich bewegt, ob ich mit dir als ganzem Joe vielleicht mehr Nähe empfinden und zulassen könntel als innerhalb der Spiele.
Vielleicht mal so und mal so – wäre meine Idee…

Ich hoffe, diese Frage ist okay für dich? Sag mir  bitte ganz offen, was du dazu denkst – deine Antwort darauf, ob ja oder nein, wie du es auch immer siehst, respektiere ich selbstverständlich in jedem Falle, und ich hoffe, dass ich dir mit dieser Idee nicht zu nahe getreten bin, keine Grenze überschreite oder irgendwie befremdlich auf dich wirke. Ich habe ein Weilchen überlegt, ob ich die Mail so abschicke, fällt mir nicht so leicht, aber jetzt klicke ich auf 

                                                                                         Senden

Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge

84. Darf ich bitten?

Bei Joel – Führen lassen

Mari hatte eine ziemlich anstrengende Woche hinter sich und freute sich darauf, zusammen mit Joel wahrscheinlich auf ganz andere Gedanken zu kommen

Als sie eintrat, nahm sie wahr, dass die Möbel alle an die Wand geschoben waren.

„Ups, hier sieht es ja heute so anders aus…“ wunderte sie sich
„Komm herein“, sagte er zu ihr, und dann dimmte er das Licht. Leise flüsterte er ihr ins Ohr: „Das Spiel beginnt.“
Mari stand etwas unschlüssig im Zimmer – eine sanfte Klaviermusik erklang. Sie hüllte Mari ein in eine angenehme, besondere Stimmung.
Er kam auf sie zu, lächelte. „Darf ich bitten?“ fragte er und hielt ihr beide Hände hin.
Überrascht ging auch sie einen Schritt auf ihn zu und ergriff seine Hände.

Sich an den Händen haltend schwangen sie etwas zur Musik. Ein leises Lächeln entstand auf Maris Zügen, sie fühlte sich ganz seltsam berührt von der Musik und diesem sanften hin und her Schwingen mit Joel.
Mit leichtem Druck begann er, sie durch das Zimmer zu führen. Es war ein ganz eigenartiges Gefühl, sich so durch den Raum zu bewegen, aber irgendwie schön… fand Mari. Er dreht sie sorgsam links und rechts herum, führte sie tanzend durch den Raum.
Erst noch ziemlich kontrolliert, möglichst nichts falsch zu machen, aber nach einem kleinen Weilchen schon sorgloser begann sie die Situation zu genießen. Bald wurden die Bewegungen etwas schwungvoller. Mari hatte Freude daran – das war deutlich zu spüren. Nach und nach fühlte sie sich immer leichter.

„Und jetzt, Mari, schließ bitte deine Augen“, kam freundlich die Aufforderung von Joel.
„Oh, okay…“ Mari folgte seiner Anweisung, fühlte sich sofort unsicher und stolperte etwas, doch er hielt sie fest, gab ihr Halt.
Es war ihr etwas peinlich, dass sie jetzt nicht den Rhythmus hatte halten können und gestolpert war.
„Sorry“, sagte sie zu ihm.
„Psst. Nichts passiert“, sagte er und führte sie nun vorsichtiger durch den Raum.

Sie ließ die Augen zu, obwohl sie ab und zu den Impuls widerstehen musste zu blinzeln.
Es war irgendwie ein schönes Gefühl, von ihm durch den Raum geführt zu werden, allerdings wollte sie nicht noch einmal stolpern, so setzte sie nächsten Schritte sehr vorsichtig. Es gelang, und sie gewann wieder an Sicherheit, atmete etwas langsamer und kam wieder zur Ruhe.

Als beide den Rhythmus wieder hatten, wurden die Schritte größer, die Bewegungen runder… und es fühlte sich in Mari lockerer an als davor. Sie vermochte wieder, die Freude an der Bewegung und der Musik gemeinsam mit Joel zu fühlen.

Es war eine ganz neue, unerwartete Erfahrung, spannend und sehr hingegeben an seine Führungsimpulse und an die Musik. Nichts anderes war mehr in ihrem Kopf, nur diese Erfahrung, die sich mit jedem Schritt ausdehnte.

Nun begann er den Abstand zwischen ihnen zu verringern. Mari kam ihm entgegen und mit jeder Drehung verringerte sich der Abstand.

Dadurch dass Mari die Augen geschlossen hatte, konnte sie das ja nicht sehen, aber sie fühlte deutlich die sich intensivierende körperliche Nähe. Sein rechter Arm griff nun direkt an ihre Hüfte.
Sie spürte es, und empfand es als angenehm. So führte er sie weiter. Dann berührte er mit dem anderen Arm ihre Hüfte.
Sie fühlte sich einerseits durch die geschlossenen Augen etwas unsicher, spürte aber andererseits auch den Halt, den er ihr gab – eine Gefühlsmischung, die sie berührte und von innen heraus bewegte.
Bald kam er noch etwas näher. Seine Hand glitt etwas mehr auf ihren Rücken. Sie fühlte seine Nähe nun sehr intensiv… Es war ein faszinierendes und irgendwie angenehmes Gefühl. Inzwischen war nur noch ein kleiner Spalt zwischen ihnen. So tanzten sie weiter. Das fühlt sich so gut an, dachte Mari.

Wieder einmal drehten sie sich sanft einige Male. Das mit geschlossenen Augen zu tun, war schon eine kleine Herausforderung, und wieder kam Mari in Versuchung, die Augen zu öffnen, aber sie achtete darauf, es nicht zu tun.
Wieder kam er näher, und schließlich berührten sie sich – dicht an dicht…
Eine leise Aufregung floss durch Mari, während er seine Arme um sie schlang und sie, auf diese Weise gehalten, sanft weiter tanzten – eng aneinander geschmiegt im Rhythmus der Musik.
Das fühlte sich gut und aufregend gleichzeitig an. Mari atmete etwas tiefer und fühlte sich immer weicher werdend in Körper und Seele. Sie genoss diese Nähe zu Joel und mit ihm die gemeinsame Bewegung zur Musik sehr. Schließlich nahm er sie nun richtig in den Arm und tanzte mit ihr durch das ganze Zimmer.

Das fühlt sich wunderbar an, und das Denken in ihrem Kopf hörte ganz und gar auf…
Seine Hand lag fest auf ihrem Rücken. Bald hatte sie das Gefühl, sich gar nicht wirklich selbst zu bewegen sondern dass Bewegung einfach geschah. Seine Hand begann, etwas über ihren Rücken zu streicheln, während er sie sanft an sich drückte. Welch schönes Gefühl… Sie gab diesem Druck nach und schmiegte sich an ihn. Die Bewegungen wurden kleiner, und ganz eng aneinander gekuschelt gaben sie sich den herrlichen Klängen der Musik hin.

Wie schön diese Nähe doch ist… dachte Mari und hatte den Eindruck, sich lange nicht so wohl gefühlt zu haben… so weich zu werden… so innig berührt zu sein… Dadurch, dass sie die Augen immer noch geschlossen hatte, wusste sie gar nicht, an welcher Stelle des Raumes sie sich jeweils befand – und sie hatte nicht mal mehr den Drang es zu wissen, so schön war es, sich einfach Joels Führung zu überlassen.
Sie bewegten sich noch ein ganzes Weilchen gemeinsam nach den herrlichen Tönen durch den Raum, und schließlich verklang die Musik.

„Das Spiel ist vorbei“, flüsterte er und löste sich etwas.
„Das war wunderschön, Joel“, antwortete Mari leise.
„Freut mich, dass dir die Session heute so gut gefallen hat“, lächelte er.
„Ja! Das tat so gut heute, so ohne irgendetwas, was Angst gemacht hat. Na ja, also Angst ist zu viel gesagt, aber du weißt schon, was ich meine… ohne große Herausforderung.“
„Na ja, aber du musstest dich schon drauf einlassen!“
„Ja, stimmt, war am Anfang nicht ganz leicht, als ich gestolpert war, aber ich habe mir Mühe gegeben… Und du hast mich ganz wunderbar geführt.“
„Und du hast dich führen lassen!“
„Das hat sich sooo gut angefühlt! Ich wünschte, so ein Gefühl hätte ich öfter!“
„Tja mal sehen, was sich machen lässt,“ sagte Joel lächelnd.
„In deinen Armen habe ich mich heute sehr sicher gefühlt. Ich danke dir für diese schöne, besondere Erfahrung!“
„Sehr gerne!“ antwortete er mit einem Lächeln.
Sie schaute ihn an und wünschte sich, dass er sie noch einmal ganz fest in die Arme nehmen würde. Nur allzu gern folgte er ihrem Wunsch, nahm sie noch einmal in seine Arme und hielt sie darin bis sie sich von selbst daraus löste.

„Das war ein ganz besonderer Abend…“ flüstert sie ihm dabei ins Ohr.

Dieses Bild hat ein leeres alt-Attribut; sein Dateiname ist buch_0035.gif.

Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge

87. Die eine und die andere Hand

Bei Joel – Erinnerung an die Regeln

„Schön, dass du da bist, Mari!“ Freundlich wie immer bat Joel sie herein. „Heute beginnt unser Spiel gleich hier an der Tür“, erklärte er ihr. „Bist du bereit?“
Etwas erstaunt nickte sie. „Ja…, okay. Was hast du denn vor?“
Ernst sah er sie an und schwieg.
„Oh, entschuldige!“
„Ich glaube, die Einhaltung der Regeln ist in letzter Zeit etwas in den Hintergrund getreten“, sagte er leise. „Welche hast du eben nicht berücksichtigt?“
„Ich soll keine vermeidbaren Fragen stellen. Tut mir wirklich leid.“
„Es liegt auch mit an mir, ich habe auf die Einhaltung der Regeln in all dem Neuen, was ich in letzter Zeit an dich heran getragen habe, nicht so stark geachtet. Das wird jetzt wieder anders werden. Sie haben ihren Sinn und ihre Kraft. Es ist eine Balance… mal rücke ich sie mehr in den Vordergrund, und mal sind sie etwas im Hintergrund. Doch sei sicher, jede von dir bisher gestellte Frage habe ich wahrgenommen und bewusst entschieden, darauf mal mehr und mal weniger zu reagieren.“
„Heißt das, du hast alle Fragen in deinem Kopf gesammelt und wirst jetzt…“
Durchdringend sah er sie an.
„Oh Mist! Schon wieder eine Frage!“
Mit einem kaum sichtbaren Lächeln antwortete er: „Ja… schon wieder eine Frage. Aber du hast dich selbst unterbrochen, und sie nicht zu Ende formuliert. Einigen wir uns darauf, sie nicht als solche zu betrachten.“ Er zwinkerte ihr zu. Und zu dem, was unausgesprochen  geblieben ist, will ich dir sogar eine Antwort geben. Jedoch zunächst bekommst du eine Augenbinde.“
Er band ihr ein schwarzes Tuch um die Augen und führte sie schweigend sie immer mal wieder in verschiedene Richtungen drehend  hin und her – quer durch die ganze Wohnung – bis sie die Orientierung verlor. Dann blieb er mit ihr stehen, ließ sie los und sagte für zwei Minuten gar nichts. Es waren sehr lange Minuten für Mari, aber es gelang ihr, schweigend abzuwarten, was kommen würde.
„Zu deinem Gedanken von vorhin…“ unterbrach er die Stille, „nein, ich werde keinen Katalog von deinen in der Vergangenheit gestellten Fragen öffnen und dazu Maßnahmen einleiten. Das wäre unfair und wenig nutzbringend.  Nur Regelbrüche, die am Tag selbst stattfinden, haben Konsequenzen. Nur so ist ja der Zusammenhang spürbar. Die einzige Ausnahme dabei ist, wenn ich an dem Tag beschließe, dir eine Sanktion anzukündigen, die dann an einem anderen Tag erfolgen soll. Da ich das aber bisher nicht getan habe, werden bisherige Regelbrüche, die ich nicht benannt habe, die mir aber dennoch bewusst waren, keine Konsequenzen haben. Das ist nur sinnvoll und fair finde ich! Du solltest nur wissen, dass mir nichts entgangen ist.“
Diese Art von bewusstem und fairem Umgang mit ihren vergangenen Unbedachtheiten löste in Mari ein bewegtes Gefühl aus, das sich vom Bauch über den Magen bis in den Hals hinein bemerkbar machte. Doch was würde aus der unbedachten Frage von vorhin resultieren…?
Joel ahnte ihre Gedanken und die unausgesprochene Frage.
„Du wartest auf die Konsequenz deiner Frage von vorhin?“
Mari nickte mit einem unbehaglichen Gefühl.
„Ich habe keine Antwort gehört, Mari.“
„Ja, Meister.“ sagte sie leise.
„Bist du bereit, meine Sanktion dafür anzunehmen?“
Wie gern hätte sie gefragt, um was es sich handeln würde, aber das war klar, das ließ sie besser bleiben.
Wieder nickte sie.
Und wieder wollte er es hören und sagte: „Ich möchte, dass du es aussprichst.“
„Ich bin bereit, die Folge meiner unbedachten Frage anzunehmen.“
„Gut…“ Er berührte sanft ihre Schulter. „Vertraust du mir?“
Mari spürte eine Mischung von Vertrauen und Angst zugleich. Diese Mischung löste eine seltsame Erregung in ihr aus.
„Ja…, grundsätzlich vertraue ich dir.“
„Ich spüre da ein leises Aber…?“
„Hm… ich habe dennoch auch etwas Angst vor dem, was jetzt kommt.“
„Das ist in Ordnung. Fühle dieses Gefühl… es ist durchaus verständlich…“
Mari schluckte… spürte, wie die Nervosität in ihr Fahrstuhl fuhr.
„Verständlich, weil es in der menschlichen Natur liegt, dass Ungewissheit Angst bereitet, mal mehr, mal weniger – und in dem Zusammenhang, wo es sich um die Konsequenz eines Regelbruchs handelt, also um es mal klar auszusprechen um eine Strafe, ist diese von dir benannte Ängstlichkeit wohl eher etwas stärker vorhanden.“
Mari nickte unbehaglich. Konnte er ihr nicht endlich sagen, was kommt, anstatt sie noch im Ungewissen zu lassen und über die Gefühle zu reden, die dadurch noch intensiver wurden…
„Du möchtest wissen, was kommt?“
„Ja!“ Etwas heftig entfuhr ihr die Antwort.
„Wir warten noch ein bisschen, Mari.“
Er schwieg für einen langen Moment.
„Was fühlst du?“
„Wenn ich ganz ehrlich sein soll….“
„Ja, das sollst du!“
„Ich fühle ein Gemisch aus Unbehagen, Angst und Wut.“
„Wo im Körper sitzt das?“
„Es bewegt sich zwischen Bauch und Hals von oben nach unten wie ein Fahrstuhl hin und her.“
„Okay, Zeig mir mit deiner rechten Hand, wie es sich bewegt.“
Mari fuhr mit ihrer Hand in einem kleine Abstand vom Körper von unten nach oben und wieder zurück.“
„Gut machst du das! Nun lass die Geschwindigkeit deiner Hand nach und nach langsamer werden und achte darauf, was in dir geschieht.“
Mari verlangsamte das Auf und Ab ihrer Hand. Automatisch wurde auch ihre Atmung langsamer und ruhiger, und das heftige Gefühl ließ an Intensität nach.
„Gut machst du das, nun werde noch langsamer, immer langsamer bis die Hand an irgendeiner Stelle stehen bleibt – und in der Höhe berühre deinen Körper und leg die Hand einfach auf.“
Sie folgte seiner Anweisung und legte die Hand schließlich auf ihren Solarplexus.
„Gut. Nun nimm die Berührung deiner Hand dort bewusst wahr. Wie fühlst du dich dabei?“
Sie spürte erstaunt, wie gut sich das anfühlte und in ihr  ein leises Gefühl von Ruhe eintrat.
„Es ist als würde ich mir selbst Ruhe schenken und etwas Gutes durch meine Hand in mich hinein strömen.“
„Finde ein Wort für das Gute.“
„Annahme… Frieden… Liebe…“
„Alles zusammen… in einem Wort.“
„…Liebe.“
„Gut, fühle die Liebe, die durch deine Hand fließt, und nun strecke deine andere Hand nach vorn und öffne sie für die kleine Strafe, die ich dir jetzt geben werde.“
Diese Worte verstärkten wieder die ängstlich bewegten Gefühle, aber gleichzeitig konnte sie ihre Aufmerksamkeit auf die ruhig aufgelegte Hand auf ihrem Solarplexus richten und die Liebe weiter spüren, die aus ihr floss.
„Bereit?“ fragte Joel leise.
„Ja“, flüsterte sie und fühlte einen leichten Schlag auf ihrer Hand – ja sie hörte das Klatschen seiner Hand auf ihrer mehr, als dass sie es als Schlag fühlte. Es war kein Schmerz – nur ein Schreck – nicht mehr…
„Nun nimm deine Hand wieder zurück zu dir und lege sie unter die andere Hand, die noch auf deinem Solaplexus liegt, und Liebe strömen lässt.“
Mari spürte nun beide Hände übereinander… einen erleichterten tiefen Atemzug… und dann die Umarmung von Joel, der ihr dabei das Tuch von den Augen nahm und ihr ins Ohr flüsterte „Das Spiel ist vorbei.“

Dieses Bild hat ein leeres alt-Attribut; sein Dateiname ist buch_0035.gif.
Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge

