Joel hatte sich für die Weihnachtszeit eine Fortsetzungsgeschichte von wohlwollenden außerirdischen Meistern zum Thema „Macht – Angst – Vertrauen – Hingabe“ für Mari ausgedacht, das er ihr in Form eines Adventskalenders geschenkt hatte.

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Mari freute sich darauf, ihren nächsten Umschlag zu öffnen. Sie trank einen Schluck Kaffee, steckte sich eine Orangenscheibe in den Mund und las gespannt wie es Carinas weiter erging im Raumschiff mit ihrem Meister…

Inzwischen befindet sich das Raumschiff in einer anderen Raum-Zeit-Dimension. Die Tage wurden viel länger, bis schließlich der Sprung in diese Dimension erfolgte. Jetzt tritt das ein, was Ramon ihr zuvor schon erklärt hatte, dass in der Zeit, die einem Erdentag entspricht hier im Raumschiff mehrere Tage vergehen. So öffnet Carina ihren Adventskalender nicht mehr jeden Tag, sondern in bestimmten Abständen. Ramon erklärt ihr, dass immer in gewissen Zyklen ein Röllchen aufleuchten würde, woran sie erkennt, dass es jetzt an der Zeit sei, dieses zu öffnen. 13 Röllchen sind es noch. Carina überlegt, als sie sich abends ihren Adventskalender betrachtet: Was wohl geschieht, wenn alle 13 Röllchen geöffnet sind? Ob sie dann wieder auf die Erde zurückkommt? Wird sie danach ihr altes Leben wieder fortsetzen? Und sie spürt eine unbestimmten Sehnsucht in sich. Ihr wird zunehmend bewusst, dass Ramon in seiner liebevollen, fürsorglichen, oft aber auch sehr direkten Art für sie zu einem Teil ihres Lebens geworden ist. Würde sie ihn nach dieser Reise gar nicht mehr sehen?

Schließlich macht sie sich bewusst, dass bis dahin noch viel Zeit ist, und dass sie jetzt noch gar nicht abschätzen kann, was dann sein wird. Es hat jetzt keinen Sinn, darüber nachzudenken. Wie bisher über alles andere auch wird sie darüber mit ihm reden können, wenn es an der Zeit ist.

Ja, Carina hat schon eine gewisse Portion an Vertrauen, Gelassenheit und Zuversicht in sich entwickelt. Das braucht sie auch, als sie schließlich das nächste Röllchen öffnet und liest:

Geliebte Carina,
du hast nun viele Male erlebt,
dass ich dich nicht zwinge, etwas zu tun,
was dir nicht entspricht.
Und ebenso wird es sein, wenn wir uns ganz sacht
und behutsam den Gefühlen der Erotik zuwenden.
Carina, auch sie gehört zu dir und will gelebt werden.
Ich führe dich Schritt für Schritt,
dass du diese Lust als Kraftquelle entdecken kannst.
In Liebe Ramon

Carina zittert am ganzen Körper, als sie das liest. Nun kommt es also doch, das Thema, vor dem sie so große Angst hat. Was soll sie nur tun? Ein Gefühl von Panik und Überforderung steigt in ihr auf, wie sie es seit vielen Tagen hier nicht mehr hatte.

In diesem Moment klopft Ramon an ihre Tür. Sie öffnet, blass und verstört. Ramon setzt sich mit ihr auf die Couch, legt seinen Arm in einer beschützenden, tröstenden Geste um ihre Schultern und spricht zu ihr mit seiner warmen, tiefen Stimme: “Carina, Liebes, keine Sorge, nichts wird sich ändern. Mein Versprechen gilt, ich werde nichts tun, was dir nicht entspricht. Du merkst doch selbst, dass dir meine Berührungen nicht unangenehm sind, nicht wahr?”

Zögernd nickt Carina. „Aber ich habe Angst vor dem sexuellen Miteinander.

“Erotik ist viel mehr, als der direkte sexuelle Akt. Erotik bezieht sich auf das bewusste Wahrnehmen der Ganzheit von Körper, Seele und Geist bei Mann und Frau. So betrachtet war ganz viel von dem, was wir miteinander erlebt haben, schon sehr erotisch. Ich werde ganz sicher nicht über dich herfallen und dich zwingen, etwas zu tun, was du nicht willst. So weit kennst du mich doch schon, oder?” fragend schaut er sie an, und wieder nickt sie.

