Bei Joel – eine Herausforderung und Chance für Maris Vertrauen

Mari hatte sich durchgerungen, sich von Joel im Rahmen ihrer Vertrauensspiele die Hände fesseln zu lassen, aber in dem Moment, wo sie auf dem Rücken liegend die Hände nach hinten ausgestreckt hatte und er sich mit dem Seil näherte, bekam sie ein so heftiges Angstgefühl, dass sie sich schnell wieder aufsetzte.  „Entschuldige bitte – bitte entschuldige! Ich kann nicht!“ rief sie aufgeregt.

„Was würde dir helfen, Mari?“ fragte er ruhig.
„Ich habe solch eine Angst“, antwortete sie, „ich weiß auch nicht! Ich war ja schon froh, dass ich bis hierhin gekommen bin, aber als ich dann das Seil in deiner Hand sah, ist mein Körper einfach zusammengezuckt.“
Er hielt ihr seine linke Hand hin. „Das macht gar nichts, Mari.“ sagt er ganz sanft. „Leg dich einfach wieder hin, und gib mir deine Hände.“ Seine warme Stimme verfehlte ihre Wirkung nicht. Sie schaute ihn an, legte sich wieder hin, und reichte ihm ihre Hände.
Er ergriff sie mit einer Hand und drückt sie, um ihr Halt zu geben und ihr zu zeigen, dass er verstand, was in ihr vorging.
Dieser Händedruck fühlte sich tröstlich an und trug dazu bei, den angstvollen Druck, unter dem sie stand, ein wenig zu mildern. Als sie langsam ausatmete griff er ihre Hände fester und sie sah, das Seil in seiner anderen Hand. Wie im Zeitlupentempo lief diese ganze Situation in ihrer Wahrnehmung ab.
So, jetzt ist es soweit, ich will jetzt nicht noch mal zurück zucken, sagte sie sich mit aller Entschlossenheit, die sie aufbieten konnte.

In dem Moment führte er die Hände über ihren Kopf. Sie atmete ganz schnell und nahm ihre ganze Kraft zusammen, um nicht aufzugeben.
„Ganz ruhig, Mari“, hörte sie seine Stimme wie aus weiter Ferne, „das machst du gut!“
Ihre Hände lagen nun fast über ihrem Kopf, was ein so intensives Gefühl von Wehrlosigkeit auslöste, dass sie wie automatisch die Arme doch wieder zurück zu ziehen versuchte. 
Ihr Meister hielt leicht dagegen.
„Vertrau mir, Mari“, sagte er leise. 
Und wieder war es sein Zuspruch, der ihr half, den Widerstand aufzugeben ihm ihre Arme zu überlassen.
„Ja“, sagte sie, ich will dir ja auch vertrauen…“
„Sehr gut Mari“, bekräftigte er und versicherte ihr nochmals: „Ich werde dir nichts tun! Du kannst mir ganz sicher vertrauen.“ Und sie spürte nun auch seine rechte Hand an ihren Händen. 
Mehrmals atmete sie schnell ein und aus und konzentrierte sich darauf, ihre Hände hinten zu lassen, obwohl etwas in ihr es anders wollte.“
„Tief und langsam atmen, Mari, ganz ruhig, du machst das toll!“ 
Sie atmete etwas langsamer und tiefer und schloss die Augen.
„Sehr gut Mari,“ sagte er wieder und wickelt das Seil um ihr linkes Handgelenk. 
Sie begann, etwas zu zittern, ließ die Hände aber nach hinten gestreckt. Dann wickelte er das Seil auch um das rechte Handgelenk. Jetzt war das Gefühl, gefesselt zu sein deutlich spürbar.

Mari redete sich in Gedanken gut zu: Er hat gesagt, er macht keinen Knoten. Er hat gesagt, wenn ich Stopp sage, löst er das Seil…
Sie nahm wahr, wie Joel es  ein zweites Mal um die Handgelenke wickelte, und tatsächlich keinen Knoten machte. Durch das zweimalige Umwickeln fühlt es sich allerdings schon ziemlich deutlich fixiert an.