82. Was könnte dir helfen?

Bei Joel – Verständnis, Annahme, Drucklosigkeit und ganz kleine Schritte

Mari saß Joel gegenüber in einem vorne durchgeknöpften Kleid, unter dem sie entsprechend seiner Vorgabe nichts darunter trug. Wieder einmal verkörperte er die Funktion des Meisters in einem Rollenspiel, in dem es um das Thema „Scham und Peinlichkeit“ ging.
„Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie peinlich mir das alles gerade ist!“ sagte sie leise.
„Wie genau fühlt sich die Peinlichkeit an?“
„Bedrückend, als ein heißes Gefühl im Kopf und Flattern in der Brust, in der Herzgegend.“
„Was löst diese Peinlichkeit denn aus?“
„Dass es wahrscheinlich darum gehen wird, das Kleid zu öffnen und da ich nichts drunter habe, wär mir das echt peinlich. Ich weiß ja nicht genau, was du vorhast, aber dass es um das Thema „Peinlichkeit“ gehen soll, hattest du mir ja schon geschrieben.“
„Schau, Mari, alle Impulse, die ich gebe, sind Angebote für neue Schritte, manchmal gedankliche und manchmal reale Schritte. Aber nur du kannst entscheiden, ob es jeweils ein passender Schritt ist für dich. Ich werde dich niemals zu etwas zwingen, das weißt du.“
„In Ordnung, um welchen Schritt soll es also heute gehen?“
„Nun, wir wollen herausfinden, wo die Grenze deiner Peinlichkeit liegt, und wie wir mit ihr liebevoll umgehen können, dass sie sich eventuell sogar etwas verschieben lässt. Bist du jetzt dazu bereit?“
Mari nickte angespannt. „Ja, ich versuche es.“
„Prima! Was würdest du dazu sagen, den obersten Knopf zu öffnen?“
„Okay, kann ich machen.“
„Und? Wie ist es?“
„Das fühlt sich okay an.“
„Wie wäre der unterste Knopf?“
Überrascht schaute sie nach unten, sie hätte jetzt den zweiten Knopf von oben erwartet. „Ja, der unterste Knopf geht auch.“
„Das sind schon zwei. Wie geht es dir damit?“
„Das ist auch noch okay,  nicht peinlich.“
„Okay, wie viele Knöpfe oben könntest du öffnen, bevor es peinlich wird?“
Mari überlegte… „Noch zwei.“
„Bitte öffne diese beiden.“
Mari öffnete nun den zweiten und dritten Knopf von oben.
Joel schaute sie fragend an: „Und? Alles okay?“
Mari nickte. „Ja, es geht.“
„Geht? Hört sich etwas eingeschränkt an?“
„Na, wenn der nächste käme, würde es schwierig werden, aber bis hierher ist alles in Ordnung.“ erklärte Mari.
Er nickte. „Wie viele Knöpfe von unten könntest du öffnen?
Noch drei
Und Marie öffnete die nächsten drei Köpfe von unten.
„Und wie ist es?“
„Fühlt sich noch okay an.“
„Prima! Schau mal, was du schon geschafft hast! Kannst du dir vorstellen noch einen Knopf zu öffnen? Egal wo?“
Jetzt fing es an schwierig zu werden, aber ein unterer Knopf wäre noch möglich, ohne dass das Kleid allzu weit auseinander fiel , entschied sich Mari, und öffnete diesen Knopf.
„Du wirst mutiger.“ Wie geht es dir damit?“
Mari musste wider Erwarten lächeln. Die drei Worte du wirst mutiger fühlten sich gut an.
Sie antwortete: „Da ist einerseits eine stärkere Annäherung an die Peinlichkeitsgrenze, aber andererseits die Freude, ein bisschen Mut schon gehabt zu haben.“
„Ja, das hattest du, Mari“, bestärkte er sie. „Und… was meinst du? Geht noch ein Knopf? Oder wird es jetzt zu schwierig?“
Mari zögerte und überlegte… Einen unteren Knopf könnte sie noch öffnen, ohne dass das Kleid gleich auseinander fiel. Und sie tat es.
„Sehr mutig“, meinte er daraufhin, „wie geht es dir damit, noch einen Schritt weiter gegangen zu sein?“
„Die Fragestellung allein schon lässt ein bisschen Freude aufkommen, dass ich mich noch einen Schritt getraut habe.“
„Und? Geht noch einer?“
„Wenn ich jetzt noch einen öffnen würde, würde ich mich sehr unbehaglich fühlen.“
„Was könnte dir helfen, noch einen zu öffnen?“
„Vielleicht, dass du nicht hinschaust?“ fragend schaute Mari Joel an.
Er lächelte. „Reicht es, die Augen zu schließen?“
„Ja.“
„Okay, mach ich!“ Er nickte und schloss deutlich sichtbar die Augen.“
Und Mari öffnete noch einen Knopf von oben und einen anderen von unten. „Jetzt habe ich sogar noch zwei Knöpfe geöffnet!“ erzählte sie ihm.
Das war aber sehr mutig! Wie geht es dir damit?“ fragte  er mit geschlossenen Augen
Einerseits freue ich mich über meinen Entschluss, andererseits sieht es ziemlich komisch aus, wenn ich an mir herab schaue, und es gibt schon ein peinliches Gefühl! Dass du das nicht sehen kannst, ist natürlich wiederum sehr entlastend, aber auch nicht sicher, denn ich weiß ja nicht, wann du die Augen wieder öffnen wirst.“
„Doch, das weißt du sehr genau.“
„Du meinst damit, dass ich sicher sein kann, dass du sie so lange geschlossen hast, bis ich die letzten beiden Knöpfe wieder geschlossen habe?“ fragte Mari.
„So lange du es möchtest, dass ich sie geschlossen halte! Du könntest gefahrlos alle öffnen. Ich würde es weder wissen noch sehen.“
„Ja, und dieses Vertrauen habe ich inzwischen auch, dass ich mich darauf verlassen kann, wenn du das sagst.“
„Na, das ist doch ein toller Fortschritt!“
BLAUE_KNOEPFEEntschlossen öffnete Mari nun fast alle Knöpfe bis auf einen in dem Bewusstsein, das Joel es ja nicht sehen konnte. Dieser saß ihr direkt gegenüber und hatte weiterhin die Augen fest und deutlich geschlossen.
Nun sagte sie ihm:  „Ich verrate dir jetzt, dass ich bis auf einen Knopf inzwischen alle geöffnet habe.“
„Oh, das ist beides sehr mutig: Es zu tun und es mir zu sagen!“
Mari freute sich über die Anerkennung, und schließlich fragte Joel weiter:
„Und wie steht es mit dem letzten Knopf?“
„Na der hält alles zusammen“, überlegte Mari laut.
„Vielleicht nur kurz?“ bot er ihr an, „bevor du alles wieder zuknöpfst?“
Und Mari nickte: „Okay, mach ich!“ Sie öffnete nun auch den letzten Knopf und sprach es aus: „So, nun ist auch der letzte Knopf geöffnet.“
Joel nickte: „Ich bin beeindruckt!“
„Ich auch“, brachte Mari heraus und wurde etwas rot dabei, aber Gott sei Dank konnte er das ja nicht sehen…
„Du hast dich quasi vor meinen Augen ausgezogen. Klasse!“
Darauf gab sie zu bedenken: „Nein, du hattest ja deine Augen geschlossen. Und hast sie immer noch zu.“
„Ja, aber dennoch bin ich ja genau vor dir. Jetzt magst du sicher die Knöpfe wieder schließen.“
„Hmm, ja stimmt.“
„Tu das, ganz in Ruhe. Ich halte die Augen so lange geschlossen bis du mir sagst, dass ich sie wieder öffnen kann.“
Als nur noch der oberste Knopf offen war, sagte sie: „So, nun kannst du deine Augen wieder öffnen.“
Er wartet einen kleinen Moment, dann öffnete er die Augen.
„So, das Spiel ist vorbei. Ich danke dir für dein Vertrauen und deinen Mut, Mari.“
Mari sah ihn direkt an.
„Der war am Ende nur möglich, weil du mich gefragt hast, was mir helfen könnte, und bereit warst, mir diese Hilfe zu geben, deine Augen bei den letzten Knöpfen zu schließen.“
„Und du hast sie angenommen – und hast dich getraut! Wir haben es beide zusammen möglich gemacht!“
„Das hätte ich nie gedacht, dass ich heute mein Kleid ganz aufknöpfe!“
„Schön, dass es geklappt hat! Und das, wo dir allein die Möglichkeit vorher so zu schaffen gemacht hatte. Manchmal ist in der Situation selbst einiges möglich, was sich der Kopf vorher nie hätte vorstellen können. Komm, lass dich umarmen!“
Mari schaute kurz prüfend an sich hinunter, ob ihr Kleid jetzt richtig saß, stand auf, und er schloss sie fest in seine ausgebreiteten Arme. Mari genoss diese Umarmung. Für einen Bruchteil eines Momentes kam ihr der Gedanke in den Kopf, wie es sich wohl anfühlen würde, wenn sie dabei Hautkontakt hätten, aber dieser Gedanke wurde ganz schnell wieder in den Hintergrund verbannt…

Geschrieben von Rafael und Miriam

Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge

81. Gefühlsknoten…

Bei Joel – eine aufregende Ausgangssituation

„Liebe Mari,
wenn du heute zu mir kommst, bitte ich dich, ein Kleid zu tragen, das vorne durchgehend geknöpft ist – und nichts darunter.

Ich weiß, dass ist schon eine Herausforderung, aber für unsere weitere Reflexion über das Thema „Scham und Peinlichkeit“ wäre es sehr hilfreich.
Bis nachher dann – ich freu mich auf dich!“

Diese Nachricht kam am Vormittag, und seitdem tigerte Mari aufgeregt in ihrer Wohnung hin und her. Sie hatte zwei Kleider, die eine durchgehende Knopfleiste hatten. Nach langem Hin und Her entschied sich für ihr langes blaues Kleid. Die Tatsache, dass sie nichts darunter tragen sollte, machte ihr zu schaffen. Es war zwar schon frühlingshaft draußen, aber noch nicht allzu warm, insofern konnte sie auf jeden Fall draußen noch einen Mantel drüber ziehen. Aber was würde dann bei Joel geschehen? So aufgeregt wie heute war sie lange nicht mehr gewesen…
Joel wusste um die Intensität der Herausforderung und wartete gespannt, wie sie erscheinen und was sie sagen würde.
Die Gedanken, die sie auf dem Weg zu ihm hatte, kreisten nervös um diese Kleider-Frage. Nicht ohne Grund hatte er ja sicherlich die Vorgabe eines vorn gänzlich zu öffnenden Kleides gemacht. Und wenn es dann aufgeknöpft werden würde und sie gar nichts drunter hatte… Nein, das ginge einfach nicht! Am liebsten würde sie wieder umkehren, aber sie wollte diesem Vermeidungs-Impuls nicht folgen.