“Ich möchte nachher deinen ganzen Körper massieren, und du bleibst dabei ganz bewusst und sagst mir all deine Empfindungen. Sowie dir etwas unangenehm ist oder du eine Grenze spürst, lässt du es mich wissen, und ich werde es achten. Du probierst das aus, was dich schon einige Zeit beschäftigt, nämlich die Frage: ‘Wie ist es wohl, wenn er mich überall berührt?’ Das kannst du nur herausfinden, wenn du es erfährst. Du hast mein Ehrenwort, dass ich mich ganz auf deine Rückmeldungen einstelle. Sobald du mir sagst: ‘Das ist mir unangenehm, hier möchte ich nicht berührt werden’, nehme ich meine Hand dort weg. Aber erst dann, wenn du es probiert hast und es wirklich so empfindest. Nicht auf Grund einer Vorstellung, die du in deinem Kopf hast. Bist du bereit, dich darauf einzulassen?”

Carina schluckt. Dann fragt sie: “Müsste ich mich dazu nackt ausziehen?” Ramon ist einen Moment still. Es sieht aus, als würde er einer für Carina nicht hörbaren Stimme zuhören. Dann antwortet er: „“Ja, Carina, es wäre gut, wenn wir uns langsam erlauben, uns unsere Körper so zu zeigen, wie sie sind: offen und unverhüllt. Aber wir werden uns da langsam herantasten. Durch die Aufenthalte auf dem Parkdeck kennen wir uns ja schon in Badebekleidung, nicht wahr? Den BH hast du bei den Rückenmassagen auch schon abgelegt. Ich weiß, ich weiß, du hast immer dafür gesorgt, dass ich deine Brust nicht sehe, und ich habe das so respektiert. Wenn ich dich massiere, werde ich immer genauso viel ausziehen, wie du auch, damit du nicht das Gefühl von Ungleichgewicht hast. Du wirst nicht nackter und verletzlicher sein als ich. Vielleicht kannst du dich heute darauf einlassen, dass wir beide die Oberkörper ganz frei haben? Lass es uns versuchen. Wenn es nicht geht, auch in Ordnung, dann bekommst du deine Massage mit Bikini. Wir haben Zeit. Nichts soll  erzwungen werden.” Zögernd nickt Carina.

Ramon betrachtet sie einen Moment, nimmt wahr, wie aufgeregt sie ist und meint schließlich: “Weißt du was, komm doch gleich mit, wir wollen nicht bis nachher warten, das steigert deine Aufregung nur unnötig.”

Keine Antwort abwartend nimmt er sie bei der Hand und führt sie in sein Zimmer, das sie angenehm duftend und wohlig warm erwartet. Ramon zieht sich aus, und Carina tut es auch, bis auf Slip und BH. Sehr aufgeregt legt sie sich hin, voll Spannung im ganzen Körper. Ramon streicht ihren Rücken, massiert ihren Kopf, bis sie sich nach und nach etwas entspannen kann und wieder das Angenehme an den Berührungen empfindet. Schließlich ist sie auch bereit, ihren BH zu lösen. Arme und Beine, Rücken und Bauch, ihr ganzer Körper wird berührt. Dankbar nimmt sie wahr, dass er ihre intimsten Stellen unberührt lässt. Und so stellt sie fest, dass es keine unangenehmen, allzu peinlichen Berührungen gibt. Er kennt ihre Grenzen genau, schöpft sie aus, geht aber nicht darüber hinweg. Wieder einmal staunt Carina über seine Einfühlungsgabe. Wieder einmal macht sie die Erfahrung, ihm vertrauen zu können. Und wieder einmal löst sich eine große Angst in Erleichterung auf. Dankbar schaut sie ihn an, als sie wieder beide angezogen sind, auf der Couch sitzen und sich mit Plätzchen stärken. 

Morgen wird die Geschichte fortgesetzt und läuft voraussichtlich bis Weihnachten

Hier geht es zu allen bisher erschienenen Kapitel zu dieser Geschichte, die Joel Mari in der Advents- und Weihnachtszeit erzählt –> Eine utopische Heilungsreise (Märchen) 

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