Bei einem Spaziergang am Sonntag nach dem ersten Treffen

„Warum soll ich eigentlich die Wohnung nicht aufräumen und putzen bevor wir uns bei mir treffen?“ fragte Mari, als beide sich spontan zu einem kleinen Spaziergang am Sonntag nach dem ersten Spiel verabredet hatten und mal wieder gemeinsam auf der Parkbank saßen.

„Das beschäftigt dich also immer noch…“ schmunzelte Joel, der ihr zum Spielpartner geworden war und in dem für sie kniffligen Thema „Angst vor der Nähe mit Männern“ für sie eine Meisterrolle verkörperte. Im Gegenzug gab sie ihm Englisch-Unterricht.

„Okay, von mir bekommst du jetzt die Antwort darauf, nachdem ich sie dir gestern als dein Meister verschwiegen habe. Das tat ich übrigens nicht, weil ich nicht will, dass du den Grund verstehst, sondern weil es im Spiel nicht zu deiner Rolle passt, den Meister nach Gründen seiner Anordnungen zu fragen.“

„Ja , das habe ich inzwischen kapiert,“ entgegnete Mari.

„Es geht mir darum, dass du nichts vor mir verbergen musst. Ich will dich und deine Wohnung sehen so wie du bist, so wie du lebst – genau so wie es ist, wenn ich nicht bei dir zu Besuch bin und du dich ganz unbefangen zuhause aufhältst.
Diese Natürlichkeit darf mit der Zeit wachsen und damit die Sicherheit, dass du dich niemals schämen musst, auch dann nicht, wenn etwas unperfekt, unordentlich, oder sonst wie ist, wie du glaubst, es sei nicht komplett in Ordnung.
Ich möchte, dass die Nervosität, das Überlegen, was du tun müsstest, damit ich zufrieden mit dir bin, immer mehr verfliegt, dass deine alte eingebrannte Angst, stets etwas falsch machen zu können, langsam zur Ruhe kommt.

Denn weißt du Mari… ich, der Joel, und ich als dein Meister, wir mögen dich beide sehr – nicht wegen bestimmter Eigenschaften, sondern einfach weil du du bist! Ich mag die Seite an dir, die klug, stark und freundlich ist, z.B. wenn du in der Rolle der Englisch-Lehrerin bist und mir die Scheu vor dieser Sprache nimmst, und genauso mag ich die Seite an dir, die nervös, ängstlich und angespannt ist, wenn sie in Gegenwart ihres Meisters in der Schüler-Rolle ist.
Und ich mag die Mari, die jenseits aller Rollen mit mir zusammen sitzt, und ihren ganzen Mut auffährt, um mir so offen von sich zu erzählen. Du bist in all deiner Zartheit so stark, Mari!
Ich achte dich sehr – in all deinen Facetten und Farbtönen – wenn du errötest, wenn du blass wirst, wenn du entspannt und locker aussiehst, in bunter Kleidung oder in Jogginghose und weitem Schlabber-T-Shirt – in allem… und sicher auch nackt!“

„Ui,.. kein leichtes Thema!“ Mari blickte verlegen auf die Wiese vor der Bank.

„Ich weiß, antwortete Joel, schau, wir haben Zeit… so viel Zeit wie du brauchst, Mari.“

„Ich fühle mich oft so unsicher dir gegenüber,“ bekannte sie verlegen.

„Und allein diese Offenheit, mir das zu erzählen,“ zeigt deine innere Stärke, die hinter den anderen Gefühlen steht, die dich zum Teil so belasten,“ antwortete Joel darauf mit warmer Stimme.

„Du hattest mir vor drei Wochen von deiner Idee erzählt, verschiedene Rollen füreinander einzunehmen, jetzt sind wir schon dabei, die zu verwirklichen – und das finde ich einen spannenden, interessanten Weg! Ich schätze deine Kreativität und deinen Mut sehr, diesen Stein ins Rollen gebracht zu haben. Mal sehen, wo er mit uns hin rollt…
Es bereitet mir jedenfalls ein wunderbares Gefühl, für dich diese machtvolle Rolle verkörpern zu dürfen, denn in dieser Weise habe ich mich noch nie in meiner Macht und gleichzeitig in der Liebe gefühlt.
Nur weil du mir in diesen Spielen die Macht gibst, Mari, kann ich sie so deutlich verkörpern und dadurch selbst fühlen. Damit machst du mir ein großes Geschenk. Ich glaube, du weißt gar nicht, wie viel du mir damit auch gibst. Und ich will mit dieser kostbaren Gabe sehr achtsam umgehen, Mari, das verspreche ich dir!“

Ganz behutsam nahm er ihre Hand in seine, drückte sie kurz und bekräftigte das eben Gesagte mit diesem Händedruck.

Und Mari erwiderte den Händedruck.

„Joel…“

„Ja?“

„Ich mag dich auch.“

–> zu Kapitel 8. Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne

Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge (leider umgekehrt, also das aktuellste ist vorn – um es von Anfang an zu lesen, bitte ganz zurück scrollen)Zu allen Kapiteln der –> Geschichte von Mari und ihrem Meister in chronologischer Reihenfolge

 

Ein Kommentar zu „7. Machtabgabe – ein kostbares Geschenk

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