 Aufgeregt klingelte sie schließlich bei ihm. Freundlich wie immer begrüßte er sie, half ihr aus dem Mantel und lächelte als er das Kleid sah. „Ein hübsches Kleid hast du an! Das Blau steht dir gut.“
Im Wohnzimmer standen zwei Stühle einander gegenüber.
„Setz dich“, forderte er sie ruhig auf.
 Aufgeregt nahm sie Platz, und er setzte sich ihr entspannt gegenüber.
„Das Spiel beginnt.“
Sie nickte, hätte aber am liebsten wieder den Raum verlassen.
„Wie geht es dir, Mari?“ wollte er zunächst wissen.
Leise sagte sie: „So wie heute habe ich mich lange nicht gefühlt, ich würde am liebsten wieder gehen, wenn ich ehrlich bin. Deine Kleidungsvorgabe verunsichert mich sehr.“
„Verunsichert dich? Warum? Was befürchtest du?“
Mari spürte, wie eine Welle Wut in ihr hoch stieg. Als wenn er sich das nicht denken könnte… grummelte sie innerlich still vor sich hin. Und weiter dachte es in ihr: Jetzt bloß nicht pampig werden… Er muss ja nicht merken, wie mich das trifft. Aber was antworte ich darauf?
„Na die Knopfleiste wird ja nicht ohne Grund von dir gefordert worden sein!“ hörte sie sich schließlich sagen.
Er nickte. „Das stimmt. Aber du weißt auch, dass kein einziger Knopf ohne deine Zustimmung geöffnet wird – wenn überhaupt…“
„So? Weiß ich das?!“ entfuhr es ihr.
Ernsthaft blickte er sie an: „Ja. Das weißt du sehr genau!“
GefühlsknotenOh , Mari fühlte ein entsetzliches Gefühlsknäuel in sich, dass sie inzwischen kaum noch sortieren konnte.
„Du weißt, dass in unseren Sessions noch nie etwas passiert ist, was gegen deinen Willen war. Oder?“ erinnerte er sie.
„Stimmt irgendwie…“ musste sie zugeben.  Dennoch: Da war Wut in ihr, überhaupt in dieser Situation zu sein… Da war Scham… Da war Zweifel, ob sie sich im Ton vergriffen hatte… Da war Angst, dass er daraufhin sauer, genervt oder ärgerlich sein könnte… und das alles bildete einen unangenehmen Knoten in ihrem Solarlexus. Starr schaute sie aus dem Fenster.
„Bist du überhaupt bereit für eine gemeinsame Session, Mari?“ fragte er mit einem Gesichtsausdruck, den sie nicht deuten konnte.
„Joel, dieses Kleidungsthema hat so viel in mir ausgelöst… Beende unser Treffen bitte jetzt nicht, weil ich mich so daneben fühle.“
Er schüttelte den Kopf. „Wie kommst du auf sowas? Das habe ich absolut nicht vor! Aber ich habe das Gefühl, dass du zu blockiert bist, um dich auf eine gemeinsame Übung einlassen zu können. Und da ist es wichtig, erstmal hin zu schauen, was es ist, was sich da in dir bewegt.“ Freundlich schaute er sie an. „Was ist los, Mari?“
„Ja, es stimmt, ich fühle mich wirklich irgendwie blockiert! Da sind so viele schwierige Gefühle…“
Jetzt nachdem sie es ausgesprochen hatte, fühlte sie sich schon etwas leichter.
„Welche Gefühle sind das denn?“ fragte er, beugte sich etwas nach vorn und sah sie interessiert an.
Sie zögerte… „Sei dann aber bitte nicht sauer!“ 
„Ganz bestimmt nicht!“ versicherte er ihr.
„Okay“, sie gab sich einen Ruck, „als du vorhin gefragt hast `Was befürchtest du? Warum bist du verunsichert?´ ist Wut in mir entstanden, weil ich mir gedacht habe: `Das weißt du doch genau! Du ahnst doch sicher, dass deine Nachricht solche Gefühle in mir auslöst! Und wahrscheinlich hast du das auch bewusst getan! Und  nun stellst du dich verwundert und fragst nach, als ob das das Seltsamste von der Welt wäre!´  Gleichzeitig wollte ich aber nicht wütend sein und dir das vor allem nicht zeigen! Habe aber gespürt, dass ich es nicht ganz verbergen konnte, und dann habe ich mich geschämt, weil die Heftigkeit dafür sicher nicht angemessen war. Außerdem ist es mir peinlich, ohne irgendetwas unter meiner Kleidung zu sein.“
Joel nickte und fragte ruhig: „Was erzeugt in dir Wut, wenn ich unsere Vereinbarung umsetze?“
Verwirrt frage Mari: „Welche Vereinbarung? Was meinst du?“
„Wir haben vereinbart, dass wir uns innerhalb unserer Sessions unter anderem mit den Themen Sehnsucht, Angst,  Scham, Peinlichkeit beschäftigen – und das durchaus auch ganz praktisch. Dazu muss ich manchmal auch Situationen schaffen, die diese Gefühle auf den Plan rufen.“
Mari überlegte… schließlich erklärte sie: „Nicht über den Inhalt dieser Session war ich wütend, sondern über deine Frage, was mich verunsichert. Ich dachte, das ist doch eine rhetorische Frage, du weißt doch sicher, dass die Kleidung mich verunsichert. Außerdem ist diese Wut und die Verunsicherung einfach aufgestiegen, da hatte ich nicht das Gefühl irgendeine Entscheidung darüber treffen zu können, ob sie eine Daseinsberechtigung hat oder nicht, sie war einfach da!“
Er antwortete gelassen: „Ja, aber wir wollen doch genau dieser Verunsicherung und allen damit verbundenen Gefühlen auf den Grund gehen und sie soweit es möglich ist auflockern. Das ist doch unser Thema.“
Mari nickte: „Hast ja recht. Deshalb wollte ich ja auch nicht zeigen dass ich wütend war, weil ich es selbst nicht richtig finde.“
Freundlich schaute er Mari an. „Mari, alles, was du fühlst darf da sein. Verbergen ist nicht sinnvoll und gelingt meist auch nicht. Wenn wir offen drüber reden, können wir viel mehr erreichen. Doch um genau herauszufinden, was dich gerade bewegt, muss ich leider manchmal Fragen stellen, die dir nicht immer angenehm sind. Und manchmal frage ich noch tiefer nach, was es genau ist, was du mit einer Thematik wie jetzt die Verunsicherung verbindest, wie sie sich anfühlt, wodurch sie gerade entstanden ist, wo du sie im Körper fühlst, und so weiter. Dadurch wirst du dir selbst bewusster darüber, welche Gedanken es genau sind, die diese Gefühlsknäule in dir auslösen. Gedanken sind oft so flüchtig, passieren wie automatisch im Unbewussten, und erst wenn wir sie beobachten und untersuchen, entdecken wir, wodurch wir uns manchmal so blockiert, verunsichert oder wütend fühlen. Meist ist es so, dass unangenehme Gefühle durch Gedanken ausgelöst werden, von denen wir nicht mal im Ansatz wissen können, ob sie wahr sind. Und erst wenn wir diesen Gedanken auf die Spur kommen, und sie auf ihre Wahrheit und Nützlichkeit untersuchen, können sich die Gefühle verändern, die dadurch entstanden sind. Ich frage nicht, um dich zu nerven oder gar mich darüber zu erheben, was du fühlst, im Gegenteil, ich will erreichen, dass wir beide besser verstehen, was sich hinter deinen Gefühlen für Gedanken verbergen.“
Mari wurde rot – wie hatte sie sich wieder einmal geirrt in ihm! „Okay“, sagte sie leise.
Er beugte sich vor und nahm ihre Hand. „Mir ist klar, dass das nicht leicht ist, aber es gilt eben genau hinzuschauen.“
„In Ordnung – ich versuche es!“ antwortete sie leise.

„Prima! Also? Was bewegte sich in dir, seit du meine Nachricht erhalten hast? Was waren da für Gedanken und Gefühle?“
„Na ja… die Frage, warum ich nichts drunter ziehen und ein Kleid mit gänzlich durchgehender Knopfleiste anziehen sollte, legte für mich nahe, dass es eine mir peinliche Situationen geben wird, wenn es ums Öffnen der Knöpfe geht, und ich weiß nicht, ob und wie weit ich das tun oder zulassen kann. Und peinlich ist mir auch die Tatsache, dass unsere Session heute schon so verunglückt angefangen hat…“
„Verunglückt? Ach was! Schwierige Gefühle gehören zu dem, was wir hier tun, dazu. Das ist kein Unglück, im Gegenteil! Was sich zeigt, können wir beleuchten und klären.“ sagte er langsam. „Und was du zulassen kannst… nun, genau das gilt es herauszufinden – vielleicht nur ein Knopf, vielleicht drei, vielleicht keiner oder alle… Das ist ja gerade das Spannende, was wir beide bis jetzt noch nicht wissen. Und wie auch immer diese Herausforderung für dich sein wird, wie viele Knöpfe du öffnest oder auch nicht – es ist okay!“ 

Wie sie diese Herausforderung erleben wird, ist im folgenden Kapitel zu lesen.

Geschrieben von Rafael und Miriam

Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge

80. Druck – selbstgemacht

Bei Joel – Alles findet im Kopf statt

Als Mari auf dem Weg zu Joel war, dachte sie an das letzte Gespräch der beiden, indem sie ihm von ihren in letzter Zeit häufig auftretenden Träumen erzählt hatte, in denen es immer wieder um Prüfung und Versagensangst ging. Er hatte eine Andeutung gemacht dass er das im nächsten Treffen zum Thema machen würde.
Joel hat ein wenig umgeräumt und wartete auf sie.
„Hallo Mari, schön dich zu sehen, komm herein“, begrüßte er sie freundlich wie immer.
Und als sie eintrat, sagt er gleich: „Das Spiel beginnt.“
Ups, dachte Mari, das ging ja schnell heute, ohne Vorgespräch, ohne etwas zu trinken, da bin ich ja gespannt, was jetzt kommt…“
Im Raum stand ein Tisch und davor und dahinter ein Stuhl. Unschlüssig betrachtete sie dieses Setting und schaute ihn fragend an.
„Setz dich“, sagte er in seiner Meisterrolle sanft und brachte ihr ein Glas Wasser, ein paar weiße Blätter Papier und einen Kugelschreiber.
Das scheint tatsächlich mit dem Prüfungsthema zu tun zu haben, dachte Mari etwas beklommen.
Er setzte sich auf den anderen Stuhl ihr gegenüber hinter dem Tisch und fragte: „Bereit für heutige Lektion?“
„Ja, okay, ich bin bereit“, antwortet Mari.
„Ich werde Dir ein paar Fragen stellen“, erklärte er, „bitte schreibe die Antwort auf und lies sie mir dann vor, verstanden?“
Sie nickte: „Ja.“
„Ich werde dir auf jede Frage eine Punktanzahl sagen, und du schreibst sie dann auf das Papier unter die jeweilige Frage.“
„Hm, ja, in Ordnung. Wie viel sind denn die maximale Punktzahl?“
„Aufgabe 1“, sagte er und schaute sie an.
„Sie nickte.“
„Nenne drei Assoziationen zum Thema Vertrauen.“