„Ganz ruhig weiter atmen, Mari“, sagte er und zog seine Hände weg. „Da ist kein Knoten, wie versprochen!“
Es gelang Mari jetzt jedoch nicht, ruhig zu atmen. Sie fragte sich, ob sie sich wirklich daraus lösen könnte, denn es fühlt sich gar nicht so an, obwohl kein Knoten da war. Heftig kämpfte sie mit ihrer Angst. Aber sie wollte nicht aufgeben und von ihrem „Stopp“ Gebrauch machen.
Joel, der ihre innere Anspannung wahrnahm erklärte ihr mit ruhiger Stimme: 
„Das Seil ist nicht verknotet, es soll sich nur so wie gefesselt anfühlen, aber Mari, du hast die ganze Zeit die Kontrolle, und auf dein Zeichen hin könnte ich dich in einer Sekunde befreien.“
„Würdest du das auch tun?“
„Aber sicher“, entgegnete er gelassen, „jederzeit!“
„Gut! Das hilft ein bisschen, danke, dass du das so deutlich sagst.“ antwortete sie noch immer angespannt sehr nervös.

Entspannt lag ihr Meister ganz dicht neben ihr. Eine Hand hatte er ihr auf den Bauch gelegt.
Ihre Aufmerksamkeit richtete sich auf diese Hand.. Sie lag ganz ruhig dort, direkt auf der Mitte ihres Bauches. Das löste ein beunruhigendes Gefühl in ihr aus.
Warum er wohl seine Hand dorthin legt? fragte sie sich. Hoffentlich lässt er sie dort liegen…
Nun begann er auch noch, ihr T-Shirt leicht nach oben zu schieben.
„Nein! Bitte nicht! Ich will das nicht!“ rief sie laut.

Sofort zog er das Shirt wieder herunter und nahm die Hand weg.
Erleicht holte sie wieder Luft, und ein bisschen unangenehm war es ihr, dass sie fast ausgeflippt wäre.“
„Alles gut, Mari, wenn du Stopp sagst, ist sofort Stopp! Das hast du richtig gemacht, Mari!“ bestätigte er ganz ruhig und deutlich.
„Was wolltest du denn mit mir machen? fragte sie noch immer sehr aufgeregt. Sie fühlte sich halb wie in einem Film gefangen.
„Ich wollte nur deinen nackten Bauch streicheln, mehr nicht. Ich dachte, etwas Berührung, während du gefesselt bist, könnte vielleicht angenehm sein.“
„Ich dachte, du wolltest das T-Shirt ausziehen, entschuldige bitte“, erklärte Mari.
„Nein, so weit wollte ich nicht gehen“, antwortete Joel.

Er lächelte sie an und streichelte ganz sanft ihr Gesicht, fuhr zart über ihre Wange und legte dann seine Hand sanft darauf und ließ sie dort liegen.
Das fühlte sich gut an. Jetzt konnte sich Mari etwas beruhigen und ein paar tiefe Atemzüge nehmen
„Ja, so ist es gut, tief atmen, Mari.“ bestätigte er sie.
Sie gab ihre Wange ganz bewusst in seine Hand hinein, und es fühlte sich an, als würde sie darin Halt und ein Stück… Geborgenheit finden. Sie konzentrierte sich ganz auf diese Empfindung und blendete den Rest ihres Körpers fast aus dabei. Ganz ruhig hielt Joel seine Hand wie beschützend an ihre heiße Wange. 

Und wieder sagte er wie in einer sanften Hypnose zu ihr: „Das machst du sehr gut Mari, alles ist gut.“
„Jetzt bin ich bereit dafür, dass du meinen Bauch streichelst, aber bitte wirklich nur den Bauch, sagte sie mit neuem Mut.“
„Das verspreche ich dir“, sagte er und legte seine Hand wieder auf den Bauch – erstmal noch auf dem T-Shirt. 
Sie spürte, wie ihre Anspannung unwillkürlich wieder stieg und sie die Luft anhielt.
„Ruhig weiter atmen“, sagte er. Dabei hob und senkte er die auf dem Bauch liegende Hand im Rhythmus ihres Atems und wurde dann ganz allmählich, fast unmerklich, nach und nach langsamer.
Maris Atmung passte sich seiner Hand an und wurde dadurch ruhiger und langsamer.
„Sehr gut Mari“, sagte er leise.
Als sie sich mehr und mehr entspannte, begann er, ihr das T-Shirt ein wenig nach oben zu schieben.
Dabei wurde ihr bewusst, wie viel Widerstand diese kleine Handlung auslöste. Aber sie entschied  jetzt bewusst, sich diesem an getriggerten Abwehr-Automatismus nicht unterwerfen zu wollen
Ganz behutsam schob ihr Meister, der ihren inneren Kampf wohl bemerkte, das Shirt nur ein klein wenig höher… bis über den Bauchnabel.
Sie hielt die Luft an, und als sie merkte, dass er es nicht weiter zog, atmete sie langsam wieder aus.

