Bei Mari: Druck erzeugende Erinnerungen

Mari erwachte mit einem schmerzhaften Pochen im Kopf und spürte zum ersten Mal eine starke Unlust zu spielen. Am liebsten wäre sie gar nicht erst zu dem verabredeten „Meister-Spiel“ mit Joel erschienen – so groß war ihr Widerstand…
Er hatte ihr am Tag davor eine Nachricht geschickt, dass sie lockere, leichte Kleidung tragen solle, weil er ein paar Übungen mit ihr machen wollte. Das klang nach Sport!
Übungen... dachte Mari, schon allein das Wort löste einen enormen Widerstand in ihr aus, erinnerte sie an ihren Sport-Unterricht in der Schule, der für sie mehr als belastend war.
Sollte / konnte sie ihm sagen, dass sie keine „Übungen“ machen wollte? Dass sie sich diese damit für sie verbundene Demütigung ersparen wollte? Dass die Ampel bereits rot war, bevor sie überhaupt begonnen hatten? Wie konnte sie damit umgehen?

Sie dachte zurück an die vielen demütigenden Erfahrungen im Schulsport. Sie war die jüngste in ihrer Klasse, hatte die kürzesten Bein, hatte Angst vor vielen Geräten – und damit schlechte Karten für die Anforderungen im Sport-Unterricht. Ihre Sportlehrerin stellte sie bei vielen Gelegenheiten vor allen Kindern bloß und brüllte sie durch die ganze Halle an, wenn sie dran war: „Jetzt reiß doch endlich mal deine Hammelbeine auseinander und stell dich nicht so an!“
Wenn Mannschaften gewählt wurden, blieb sie immer übrig und war dann erst erlöst, wenn eine der Mannschaftsführerinnen sich ihrer erbarmt hatte. Meistens hieß es: „Wenn ihr die nehmt, bekommt ihr noch die … (eine gute Sportlerin) dazu, die gleicht das wieder aus, was Mari verbockt.“

Nein, dachte Mari, das halte ich nicht aus, mit diesen Gefühlen durch sportliche „Übungen“ mit Joel – egal ob in seiner Meisterrolle oder als er selbst – konfrontiert zu werden. .

Ihr Kopfschmerz wurde heftiger und sie spürte, dass eine Migräne am Anrollen war. Wenn ich jetzt nicht mein Migränemittel nehme, mich hinlege und die Vorhänge zuziehe, dann geht sowieso gar nichts mehr heute nachmittag, dachte sie und legte sich mit einem kühlen Lappen auf der Stirn auf die Couch. Nach einem Weilchen legte sich der Druck soweit, dass sie einschlafen konnte.

Sie schlief bis 16 Uhr, was genau der Zeitpunkt war, an dem sie bei Joel hätte vor der Tür stehen sollen. Mist! Sie griff zum Smartphone. Akku leer! Wo war nur das Ladekabel… Sie ließ Licht ins Zimmer…Autsch – das biss in die Augen, und der Kopf zog sich wieder schmerzhaft zusammen. So richtig gut wirkt das Mittel heute nicht, stellte Mari fest. Der Stress, dass sie ihren Termin mit Joel verschlafen hatte, ohne ihn wenigstens rechtzeitig absagen zu können, tat ein übriges und verstärkte den Druck. Endlich hatte sie das Ladekabel gefunden und konnte anrufen, 15 Min, nach der verabredeten Zeit. Aufgeregt entschuldigte sie sich bei ihm, erzählte ihm von ihrer Migräne und fragte sich, wie sauer er nun sein würde…

„Mari, mach dir nichts draus, sowas kann passieren. Bleib einfach gemütlich auf dem Sofa liegen… Und… wenn du magst, komme ich jetzt zu dir und wir schauen mal, ob ich für deinen Kopf etwas tun kann, was hältst du davon?“

Einen Moment zögerte Mari, sie hatte sich den ganzen Kopf mit Pfefferminzöl eingerieben, durch den nassen Lappen auf der Stirn sah ihr Pony ganz verwuschelt aus und zum Duschen oder auch nur Haare-waschen fehlte ihr die Kraft… Dennoch war das Angebot so liebevoll rübergebracht, dass sie es gern annehmen würde…

„Joel, ich bin gerade ziemlich zerknittert… und so sehe ich auch aus“, antwortete sie etwas zögerlich.

„Ich käme auch gern zu dir, wenn du zerknittert bist,“ antwortete Joel, „aber nur, wenn du das möchtest. Vielleicht können meine Zauberhände den Druck in deinem heißen Köpfchen ja ein wenig lindern…?“

„Da sage ich nicht nein“, antwortete Mari, und eine halbe Stunde später war er auch schon bei ihr.

„Leg dich einfach wieder hin“, empfahl er, setzte sich hinter sie und begann sanft und angenehm, ihren Kopf, ihren Nacken und auch ihr Gesicht zu massieren. Das war so wohltuend und entspannend, dass sie dabei in einen Halbschlaf sank. Er wartete lächelnd bis sie nach einigen Minuten die Augen wieder öffnete und erfreut feststellte, dass es ihrem Kopf nun viel besser ging.

„Das freut mich, Mari!“ Dann kannst du ja jetzt mit deinem Meister darüber reden, was in dir einen solchen Druck erzeugt hat, dass dein Körper mit Migräne reagiert hat.“ Galant reichte er ihr die Hand, während sie sich aufrichtete, um von der liegenden in eine sitzende Position zu gelangen, und flüsterte: „Das Spiel beginnt!“

Zum nächsten Kapitel: –> 30. Ein altes Schmerzpaket öffnet sich

 Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge

2 Kommentare zu „29. Migräne…

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