Krampfhaft überlegte sie,. Warum fällt ihr nur so schnell gar nichts ein? Vertrauen… vertrauen… vertrauen… kann gelingen oder auch nicht… Dachte sie. Und dann schrieb sie auf:
– Selbstvertrauen
– Gottvertrauen
– Vertrauen ins Leben
Und dann las sie ihm die 3 Begriffe vor.
Er nickte nachdenklich. „Ok, 2 Punkte. Schreib sie dazu.“
So schrieb sie die Zahl 2 und fragte sich: Welcher der drei Begriffe war wohl falsch? Warum habe ich nicht die vollen 3 Punkte erhalten.
„Die nächste Aufgabe“, kündigte er an, „vervollständige den Satz: Wenn ich meinem Meister nicht vertraue, dann …
Und sie antwortete spontan: „… dann habe ich es schwer in dem, was wir hier tun.“ Auch das las sie laut vor.
„3 Punkte“, sagte er.
Das scheint so eine Art Zwischenprüfung zu sein, die sich auf unsere Thematik hier bezieht, dachte Mari beklommen. So gut fühlt sie sich mit ihrem Vertrauen noch nicht…
„Nenne drei Dinge, die es dir schwer machen zu vertrauen.“
„Angst zu versagen, Angst vor unangenehmen Erfahrungen, Angst vor peinlichen Momenten.“ „Hmmmm,“ sagte er, „notiere einen Punkt.“
Traurig schrieb sie einen Punkt auf und ein unangenehmes, heißes Gefühl kroch ihr den Rücken hinauf. Weiter ging es. „
„Nenne drei Dinge die dir peinlich sind.“
Oh jeh, dachte Mari, diese Fragen werden ja immer unangenehmer… Und sie schrieb nach einiger Überlegung auf und las dann vor:
Wenn mir nichts einfällt zu sagen auf eine Frage…
Wenn ich unangemessen oder spärlich angezogen bin…
Wenn ich Fehler mache…“
„Einen Punkt“, sagte Joel. Sie schrieb die Eins hin und überlegt, was wohl passieren würde, wenn das Gesamtergebnis dieser Prüfung ungenügend wäre. Was hätte das wohl zur Konsequenz? Wenn sie doch wenigstens wüsste, was für ein System dieser Bewertung zugrunde liegt.
Weiter fragte er: „Nenne drei Dinge, die dir Lust bereiten und gut tun.“
Für diese Frage brauchte sie nicht allzu lange nachzudenken: „Umarmen, Streicheln, Kopfmassage.“
„Zwei Punkte“, sagte er. Sie schrieb die Zahl zwei auf und überlegte, welcher von den drei Begriffen für ihn wohl nicht einen Punkt wert waren.
Weiter ging es: „Nenne drei Dinge die erregend sind für dich.“
Mari saß vor ihrem Papier… Was könnte sie nur aufschreiben? Es war nicht so, dass ihr nichts einfiel, aber alles in ihr sperrte sich dagegen, diese Gedanken aufzuschreiben und ihm anschließend vorzulesen. Die Frage war einfach zu peinlich… Der Widerstand zu groß…
Er schaute auf die Uhr.
Schließlich sagte sie: „Ich kann dazu nichts aufschreiben, entschuldige bitte.“
Er nickte und meinte: „Null Punkte.“
Ihr fällt zwar ein dass es sie erregt an der Brust berührt zu werden, aber sie bringt es nicht fertig das aufzuschreiben
Das war klar, sie schrieb die Null hin und kämpfte mit den Tränen.
„Dann schauen wir mal. Zähl mal alles zusammen. Wie viele Punkte hast du insgesamt?“
„15“ antwortete sie.
„Und? Was glaubst du, hat es gereicht?“
Was würde das denn jetzt bedeuten? Und welche Folgen würde es haben? überlegte sie in Gedanken und antwortete: „Ich weiß es doch nicht. Ich hoffe zumindest, dass ich nicht durchgefallen bin, auch wenn ich die letzte Frage gar nicht beantworten konnte.“
„Hm, du meinst du hast bestanden?“
So wie er das fragt, klingt es eigentlich nicht so. Drängte sich ein unangenehmer Verdacht auf. Aber tapfer vertrat sie sich: „Wenn ich selbst jetzt meine eigene Lehrerin wäre, dann würde ich schon meinen ich hätte bestanden, ich habe, so meine ich, jede Frage bis auf die letzte beantwortet.“ Und so bekräftigte sie noch einmal: „Ja, ich glaube ich habe bestanden.“
„Und wie fühlt sich das an?“ fragte er mit undurchdringlichem Blick.
„Im Moment noch sehr unsicher, weil ich ja nicht weiß ob es stimmt. Kannst du mir nicht bitte sagen, was du darüber denkst? Wie dein Urteil ist?“
Er redete weiter, ohne ihre Frage zu beantworten. „Und was könntest du wohl bestanden haben?“
Mari zuckte mit den Schultern. „Ja, wenn ich das wüsste… Diese ganze Situation ist irgendwie so undurchschaubar
Geht es vielleicht darum, wie zufrieden du mit mir hier bist?“
„Und? Wie wirke ich? Bin ich zufrieden?“ fragte er weiter.
Unschlüssig scheute sie ihn an. „Auch du wirkst ziemlich distanziert und undurchschauber, also ich neige dazu zu sagen, du wirkst nicht sehr zufrieden.“ Traurig schaute Mari an ihm vorbei aus dem Fenster.
„Das ist eine Interpretation – in einer Situation, die du, wie du sagst, nicht durchschaut hast. Eben warst du noch der Meinung bestanden zu haben. Warum sollte ich dann unzufrieden sein?“
„Du wirkst auf mich irgendwie so… Und meine Einschätzung, kann ja abweichend sein von dem sein, was du denkst.“
„Kann… aber muss nicht! Gerade warst du noch von dir überzeugt. Warum jetzt so unsicher?“
„Ich weiß nicht… Deine Fragen und dein Auftreten verunsichern mich.

Er begann, etwas zu lächeln. „Das war eine schwierige Prüfung, oder?“
Jetzt kamen Mari die Tränen tatsächlich, sie konnte sie nicht mehr zurückhalten. „Ja, das war wirklich eine schwere und unangenehme Prüfungssituation!“
Er ergriff sofort ihre Hand, drückte sie sanft und nickte. „Waren das so ähnliche Gefühle, wie du sie in deinen Träumen hast, die dich so belasten?“
„Ja stimmt, so ähnlich…, aber sag mir doch jetzt bitte mal, was du über mich denkst?“ brachte sie aufgeregt heraus.
Er lächelte: „Ich finde, du hast du gut behauptet in einer merkwürdigen Situation…, die… du viel zu ernst genommen hast.“
„Wie meinst du das?“ Fragend schaut Mari ihn an.
Er antwortete gelassen: „Na, was bringt mich denn im eine Position dich zu prüfen? Und was hätte es für einen Sinn, Vertrauen zu bewerten? Und was hätte es darin für eine Konsequenz oder für einen Abschluss geben sollen? Aber die Situation hat dich sofort gefangen genommen…“
„Ja, das stimmt, ich habe mich durch das Setting in einer ziemlich heftigen Drucksituation gefühlt. Ich dachte nach und nach immer mehr, dass es darum geht, wie zufrieden du mit mir bist hier in unserem Miteinander – grundsätzlich, und speziell heute in dieser Prüfungssituation ganz besonders.“
„Meinst du echt, über Vertrauen und ähnliches würde ich eine schriftliche Prüfung machen? Schon sehr unwahrscheinlich, oder?“
„Darüber habe ich gar nicht nachgedacht. Das hat mich gefühlsmäßig alles tatsächlich sehr an meine Träume erinnert…“
Joel nickte. „Ja, ich wollte dich diese Gefühle bewusst spüren lassen und sehen, wie du reagierst. Du hast nicht gezögert, nichts in Frage gestellt, warst sofort drin.“
Sie entgegnete: „Ganz am Anfang habe ich eine Frage nach dem Bewertungssystem gestellt, aber die hast du ignoriert, und dann traute ich mich nicht weiter zu fragen. Und stimmt… dann war ich in der Situation gefangen.“
„Wie geht es dir jetzt?“ fragte er.
„Naja, noch ziemlich durchgerüttelt. Das waren ja auch Fragen, die mich tief innen betroffen haben. Und ich wüsste immer noch gern, was du über meine Antworten gedacht hast.“
„Ich habe allem einfach nur interessiert zugehört ohne es wirklich zu bewerten. Das war nur Show, um es prüfungsähnlich zu machen. Ich habe bewusst einfach nur Zahlen genannt, die eigentlich gar keinen Sinn ergaben.“
Mari schüttelte verwundert den Kopf. „Es waren ja immer drei Dinge, nach denen du gefragt hast. Deshalb dachte ich, dass die Zahlen je nach deiner Zufriedenheit eine eins, zwei oder drei ergeben müssten, also drei wenn alles top war und eins ziemlich mangelhaft. Na ja und 0 war ja sowieso klar am Ende. War es nicht so?“
„Nein, das hast du dir nur so ausgedacht. Du kanntest die Kriterien nicht… weil… es keine gab!“
„Es gab absolut keine??? Und dabei hast du manchmal so ausgesehen, als würdest du genau nachdenken.“
Er lachte. „Ich wusste nicht einmal, wie die nächste Frage lauten würde, das ergab sich nach und nach aus dem, was du sagtest.“
„Das ist ja dann eine seltsame Prüfung… Was war deine Absicht dabei?“
„Ich wollte dich mit den Gefühlen deines Traumes konfrontieren und dir die Gelegenheit geben, sie bewusst in einer sicheren Situation wahrzunehmen, in der du zum Beispiel auch hättest aussteigen oder die Prüfung verweigern können, oder sie mit Humor nehmen… Wie auch immer – ich wollte kein Wissen, sondern Reaktionen wahrnehmen und heraus kitzeln. Die Situation war eigentlich ganz harmlos.“
„Aber angefühlt hat sie sich nicht so harmlos!!! Du hast sie so gestaltet dass sie schon ziemlich bedrückend für mich war.“
„Der Druck passierte aber nur in deinem Kopf. Ich habe dir keine negative Folge angedroht oder auch nur irgendwie angedeutet und in den Raum gestellt.“
„Ja das stimmt, gab Mari zu, „aber wenn du ehrlich bist, hast du schon einiges dazu getan, dass ich mich so verunsichert gefühlt habe, oder?“
„Ja, aber du hast dich sofort einfach darauf eingelassen.“
„Du hast mich, glaube ich, absichtlich in eine Drucksituation gebracht – und ja ich habe mich einfach darauf eingelassen das stimmt.“
„Ja, und den Druck hast du dir selbst gemacht, „ich habe keine Erwartung gestellt, keine Anforderung, keine mögliche Konsequenz genannt, ja, ich habe nicht mal das Wort Prüfung erwähnt.“
„Hast du nicht??? Das ist mir gar nicht mehr ganz präsent. Für mich war die Situation so eindeutig… Aber sag doch mal ehrlich, das hast du doch erwartet oder?“
„Ein Stück weit schon, aber ich habe ganz bewusst auf jede Formulierung verzichtet, die mit Prüfung zu tun hat, um dir zu zeigen, dass du dir den meisten Druck ganz alleine in dir selbst machst.“
„Na das ist dir gelungen!“
„Und was denkst du jetzt darüber?“
„Es passiert ziemlich von alleine, und das leider sehr oft, dass ich mir Druck mache, meine ich. Ich würde mir von mir selber wünschen, dass ich nicht so schnell in solche Fallen tappe.“
„Wichtig ist, dass du erkennst, dass du selbst dir den Druck machst!“
„Das hilft mir aber, glaube ich nicht, dass ich beim nächsten Mal nicht wieder in diesen Automatismus hinein gerate. Das passiert irgendwie ganz von alleine, ohne dass ich mir dessen bewusst bin.“
„Du wirst dich an diese Situation heute sicher öfter erinnern, wenn wieder solche Gefühle in dir entstehen, und dann ist der wichtigste Schritt zu prüfen, wer in der Situation die Erwartung hat.“
Mari wiederholte die Worte: „… wer in solchen Situationen die Erwartung hat. …Du meinst, das bin meistens ich selbst – und ich projiziere dann meine Erwartungshaltung in den anderen hinein…?“
Joel nickte. „Ja, vermutlich ist das oft so – auf jeden Fall zwischen uns beiden, aber wahrscheinlich auch öfter mal in deinem täglichen Leben. Du machst dir den meisten Druck selbst – und nur du kannst dann den Druck such verringern.“
Mari nickte nachdenklich – Ja, da ist was dran, aber im Außen können andere Menschen schon verstärkend auf den Druck einwirken oder entlastend. Allein schon ein Lächeln oder ein distanzierter Blick können ein subjektives Druckgefühl verstärken oder lindern, finde ich.“
„Ja sicher können andere dein Druckgefühl erhöhen oder lindern, aber frage dich immer, ob die anderen wirklich bestimmte Erwartungen an dich haben, oder ob du das nur vermutest. Und selbst wenn sie welche an dich haben, wäge für dich ab, ob du sie erfüllen willst, oder nicht. Es ist immer deine Wahl.“
„Ja das stimmt, das ist meine Verantwortung, da hast du recht. Und selbst wenn sie Erwartungen haben und sich so verhalten dass sie den Druck erhöhen, ist es ja meine Entscheidung, ob ich mich von ihnen abhängig machen will oder nicht…“
Joel nickte bestätigend. „Ja genau. Und welche Situation könnte es schon geben, wo du wirklich unter Druck kommen könntest? Wie viele Prüfungen willst du denn machen?“ Dabei lächelte er.
„Aber auch ohne reale Prüfungen erscheint mir das Leben oft wie eine grpße Prüfung. Ich habe Angst davor, dass andere von mir enttäuscht sind. Frage mich immer, ob ich mich angemessen verhalten habe, ob ich etwas vermasselt habe ohne es zu merken… Es geht glaube ich darum, mich von ihrer Erwartungshaltung unabhängig zu machen.“
„Ja, denn nur in echten Ptüfungssituationen ist ihr Urteil wirklich entscheidend.“
„Stimmt, der wichtigste Mensch in meinem Leben bin ich – und entscheidend ist was ich selber von mir denke.“
„Jeah! Das ist der Punkt! Damit ist das Spiel fast zu Ende… Eine Frage noch.“
„Ja ??? Mari nahm wahr, wie ihr Herz schon wieder unwillkürlich zu klopfen begann.“
„Gibt es wirklich nichts, dass dich erregt?“
Mari antwortete etwas verlegen: „Doch, natürlich gibt es Dinge, die mich erregen, aber ich war einfach nicht in der Lage sie aufzuschreiben.“
„Nun dann freue mich darauf, sie nach und nach zu erfahren.“ Er lächelte. „Das ist Spiel ist vorbei.“