Sanft legte er seine Hand auf ihren nackten Bauch. Ihre gesamte Aufmerksamkeit war nun auf dieser Gegend gerichtet und sie beobachtete gebannt, was geschah, um gegebenenfalls schnell reagieren zu können.
Aber… bisher ist alles in Ordnung, stellte sie fest.
Seine Hand blieb ganz ruhig und sanft auf ihrem nackten Bauch liegen.
Und wieder sprach er ihr beruhigend zu: „Sehr gut Mari, tief atmen…“
Langsam entspannte sie sich wieder.
„Das hast du gut gemacht, Mari“, flüsterte er, nahm die Hand weg und zog ihr das T-Shirt wieder herunter.

Mari, die noch darauf gewartet hatte, dass er sie auf dem Bauch streicheln würde, war erleichtert, dass diese angespannte Situation sich nun auflöste.
In diesem Moment begann ihr Meister, das Seil zu lösen und es ganz zu entfernen. Als es weg war, legte er sich wieder neben sie und sagte er lächelnd: „Das hast du sehr, sehr gut gemacht Mari. Ich freue mich über dein Vertrauen, das dich so viel Kraft gekostet hat. Das Spiel ist vorbei.“

Erleichtert atmete sie tief auf, setzte sich hin, und würde Joel jetzt am liebsten umarmen.
Dieser lag noch und fragte: „Hey, bekomme ich jetzt eine Umarmung?“
Sie rutschte wieder ein bisschen tiefer und erwiderte: „So gerne, die hatte ich mir jetzt auch gewünscht!“
„Na dann…“ lachte er und breitete seine starken Arme aus.
Sie ließ sich hinein fallen in seine Arme, und er drückt sie fest an sich.