„Kannst du mich jetzt bitte mal ganz fest in die Arme nehmen?“ fragte sie erschöpft.
„Aber gerne doch!“ Er kam zu ihr, und sie schmiegte sich in seine Arme. „Das tut jetzt sooo gut,“ flüsterte sie.
Er drückte sie sanft und eng an sich.
Sie atmete ganz tief. „Gott sei Dank ist diese Situation vorbei!“
„Du hast sie gut gemeistert!“ sagt er leise in ihr Ohr.
Erstaunt schaute sie ihm in die Augen: „Das meinst du nicht wirklich?! Ich habe mich ja richtig gefangen nehmen lassen. Habe das alles nicht durchschaut und einfach mitgespielt. Aber eins sage ich dir: Daraus will ich wirklich was mitnehmen!!!“
Er nickte: „Na, dann hat es doch einen Sinn gehabt! Und ich muss schon sagen: Du hast dich tapfer da durchgekämpft und warst sogar der Meinung dass du es geschafft hast. Das ist schon nicht so leicht gewesen!
Du hättest auch viel früher aufgeben und scheitern können.“
Mari lächelte: „So habe ich das noch gar nicht gesehen, da hast du auch wieder recht. Jetzt habe ich noch eine Bitte an dich.“
„Welche?“ fragte er interessiert.
„Könntest du bitte sagen: Mari, du hast die nicht stattgefundene Prüfung bestanden!“
Er lächelte und sagte laut und deutlich: „Mari, du hast die nicht stattgefundene Prüfung bestanden!“
„Danke!“ Jetzt lächelte auch Mari 😊 und fühlte sich richtig froh.

Dieses Bild hat ein leeres alt-Attribut; sein Dateiname ist buch_0035.gif.

Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge

79. Belastende Träume von Versagensangst

Bei Mari
In letzter Zeit hatte Mari immer wieder unruhige, manchmal ziemlich heftige belastende Träume von Prüfungssituationen, in denen sie mit Versagensangst zu kämpfen hatte. Die Angst , die ihr gestellten Fragen falsch zu beantworten und dann entsprechende Sanktionen zu erhalten, führte sie in ihren Träumen häufig dazu, dass sie kein Wort heraus brachte. Wenn sie dann aufwachte aus dem Traum, hatte sie oft durch die Verspannung im Schlaf Kopfschmerzen und fühlte sich morgens schlapp und unausgeruht.

Als sie Joel davon erzählte, wurde er nachdenklich und meinte schließlich: „Das Thema Prüfung und Versagensangst scheint in dir gerade an die Oberfläche zu kommen. Es sieht so aus, als schreit es regelrecht danach, bewusst wahrgenommen und verarbeitet zu werden.“
Mari nickte. „Ja, den Eindruck habe ich auch. Was könnte ich tun, um es zu verarbeiten?“

Joel schaute sie nachdenklich an. Es war, als würde er einer für sie nicht hörbaren Stimme lauschen…
Schließlich meinte er: „Verarbeitung der Gefühle geschieht ja dadurch, dass wir sie bewusst fühlen, dass wir spüren, wie sie sich im Körper anfühlen und ihnen Raum geben, da zu sein im Wissen, dass in der aktuellen Situation – im Gegensatz zu früher, wo sie entstanden sind, dabei nichts Schlimmes geschehen kann.

Was würdest du davon halten, wenn wir uns in einem nächsten Spiel diesem Thema zuwenden und eine Prüfungssituation gestalten, in der du die Gelegenheit hast, diese Gefühle in einem geschützten Raum, in dem du weißt, dass dir nichts wirklich Schlimmes geschehen kann, bewusst zu spüren?“
„Mari wurde es etwas unbehaglich zumute, und sie versuchte, das mit einer etwas flapsigen Bemerkung zu überspielen: „Wie jetzt? Wollen wir Schule spielen?!“ Sie lachte etwas zu hektisch dabei.
Ruhig und ernsthaft schaute Joel sie an…
Als sie wieder stiller wurde und er immer noch nichts sagte, sah sie ihn fragend an.
Und schließlich antwortete er ruhig: „Ja, so etwas in der Art. Lass dich überraschen…“

Was er sich dafür einfallen lässt, erscheint in Kürze im darauf folgenden Kapitel.

Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge

78. Ein Ostergeschenk

Bei Joel – die Herausforderung findet einen wohltuenden Ausklang

Joel hatte Mari mit zwei Osterkörbchen voller bunter Eier überrascht. In einem Körbchen gab es Eier, die mit einer Herausforderung verbunden waren, und im anderen waren Eier, die je ein Geschenk für sie beinhalteten.

Nachdem Mari mit Angst, aber auch langsam wachsendem Vertrauen durch eine herausfordernde, aber von Joel gut unterstützte Übung, in der ihr die Hände hinter dem Stuhl gefesselt worden sind, gegangen war, meinte er zu ihr: „So, wir haben noch eine zweite Runde!“
„Ach so??? Noch mal???“ fragte sie erstaunt. Dabei war sie doch gerade so erleichtert, dass sie ihre Fessel-Erfahrung, die diesmal deutlich fester war, als beim Mal davor, überstanden hatte.

Joel erinnerte sie lächelnd:
„Na… es gibt doch noch ein zweites Ei!“
„Ach ja! Mari fasste sich an den Kopf, und ihr Blick fiel auf das gelbe Osterei, das noch unausgewickelt auf dem Tisch lag. 
 „Aufmachen und vorlesen“, sagte er Augen zwinkernd.
Neugierig wickelt sie das gelbe Papier ab, strich es glatt und las vor: „Du darfst dir von mir etwas wünschen.“
Er strahlte sie an: „Ein Hauptgewinn!“

Fragend schaute sie ihn an. „Was für eine Art Wunsch darf ich denn äußern? „
„Ich würde sagen, bis auf Geld so ziemlich alles“, sagt er grinsend.
„Na das ist ja wirklich wie das große Los! “ bestätigt sie lächelnd
Er lachte. „Und? Was darf es sein?“
„Ich wünsche mir… Ich wünsche mir… eine Kopf-, Nacken-, und Schultermassage von dir.“
„Da hast du aber gleich richtig zugegriffen“, meinte er schmunzelnd. „Dann setz dich bitte auf den Stuhl…- oder….“
Joel überlegte… „Was würdest du davon halten, wenn ich dir die Massage am Ostersonntag gebe?“

Mari nickte. „Das ist eine gute Idee! Dann wartet auf mich zu Ostern etwas, worauf ich mich einfach nur freuen kann.“

„Genau!“ bestätigte Joel. „Heute haben wir ja schon einiges erlebt, und am Sonntag ist mehr Ruhe – auch innere Ruhe in dir. Damit ist das Spiel für heute beendet. Lass uns jetzt einfach noch ein bisschen gemütlich auf der Couch sitzen und Musik hören…“ So fand diese heftige Herausforderung einen ruhigen und harmonischen Ausklang.