„Na das war doch sehr aufregend!“ begann er einen Austausch über das Erlebte.
Und wie das aufregend war“, bestätigte sie, und empfand es als sehr wohltuend,  jetzt von ihm so festgehalten zu werden, auch wenn sie beide auf dem Sofa lagen, was ihr bis vor kurzem noch ein wenig  unheimlich war.
„Ich bin ehrlich gesagt froh, dass es jetzt vorbei ist“, gab sie zu.
Joel hielt sie fest an sich gedrückt. „Du warst sehr mutig Mari. Wirklich, alle Achtung! Und dass du nun erstmal froh bist, dass es überstanden ist, das ist doch nur zu verständlich!“
„Na ja, mutig… findest du? Auch wenn ich zwischendurch wieder zusammengezuckt bin? Ich fand mich gar nicht mutig, ich musste manchmal richtig gegen meinen Körperangst-Automatismus kämpfen. Es war schon ziemlich herausfordernd und manchmal auch ein bisschen schlimm, z.B. als der Meister das T-Shirt begonnen hat hoch zu schieben.“
„Naja, es war ja schon auch eine sehr besondere Situation“, meinte Joel verständnisvoll, „so gefühlt hilflos zu sein… Da ist es schon auch ganz normal, dass man unsicher ist. Aber du hast dich darauf eingelassen, und du hast es zulassen können, dass er dein Shirt hochschieben konnte, etwas, das gerade dann, wenn man gefesselt ist, sich schon irgendwie gefährlich anfühlen kann.
Aber es war nicht gefährlich nicht wahr? Er hat genau das gemacht, was er angekündigt hatte. Er ist an keiner Stelle weiter gegangen, als er es dir zugesagt hatte, und er hat sofort gestoppt als du Nein! gesagt hast, richtig?“
Erleichtert antwortete Mari: „Danke, dass du mich so gut verstehst, Joel, und das nicht bagatellisierst. Es tut so gut, sich verstanden zu fühlen!“
„Ich verstehe dich. Er hat dich ganz bewusst gefordert in dieser Situation.“
„Ja, es stimmt, er hat sich an alles gehalten, nur dass er mein T-Shirt hoch geschoben hat, das war nicht ausgemacht, das hat mich einen Moment lang richtig in Panik versetzt, aber ich war froh, dass er auf mein Nein gleich reagiert hat.“
Nachdenklich antwortete Joel: „Nun, etwas musste er machen, damit du die Erfahrung machen konntest, dass dein „Nein“ sofort berücksichtigt wird. Und dazu musste er dir einen Anlass geben, damit du die Gelegenheit hattest, Nein zu sagen. Dabei hast du die Wehlosigkeit besonders deutlich gespürt und dass er es auch sofort berücksichtigt, wenn du etwas nicht willst. „
„Ach so, deshalb… Naja, und er hat ja auch nicht gesagt, dass er alles, was er tut, vorher ankündigen wird…“ fiel Mari ein, „aber ich habe mich in dem Moment wirklich sehr hilflos gefühlt!“
„Ja, die Wehrlosigkeit zeigt sich ja erst wirklich, wenn etwas passieren könnte. Also musste er zumindest etwas andeuten, wenn auch etwas eher Harmloses, welches durch die Situation aber deutlich ernster wirkte.“
„Stimmt“, bestätigte Mari, „in dieser Situation fühlt man sich gleich doppelt und dreifach verletzlich! Na ja es war ja auch nicht ausgemacht, das alles vorher angekündigt werden würde, aber das hochschieben des Tops hat in mir Alarmglocken schrillen lassen!“
„Du solltest die Wehrlosigkeit spüren – allerdings kombiniert mit dem Wissen und der Erfahrung, dass dir nichts passieren wird.“
„Dieses Wissen ist in solchen Momenten, wenn plötzlich so eine Angst losgeht, wie nicht mehr verfügbar“, erklärte Mari.
„Ja“, bestätigte Joel, „das sollte ja auch einen inneren Alarm auslösen. Du solltest für dich prüfen, wie sehr du ihm vertrauen kannst.“
„Und jetzt bin ich wohl durchgefallen? Weil ich gleich stopp gesagt habe…“

„Aber nein, du hast ihm ja sogar eine zweite Chance eingeräumt, dass er etwas nackte Haut auf deinem Bauch berühren konnte. Das war sehr mutig! Das wichtigste ist, dass du die Erfahrung gemacht hast, dass dir nichts Schlimmes passiert, selbst wenn du gefesselt bist.“
„Ja, das stimmt, ich habe es bewusst geschehen lassen, und in allem, was war, konnte ich die Erfahrung machen, dass er sich an die Absprachen hält. Er hat dann sogar die Situation mit der Hand auf dem Bauch nur sehr kurz gehalten, da war ich froh!“

„Ja“, lächelte Joel, „du sollst ja Vertrauen gewinnen, daher wollte er dich schon auch ziemlich herausfordern , aber dir gleichzeitig eben auch zeigen, dass er stets deine Gefühle berücksichtigt und dass dir nichts Schlimmes geschieht.“
„Das war schon eine ziemlich intensive Lektion!“
„Ja, und du hast sie gut gemeistert“, sagte er und drückte sie noch einmal fest an sich.

„Danke, Joel, dass ich mit dir darüber noch sprechen kann – jetzt hinterher – das hilft mir, das alles noch besser zu verarbeiten und einzuordnen… Hmm… Wollen wir jetzt unsere Sekt austrinken? Jetzt kann ich ihn, glaube ich, besser genießen als vorhin…“

„Ja gern“, sagte er, holte die Gläser und sie stießen noch einmal gemeinsam an.
„Auf diese ganz besondere Erfahrung“, sagt Mari.
„Auf deinen Mut!“ lächelte Joel.

Geschrieben von Rafael und Miriam

Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s