********************************

Am Sonntag setzte sich Mari dann nach einem gemütlichen gemeinsamen Osterkaffee auf jenen Stuhl, auf dem sie zwei Tage vorher zu Karfreitag so schwierige Gefühle gehabt und bewältigt hatte.

„Gibt es heute einfach nur eine Massage von dir?“ wollte sie vorher wissen, „ohne… äh…“

Joel lächelte: „Ja, ohne…! Ohne irgendetwas, was sich für dich schwierig anfühlen könnte! Keinerlei Herausforderungen! Heute feiern wir Ostern und wollen es uns einfach nur gut gehen lassen. Das Spiel beginnt.“
Mit diesen Worten krempelte er sich seine Ärmel hoch und legte seine Hände sanft auf ihre Schultern.

„Ach ist das schön, deine Hände auf meinen Schultern zu spüren, und diesmal nicht dabei gefesselt zu sein“, freute sie sich.

Mit sanftem Druck begann er, ihr die Schultern zu massieren. Mari schloss die Augen und nahm diese angenehmen Berührungen dankbar war. Seine Hände kneteten und massierten wohltuend den hinteren Teil der Schulter. Dabei wanderten sie leicht hin und her.

Mari dachte dabei: Welch Geschenk! Ist das toll, dass jetzt etwas geschieht, das einfach nur schön ist, ohne mit irgendeiner Angst oder Herausforderung verbunden zu sein.

Seine Daumen massierten den Nackenansatz. Dort tat es ihr besonders gut. Sie spürte wie ihre Nackenmuskulatur langsam weicher wurde.
Er nahm wahr, wie sie reagierte und erhöhte ganz leicht den Druck so weit wie es noch angenehm war. Seine Finger massierten nun den Nacken. Dabei gab sie leise , wohlige Laute von sich. Oh, war das schön!
Die Finger strichen den Nacken auf und ab, und dadurch dass sie ihre Herausforderung ja schon seit Freitag hinter sich hatte, konnte sie diese Massage gerade ganz besonders genießen.

Nun ließ er seine Fingerspitzen über ihren Kopf gleiten und massierte sanft die Kopfhaut
Hmm, ist das schön… Der Kopf entspannte sich fühlbar unter den mit sanftem Druck langsam kreisenden Bewegungen seiner Finger, die auf diese Weise langsam über den ganzen Kopf wanderten.

Das fühlte sich an, als würde die Kopfhaut sich weiten und der ganze Druck, der sich vorhin angestaut hatte, durch alle Poren langsam und stetig nach außen fließen und in ihrem Kopf entstand eine wunderbare Leere. Ganz langsam reduzierte er den Druck, glitt immer langsamer durch die Haare, und schließlich löste er allmählich seine Finger von ihrer Kopfhaut, so sacht, dass sie noch ein Weilchen das Wohlgefühl seiner Massage spüren konnte.
Dann nahm er seine Hand ganz weg.

„Und? Wie war es?“ fragte er lächelnd.
„Das war wunder-, wunderschön, Joel, „ich danke dir! Und dadurch dass die Herausforderung schon vorbei war, konnte ich es besonders gut annehmen und genießen. „

„Weißt du, das waren in diesem Jahr ganz besondere Ostertage. Der Meister hat mich echt durch Berg und Tal geschickt zu Karfreitag und Ostersonntag.

„Ja, das waren zwei sehr unterschiedliche Überraschungen“, bestätigte Joel.

„Es wäre interessant, was in den anderen Überraschungen gewesen wäre. Darf ich die Zettel nun abwickeln?“ fragte Mari interessiert

„Nein!“ sagte er streng, aber lachend.
Sie grinste: „Ehrlich gesagt, das dachte ich mir auch schon!“

Dann wurde sie still und schaute nachdenklich auf die Osterkörbchen. „Diese beiden Erfahrungen passen irgendwie auch zu Ostern, überlegte sie… Das Fesseln, die Angst und die Bewegungslosigkeit zu Karfreitag – und die wunderschöne Massage war ein richtiges Ostergeschenk.“

Er lächelte: „Siehst du, am Ende wird immer alles gut. Frohe Ostern, Mari!“
Sie stand von ihrem Stuhl auf und umarmte ihn: „Frohe Ostern, Joel!“

Geschrieben von Raffael und Miriam

Dieses Bild hat ein leeres alt-Attribut; sein Dateiname ist ostern.jpg.

Liebe lesende Gäste,
FROHE , MAGISCHE OSTERN mit wachsendem Mut und Vertrauen für alles Neue, was sich lebendig und gut anfühlt, wünschen euch von Herzen
Mari, Joel, Raffael und Miriam

Dieses Bild hat ein leeres alt-Attribut; sein Dateiname ist buch_0035.gif.

Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge

77. Manchmal geht es einfach darum, nichts zu tun

Bei Joel – mit aller Angst durch die Erfahrung hindurch gehen

Joel hatte Mari mit zwei Osterkörbchen voller bunter Eier überrascht. In einem Körbchen gab es Eier, die mit einer Herausforderung verbunden waren, und im anderen waren Eier, die ein Geschenk für sie beinhalteten. Mari hatte sich zuerst das Ei mit der Herausforderung ausgesucht. Diese bestand darin, ihre Kontrolle dadurch einschränken zu lassen, dass Joel, der innerhalb des heutigen Spiels wieder einmal die Meisterrolle für sie einnahm, ihr auf einem Stuhl die Hände hinter der Rückenlehne fesselte.

Als er das Seil um beide Gelenke band und es dann deutlich fester zog, rief sie: „Joel, ich habe Angst! Das fühlt sich anders an als letztes Mal!!!“

Geduldig abwartend hielt Joel sanft ihre Hände, drückte sie leicht und fragte sanft: „Geht es noch?“

Mari zögerte einen Moment. „Ich möchte es gern schaffen“, sagte sie schließlich mit zittriger Stimme.“
„Gut, Mari! Tief atmen,“ erinnerte er sie daraufhin mit ruhiger Stimme.

„Machst du es wieder so, dass ich mich zur Not selbst heraus lösen könnte?“ wollte sie wissen.
Er lenkte ihre Aufmerksamkeit wieder auf die Atmung: „Ein und ausatmen, Mari. Immer wieder ganz in Ruhe: ein und aus, ein und aus… Ja, gut so, und dehne die Ausatmung etwas aus, dass du länger aus als einatmest. Das entspannt.“

Okay, Mari versuchte langsamer zu atmen, in dem Rhythmus, den er ihr mit seinen Worten vorgab: ein und aus – ein und aus…
Er zog noch etwas fester an dem Seil und machte einen Knoten.  
Obwohl sie sich immer noch darauf konzentrierte, langsam und bewusst zu atmen, verstärkte das ihre Angst.
„Ich werde darauf achten, dass dir nichts passiert“, sagte Joel.
Sowohl seine Worte, als auch seine besänftigende Stimme taten ihr gut, und sie spürte, wie der Druck in ihrem Kopf und das Zittern daraufhin ein wenig nachließ.

Schließlich trat er einen Schritt zurück. „So, die Fesselung ist fertig.“

Mari versuchte, ihre Hände auseinander zu ziehen und stellte entsetzt fest, dass es diesmal nicht funktionierte. Wie ein heißer Strom schoss eine weitere Angstwelle durch sie hindurch.
„Einfach nur sitzen bleiben“, sagte Joel sanft und stellt sich an ihre Seite dicht neben sie.
„Ich kann jetzt gar nichts machen“, rief Marie panisch, „das ist anders als beim letzten Mal! Ich könnte so nicht mal aufstehen vom Stuhl!“
Ruhig antwortete er: „Ja, stimmt. So ist es in diesem Moment. Ich sagte doch:
Bleib einfach still sitzen. Du sollst nichts machen, und ich werde nichts machen. Es geht jetzt nur darum, den Moment auszuhalten.“

Ihr Körper fühlte sich heiß und kalt gleichzeitig an. Sie hielt die Luft an und versuchte zu tun, was er sagte, einfach nur still sitzen… In Gedanken sagte sie sich den Satz noch einmal: Einfach nur still sitzen… Nichts machen…. und er wird nichts machen…
Er stand ganz still und ruhig direkt neben ihr. Sie drehte den Kopf zur Seite, sah ihn an und fragte mit wackeliger Stimme: „Würdest du bitte eine Hand auf meine Schulter legen?“
Er nickte lächelnd und legte seine warme Hand ganz behutsam auf ihre angespannte Schulter.

Diese Berührung war für sie wie ein Halt in der Heftigkeit ihrer Angst-Gefühle. Sie konzentriert sich auf ihre Schulter und spürte, wie ein warmer Strom von dort aus durch ihren Körper floss. Dabei atmete er deutlich hörbar dicht neben ihr, um ihr einen sanften Rhythmus vorzugeben – in der Absicht, auf diese Weise, ihren Atem zu synchronisieren und ihn dadurch allmählich zu beruhigen. Diese ruhigen Atemzüge, die er so hörbar machte, dass sie ihnen leicht folgen konnte, helfen ihr, sich langsam etwas zu entspannen. Er atmete sehr deutlich, und sie setzt ihre ganze Willenskraft und Konzentration ein , um sich mit ihrer Atmung anzupassen. Nur ab und zu zuckte in ihrem Körper eine Angstwelle durch, die sie wieder aus dem Rhythmus brachte.

„Das machst du sehr gut Mari“, sagte er sanft.
Seine Worte ließen sie unwillkürlich einen besonders tiefen Atemzug nehmen, der ihre Anspannung milderte und ihr half, den angestauten Druck mit dem Ausatmen aus sich heraus fließen zu lassen.

Nach einem kleinen Weilchen trat er wieder hinter sie und sagte: „Gut, Mari, gleich hast du es geschafft. Ich werde dich jetzt losbinden, aber vorher versuch noch einmal die Hände voneinander zu lösen und spüre, dass du diesmal wirklich gefesselt bist und dich nicht selbst befreien kannst.“

In dem Moment, in dem er seine Hand wieder von ihrer Schulter nahm, sich von ihr einen Schritt entfernte und sie erfolglos versucht ihre Hände aus den Seilen zu befreien, fühlte es sich noch mal wieder ziemlich schlimm in ihr an. „Es geht wirklich nicht!“ brachte sie hervor.

„Ja das stimmt“, bestätigte er, „und jetzt bitte still halten. Ich werde jetzt den Knoten öffnen.“
So bewegungslos wie möglich hielt sie ihre Hände und wartete auf den Moment, in dem sie sie wieder bewegen konnte. Es dauerte etwas. Dieser Knoten war nicht ganz leicht zu lösen. Sie versuchte, sich weiterhin mit Ein- und Ausatmen in der Situation ruhig zu halten. Schließlich konnte er das Seil ganz sanft wegziehen. Sofort nahm sie die Hände vor sich auf den Schoß und bewegte sie etwas. „Puh, bin ich froh, dass das jetzt vorbei ist!“

Er ging um sie herum, stand schließlich vor ihr, breitete seine Arme aus, um sie zu einer Umarmung einzuladen. Nur allzu gern nahm sie dieses Angebot an. Fest nahm er sie in die Arme. Oh, tat das gut!
Das Gehalten-werden und die Wärme, die von ihm ausging, war ein solcher Gegensatz zu den Gefühlen, die sie davor hatte, dass ihr die Tränen kamen. „Diese Erleichterung jetzt zu spüren, ist so wunderbar! Das ist ein fantastisches Gefühl!“, brachte sie hervor.

„Ja, jetzt ist alles gut“, lächelte er, „dir ist nichts passiert! Und um dieses intensiver Erleichterungsgefühl zu spüren, lohnt sich doch das Aushalten der Herausforderung davor, oder?“

 „Stimmt, mir ist wirklich nichts passiert! Und die Angst dabei hat sich sehr heftig angefühlt, aber jetzt hinterher… das ist ein richtiges Glücksgefühl!“ bestätigte sie. 

Dann sagte sie nachdenklich: „Dabei weiß ich doch inzwischen, dass ich vor dir keine Angst haben muss, aber trotzdem war in diesem Moment das Gefühl der Angst ganz schlimm, als ich merkte, dass ich die Hände nicht auseinander bekam.“

„Die Angst ist eben ein altes Gefühl, das in den Körperzellen gespeichert ist. Und dieses Mal warst du wirklich gefesselt! Das hätten wir so bisher nicht machen können, und du hast es geschafft, es gut auszuhalten.“

„Ja, das stimmt, diesmal war es wirklich fest. Und du hast es mir vorher nicht gesagt!“

Er nickte. „Du sollst mir ja vertrauen, egal was ich mache.“

„Das versuche ich auch immer – so gut es geht…“ antwortete sie leise.
„Ja, das merke ich, Mari.“ bestätigte er. „Und du hast die Situation gut bewältigt.“
„Naja, ich habe schon ziemlich Angst gehabt, aber ich wollte gerne schaffen, mit all der Angst, durch die Situation hindurch zu gehen.“
„Und das ist dir gut gelungen! Du warst sehr mutig und tapfer Mari“, lobte er sie.

„Danke schön, lieber Meister, das freut mich, dass du das so siehst!“ freute sie sich und löste sich langsam aus seinen Armen.

„So, wir haben noch eine zweite Runde!“ sagte er daraufhin.

„Ach so??? Noch mal ???“ fragte sie erstaunt.  Dabei war sie doch gerade so erleichtert, dass sie die Fessel-Erfahrung, die diesmal deutlich fester war, als beim Mal davor, überstanden hatte…

Und wie es in der nächsten Runde weitergeht, gibt es am Ostersonntag zu lesen

geschrieben von Raffael und Miriam

Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge

76. Eine fesselnde Herausforderung

Bei Joel
Mari und Joel saßen bei Kaffee , Tee und Gebäck noch etwas gemütlich zusammen, bevor das heutige Spiel begann, in dem Joel wieder die Meisterrolle für Mari einnahm. Anschließend ging Joel in die Küche und kam mit zwei Osternestern zurück, die er auf den Tisch stellte.
„Ach die sehen ja süß aus“, meinte Mari fröhlich.
„Ich dachte mir… eine kleine Osterüberraschung“, lächelte Joel verschmitzt.
„Süße Idee!“
„Aber da ist nicht nur Schokolade drin“, meinte er.
„Oh, was gibt es denn noch in den Eiern? Vielleicht Eierlikör?“ Mari schaute versonnen zu den Osternestern.
„Nein, sie sind mit etwas umwickelt, dass ich hinzu gefügt habe“, antwortete er mit einem Blick, den sie nicht deuten konnte.
„Was hast du denn hinzu gefügt?“ fragte sie, worauf er ihr erklärte: „In dem linken Körbchen sind Geschenke, und im rechten stecken Herausforderungen.“
„Wie jetzt… Wie meinst du das?“ Langsam ahnte Mari, dass die Eier nicht nur süß waren.
Ernst schaute er sie an und antwortete: „Nun, in jedem Ei des linken Körbchens ist etwas, von dem ich hoffe, dass es dir Freude bereitet, und in jedem Ei des rechten Körbchens steckt eine Herausforderung für dich – etwas, dass du tun oder erfahren kannst.“
Mari wurde unruhig. „Ach so…? heute…? Jetzt…? Hier…?
Er nickte. „Ja, beide Sorten Eier sind für hier und jetzt bestimmt. Das Spiel beginnt!“
Fragend schaute Mari ihn an. Was würde jetzt kommen?
Er trank ganz in Ruhe einen Schluck Kaffee, und sie spürte, wie das wohlbekannte Kribbeln ihrer Aufregung langsam in ihr aufstieg.
Schließlich sagte er: „Mari, du darfst dir jetzt aus jedem Körbchen ein Ei nehmen. Wähle sie jetzt aus und
lege sie vor dich hin.“
Mari betrachtete die beiden Körbchen und versuchte, irgendwelche Ahnungen zu bekommen, welches Ei jeweils für sie das Beste sei. Ob die Farben etwas darüber verraten würden…? Schließlich entschied sie sich für ein gelbes Ei aus dem Geschenke-Körbchen und für ein rosafarbenes Ei aus dem Körbchen der OstereierHerausforderungen. Rosa ist eigentlich die zarteste Farbe, dachte sie dabei, möge es also auch die sanfteste der Herausforderungen sein.
Nachdem sie ihre Wahl getroffen hatte, fragte Joel: „Welches Ei würdest du gerne als erstes öffnen?“
Diese Entscheidung fiel ihr leicht: „Das rosafarbene Ei aus dem Körbchen der Herausforderungen, dann weiß ich wenigstens, woran ich bin.“
„Ja dann…“ meinte er und schob das gelbe Ei etwas zu Seite.
„Soll ich es jetzt auswickeln?“ fragte Mari.
„Ja bitte“, nickte er und beobachtete sie.
Vorsichtig wickelte sie das rosafarbene Papier ab, mit dem das Ei umwickelt war und strich es glatt. Es erwies sich als ein Zettel, auf dem etwas geschrieben stand.
„Ich möchte, dass du den Text laut vorliest“, sagte er.
„Da die Schrift ziemlich klein war, musste sie einen Moment lang genau hinschauen. Dann erkannte sie die Schrift, schaute ihn kurz an und las:
Übung macht den Meister:  Abgabe deiner Kontrolle in einer Weise, die du so ähnlich bereits kennst.
Er schaute sie fragend an: „Und? An was denkst du?“
Von den beiden Ideen, die ihr kamen, wählte sie die für sie angenehmere Variante: „Willst du mir die Augen verbinden?“
Er schüttelte den Kopf. „Nein – nicht die Augen.“
Dann wurde ihre Befürchtung also wohl wahr. „Meinst du… meine Hände?“
Er nickte: „Ja – eine echte Osterüberraschung, oder? Und wie so oft wird es um die Stärkung deines Vertrauens gehen.“
„Ach Mensch, Joel… hätte ich doch ein anderes Ei genommen!“
„Was, wenn dies das harmloseste Ei war?“
Mari runzelte die Stirn. „Äh, was hast du dir denn noch ausgedacht???“
„Das wird nicht verraten und ein Umtauschrecht gibt es ohnehin nicht“, sagte er ernst, stand auf und holte ein Seil.
Mari spürte augenblicklich, wie ihr Adrenalinpegel stieg. Dabei versucht sie sich mit dem Gedanken zu beruhigen, dass sie Joel ja nun schon ein Weilchen kannte und ihm vertraute. Aber dieser Gedanke hatte nicht die Kraft, sie wirklich zu beruhigen.
„Setz dich bitte hierher.“ Zögernd stand sie auf und setzte sich auf den Stuhl, den er nun in die Mitte des Zimmers gestellt hatte.
„Streck deine Hände nach hinten“, sagte er sanft.
Sie atmete tief durch und tat was er verlangte. Behutsam griff er ihre Hände und zog sie leicht nach hinten.
Sie spürte dabei, wie ungeschützt sie sich fühlte in dieser Körperhaltung mit den Händen hinter der Stuhllehne und atmete möglichst tief um sich zu beruhigen.
„Es wird dir nichts passieren“, flüsterte er ihr ins Ohr. Mari hatte so mit sich zu tun, dass sie nichts antworten konnte. Sie wollte gern möglichst ohne Widerstand diese Übung schaffen, aber es fiel ihr schwer, auch wenn sie wusste, dass er ihr nichts tun würde. Ihre Emotionen und ihren Körper erreichte dieses Wissen nicht.
Joel begann, das Seil vorsichtig um ein Handgelenk zu wickeln. Es kostete sie viel Überwindung, die Hände beide hinten zu lassen, aber sie erinnerte sich an das letzte Mal, in dem er es nicht wirklich fest geknotet hatte, und sie es hätte öffnen können, wenn sie gewollt hätte. Nun wickelte er das Seil um das zweite Handgelenk. Ihr Magen fuhr Fahrstuhl, und in ihren Händen und Füßen kribbelten Ameisen, aber sie behielt die Hände hinten. Er band das Seil um beide Gelenke und zog es etwas fester. Dieser Reiz brachte sie an den Rand ihrer Nervenkraft, und sie rief: „Joel, ich habe Angst! Das fühlt sich anders an als letztes Mal!!!“

Wie es in dieser Übung weiter geht, erscheint morgen

geschrieben von Raffael und Miriam